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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ziemlich adj. und adv.

Bd. 31, Sp. 1116
ziemlich, adj. und adv. ahd. zimilîh decens, honestus (Graff 5, 662) und mhd. zimelîch, zimlîch (mhd. wb. 3, 889b; Lexer 3, 1119) ist wenig üblich; die blütezeit meidet das wort gänzlich; das trifft in noch stärkerem masze auch für geziemlich (s. teil 4, 1, 4, 7076) zu. mnd. entspricht temelik, mndld. temelijc, dagegen gehört mndld. tamelijc, das allein ins nndld. übergeht, zur stufe *tām-, der got. gatemiba geziemend, ahd. gizâmi, mhd. gezæme geziemend, angemessen, wohlanständig sowie mnd., mndld. betâme geziemend, betâmen passen und mndld. ghetâme, ghetâmen entsprieszen. wie mndld. tamelijc vom verbstamm tām- abgeleitet ist, so ahd. zimilîh vom stamm des verbums zëman; das -i- des stammes ist durch den fugenvokal bedingt. die mhd. kürze des vokals hält sich recht lange; letzte sichere beispiele sind etwa zimmlich Zwingli d. schr. 1, 283; H. Sachs 19, 122 K.-G.; Wickram 6, 4 B.; Moscherosch ges. Philand. v. Sittew. (1650) 1, 141; Fischart Garg. 398 ndr.; Schill teutsch. sprache ehrenkranz 45; zymmlich Lindener rastbüchl. 51 L.; ja zimmlich schreibt regelmäszig noch Schubart, vgl. dessen br. 1, 85; 102, wie kürze auch noch aus der heutigen oberschwäb. und elsäss. ma. bezeugt ist; H. Fischer 6, 1206 meldet kürze neben länge, doch auch der Brandenburger Tieck läszt gelegentlich zimmlich (schr. 15, 307) zu. ebenso beweist die schreibung zimblich bei Conr. Dietz annal. (1621) 314 und A. a s. Clara Judas 1, 20 kürze; das tut wohl sicher auch die bis gegen ende des 18. jahrh. in oberdeutschen schriften begegnende schreibung zimlich; für Luther und Alberus ist kürze gesichert; Schottel schreibt zimlich, Kramer teutsch-it. 2, 1462c ziemlich und zimlich, Frisch 2, 476b und Weitenauer orth. wb. (1764) 167 scheiden gar zimmlich (zimlich Weitenauer) mittelmäszig von ziemlich geziemend; Adelung entscheidet sich für ziemlich. anderseits gibt es auch frühe belege für länge des stammvokals, vgl.: cziemlich d. heil. leb. summerteil (1472) 8b; zihmlich Weckherlin ged. 2, 318 F.; ziemlich Hulsius (1618) 2, 12a; ziemblich Zehner nomencl. (1645) 371; Fleming d. ged. 1, 86 L.; Schwabe tintenfäszl (1745) 17. vom zweisilbigen stamm halten sich spuren über die mhd. zeit hinaus, vgl. mhd.: zymmelichen (1350) hess. urkb. I 2, 573; zimmelich Tauler pred. 85 V.; Diefenbach gl. 227b, öft.; nhd.: tzymmillich H. v. Cronberg schr. 44 ndr. und im mfränk., vgl. zimmelich Christa Trier. wb. 224a; lux. wb. 504b. md. und nd. tonsenkung erzeugt -e- in offener silbe: zemelich Diefenbach gl. 167b; c; 327c; 328a; 611c; n. gl. 381a; (1347) hess. urkb. I 2, 556.; Alsfeld. passionssp. 6540 Gr.; md. auch in geschlossener silbe: zemlich (mitte 15. jahrh.) Joh. Wolff beichtbüchl. 4 Batt.; zemblich (1518) lehensurk. Schles. 1, 264; zemlich (16. jahrh.) Bauer-Collitz 184; Rovenhagen Aachen. wb. 167; jüngeres nd. führt teilweise zu temelk: A. Rulmann klingged. 21 L., öft.; ostfries.; altmärk. heute ist die heimische wortform im nd. meist durch die hd. verdrängt. das nd. und md. sind dem worte im ganzen wenig geneigt. Luther gebraucht es verhältnismäszig wenig und meidet es in der bibelübersetzung völlig, während es im obd. im 14. und 15. jahrh. eine grosze rolle spielt und sich auch im 16. noch gut behauptet. den obd.-md. (nhd.) gegensatz in der wortwahl beleuchten Luthers abweichungen gegenüber den etwa 15 ziemlich-belegen der ersten deutschen bibel; er setzt an ihrer stelle die ausdrücke bequem, ehrlich, füglich, gelegen, geschickt, mäszig, recht, tüchtig und umschreibende wendungen (s. u.) für lat. aptus, honestus, opportunus, idoneus ein. seine wendung es taug nicht (Matth. 27, 6) gibt das neue Zürcher testament von 1525 durch es ist nit zimmlich wieder. als synonyme treten glimpflich, gebührlich, füglich, billig, ehrbar auf, in jüngerem gebrauch eher leidlich, gehörig, tüchtig, ordentlich. in der bedeutungsgeschichte lassen sich drei abschnitte erkennen, im ersten gilt der wortbegriff voll, im zweiten in einem mittleren oder geringeren grade, und im dritten steigt der bedeutungswert wieder über mittel. II. der volle begriffswert drückt sich in einer inneren übereinstimmung aus, das gleichgewicht in einem doppelseitigen verhältnis ist ungestört. die späteren glossatoren übersetzen daher treffend mit congruus, congruere, conveniens, vgl. Diefenbach n. gl. 108b; gl. 142c; 148c; gemma gemm. 1508) f 4a; f 2c; Diefenbach mlat.-hd.-böhm. wb. 74; 79; zusammenfassend: decens, decorus, consonus, consentaneus, aptus, dignus, honestus, fas Stieler 2646. I@11) göttliche, rechtliche und soziale ordnung wird als ziemlich bezeichnet; ihr kennzeichen ist die angemessenheit auf beiden seiten. I@1@aa) von seiten des übergeordneten wird ein planvolles und gerechtes verhalten erwartet: da von was daz zimelich, daz si din muoter solte sin David v. Augsburg in zs. f. d. alt. 9, 32; von eim solchen man war es fglich und zimlich, dasz Samuel, ein fürst und prophet in Israel, geboren würde Chr. Bruno de offic. mariti (1566) 49b; uns ist nicht czymlich noch fugelich, das wir dem ... bischof zu Bresslow ... in sein ... lande ... greifen und in doran swechen (1413) lehensurk. Schles. 1, 361; dieses ist geredt von zimlichen regenten, nicht von den öffentlichen bluthunden und tyrannen Melanchthon hauptart. christl. lehre 503 in corp. doctr. christ. (1560); so wellen wir ... sie ouch vortadingen vor die unsern, also huoch das czemlich und geborlich ist lehensurk. Schles. 1, 100; was auch unser hofmeister und marschalkh auf unser bevelh oder amptshalber in ziemlichen sachen schaffen, gepieten oder verpieten (meckl. 1524) Kern hoford. 1, 187; wie den königen alles, was sie mit gewalt thun würden, zimlich und wolgethan were Lorichius pädag. princip. (1595) 63; er hat yhm nicht lassen benügen an dem billichen und zymlichen einkomen von land und leuten, sondern hat auf sie gelegt steurgelt, baugelt, hie geschetzt und da geschetzt, mit mancherley aufsetzen Luther 19, 407 W.; wir wöllen auch in sölchen erbarn und zimmlichen sachen der bittung nit erwarten J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 72; straff, di mit zymmlichen und nit scharpfen worten bschegen 77; drumb laszt uns mit im zimlich faren, ein solche ruhe straaff ersparen H. R. Manuel weinspiel 3644 ndr.; so ist es auch zimlich und sted ewirm adel wol an Erh. Grosz Grisardis 5 Str. gern, wie schon ob., mit dem persönlichen dativ: warumb solt mir das selbig recht minder zimlich sein, das dir zimlich ist? Boltz Terenz 105a. I@1@bb) als religiöse oder sittliche, als rechtliche und gesellschaftliche oder soziale forderung und regel, angemessen, geziemend, gebührend, recht und billig, zuständig, ordentlich, höflich, bescheiden. belege: ir smacheit unde ir ungelimpf unde ouch ir nitlichen schimpf enphienc iezu di reine in dugentlicher meine, in ziemelicher witze leb. d. heil. Elisabeth 6345; umb zimlich essen und getrank (sakrament) Oswald v. Wolkenstein 52, 6 Sch.; ist es zymlich und billich, auch seliclich, das du dich deyner sunden mit warer reu ... entladest Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 321; so ist ez zimlich und sere nütze, daz man vor (dem abendmahl) bihte meister Eckhart in: d. myst. 2, 568 Pf.; tief nachvorschen sachen, die ja doch nit zimlich und begreiflich mügen sein on bung der tugent Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) C 5; das die ererbietung der heiligen bild zimlich wer G. Alt buch d. chron. (1493) 163a; solches wäre nach der schrift nicht ziemlich noch zulässig Er. Francisci hoh. trauersaal 1, 467; wann alle dinge werden gethan under euch zymlich und nach ordnungen (honeste et secundum ordinem; ehrlich und ordentlich Luther) 1. Kor. 14, 40 erste dt. bib. 2, 100; ietlichs mensch mag sich gebrauchen aller zimlichen fryheit und trost uff erden Eberlin v. Günzburg 1, 105 ndr.; auf das ich das wort, ampt und werck, das ich von got habe, tzymlich preysze Luther 10, 2, 106 W.; wie weit saltu gehorsam seyn? in allen tzymlichen sachen zwei ältest. katechism. 25 ndr.; dasz du Jhesum von dem crucz nemmest schier und begrabest en irlich, also recht ist und zemelich Alsfeld. passionsspiel 6540 Gr.; zimlich die todten beweinen ist nit unrecht Wickram 4, 144 B.; als sie sahe, dasz er todt war, ward sie zimlich weynen buch d. liebe 80d; J. Ayrer 3, 1764 K.; altertümlich ebenso bei E. M. Arndt 6, 104 R.-M.fas Diefenbach gl. 226b; fastus 227b; par zimlich, geburlich, einhellig 411b; fas n. gl. 167b; men sal enen yuweliken anspreken vor synen temeliken (ordentlichen) richter, daer he under gheseten is bei Schiller-Lübben 4, 525b; im die ... auf sein zimliche quittantz uberantworten (1492) bei H. Fischer 6, 1206; von verleihung eines guts zu ziemlichen gebrauch, im latein commodatum genandt: liehe jemand dem andern sein pferd, kleid, bett ... und derjenige, dem es also geliehen wäre, verkaufte, verschenkte, verspielete oder verbrächte solches in andere wege, so soll der eigenthum daran seinem herrn unverrückt bleiben Lüneburg. stadtrecht v. 1722 s. 46; wasz recht und zimlich ist, das gibe ich eüch Tauler sermon. (1508) 25a; bey zymlichen und pillichen rechten beleyben urk. z. gesch. d. schwäb. bund. 16 Kl.; er erbote sich gegen dem bobest mügelicher und zimelicher dinge (Straszb.) städtechron. 8, 69; was sich ... nach zimlichen und billichen dingen geburt zu thun chron. v. Bamberg 1, 158 Chr.; diese formel begegnet häufig, vgl.: (salzburgisch 17. jahrh.) österr. weist. 1, 76; nach gleichen und zimplichen dingen (1517) Lori bair. bergrecht 158; archaisierend: sollen dem kaiser in allen ziemlichen und billigen dingen untergeben seyn Eichhorn staats- u. rechtsgesch.3 2, 287; es soll aber ein gegklich mensch ... sinem rechten herren ... glimpflicher und zimlicher diensten gehorsam sin Tschudi chron. helv. 1, 276; im anschlusz an geziemen und ziemen erneuert sich der alte wortsinn in jüngstem sprachgebrauch: einen vertrag, wie er in so zweifelhafter sache ziemlich war G. Freytag bild.8 1, 448; und ob ... mit ihr (einer als hexe verklagten frau) ziemlich ist verfahren worden Grässe sagenb. d. preusz. staates 1, 175. die gezeug warn nit zimlich (convenientia testimonia non erant; stimmete nicht uberein Luther) Mark. 14, 56 erste dt. bib. 1, 181; solh sein bitt (haben) wir fur zemblich angesehen (1518) lehensurk. Schles. 1, 264; G. Franz bauernkr., aktenbd 105; wes ine ... zimlichs und billichs frondinst uffgelegt wurd, darin wolten sie gerne willig sin (1475) 3; wie woll derselb zinskauf ... ist bestetiget als eyn zymlicher und zugelassener handel Luther 6, 51 W.; uf beder partei ziemlicher koste und scheden weist. 6, 85; soll solcher gerichtskostung und atzung halb zimliche und gleichmeszige ordnung machen Karolina art. 204; als zeugnis älteren sprachgebrauchs: nothdürftiges und ziemliches essen Adelung2 4, 1711. — decens Diefenbach gl. 167b; c; 189c; facetus n. gl. 164b; modestus bescheiden, züchtig, still, zimlich Frisius 830a; temperans mäszig, zimlich, züchtig, behuotsam 1293b; verecundus züchtig, zimlich, nit zuo gäch, behuotsam, bescheyden 1362a; modeste, moderate, modice ..., leniter ..., abstinenter, temperate zimlich, mesziglich Alberus n. dict. gen. hh 1b; nu sit ir kúnegis wol gewert, als iuwir herce hat gegert. dem dienent, das ist zimelich! Rudolf v. Ems weltchronik 23 075; ders., gut. Gerh. 6568; als man siht, daz sich etewenne ein gebûre ûzer eime dorf schamet, daz er izzet, sô er ob eins herren tische sitzet, und ist ein zimelîch ding und ein nôtdurft Nikolaus v. Straszburg in: d. myst. 1, 262 Pf.; ez ist ouch zimlich unde reht, daz du solt ein gemahel han ritter v. Staufenberg 654 Schr.; alszdenn solten nit vil durcheinander reden, sonder in zymlicher ordnung, ainer nach dem andern sein guotbedunckhen sagen Berthold v. Chiemsee 53 R.; auf das tzymlich ehr, tzucht und ordnung gehalten werde Luther 8, 497 W.; und der allmechtig gott erhort sin zimliche bitt, und sin husfrow Demuot ward swanger Stretl. chron. 12 Bächtold; den herrn niemand das zimlich spielen verargen mag Lorichius pädag. princip. (1595) 282; dein lachen soll zimlich sein Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) F 3a; S. Franck sprichw. (1545) 1, 26b; zimlich geselschaft Eberlin v. Günzburg 1, 19 ndr.; (gott) nit verbüt, dasz man die lebendigen nit sölte zimmlicher eererbietung eeren Zwingli d. schr. 1, 283; glucks gewünschet mit diemütigen und zymlichen worten (Nürnb. 1440) städtechron. 3, 354; myn volk dat is temelik unde hovesch Korner bei Schiller-Lübben 4, 526a; wart schentlich und nit mit zimlicher ere begraben (Nürnb.) städtechron. 3, 177; von lecherlichen fastnachtspielen, ... doch alle unzucht auszgeschlossen, allein zu zimlicher freud ... den schwermütigen ... hertzen H. Sachs 9, 1 K.; zimliche freud schad nicht Petri d. Teutsch. weiszh. 2, N nn 6a; zuo guoter ärbet bis nit träg, gewinnen guot, suoch zimmlich weg Joh. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 144; der mich doch sonst auch zimblich (als redlichen menschen) kennt H. Sachs 17, 26 K.-G.; die götter all in einer sumb versuchten zimlich disen wein, Vulcanus schencket redlich ein Spreng Ilias 12b; welches ihr untertheniges vielfeltiges bietten (bitten) ich vor ziemblich geacht (Komotau 1551) R. Wenisch zunftordn. aus Komotau (1936) 4; Sattler phraseol. 210; Wickram 2, 5 B.; gegen deren (frauen) er zimliche complimenten zu machen wuste Grimmelshausen 3, 337 Keller; so im seine klaider ze tragen zimlich seind Neidhart Terenz 107; up dat radthus in eren temeliken klederen kamen bei Schiller-Lübben 4, 525b; Just. Möser s. w. 1, 435; in jüngerer zeit einige wenige fälle: eine ziemliche bitte den damen nicht abzuschlagen Musäus volksmärch. 2, 35 Hempel; haben sich ... nach Weimar ... mit zierlichen und ziemlichen bitten gewendet Göthe IV 38, 73 W.; wie er sich um dessen mündel ziemlich bewerbe Gaudy s. w. 4, 123; ein freier sinn ist das allein dienliche wie das allein ziemliche Fontane I 4, 390. enem tämliken gehorsam bewisen bezeichnet das brem. wb. 5, 18 als veraltend. I@22) erlaubt: licere zemelich sin, fugen, zemen, zymmen Diefenach gl. 327c; licitus 328a; vacat es ist unnutz vel zymlich, ydt is ydel vel tzo pasz vel tzemlich 604a; vacat vel licitum vel opportunum est es ist zymlich gemma gemm. (1508) C 8a; quod fieri licet zimlich, licenter zimlich o 5b; fas k 1b; t 2b; wie die jüden Jhesum fragten, ob es zymlich wer, an dem sabbath gesund zu machen erste dt. bib. 1, 428; ob etlicher fecht mit gejaid und von vogeln ein wilde oder ein vogel, das do ist zimlich ze essen (quibus vesci licet; das man isset Luther) 3. Mos. 17, 13 ebda 3, 420; lassen sich beduncken, wie sie allzeyt recht thuon, und sey in alles zymmlich und erlaubt Albr. v. Eyb d. schr. 1, 20 H.; Eberlin v. Günzburg 1, 21 ndr.; nyemand ist zymlich, wasser zuo fren ausz dem gemein casten clagantwurt (1497) 29a; mus man kein zimliches und zulässiges mittel verabseumen, etwas für sich zu bringen Butschky Pathmos 638; so eyner eyn zimlich, unverbotten werck ... thut Karolina art. 146. I@33) von sachen, dingen, gegenständen, zuständen 'angemessen, gelegen, passend, geeignet, zuträglich, bekömmlich, ordentlich, begründet': competens bequem ..., eben, zimlich Diefenbach gl. 137b; idoneus gelimpfig, czimlich, genäm n. gl. 208b; conveniens genem oder zymlich gemma gemm. (1508) g 1b; das wir ... vinden die genad zimlicher hilf (gratiam inveniamus in auxilio opportuno; auf die zeit, wenn uns hülfe not sein wird Luther) Ebr. 4, 16 erste dt. bib. 2, 250; so bite wir uch, daz ir uns eynen zemelichin tag benennet (1347) hess. urkb. I 2, 556; und do ein zimlicher tag was genachent seiner geburt (dies opportunus; ein gelegener tag Luther) Mark. 6, 21 erste dt. bib. 1, 142; in dem zimlichen zeit (in tempore opportuno; zur rechten zeit Luther) psalm 31, 6 ebda 7, 244; predig daz wort, anstee zimlich und unzimlich (ἐπίστηθι εὐκαίρως ἀκαίρως, insta opportune importune; es sey zu rechter zeit oder zur unzeit Luther) 2. Tim. 4, 2 ebda 2, 230; er (Judas Ischariot) suocht, in welcher weys er in zimlich antwurt (εὐκαίρως, opportune; wie er in füglich verrhiete Luther) Mark. 14, 11 ebda 1, 177; in zimblicher zeit, die ime der richter setzen wurde Karolina art. 12; art. 73; alle ... gefell und rechtung ... auf zimliche zil ... erlegen Stumpf Schweizerchron. 377a; ein zimliche latinische schul anrichten Melanchthon anricht. d. lat. schul. 63a; trincket solche prüh warm ausz einem zimlichen glas Sebiz feldbau 68; mit zimleicher erznei Konrad v. Megenberg buch d. nat. 275; opiat, diu dem siechtuom zimleich sei 360; die wein, die man auz korn und auz gersten macht, sint niht zimleich 352; geben jedem mönch 3 quärtlin guten zimlichen wein (Augsb. 1521) bei H. Fischer 6, 1, 1206; mein tyriack war nicht bös, hatt zimblichen gschmack M. Mangold markschiff (1596) E 4; machs fein käulicht, wie ziemliche brod pflegen zu seyn fischbüchl. 85; die güter in zimlichen pau halten Tucher baumeisterb. 315 L.; bauung halber stehet es (die festung Sathmar) in zimlichem zustande acta publ. d. schles. fürst. 1, 9 P.; zimleich (angenehm) und lustig an ze sehen Konrad v. Megenberg buch d. nat. 62; das in allen kirchen dies lied teglich in der vesper, datzu mit sonderlicher zimlicher (schöner) weis ... gesungen wirt Luther 7, 545 W.; venustus zierlich, czemelich Diefenbach gl. 611c; o grosze mayestet, o süszer hertzenzwang! o zihmliche (stattliche) statur, o göttingleicher gang! o sehlgewinnende bewegung, stand, geberden! Weckherlin ged. 2, 318 F.; ein uberaus sehr schöner hengst, welcher zimlich (kostbar) aufgezäumt war buch d. liebe 8c; zimliche land in den waiden der vich (aptas animalibus alendis terras; bequeme stet zu irem vieh Luther) 4. Mos. 32, 1 erste dt. bib. 4, 116; zymliche ambechter des neuen gezeugs (idoneos ... ministros; tüchtig ..., das ampt zu füren des neuen testaments Luther) 2. Kor. 3, 6 ebda 2, 115; er ist nit zimliche inzugen zu dem reich gots (aptus ... regno dei; geschickt zum reich gottes Luther) Luk. 9, 62 cod. Teplens.; zymlich zu disen dingen (idoneus; hiezu tüchtig Luther) 2. Kor. 2, 16 erste dt. bib. 2, 114; zimlich zu einer gasterey H. Sachs 9, 32 K.; welches an solchen orten zimlich gedeien ... mag Sebiz feldb. 20. IIII. im kampf gegen den bürgerlichen kleiderluxus und die völlerei im 15. und 16. jahrh. gewinnt der begriff ziemlich den wert einer maszbestimmung. unter ausschlusz der religiösen, rechtlichen und sittlichen sphäre wird der bereich des wirklichen und praktischen lebens das sinnfeld des wortes ziemlich. der gebrauch in der sittenpredigt richtet sich allein auf die wiederherstellung einer äuszeren ordnung dadurch, dasz in dem kreise des bürgertums die verringerung der ansprüche, die mäszigkeit gefordert wird. so rückt ziemlich zur bedeutung mäszig, mittelmäszig, schlicht, einfach, bescheiden, gering herab. doch bildet zunächst die vorstellung des ausreichenden, genügenden, hinlänglichen den übergang. II@11) von der lebenshaltung. II@1@aa) die vermittelnde bedeutung ausreichend, genügend, hinlänglich wiegt noch vor; für besoldung, lohn, geschenke läszt sich manchmal auch noch der sinn angemessen, entsprechend erkennen, vgl.: dencke der rat, sich mit zymlicher vererunge gegen ime gonstiglich zu bewysen (1493) Bücher berufe d. st. Frankf. 106b; ein zimlichen jarsolt haben (Nürnberg) städtechron. 11, 803; 2, 285; so wöllen wir ... einen teüglichen ... pergkrychter mit zymmlicher besöldung halten (1531) Lori bair. bergrecht 200; einen zymlichen lohn Luther 23, 358 W.; so glob dein treuen dienst mir ahn, zu dienen umb ein zimling lahn! H. Sachs 11, 234 K.; Karolina art. 17; Stumpf Schweizerchron. 730a; redelick und themelick loen seerecht v. Lübeck v. 1542 art. 23 bei Pardessus collect. de lois marit. 3, 431; ein zimliche verehrung geben Bugenhagen braunschweig. kirchenord. z 2; hat ... sein kriegsvolck zimmlich gespeyset Xylander Polyb. 450; für einen kaufpreis: umb ein zimlichs gelt gebe er mir sy (die höhle) ... zur erbbegrebnusz (pecunia digna; umb eyn gleychs gelt (1523) Luther; umb ein redlich gelt (1534); so viel sie werd ist (1545) 1. Mos. 23, 9 Zürch. bib. (1531). der oben angegebene sinn ausreichend liegt vor in folgenden fällen: dann man inen (den priestern) zimliche und eerliche uffenthalt, auch versehung, nit zuo einem muotwillen oder uberflusz, thuon sol H. Gebweiler lob Marie (1523) 36b; solch zerung zimlich thun Karolina art. 39; archaisch so noch bei A. v. Arnim w. 7, 30; wie ich denn in guter hoffnung stehe ..., es sollen ... viel örter in der schrift ... zimlich erkleret ... sein Mathesius Sarepta (1571) vorr. 2b; ein jeder, so solcher sachen zimlich unterrichtet (ist) Ruoff hebammenb. )(2b; Micraelius alt. Pommerland 1, 16; so die verhörer befinden, dasz er (der kandidat) zimlichen verstand hat christlicher lehre meckl. kirchenord. v. 1650 in Scharenberg-Genzken gesetzsamml. f. d. meckl.-strel. lande 1, 87; ein herr, der zimblichen gewalt, verstand und glück hat, ist denen bundsgenossen allen wolgewachsen Lehman flor. pol. (1662) 1, 128; znacht ... erwelt käsmilch, doch dessen alles zimlich gnuog Th. Platter 13 Boos; meine wenigkeit, so ... sich bey zimlicher erträglichkeit noch erfindet Butschky hochd. kanzlei (1659) 1, 3; trenck sie und heb den sattel ab, das (dasz sie, die eselin) auch ein zimlichs futter hab Pamph. Gengenbach 326 G.; mit acht ochsen kan ein ackermann seinen acker zimlich bestellen viehbüchl. 15; armer leute tochter sollen ... auszm gemeynen kasten zum ehstande beraten werden mit einer zimlichen hulfe Luther 12, 26 W.; die bedeutung bescheiden, gering tritt schon auf: er sol auch den armen allzeit umb ein zymlichen und dem richen umb ein guten lon helfen Gersdorf wundarzney (1526) 23b. II@1@bb) von einkommen und verbrauch, von kleidung und preisen bescheiden, einfach, schlicht, mäszig, gering, wobei zunächst noch die bedeutung hinreichend und auskömmlich mitspricht; vgl.: das der kaufmann kund ... seyne zymliche narung davon haben Luther 15, 296 W.; H. Sachs 22, 485 G.; Murner mülle 795; ein handwercksmann, der in ziemlicher nahrung sitzet Mylius corp. constit. Marchic. 4, 3, 79; diese tritt zurück: zimmlich armuot vil ringer ist dann überflusz zuo aller frist schweiz. schauspiele des 16. jahrh. 1, 188 Bächtold; liesz ihm benügen an eins tzymlichen burgers gut Luther 10, 2, 157 W.; wo der wird braucht zimlich und meszig H. Sachs fastnachtsp. 1, 57 ndr.; wir ... gebieten och, ein zimlich wesen gehalten und unmäsziger kost abgestelt werde dokum. z. gesch. d. bürgermeist. Hans Waldmann 1, 314; sumptibus adhibere modum zimlichen kosten haben, ein masz halten im auszgäben Frisius dict. 34b; eyn zymlich pfründ nert eynen wol S. Brant narrensch. 32 Z.; beschert dir gott ein zimlich glück, so seh, das dich der geitz nicht drück Er. Alberus fabeln 27 ndr.; zimlich glück lebt am besten S. Franck sprichw. (1541) 1, 108a; er (der kaufmann) nymt ein zymlichen gewin, das im sein unmuosz und arbeit bezalt wirt Keisersberg brösaml. (1517) 1, 90b; eine zimliche steuer behelt die underthanen bey kreften Friedr. Wilhelm sprichw.-reg. o 2b; wann sie sich mit zimlicher reichthumb nicht lassen verngen Bech Agricolas bergwerkb. 18; mediocriter vestitus ziemblich bekleydet Zehner nomencl. (1645) 371; mit dem etwas höheren sinn anständig, ordentlich: zimlichen schmuck tragen und redliche narung suchen, ist die not und nit sund Luther 6, 253 W.; das man eine braut zimlich schmückt 24, 418 W.; also butzte ich mich zimlich Grimmelshausen Simplic. 301 Scholte; dagegen schlicht, einfach: modicus cultu zimlich und nachgültig bekleidt oder einer einfalten und schlächten kleidung Frisius 250b. von preisen preiswert, wohlfeil, billig: unsrer gemeyn söllich brot umb ein zymlich gelt mitteilen und geben lassen (Augsb. 1438) städtechron. 1, 456; H. Sachs 2, 385 K.; Tucher baumeisterb. 317 L.; Schiller-L. 4, 525b; dasz die wirt ire wein umb einen zimlichen pfenning ausschenken sollen (1616) Schmeller-Fr. 2, 1123; in rechtem kauf und zimlichen wert verkauft (Nürnb.) städtechron. 11, 799; darumb hat Josseph recht gethan, weyl es gott also schicket, das er umb eynen gleychen, zymlichen kauf, den die zeyt gab, alles zu sich brachte Luther 15, 306 W.; ein rotes thuch im kauften ab, weil ers in umb ein zimlichs gab B. Waldis Äsop 2, 231 Kurz; solche ross ... wol und in zimlichem wert überkommen Montanus schwankb. 140 B.; verhiesz im lieferung und profandt umb ein zimlich gelt S. Franck Germ. chron. (1538) 144a; umb ein zimliche bezalung ders. chronica 232b; gersten ... fand man gnug im zimlichen kouf Tschudi chron. Helv. 2, 2; 2, 73; österr. weist. 10, 5; 1, 8; Schmeltzl lobspruch 83; ein bursche oder stipendium, darin man inen (den armen studenten) zimlich (billig, für wenig geld) zuo essen soll geben Val. Schumann nachtbüchl. 264 B.; in ziemlichen preisz Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1463a. recht eigentlich ein feld für den neuen begriff der mäszigkeit ist das gebiet des essens und trinkens; noch spielt kirchliche forderung hinein bei Osw. v. Wolkenstein: dasz er den hunger zimlich püesz 89, 45 Sch.; diese hat sich verflüchtigt, und die bedeutung mäszig gilt ohne einschränkung: der sich aber zimmlich haltet, der lengeret seyn leben (wer aber meszig ist, der lebet deste lenger Luther) Jes. Sirach 37, 34 Zürch. bib. (1531); mediocris, iustus mesziglich, zimlich Alberus n. dict. gen. h h 1b; abstinenter, temperate ..., frugaliter zimlich, mesziglich ebda; sobrius mäszig in essen und in trinken, zimlich in speysz und trank, nüchter Frisius 1217b; Keisersberg nd. d. munds 9a (zit. t. 5, 994); (ein pestkranker) soll ... sich zimlich halten mit essen und trincken Gäbelkover arzneib. 2, 182; Lindener katzipori 110 L.; kopf, brust und füsze warm halten, daneben wol essen und ziemlich trinken bewart wol für krankheit Petri d. Teutsch. weiszh. 2, Ll 8b; mit zimlich weintrinken werden die glider und augen gesterkt Deyger pädonom. H 6b; H. R. Manuel weinsp. 2324 ndr.; vinum operarium, qualecunque vinum ein zimlicher (geringer) wein Alberus n. dict. gen. Nn 3a; darnach reite es (das verstopfte pferd) in das feld, es reiniget sich zuhand, darnach gib ihm ziemliches (wenig) futter J. Walther pferdezucht (1658) 146; ain zimliche übung ist dem leib guot Friedr. Wilhelm sprichw.-reg. l 1b; ein zimblicher oder wie man spricht ein halber herbst (1592) bei H. Fischer schwäb. 6, 1, 1206. II@22) als deutliche bezeichnung für ein mittelmasz; unterstützende angaben sichern bisweilen den sinn eines mittleren oder niedrigen wertes. II@2@aa) gegenständliches, wobei eine reale gröszenangabe gemacht wird: ir mundt was zimlicher kleine Nicl. v. Wyle translat. 23 K.; ein zimlicher brügel: H. Sachs 14, 275 K.-G.; solt du in der grösz einer zimlichen bonen auf einmal geben Ryff confectbuch (1548) 18b; perlin ... einer ziemlichen nusz grosz buch d. liebe (1587) 190c; Lohenstein Armin. 2, 810b; mach zwey löcher eines zimlichen fingers weit Ercker mineral. ertzt 6a; des allereltesten ... weyns ungefarlich ein zimliche masz Forer Gesners tierb. 66; wie eyn zimlicher pomerantzenapfel grosz Sebiz feldb. 203; davon brauch abends und morgends ein zimlichen löffel voll Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 50; so kreftig, dasz er in besten tagen seines alters einen zimlichen (mittelgroszen) mann auf sein rechte hand hat stehen lassen Stumpf Schweizerchron. 230a; der probierer ausz etlichen kupfersteinen hauwet stücklin herausz, ausz kleinen kleine, ausz zimlichen zimliche, ausz groszen grosze Bech Agricolas bergwerkb. 203; ich kam zu einem flecken, welches ich seiner grösze halber vor eine zimliche (kleine) stadt ansahe Grimmelshausen 2, 432 Kell.; die Cingaler wohnen in zimlichen und unkostbaren häusern W. Schultz ostind. reise (1676) 107b; glasz, darin gieng by einer zimlichen masz Th. Platter 88 Boos; die frucht sey wie eine grosze traube, wachse so grosz wie ein ziemlicher kürbs, und die kern daran seyn wie die äpfel Schupp schr. (1663) 98; ein pfatzaun ... soll sein so hoch, dasz er einem zimlichen mann under die uchsen gange dt. rechtsalt.4 1, 130. II@2@bb) masz für menge, masse, kraft, leistung, alter, auch artangabe: solch zimlich und klain nachsteur (Augsb.) städtechron. 5, 73; und söllint ir úch dester ains zimlichers gewis (eines geringeren gewinnes) lon benoegen (15./16. jahrh.) K. Krieger sprache d. Ravensb. kaufleute 51; man findt heymlich reich leut ..., da sich weib und man mit einander vertregt und mit zimlicher arbeit (das ir kurtzweil ist) ein guot narung haben S. Franck sprichw. (1541) 2, 70b; wie die kräuter und pflanzen mit zimmlichem wasser ernehret, mit uberflüssigem aber erstöcket werden Fischart ehezuchtb. 300 H.; zimmliche frucht geben: Frisius 124a; (ein) wäldlin ..., welches brennholtz und zimlich (einiges) bauholtz gebe Sebiz feldb. 2; soll er ein zimliche weite vor allen hauffen hinziehen Fronsperger kriegsb. 1, 91b; ein zimlichen (mittleren) steinwurf wyt Th. Platter 74 Boos; eine ziemliche menge un numero competente Kramer teutsch-it. 2, 1462c; der zimlich (mäszige) sonnenscheyn ist im (dem vogel) auch nütz Forer Gesners tierb. 125; legs (das beutelchen) in zimlicher wärmin auf das haupt Gäbelkover arzneib. 1, 9; ein ziemliches licht Ettner v. Eiteritz medicin. maulaffe )( 4a; ain ... knecht ... von zimlichen jaren Steinhöwel Äsop 41 Ö.; ein hausvatter soll ein meyer erwehlen ..., der zimliches und mittels alter seie Sebiz feldb. 37; kundt uber sibne nit zölen und het doch ein zymmlichs alter, ungefähr bey drey und dreyszig jaren Lindener katzipori 70 L.; des bletter seind vast zerspalten oder gekerft wie ein zimliche (gewöhnliche) seg (säge) Bock kräuterb. (1587) 8; rechtssachen ..., die nicht ans leben gehen, als zimmliche (geringfügige) schelmstück Reutter v. Speir kriegsord. 76; es war ein leyden guoter compan ..., ein zimmlicher poet Lindener katzipori 134 L.; der büffel ist ... an der höhe wie ein zimlicher (gewöhnlicher) ungerischer ochs Herold Gesners tierb. 31; mediocre zimlich, mittelmäszig Hulsius (1618) 2, 245a; er kostet in (den wein) und sprach: zimlich; dennoch ist er besser dann der erste Kirchhof wendunm. 1, 181 Ö.; es wechst auch da ein zimlich wein; doch haben sie nicht ferr an Rhein; wann eim der Ursler nicht gefellt, so wird ihm rheinscher fürgestelt Er. Alberus fabeln 186 ndr.; von ziemlicher schönheit di mediocre bellezza Kramer teutsch-it. 2, 1462c; ein ziemlicher weg camino passabile, practicabile ebda; passable gangbar, das noch hingehet, ziemlich Wächtler 274. IIIIII. die letzte entwicklungsstufe gibt den zusammenhang mit einer inneren und äuszeren übereinstimmung auf; gegensätze nach alter auffassung vereinigen sich ungezwungen, vgl.: da er die schöne der frauwen sach, wardt er zymlicher liebe gegen ir bewegt Luther 11, 280 W.; dasz sie sich nicht enthalten konte, des printzen hand zu fassen und ihre brunst durch ziemliches drücken sattsam an den tag zu legen Ziegler asiat. Banise 163; eine zimmliche thorheit begehn Moscherosch gesichte (1650) 141; zimlich fluchen Schottel haubtspr. 780; ein ziemlicher proviantmangel Chemnitz schwed. krieg 2, 157; zimlichen schaden leyden Herr feldbau 20a; niederlage ... eine ziemliche clades non modica Apinus gloss. nov. 369; ich führe ... ein ziemliches faullenzerleben J. G. Forster s. schr. 7, 109. in all diesen fällen wäre in altem sinne ziemlich durchaus etwas unziemliches. den neuen gebrauch kennzeichnet somit der verzicht auf ein sittliches oder aus anderen bindungen erwachsendes urteil, übrig bleibt eine maszangabe, die aber auch von der rücksicht auf ein mittelmasz, also von der normierenden absicht von II, frei ist. der psychologische grund für diesen verzicht mag in dem erlöschen des sittenbessernden bemühens des 15. und 16. jahrh. zu finden sein. dann bliebe nach dem verlust jeden ethischen gehalts das blosze gefallen und gutdünken als letzter rest der bedeutung von ziemlich übrig, ein ergebnis, welches sich mit der entwicklung des verbums ziemen, dessen letzte bedeutungsphasen auf eben diesem wege ablaufen, zu decken scheint. vielleicht läszt sich aus diesem gefallen und gutdünken auch die offensichtliche steigerung des maszbegriffes über das mittelmasz hinaus, wobei indessen immer noch eine einschränkung bleibt, begreifen. III@11) als attribut. ein beispiel aus den drei bedeutungsstufen, das den wandel der auffassung klar vor augen führt, ist folgendes: ich ... erwarb mir ein ziemliches geld S. Brunner erz. 1, 137, wozu die belege mit demselben wortlaut von II 1 b, in welchen vom preiswerten kauf oder verkauf die rede ist, und die vergleichbaren von I 1 b, welchen eine gültige ordnung das gepräge verleiht, heranzuziehen sind. wichtig ist in dem fall von III 1 das fehlen eines verhältnisses zu einem handlungs- oder vertragspartner. weitere belege: dasz er ein zimlich stück geld zusammengebracht Grimmelshausen 2, 349 Kell.; 352; noch vil andere accidentien machen ihm so einen ziemlichen gehalt, dasz er sich das schönste kapital sammeln kann G. Stephanie s. lustsp. 57; ein ziemliches geld daran verdienen Kästner verm. schr. 1, 247. auch die teilnahme eines beziehungspartners stört die neue vorstellung einer unbezogenen maszgrösze nicht, vgl.: weil seine vormünder ... eine zimbliche schuldenlast auf ihne devolviret acta publ. d. schl. fürst. 1, 49 P.; ich würde, obwol mit verdrieszn, ein ziemlichen zoll geben müssn lied. auf d. winterkönig 204 W.; sie solten ihme nur beyde eine ziemliche summe gelds auf die hand geben Stranitzky ollapatr. 327 Wien. ndr. den materiell steigernden sinn erkennt man an einer stelle bei Heyden durch den vergleich mit der lat. vorlage: er starb ... daran (am fieber) in einem zimlichen alter (eo consumptus est satis longa senecta) Plinius (7, 51, 172) 69; danach ist also auch das folgende ziemlich mit ziemlich hoch, recht hoch, recht gut wiederzugeben: sunst kumpt der fuchs z zimlichem alter Forer Gesners tierb. 56; vgl. dagegen die belege für alter in II 2 b, in denen ziemlich nicht zu hoch bedeutet. an einer ware sah der bedeutungsabschnitt II nur das mittelmäszige (vgl. den wein-beleg von Alberus fab. 186 ndr. II 2 b), jetzt gibt ihm ziemlich den wert eines leidlichen, brauchbaren getränks: es seyn daselbst (in Grüneberg) ... weinberge, darin ein ziemlicher wein wächst Holtei erz. schr. 13, 177. dieser fall ist übrigens selten, da sonst auch bei waren ziemlich nicht ein güteurteil abgibt, s. unt. III 1 a. III@1@aa) bei konkreten wesen und dingen, vorgängen und meszbaren gröszen; es scheint, als ob ironische aussage eine naheliegende bedeutung erziele, vgl.: ain haan und viertzehen hennen und fünf pfunt pfenning das waren als (als mitgift) zimliche ding! liederb. d. Hätzlerin 260 Haltaus. zutreffende zeugnisse: welche ... starke arme und zimmliche schenkel haben Hegger christl. heerpred. (1590) 1, a 3a; dasz ich den kopf zimlich grosz gemacht, hab ich mit fleisz gethan, dann sie durch und durch zimliche häupter haben Arnold wahrhaft. bericht 340; jägerpursche, die manches mal schon ziemliche bärte ums maul herum haben Heppe lehrprinz (1751) 276; eine ziemliche (recht grosze) otter Chr. Lehman histor. schauplatz (1699) 621; ein ziemlich (schon lange der wiege entwöhntes) kind Stieler geh. Venus 120 ndr.; so viel geld ..., mit welchem ich auch ohne ihn wol ein zimlicher (ansehnlicher) herr hätte seyn können Grimmelshausen Simplic. 380 Sch.; sie schieden als ziemliche (ziemlich gute) freunde Tieck schr. 9, 221; dat is all 'n tmligen (stattlicher) jung Mensing 5, 43; man möcht ein zimlichs haus darausz pauen Jac. Strausz christ. unterr. (1523) B 2b; ein ziemeliche kandel wein B. Krüger Clauerts werkl. histor. 50 ndr.; nachdem sie ... ein zimmlich loch ins fasz getrunken Fischart Garg. 398 ndr.; cochlearium, tigula ein zimlicher löffel voll Orsäus nomencl. (1623) 148; zuhand fieng einer an zu pfätzen und zert ein zimlich stück (vom braten) herab Scheit Grobianus 4441 ndr.; da sie ... eine ziemliche stadt ... für sich sahen Happel akad. rom. 537; Camstigal ... ein zimliches dorf Hennenberger preusz. landtaf. 43; bestehet jene (meierei) in 151 ... acker land ..., 77 acker weiden oder huden und ziemblichen gärten Cassel. zeitg 1731 s. 204; eine zimliche, nit zu kleine kirchen bei H. Fischer 6, 1, 1206; ein ziemlich (stattliches, recht groszes) buch Gryphius trauersp. 15 P.; ich musz ... noch die schriften des mannes, einen ziemlichen quartband, durchlesen Görres ges. br. 3, 142; ziemliche (ziemlich grosze) briefe J. Prätorius winterflucht 48; sie trug ziemliche bündel unter den armen Göthe 33, 95 W.; ein ziemlicher bach Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 124; e zimlige huffe heu Seiler Basl. ma. 325b; e zimliger korb voll äpfel Martin-L. 2, 904a. wie schon mehrfach ob. zeigt sich in folgenden fällen die unfähigkeit von ziemlich, ein werturteil abzugeben (s. ob. III 1), vielmehr beschränkt es sich auf eine quantitätsangabe, vgl.: ob er gleich ... ziemliche (ziemlich viel) wahre ... vertrieb J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 132; sollen dieselben gemach zimliche (ziemlich grosze) luftfenster haben Herr feldbau 47b; so bedeutet ein ziemliches geplauder G. Keller ges. w. 2, 76 ein recht lange währendes geplauder; andere fälle dieser art: hier kommt ... eine ziemliche sendung Göthe IV 11, 94 W.; schon früh: er ... züchtiget in ... mit zimblichen (kräftigen) schlegen Wilw. v. Schaumburg 109 Kr.; Grimmelshausen 2, 24 Kell.; ein ziemlichen hieb Ziegler asiat. Banise 4; Nanny ... gab dem Franzosen eine ziemliche ohrfeige Brentano ges. schr. 4, 236; heute nacht haben wir sie (die dritte stellung) bei ziemlichem feuer besetzt kriegsbriefe gefall. student. (1928) 195; he hett 'n tmligen brand (ist recht stark betrunken) Mensing 5, 43. ein beleg wie der folgende stellt sich zu dem wein-beleg ob. III 1: dasz Gelanor den actum mit einer ziemlichen (recht nachdrücklichen) straffpredigt beschlosz Chr. Weise erznarr. 35 ndr.; hierher auch österr. weist. 1, 174; ferner: ein fourir musz nicht allein eine ziemliche (leserliche) hand schreiben Fleming soldat 149. besonders häufig tritt ziemlich zu maszausdrücken, die es als ziemlich grosz oder umfangreich bestimmt: ein landschaft Troiae entgegen in zimlicher distantz gelegen Spreng Äneis 43a; der herr führte sie nicht den nächsten weg, sondern ... einen zimlichen umbweg Dannhawer cat.-milch 1, 102; einen flusz von einer ziemlichen weite Archenholz Engl. u. Ital. 1, 134; dt. sag. 1, 142; eine ziemliche ecke von der warheit entfernt Prätorius reform. astrol. (1665) 14; eine ziemliche strecke Jung-Stilling s. schr. 1, 94; in ziemlicher entfernung Gutzkow ges. w. 6, 162; namentlich gern mit zahl, anzahl und zeit, weile u. a. ausdrücken verbunden: eine ziemliche zahl meiner poetischen gedanken G. Neumark poet. lustwäldch. vorr. 11b; mit ainer zimblichen anzal volckhs Brandis landeshauptleute v. Tirol 1; ein zimmliche anzahl Schill teutsch. sprache ehrenkranz 45; Fleming soldat 261; Herder 12, 243 S.; Ranke s. w. 8, 146; u. a.; ich ... hörete ... eine ziemliche zeitlang ... bitteres weinen theatr. amor. 103; Brandis landeshauptleute v. Tirol 68; darüber ... verging eine ziemliche zeit Stifter br. 2 (1918) 277; eine ziemliche weile Gryphius Squenz 28 ndr.; Wieland Agath. 1, 255; Göthe 27, 169 W.; in welcher (der hohen schule) ich ... zimliche jahr verharret Moscherosch gesichte (1650) 5; A. a s. Clara etw. f. alle (1711) 1, 74. III@1@bb) bei abstrakten: eine ziemliche gleichheit Thomasius de präjudiciis 52 Br.; eine ziemliche fertigkeit Fleming soldat 31; eine ziemliche ähnlichkeit J. J. Schwabe belust. 1, 12; Bodmer abh. v. d. wunderbaren 17; eine ziemliche kenntnis J. A. Scheibe crit. mus. 429; Lessing 18, 426 L.-M.; das ... lohgerberamt ist noch jetzt in ziemlichem ansehen Just. Möser s. w. 1, 121; K. Fr. Cramer Neseggab 1, 30; der mann hatte ... eine ziemliche kenntnis der sprache Göthe 46, 98 W.; Tieck schr. 3, 3; J. G. Forster s. schr. 4, 39; ich ... war in ziemlicher angst Brentano ges. schr. 5, 338; Kerner bilderb. (1849) 32. hier gibt Frisch 2, 476b eine sonst nicht anerkannte scheidung zwischen eine ziemliche grösze congrua magnitudo und eine zimmliche grösze mediocris magnitudo. III@1@cc) beachtung verdient die verbindung mit einem zweiten, in der regel nachstehenden attributiven adjektiv; ziemlich besitzt hier in den perioden I und II die ihm dort zukommende bedeutung: er ist ... eins solchen zimlichen, vergngten, gnauen lebens gewesen S. Franck chron. zeitb. (1531) 27a; das sich alle fendlin ... verfgen etwan auff einen zimlichen bequemen und weiten platz Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 53a; Carolus magnus ist ... eins vierschrötigen ... leibs, zimlicher rechter länge Kirchhof wendunm. 2, 52 Ö.; hat er (Rabelais) inen zimliche lustige materi ... zusammengetragen Fischart Garg. 13 ndr.; podagr. trostb. 12 H.; es sind ouch alle zimliche redliche spil die zit bi uns ze tund mengklich erlaubt Tschudi chron. Helv. 2, 581; selten mit und: welches (das kriegsvolk) ... bapste Alexandern ... einen zimlichen und nicht geringen schrecken einjagt Beuther Reinke Fuchs (1588) 140; archaisierend: ziemliche und groszmüthige sklavin Pückler br. 1, 95; selten auch steht ziemlich an zweiter stelle: mit rechter zimlicher ... beschirmung Keisersberg bilgersch. (1512) 6c. in der periode III setzt sich diese syntaktische verwendung fort, vgl.: man setzt die eyer ... in eynen zimlichen warmen ofen Sebiz feldbau (1579) 107; dise evangelisch warhait ... ergeht sich ... für eine zimliche grobe unwarhait Joh. Nas antipapist. 1, 36b; bisz auf ein zimliche lange wiederkunft Thurneysser magna alchym. vorr. 4; ligt am see auf einem zimlichen hohen berg Stumpf Schweizerchron. 409b; Rätel Curäi chron. (1607) 239; gieng ein ziemliches scharfes treffen ... vor Chemnitz schwed. krieg 1, 88; ein zimbliches weites gemach Moscherosch gesichte (1650) 2, 47; ein ziemlicher dicker busch federn Aitinger jagd- u. weidbüchl. A 3a; do was ein zimliche guotte schuol Th. Platter 33 Boos; das obst ... musz vorhero zermostet, in ein zimliches groszes stehendes fasz gethan ... werden Hohberg georg. cur. 1, 445; er war ... ein ziemlicher seltsamer kautz Zimmermann einsamk. 1, 234; das sind zimmliche fürwitzige narren Tieck schr. 15, 307; geht in die ma. über: eine ziemliche grosze menge neumärkisch; ist aber aus der schriftsprache verschwunden und durch das adverbielle ziemlich verdrängt. in all den belegen von III ist das adjektiv ziemlich bedeutungsmäszig mit dem folgenden adjektiv verbunden und nicht dem substantiv zugeordnet, so dasz ein ziemlicher warmer ofen nicht einen ziemlich groszen warmen ofen, sondern einen ziemlich warmen ofen bedeutet. III@22) als adverbium. III@2@aa) vor einem adjektiv oder adverbium. der anfang dieses gebrauches liegt in folgenden beiden stellen eines und desselben schriftstellers vor augen: der trank soll zimlicher starker roter wein seyn Wirsung arzneib. (1588) 546b und: darauf ein trunk zimlich starken wein thun 549c. damit ist die adverbielle stellung vor einem attributiven adjektiv als ein seitentrieb der in III 1 c dargestellten adjektivischen zusammenrückung in der periode III erkannt. die enge verknüpfung mit dem adjektiv ist einigemal durch den bindestrich bezeichnet: mit zimlich-hönischen worten A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 693; Hohberg georg. cur. 1, 685; Oken allg. naturg. 1, 501 schreibt in ziemlichgleicher menge. III@2@a@aα) vor einem attributiven adjektiv: ein zimlich leidlich schreibgelt (1525) chron. v. Bamberg 210 Chroust; da solte sie gehn auf dem weg uber ein zimlich hohen steg Fischart Eulenspiegel 31 H.; gab irem sohn, schon zimlich alt, ein junges wesen und gestalt Spreng Äneis 16a; man machet ... zimlich gut brot darausz Herr feldbau 52a; eines guten und ziemlich vermüglichen spitals Stumpf Schweizerchron. 430a; virgo habitior ein zimlich dicke jungfrau nomencl. lat.-germ. (1634) 238; doch hatt sy zimlich guotte kleider iren selbs angemacht Th. Platter 60 Boos; J. Prätorius saturn. 18; vern. tadl. 1, 27 Gottsched; U. Bräker s. schr. 2, 204; Gerstenberg rec. 54 lit.-denkm.; ein ziemlich gebietrischer ehemann Lessing 2, 13 L.-M.; ein ziemlich guter wein G. Keller ges. w. 4, 7; Fontane I 1, 184; die allein gültige verwendung in der modernen sprache. III@2@a@bβ) vor einem prädikativen adjektiv und vor einem adverbium; das partic. prät. und pronomina werden mit erfaszt, ebenso präpositionale fügungen; drei frühe zeugnisse scheinen noch in die periode I zu gehören, da ziemlich darin die bedeutung geziemend zu besitzen scheint: drumb, lieben freundt, kompt all herein! so wöll wir zimlich frölich sein, mit einander das nachtmal essen H. Sachs 6, 185 K.; wir sind so beredt ..., dasz wir die heilsamen leer unsers herren Jesu Christi zimmlich kommlich ussprechen könnend Zwingli d. schr. 1, 50; H. R. Manuel weinsp. 3256 ndr.; ein viertes beweist diese zugehörigkeit durch die selbständigkeit von ziemlich, indem es dem folgenden adverb durch und gleichgeordnet ist: du hast zimlich und wol studiert Wickram w. 2, 17 B. alle übrigen fälle zeigen ziemlich als adverbielle maszbestimmung der periode III mit der bedeutung recht grosz, ziemlich grosz oder stark oder sehr, nahezu, fast, vgl.: das kestlin ist doch zimlich schwer H. Sachs 10, 87 K.; desz (des wiesenkohls) blätter werden zimmlich lang und breit Bock kräuterb. 676; C. Hedio chron. Germ. D 5b; Montanus schwankbüch. 362 B.; zimlich kostfrey sein bringet oft ain verachtung Mayr sprichw. 104a; Grimmelshausen Simplic. 22 Sch.; der muht wahr zimlich klein Zesen adriat. Rosemund 16 ndr.; in dieser art reich bis zur gegenwart belegt, vgl. noch: Herder 27, 380 S.; Göthe IV 28, 195 W.; O. Ludwig ges. schr. 5, 341; Holtei erz. schr. 2, 3; die erzählungen ... sind ziemlich gleich flach und gleich verlogen Mommsen m. gesch. 5, 3; buchungen: subdifficilis zimlich schweer Er. Alberus R 4b; pulchellus zimlich hüpsch Frisius 1091b; subabsurdus zimlich ungereimbt, subgravis zimlich stark oder scharf Decimator thes.; er ist ziemlich böse Stieler 2646; satis pauper est er ist ziemlich arm Steinbach 2, 1092; mediocriter venustus zimmlich schön Frisch 2, 476b; Adelung2 4, 1711; H. Fischer 6, 1, 1207; Martin-L. 2, 904a; tämlik good Dähnert 482a; he is tmlich dumm Mensing 5, 43. den steigerungsgrad erkennt man gut an einer stelle bei A. W. Schlegel: mutter und tochter sind der kleidung nach ziemlich griechisch, der knecht ist ganz griechisch im Athenäum 2, 119. ziemlich gewährt danach dem nominalbegriff nahezu seinen vollen wert, sein sinn ist positiv; das wort ist nach einer treffenden bemerkung bei Schmeller-Fr. 2, 1123 der gegensatz von zu wenig, nachdem es ursprünglich (doch nur in periode II) der von zu viel gewesen war.vor viel: zimlich vil bluts von ihr (der hand) ablief Spreng Ilias 51a; Th. Platter 61 Boos; Logau 211 E.; (sie) hat ... ziemlich viel gelesen J. M. Miller briefwechs. dreier akad. freunde 1, 39; so allgemein; vor pronomina: ziemlich alle Gerstenberg literaturbr. 140 lit.-denkm.; es sind ziemlich wenige da admodum pauci adsunt Steinbach 2, 1092; vor dem partic. prät.: ein altes ... männel ... bleich von farb und zimlich abgeschaben bekleidet Grimmelshausen 2, 519 Kell.; so were ich zimlich betrogen engl. comed. C c 7b; Chr. Reuter Schelmuffsky 100 ndr.; ihr seid noch ziemlich wohlgebaut Göthe 14, 94 W. (Faust 2019); G. Keller ges. w. 5, 13. — vor adverbien: es sich ... zimmlich lang erstrecket hat Wickram 6, 4 B., Gilhusius gramm. 3, 36; dt. sag. 2, 120; zimlich schlecht gekleidet Grimmelshausen 2, 20 Kell.; ziemlich hoch Stieler geh. Venus 114 ndr.; oft ziemlich wohl: Lindener rastbüchl. 25 L.; Fischart binenkorb 249a; das weibgen hielte sich noch zimlich wol Grimmelshausen 2, 379 Kell.; zimlich wol gelitten Voigtländer od. u. lied. 55; u. a., jetzt mehr ziemlich gut; (das böse weib) trug ihre ehr auch zimlich feil Voigtländer oden u. lied. 87; ist ziemlich spat Spee trutznacht. 63 B.; ziemlich früh Rachel satir. ged. 39 ndr.; zimlich weit J. Walther pferdezucht (1658) 118; wie ... eine ... frauensperson ziemlich geräuschvoll eintrat Fontane I 5, 118; nahm ... die leine ziemlich ungeschickt in die hand I 6, 347; ziemlich in der mitte Nitzsch stud. 126; ziemlich bei jahren Gaudy s. w. 2, 93. III@2@bb) beim verbum, wie in den bedeutungsstufen I und II (s. ob.), nur dasz der sinn etwas nahezu vorteilhaftes und positives, etwa recht oder ziemlich tüchtig, kräftig, fast ganz ausdrückt. in einigen frühen fällen hält sich noch eine mehr nach I neigende bedeutung: so ich ... latin zimmlich (ausreichend) verstand Zwingli dt. schr. 1, 129; streift man den hasen an schenkeln, so gehets zimlich fort, ... gehets aber an den kopf, so streif ihn der teufel Petri d. Teutsch. weiszh. 2, Tt 2b; eher zu III stellt sich: (ich) bau ietzund hier ein haus; so sieget zeit und würmen mein namen ziemlich ob Logau 324 E.; sichere belege für III: der wein würd im Schwartzwald ubel gerhaten ..., aber in guoten weinländern zimlich ansetzen Fischart praktik 23 ndr.; Garg. 5 ndr.; Stieler geh. Venus 121 ndr.; wie macht mans doch, gib rath dazu, das man sie dennoch speisen thu? du kanst ja zimlich rechen Ringwaldt evangelia M 3b; einer vom adel, der seine baurn zimlich schröpfte Lehman flor. pol. 4, 13; Rinckhart Eisleb. christl. ritt. 271 ndr.; ich hab in meiner jugend den ... Calepinum ... zimlich durchblättert Schupp schr. (1663) 118; Elisab. Charlotte v. Orleans 2, 368 H. (zit. sp. 885); also dasz ... er ziemlich ins gedrange kam Lohenstein Armin. 2, 39b; doch muste er sich ziemlich auszlachen lassen Chr. Weise erznarr. 217 ndr.; das wasser schlägt zimlich vor in diesem wein Kramer teutsch-it. 2, 556b; 2, 1345b; dasz ... viele ... ihre meinung ziemlich auszudrücken wissen Leibniz dt. schr. 1, 474; da er ... in Bononien ziemlich hausete S. Fr. Hahn staatshistorie 1, 176; so sehr häufig; vgl. noch: Rabener w. 1, 232; Jean Paul 3, 119 Hemp.; Schiller 12, 64 G.; Göthe 45, 130 W.; 47, 217 W.; he hett dat noch ganz temlich maakt Mensing 5, 43; tämlich ziemlich, mittelmäszig Mi 91b; öfters die wendung es geht mir ziemlich (leidlich, erträglich), so Göthe IV 5, 41 W.; schon alt: es gehet mir ziemlich B. Faber Saxonia (1563) 227b; vgl.: et es wal schämlek, awer et gött doch tämlek Woeste-N. 267b. III@33) in substantivischer verwendung und als prädikatives adjektiv; für die erste art beginnen die belege in der periode II, s. ob. II 1 b B. Waldis Äsop 2, 231 Kurz, in III werden sie häufiger, ohne allgemeine verbreitung zu finden: trank ... ein zimmliches (ziemlich viel) mit im Fischart Garg. 209 ndr.; Mattheson generalbaszschule 40; hatten ... ein ziemliches profitiret Schnabel ins. Felsenburg 1, 112; ein ziemliches erübrigen Just. Möser s. w. 1, 267; ein ziemliches gewinnen Iffland theatr. w. 4, 44; umb ein zimlichs geirret Thurneysser alchym. 15; damit legte sich seine wuth schon um ein ziemliches U. Bräker s. schr. 1, 163; veraltet, dagegen ohne artikel noch zulässig, wie: sie haben ... ziemliches geleistet Polenz Grabenhäg. 2, 234. als subjekt oder objekt für ziemlich viel, heute auf einige maa. beschränkt: wiewol er deren (schelmenstücke) zimlich erzehlet Grimmelshausen 2, 428 Kell.; es können auch ziemlich wilde schweine geschossen werden (Neumark um 1660) jahrb. Neumark 3, 52; auch dieses kostete mich noch ziemlich überwindung U. Bräker s. schr. 1, 39; er hett zimlich schulden Martin-L. 2, 904a; er hat zimlich hiebe gekriegt H. Fischer 6, 1207. die syntaktische verwendung als prädikativ ist in der periode III der schriftsprache bis auf den unt. IV 4 zu behandelnden rest abhanden gekommen; niederer stil und älterer landschaftlich enger sprachgebrauch bieten einige wenige beispiele, in denen ziemlich ziemlich gut, leidlich bedeutet: dasz ... der ... sieg über dergleichen völker ziemlich (ziemlich bedeutend sei) Hunold europ. heldengesch. (1709) 464; so wäre meine glückseligkeit noch ziemlich Menantes n. briefe 293; mein bein ist nur ziemlich Varnhagen v. Ense Rahel 2, 183; die akteurs waren noch ziemlich Laukhard leb. 2, 118; die kirschen sin noch so ziemlich (bringen einigermaszen ertrag) Müller-Fr. 2, 705a; de jung is so tämlik (er führt sich eben nicht schlecht auf) Dähnert 482a; die kartoffeln werden nach dem regen noch so ziemlich mark Brandenburg; ziemlich viel: das wasser ist schon zimlich für ine Martin-L. 2, 904a. III@44) die einschränkende wirkung des ziemlich verstärkt so (s. t. 10, 1, 1357), was aus der nebeneinanderstellung zweier sätze wie das ist nun ziemlich klar und das ist nun so ziemlich klar erkannt wird. der gebrauch läszt sich seit dem 17. jahrh. nachweisen: Caschaw ist so zimlichen im baw zu finden (1618) acta publ. d. schl. fürst. 1, 9 P.; sie ist ziemlich, so ziemlich reich Kramer teutsch-it. 2, 1463a; Lessing 3, 60 L.-M.; G. Keller ges. w. 1, 13; als nun die hirten fast mit ihren feldschallmeyen ... den halben vormittag so ziemlich hingebracht Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 4, 323; der knabe schreibt noch so ziemlich Ludwig teutsch-engl. 2592; J. H. Voss Odyssee 318 B.; mir geht es wieder so ziemlich Göthe IV 30, 129 W., oft; Tieck schr. 4, 148; Brentano ges. schr. 5, 151; gelesen hatte ich so ziemlich alles Herder 13, 5 S.; so ziemlich überall Dahlmann franz. revol. 7; vereinzelt bei dem attributiven ziemlich: obgleich ein so ziemlicher sturm sich erhub Holston u. Augusta merkw. begeb. (1780) 178; 64; geläufig als antwort: wie stehts pulver? so ziemlich Göthe 8, 110 W. (Götz), Petrasch s. lustsp. 1, 591; daneben ohne so hier auch üblich: wie stehts? zimlich Orsäus nomencl. 292; ist er völlig wieder wohl? ziemlich Müllner dram. w. 2, 84; ziemlich, so ziemlich così così Kramer teutsch-it. 2, 1463a; so ziemlich nonnihil, aliquantulum Stieler 2646. IVIV. grammatische nachträge. IV@11) komparation kommt nur bei den vollen bedeutungen I und II vor: ez ist ouch des paums schat den menschen zimleicher (angenehmer, zuträglicher) wan anderr paum schat Konr. v. Megenberg buch d. nat. 350; daz sie die werk der unluterkait zimlicher mainet ze triben Steinhöwel de clar. mulierib. 43 D.; nichts zimlichers noch glichers urk. d. schwäb. bund. 27 Kl.; ein zimlichere und ansehnlichere ursach Stumpf Schweizerchron. 294a; tritt in der neueren zeit nur zusammen mit der an ziemen und dem gleichbedeutenden geziemend erneuerten bedeutung I in die erscheinung: ein dankgebet wäre ihrem munde ziemlicher gewesen als so nichtsnutzige reden Storm w. (1898) 5, 231; ziemlichst: Shakespeare 7, 164; das (galant) waren wir denn auch in der besten und ziemlichsten weise G. Keller ges. w. 2, 230. IV@22) die alte adverbform ziemlichen reicht bis ins 17. jahrh.: czemelichin handelsrechn. d. deutsch. ord. 240 Sa.; zimlichen Murner adel 41 ndr.; es ist kein ort ..., do di menschen nit ... sich zimlichen mögen erneren S. Münster cosm. 100; Schweinichen denkw. 162 Ö.; Schoch com. v. studentenleb. (1657) K 1a. IV@33) eine wie mhd. roselëht rosenfarbig gebildete form ziemlicht begegnet vereinzelt: der ... cress ist ... zimelecht zerspalten Bock kräuterb. (1539) 21; i siach ja von fern an ziemliachten stern dorten bei der strohnen hütten Schlossar volkslied. aus Steiermark 62a. IV@44) die ob. wiederholt belegten konstruktionen mit einem persönlichen dativ und einem abhängigen satzgefüge verlangen die bedeutung I, die damit, wenn auch nur als gefühlte besonderheit, trotz des widerspruchs von Heynatz antibarb. 2, 668 in unserem sprachgebrauch zulässig ist und verstanden wird. a) mit dativ: elliu diu werc diu vröuwelîch wârn und ouch megden zimelîch bruder Philipp Marienleben 581; in dem kleid ..., das uns nicht zimlich ist Gryphius trauersp. 106 P.; rede, die mich hier erniedert, ist nicht ziemlich dir und löblich Brentano ges. schr. 3, 453; sogar in der ma.: dat is net temelk för di Doornkaat Koolman ostfries. wb. 3, 403a. b) mit infinitiv- und dasz-satz: gelauben, sölches in zimlich ze thon sey Arigo Boccaccios decam. 10 K.; wan mir nit zimlich ist vil zuo schreiben Keisersberg granatapfel (1510) G 2a; zimlich und gebürlich ist es eim philosopho, dasz er wisse anfang und end desz, darvon er philosophiert Paracelsus opera (1616) 2, 106c Hus.; ob sie (bücher) zu lesen euch ... ziemlich ist Gutzkow zauberer 5, 51. IV@55) gleichlaufend ziemen, das I B 2 den sinn 'gut dünken, scheinen' annimmt, kann ziemlich in der Oberpfalz nach Schmeller-Fr. 2, 1123 die bedeutung 'wahrscheinlich' zeigen.
56716 Zeichen · 1569 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ziemlich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ziemlich , adj. et adv. von dem Verbo ziemen. 1. * Was sich ziemet, wie es sich ziemet, geziemend; eine im Hochdeutschen…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ziemlich

    Goethe-Wörterbuch

    ziemlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ziemlichAdj., Adv.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    ziemlich Adj., Adv. : 1. 'sehr, verhältnismäßig', zimlich (dsimliχ) [mancherorts, Karch Jockgr/ Nd'horb 132, 152 Lambert…

  4. Spezial
    ziemlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ziem|lich adv. cotan, bindebó, valgamia, scialdi, feter, danz. ▬ ziemlich viel bindebó tröp; scialdi tröp; cotan ; zieml…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ziemlich

6 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von ziemlich

ziemen + -lich

ziemlich leitet sich vom Lemma ziemen ab mit Suffix -lich, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

ziemlich‑ als Erstglied (3 von 3)

ziemlichermaszen

DWB

ziemlichermaszen , adv. , aus dem lange geltenden modalen dativ ziemlicher maszen. 1) in angemessener, gehöriger weise: davon soll ihm ( dem…

ziemlichkeit

DWB

ziemlich·keit

ziemlichkeit , f. , angemessenheit, geeignetheit, mäszigkeit. 1) gebühr, fug, gehörigkeit, gemäszheit, schicklichkeit; erstes auftreten in d…

ziemlich als Zweitglied (1 von 1)

unziemlich

DWB

unziemlich , adj. adv. , nicht ziemlich. mhd. unzimelich, -zimlich, unzimelîche, -zimlîche; mnd. untemelik; mnl. ontamelijc, -like, -temelij…

Ableitungen von ziemlich (2 von 2)

geziemlich

DWB

geziemlich , verstärkte form zu der adjectivbildung ziemlich, die schon althochdeutsch belegt ist, vgl. zimilih, honestum, decens Graff 5, 6…

unziemlich

DWB

unziemlich , adj. adv. , nicht ziemlich. mhd. unzimelich, -zimlich, unzimelîche, -zimlîche; mnd. untemelik; mnl. ontamelijc, -like, -temelij…