gleichnis,
n. ,
älter auch f. herkunft und form. abstraktbildung aus
gleich,
adj. und dem suffix -nis (
zur bildung vgl. Wilmanns
gr. 2, 355
ff.; Paul
gr. 5, 69
ff.).
ahd. galîhnissa,
f., galîhnissi,
n., galîhnissî,
f., ags. gelīcnes,
f. (
engl. likeness),
as. gilîknessi,
f., n., mhd. gelîchnisse, gelîchnusse, -nüsse,
n., f., mnd. (ge)likenessi,
f., mnl. gelikenesse, -nisse,
f., n., nl. gelijkenis,
f. unter den auf drei bildungen zurückzuführenden ahd. formen erscheint galîhnissa
als femin. jô -
stamm, so u. a. chiliihnissa
Isidor 7, 16; 28, 20
u. ö. Hench; gilihnissa (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 282, 59
St.-S.; kilih(i)nissa (9.
jh.)
ebda 1, 426, 48; 4, 19, 26; ze dero glichnisso Notker 2, 78, 20
gloss. P.; vgl. 2, 16, 23; 2, 384, 11.
entweder ein femin.-abstrakt auf -î
oder ein ja-
neutrum stecken in den auf -i
endigenden bildungen, in denen die suffixe -nassi, -nessi, -nissi
und -nussi
nebeneinanderstehen (
s. dazu Braune
ahd. gr. § 68,
anmkg. 3).
an eindeutigen fällen, die aus flexion oder genus die zugehörigkeit zu der einen oder der andern möglichkeit erkennen lassen, vgl. als fem. auf -î: in gilihnassi (8.-9.
jh.)
ahd. gl. 1, 18, 30
St.-S.; kalihnassi (
dat. sg.) (9.
jh.)
ebda 2, 343, 41; in glihnissi (8.
jh.)
ebda 1, 19, 30; thero kilihnissi (9.
jh.)
ebda 4, 21, 29; in gilihnussi (10.
jh.)
ebda 1, 19, 30,
as. thiu gelîcnessi (
n. sg.)
Heliand 3827,
als neutr. auf -i (ja-
stamm): in galihnisse (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 19, 30; thaz glihnessi
Tatian 126, 3; sin glinessi
ebda 91, 1; sin gelihnisse Notker 1, 367, 12
P.; glîhnisses Williram 22, 5
Seem., as. an gilîcnissie
Heliand 987. —
in mhd. gelîchnisse, gelîchnusse, gelîchnüsse (
s. Weinhold mhd. gr. § 268)
stehen fem. und neutr. einigermaszen gleichberechtigt nebeneinander, ohne dasz für die mhd. feminina bei der gleichmäszig zu -e
abgeschwächten suffixendung im einzelfalle noch zu erkennen wäre, ob ahd. galîhnissî
oder galîhnissa
zugrundeliegt. die bildung mit dem suffix -nisse
ist mhd. die geläufigste, zumal in md. quellen, doch begegnen, besonders im obd., auch gelîchnusse
und -nüsse
recht häufig. die nhd. durchweg auf -nis(z), -nus(z), -nüs(z)
verkürzten formen treten seit dem 14.
jh. schon im mhd. nicht selten auf: glichnis Heinrich v. Hesler
apokal. 15430
Helm; Daniel 4856; 4923
H.; geleichnuss Konrad v. Helmsdorf
spiegel 3553
Lindqvist; Seifrit
Alexander 7968
Gereke; glichnus Seuse 191, 1
Bihlm.; gleichnus (1387)
bei Lori
baier. bergrecht 71; geleichnüss Konrad v. Megenberg
buch d. natur 346, 14; 403, 1
Pf.; glichnús Seuse 144, 26; 338, 21
u. ö. —
als bildung mit doppeltem suffix ahd. gilihnussida,
f.: gilihnussidun (
dat. pl.) (10.-11.
jh.)
ahd. gl. 2, 268, 55
St.-S.; frühmhd. gelîchnusside,
f.: kilihnusside (
n. pl.) (12.
jh.)
ebda 2, 684, 33; glihnusside (
acc. sg.)
Windberger ps. 72, 20; zi sînir gelîchnuschede
St. Trudperter hohes lied 8, 13
Menhardt; hierher wohl auch: ain gelichenüste
dtsche pred. 2, 39
Grieshaber. die mhd. in obd. quellen auftretenden formen glichnust,
f., und glichnüst,
f., sind entweder von hier aus oder als-nusz-
bildungen mit epithetischem t
zu verstehen: glichnust
St. Georgen. pred. 279, 13; 340, 17; 19
R.; Seuse 181, 9; 192, 4
B.; glichnúst
ebda 338, 20; 339, 4.
vereinzelt noch im frühnhd.: durch welchi gelichnust Österreicher
Columella 1, 157
lit. ver. —
mit einem zwischen stamm und suffix eingeschobenen vokal ahd. zi galihhanissi (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 469, 15
St.-S.; in kilihinissa (9.
jh.)
ebda 426, 48; in gelichenisse Notker 2, 438, 12
gloss. P.; mhd. gelichinisse Rudolf v. Ems
weltchron. 25933
Ehrism.; gelichenüsse
ebda 5462; gelichenisse
die lilie 1, 20; 46, 9
Wüst; gelichenissi
bihtebuoch 15
Oberlin; glichenisse Joh. Rothe
keuschh. 3608
Neumann;
mnd. gelikenisse Schiller-Lübben 2, 44
a, likenisse
ebda 2, 696
a. —
im nhd. behält das fem. gegenüber dem neutr. bis zur mitte des 18.
jh. deutlichen vorsprung, dann setzt sich das neutr. rasch und eindeutig durch; vereinzeltes eine gleichnisz Ph. Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 101
wohl unter mundartl. einflusz. doppelgeschlechtliche formen bei einunddemselben schriftsteller sind im 16.
und 17.
jh., wie schon im mhd., nicht selten, vgl. z. b. diese gleichnis (
acc. sg.)
Matth. 13, 18
neben ein ander gleichnis
ebda 13, 24; seiner gleichnüsz (
gen. sg.) A. Silesius
heil. seelenlust 287
ndr. neben zu seinem gleichnusz
ebda 293.
unter den suffixformen führt -nus(z)
im 15.
und 16.
jh. mit groszem vorsprung neben seltenerem umgelauteten -nüs(z) (Luther
freilich sagt gleichnis.
gelegentliches die gleichnusz 10, 3, 275
W.).
im 17.
jh. halten sich gleichnus(z), gleichnüs(z)
und gleichnis(z)
ungefähr die wage, bis in der ersten hälfte des 18.
jh. gleichnis(z)
die endgültige vorherrschaft gewinnt, doch vgl. noch gleichnus Wachter (1737) 594; gleichnuss Schwabe
tintenfässl (1745) A 7
a und vereinzeltes gleichnüsz
beim jungen Göthe: dieses gleichnüsz (1764) IV 1, 5, 12
W. formen mit vollem präfix noch gelegentlich im älternhd., z. b. in geleichnüsz Arigo
decamer. 221
K., geleichnus Hans Sachs 22, 837
G. ausfall des stammauslauts vereinzelt in ahd. glinissi
Tatian 91, 1. —
die ahd. und mhd. durchweg starke flexion zeigt im 16.
und 17.
jh. häufig abweichungen, vgl. u. a. all gleichnussen Keisersberg
has im pfeffer (1510) Ff 2; der gleichnissen Luther 26, 382
W.; (
ich) gab gleichnussen Grimmelshausen
Simpl. 148
Scholte; seine gleichnüssen Hohberg
georg. cur. (1682)
vorr. a 3.
in der gleichen zeit begegnet auch unflektierter plural: viel gleichnis Luther 34, 1, 374
W.; mancher hand glichnusz
M. Herr
feldbau (1551) 7
a; viel schöner gleichnusz Phil. Bech
Agricola (1621)
vorr. 3
u. ö. mundartlich führt gleichnis
nur auf bair.-österr. boden ein eigenwüchsiges leben. hier hat sich weithin das fem. gehalten, vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 1424, Schöpf-Hofer
tirol. 383; Hintner
Defregger dialekt 81,
wogegen Lexer
kärnt. 115
das neutr. verzeichnet. bemerkenswert ist der vokalwechsel im suffix: gleichnusz Schmeiler-Fr.
a. a. o.; Schöpf
a. a. o.; gleichnáss Lexer
kärnt. 115;
mit -t-
erweiterung glîchnist Voubun
d. sagen Vorarlbergs (
21889) 275; Frommann
dt. mundart. 4, 327 (
Walsertal).
auffallend in der bildung gleichmisse Hintner
Defregger dialekt 81,
s. auch gleichməss
bei Schmeller-Fr. 1, 1424.
auch bedeutungsmäszig hebt sich der bair.-österr. dialektgebrauch heraus (
s. u.C 6).
die übrigen mundarten kennen das wort, soweit überhaupt, wohl nur in anlehnung an den schriftsprachlichen gebrauch, vgl. z. b. glîchnuss,
n. schweiz. id. 2, 603; gleichniss '
nur in biblischem sinn' Fischer
schwäb. 3, 688; gleĩchnes,
n. Luxembg. ma. 147; gelîkenis, glîkenis Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 604
a.
bedeutung und gebrauch. in seiner bedeutungsentwicklung vom dinglich-konkreten zum geistig-abstrakten, an der die mystische literatur des 14.
jh. einen besonderen anteil hat, geht gleichnis
weithin mit bild
parallel, s. Pongs
d. bild in d. dichtung (1927) 1, 8
ff. u. anm. zu s. 151. AA. '
bild, ebenbild, abbild, bildnis, gestalt, erscheinung'.
als konkrete bezeichnung dessen, was einem anderen ähnlich ist, s. gleich I A.
ahd. vorwiegend in diesem bedeutungsbereich, vgl. gilihnissi, gilihnissa
u. ä. in den meisten glossierungen und übersetzungen für lat. imago (
K., 8.
jh.)
ahd. gl. 1, 248, 4
St.-S., figura (
K., 8.
jh.) 1, 258, 25,
typus (9.-10.
jh.) 1, 258, 24,
effigies (
K., Pa. 8.
jh.) 1, 122, 10,
scema (9.
jh.) 4, 19, 26,
forma Isidor 23, 15
Hench. so noch häufig in vocc. und wbb. des älteren nhd. für typus Diefenbach
gl. 585
a,
figura gemma gemmar. (1508) k 3
b,
icon, effigies Er. Alberus (1540) L 3
a,
imago Frisius (1556) 648
a,
simulachrum ebda 1214
a.
in wbb. des 17.
u. 18.
jh.: gleychnusz, bildnusz, gestalt
facies, simulacrum, similitudo, imago, effigies Henisch (1616) 1641; Hulsius
it.-teutsch (1618) 2, 373
a; gleichnüsz
similitudo, simulacrum, imago, effigies, comparatio Stieler (1691) 669;
simulacrum ein bildnus, contrefait, gleichnus,
gleichheit, abbildung Sperander (1727) 650
b.
bei Adelung vers. 2 (1775) 712
in der bedeutung '
bild'
als veraltet. —
der schriftsprachliche gebrauch dieser bedeutungen nimmt im mhd. und älteren nhd. einen breiten raum ein, hält sich aber, besonders unter dem schutz gewisser fester anwendungen (
s. u. 1, 2, 4)
noch bis in die gegenwart und schlägt auch in der abstrakteren bedeutung '
sinnbild' (
s.B)
gerade in jüngstem sprachgebrauch noch durch. A@11)
im zusammenhang der biblischen anschauung von der gottesebenbildlichkeit des menschen, vgl. 1. Mos. 1, 26; 5, 1. gottes gleichnis
als das bild, vorbild oder urbild gottes, nach dem der mensch geschaffen wurde: got so ir erist mannan chifrumida mit dhem hohistom salidhom odagan endi mit scuonin dhera gotliihhun chiliihnissa chieredan (
divine imaginis decore honoratum)
Isidor 28, 20
Hench; da gott den menschen schuff, machet er jn nach dem gleichnis gottes
1. Mos. 5, 1; (
der mensch) ... denckt nicht dasz er sey gebildt nach gottes gleichnis ... Casp. Scheit
Grobianus v. 4934
ndr.;
oder der mensch als gottes gleichnis,
sein abbild, ebenbild: da von twang mich (
Christus) dú minne daz ich selbe min selbez glichnust (
den menschen) wolte lOesen
St. Georgener pred. 340, 19
R.; gott hab uss syner kraft und macht kein g'schöpften noch kein glichnuss g'macht (1550)
schweiz. id. 2, 603; er hat ausz nichts dich hergebracht, zu seinem bild formiret; zu seinem gleichnusz dich gemacht und stattlich auszstaffiret Ang. Silesius
heilige seelenlust 293
ndr.; und zuletzt schuf er den menschen, sein gleichnisz, und blies ihm seinen athem ein E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 253; dasz das menschengebild am vorzüglichsten und einzigsten das gleichnisz der gottheit in sich trägt Göthe I 20, 293
W. häufig in der verbindung mit bild: vnd hast vor andern creaturen, den mentschen ... zu deinem pild vnd gleichnus erhoht
hertzmaner (
um 1492) 6
a; der mensch nach gottes gleichnsz vnd bilde geschaffen G. Nigrinus
v. zäuberern (1592) 176; wenn wir uns nach dem rechten menschen entsinnen, welcher die rechte gleichnisz und bildnisz gottes ist, so finden wir gott in uns Jac. Böhme
s. w. 4, 89
Schiebler; gott schuf den menschen, sein bild, sein gleichnisz Herder 6, 253
S.;
vgl. 26, 313.
gerade dort aber, wo in der älteren bezeugung der anschlusz an 1. Mos. 1, 26:
faciamus hominem ad imaginem et similitudinem nostram besonders eng ist, ist mehr oder weniger auch mit der bedeutung '
ähnlichkeit' (
s. u.C)
zu rechnen, zumal vor dem hintergrund der seit Augustin feststehenden kirchlichen anschauung von der similitudo spiritualis, der ähnlichkeit zwischen gott und der menschlichen seele, der inneren gottesebenbildlichkeit: duoemes mannan uns anachiliihhan endi in unseru chiliihnissu (1.
Mos. 1, 26)
Isidor 7, 16
Hench; er schuoph uns zi sîneme bilde vnde zi sînir gelîchnuschede daz unsir sêle sîn insigele wêre
St. Trudperter hoheslied 8, 13
Menhardt; vgl. 35, 19; got hat (
die seele) geschaffen ... nach sines selbes gelichnisse vnd nach sinem bilde
dtsch. predigt. 43, 35
Leyser; wir wöllen machen einen menschen nach unsrem bilde und zu unser gleichnüsz Keisersberg
seelenparad. (1510) 9
a; so die dry (
wille, gedächtnis, verstand als die drei oberen kräfte der seele) hat got gemacht zuo siner glichnüs hat gformiret, durch die der gantz mensch werd regiret Murner
badenfahrt 56, 44
Michels. A@22)
in verwandter, von 1
her beeinfluszter anwendung. '
ebenbild': der engil ist ouch ein glichnisse godis, dar umme nennit si sente Dyonisius spigile
paradisus anime intell. 23, 31
Strauch; du (
Lucifer) warest ein sigil meiner gleichnus (
Christi). dann vnter allen erschaffenen ereaturen war keine, die dem ebenbilde meines sohns so gar gleichförmig war, als du Aeg. Albertinus
Lucifers königreich 9
Liliencr. auch auszerhalb der eigentlich biblischen sphäre: da fieng er (
Prometheus) an und wolt auch selber menschen machen, nam einen klotz leimen und macht ein gleichnus eines menschens und machts hol Aventinus
s. w. 1, 322
baier. akad.; prediger Schütz aus Bückeburg, jenen als bruder und schwager, und mir als gleichnisz seiner längst bekannten geschwister höchst willkommen Göthe I 35, 99
W. vgl. noch mundartlich: jlīknis (
Solingen 1870) '
ebenbild'
rhein. wb. 2, 1269. '
vorbild, urbild': er (
Lucifer) bewies sogleich seine unendliche thätigkeit, indem er die sämmtlichen engel erschuf, alle wieder nach seinem gleichnisz Göthe I 27, 218
W.; wenn sie sich selber den helden des herzens vorstellte, so war es ein mann nach dem bild und gleichnis des Angelus P. Dörfler
d. lampe d. törichten jungfrau (1933) 46. A@33)
das künstlich verfertigte bild, abbild, insbesondere das bildnis: thô quad in ther heilant: uues ist thaz glihnessi inti thaz giserib thar oba? thô quadun sie imo: thes keisores (
cuius est imago haec ...?)
Tatian 126, 3; in latina lingua sint kenammen (
equivoci) homo animal i. ter lebendo mennisko et quod pingitur i. sin gelihnisse Notker 1, 367, 12
P.; on das haben all die besten maler und bildhovwer sich understanden mit grossem flysz, m und arbait der höchsten zierd ain glychnus zemachen, daz die selb doch den nachkomenden ovch bekant würde Stainhöwel
de claris mulieribus 123
Keller; da er einen altar sahe der zu Damasco war, sandte der könig Ahas desselben altars ebenbild vnd gleichnis zum priester Vria
2. kön. 16, 10; seht hier, auf diesz gemählde und auf diesz, das nachgeahmte gleichnisz zweyer brüder (
the counterfeit presentment of two brothers)
Shakespeare (1797) 3, 272; wäre es möglich, dasz sie mir das bild von Lessingen, das sie besitzen, nur auf kurze zeit herschickten? ich wünschte es, um einiger hiesigen verehrten personen willen, die noch nie ein bild oder gleichnisz von ihm gesehen Göthe IV 19, 64
W.;
vgl. 14, 213.
erweitert: nit macht euch etlich bilde vnd gleichsam (
jüngere varianten: gleichnisz) (
neque figuras aliquas aut stigmata facietis vobis)
erste dtsche bibel 3, 426, 32
Kurr. von bildlichen figuren und formen, die einer sache ähnlich sehen oder sie bezeichnen sollen: oder wo ir wert sehen das geleichnisse des sterns, das ist das punckt obellos úØú
erste dtsche bibel 7, 239; sich begeben auch etwann heittere figuren vnd form im himmel als etwann ein new mond oder ein gleichnusz eins mons, oder sonst ein ander form Paracelsus
op. (1616) 2, 97
H.; die figuren aber so im himmel erscheinend, als etwann seltzame mann, kirchen vnd ander vnersehen oder erkant form vnd gestalt, mit viel farben vnd dergleichen. etwann als menschen, etwann als krieg, etwann als ander gleichnusz
ebda 2, 37; das sibengestirn wirt ... von den sternensehern durch gleychnusz eins bären verzeichnet Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 20. A@44)
speziell für das nach kreatürlichem vorbild gefertigte bild, das als darstellung gottes oder als götzenbild dient, in mittelbarem oder unmittelbarem anschlusz an bibelstellen wie Jes. 40, 18;
ps. 97, 7; 106, 20;
Röm. 1, 23,
vgl. idolum ein bild oder gleychnusz eines dings, ein götz Frisius (1556) 643
a:
simulacra gentium argentum et aurum, opera manuum hominum ... aber gentium gelihnisse silberiniu, guldiniu menniscon hantuuerch Notker 2, 487, 29
P.; 407, 7; er (
Paulus) spricht, das bildbreyser gotes glorien stelen, vnd geben sie gleychnissen der ereaturen Carlstadt
v. abthuung d. bylder (1519) D 3
b; sie machten ein kalb in Horeb, vnd beteten an das gegossen bilde vnd verwandelten jre ehre in ein gleichnis eines ochsen der gras isset
ps. 106, 20.
fest geblieben in Luthers
übersetzung von similitudinem: du solt dir kein bildnis noch jrgend ein gleichnis machen, weder des das oben im himel, noch des das vnten auff erden, oder des das im wasser vnter der erden ist
2. Mos. 20, 4; es heiszt wohl, der mensch solle sich kein bild und gleichnisz machen von ihm (
gott) Fr. Th. Vischer
ästhetik (1846) 2, 442.
vergeistigter: fühlen wir es nicht, dasz unsere vorstellungen von ihm (
gott) ... doch immer uns selbst nicht genügen, und immer noch etwas darin bleibt von bild und gleichnisz? Schleiermacher
s. w. (1834) II 4, 69.
in vereinzelter umkehrung des verhältnisses bezeichnet gleichnis
hier auch das dem abbild zugrundeliegende urbild: jene thiere (
die man als götzen abbildet) sind meinem erhabenen geiste unerträgliche repraesentanten meines königes, ich wolte lieber einem meiner nebenmenschen die ehre geben, als einer bestie, deren gleichnisse meinen hunger stillen, und auf meiner tafel als ein gerichte erscheinen müssen Zinzendorf
Socrates (1726)
nr. 23. A@55)
insbesondere auch '
nachbildung, kopie': ei reine frouwe milde, nu sehet, welch ein bilde! (
ein bild in einer kirche) ... da sprach di frouwe gnaden rich: 'mir ist ein nicht des bildes schin: ich dragen in dem herzen min der glichnusse warheit. geschriben alle zit gereit'
hl. Elisabeth 8627
Rieger; vgl. 8617; anno domini 1513 haben die von Weyssenborn bey sant Veitz altar an die maur ain gleichnusz aynes stains lassen machen in gleicher form, grösze, lenge, schilt, helm und geschrift, wie der recht stain gewesen ist
bei Baumann
quell. z. bauernkr. in Oberschwaben 6; und wiewol dise stet (
die freien reichsstädte) am maisten verpflicht, am wenigsten freihait hetten, sezet mans dennoch allen andern stetten für, warn in mêrern êrn gehalten von der stat Rom wegen, dero si gleichsam bildnus und abgemalte gleichnus warn Aventinus
bair. chron. 1, 635
Lexer; die maler, wenn sie eyn kunststuck abstelen wOellen, so legen sie etwas darunder, vnnd stechen es mit nadeln ab ... vnd machen ein gleichnusz darnach Joh. Agricola
sprichw. (1541) 337
b.
vergleichbar ist in der vorstellung der mhd. mystik die bezeichnung der sichtbaren, geschaffenen dinge als glîchnisse '
spiegelbilder, abbilder'
der unsichtbaren: also ubircrefteg ist auch daz gotliche lieht unde so clar, daz iz der selen augen nit erliden mohten of ertriche, enweren die glichnüsse und die geschaffen ding nit, alse S. Paulus sprichet: invisibilia dei a creatura mundi per ea, quae facta sunt, conspiciuntur Nicolaus v. Landau
sermon. 17
b Zuchhold. in verwandter philosophischer vorstellung auch in jungem gebrauch: dasz sich nämlich jede tugend, jede kraft, jede tüchtigkeit, alles dem man ein wesen, ein dasein zuschreiben kann, ins unendliche vervielfältigt und zwar dadurch, dasz immerfort gleichbilder, gleichnisse, abbildungen als zweite selbstheiten von ihm ausgehen, dergestalt dasz diese abbilder sich wieder darstellen, wirksam werden, und indem sie immer fort und fort reflectiren, diese welt der erscheinungen ausmachen Göthe II 3, 270
W. A@66)
abstrakter in der anwendung auf innere bilder, gedankliche vorstellungen, traumbilder, gesichte u. ä., namentlich im mhd.: ein man vil dicke introume siht ein ding das sih gelichit wol dem dinge das im geschehin sol: als ouh Saule do geschach, der Samuelen niht anders sach wan ein gelichinisse. der munt im tet die komenden warheit kunt Rudolf v. Ems
weltchron. 25933
Ehrism.; do erschein im vor in einer geischlichen gesihte ein glichnús des gekrúzgeten Cristus in eines serafins bilde Seuse 144, 26
Bihlm.; vgl. 338, 20
ff.; setz dir eins brunnen gleichnusz vor, ein eimer sinckt zu boden schwer, so fert hoch in die lüfft der ler Casp. Scheit
d. fröl. heimfart (1553) G 3
b; nicht fremde sind des schicksals geister irdischen. wann ihre schatten aufwärts wandein hin ans licht, dann, gilt das zeichen, musz ein sterblich haupt hinab. in blut' ger schlacht ich stehe heut zum letzten mal; denn heint des vaters gleichnisz stand voll ernst vor mir E.
M. Arndt
geist d. zeit (1806) 2, 278; ihnen musz begegnen, was allen wesen begegnet, das bild der sie umgebenden welt musz auch in ihrem innern wiederscheinen, sie müssen drmnen ein gleichnisz von dem sehen und erleiden, was ihnen drauszen widerfährt ... auch die besonnensten tragen im innern ein gleichnisz des äuszeren
ders., schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 333. A@77) '
gestalt, erscheinung, verkörperung, person': inti uuard tho, mittiu her betota, uuanta sin glinissi fora in (
transfiguratus est ante eos)
Tatian 91, 1;
habitu kalihnassi (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 343, 41
St.-S.; uniformis von einer ... glichnusz o. gestalt (1512) Diefenbach
gl. 627
b; wann in kainer leiblichen form oder gleichnusz von dem schlaffenden oder wachenden, besunder allain vonn dem rainen hertzen vnd in diemütiger lieb wirt er (
gott) gesehenn Keisersberg
granatapfel (1510) G 4
a.
besonders von der körperlichen gestalt, deren sich ein göttliches oder überirdisches wesen als erscheinungsform bedient: dhuo ir scalches chiliihnissa infenc (
formam servi accipiens)
Isidor 23, 15
Hench; endi quam the hêlago gêst ... was im an gilîknessie lungras fugles
Heliand 987
Heyne; do er wider ging, do hatte sich unser herre Jesus Christus gebildet in einis miselsuochtigin menschen gelichnisse
altdtsche pred. 1, 130, 9
Schönbach; der heylige geist, der in eyner duben glichenisse uwer unssern herrn Jhesum erscheyn Wigand Gerstenberg
chron. 182
Diemar; desse vyant nam ouermits der verhengenisse godes an de gelickenisse vnde forme van dessen hilligen biscope Schiller-Lübben 2, 44
a; er (
Christus) hat des menschen natur vnd geleichnusz an sich genomen vnd vil gelitten bisz in den tod vmb des menschen hail Keisersberg
granatapfel (1510) E 7; vnd der herr redet mit euch mitten aus dem fewr, die stimm seiner wort hOeretet jr, aber kein gleichnis sahet jr auszer der stim (
rev.: keine gestalt sahet ihr auszer der stimme)
5. Mos. 4, 12.
wohl im anschlusz daran auch von der species sacramentalis, den dinglichen elementen des abendmahls als einer leiblichen erscheinungsform Christi: des soltu, cristenmensche, ganzen gelouben haben: daz unser herre Jesus Christus sinen jungern den heiligen aposteln do gab, als ich euch e sagite, und daz die pristere huote dis tages von dem altere in brotes gelichnusse (
gaben), daz daz si sin war lichnam und sin bluot
altdtsch. pred. 1, 4
Schönbach; warumb hat sich der wysz kúnigk bedecket vnd verborgen das man nicht anders sicht dann glicheit des brottes vnnd des wynes vnd warumb zeiget sich der herr nit offen barlich ... darumb hat der wysz kúnigk bedeckt disse edle speisz mit eynem rock der glichnüsz des brottes und des wynes
d. ewig. wiszheit betbüchl. (1518) 140
b.
nur selten als '
form, gestalt'
in anderer sachlicher beziehung: diser werlt gelichnvsh ist zergenchlich (13.
jh.)
dtsch. pred. 11, 5
Leyser; und das, das da in dem keszkar beslossen wirdt, das soll vast getruckt werden bis es gleichnusz des keszkars gewinnt
d. puch d. himl. offenbar. d. hl. Birgitte (1502) 4.
buch, 22.
kap. A@88)
mit 7
eng verwandt, aber abstrakter in der bedeutung '
aussehen',
nur gelegentlich: zweier súne si (
Rebecca) genas, der gelichenússe ungeliche schein Rudolf v. Ems
weltchron. 5462
Ehrism.; als ainer der blint geboren ist, der kain lauttere erkantnusz von geleichnusz vnd varben der creatur gehaben mag Keisersberg
granatapfel (1510) F 4
c; drumb sind auch gröszere vnderschiedt der gleichnus vnter den menschen denn vnter den andern thieren, denn der menschen schnelle gedancken, behende gemter vnnd verscheidne verstAende bringen jhren jungen mancherley verscheidne vngleiche formen vnnd gestalten zuo Heyden
Plinius (1565) 23. BB. '
sinnbild, symbol, zeichen von bestimmter bedeutung'.
in diesen bedeutungen lebt der alte und im nhd. allmählich veraltende gebrauch A
abstrakter und vergeistigter weiter, in der gehobenen sprache jüngster zeit mit neuem auftrieb; vgl. symbolum gelicknis (
nd. 1420) Diefenbach
gl. 534
b.
so häufig in Luthers
polemik gegen Oecolampads abendmahlsbegriff: wenn nu Christus wolt ein abendmal einsetzen, da nicht sein leib und blut, sondern gleichnis seins leibs und bluts ynnen were, so hette er billich uns das alte Mosesabendmahl mit dem osterlamb gelassen 26, 395
W.; wenn nu Christus spricht (=
spräche): das brod ist meins leibs für euch gegeben gleichnis, der becher weins ist meins bluts für euch vergossen gleichnis, das ist eben, als wenn er spreche: das brod, so gar kein gleichnis hat meins leibs für euch gegeben, ist dennoch meins leibs für euch gegeben gleichnis
ebda 392.
speziell im sinne eines vorausdeutenden zeichens oder sinnbildes, das dem wahren wesen voraufgeht: nu schafft gott alle wege, das die deutung odder gleichnis zuvor geschehen und danach folge das rechte wesen und erfullunge der gleichnissen, denn also gehet das alte testament als ein gleichnis furher vnd folget das newe testament hernach als das rechte wesen
ebda 382; figura ist ein dunckel vnd wanckelwort, er wollts wol gerne also deüten das es hiesse ein gleichnis fürbilde odder deützeichen, gleich wie man die geschicht ym alten testament figuren nennet des newen, wie Adam ein figur odder furbilde Christi ... heisst 23, 218.
dabei steht gleichnis
als '
zeichen'
hart neben anderen bedeutungen von gleichnis
im sinne des '
bildlichen ausdrucks',
der '
figürlichen rede' (
s. u.F)
oder des abstrakten eigenschaftsbegriffs '
ähnlichkeit' (
s. u.C),
vgl. z. b. (
s. auch oben Luther 26, 392
W.): zum dritten, ist das die aller grOessest torheit, das er spricht: das brod bedeute odder sey ein gleichnis seines leibs fur uns gegeben ... lieber, wo ist solche gleichnis ym brod? ... denn wo eine figur, symbolum odder gleichnis sein sol, da eins das ander bedeuten sol, da mus ia etwas gleichs ynn beiden angezeigt werden, darauff die gleichnis stehe, als ... der weinstock ist ein gleichnis odder figur Christi 26, 391
W. als '
sinnbild, abbild'
für ein verhältnis tieferer bedeutsamkeit besonders dort, wo ein sichtbares ein unsichtbares, ein greifbares ein ungreifbares ausdrückt, ein äuszerer gegenstand oder vorgang bildhaft oder gestalthaft einen inneren verkörpert, repräsentiert: das schöne gleichnüsz der demuht, das Johannis-äpfelbäumlein wird wegen kleinbleibender ahrt, mit allem recht, der niederträchtige benamet Neumark
neuspr. teutsch. palmb. (1668) 168; alle werke gottes sind zeichen und ausdrücke seiner eigenschaften; und so, scheint es, ist die ganze körperliche natur ein ausdruck, ein gleichnisz der geisterwelt Hamann
schr. 1, 88
R.-W. oft bei Göthe: aber, unsichtbar auf erden schwebend, konnt ich meiner hohen glückverbreitenden gesinnung wählen kein vollkommner gleichnisz, nicht ein ausdrucksvoller abbild, als in diese freuden-fülle allbelebend sich hereinsenkt I 13, 1, 35
W.; so weit das ohr, so weit das auge reicht, du findest nur bekanntes das ihm gleicht, und deines geistes höchster feuerflug hat schon am gleichnisz, hat am bild genug I 3, 73
W.; ich sahe grosz und kleines, und sah auch kleines grosz; denn gottes gleichnis sah ich in allem, was da war Rückert
ges. ged. (1837) 2, 428; er dachte an Juttas grab, aber er tat es nur, weil ihm im gleichnis dieses steinernen mals im feuchten schatten der kirchenmauer das wesen der unbekümmert fortbestehenden welt ... am eindeutigsten verkörpert war Ina Seidel
Lennacker (1938) 333.
gelegentlich bleibt die beziehung des bildes auf die in ihm beschlossene bedeutung unausgesprochen, '
sinnbildlicher gehalt': heiter blickt er (
Siddharta) in den strömenden flusz, nie hatte er ... stimme und gleichnis des ziehenden wassers so stark und schön vernommen. Herm. Hesse
d. weg nach innen (1932) 114.
variiert auch als '
anzeichen, symptom, ausdruck, beweis für etwas': parterre und galerie bevölkerten sich gar bald wieder, als wahrzeichen und gleichnisz, dasz in stadt und staat alles die alte richtung angenommen Göthe I 36, 3
W.; sie empfand diesen wechsel wehmütig als gleichnis des plötzlichen umschlags in ihrer eigenen verfassung Mörike
ges. schr. (1905) 3, 146.
als ausdruck für einen typischen, bezeichnenden einzelfall innerhalb einer allgemeinen gesetzmäszigkeit oder eines umfassenden ganzen: und so mag denn auch dieser fall ein bild und gleichnisz abgeben von dem, was durch ein treues zusammenwirken, erreicht werden kann Göthe IV 25, 36
W.; so ein bade-sommer ist wirklich ein gleichnisz eines menschenlebens
ebda 20, 141; die politische welt ... ist ein gleichnisz des lebens selbst E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 448.
als '
verkörperung',
wo ein bezeichnender teil für das ganze steht: es löst sich auch etwas in ihm: wehvoll der schatten der alten welt (
Europas). ihr gleichnis ist (
mit einer verstorbenen) von ihm gegangen H. Fr. Blunck
d. weibsmühle (1927) 237.
gelegentlich wird hier gleichnis
durch eine einschränkende bestimmung als etwas gekennzeichnet, das nur eine uneigentliche oder abgeleitete bedeutung hat: alles vergängliche ist nur ein gleichnisz Göthe I 15, 337
W. (
Faust 12105); ihr (
der armen) mund ist wie der mund an einer büste, der nie erklang und atmete und küszte ... ... sich nun wölbt, als ob er alles wüszte — und doch nur gleichnis ist und stein und ding R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 286. CC. '
ähnlichkeit, gleichartigkeit, gleichheit',
wie A
zu gleich I A,
aber als abstrakter eigenschaftsbegriff auf übereinstimmung des aussehens, der gestalt, des wesens, der gesinnung u. ä. bezogen. neben A
im ahd. nur selten, mhd. dagegen in stärkerem gebrauch als das nur allmählich aufkommende synonyme gelîcheit (
s. gleichheit).
im nhd. zieht sich die anwendung stufenweise zurück, tritt aber, wenn auch immer seltener, bis um die mitte des 18.
jh. noch eindeutig hervor. in vocc. und wbb. für similitudo, vgl. z. b. Diefenbach
gl. 534, Frisius (1556) 1213
a, Stieler (1691) 669, Sperander (1727) 649
b, Wachter (1737) 594;
bei Adelung
in der bedeutung '
gleichheit, ähnlichkeit'
als veraltet, vers. 2 (1775) 712. C@11)
ohne nähere bestimmung: die meister sprechent, bekantnisse lige an glîchnisse (
vgl. simile simili cognoscitur) meister Eckhart
w. 1, 49, 4
Quint; waz bilde sal sin einis anderen, daz muiz dise dru dinc an ume habin: daz erste ist glichnisse
parad. anime intell. 100
Strauch; wo kein gleichnus ist, spricht mann: er sihet jm so gleich, als were er jm mit einer leytern aus dem hindern gestiegen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 73
b; sonderlich ist denckwürdig die menge des camfors, den sie in einer besondern scheuren, so häuffig zusammengetragen gefunden, dasz sie solchen, wegen der äuszerlichen gleichnüsz, für saltz gehalten und gebrauchet haben J. Prätorius
wündschelruthen (1667) 243; dasz tochtergen hatt woll gethan, diesze gleichnusz (
ähnlichkeit mit dem vater) zu nehmen; zu dem so sollen alle tochter glücklich werden, so den vättern gleichen Elis.-Charl. v. Orleans
br. a. d. jahren 1716 -1718, 155
Holland. in präpositionaler verbindung als adverbiale bestimmung, '
in ähnlicher weise, ebenso': uuanda iro testes darana gescriben uuaren. be diu hiez diu scrift (
bei den Römern) testamentum. ze dero glichnisso (similitudine) heizet diu lex diea got dien alten beneimda uetus testamentum Notker 2, 78, 20,
P.; adinstar i. ad similitudinem: zu einer glychnusz
gemma gemmarum (1508) a 4
b. in einer gleichnis '
übereinstimmend': vnd die andern herrn waren alle in scharlach gekleidet, auch alle in einer gleichnusz, vnd mit grteln vber jre kleider
buch d. liebe (1587) 345
d. von gleichnis her
zur bezeichnung eines ähnlich, parallel gelagerten falles: wer aber eyn gut nie verzäunet worden, sondern inn freiem feld vnd zu seiner zeit inn der gemeynen weyd gelegen, so wer darausz von gleichnusz her zuschlieszen, das wie keyner zu schmAelerung der gemeynen weyd jm selber eyn gut beschlieszen und mit eynem zaun zu gartenrecht machen kOente das auch also dem wildprett sein nahrung nicht zu nemmen Sebiz
feldbau (1579) 562. in gleichnis '
desgleichen, gleichermaszen, gleichfalls': dasz ein ider stand einen ader zween ihrer gelehrten theologen zu demselben tag wollen mitbringen, wie obgedachter unser vetter vnd bruder, der landgraf, und wir in gleichnus zu tun auch bedacht Luther
br. 7, 621
W.; item dasz kein könig über 100 personen bringen soll. in gleichnisz soll auch kein botschaft über zwölf pferde bringen kurfürst Joh. Friedrich
in: Melanchthon
op. 3, 143
Bretschneider. C@22)
mit bestimmung der personen oder dinge, zwischen denen das gleichheitsverhältnis besteht. C@2@aa)
zunächst, aber kaum über das 16.
jh. hinaus durch einen abhängigen genetiv, gleichnis eines dinges '
ähnlichkeit mit ihm': erinatius ist animal magnitudine ericii daz chit des igelis. in gelichenisse perin unde muse. daz heizen uuir murem montis uuanda iz in foraminibus alpium sina festi habet Notker 2, 438, 12
P.; wan daz di sele ... muiz gesast werdin in ein gotlich wesin und in daz glichnisse gotlicher nature
parad. anime intell. 41, 30
Strauch; dasz etwas fründschaft, glychnusz und bildung gottes in uns ist Zwingli
dtsche schr. 1, 57
Schuler-Schulthess. eines dinges gleichnis haben '
ihm ähnlich sein': des guoden morteres (
mörtels) gelichenisse hat die otmuodicheit, want si dat gecimbere der duogede ze samene hangen deit
die lilie 46, 9
Wüst; die haben wol gleichnusz des hausshanen, aber nicht ir cluogheit
d. hl. leben winterteil (1471) 215
a;
habent quasdam ueritatis umbras sy habend etwas gleychnusz vnd gstalt oder scheyn der warheit Frisius (1556) 1399
a.
in ähnlichen verbalverbindungen: daz mer an dem gedute der werlde glichnisse treget, wen sie sich immer weget und nimmer stille bestet Heinrich v. Hesler
apokal. 13355
Helm; arripere similitudinem alicuius sich fleyssen eim gleych ze seyn, einis gleychnusz an sich nemmen Frisius (1556) 121
b.
in den adverbialen bestimmungen nach, in, zu gleichnis einer sache '
nach der art von, in übereinstimmung mit, gemäsz, ebenso wie': din geistlich und liplich krefte ... son nach glichnús miner arme in minem dienste sin zertennet und zerspannen Seuse 215, 24
Bihlm.; so gethan ... dencke komet allein von grobheit der synnen, die gOetliche und ber naturliche ding nement nach gelichnusz irdenscher und naturlicher ding und also ist es nit
d. ewig. wiszheit betbüchl. (1518) 59
a; wil der Murner unsern christlichen glauben gründen in glichnus menschlicher tOerechter geschichten, deren yrrung kein mas geschepfft mag werden (1521)
Karsthans 113
in: Clemen
flugschr. a. d. ersten jahren d. reformation 4; also zu gleichnus der romischen siben kirchen warden hie (
in Nürnberg) auch siben bestimpt (
deren besuch vollen ablasz gewährt)
dt. städtechron. 11, 725 (
Nürnberg um 1500). C@2@bb)
an stelle des genetivs auch in pronominaler oder adjektivischer verbindung: dit ist ein minninclich dinc daz got sine irweltin mit also luitseligir ordenunge der vollincumminheit brengit zu sime glichnisse
parad. anime intell. 72, 37
Strauch; allweil ich euch hinderlasz ein kind, so vielleicht durch etwas meiner gleichnusz dermaln eins in ewerm hertzen die gedAechtnusz seiner arbeitseligen mutter ernewern mag
theatr. amoris (1626) 206; vind ich dreü ding in mir dar durch ich gOetlich gelichnusz empfach Keisersberg
granatapfel (1510) G 6
c. C@2@cc)
durch eine präpositionale verbindung. vor allem in der formel gleichnis haben mit: daz glichnisse daz wir habin mit godis sone, da fone wir godis sone heizin, daz ist an der geburt
parad. anime intell. 22, 21
Strauch; die forellen haben viel gleichnusz mit den salmen Forer
fischb. (1598) 173
b; es ist aber kein kraut in der welt, dessen wurtzel irgend eine gleichnis mit des menschen gestalt oder ruffende stimm hätte J. Prätorius
saturnalia (1663) 158; es waren also nicht Castor und Pollux diejenigen götter, so die Naharvalen anbeteten, sondern sie hatten nur in der beschreibung, so sie von ihnen machten, einige gleichnisz mit einander Heinr. v. Bünau
teutsche kaiser- u. reichshistorie (1728) 1, 63. gleichnis geben mit: sichstu wie gott dem menschen glichnisz het geben mit allen creaturen Keisersberg
bilgerschaft (1512) 29
a.
daneben gleichnis zwischen
oder unter: sso doch keyn gleychnisz ist tzwisschen dem wortt gottis und unsserm werck, ich schweyg, das sie eyn ding seyn sollen Luther 8, 512
W.; es ist kain gleichnus zwischen euch, ir sind gar schwarz, und sie sind blaich Fischart
dichtg. 73
Goedeke; dan der herr Wastel die raufangkiererey, ich herentgegn den geistlichen stand gewehlt vnd under uns kain gleichnusz mehr ist, alsz dasz mir alle zwey schwartze joppen tragn J. J. Schwabe
tintenfässl (1745) A 7
b.
vereinzelt mit dem nebensinn eines gegenseitig richtigen verhältnisses: gott allein weiszet in einer jeden gattung der gewächse die rechte gleichnusz zwischen der treibenden wärme und der leidenden materye J. v. Muralt
eydgenöss. lustgarte (1715) 2. C@33)
der vergleichspunkt steht im abhängigen genetiv: (
er) hielt auch Lutzen ... für seynen tochterman ausz gleichnusz aller gestalt, die die zwen lutzen zwiling zuo samen hetten A. v. Eyb
dtsche schr. 2, 96
H.; deszgleichen auch ... erstrecket sich ... die gleichnisz solcher glider auff die kinder W. H. Ryff
anatomi (1541) B 2
a; es war vnter jhnen jhrer lieb vnnd gemuohter so eine grosze gleichnusz, dasz jhr jetweders wolbekennen mocht: eine seel regiere zwey leible
buch d. liebe (1587) 108
a. C@44)
mehrfach steht gleichnis,
besonders in der konstruktion mit abhängigem genetiv, in der funktion des adj. gleich
im sinne von '
ähnlich'
oder '
entsprechend': und ob dasz were, dasz einer ein zeichen zu seinem eigen hammer aufgeschlagen hett auff die schin, und das einer oder mehr darnach dasselb zeichen, oder ein gleichnus desselben zeichens aufschlüege (1387)
bei Lori
baier. bergr. 71;
recompensare widerlegen mit gleichnisz der that Diefenbach
gl. 487
c; wir lassen nicht nach, bisz du es vns sagest, dann es wirdt vns ein groszer trost seyn, dieweil wir ein gleichnusz vnseres vnfalls hOeren
buch d. liebe (1587) 181
a;
talio ein widergeltung der glichnus (15.
jh.) Diefenbach
gl. 572
a.
ähnlich steht gleichnis
auch für das substantivierte adj. im sinne von '
ein gleiches, das gleiche': (
wir hospitalbrüder wollen den andern helfen,) op dat si, die brodere mit iren luden, uns des gelikenisse wider don (1253)
bei Schiller-Lübben 2, 44
b; so wissen auch hierbey, dasz er (
Merkurius) vielfaltigen frost, hitz, schawer, schüttlen machtet (= machet), so sein paroxismus an will gehn, oder ein gleichnusz darvon Paracelsus
op. (1616) 1, 45
Huser; dasz der flusz Lindmagt, ausz dem land Glarisz lauffende, vil erdtrichs eyngeflötzt vnd den Zürichsee daselbst etwas eyngezogen hat. wie man ein gleychnusz ab den weyern erlernet, an welchen die bäch, so hinden dareyn flieszen, erstlich den nächsten boden seicht oder trocken machen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 390
b. C@55)
in der bedeutung '(
falscher)
schein, vorwand, verstellung',
simulatio, begegnet gleichnis
gelegentlich im ahd. und frühen nhd., vgl. dazu gleich I D 3 des gleichen tun '
sich den anschein geben'
und gleichen,
vb. I A 3
simulare: din einualtige skinet in allen dinen uuerchon, uuanta du feichenes (
fictio) unte glihnisses (
simulatio) nietne ruochest Williram 22, 5
Seem.; nun Marthese und Stochi sich mit irem armen (
verkappten) krüppel zuo der groszen kirchen nacheten, in geleichnüsz groszer diemütikeit (
in vista ...) Arigo
decamerone 56
Keller; unter geleichnüsz einer lautern peichte und reinen gewissen ein hochgelerter weiser man von einer frawen ... betrogen warde
ebda 176;
vgl. 179; 221; 235; er falt dick in gleichnisz und inangenommenheit Keisersberg
hell. löw (1514) 34. C@66)
in mundarten des östl. obd. haben sich anwendungen des zur bedeutung '
ähnlichkeit'
gehörigen, sonst ausgestorbenen gebrauchs gehalten: bey dèrə' heiret is gàr kaə~ gleichnəss, dés aə~ is jung, dés andər is àld Schmeller-Fr.
bair. 1, 1424; dúr. bûr 'stelld si' umsos uf dú zêba (
zehen), um va wîtem ätta (
etwa) türn oder Χämmi (
kamine) zúseh; er Χâ~ mit Χem âug a glîchnist gúwôrna (
dergleichen etwas wahrnehmen) (
Walsertal)
bei Frommann
dtsche mundart. 4, 327; ist no'koa~ gleichnusz zum regnen
es sieht bei weitem nicht aus, als ob es regnen wollte Schöpf
tirol. idiot. 383.
auch zu ganz komplexer anwendung erweitert, in der sich die verschiedensten bedeutungen von gleich
kreuzen: dàs ist ka~ gleichnáss, mit dier is ka~ gleichnáss
ist es nicht auszuhalten; dàs wâr a~ gleichnáss
das wäre sauber! wâr dàs a' a~ gleichnáss?
wäre das auch recht, billig? Lexer
kärnt. 115; dàs ding hàt gôr kaə gleichmisse; gib'm decht a gleichmisse
in verschiedener bedeutung gebraucht, z. b. wenn jem. zu viel begehrt; wenn einer stark lügt; wenn ein kind schlimm ist u. s. w. Hintner
Defregger. dial. (1878) 81. DD.
eine besondere konkretisierung von C
her erfährt gleichnis
in der bedeutung '
beispiel',
die ein verhältnis sachlicher übereinstimmung und gleichartigkeit zur voraussetzung hat. in glossierungen: specimen gilihnussi (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 442, 7
St.-S., exemplum ghelikenisse (
nd. 1420) Diefenbach
gl. 215
c,
exemplum ein glychnusz
gemma gemmarum (1508) i 3
d,
verbi gracia glijchnisz
vel glijcherwijsz (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 612
a.
namentlich im gebrauch des 16.
jh., seltener im 17.
jh., und später nur in ganz vereinzelter vergleichbarer anwendung. D@11)
schon mhd. innerhalb der mittelalterlich-typologischen betrachtungsweise für einen beispielhaft-vorbildlichen vorgang: diss alles (
die geschichte des Antipater) uns ain glichnuss ist das unser herr Jhesus Crist fr uns vor sinem vatter stAvt Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 3553
Lindqvist; von tzein kuschen meiden stet also geschriben in dem ewangelio, das sy alle von liebe kusch waren unnd ir ein teil des lones entparen der en da von mochte enstehen. zu eime glichnisse ist uns dit geschen: wanne sie hilden ire kuscheit nicht durch god, des weren ire guten werck tot J. Rothe
lob d. keuschheit 550
Neumann. D@22)
besonders zur bezeichnung eines typischen einzelfalles, der die konkrete anwendung einer allgemeinen gesetzmäszigkeit darstellt und für eine mehrzahl anderer, gleichgelagerter fälle steht. in der rechtssprache: vnd damit diser fall (
fahrlässige tötung) desto leychter verstannden, setzen wir diss gleichnus: ein barbierer schiert einem den bart ... ein andere gleichnuss: so ein schütz jnn einer gewonlichenn zillstatt steet oder sitzt ...
Carolina 1, 76
Kohler-Scheel; vgl. 2, 70; ein gleichnis, mein herr beklaget mich ... Chr. Zobel
sächs. lehenrecht (1589) 155
b.
und sonst: inductio heyst, wenn man vil gleichnis vnnd exempel fürbringt Er. Alberus (1540) o 2
b; durch nyd zerstOeret wirt manch stat ... der glichnüsz (
d. i. der beispiele) wolt ich dir vyl sagen P. Gengenbach 70
Goedekc; weil ich die Croaten nicht nennen konte, beschrieb ich ihre kleidungen, und gab gleichnussen von ihrer sprach Grimmelshausen
Simpl. 148
Scholte. fest in der wendung (von, bei, aus einer sache) ein gleichnis nehmen: wie hoch aber deyn lohn zuschetzen sey, ... kanstu nicht besser rechen und abnemen, denn das du die zeyt und grösse der erbeyt uberschlahest und nemest eyn gleychnis von eym gemeynen tagloner, der sonst ettwa erbeytet, und sihest, was der selb einen tag verdienet, darnach rechene Luther 15, 297, 28
W.; item auss diessenn nachgesatzten artickelln, vonn argkwon vnnd anzeigung der missthat sagend, soll jnn fellenn, so darjnne nicht benannt seind, gleichnus genomen werden; wann nit muglich ist, alle argkwonige vnnd verdechtliche fell vnnd vmbstende zu beschreiben
Carolina 1, 20
Kohler-Scheel; hier komen aber zwey wOerther, welche yn Schwaben unrecht geschrieben werden; als nym ein gleichnus (1532) Hans Fabritius
büchl. gleichstimmd. wörter 33
J. Meier; deshalb soll wir die unnützen ding in bildern zu machen, was anderst hübsch soll sein, vermeiden ... nimm ein gleichnusz bei den blinden, lahmen und verdorrten krüppelen und hinkenden A. Dürer
schriftl. nachl. 227
Lange-Fuhse; ich zweiffle nicht, es werde dir diese art zu schreiben etwas frembd fürkommen ... bitte ich, du wollest betrachten, was das für ein art zu schreiben sey, deren Salomo sich gebrauchet in seinem hohenlied? verzeihe mir, dasz ich von einem solchen groszen werck ein gleichnusz nehme Schupp
schr. (1663) 272.
ähnlich vereinzelt noch in jüngerer anwendung: aus dem conflict des bewegenden mit dem bewegten entsteht (
bei der erscheinung der '
subjectiven lichthöfe') eine undulirende bewegung. man kann das gleichnisz von den ringen im wasser hernehmen. der hineingeworfene stein treibt das wasser nach allen seiten Göthe II 1, 44
W. EE.
selten nur, aber schon sehr früh und bis in jüngeren gelegenheitsgebrauch hinein, dient gleichnis
auch zur bezeichnung solcher gröszen, die einander an rang und wert, an grad oder masz gleichkommen, entsprechend gleich I B
oder II.
vgl. glossierungen wie (
domos)
ad instar (
turrium) zi galihhanissi (
2. chron. 17, 12) (8.-9.
jh.)
ahd. gl. 1, 469, 15
St.-S.; (
magni agminis)
instar gilihnussi (
Äneis 7, 707) (11.
jh.)
ebda 2, 661, 52: endi auh mit dhes meghines chiliihnissu chraft dhes ebanuuerches endi einnissa dhera almahtigun spuodi (
et parilitate virtutis cooperationem potentie et unitatem substantie)
Isidor 19, 17
Hench; du (
Alexander) solt wissen werlich das deinew werich wunderlich und auch dein wunderleichew tatt geleichnuss mit den gotten hat Seifrit
Alexander 7968
Gereke; beschäche ouch, dasz die münze gemeret oder gemindret wurde, so söllent unser gülten uns gelten mit glichnusse des geltes, das sy uns schuldig warend (1397)
schweiz. id. 2, 603. ein gleichnis einer sache '
etwas, was ihr gleichkommt': ich gelaub krefftig, das ich ain geleychnusz desz jungsten tags gesehen vnnd erfaren hab (
ein erdbeben)
ain erschrockenl. newe zeyttung v. 12.
junij 1542 A 3
a.
in negativen wendungen, zur bezeichnung des unvergleichlichen oder unvergleichbaren: des mennishen cit ist gelichet zwein chleinen dingen einigem trophen wazzers vnt einem chleinem steinline. wan als dechein gelichnvsh des einigen trophen gen dem mer ist vnt des steinlines gen dem griez der an des meres stade leit, also ist dehein gelichnvsh des zites vnseres lebens gen dem tage, den got selbe machet
dtsche pred. 4, 15
Leyser; durch unverstand und undanckbarkeit, so kein gleichnüsz hette Paris v.
d. Werder
frauenreden (1659) 12, 5. ihr gleichnis '
ihres gleichen' (
s. gleich
sp. 7953): mit einem worte, auszer der princessin Banise getraue ich nicht, in gantz Asia ihr gleichnisz zu finden Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 81; o herz, du bist von thorheit ganz befangen: ... ein jeglich ding fülit seinen platz mit ehren, geht seinen weg und läszt sich nimmer stören, dein gleichnisz gibt es auf der erde nicht Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 5. FF.
die bedeutung von gleichnis
als einer vergleichenden oder bildlichen rede, die im gegenwärtigen sprachgebrauch vorherrscht, erscheint an einer stelle (
s. u. 1)
bereits im ahd., verbreitet erst im mhd. des späten 13.
und des 14.
jh. und drängt seit dem älternhd. die übrigen bedeutungen des wortes mehr und mehr zurück. so verschieden die formen des gleichnisses
als einer figürlichen rede sein mögen, so liegt doch in jedem fall als maszgebende voraussetzung zugrunde, dasz zwischen zwei gröszen oder sinnzusammenhängen ein verhältnis der gleichheit besteht, das den akt der vergleichung ermöglicht. schon in der mannigfaltigkeit der älteren glossierungen spiegelt sich das nebeneinander der verschiedenen als gleichnis
bezeichneten formen bildlicher rede, wenn hier auch im einzelnen an die absicht genauer terminologischer abgrenzung kaum gedacht werden darf. ahd. steht vereinzelt alligoria kilhnissi (8.-9.
jh.)
ahd. gl. 4, 3, 40
St.-S. in spätmhd.-frühnhd. vocc. für lat. enigma (
gr. αἴνιγμα) (
anf. 14.
jh.)
in: Prager dtsche stud. 8, 450; (
anf. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 202
b,
collatio (15.
jh.)
ebda 132
a,
comparatio (
nd. 15.
jh.)
ebda 136
c;
gemma gemmar. (1508) f 2
b,
proverbium (1429) Diefenbach
n. gl. 307
a;
gemma gemmar. (1508) v 3
a,
metaphora (15.
jh.) Diefenbach
gl. 359
b;
gemma gemmar. (1508) p 4
b,
tropus Konrad v. Heinrichau
vocabul. 387
a Gusinde; (15.
jh.) Diefenbach
gl. 599
a,
parabola (15.
jh.)
ders., n. gl. 279
b;
gl. 411
b; Frisius (1556) 945
a; Calepinus (1598) 1021
a,
similitudo (
als rhetorischer begriff) Zehner
nomencl. (1645) 8. F@11)
zufrühest für bestimmte formen der lehrweise Jesu, gr. παραβολή, lat. parabola, similitudo, proverbium u. a. für die parabeln, beispielerzählungen und jene nicht erzählenden bildreden und vergleiche, die mindestens ein satzganzes umfassen, s. Jülicher
d. gleichnisreden Jesu (1886) 1, 24
ff.; schon ahd. bei Tatian (
vgl. Gutmacher P B B 39, 10; Lindqvist
ebda 60, 16) 3 ✝
als lehnübersetzung für similitudo, 1 ✝
für parabola, während sonst râtissa 18 ✝
für parabola, 1 ✝
für similitudo steht, dann wieder seit der wende vom 12.
zum 13.
jh. und bis heute in durchstehendem gebrauch: tho quad her gilihnessi (
similitudinem) zi in sus quædenti (
es folgt die parabel vom reichen kornbauern)
Tatian 105, 2;
vgl. 56, 7; 146, 1; quad thô zi in glîhnessi inti bilidi (
parabolam)
ebda 122, 1; wan an dem scribet uns S. Lucas daz unser herre sinen iungern ze ainen zîten sait ain gelichenüste und sprach: ez waz ain herre der hât ainen fîchbovm gephlanzet (
um 1200)
dtsche pred. 2, 39
Grieshaber; ein ander glîchnisse legite her en vor und sprach (
es folgt die parabel vom unkraut unter dem weizen)
des Matthias v. Beheim evangelienbuch. Matth. 13, 24;
vgl. 34
u. ö.; und stot in dem ewangelio das unser herre ein glichnisse seite und sprach (
es folgt die parabel vom verlorenen schaf) Tauler 131, 14
Vetter; ein ander geleichsam (
dafür gleichnusz
in den drucken v. 1475-1518) furlegt er in sagent (
es folgt die parabel vom senfkorn u. vom sauerteig)
erste dtsche bibel 1, 51
Kurr.; vnd er redet zu jnen mancherley, durch gleichnisse, und sprach, sihe, es gieng ein seeman aus zu seen
Mt. 13, 3;
vgl. Marc. 4, 30
u. ö.; (
Christus hat) die vornembste geheimns in allerhand schönen parabeln und gleichnssen vorgestellet J. B. Schupp
schr. (1663) 826; sie glichen dem säemann des gleichnisses, der seinen samen ausstreute auf fruchtbares, wie auf sandiges und steiniges land Fr. Meinecke
Boyen (1896) 1, 296.
auch sonst biblisch für ausgeführte bildreden und parabeln: du menschenkind, lege dem hause Israel ein retzel fur vnd ein gleichnis
Hesek. 17, 2; yhn der prophet Nathan fragte vmb das gleichnis vom reichen vnd des armen mannes schaffe J. Agricola 750
sprichw. (1534) J 2
a. F@22)
auch auszerhalb des biblischen gebrauchs als gleichniserzählung, die einen gedanken, eine wahrheit, eine moral, einen lehrsatz u. ä. erklärt und verdeutlicht, vor allem im gebrauch des 15.-17.
jh., und wohl nicht ohne einflusz der bedeutung D '
beispiel'. F@2@aa)
für die verschiedenen formen der lehrhaften beispielerzählung, mhd. bîspel,
die fabel, die parabel: von dem tôde. nu hœrt ein gelîchnüsse, niht vür wâr: ein frouwe eines nahtes ein kint gebar ... (
folgt eine erzählg. vom tod als dem taufpaten eines kindes); swer dis bîspel gemerken kan, der bezzer sich und sehe sich vür ê denne der tôt kume ze der tür Hugo v. Trimberg
d. renner 23711
Ehrismann. im 15.
und 16.
jh. sehr oft synonym oder doch in enger verwandtschaft mit fabel: vnd hond dis buoch gesetzt uff glichnusz zuo reden der tier vnd der vogel vnd das gethon vmb dry vrsachen A. v. Pforr
buch d. beispiele 1
lit. ver.; und der erst finder der fabel oder glichnus ist gewesen der maister Alemo Crotoniensis Steinhöwel
Äsop 5
lit. ver.; des hât uns meister Esopus ein bilde geschriben daz ist alsus Hugo v. Trimberg
d. renner 1932
Ehr., für bilde
als var. v. j. 1347
u. 1387: bispel; (1549)
im Frkft. druck 13
b: gleichnüsz,
s. P. Warlies
d. Frkft. druck des renner (1912) 61
a; sol man ... der fabeln und gleichnissen darzu gebrauchen, das die leute dadurch gebessert werden, das ich aber den fabeln die gleichnissen gleich mache, ist die vrsach, das die fabeln nichts anders sind, dann liebliche gleichnissen, vnd eben dasselb auszrichten, das die gleichnissen thun Er. Alberus
fabeln vorr. 2
ndr.; daz jederzeit die menschen jre besondere lust dazu gehabt, daz sie mit den gleichnussen, von den vnuernunfftigen thieren, pflantzen vnd dergleichen, damit der schOepffer ... vnser welthausz geschmcket, denckwrdige sachen vorbildeten Rollenhagen
froschmeuseler (1595) A 8
a.
in anderer synonymer reihung: wendunmuth. das ander buch, darinnen zweihundert und vierzehen höffliche, züchtige und auszerlesene historien, schimpffreden und gleichnusz begriffen, gezogen ausz alten und ietzigen scribenten ... so auch etlicher warhafftiger und eigener erfahrung geschichten Kirchhof
wendunmuth 2, 1
Österley; nicht allein solte uns auch wol eine gute rede, beispiel und gleichnisz, sonderen der blutweinende augenschein selbst ja einmahl recht erinneren des grausamen elendes (
mit anspielung auf ein vorher erzähltes gleichnis mit moralischer tendenz) Schottel
friedens sieg 6
ndr.; den guten unstudierten leutchen, die man sonst den gemeinen mann zu nennen pflegte ... trägt man eine sache besser durch exempel, durch gleichnisse vor Göthe I 17, 278
W. in ausdrücklicher sonderung von der fabel: dieser handlung, welche in der fabel erzählt wird, musz man individualität und wirklichkeit ertheilen. setzt man den fall blosz als möglich, so entsteht nur beyspiel, parabel oder gleichnisz Eschenburg
entwurf (1783) 57.
auch jünger noch für eine fabel- oder parabelartige erzählung: und man wuszte über sie (
die freien bauern) ein bedenkliches gleichnisz zu erzählen. die vögel hatten einst krieg, luden dazu und sandten auch zu der fledermaus ... G. Freytag
ges. w. (1886) 18, 71; wir gingen nach dem kloster, in dessen nähe wir uns auf einer trift einen schönen platz unter einer einsamen eiche suchten, und ich las das gleichnis von den vertauschten ringen (
aus dem '
Nathan') A. Winnig
frührot (1933) 315.
gelegentlich auch für eine beispielhafte erzählung, die auf einen historischen vorgang, ein wirkliches ereignis zurückgeht: keyser Rudolphus ... bracht diese gleichnus zu seinem trost vor: Cajus Julius Caesar, als er auff dem meer ... Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3 (1653) 15; ... untadelich ist das gleichnisz, so du erzählest (
sagt Eumäus, als Odysseus, der um eir en mantel bat, erzählt, Odysseus hätte ihm einst vor Troja zu einem verholfen) J. H. Voss
Odyssee 267
Bernays. F@2@bb)
für einen verdeutlichend ad hoc gesetzten fall, der —
meist hypothetisch —
in erzählender form vorgetragen wird: das (
einen oben ausgeführten grundsatz) mus ich mit eym groben gleychnis eynbilden: wenn ich eyns herren knecht were und sehe, das seyn feynd auff yhn lieffe ... Luther 18, 397
W.; (
zu der behauptung, die handwerker müszten ihre kunden belügen) merckt ein gleichnis: wenn zween eines handwercks in einer stadt zugleich woneten ... Kirchhof
wendunmuth 2, 178
lit. ver.; ich bleibe noch in der obgesetzten gleichnusz von einem fürsten, vnnd sprech also weiter: wann gemelter fürst, der dir seine gnad ... geschencket hette ... Spee
tugendbuch (1649) 192; nun will ich euch die gantze sache (
das sprichwort: philosophia ancillatur theologiae) in einer gleichnüsse vorbilden. es sind drey zimmerleute, die haben drey beile ... Chr. Weise
erznarren 162
ndr. F@33)
als aussage mit bildlich-anschaulichem gehalt, die, wie die gleichniserzählung unter 2,
zum zweck der verdeutlichung oder erklärung vergleichend neben eine andere aussage tritt. häufig sind die beiden glieder des vergleichs durch eine vergleichspartikel verbunden. selten nur wird als gleichnis
auch eine eingliedrige figur bezeichnet, bei der das gemeinte unausgesprochen bleibt und aus dem bild zu erschlieszen ist (
s. u.d).
seit der mitte des 13.
jh. bezeugt, dann namentlich in der mystik des 14.
jh. ausgebildet. F@3@aa)
in den weitaus meisten fällen umfaszt die vergleichende aussage ein satzgefüge oder mindestens doch ein satzganzes: wir sagen iu etewenne ein glîchnüsse, wie schœne got sî. seht, allez daz wir iemer gesagen künnen oder mügen, daz ist rehte dem glîche, als obe ein kint uns solte sagen, ob ez mügelich wære, die wîle ez in sîner muoter lîbe ist beslozzen, unde daz solte sagen von aller der wirde unde von aller der gezierde die diu werlt hât Berthold v. Regensburg 1, 389
Pf.; bi der wunden minne nemen wir ein gelichnisse. der verwunt ist von minnen, der tuot recht als ein kovfman der ein schif wil us fren umbe gewin ... Tauler 291, 2
Vetter; die (
lehre des Thomas v. Aquin) kompt aus der heydnischen lere und kunst ... davon sagen sie also, das er sey wie ein hübsche liechte tafel und Christus wort sey wie die son, und gleich als die son auff ein solche tafel scheynet, das sie deste schOener leuchtet und gleysset, also scheynet auch das gOettliche liecht auff das liecht der natur und erleuchtet es. mit dieser hubschen gleychnis haben sie die heydnische lere auch in die christenheit bracht Luther 12, 414
W.; von den Spaniern, Italianern, Frantzosen, Westphälingern gab er diese gleichnusz. die Spanier weren wie die filtzläusz, wo die einmal in gewurtzelt, kan man der nicht wieder losz werden ... Zinkgref
apophth. (1653) 3, 52; darausz entsteht dieses zu einem emblemate dienliche gleichnüsz. gleich wie die von denen auszgesäeten drachenzähnen enstandene leute sich selbst umgebracht: also verfolgen sich die gelährten untereinander mit neid und miszgunst G. Treuer
Dädalus (1675) 1, 253; für alle künste ... ist nun doch die sprache ... dasz ich bei Wallers gleichnisz stehen bleibe, die gangbare münze, worein alle geistigen güter umgesetzt werden können A. W. Schlegel
s. w. (1846) 9, 13; Göthes gleichnisz, dasz der gang des echten romanes wie ein breiter, schöner, ruhiger strom die ufer spiegeln müsse, paszt nicht mehr W. Alexis
d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) vii; er ... sah von neuem auf den kranken vater ... der ausdruck seiner augen war unbeschreiblich, —es war, um ein schreckliches gleichnisz zu gebrauchen, als ob der todesengel auf das niederfallen des letzten sandkornes lausche Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 172.
gelegentlich wird das verglichene nicht ausdrücklich als selbständiges zweites glied der vergleichung ausgesprochen, sondern ist mit dem bildlichen in eins gesetzt: Isolani: drum stöszt er (
der kaiser) uns zum raubtier in die wüste, um seine teuren schafe zu behüten.
Questenberg: herr graf! dies gleichnisz machen sie —nicht ich Schiller 12, 72
G. F@3@bb)
gelegentlich aber auch als kurze vergleichung, in der zwei einzelbegriffe parallelisiert werden, wofür sonst vergleich
üblicher ist: also sagen wir pechschwartz, kreitenweisz, rosenrot
etc. welches nichts anders als kurtze gleichnissen sind, und so viel sagen: es ist so schwartz als pech, so weisz als die kreit, so rötlich als die rosen Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 58; sauf ich wasser wie die schweine; dieses gleichnisz geh ich ein. wenn die helden bey dem weine wesentliche schweine seyn Stoppe
Parnasz (1735) 229; das gleichnisz saget z. e.: die stück knalleten wie ein donnerschlag Gottsched
wb. d. schönen wiss. (1760) 1090; (
Juan:) du blühest wie eine rose —(sich zu Amazili wendend) und du — wie — wie (er ist um ein gleichnisz verlegen) Kotzebue
s. dram. w. (1827) 3, 162.
bei Adelung
neben anderen bedeutungen (
s. u.F 5)
sogar für einen bildlichen einzelausdruck, ein wort, dem eine bildliche vorstellung zugrundeliegt: so ist das wort flehen ein gleichnisz, weil es die dadurch bezeichnete sache unter dem bilde des schmiegens und krümmens vorstellig macht. in diesem weitesten verstande sind die meisten wörter in allen sprachen gleichnisse, gleichniszwörter, oder figuren
versuch 2 (1775) 712 (
von Campe 2 [1808] 399
in dieser weitesten bedeutung als '
ungewöhnlich'
abgelehnt, doch s. unten gleichniswort). F@3@cc)
allgemein als gattungsbezeichnung, wobei das merkmal des veranschaulichenden, erklärenden oder beweisenden meist ausdrücklich herausgestellt wird: puelle surge. uf dit wort lerit meistir Eckart wi got mit sinre geistlichkeit wirkit in sich der sele geistlichkeit, und bewisit daz mit glichnissen (
von feuer und stein, von luft und licht, von leib und seele) und lerit waz da zu forderit und ouch hinderit
parad. anime intell. 6, 24
Strauch; dú tohter sprach: 'ach herr, ir redent ... von der togenheit der blossen gotheit, von des geistes usgeflossenheit und wideringeflossenheit; mOehtind ir mir die togen sinne nah úwer verstentnust etwie entwerfen mit bildgebender glichnus, daz ich es dest baz verstnde! Seuse 191, 1
Bihlm.; sie verhönen auch vnsere gleichnusz in den predigen, sagen es reymen sich himmlische ding vnnd jrdische gar nicht zuosam ... aber doch so brauchen sie nichte deszter minder die aller vngeschicktesten vergleichung Joh. Nas
d. antipap. eins vnd hundert (1567) 2, 181
b; denn eine gleichnisz beweiset nichts; sondern dienet nur zur erklärung einer sachen, die zuvor erwiesen worden Er. Francisci
lust. schaubühne (1698) 2, 1240; er hatte auch die druidische redekunst gelernet, und war sonderlich in gleichnissen sehr unerschöpflich, deren man sich darinnen anstatt der erklärungen und beweise bedienet J. J. Schwabe
belustig. (1741) 1, 60; gleichnisse dürft ihr mir nicht verwehren, ich wüszte mich sonst nicht zu erklären Göthe I 5, 186
W.; worin besteht der eigentliche unterschied zwischen dur und moll, verständlich,
d. h. unmusikalisch, etwa durch ein gleichnis ausgedrückt? (1809) Jac. Grimm
briefw. m. Wilh. Grimm (1881) 122. F@3@dd)
manchmal in eingliedriger figur soviel wie '
sprichwort',
für kurzgefaszte, anschauliche prägungen gängigen gebrauchs, die einen nicht ausgesprochenen allgemeineren gedanken durch vergleich mit einer enger, sinnlicher gefaszten vorstellung beleuchten, s. o. die glossierungen für proverbium auf sp. 8196: und her sprach zuo en: 'sicherjâ ir sult zuo mir sprechin diz glîchnisse (
similitudinem): arzit, mache dich selbir gesunt
des M. v. Beheim evangelienb. Luc. 4, 23; von diesem ging aus ein gleichsam (
ob hoc exivit proverbium)
erste dtsche bibel 3, 72 (
dafür 1473: gleichnüsz,
seit 1475: sprichwort); denn obgleich mancher noch so hohes standes oder so mechtig, also das jme die warheit nicht ohne gefahr angezeigt werden kan, so kan er doch durch gleichnusse vnnd sprichwörter gantz leichtlich gewonnen werden Eyering
proverb. copia (1601) 1,
vorr. 3
a; zum dritten finden sich unter der sprichwörter titul alle gleichnisz und figurliche reden, welche kurtz verfasset ins gemein gebrauchet werden (
als beispiel: es sind nicht alle gleich die mit dem kaiser reuten) Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 2 (1642) 316; bey dem verkehr mit ew. wohlgeboren wirft man immer die wurst nach der speckseite, oder um ein edleres gleichnisz zu brauchen: man vertauscht eherne waffen gegen goldene Göthe IV 19, 326
W. F@44) gleichnis
als poetische oder rhetorische figur, als künstlerisches ausdrucksmittel, den gebrauchsweisen 1-3
gegenüber nicht auf einen lehrhaft-rationalen zweck, sondern mehr auf eine gefühlsmäszig-ästhetische wirkung gerichtet. so in halb terminologischem gebrauch von den breit ausgeführten vergleichen des homerischen epos und ihren literarischen nachahmungen: gleichnisz (
am rande neben folgendem text:) zuo gleicher weisz wie die frummen kinder mit überschwengklicher freüd anschawen daz angesicht jres vaters der nach langer raisz oder gefengknisz ledig vnd gsundt wider haim kumpt, also war auch Vlyssi lustpar daz land vnd die gebürg zuo sehen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 22
b;
vgl. 44
a; 55
a u. ö.; das griechische gedicht im hohen styl (
Ilias) ... sogar in beschreibungen und gleichnissen allen schmuck ablehnend Göthe IV 38, 230
W.; vernimm ein homerisches gleichnis ... gleichwie die gelbliche birne zur herbstzeit, wenn sie gereifet fiel vom ast und im fall von der dornigen hecke verwundet liegt am boden, alsbald mit schwärmenden wespen bedeckt ist, welche sie rings aushöhlen, die gierigen kiefer bewegend: also strotzet sein herz von wilden gedanken der ehrsucht und des verzehrenden neids. ihn blendete völlig ein dämon Mörike
ges. schr. (1905) 1, 125
G.; bekanntlich ist der gebrauch solcher (
breit ausgeführten) gleichnisse eine eigenthümlichkeit des homerischen epos und Virgils; weiterhin bei den Römern finden sich homerische gleichnisse auch auszerhalb des epos in den tragödien des Seneca und aus ihm bei Andreas Gryphius; dann auch in den serbischen heldenliedern. häufig sind sie in modernen heldengedichten, indem man sie der epischen poesie unentbehrlich erachtet W. Wackernagel
poetik (1873) 387.
im übrigen häufig ohne genauere begriffsabgrenzung, von poetischen bildern und vergleichen überhaupt: zu einem guten verse gehören doch allerley frembde historien, alte fabeln von göttern und göttinnen, gleichnisse, sinnbilder, und dergleichen zierrathe Gottsched
tadlerinnen (1725) 1, 92; lern ich blosz (
durch den geschmack), was der stolz des kritikus beschlieszt, ob in fünf acten nur ein schauspiel richtig ist? ob kühne gleichnisse mein trauerspiel erheben, und wie ich oden soll die rechte länge geben? Giseke
poet. w. (1767) 62; wenn er blos stellen anführen will, so dürften es schöne tiraden, gleichnisse und sonst fürtreffliche redezierrathen seyn, die hr. E. ausziehen ... will Th. Abbt
verm. w. (1768) 3, 34; er ... löste von allem, was er sah, ein bild für seine dichtungen ab. die schönsten gleichnisse strömten ihm in üppiger fülle zu Gutzkow
ges. w. (1872) 9, 206; ungemein vielseitig, der weltweite seines geistes entsprechend, ist Goethes gleichnis ... es giebt wohl kein lebensgebiet, aus dem Goethe nicht geschöpft hätte E. Elster
prinzip. d. literaturwiss. (1897) 1, 390. F@55)
der terminologische gebrauch des wortes innerhalb der ästhetischen theorie und der poetik zeigt, so wenig er im einzelnen einheitlich ist, doch über den freien allgemeinen wortgebrauch hinaus genauere begriffsbestimmung von verschiedenen gesichtspunkten aus. den poetiken im 17.
und bis zur mitte des 18.
jh. ist gleichnis
im wesentlichen noch der sammelbegriff poetischer vergleichungen überhaupt, ihr wert und zweck eher ein logisch-rationaler als ein ästhetischer: die (
poetische) erfindung wird entweder hergeführet von dem wort, oder von dem dinge selbsten, darvon man handelt, oder von den umständen desselben, oder von gehörigen gleichnissen Harsdörffer
poet. trichter 2 (1648) 10; diesem nach ist die gleichnisz der hebel oder die hebstangen, welche durch kunstfügige ein- und anwendung aus dem schlamm der unwissenheit empor schwinget
ebda 3 (1653) 57; man lernete ... aus der erfahrung, dasz die vorstellung abgezogener wahrheiten unter sinnlichen bildern und gleichnissen durch ähnliche beyspiele, durch die fabel und dichtung mit einem empfindlichen ergetzen auf das menschliche gemüthe eindringet, ... dasz die rede- und die dichtkunst zu allen zeiten vor allgemeine dollmetscherinnen und vor lehrerinnen der tugend angesehen und geehret worden, weil sie die klugen und heilsamen lehren des verstandes auf eine so angenehme und der menschlichen natur so anständige weise dem gemüthe der menschen einspielen ... können Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 8.
von den verwandten formen der metapher
einerseits, der allegorie
anderseits unterscheidet sich gleichnis
durch seine zweigliedrigkeit, in der bild und sache, bzw. bild und gegenbild selbständig nebeneinander treten: die metaphore unterscheidet sich aber von einem gleichnisse dadurch, dasz jene weit verwägener ist, als dieses. das gleichnis saget z. e.: ... der held focht wie ein leu. die metapher aber spricht: ... dieser leu schlug alles nieder Gottsched
wb. d. schön. wiss. (1760) 1090; metapher und bild veranschaulichen die bedeutungen ohne sie auszusprechen, so dasz nur der zusammenhang ... offen anzeigt, was eigentlich mit ihnen gesagt seyn soll. im gleichnisz dagegen sind beide seiten, bild und bedeutung, wenn zwar mit geringerer oder gröszerer ausführlichkeit bald des bildes, bald der bedeutung, vollständig geschieden, jede für sich hingestellt, und dann erst in dieser trennung aufeinander der ähnlichkeiten ihres inhalts wegen bezogen Hegel
w. (1832) 10, 1, 527; im allgemeinen ist die metapher ein kürzeres gleichnisz ... dadurch von einem solchen unterschieden, dasz dieses mit der sache, die wir ansdrücken wollen, verglichen, jene für die sache selbst gesetzt wird R. Volkmann
rhetor. d. Griech. u. Römer (
21885) 418; wenn das bild und das gegenbild zugleich dargestellt werden: so hat man eine vergleichung oder ein gleichnis; wird aber das gegenbild ganz weggelassen, so hat man die allegorie Sulzer
theor. d. schön. künste (1792) 1, 73;
vgl. Adelung
wb. 2 (1796) 716.
der durch ihre zweigliedrigkeit verwandten vergleichung
gegenüber erscheint gleichnis
als die breiter ausgeführte figur: das gleichnisz unterscheidet sich dadurch von der bloszen vergleichung, dasz es den gegenstand weiter ausmahlt, es ist also eine mehr ausgeführte vergleichung Eberhard
synonymik (1795) 6, 258; Adelung
wb. 2 (1796) 717; bei einer dritten und vierten figur treten beide (
die grundvorstellung und das bild), jedwede selbständig für sich, neben einander. es sind die figuren der vergleichung und des gleichnisses ... die vergleichung ist das kürzere, das gleichnisz das ausgeführtere; die vergleichung deutet nur an, das gleichnisz malt vollständig aus W. Wackernagel
poetik (1873) 387.
tieferer sicht erschlieszt sich über eine äuszerlich formale bestimmung hinaus gleichnis
als eine dichterische ausdrucksform geistigseelischen gehalts: dieses vermögen, ähnlichkeiten zu finden, wendet der dichterische mensch an auf seinen ganzen erlebniskreis: inneres und äuszeres, physisches und metaphysisches. so greift er vergleichend über die grenzen der ihm gegenwärtigen sachsphäre hinüber in eine andere nicht gegenwärtige, nur innerlich vorgestellte, eine 'bildsphäre'; beide stellt er nebeneinander kraft der geistigen freiheit der sprache, als eine eigne zweigliedrige formeinheit, ein 'gleichnis', das durch die proportion, durch das 'wie ...' die zuordnung zweier lebendiger sphären vollzieht, die nun wechselseitig mit der fülle ihres seins auf einander überstrahlen H. Pongs
d. bild i. d. dichtg. (1927) 1, 150.
zu einer mehr logisch bestimmten definition des gleichnisses
und seiner abgrenzung gegen metapher, allegorie
und vergleichung
s. Jülicher
gleichnisreden Jesu (1886) 1, 24
ff.: 'gleichnis ...
diejenige redefigur, in welcher die wirkung eines satzes (
gedankens)
gesichert werden soll durch nebenstellung eines ähnlichen, einem andern gebiet angehörigen, seiner wirkung gewissen satzes'
ebda 1, 84. F@66)
gewisse innere merkmale oder auch bestimmte syntaktische gebrauchsweisen sind den obigen bedeutungen mehr oder weniger gemeinsam. F@6@aa)
häufig wird gleichnis
als eine umschreibende, verhüllende, indirekte, nur bildliche aussage einer unmittelbaren, unverhüllten und offenen äuszerung entgegengestellt: wann die figuren vnnd gleichnussen die vergond dem mennschen, vnd die clar wissenhait oder weiszhait offenbaret sich in dem menschen Keisersberg
v. d. ausgang d. juden (1510) M 1
a; ich bitt noch einmal vmb endtschuldigung, dasz ichs also grob, wie es sich in meinem layd verloffen, beschriben, sintemale ichs durch gleichnusz nit hab kinden zu wegen bringen Krafft
reisen 179
lit. ver.; mndlich rede ich mit jm (
Mose), vnd er sihet den herrn in seiner gestalt, nicht durch tunckel wort oder gleichnis
4. Mose 12, 8; so es nun nit war ist das wir ein warlicher leib mit Christo seindt, dan in einer gleichnisz, das ist ein versamlung in einigkeit Christi verfasset, solt er (
Luther) corpus nit für einen leib, sunder für ein versamlung verdeutschen Murner
an d. adel 12
ndr.; ich rede hier ohne gleichnis Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 225; da nimm dir heraus, was dir gemäsz ist, und wenn auch nur bild und gleichnisz Göthe IV 33, 323
W.; was ich jetzt in gleichnisz sage, wird in klarheit vor euch stehn Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 314; ich merkte wohl, dasz Lambert Schmitt in gleichnissen sprach, wenn er von dem scheusal redete, das nun bald verrecken würde A. Winnig
frührot (1933) 188. F@6@bb)
ein gleichnis
wird gewertet, namentlich unter dem gesichtspunkt, ob die glieder der vergleichung zueinander passen, sache und bild oder bild und gegenbild einander gemäsz sind: andere meistere sprechin, daz dit glichnisse nicht recht insi
parad. anime intell. 136
Strauch. vor allem: man muosz es nitt allwegen gleich nemen wie die gleichnusz sagt, wann all gleichnussen hinckent Keisersberg
has im pfeffer (1510) Ff 2
d; sagt man aber überlaut, meine harte gleichnusz hinke, dan ein holz sei keine haut Joh. Grob
epigr. 232
lit. ver.; er ... baute seine scheiterhaufen aus antithesen, hinkenden gleichnissen und gewaltsamen witzen G. Keller
ges. w. (1889) 3, 191.
von hier aus: ein gleichnisz hat nicht alle vier füsze Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, V 3
a; diesz gleichnisz schickt sich hier sehr wohl B. Mayr
satiren (1769) 58; falsche bilder, unpassende gleichnisse, so ist ihre beredsamkeit ... beschaffen Archenholz
England u. Ital. (1785) 2, 11; war ein gleichnus wie ein faust auf ein auge
M. Lindener
katzipori 142
lit. ver. ähnlich: disse gleichnis reumpt sich hieher nicht Alberus
widder Jörg Witzeln Mammelucken (1539) L 8
a; doch nein, dies gleichnisz ging auf stelzen; der schnee soll nicht ein sinnbild seyn
bei Chr. Fr. Weichmann
poes. d. Niedersachs. (1721) 5, 88; denn das ich den einfeltigen ein grob gleichnis gebe, die menschheit ist neher vereiniget mit gott, denn unser haut mit unserm fleische Luther 26, 333
W.; vgl. 414; vielleicht ist dieses gleichnisz etwas zu stark A. G. Kästner
verm. schr. 2 (1772) 57; es ist in der tat etwas mehr in dieser vorstellung als ein schales gleichnis Schleiermacher
ausg. w. 4, 265
Braun-Bauer; das alte abgenutzte gleichnisz vom meere Holtei
erz. schr. (1861) 2, 86. F@6@cc)
oft werden durch eine beifügung inhalt oder eigenart eines gleichnisses kurz gekennzeichnet. so in der bezeichnung eines bestimmten gleichnisses durch ein substantiv im genitiv: darumme hôrit nuo ir diz glîchnisse des sêwinden (
parabolam seminantis)
des Matthias v. Beheim evangelienb. Matth. 13, 18; mit der lieblichen glychnusz der bluomen uf der heide und der vöglen des lufts Zwingli
dtsch. schr. 1, 34
Schuler-Schulthess; die gleichnüsz des verlohrnen sohns J. B. Schupp
schr. (1663) 44
b.
daneben und jünger ausschlieszlich in präpositionaler verbindung mit von: deute vns die gleichnisse vom vnkraut auff dem acker
Matth. 13, 36; damit haben sie ihre schwein gespeiset, wie wir sehen in der gleichnüsz vom verlohrnen sohn J. Prätorius
saturn. (1663) 389; die 20ste kappe handelt von dem gleichnisse vom steuermanne Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 275; bei seinem gleichnisz von den beiden uhren du Bois-Reymond
grenzen d. naturerk. (
31873) 34.
substantivische und in jüngerem gebrauch namentlich adjektivische beifügungen dienen zur bezeichnung des gebietes, dem das gleichnis
entnommen ist: durch vil vnd mancher hand gleichnusz des feldbawens Mich. Herr
d. feldbau (1551) 7
a; ein historienschreiber ist (damit ich in dem gleichnis der mahlerey bleibe) dem zu vergleichen, der seine kunst in copirung eines kostbaren originals zu zeigen hat Heräus
ged. u. lat. inschrift. (1721) 25; dieweil er (
David) in seinen psalmen ... so viel schöner gleichnusz vom bergwerck angezogen ... hat Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621)
vorr. 3; er mochte bemerkt haben, dasz man in der naturlehre sich sehr oft ethischer gleichnisse bedient Göthe I 41, 1, 34
W.; die unstatthaftigkeit der mathematischen gleichnisse Hegel
w. (1832) 1, 64; um mich eines musikalischen gleichnisses zu bedienen E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 44
Gr. F@6@dd)
geläufig sind eine reihe verbaler verbindungen. in gleichnissen sprechen, reden,
biblischen ursprungs, aber auch allgemeineren gebrauchs: dô gîngen sîne jungern zuo ime und sprâchin: 'warumme spriches du en zuo in glîchnissen?
des Matth. v. Beheim evangelienb. Matth. 13, 10;
vgl. 13, 13; 13, 34; und her (
Jesus) hât zuo en vile geredet in glîchnissen
ebda 13, 3; wer aber ynn gleichnissen redet, der macht aus gemeinen worten eitel tropos, new und ander wOerter, sonst werens nicht gleichnisse, wo er die gemeinen wort braucht ynn der vorigen deutunge Luther 26, 277
W.; (
man sagt:) in fabeln, in gleichnissen reden, sich im weine betrinken Adelung
lehrg. d. dtsch. spr. (1782) 2, 168; die wissenschaft sprach nur mehr in gleichnissen L. Boltzmann
popul. schr. (1905) 9. ein gleichnis geben: ein fest ... unsers herrn gottes, welcher die engel geschaffen hat, dasz wir jhren dienst an uns erkennen unnd gott dafr dancken, unnd da hab ich (
an den engeln) geben gleichnis von weltlicher obrigkeit und von geistlichem regiment Luther 34, 2, 243
W.; wir geben hier nur ein gleichnisz ... aus dem thierreiche Seb. Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 30.
ähnlich, aber seltener: ich setze eyn schlecht gleychnisz H. v. Cronberg
schr. 158
ndr. ein gleichnis gebrauchen, sich eines gleichnisses bedienen
u. ä.: ein artliche gleichnus deren sich auch Orontes ... gebraucht Xylander
Polybius (1574) 275; um bey einem gleichnisse zu bleiben, das ich schon oben gebraucht habe Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 2, 511; selbst die feinsten saiten des thierischen gefühls (ich musz mich dieses gleichnisses bedienen, weil ich für die mechanik fühlender körper kein besseres weisz) ... Herder 5, 5
S.; um mich eines gleichnisses aus einer seiner abgeschmackten fabeln zu bedienen Immermann
w. 1, 8
Boxb. F@77)
gelegentlich bezeichnet das wort weniger die rednerische oder poetische figur, als den akt des vergleichens: die meister sprechent, daz man sî (
die heil. schrift) niht bediuten müge alsô blôz als si ist, unde sprechent, ob iht grobes dar inne sî, daz sülle man ûf tuon, aber man bedarf dar zuo gelîchnüsse (
allegorischer deutung)
dt. myst. 2, 331
Pf.; der herr gebe ein gleichnisz von einer waage und des menschen haupt ... herr Reimund suche die vergleichung einer latern mit des menschen stimm Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 1 (1641) 32.
auch im sinne eines blosz sachlich vergleichenden nebeneinanderstellens: sie vergleichen sich mit dem herrn von Abgrund, aber dieses gleichnüsz ist falsch ... gehen sie die ganze person durch, und halten sie sich dargegen, so werden sie lauter merckmahle finden, die nicht miteinander übereinstimmen (1764) Göthe IV 1, 5
W. vgl. auch: comparationis gradus die staffel der gleichnus (
ende 15.
jh.)
bei Rud. Vortisch
grammatikal. termini im frühnhd. (
Freiburg. diss. 1911) 65. GG.
selten und wohl nicht über das frühe 17.
jh. hinaus in der aktiven bedeutung '
gleichmachung',
entsprechend gleich VI '
gerade, eben'
in eigentlicher und übertragener anwendung, s. auch gleichen,
vb. I A 5. G@11)
ganz vereinzelt als '
richtscheit',
in der eigentlichen bedeutung des geraderichtens: perpendiculum eyn glichnisz (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 428
c. G@22) '
billigkeit, was rechtens ist',
aequitas, ebenfalls ganz singulär: so sol dan (
wenn ein knecht sich von seinem meister ungerecht behandelt glaubt) der selbe smiede meyster (
d. i. der zunftmeister) des knechtes meyster dar zu halden, daz er dem knecht eyn gelichenisse doi, also ferre des knechtes meyster dem knecht von gelichnisse pflichtig ist zu dune (
Trier 1425)
in: publ. d. gesellsch. f. rhein. geschichtskde. 29, 382. G@33) '
ausgleichung, erstattung, vergütung, entschädigung',
vgl. hostimentum gleychnisse (15.
jh. md.), ghelikenisse (1420
nd.) Diefenbach
gl. 281
a: von des dryttenteils wegen den vnser herre zu Osterrich hette das derselbe zu vnsers gnedigsten herren des keisers hannden keme, vnd vnserm herren etwas glichnisz von vnserm herren dem kaiser geschee und das damit alle fordrung vnd dinge abeweren (15.
jh.)
fontes rer. austriac. II 2, 296; auch so die von Heppenheim wiesen ausgeben, so behalten sie bevor ein merklich stückh, dasz die armen hofften, nit sein sollt, oder ihnen auch ein gleichnisz dagegen geben (1520)
in: arch. f. hess. gesch. 9, 491. G@44)
häufiger '
vergleich, vertrag': den scolen se gheuen vulle macht vnder on (
den streitenden) to versokende eyne vruntscaph vnd eyne licknisse (
Göttingen 14.
jh.)
bei Pufendorf
observat. jur. univ. 3 (1756)
anhg. 167; als das der rat fur ein glichenusz und nit in verclagens wise, nach dem die sache hingelegt und vertragen ist, anzeigt (1489)
in: quell. z. Frankf. gesch. 2, 355
Grotefend; und dann ferner unsere gewesen vormündere und wir zweytheil an solcher herrschaft, sowohlen an der herrschaft Crannichfeldt von unsern geliebten herrn vettern mit groszen geldt erkauffen müssen, auch im gleichnis wegen des ambts Saalburg denselben ... nicht ein geringes abzurichten gehabt (1613)
reiseerinner. Heinrichs Reusz Posthumus vorw. v
Schmidt. weitere belege des 14.
u. 15.
jh. im dtsch. rechtswb. 4, 934.