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schleiszen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schleiszen verb.

Bd. 15, Sp. 615
schleiszen, verb. scindi, frangi, teri, scindere, frangere, terere, nach Weigand 2, 586 im intransitiven gebrauche stark, im transitiven schwach flectierend, von den meisten lexicographen des 17. und 18. jh. nur als stark angesetzt: schleisze, schlisz, geschlissen Schottel 594. Stieler 1838. Steinbach 2, 447. Frisch 2, 196b. Adelung verzeichnet neben der regelmäszigen starken flexion die schwache als landschaftlich ohne unterschied der bedeutung. im mhd. und ahd. sind deutlich zwei verschiedene verba zu scheiden, die im nhd. vermischt sind, ein starkes und ein davon abgeleitetes schwaches. das erstere lautet mhd. slîʒe, sleiʒ, sliʒʒen, gesliʒʒen, ahd. slîʒan, sleiʒ, sliʒʒun, gisliʒʒan Graff 6, 815. im goth. ist es zwar unbezeugt, doch wird es durch altnord. slîta, sleit, slitu, slitinn Cleasby-Vigfusson 568b (davon schwed. slita, n. slide), ags. slîtan, slât, sliton, sliten Bosworth-Toller 885a (davon engl. slit), altfries. slîta Richthofen 1037b, altsächs. slîtan, slêt, slitun, gislitan Heliand (davon mnd. nnd. slîten), holländ. slijten, sleet, gesleten als gemeingermanisch erwiesen. sichere bezüge auszerhalb des germanischen fehlen. vielleicht hat Adelungs vermutung eines etymologischen zusammenhangs mit lat. laedere berechtigung. auf das deutsche wort gehen zurück altfranz. esclier, zersplittern und mailänd. slisà, verschleiszen Diez4 574. gelegentlich begegnet übertritt in die flexion von schlieszen, so mundartlich im heutigen hessischen, wo der infinitiv beider verba gleich lautet: schlieszen, schlosz, geschlossen Vilmar 355. nach Adelung sagte man zu seiner zeit im hochdeutschen überhaupt fast häufiger schlosz, geschlossen als schlisz, geschliszen. auch der inf. schlieszen ist aus der älteren schriftsprache zu belegen: er muste seine lust mit rüben-schneiden büssen, und wenn der abend kam, die federn helffen schliessen. Picander 1, 285. das schwach flectierende schleiszen geht zurück auf mhd. sleiʒen, ahd. sleiʒan Graff 6, 817 und ist eine factitivbildung zum starken verbum. die verschiedenheit des stammvocals der beiden wörter, die in der nhd. schriftsprache aufgehoben ist, haben heutige mundarten noch gewahrt, so kennt die bair. schleiszen, das dem alten starken verbum entspricht und neben dort auch bei diesen verben üblicher schwacher noch starke flexion zeigt, und ein schwaches schlaiszen, das mhd. sleiʒen Schm.2 2, 534. diese bair. wörter stimmen zwar in der bedeutung nicht ganz überein, doch ist die von Weigand für die heutige schriftsprache versuchte scheidung von starker und schwacher flexion nach intransitivem und transitivem gebrauche weder dort noch irgendwo in der ganzen übersehbaren bedeutungsgeschichte des verbums im hochd. aufrecht zu erhalten. nur soviel läszt sich sagen, dasz im allgemeinen das schwach flectierende schleiszen nicht intransitiv gebraucht wird. das gleiche gilt von dem ebenfalls schwachen verbum schleitzen, das mit sicherheit erst aus dem ende des 14. jahrhunderts zu erweisen ist (durch die schreibung mit tz) Lexer mhd. handwb. 2, 971 (vgl. II, 1, d), dann im früheren nhd. begegnet Maaler 356a (vgl. II, 1, c) und sich mundartlich erhalten hat Schm.2 2, 540. Stalder 2, 328 (vgl. II, 1, d). es verhält sich bezüglich seiner affricata zu schleiszen wie beizen zu beiszen, heizen zu älterem heiʒen, reizen zu reiszen, weizen (triticum) zu älterem weiʒe und musz wie diese entweder als spätere neubildung oder als alte, nur früher durch die mangelhafte schreibung nicht von sleiʒan, sleiʒen zu unterscheidende nebenform zu diesem angesehen werden. vgl. gramm. 1, 412 und Paul in seinen und Braunes beitr. 7, 119 ff. auf die alte consonantenverdopplung vor j, die im letzteren falle hier vorliegen würde, die im allgemeinen jedoch nach langem vocal wieder aufgehoben ist, geht sicher die affricata der anderen, die tieftonige ablautsstufe zeigenden factitivbildung schlitzen zurück. häufiger als das simplex sind heute die composita verschleiszen, abschleiszen, zerschleiszen. II. intransitiv. I@11) bersten, reiszen, sich spalten, seinen zusammenhang lösen. so von steinen: an dem achten tage so slieʒen die velse und vallen die berge. Leyser pred. 61, 28; die steine michel unde starc zuspielden unde sliʒʒen. erlösung 4864 Bartsch. I@22) sich abnutzen, verbrauchen, verzehren, vergehen. I@2@aa) zunächst wol von zeug, das durch den gebrauch reiszt, den zusammenhang seiner fäden verliert, dann überhaupt von schäbigem, abgetragenem zeug: der grawe roc sol nit brechen noch slîʒen. Orendel 29. die kleider schleiszen allgemach, fangen an zu schleiszen. Adelung (als oberdeutsch bezeichnet); aarg. schlisse Hunziker 223; nd. de kleederen slyten dort t' draagen, vestes usu deteruntur. Wachter 1429; dat tüg slit im drägen, die kleider werden im tragen abgenützt. brem. wb. 4, 834. weiter auch vom abnützen, verbrauchen anderer dinge: nd. de schuppe is ganz weg sleten, die schaufel ist durch den vielen gebrauch ganz abgenützt, weggeschliffen. ebenda. wie in dieser wendung, so kann auch in dem nd. adjectivisch gebrauchten ausdruck halfsleten, halb abgenützt, das nicht mehr neu ist 837, besonders von zeug: hê hed 'n half slêten rok an ten Doornkaat Koolman 3, 205b, der verbalbegriff intransitiv oder passivisch gefaszt werden. vielleicht haben überhaupt verbindungen mit dem part. prät. den übergang des starken verbums in den transitiven gebrauch veranlaszt. sprichwörtlich: nd. as (wen) de wagen nich slêt un't perd nich frêt, (den) was't gôd fôrmann wesen. Frommanns zeitschrift 2, 389, 40. ten Doornkaat Koolman 3, 205b. I@2@bb) von der zeit, vergehen: ehe noch zehen jahre schleiszen. Adelung (als oberdeutsch bezeichnet). so auch von vorgängen, wie vergehen, zu ende gehen: ja ist mein nôt noch niht gesliʒʒen. Kaiserchron. bei Schm.2 2, 535; went dhe zît was dho gewant, daʒ dhe winther was anstande, dhes ryeten widher ze lande dhe vursten und sleyʒ dhe ritterscapht (der feldzug). deutsche chron. 5, 2, 525, 5303. I@33) wahrscheinlich durch auslassung des objects aus dem transitiven gebrauch entstandene bedeutungen. I@3@aa) einhauen, tapfer schmausen, in der form schlaitzen, vgl. II, 1, a und b: wend haben ain versotten huon, Elsässer lantwin und Prisgöuwer und schlaitzen, als wärind wir höwer! Badenfahrt guter gesellen in Bächtolds Manuel 410, 587. I@3@bb) bair. schlaiszen, im gehen den boden streifen, schleppend einhergehen Schm.2 2, 534. vgl. II, 3. I@3@cc) schweiz. schleiszen, schlyszen, auf dem eise gleiten, fahren Stalder 2, 327, wol eigentlich das eis abnutzen, abstreifen. vgl. II, 2, d und 3. IIII. transitiv. II@11) reiszen, spalten, trennen, den zusammenhang lösen. II@1@aa) wie zerreiszen, so vom zerreiszen des fleisches durch wilde thiere: ther uuolf slîʒʒit inti uuirpfit scâf. Tatian 133, 11 (Joh. 10, 12, trotz des lat. rapit wol in diesem sinne aufzufassen); mnd. (den leichnam eines räubers) werpt men buten Jherusalem, daer beesten undvogele sliten tvleesch. quelle bei Schiller-Lübben nachtr. 263b. vom zerfleischen der brust im schmerz: (im bilde) der Rheinstrom schleist die brust. P. Flemming 142. vom gewaltsamen zerreiszen des zeuges und ähnlicher dinge: thô ther hêrôsto thero heithaftôno sleiʒ sîn ginuuâti. Tat. 191, 1 (Matth. 26, 64); ni slîʒenmês sia (tunicam), oh lioʒêmês fon iru, uues siu sî. 203, 3 (Joh. 19, 24); inti mittiu siê (pisces) mihilê uuârun, nist gisliʒʒan thaʒ nezzi. 237, 3 (Joh. 21, 11, scissum est. intransitiv?); altsächs. thô balg ina the biscop,habda bittran hugi, wrêðida ina wið themu wordeendi is giwâdi slêt, brak for is breostun. Heliand 5101; in thiu unsih ouh ni rechen,thaʒ wir sa (thia tunicha) ni brechen, untar uns ni fliʒen,wir sulih werk sliʒen. Otfrid 4, 28, 14; ther ewarto zi notiinbran in heiʒmuati, joh sleiʒ er sin giwati. 29, 58. wie zerfleischen, zerreiszen in bildlicher verwendung: (der böse geist) zibrichit inan inti cûmo aruuîʒit slîʒanti (dilanians) eum. Tatian 92, 2. II@1@bb) wie zerspalten, so steine schleiszen, saxa diffindere Stieler 1838, nach Adelung oberdeutsch, hd. spalten: steinâ gisliʒanê uuârun. Tatian 209, 2 (Matth. 27, 51, scissae sunt. intransitiv?). holz schleiszen, scindere ligna Stieler 1838, kienholz, weiden Adelung; weinpfähle schleiszen quelle von 1618 bei Schm.2 2, 534; bair. hat's weder eingeschlagen und hat'n bam mitten vonenander gschlaiszt. ders. ebenda. der heute üblichen redensart nichts zu brechen und zu beiszen haben scheint die wendung zu entsprechen: er hat weder zu beiszen noch zu schleiszen. Eyring 2, 320; der hernachmahls nichts zu schleiszen noch zu beiszen hat. Salinde vorrede. wie brechen in bildlichem gebrauch: werdit thaʒ ouh ana wanofto in sambaʒdag gidan, zi thiu thaʒ si gifliʒen,thaʒ sin (Mosis) gibot ni sliʒen. Otfrid 3, 16, 38. II@1@cc) abreiszen, abtragen, von bauwerken: alts. thô gêngun thea gesîðôs tô, hôBun ina (den kranken) mit iro handun,endi uppan that hûs stigun, slitun thena seli oBana,endi ina mid sêlun lêtun an thena rakud innan. Heliand 2313; altfries. selt ieftha slit anich mon sin hus. quelle von 1327 bei Richthofen 342a, 1; mhd. do man daʒ hus anfieng schlîʒen. quelle bei Schmeller2 2, 535; gewunnen die Schnabelburg und schlaiʒtend und brauchent si nider uf den herd. quelle ebenda; mnd. unde oft on god hulpe, dat se de Nigenborch wunnen, de scholen se scliten unde daele breken. quelle von 1462 bei Schiller-Lübben 4, 244b; nhd. ist das der das land gleich als ein einodi gemachet und die stett geschleytzt hat. Züricher bibel von 1530 326b (Jes. 14, 17); sein eigen hausz schleyssen und abbrächen, aedes suas disturbare Maaler 356b, bei demselben auch so in der form schleitzen, zerstören, abbrächen. 356a; auff den grundboden schleitzen, aequare solo. ebenda; mit groszer arbeit schleitzen und hinrichten, remoliri. ebenda; von grund auf schleitzen, niderbrächen, schleyssen, tecta adaequare solo. ebenda; welche stett, schlösser und flecken, von natur jhrer gelegenheit für ein gewalt nicht zu bauwen weren, (soll der fürst bei einem feindlichen einfalle) sauber auffraumen, in die vesten führen, und an dem orth, daher er seines feindts zukunfft gegenwertig, vorab winters zeit, .. gar nider schleissen. Fronsperger kriegsb. 1, 176a; die Züricher huoben an ir läger schlyssen uff den selben freytag. Bullinger 2, 192; die burg uff den grund geschlissen. Tschudi 1, 240. nach Adelung ist häuser schleiszen oberdeutsch, hochdeutsch dafür schleifen; aarg. e mur schlisse, eine mauer abbrechen Hunziker 223; nd. dat hûs, de festung, de wal sal sleten worden. ten Doornkaat Koolman 3, 205b. ähnlich schepe sliten, alte schiffe von einander schlagen. brem. wb. 4, 835. freier dann auch auf länder als object bezogen und dem sinne von verheeren, verwüsten nahekommend: die so von dem schwebischen pundt zuo Costenz lagent, tattent uff ein mal ein nüwen anschlag in der meinung das ganz Thurgöw ze gewinnen ze schleitzen, das und anders bisz gen Zürich an die statt ze verbrennen. Etterlin (1752) 237. II@1@dd) abreiszen, abbrechen von etwas, so zweige von den bäumen: etteliche die sliʒʒin die zelge von den boumen. Schönbach pred. 168, 16. ähnlich abstreifen, abschälen, so die rinde von den bäumen und auch mit anderer auffassung des verbalbegriffs, bäume von der rinde befreien u. ähnl. excorcitare, schlaissen quelle bei Schm.2 2, 534. rinden schleiszen, die bäume abschälen, wie die gerber und schuster thun Frisch 2, 196b. Adelung bezeichnet diese verbindung als oberdeutsch für hd. schälen, abschälen; bei Stalder 2, 328 schleitzen: auch so sall er weren rinden slyssen, an eynem schuchart, der in der margk sytzet, der sall sye slyssen von stucken under synem knyehe, ader von tzimerholtz, das er ader sin nachburen gehauwen hetten tzu buwe, davon sall er sin ledder lowen, das er davon sinen nachburen schuwe gemache. weisth. 1, 499 (von 1338). ebenso: er begreif der linden einen ast, er sleiʒ ein louft (eine basthülle) drabe als ein rôr. Parz. 506, 12. einen baum, baumast schleiszen Schm.2 2, 534 (schweizerisch, schlaiszen oder schlaizen). Schöpf 615 (schlaissen): wer beyme sliesset in der heren von Elben gewelden an jren und der mergker wissen und wyllen, wen man den daruber betriddet, sail den boim uffspalden und dem den nabel dar zu thun, und umb den boym tryben, das er den boym mit synen dermen widderumb degke und cleyde. weisth. 1, 321 (von 1440, niederhessisch). so auch vom abschälen des hanfbastes: hanf schlaitzen quelle von 1399 bei Lexer mhd. handwb. 2, 971. Stalder 2, 328 (schleitzen). Schmeller2 2, 534 (schweiz. schlaiszen oder schlaitzen) und 540 (schlaitzen, schleizen). Karmarsch-Heeren3 7, 698 (schleiszen). schweiz. den balg, haut von den thieren schleitzen Stalder 2, 328 und thierleichen schlaiszen, schlaitzen, enthäuten, schinden Schm.2 2, 534. bair. einen darm schlaiszen, ihn ausstreifen, indem man ihn zur reinigung durch die pressenden finger u. s. w. zieht. ebenda. daher dort das darmschlaiszend, darmgeschlaisz, durchfall, wobei der darmschleim mit abgeht. ebenda. sehr verbreitet ist die verbindung federn schleiszen, deplumare Schottel 1400, deterere pennas, carpere pennas (de caule) Steinbach 2, 447, pennas deplumare, plumas disrumpere Wachter 1428; das weiche federwerk von dem härtern theil oder von dem kiel herabreiszen, und in die bette füllen, damit die kiele nicht durchstechen. Frisch 2, 196b. Adelung. Weinhold 84a, schlaiszen Schmeller2 2, 534, schleiszen 535, schlissen Jecht 96a, schlieszen Vilmar 355: die mädchen sollen (im januar) spinnen und federn schleiszen. Colerus calend. (1640) 5; bin ich das schön Dännerl im thal, schleusz federn. d. knaben wunderh. 2, 353 Boxberger. man unterscheidet geschlissene federn, pennae carptae, de caule detractae pennae Steinbach 2, 447, in einigen gegenden geschlossene Adelung. Vilmar 355 (vgl. das formale) und ungeschlissene, integrae Steinbach a. a. o.: drey pfund gensfedern sollen geschlissener ein pfund ausmachen. Schm.2 2, 535. in verbindung mit ab von federn, die der seitlichen theile beraubt sind: dar umb (den helm) von vedern was ein kranz .. die vedern wâren gesliʒen abe; dâr an gehangen rîchiu habe, von silber bleter harte vil. Ulr. v. Lichtenstein 170, 29. den pîps oder zîps schleiszen, die harte haut, die sich auf der zunge der hühner gebildet hat, abreiszen Weinhold 84a. anders erklärt: der henne ein ziep schleiszen, curare gallinam macie corruptam pinnulam per nares trajiciendo Steinbach 2, 447: wenn sie den hühnern ein ziep schleiszen, stecken sie ihnen eine feder durch die nase. 1094. elstern die zunge schleiszen, lösen: man musz ihnen (den elstern) die zunge schleissen oder lösen. Colerus hausb. (1640) 478; (im vergleich) da (im gespräch mit dem könig) musz wir von all unsern witzn unser zungen dermassen schlitzn, dasz sie fein höfflich können schwetzn, wie man sie schleist alster und hetzn. Ayrer 2608, 24. wie losreiszen, in bildlicher verwendung: schleisz den schalck aus dem herzen dein. A. Glaser phasma Frischlini (1593) 2, 3. II@1@ee) wie trennen in weiterem sinne, so mit bezug auf eine gemeinschaft von personen: mnd. were ok, dat unser eyn van dem anderen wolde unde de zelschup (handelscompagnie) sliten. quelle von 1426 bei Schiller-Lübben 4, 244b; een ding, gericht sliten, tumultuarisch aufheben, daher dingslete, f. brem. wb. 4, 835; de lowe ein dêl na sînem rechte, do he gehôrde dut gebrechte, lêp he unde wolde de hunde biten unde mit gewalt de jaget sliten. Gerh. v. Minden 16, 34. so auch vom streit, der ja ebenfalls als eine art verbindung, gemeinschaft aufgefaszt wird (vergl. handgemein werden), wie scheiden, schlichten, sühnen: mnd. unde hir up so schal allerleye twydracht .. gesleten unde gesonet sin. quelle von 1427 bei Schiller-Lübben 4, 245b; unde hir mede schall alle unwille ... ghelegert unde sleten wesen tho eneme gantzen ende. quelle ebenda; alle saken scholen binnen soss wekenen in fruntschop edder rechte gesleten unde gerichtet werden. quelle von 1456 246a. mit persönlichem object, wie versöhnen: mnd. konyng C. unde andere heren sleten de Luneborgher unde de prelaten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245b. weiter wie sich trennen von, mit sächlichem, örtlichem object wie verlassen, von Adelung als oberdeutsch bezeichnet: daʒ er daʒ lant muoste slîʒen. Ottokar reimchron. 9069 Seemüller. mit persönlichem object, zunächst auch in örtlichem sinne enen sliten, wegschaffen: mnd. anders (wenn du nicht so predigst wie wir) wolden wy dy geringe (sofort) slyten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245b; nnd. enen vam gode sliten, einen mit guter manier vom gute wegschaffen. Dähnert 430b; freier in Lippe 'n minsken schluiten, durch unvollkommene leistungen in güte loszuwerden suchen Frommanns zeitschr. 6, 479. II@22) abnutzen, verbrauchen, verzehren, zu ende bringen. II@2@aa) wie abnutzen, verbrauchen (mit vast reyben verzeeren, exterere Maaler 356b), zunächst wol von zeug und ähnlichem, was durch den gebrauch zerreiszt: nd. vortmer beschede ick den vormundern desses testamentes ein gut ypers laken, umme miner leve willen tu slitende. quelle von 1389 bei Schiller-Lübben 4, 245d; hê slitt föl klêr (kleider), boken (bücher). ten Doornkaat Koolman 3, 205b; von ihm bei meiner weiszen heerd, bei meinen schaf und geiszen, ich oft und oft nu spielen werd und manche saiten schleiszen. Spee trutzn. 151, 100 Balke. ähnlich von zeug, das durch schleifen am erdboden abgescheuert wird: gezwinglîchen balde rispent unde rifelnt iuwer swenze (schleppen), die wir tâlanc sunder lougen ûf dem wasen slîʒen. Haupts Neidhart xix, 6. dann wie verbrauchen in allgemeinerer verwendung: nd. hê hed sîn botter nêt all' sleten. ten Doornkaat Koolman 3, 197b; schönes fräwlein, stimm der wälden, wolberedte nachtigal, nit von waffen, noch von helden singend, schleisse deinen schall. Spee trutzn. (1649) 282 (freier, mit auslassung von singend in der ausgabe von 1634: schleisze deinen sommerschall. 202, 12 Balke). sprichwörtlich: nd. sine möle slit allerhand water, er iszt und trinkt alles weg was ihm vorkommt. brem. wb. 4, 834. II@2@bb) von geld wie verbrauchen, ausgeben: mnd. we de krossen (groschen) hedde, dede nicht 3 brunswikesche pennigk gewerdt sin, de mach se sliten unde uthgeven vor twey pennigk. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245a. II@2@cc) von sachen rechtlich wie im nieszbrauch haben: wann dann vor der burger- und landschafft vill klegnussen bis dato der schleyssgüteren innssgemein wegen fürkommen, insonderheit dasz etlicke die fahrnusz von leinwath, bettgewandt und hauszrath dergestalten geschlyssen, dasz zu zeiten desfahlsz denjenigen, so des schlysses erb gewesen, gantz schlecht und zerbrochen die geschlyssene fahrnusz an die hand gegeben worden; ist deszwegen vor das khünfftig statuirt und geordnet, dasz fürohin leinwath, fäder oder bethgewandt, allerley metalline und holtzine kuchen-geschirn, hauszrath, schreinerwerkh, wie dasz alles namen haben mag, .. nit mer sollent geschlissen, sondersz in zutragenden erbfaehlen insgemein den rechten natürlichen erben zugestelt werden. quelle von 1636 bei Scherz-Oberlin 1416. II@2@dd) von waare, durch den verkauf allmählich aufzehren, verkaufen, besonders im kleinen verkaufen: nd. dat andere (gut) .. brochte he vor den Kyl unde wolde dat dar slyten, mer de raed verboet den borgheren, dat nement van dem gude kopen scholde. quelle bei Schiller - Lübben 4, 246a; dat mogen se sliten unde vorkopen uth der eynen hant in de anderen. quelle von 1462 ebenda; hê kan sîn ware nêt slîten. ten Doornkaat Koolman 3, 205b. von getränken wie verzapfen: van alle wynen, de gesleten ofte gedroncken scholen werden, schal men geven de twintichste mate van accyse. quelle bei Schiller - Lübben 3, 246a. ebenso, mit auslassung des objects: so sall dey richter .. dem ungehorsamen (der ohne erlaubnis fremde getränke verschänkt) dan syne doer jar und dagh thoschlaen, dat hey nit schlyten off tappen solde, et geschege dan mit consent und willen mynes gn. herrn. weisth. 3, 36 (von 1513). freier wie absetzen in der folgenden scherzhaften wendung und so sich dem unter 1, e erwähnten gebrauche nähernd: hê hed sîn söfen dochters noch al gau slêten. ten Doornkaat Koolman 3, 205b. das heute in solcher verwendung üblichere verschleiszen wird auch mit tadelndem nebensinne wie verschleudern gebraucht. II@2@ee) es heiszt mhd. smerzen slîʒen, verzehren, mit auslassung des objectes den lîp: ich hân vernomen von wîsen daʒ deheiner slahte wîʒe unsenfteclîcher slîʒe dan die tougenen smerzen die nîdes vollen herzen tuot diu bitter [nîdes] galle. Flore 7936. die wendung den lîp slîʒen gewinnt dann die bedeutung 'sich sehr mühen': ich han scleszen mynen lib noch ercztige (arzenei) manig jar. Mone altd. schausp. 135, 884. ähnlich wird das wort in einem nd. sprichwort vom menschen gebraucht: êr de minsk kumt to't wêten, is he half slêten, aufgebraucht, abgenutzt. ten Doornkaat Koolman 3, 197b. hier ist auch eine intransitive auffassung des verbalbegriffs möglich; vgl. I, 2, a. freier mit persönlichem object enen sliten, verbrauchen wie er ist, nachsicht, geduld mit ihm haben, ihn glimpflich behandeln: nd. alle böszheyt begeyt he (der im märz geboren ist) myt gewalt, me mot ene slyten unde aversehen umme syner bösen natur willen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245b; de syne hasticheyt vordreghen konen unde ene myt den besten slyten, de wert he leff hebbende. quelle ebenda; bose lude lyt unde slyt. quelle ebenda. sich dem unter 1, d erwähnten gebrauche nähernd: ik will seen, dat ik em mit leve slite, ich will mich bemühen, dasz ich durch nachgeben in güte von ihm loskomme. brem. wb. 4, 836. statt des persönlichen objects erscheint in solcher anwendung auch sede, sitte, charakter: hebbe vrede in dynem herten unde myt dy sulven unde ok mit anderen luden, wor du kanst, unde slit aller lude sede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245a. so dann weiter von sachen allgemein: in guder gedult schliten und hengen laten umb alles besten, rast und vrede willen. quelle ebenda (oder hier intransitiv wie nd. slüren laten, hingehen lassen, lassen, wie es ist). II@2@ff) von der zeit, verbringen, hinbringen, auch mit tadelndem nebensinne wie vergeuden: mnd. dar doch mennich bederve man edder erlike vrouwe eren gaden nicht umme mydet un sliten ere tid to samende. quelle bei Schiller-Lübben 4, 245a; wann de veer weken ghesleten sindt. quelle von 1386 ebenda; hd. (Ulenspiegel) gedacht wie er sich wolt in ein closter ergeben, mit seiner armuot, und sein zeit vol schleiszen. Eulenspiegel 137 (89. hist.) neudruck; das er sein junge tag also lang in der kirchen hat müssen schliessen. Galmy 66a; nnd. he weet sine tied nig beter to sliten. brem. wb. 4, 836; he slitt sîn tîd bî't kârten-splen. ten Doornkaat Koolman 3, 205b; sy schlissen wunneclich ir zitt. K. v. Stoffeln Gauriel v. Montavel in Pfeiffers übungsb. 98, 560 (hs. d. 15. jh.); sô müest maneger munder werden, der sus die sîne tage mit grôʒen schanden slîʒet. Frauenlob 93, 12; wie si trûric unde geil hie ir tage slîʒent. H. v. Langenstein Mart. 126c, 65; mnd. alsus hebbe ik vuste in sorgen gesletten mine tît. des dodes danz 1132; man schleyst die zeit nur mitt. Thurneisser archidoxa (1575) 120a; ich in weinen, ich in peinen schleisze nacht und tageszeit. Spee trutzn. 202, 138 Balke. das leben schleiszen: die todten seind die torechten, unweisen menschen, die ohn alle weisheit und un (l. ohn) erleuchtende vernunft jr leben schleissen. der alten weisen exempel (1565) 8b; disiu reine junge diu saʒ in zwîvelunge wie si ir leben sliʒʒe daʒ man ir niht verwiʒʒe. gute frau 177; dâ von dû, frouwe reine, lâ disen rât belîben, daʒ ich iht unter wîben mîn vrîeʒ leben sliʒʒe (: fliʒʒe). K. v. Würzburg troj. krieg 14533; ja enweistu ob er slîʒenwelle mit dir sîn werdeʒ leben. Wolfdietrich D 7, 208, 4; ach werde fraw von Osterreich, bitten für mich also fleisziklich dasz man mich lasz einmauern! so will ich schleiszen mein leben so saure. Uhland volksl.2 268 (nr. 137), 14. in anderer bedeutung mhd. eines leben unz an ein ende slîʒen, zu ende bringen, ihn tödten: ich wil ir leben sliʒin vil gar untz an ein ende. H. v. Langenstein Martina 7b, 42. II@33) in der bedeutung 'abnutzen' wurzelt die verbindung einen weg, eine strasze schleiszen, gehen, nehmen, vergl. das lat. viam terere: ich aller ort und plätzen dem jüngling streiche nach, ach wolltet ihr nur schwätzen, wen weg er schleiszen mag ..? Spee trutzn. 35, 52 Balke; er doch schleiszet seine straszen, merkt nit, was man wendet ein, er das thierlein (schäflein) will nit lassen, lauft bei sonn- und monetschein. 173, 93; bleibet immer, scheidet nimmer, schleiszet allweg diese strasz! 222, 191. IIIIII. reflexiv. III@11) sich spalten, seinen zusammenhang lösen. III@1@aa) sich spalten, abspalten, sinnlich, mit sächlichem subject: von schivern und von sprîʒen huop sich dô michel stieben, die slîʒen unde clieben begunden sich von scheften. K. v. Würzburg troj. krieg 40162. III@1@bb) sich trennen, von personen: dô sich der hof sleiʒ, bischolf Wernhart geleites gerte. Ottokar reimchron. 13172 Seemüller. von einem, loskommen, sich losmachen: mnd. he (de vrome man) slite sick van ome (dem schalke), eer he van des schalkes weyghen kome to schanden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 246a; das vorwenden geschach alles, das sie sich wolten mit glimpff von den wilden schleissen. Staden N 3. mit verinnerlichung der beziehung: item sal der bussenmeister vor die rechenmeister komen und sich von ine slîʒen (durch rechnungsablage). quelle von 1442 bei Lexer mhd. handwb. 2, 985. mit einem, sich abfinden, vereinigen, versöhnen: nd. konde he sick mit ehr nicht schlitenn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 246b; sik mit de herrschop sliten. Dähnert 430b. III@22) sich abnutzen, verbrauchen, zu ende gehen. III@2@aa) zunächst von zeug, dann allgemeiner, bair. Schm.2 2, 534, vielleicht auch in folgender stelle: (im bilde) Sente Mertins mantel der sliszt sich sere, unnd kann sich brechens nicht erwere. K. Stolle Erf. chron. in Haupts zeitschr. 8, 317. dem intransitiven gebrauche grammatisch näher stehend, mit unbestimmtem subject, wie bei allen intransitiven verben gesagt werden kann: nd. dat slitt sikk wat weg, es nützt sich vieles ab. Dähnert 430b. III@2@bb) von der zeit, vergehen, verlaufen, zu ende gehen: mnd. dar mede slet sick do de dach. quelle bei Schiller-Lübben 4, 246b; doch hâst dû niht gemeʒʒen eben, wie ungelîch ir beider leben sich slîʒet unde ouch endet. Heinzel. v. Constanz 108, 229. wie vergehen in anderer, sinnlicher anwendung: mnd. (Noah:) ek sê, dat water heft sek gesletten. sündenfall 58, 1825 Schönemann. IVIV. substantivierter infinitiv, discidium, sectio, fissio, scissio, fissura, putatio. Stieler 1838, vgl. I, 1 und II, 1. das schleiszen, carptus Steinbach 2, 447, vgl. II, 1, d. nd. de kolde, de krankheit is in't sliten, im abschleiszen, abnehmen. vgl. I, 2, b und II, 2, f.
26990 Zeichen · 480 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schleiszenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    schleiszen , verb. scindi, frangi, teri, scindere, frangere, terere, nach Weigand 2, 586 im intransitiven gebrauche star…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleiszen

13 Bildungen · 10 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schleiszen 2 Komponenten

schlei+s+zen

schleiszen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schleiszen‑ als Erstglied (10 von 10)

schleiszenmachen

DWB

schleisz·enmachen

schleiszenmachen , n. herstellung von leuchtspänen, nach schleisze 2, a, in der form schleuszenmachen: alldieweil das schleuszenmachen in ga…

schleiszenmoder

DWB

schleiszen·moder

schleiszenmoder , m. name eines pilzes, der sich an holz ( wol besonders an gespaltenem, schleissen, s. schleisze 2, a ) bildet, coremium. O…

schleiszenschnitzer

DWB

schleiszen·schnitzer

schleiszenschnitzer , m. eigentlich der schleiszen schnitzt, dann bezeichnung eines eisernen werkzeugs zum schnitzen von schleiszen, leuchts…

schleiszenstamm

DWB

schleiszen·stamm

schleiszenstamm , m. baumstamm, der zu schleiszen, leuchtspänen ( s. dieses 2, a ) gebraucht wird. öcon. lex. (1744) 2600. Adelung. in der f…

schleiszenstock

DWB

schleiszen·stock

schleiszenstock , m. stock, der als halter für die schleisze, den leuchtspan ( s. dieses 2, a ) dient. Frisch 2, 196 b . Adelung.

schleiszentrümmel

DWB

schleiszen·truemmel

schleiszentrümmel , m.? n.?, schles. schlêssatrîmla, der glühende aschenabfall der schleiszen, leuchtspäne Weinhold 84 a , vgl. schleisze 2,…

Ableitungen von schleiszen (3 von 3)

erschleiszen

DWB

erschleiszen , findere, scindere, federn erschleiszen, schleiszen. ags. âslîtan.

verschleiszen

DWB

verschleiszen , verb. sich aufreiben, abnützen, mhd. verslîʒen, ahd. farslîʒan Graff 6, 816 , ags. forslîtan, mnd. vorslîten, alts. farslîta…

zerschleiszen

DWB

zerschleiszen , verb. , zu schleiszen ( th. 9, 615), wie dieses aus einem starken ahd. und mhd. verbum (zaslîzan Graff 6, 817 , mhd. zerslîz…