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Geschmack

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Geschmack

Bd. 2, Sp. 612
Der Geschmack, des -es, plur. inus. von dem Zeitworte schmecken. 1. Objective, die Eigenschaft der Körper, vermittelst deren sie durch die Auflösung ihrer Theilchen eine gewisse Empfindung auf der Zunge verursachen. 1) Eigentlich. Das Manna hatte einen Geschmack wie ein Öhlkuchen, 4 Mos. 11, 8. Diese Speise hat einen guten, einen angenehmen, einen bittern, einen widrigen Geschmack; sie ist bitter, süß, sauer, angenehm, widrig u. s. f. von Geschmack. Er aß und fand die Frucht vortrefflich von Geschmack, Gell. Den Geschmack verlieren, unschmackhaft werden. Im Oberdeutschen, wo schmecken auch riechen bedeutet, wird Geschmack auch häufig[] für Geruch gebraucht. Ein schelmen gschmack, ein Aasgestank, H. Sachs. Die Kleider haben den Geschmack Den Libanus nicht geben mag, Opitz. 2) Figürlich. Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie angenehme oder unangenehme Empfindungen in uns erwecket. Ein Gemählde von gutem, von schlechtem Geschmacke. In engerer Bedeutung pflegt man den guten Geschmack an den Dingen nur schlechthin den Geschmack zu nennen, und alsdann bestehet er vornehmlich in der Übereinstimmung der Theile mit ihrem Ganzen. So sagt man von einem Gedichte, von einem Gemählde u. s. f. daß in demselben Geschmacke sey, daß es Geschmack habe. Alles was er macht, hat keinen Geschmack. Einer Sache keinen Geschmack abgewinnen können, nichts Gutes und Schönes an ihr entdecken können. 2. Subjective, die Empfindung, welche die aufgelöseten Theile der Körper auf der Zunge verursachen, und das Vermögen, diese Veränderung zu empfinden. 1) Eigentlich, wo der Geschmack einer der fünf Sinne ist, dessen Werkzeuge die auf der Zunge vertheilten Nervenwärzchen sind. Keinen Geschmack haben. Den Geschmack verlieren. In engerer Bedeutung auch die Fertigkeit, das Angenehme und Unangenehme in den Speisen leicht und zuverlässig zu unterscheiden. Einen guten, feinen Geschmack haben. Ein Koch von einem schlechten Geschmacke. 2) Figürlich. (a) Die Empfindung des Guten und Schönen an einer Sache. Seinem Geschmacke folgen. Bey einer guten Erziehung muß vornehmlich darauf gesehen werden, daß junge Leute mit Geschmack und Empfindung lesen lernen, Gell. Im engern Verstande auch zuweilen die durch diese Empfindung gewirkte Neigung. Geschmack an etwas finden. Das ist nicht nach meinem Geschmacke, gefällt mir nicht. Einem Geschmack an etwas machen, beybringen. (b) Das Vermögen, und in engerer Bedeutung die Fertigkeit, das Gute und Schöne oder Häßliche an einer Sache leicht zu entdecken und zu empfinden. Einen guten, einen feinen, einen schlechten Geschmack in der Musik, in der Dichtkunst, in der Mahlerey haben. Einen richtigen, einen verderbten Geschmack haben. Der Geschmack ist es, welcher von den Kunstwerken richtig urtheilet. Der natürliche Geschmack, die uns angeborne Empfindung des Schönen, im Gegensatze des künstlichen. In engerer Bedeutung wird der gute oder richtige Geschmack oft nur schlechthin der Geschmack genannt. In seinem ganzen Hause herrscht Ordnung und Geschmack. Ein Mann von Geschmack, der einen guten Geschmack hat. (c) In weiterer Bedeutung ist der Geschmack die auf den Geschmack, oder die Empfindung des Schönen gegründete Art zu denken und zu handeln. In Youngs traurigem Geschmacke dichten. Ein Gemählde in Rubens Geschmack. In diesem Verstande leget man auch ganzen Zeitaltern und Nationen einen Geschmack bey, die Art zu empfinden und über seine Empfindungen zu urtheilen, zu bezeichnen. Eine Bildsäule in Griechischem Geschmacke. Der Italiänische Geschmack in der Mahlerey. Der Gothische Geschmack in der Baukunst. Der herrschende Geschmack. Anm. In beyden Hauptbedeutungen, im gemeinen Leben, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes nur Schmack, Smack, welches sich auch noch in Vorschmack und Nachschmack findet, ingleichen auch 2 Mos. 16, 31, Weish. 16, 20 vorkommt. Bey dem Notker Smach, Gesmag, in der Monseeischen Glosse Smacho, im Angels. Smaec, im Engl. Smack und Smatch, im Pohln. Smak, im Schwed. Smak, im Finnländ. Macu. S. Schmecken. Die Figur, den eigentlichen Geschmack auf die Empfindung des Schönen anzuwenden, ist schon bey den Hebräern,[] Griechen und Römern vorhanden. Unter den neuern Völkern haben die Spanier diese Metapher zuerst wieder angenommen, denen hierauf die Franzosen mit ihrem Gout, und bald nach dem Anfange dieses Jahrhunderts auch die Deutschen gefolget sind. Hans Sachs gab 1553 ein Gedicht heraus, welches er die neue Geschmäck des Ehstandes nannte, wo es schon Empfindungen überhaupt bedeutete.
4485 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geschmack

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Geschmack , des -es, plur. inus. von dem Zeitworte schmecken. 1. Objective, die Eigenschaft der Körper, vermittelst …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geschmack

    Goethe-Wörterbuch

    Geschmack Vereinzelt -ak, einmal -akke AA23,3 Werth 1 I ; Pl -äcke nur in Übs od scherzh (s Bed 1 u 3f α ). ‘Geschmack’ …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geschmack

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Geschmack (gustus) , in physiolog. Bedeutung der Sinn, dessen hauptsächlichstes Organ die mit zahlreichen Nervenwärzchen…

  4. modern
    Dialekt
    Geschmack

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    G e schmack [Kmàk Ruf. Su. Hlkr. M. Dü. U. ] m. 1. Geschmack ( in diesem Sinn selten, dafür meist Gu Seite 191). Das Ës…

  5. Sprichwörter
    Geschmack

    Wander (Sprichwörter)

    Geschmack 1. Am Geschmack erkennt man den Wein. Oft auch erst an seinen Wirkungen oder durch chemische Analyse. 2. Das h…

  6. Spezial
    Geschmackm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Geschmack , m вкус , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geschmack

197 Bildungen · 93 Erstglied · 100 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von geschmack

ge- + schmack

geschmack leitet sich vom Lemma schmack ab mit Präfix ge-.

geschmack‑ als Erstglied (30 von 93)

geschmacken

DWB

geschmacken , verb. einem gut schmecken, verstärktes schmacken (ding die eim wol schmacken Dief. 511 c ), ahd. smakken, gismahhan Schm. 2 2,…

geschmacken

FWB

1. ›jm. gefallen, schmecken, angenehm erscheinen‹.; 2. ›etw. / jn. (Gott) gleichsam sinnlich, riechend oder schmeckend wahrnehmen‹

Geschmackhaftigkeit

GWB

geschmack·haftigkeit

Geschmackhaftigkeit 1) kräftiger, ausgeprägter (Wohl-)Geschmack Trüffeln .. sie haben einen durchdringenden Geruch, woran sich denn ihre G. …

geschmackherr

DWB

geschmack·herr

geschmackherr , m. : man nennt sie ( die recensenten ) gemeinhin schmeck- oder geschmackherrn, weil sie vorher jedes buch kosten und nachher…

geschmackig

DWB

geschmackig , adj. wolschmeckend, verstärktes schmackig, smeckig Dief. 511 c , mit den nebenformen geschmackicht Steinbach 2, 458 , geschmäc…

geschmackkorn

DWB

geschmack·korn

geschmackkorn , n. geschmackswärzchen auf der zunge: geschmackkörner, papillae nerveae Nemnich 2, 856 .

geschmackleer

DWB

geschmack·leer

geschmackleer , ohne geschmack, ohne schönheitssinn: die nachahmung eures geschmackleeren modelles. Göthe 36, 239 .

Geschmackler

Campe

geschmack·ler

○ Der Geschmackler , des — s , d. Mz . w. d. Ez. der einen überfeinen, gar zu feinen Geschmack hat, der in Sachen des Geschmackes zu wählig …

geschmacklich

DWB

geschmack·lich

geschmacklich , adj. 1 1) schmackhaft, wie schmacklich Dief. 511 c : geschmacklich, sapidus Steinbach 2, 458 ; geschmackliche speise, suavis…

geschmacklos

DWB

geschmack·los

geschmacklos , adj. 1 1) keinen geschmack gebend Ludwig 753 : geschmacklose speisen Campe ; bildlich: fern von der welt und ohne rücksicht a…

geschmacklosigkeit

DWB

geschmack·losigkeit

geschmacklosigkeit , f. mangel an geschmack, an gefühl für das schöne und schickliche, an feinsinn und urtheilskraft: es ist doch so gar beq…

geschmacklust

DWB

geschmack·lust

geschmacklust , f. die lust zu angenehmen genüssen: die von jedem jünglingsjahre mehr entkräftete geschmacklust. J. Paul.

Geschmackmäßig

Campe

geschmack·maessig

○ Geschmackmäßig , adj . u. adv . dem Geschmacke und zwar dem guten Geschmacke gemäß. Kant gebraucht es in einem allgemeinen Sinne für das, …

geschmackmäszig

DWB

geschmackmäszig , adj. dem guten geschmacke gemäsz; allgemeiner ' was durch die sinne gefällt ' Kant bei Campe.

Geschmackmuster

DERW

geschmack·muster

Geschmackmuster, N., ›ästhetisch wirken- des gewerbliches Muster (flächig, z.B. Ta- petenmuster) oder Modell (räumlich z.B. Geschirr) welche…

geschmackreich

DWB

geschmack·reich

geschmackreich , adj. 1 1) wolriechend: geschmackreich, das ein guoten und starcken geschmackt gibt, odorus Maaler 172 d . 195 c . Aler 915 …

Geschmacksache

RhWB

geschmack·sache

Ge-schmack-sache PfWB (s. S.) meist Pl. t. Allg.: wie nhd. RA.: Et sein G.ən, sot de Bauer, du hott en en Koh om Orsch geleckt Daun , — do h…

geschmacksam

DWB

geschmack·sam

geschmacksam , adj. schmackhaft: mit citronensafft unsere speisen geschmacksam machen. Simpl. 1, 639. 2, 365, noch erzgebirgisch gschmôksn G…

geschmacksart

DWB

geschmack·sart

geschmacksart , f. art des sinnlichen geschmacks: gewisse geschmacksarten sind ekelhaft nach der allgemeinen empfindung. Herder kr. wälder 1…

Geschmacksbedürfnis

GWB

geschmack·s·beduerfnis

Geschmacksbedürfnis -ß für: Bedürfnis nach geschliffenem sprachl Ausdruck; mBez auf die in lateinischer Sprache schreibenden deutschen Dicht…

geschmacksbildung

DWB

geschmack·s·bildung

geschmacksbildung , f. die bildung des gefühls für das schöne und schickliche. Fr. Nicolai im leben desselben von Göckingk 10 ; die alte cla…

Geschmacksdünkel

GWB

geschmack·s·duenkel

Geschmacksdünkel Überheblichkeit des ästhet Urteils Weder dem Urtheil, noch der Wißbegierde .. hat es früher [ vor den Bemühungen der Romant…

geschmack als Zweitglied (30 von 100)

Beigeschmack

RDWB1

Beigeschmack m привкус перен. , (неприятный) осадок перен. , неприятная ассоциация

Vorgeschmack

RDWB1

Vorgeschmack m (Lakune) подготовка к чему-л.; предвкушение чего-л. Man bekommt lange vor Veröffentlichung des Hauptprogramms einen Vorgeschm…

Wohlgeschmack

RDWB1

Wohlgeschmack m (Lakune) у чего-л. приятный вкус; что-л. приятно на вкус устойч.

abgeschmack

DWB

abgeschmack , m. ingratus sapor, umschlagen des geschmacks, mit dem nebensinn eines schlechten, widrigen: so war ihm diese kost ein rechter …

Angeschmack

RhWB

ange·schmack

An-geschmack PfWB āŋgə- Rhfrk m.: Beigeschmack; eich wäss nit, wat die Supp norest (nur) vor en A. hot. — Ebenso Bei-, Hanner- (Hinter-Bitb)…

Anisgeschmack

Campe

anis·geschmack

Der Anisgeschmack , des — es, o. Mz. der dem Anis eigenthümliche Geschmack, und ein demselben ähnlicher Geschmack.

beigeschmack

DWB

beige·schmack

beigeschmack , m. sapor secundarius, alienus, beischmack, nebengeschmack: die speise, die sache hat einen widrigen beigeschmack.

Bodemgeschmack

PfWB

bodem·geschmack

Bodem-geschmack m. : 'die beim Schmecken wahrgenommene Eigentümlichkeit einer gewissen Bodenart'. De Weiⁿ hat e Borremgeschmack [KU-Schmittw…

erbgeschmack

DWB

erb·geschmack

erbgeschmack , m. gustus a parentibus insitus: obst, wonach alle kinder einen erbgeschmack auf die welt bringen. Hippel lebensl. 1, 327 .

freudengeschmack

DWB

freude·n·geschmack

freudengeschmack , m. praegustus gaudiorum vitae aeternae. Stieler 1871 . man sagt heute vorschmack, freudenvorgeschmack.

Ableitungen von geschmack (4 von 4)

Mißgeschmack

Campe

○ Der Mißgeschmack , — es , o. Mz . 1) Ein unangenehmer, häßlicher Geschmack. 2) Ein falscher, unrichtiger Geschmack, im Gebiet des Schönen.…

ungeschmack

DWB

ungeschmack , m. , gegenstück zu geschmack, m. vgl. mhd. âsmac Frauenlob 55, 5 ; abgeschmack, abschmack; unschmack; nl. onsmaak, wansmaak; a…

Ungeschmacklich

Campe

Ungeschmacklich , adj . u. adv . nicht geschmacklich. Davon d. — keit .

urgeschmack

DWB

urgeschmack , m. , echter, unverfälschter geschmack (ur- C 4 c): Matthisson, deine naturabschildrung ... wird gefallen bis zur verwildrung d…