schwemme,
f. handlung und ort des schwemmens, nominalbildung zu schwemmen,
s. das. und Weigand 2, 667;
mhd. swemme, swem Lexer
handwb. 2, 1358,
schweiz. schwemmi Hunziker 235,
nd. swemm(e) Dähnert 477
b. Mi 90
b. 11)
das schwemmen; lavatio per natationem Frisch 2, 247
c,
vgl.schwemmung;
ziemlich selten, fast nur in der redensart sich nach der schwemme wieder im dreck herumwältzen,
dopo esser uscito dal guazzo rivoltolarsi nello sterco (
nel fango),
met. dopo la conversione ritornare alla vita dissoluta ed infame. Kramer
dict. 2, 713
c; nach der schwemme sich wider in den koth welzen, als ein schwein,
post lavationem ad volutabrum recurrere Frisch 2, 247
c,
s. auch Wander 4, 464: es ist jnen widerfaren das ware sprichwort, der hund frisset wider was er gespeiet hat. und, die saw waltzet sich nach der schwemme wider im kot. 2
Petr. 2, 22;
s. auch Luther 14, 64, 10
Weim. ausg.; s. Schweinhardus, der sich nach der schwemm im kot purgirt. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken M 6
b; giebt es stärkere symptome des unsinns, als dasjenige, was man eben ausgespieen hat, wieder zu fressen, und sich nach der schwemme in seinen eigenen auswürfen zu wälzen? Hamann 4, 442.
vgl. unten 4. 22)
meist der ort, wo thiere geschwemmt werden: natatorium swemme Dief.
gloss. 376
a (
vgl. natabulum swime 375
c); schwem
nov. gl. 261
b; schwemme, ein wassergrub, oder ein wasser, darinn man etwas schwemmet,
un abbreuvoir Hulsius 293
a;
aquarium, abbreuvoir Schottel 1413; schwemme,
f., schwemmteich, schwemm-pful,
m. guazzatoio, sguazzatoio, guazzo, lago da guazzare animali. Kramer
dict. 2, 713
c; schwemme, die,
natatile, aquarium, pferde-schwemme,
sive viehschwemme,
lacus, in quo equi et pecora abluuntur Stieler 1980. 2@aa)
besonders für pferde; vgl. pferdeschwemme (
th. 7, 1690), rosz schwemme
aquarium Frisch 2, 247
c;
bagna- ò sguazzacavalli. Kramer
dict. 2, 713
c; pferde in die schwemme reiten, führen.
ebenda; es geht nun in die zehnte woche, da ritt er mit des herrn einzigem und letztem reitpferde — nach der schwemme. Lessing 1, 546 (
Minna v. Barnh. 3, 2); da reitet einer seine pferde in die schwemme. Göthe 11, 95 (
fischerin); verlassen von pferden, die aus der schwemme nicht zurückkehrten. 30, 52; sondern durch zufall trafen die geister zusammen, — wie zwei rosse auf einer bahn, die aus verschiedenen ställen stammen, — oder wie zwei wandernde stämme — zu einer tränke und schwemme. Rückert (1882) 11, 358 (18.
mak.); wer je ein rosz geritten in die schwemme, der will sich heut als wackern renner zeigen. Uhland
ged. 436. 2@bb)
für andere thiere, wie schweine: schwein-
etc. schwemme,
guazza- ò sguazza-porci ò altri animali. Kramer
dict. 2, 713
c; säue in die schwemme treiben.
ebenda. so im bilde: gott kompt langsam ... aber endlich kompt er hart unnd schrecklich, und reisset inn seinem grimmigen zorn hinweg alle die alten sincker unnd fundgrübner, unnd treibt sie als reiche sew zur schwemme, das jr keiner wider kompt. Mathesius
Sar. 11
b. —
schafe: deine zeene sind wie die herde mit beschnitten wolle, die aus der schwemme komen.
hohel. 4, 2; deine zeene sind wie ein herd schaf, die aus der schwemme komen. 6, 5; er (
d. mensch) mag die pferde und schafe durch die schwemme treiben, denn von selbst gehen sie nicht. Alexis
hosen 19. 2@cc)
dann auch ein teich, wo enten oder andere wasservögel schwimmen, die nicht im eigentlichen sinne geschwemmt
werden (
also zu schwimmen): schwämme, ein ort da das wassergefügel sich erschwümbt, als gänsz, änten, fisch,
natatile. Maaler 365
a;
natatile, eine schwemme, ein ort wo sich gäns, enten,
etc. erlustiren können,
colum. Corvin.
fons lat. 433
b;
hierher: du sagst mir von einr seltzamen fart, dafür wer ich daheim geblieben, die kchen (= küchlein?
s. das. II, 2,
th. 5, 2515) in die schwemme getrieben. Römolt E 6
a. 2@dd)
ähnlich auch ein badeplatz für menschen; in neuerer zeit nur in scherzhafter rede, früher ohne solchen beigeschmack: schwämme (die) ort voll warms oder kalts wassers darinnen man badet oder schwümbt,
piscina Maaler 365
a; im schwimmen that es dem fürsten Herrmann und Flavius kein mensch in Rom gleich. denn sie schwammen zu aller verwunderung in voller rüstung über die Tiber ... und verursachten: dasz der vorsteher der stadt Rom Mecenas zur ubung des römischen adels eine grosse mit marmel umsetzte schwemme mit vielen unkosten erbaute. Lohenstein
Armin. 2, 1211
b; es ist also das baden eine sehr heilsame sache, und ein fehler, dasz wir die kinder dazu nicht zeitig anführen. sie sollten täglich einmal, so wie sie aus der schule kämen, in die schwemme gejagt, und auf diese weise abgehärtet werden. Möser
patriot. phantas. 3, 142.
nach Frisch 2, 247
c nennt Keisersberg
auch den teich zu Siloa die schwemme zu Siloe. 33)
in übertragener bedeutung. 3@aa) den mund, die zunge in die schwemme reiten
als umschreibung für '
trinken'
: labronium ... kanne mit einem weiten hals, wochenkanne, da einer die zunge in die schwemme reiten und einen pommerischen zug thun kan. Corvinus
fons lat. 342
a; so kum herwider zu rechten zeiten, wenn ich den munt offt in die swem muss reyten.
altd. bl. 1, 403 (
weinsegen),
s. auch fastn. sp. 1334, 43. 1433, 6.
daher auch geradezu schwemme
für wirtshaus, so am Rhein, siehe Kehrein 2,
nachtr. 50;
vgl.: den 9. juli bin ich beim hr. Stange zu Konitz in der schwemme gewesen, davon guten rausch gebracht. Schweinichen 2, 315.
in Wien '
dasjenige zimmer eines gasthauses, wo die leute der niedern klassen platz nehmen.' Hügel 147
a: die Pepi gähnte (
bei einem souper) einmal über das andere — endlich fragte sie: 'herr herzog, wo ist hier die schwemme? i halt's nit aus, 's ist mir zu fein hier!' 'was ist schwemme?' fragte herr von Stielow. 'das ist ein Wiener ausdruck,' sagte Knaack, 'für den restaurant zweiten ranges, der sich in jedem hotel hier befindet und in welchem die domestiken der reisenden beköstigt werden.' Greg. Samarow
s. über land und meer 1872,
nr. 30,
s. 6
a. —
daher auch sprichwörtlich einen in die schwemme reiten, bringen. er ist wol oft in die schwemme geritten. Eiselein 563 (?
ohne erklärung). 3@bb)
vom weinen: da erschien mir ein greis, der ächzte mit gestöhne, — wie eine wittwe um den letzten ihrer söhne; — sein odem war in der klemme, — und seine augen in der schwemme. Rückert (1882) 11, 317 (13.
mak.);
ähnlich: daʒ er in iamers swemme muʒ chülen seines muotes hitz. Suchenwirt 9, 90. 3@cc)
obscön: eur frau erkennt zu aller zeit, das ir in ein fremde schwem reit.
fastn. sp. 143, 8. 44)
manchmal geht schwemme
in die bedeutung '
überschwemmung'
über: das wälzt sich über alle bäum und dämme strudelnd zum strom hinab in trüber schwemme. Kinkel
ein schicksal. so auch nd. swemme,
eine stelle, wo wasser steht. et is all ene swemme. Dähnert 477
b f. —
im bilde: o der schädlichen schwämm und flut, o der mühlichen sündflutrut. ja wol wird sie ein flut genent: dann dise müh nimmt ehe kein end
u. s. w. Garg. 284
b. 55)
in folgender stelle steht schwemme
im sinne von schwamm 4,
s. sp. 2198 (= schwämme
als plur., oder weiterbildung?): am tage linderte ich das brennen der sogenandten schwemme, durch einen saft; und in der nacht lies ich ... das kind schreien, bis es vor müdigkeit einschlief. Hermes
Sophiens reise 2, 414.