ziemlich,
adj. und adv. ahd. zimilîh
decens, honestus (Graff 5, 662)
und mhd. zimelîch, zimlîch (
mhd. wb. 3, 889
b; Lexer 3, 1119)
ist wenig üblich; die blütezeit meidet das wort gänzlich; das trifft in noch stärkerem masze auch für geziemlich (
s. teil 4, 1, 4, 7076)
zu. mnd. entspricht temelik,
mndld. temelijc,
dagegen gehört mndld. tamelijc,
das allein ins nndld. übergeht, zur stufe *tām-,
der got. gatemiba
geziemend, ahd. gizâmi,
mhd. gezæme
geziemend, angemessen, wohlanständig sowie mnd., mndld. betâme
geziemend, betâmen
passen und mndld. ghetâme, ghetâmen
entsprieszen. wie mndld. tamelijc
vom verbstamm tām-
abgeleitet ist, so
ahd. zimilîh
vom stamm des verbums zëman;
das -i-
des stammes ist durch den fugenvokal bedingt. die mhd. kürze des vokals hält sich recht lange; letzte sichere beispiele sind etwa zimmlich Zwingli
d. schr. 1, 283; H. Sachs 19, 122
K.-G.; Wickram 6, 4
B.; Moscherosch
ges. Philand. v. Sittew. (1650) 1, 141; Fischart
Garg. 398
ndr.; Schill
teutsch. sprache ehrenkranz 45; zymmlich Lindener
rastbüchl. 51
L.; ja zimmlich
schreibt regelmäszig noch Schubart,
vgl. dessen br. 1, 85; 102,
wie kürze auch noch aus der heutigen oberschwäb. und elsäss. ma. bezeugt ist; H. Fischer 6, 1206
meldet kürze neben länge, doch auch der Brandenburger Tieck
läszt gelegentlich zimmlich (
schr. 15, 307)
zu. ebenso beweist die schreibung zimblich
bei Conr. Dietz
annal. (1621) 314
und A. a
s. Clara
Judas 1, 20
kürze; das tut wohl sicher auch die bis gegen ende des 18.
jahrh. in oberdeutschen schriften begegnende schreibung zimlich;
für Luther
und Alberus
ist kürze gesichert; Schottel
schreibt zimlich, Kramer
teutsch-it. 2, 1462
c ziemlich
und zimlich, Frisch 2, 476
b und Weitenauer
orth. wb. (1764) 167
scheiden gar zimmlich (zimlich Weitenauer)
mittelmäszig von ziemlich
geziemend; Adelung
entscheidet sich für ziemlich.
anderseits gibt es auch frühe belege für länge des stammvokals, vgl.: cziemlich
d. heil. leb. summerteil (1472) 8
b; zihmlich Weckherlin
ged. 2, 318
F.; ziemlich Hulsius (1618) 2, 12
a; ziemblich Zehner
nomencl. (1645) 371; Fleming
d. ged. 1, 86
L.; Schwabe
tintenfäszl (1745) 17.
vom zweisilbigen stamm halten sich spuren über die mhd. zeit hinaus, vgl. mhd.: zymmelichen (1350)
hess. urkb. I 2, 573; zimmelich Tauler
pred. 85
V.; Diefenbach
gl. 227
b,
öft.; nhd.: tzymmillich H. v. Cronberg
schr. 44
ndr. und im mfränk., vgl. zimmelich Christa
Trier. wb. 224
a;
lux. wb. 504
b.
md. und nd. tonsenkung erzeugt -e-
in offener silbe: zemelich Diefenbach
gl. 167
b;
c; 327
c; 328
a; 611
c;
n. gl. 381
a; (1347)
hess. urkb. I 2, 556.;
Alsfeld. passionssp. 6540
Gr.; md. auch in geschlossener silbe: zemlich (
mitte 15.
jahrh.) Joh. Wolff
beichtbüchl. 4
Batt.; zemblich (1518)
lehensurk. Schles. 1, 264; zemlich (16.
jahrh.) Bauer-Collitz 184; Rovenhagen
Aachen. wb. 167;
jüngeres nd. führt teilweise zu temelk: A. Rulmann
klingged. 21
L., öft.; ostfries.; altmärk. heute ist die heimische wortform im nd. meist durch die hd. verdrängt. das nd. und md. sind dem worte im ganzen wenig geneigt. Luther
gebraucht es verhältnismäszig wenig und meidet es in der bibelübersetzung völlig, während es im obd. im 14.
und 15.
jahrh. eine grosze rolle spielt und sich auch im 16.
noch gut behauptet. den obd.-md. (
nhd.)
gegensatz in der wortwahl beleuchten Luther
s abweichungen gegenüber den etwa 15 ziemlich-
belegen der ersten deutschen bibel; er setzt an ihrer stelle die ausdrücke bequem, ehrlich, füglich, gelegen, geschickt, mäszig, recht, tüchtig
und umschreibende wendungen (
s. u.)
für lat. aptus, honestus, opportunus, idoneus ein. seine wendung es taug nicht (
Matth. 27, 6)
gibt das neue Zürcher testament von 1525
durch es ist nit zimmlich
wieder. als synonyme treten glimpflich, gebührlich, füglich, billig, ehrbar
auf, in jüngerem gebrauch eher leidlich, gehörig, tüchtig, ordentlich.
in der bedeutungsgeschichte lassen sich drei abschnitte erkennen, im ersten gilt der wortbegriff voll, im zweiten in einem mittleren oder geringeren grade, und im dritten steigt der bedeutungswert wieder über mittel. II.
der volle begriffswert drückt sich in einer inneren übereinstimmung aus, das gleichgewicht in einem doppelseitigen verhältnis ist ungestört. die späteren glossatoren übersetzen daher treffend mit congruus, congruere, conveniens, vgl. Diefenbach
n. gl. 108
b;
gl. 142
c; 148
c;
gemma gemm. 1508) f 4
a; f 2
c; Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. 74; 79;
zusammenfassend: decens, decorus, consonus, consentaneus, aptus, dignus, honestus, fas Stieler 2646. I@11)
göttliche, rechtliche und soziale ordnung wird als ziemlich
bezeichnet; ihr kennzeichen ist die angemessenheit auf beiden seiten. I@1@aa)
von seiten des übergeordneten wird ein planvolles und gerechtes verhalten erwartet: da von was daz zimelich, daz si din muoter solte sin David v. Augsburg
in zs. f. d. alt. 9, 32; von eim solchen man war es fglich und zimlich, dasz Samuel, ein fürst und prophet in Israel, geboren würde Chr. Bruno
de offic. mariti (1566) 49
b; uns ist nicht czymlich noch fugelich, das wir dem ... bischof zu Bresslow ... in sein ... lande ... greifen und in doran swechen (1413)
lehensurk. Schles. 1, 361; dieses ist geredt von zimlichen regenten, nicht von den öffentlichen bluthunden und tyrannen Melanchthon
hauptart. christl. lehre 503
in corp. doctr. christ. (1560); so wellen wir ... sie ouch vortadingen vor die unsern, also huoch das czemlich und geborlich ist
lehensurk. Schles. 1, 100; was auch unser hofmeister und marschalkh auf unser bevelh oder amptshalber in ziemlichen sachen schaffen, gepieten oder verpieten (
meckl. 1524) Kern
hoford. 1, 187; wie den königen alles, was sie mit gewalt thun würden, zimlich und wolgethan were Lorichius
pädag. princip. (1595) 63; er hat yhm nicht lassen benügen an dem billichen und zymlichen einkomen von land und leuten, sondern hat auf sie gelegt steurgelt, baugelt, hie geschetzt und da geschetzt, mit mancherley aufsetzen Luther 19, 407
W.; wir wöllen auch in sölchen erbarn und zimmlichen sachen der bittung nit erwarten J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 72; straff, di mit zymmlichen und nit scharpfen worten bschegen 77; drumb laszt uns mit im zimlich faren, ein solche ruhe straaff ersparen H. R. Manuel
weinspiel 3644
ndr.; so ist es auch zimlich und sted ewirm adel wol an Erh. Grosz
Grisardis 5
Str. gern, wie schon ob., mit dem persönlichen dativ: warumb solt mir das selbig recht minder zimlich sein, das dir zimlich ist? Boltz
Terenz 105
a. I@1@bb)
als religiöse oder sittliche, als rechtliche und gesellschaftliche oder soziale forderung und regel, angemessen, geziemend, gebührend, recht und billig, zuständig, ordentlich, höflich, bescheiden. belege: ir smacheit unde ir ungelimpf unde ouch ir nitlichen schimpf enphienc iezu di reine in dugentlicher meine, in ziemelicher witze
leb. d. heil. Elisabeth 6345; umb zimlich essen und getrank (
sakrament) Oswald v. Wolkenstein 52, 6
Sch.; ist es zymlich und billich, auch seliclich, das du dich deyner sunden mit warer reu ... entladest Steinhausen
privatbr. d. ma. 1, 321; so ist ez zimlich und sere nütze, daz man vor (
dem abendmahl) bihte meister Eckhart in:
d. myst. 2, 568
Pf.; tief nachvorschen sachen, die ja doch nit zimlich und begreiflich mügen sein on bung der tugent Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) C 5; das die ererbietung der heiligen bild zimlich wer G. Alt
buch d. chron. (1493) 163
a; solches wäre nach der schrift nicht ziemlich noch zulässig Er. Francisci
hoh. trauersaal 1, 467; wann alle dinge werden gethan under euch zymlich und nach ordnungen (
honeste et secundum ordinem; ehrlich und ordentlich Luther)
1. Kor. 14, 40
erste dt. bib. 2, 100; ietlichs mensch mag sich gebrauchen aller zimlichen fryheit und trost uff erden Eberlin v. Günzburg 1, 105
ndr.; auf das ich das wort, ampt und werck, das ich von got habe, tzymlich preysze Luther 10, 2, 106
W.; wie weit saltu gehorsam seyn? in allen tzymlichen sachen
zwei ältest. katechism. 25
ndr.; dasz du Jhesum von dem crucz nemmest schier und begrabest en irlich, also recht ist und zemelich
Alsfeld. passionsspiel 6540
Gr.; zimlich die todten beweinen ist nit unrecht Wickram 4, 144
B.; als sie sahe, dasz er todt war, ward sie zimlich weynen
buch d. liebe 80
d; J. Ayrer 3, 1764
K.; altertümlich ebenso bei E.
M. Arndt 6, 104
R.-M. —
fas Diefenbach
gl. 226
b;
fastus 227
b;
par zimlich, geburlich, einhellig 411
b;
fas n. gl. 167
b; men sal enen yuweliken anspreken vor synen temeliken (
ordentlichen) richter, daer he under gheseten is
bei Schiller-Lübben 4, 525
b; im die ... auf sein zimliche quittantz uberantworten (1492)
bei H. Fischer 6, 1206; von verleihung eines guts zu ziemlichen gebrauch, im latein commodatum genandt: liehe jemand dem andern sein pferd, kleid, bett ... und derjenige, dem es also geliehen wäre, verkaufte, verschenkte, verspielete oder verbrächte solches in andere wege, so soll der eigenthum daran seinem herrn unverrückt bleiben
Lüneburg. stadtrecht v. 1722
s. 46; wasz recht und zimlich ist, das gibe ich eüch Tauler
sermon. (1508) 25
a; bey zymlichen und pillichen rechten beleyben
urk. z. gesch. d. schwäb. bund. 16
Kl.; er erbote sich gegen dem bobest mügelicher und zimelicher dinge (
Straszb.)
städtechron. 8, 69; was sich ... nach zimlichen und billichen dingen geburt zu thun
chron. v. Bamberg 1, 158
Chr.; diese formel begegnet häufig, vgl.: (
salzburgisch 17.
jahrh.)
österr. weist. 1, 76; nach gleichen und zimplichen dingen (1517) Lori
bair. bergrecht 158;
archaisierend: sollen dem kaiser in allen ziemlichen und billigen dingen untergeben seyn Eichhorn
staats- u. rechtsgesch.3 2, 287; es soll aber ein gegklich mensch ... sinem rechten herren ... glimpflicher und zimlicher diensten gehorsam sin Tschudi
chron. helv. 1, 276;
im anschlusz an geziemen
und ziemen
erneuert sich der alte wortsinn in jüngstem sprachgebrauch: einen vertrag, wie er in so zweifelhafter sache ziemlich war G. Freytag
bild.8 1, 448; und ob ... mit ihr (
einer als hexe verklagten frau) ziemlich ist verfahren worden Grässe
sagenb. d. preusz. staates 1, 175. die gezeug warn nit zimlich (
convenientia testimonia non erant; stimmete nicht uberein Luther)
Mark. 14, 56
erste dt. bib. 1, 181; solh sein bitt (
haben) wir fur zemblich angesehen (1518)
lehensurk. Schles. 1, 264; G. Franz
bauernkr., aktenbd 105; wes ine ... zimlichs und billichs frondinst uffgelegt wurd, darin wolten sie gerne willig sin (1475) 3; wie woll derselb zinskauf ... ist bestetiget als eyn zymlicher und zugelassener handel Luther 6, 51
W.; uf beder partei ziemlicher koste und scheden
weist. 6, 85; soll solcher gerichtskostung und atzung halb zimliche und gleichmeszige ordnung machen
Karolina art. 204;
als zeugnis älteren sprachgebrauchs: nothdürftiges und ziemliches essen Adelung
2 4, 1711. —
decens Diefenbach
gl. 167
b;
c; 189
c;
facetus n. gl. 164
b;
modestus bescheiden, züchtig, still, zimlich Frisius 830
a;
temperans mäszig, zimlich, züchtig, behuotsam 1293
b;
verecundus züchtig, zimlich, nit zuo gäch, behuotsam, bescheyden 1362
a;
modeste, moderate, modice ..., leniter ..., abstinenter, temperate zimlich, mesziglich Alberus
n. dict. gen. hh 1
b; nu sit ir kúnegis wol gewert, als iuwir herce hat gegert. dem dienent, das ist zimelich! Rudolf v. Ems
weltchronik 23 075;
ders., gut. Gerh. 6568; als man siht, daz sich etewenne ein gebûre ûzer eime dorf schamet, daz er izzet, sô er ob eins herren tische sitzet, und ist ein zimelîch ding und ein nôtdurft Nikolaus v. Straszburg in:
d. myst. 1, 262
Pf.; ez ist ouch zimlich unde reht, daz du solt ein gemahel han
ritter v. Staufenberg 654
Schr.; alszdenn solten nit vil durcheinander reden, sonder in zymlicher ordnung, ainer nach dem andern sein guotbedunckhen sagen Berthold v. Chiemsee 53
R.; auf das tzymlich ehr, tzucht und ordnung gehalten werde Luther 8, 497
W.; und der allmechtig gott erhort sin zimliche bitt, und sin husfrow Demuot ward swanger
Stretl. chron. 12
Bächtold; den herrn niemand das zimlich spielen verargen mag Lorichius
pädag. princip. (1595) 282; dein lachen soll zimlich sein Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) F 3
a; S. Franck
sprichw. (1545) 1, 26
b; zimlich geselschaft Eberlin v. Günzburg 1, 19
ndr.; (
gott) nit verbüt, dasz man die lebendigen nit sölte zimmlicher eererbietung eeren Zwingli
d. schr. 1, 283; glucks gewünschet mit diemütigen und zymlichen worten (
Nürnb. 1440)
städtechron. 3, 354; myn volk dat is temelik unde hovesch Korner
bei Schiller-Lübben 4, 526
a; wart schentlich und nit mit zimlicher ere begraben (
Nürnb.)
städtechron. 3, 177; von lecherlichen fastnachtspielen, ... doch alle unzucht auszgeschlossen, allein zu zimlicher freud ... den schwermütigen ... hertzen H. Sachs 9, 1
K.; zimliche freud schad nicht Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, N nn 6
a; zuo guoter ärbet bis nit träg, gewinnen guot, suoch zimmlich weg Joh. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 144; der mich doch sonst auch zimblich (
als redlichen menschen) kennt H. Sachs 17, 26
K.-G.; die götter all in einer sumb versuchten zimlich disen wein, Vulcanus schencket redlich ein Spreng
Ilias 12
b; welches ihr untertheniges vielfeltiges bietten (
bitten) ich vor ziemblich geacht (
Komotau 1551) R. Wenisch
zunftordn. aus Komotau (1936) 4; Sattler
phraseol. 210; Wickram 2, 5
B.; gegen deren (
frauen) er zimliche complimenten zu machen wuste Grimmelshausen 3, 337
Keller; so im seine klaider ze tragen zimlich seind Neidhart
Terenz 107; up dat radthus in eren temeliken klederen kamen
bei Schiller-Lübben 4, 525
b; Just. Möser
s. w. 1, 435;
in jüngerer zeit einige wenige fälle: eine ziemliche bitte den damen nicht abzuschlagen Musäus
volksmärch. 2, 35
Hempel; haben sich ... nach Weimar ... mit zierlichen und ziemlichen bitten gewendet Göthe IV 38, 73
W.; wie er sich um dessen mündel ziemlich bewerbe Gaudy
s. w. 4, 123; ein freier sinn ist das allein dienliche wie das allein ziemliche Fontane I 4, 390. enem tämliken gehorsam bewisen
bezeichnet das brem. wb. 5, 18
als veraltend. I@22)
erlaubt: licere zemelich sin, fugen, zemen, zymmen Diefenach
gl. 327
c;
licitus 328
a;
vacat es ist unnutz
vel zymlich, ydt is ydel
vel tzo pasz
vel tzemlich 604
a;
vacat vel licitum vel opportunum est es ist zymlich
gemma gemm. (1508) C 8
a;
quod fieri licet zimlich,
licenter zimlich o 5
b;
fas k 1
b; t 2
b; wie die jüden Jhesum fragten, ob es zymlich wer, an dem sabbath gesund zu machen
erste dt. bib. 1, 428; ob etlicher fecht mit gejaid und von vogeln ein wilde oder ein vogel, das do ist zimlich ze essen (
quibus vesci licet; das man isset Luther)
3. Mos. 17, 13
ebda 3, 420; lassen sich beduncken, wie sie allzeyt recht thuon, und sey in alles zymmlich und erlaubt Albr. v. Eyb
d. schr. 1, 20
H.; Eberlin v. Günzburg 1, 21
ndr.; nyemand ist zymlich, wasser zuo fren ausz dem gemein casten
clagantwurt (1497) 29
a; mus man kein zimliches und zulässiges mittel verabseumen, etwas für sich zu bringen Butschky
Pathmos 638; so eyner eyn zimlich, unverbotten werck ... thut
Karolina art. 146. I@33)
von sachen, dingen, gegenständen, zuständen '
angemessen, gelegen, passend, geeignet, zuträglich, bekömmlich, ordentlich, begründet'
: competens bequem ..., eben, zimlich Diefenbach
gl. 137
b;
idoneus gelimpfig, czimlich, genäm
n. gl. 208
b;
conveniens genem
oder zymlich
gemma gemm. (1508) g 1
b; das wir ... vinden die genad zimlicher hilf (
gratiam inveniamus in auxilio opportuno; auf die zeit, wenn uns hülfe not sein wird Luther)
Ebr. 4, 16
erste dt. bib. 2, 250; so bite wir uch, daz ir uns eynen zemelichin tag benennet (1347)
hess. urkb. I 2, 556; und do ein zimlicher tag was genachent seiner geburt (
dies opportunus; ein gelegener tag Luther)
Mark. 6, 21
erste dt. bib. 1, 142; in dem zimlichen zeit (
in tempore opportuno; zur rechten zeit Luther)
psalm 31, 6
ebda 7, 244; predig daz wort, anstee zimlich und unzimlich (
ἐπίστηθι εὐκαίρως ἀκαίρως,
insta opportune importune; es sey zu rechter zeit oder zur unzeit Luther)
2. Tim. 4, 2
ebda 2, 230; er (
Judas Ischariot) suocht, in welcher weys er in zimlich antwurt (
εὐκαίρως,
opportune; wie er in füglich verrhiete Luther)
Mark. 14, 11
ebda 1, 177; in zimblicher zeit, die ime der richter setzen wurde
Karolina art. 12;
art. 73; alle ... gefell und rechtung ... auf zimliche zil ... erlegen Stumpf
Schweizerchron. 377
a; ein zimliche latinische schul anrichten Melanchthon
anricht. d. lat. schul. 63
a; trincket solche prüh warm ausz einem zimlichen glas Sebiz
feldbau 68; mit zimleicher erznei Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 275; opiat, diu dem siechtuom zimleich sei 360; die wein, die man auz korn und auz gersten macht, sint niht zimleich 352; geben jedem mönch 3 quärtlin guten zimlichen wein (
Augsb. 1521)
bei H. Fischer 6, 1, 1206; mein tyriack war nicht bös, hatt zimblichen gschmack
M. Mangold
markschiff (1596) E 4; machs fein käulicht, wie ziemliche brod pflegen zu seyn
fischbüchl. 85; die güter in zimlichen pau halten Tucher
baumeisterb. 315
L.; bauung halber stehet es (
die festung Sathmar) in zimlichem zustande
acta publ. d. schles. fürst. 1, 9
P.; zimleich (
angenehm) und lustig an ze sehen Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 62; das in allen kirchen dies lied teglich in der vesper, datzu mit sonderlicher zimlicher (
schöner) weis ... gesungen wirt Luther 7, 545
W.; venustus zierlich, czemelich Diefenbach
gl. 611
c; o grosze mayestet, o süszer hertzenzwang! o zihmliche (
stattliche) statur, o göttingleicher gang! o sehlgewinnende bewegung, stand, geberden! Weckherlin
ged. 2, 318
F.; ein uberaus sehr schöner hengst, welcher zimlich (
kostbar) aufgezäumt war
buch d. liebe 8
c; zimliche land in den waiden der vich (
aptas animalibus alendis terras; bequeme stet zu irem vieh Luther)
4. Mos. 32, 1
erste dt. bib. 4, 116; zymliche ambechter des neuen gezeugs (
idoneos ... ministros; tüchtig ..., das ampt zu füren des neuen testaments Luther)
2. Kor. 3, 6
ebda 2, 115; er ist nit zimliche inzugen zu dem reich gots (
aptus ... regno dei; geschickt zum reich gottes Luther)
Luk. 9, 62
cod. Teplens.; zymlich zu disen dingen (
idoneus; hiezu tüchtig Luther)
2. Kor. 2, 16
erste dt. bib. 2, 114; zimlich zu einer gasterey H. Sachs 9, 32
K.; welches an solchen orten zimlich gedeien ... mag Sebiz
feldb. 20. IIII.
im kampf gegen den bürgerlichen kleiderluxus und die völlerei im 15.
und 16.
jahrh. gewinnt der begriff ziemlich
den wert einer maszbestimmung. unter ausschlusz der religiösen, rechtlichen und sittlichen sphäre wird der bereich des wirklichen und praktischen lebens das sinnfeld des wortes ziemlich.
der gebrauch in der sittenpredigt richtet sich allein auf die wiederherstellung einer äuszeren ordnung dadurch, dasz in dem kreise des bürgertums die verringerung der ansprüche, die mäszigkeit gefordert wird. so rückt ziemlich
zur bedeutung mäszig, mittelmäszig, schlicht, einfach, bescheiden, gering herab. doch bildet zunächst die vorstellung des ausreichenden, genügenden, hinlänglichen den übergang. II@11)
von der lebenshaltung. II@1@aa)
die vermittelnde bedeutung ausreichend, genügend, hinlänglich wiegt noch vor; für besoldung, lohn, geschenke läszt sich manchmal auch noch der sinn angemessen, entsprechend erkennen, vgl.: dencke der rat, sich mit zymlicher vererunge gegen ime gonstiglich zu bewysen (1493) Bücher
berufe d. st. Frankf. 106
b; ein zimlichen jarsolt haben (
Nürnberg)
städtechron. 11, 803; 2, 285; so wöllen wir ... einen teüglichen ... pergkrychter mit zymmlicher besöldung halten (1531) Lori
bair. bergrecht 200; einen zymlichen lohn Luther 23, 358
W.; so glob dein treuen dienst mir ahn, zu dienen umb ein zimling lahn! H. Sachs 11, 234
K.; Karolina art. 17; Stumpf
Schweizerchron. 730
a; redelick und themelick loen
seerecht v. Lübeck v. 1542
art. 23
bei Pardessus
collect. de lois marit. 3, 431; ein zimliche verehrung geben Bugenhagen
braunschweig. kirchenord. z 2; hat ... sein kriegsvolck zimmlich gespeyset Xylander
Polyb. 450;
für einen kaufpreis: umb ein zimlichs gelt gebe er mir sy (
die höhle) ... zur erbbegrebnusz (
pecunia digna; umb eyn gleychs gelt (1523) Luther; umb ein redlich gelt (1534); so viel sie werd ist (1545)
1. Mos. 23, 9
Zürch. bib. (1531).
der oben angegebene sinn ausreichend liegt vor in folgenden fällen: dann man inen (
den priestern) zimliche und eerliche uffenthalt, auch versehung, nit zuo einem muotwillen oder uberflusz, thuon sol H. Gebweiler
lob Marie (1523) 36
b; solch zerung zimlich thun
Karolina art. 39;
archaisch so noch bei A. v. Arnim
w. 7, 30; wie ich denn in guter hoffnung stehe ..., es sollen ... viel örter in der schrift ... zimlich erkleret ... sein Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 2
b; ein jeder, so solcher sachen zimlich unterrichtet (
ist) Ruoff
hebammenb. )(2
b; Micraelius
alt. Pommerland 1, 16; so die verhörer befinden, dasz er (
der kandidat) zimlichen verstand hat christlicher lehre
meckl. kirchenord. v. 1650
in Scharenberg-Genzken
gesetzsamml. f. d. meckl.-strel. lande 1, 87; ein herr, der zimblichen gewalt, verstand und glück hat, ist denen bundsgenossen allen wolgewachsen Lehman
flor. pol. (1662) 1, 128; znacht ... erwelt käsmilch, doch dessen alles zimlich gnuog Th. Platter 13
Boos; meine wenigkeit, so ... sich bey zimlicher erträglichkeit noch erfindet Butschky
hochd. kanzlei (1659) 1, 3; trenck sie und heb den sattel ab, das (
dasz sie, die eselin) auch ein zimlichs futter hab Pamph. Gengenbach 326
G.; mit acht ochsen kan ein ackermann seinen acker zimlich bestellen
viehbüchl. 15; armer leute tochter sollen ... auszm gemeynen kasten zum ehstande beraten werden mit einer zimlichen hulfe Luther 12, 26
W.; die bedeutung bescheiden, gering tritt schon auf: er sol auch den armen allzeit umb ein zymlichen und dem richen umb ein guten lon helfen Gersdorf
wundarzney (1526) 23
b. II@1@bb)
von einkommen und verbrauch, von kleidung und preisen bescheiden, einfach, schlicht, mäszig, gering, wobei zunächst noch die bedeutung hinreichend und auskömmlich mitspricht; vgl.: das der kaufmann kund ... seyne zymliche narung davon haben Luther 15, 296
W.; H. Sachs 22, 485
G.; Murner
mülle 795; ein handwercksmann, der in ziemlicher nahrung sitzet Mylius
corp. constit. Marchic. 4, 3, 79;
diese tritt zurück: zimmlich armuot vil ringer ist dann überflusz zuo aller frist
schweiz. schauspiele des 16. jahrh. 1, 188
Bächtold; liesz ihm benügen an eins tzymlichen burgers gut Luther 10, 2, 157
W.; wo der wird braucht zimlich und meszig H. Sachs
fastnachtsp. 1, 57
ndr.; wir ... gebieten och, ein zimlich wesen gehalten und unmäsziger kost abgestelt werde
dokum. z. gesch. d. bürgermeist. Hans Waldmann 1, 314;
sumptibus adhibere modum zimlichen kosten haben, ein masz halten im auszgäben Frisius
dict. 34
b; eyn zymlich pfründ nert eynen wol S. Brant
narrensch. 32
Z.; beschert dir gott ein zimlich glück, so seh, das dich der geitz nicht drück Er. Alberus
fabeln 27
ndr.; zimlich glück lebt am besten S. Franck
sprichw. (1541) 1, 108
a; er (
der kaufmann) nymt ein zymlichen gewin, das im sein unmuosz und arbeit bezalt wirt Keisersberg
brösaml. (1517) 1, 90
b; eine zimliche steuer behelt die underthanen bey kreften Friedr. Wilhelm
sprichw.-reg. o 2
b; wann sie sich mit zimlicher reichthumb nicht lassen verngen Bech
Agricolas bergwerkb. 18;
mediocriter vestitus ziemblich bekleydet Zehner
nomencl. (1645) 371;
mit dem etwas höheren sinn anständig, ordentlich: zimlichen schmuck tragen und redliche narung suchen, ist die not und nit sund Luther 6, 253
W.; das man eine braut zimlich schmückt 24, 418
W.; also butzte ich mich zimlich Grimmelshausen
Simplic. 301
Scholte; dagegen schlicht, einfach: modicus cultu zimlich und nachgültig bekleidt oder einer einfalten und schlächten kleidung Frisius 250
b.
von preisen preiswert, wohlfeil, billig: unsrer gemeyn söllich brot umb ein zymlich gelt mitteilen und geben lassen (
Augsb. 1438)
städtechron. 1, 456; H. Sachs 2, 385
K.; Tucher
baumeisterb. 317
L.; Schiller-L. 4, 525
b; dasz die wirt ire wein umb einen zimlichen pfenning ausschenken sollen (1616) Schmeller-Fr. 2, 1123; in rechtem kauf und zimlichen wert verkauft (
Nürnb.)
städtechron. 11, 799; darumb hat Josseph recht gethan, weyl es gott also schicket, das er umb eynen gleychen, zymlichen kauf, den die zeyt gab, alles zu sich brachte Luther 15, 306
W.; ein rotes thuch im kauften ab, weil ers in umb ein zimlichs gab B. Waldis
Äsop 2, 231
Kurz; solche ross ... wol und in zimlichem wert überkommen Montanus
schwankb. 140
B.; verhiesz im lieferung und profandt umb ein zimlich gelt S. Franck
Germ. chron. (1538) 144
a; umb ein zimliche bezalung
ders. chronica 232
b; gersten ... fand man gnug im zimlichen kouf Tschudi
chron. Helv. 2, 2; 2, 73;
österr. weist. 10, 5; 1, 8; Schmeltzl
lobspruch 83; ein bursche oder stipendium, darin man inen (
den armen studenten) zimlich (
billig, für wenig geld) zuo essen soll geben Val. Schumann
nachtbüchl. 264
B.; in ziemlichen preisz Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1463
a.
recht eigentlich ein feld für den neuen begriff der mäszigkeit ist das gebiet des essens und trinkens; noch spielt kirchliche forderung hinein bei Osw. v. Wolkenstein: dasz er den hunger zimlich püesz 89, 45
Sch.; diese hat sich verflüchtigt, und die bedeutung mäszig gilt ohne einschränkung: der sich aber zimmlich haltet, der lengeret seyn leben (wer aber meszig ist, der lebet deste lenger Luther)
Jes. Sirach 37, 34
Zürch. bib. (1531);
mediocris, iustus mesziglich, zimlich Alberus
n. dict. gen. h h 1
b;
abstinenter, temperate ..., frugaliter zimlich, mesziglich
ebda; sobrius mäszig in essen und in trinken, zimlich in speysz und trank, nüchter Frisius 1217
b; Keisersberg
sünd. d. munds 9
a (
zit. t. 5, 994); (
ein pestkranker) soll ... sich zimlich halten mit essen und trincken Gäbelkover
arzneib. 2, 182; Lindener
katzipori 110
L.; kopf, brust und füsze warm halten, daneben wol essen und ziemlich trinken bewart wol für krankheit Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Ll 8
b; mit zimlich weintrinken werden die glider und augen gesterkt Deyger
pädonom. H 6
b; H. R. Manuel
weinsp. 2324
ndr.;
vinum operarium, qualecunque vinum ein zimlicher (
geringer) wein Alberus
n. dict. gen. Nn 3
a; darnach reite es (
das verstopfte pferd) in das feld, es reiniget sich zuhand, darnach gib ihm ziemliches (
wenig) futter J. Walther
pferdezucht (1658) 146; ain zimliche übung ist dem leib guot Friedr. Wilhelm
sprichw.-reg. l 1
b; ein zimblicher oder wie man spricht ein halber herbst (1592)
bei H. Fischer
schwäb. 6, 1, 1206. II@22)
als deutliche bezeichnung für ein mittelmasz; unterstützende angaben sichern bisweilen den sinn eines mittleren oder niedrigen wertes. II@2@aa)
gegenständliches, wobei eine reale gröszenangabe gemacht wird: ir mundt was zimlicher kleine Nicl. v. Wyle
translat. 23
K.; ein zimlicher brügel: H. Sachs 14, 275
K.-G.; solt du in der grösz einer zimlichen bonen auf einmal geben Ryff
confectbuch (1548) 18
b; perlin ... einer ziemlichen nusz grosz
buch d. liebe (1587) 190
c; Lohenstein
Armin. 2, 810
b; mach zwey löcher eines zimlichen fingers weit Ercker
mineral. ertzt 6
a; des allereltesten ... weyns ungefarlich ein zimliche masz Forer
Gesners tierb. 66; wie eyn zimlicher pomerantzenapfel grosz Sebiz
feldb. 203; davon brauch abends und morgends ein zimlichen löffel voll Gäbelkover
arzneib. (1595) 1, 50; so kreftig, dasz er in besten tagen seines alters einen zimlichen (
mittelgroszen) mann auf sein rechte hand hat stehen lassen Stumpf
Schweizerchron. 230
a; der probierer ausz etlichen kupfersteinen hauwet stücklin herausz, ausz kleinen kleine, ausz zimlichen zimliche, ausz groszen grosze Bech
Agricolas bergwerkb. 203; ich kam zu einem flecken, welches ich seiner grösze halber vor eine zimliche (
kleine) stadt ansahe Grimmelshausen 2, 432
Kell.; die Cingaler wohnen in zimlichen und unkostbaren häusern W. Schultz
ostind. reise (1676) 107
b; glasz, darin gieng by einer zimlichen masz Th. Platter 88
Boos; die frucht sey wie eine grosze traube, wachse so grosz wie ein ziemlicher kürbs, und die kern daran seyn wie die äpfel Schupp
schr. (1663) 98; ein pfatzaun ... soll sein so hoch, dasz er einem zimlichen mann under die uchsen gange
dt. rechtsalt.4 1, 130. II@2@bb)
masz für menge, masse, kraft, leistung, alter, auch artangabe: solch zimlich und klain nachsteur (
Augsb.)
städtechron. 5, 73; und söllint ir úch dester ains zimlichers gewis (
eines geringeren gewinnes) lon benoegen (15./16.
jahrh.) K. Krieger
sprache d. Ravensb. kaufleute 51; man findt heymlich reich leut ..., da sich weib und man mit einander vertregt und mit zimlicher arbeit (das ir kurtzweil ist) ein guot narung haben S. Franck
sprichw. (1541) 2, 70
b; wie die kräuter und pflanzen mit zimmlichem wasser ernehret, mit uberflüssigem aber erstöcket werden Fischart
ehezuchtb. 300
H.; zimmliche frucht geben: Frisius 124
a; (
ein) wäldlin ..., welches brennholtz und zimlich (
einiges) bauholtz gebe Sebiz
feldb. 2; soll er ein zimliche weite vor allen hauffen hinziehen Fronsperger
kriegsb. 1, 91
b; ein zimlichen (
mittleren) steinwurf wyt Th. Platter 74
Boos; eine ziemliche menge
un numero competente Kramer
teutsch-it. 2, 1462
c; der zimlich (
mäszige) sonnenscheyn ist im (
dem vogel) auch nütz Forer
Gesners tierb. 125; legs (
das beutelchen) in zimlicher wärmin auf das haupt Gäbelkover
arzneib. 1, 9; ein ziemliches licht Ettner v. Eiteritz
medicin. maulaffe )( 4
a; ain ... knecht ... von zimlichen jaren Steinhöwel
Äsop 41
Ö.; ein hausvatter soll ein meyer erwehlen ..., der zimliches und mittels alter seie Sebiz
feldb. 37; kundt uber sibne nit zölen und het doch ein zymmlichs alter, ungefähr bey drey und dreyszig jaren Lindener
katzipori 70
L.; des bletter seind vast zerspalten oder gekerft wie ein zimliche (
gewöhnliche) seg (
säge) Bock
kräuterb. (1587) 8; rechtssachen ..., die nicht ans leben gehen, als zimmliche (
geringfügige) schelmstück Reutter v. Speir
kriegsord. 76; es war ein leyden guoter compan ..., ein zimmlicher poet Lindener
katzipori 134
L.; der büffel ist ... an der höhe wie ein zimlicher (
gewöhnlicher) ungerischer ochs Herold
Gesners tierb. 31;
mediocre zimlich, mittelmäszig Hulsius (1618) 2, 245
a; er kostet in (
den wein) und sprach: zimlich; dennoch ist er besser dann der erste Kirchhof
wendunm. 1, 181
Ö.; es wechst auch da ein zimlich wein; doch haben sie nicht ferr an Rhein; wann eim der Ursler nicht gefellt, so wird ihm rheinscher fürgestelt Er. Alberus
fabeln 186
ndr.; von ziemlicher schönheit
di mediocre bellezza Kramer
teutsch-it. 2, 1462
c; ein ziemlicher weg
camino passabile, practicabile ebda; passable gangbar, das noch hingehet, ziemlich Wächtler 274. IIIIII.
die letzte entwicklungsstufe gibt den zusammenhang mit einer inneren und äuszeren übereinstimmung auf; gegensätze nach alter auffassung vereinigen sich ungezwungen, vgl.: da er die schöne der frauwen sach, wardt er zymlicher liebe gegen ir bewegt Luther 11, 280
W.; dasz sie sich nicht enthalten konte, des printzen hand zu fassen und ihre brunst durch ziemliches drücken sattsam an den tag zu legen Ziegler
asiat. Banise 163; eine zimmliche thorheit begehn Moscherosch
gesichte (1650) 141; zimlich fluchen Schottel
haubtspr. 780; ein ziemlicher proviantmangel Chemnitz
schwed. krieg 2, 157; zimlichen schaden leyden Herr
feldbau 20
a; niederlage ... eine ziemliche
clades non modica Apinus
gloss. nov. 369; ich führe ... ein ziemliches faullenzerleben J. G. Forster
s. schr. 7, 109.
in all diesen fällen wäre in altem sinne ziemlich
durchaus etwas unziemliches. den neuen gebrauch kennzeichnet somit der verzicht auf ein sittliches oder aus anderen bindungen erwachsendes urteil, übrig bleibt eine maszangabe, die aber auch von der rücksicht auf ein mittelmasz, also von der normierenden absicht von II,
frei ist. der psychologische grund für diesen verzicht mag in dem erlöschen des sittenbessernden bemühens des 15.
und 16.
jahrh. zu finden sein. dann bliebe nach dem verlust jeden ethischen gehalts das blosze gefallen und gutdünken als letzter rest der bedeutung von ziemlich
übrig, ein ergebnis, welches sich mit der entwicklung des verbums ziemen,
dessen letzte bedeutungsphasen auf eben diesem wege ablaufen, zu decken scheint. vielleicht läszt sich aus diesem gefallen und gutdünken auch die offensichtliche steigerung des maszbegriffes über das mittelmasz hinaus, wobei indessen immer noch eine einschränkung bleibt, begreifen. III@11)
als attribut. ein beispiel aus den drei bedeutungsstufen, das den wandel der auffassung klar vor augen führt, ist folgendes: ich ... erwarb mir ein ziemliches geld S.
Brunner erz. 1, 137,
wozu die belege mit demselben wortlaut von II 1 b,
in welchen vom preiswerten kauf oder verkauf die rede ist, und die vergleichbaren von I 1 b,
welchen eine gültige ordnung das gepräge verleiht, heranzuziehen sind. wichtig ist in dem fall von III 1
das fehlen eines verhältnisses zu einem handlungs- oder vertragspartner. weitere belege: dasz er ein zimlich stück geld zusammengebracht Grimmelshausen 2, 349
Kell.; 352; noch vil andere accidentien machen ihm so einen ziemlichen gehalt, dasz er sich das schönste kapital sammeln kann G. Stephanie
s. lustsp. 57; ein ziemliches geld daran verdienen Kästner
verm. schr. 1, 247.
auch die teilnahme eines beziehungspartners stört die neue vorstellung einer unbezogenen maszgrösze nicht, vgl.: weil seine vormünder ... eine zimbliche schuldenlast auf ihne devolviret
acta publ. d. schl. fürst. 1, 49
P.; ich würde, obwol mit verdrieszn, ein ziemlichen zoll geben müssn
lied. auf d. winterkönig 204
W.; sie solten ihme nur beyde eine ziemliche summe gelds auf die hand geben Stranitzky
ollapatr. 327
Wien. ndr. den materiell steigernden sinn erkennt man an einer stelle bei Heyden
durch den vergleich mit der lat. vorlage: er starb ... daran (
am fieber) in einem zimlichen alter (
eo consumptus est satis longa senecta)
Plinius (7, 51, 172) 69;
danach ist also auch das folgende ziemlich
mit ziemlich hoch, recht hoch, recht gut wiederzugeben: sunst kumpt der fuchs z zimlichem alter Forer
Gesners tierb. 56;
vgl. dagegen die belege für alter
in II 2 b,
in denen ziemlich
nicht zu hoch bedeutet. an einer ware sah der bedeutungsabschnitt II
nur das mittelmäszige (
vgl. den wein-
beleg von Alberus
fab. 186
ndr. II 2 b),
jetzt gibt ihm ziemlich
den wert eines leidlichen, brauchbaren getränks: es seyn daselbst (
in Grüneberg) ... weinberge, darin ein ziemlicher wein wächst Holtei
erz. schr. 13, 177.
dieser fall ist übrigens selten, da sonst auch bei waren ziemlich
nicht ein güteurteil abgibt, s. unt. III 1 a. III@1@aa)
bei konkreten wesen und dingen, vorgängen und meszbaren gröszen; es scheint, als ob ironische aussage eine naheliegende bedeutung erziele, vgl.: ain haan und viertzehen hennen und fünf pfunt pfenning das waren als (
als mitgift) zimliche ding!
liederb. d. Hätzlerin 260
Haltaus. zutreffende zeugnisse: welche ... starke arme und zimmliche schenkel haben Hegger
christl. heerpred. (1590) 1, a 3
a; dasz ich den kopf zimlich grosz gemacht, hab ich mit fleisz gethan, dann sie durch und durch zimliche häupter haben Arnold
wahrhaft. bericht 340; jägerpursche, die manches mal schon ziemliche bärte ums maul herum haben Heppe
lehrprinz (1751) 276; eine ziemliche (
recht grosze) otter Chr. Lehman
histor. schauplatz (1699) 621; ein ziemlich (
schon lange der wiege entwöhntes) kind Stieler
geh. Venus 120
ndr.; so viel geld ..., mit welchem ich auch ohne ihn wol ein zimlicher (
ansehnlicher) herr hätte seyn können Grimmelshausen
Simplic. 380
Sch.; sie schieden als ziemliche (
ziemlich gute) freunde Tieck
schr. 9, 221; dat is all 'n tmligen (
stattlicher) jung Mensing 5, 43; man möcht ein zimlichs haus darausz pauen Jac. Strausz
christ. unterr. (1523) B 2
b; ein ziemeliche kandel wein B. Krüger
Clauerts werkl. histor. 50
ndr.; nachdem sie ... ein zimmlich loch ins fasz getrunken Fischart
Garg. 398
ndr.; cochlearium, tigula ein zimlicher löffel voll Orsäus
nomencl. (1623) 148; zuhand fieng einer an zu pfätzen und zert ein zimlich stück (
vom braten) herab Scheit
Grobianus 4441
ndr.; da sie ... eine ziemliche stadt ... für sich sahen Happel
akad. rom. 537; Camstigal ... ein zimliches dorf Hennenberger
preusz. landtaf. 43; bestehet jene (
meierei) in 151 ... acker land ..., 77 acker weiden oder huden und ziemblichen gärten
Cassel. zeitg 1731
s. 204; eine zimliche, nit zu kleine kirchen
bei H. Fischer 6, 1, 1206; ein ziemlich (
stattliches, recht groszes) buch Gryphius
trauersp. 15
P.; ich musz ... noch die schriften des mannes, einen ziemlichen quartband, durchlesen Görres
ges. br. 3, 142; ziemliche (
ziemlich grosze) briefe J. Prätorius
winterflucht 48; sie trug ziemliche bündel unter den armen Göthe 33, 95
W.; ein ziemlicher bach Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 124; e zimlige huffe heu Seiler
Basl. ma. 325
b; e zimliger korb voll äpfel Martin-L. 2, 904
a.
wie schon mehrfach ob. zeigt sich in folgenden fällen die unfähigkeit von ziemlich,
ein werturteil abzugeben (
s. ob. III 1),
vielmehr beschränkt es sich auf eine quantitätsangabe, vgl.: ob er gleich ... ziemliche (
ziemlich viel) wahre ... vertrieb J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 132; sollen dieselben gemach zimliche (
ziemlich grosze) luftfenster haben Herr
feldbau 47
b;
so bedeutet ein ziemliches geplauder G. Keller
ges. w. 2, 76
ein recht lange währendes geplauder; andere fälle dieser art: hier kommt ... eine ziemliche sendung Göthe IV 11, 94
W.; schon früh: er ... züchtiget in ... mit zimblichen (
kräftigen) schlegen
Wilw. v. Schaumburg 109
Kr.; Grimmelshausen 2, 24
Kell.; ein ziemlichen hieb Ziegler
asiat. Banise 4; Nanny ... gab dem Franzosen eine ziemliche ohrfeige Brentano
ges. schr. 4, 236; heute nacht haben wir sie (
die dritte stellung) bei ziemlichem feuer besetzt
kriegsbriefe gefall. student. (1928) 195; he hett 'n tmligen brand (
ist recht stark betrunken) Mensing 5, 43.
ein beleg wie der folgende stellt sich zu dem wein-
beleg ob. III 1: dasz Gelanor den actum mit einer ziemlichen (
recht nachdrücklichen) straffpredigt beschlosz Chr. Weise
erznarr. 35
ndr.; hierher auch österr. weist. 1, 174;
ferner: ein fourir musz nicht allein eine ziemliche (
leserliche) hand schreiben Fleming
soldat 149.
besonders häufig tritt ziemlich
zu maszausdrücken, die es als ziemlich grosz oder umfangreich bestimmt: ein landschaft Troiae entgegen in zimlicher distantz gelegen Spreng
Äneis 43
a; der herr führte sie nicht den nächsten weg, sondern ... einen zimlichen umbweg Dannhawer
cat.-milch 1, 102; einen flusz von einer ziemlichen weite Archenholz
Engl. u. Ital. 1, 134;
dt. sag. 1, 142; eine ziemliche ecke von der warheit entfernt Prätorius
reform. astrol. (1665) 14; eine ziemliche strecke Jung-Stilling
s. schr. 1, 94; in ziemlicher entfernung Gutzkow
ges. w. 6, 162;
namentlich gern mit zahl, anzahl
und zeit, weile
u. a. ausdrücken verbunden: eine ziemliche zahl meiner poetischen gedanken G. Neumark
poet. lustwäldch. vorr. 11
b; mit ainer zimblichen anzal volckhs Brandis
landeshauptleute v. Tirol 1; ein zimmliche anzahl Schill
teutsch. sprache ehrenkranz 45; Fleming
soldat 261; Herder 12, 243
S.; Ranke
s. w. 8, 146;
u. a.; ich ... hörete ... eine ziemliche zeitlang ... bitteres weinen
theatr. amor. 103; Brandis
landeshauptleute v. Tirol 68; darüber ... verging eine ziemliche zeit Stifter
br. 2 (1918) 277; eine ziemliche weile Gryphius
Squenz 28
ndr.; Wieland
Agath. 1, 255; Göthe 27, 169
W.; in welcher (
der hohen schule) ich ... zimliche jahr verharret Moscherosch
gesichte (1650) 5; A. a
s. Clara
etw. f. alle (1711) 1, 74. III@1@bb)
bei abstrakten: eine ziemliche gleichheit Thomasius
de präjudiciis 52
Br.; eine ziemliche fertigkeit Fleming
soldat 31; eine ziemliche ähnlichkeit J. J. Schwabe
belust. 1, 12; Bodmer
abh. v. d. wunderbaren 17; eine ziemliche kenntnis J. A. Scheibe
crit. mus. 429; Lessing 18, 426
L.-M.; das ... lohgerberamt ist noch jetzt in ziemlichem ansehen Just. Möser
s. w. 1, 121; K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 30; der mann hatte ... eine ziemliche kenntnis der sprache Göthe 46, 98
W.; Tieck
schr. 3, 3; J. G. Forster
s. schr. 4, 39; ich ... war in ziemlicher angst Brentano
ges. schr. 5, 338; Kerner
bilderb. (1849) 32.
hier gibt Frisch 2, 476
b eine sonst nicht anerkannte scheidung zwischen eine ziemliche grösze
congrua magnitudo und eine zimmliche grösze
mediocris magnitudo. III@1@cc)
beachtung verdient die verbindung mit einem zweiten, in der regel nachstehenden attributiven adjektiv; ziemlich
besitzt hier in den perioden I
und II
die ihm dort zukommende bedeutung: er ist ... eins solchen zimlichen, vergngten, gnauen lebens gewesen S. Franck
chron. zeitb. (1531) 27
a; das sich alle fendlin ... verfgen etwan auff einen zimlichen bequemen und weiten platz Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 53
a; Carolus magnus ist ... eins vierschrötigen ... leibs, zimlicher rechter länge Kirchhof
wendunm. 2, 52
Ö.; hat er (
Rabelais) inen zimliche lustige materi ... zusammengetragen Fischart
Garg. 13
ndr.; podagr. trostb. 12
H.; es sind ouch alle zimliche redliche spil die zit bi uns ze tund mengklich erlaubt Tschudi
chron. Helv. 2, 581;
selten mit und: welches (
das kriegsvolk) ... bapste Alexandern ... einen zimlichen und nicht geringen schrecken einjagt Beuther
Reinke Fuchs (1588) 140;
archaisierend: ziemliche und groszmüthige sklavin Pückler
br. 1, 95;
selten auch steht ziemlich
an zweiter stelle: mit rechter zimlicher ... beschirmung Keisersberg
bilgersch. (1512) 6
c.
in der periode III
setzt sich diese syntaktische verwendung fort, vgl.: man setzt die eyer ... in eynen zimlichen warmen ofen Sebiz
feldbau (1579) 107; dise evangelisch warhait ... ergeht sich ... für eine zimliche grobe unwarhait Joh. Nas
antipapist. 1, 36
b; bisz auf ein zimliche lange wiederkunft Thurneysser
magna alchym. vorr. 4; ligt am see auf einem zimlichen hohen berg Stumpf
Schweizerchron. 409
b; Rätel
Curäi chron. (1607) 239; gieng ein ziemliches scharfes treffen ... vor Chemnitz
schwed. krieg 1, 88; ein zimbliches weites gemach Moscherosch
gesichte (1650) 2, 47; ein ziemlicher dicker busch federn Aitinger
jagd- u.
weidbüchl. A 3
a; do was ein zimliche guotte schuol Th. Platter 33
Boos; das obst ... musz vorhero zermostet, in ein zimliches groszes stehendes fasz gethan ... werden Hohberg
georg. cur. 1, 445; er war ... ein ziemlicher seltsamer kautz Zimmermann
einsamk. 1, 234; das sind zimmliche fürwitzige narren Tieck
schr. 15, 307;
geht in die ma. über: eine ziemliche grosze menge
neumärkisch; ist aber aus der schriftsprache verschwunden und durch das adverbielle ziemlich
verdrängt. in all den belegen von III
ist das adjektiv ziemlich
bedeutungsmäszig mit dem folgenden adjektiv verbunden und nicht dem substantiv zugeordnet, so dasz ein ziemlicher warmer ofen
nicht einen ziemlich groszen warmen ofen, sondern einen ziemlich warmen ofen bedeutet. III@22)
als adverbium. III@2@aa)
vor einem adjektiv oder adverbium. der anfang dieses gebrauches liegt in folgenden beiden stellen eines und desselben schriftstellers vor augen: der trank soll zimlicher starker roter wein seyn Wirsung
arzneib. (1588) 546
b und: darauf ein trunk zimlich starken wein thun 549
c.
damit ist die adverbielle stellung vor einem attributiven adjektiv als ein seitentrieb der in III 1 c
dargestellten adjektivischen zusammenrückung in der periode III
erkannt. die enge verknüpfung mit dem adjektiv ist einigemal durch den bindestrich bezeichnet: mit zimlich-hönischen worten A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 693; Hohberg
georg. cur. 1, 685; Oken
allg. naturg. 1, 501
schreibt in ziemlichgleicher menge. III@2@a@aα)
vor einem attributiven adjektiv: ein zimlich leidlich schreibgelt (1525)
chron. v. Bamberg 210
Chroust; da solte sie gehn auf dem weg uber ein zimlich hohen steg Fischart
Eulenspiegel 31
H.; gab irem sohn, schon zimlich alt, ein junges wesen und gestalt Spreng
Äneis 16
a; man machet ... zimlich gut brot darausz Herr
feldbau 52
a; eines guten und ziemlich vermüglichen spitals Stumpf
Schweizerchron. 430
a;
virgo habitior ein zimlich dicke jungfrau
nomencl. lat.-germ. (1634) 238; doch hatt sy zimlich guotte kleider iren selbs angemacht Th. Platter 60
Boos; J. Prätorius
saturn. 18;
vern. tadl. 1, 27
Gottsched; U. Bräker
s. schr. 2, 204; Gerstenberg
rec. 54
lit.-denkm.; ein ziemlich gebietrischer ehemann Lessing 2, 13
L.-M.; ein ziemlich guter wein G. Keller
ges. w. 4, 7; Fontane I 1, 184;
die allein gültige verwendung in der modernen sprache. III@2@a@bβ)
vor einem prädikativen adjektiv und vor einem adverbium; das partic. prät. und pronomina werden mit erfaszt, ebenso präpositionale fügungen; drei frühe zeugnisse scheinen noch in die periode I
zu gehören, da ziemlich
darin die bedeutung geziemend zu besitzen scheint: drumb, lieben freundt, kompt all herein! so wöll wir zimlich frölich sein, mit einander das nachtmal essen H. Sachs 6, 185
K.; wir sind so beredt ..., dasz wir die heilsamen leer unsers herren Jesu Christi zimmlich kommlich ussprechen könnend Zwingli
d. schr. 1, 50; H. R. Manuel
weinsp. 3256
ndr.; ein viertes beweist diese zugehörigkeit durch die selbständigkeit von ziemlich,
indem es dem folgenden adverb durch und
gleichgeordnet ist: du hast zimlich und wol studiert Wickram
w. 2, 17
B. alle übrigen fälle zeigen ziemlich
als adverbielle maszbestimmung der periode III
mit der bedeutung recht grosz, ziemlich grosz oder stark oder sehr, nahezu, fast, vgl.: das kestlin ist doch zimlich schwer H. Sachs 10, 87
K.; desz (
des wiesenkohls) blätter werden zimmlich lang und breit Bock
kräuterb. 676; C. Hedio
chron. Germ. D 5
b; Montanus
schwankbüch. 362
B.; zimlich kostfrey sein bringet oft ain verachtung Mayr
sprichw. 104
a; Grimmelshausen
Simplic. 22
Sch.; der muht wahr zimlich klein Zesen
adriat. Rosemund 16
ndr.; in dieser art reich bis zur gegenwart belegt, vgl. noch: Herder 27, 380
S.; Göthe IV 28, 195
W.; O. Ludwig
ges. schr. 5, 341; Holtei
erz. schr. 2, 3; die erzählungen ... sind ziemlich gleich flach und gleich verlogen Mommsen
röm. gesch. 5, 3;
buchungen: subdifficilis zimlich schweer Er. Alberus R 4
b;
pulchellus zimlich hüpsch Frisius 1091
b;
subabsurdus zimlich ungereimbt,
subgravis zimlich stark oder scharf Decimator
thes.; er ist ziemlich böse Stieler 2646;
satis pauper est er ist ziemlich arm Steinbach 2, 1092;
mediocriter venustus zimmlich schön Frisch 2, 476
b; Adelung
2 4, 1711; H. Fischer 6, 1, 1207; Martin-L. 2, 904
a; tämlik good Dähnert 482
a; he is tmlich dumm Mensing 5, 43.
den steigerungsgrad erkennt man gut an einer stelle bei A. W. Schlegel: mutter und tochter sind der kleidung nach ziemlich griechisch, der knecht ist ganz griechisch
im Athenäum 2, 119. ziemlich
gewährt danach dem nominalbegriff nahezu seinen vollen wert, sein sinn ist positiv; das wort ist nach einer treffenden bemerkung bei Schmeller-Fr. 2, 1123
der gegensatz von zu wenig, nachdem es ursprünglich (
doch nur in periode II)
der von zu viel gewesen war. —
vor viel: zimlich vil bluts von ihr (
der hand) ablief Spreng
Ilias 51
a; Th. Platter 61
Boos; Logau 211
E.; (
sie) hat ... ziemlich viel gelesen J.
M. Miller
briefwechs. dreier akad. freunde 1, 39;
so allgemein; vor pronomina: ziemlich alle Gerstenberg
literaturbr. 140
lit.-denkm.; es sind ziemlich wenige da
admodum pauci adsunt Steinbach 2, 1092;
vor dem partic. prät.: ein altes ... männel ... bleich von farb und zimlich abgeschaben bekleidet Grimmelshausen 2, 519
Kell.; so were ich zimlich betrogen
engl. comed. C c 7
b; Chr. Reuter
Schelmuffsky 100
ndr.; ihr seid noch ziemlich wohlgebaut Göthe 14, 94
W. (
Faust 2019); G. Keller
ges. w. 5, 13. —
vor adverbien: es sich ... zimmlich lang erstrecket hat Wickram 6, 4
B., Gilhusius
gramm. 3, 36;
dt. sag. 2, 120; zimlich schlecht gekleidet Grimmelshausen 2, 20
Kell.; ziemlich hoch Stieler
geh. Venus 114
ndr.; oft ziemlich wohl: Lindener
rastbüchl. 25
L.; Fischart
binenkorb 249
a; das weibgen hielte sich noch zimlich wol Grimmelshausen 2, 379
Kell.; zimlich wol gelitten Voigtländer
od. u. lied. 55;
u. a., jetzt mehr ziemlich gut; (
das böse weib) trug ihre ehr auch zimlich feil Voigtländer
oden u. lied. 87; ist ziemlich spat Spee
trutznacht. 63
B.; ziemlich früh Rachel
satir. ged. 39
ndr.; zimlich weit J. Walther
pferdezucht (1658) 118; wie ... eine ... frauensperson ziemlich geräuschvoll eintrat Fontane I 5, 118; nahm ... die leine ziemlich ungeschickt in die hand I 6, 347; ziemlich in der mitte Nitzsch
stud. 126; ziemlich bei jahren Gaudy
s. w. 2, 93. III@2@bb)
beim verbum, wie in den bedeutungsstufen I
und II (
s. ob.),
nur dasz der sinn etwas nahezu vorteilhaftes und positives, etwa recht oder ziemlich tüchtig, kräftig, fast ganz ausdrückt. in einigen frühen fällen hält sich noch eine mehr nach I
neigende bedeutung: so ich ... latin zimmlich (
ausreichend) verstand Zwingli
dt. schr. 1, 129; streift man den hasen an schenkeln, so gehets zimlich fort, ... gehets aber an den kopf, so streif ihn der teufel Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Tt 2
b;
eher zu III
stellt sich: (
ich) bau ietzund hier ein haus; so sieget zeit und würmen mein namen ziemlich ob Logau 324
E.; sichere belege für III: der wein würd im Schwartzwald ubel gerhaten ..., aber in guoten weinländern zimlich ansetzen Fischart
praktik 23
ndr.; Garg. 5
ndr.; Stieler
geh. Venus 121
ndr.; wie macht mans doch, gib rath dazu, das man sie dennoch speisen thu? du kanst ja zimlich rechen Ringwaldt
evangelia M 3
b; einer vom adel, der seine baurn zimlich schröpfte Lehman
flor. pol. 4, 13; Rinckhart
Eisleb. christl. ritt. 271
ndr.; ich hab in meiner jugend den ... Calepinum ... zimlich durchblättert Schupp
schr. (1663) 118; Elisab. Charlotte v. Orleans 2, 368
H. (
zit. sp. 885); also dasz ... er ziemlich ins gedrange kam Lohenstein
Armin. 2, 39
b; doch muste er sich ziemlich auszlachen lassen Chr. Weise
erznarr. 217
ndr.; das wasser schlägt zimlich vor in diesem wein Kramer
teutsch-it. 2, 556
b; 2, 1345
b; dasz ... viele ... ihre meinung ziemlich auszudrücken wissen Leibniz
dt. schr. 1, 474; da er ... in Bononien ziemlich hausete S. Fr. Hahn
staatshistorie 1, 176;
so sehr häufig; vgl. noch: Rabener
w. 1, 232; Jean Paul 3, 119
Hemp.; Schiller 12, 64
G.; Göthe 45, 130
W.; 47, 217
W.; he hett dat noch ganz temlich maakt Mensing 5, 43; tämlich
ziemlich, mittelmäszig Mi 91
b;
öfters die wendung es geht mir ziemlich (
leidlich, erträglich),
so Göthe IV 5, 41
W.; schon alt: es gehet mir ziemlich B. Faber
Saxonia (1563) 227
b;
vgl.: et es wal schämlek, awer et gött doch tämlek Woeste-
N. 267
b. III@33)
in substantivischer verwendung und als prädikatives adjektiv; für die erste art beginnen die belege in der periode II,
s. ob. II 1 b B. Waldis
Äsop 2, 231
Kurz, in III
werden sie häufiger, ohne allgemeine verbreitung zu finden: trank ... ein zimmliches (
ziemlich viel) mit im Fischart
Garg. 209
ndr.; Mattheson
generalbaszschule 40; hatten ... ein ziemliches profitiret Schnabel
ins. Felsenburg 1, 112; ein ziemliches erübrigen Just. Möser
s. w. 1, 267; ein ziemliches gewinnen Iffland
theatr. w. 4, 44; umb ein zimlichs geirret Thurneysser
alchym. 15; damit legte sich seine wuth schon um ein ziemliches U. Bräker
s. schr. 1, 163;
veraltet, dagegen ohne artikel noch zulässig, wie: sie haben ... ziemliches geleistet Polenz
Grabenhäg. 2, 234.
als subjekt oder objekt für ziemlich viel,
heute auf einige maa. beschränkt: wiewol er deren (
schelmenstücke) zimlich erzehlet Grimmelshausen 2, 428
Kell.; es können auch ziemlich wilde schweine geschossen werden (
Neumark um 1660)
jahrb. Neumark 3, 52; auch dieses kostete mich noch ziemlich überwindung U. Bräker
s. schr. 1, 39; er hett zimlich schulden Martin-L. 2, 904
a; er hat zimlich hiebe gekriegt H. Fischer 6, 1207.
die syntaktische verwendung als prädikativ ist in der periode III
der schriftsprache bis auf den unt. IV 4
zu behandelnden rest abhanden gekommen; niederer stil und älterer landschaftlich enger sprachgebrauch bieten einige wenige beispiele, in denen ziemlich
ziemlich gut, leidlich bedeutet: dasz ... der ... sieg über dergleichen völker ziemlich (
ziemlich bedeutend sei) Hunold
europ. heldengesch. (1709) 464; so wäre meine glückseligkeit noch ziemlich Menantes
n. briefe 293; mein bein ist nur ziemlich Varnhagen v. Ense
Rahel 2, 183; die akteurs waren noch ziemlich Laukhard
leb. 2, 118; die kirschen sin noch so ziemlich (
bringen einigermaszen ertrag) Müller-Fr. 2, 705
a; de jung is so tämlik (
er führt sich eben nicht schlecht auf) Dähnert 482
a; die kartoffeln werden nach dem regen noch so ziemlich
mark Brandenburg; ziemlich viel: das wasser ist schon zimlich für ine Martin-L. 2, 904
a. III@44)
die einschränkende wirkung des ziemlich
verstärkt so (
s. t. 10, 1, 1357),
was aus der nebeneinanderstellung zweier sätze wie das ist nun ziemlich klar
und das ist nun so ziemlich klar
erkannt wird. der gebrauch läszt sich seit dem 17.
jahrh. nachweisen: Caschaw ist so zimlichen im baw zu finden (1618)
acta publ. d. schl. fürst. 1, 9
P.; sie ist ziemlich, so ziemlich reich Kramer
teutsch-it. 2, 1463
a; Lessing 3, 60
L.-M.; G. Keller
ges. w. 1, 13; als nun die hirten fast mit ihren feldschallmeyen ... den halben vormittag so ziemlich hingebracht
Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 4, 323; der knabe schreibt noch so ziemlich Ludwig
teutsch-engl. 2592; J. H. Voss
Odyssee 318
B.; mir geht es wieder so ziemlich Göthe IV 30, 129
W., oft; Tieck
schr. 4, 148; Brentano
ges. schr. 5, 151; gelesen hatte ich so ziemlich alles Herder 13, 5
S.; so ziemlich überall Dahlmann
franz. revol. 7;
vereinzelt bei dem attributiven ziemlich: obgleich ein so ziemlicher sturm sich erhub Holston u. Augusta
merkw. begeb. (1780) 178; 64;
geläufig als antwort: wie stehts pulver? so ziemlich Göthe 8, 110
W. (
Götz), Petrasch
s. lustsp. 1, 591;
daneben ohne so
hier auch üblich: wie stehts? zimlich Orsäus
nomencl. 292; ist er völlig wieder wohl? ziemlich Müllner
dram. w. 2, 84; ziemlich, so ziemlich
così così Kramer
teutsch-it. 2, 1463
a; so ziemlich
nonnihil, aliquantulum Stieler 2646. IVIV.
grammatische nachträge. IV@11)
komparation kommt nur bei den vollen bedeutungen I
und II
vor: ez ist ouch des paums schat den menschen zimleicher (
angenehmer, zuträglicher) wan anderr paum schat Konr. v. Megenberg
buch d. nat. 350; daz sie die werk der unluterkait zimlicher mainet ze triben Steinhöwel
de clar. mulierib. 43
D.; nichts zimlichers noch glichers
urk. d. schwäb. bund. 27
Kl.; ein zimlichere und ansehnlichere ursach Stumpf
Schweizerchron. 294
a;
tritt in der neueren zeit nur zusammen mit der an ziemen
und dem gleichbedeutenden geziemend
erneuerten bedeutung I
in die erscheinung: ein dankgebet wäre ihrem munde ziemlicher gewesen als so nichtsnutzige reden Storm
w. (1898) 5, 231; ziemlichst:
Shakespeare 7, 164; das (
galant) waren wir denn auch in der besten und ziemlichsten weise G. Keller
ges. w. 2, 230. IV@22)
die alte adverbform ziemlichen
reicht bis ins 17.
jahrh.: czemelichin
handelsrechn. d. deutsch. ord. 240
Sa.; zimlichen Murner
adel 41
ndr.; es ist kein ort ..., do di menschen nit ... sich zimlichen mögen erneren S. Münster
cosm. 100; Schweinichen
denkw. 162
Ö.; Schoch
com. v. studentenleb. (1657) K 1
a. IV@33)
eine wie mhd. roselëht
rosenfarbig gebildete form ziemlicht
begegnet vereinzelt: der ... cress ist ... zimelecht zerspalten Bock
kräuterb. (1539) 21; i siach ja von fern an ziemliachten stern dorten bei der strohnen hütten Schlossar
volkslied. aus Steiermark 62
a. IV@44)
die ob. wiederholt belegten konstruktionen mit einem persönlichen dativ und einem abhängigen satzgefüge verlangen die bedeutung I,
die damit, wenn auch nur als gefühlte besonderheit, trotz des widerspruchs von Heynatz
antibarb. 2, 668
in unserem sprachgebrauch zulässig ist und verstanden wird. a)
mit dativ: elliu diu werc diu vröuwelîch wârn und ouch megden zimelîch bruder Philipp
Marienleben 581; in dem kleid ..., das uns nicht zimlich ist Gryphius
trauersp. 106
P.; rede, die mich hier erniedert, ist nicht ziemlich dir und löblich Brentano
ges. schr. 3, 453;
sogar in der ma.: dat is net temelk för di Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 3, 403
a. b)
mit infinitiv- und dasz-
satz: gelauben, sölches in zimlich ze thon sey Arigo
Boccaccios decam. 10
K.; wan mir nit zimlich ist vil zuo schreiben Keisersberg
granatapfel (1510) G 2
a; zimlich und gebürlich ist es eim philosopho, dasz er wisse anfang und end desz, darvon er philosophiert Paracelsus
opera (1616) 2, 106
c Hus.; ob sie (
bücher) zu lesen euch ... ziemlich ist Gutzkow
zauberer 5, 51. IV@55)
gleichlaufend ziemen,
das I B 2
den sinn '
gut dünken, scheinen'
annimmt, kann ziemlich
in der Oberpfalz nach Schmeller-Fr. 2, 1123
die bedeutung '
wahrscheinlich'
zeigen.