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Schmêcken

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schmêcken

Bd. 3, Sp. 1560
Schmêcken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Activum. 1. Vermittelst des Geschmackes versuchen, einen Körper auf die Zunge nehmen, um dessen Geschmack durch öfteres Auf- und Zuschließen des Mundes zu empfinden; wo es den mit dieser Handlung verbundenen Laut genau nachahmet, daher auch diese Bedeutung als die erste und eigentliche angenommen werden muß. Indessen ist sie nur noch im gemeinen Leben, besonders[] einiger Gegenden, gangbar, indem in der anständigern Sprechart kosten eingeführet ist. Den Wein schmecken, kosten. Da ers schmeckte, wollte ers nicht trinken, Matth. 27, 34. Ingleichen figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, durch die Empfindung erkennen. Einem Kinde die Ruthe zu schmecken geben. Von diesen Widerwärtigkeiten hat Cajus noch nichts geschmeckt. 2. In weiterm Verstande, durch den Geschmack, oder vermittelst des Geschmackes erkennen, sich der Veränderungen, welche die Salztheilchen der Körper auf den Nervenwärzchen der Zunge machen, bewußt seyn. Nicht schmecken können. Scharf schmecken. Schmecken sie nichts? Ich schmecke, daß es süß ist. Ich schmecke das Salz in dem Wasser. Es ist im Passivo nicht gebräuchlich, ohne daß es deßwegen für ein Neutrum gehalten werden dürfte, indem es doch die vierte Endung der Sache leidet. 3. Figürlich. 1) Mit lebhafter Empfindung genießen; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart. Ich schmecke kein Vergnügen recht, welches ich nicht mit ihnen theile. 2) In der Deutschen Bibel wird es nach einer gewöhnlichen Morgenländischen Figur, oft für empfinden, erfahren überhaupt gebraucht, welche Figur aber im Deutschen ungewöhnlich ist. Schmecket, wie freundlich der Herr ist, Ps. 34, 9. Die, welche geschmeckt haben die himmlische Gabe und das gütige Wort Gottes, Ebr. 6, 4. Den Tod nicht schmecken, in vielen Stellen. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, durch den Geschmack empfunden werden, diejenigen Veränderungen auf der Zunge hervor bringen, welche den Geschmack ausmachen. 1. Eigentlich. Die Quassia schmeckt bitter, der Zucker süß, der Alaun salzig. Gut, schlecht, übel schmecken. Das Gewürz schmeckt wie Pfeffer. Aber, nach etwas schmecken, das Daseyn eines Dinges oder seiner Theile durch den Geschmack verrathen. Der Wein schmeckt nach dem Fasse, die Speise nach dem Rauche. Das Man (Manna) schmeckte, wie einer wollte, daß es ihm schmecken sollte, Weish. 16, 20. Wie schmeckt dir diese Speise? 2. Figürlich. 1) Gut schmecken. Diese Speise schmeckt ihm. Ingleichen mit Gefallen, mit Appetit genossen werden, von Speisen und Getränken. Auf den Schinken schmeckt ein Trunk. Es schmeckt ihm, sagt man, wenn jemand wacker isset; ingleichen sichs schmecken lassen. Wo bey der unbezahlten Freude Sichs Wirth und Fremdling schmecken läßt, Michäl. Es will mir nichts schmecken, wenn man zu keiner Speise Appetit hat. 2) Empfunden, erfahren werden. Ein Gewinn von tausend Thalern schmeckt überaus gut. Diese Begegnung will mir nicht schmecken. Wie schmeckt dir dieser Einfall? Ingleichen mit Gefallen empfunden werden. Das will mir nicht schmecken. 3) Nach etwas schmecken, die Anwesenheit oder Eigenschaft einer Sache der Empfindung verrathen. Ein solcher Witz schmeckt nach der Schule. Die Frau schmeckt gewiß nach dem Dorfe, die ihrem Manne treu bleibt, Weiße. Daher das Schmecken, S. auch Geschmack. Anm. Bey dem Ottfried smekan, bey dem Notker smecchan, im Nieders. schmecken, im Angels. smaeccan, im Engl. to smack, im Schwed. smaka, im Böhm. smakowati, im Pohln. smakuje. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des mit dem Schmecken oder Kosten verbundenen Lautes, der ein schwächeres Schmatzen ist, daher smacken, smucken und smacksen, im Niedersächs. auch für schmatzen üblich ist, schmicken aber daselbst in kleinen Bissen essen bedeutet. Der Form nach ist es ein Intensivum, welches ein verstärktes Smagen ausdruckt; daher im Dänischen smage schmecken ist. Unser schmachten ist davon gleichfalls ein Intensivum, aber nach einer andern Form. Ohne Zischlaut gehören auch das Franz. macher, kauen, das Lat. Maxilla, u. a. m. dahin. Schmecke[] und Schmecker für Geschmack, d. i. das Vermögen zu schmecken, sind nur in den niedrigsten Sprecharten gangbar. Schmecken lautet in einigen groben Mundarten schmacken, und dieses a hat sich auch in vielen Ableitungen erhalten; woraus aber nicht folget, daß man deßhalb schmäcken schreiben müßte, so wenig als man lägen, sähen, bewögen u. s. f. schreibt, weil davon Lage, ich sahe, bewogen abstammen. In ganz Ober-Deutschland, doch in einigen Provinzen mehr als in andern, wird schmecken auch für riechen gebraucht, und in manchen Gegenden kennet man das letztere gar nicht. Die Blumen hangen ihr wohlschmeckendes Haupt, Opitz. Je mehr man Saffran reibet, Je stärker schmeckt er auch, Opitz. da er doch in andern Stellen beyde Begriffe hinlänglich unterscheidet. So seltsam diese Figur klinget, so philosophisch ist sie doch, weil Geschmack und Geruch im Grunde nur Ein und eben derselbe Sinn sind. In den niedrigen Sprecharten einiger Oberdeutschen Gegenden ist daher der Schmecker die Nase, die Schmecke und das Schmeckbüschel ein Blumenstrauß.
5104 Zeichen · 92 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmêcken

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schmêcken , verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Activum. 1. Vermittelst des Geschmackes versu…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schmecken

    Goethe-Wörterbuch

    schmecken etwa 250 Archivbelege; bis etwa 1782 gelegentl ‘schmek(k)en’; vereinzelt Zusammenschr mit ‘wohl’, mBez auf das…

  3. modern
    Dialekt
    schmecken

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schmecke n [mèkə allg., im U. daneben auch wie in W. màkə s. d. ] 1. schmecken, einen Geschmack haben. Der Win schmeck…

  4. Sprichwörter
    Schmecken

    Wander (Sprichwörter)

    Schmecken 1. Am besten schmeckt, was man selber erjagt und schreckt. – Froschm., F. 2. Bat guet smaket, dat get 'n kuort…

  5. Spezial
    schmecken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schme|cken I vb.tr. 1 (den Geschmack feststellen) ciarcé (cercia) 2 (kosten) ciarcé (cercia), porvé (proa) II vb.intr. 1…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmecken

17 Bildungen · 6 Erstglied · 6 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schmecken 2 Komponenten

sch+mecken

schmecken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schmecken‑ als Erstglied (6 von 6)

schmeckenbecher

DWB

schmecken·becher

schmeckenbecher , m. , eigentlich schmeck den becher, bezeichnung eines trinkers: assagia-bicchiere, met. bevacchiatore, trincatore Kramer d…

schmeckenbrätlein

DWB

schmecken·braetlein

schmeckenbrätlein , m. , bezeichnung eines schmarotzers ( vgl. das vorige ), in der oberdeutschen form schmeckenbrätlin: aber die schmeckenb…

schmeckenicht

DWB

schmecke·nicht

schmeckenicht , n. eine ausländische, als abführmittel dienende wurzel ohne sonderlichen geschmack, die indische zaunrübe, bryonia indica, j…

schmeckenstengel

DWB

schmecken·stengel

schmeckenstengel , m. : ein kleinod der herzogin Anna (1552) hatte die form aines schmeckenstengels. Schm. 2 2, 543. gemeint ist wol eine la…

schmecken als Zweitglied (6 von 6)

abschmecken

DWB

abschmecken , saporem amittere, den geschmack verlieren. wenn eine speise lange steht, wird sie abschmeckend. Thümmel 7, 89 . vgl. abschmack…

nachschmecken

DWB

nach·schmecken

nachschmecken , verb. 1 1) intransitiv, einen nachschmack geben, zurücklassen: so wird sie ( die natur ) auch schon ihren beisatz zu mischen…

nāchschmecken

Idiotikon

nāchschmecken Band 9, Spalte 906 nāchschmecken 9,906

vorschmecken

DWB

vorsch·mecken

vorschmecken , verb. , pregustare, vorschmecken, kosten und versuchen Diefenbach gl. 454 b ; prelibare 454 c ; Adelung; Campe. 1 1) im eigen…

wohlschmecken

DWB

wohl·schmecken

-schmecken , n. , ' angenehmer gechmack, gaumenkitzel ': ( alles ) was zur anrichtung der speisen und zum wohlschmecken dienet Breitinger cr…

Ableitungen von schmecken (5 von 5)

beschmecken

DWB

beschmecken , olfacere, bericchen, belecken: was schads, dasz Lazarus von hunden kaum beschmeckt, obschon sein armer leib voll elends hier g…

entschmecken

DWB

entschmecken , desipere, stulte facere. voc. theut. 1482 g 5 a . vgl. abgeschmackt .

erschmecken

DWB

erschmecken , odorari, gustare, wittern: mhd. swëlhe würm sint eiterhaft, von dës sëlben tierlînes ( ecidemon ) kraft hânt si lëbens dechein…

geschmecken

ElsWB

g e schmecke n 1. munden. Vor dem Mittagessen trennt man sich mit dem Wunsche: Loss d i r's g.! Co. , mit dem Zusatz: wenn d u d a rzue kunn…

verschmecken

DWB

verschmecken , verb. schmecken. zusammensetzung zu schmecken, dessen bedeutung durch die silbe ver nicht geändert ist. das wort ist selten. …