zureden,
v. ,
mhd. zuoreden
nur vereinzelt beim Teichner
und später mhd. wb. 2, 603
a; Lexer 3, 1185. zureden
berührt sich zum theil mit zusprechen,
von dem es sich aber wieder scheidet wie reden
von sprechen.
die bedeutung 4
hat es für sich. 11) einem zureden
wie anreden,
die rede (
vgl. th. 8, 452
und 464
ff.)
an einen richten, alloqui Diefenbach 24
b; Kramer 2, 294
b; Ludwig
teutsch-engl. lex. 2630: dem knecht hab ich zuogeredt des Chremes
Terenz deutsch (1499) 19
a; das zureden des herren (
vgl. Luk. 23, 28)
geystl. strasz (1521) H 1
b; derjenigen person .., die einem zuredet Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 255; so ist es ein glück, wenn sie (
fremdlinge) einige hofbediente antreffen, die ihnen teutsch zureden
vernünft. tadlerinnen 1, 164; sie (
die büszende Magdalena) wendet sich mit dem kopf hinauf, nach der älteren freundin, die neben ihrem sessel steht und ihr zuredet A. W. Schlegel
Athenäum 2, 88.
nicht mehr üblich. selten mit obj. des inhalts: Euriolus ... hat .. uf dem wege niemant nie ützit zuogeredt Nicl. v. Wyle
transl. 75
Keller; doch liessen sie der frawen rhuo und redten ir kein wörtlin zuo Casp. Scheit
fröl. heimfart H 1
b.
in freier fügung: ach vergebens redst du, vordem gewaltiges kelchglas, heitre gedanken mir zu! Klopstock
oden 1, 38,
M.-P. 22)
nähere bestimmungen gehen auf das verhältnis zu dem angeredeten, und zwar in der älteren sprache, bes. Oberdeutschlands und der Schweiz, auf ein unfreundliches: einem übel zureden Arigo
dec. 85; 263
K.; H. Sachs 22, 455
G.; Th. Platter 74
Boos; Lehmann
floril. (1662) 3, 172; eim übel und schmählich z. Frisius 126
a; deszglychen söllend sy einanderen ... keiner gestalt schmützen, ketzeren noch andere schmachwort zuoreden
bescheid des Züricher rats bei Zwingli
dtsche schr. 1, 144; verachtlich zuozereden dem läbendigen gott
Züricher bibel 2. Kön. 19, 4 (Luther: hohn zu sprechen); einem trutzig z. H. Sachs 3, 63
K.; trotzige wort 8, 569
K., spötlich und hönisch 22, 79
G.; einem mit worten hart z. und straffen Hulsius (1618) 2, 170
b.
auch ohne bestimmung für schelten, tadeln Frisius 330
b; Calepinus (1598) 296
b; Dentzler 2, 368
b: da hat man uns pflegern (
bei der pest) oftermal .. zugeredt, wir lassen unsere verstorbene leich begraben wie das vieh
chr. dtscher st. 32, 493; hätte sie dem vollen miststampf in seiner trunckenheit etwas zugeredt, hätt er ihr .. das gesicht mit der faust ausgepeglet Abr. a
s. Clara
Judas der ertzschelm 1, 66.
milder von freundlicher vorhaltung, erziehlicher vermahnung: welchs (
die untreue seiner frau) der eheman mercket und seinem weib ernst darum zuredet Kirchhof
wendunmuth 2, 458
lit. ver.; dieweil ihm (
dem könig Wenzel) in seinen jungen jahren niemand zuredete, .. gerieht er in müssiggang und vollsauffen H. Rätel
Curäi chr. Schlesiens (1607) 114; weiter sollen
auch die einwohner selbiges hauses vom priester vermahnet und zugeredet werden Prätorius
glückstopf (1669) 184.
von übler nachrede: einem abwäsenden schandtlich zuoreden Frisius 781
b; das sy dem wyn ouch zuogeredt hand diebstal, verrätery, mord und brand H.
N. Manuel
weinspiel v. 3574
ndr.; zum andern ist ... verbotten, dass keiner den andern soll heissen liegen, auch nicht ... ubel nach- und zuoreden
Frankfurter zunfturk. 2, 265 (1451);
maiestatis accersere anklagen von wägen desz schmähens und schandtlichen zuoredens einer oberkeit Frisius 15
b.
s. auch bei klappern
th. 5, 978.
ausnahmsweise von guter nachrede: uber das im von den eidgenossen nit anders dann erlichs zuogerett ist D. Schilling
Berner chr. 127. 33)
in der neueren sprache ausschlieszlich und allgemein einem freundlich, tröstlich zureden
u. ä. schon früh belegt: drumb redten sie, mit sonderm fleiss, ihm freundlich zu auff solche weiss Wolfh. Spangenberg
ausgew. dicht. 64
Martin. gerne zu thieren: woher aber daz komme, dasz man dise thier mit flehlichem zuoreden ettwaz sol vermiltern können Heyden
Plinius 113; und noch mehr ein freundliches zureden ist vermögend, sie (
die hündin) von allen unordnungen abzuhalten Rabener
s. w. 1, 196; der starrsinnige gaul blieb ungerührt bei meinem freundlichen zureden E. Th. Hoffmann 6, 65
Griseb. so ist es auch für sich allein begütigen, trösten, einen mit vernünftigen worten zur ruhe zu bringen suchen: einem kranken, einem sterbenden z. Kramer 2, 294
b; dieser fing an zu zittern und zu schreien, kunte auch durch keines zureden zufrieden gestellet und gestillet werden A. Olearius
pers. rosenthal (1696) 8; sich selbst muth zureden Hippel 3, 1, 166; vergebens, dasz der gelassene vernünftige mensch den zustand des unglücklichen übersieht, vergebens dasz er ihm zuredet! Göthe 19, 69
W.; er wollte zureden und besänftigen, aber es half alles nichts Brentano 5, 366.
sprichwörtlich: zugeredet hat er mir ... wie einem kranken schimmel Holtei
erz. schr. 22, 267,
vgl. Wander 5, 646.
bes. das mannigfach abgewandelte zureden hilft Campe; Wander.
auch sonst sind die wendungen mit dem subst. infinitiv beliebt: auf alles z. des Hieronymus antwortete er (
Sebaldus an der leiche seiner frau) nur durch abgebrochene worte Nicolai
Sebaldus Nothanker 1, 69; erschreckt durch den neuen ausbruch einer leidenschaft, die er ... durch guten rath und eifriges z. überwältigt zu haben glaubte Göthe 21, 134
W.; auf das z. des alten freundes beruhigte sich Friedrich Wilhelm allmählich Treitschke
dtsche gesch. 5, 45. 44)
ebenfalls in der neueren sprache herschend ist zureden
von dem bemühen, einen durch freundliche, verständige worte zu etwas zu veranlassen, wie ermahnen,
unterschieden von überreden: wie got Josue zuredet, dasz er sich des volcks Israhel underwynden solt ze leyten
erste dtsche bibel 4, 445
Kurrelm.; red im freundlich darumb zu, dasz er es fürbasz nimmer thu H. Sachs 19, 88
G.; einem vergeblich ein-
sive zuereden Stieler 1545; den gästen z. Kramer 2, 294
b; einem zum bleiben z.; inquisiten wurde nochmahls zugeredet, gott die ehre zu geben und die wahrheit zu bekennen Chr. Thomasius
ged. u. er. (1720) 2, 47; zu dem prinzen, der mir den wunsch aussprach, ich solle dem könige in westmächtlichem sinne zureden Bismarck
ged. u. er. 1, 134
volksausg. beliebt ist auch hier der inf. als subst.: die angeschuldigte irrthümer ... durch liebreiches zureden ... auf einen gottgefälligen zweck zu richten G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 99; sie wich endlich seinem z. und gab ihm das band Novalis 4, 110
Min.; einen durch gütliches z. zu etwas bestimmen, veranlassen
u. ä.; es brauchte kein groszes z. Göthe 27, 87
W. bes. die adverbialen wendungen mit auf, nach, trotz, ohne: auf des Silius Italicus z., ... verbanden sie sich alle mit einem eide zusammen, dass sie .. von irem vorhaben ... nicht abstehen ... wolten A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 526; auf vieles fruchtloses z. versprach er endlich Schiller 1, 112
G.; auf allgemeines z. G. Keller 6, 88; nach langem z. Nicolai
reise d. Deutschl. 7, 62; sie war so aufgeregt, dasz ich trotz alles zuredens jener dame entsagte G. Keller 5, 54. —