gewittern,
verb. ,
mit zwei verschiedenen ausgangspunkten: 11)
für eine verstärkte form zu dem unmittelbar von wetter
abgeleiteten verbum wittern (
vgl.ez witeret, daz der an mir wittre
mhd. wb. 3
b, 610,
vgl. witeren witern Lexer 3, 951)
sprechen einige wenige anhaltspunkte aus dem 16.
jahrhundert, die auch den neutralen boden des begriffes der witterung
sicherstellen: neben: wo es aber gleich wittert, alszdann seind die hellen täg am gesundesten Celsus
de medicina (2, 1)
übers. v. Khüffner (1531) 7
a (
ubi aequalitas autem est)
vgl.: jetz hett er (
gott) in nit recht gethon,
das er uns hier hatt regen lon, jetz ists zuo warm, dan ists zuo kalt, und reden gott in sein gewalt. wir handt so grosse sorg uff erden, wie es sol gewittret werden wie die sun und ouch der mon noch unsrem willen sollen gon. Th. Murner
schelmenzunft (28, 18) 45
Matthias. ich bin offt daussen in dem halt so ubl erfroren und erkalt, dasz mirs hertz offt im leib hat zittert. wie offt hat es auch nasz gewittert, dasz wir anbhieltn kein drocken fasen. H. Sachs (
das wildbad)
fastnachtspiele 3, 15
Goetze; dazu vgl. die übertragung in dem einzigen beleg für das präfix auszerhalb der participialform: das ain wirt lachen, das ander wirt kittern, und sol euch fürpasz niht mer pittern, eur frau wirt sich also vergittern, wie mag euch dan pasz gewittern? (
var. geritten)
fastnachtspiele 1, 328
Keller (
das korgericht). 22)
die hauptverwendung aber, die einzige, die für die neuere sprache in betracht kommt, gilt der engereren bedeutung der elektrischen entladungen. in diesem gebrauch wird das verbum unmittelbar vom substantiv beeinfluszt sein, mit dem es auch das sprachgefühl zunächst in zusammenhang bringt. wenn das einfache verbum gelegentlich auch mit dem engeren begriffe zu beobachten ist, so darf man doch dieser vereinzelten —
und wol secundären —
erscheinung nicht zu viel gewicht in der beurtheilung des allgemeinen ganges der entwicklung einräumen, vgl.: nimm es (
das zauberbuch) und lies: die welt wird zittern, der abgrund fliehn, der himmel wittern. Lichtwer
fab. (3, 1:
die zauberinn);
vgl.'s widrd, es gibt (ein) gewitter Gerbet
mda. des Vogtlandes 133. 2@aa)
bei der eigentlichen (
sinnlichen)
verwendung ist das verbum hier im gegensatze zu dem vielseitigen gebrauch von wittern
auf wenige gebrauchsformen beschränkt; es erscheint nur in der unpersönlichen construction, vorzugsweise natürlich im präteritum, doch auch mehrfach im präsens, und sogar im futurum. die nominalformen des particips sind im wesentlichen auf die hilfsstellung in der umschreibung dieser tempora eingeengt. 2@a@aα)
die unpersönliche construction in den verschiedenen zeitformen. 2@a@a@11)) aber letzlich wenn es ein weil gewittert hat, erheben sich grosse platzregen
volksbuch v. Dr. Faust (32) 73
Braune; dasz bei uns in Preussen ... grosse thewrung und unerhörte pestilentz regieret, da denn auch zu winterszeit zuvor soll gewittert haben. als Wenceslaus und Lorcteus ... einander überzogen, wurden im winter donnerwetter gehöret J. Praetorius
saturnalia (1663) 30; es hat starck (hart) gewittert diese nacht,
egli hà tempestato ò fatto gran tempesta questa notte Kramer
teutsch.-ital. dict. 2, 1339
c; es hat diese nacht starck gewittert oder gewettert, es hat starck gedonnert und geblitzet,
it did mightily thunder and lighten last night. teutschengl. lex. 775; er kam, nachdem es ausgewittert, und fand die eiche halb zersplittert. Lichtwer
fab. (2, 6
der hänfling). frag' den grashalm, der der sonne regenschwer entgegenzittert, ob er wünschen möchte, dasz es gestern nicht gewittert? W. Müller (
epigrammat. spaziergänge) 312
Hatfield; ich musz euch noch sagen, dasz es vorige sonnabendnacht stark gewittert hatte J. Mosen (
bilder im moose: judica) 7, 304; es hatte gewittert B. Auerbach (
Ino der Hajrle)
dorfgesch. 1, 228; es hatte in der vergangenen nacht gewittert E. Zahn
herrgottsfäden 5
s. 62; es soll furchtbar gewittert ... haben, als man mich zur taufe trug J. Gotthelf (
bauern-spiegel 1) 1, 12
Vetter; wie feierlich hat es gewittert auf pfingsten so früh schon am tag. K. Gerok
palmblätter (
pfingstgewitter)
25 136; zwei tage und zwei nächte gewitterte es mit nur kurzen unterbrechungen fort und fort im thale und auf der hochebene B. Auerbach
Landolin v. Reutershöfen (
cap. 61) (1878) 278; es gewitterte, regnete und donnerte K. Gutzkow
Blasedow (1, 16) 1, 465. 2@a@a@22)) s' regnet was vom himmel mag, s' gewittert wie zum jüngsten tag pudelnasz die hosen! Schiller (
bauernständchen) 1, 349 so eben gewittert es hier Matth. Claudius (
an Herder)
s. Herders nachlasz 1, 411; auch gewittert es wieder Bismarck
an seine frau 568; es ist eine so schwere, warme luft, dasz es alle abend gewittert C. v. Clausewitz (
an s. braut 1808)
s. K. Schwartz
leben ... 1, 306; 'wenn nur nicht heute nacht ein gewitter kommt', sagte er. 'der mond steht nicht am himmel, er geht erst spät auf, und da gewittert's gern' B. Auerbach
auf der höhe (8, 14) 2
5, 359; wenn er jetzt auch das stärkste donnerwetter spielt, so ragt er doch selber darüber empor wie der reisende, der auf der spitze einer alpe steht, während es im thal gewittert Heine (
Lutezia 1, 33) 6, 260 (
über Liszt); 2@a@a@33)) es gewittert, es droht ein gewitter, es steigt ein gewitter auf, es ist ein gewitter Campe 2, 368
a; g'wittere,
unpers. verb, haben, ein gewitter geben Seiler
Basler mda. 157
b; ich glaube, es wird gewittern die nacht Lenz (
soldaten 1, 6) 1, 271
Tieck; Banquo: es wird heut nacht gewittern.
Mörder: es schlägt ein. Schiller (
Macbeth 3, 7) 13, 80 (
bei Shakespeare: it will be rain). mir ist, als woll' es über uns gewittern. A. v. Droste-Hülshoff (
der nachtwandler) 3, 385. 2@a@bβ)
wie wenig spielraum die verbalnomina auszerhalb der tempusumschreibung haben, das zeigen gerade die vereinzelten belege, so das frühe aber unnatürlich scheinende zeugnisz für den infinitiv: die sonne ziehet daselbst (
in der ebene) mehr ausdünstungen, die zum gewittern tüchtig sind, in die höhe H.
F. v. Fleming
d. vollkommene teutsche jäger 2, 10
b;
vgl.das gewittern Campe 2, 368
a;
zum particip vgl.: und schlich dann hinaus mit klopfendem herzen in die gewitternde frühlingsnacht P. Heyse (
Meraner nov.: der weinhüter) 2, 12
s. 250. 2@bb)
freier in den gebrauchsformen ist natürlich die übertragene verwendung, sie läszt nominale subjecte zu dem verbum treten und entwickelt namentlich die participialform, die sogar zu attributiven verbindungen vorschreitet. 2@b@aα) unten schien es zu gewittern, ein schlag oder klang war's, der die aufmerksamkeit der hausfrau in anspruch nahm W. Alexis (
hosen des herrn v. Bredow 7)
vaterl. rom. 3, 67. 2@b@bβ) dass das gantz Hägäw erzittert und gewittert hat (
vom donner des geschützes)
hdschr. d. Stuttgarter landesbibl. (1622)
s. Fischer schwäb. wb. 3, 636; der nahme, welcher sonst dem donner gleich gewittert, .. ist mir ein angenehmer klang. H. v. Hoffmannswaldau
gedichte (
Neukirch) 1697
ff. 2, 202. nun zieht das schwert und laszt's gewittern, und auf die helme hämmert los! Strachwitz (
ohnmächtige träume)
ged. 1 198
Weinhold; o reiner schmerz, der von der höh'n gewittert, du heil'ges weh, das durch die tiefen zittert, ihr schlieszt auch mir die augen auf! G. Keller (
wetternacht) 9, 29; als er in den schloszhof ritt und vom pferde stieg, hörte er sie eben in der küche gewittern, weil die hunde im stall heulten und eine magd versäumt hatte, denselben das abendfutter abzubrühen G. Keller (
Züricher nov.: der landvogt v. Greifensee) 6, 153. 2@b@gγ) du an den zu denken mir leises gewittern im herzen erregt, wo's gleich elektrisch schauert durch den geist .. Bettina v. Arnim
tagebuch 210; die wildgezackten blätter zittern vor ungeduldiger bewegung, es brauset wie ein dumpf gewittern durch deiner äste abendregung. K. Immermann (
Merlin: der Gral) 4, 362
Maync; zorngewitternd seine seele gährt, strafend zuckt die rechte an das schwert. A. Grün (
ein feenmärchen) 2, 244
Frankl; vom liebesblitz so nachgewitternd, entzückt, verzweifelnd, muthig, zitternd .. sinkt, hingeschmiegt die weichen glieder, am bett die kranke ärztin nieder. Immermann (
Tristan u. Isolde I) 13, 48
Hempel; sein auge sprüht, seine wange glüht, seine hände ballt er zitternd; sein blut es kocht, und sein herz es pocht, seine stirne droht gewitternd.
F. Freiligrath (
mit unkraut) 2 (1877), 160; rolle deine gewitternden augen nicht! lache nicht über mich K. Gutzkow (
zauberer v. Rom 4, 8) 4, 252.
das particip des präteritums in attributiver fügung gehört zum einfachen verbum wittern,
in dessen heutiger engerer bedeutung, die sich in der jägersprache entwickelt hat: schon im zweiten monat des neuen jahres kommt die von ihm gewitterte bewegung in Paris zum ausbruch C. Erdensohn
Fritz u. Fritzchen, kleinstaatlicher parlamentsroman 1, (1867) 154
: anders gewittert, gewihdert
s. oben sp. 5799;
vgl. auch gewittersch.