verstallen,
den harn zurückhalten, s. das. überstallen '
die zeit zum harnen übersehen, über diese zeit hinaus das pferd gehen lassen'. Höfler
krankheitsnamenb. 671,
wofür auch den stall
oder das stallen übergehen, übertreten,
s. unten e. nebenaus stallen
s. 2,
b zu ende. cc) stallen
steht in dieser bedeutung transitiv in der häufigen verbindung blut stallen,
mit dem harn von sich geben. Campe (II, 1),
vgl. Höfler 671
a: ein ros das plut stalt.
quelle vom j. 1505
bei Schm. 2, 746; wenn ein pferdt blt stallet. Albrecht
roszarzn. (1542) 24; so ein pferdt bluot stallet. nimm bonen mAel
u. s. w. Herr
feldb. (1545) 139
a; so eyn pferd blut stallet, du solt jm die muterader lassen. Sebiz
feldb. 160; wann ein pferd blut stallet, so lasz jhm 3. morgen nacheinander in beyden seiten die spar adern. Coler
hausb. 1, 366
a (
gleich nachher: oder wann sie blut harnen); so ein rossz blut stallet. Tabernaemont. 614 G; blutpissen oder harnen, ist eine kranckheit des rindviehes. ... wann die pferde diesen zufall haben, so heisset man es blutstallen. Zincke
öcon. lex.2 374. dd)
ähnlich lauter stallen: so ein pfAerdt lauter stallet, so sol man jm die hals aderen ... aufschlahen. Forer
Geszners thierb. (1583) 136
a; lauter stallen oder der lautere stall, ist eine pferde-kranckheit. Zincke
öcon. lex.2 1616.
s. ferner das zweite stall
und Höfler
krankheitsnamenb. 671
a. ee)
der substantivierte inf. findet sich zuweilen für das gewöhnliche stall,
m., besonders in der verbindung das stallen übergehen (
vgl.überstallen
oben unter b und stallung): wann das pferd das stallen übergangen hat. Coler
hausb. 1, 366
a; ein pferd so das stallen übertragen, und davon einen fehler bekommt,
equus qui lotium nimis diu continuit et stranguria cruciatur. Frisch 2, 316
c. 22) stallen
wird zuweilen auch von andern thieren gesagt. 2@aa)
besonders von den dem pferde nahestehenden zug- und lastthieren; nach Adelung
von pferden und eseln, nach Unger-Khull 568
b von pferden und rindern, ebenso els., s. Martin-Lienhart 2, 589
a;
vgl.: stallen ... [
non si dice che de' cavalli, asini, muli; e forse de' buoi.] Kramer
dict. 2, 904
b.
doch im allgemeinen nur: das pferd, der esel, maulesel stallet.
ebenda; der maul den der ritter reyt der in dem stalle nicht gestallet het in dem wasser stallet.
decam. 589, 8
Keller (10, 1); also thet auch der maul den ir mir gabet an dem ende do er stallen solt nicht stallet, unnd do er trincken und nicht stallen solt do stallet er. 23
f.; unter des stallet sein libysch maulthier die blasz zuentlähren: und dasselbige so uberflüssig, dasz auff siben meilen ein flut drausz ward.
Garg. s. 368
neudr.; ik (
der esel) hebbe up mîns vader bein gestallet dicke. Gerhard v. Minden 101, 227
Seelmann. vereinzelt von kamelen: ihren congressum nehmen männlein und fräulein nicht, wie etliche sagen, retrorsum (ob schon im stallen sie virgam hinterwerts kehren). Olearius
pers. reisebeschr. 301
a. 2@bb) stallen
ist ferner in der sprache der jäger üblich. 'stallen ...
wird von vielen jägern nicht allein vom hunde, sondern auch vom hirsch, rüdden oder wolf gesagt'. Kehrein
weidmannsspr. 280 (
aus Stahl
forst-lex. 1780),
s. ferner Adelung (1).
besonders von hirschen: die jäger sagen stallen auch vom hirschen, weil er sich wie die pferde beym stallen stellt. Frisch 2, 316
b.
schon im 15.
jahrh.: wa der hirsz auf ainem schne gestallet hab, so seicht er neben ausz auszer der fart recht als ain hund, so stallet die hind eben in den herd als ain zohenn.
quelle vom j. 1437
bei Schm.
2 2, 746; jtem, wo der hirsch stallet, so stallet er allweg neben ausz, ausz der fart recht als ein hundt. das zeichen heisset hunds wolff, fuchssen. aber was ein futt hat, das seichet eben in die fart und in den weg. Noe Meurer
v. forstlicher oberherrligkeit (1560) 95
b,
ebenso Sebiz
feldb. 573.
vom wildschwein. das schwein stallet neben aus. Fleming
t. jäger 100
b. 33)
zuweilen wird stallen
in grober oder niedriger sprechweise auf den menschen angewendet. nd.: ick dorffte nich ins vor de döre gahn, datck ins stallede.
nd. bauernkomöd. s. 237.
alemann.: (
der reiter) sasz fein lang, doch dasz ein hasz mit auffgereckten ohrn zwischen dem sattel unnd dem gesäsz unangestossen wer durchgeloffen, wann er sich in stegreiff stellt zustallen.
Garg. s. 279
neudr.; voll lëmi machends' (
prassen, huren u. s. w.) inn und bülen, ... vol blater, löcher, krëbs und gallen, das er nit brünzlen kan, noch stallen. Ruff
Etter Heini 1630.
so noch in der Schweiz. Tobler 406.
sonst als eigenthümlichkeit der studentensprache, s. Kluge 127
b (1781—1841): stallen, uriniren, wird eigentlich von pferden gesagt. die studenten brauchen es auch von menschen, und wenn mehrere aus ihrem mittel nebeneinander die blase ihres überflusses entschütten, so nennen sie das
generalstallung. Kindleben
stud. lex. (1781) 181;
dazu: zu den groben unanständigkeiten, welche um diese zeit in Gieszen mode wurden, gehört die generalstallung. ... jene wurde so veranstaltet, dasz zwanzig, dreissig studenten, nachdem sie in einem bierhause ihren bauch weidlich voll bier geschlungen hatten, sich vor ein vornehmes haus, worin frauenzimmer waren, hinstellten, und nach ordendlichem kommando und unter einem gepfeife, wies bei pferden gebräuchlich ist, — sich auch viehmäszig, ich meyne, ohne alle rücksicht auf wohlstand — erleichterten. Laukhard
leben u. schicks. (1792) 1, 217. 44)
ganz vereinzelt steht die angabe von Seiler
Basler mundart 276
b: stalle = miste,
exkremente auswerfen, vom vieh.