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rieth

nhd. bis sprichw. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Rieth

Bd. 3, Sp. 1115
Das Rieth, des -es, plur. die -e. Dimin. das Riethchen, ein in verschiedenen Bedeutungen übliches Wort, welche zwar zu verschiedenen nähern Stämmen gehören, aber am Ende doch aus einer und eben derselben Quelle herstammen. 1) Das Rohr, Schilfrohr, so wohl in Ober- als Nieder-Deutschland. Der Teich ist mit Rieth bewachsen, mit Rohr oder Schilf. Ein Haus mit Rieth decken. Spanisches Rieth, Spanisches Rohr; wo es auch individuell, folglich auch im Plural gebraucht werden kann, zwey Spanische Riethe. Im Nieders. Reit, Reet, Riet, im Engl. Reed, im Angels. Hreod, alle in der Bedeutung des Rohres. Da s und t beständig in einander übergehen, so gehören auch das Raus des Ulphilas, das Franz. Roseau, und mittlere Lat. Rausea, alle in der Bedeutung des Rohres, hierher, ja unser Rohr selbst ist davon nur im Endlaute verschieden. Schon Gellius nennt solche Bäume und Gesträuche, (arbores et virgulta) welche an den Ufern der Flüsse wachsen, Retas, wodurch er doch wohl zunächst das Rohr verstehen mag, weil retare bey ihm einen Fluß von Rohr reinigen ist, wenn dieses letztere nicht vielmehr unser reuten ist. Man siehet bald, daß der Begriff der Ausdehnung in die Länge, vielleicht auch der Beweglichkeit, hier am meisten hervorsticht, da denn dieses Wort als ein Abkömmling von reisen, reiten, in ihren weitesten Bedeutungen angesehen werden muß. In Boxhorns Glossen ist Ritta, culmus, ein Halm. In einigen Gegenden ist es in dieser Bedeutung männlichen Geschlechtes; der Ried (Rieth) lispelt, in der neuen Arria. 2) Bey den Tuchmachern und andern Arten der Weber wird der Kamm oder das so genannte Blatt, das Rieth genannt, entweder, weil es aus Rohr verfertiget[] wird, oder so wie das gleichbedeutende Blatt von dem veralteten Ret, dem Stammworte von Bret und breit, oder endlich auch wie Kamm, von reißen, Nieders. riten. 3) Ein Bach; eine nur in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, übliche Bedeutung, da es denn auch männlichen Geschlechtes ist, und in einigen andern Gegenden auch Rieß lautet; von riesen, ehedem für fließen, Griech. ῥεειν, S. Reisen, Anm. und Rieseln. 4) Ein Berg, und eine Reihe von Bergen, eine nur noch in einigen eigenthümlichen Benennungen übliche Bedeutung. In Österreich ist Rieth noch jetzt eine Weinbergsflur, nactus vincarum. Von riesen, riten, sich in die Höhe ausdehnen, daher ein Gebirge in einigen Gegenden auch das Rieß heißt, S. Riese. 5) Eine sumpfige, moorige Gegend, eine Bedeutung, welche in vielen Gegenden gangbar ist; in der Schweiz eine Riedachten. Der ganze mit Wald bewachsene niedrige Strich am Rheine heißt in Elsaß das Rieth, in welcher Bedeutung es auch in vielen eigenthümlichen Nahmen vorkommt, Dattenried im Sundgau u. s. f. S. Frischens Wörterbuch, v. Ried. Im Lappländischen ist Rete und im Ungarischen Ret eine Wiese. Selbst das Lat. Pratum scheinet hierher zu gehören, weil man bey allen mit einem Doppelbuchstaben anfangenden Wörtern, den ersten in der Etymologie als bloß zufällig ansehen muß. Rhätien hat entweder von diesen sumpfigen Gegenden, oder auch von seinen Bergen den Nahmen. S. auch viele der folgenden Zusammensetzungen. 6) In andern Provinzen hingegen, z. B. in Thüringen, wird eine unbebauete Gegend, welche nur zur Viehtrift gebraucht wird, wenn sie gleich hoch liegt, und nichts weniger als sumpfig ist, das Rieth genannt; so wie es auch Fälle gibt, wo es aus Reut verderbt ist, besonders in eigenthümlichen Nahmen; Neurieth für Neureut. Anm. Gemeiniglich schreibt man dieses Wort Ried. Allein die Aussprache, besonders in der Verlängerung des Wortes, ist Beweises genug, daß man es Rieth oder doch Riet schreiben müsse.
3619 Zeichen · 48 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rieth

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Das Rieth , des -es, plur. die -e. Dimin. das Riethchen, ein in verschiedenen Bedeutungen übliches Wort, welche zwar zu …

  2. Sprichwörter
    Rieth

    Wander (Sprichwörter)

    Rieth Up'n Rieth 1 is de Hunger nicht wîd. – Schmidt, Jubelschrift, 21. 1 ) Eine kleine pommersche Stadt am Haff.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rieth

13 Bildungen · 12 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

rieth‑ als Erstglied (12 von 12)

Riethanker

Adelung

rieth·anker

Der Riethanker , des -s, plur. ut nom. sing. in den Niederdeutschen Marschländern, ein mit Rieth oder Rohr bewachsener Anker, d. i. Deichufe…

Riethbinder

Adelung

rieth·binder

Der Riethbinder , des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher das Rieth oder Rohr abschneidet, und es zum Verkaufe in Bunde bindet.

Riethbirn

Adelung

rieth·birn

Die Riethbirn , plur. die -en, eine Art großer, langer Birnen, mit rauher Schale und von einem herben Geschmacke, welche daher nur zum Backe…

rietheige

KöblerMhd

rieth·eige

rietheige , st. M. nhd. „Riedreiher“ E.: s. heige W.: nhd. DW- L.: Lexer 439a (rietheige)

rietheiger

KöblerMhd

rieth·eiger

rietheiger , st. M. nhd. „Riedreiher“ E.: s. heige W.: nhd. DW- L.: Lexer 439a (rietheige)

Riethgras

Adelung

rieth·gras

Das Riethgras , des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -gräser. 1) Eigentlich ein jedes Gras, welches in Riethen, d. i. sumpfigen Ge…

Riethkamm

Adelung

rieth·kamm

Der Riethkamm , des -es, plur. die -kämme, bey verschiedenen Arten der Weber, ein viereckter, hölzerner Rahmen mit parallelen Sprossen von R…

Riethmen

Adelung

rieth·men

Die Riethmen , plur. die -n, eine Art Meisen, welche sich gern in Riethen, d. i. sumpfigen Gegenden, aufhält. S. Adelung Mohrmeise .

Riethschnêpfe

Adelung

rieth·schnepfe

Die Riethschnêpfe , plur. die -n, die größte Art unter den Wasserschnepfen, welche den Waldschnepfen an Größe und Farbe gleicht, nur daß sie…

riethöuwe

KöblerMhd

riet·höuwe

riethöuwe , st. N. nhd. Rodehacke?, Sumpfgras ÜG.: lat. (carectum) Gl, falcastrum Gl Q.: Gl (14. Jh.) E.: s. riet (1), höuwe W.: nhd. DW- L.…

rieth als Zweitglied (1 von 1)

Autenrieth

Herder

aut·en·rieth

Autenrieth (Joh. Heinrich Ferdinand von) wurde zu Stuttgart den 20. Okt. 1772 geboren. Nach Beendigung seines Studiums der Medizin und Natur…