schmecken,
verb. AA.
mhd. smecken,
prät. smeckete, smecte, smacte, smahte
mhd. wb. 2, 2, 418
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1003,
ahd. smecchen (
für smakkjan) Graff 6, 824.
das wort ist abgeleitet von smac, smackes
und trägt wie dieses schon im späteren ahd. die doppelte beziehung auf den geruch und den geschmack, vgl. oben schmack und schmacken.
lit. lett. und polnische ableitungen dieser deutschen sippe s. bei Schade
2 2, 829
a.
dem ahd. smecchen
entspricht altfries. smekka Richthofen 1038
a,
ags. smæccan,
gustare, degustare, mnd. smecken Schiller-Lübben 4, 259
b,
vgl. brem. wb. 4, 857. Dähnert 433
b;
daneben im nd. seit alter zeit smaken,
ebenso nld. (
vgl. mhd. gesmache,
geschmack);
lehnwörter sind dän. smage,
schwed. smaka,
ebenso wie isl. smakka,
schmecken (
s.schmacken)
und smekkr,
geschmack. die etymologie dieser westgermanischen wortsippe ist dunkel. das unumgelautete präteritum schmackte, geschmackt
hält sich bis in das nhd. hinein, wird aber dann in entwickelter sprache aufgegeben. noch Steinbach
verzeichnet geschmackt (
erhalten in abgeschmackt)
neben geschmeckt, ich schmackte
neben ich schmeckte 2, 457. Schottel 575
hält schmekkete
für gebräuchlicher und richtiger als schmakkte.
ob diese unumgelauteten formen zu schmecken
oder schmacken (
s. diese)
gehören, ist nicht überall zu entscheiden: sunst möchtest du leicht gsellen finden, so bey dir deinen seckel schmackten. Wickram
irr reit. bilger 26
b; so jr anders geschmackt habt, das der herr freundlich ist. 1
Petr. 2, 3; so hetten sie doch nicht einen buchstaben oder tittel davon geschmackt. Luther 6, 310
a; do das die erbar leüt sahen und schmackten. Wickram
rollwagenb. 53, 1; er schmackte mir auch so wol.
Simpl. 3, 366, 16
Kurz; die gänse schmackten mir ümb pfingsten vor einen halben thaler am besten. Weise
erzn. 44
neudr.; fränk. hennebergisch schmockt,
prät., geschmockt,
part. prät. zu schmecke,
inf. präs. Frommanns
zeitschrift 5, 270, 28.
zur schreibung ist zu bemerken, dasz neben schmecken
in älterem nhd. auch schmäcken
und schmöcken
vorkommt: schmäcken, einen geschmack haben. Hulsius
diction. (1616) 285
a. Corvinus
fons latin. (1660)
hat schmäcken
und schmecken,
macht aber die natürlich völlig willkürliche unterscheidung, dasz schmäcken
mit sapere, schmecken
mit gustare gleichbedeutend sein soll. ebenso hat schmäcken
und schmecken Schottel 1403. 1404. Steinbach 2, 457. 458; Frisch 2, 204
a erkennt schmecken
als die übliche schreibung an, hält aber schmäcken
für gleich gut, wogegen Adelung
die schreibung schmäcken
verwirft. mit verdunklung des stammvocals schmöcken,
so bei Maaler 358
b,
vgl. Schm. 2, 543. Schöpf 629. Hunziker 226 (
in der bedeutung riechen). Kaindl
die teutsche sprache aus ihren wurz. 4, 127
unterscheidet zwischen schmäcken,
gustare und schmöcken,
olfacere; (
ein hund,) der die abentheür schmöcken kond.
Wilhelm von Österreich 54
a; es seye ein hund unnd schmöcke jm nach den würsten. Wickram
rollwagenb. 175, 21
Kurz; kein thier schmöckt den menschen ee. Geszner
vogelb. 55
b. BB.
bedeutung. das verbum bezieht sich in älterer sprache sowol auf die geruchs- als die geschmacksempfindungen. die entwickelte nhd. schriftsprache hat die erste der beiden gebrauchsweisen aufgegeben, dagegen ist diese bewahrt in den oberdeutschen mundarten, zum theil sogar unter ausschlieszung der zweiten. Schottel 1403. 1404
verzeichnet nur die bedeutungen sapere und gustare, ebenso Stieler 1870,
der aber hinzufügt: Norimbergenses confundunt schmecken
et riechen,
estque illis schmecken
etiam olere, redolere, fragrare, et odorari, olfacere. Steinbach 2, 457
bezeichnet schmecken,
riechen als landschaftlich, Frisch 2, 204
a als besonders für das alemannische charakteristisch und erwähnt den scherz, dasz man in solchen gegenden nur vier sinne habe, ein vorwurf, den Höfer 3, 100
ernsthaft abwehrt. bemerkenswert ist, dasz im bibelglossar des A. Petri
aus Basel (1523)
Luthers schmecken
mit versuchen
glossiert wird (
vgl. auch Megenberg
unter I, 1,
a); Maaler 358
b kennt für schmöcken
nur die bedeutungen olere und odorari; vgl. Zarncke
zum narrensch. 6, 16. Stalder 2, 335. Hunziker 226. Tobler 392
b. Bühler
Davos 1, 124. Schmid 470;
die schriftdeutsche bedeutung des wortes dringt nur hier und da ein Seiler 257
b.
in eigenthümlicher doppelbedeutung bei Tobler 392
b:
nach fäulnisz riechen oder darnach schmecken. in den bair.-österr. gegenden sind beide bedeutungen des wortes, sapere, gustare sowie olere, odorari im gebrauche, vgl. Schm. 2, 543. Schöpf 629. Höfer 3, 99. Lexer 221. Castelli 245. Hügel 140
b. Frommanns
zeitschrift 6, 174,
leicht, und zwar besonders in der beziehung auf fleisch, in der bedeutung von übel, faulig riechen. diese verschlimmerte bedeutung findet sich auch in mitteld. gegenden, vgl. Reinwald 1, 143. Schmidt 196. Spiesz 219. Kehrein 356. B@II. schmecken
im sinne von riechen (
vgl. J. Grimm
kl. schr. 7, 200):
fragrare, smecken Dief. 245
c,
odorare, schmecken 393
b,
olere, smecken 394
c,
olfacere, schmecken
cum naribus 395
a,
olere, smechken
nov. gloss. 270
b.
in zusammensetzung anschmecken, erschmecken, verschmecken,
vgl. Schm. 2, 543. Stalder 2, 335. Hunziker 226. Schmid 471. B@I@11)
riechen, durch geruch wahrnehmen. B@I@1@aa)
zur bezeichnung der geruchsthätigkeit, des geruchsvermögens: die fünf auʒwendigen sinn, die dâ haiʒend gesicht, gehœrd, smeckende kraft, versuochende kraft und gerüerd. Megenberg 5, 2; das ich gesundt han mit den fünf sinnen: mit hören, mit sehen, mit greiffen, mit versuchen, mit schmeckhen.
quelle bei Schm. 2, 543; die nas ist ein schmeckend kraft der sele. Dryander
arznei (1542) 13
b; item sie haben kein naszlöcher oder instrument zu schmecken. Forer
fischb. 93
b; die nasen schmecken, die zungen versuchen, die finger greifen. Paracelsus (1590) 9, 97; mein sehen, hören süntlich prauch, mein kosten, smecken lustlich slauch. O. v. Wolkenstein 105, 5, 2; alter wüest das clar gesicht und das gehör, als man gicht. das alter wüestet chosten und smecken. Vintler
blum. d. tugent 7134; oder hastu vieleicht den pfnissel? so mus man dich so leren schmecken, ein feder durch die nasen stecken. Fischart 1, 128, 207
Kurz; das schmöcken oder geschmackt, die empfindtligkeit desz schmöckens. Maaler 358 B@I@1@bb) etwas schmecken,
durch geruch wahrnehmen: hic locus despectus, si non vis credere smeckduʒ. Schm. 2, 543; mich düncket ich schmecke den baum im feuwer liegen.
buch der liebe 296
a; der herr hat geschmeckt den lieblichen geruch. Reiszner
Jerus. 1, 39
a; ich schmeck selb mein ublen gestanck. H. Sachs 3 (1561), 1, 168
b; hat händschen an, die man wohl kann eine halbe meil weit schmecken.
wunderhorn 1, 526
Boxberger; du soltest billich nichts als edles rauchwerk schmecken. Hofmannswaldau
heldenbr. 58. feuer, rauch, brand
u. ähnl. schmecken: da hat der eissenmaister den brandt geschmeckt.
d. städtechr. 23, 191, 7
anm.; i mein gar, mein jackerl brennt .. i schmeck schon a rauch.
wunderhorn 2, 237
Boxberger; anders gewendet: da merkt die königin, dasz da nicht wär gut bleiben, kein feuer mocht sie schmeckn (
der gefahr mochte sie sich nicht aussetzen). Opel - Cohn 82, 54; L. Sandrub
delit. hist. et poet. (
s. 44
des neudrucks)
erzählt von einem, der bei der predigt stecken blieb und sich durch den ruf rettete: o ich schmeck fewr, es brinnt, es brinnt,
worauf alles zur kirche hinaus lief. in erinnerung hieran bezeugt Schmid 470
aus Würtemberg: schmecken,
in einer öffentlichen rede aus dem concepte kommen. von thieren, etwas wittern: man spricht, daʒ der hirʒ verr smeck den rauch ainer gepranten pfâwenfedern. Megenberg 129, 24; die geir smeckent daʒ âs über mer. 229, 8; wann ein rosz ein hengst ein stut ein merhen schmeckt. Keisersberg
evang. (1517) 88
a; o die wölf schmecken licham wol. Schade
sat. u. pasqu. 3, 19, 1; so schmeckt er, dasz do ein wolf tödet ist. 13, 9; ein halbgewachsner beer, der schmeckt Fortunatum auf dem baum.
Fortun. D 1
a; dâ hâte er gebrâten æle, die smacte Îsengrî
n. Reinhart 647; daʒ er in (
der geier den aasgeruch) harte verre smecket. L. v. Regensburg
tochter Syon 2315; swenn es den wolf von verren smect. Ottokar
reimchron. 14785; er sach die spîse und smakt si wol. Boner
edelstein 37, 35. B@I@1@cc)
in verbindung mit präpositionen, an etwas schmecken (
wie an etwas riechen):
schweiz. an öpisem schmöke. Hunziker 226; als ir smecket nu daran.
pass. 632, 51
Köpke; sie (
Venus) liesz dich nit schmecken and kerben. Gengenbach
gouchm. 1016. schmecken um etwas,
umschnüffeln: da gieng der ber umb in schmecken. Pauli
schimpf u. ernst 255
Österley; zu etwas schmecken: sô habt man eʒ für die nasen und smeckt dar zuo. Megenberg 89, 25; der die selben wurzel vil nützt und vil dar zuo smeckt. 407, 24; der ber lieff umb in, und schmackt zuo den oren, zuo dem mund, zuo der naszen ob er kein leben spurte. Keisersberg
narrensch. 38
b; er schmeckt zum huet, spricht. H. Sachs
fastn. sp. 7, 6
neudr.; er schmeckt darzu (
riecht an den handschuhen) unnd sagt. Ayrer 510, 1
Keller; seh, liebes weyb, thu darzu schmecken. H. Sachs
fastn. sp. 4, 132, 221
neudruck; mit vor: da muste je einer den andern vorm hintern schmecken.
Simpl. 1, 426, 26
Kurz. über die wendungen im haus, in die stadt, aus der stadt schmecken
s. unter e. B@I@1@dd)
übertragen im sinne von merken, spüren; überleitend: thu herfür, was hast du zuessen, weil wir mit hunger sindt besessen, wir schmecken etwas in deim hausz. H. Sachs 3 (1561), 1, 228
b; neun Schwaben gingen über land zu einer dornenhecken; allda der Jockel stille stand, thät abenteuer schmecken.
wunderhorn 2, 301
Boxberger (
vgl. die unter A angeführte stelle aus Wilhelm von Österreich). einen brunnen schmecken,
durch besondere spürgabe einen brunnenquell ausfindig machen, daher brunnen-, wasserschmecker Tobler 392
b,
s. oben th. 2,
sp. 436.
ähnlicher weise nennt Fischart
die wetterpropheten wetterschmecker: benagens wol jr wetterschmecker.
groszm. 31
neudruck; Uhland
bezeichnete die verschwörungsucher, die nach den freiheitskriegen ihr wesen trieben, als bundschmecker (
ged. 140,
ausg. von 1864).
freier: schmöckts der vater nit? wil jn nit etwas beduncken? zweyfflet jm nichts daran,
numquid patri subolet Maaler 358
c; davon ist ain gemain sprichwort aufkomen: du kanst es nit schmecken (
nicht merken), oder man schmeckt's nit. Aventin
chron. 2, 90, 10; i kann's ned schmek'n, dasz a bier woll'
n. Hügel 140
b; an wemb laut das schreiben? man kans nit schmöckhen.
quelle bei Schm. 2, 543; da nun meine kostfrau schmeckte, wo die sach hinaus wolte.
Simpl. 3, 13, 23
Kurz; psorgten, der pfarer künt sie schmecken (
die ehebrecherischen bauern). H. Sachs
fabeln u. schwänke 1, 232
neudr.; sie ist ein kuplerin, ich schmecks.
ged. 3 (1561), 3, 13
b; die narren wolltens gar nicht schmecken, dasz es sei beid um sie zu thun. Opel - Cohn 105, 28; so wenig krafft der Alexander schmeckt, wenn ihm ein sack voll mohn der feinde meng entdeckt. Günther 383; der schmöckt mein gold, es zweyfflet jm ich habe gold,
olet huic aurum Maaler 358
c; den entpfehet der wirdt auff das aller freundtlichest, wie sie zuthuon pflegen, wann und wie sie gelt schmecken. Lindener
schwankb. 111
Lichtenstein; sunst möchtest du leicht gsellen finden, so bey dir deinen seckel schmackten. Wickram
irr reit. bilger 26
b. B@I@1@ee)
besondere wendungen, redensarten: nicht schmecken können,
nicht ausstehen, leiden, ertragen können (
ebenso nicht riechen können).
im eigentlichen sinne: denn sie mögen disen rauch nit schmecken. Fischart
kräuterbuch (1576) 10;
freier: warum soll ich ihr (
Luisen) einen mann, den sie nicht schmeken kann, aus purem klaren eigensinn an den hals werfen? Schiller
kab. u. liebe 1, 2,
vgl. Tobler 392
b. Hunziker 226. Hügel 140
b.
vielgebraucht ist die wendung den braten schmecken,
zunächst vom schmarotzer gebraucht, der einen guten bissen sofort wittert (
s. unten die stelle aus Franck),
dann aber verblaszt, etwas geheimes spüren, merken: subolere, in proverbium cessit, uti et apud nos den pratten schmecken. Aventinus
werke 1, 420, 23; ich schmecke den braten,
hoc mihi subolet Steinbach 2, 457;
s. die belege oben unter braten
th. 2,
sp. 309
und vergl. Schöpf 629. Frommanns
zeitschr. 6, 121, 81.
anders gewendet do schmeck de brota,
da hast du die saubere geschichte Tobler 392
b.
zur kennzeichnung eines schmarotzers: die ein guots biszlin uber drei gassen schmecken, und sich selbs zuoschlagen und laden, die nennt man sonst schmeckenbrätlin, tischvettern. Franck
sprichw. 2, 98
a; da schmeckt er gute bissen. Weise
kl. leute 364.
von besonders schlauen: dasz ein solcher als dann kan hören das grasz wachsen; einen bawren treckat durch drey zäune riechen, oder nach schwäbischer dialeck und art zureden schmecken kan.
eselkönig 327;
von soldaten, die der schlacht gewohnt sind: rechtschaffenen soldaten, die das pulver schmecken können.
Simpl. 1, 392, 16
Kurz; die oberdeutschen mundarten besitzen charakteristische, mit schmecken
gebildete redensarten: einem eins zu schmecken geben,
einem mit spitzen worten dienen, einem etwas vorhalten, unter die nase reiben Stalder 2, 335. Tobler 392
b. Hunziker 226; do chaner schmecka,
das, was ihm gesagt ist, kann er nun verarbeiten und bedenken Tobler
a. a. o.; do chanst schmöke,
da kannst du was merken Hunziker
a. a. o.; zur abweisung eines fragenden, dem man nicht antworten will: schmecks,
ich mag dir keine antwort geben, bin dir keine schuldig Schmeller 2, 543; schmecks,
da hast du es Tobler
a. a. o., vergl. Schöpf 629. Stalder
a. a. o. Hügel 140
b.
verstärkt: schmecks, kropfeter Schmeller 2, 543; schmeks, kropfete, hast a ruebnsupp Schöpf 629,
vgl. Castelli 245. Hügel 140
b; schmeckst eppes,
merkst du was, geht dir ein licht auf?; schmeckst e par öchsl'n,
möchtest du mich belisten, es wird dir nicht gelingen Schmeller
a. a. o.,
vgl. noch Bühler
Davos 124. Wander 4, 261, 111—116.
einige wendungen sind ferner zu beachten, in denen schmecken
mit localen bestimmungen verbunden wird: schmecken an einen ort,
ihn kaum erst betreten haben Frommanns
zeitschrift 5, 133, 9 (
Fichtelgebirge);
es soll ein ganz flüchtiges, unzureichendes nahekommen bezeichnet werden, vgl. Schm.
a. a. o. Hügel 140
b: gehe baldt unnd bringe den mantel herwider, du solt nit schmecken in das hausz ohn den mantel. A. v. Eyb
menaechm. (1550) 101
a; (
es) darf ainer all winkel ausziehen sicher on alles gelait, da ainer vor zeiten nit hin schmecker. oder gedenken het dörfen. Aventinus
chron. 1, 621, 16; die es vor capital hält, wann jemanden (
sic!) wider ihren willen solte ins hausz schmecken. Schuppius 531; eh so ein vertrakter tausend sa sa in meine stube geschmekt hat. Schiller
kab. u. liebe 1, 1;
von einem ort her schmecken,
ihn zu verlassen wagen, sich hervor wagen, in negativen wendungen: dorft für die stat nit herausz schmecken. Aventinus
chr. 1, 296, 6; dorft der unsern kainer weder bei tag noch bei nacht herfür schmeken. 942, 22; mein dienst ist, samb in einer klausz ich dörfft nit schmecken ausz dem hausz. H. Sachs 1 (1558), 510
b. B@I@1@ff)
landschaftlich, schmecken,
tabak schnupfen cimbr. wb. 233
a. B@I@22)
einen geruch von sich geben. B@I@2@aa)
in neutraler anwendung: schmöcken, riechen, einen geschmack haben. Maaler 358
b; die rosz schmöckt von weytn usz,
rosa recens a longinquo olet. ebenda; riechen, schmecken ein wenig,
subolere Aventin.
werke 1, 420, 25; so glimpt es (
zündschwamm) bisz zum feuwerwerck, und schmeckt nicht uberal (
ohne besonderen geruch von sich zu geben). Fronsperger
kriegsb. 2, 203
a;
alleinstehend: auch was balsams natur wil han, hebt zeitlichen zuoschmecken
an. Kirchhof
wendunm. 1, 33
Österley; mit localer bestimmung: jedem thoren reucht sein wust, wie die beste pomerantze; aber, Franckreich, dein geruch schmeckt auch durch die deutsche grantze. Logau 1, 212, 84;
mit dativ: sidt das jm smeckt des schmäres rouch. Brant
narrensch. 52, 23. schön, wol, besser, nicht gut, übel, schlecht schmecken: wol schmöcken, einen guoten geruch unnd geschmack gäben. Maaler 358
b; ubel schmöcken, stincken
ebenda; schmecken sie einmal, ob die blume gut schmecket. da schmeckt's nicht gut. Klein
prov.-wb. 2, 127; daʒ im der âtem übele smecket. B. v. Regensburg 1, 510, 6; niht sô schœn smeckend sam der popeln pleter saf. Megenberg 315, 6; in gärten oder durch stet, die wol smeckent. 53, 29; und behielten das (
todte) kind und legten gewürz dar zu, das es desto bas schmackt.
heiligenleben (1472) 24
b; du solt auch merken den schmack des harns ob er stink oder übel schmecke. Ortolf v. Beierl. (1477) 8
a; dann solich kott ser ubel schmeckt. Tucher
baumeisterb. 115, 11; die studenten zünden rosmarin an, gibt ein mechtigen flammen und schmeckt wol.
F. Platter 193
Boos; das gsang das inn den gsellen steckt (
die die mette mit den langen noten singen): gar ubel inn der stuben schmeckt. Fischart
Garg. 98
a; der felder glantz, die blumen, hangen ihr wolschmeckendes haupt, und verwelcken. Opitz 2, 296; ob ir leip noch smek schône.
ges. abent. 2, 633, 534; smekket ir der mund wol? 542; an ein wolschmeckend rosen hag. H. Sachs 1 (1590), 276
c; kehr die stuben und strew ein grasz, das es hinnen schmeck dester basz.
fastn. sp. 5, 17, 54
neudruck; mit anderen adverb. verbunden, lieblich schmecken: die blumen schmecken hier so lieblich. Höfer 3, 99; (
der baum) blühet aus an alle ort, lieblichen thut er schmecken.
bergreihen 25
neudruck; davon das ganze kirchel schier überaus lieblich schmecket.
wunderhorn 1, 396
Boxberger; und dieser sommergast, die mauerschwalbe, die gern der kirchen heilges dach bewohnt, beweist durch ihre liebe zu dem ort, dasz hier des himmels athem lieblich schmeckt (
that the heavens breath smells wooingly here). Schiller
Macb. 1, 12. sô ist eʒ gar edel smeckend. Megenberg 89, 10; das schmecket ser unsauber. Tucher
baumeisterb. 236, 16; man schreibt, das die katzen von dem starcken geruch der salben, oder anderem starckschmeckendem ding rasend und wütig werden. Fischart
ehez. (1597) E 4
a;
nähere bezeichnung der art des geruches: er schmöckt nach myrrhen, es schmöckt nach päch. Maaler 358
b; no öpisem schmöke,
nach etwas riechen Hunziker 226; wann jhr mann nach bisam, oder sonst fremden salben und wasseren starck schmackte. Fischart
ehez. a. a. o.; (
der bisemkuttel) schmecket starck nach bisem. Forer
fischbuch 111
a; wie ieclîch brâte sûse und traht nâ würzen smegge.
Reinfr. von Braunschweig 2845; wie künt ich den nach pisen schmecken? H. Sachs
fastn. sp. 2, 33, 206
neudruck; ihn (
gott) loben alle blümelein, so nur nach ihm thun schmecken. Spee
trutznacht. 112
Balke; die finger schmecken mir noch nach dem starcken oehlen, damit ich seinen leib fast täglich schmieren musz. Hofmannswaldau
heldenbr. 137; was soll mir den ein kusz der nach dem grabe schmeckt?
ebenda. sprichwörtlich: da schmeckts nit nach kicheli (
Franken). Wander 4, 259, 50;
oder die art des geruches wird durch eine vergleichung bestimmt: dîn chela smekket samo der tûiristo uuî
n. Williram 123, 2 (
vgl. der sûoʒe stank an demo nîuuen obeʒe unte an demo alten uuîne. 123, 8); dann er (
der fisch) soll schmecken, vorausz in Italien, wie das kraut thymus. Forer
fischb. 174
a; eʒ smecket, sô manʒ iender regt, alsam es volleʒ balsmen sî. Walther v.
d. Vogelweide 54, 13; schaffe, daʒ der munt uns, als ein apoteke, smekke.
minnes. 2, 154
a Hagen; dû bist gerumpfen unde swarz, dîn arme smekkent als ein harz.
ges. abent. 2, 210, 42; der feyel schmeckt gleich wie leutzdreck. H. Sachs
fastn. sp. 7, 6, 148
neudruck. zurückdeutend: die fraw sprach, ich weisz nit ob euch der athem stinckt oder nit, ich mein alle man schmecken so. Pauli
schimpf u. ernst 140
Österley. zur bezeichnung, dasz kein besonderer geruch vorhanden ist: es schmöckt nichts,
nihil olet Maaler 358
b. B@I@2@bb)
in prägnanter anwendung; nur selten und unterstützt vom zusammenhange im sinne von wolriechen: dasz er (
der hofmann) schmeckende händschuch tragt wie ein bülerin. Albertini
hofschul (1610) 60
a;
gewöhnlich dem '
pessimistischen zuge'
der sprache folgend (
vgl. Germ. 8, 330
ff.)
in verschlimmerter bedeutung (
vgl. oben zu anfang unter B): der ist als ein besnîter mist, der innan vûl und smeckent ist. Boner
edelstein 43, 98; was soll das nüchtern gestänck, wann man nach nüchterkeit schmeckt. Fischart
Garg. 24
b; wie es pflegt zuweilen in dergleichen häusern vom taback zu schmecken. Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 3 (1692), 111.
von fauligem geruch, der vom menschlichen körper, besonders aus dem munde ausgeht: schmöckender athem,
foetidum os Maaler 358
c; die den visch dick eʒʒent, die smeckent und stinkent vast. Megenberg 255, 31; das erst ist, das jm der otem übel stinckt und schmeckt. Gersdorf
feldb. d. wundarzn. (1530) 85
a; schmeckt dein athem, so nimm serpillum. H. von Braunschweig
apothek (1534) 3; auch schmecket jr gar hart der atn. H. Sachs
fastn. sp. 3, 110, 319
neudruck, vgl. Frommanns
zeitschr. 4, 183;
von einer wunde: kein ärtzney will an mir klecken mein wunden thun stincken und schmecken. H. Sachs 3 (1561), 2, 39
c.
mit beziehung auf den verwesungsgeruch der leichen: das die leüch nit schmeckend werd. Franck
weltb. 11
b; wan er ist ob der erden sunder smecken. da Lazarus erstanden wasdâ muosten liut ir nasen vor im decken.
jüng. Titurel 5123; lasz das grabe zugedecket wann der todt gwiszlich stinckt und smecket. H. Sachs 3 (1561), 1, 205
c.
vom fauligen, modrigen geruch des wassers: daʒ waʒʒer wart smeckende.
der veter buch 58, 25
Palm; der schmeckende bach,
schwefelquelle Schmeller 2, 543;
besonders aber von fleisch, das schlecht geworden ist: das fleisch schmeckt, ist schmeckend geworden, schmeckt schon
u. ähnl. Schmeller
ebenda. Schöpf 629. Lexer 221. Höfer 3, 99. Schmid 470. Seiler 257
b. Tobler 392
b. Schmidt 196. Spiesz 219.
von pferdefutter: davon solche fütterung müchenzend und schmechend wird. Hohberg
adel. landleben 3, 2, 162
a. B@IIII.
in beziehung auf die empfindungen des geschmacksorganes: sapere, schmecken Dief. 511
b,
saporosus, wolsmeckende 511
c. B@II@11)
durch den geschmack wahrnehmen, kostend prüfen, erkennen. B@II@1@aa)
im eigentlichen sinne, die fähigkeit des schmeckens und ihre bethätigung bezeichnend: der gaumen schmeckt,
palatum sapit Steinbach 2, 457; nicht schmecken können, scharf schmecken können Adelung; ein voller mensch vünf sinne hât, ... sehen, hœren, grîfen,riechen, smecken sus sint si genant. Reinmar v. Zweter 164, 3; etwas schmecken,
durch das geschmacksorgan wahrnehmen, prüfend versuchen, kosten: was wir schmecken, das riechen wir auch. Henisch 1524, 4; man kan kein gewürz schmecken,
non intelligitur sapor aromatum Stieler 1870; schmecken sie nichts? ich schmecke, dasz es süsz ist. ich schmecke das salz in dem wasser. Adelung; prüfet nicht das ohre die rede? und der mund schmeckt die speise?
Hiob 12, 11; (
wie sollte ich, der ich achtzig jahre bin) schmecken was ich esse oder trincke, oder hören was die senger oder sengerin singen. 2
Sam. 39, 35; und da ers schmecket, wolt er nicht trincken.
Matth. 27, 34; wir setzten uns; ich schmeckt den wein. Waldis
Esop 4, 24, 33
Kurz; als er disz traur-gericht zu schmecken nur beliebet. A. Gryphius
verl. gespenst 1, 155;
vom probieren des kochs: so man dy anricht dorunter getemperiret, so schmeck dorczu und untersetz den schmack in ein czin.
kuchenm. c 1;
sprichwörtlich: de alle möse smekken (
kosten, probieren) will, ward vaken bedragen.
brem. wb. 4, 857.
freier, übergehend in den sinn von genieszen: ich sage euch aber, das der menner keiner, die geladen sind, mein abendmal schmecken wird.
Lucas 14, 24;
in der folgenden stelle vereinigt schmecken
die bedeutung von kosten, durch den geschmackssinn prüfen mit der von genieszen: die jugend verschlingt nur, dann sauset sie fort, ich liebe zu tafeln am lustigen ort, ich kost' und ich schmecke bei'm essen. Göthe 1, 137. sich satt schmecken: ich hätte mich bey einem solchen feste bald satt gehört, geschmeckt, gerochen und gesehen. Wieland 5, 9 (
der neue Amadis 12, 10); von etwas schmecken,
kosten von etwas: wer von der frucht lotos schmecket, der wird vergessend. Comenius
sprachenth. 123 (
übers. von Docemius); ein wenig davon schmäcken oder kosten. Frisch 2, 204
a.
in älterer sprache auch mit dem genitiv (
so gismecken
bei Otfrid,
andere belege unter b): hewr liesz mich keinr seiner würst schmecken. H. Sachs 3 (1561), 3, 75
b.
vgl. Schiller-Lübben 4, 260
a. nach etwas schmecken,
lüstern sein nach etwas: karpffen, hecht, barben, unnd dergleichen, dornach schmecket dem knecht sein maul. Pauli
schimpf 106
b.
vielleicht ist auch die folgende stelle so aufzufassen: Venus spricht zu einem gebrechlichen alten, der sie mit verliebten worten angesprochen: Circis nim an den alten gouch, im thuot noch worlich wol der rouch, schmeckt nach der kuchi wie ein hundt (
er ist lüstern, schnüffelt nach der küche, wo speisen bereitet werden, die nicht für ihn bestimmt sind). Gengenbach
gouchm. 1082. B@II@1@bb)
vielfach in übertragener bedeutung, wobei nach dem zusammenhange mehr der sinn des prüfens, kostens, erkennens oder der des genieszens hervortritt: dô her gesmeckete der kunst und ouch der werlte.
myst. 1, 106, 33; schmeckt und sehet, wie freundlich der herr ist.
ps. 34, 9; die, so ein mal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himlische gaben.
Ebr. 6, 4; nim ein leffel und schmeck selb, was du sagest. Luther 1, 372
a; er hat jrrig und ausz unverstand geredt: ursach, den himmel hatt er nicht verstanden geschmeckt in seinem maul. Paracelsus (1616) 2, 255; dann wirst du schmecken, dann wirst du fühlen, .. was gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Klopstock 11, 101; aber, fürs erste, ist der geschmack eine sache, die sich ohne natürliche anlage, ohne eine gewisse feinheit des seelenorgans, womit man schmecken soll, durch keine kunst noch bildung erlangen läszt. Wieland 19, 272; der geist sal geistlichen smecken, daʒ in angat.
pass. 403, 43
Köpke; schmecket und sehet in der frist wie freundtlich gott der herre ist (
ps. 34, 9). H. Sachs 2 (1570), 1, 68
d; mensch liebstu gott den herrn, und suchest lohn dabey, so schmäkestu noch nicht was lieb' und lieben sey. Angelus Silesius
cherub. wand. 45
neudruck; zeuch ein, lasz mich empfinden und schmecken deine kraft. P. Gerhardt 111, 10
Gödeke. die bedeutung von kosten, kostend erkennen liegt auch zu grunde, wo schmecken
auf widriges, schmerzbringendes bezogen wird: hête er gotes gesmeket, er fürliefe snelleclîche elliu dinc.
myst. 2, 168, 21; es stehen etlich hie, die nicht schmecken werden den tod, bis das sie des menschen son komen sehen in seinem reich.
Matth. 16, 28; so jemand mein wort helt, der wird den tod nicht schmecken ewiglich.
Joh. 8, 52; auff das er von gottes gnaden fur alle den tod schmecket.
Ebr. 2, 9; do de konygynne ghesmecket hadde unde vorvaren de biterecheyt der telinge.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 260
a; daʒ ich des smecken müeʒe (
des lebendigen brotes).
glauben 900; o Gustave, du geschmecket hast schon viel betrübter orten. Opel - Cohn 268, 11; die spreuen sein allhier (
der leib), der kern, die reine seele schmeckt die verwesung nicht. Hofmannswaldau
begräbnisged. 25; frau, wir haben bisher des elends volle genüge beide geschmeckt. Voss
Odyssee 23, 350; er mag auch einmal schmecken, wie so etwas thut. Campe; einem kinde die ruthe zu schmecken geben. Adelung; he hett de rode all smekkt,
kennt die rutenschmerzen schon. Dähnert 433
b.
in den begriff des genieszens übergehend: ich schmecke kein vergnügen recht, welches ich nicht mit ihnen theile. Adelung; er allein ist der grund von der zufriedenheit, die ich geniesze, welche ich niemals fühle und schmecke, ohne erinnerung immerwährender dankbarkeit. Winckelmann 1, 338; dasz das volk, wider lust und belieben, diese sonderheit, als haut goût, gern schmecken und genieszen solle. Bürger 178
b; (
nie hatte er) die wohlthat des friedens geschmeckt. Schiller 8, 382; ein ganzer groszer eindruck füllte meine seele, den, weil er aus tausend harmonirenden einzelnheiten bestand, ich wohl schmecken und genieszen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. Göthe 39, 345; soll ich die freiheit nimmer schmecken. Arnim
schaub. 2, 154; versucht mit fleisz, mein herz ihm abzuschildern, das gröste lust bei seinem glücke schmeckt. Haller 234
Hirzel; so fühl ich eine kraft des herrn, und schmecke fried und ruhe. Gellert 2, 148; schmekt Butler auch vergnügen? Göckingk 1, 224; o so lasz den kurzen may dieses lebens uns getreu mit einander schmecken.
lieder zweier lieb. 58; folgt dem süszesten beruf, schmeckt das glück der liebe! Gotter 1, 74; du fühlst sie dir näher, und schmeckest still in dir selbst die seligkeiten des groszen gedankens. Wieland
suppl. 2, 243; was ich je für reinen himmelsglanz und seelenruhgenusz geschmeckt. Göthe 33, 251; und so, im möncheskleide, am klosterbettelstab er mindestens schmeckt die freude, dasz er sich selbst ihn gab. Grillparzer
5 1, 203. B@II@22)
einen geschmack von sich geben, haben. B@II@2@aa)
in neutraler anwendung: wie schmeckt es euch? wie kirschen und beeren schmecken, musz man kinder und sperlinge fragen. Göthe 26, 69;
bestimmung des geschmackes durch vergleichung: eben so schmäcken,
eundem saporem referre Frisch 2, 204
a; der kern smeckt niendert sam der ander pfeffer, wan er ist süeʒ und hât ain klain scherpfen dar ein gemischet. Megenberg 373, 35.
die volkssprache ist reich an bezeichnenden, humoristischen wendungen der vergleichung, besonders natürlich soweit es sich um schlechte geschmäcke handelt: es schmackt sonst ohn schmaltz wie ein toder jud. Fischart
Garg. 216;
vgl. Wander 4, 259, 54,
der eine ganze reihe ähnlicher redensarten anführt 257, 9—258, 11. 259, 54
ff. adverbiale bestimmungen, schön (
von Campe
nicht gebilligt), gut, wol, besser, am besten, schlecht, übel schmecken
u. ähnl.: das oehl schmeckt nicht gut, es macht, dasz eine sache besser schmeckt. Steinbach 2, 457; es schmäckt ihm wohl, es schmäckt sehr gut. Frisch 2, 204
a; einem frölichen hertzen schmeckt alles wol, was er isset.
Sir. 30, 27; unser gläschen schmeckt uns ja so wohl. Lessing 11, 449; dem hauptmann wirds wohl schmecken. Schiller
räuber 3, 2; so werden sie (
die speisen) ihnen gewisz besser schmecken als bisher. Göthe 11, 277; ach das soll mir wohl schmecken. Iffland
hagest. 4, 9; si sint so weich und smeckint sô wole. Lamprecht
Alex. 2075; (
du, o wein) smeckest mir basz denn alle die prunnen die awsz den velsen ye sein gerunnen. Wackernagel
leseb.2 1012, 22; er (
der hahn) hat uns eben wol geschmeckt. H. Sachs
fastn. sp. 2, 96, 108
neudruck; man brate diesen fisch, so schmecket er doch übel. Günther 467;
bildlich: der fette braten schmeckte dem, gott sey bei uns, gut. Hölty 11
Halm. volksthümliche wendungen: es schmackte mir wol, ich was durstig. Agricola
sprichw. (1534) 148; wenn dirs am besten schmecket, so höre auff zu essen. Henisch 950, 3; schmecke gut, währe lange. Simrock
sprichw. 9117; gestohlene biszlen schmecken wohl. Schmid 625; hie schmeckts wol, sagte jener bauer, da er buttermilch unter einem kirschbaum asz. Mathesius
Syrach (1586) 2, 42
a; am besten schmeckt, was man selber erjagt, und schreckt. Rollenhagen
froschm. (1595) F 1
a; mir schmäkket nichts so gut als wasz ich selber esse. Angelus Silesius
cherub. wand. 122
neudruck. in freierem gebrauche: ein weisz muosz, daʒ schmecket Ulenspiegel so wol under augen, das in da lust zuo essen.
Eulenspiegel 76 (
s. 118
neudruck).
mit anderen adverbialen bestimmungen: süsz, bitter, salzig, sauer, herb, häszlich (
letzteres als ungut bezeichnet bei Campe), widerlich, prächtig schmecken; was man gern jsset, dasz schmeckt süsz. Henisch 949 (
letzte zeile); das ding schmäcket öhliche oder nach oel. Corvinus
fons lat. (1660) 566
a; die fische schmecken schlammicht. Steinbach 2, 457; das schmackte mir trefflich.
Simpl. 3, 303, 17
Kurz; sprichwörtlich: schmeckst du prächtig. Wander 4, 258, 30. 259, 31; gestohlne butter-milch schmeckt noch einmal so frisch. Günther 973;
im bilde: deine gifte (
welt) — o sie schmekten süsze! Schiller 1, 226. nach etwas schmecken: nach peche schmecken. Steinbach 2, 457; der wein schmeckt nach dem fasse, nach dem kork, die speise nach dem rauche. Adelung; dar nâch smahte daʒ obeʒ.
Lanzelot 3951.
volksthümliche wendungen: der hafen schmäckt gern nach der ersten brüh.
de fide meretric. 102; es schmeckt alles nach seinem vasz (wie das vasz, also der wein). Franck
sprichw. 2, 181
a; dat smeckt doch nâ der krei! säd de oll frû un bröd sich 'n tûnpâl. Höfer
wie das volk spricht5 448; dat smeckt all na de harbarge (
oder na't schapp),
von einer speise, die zu lange im schranke gestanden hat Richey 88; dat smekkt na meer,
so gut, dasz man mehr davon essen möchte Dähnert 303
a;
ähnlich: nu noch ês un denn nich mîer un süll't ôk dull nâ söt smecken, säd' de jung un lickt dat letzt' ut 'n syropspott. Höfer
wie das volk spricht5 756; schmeckt nicht na fisch noch flesch, hefft wedder kop noch stert (
es ist ein vielerlei, aber nichts rechtes, ordentliches). Lauremberg
scherzged. 3, 350. Luther
construiert schmecken
auch mit dem accus., um die art des geschmacks anzugeben, s. die stelle unter c (1, 311
a). B@II@2@bb)
während schmecken,
riechen bei seiner prägnanten anwendung seine bedeutung verschlimmert, entwickelt schmecken II
im prägnanten gebrauche den guten sinn von munden, wolschmecken (
vereinzelt jedoch auch in der entgegengesetzten bedeutung, bildlich: mer und sûr sint iuwer nôt: iu smecket mer unde wint: ich wæne, iu diu zwei bitter sint.
Tristan 302, 11
Maszmann); die speise will mir nicht schmecken, der wein hat mir geschmeckt; auf den schinken schmeckt ein trunk; ich lasse mir's schmecken; es schmeckt mir,
das essen, der trank mundet mir, aber auch freier: ich habe appetit, den normalen drang zum essen: die seck (
bettelsäcke) stoszt man ihm in die zen: die spis will ihm nit schmecken. Wackernagel
leseb.2 1055, 2; die gewychten fladen unsz nit schmecken. Brant
narrensch. 110
b, 96; wilt aber ein tag frölich sein, so gang ins bad, so schmeckt der wein. Fischart
Garg. 48
b; da schmeckt eim nach eim jägersprung, das essen, und ein frischer trunck. Rollenhagen
froschm. F 1
a; wenn du jedwedem urtheil trauen und dich nach allem richten willt, was diesem schmeckt, und jener schilt, so muszt du endlich disteln kauen. Lichtwer 112; er darbt im überflusz von tausend schönen sachen, wählt und verwirft, und weisz nicht, was ihm schmeckt. Gotter 1, 24; gott grüsz euch, alter! schmeckt das pfeifchen? Pfeffel; frau meistrin leb sie wol! ich sags ihr grade ins gesicht ihr speck und kraut das schmeckt mir nicht. Schade
handwerksl. 149; ein wol gewürtzte speisz, die einem baurenmagen schmecket. Schuppius 747; ah, das schmeckt, das brennt ein! Schiller
räub. 2, 3;
in eigenthümlicher construction: fürchterlich trillern deine schlafkammeraden alter — dir schmekt? 4, 5; laszt euch meinen Zyprier schmeken.
Fiesko 4, 10; eh ich mirs schmeken lasz von dem geld, das mein einziges kind mit seel und seeligkeit abverdient.
kab. u. liebe 1, 1; wir dürfen es uns heute schmecken lassen. Göthe 19, 207; gut ist er (
der kaffee), und er schmeckt mir heute. Iffland
jäger 4, 3.
verstärkt: ein stück brods mit kraut, rüben, unnd ein wasserbrey, die seind einem müszigen menschen ein ekel, aber einem der gearbeytet hat, seind sie wildbrat, und schmecken ins herz hinein. Westphal
faulteufel (1563) F a (
ebenso in übertragener anwendung, s. unten die stelle aus Luther
unter c); so setzt man ein schön zuckermehl, das einem schmeckt durch leib und seel. Rollenhagen
froschm. (1595) H 2
b volksthümliche wendungen: ich esse was mir schmeckt und leide was ich soll.
fuchsmundi 395; was schmeckte unversucht, sagte der abt zur jungfrau. Höfer
wie das volk spricht5 2;
vgl.: der, so ein ding nicht versucht, wie wolte er wissen können, wie es schmäckt.
Simpl. 4, 14, 15
Kurz; das schmeckt, sagte der storch, als er eine kröte frasz. Wander 4, 257, 7 (
unter andern ähnlichen redensarten);
ironisch: dat smeckt! säd' de jung, dôr krêg he den knüppel up'n kopp. Höfer
a. a. o. 780. B@II@2@cc)
vielfach in übertragener anwendung, der allgemeinen wie der prägnanten bedeutung folgend: ein solcher witz schmeckt nach der schule. ein gewinn von tausend thalern schmeckt überaus gut. Adelung; wenn jm die bosheit gleich in seinem munde wol schmeckt.
Hiob 20, 12; betteley schmeckt wol dem unverschampten maul.
Sir. 40, 31;
eigenthümlich mit dem acc.: auch das mehrer teil eitel geitz und hoffart schmeckt. Luther 1, 311
a; wem die titul wol schmecken, der mag darmit sein hunger büszen. Lehmann 175; die allzuoft nach falschem witz und nach zoten schmeckten. Ramler
dichtk. d. Hor. 95; die vollkommene übereinstimmung, die der h. geist vermeiden wollte, weil sie so sehr nach verabredung schmeckt. Lessing 10, 53; ihr enthusiasmus ... schmeckt nach dem schwarzen rock. Lenz 1, 266; dasz die theorie ... sehr nach erdichtungen schmecken würde. Kant 8, 210; mein entschiedner widerwille gegen alles was nach sofisterey schmeckte. Wieland 3, 468 (
Agathon 16, 3); wie schmeckt das, e. majestät? Schiller
räuber 2, 3; (
er hatte) einen erklärten hasz gegen alles was nach schönen wissenschaften schmeckte. Göthe 25, 49; was nach seiner bisherigen stimmung schmeckte. 18, 48; schwache, nach corpuscularvorstellungsart schmeckende erklärungen. 54, 73; wie thut's bürschlein? wie schmeckt's (
das geprügelt werden)? Hebel 2, 230; diu wîsheit in des herzen grunde smecket rehte als in dem munde dem guom ein guotiu spîse tuot. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2797; in schmeckt der zwilch nit wol, als ee (
sie wollen bessere gewandung). Brant
narrensch. 82, 13; all jhr dichten, kunst und ehr schmecket nach verstand und lehr. Rist
poet. lustg. (1638) D 3
a; ich habe was gedichtet, das etwan lobes wert und schmecke nach der kunst. Fleming 465, 8, 4
Lappenberg; auffopffern für altar, für stadt, für haus, für lehre, kann nicht als herrlich seyn. ja schmeckt nach höchster ehre. A. Gryphius 1, 304; wer liebt die speise nicht, so nach der tagend schmeckt. Hofmannswaldau
heldenbr. 158; poeten waren zwar vordem bei hofe mode, heut aber schmecken sie der welt nach narrensode. B. Neukirch
ged. 164; an sachen, die nicht so nach welt und thorheit schmecken. Günther 591; so eine mode möchte gehen, so herb als sie dem beutel schmeckt. Picander 2, 360; der tod schmeckt immer bitter. Wieland 22, 64 (
Oberon 2, 13); armsel'ge lehre! sie schmeckt nach dem einseit'gen hasz der hölle. Grabbe 2, 99
Blumenthal. in prägnanter anwendung: das schmäckt ihm,
hoc illi placet, hoc delectatur Frisch 2, 204
a; diese begegnung will mir nicht schmecken. Adelung; die arbeit will ihm nicht schmecken. Campe.
schon in alter sprache dieser bedeutung sich nähernd: den smekkent sîniu uuort, dîe der uuillon habent, sîe mit uuerchon zeeruullene. Williram 96, 4; in sol smecken, daʒ dâ enoben ist.
myst. 2, 132, 12;
verstärkt: dy predigt wirt ins hertz schmecken. Luther 12, 605, 10
Weim. ausgabe (
vgl. oben unter b); kürzweilen untern hecken das wil mir alles nimer schmecken.
fastn. sp. 720, 28 lacht ins fäustlein derselben gecken, die sich die wort so lieszen schmecken, alles gleubten, was man nur sagt. Rollenhagen
froschm. H 6
a; hier wo mein feind begraben liegt, soll mir das leben erst schmecken. Schiller 11, 216; solch ding mus man alle tage für und für hören, und bedencken, sonsten schmecket es, und hafftet im hertzen nicht. Neander
menschensp. vorr. A 7
a; es sind äuszerungen .. darin, die ihm wohl nicht schmecken dürften. Lessing 12, 511; (
dann) schmeckts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben. Schiller
kab. u. liebe 1, 1; weil er wuszte, wie ihm chorale schmeckten. J. Paul
flegelj. 1, 55; der müsziggang will mir gar nicht schmecken. Göthe 5, 132; nichts wollte mir schmecken noch gelingen. 25, 10; ich bin in dem augenblicke so für Michel Angelo eingenommen, dasz mir nicht einmal die natur auf ihn schmeckt. 27, 235; der graue tag will mir nicht schmecken.
briefe 5, 90
Weim. ausgabe.