sprudeln,
verb. als quell oder einem quell gleich aufwallen, hervorbrechen, herausströmen, in der schriftsprache erst seit dem 18.
jahrh. begegnend, lexicographisch zuerst von Adelung
verzeichnet, wol aus älterem mundartlichem gebrauch übernommen, vgl. appenz. spródla. Tobler 381
a,
luxemb. sprudelen (
in besonderem sinne, s. unten 1,
f) Gangler 428,
nd. spruddeln Dähnert 454
b und das folgende. das wort scheint eng verwandt zu sein mit prudeln (
s. dies oben theil 7, 2181),
wie schon Adelung
vermutet. auch sein hinweis auf sprühen
verdient heute noch beachtung. 11)
intransitiv. 1@aa)
von flüssigkeiten, oft mit örtlichen zusätzen, von kochenden: ihr gleicht dem siedenden wasser das von zu vieler hitze aufsprudelt. Adelung; kochendes wasser sprudelt im topfe; diese (
eine glühende stahlkolbe) taucht er: siedend sprudelt sein gemisch, und schäumt, und strudelt im pokal! im pokal! Voss
ged. 4 (1825), 76.
und von quellenden, quellenartig wallenden allgemein, so vom wasser: wie schön sind die quellen, wenn sie aus klippen sprudeln, und dann durch blumige wiesen sich schlängeln.
[] Adelung; so sah ich denn von oben hinab seinem (
des wassers) stürzen, seinem sprudlen, seinem ruhigen lauf zu. Bettine
tageb. 60; heisz noch sprudelt der quell. Stolberg 1, 413; der quellen sprudeln, so die gründe decken, der wasserschlangen plätschern tönt allein, kaum hörbar dir, durch dunstig-schwere luft.
V. Weber
Tell 123; dasz alles himmels fülle aus baumgeräusch, aus sprudeln sanfter quellen, und des allmächt'gen bildnisz aus stein und fels und aus des baches wellen entgegen mir mit liebesathem quillt. Tieck 1, 366; und ich klomm in dem finsteren wald empor, wo wilder die berge sich heben; da brauste mit macht aus dem felsenthor lautwogend ein sprudelnder strom hervor. E. Schulze 3, 109;
in vergleichen: dies (
die erste äuszerung künstlerischer begabung) ist wie das erste sprudeln einer kleinen, muntern quelle, welche nachher zum mächtigen und bewunderten strohme wird. Wackenroder
herzensergieszungen 63; kurze sätze nehmen (
im monologe Hamlets) immer anlauf zu einem längeren, als wenn das übermasz von atem, das die lunge unfähig machte, erst hinweggestoszen werden müszte, oder wie wenn etwas eine röhre verstopft hat, das gestaute wasser erst heftiger und in stöszen gesprudelt kommt, ehe der gleichmäszigere flusz sich wiederherstellen kann. Ludwig 5, 133; denn es quillet heller nicht vom Parnasz die ew'ge quelle sprudelnd von fels zu fels in's goldne thal hinab, wie freude mir vom herzen wallend flieszt. und wie ein selig meer mich rings umfängt. Göthe 9, 54; wie sprudeln von quellen schlug's an sein ohr. Scheffel
gaudeamus 165.
im anschlusz daran freier: sanfte entzückungen sprudeln aus jeder quelle. Geszner
bei Adelung;
und ganz unsinnlich: aus eben diesem schöpferflusz, woraus wir menschen sprudeln, quillt götterkraft und genius. Schiller 1, 268.
ebenso mit grammatisch unbestimmtem subject: und horch! da sprudelt es silberhell ganz nahe, wie rieselndes rauschen. 11, 287.
vom wein, der aus dem fasse quillt oder im glase schäumt: man zeigt seine pokale; allein es sprudelt champagner darin. Hippel 8 (1828), 235;
ebenso: bei: 'hoch dem kaiser!' sprudelt's in den kellern. Göthe 41, 66;
freier: freude sprudelt in pokalen. Schiller 4, 4.
vom blut, das aus adern, wunden spritzt, quillt: soll ich hingehn, und diesem abgerichteten schäferhund die gurgel zusammen schnüren, dasz ihm der rothe saft aus allen schweislöchern sprudelt?
räuber schausp. 2, 3; (
im bilde:) du sahst mein blut aus tausend wunden sprudeln. Heine 1, 61
Elster; das unruhig, stürmisch in den adern flieszt, eigentlich und freier: er risz sich mit so vieler schonung als seine verzweiflung zuliesz, von den gegenständen seines jammers los und jagte sein sprudelndes blut nach Auenthal zu Wuz — in meine stube. J. Paul
unsichtb. loge 3, 29; denn dies Nürnberger burggrafenblut, das alles besser wissen will, alles besser einrichten, klüger sein, frommer, es sprudelt und spukt in einem, wie in dem andern. Alexis
hosen12 74;
vgl.: manchen hat ins elend sie (
Venus) gestrudelt, eingetrillert mit sirenensang, dem im herzen warme kraft gesprudelt. Schiller 1, 190.
von hervorquellenden thränen: heisze, heisze thränen siedeten in Ännelis herzen und sprudelten in reichen strömen über ihre wangen. Gotthelf
geld u. geist (1895) 60. 1@bb)
vom geräusch hervorquellender flüssigkeit: er sah die fette milch in strengen stralen spritzen, dasz muld' und eimer schäumt. diesz sprudelnde getön ... klang recht angenehm und schö
n. Brockes 1 (1739), 150.
vom spratzeln eines lichts: es (
ein licht) senkte sich — sprudelte und verlosch, ehe ich nach einem andern rufen konnte. Thümmel
reise 5 (1794), 151; in diesem scheuen augenblicke sprudelte mein abgebranntes licht, verlosch, und alle schrecknisse der nacht stürzten über mich zusammen. 7 (1800), 420.
von rasch, hastig, unruhig strömender rede: wie nun die reden sprudelten. Rückert 11 (1882), 255; nachdem der andere seine sprudelnde, Waser unklar gebliebene rede vollendet hatte.
[] C.
F. Meyer
Jenatsch (1901) 33;
auch in folgender art: zornige worte sprudelten aus seinem munde hervor. 1@cc)
von lebhafter, unruhiger, sich stürmisch und wechselnd äuszernder innerer art, inneren stimmungen und ihren äuszerungen selbst allgemein: da war ein herziger lieber junge, voll narrheit und sprudlender phantasie. Klinger
theater 3, 116; sie hielten ihn (
einen vortrag) für eine von den sprudelnden aufwallungen einer noch ungeläuterten tugend, welche gern auf schöne ausschweifungen zu verfallen pflegt. Wieland 2, 353 (
Agathon 10, 5); indesz wollen wir, ich und leser, nicht gar zu strenge über irgend einen stil, z. b. über einen sprudelnden, ja nicht einmal über einen trocknen herfahren. J. Paul
grönländ. proz. 1, ix; der nichts weniger als arglose Zürcher fragte sich, ob diese herzlichkeit ächt sei. ja, sie sprudelte voll und natürlich. C.
F. Meyer
Jenatsch12 128; mit einem sprudelnden witz der bilder und gegensätze. Grüneisen
bei Keller
nachl. 88; sprudelnde heiterkeit;
mit unbestimmtem subject: ach, es gibt kerls genug, bei denen's immer sprudelt. Göthe 7, 44.
auch von anderem, was solcher art, solchen stimmungen entspricht: aber wie im menschlichen leben mitten in das leid die freude tritt, mitten in die freude das leid, so sprudelt oft in den tiefsten ernst hinein das lächerliche (
es handelt sich um ein lächerliches vorkommnis von unbeabsichtigter komik), und umgekehrt. Gotthelf 4 (1898), 75. 1@dd) sprudelnde fülle, sprudelnde hast, eile,
gesteigert: das erste wort jedes absatzes stellte einen hemmenden pfropfen dar, der erst durch ein gewaltsames rütteln aller gesichtsmuskeln zum springen gebracht werden muszte. dann aber schäumten die andern ihm in desto sprudelnderer eile nach. Ludwig 2 (1891), 47. 1@ee)
auch von dem, woraus etwas quillt, worin etwas wallt. so von gefäszen: dass es höhere freuden giebt, als die von den lippen der mädchen und aus sprudelnden gläsern winken. Wieland
suppl. 3, 163 (
sympathien 6);
gnomisch: wessen das gefäsz ist gefüllt, davon es sprudelt und überquillt. Schiller
Wallensteins lager 8.
die flüssigkeit kann dabei durch von
mit dat. bezeichnet werden, frei: so ging es denn zur bude Loissets; — wie sprudelte, ein übervoll gefäsz, vom schaum des volks der luft'ge kasten! Freiligrath 1 (1886), 129.
von körpertheilen: wärst du (
ein schwätzer) auch völlig wie ein sprudelnder steiss, der die wische verhöhnet. Voss
Aristoph. 1, 359 (
wespen 616); mitleidig trat sie auf mich zu und schlosz die ader, die am stärksten sprudelte, mir mit der hand. Hebbel 1 (1891), 156; (
er) führte mich zu einem hause, dessen euter sprudelten, — und dessen töpfe brudelten. Rückert 11 (1882), 502;
freier, in bezug auf rasches reden: wie sprudelt ihm die hochgelahrte kehle! Lenau 1, 20
Koch. ganz unsinnlich sprudelnder kopf,
in dem es sprudelt. Campe.
vgl. sprudelkopf. 1@ff)
im anschlusz daran von lebewesen wie geräuschvoll spucken, prusten, fauchen. Adelung,
so von katzen: denn als sie kaum darein (
in eine nusz) den ersten bisz gethan, so schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie gras gefressen. Lessing 1, 129; da sprühte die sehne des bogens, so wie das sprudeln der katzen. Baumann
Nimrod 518 (
vgl. Schönaich
neol. wb. 386, 36
Köster); endlich tantzten alle katzen, poltern, lärmen, dasz es kracht, zischen, heulen, sprudeln, kratzen, bis der herr im haus erwacht. Lichtwer 33.
ebenso von menschen: voll begierde bisz er zu; Hänschen, o was sprudelst du. Weisze
bei Adelung;
so oder vielleicht auf das abschütteln von wasser gehend: er (
einer der aus dem wasser gezogen ist) sagte das gleichsam im zorn, ganz durchweicht, sprudelnd und triefend. Göthe 34, 298. sprudelen,
beim sprechen den speichel um sich her spritzen. Gangler
lex. d. luxemb. umgangsspr. 428.
mit instrumentalem zusatz: tauchte er den kopf in die schale und sprudelte mit dem wasser umher. Storm
zwei nov. 179;
ähnlich, in übertragener anwendung: der du von gift und galle recht gesprudelt und uns verflucht zum tiefsten höllenpfuhle. Uhland (1864) 138;
[] vgl.: ausgezischt und ausgedudelt jeden witzkompan, der nur geckt und neckt und sprudelt, mit gefletschtem zahn! Voss 4 (1802), 80.
hast, überstürzung beim sprechen bezeichnend, von einem stotterer: dies stottern seiner stimme, dies sprudeln wenn er spricht ist sein'
s. Shakespeare Cymb. 4, 2.
auch allgemeiner auf reichlich flieszende worte als äuszerung erregter, lebhafter stimmung gehend, also mit betonung des inhalts: kann man sein amt nicht verwalten, ohne grob zu werden? wie sollte der herr gerichtsverwalter gesprudelt haben, wenn er in den zeiten geboren wäre, wo die hexenprocesse noch mode waren! Rabener (1764) 1, 33; aber der weiter sehende Filistus fand nicht für dienlich, seinen herrn in dieser leichtsinnigen laune fortsprudeln zu lassen. Wieland 2, 344 (
Agathon 10, 4); Vosz gibt künftig die fortsetzung des göttingischen almanachs zu Wandsbeck vermuthlich heraus: Dietrich, der, so sehr als er kann, deszwegen wider mich sprudelt, setzt den seinigen fort. Boie
in den briefen an Merck (1835) 57;
mit ähnlichen ausdrücken verbunden: oder wüthet, schäumt und sprudelt er im tragischen kothurn? Wieland
Horazens briefe 1, 76;
auch mit adverbialen zusätzen: einer sprudelt von witz
u. ähnl. ebenso von anderer hastiger, lebhafter äuszerung innerer erregung: aber der apotheker war dermaszen im kochen und sprudeln, dasz er, als der balgtreter seinen kopf unterhielt, um dessen antwort einzuholen, seine hand in eine kugel anschieszen und sie wie einen glockenhammer auf die pfeilnaht des untergehaltenen hauptes fallen liesz. J. Paul
Hesp. 3, 15.
nach Adelung '
im gemeinen leben'
: sich zu etwas ungeberdig stellen. 22)
transitiv. 2@aa)
unpersönlich: ein brunnen sprudelt wasser;
im vergleich: sie (
gesänge) stehen dort (
in England) beisammen so dicht im engen raum, als ob an's land gesprudelt sie hätte des meeres schaum. Rückert 12 (1882), 315.
bildlich: der deklamator fordert an sein gehirn bilder und starke gedanken — da es nun zu wässerigt dazu war, sie aufzufassen, — so sprudelt es ihm mit luft gefüllte blasen in die feder. Klinger 11, 188. 2@bb)
persönlich: er sprudelte von den lippen schaum und ritt in des treffens vordern raum. Rückert
Firdosi 2, 549;
in bildern: sie kommen in die quetsche und beide partheyen sprudeln ihr gift auf sie. Weisze
lustsp. 2 (1783), 43; wer ... mir, um mich zu hänseln, wasser in meinen wein mischt, darf sich nicht wundern, wenn ich, ohne lange daran zu schlucken, den unreinen trank ihm in das fratzengesicht sprudele. Thümmel
reise 10 (1805), 260.
im anschlusz daran: siehe das volk, da mit einmahl sprudelt es lachen, der greise häuflein sprudelte mit. Sonnenberg
bei Campe. worte sprudeln, hervor sprudeln,
hastig, rasch sprechen, rein äuszerlich und mit hindeutung auf lebhafte innere stimmung, deren ausflusz sie sind, dann auch von rasch geschriebenen worten, unüberlegten schriftlichen äuszerungen u. ähnl.: sie ... sprudeln lauter kätzer um sich (
schimpfen so). Rabener 4, 230; ohne sich auch nur auf einen einzigen tadel einzulassen, eifert und sprudelt er (
Gottsched) da etwas her, woraus kein mensch klug werden kann. Lessing 6, 181; ich habe schon in meinem wortbriefe gebeichtet, und mit dem gegenwärtigen ist alles so rein und klar zwischen uns, als es, wie gott weisz, in meinem herzen war, da ich den vorigen brief dahin sprudelte. Hippel 14 (1839), 340; sentenzen sprudelt er von sich. Kotzebue
kleinstädt. 1, 5; dann fing er an zu sprudeln witz — und zu sprühen blitz um blitz. Rückert 11 (1882), 438; die schleuderten stäbe und schrieen 'halloh!' die sprudelten witze wie schlossen. Droste-Hülshoff 1, 224
Schücking. mit anführung directer rede: was, sprudelte er, soll das heiszen? Campe; der alte sammler, dem die sache das herz durchschnitt, sprudelte wie eine flasche, von welcher der pfropfen abgeflogen ist: (
folgt directe rede). Immermann 4, 25 (
Münchh. 7, 2)
Hempel; der weber aber, der von alledem nichts merkte, hustete und sprudelte unterdessen: ja, so stark wie die weibsleut sind, und so klug wie die weibsleut sind! Ludwig 2 (1891), 19; der gast aber, indem er den löffel in die gute suppe tauchte, rief und sprudelte über dicke lippen hinaus:
[] 'es ist eine freude zu leben!' Keller 3 (1899), 195; blind! blind! blind! o ... polizei und schwarzer staar! sprudelte der schreiber. Raabe
die leute aus dem walde 2, 210.