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verstallen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verstallen

Bd. 17, Sp. 618
verstallen, den harn zurückhalten, s. das. überstallen 'die zeit zum harnen übersehen, über diese zeit hinaus das pferd gehen lassen'. Höfler krankheitsnamenb. 671, wofür auch den stall oder das stallen übergehen, übertreten, s. unten e. nebenaus stallen s. 2, b zu ende. cc) stallen steht in dieser bedeutung transitiv in der häufigen verbindung blut stallen, mit dem harn von sich geben. Campe (II, 1), vgl. Höfler 671a: ein ros das plut stalt. quelle vom j. 1505 bei Schm. 2, 746; wenn ein pferdt blt stallet. Albrecht roszarzn. (1542) 24; so ein pferdt bluot stallet. nimm bonen mAel u. s. w. Herr feldb. (1545) 139a; so eyn pferd blut stallet, du solt jm die muterader lassen. Sebiz feldb. 160; wann ein pferd blut stallet, so lasz jhm 3. morgen nacheinander in beyden seiten die spar adern. Coler hausb. 1, 366a (gleich nachher: oder wann sie blut harnen); so ein rossz blut stallet. Tabernaemont. 614 G; blutpissen oder harnen, ist eine kranckheit des rindviehes. ... wann die pferde diesen zufall haben, so heisset man es blutstallen. Zincke öcon. lex.2 374. dd) ähnlich lauter stallen: so ein pfAerdt lauter stallet, so sol man jm die hals aderen ... aufschlahen. Forer Geszners thierb. (1583) 136a; lauter stallen oder der lautere stall, ist eine pferde-kranckheit. Zincke öcon. lex.2 1616. s. ferner das zweite stall und Höfler krankheitsnamenb. 671a. ee) der substantivierte inf. findet sich zuweilen für das gewöhnliche stall, m., besonders in der verbindung das stallen übergehen (vgl.überstallen oben unter b und stallung): wann das pferd das stallen übergangen hat. Coler hausb. 1, 366a; ein pferd so das stallen übertragen, und davon einen fehler bekommt, equus qui lotium nimis diu continuit et stranguria cruciatur. Frisch 2, 316c. 22) stallen wird zuweilen auch von andern thieren gesagt. 2@aa) besonders von den dem pferde nahestehenden zug- und lastthieren; nach Adelung von pferden und eseln, nach Unger-Khull 568b von pferden und rindern, ebenso els., s. Martin-Lienhart 2, 589a; vgl.: stallen ... [non si dice che de' cavalli, asini, muli; e forse de' buoi.] Kramer dict. 2, 904b. doch im allgemeinen nur: das pferd, der esel, maulesel stallet. ebenda; der maul den der ritter reyt der in dem stalle nicht gestallet het in dem wasser stallet. decam. 589, 8 Keller (10, 1); also thet auch der maul den ir mir gabet an dem ende do er stallen solt nicht stallet, unnd do er trincken und nicht stallen solt do stallet er. 23 f.; unter des stallet sein libysch maulthier die blasz zuentlähren: und dasselbige so uberflüssig, dasz auff siben meilen ein flut drausz ward. Garg. s. 368 neudr.; ik (der esel) hebbe up mîns vader bein gestallet dicke. Gerhard v. Minden 101, 227 Seelmann. vereinzelt von kamelen: ihren congressum nehmen männlein und fräulein nicht, wie etliche sagen, retrorsum (ob schon im stallen sie virgam hinterwerts kehren). Olearius pers. reisebeschr. 301a. 2@bb) stallen ist ferner in der sprache der jäger üblich. 'stallen ... wird von vielen jägern nicht allein vom hunde, sondern auch vom hirsch, rüdden oder wolf gesagt'. Kehrein weidmannsspr. 280 (aus Stahl forst-lex. 1780), s. ferner Adelung (1). besonders von hirschen: die jäger sagen stallen auch vom hirschen, weil er sich wie die pferde beym stallen stellt. Frisch 2, 316b. schon im 15. jahrh.: wa der hirsz auf ainem schne gestallet hab, so seicht er neben ausz auszer der fart recht als ain hund, so stallet die hind eben in den herd als ain zohenn. quelle vom j. 1437 bei Schm.2 2, 746; jtem, wo der hirsch stallet, so stallet er allweg neben ausz, ausz der fart recht als ein hundt. das zeichen heisset hunds wolff, fuchssen. aber was ein futt hat, das seichet eben in die fart und in den weg. Noe Meurer v. forstlicher oberherrligkeit (1560) 95b, ebenso Sebiz feldb. 573. vom wildschwein. das schwein stallet neben aus. Fleming t. jäger 100b. 33) zuweilen wird stallen in grober oder niedriger sprechweise auf den menschen angewendet. nd.: ick dorffte nich ins vor de döre gahn, datck ins stallede. nd. bauernkomöd. s. 237. alemann.: (der reiter) sasz fein lang, doch dasz ein hasz mit auffgereckten ohrn zwischen dem sattel unnd dem gesäsz unangestossen wer durchgeloffen, wann er sich in stegreiff stellt zustallen. Garg. s. 279 neudr.; voll lëmi machends' (prassen, huren u. s. w.) inn und bülen, ... vol blater, löcher, krëbs und gallen, das er nit brünzlen kan, noch stallen. Ruff Etter Heini 1630. so noch in der Schweiz. Tobler 406. sonst als eigenthümlichkeit der studentensprache, s. Kluge 127b (1781—1841): stallen, uriniren, wird eigentlich von pferden gesagt. die studenten brauchen es auch von menschen, und wenn mehrere aus ihrem mittel nebeneinander die blase ihres überflusses entschütten, so nennen sie das generalstallung. Kindleben stud. lex. (1781) 181; dazu: zu den groben unanständigkeiten, welche um diese zeit in Gieszen mode wurden, gehört die generalstallung. ... jene wurde so veranstaltet, dasz zwanzig, dreissig studenten, nachdem sie in einem bierhause ihren bauch weidlich voll bier geschlungen hatten, sich vor ein vornehmes haus, worin frauenzimmer waren, hinstellten, und nach ordendlichem kommando und unter einem gepfeife, wies bei pferden gebräuchlich ist, — sich auch viehmäszig, ich meyne, ohne alle rücksicht auf wohlstand — erleichterten. Laukhard leben u. schicks. (1792) 1, 217. 44) ganz vereinzelt steht die angabe von Seiler Basler mundart 276b: stalle = miste, exkremente auswerfen, vom vieh.
5513 Zeichen · 142 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    verstallen

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    verstallen , den harn zurückhalten, s. das. überstallen ' die zeit zum harnen übersehen, über diese zeit hinaus das pfer…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verstallen

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Ableitung von verstallen

ver- + stallen

verstallen leitet sich vom Lemma stallen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verstallen 2 Komponenten

verst+allen

verstallen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verstallen als Zweitglied (1 von 1)

ȫverstallen

MNWB

overst·allen

° ȫverstallen , ōver- , swv. : c. A. p. jemdn. (mit Gewalt) angreifen, schädigen, wêret ôk dat îmant unser ê(i)nen edder uns bê(i)de mit unr…

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Cotta, M. (2026). „verstallen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verstallen/dwb
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Cotta, Marcel. „verstallen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verstallen/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „verstallen". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verstallen/dwb.
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