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strauch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strauch m.

Bd. 19, Sp. 964
strauch, m. (selten n., s. 3 c), frutex. herkunft, verbreitung und form. mhd. strûch, mnd. nnd. strūk; mnl. struuc, struyc, nl. struik; nicht belegt im ags. bzw. engl. und auszerhalb des westgerm. das wort gehört mit lit. strùgas, striùgas, strùkas 'kurz, gestutzt' zu streug-, erweiterung von streu- zu ster- 'starr, steif sein', s. Walde-Pokorny 2, 634, Fick idg. wb. 43, 503, wozu auch nasaliertes strunk (teil 10, 4, sp. 129), norw. strokk (beide < germ. *strunka-) gehören. Lindqvist (PBB 43, 109ff.) sieht in dem wort eine s-variante zu mhd. rûch 'rauh'. das wort erscheint zuerst in mitteldeutschen belegen des ausgehenden 12. jhs., wenig später folgen mnd. und mnl. zeugnisse, z. t. mit abweichender bedeutung (s. 3 und 4). auszer bei Hartmann v. Aue und Oswald v. Wolkenstein im obd. bis zum 16. jh. nicht belegt, erst dann allmähliches vordringen mit der hochsprache (s. 1). noch heute fehlt das wort, das nd. und md. durchgängig bezeugt ist, den obd. maa. ('nicht volkstümlich, [] dafür stūd' schweiz. id. 11, 2047; 'nicht populär, dafür busch, staude' Fischer schwäb. 5, 1833; 'weit minder volksüblich als boschen, ... stauden' Schmeller-Fr. bayer. 2, 805). der plural endet anfänglich auf -e; noch Adelung verzeichnet als übliche form sträuche, doch 'in den gemeinen maa. sträucher' 4 (1780) 805, ähnlich Campe 4 (1810) 697a. die -r-form taucht vereinzelt schon im spätmittelalterlichen dt. auf: auf struchirn md. Marco Polo 65, 25 Tscharner; in den strûchern (1414) urk. v. Meiszen 2, 869; weiterhin Burkhard Waldis Esopus 2, 16 Kurz; B. Krüger Clawerts werckl. hist. 36 ndr.; Gryphius trauersp. 319 P.; häufiger dann im 18. jh.; ein nebeneinander beider pluralbildungen begegnet u. a. bei Chr. Günther (mit apokopiertem -e zur erfüllung des versmaszes) sträuch und bäume ged. (1735) 185, gegen von balsam -sträuchern 647; sträuche Schiller 11, 235 G. neben sträucher 12, 30; Göthe hat allgemein die ältere form auf -e, aber auch sträucher, s. I 1, 280 W. nur noch vereinzelt steht die -e-form im schrifttum des 19. jhs., vgl. Hegner ges. schr. (1828) 5, 226; Grabbe w. 3, 514 Bl.; Alexis Roland (1840) 2, 62; Grillparzer s. w. 7, 147 S.in den maa. hat sich der -er-plural nicht überall durchgesetzt, vgl. strüke Schambach Göttg. 215a; Woeste westf. 259b; štrixe Hofmann ndhess. 233; Pfister nachtr. zu Vilmar 289; sowie apokopiertes strüch Rovenhagen Aachen 143; Hönig Köln 177b; streich Ph. Laven ged. in Trierer ma. 278. bedeutung und gebrauch. 11) in der hauptbedeutung mit der mehrzahl aller belege entsprechend lat. frutex, d. i. holzpflanze mit sich fast von der wurzel an teilendem stamm; 'der strauch eine pflanze mit holzigem stamm, dessen ebenfalls holzige äste schon in geringer höhe über dem boden beginnen und dann in seiner ganzen länge entspringen' Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 84; pflanzen, welche jährlich oder nach dem blühen absterben, heiszen kräuter (herba); deren wurzel allein ausdauert, stauden (suffrutex); welche mehrere holzstengel auf der wurzel haben, sträucher (frutex) Oken allg. naturgesch. 2 (1839) 27. gleichzeitig mit den frühesten literarischen zeugnissen (ende 12. jh.) findet sich strauch 'frutex' als zweites kompositionsglied in einzelnen glossen: drauoca vel lappa cliuestruc, clete (westfäl. 12. jh.) ahd. gl. 3, 719, 44 St.-S.; baccus brambere struch (13. jh.) ebda 3, 536, 29; batus bramenstruch, bramelstok ebda 3, 549, 53. doch bleibt strûch, strauch bis in frühnhd. zeit selten belegt neben häufigerem stûde, staude, vgl. W. Grimm kl. schr. 3, 284. die frühen deutschen wbb. lassen in ihrer glossierung zu frutex das allmähliche vordringen von strauch aus dem nieder- und mitteldeutschen raume in die hochsprache erkennen: stüdle Heyden nomencl. rerum (Zürich o. j.) D 2b; staud Pinicianus prompt. (Augsburg 1516) A 8c; ein stude Trochus vocabul. rerum (Leipzig 1517) J 4b; ein staud Dasypodius dict. (Straszb. 1536) V 3b; ein stud Frisius dict. (1556) 589b; staud Ruland dict. (Augsburg 1586) 67a; vgl. ferner Diefenbach gl. 249c s. v. frutex. dagegen: strauch Er. Alberus (Frankfurt 1540) r 3b; struyck schat d. nd. spraken (Antw. 1573) Ee 2a; Calepinus unterscheidet germ. ein staud, belg. een struyck dict. ling. sept. (Basel 1579) 611a; frutex ein struck, fruticetum ein ordt dar vele strüke wassen Chyträus nomencl. (Rostock 1585) 453; dagegen hat Golius onomast. (1579) 361: 'frutex' staud, ... fruticetum ein ort, da vil stauden wachsen; nidere bäumlin oder sträuchlin virgultum Emmelius nomencl. germ.-lat. (Straszb. 1592) 43; strauch, hecke, pusch siesce ò boscaggio Hulsius-Ravellus dict. (Frankfurt 1616) 312a (aber noch nicht bei Hulsius teutsch.-it. 1605); dumus ein dornbusch, allerlei hecken vnd sträuch Corvinus fons lat. (Lpz. 1623) 236; ein staude, strauch Orsäus nomencl. (1623) 41; dornbusch vnd hagen (hecken) [] werden sträuche genennet Comenius güld. sprachen thür (Hamburg 1638) C 3b. im 17. jh. steht strauch gleichberechtigt neben dem vorwiegend obd. staude, das mundartlich bis in die neu. zeit erhalten bleibt (s. o.), dagegen in der literatursprache im 18. jh. dem nunmehr geläufigeren strauch weichen musz. umgangssprachlich stehen sich obd. staude und md., nd. strauch (strûk) gleichbedeutend gegenüberfür eine botanisch begründete bedeutungsmäszige abgrenzung von strauch gegen staude vgl.staude teil 10, 2, 1, sp. 1141ff. 1@aa) der allgemeinen vorstellung von strauch liegt einerseits der charakter der holzpflanze, andrerseits die mittelstellung hinsichtlich der grösze zwischen kräutern und bäumen zugrunde: wie die halsberch clanc, dar he ouer die struke spranc könig Rother 4211 de Vries (oder zu unten 4?); der vischer was ein guder man der hiez in in die galine gan. er ginc zu eime struche, er brach ein loup ruhe, daz hielt er fur sine schame, ander wat het er nit ane Orendel 555 Steinger; wie es weiter in den streuchen und hecken dieselbig nacht ergangen, das lasz ich bleiben Zimmer. chron. (21881) 1, 478 Barack; es bleibet aber deren (der johannisbeeren) strauch ein purer busch am gewächse seines holtzes, und ist also in den wäldern wegen seines holtzes nicht viel zu ästimiren Döbel jägerpractica (1754) 3, 30; vom wind ergriffen, der ietzt der bäume wipfel durchsauset, bückt jeder baum sich, und zittert und rauscht. er rauscht, und schüttelt den schnee von den ansehnlichen armen auf seine kinder, die sträucher, herab Giseke poet. w. (1767) 117; es sind alles sträuche und bäume, welche ... den winter aushalten Göthe IV 8, 192 W.; dasz sie doch diese sträuche so geplündert! ... an jenem zweige hängt wohl eine rose Grillparzer s. w. 4, 166 Sauer; im frühling, ... findet man ... stoppeln und wiesen, sowie sträucher ... mit einer unzahl von feinen fäden überzogen Laistner nebelsagen (1879) 95; zudem sah ich dort einen strauch der sagenreichen hasel H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 152; Bernadette beginnt aus den sträuchern ruten zu knicken Werfel Bernadette (1948) 49. der begriff der holzpflanze stellt zwar eine beziehung von strauch zu baum her, doch gibt die auffällige abgrenzung zu baum hinsichtlich des niedrigen wuchses einem wertenden nebensinn des untergeordneten und geringen raum: so bleibt ein grüner strauch von blitzen unverletzt, wenn der erhitzte grimm in hohe cedern setzt Gryphius trauersp. 73 lit. ver.; wie syrische cedern unter geringern sträuchen; so glänzte die göttliche schöne königlich unter der niedrigern schaar liebenswürdiger schwestern Wieland I 1, 161 akad.; himmlischer! sucht nicht dich mit ihren augen die pflanze, strekt nach dir die schüchternen arme der niedrige strauch nicht? Hölderlin ges. w. 2, 23 v. Hell. so bes. in bildlich vergleichender redensart für das geringe: du bildest dir ein: dasz ... der grimm wie gewisse winde über niedrige sträuche überhin streiche Lohenstein Arminius (1689) 2, 873a; nicht nur die kleinen sträucher, sondern auch die hohen thannen und cedern gottes werden von wind und wetter getroffen, und müssen offt mehr ungewitter ausstehen, als niedrige sträucher Sperling Nic. quaerens 2 (1719) 585; die sonne blickt nicht nur die höchsten cedern an, weil sie auch ihren strahl auf schlechte sträucher schicket Neukirch anfangsgründe z. teutschen poesie (1724) 570; [] ich kleiner mensch, der als ein niedriger strauch unter den hohen bäumen stand, ging durch diese oft recht verletzenden bebungen, stösze und gegenstösze mit leidlichem glück unbeschädigt hindurch Arndt w. 2, 133 R.-M. 1@bb) niedrigkeit und vom boden ausgehende verästelung führen dem wortsinn das moment der dichte, teilweise der undurchdringlichkeit zu; strauch als dichtes, verschlungenes, darum etwas verbergendes oder für den menschen schwer passierbares gewächs: ir edelen, habet die enge unwert: der wolf ist gerne in strûchen Heinrich v. Meissen 55, 19 Ettm.; und stach in durch die ringe vorme scilde in den buch und warf in tot in einin struch Athis u. Prophilias in: mhd. übungsbuch (21926) 71a Kraus; (der hirt) verlegt das ellend kindlein auch im wald in eynem grünen strauch Hans Sachs 2, 89 lit. ver.; so es (der vogel strausz) den halss in die kleynen streüch ... verbürget, will es wänen, man sehe es nit Eppendorff Plinius (1543) 137; kein vogelsteller kan ... sich so unvermerckt hinter die sträuche verbergen Riemer polit. maulaffe (1679) 285; (meine kameraden) folgten mir in einen busch nach, und weil daselbst ein strohm (war), der ein sehr hohes ufer und unten sträuche hatte, sprungen wir hinunter und verbargen uns so gut wir kunten Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 124; oft beschleichet sie der gott der liebe, in grünen grotten dicht verwebter sträuche S. Gessner schr. (1777) 1, 14; wenn den fliehenden hirsch eben sein gepriesenes gehörn zwischen den sträuchen festhielt Herder 23, 258 S.; ins gebüsch verliert sich sein pfad, hinter ihm schlagen die sträuche zusammen Göthe I 2, 62 W.; sie müsste durch der sträucher bunt' geflecht sich mühsam winden Raupach dram. w. ernster gattg. (1835) 1, 22; dann gingen sie in den wald hinein ... dann wieder durch dichtes gestrüpp, so dicht, dasz Reinhard vorangehen muszte, um einen pfad zu machen, hier einen zweig zu knicken, dort eine ranke beiseite zu biegen ... er konnte sie nicht gewahr werden; endlich sah er sie in einiger entfernung mit den sträuchern kämpfen; ihr feines köpfchen schwamm nur kaum über den spitzen der farnkräuter Storm s. w. (1898) 1, 10. im sprichwort: wer den rechten weg utgeit, den sleit kein struk int age Schambach Göttingen 215. redensartlich: keinen hinter dem strauche suchen, man habe denn selber dahinter gesteckt ex suo quisque ingenio alios metiri Steinbach dt. wb. (1734) 736; mer sucht niemand hinnern strauch, wemmer nich sälwer dohinner gestäckt hat Müller-Fraureuth obersächs. 2, 573; vgl. auch Leithäuser Barmen 153; da musz auch kein schelmenliedchen hinterm strauch ungestraft gepfiffen werden Bettine dies buch geh. d. könig (1843) 1, 273; bleib mit deinen besten gaben ruhig hinterm strauch! krüppel will den vortanz haben: das ist weltgebrauch Hoffmann v. Fallersleben leben (1868) 2, 149. 1@cc) strauch in seiner natürlichen, botanischen erscheinungsform, blüten und früchte tragend: ouch ist do vil ingebers und cynomyns und andir kruyde dy wir nicht han geseen noch gehort nennen, und do sint neylikyn, dy do wachsin uf kleynen struchin md. Marco Polo 32 Tscharner; der pfeffir wechst uf den heymischin struchirn ebda 65; denn ob zwar die rosen auf einerley strauche ... weder an grösse noch farbe einander gleichen, so ist doch zwischen ihnen ein unerkenntlicher unterscheid Lohenstein Arminius (1689) 2, 21b; o sieh die rose! gestern blühte sie; nun hängt sie, von des sturmes hauch entstellt, und blätterlos am strauch Miller ged. (1783) 11; [] zwar fehlen dem jahre noch die früchte frisch vom strauche gepflückt (1840) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 406 Schulte-K.; lasz uns den knaben in den garten schicken, dasz er vom strauche seinen nachtisch nasche Rückert ges. poet. w. (1867) 10, 300; hier ist noch kaum eine blüthe auf den sträuchern, noch eine blume in den gärten zu sehen Pückler br. u. tageb. (1873) 4, 135; sie nahmen miteinander haselnüsse ab. er hockte oben im strauch und pflückte Kahlenberg Eva Sehring (1901) 73. im sprichwort: ist das mädchen flügg und reif, scheut es nicht den vogel greif: wie die braunen nüsse auch leichtlich fallen von dem strauch Binder sprichwörterschatz 127; krumme sträucher tragen die besten beeren Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 513a. 1@dd) in der aufzählung neben anderen klassifizierenden begriffen des pflanzenreichs stützt strauch durch merkmale seiner charakteristischen eigenart die jeweilige vorstellung, die der aufzählung zugrunde liegt. neben baum und kraut (bzw. neben wörtern, die diese begriffe vertreten) ergänzt strauch die begriffsreihe zur vorstellung von pflanzenwelt, flora schlechthin: impius non est arbor, strauch, reis, halm, eher (1541) Luther 49, 230 W.; ihr blumen in der gantzen welt ... ihr gräslein alle kriecht herfür ... ihr sträuch' und püsche grosz und klein ... ihr bäume beyde wild und zahm, kommt lobet meinen bräutigam (1657) A. Silesius heil. seelenlust 214 ndr.; seyd tausendmal gegrüszt ihr felder, sträuch und bäume Günther ged. (1735) 185; der himmel teilt die gaben, wie er will, nicht jedes klima, jeder boden giebt dieselben früchte; nicht auch jede zeit, noch jeder baum und wurzel, halm und strauch dieselbe Herder 18, 213 S.; sie ... trug das schlafende unbewuszte (kind) zwischen blumen und blüthen her, ... zwischen jungen sträuchen und pflanzen Göthe I 20, 307 W.; mein pfad wand sich immer steiler die felsen hinan, immer unfreundlicher die natur umher, die bäume starben aus, die sträucher, und endlich erlosch auch der letzte schimmer des grünen grases unter meinen füszen Tieck schr. (1828) 8, 103; die sträucher und steine, die kräuter und blumen, die formen des bodens schmiegten und duckten sich unter den schutz der bäume und verbanden sich überall mit dem groszen ganzen, welches mir lächelnd nachsah und meiner ratlosigkeit zu spotten schien G. Keller ges. w. (1889) 1, 200. häufiger stehen die glieder der aufzählung einander variierend, indem sich jeweils ein besonderes gemeinsames merkmal in den vordergrund der bedeutung schiebt. so der nebensinn des grünenden, blühenden: die wippel an kreutern und streuchen Faber thes. (1587) 727b; ich ... machte die schönsten beete mit blumen, sträuchen und wohlriechenden kräutern Leipziger aventurieur (1756) 1, 68; die sonne hat kräuter und sträucher in sich verliebt gemacht Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 40; metaphorisch für die bewachsene flur: er kreuzt umher durch sträuch' und saaten Ramler fabellese (1783) 1, 178; mit dem nebensinn der dichte und niedrigkeit: derhalb ghe du hin und verkreuch unter die püsch, hecken und streuch Hans Sachs 9, 215 lit. ver.; ihr setzt den fürsten nach mit so erhitztem muth, als man auf schneller jagt den scheuen hirschen thut, die heck' und höl' und strauch und pusch nicht schrecklich finden Gryphius trauersp. 759 lit. ver.; [] oder schlieszlich in der verbindung baum und strauch, den hinsichtlich der grösze höheren, zugleich anspruchsvolleren und belaubten, damit auffälligeren pflanzenwuchs bezeichnend: also versteckt und verbirget er (gott) erstlich in die erde den strauch, der musz nicht so bald ein baum sein Luther tischr. 5, 182 W.; ich wil machen, dasz plötzling bäume vnnd streuche sollen auffwachssen theatr. diab. (1569) 210b; frey wie der fink auf sträuchern und bäumen in himmels räumen Schiller 12, 30 G.; nach tisch im garten bäume und sträuche durchstört Göthe III 1, 80 W.; kein blatt an baum und strauch regt sich Raabe s. w. II 2, 138; kein baum oder strauch belebt die harte öde wildnis G. Keller ges. w. (1889) 2, 158. 1@ee) strauch wird ein geläufiges poetisches stilmittel; strauch bzw. sträucher bilden hintergrund und szenerie einer begebenheit oder stimmung. das wort vertritt häufig symbolisch die gesamte höhere vegetation: dratfrue und spat hörtman dringen, singen,klingen vöglin in der auen, durch helle döneschöne in den strauhenrauhen, esten glesten,fliegen kriegen widerstreit Oswald v. Wolkenstein 37, 10 Schatz, (Lexer mhd. wb. 2, 1252 faszt strauh hier als adjektiv auf; dazu vgl. unten strauchicht u. strauchig); hör ich in den dicken sträuchen, den gesang der nachtigal (1656) venusgärtlein 54 ndr.; du (nachtigall) sangst in sträuchen ja zuvor so wunderschön Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 10; wo mit vögeln alle sträuche, wo der wald mit wild, wo mit fischen alle teiche lustig sind gefüllt Schiller 11, 235 G.; drum blick' ich fröhlich zum heitern himmel, wie jener vogel auf bereiftem strauch Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 239; ähnlich stimmungsvoll: der sanffte westenwind, der durch die sträucher rauscht, beseuffzet und empfindt die unaussprechlich angst, die meine seele drücket Gryphius trauersp. 319 lit. ver.; sanfter bach, der unter sträuchen lieblich mir zur seite flieszt Becker mildh. liederb. (1799) 15; mächtger rühret bald sich der hauch, doch er verlieret gleich sich im strauch Göthe I 1, 82 W. der duftende und grünende strauch als symbol der blühenden natur und des frühlings: alle pappeln hoch in lüften, jeder strauch in seinen düften, alle sehn sich nach dir um Göthe I 4, 8 W.; und dann, wer hätte binnen unsern dreyfachen mauern sich einbilden können, dasz drauszen schon der frühling wäre? hecken und sträucher grünen; und überall — aus der erde herauf — von allen zweigen herab — faszt es einen doch so lieblich, äugelt einen an, o, so herzig, wie ein mutterauge den angeschlungenen säugling Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 110; der wind (kann) nicht kühlen, schatten nicht der baum, der strauch nicht duften, rauschen nicht der bronnen Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 291; nichts war schöner zu sehen, als das frische grün dieser sträucher und ihre tausendfältigen rosenroten blüten und zu unterst das fliessende klare wässerlein G. Keller ges. w. (1889) 4, 69. entsprechend der kahle, blätterlose strauch als ausdruck der herbstlichwinterlichen natur mit dem nebensinn der niedergeschlagenheit: [] ich hab in blätterlosen sträuchern umher geseufzt Denis lieder Sineds (1772) 254; du, die auf blumenleichen des tiefsinns wimper senkt, bey blätterlosen sträuchen der blüthenzeit gedenkt Salis ged. (1793) 15; wenn ... traurig steht der nackte strauch, nehm ich mir das höchste leben aus Vertumnus reichem horn Schiller 11, 202 G.; doch die blumen jetzt verblassen, traurig schweigt der dürre strauch Lenau s. w. 23 Barthel. im vergleich: ich sasz (am weihnachtsabend) einsam wieder wie die anderen trüben tage, nicht einmal schreiben mocht' ich — ich war 'ein mensch wie ein dürrer strauch, an dem keine blüten sind' (1843) L. Schücking in: br. 112 Muschler. der einzelne, einsame strauch in der einöde, unansehnlichen und genügsamen pflanzenwuchs verkörpernd: (er) liesz ... die gegend ... so verwüsten, dasz nur einzelne ölbäume und stachlige sträucher ... übrig blieben Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 209; im bilde: ich bin allein in der welt, ein einzelnes wesen, das an niemand hängt, ein strauch in der landwüste Kotzebue s. dram. w. (1827) 5, 95. 1@ff) der gedanke an eine bestimmte einzelpflanze tritt zurück, strauch bezeichnet im anschlusz an oben b ('dichtes, verschlungenes gewächs') im sinne von 'strauchwerk, gebüsch' den verbergenden aufenthaltsort des klein- bzw. federwildes (damit unten 2 sich nähernd): gleichwie ein steuber (kleiner jagdhund) hat den brauch, dasz er die hasen ausz dem strauch aufftreibt (1550) Erasmus Alberus fabeln 201 ndr.; es fuhr aber aus einem strauche ein hase auf Lohenstein Arminius (1689) 2, 376a; er (d. jäger) zog sein netz wol übern strauch, da sprang ein schwarzbrauns meidel herausz Mittler dt. volkslieder (1865) 182; eine natter, die aus dem strauche fährt E. v. Kleist s. w. (1760) 1, 24; da trat aus einem strauch der fuchs hervor Pfeffel poet. vers. (1812) 5, 27. das künstlich errichtete gebüsch zum vogelfang, vogelherd, 'strauchherd' (zur sache vgl. W. Sunkel vogelfang [1927] 61 ff.): strauch- oder busch-heerd, welcher auf das freye feld ... zur erhaschung mancherley vOegel angeleget wird ... zur verfertigung des strauches sind kiefern, fichten, tannen und wacholderstrAeucher dienlicher als disteln allg. haush.-lex. 3 (1751) 431; man fängt sie (die wacholderdrossel) im frühling auch auf heerden, ... welche aber auf platter erde eingerichtet sind, ... dahingegen der herbstheerd einen strauch bildet, den man mit beeren behängt Naumann vögel (1822) 2, 309. die redensart auf den strauch schlagen (klopfen) (vgl. häufigeres auf den busch klopfen teil 5, sp. 1226 und teil 2, sp. 558) ist bildliche anwendung eines jagdausdrucks; (man schlug auf den strauch, um das wild, bes. vögel aufzutreiben, vgl.: reht alsam ein jegere ob eines hasen legere uf den busch drischet Stricker Daniel 3647 Rosenhagen; schlug in den posch und fieng kein vogel Fischart Garg. 199 ndr.; mir hat geträumt, ich klopf auf den busch, da rauschte der hirsch heraus, husch, husch Uhland ged. [1833] 339.) die redensart bedeutet 'durch harmlose fragen jemanden nach etwas ausforschen': (der brief) hat zwar einige ähnlichkeit mit unserer liebesbegebenheit, aber wenn ich recht bedenke, sehr wenig oder gar nichts; [] denn es ist nur auf den strauch geschlagen d. im irrgarten d. liebe herumtaumelnde cavalier (1738) 160; dies ist ein harter schlag für meinen herrn. — ob mir wohl etwas ähnliches beschert ist? ich musz ein wenig auf den strauch ihr klopfen H. v. Kleist w. 1, 248 E. Schmidt; jemand, der fein auf den strauch klopfen wollte, hatte darauf erwiedert ... Alexis ruhe (1852) 4, 77; (der vater) sagte, wenn mir nur um das heiraten zu tun wäre, so hätte er eigentlich nichts dagegen, ... auf den strauch geschlagen habe er schon, die reiche müllerstochter aus dem nachbarort gäbe man mir gerne Anzengruber ges. w. (1890) 2, 16; eigentlich nur, um auf den strauch zu schlagen, sann er nach, wie hinter das geheimnis zu kommen sei Stehr heiligenhof (1926) 126; m strauch schlgen einem listig die wahrheit entlocken wollen Jakob Wien 185; aufn strauch schlagen bemerkungen fallen lassen, um dadurch jemand zu einer erklärung oder zu einem geständnis zu bringen Hügel Wien 159. sekundär versinnlicht, 'nach wegelagerern suchen': die wächter seien für die stadt, und nicht dasz sie in winternächten über land zögen und auf die sträuche klopften Alexis Roland (1840) 2, 62. in sprichwörtlicher weiterentwicklung: wenn einer uff'n strauch schlägt, do kimmt manchmol a vogel raus (Oberlausitz) Wander sprichw. 4, 896; der eine klopft auf den strauch, der andre fängt die vögel ebda.in abwandlung der redensart eine gelegenheit vom zaune brechen (teil 15, sp. 409) steht vereinzeltes die gelegenheit vom strauche brechen, d. i. 'so unvermittelt mit etwas beginnen, wie man die erste beste rute am wege bricht' (s. auch Borchardt-Wustmann die sprichwörtl. redensarten [71954] 523 s. v. zaun): (tugendhafte mädchen,) die in jeder stunde heirathen können, wenn nur ein priester die gelegenheit vom strauche bricht Brentano ges. schr. (1852) 5, 320. 1@gg) gelegentlichohne berücksichtigung der botanischen bestimmungsmerkmalefür eine kleinere, strauchähnliche pflanze schlechthin; teils für sog. 'halbsträucher': kleiner strauch ... ist das mittelgewächs zwischen den stauden und kraut, der art sind lavendel, rosmarin, levkojen Woyt schatzkammer (1716) 912; er rupfte einen strauch sanikel aus, kaute, aber er erschütterte vor dem geschmack Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 103; teils in freier verwendung für eine kleine, beblätterte pflanze überhaupt: nachdem sie hier lange gelegen, pflanzte ich die bohne in einen blumentopf, und jetzt ist ein fingerhoher strauch daraus emporgewachsen Moltke ges. schr. u. denkw. 6 (1892) 35. hierher wohl auch: der zierliche topf nimmt manchen strauch, manche zwiebel auf, um in winterhafter häuslichkeit den sommer zu heucheln Göthe I 40, 269 W. vgl. auch nelkenstrauch Hölty ged. (1783) 134, das sich als poetische gelegenheitsbildung die dicht beieinander stehenden stengel strauchähnlich vorstellt. dazu noch mundartliches blumenstrauch strausz Hofmann ndhess. 233; Pfister nachtr. zu Vilmar 289; štrūk strausz Leihener Cronenberg 118; Woeste westf. 259b. 1@hh) mundartliche übertragungen auf menschen knüpfen jeweils an einzelne momente der vorstehenden gebrauchsweisen an: 'armer schlucker' Schmidt-Petersen nordfries. 129b; 'lüderlicher mensch, weil sich dergleichen bösewichter und spitzbuben gern in sträuchern aufhalten' Berndt sles. id. (1787) 135 (vgl. hierzu auch unten 2); 'mensch und tier, denen die haare strauchartig oder bergan stehen' Kehrein Nassau 1, 395; 'unbeholfener ungebildeter mensch,wie stock' ebda. 22) kollektivbegriff (vgl.gesträuch teil 4, 1, 2, sp. 4248, busch teil 2, sp. 558, holz teil 4, 2, sp. 1765), mehrere zusammenstehende sträucher, gebüsch, unterholz, niederwald; busch, strauch βόσκος, sylvula inculta, nemus [] Henisch teutsche spr. (1616) 567; strauch dumus, lucus, hekke, busch Schottel haubtspr. (1663) 1424; dumus, lucus Stieler stammb. (1691) 2190; eine mit sträuchen bewachsene gegend, ein aus sträuchen bestehendes gehölz Campe 4 (1810) 697b. literarisch seit dem 14. jh., doch in neuester zeit ungebräuchlich: vil swammen, swämmelein die wachsen hie in disem strauch Oswald v. Wolkenstein 40, 19 Schatz; do worpen se Ysegrym vp de straten; se slepeden en dorch struck, dorch steen Reinke de vos 1521 Leitzmann; so gaff he sik vp den struck vor einen rouer, d. i. ward ein strûkrover bei Schiller-Lübben 4, 442; (der wolf) het lang gefrorn, mit lerem bauche thet er sich trollen nach dem strauche Burkhard Waldis Esopus 1, 131 Kurz; aber der orden hatte es erfahren, legten einen hinderhalt drauszen im strauch Hennenberger ercl. d. preusz. landt. (1595) 37; Sparr, der eine zeit auf beyde schon gefeurt, und allem überfall von hinten zu gesteurt, trieb, wie gescheuchtes wild, das fuszvolck aus dem strauche Besser schr. 1, 37 König. auch hier (ähnlich 1 d) verbindet sich strauch gern zu einer doppelformel mit wald (bzw. synonymen bezeichnungen), um die waldung im weitesten sinne, sowohl in baumbestand wie unterholz, als begriffliche einheit zu erfassen: ik mut van hinnen riden durch dat holt und durch den struk gesammtabenteuer (d. treue magd) 2, 322 v. d. Hagen; so lewthe schiffbrochich werden und zculande lebendich komen, so werden sie von den geburen doselbist geslagen und in das holtcz und struch gebunden (1449) acten d. ständetage Preuszens 3, 115 Toeppen; alsz in duszsem lande vil berge, welde unde struche sint Wigand Gerstenberg chron. 22 Diemar; städte und schlösser, wälde und sträuch bei Fischer schwäb. 5, 1833; kein löw noch drach so vmb sich frist im wald, strauch vnd gebüsche, als wol thut die pest nach jhrer art Abr. Suarinus in: evang. kirchenl. d. 17. jhs. 1, 13 Fischer-Tümpel; in wäldern und sträuchen herumlaufen vagare per le selve e fratte Kramer t.-it. 2 (1702) 998a; through woods and bushes Ludwig t.-engl. (1716) 1888; dort krönt ihn (den berg) wald und strauch Dusch verm. w. (1754) 51. 33) von der lebenden pflanze entfernte teile eines strauches. 3@aa) 'der (abgefallene, abgerissene oder abgeschnittene) zweig, die rute, gerte'; anfänglich vorwiegend auf nd. sprachgebiet bezeugt; virga gerde, struck (1425) Diefenbach gl. 621c; ramus strouc, roude (15. jh.) ders., nov. gl. 313a; struk vel telge ramus (1445) s. Schiller-Lübben 4, 442; vimen weeke strke edder wyden, darmit men binden edder flechten kan Chyträus nomencl. (1585) 453. in neuerer ma. ebenfalls nur auf nd. gebiet bekannt: schtrûk 'strauch, reis' Damköhler Nordharz 181, weiteres s. unten c. biblischer gebrauch bestätigt dieses bild: de anderen sneden struke van den bomen unde stroweden in den wech (15. jh., sermones evangelici) Schiller-Lübben 4, 442 (alii autem caedebant ramos de arboribus et sternebant in via, Matth. 21, 8; esste erste dt. bibel; zweige Luther, undwohl unter hd. einflusz — twige Lübecker bibel). obd. bzw. hochsprachlich nur selten bezeugt, doch schon in einem vocabular aus Nürnberg 1482: struch, reysze virga, ramus voc. theut. ff 5a; danach (falls nicht zu 1 g gehörig): der winter windet sträuche von dem olivenlaub (Hamburg 1657) Stieler geharnschte Venus 116 ndr.; [] wie er von einem myrthenbaume einen strauch abreisset, der von blut treufelte Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 307. 3@bb) in pluralischer verwendung sowie als kollektiver singular (c) begegnet das wort im sinne von '(abgerissenes, -gebrochenes u. dgl.) strauchwerk, zweige, reisig'; dieser gebrauch mag einmal, zumal auf nd. gebiet, die vorstehende bedeutung fortsetzen, kann sich aber auch, so vor allem hochsprachlich, (bei gleichem sinngehalt) unmittelbar an strauch 1 anschlieszen und das von der lebenden pflanze entfernte 'strauchwerk, gebüsch' bzw. 'das entwurzelte strauchwerk, gestrüpp' bezeichnen; 'reisig, geäst': it find't sik de glidende, lidende süek', im elend hier schlepet de wiver de strüek', insünderheit wen sik de mänlicheit lumpt, wen zipperling unde dat schwimels ankümpt (ca. 1700) Lauremberg scherzged. 127 lit. ver.; die weiber grösztenteils sind in den fichten, sträucher einzusammeln H. v. Kleist w. 1, 399 E. Schmidt. entsprechend bildlich: noch immer indessen ist selbst aus diesen wegarbeiten zu sehen, dasz unten noch grundlos sey, dasz nur sträuche übergeworfen werden, die jedem starken tritt ersinken Herder 5, 445 S. kleine, grünende zweige: wir machten uns so malerisch als möglich, lieszen bänder flattern ... die herrn steckten sträucher auf den hut Bettine Günderode (1840) 1, 131. 3@cc) als singularischer kollektivbegriff: item 16 sch. taglonern, dy den struch hyben zum wege zu bessern (1409) Marienburger tresslerb. 539 Joachim; hawen jhr den kopff ... ab, ... vnd bedeckens mit einem groszen hauffen strauch Hennenberger ercl. d. preusz. landtaffel (1595) 109; ihr feuerwerck (heizmaterial), welches gemeiniglich strauch und gedürreter kuhemist (ist) Olearius persian. reisebeschr. (1696) 196; ihre wohnhäuser ... sind ... von strauch geflochten ebda 391; das (!) strauch zu (schanz-)körben musz von guter beschaffenheit, namentlich sehr biegsam sein Rüstow milit. hdwb. (1858) 2, 198. so noch in den maa.: struk strauch, reisig Sallmann Estland (1880) 41; strauch lesen reisig sammeln, einem strauch zu riechen geben ihn durchprügeln Frischbier pr. 2, 378; struuk, n., 'das geschlagene buschholz, das zur feuerung, namentl. zum anheizen verwendet wird oder zum ausbessern von zäunen oder flechtwerk dient' Mensing schlesw.-holst. 4, 905. 44) 'storren, baumstumpf', auch 'stamm'; diese bedeutung zeigt bereits einer der ältesten belege im deutschen: (der lewe) rihte daz swert an einen strûch und wolt sich stechen durch den bûch Hartmann v. Aue Iwein 3953 B. strûch, das auch die obd. hss. an dieser stelle zeigen, übersetzt (wie aisl. ok setti þat í einn stofn vens saga 10, 34 Kölbing) afrz. un fust, un tronc (Chrétien de Troyes Yvain 3516 f. Foerster); noch einmal in dieser verwendung in einer obd. glosse aus dem anf. d. 15. jhs.: stirps strauch (neben wurczel, stok, strung, stamm) Diefenbach gl. 554a. der ungewöhnliche und vereinzelte gebrauch des wortes im obd., zumal in dieser dem dt. sprachgebiet fremden bedeutung, läszt sich nur auf mnl. einflusz zurückführen, wo struuc, struyc in erster linie als 'tronc of stronc van een boom' (s. Verwijs-Verdam 7, 2349) geläufig ist, vgl. noch: stam eines gewachses oder baums belg. struyck stirps Junius nomencl. (1567) 161b (dagegen: frutex staud, belg. spruyte, hestere 162a); een struyck int water quia retinet naves (gemm. voc. Deventer 1500) Diefenbach nov. gl. 318a s. v. reta (vgl. reta stock vel pfal im wasser ders., gl. 495c); so noch im heutigen nl. (wb. d. nl. taal 16, 215) und im fries. (strük strunk, stumpf Mungard Sölring spraak 213; strük strunk Schmidt-Petersen nordfries. 129b; kûlstryk kohlstrunk Jensen nordfries. 591; koalstruk [] Dijkstra friesch wb. 3, 229); vereinzelt bleibt ein bei Kehrein Nassau 1, 395 verzeichnetes strauch 'strunk von kohl'.
32320 Zeichen · 637 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Strauch

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    1. * Der Strauch , des -es, plur. car. das Herumstreichen, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, S. Adelung Strauchdieb …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Strauch

    Goethe-Wörterbuch

    Strauch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Strauch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Strauch ( Frutex ), ein Holzgewächs, dessen Stamm gleich vom Boden an in Äste geteilt ist, wodurch es sich von den Bäume…

  4. modern
    Dialekt
    Strauchm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Strauch m. : 1. 'Pflanzenstaude, Gesträuch', Strauch (šdraux) [vereinzelt, Krämer Gal 209], Pl. Straicheʳ [vereinzelt], …

  5. Sprichwörter
    Strauch

    Wander (Sprichwörter)

    Strauch 1. Auf Einem Strauch können nicht zwei Rothschwänzchen leben. ( Altgriech. ) 2. Der eine klopft auf den Strauch,…

  6. Spezial
    Strauch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Strauch m. (-[e]s, Sträucher) brüscia (-sces) f. , trognora (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strauch

314 Bildungen · 100 Erstglied · 212 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von strauch 2 Komponenten

stra+uch

strauch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

strauch‑ als Erstglied (30 von 100)

Strauch I

SHW

Strauch I Band 5, Spalte 1515-1516

Strauch II

SHW

Strauch II Band 5, Spalte 1515-1516

strauchafleⁿ

Idiotikon

strauchafleⁿ Band 3, Spalte 157 strauchafleⁿ 3,157

Strauchahorn

Campe

strauch·ahorn

Der Strauchahorn , — es, Mz. — e , der Feldahorn oder Masholder (Acer campestre L .); auch Strauchflader .

strauchart

DWB

strauch·art

strauchart , f. : einige vereinsamte straucharten der wüste Schubert reise i. d. Morgenland (1838) 1, 528 ; unterholz ... aus den verschiede…

strauchartig

DWB

strauch·artig

strauchartig , adj. , ' in der pflanzenlehre heiszt der stamm strauchartig ( fruticosus ), wenn er gleich von unten an sich in mehrere äste …

Strauchaxt

RhWB

strauch·axt

Strauch-axt (s. S.) Goar , Kobl f.: Axt, zum Abhauen von Sträuchern.

strauchbart

DWB

strauch·bart

strauchbart , m. , ' einer der gantz rauch ums maul ist, der sich in etlichen tagen nicht hat schären oder putzen lassen; a rough-beard ' Lu…

strauchbesen

DWB

strauch·besen

strauchbesen , m. , ' besen aus birkenreisern ' Frischbier wb. 2, 378 a ; struukbessen ' reisigbesen ' Mensing schlesw.-holst. 4, 905 ; strû…

strauchbirke

DWB

strauch·birke

strauchbirke , f. , betula fruticosa Rossmässler d. wald (1863) 438 ; birken fehlten, bis auf die strauchbirke Ritter erdkde (1822) 2, 916 .…

strauchbrücke

DWB

strauch·bruecke

strauchbrücke , f. , ' brücke die aus strauchwerk hergestellt ist ', ' knüppelbrücke ' Sallmann Estland (1880) 130 . —

strauchbube

DWB

strauch·bube

strauchbube , m. , scheltwort, vgl. DWB strauchdieb : der lieutenant schimpfte uns einen strauchbuben und demokraten über den andern Gutzkow…

strauchbündel

DWB

strauch·buendel

strauchbündel , n. , faschine Voigt hwb. d. geschäftsf. (1807) 1, 291 ; Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 1, 357 .

strauchdieb

DWB

strauch·dieb

strauchdieb , m. , ' straszenräuber, buschklepper ', vgl. unten strauchmörder und strauchräuber; latro ein morder oder struchdieb Trochus vo…

Strauchdiebe

DRW

strauch·diebe

Strauchdiebe, f. wie Strauchdieberei dornach sull man sie vregen ume raub, ... kelensneiden, struchdibe, kirchbrockh 1418 NLausMag. 53 (1877…

strauchdieberei

DWB

strauch·dieberei

strauchdieberei , f. : dieser artickel ist eytel raub und offentliche strauchdieberey Luther 18, 326 W.; totus mundus est vere spelunca diab…

strauchdiebisch

DWB

strauch·diebisch

strauchdiebisch , adj. : ideo mundus est spelunca latronum und strauchdiebischer busch, nemo fur dem andern sicher in foro Luther 49, 790 W.

strauchegge

DWB

strauch·egge

strauchegge , f. , auch schleppbusch, ' heiszt ein bündel sperriger dornreiser, die fächerförmig an eine 4—5 fusz lange stange gebunden werd…

strauchel

DWB

strauchel , subst. , vgl. s. v. strauche, f.

Strauchelgäßchen

PfWB

strauchel·gaesschen

Strauchel-gäßchen n. : FlN, Name einer Gasse, mda. Strauchelgäßje [ NW-Dürkh ]. a. 1496: in der struchelgassen [SSp Lgb. des Klosters Limbur…

Strauchelgewohnt

Campe

strauchel·gewohnt

♁ Strauchelgewohnt , adj . u. adv . gewohnt zu straucheln. — nicht daß ihr, stigische Götter, Sklavische Häupter ihm beugt und strauchelgewo…

strauch(e)licht

DWB

strauche·licht

strauch(e)licht , adj. , ' gebrechlich, unsicher ', zu straucheln, vb.: cespitans, offensans, vacillans, titubans, strauchelichte tritte err…

strauchelig

PfWB

strauchelig Adj. : ' vergeßlich, geistig verwirrt ', strauchelich (šdrauxəliχ) [ KU-Dittw ]. Die letschde Johre is er orich (arg) st. worr […

straucheln

DWB

strauch·eln

straucheln , vb. , ' im vorwärtsgehen plötzlich das gleichgewicht, den halt verlieren, stolpern ' ; erst spätmhd. und zunächst auf nd.-md. b…

straucheln,

FWB

1. s. 2strauchen 1.; 2. s. 2strauchen 2.; 3. ›einen Fehltritt begehen, straucheln‹; als Ütr. ins Religiöse / Moralische an 1 und 2 anschließ…

strauch als Zweitglied (30 von 212)

Ɉasminstrauch

Campe

Der Ɉasminstrauch , des — es, Mz. die — sträuche, s. Jasmin .

Ɉohannsbeerstrauch

Campe

Der Ɉohannsbeerstrauch , des — es, Mz. die — sträuche, s. Campe Ɉohannsbeere .

Ölstrauch

Campe

Der Ölstrauch , — es, Mz. — sträuche , ein strauchartiges Gewächs in Brasilien, welches ein in der Heilkunst gebrauchtes Gummi, das sogenann…

Abführstrauch

PfWB

abfuhr·strauch

Abführ-strauch m. : ' Faulbaum ' (dessen Rinde und Beeren als Abführmittel dienen), Abfihrstrauch [LA-Rohrb ( Wilde )].

Apfelstrauch

Campe

apfel·strauch

Der Apfelstrauch , des — es, Mz. die — sträuche und — sträucher, eine Art Apfelbäume, welche zu den Zwergbäumen gehören, die Gestalt eines S…

Beilstrauch

Campe

beil·strauch

Der Beilstrauch , des — es, Mz. die — sträuche, und — sträucher, s. Beilpflanze.

Berberitzenstrauch

GWB

berberitze·n·strauch

Berberitzenstrauch Berberis vulgaris der blühende Berberizenstrauch .. sie [ die Pflanze ] verstäubt sich selbst im Blühen nicht genug, auch…

Biesenstrauch

RhWB

biesen·strauch

Biesen-strauch m.: -büschel. RA.: Allen wie ne Bissestruch em Wasser Monsch-Kesternich . Et Jülekerlond sall zedderen on beəve wie ene Biese…

Blumenstrauch

GWB

blumen·strauch

* Blumenstrauch mehrjährige größere Blütenpflanze mit holzigen Zweigen Gespr (He3 2 ,629) nach FMendelssohn-Bartholdy 1.6.30 Andrea Ebert A.…

Brandstrauch

RhWBN

brand·strauch

Brand-strauch -ux Siegld m.: Aloëart, früher viel in Gärten; die fleischigen Teile wurden zum Auflegen auf Brandwunden benutzt.

Brimmbesenstrauch

PfWB

Brimmbesen-strauch m. : = PfWB Brimme 1, Bremmbesestrauch [ Wilde 71].

brombeerstrauch

DWB

brom·beerstrauch

brombeerstrauch , m. dasselbe. Alberus im wb. schreibt branbirstrauch, braunstrauch: gewachsen war ein brombeerstrauch aus des geborstnen br…

Buchsstrauch

PfWB

buchs·strauch

Buchs-strauch m. : = PfWB Buchs , -strauch (-šdraux) [ PS-Geisbg ]. In ärmeren Häusern kannte man früher als Ersatz für den Christbaum einen…

Ableitungen von strauch (2 von 2)

Strauche

Campe

† Die Strauche , Mz. — n , in Schlesien, eine ansteckende Krankheit, Seuche; die Staupe .

verstrauchen

DWB

verstrauchen , verb. , wie verhageln, verschlammen gebildet, intrans. resultativbildung; ' von strauchwerk durchwachsen, überwuchert und ges…