schnausen schw.: 1.a. 'an Speisen, an Süßigkeiten, am Weihnachtsgebäck naschen, heimlich etwas Gutes essen, stibitzen', auch von Katzen und vom Vieh gesagt,
schnause (šnausə) [verbr. WPf LU-Altr, PfId. 127 Müller Dietschw 66 Thielen 101 Wilms Alph. 49, Lambert Penns 137 Don-Lenauheim Schowe Torscha Jakob Eigw. 175 Albrecht 111 Krämer Gal 190 Buch-Illisch],
schnuse (šnūsə) [HB-N'alth ZW-Gr'steinhs Maßw Walshs KL-Landstl PS-Hintwdth Ruhbk Th'eischw W'fischb];
Part. Perf.
geschnaust [KB-Kriegsf, Krämer Gal 190],
gschnaust [Lambert Penns 137 Don-Lenauheim Schowe Torscha];
vgl. schmausen 1,
schmecken,
schnäken.
Der dut häämlich sch. [HB-N'alth].
Hosche (Hast du)
geschnaust? [KB-Kriegsf].
Dau kannscht 's Schnause iwwerhaabt net lorre 'Du bist dauernd am Naschen' [NPfGV 8/1934].
Un's Worschtstick war alsfort so läschterlich kleen, / Drumm schnaust sich der Lausert als hie un do een! [Müller Butterbärwel 17].
Die Buwe schnause sich Gummere (Gurken)
aus'm Hawe un esse se so, d. h. sie essen sie ohne Brot [KU-Schmittw/O].
Die Buwe sch. gere Obs [KU-Schmittw/O]. Von naschenden Kindern:
Gudsi 'Süßigkeit'
sch. [RO-Rehborn],
am Guds'che sch. [KU-Eschau]. Vorwiegend von Tieren (Hund, Katze, Kuh) gebraucht [KU-A'glan WD-Niedkch RO-Mannw Ruppeck Unkb ZW-Maßw KL-Alsbn Erlb Heilmosch Hirschhn Hütschhs Schneckhs PS-H'eischw KB-Dreis Kriegsf Stett]. Wenn die Kuh auf der Weide bald da, bald dort anfängt zu fressen,
schnaust sie [IB-Nd'würzb].
's Vieh geht sch. 'Das Vieh frißt verbotenerweise im Getreidefeld oder im Rübenacker' [KU-Bedb].
Die Katz schnaust [RO-Rehborn HB-Nd'bexb KL-Hütschhs Kottw/Schwand].
Sie war sch., wenn die Katze genascht hat [RO-Unkb].
Die Hunn sch. gere 'Hunde
stehlen gerne Knochen, Fleisch usw.' [KU-Schmittw/O]. RA.:
Ich geh der gleich sch.! 'Hör bloß mit dem Naschen auf!' [ZW-Lambsbn].
Er schnaust wie e Katz [KU-Hinzw].
Du hascht 'm Paff die Griewe geschnaust, do harrer (hat er)
der e paar nogeworf, zu jemandem mit Ausschlag am Mund [KU-Eschau];
vgl. Griebe 1 a und 2 a,
Griebenmaul, -schnuß, -schnute. Neckvers für die Bewohner von RO-Unkb:
Die Unkebacher Fause, / geh'n uff Moschel schnause. / Schnause de Moscheler alles ewegg, / hun die Moscheler dicke Dreck [Hebel 92];
vgl. Fausen,
Moschel 2. — b. 'herumstreichen und nach Eßbarem, nach Leckereien stöbern,
z. B. vor Weihnachten nach versteckten Plätzchen suchen',
schnause [mancherorts WPf, FR-Bissh],
schnuse [IB-Herbh ZW-Stamb PS-Claus]; Zs.:
durch-,
herumschnausen;
sch. geh [RO-Lohnsf].
Er geht sch. [KU-Herchw].
Sie schnaust iwweraal erum, for ebbes se erwische [HB-Kirrbg]. — 2. 'nach Heimlichkeiten, Verborgenem in einer Wohnung, einer Schublade, in Büchern usw. stöbern, etwas durchsuchen, herumschnüffeln, auskundschaften',
schnause [KU-Wolfst Kus ZW-Käshf Zweibr KL-Queidb U'sulzb Kaislt PS-Geisbg H'eischw KB-Ilbh BZ-Dernb, Donnersberg (PfId. 127) Bayer Hackm. 62 Juner 90 Müller Dietschw 66 Schandein Ged. 248],
schnuse [PS-Rodalb (Bernhard 166) LA-Venn Don-Schowe Torscha]; Zs.:
ausschnausen;
sch. gehn [Zweibr].
Er schnaust dorum [Wilms Alph. 49].
Der do schnaust mer alles aus, von einem Neugierigen [KL-Hütschhs].
Die zwett Strooß links, dort muscht-de schnause [Siebenlist 19]. — 3.a. 'stehlen' [KU-Bedb Cronbg Erdb Gumbsw Heinzhs Hundh Lohnw Nerzw O'alb Obw/Tiefb Wolfst RO-Dielkch Odh Rehbn KL-Stelzbg PS-Geisbg, Thielen 101]; Syn.
s. stehlen;
schnause gihn [KU-Schmittw/O]. — b. 'wildern' [RO-Dielkch Feilbg Pirmas].
Er geht sch. [Pirmas]. — 4. 'verstohlen den Mädchen nachlaufen, zu den Mädchen gehen', von jungen Männern,
schnause [KU-Bedb HB-Schwarzack KL-Drehthhf].
Er geht gere sch. [KU-Bedb];
vgl. herumschnusseln. — 5. 'beim Kartenspiel zusehen', vom 5. Spieler, wenn 4 miteinander spielen [KU-Ehw KL-Eulbis Reuschb]; Zs.:
hereinschnausen; Syn.
s. kiebitzen 1. — 6. 'im Haushalt herumwirtschaften',
schnause [IB-Aßw KL-Dansbg Schneckhs],
schnuse [PS-Trulb]. — 7. '(nach einer Anstrengung) heftig atmen, schnaufen', auch von Tieren,
schnuse [HB-Medh Peppk IB-Ballw Bebh Bliesmg/Bolch Ensh Erfw/Ehling Eschring Gersh Reinh Rubh Seelb Witth ZW-Gr'steinhs PS-Schweix, IB-Ensh (Glass 108) Ommh (Walle 35)]; Syn.
s. schnaufen 1 b.
Er schnust [IB-Eschring].
Der schnust awer! [PS-Schweix].
Die Kuh schnust [PS-Schweix].
De Dokder seed, ich hädds Schnuuse 'Schweratmigkeit, Asthma' [IB-Ensh (Glass 108)]. —
Rhein. VII 1570/71; Lothr. 463;
Els. II 508 schnaüsen; Schwäb. V 1040 schnäusen; Hess.-Nass. III 339;
DWb. IX 1209.