Allegorie Die geringe Belegzahl (70, davon 17 in der Übs Staël,Dichtgn) entspricht der Einschätzung des Wortes als Kategorie einer veralteten rationalistischen Poetik u Ästhetik. G setzt die Begriffskritik der Aufklärung fort, nimmt jedoch die von Mendelssohn, Sulzer ua gemachte Unterscheidung in eine ‘willkürliche A.’ u eine ‘natürliche A.’ nicht auf.1) Als positive Opposition zu A. gebraucht er seit 1797 ‘Symbol’, das noch bei Lessing, KPhMoritz u überwiegend auch bei Herder als begrifflich-rationales Zeichen verstanden wird. Doch ist zu beachten, daß G ‘Symbol’ zT auch für die traditionellen Inhalte von A. (u verwandter Begriffe wie ‘Emblem’, ‘Devise’, ‘Exempel’) verwendet. Der im Hinblick auf das autonome Kunstwerk kritisierte konventionelle Charakter der A. wird vornehmlich im Bereich der angewandten, gesellschaftsbezogenen Kunst (Medaillen, Maskenzüge uä) als topische Bildprägung akzeptiert. In der theoret Auseinandersetzung mit dem A.-Begriff spielt Meyer eine vermittelnde Rolle; seine in enger Zusammenarbeit mit G entstandene Abh ‘Ueber die Gegenstände der bildenden Kunst’ (Propyläen I 1,1798,20—106 u I 2,1799,45—81) spricht zum ersten Mal die G-sche Unterscheidung von A. u Symbol öffentlich aus, bewahrt mit einigen Einschränkungen aber auch die Winckelmannsche Wertschätzung der A.: “Rein allegorische Gegenstände würden wir aber diejenigen nennen, welche, unter der Außenseite des poetischen, historischen oder symbolischen Bildes, eine wichtige, tiefe Wahrheit verbergen, die der Verstand erst dann entdekt, nachdem der befriedigte Sinn nichts mehr zu erwarten hat. Allegorien überschreiten daher gewissermasen .. die Grenzen der Kunst, und sind nur in dem Falle zu dulden, wenn sie richtig und treffend sind .. mögen sie sich ja hüten, die Allegorie zu verstecken. Sie muß klar, faßlich, reich an Gehalt seyn, und keine falsche Auslegung, oder Zweydeutigkeit zulassen” (Propyläen I 1,39)2) 1
als Gattungsname für die sinnbildl Darstellung eines meist abstrakten, begriffl Inhalts durch konventionelle Zeichen a
G-s Begriffsbestimmung dieses .. Flämmchen stellt den frischflackernden Holzstoß (Lucä 22,55) gar lakonisch vor .. daß hier nicht an A. zu denken sei. Es ist nach unserem Ausdruck ein Symbol. Das natürliche Feuer wird vorgestellt, nur in’s Enge gezogen zu künstlerischem Zweck .. Es ist die Sache, ohne die Sache zu sein, und doch die Sache; ein im geistigen Spiegel zusammengezogenes Bild, und doch mit dem Gegenstand identisch. Wie weit steht nicht dagegen A. zurück; sie ist vielleicht geistreich witzig, aber doch meist rhetorisch und conventionell und immer besser, je mehr sie sich demjenigen nähert, was wir Symbol nennen GWB49
1,141,27 u 142,10 Philostrat Nachtr I [
ersch 1818] Die A. verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, daß der Begriff im Bilde immer noch begränzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei. Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, daß die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt GWB48,205,22 MuR(1112f) [
Hecker “Etwa 1807”] Mein Verhältniß zu Schiller .. Es ist ein großer Unterschied, ob der Dichter zum Allgemeinen das Besondere sucht oder im Besondern das Allgemeine schaut. Aus jener Art entsteht A., wo das Besondere nur als Beispiel, als Exempel des Allgemeinen gilt; die letztere aber ist eigentlich die Natur der Poesie; sie spricht ein Besonderes aus, ohne an’s Allgemeine zu denken oder darauf hinzuweisen GWB42
2,146,11 MuR(279) [
ersch 1825] [
üb Meyers Entwurfszeichnung zu einem Bild der Aurora] Was die Erfindung betrifft so haben Sie .. die glückliche Linie getroffen worüber die A. nicht hinausgehen sollte. Es sind alles bedeutende Figuren, sie bedeuten aber nicht mehr als sie zeigen und ich darf wohl sagen nicht mehr als sie sind GWBB9,251,16 Meyer 13.3.91 b
neben anderen Gattungen u rhetor Figuren Mittag Eckermann. Über Tropus, Metapher, Gleichniß, Fabel, Symbol, A. pp GWBTgb 29.10.25 [
in Eckermanns Gespr nicht verzeichnet] die mancherlei Arten dieses Versteckens .. Symbolik, A., Räthsel, Attrape, Chiffriren GWBN3,168,13 FlH III A., Ballade, Cantate, Drama, Elegie .. Romanze, Satire GWB7,117,2 DivNot Dichtarten Symbolik und A., Fabel, Gedicht, Historie und Scherz reichten gar mannichfaltigen Stoff und die verschiedensten Formen dar GWB16,187,13 Maskenz Vorbem c
in konkretem Bezug wir haben, um ja keine A. mehr in Marmor und wo möglich auch nicht einmal gemahlt zu sehen, die bedeutendsten Symbole mit Pappe, Gold- und anderm Papier .. auf das klärste dargestellt
3) GWBB13,35,16 Schiller 26.1.98 In Berlin scheint .. der Naturalismus .. zu Hause zu sein .. Poesie wird durch Geschichte, Charakter und Ideal durch Porträt, symbolische Behandlung durch A., Landschaft durch Aussicht, das allgemein Menschliche durch’s Vaterländische verdrängt GWB48,23,15 Propyl 1800 wollte ich Sie ersuchen, beykommende Lampe .. nach der hier angedeuteten Art und Weise .. zu zeichnen. Da wir einmal in Symbolik und A. einigermaßen verfangen sind, so ist es nicht übel, von Zeit zu Zeit etwas zu versuchen [
zur Sache vgl Z 77-80] GWBB33,223,3 Meyer 15.9.20 [
üb die Zelter-Medaille mit einem von G entworfenen Wappen] Nun von deiner Medaille zu reden, so kann man mit derselben gar wohl zufrieden seyn .. Und so wären wir denn zwischen Scylla und Charybdis, zwischen den altmodernen A-n und den calvinischen trocknen Inschriften durchgeschlüpft GWBB49,221,7 Zelter 27.1.32 Shakespeare ist reich an wundersamen Tropen, die aus personificirten Begriffen entstehen und uns gar nicht kleiden würden, bei ihm aber völlig am Platze sind, weil zu seiner Zeit alle Kunst von der A. beherrscht wurde GWB41
2,93,6 MuR(252) eine andere Art von Dichtungen .. die A-n [
les allégories]. Mir scheint, daß sie den Gedanken schwächen .. Unter der Form der Fabel haben die A-n manchmal dienen können, nützliche Wahrheiten allgemein zu machen, aber .. Die vollkommene Feinheit des Geistes kann durch keine A. fest gehalten werden .. Jene auffallenden A-n [
ces allégories piquantes], wo, wie in [
Voltaires] Theleme und Macare, der Wille reis’t, um das Glück zu finden, diese verlängerten A-n .. können uns eigentlich nicht anziehen GWB40,214,27 u 215,2u16 u 216,28 u 217,2 Staël,Dichtgn
uö 2
als einzelne Sinnfigur a
literar: ausgeführtes Gleichnis u rhetor Figur wenn Ihnen ein glückliches Gleichniß aufgeht, das sich nicht lakonisch ausdrücken läßt, so suchen Sie es der Parabel zu nähern und hüten sich die A. in’s Einzelne durchzuarbeiten GWBB31,136,19 Schubarth 21.4.19 ihm [
Klinger] fehlt es nicht an .. Witz und glücklichen Einfällen; A-n und Symbole stehen ihm zu Gebot GWB28,255,15 DuW 14 wenn der Krancke eine warme, sanfte Hand zu fassen hofft und eine kalte, kalte zu fassen kriegt. O das sind A-
n. Die Einbildungskraft gefällt sich in dem weiten geheimnißvollen Felde der Bilder herumzuschweifen, und da Ausdrücke zu suchen, wenn Wahrheit den nächsten Weg nicht gehen darf GWBB1,128,7 Behrisch 2.11.67 [
im Traum] Da hatte sie mich in einen Sack gesteckt. .. Ich philosophirte im Sacke und jammerte ein duzend A-n im Geschmack vom Schäckespear wenn er reimt GWBB1,105,21 Behrisch [13.10.67] Du wirst .. mehr Individualität in dem Dinge [
in dem Ged ‘Der Wandrer’] finden als es scheinen sollte, du wirst unter der A. Lotten und mich .. erkennen GWBB2,106,1 Kestner 15.9.[73] [
mBez auf den Terzinen-Monolog Faust II 4679ff?] Passionirte A. in Stanzen. Überlegung sie in’s Reine zu bringen GWBTgb 12.6.26 [
sa Sp 353,7] Vogel Phönix .. Nicht mißlungene christliche A. GWB40,349,2 Rez:Wunderhorn
uö Personifikation [
Knabe Wagenlenker:] Herold auf! nach deiner Weise .. Uns zu schildern uns zu nennen; | Denn wir sind A-n | Und so solltest du uns kennen. [
Herold:] Wüßte nicht dich zu benennen, | Eher könnt’ ich dich beschreiben GWBFaust II 5531 b
in der bildenden Kunst Eine A. auf die Wiedergenesung des Herzogs ist ihm [
Thouret] besonders wohl gelungen. Diese sowohl als eine A. auf die französische Republik .. zeugen von seiner Einsicht in die einfachen, symmetrischen und contrastirenden Compositionen GWBT2,118,23u25 v 2.9.97 Unter den plastischen Zierden jenes Monuments [
Frankf G- Denkmal] gedenken Sie einer Lampe, welche, als herkömmliches Zeichen eines geistigen Fleißes, allerdings zu billigen ist .. Deshalb diese A. etwas weiter geführt wünschte, wie die Figur ausweist [
vgl Z 38-42] GWBB33,213,27 Boisserée 11.9.20 [
zu dem Entwurf einer Preismedaille] Die Kränze bleiben immer eine artige A. GWBB23,236,8 Voigt 10.1.13 [
vgl den Wortgebrauch in derselben Sache: Kränze waren immer ein angenehmes Symbol der Belohnung .. Die Ameise war von je das Sinnbild des .. Fleißes GWBB23,256 Voigt 20.1.13] die Medaillen [
des 15. u 16.Jh] zu betrachten fortgesetzt, die Umschriften zu lesen und die A-n der Rückseite auszulegen gesucht GWBTgb 5.7.30 eine höchst merkwürdige Zeichnung .. von Peter Vischer .. eine A. zu Ehren Luthers vorstellend, welcher hier als Hercules siegreich aufgeführt wird
4) GWB4,79,12 AufklBem 25 Man müßte den Künstler nicht mit verderblichen A-n nicht mit trocknen historischen oder schwachen sentimentalen Gegenständen plagen GWB48,247,22 Vorschl,Künstlern Arb zu verschaffen Plp ob man nicht vielmehr Gefahr laufe .. klare heitere Darstellungen gegen abstruse trübsinnige A-n umzutauschen und das Charakteristische, Tüchtige, Kräftige immer mehr zu verlieren? GWB49
1,23,18 Neudt relig-patriotKunst [Meyer]
uö 3
allegorischer Sinn, (versteckter od geheimer) gedankl Inhalt eines Kunstwerks die angefügten Erklärungen [
zu Ovids Metamorphosen] weiß Gott für wen die sollen .. Denn in Ovids zusammengerafften Mährleins, überall A. zu suchen, ist Thorheit .. Relativ auf den Künstler sind sie zu gar nichts nütze. In dem einzigen Falle sogar, sie als Anspielung zu brauchen, ist die A. zu weit gesucht AAJw3,126,31 u 127,6 FGA Sandrart Das Gedicht [
‘Klage der Ceres’] ist gar schön gerathen, die Gegenwart und die A., die Einbildungskraft und Empfindung, das Bedeutende und die Deutung schlingen sich gar schön in einander GWBB11,94,14 Schiller 14.6.96 Aber ach die eisernen Reifen mit denen mein Herz eingefasst wird .. Wenn Sie das Gleichniss fortsezzen wollen, so liegt noch eine schöne Menge A. drinn GWBB3,225,16 ChStein 19.[5.78] [
üb das nach einem Entwurf G-s ausgeführte Gemälde des hl Rochus] Eine .. Kette von Zugvögeln deutet auf die Weite seiner Wanderschaft, indessen der Brunnen .. auf die unabgetheilte Zeit hinweist .. Haben wir diesen Nebendingen zu viel Bedeutung beigelegt, so mag uns die Neigung des Jahrhunderts entschuldigen, welche überall Zusammenhang, A. und Geheimniß .. aufzusuchen Lust hat GWB49
1,359,15 Der Herr am Ölberg .. In dieser, meist natürlichen Gesellschaft wird einem die A. der Anlage so wie das poetisch Blumenhafte der Ausführung unbillig zuwider GWB40,350,5 Rez:Wunderhorn ist uns die reine charakteristische Personification ohne Hinterhalt und A. Alles werth; was nachher die Priester aus dem Dunklen, die Philosophen in’s Helle gethan, dürfen wir nicht beachten GWBB28,267,2 Creuzer 1.10.17
uö systematische Kategorie des akademischen Kunsturteils [
Schema] Mahlerey | Ort | Gattung des Kunstwerckes | Meister Material | Gegenstand | Erfindung | Anordnung .. Allgemeine Wirckung | A. [
daneben entsprechende Rubrik für ‘Bildhauerkunst’] GWB34
2,197,11 VorbereitgItal 1795/96
vgl GWB
Emblem GWB
Gleichnis GWB
Hieroglyphe Personifikation Sinnbild Symbol 1) s BASorensen, Symbol u Symbolismus in den ästhetischen Theorien des 18. Jh u der dt Romantik, 1963,32ff 2) Es folgen “Beyspiele von guten und trefflichen Allegorien” (ebd 46). Vgl auch die für die Einschätzung der A. durch die WKF wichtigen ‘Anmerkungen und Zusätze zu Winckelmann’s Versuch einer Allegorie’ von Meyer in: Winckelmanns Werke, ed Fernow, 2(1808),673ff, zB 685: “In ihnen [
den Symbolen]
spricht sich die Kunst höher und ihrer selbst würdiger aus, als in Allegorien geschehen kann, weil diese nicht so vollkommen selbständig und einfach im Anschaulichen und Dargestellten, sondern mehr in einer sinnreichen, machmal auch nur witzigen, aus der Darstellung abzuleitenden, Bedeutung sich zeigen. Symbole hingegen erfordern allemal das höchste schöpferische Kunstvermögen” 3) nach Böttigers Bericht üb den Maskenz 30.1.98 wurde die Figur des Friedens von zwei Genien begleitet, “wovon der eine einen vergoldeten Helm mit Früchten, der andere ein in seiner Scheide verschlossenes Schwert trägt”, Eintracht u Hoffnung wurden durch Anker u Säule gekennzeichnet, der Überfluß durch das Füllhorn, die Kunst durch Portefeuille u Lyra, der Ackerbau durch Erntekranz u Sichel (WA I 16,454) 4) Abb: MSchuette, Das Goethe-National-Museum, 1910, Taf 1Horst Umbach H. U.