geschmack,
m. odor, sapor. II.
Verwandtschaft und formen. I@11) geschmack,
ahd. mhd. gesmac, gesmag,
mnd. gesmak,
ist eine verstärkung des gleichbedeutenden schmack (
s. d.),
ahd. mhd. smac,
ags. smäc,
zu ahd. smecchan, smechen,
mhd. smecken,
olere, olfacere, sapere. I@22)
nebenformen. I@2@aa)
ahd. gesmah,
mhd. gesmach,
noch oberdeutsch geschmach, geruch, geschmack Schm.
2 2, 541. Schöpf 626: lilgen gesmach. Heinr. v. Neustadt
Apollonius s. 209
a Strobl; fleisch oder fisch, die den geschmach verlohren. Henisch 1542
öfter. I@2@bb)
ahd. gismaho,
wie einfach smaccho,
mit schwacher biegung, daher noch oberdeutsch der
geschmachen, geruch Schm. Schöpf
a. a. o. Castelli 156. Loritza 50
a. Zaupser
nachl. 46. Überfelder 122;
fragrantia, gesmacken, wolriechunge Dief. 245
c (
von 1474), gesmacke,
odor 393
b (
von 1477); dem vermerkten geschmachen nacheilen. Mayr
epitome (
München 1604) B 1
b;
sapor: (
Bacchus beklagt sich über Neptun) in heusern, kellern noch in fessern thut er mich haimlich dückisch wessern, nimbt mir mein krafft und edlen gschmachn. H. Sachs 1, 418
b.
eine weiterbildung ist ahd. gesmagmo,
sapor: in dem gesmagmen Graff 6, 825. I@2@cc)
geschmackt: das ein guoten und starcken geschmackt gibt,
odorus. Maaler 172
d. 195
c; eines guten geschmackts
schweiz. id. 2, 492 (
von 1608),
noch appenzell. geschmackt Tobler 242
a; der gschmackt thet mir gar seltzam munten.
Garg. (1594) 138
a;
davon verschieden in der älteren sprache eine femininbildung, mhd. gesmahte,
duft: der bluomen gesmahte.
Flore 5682;
ahd. gesmeccheda,
wolgeruch Williram 67, 3
var., kesmecheda,
sapientia Notker
ps. 44, 2 (
St. Galler hds.).
vergl. die adjectiva geschmackt
und geschmacktig
sp. 3932. I@33)
der plural lautet gewöhnlich geschmäcke: der zucker ist ein demmer und meister aller geschmäcke. Tabernaem. 579; viel todter cörper, darvon viel böszer geschmäck erwuchsen.
Bocc. (1580) 1, 4
a; das er die geschmeck (
der weinsorten) eigentlich merke. Petr. de Crescentiis (1493) i 7
c; ehmals hatte man éinen geschmack. nun giebt es geschmäcke, aber sagt mir, wo sitzt dieser geschmäcke geschmack? Schiller XI, 101 (
xenien 27);
[] bisweilen ohne umlaut: die geschmack der spisze. Dief. 511
c; die geschmacke,
sapores Comenius
orbis pictus 1,
vortrag; aus denen unterschiedlichen geruchen, geschmacken des wassers.
Simpl. 2, 65, 27
Kurz; in der neuzeit scherzhaft auch geschmäcker: die geschmäcker sind verschieden. IIII.
Das wort hat zwei ganz verschiedene bedeutungen, die doch sachlich nahe verwandt sind und jede selbst wieder in zwei seiten entwickelt: der geschmack der nase
und der geschmack des mundes (
subjectiv und objectiv).
erstere bedeutung ist in der nhd. schriftsprache allmälich erloschen, lebt aber in den oberd. mundarten weiter, s. oben I, 2. II@AA.
der geschmack der nase oder für die nase. II@A@11)
geruch, dunst, duft, den etwas ausströmt, vgl. geruch
sp. 3747. II@A@1@aa)
überhaupt: geschmack,
odor. voc. inc. teut. i 3
a; der geschmack oder dampff ausz den silbergruben. Heyden
Plinius 196; was man in nüwe häfen schitt, den selben gsmack verlônt sie nit. Brant
narrensch. 6, 16
u. anm.; der weiroch (
des götzendieners der schwelgerei) ist der geschmack der speisz. Keisersberg
gran. k 5
a; je näher ich hinzuo kam, je mer entpfand ich ain geschmack des gekochten fleischs. Schaidenreiszer 53
b; der zugedeckt cörpel hat von den hunden nit megen errettet werden, die dem geschmack (
brenzlichen geruch) nachgeloffen.
Zimm. chron. 4, 153, 27; jetz bekumert sie (
macht ihnen verdrusz) der geschmack des schiffs. Albr. v. Eyb
ob einem manne 4
b; da sie (
feuerwächter) mit einem brantgeruch geschmack erfahrn, soll es alsbalt dem wachtmaister angezaigt werden.
östr. weisth. 6, 126, 13 (17.
jahrh.); mit mirrenholtz machen sy (
Araber) ir feür, welcher geschmack jnen vil kranckheit mächte, wa sy nit mit dem gebranten geruch storacis entgegen kämen. S. Frank
weltb. 187
b; tausentschön, ein kraut, tregt rosinrote blmle on geschmack,
amaranthes Maaler 399
c. II@A@1@bb)
wolgeruch. II@A@1@b@aα)
mit bezeichnendem adjectiv: ein wunderboum ... der gap sô guoten gesmac.
Flore 2080; von der edelen wurze kraft unde von der edelem gesmacke. Berthold von Regensburg 1, 389, 30
Pf.; und ging ein groszer süszer gesmag von dem crüze. Königshofen
in städtechron. 8, 392, 15; (
von verbrannten specereien) gieng jnen ein wolriechender geschmack entgegen.
Fortunatus K 5, 1530 P 3
b; (
rose) darvon süszer taw mit wolriechendem geschmack uszgeflossen ist. Cyrillus 81
b; da stuonden blümlin grosz und klein, von jn vil süszer gschmäck hargingen. G. Wickram
irr reit. bilg. D 3,
bl. 11;
bildlich: was gelt gytt, das hat guoten gschmack. Brant
narrensch. 83, 30. II@A@1@b@bβ)
schlechthin: darnach kamen die gesandten ausz Arabia mit wolriechendem gewürtz und edlen kreutern, der geschmack erfüllet das gantze heer.
buch d. liebe 226, 3; er fand unter den blumen eine, die war die schöneste ob allen von farben und geschmack. 41, 4; ein alte blum hat kein geruch noch geschmack. Lehmann
flor. 14; die kleider haben den geschmack, den Libanus nicht geben mag. Opitz 3, 17. II@A@1@cc)
übler geruch, gestank. II@A@1@c@aα)
mit bezeichnendem beiwort: ahd. ubelen gesmag prahton sie in mînen tisg. Notker
ps. 68, 23;
mhd. der tüfel lies mir die kammere vol gar übeles gesmackes. Nicolaus v. Basel 90
Schmidt; us dem loche ging für, rouch und böser gesmag. Königshofen
in städtechr. 8, 323, 9;
teter odor, abscheüchlicher gschmack. Cholinus-Frisius 857
a; wüster gschmack,
foetor Maaler 195
c; einen tödtlichen, pestilentzischen oder vergiffteten geschmack gäben,
mortiferum spiritum exhalare 172
d; den faulen geschmack der toden leichnam in den gassen.
Bocc. 7, 5
Keller; bildlich: es werde Belial ein ubel geschmack von der sachen für die nasen kommen sein. Ayrer
proc. 3, 2. II@A@1@c@bβ)
schlechtweg: der gstanck und gschmack in dinem (
des bockes) rock. Ruff
Adam u. Heva 829; so behalten sie die (
todten) ohn einige scheuw des gestancks oder geschmacks (dieweil sie steinhart gefroren sein). Fronsperger
kriegsb. 3, 152
a; der het gar ein schweren herten athem, das den geschmack keiner erleiden mocht. Pauli
schimpf 140
Österley; als sie nun die (
gefrorenen, mit kot gefüllten) donnen zuo dem feür brachten und fingen an warm zuo werden, da gewunnen sie iren natürlichen geschmachck (
so).
Eulensp. c. 46; auff dasz, wann schlagregen kommen, dieselben (
cloaken) ohne
[] sondere mühe, unlust und geschmack, durch das wasser für die stattmauren hinausz an fügliche ort hingeflötzt werden mö
gen. würtemb. bauordn. von 1655 63;
noch schweiz. gschmack
insbesondere der starke geruch, gestank Tobler 242
a. II@A@1@dd)
starkriechende lockspeise: diese thiere (
hummer) werden gefangen mit geschmack und aasz. Forer
fischb. 126
a. II@A@22)
geruchsempfindung, geruchssinn: geschmack,
geruch, einer von den fünff sinnen Maaler 172
d,
olfactus Gersdorf
feldb. d. wundarznei (1528) 98; geschmack der nasen,
odor Aler 915
b; der löuwe hat einen solchen starcken geschmack, dasz er der löuwin ehebruch, mit dem parderthier begangen, riechen solle. Heyden
Plinius 115. II@BB.
der geschmack des mundes oder für den mund. II@B@11)
als eigenschaft: der geschmack, den die sache hat,
sapor, gustatus Frisch 2, 204
b. II@B@1@aa)
eigentlich, im allgemeinen: mhd. sô habent die spîse ûf ertrîche niht mêre danne niun hande gesmac. Berthold von Regensburg 1, 220, 13. 221, 30
fg.; daʒ waʒʒer nimt auch gar sêr seinen gesmack von dem gesmeid (
metall) und von dem swebel, der in dem ertreich ist. Megenberg 103, 12; in ime (
ampfer) ist ein zengernder geschmagk. Petr. de Crescentiis (1493) p 8
a; brot, das voller lust und lieblichs geschmacks ist. Luther 1, 80
a; der samen (
des wundkrauts) ist eins seltzamen geschmacks auff der zungen. Bock
kräuterb. 163
a; Aristoteles erzehlt sibenerlei geschmäck, süsz, herb, scharpff, sawer, resz, gesaltzen, bitter. Henisch 1542; daher die chymisten, die allen geschmack vom saltze herleiten, diejenigen, so kein saltz in sich haben, ungeschmackte dinge heiszen. König
bei Canitz 391; ein französischer wein hat keinen solchen bürgerlichen geschmack nach dem stocke. Gellert
lustsp. 345; seltsames land! hier haben die flüsse geschmack und die quellen. Schiller XI, 111 (
xenien 108); zwei geschmäcke theilt' er aus, honig und wermuth, speise solcher geschmäcke kostete jeder. Göthe 6, 14, 12. II@B@1@bb)
insbesondere II@B@1@b@aα)
wolgeschmack: fisch und wein verlieren ihren geschmach mit der zeit. Henisch 1542; alle seine sachen haben kraft und geschmack. Stieler 1870; der sache einen geschmack geben,
condire jucundius. ebenda. II@B@1@b@bβ)
haut goût: wildpret, so schon einen starcken geschmack hat. Ludwig 753. II@B@1@cc)
bildlich: ich musz bei dieser gelegenheit erinnern, dasz es eine schreibart giebt, die nicht gefällt, weil sie, wenn ich also sagen darf, zu natürlich ist. sie hat wie das wasser gar keinen geschmack. Gellert 4, 12.
schwacher geschmack: tugend kann sich unserm alten stamm nicht so einimpfen, dasz wir nicht einen geschmack von ihm behalten sollten. Schlegel
Shakesp. 3, 235 (
Hamlet 3, 1).
würze, haut goût: ich entsage aller ironie, womit sie ihrer antwort einen so hohen geschmack zu geben bedacht gewesen. Lessing 11, 518,
vgl. die ahd. bedeutung '
schmackhaft machende zuthat': gesmah,
salsamenta Graff 6, 825. II@B@22)
die geschmacksempfindung: der geschmack, den der mund hat,
gustus Frisch 2, 204
b. II@B@2@aa)
im allgemeinen: geschmack,
sapor voc. inc. teut. i 3
a, gschmack am versuochen. Maaler 195
c; es wird hier auch gehen, als wo die ehrbaren hunde hochzeit haben: einer wird den geschmack, die übrigen nur den geruch darvon haben.
kunst über alle k. 43, 16; einen unangenehmen geschmack im munde haben. II@B@2@bb)
einer der fünf sinne: geschmack,
sapiendi et gustandi sensus Henisch 1542,
censura et judicium palati Stieler 1871;
mhd. got wolti den mennischin zirin, er gammi (gab ime) .. gismag. Diemer
ged. d. 11. u. 12. jh. 96, 3. II@B@2@cc)
wolgeschmack: deinen rachen sol reitzen der hunger und nit der geschmack. Keisersberg
irrig schaf (1510) A 6
b; da die schleckermäuler ihre gröste wollust in dem geschmack suchen. König
bei Canitz 395; er iszt und trinkt, um den kützel des geschmacks zu empfinden und zu vervielfältigen. Gellert 7, 51; er (
der schwelger) nutzt durch den öftern und unmäszigen gebrauch die werkzeuge des geschmacks ab, und fühlt weniger, weil er stets zunge, stets geschmack sein will. 52; Damis ist mäszig in den vergnügungen des geschmacks. 54; allerdings wird der zuchtlose lüstling mit speisen wechseln, also auch mit geschmäcken. J. Paul
Levana 1, 87. II@B@2@dd)
das verlangen nach einer speise: obst, wonach alle kinder einen erbgeschmack mit auf die welt bringen. Hippel
lebensl. [] 1, 327,
vgl. der magen hat den gustum, dasz er haben will was ihm schmeckt. Paracelsus
op. 1, 776
a. II@B@2@ee)
schwache geschmacksempfindung, eine spur davon: geschmack von einem dinge haben,
primoribus labris attingere Stieler 1870. II@B@2@ff)
in engerer bedeutung die fertigkeit, das angenehme und unangenehme in den speisen leicht und zuverlässig zu unterscheiden Adelung: der koch hat einen guten geschmack. König
bei Canitz 406; ein mensch, welcher von natur mit einem guten geschmack der zunge begabt ist. 409. II@B@33)
innerlich, übertragen vom körperlichen geschmack
auf den geschmack der seele Gellert 5, 148: einen innerlichen geschmack in etwas haben,
haverne sentimento Krämer 544
a. II@B@3@aa)
empfindung, in dem gedicht die neun geschmeck in dem ehlichen stand
von H. Sachs (1553): man find in der artznei, das der geschmeck sind neunerlei: süsz, essigeindt
u. s. w. die neun geschmeck teglich umbwaltzen im ehling stand bei arm und reichen ... erstlich der süsz geschmack sich find, wenn zwei zusam verlobet sind. 1, 518
d. II@B@3@bb)
wolgefallen, neigung, eine bedeutung, die sich durch das aufkommen der unter nr. 4
erörterten (
gefühl für schönheit)
weiter entwickelt und ausgebreitet hat: geschmack
metaphor. jucunditas, delectatio Stieler 1870; und wie, wenn eure gluth ein bloszes sinnenspiel, ein flüchtiger geschmack, ein kleines fieber wäre? Wieland 9, 87; hier sieht auf ihrer fluth die Pleisze gondeln gehn, die unter spiel und scherz .. auf Golitz (
Gohtis) freudig eilen, wo den geschmack musik und tanz und kuchen theilen. Zachariä
renommist 107. II@B@3@b@aα) geschmack abgewinnen,
früher im eigentlichen sinne: je älter freund, je besser freund, und wein müssen erst durch vil strudel probiert verjeren, sol man jn einen gschmack abgewinnen. S. Frank
spr. 1, 112
b;
mit scharfer ironie: der herr doctor hat neulich etwas von einem fürsten in mund genommen und demselben seinen geschmack abgewinnen müssen.
Simpl. 1, 4, 2, 361;
übertragen: sie gewann reinern vergnügungen im kreise der familie geschmack ab. Zschokke
ausgew. nov. 14, 251. II@B@3@b@bβ) geschmack an etwas finden, bekommen, haben, verlieren
u. s. w.: finden wir nicht zuweilen mehr geschmack an einer mischung des süszen und sauren, als an dem süszen allein? Gellert 5, 148; an denen dingen finde ich keinen geschmack oder kein wolgefallen. Ludwig 753; das ohr findet mehr oder weniger geschmack an einem wohl- oder übelklingenden gesange. König
bei Canitz 396; das volk würde an jenem (
Shakespeare) weit mehr geschmack gefunden haben, als es an diesen (
Corneille und Racine) nicht finden kann. Lessing 6, 42. 144; weil ich am schachbrett keinen geschmack finde. Schiller II, 182; man sagt auch längst im gemeinen leben von dingen, die den verstand angehen, der oder jener habe keinen geschmack daran. König 389; den geschmack an diesen lustbarkeiten verlieren. Wieland 2, 170; einen geschmack an der arbeit beibringen. Hugo
naturrecht (1819) 125; so können wir seinen geschmack am schweren und bunten nicht loben. Wieland
Amadis 2, 96. II@B@3@b@gγ)
mit andern präpositionen, geschmack für, zu, von etwas: geschmack für eitle künste haben. Zimmermann
nationalstolz (1783) 43; gemein und unedel ist, was den geschmack für das heilige abstumpft. Fichte
werke 6, 396; der geschmack (
des fürsten) zur baukunst. Göthe 25, 181; keinen geschmack von etwas haben,
non delectari aliqua re Frisch 2, 204
b; im fünften (
jahre) erlangte sie einen geschmack von schönen kleidern. Rabener
sat. 1, 116. II@B@3@b@dδ)
mit genitiv: wer hat dir den geschmack der liebe beigebracht. Günther 634; o selig! flöszte meine rede dir den geschmack des liebens ein. Haller
ged. 118; frage bei dem Didymus nach, wessen gedichte seine mädchen am liebsten lesen? .. mit welchen von beiden er sie selbst in dem geschmacke ihres berufes erhält? Lessing 8, 478. II@B@3@b@eε) in den geschmack kommen: meine freunde, welche in den geschmack gekommen waren, schauspiele aufzuführen. Göthe 18, 39; unser freund kam bald selbst in den geschmack, einige tolle streiche anzugeben und zu befördern. 19, 15. II@B@3@b@zζ) es ist nicht nach meinem geschmacke,
mihi non est ad palatum Steinbach 2, 457; er ist nach meinem geschmack,
probo eum Serz 53
a;
auch das ist mein geschmack:
[] ein starkes bier, ein beizender toback, und eine magd im putz das ist nun mein geschmack. Göthe 12, 49 (
Faust 831
Weim.); dein hang zur jagd, dein hang zum tanz, war gar nicht sein geschmack. Langbein
schriften 1, 63. II@B@3@b@hη) aus geschmack: weil ich das, was ich für thorheit hielt, nicht einmal aus geschmack, sondern blos um seinetwillen that. Göthe 19, 296; (
der weise, der) ohne sold und aus geschmack sie (
tugend) übet. Wieland 9, 190. II@B@3@cc)
vorschmack: freudengeschmack des ewigen lebens,
praegustus vitae aeternae Stieler 1871;
vorkenntnis, einige bekanntschaft mit etwas: damit wir einen geschmack von der attischen feinheit bekämen. Kraft
deutsch-lat. wb. 1043
b. II@B@3@dd)
innere erfahrung, kenntnis: es sei kein creutz und widerwertigkeit, davon ich nicht einen geschmack hab, und weisz, wie einem zu muht sei, der damit beladen ist. Schuppius 262; du hast keinen geschmack darvon,
du verstehst dich nicht darauf Aler 915
a. II@B@3@ee)
geistiger genusz: geistes-, sinnen-, verstandesgeschmack,
mentis delectamentum, kunstgeschmack,
artis gustatus Stieler 1871; gott lob! dasz hin und her noch manch gemüthe kostet, wie herrlich der geschmack gesunder dichtkunst sei. Günther 571.
vgl.dasz auch damen und cavalier einigen schmack der wissenschaften und gelehrsamkeit in der muttersprache erlanget. Leibniz im
weimar. jahrb. 3, 99. II@B@3@ff)
mystisch, vom innigsten erfassen gottes und der göttlichen wahrheiten mit dem gefühl und gemüt: diu fünften sprechent, eʒ (daʒ êwig wort) werde geborn in dem aller innersten des wesens der sêle unde diss werden gewar alle die krefte der sêle in einem götlîchen gesmacke. Eckhart
in myst. 2, 480, 29
Pf.; die kein geschmack der gotseligkeit oder wahrheit haben, sunder voller aberglaubens und gleisznerei. S. Frank
weltb. 112
a;
im gleichen sinne wie auch schmack
und schmecken
gebraucht werden: daʒ er gotes niht enhât gesmeket.
myst. 2, 168, 30; gott ausschmecken und fühlen wollen, ohne ihn zu sehen und zu erkennen. Herder
gott 187; empfindlicher schmack des leidens Christi. Carlstad
bei Luther 3, 86
a. II@B@44)
in anwendung auf das schöne, der geschmack
oder vollständig der gute geschmack,
*)
um 1700
übertragen aus dem franz. bon goût (
das seinerseits wahrscheinlich dem spanischen buen gusto
entnommen ist),
der sache nach zuerst von Christian Thomasius,
der 1687
in seiner abhandlung '
von nachahmung der Franzosen'
deren beauté d'esprit, bon gout (
so)
und galanterie
als vorbild und muster empfahl, wiewohl »
er damahls noch nicht wagen wollen, das wort goût
teutsch zu geben; so finden sich noch diese stunde viel leute unter uns, denen das teutsche wort geschmack
in figürlicher bedeutung, ob es gleich nunmehr häufig also gebraucht wird, dannoch nicht recht anstehen will, sonder zweifel aus dem bloszen vorurtheile, als ob der Frantzosen goût
und der Spanier oder Italiener gusto
besser klinge« J. U. König
untersuchung von dem guten geschmack in der dicht- und redekunst, in seiner ausgabe der gedichte des Canitz (1734) 386
fg.; dieses gusto
noch bei Göthes
mutter: gold, demanten, perlen, alles wolte ich mit dem besten gusto anwenden.
an die hzg. Amalia 42,
und bei Göthe: bildhauer, der in den neuen, leeren decorations-gusto verfällt.
an Lavater 57; man wählt sich die kleider nach gusto den schneider.
d. j. Göthe 1, 100,
das adj. gustös 296;
noch heute in der Schweiz gust
schweiz. id. 2, 492, gustôs
geschmackvoll 493.
selbst Bodmer
brauchte zunächst das französische wort: ich möchte gern den gout der Deutschen verbessern,
aber schon in der einleitung zu den '
discoursen der mahlern'
deutsch: die herausgeber wollten die tugend und den geschmack in ihren bergen einführen,
s. Mörikofer
schweiz. lit. 76
fg. —
abgesehen von Leibniz (
sp. 3931),
läszt sich geschmack
in dieser metaphorischen bedeutung zuerst in der deutschen übersetzung des '
oraculo manual'
des Spaniers Gracian
von Aug. Friedr. Müller,
Leipzig 1715,
und bei Joh. Christ. Günther
nachweisen; Gottsched
nahm das wort gegen widerstrebende meinungen in schutz: »
seitdem die vernünftigen tadlerinnen im 1725
sten jahre geschrieben worden, König Canitzens
gedichte 1728 (
richtiger 1727)
ans licht gestellet *)
vgl. den ausführlicheren aufsatz in Lyons
zeitschr. f. d. deutschen unterricht 6, 665
fg. [] und meine dichtkunst darauf erschienen ist, haben unzählige gute schriftsteller dies wort in solchem verstande gebrauchet.«
beobachtungen üb. d. gebrauch u. misbr. vieler deutscher wörter (1758) 116,
ferner im wb. d. schön. wiss. unter geschmack.
das aufkommen des bildes hängt eng zusammen mit dem umschwung der stimmung dem rhetorischen schwulst gegenüber, in den, veranlaszt durch den geschraubten lateinischen stil der humanisten, die dichtkunst der europäischen culturvölker seit dem ende des 16.
jahrh. nach und nach hineingeraten war, in Deutschland insbesondere gegenüber dem '
Lohensteinschen schwulst'
; als maszstab des schönen trat jetzt an die stelle der schulgelehrsamkeit das gesunde natürliche gefühl, der gute geschmack
im gegensatz zum schlechten, übeln, verderbten (
s. unten b, ε),
oder bald kurzweg der geschmack: die teutsche dicht-kunst war veracht, sie suchte sich zu bunt zu kleiden; bei hofe sah sie sich verlacht, denn der kan keinen schulschmuck leiden ... doch der geschmack und die natur fieng an sie edler auszuzieren. J. U. König
in Bessers
schriften (1732),
erklär. d. titelkupfers. II@B@4@aa)
in ursprünglicher bedeutung, die vom zeitalter Ludwigs XIV. ausgehende und den Franzosen nachgeahmte geistes- und geschmacksrichtung in kunst und poesie: ich sah ein bild einer bekannten schönheit aus der zeit Ludewigs des XIV, als göttin der liebe in einem wagen von tauben gezogen — mit einer fontange. das ging an im groszen jahrhundert des geschmacks. Sturz 1, 60,
nach dem franz. le siècle du goût; solche schriften, die stark und sinnreich denken lehrten, mit einem wort, die zum geschmack (
esprit fort) gehörten. Gellert 1, 202 (
der junge gelehrte); (
sie) liebt den geschmack, spricht mit dem feinsten witze, und schreibt die sprachen, die sie spricht. 209 (
der freier);
das gutachten des prof. Christ. Aug. Crusius
vom 3.
sept. 1768
an die kurfürstl. commission zur untersuchung der Leipziger studentenunruhen giebt als ursache u. a. die gefahr an, in die junge leute geraten durch docenten, die sie ... an hochachtung vor das heidenthum, die freigeisterei, die vermeinte galanterie, den so genannten geschmack, das ist vor nichtswürdigkeiten, die aufs feine, kostbare und sinnlich gefällige gebracht sind, gewöhnen;
als auch die französische geschmacksrichtung in festen formeln und gesetzen erstarrte, erlag sie den angriffen neuer bestrebungen, der geniebewegung und dem classischen zeitgeist: als ich das erstemal nach dem münster gieng, hatt ich den kopf voll allgemeiner erkenntnisz guten geschmacks. auf hörensagen ehrt ich die harmonie der massen, die reinheit der formen, war ein abgesagter feind der verworrnen willkürlichkeiten gothischer verzierungen.
d. j. Göthe 2, 208,
und spöttisch in seiner Shakespearerede: auf, meine herren! trompeten sie mir alle edle seelen, aus dem elysium des sogenanndten guten geschmacks, wo sie schlaftruncken, in langweiliger dämmerung halb sind, halb nicht sind, leidenschafften im herzen und kein marck in den knochen haben. 2, 43;
einen anklang bietet noch Schiller im
musenalmanach von 1797: warum will sich geschmack und genie so selten vereinen? jener fürchtet die kraft, dieses verachtet den zaum. XI, 177 (
tab. votivae 73). II@B@4@bb)
überhaupt, der sinn oder das gefühl für das schöne, beruhend auf gesunder natürlicher empfindung, vor allem im bereiche der kunst und poesie: die fähigkeit, das schöne in der kunst zu empfinden, der gute geschmack. Winkelmann 2, 383. II@B@4@b@aα)
als eigenschaft des einzelnen: ein feiner geschmack entdecket alsofort, durch hülfe der empfindung, was ein kunstverständiger durch den weg einer angestellten untersuchung erkannt hätte. König 409; die alten ... wuszten von keinen regeln, als von denen, welche der geschmack dem künstler vorschreibt, und welche ihn insgeheim leiten, ohne ihn ihre leitung fühlen zu lassen. Gellert 5, 266; nimmer belohnt ihn (
philister) des baumes frucht, den er mühsam erziehet, nur der geschmack genieszt, was die gelehrsamkeit pflanzt. Schiller XI, 169 (
tab. votivae 16);
angeboren, aber durch erziehung und übung geläutert und ausgebildet: also wird uns dieser gute geschmack zwar einiger maszen angebohren, bei demselben kan eine glückliche erziehung ein groszes thun. König 416; der geschmack wird durch die natürliche fähigkeit und den gebrauch erzeugt. man musz, um ihn gut zu haben, sich üben, damit man einen geschmack an solchen guten sachen finden möge, welche von
[] der vernunft und der erfahrung allbereits gutgeheiszen und bestätiget worden. Leibniz
recueil 2, 285,
von König 419
aus dem französischen übersetzt. II@B@4@b@bβ)
mit betonung der richtigen urtheilskraft: geschmack ist das vermögen zur beurtheilung des schönen. Kant 7, 43; geschmack ist das beurtheilungsvermögen eines gegenstandes oder einer vorstellungsart durch ein wohlgefallen oder miszfallen. 52; wer dich (
schöne frau) sieht, und das nicht glaubt, ist wohl des geschmacks beraubt. Günther 324. II@B@4@b@gγ)
im reinsten und höchsten sinne: man hat keinen geschmack, wenn man nur einen einseitigen geschmack hat. der wahre geschmack ist der allgemeine, der sich über schönheiten von jeder art verbreitet. Lessing 7, 2; dieser beste geschmack setzt eine solche geistige aufschlieszung für alle arten von schönheiten, ein solches rein- und schönmasz aller innern kräfte voraus, dasz .. ich nächst dem genie, das ihn nach entladung seiner geistigen vollsaftigkeit immer bekommt, nichts seltners kenne als ihn, den vollendeten geschmack. J. Paul
uns. loge 1, 133; der geschmack ist dem genie angeboren, wenn er gleich nicht bei jedem zur vollkommenen ausbildung gelangt. Göthe (1850) 23, 244. II@B@4@b@dδ)
als gemeingut und abstract: wir verehren Opitzen, als die erste quelle des guten geschmackes in der deutschen dichtkunst.
tintenfäszl 86; der gute geschmack fieng schon unter dem Augustus an in der schreibart zu fallen. Winkelmann 6, 1, 229; da nun der gute geschmack (
in Athen) allgemein wurde. 3, 60; ich musz unter dem volke noch der schöpfer des guten geschmacks werden. Göthe 10, 51; dasz ich einigermaszen etwas zu der verbesserung des geschmackes in meinem lande .. beitragen konnte. 64; dem künstler, dem lehrer des geschmacks. Herder
z. lit. 5, 193; ich hoffe, sie werden es wagen, diesen unbegreiflichen gebrauch (
das trauerspiel auf der bühne mit einem lustigen stück zu beschlieszen) zur ehre des geschmacks zu verbannen. Sturz 2, 171; es scheint, das günstige jahrhundert des guten geschmacks sei für die Deutschen erschienen. Gellert 5, 279; wenn ein kühner geist in den tempel des geschmacks durch einen neuen eingang dringt. Lessing 3, 324,
vgl.le temple du goût,
gedicht von Voltaire; die gottheit des geschmacks zählt jedes kenners zähre. 1, 209. II@B@4@b@eε)
im gegensatze zum guten
der schlechte geschmack: der schlimme geschmack König 406
u. ö.; ein kerl von üblem geschmacke, der an einem von Zeuxis selbst gemahlten bilde der Helena nichts schönes finden konnte. 414; in gemalten verzierungen war man damals (
unter Augustus) schon auf einen übeln geschmack gefallen. Winkelmann 6, 1, 229; falscher geschmack. Schiller III, 594; anklagung des verderbten geschmackes,
eine schrift von Bodmer 1728; der verderbte geschmack des Nero, welcher die bronzenen figuren berühmter bildhauer vergolden liesz. Winkelmann 7, 227; eine elegie über den pöbelhaften geschmack der neuern anstimmen. Herder
z. lit. 5, 187. II@B@4@b@zζ)
die erscheinung des schönheitssinnes an kunsterzeugnissen: ein kunstwerk, ein gedicht hat geschmack; eine münze von geschmack. Herder
z. lit. 5, 177; der gute geschmack eines gemäldes. Jacobsson 2, 68
a; in ihm (
Pergolese's stabat mater), ihr Amphionen, studiert den hohen geschmack, das wahre zum ungefärbten schönen in edler einfalt gepaart. Wieland
n. Amadis 2, 98. II@B@4@b@hη)
die eigenartige geschmacksrichtung eines künstlers, volkes oder zeitalters und ihre erscheinung in kunstwerken und kunstschriften, stil, manier: nach altem griechischen geschmacke. Herder
z. lit. 5, 174; auf den text (
der Dittersdorfischen opern) wendete man viel mühe, um ihn dem obersächsischen geschmack mehr anzueignen. Göthe 30, 258; die musik der neueren scheint es vorzüglich nur auf die sinnlichkeit anzulegen und schmeichelt dadurch dem herrschenden geschmack, der nur angenehm gekitzelt, nicht ergriffen, nicht kräftig gerührt, nicht erhoben sein will. Schiller X, 154; man unterscheidet in der malerei drei arten des geschmacks, den italienischen, niederländischen und französischen. Jacobsson 2, 68
a; gebäude in gothischem geschmack. Forster
ans. 1, 458; ein gemälde in Rubens' geschmack. Adelung; es (
gebäude) ist im kleinen geschmack, sagt der Italiener (
geringschätzig). Göthe 39, 341; eine wochenschrift im geschmack des englischen zuschauers. 10, 68. II@B@4@b@thθ)
feinsinniges verständnis, mit abhängigem genitiv: die kleinen geister schaudern vor diesem trank (
der allegorie), weil känntnisz und geschmack des alterthums, ja fast ein dramatisches
[] genie dazu gehört. Herder
fragm. 3, 172; nur bemerke ich, dasz die änderungen (
in den elegien), welche wegen versbau und sylbenmasz gefodert wurden, nicht auf kenntnisz noch geschmack der sache und der sprache gegründet waren. Knebel
an Göthe 1, 124;
mit der präpos. von: von schönen wissenschaften hat er gar keinen geschmack. Rabener
sat. 4, 414. II@B@4@cc)
das schönheitsgefühl ausgedehnt auf alle gebiete des lebens, und ganz verallgemeinert, das gesunde gefühl: der allgemeine gute geschmack ist eine aus gesundem witz und scharfer urtheilungskrafft erzeugte fertigkeit des verstandes, das wahre, gute und schöne richtig zu empfinden und dem falschen, schlimmen und heszlichen vorzuziehen. König 405; (
abt Dubos hat) diesen geschmack des verstandes für den sechsten sinn ausgegeben, welcher sich in uns befinde, ohne dasz uns dessen werkzeuge bekannt wären. 399. II@B@4@c@aα)
am wärmsten und weitesten gefaszt als der allgemeine innere leitstern der seele, '
takt'
im weitesten sittlichen sinne: der gute geschmack in sittlicher deutung heist eine durch die vernunft geübte gemüths-empfindung, das wahre zu erkennen, das gute zu verlangen und das edelste und beste zu wehlen. dieser geschmack verbessert unsre meinungen und begriffe, und leitet uns zur selbst - erkenntnisz, zu der wahren ehr - liebe, und zu der überwindung unsrer selbst. ein mit solchem guten geschmacke begabter mensch läst sich nicht durch seine eigenliebe verführen, noch durch eigene verdienste verblenden, sondern weisz auch das gute an andern zu erkennen, und endlich durch diesen geschmack sein gantzes leben mit vergnügen zu würtzen. König 428
nach Gracian; der schwedischen königin Christina geschmack, in sittlichem verstande, war eben nicht der beste. 434; die gegenstände, welche seinen sittlichen geschmack ehmals beleidiget hatten. Wieland 1, 298 (
Agathon 6, 3); der moralische geschmack Gellert 6, 42,
s. unter gefühl 6,
b, γ sp. 2178; der mensch von geschmack entzieht sich freiwillig dem groben joch des instinkts. Schiller X, 409. II@B@4@c@bβ)
politisch: in der weltklugheit heist der feine geschmack eine fertigkeit das billige dem unbilligen, das nützliche dem schädlichen, das unsrer absicht beförderliche dem verhinderlichen, und das thunliche dem minder thunlichen vorzuziehen. König 429. II@B@4@c@gγ) geschmack in der gelehrsamkeit: in wissenschaften ist der gute geschmack ein fertiges vermögen, von dem unrichtigen und schlechten das gründliche und beste zu entscheiden, jenes zu meiden, diesem nachzuspüren. König 435; geschmack in der weltweisheit. 436
anm., mit verweisung auf Shaftesbury
characteristicks p. 158; Leibniz
hatte bereits 1679
in seiner '
ermahnung an die Deutschen'
nach dem franz. bon goût
das wort geschmack
in der bedeutung '
gesunde richtung und beurtheilung'
auf die wissenschaft angewendet: so gehet es uns wie den mönchsgelehrten vor etlich 100 jahren, da man den rechten geschmack der edlen wissenschaft verloren gehabt und sich anstatt eines wohlgesichteten weizens mit eicheln, spreu und kleie beholfen.
weim. jahrb. 3, 97. II@B@4@c@dδ) in der gottesgelahrtheit heist der geistliche geschmack eine seelenempfindung, innerliche erfahrung oder geistliche überzeugung
u. s. w. König 426
fg. II@B@4@c@eε)
schönheitssinn und schicklichkeitsgefühl im alltagsleben: in dem gemeinen leben und in dem umgange der welt überhaupt heiszt der geschmack eine kraft des gemüthes, das zu empfinden und zu beurtheilen, was gefällt oder miszfällt, gebräuchlich oder nicht gebräuchlich, wohlanständig oder unanständig ist, und erstreckt sich bis auf unsere rede und geberde .. er herrschet fast über alle handlungen des menschen bis auf die geringsten kleinigkeiten, von der ersten kunst bis auf das letzte handwerk. er verräth sich aus unsern moden, aus unserm zeitvertreibe, gange, stellung, tanzen und andern leibes - übungen. er erscheinet aus der anordnung eines fests, eines balls ... man entdecket ihn aus der anlegung eines gartens, aus dem aufputz eines zimmers, aus der wahl unsrer bücher, pferde, kutschen, hausrath ... man erblickt ihn aus der erwehlung eines bands, einer farbe eines tuchs oder eines andern stoffs zur kleidung, ja aus der art sich zu kleiden selbst. König 430
fg.; ihren putz machte sie selbst, sogar vieles von der kleidung, und stets im geschmack (
nach der mode). Freytag
neue bilder 301 (
aus dem jahre 1751, Semlers
lebensbeschreibung); kleide dich mit bestem geschmack, vorausgesetzt, dasz, wie sie sagen, der gute geschmack nicht theurer ist als der schlechte. Göthe 15, 15;
[] dasz dein feiner geschmack urtheil', ... ob der Amalia kunst mir wohl anlegte den brautschmuck. Voss
Luise 3, 1, 494. II@B@4@c@zζ)
die art, wie man fühlt und denkt, die denk- und anschauungsweise sowol des einzelnen: in meinem alter hat der geist schon unvergängliche falten, der geschmack wird unbiegsam. Sturz 1, 71; es ist nicht blosz eigensinniger geschmack, wenn ich so urtheile. Lessing 7, 113; ich würde hierin sehr seines geschmacks sein (
bezüglich der zwischenactsmusik). 120; für meinen geschmack ist er (
wahlcandidat) zu jung. Freytag
werke 3, 59;
wie die einer gesamtheit: der einreiszenden lustseuche haben wir eine totale reformation des medicinischen geschmacks zu verdanken. Schiller I, 157; nach dem geschmack der alten schule eine physik der historie schreiben. Zimmermann
nationalstolz (1783) 43; der könig ist tugendhaft im bürgerlichsten geschmack. H. Heine (1862) 9, 207; (
der Tartarfürst unterliesz) den europäischen geschmack (
ammen zu halten) in seinen horden einzuführen. Gellert 1, 185;
richtung, zug der zeit: auch ist izo der grosze geschmak, seinen wiz auf kosten der religion spielen zu lassen. Schiller II, 10, 15 (
räuber, zweite vorrede).