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reisen

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

reisen verb.

Bd. 14, Sp. 734
reisen, verb. , iter facere, peregrinari. ahd. reisôn, mhd. reisen, altfries. reisia, mnd. reisen, resen, mnl. reysen Kilian. das verbum ist aus dem deutschen in das spätere nord. gedrungen: isländ. reisa Biörn Haldorson 2, 198b; schwed. resa, n. rejse. ahd. reisôn gehört zu ahd. reisa f. der aufbruch, die ursprüngliche bedeutung scheint eine transitive zu sein (vgl. gramm. 2, 16), zum aufbruch rüsten, fertig machen, dann überhaupt bereiten, zurichten; in letzterem und ähnlichem sinne erscheint das verbum im ahd., mhd., älteren nhd. und noch jetzt mundartlich. hiernach würden sich reisôn zu ahd. rîsan, als dessen ursprüngliche bedeutung 'sich in bewegung setzen' anzunehmen ist (sp. 731), ähnlich verhalten, wie reitôn in antreitôn ordinare Graff 2, 480 zu rîtan ebenda 476, vgl. auch ahd. reisunga f. machinatio, praeparatio Graff 2, 542. neben der transitiven bedeutung erscheint aber schon ahd. die intransitive, eine reise antreten, sich fortbewegen; im mhd. und älteren nhd. begegnet reisen hauptsächlich in dem sinne: einen kriegszug unternehmen, sich auf einem kriegszuge befinden, eine anwendung, welche nach dem 16. jahrh. aufgegeben wird, vgl. den gleichen vorgang bei reise. übertreten in starke flexion (in vermischung mit dem vorigen risen) scheint nicht stattzufinden. das perfect von nhd. reisen wird mit sein gebildet. nur wenn reisen absolut gebraucht wird, wenn kein ziel der reise angegeben ist, so dasz die vorstellung des reisens als thätigkeit besonders lebhaft hervortritt, wird auch haben neben sein angewendet, allerdings mehr im ältern nhd., als in jetziger sprache: ich hab offt gereiset. 2 Cor. 11, 26; so lässet sich der unterscheid unter einem, der zu hause hinter dem ofen gesessen, und einem andern, der gereiset hat, bald abnehmen. Butschky Patm. 155; wer nicht viel gereiset hat. pers. baumg. 7, 26; ein mann, der viel gereist und die welt gesehen hat. Klinger 3, 128; ein mann, der erst in handels-, dann in politischen geschäften viel gereist hatte. Göthe 15, 264; Crispus hat gereist, ist hurtig, ist gelehrt, und wird veracht? Logau 3, 83, 45; du hast bereits bisher in deinen jungen jahren genug gereiszt, gesehn, gehört, geprüfft, erfahren. Günther 465; sehr viele reisten nur im geist, und überredten sich, als hätten sie gereist. Gellert 1, 46; so auch mhd.: daʒ er sô rehte zühteclîch gereiset het mit irm her. Suchenwirt 4, 510; unt haben die nu alle wol gereiset, sô sî eʒ mir ein kleiner ungemach. minnes. 3, 288b Hagen. 11) reisen, bereiten, zurüsten: ahd. sîa daʒ alleʒ reisonta (disponentem, f.). Notker 1, 784, 4 Piper; so reisot iʒ alles kot peʒest. Graff 2, 542; giwisso, so ih thir zellu,thiu werk bisihet si ellu; si iʒ allaʒ gote reisôt. Otfrid 4, 29, 25; mhd. ir wollen (wolle) sî nu zeisete, zû werke sî dî reisete. Elisabeth 7127. im schweiz. hat sich reisen in dieser bedeutung erhalten: reisen, leiten, ordenlich weysen, deducere, dirigere Maaler 330a; willt du nicht, junger herr? ich will dich schon reisen. Spreng idiot. raurac. Stalder 2, 268. im Aargau: de wage reise, herrichten, z'wëg reise, zurecht machen; er het em's g'reiset, er hat ihm eine falle gestellt Hunziker 203, vgl. Seiler 233b. Frommann zeitschr. 6, 410, 36; es ist doch nicht mein töchterlein, es ist doch nicht mein sohnes weib, es ist nummen mein armes südeli, es reist meinen gästlenen stübeli. Tobler schweiz. volksl. 1, 113. 22) reisen, intransitiv. 2@aa) einen kriegszug unternehmen, auf dem kriegszuge sein, im mhd. mnd. mnl. und älteren nhd., sowol absolut als mit näheren bestimmungen: reisen, zuo reisz faren, kriegen, militare Maaler 330a; sondern las deinen weltlichen oberherrn kriegen, unter desselbigen panier und namen soltu reisen. Luther 4, 477b; und wöllen scheel und sawr sehen, schatzung zu geben, oder selbs zu reisen. 480b; welcher reiset jemals auff seinen eigen sold? 1 Cor. 9, 7; nach diesem zug und schlacht, reisete Judas wider die feste stad Ephron in welcher Lysias und sonst viel volcks war. 2 Macc. 12, 27; mit einem solchen mut reisete der gantze zeug fort, sampt jrem gehülffen, den jnen der barmhertzige gott von himel gesand hatte. 11, 10; wie er aber von Schippenbeil auf Bartenstein reisete fast mit sechshundert reisigen. Waissel chron. (1559) 194b; item anno dom. 1300 und 60 jar an sant Seboltz abent, do raiset dy stat Nuremberg ausz mit Jugelweyd auf den von Wirtenberg. d. städtechron. 1, 352, 5; waʒ aber nicht verbrant was, daʒ het im gehuldet und musten mit im raisen. 2, 132, 2; die heiden reisetent in die cristenheit. 8, 413, 19; wider ûf die cristenheit zû reisene was in nicht leit. livl. reimchron. 4883; er lieʒ doch dar zû pfande sumelîchen rischen man (als todten), der reisen nimmer mêr began. 2266; der helt mit vrechen rotten vil dicke reist in Schotten lant. Suchenwirt 7, 70; ich wolt der helt niht sparn und reit gen Priuʒen auf der vart, dâ ritterlîch gereiset wart. 18, 156; mit krieg unwidersagt raysen tuott man ietz prennen und zaysen. Hätzlerin 1, 28, 139; und tuond mit ainander raisen und kriegen. des teufels netz 7168; her künig, ich kan anderst nicht, den in dem krieg raisen und reitten, mit wüermen und mit lewten streitten. H. Sachs hürn. Seufrid 9 neudruck; der adel mag schier nüme bliben der bschützen solt witwen und waisen mit wachen hten und auch raisen. P. Gengenbach todtenfresser 158, 205 Gödeke; machen vil armer witwen und weysen, vermeynen dann mit solchem reysen, mit langen spiessen, mit kriegischer wehr bschirmen den glauben und gotts ehr. Fischart dicht. 2, 357 Kurz; bruoder Claus gab unsz manch guoten rot weit zuo reissen unsz allzyt verbot, hiesz unsz do heimen bliben. P. Gengenbach alt eydgnosz 14, 81 Gödeke. 2@bb) aufbrechen, weggehen von einem ort, sich fortmachen; auch vom unfreiwilligen fortgehen, sich wegscheeren. im sinne von aufbrechen: ahd. tho druhtin wolta reison,sîn selbes rîches wîson. Otfrid 5, 16, 1; mhd. swie nâhe mir dîn reisen (dein abschied) gê, sô dunket eʒ mich wæger doch, daʒ du ze lande kêrest noch, danne ich iemer angest habe. Konrad v. Würzburg Parten. 2864; niederrhein: hei reif eme: ris, in des duwels namen, ris! d. städtechron. 12, 164 (4992); nhd. darumb schenken wir in silber und golt und seint in doch nit anderst holt dann dasz sie uns ir hilf beweisen und thuont grosz zeichen, sunst lant wir reisen unser andacht (lassen wir fahren). Schade sat. u. pasqu. 1, 28, 47; und wenn jr zum andernmal drometet, so sollen die lager auffbrechen, die gegen mittag ligen, denn wenn sie reisen sollen, so solt jr drometen. 4 Mos. 10, 6. ähnlich wird in der modernen sprache reisen wie abreisen gebraucht: wann gedenken sie zu reisen? nächsten montag reise ich. derber, sich fortmachen: hör sie, jungfer mauläffchen, sie kan reisen. wie zum Velten ist denn das käzchen hier herauf gekommen? Hermes Sophiens reise 6, 312; trifft er sie nicht — reise, die welt ist weit! Lessing 11, 466; der wirth aber, der bis her ruhig am ofen stand, trat hervor und sagte: jetzt, zirkelschmied, reist! Hebel 3, 141. besonders mundartlich: nu wöll wie man reise, nun wollen wir nur gehen Frischbier 2, 221; o wo reisede he! wie schnell machte er sich fort; dat geld is reiset, das geld ist weg; laat em reisen, lasz ihn gehn Dähnert 378a; reis! oder du kannst reisen, mach' dasz du fort kommst Albrecht 191b; ähnlich schlesisch Weinhold 77a; auch reflexiv Schm. 2, 138; in derber rede wie sterben, vgl. abreisen theil 1, 88: mancher Franzmann muszte reisen, dem ein scharf husareneisen zwischen leib und seel' gefahren. Lenau neue ged. 28. 2@cc) eine reise (im gewöhnlichen sinne) machen, sich auf reisen begeben, auf reisen sein, zunächst vom menschen, ohne nähere bestimmung. sprichwörtlich: reisen kostet geld. reisen macht nicht gelehrt. wer reyset, dem seyndt die meilen gemacht! manche reisen wie dess müllers karch, der kommet alle nacht wieder vors haus. Wander 3, 1645 ff.; also leget mancher durch das reisen, und durch den umgang mit höflichen und klugen leuten, ingleichen durch vil widrige begebnüsse, so einem auf reisen zustoszen, vil unart ab. Butschky Patm. 155; darum thun jene frische leute wohl, dasz sie reisen; wenn ihnen gute vernunfft, eine gefärtin giebet; und verstand, den hofemeister spielet. 3; ich will her seyn und fremde länder und städte besehen, vielleicht werde ich durch mein reisen ein berühmter kerl. Reuter Schelm. 1, 20; darum hat sich niemand von unsern reisenden personen bisz auf diese stunde im geringsten nicht bekümmert. Chr. Weise erzn. 23 neudr.; reflexiv, sich müde reisen. wir haben uns ganz müde gereiset. Adelung; ein mann, der musz nur reysen, ertragen hitz und frost. Opitz bei Wackernagel leseb.3 2, 401; jungfern die dem hause hüten, männer die gereiset sind: wer ihr gegenteil erwehlet, ist an geistesaugen blind. Reinhold v. Freientahl spazierw. 99; er schied im reisen aus der zeit zu der gewünschten seligkeit. Drollinger 274; sie (die störche) sollen uns beweisen, erwiedert er, und lacht, dasz nicht das viele reisen die dummen klüger macht. Hagedorn 2, 123; reisen soll ich, freunde, reisen? lüften soll ich mir die brust? Uhland ged. 55; durch feld und buchenhallen bald singend, bald fröhlich still, recht lustig sei vor allen wers reisen wählen will. Eichendorff bei Wackernagel leseb.3 2, 1703; packt eure bündel fest und gut und thut niemals das reisen laszen so lang noch wallt das frische blut! Schade handwerksl. 125. mit näherer angabe der art des reisens: zu lande, zu wasser, zu fusz, dafür sprichwörtlich auf schusters rappen, zu pferde, zu wagen, zu schiffe; in der kutsche, mit der post, mit der eisenbahn; mit gefolge, zu zweien, in gesellschaft, allein reisen; bequem, unbequem, gemächlich, langsam, so schnell als möglich reisen, auf eigene kosten, auf staatskosten reisen u. s. w.; glücklich reisen. zum abschiede sagt man reise glücklich, reise mit gott: (als Ludwig) in pilgrims wîse ûʒ zîhen wolde in verre fremde lant, dâ wolde he zîhen unde reisen uff sînen eigen solt unde zerunge, daʒ her nîmand schatzen noch schindin dorfte. Ködiz 53, 10; gebet, wenn man zur see reisen will. Manson seebuch 103; will er ihr im park aufstoszen, so reiset sie (scherzhaft), wie die sinesischen kurire, doppelt, weil man den mädchen gern das gewissen, wie die natur alle wichtige glieder, doppelt gibt. J. Paul Titan 2, 45; reis' ich auf diesem blatt papier (es kostet gar zu viel, im wagen!) nach Wien. Göckingk 2, 135; sie reisten nie auf kosten des regenten. Gellert 1, 47. mit zeitangabe: wie lange reisen wir noch? die ganze nacht, drei tage, tag und nacht reisen. anders: ich reise nur des nachts, am tage, zur nachtzeit. mit räumlichen bestimmungen: dahin, daher, herum, weit und breit herum reisen; einen weg, eine strecke, mehrere tagereisen reisen. ungewöhnlich: ich bin dieses weges schon öfters gereiset. Adelung (wie des weges kommen); den flusz hinauf, das gebirge entlang reisen; aufs land, über land, über feld reisen; nach Italien, in älterer sprache: in Italien reisen, in das südliche Frankreich, ins badische reisen; in biblischer sprache: gen Jerusalem reisen; in die ferne, nach hause, von Berlin über Cöln nach Paris, durch Leipzig reisen; des tages sieben meilen reisen; wie lange reist man auf dieser linie bis Hamburg? um die erde, durch die ganze welt reisen; in einem lande, innerhalb eines landes reisen u. s. w.; und Jacob thet ein gelübd, und sprach, so gott wird mit mir sein, und mich behüten auff dem wege, den ich reise, ... so sol der herr mein gott sein. 1 Mos. 28, 20; hastu gnad zu meiner reise gegeben, daher ich gereiset bin. 24, 42; wir reisen von Betlehem Juda, bis wir komen an die seite des gebirges Ephraim, daher ich bin. richter 19, 18; und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zoch er mitten durch Samarien und Galilean. Luc. 17, 11; als er aber das gesichte gesehen hatte, da trachten wir also bald zu reisen in Macedonian. apostelgesch. 16, 10; aber dieweil er so seer vleiszig war, ist er von jm selber zu euch gereiset. 2 Cor. 8, 17; und es begab sich darnach, das er reisete durch stedte und merckte. Luc. 8, 1. sprichwörtlich: der weit reyst verendert wol das gstirn, aber nit das hirn. Franck 2, 184a; wer reist in fremde lande, der musz den beutel offen und das maul zu haben. Wander 3, 1646; wer kan latein, hat ein gut pferdt und seckel mit geld, der reyset und kommt wol durch die gantze welt. Pistorius thes. 7, 17; es begehrte Philander in seinem brieff, dasz Antenor .. diesem seinem sohn, welcher auff universitäten reysen solle, einen guten rath geben wolle. Schuppius schr. 3; ob er etwan von Wien alsbald zu mir geraiset sey? 256; wie viel deutsche, seyn lust halben, in Welschland gereiset, die alda mutt und seele verlohren? Butschky Pathm. 26; so reiset nun die narrenbegierige compagnie dahin. Weise erzn. 23 neudr.; wir reisen, und nur an örter, wo die natur lacht. Klinger 1, 180; nun wahrhaftig, und wenn der bis ans ende der welt reist, er ist und bleibt ein narr! Eichendorff taugenichts 144; all welt sucht freud wonne, mit reisen fern und breit. Ambr. lb. 20, 15; sie reisten nicht durch grüne felder, o nein! sie suchten finstre wälder, und reisten unter furcht und quaal. Gellert 1, 47; die kinder des verworfnen drachen, die laster, reisten über land. Lichtwer fabeln 1, 7; mit angabe eines zweckes: aus langeweile, zum vergnügen, zur zerstreuung, zur erholung, zur weiteren ausbildung reisen; in geschäften, in höherem auftrage reisen u. ähnl.: da wich das geschmeysz, und traff eben den Gargantua, so auff ein hochzeyt reyszt, mit seim ulckthier, auff gedachter heyd an. Fischart Garg. 147b. frei: als wir von Mecca wallfahrt reiseten. pers. rosenth. 5, 17. ungewöhnlich: wie begrüszt' ich so oft mit staunen die fluthen des Rheinstroms, wenn ich, reisend nach meinem geschäft, ihm wieder mich nahte! Göthe 40, 242. in besonderem sinne auf etwas reisen, um sich in ihm auszubilden, zugleich aber auch, um dadurch seinen unterhalt zu erwerben: der handwerksgesell reist auf seine profession; auf eine kunst reisen; sehr auffallend ist es, dasz der herzog ... die baukunst nicht auf eben die weise in jungen leuten beförderte ..; denn es ist mir keiner bekannt, der auf baukunst gereist wäre. Göthe 43, 128. dann frei in derber rede, sich handwerksmäszig auf etwas legen: der reist aufs kartenspielen, darauf kannst du reisen u. ähnl. Albrecht 191; werben kann ein jeder, es ist nichts leichter als aufs freien reisen. Schiller Turandot 2, 1. von thieren, wenn sie ähnlich den menschen wandern und ziehen: die störche, schwalben reisen. in älterer sprache und in poetischer ausdrucksweise ist der gebrauch freier: auch reisen sie (die bären) fleiszig auf die felder nach dem hafer. Heppe jagdlust 1, 343; Gotthold stund vor einem immenhaus und sahe mit lust zu wie die honigvögelein ab und zu-reiseten. Scriver andachten 63. frei auch von leblosen dingen: dieser brief muszte weit reisen, um an seine adresse zu gelangen; die post reiset tag und nacht. part. praet.: ein gereister mann, mit dem nebensinn, der durch reisen viele erfahrungen gesammelt hat, besonders ein viel-, weit-, in älterer sprache ein wohlgereister mann, gegensatz ein ungereister mann: ein wohlgereister alter mann sagte einst: er hette nichts von seinen reisen, als einen leren beutel, verterbten magen, und verleztes gewissen. Butschky Pathm. 156; vielgereiste weltleute Klinger 1, 378; freunde! es giebt glücklichere zonen, als das land, worinn wir leidlich wohnen, wie der weitgereiste wandrer spricht. Schiller 11, 363. so in diesem sinne auch von thieren: den guckguck fragt die lerche: wie kömmt es, sage mir, dasz die gereisten störche nichts schlauer sind, als wir? Hagedorn 2, 122. ohne nebensinn, von leblosen dingen: gereiste pflanzen, die aus fernen landen kommen. Adelung; das nöthigst ist das brot; doch läst man gleichwol gelten die weit gereiste würtz und sonsten, was da selten in unsre kuchel kummt. Logau 1, 96, 3. das part. praes. in substantivischem gebrauche in weiterem sinne einer, der sich auf einer reise befindet: wo nun ein reisender hinkommt, da wird er nicht geachtet, nach der tugend seines gemüttes, oder deswegen bedienet, .. sondern nach der schwere des beutels. Butschky Pathm. 106; ein reisender im personenverzeichnis der juden. Lessing 1, 304; dies ist eine mit gelbem tuche behangene landkutsche, worin acht reisende sitzen können. Hölty 222 Halm; lasz ihm die kleider ausziehen, so will ich sagen er sey ein reisender, und ich hab ihn bestohlen. Schiller 2, 100 (räuber, schausp. 2, 3); seht zu, ihr jungen reisenden, wer von euch als erster in der stadt des glückes ankommt. Freytag ahnen 5, 266; es schaut der reisende des wohlstands holde zeugen, gebäude mancher art aus mancher gegend steigen. Drollinger 85; inzwischen erhub sich ein plötzlich geschrei, dasz auszer den schranken ein reisender sey. Lichtwer fabeln 1, 11; ein reisender ist so gewohnt aus gütigkeit fürlieb zu nehmen. Göthe 12, 160; wer kommt da so eilig noch die wiese herauf? ein reisender scheint es, ein jäger. Körner 2, 190. im engeren sinne, ein reisender handwerksbursche Campe: ein armer reisender bittet um eine gabe. in neuerer sprache besonders der geschäftsreisende, aber auch der forschungsreisende wird so bezeichnet: ein kühner und unermüdlicher reisender. verbal construiert: ein bild ..., welches das gegenstück jenes schildes vorstellt, an welchem der reisende in das südliche Frankreich sich so umständlich ergeht und ergötzt (von einem buchtitel). Göthe 31, 235. 2@dd) reisen im sinne von c in bildlicher anwendung: dein gemüt reiset oder ist über väld, du sinnest anderschwo hin. Maaler 330a; o gott! ich reise täglich durch die welt zum himmel, wo mein rechtes vaterland ist. Butschky Pathm. 156; sî mûstin alle reisin in tôtlîchin vreisin nâch iren hergesellin ân undirlâʒ zur hellin. Jeroschin 5465; so vil das reysend stündlin kan. Wickram irr reit. bilg. 8a; solt ich denn auch des todes weg und finstre straszen reisen: wolan, so tret ich bahn und steg, den mir dein augen weisen. P. Gerhard 85 Gödeke; dein wort sei meine speise bis ich gen himmel reise. 60; herr, sprich zu mir: komm' her, ich wil dich unterweisen, hier ist der wahre steg, hier kanstu zu mir reisen, und meinen himmel an. P. Fleming 18; man wird dich, herr, mit furchten preisen, weil sonn' und monde sind und durch den runden himmel reisen, vom kind auff kindeskind. Opitz ps. 72, 3; stets reist das leben in die weite. auf! fesselt hier es an das fasz! Arndt ged. 54; wo bist du, süszer inhalt meiner lieder? wo bist du, meiner jugend schöner geist? die sonne flieht, und kehret ewig wieder, doch du bist ewig in die nacht gereist. 42; der frühling schlug die augen auf so helle, hinunter reisten ström' und wolken schnelle. Eichendorff poet. w. 1, 57; wir haben wohl hienieden kein haus an keinem ort. es reisen die gedanken zur heimat ewig fort. 68; vergangen ist der lichte tag, von ferne kommt der glocken schlag; so reist die zeit die ganze nacht, nimmt manchen mit, der's nicht gedacht. 295. 2@ee) mundartlich gilt reisen auch vom zurücklegen ganz kurzer strecken, überhaupt so viel als von einem ort zum anderen gehen, nd. wil we med enander rêsen? wollen wir zusammengehen? Schambach 170a; ebenso bair. mit dem rocken reisen oder rockenreisen, mit dem spinnrocken aus dem hause in gesellschaft gehen. Schmeller 2, 138.
19390 Zeichen · 304 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    reisen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +8 Parallelbelege

    reisen s. reiʒen.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    reisensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    reisen , sw. V. Vw.: s. rēsen (2)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Reisen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Reisen , verb. reg. dessen heutiger Gebrauch nur noch ein kleiner Überrest seines ehemahligen Umfanges ist. Es kommt noc…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    reisen

    Goethe-Wörterbuch

    reisen gelegentl, bes in frühen Briefen -ss- (zB B2,288,19 ), häufiger -ß-; vereinzelt noch in der ausgeschriebenen Lang…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Reisen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Reisen (Rydzyna) , Stadt im preuß. Regbez. Posen, Kreis Lissa, an der Staatsbahnlinie Breslau-Posen der Preußischen Staa…

  6. modern
    Dialekt
    reisen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    reise n [raisə O. Str. W.; rǽsə Barr Saarunion ; ræìsə K. Z. Betschd. ] reisen, eine Reise machen. Reiseregel: ‘Wer reys…

  7. Sprichwörter
    Reisen

    Wander (Sprichwörter)

    Reisen 1. Bei dem Reisen müssen sein: Sorg', Geld, Witz und starke Bein'. Dän. : Hvo styrke, rigdom og langt levnet have…

  8. Spezial
    reisen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    rei|sen vb.intr. 1 (herumfahren) viagé (-gëia) 2 (eine Reise machen) fá n iade 3 (die Welt bereisen) rodé le monn.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit reisen

107 Bildungen · 26 Erstglied · 77 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von reisen 2 Komponenten

rei+sen

reisen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

reisen‑ als Erstglied (26 von 26)

Reisenachricht

GWB

reise·nachricht

Reisenachricht mehrf Getrenntschr, abgekürzt ‘Reise Nachr.’ T5,121,8 (schriftliche) Mitteilung, Meldung, (kurzer) aktueller Lagebericht von …

Reisenatur

GWB

reise·natur

Reisenatur auch Bindestrichschr für eine aus Imitaten, künstlichen Kulissen bestehende Natur-Staffage, die auf Reisen mitgeführt wird; in Pe…

Reisenauer

Meyers

reisen·auer

Reisenauer , Alfred , Klavierspieler, geb. 1. Nov. 1863 in Königsberg, Schüler von Louis Köhler daselbst und einige Zeit noch von Liszt, kon…

Reisende

DRW

reis·ende

Reisende, m., f. Person, die eine Reise (I) unternimmt bdv.: Reisemann (III) das kuͤnftig jeder reisende außer seinem gewoͤhnlichen reise-pa…

Reisender

Wander

reis·ender

Reisender 1. Ein Reisender braucht vier Säckel: den ersten mit Patienz, den andern mit Geld, den dritten mit Gesundheit, den vierten mit Gef…

reisenecessär

DWB

reisenecessär , n. kleines, zu einer reise notwendige geräthschaften enthaltendes kästchen.

reisener

DWB

reis·ener

reisener , m. caballus, sonipes, ein hengest oder reyszener. Trochus G 6 b . vgl. unten reisner.

reiseneuling

DWB

reise·neuling

reiseneuling , m. ein im reisen unerfahrener: forderte der notar nach art der reiseneulinge schnell einen trunk. J. Paul flegelj. 1, 97 .

Reisenfuhr

MeckWB

reisen·fuhr

Reisenfuhr Reis'- f. das Fahren einer Wagenladung zur Stadt: sine Reisenfuhr nah Demmin Reut. 2, 446; Reisenfuhren güngen üm (unter den Knec…

reisen II

RhWB

reisen II das Wort, mhd. rîsen entsprechend, ist im Mosfrk in Saarbg , Trier , WBitb u. an der uMos von Zell-Liesenich an (u. Goar-Mermuth )…

Reisenknecht

MeckWB

reisen·knecht

Reisenknecht m. Dienstbote, der oft die Stelle wechselt Wa; übertr. sich herumtreibendes Frauenzimmer Wa; Schnaps Ro Ribn .

Reisenmann

MeckWB

reisen·mann

Reisenmann m. jem., der gern reist: ick wir keinen Reisenmann (1895) Wa Jab .

reisenot

DWB

reise·not

reisenot , f. not, die man auf reisen zu ertragen hat.

reisenote

DWB

reise·note

reisenote , f. , mhd. reisenote eine marschweise, vgl. das mhd. wb. 2, 1, 418 a : si fidelten hô ein reisenot, diu tet mich vrô. Ulrich v. L…

Reisenotiz

GWB

reise·notiz

Reisenotiz Bindestrich- od Getrenntschr Aufzeichnung zu od im Zshg mit einer Reise; nur im Pl Reise Notizen [ der Exkursion in die Rhein-Mai…

reisenotwendigkeit

DWB

reisenot·wendigkeit

reisenotwendigkeit , f. 1) die notwendigkeit, eine reise zu unternehmen. 2) was zum reisen notwendig ist, reisebedürfnisse, gewöhnlich im pl…

Reisenpierd

MeckWB

reisen·pierd

Reisenpierd n. Pferd, das zu Stadtfahrten gebraucht wird: in Basedow ( Ma Bas ) wiren 16 Spann Reisenpir un 8 Spann Hakenpir Ma Liep ; vgl. …

Reisenschriwer

MeckWB

reisen·schriwer

Reisenschriwer m. Gutswirtschafter, der die Knechte bei Kornfuhren in die Stadt begleitet: de Reisenschriwer ut Ivenack Reut. 3, 428; in der…

Reisenspann

MeckWB

reisen·spann

Reisenspann n. Pferdegespann, das zu Reisenfuhren ( s. d. ) benutzt wird Sta Glienke , vgl. Reisenpierd ; Gegensatz: Hakenspann.

rêisent, nâch

MNWB

° ~rêisent, nâch-, inf., Aufsuchen , Besuch (Ub. Hildesh. 8, 671). —

Reisentour

MeckWB

reisen·tour

Reisentour f. Fahrt in die Stadt, z. B. mit dem Wullwagen: wenn wi Reisentouren maken deden Wi.

reisen als Zweitglied (30 von 77)

kirchenreisen?

KöblerMhd

*kirchenreisen? , V. nhd. eine Kirchenreise machen E.: s. kirche, resien W.: nhd. DW-

abreisen

DWB

abreisen , proficisci, mhd. reisen, proficisci: der gesandte reiset morgen ab von Berlin; über hals und kopf abreisen. auch, wie abgehn, abf…

afrêⁱsen

MNWB

afrêⁱsen , swv. , aufbrechen, fortziehen.

anpreisen

DWB

anpreisen , allaudare, franz. apprécier, nnl. aanprijzen: die waare anpreisen; ein oft angepriesenes mittel; sich als treuen, redlichen dien…

anreisen

DWB

anreisen , anlangen, ankommen, heran reisen, gegensatz von abreisen , Stieler 1589 : die allmählich angereisten abgeordneten. Dahlmann fr. r…

aufreisen

DWB

auf·reisen

aufreisen , scandere, surgere: nachdem Messias war zum vater aufgereist. Opitz 342 .

auspreisen

DWB

aus·preisen

auspreisen , plene laudare, vollpreisen, ausloben: gott kann keine menschliche zunge auspreisen.

ausreisen

DWB

aus·reisen

ausreisen , peregrinari, proficisci, abreisen, nnl. uitreizen ( eigentlich ausreisen, exire, aus der stadt, dem lande; abreisen, abire, von …

Bếchereisen

Adelung

becher·eisen

Das Bếchereisen , des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldschmieden, ein tragbarer Ambos, der aus einem Cylinder bestehet, dessen beyde Ende…

Begreisen

Wander

beg·reisen

Begreisen 1. Wat nich begrîst, begraut ôk nich. – Frischbier, II, 312. Begrauen = einwurzeln, feste Stellung einnehmen. 2. Worin einer begre…

bekreisen

DWB

bek·reisen

bekreisen , circumire, umkreisen: fette ochsen haben mich umbkreiset. Henisch 271 ; die jäger bekreisen das gehölz.

Benedictīner-Eisen

Adelung

benedictiner·eisen

Das Benedictīner-Eisen , des -s, plur. inus. ein ausgeschmiedetes Stabeisen, welches aus starken Stangen bestehet, und von einem Hammerwerke…

bereisen

DWB

bere·isen

bereisen , befallen, vom mhd. rîsen fallen: blümlein, mit süszem tau beriesen. Spee trutzn. 37 (39).

Bohreisen

Adelung

bohr·eisen

Das Bohreisen , des -s, plur. ut nom. sing. das Eisen eines Drill- oder Bogenbohrers; die Bohrspitze.

durchreisen

DWB

durch·reisen

durchreisen , 1 1. untrennbar, durchwandern, peragrare Henisch 774 . Stieler 1589 . niederl. doorreizen. vergl. durchfahren. welcher ein lan…

einbreisen

DWB

ein·breisen

einbreisen , nodis constringere. belege wurden schon 2, 356 beigebracht. Maaler führt es 123 b auf.

einkreisen

DWB

ein·kreisen

einkreisen , cogere, includere in circum, dän. indkredse: das wild einkreisen, das gebüsch umgehen, in dem es sich aufhält. mhd. în kreiʒen.…

einpreisen

DWB

ein·preisen

einpreisen , einschnüren, s. breisen und einbreisen: ein dutzet roter nestel dir, darmit soltu dein leib einpreisen. H. Sachs II. 4, 30 d ; …

entreisen

DWB

ent·reisen

entreisen , elabi, excidere, ahd. intrîsan ( Graff 2, 537 ), nnl. ontrijzen, praet. ontrees: wie im sîn wort wêre entrisen mit luge ûʒ aller…

ent|reisen

MWB

ent|reisen swV. ‘eine Schnur lösen’ (zur Übers. von afrz. descorder) oder ‘unbrauchbar machen’ (zu 1reisen ‘herrichten’): ich det machen ein…

envrêⁱsen

MNWB

envrêⁱsen , swv. , schrecken, s. ent-.

erreisen

DWB

erre·isen

erreisen , emetiri: ein land erreisen, itinere assequi.

ervreisen

Lexer

er-vreisen swv. in schrecken versetzen. daʒ leit mich ervreiset hât Wh. v. Öst. 17 a .

fenstereisen

DWB

fenster·eisen

fenstereisen , n. fensterstäbe, eisengitter vor dem fenster: ich sach ze einem vënster în, dâ von het ër dës tages schîn, daʒ was verîset al…

feuereisen

DWB

feuer·eisen

feuereisen , n. ignis suscitabulum, feuerstahl, fiurîsen. Diefenbach voc. 1470 p. 133: so ein funken fewr vom fewreisen fellt und trift den …

Ableitungen von reisen (4 von 4)

bereisen

DWB

bereisen , befallen, vom mhd. rîsen fallen: blümlein, mit süszem tau beriesen. Spee trutzn. 37 (39).

entreisen

DWB

entreisen , elabi, excidere, ahd. intrîsan ( Graff 2, 537 ), nnl. ontrijzen, praet. ontrees: wie im sîn wort wêre entrisen mit luge ûʒ aller…

erreisen

DWB

erreisen , emetiri: ein land erreisen, itinere assequi.

verreisen

DWB

verreisen , substant. infin. des vorigen: kamen wir gon Chamberg, dohin die Teutschen von Monpelier pflegen einander im verreisen das gleidt…