schrunde,
f. spalte, risz, ritz. eine nominalbildung zu schrinden (
s. daselbst),
die auf das hd. sprachgebiet beschränkt ist. ahd. scrunta,
rima, fissura, vertex, daneben die weiterbildungen scruntunna
und scruntussa Graff 6, 586,
vgl. Kluge
nomin. stammbildungsl. § 85
und 150,
mhd. schrunde Lexer
handwb. 2, 807. Kilian
verzeichnet: schronde,
ger. sax. sicamb. fland. vel klove,
fissura, rima; schrinde, schrunde,
vetus, rima. sonst ist das wort dem nd.-nl. fremd, vgl. auch Kluge
5 337
b. Weigand 2, 645.
in hochd. mundarten weit verbreitet, schweiz. schrunde Stalder 2, 352, schronde Tobler 400
a,
schwäbisch schrund Schmid 480. Klein 2, 130,
bair. die schrunden Schm. 2, 608,
kärnt. schrunte Lexer 226,
fränk. schronn Schmidt 210, schrong Müller-Weitz 223,
hess. schrunge Vilmar 370, schronne, schrunne Kehrein 1, 368,
obersächs. schrund Göpfert 30. 11)
risz in der haut, besonders wenn die haut infolge von kälte oder bei krankheiten aufspringt: schrunden am hindern oder füssen,
ragades Dasypod.; die schrunde, als wann eim die füsz uffgerissen seindt, risz odder schrunden im hindern oder sunst. Alb.
dict.; schrunden (die) ein klimsen,
rima, fissura, pator. schrunden am hinderen oder am arsz, spelt, ritz,
ragades Maaler 362
b;
perniones, schrunden an den füssen oder ferssen, von grosser kälte. Golii
onom. (1582) 266; schrund,
f. ein risz an händen, füssen
etc. welcher von der lufft oder dreck auffspringt. Hulsius 290
b;
pernio ... eine schrunde an händen und füssen, das bersten und auffbrechen der erfrornen fersen. Corvinus
fons latin. 1, 483
a;
rhagades ... die schrunden an händen, füssen, mund
etc. von der kält. 555
b; schrund,
rima, ein risz an händen oder füszen. Schottel 1409; schrunden haben in händen, schrunden an den brustwartzen. Kramer
dict. 2, 671
c; schrunde, die,
rima, fissura, labes. schrunde an händen und füssen von der kälte, schrunden an der brust, schrunden an den lippen. Stieler 1916; schrunde (die, von kälte oder luft aufgesprungene wunde)
pernio, rima, fissura Steinbach 2, 518; schrunde, von kalten wind oder innerlichen hitze aufgesprungene haut an lippen und anderswo,
fissura. schrunden an den fersen,
perniones, ex nimio frigore affectatio Frisch 2, 229
c; an der füsse swarte swaʒ menig srunde unde swil. Walther v. Rheinau 112, 18; sein fleisch (
des esels) das hulfft den maltzigen, dient fur den schlag, dient fur schrunden. Dornav I, 569
b (
esels adel 1619,
vgl. unten); es (
das eisenkraut) hailt auch fungas, das ist die schrunden.
Albertus Magnus (
Straszb. 1508) a 8
a; so ein mensch schrunden oder den krebs hat an den leffzen oder zahnfleisch mit welchem wasser das zu heilen ist. B. Vogter
gebrest. u. krankh. (1532) 16
a; die schrunden pflegen sich nicht allein am lefftzen, sonder auch an vilen andern glidern zu erheben, als an
[] henden, füssen, afftern, weiblichen geburtglidern, und dergleichen .. aber solcher gebrechen der schrunden, wes orts die seyen am leib, werden sie von den alten griechischen ärtzten rhagades genant. Ryffius
schwangerer frauen roseng. (
Frankf. 1569) 263
a; die Griechen nennen diese schrunden (
der schamglieder) rhagades, unnd seynd solche klüfften, die sich mit auff boltzendem fleisch erzeigen, die selbst mehrmals innen, von jhnen selbst nicht bluten. Wirsung
arzneib. (1597) 313 D; dass fleisch dess esels genommen, zu aschen gebrant .. und ein salblin darauss gemacht, ist gut zu den schrunden zu gebrauchen, welche ausser der kelte, entspringen und herkommen. Dornav 1, 578
a (
esels adel 1619,
vgl. oben); so auch die zunge von hitz auffgerissen und voller schrunden were, soll man ein wenig küttenkernen in diesem wasser weichen, ... das soll man offtermals mit einem federlein in die schrunden und auff die zung streichen. Tabernaem. 130 A; schrunden der händ und füsz, so vom frost entsprungen. 1132 H; die weiber, die säugen, und sonderlich das erstemal, haben offt mit den schrunden, und aufspaltungen ihrer brustwärzen .. zu schaffen.
Mauriceau 501; schrunde und runzel.
Phil Lugd. 5, 284.
so vielfach mundartlich aufgesprungene haut Tobler 400
a. Schmid 480,
risz an händen oder lippen in folge der kälte Schmidt 210. Müller-Weitz 223. Vilmar 370. Kehrein 1, 368 (
als einzige bedeutung).
bei pferden, ein solcher risz an den kothen, der eine stinkende flüssigkeit absondert Jacobsson 7, 276
a. 22)
seltener von andern verletzungen, z. b. der füsze an spitzen steinen: das weisz ich woll, das ich selten gantz zehen gehabt han, sunder bletz drab gestossen, grosz schrunden, offt übell gfallen. Th. Platter
s. 12
Boos; von hieb- oder schnittwunden, so jetzt in der Schweiz von langen, tiefen fleischwunden und den davon bleibenden narben Stalder 2, 352. Tobler 400
a: da schneid man in auff und fand in ym als wer ym ein lange schrund gehauwen in den rücken mit einem schwert, und durch lung unnd leber. Keisersberg
sünd. des munds 20
b; wer von Tübingen kommt ohne weib, von Jena mit gesundem leib, von Helmstädt ohne wunden, von Jena ohne schrunden, von Marburg ungefallen, hat nicht studirt auf allen.
s. Tholuck
das akadem. leben des 17. jahrh. (
Halle 1853) 1, 277.
vergl. auch: aber bös wünschen macht kain schrund, aber bös thun, das macht ain wund. Fischart
dicht. 2, 63
Kurz (
flöhh. 234, 7).
einschnitte von fesseln: er stund ab, löset jn jre band auff, die hatten jn gar tieffe schrunden geschnitten. Wickram
goldf. J 3
a. 33)
von rissen in andern festen gegenständen, besonders holz; risse in holzstämmen Göpfert 30: schau diesen auswuchs da! und hier die schrunde über's kreuz (
an einem pomeranzenbaume). Mörike
ges. schr. 2, 365.
risz an den holzwänden eines hauses Lexer 226. schrunden in der wand, an der maur,
crepaccie nella parete, nel muro Kramer
dict. 2, 671
c;
so besonders mhd. und im ältern nhd.: dô sach sî hin vür durch eine schrunden an der tür.
Iwein 4020; nu begunde er suochen unde spehen, unze daʒ er durch die want ein loch gânde vant, und ersach sî durch die schrunden nacket unde gebunden.
d. arm. Heinrich 1231; daʒ kitze sach durch d' schrunde vil wol des wolfs gebære.
s. Grimm
Reinh. Fuchs 346, 1508; da Lucrecia durch ain schrunde gesechen ward en wenig liechtes in ir hand tragende. Nicl. v. Wyle
transl. 70, 3
Keller. 44)
spalt in der erde, in bergen, felsen, gletschern, kluft, felshöhle u. s. w.: schrunden der erde Kramer
dict. 2, 671
c; schrunde des erdreichs. Stieler 1916,
vergl. Göpfert 30 (
dafür auch schrund,
m., s. daselbst): do begundent die heiden so mörtklichen flichen und begundent sych verslieffen in schrunden und in berge. Merzdorf
historienbib. 794; wann aber die kerner das ertz, von den hohen schrunden des gebirgs hinab führendt, so brauchendt sie schlaffkerne. Bechius
bergwerkb. 132; (
der gletscher) macht auch zum offtern mal grosse schrunden und spält .. an vil enden seind die auffgerissen schruonden drey oder vier hundert claffter tieff. S. Münster
cosmogr. 483; nach dem kam ein .. erdpidm, die perg sprangen übersich, gab ein sausen ausz den löchern und schrunten des erdreichs. Aventin
chr. 1, 836, 15; es (
das vulcanische feuer) wirfft grosse steine aus den schrunden des berges ringes umb die
[] felder. Opitz
Argenis (1644) 1, 274; gleich gegen uber stehet der berg Maurus, der .. so gehlinge felsen und abschiessige schrunden hat. 2, 430 (
doch im sing. schrund,
m., s. daselbst); ouch sach er ûʒ der scrundin (
felshöhle) wie die juncvrouwe intran.
Athis u. Prophil. A 4; dô er truoc den werdin hin zu sinir scrundin. 71; si (
die erde) was ein maget dannoch, wan kein schrunde noch kein loch dar în von starkem bûwe gie. Konr. v. Würzburg
Silvester 3475; wie .. etwas rauscht ins berges schrunden, als wenn ein eydex sich bewegt.
froschm. Dd 2
b; manch schrund da unermeszlich tieff offtmals im sommer spalt er (
der gletscher) uff .. in sölch schrunden man wildbrät thut, darin es sommers zeit bleibt gut. Rebman
poet. gastm. (1620) 152; du rauschest zu mir her aus schrunden und gebürgen. Schottel
lament. B 4
a; wann in des meers abgründen mein wasser widerumb, durch die verborgne schrunden mit brausen in mich felt. 4
b; am lärchenwald erschimmert's weisz von riffen, zacken, schrunden. Scheffel
gaudeam. 116; wenn wir dann durch kluft und schrunden kletternd uns bergab gewunden.
Junip. 105. 55)
scharte in messern u. dergl. Stalder 2, 352: und sin swert had groʒe schrundin. Bartsch
md. ged. s. 187 (
rittersp. 3241).