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Gleichnis

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gleichnis

Bd. 8, Sp. 20
Gleichnis (lat. Simile), eine poetische Ausdrucks- oder Darstellungsweise, die neben ein zu charakterisierendes Objekt, eine Eigenschaft, ein Geschehen etc. vergleichend ein andres stellt, das, einer andern Lebenssphäre angehörig, doch mit jenem ein charakteristisches Merkmal gemein hat, durch dessen Heranziehung die Bedeutung des unmittelbar gegebenen Lebensinhalts schärfer hervorgehoben wird (s. Ästhetische Apperzeptionsformen). Zugleich muß die Übereinstimmung oder der Vergleichspunkt (das tertium comparationis) natürlich und ungesucht in die Augen springen. Da nun die Übereinstimmung niemals vollständig sein wird, so kann man von allen Gleichnissen sagen, daß sie hinken (»omne simile claudicat«). – Das G. kann sich auf einzelne Vorstellungen (Gegenstände, Eigenschaften, Zustände, Geschehnisse) oder auf größere Vorstellungskomplexe, ganze Vorstellungsreihen erstrecken; das letztere ist z. B. für die Homerischen Epen charakteristisch. Die Grenze von G. und Metapher (s. d.) ist fließend: ein kurzes G. ist der Metapher oft zum Verwechseln ähnlich, doch ist es bei dieser die Regel, daß die zur Vergleichung herangezogene Analogievorstellung unmittelbar als Stellvertreterin der eigentlichen Vorstellung auftritt, diese also gar nicht zum Ausdruck gelangt. Die Parabel unterscheidet sich von dem gewöhnlichen G. außer durch die größere Ausführlichkeit durch die didaktische Tendenz, die auch in der Fabel (s. d.) vorwaltet; doch während bei der Parabel die Anwendung der sittlichen Wahrheit auf einen einzelnen Fall bezweckt wird, dient die Fabel zur Verkörperung einer allgemeingültigen Wahrheit. Die Gleichnisse Jesu sind meist echte Parabeln, z. T. Fabeln, einige wenige bloß Beispielerzählungen (Barmherziger Samariter, Pharisäer und Zöllner u. a.). Die seit alter Zeit in der Kirche übliche allegorische Deutung (Allegorien [s. d.] hat Jesus bloß nach dem Johannesevangelium gesprochen), die ganz fremdartige und dunkle Gedanken in die leichtverständlichen und schlichten Gleichnisreden Jesu eintrug, ist wissenschaftlich überwunden und wird nur noch in Predigten und in verschiedenem Sinne von Tolstoi, Kirchbach, Kalthoff u. a. zu Unrecht geübt. Seit ihrer Beseitigung ist es gelungen, die Gleichnisse Jesu in ihrer schlichten Kraft und Schönheit zu empfinden und durch klare Hervorhebung des einen Vergleichungspunktes scharf zu verstehen. Ästhetische und sittliche Anstöße der alten Betrachtungsweise fallen dabei von selbst weg: Gott ist nicht wie ein schläfriger Nachbar (Lukas 11, 5–9), der Herr lobt den ungerechten Haushalter nicht in allem als Vorbild, sondern dort ist das anhaltende Bitten, hier die Klugheit das einzig Verglichene. Die Gleichnisse offenbaren uns die innersten Erlebnisse Jesu, seine Hoffnungen und Sorgen (Säemann, Saat), seine großen Entschlüsse (Perle, Schatz im Acker) und sein Leben mit Gott. Durch ihr frisches Lokalkolorit sind sie die besten Zeugen für die Echtheit der evangelischen Überlieferung. Vgl. Jülicher, Die Gleichnisse Jesu (Freiburg 1899, 2 Tle.; 1. Teil in 2. Aufl.); Weinel, Die Gleichnisse Jesu (Leipz. 1903); Bugge, Die Hauptparabeln Jesu (Gieß. 1903); Fiebig, Altjüdische Gleichnisse und die Gleichnisse Jesu (Tübing. 1904).
3207 Zeichen · 42 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gleichnisn.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    gleichnis , n. , älter auch f. herkunft und form. abstraktbildung aus gleich, adj. und dem suffix -nis ( zur bildung vgl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gleichnis

    Goethe-Wörterbuch

    Gleichnis -ß, gelegentl -ss, auch -s, einmal in frühem Br -nüß B1,5,12 ; über 300 Belege, mehr als drei Viertel in Bed C…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gleichnis

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gleichnis (lat. Simile ), eine poetische Ausdrucks- oder Darstellungsweise, die neben ein zu charakterisierendes Objekt,…

  4. modern
    Dialekt
    Gleichnisn.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

     Gleichnis n. : ' Lichtbild, Konterfei '. Ich hab dei Gleichnis gsehne in de Zeiding [ Beam Penns 42]. Südhess. II 1386…

  5. Spezial
    Gleichnisn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Gleichnis , n притча , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gleichnis

21 Bildungen · 19 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gleichnis

gleich + -nis

gleichnis leitet sich vom Lemma gleich ab mit Suffix -nis.

gleichnis‑ als Erstglied (19 von 19)

gleichnisart

DWB

gleichnis·art

gleichnisart , f. 1) im plural als bezeichnung bestimmter formen des bildlichen vergleichs, zu gleichnis F: die Fenicier, Egypter ... jhre k…

gleichnisartig

DWB

gleichnis·artig

gleichnisartig , adj. 1) zu gleichnis F ' vergleichende oder bildliche rede ': gegen den prediger Müller benutzt der prinz gleichniszartige …

gleichnisbild

DWB

gleichnis·bild

gleichnisbild , n. 1) in einer art von tautologischer verbindung als ' bildhaftes gleichnis ', zu gleichnis F: der erden reiner staub, und v…

gleichniserzählung

DWB

gleichnis·erzaehlung

gleichniserzählung , f. , zu gleichnis F 2: alle gleichniszworte, gleichniszerzehlungen und gleichniszsprüche, wenn man sie will auslegen na…

Gleichnisfülle

GWB

gleichnis·fuelle

Gleichnisfülle -ß- ‘poetische G.’, in Beschreibung von Calderons Dichtung B34,250,23 Gries 20.5.21 Nikolaus Lohse N.L.

gleichnisgebend

DWB

gleichnisgebend , part. adj. , ' beispielgebend ', zu gleichnis F 2: und wan guotú werk ane allen zwivel me wisent ... denn wort allein, so …

gleichnishaft

DWB

gleichnis·haft

gleichnishaft , adj. , eine junge, aber lebenskräftige bildung. 1) ' symbolisch, symbolhaft ', zu gleichnis B: je mehr der mensch sich ... d…

gleichnishaftig

DWB

gleichnis·haftig

gleichnishaftig , adj. , vereinzelt als ältere bildung wie gleichnishaft 2: ( tropische deutungen ) die da sind (1.) von weiten ähnlich, gle…

gleichnislos

DWB

gleichnis·los

gleichnislos , adj. 1) zu gleichnis A 4 ' bild ', speziell ' götzenbild ', im anschlusz an 2. Mos. 20, 4 : des einen geistigen, bild- und gl…

gleichnismacher

DWB

gleichnis·macher

gleichnismacher , m. , zu gleichnis F ' vergleichende, bildliche rede ': da ich der ewige gleichniszmacher bin, erzählt ich mir auch gestern…

gleichnisrede

DWB

gleichnis·rede

gleichnisrede , f. , seit dem 16. jh., synonym mit gleichnis F als bildlicher, vergleichender rede. als sammelbegriff für die verschiedenste…

gleichnissisch

DWB

gleichniss·isch

gleichnissisch , adj. , gelegenheitsbildung, ' gleichnishaft, in der art eines gleichnisses ', zu gleichnis F: gleichnüssische beschreibung …

gleichnisspiel

DWB

gleichnis·spiel

gleichnisspiel , n. , als ' spiel mit bildern, vergleichen ', im eigentlichen sinne: aber nun wolle die fraw Julia ein mehrers von den gleic…

gleichnisspruch

DWB

gleichnis·spruch

gleichnisspruch , m. , biblisch, zu gleichnis F 1: aus diesen eingeführten und berührten gleichnüszsprüchen ( der bibel ) ist klar und offen…

Gleichnißrêde

Adelung

gleichniss·rede

Die Gleichnißrêde , plur. die -n, eine Rede, oder ein Satz, welcher ein Gleichniß enthält, S. das vorige.

gleichnisweise

DWB

gleichnis·weise

gleichnisweise , adv. , älter auch gleichnus(z)-, gleichnüs(z)weise, vereinzelt gleicheniszweisz M. Ruland lex. alchem. (1612) 42 . 1 1) fas…

gleichniswelt

DWB

gleichnis·welt

gleichniswelt , f. , zu gleichnis B ' sinnbild ': der lyrische genius fühlt aus dem mystischen selbstentäuszerungs- und einheitszustande ein…

gleichniswort

DWB

gleichnis·wort

gleichniswort , n. , ' bildlicher, figürlicher ausdruck ', eine bedeutung, die bei gleichnis als einer ausführlicheren bildrede selten ist, …

Ableitungen von gleichnis (2 von 2)

ungleichnis

DWB

ungleichnis , n. ( f.? s. u. Dracontites ), gegenstück zu gleichnis ( s. d. ). mhd. unglîchnisse. mnl. ongelikenisse. nl. ongelijkenis. vgl.…

vergleichnis

DWB

vergleichnis , n. das ähnliche, das, was sich vergleichen läszt, die ähnlichkeit, gleichnis: zum ersten söllen wir merken der wölf gestalt u…