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willkomm

nhd. bis Lex. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

willkomm adj.

Bd. 30, Sp. 188
willkomm, adj. , 'willkommen, angenehm', eigentlich ein schwaches hauptwort, dessen erster bestandtheil der stamm des wortes wille m. ist; wahrscheinlich ausgehend von wille, will adj., adv., oben sp. 136; vgl. die dort erwähnten ags. wilboda, wilgæst, willspell; ferner der bedeutung nach, wenn auch vom substantiv abgeleitet, an. vil-bjǫrg, vil-mál, -mæle willkommene rettung, rede. dagegen scheiden sich in der bedeutung des ersten bestandtheils hiervon scharf die ebenfalls auf das substantiv zurückgehenden mhd. willetôre, willeklage ['freiwillig'], sowie willkür und willfahren. es bedeutete wohl ursprünglich 'wunschgast, gern gesehener ankömmling'; als begrüszungsformel schon ahd. willicomo, osianna Graff 4, 673; ags. wilcuma; mhd. noch willekome, willekume; so namentlich in der verbindung bis wilkom(e), sei willkommen, gegrüszt; mnd. sy willekome Korner 34d. auch das ältere nhd. hat dieses wort bewahrt, zumal im obd., wo wir es bis heute in der mundart finden (s. unten sp. 188); doch kennen es auch Opitz, Dach und Harsdörffer; es reicht sogar in die erste hälfte des 18. jhs. hinein, wo es Dentzler (1716) 353b noch verzeichnet. II. form. im allgemeinen lautet der ausdruck willkom(m) oder willkum(m), also mit verkürzung des ersten glieds; doch kommen auch längere formen vor: mein herr, nun seidt mir wille-kumb! H. Sachs 6, 144, 32 Keller; seit willikhum, lieber herr pharrer! ir seit ganz recht kumen her Sterzinger spiele 18, 201; sit willekum, ihr liben kindere min, ir solt nummer ungemach lide eder pin spiel v. d. zehn jungfr. 108 v. 209; [] bis willekomm, du edler gast! Erlach volkslieder d. Deutschen 1, 20; bis willekomm, o kind (Jesus) M. Opitz teutsche poemata 185 neudr.; willichkum (vgl. sp. 199) wird daraus umgedeutet sein: zu dem studenten er do sprach: 'bis willichkum, vil gutter man, dein begern soltu mich wissen lan' pfarrer vom Kalenberg 6 neudr. der ton ruht nach ausweis des versbaus bald auf dem ersten theil (wie auch mundartlich sp. 191), bald auf dem zweiten; so heiszt es wíllkomm bei Alber, Murner, Fischart, H. Sachs und Scheit (s. unten), Ayrer, Dach, Spee: darumb er (der gefundene edelstein) mir nicht willkum ist, und bleibt meinthalben wol im mist Alberus fab. 1, v. 19 Braune; als er zum löwen kompt hinein, da heiszt der löw ihn wilkumm sein 36, 44; wiewol ich nit stätz willkomm bin Fischart flöhatz 6 v. 98 neudr.; von euerer vorfaren wegen seit ir mir wilkumm hie zugegen glückh. schiff 10 v. 292 neudr.; und ir, herzliebster anherr mein, solt mir zu tausentmahl wilkumb sein! Ayrer dramen 69 v. 13; du kommst? sei willkomm! S. Dach 373 Österley; o Fridrich Wilhelm, trost und hoffnung vieler lande, sei willkomm deinem volk hie an des Pregels rande! ebd. 592; ei, zu vielmahl tausent mahlen sei mir wilkom, liebe sonn Spee trutznacht. 323; dagegen willkómm bei der Hätzlerin, Frischlin, Weckherlin, Paul Gerhardt, aber auch bei Fischart, H. Sachs, Ayrer: sy sprach: willkomm sei mir der gast Hätzlerin 34; bis mir zu tausend mal willkumm, mein liebe Naemi, woher? Frischlin dt. dichtungen 95; willkomm du schöner katverrürer, du oberster mundpreiprobirer Fischart glückh. schiff 39 v. 59 neudr.; bis mir zu tausentmal wilkumb! H. Sachs 17, 19, 20 Keller-Götze; ach ir königlichn kinder frumm, seit mir zu tausentmahl willkumm! Ayrer dramen 202 v. 2; und sie, bei denen du (büchlein) willkomb (: fromb), werden dich schon vor unfall freyhen Weckherlin 1, 88 Fischer; mehrere schriftsteller haben also beide tonformen nebeneinander, so Fischart, H. Sachs, Ayrer. abgewandelt wird das wort selten: ein willkommer gast Alberus (1540) liiiia; gesteigert wird es anscheinend nicht, im gegensatz zu dem verwandten willkommen (sp. 195). IIII. bedeutung und gebrauch. die bedeutung ist fast durchweg gleich geblieben. im gegensatz zu willkommen, das ehedem nicht blosz bei ankunft ertönte, sondern auch zum abschied: willkumen ûf die vart Hagen heldenb. 2, 198. was sonst von der mittellinie abweicht, knüpft sich an die verschiedenheiten des gebrauchs, bei dem zunächst die abhängigkeit in betracht kommt. II@AA. abhängigkeit. II@A@11) als anrede auszerhalb des satzes. die ursprüngliche substantivform und, wenn nicht der älteste gebrauch, so doch einer der ältesten, kann vorliegen in der anrede: a willkum, lieber junker, wie gehets euch? Kirchhof wendunmuth 1, 94 Österley; o willkumb, mein herzlieber trost! H. Sachs 1, 157, 2 Keller; willkumm, Seyfrid herr mein lied v. hürn. Seyf. 33 neudr.; willkom, du unsers heils bekräftigung, willkom Weckherlin 2, 316 Fischer; der breutgam ward sein freunds gewar: sich, wilkumm, sprach er, komb hiehar, und sitz zu den schönen madonen Scheit Grobianus 3394 neudr.; [] wilkomm! hörzog und errötter deiner weitversträuten schar! Rompler v. Löwenhalt reimgetichte 28; o wilkom, süsze nachtigall Spee trutznacht. 19; bisweilen auf der gassen ware die ansprach, willkomm bruder, lebest du auch noch? A. a St. Clara merks Wien 26; willkomm mein herr! wie ich sehe, so ist der herr ein frembder Stranitzky ollapatr. 76, 6 neudr.; im 18 jh. scheint dieser gebrauch auszusterben; denn er findet sich jetzt und später nur bei alterthümelnden schriftstellern: doktor — geben immer einander die hände — willkomm! willkomm! maler Müller Fausts leben I. 13 neudr.; im ausruf: heil! willkomm! des volkes führer! heil! willkomm! der künste freund! heil! willkomm! des liedes könig, ob der himmel lacht, ob weint Brentano schr. 2, 85; willkomm, herr vater, gottwillkomm! was bringst du deinen kindern? Uhland ged. 2225; willkomm! — so ruft der Greiner — willkomm in meiner haft! ebd. 369; und sie sprach zu ihm: willkomm, edler herr! wie seh' ich euch gerne Scheffel Ekkehard 334. II@A@22) prädicativ. II@A@2@aa) neben sein. alt ist jedenfalls auch der prädicative gebrauch, weil hier die form auch noch substantiv sein kann; er ist auch am meisten verbreitet, zumal in der gruszweise bis willkomm 'sei willkommen': herr, nun bisz mir wilkumb! H. Sachs 1, 66, 13 Keller; bis wilkom, du lieber vatter minn! Alsfelder passionsspiel 65 v. 2097; bisz wilkom Stumpf Schwytzerchron. 367b; bisz willkomm, bisz willkomm Opitz poem. 187 v. 439 neudr.; sei mir wilkumb, mein lieber schüetz! H. Sachs 22, 487, 6 Götze; seyt wilkom, her Cayphas altdeutsche passionssp. aus Tirol 185 Wackernell; sonst: und wa er vor einmal gewesen was, da was er nit wilkum Eulenspiegel 47 neudr.; der sperling sprach, es soll ja sein, du aller liebstes meuslin mein, du bist mir willkum, kum herein Alberus fabeln 147 neudr. (f. 34, v. 19); die frucht, so ich vom edelgstein empfangen mög, ist warlich klein, darumb er mir nicht willkumm ist ebd. 21 (f. 1, v. 19); der ... ihm kein nest erbauen kan, deszwegen aber in aller andrer vögel nestern willkomm seye Harsdörffer secretarius 2, 148; wenn das datum recht ist, so ist der brief willkomm Kirchhofer schweizerische sprüchwörter 261; auch von mehrzahligem subject: wa sie (die Böhmen) wolten glauben und halten als alle andere christen uff erden, .. so sein sie uns wilkum, als herzliebe christliche brüder Murner a. d. adel 55 neudr.; proficiat, ihr lieben herrn, gesegen euch trinken und essen, seit willkomm all in ehrn Garg. 70 neudr. noch mehr ist adjectivisch gedacht: o wie wilkum wirt ihm Wicelius sein Alberus widder Jörg Witzeln K 6b; ironisch gebraucht von unwillkommenem besuch: er ist willkomm hindersich (in ostio formosus) Dentzler 353b. hierhin gehört auch heiszen willkomm sein 'erklären, dasz einer willkommen ist', das namentlich dem 16. jh. eigen ist: doch wil ichs wagen hie mit in, zuom ersten heiszen wilkumm syn Murner narrenbeschwörung 42 v. 14 neudr.; ob dann dein weib vom beth aufstünd, und meint die thür aufthon geschwind, und hiesz dich lieblich wilkumm sein, .. so schlag sie in das angesicht Scheit Grobianus 3936 neudr.; also heiszt man ein wilkumm syn H. R. Manuel weinspiel 335 neudr.; die eptissin ... hiesz in willkum sein Frey gartengesellschaft 116, 7; [] anstat der süszen freuden stellt' auch sich häufig ein bekümmernis und leiden und hiesz euch willkomm sein Dach 924 Österley; mhd. heiszt es: sie in hieʒ willecume sîn, in wilkom heiʒen sîn. II@A@2@bb) ähnlich steht willkomm neben kommen: da er denn nicht gar wilkom kam Fischart von S. Dominici artl. leben v. 1790 Kurz; wer willkomm kommen will zuo haus, kauf seim weib disz buoch zuo voraus flöhatz 1 neudr. II@A@2@cc) in anderm verhältnis steht das worterst nhd.neben heiszen: darumb sie (seine frau) der mann mit feindlichen worten .. willkomm hiesze Kirchhof wendunmuth 2, 180; in allen hochzeiten, gästereien und zusammenkünften thut man einander mit groszen geschirren empfahen und willkomb heiszen Albertinus landstörtzer 471; kein tod ist löblicher, kein tod wird mehr geehret, als der, durch den das heil des vatterlands sich nehret, den einer willkom heist, dem er entgegenlacht Zinkgref gedichte 62 neudr.; ich rief: bistu der widerschall? hiesz wilkom ihn beineben Spee trutznacht. 16; auch mit bezug auf eine mehrzahl: sein zorn er eilends fallen liesz, die herrn ganz freundlich willkumm hiesz Scheit die fröhliche heimfahrt E Ia; die brüder .. schickten sich mit pfeilen und spieszen, hieszen die geste also damit wilkom Hennenberger erclerung d. preusz. landtaffel 49; man heiszet euch (die geistlichen herrn) dermas wilkom, .. dasz ir zum zweiten mal nit widerumb koment Sleidanus reden 110. II@A@33) attributiv ist willkomm nur ganz ausnahmsweise und dabei meist flexionslos: so sind es dann gar willkumm gest Scheit Grobianus 3180 neudr.; doch s. den beleg aus Alberus oben unter I sp. 189. II@BB. ergänzung. II@B@11) sehr häufig steht willkomm — ähnlich wie willkommen (sp. 199) — neben dem dativ gott: mhd. einem gode wilkum sîn; nhd. solche stuck samtlich sind on zweifel gott sehr lieb und willkomm Fischart binenkorb 108a; häufig formelhaft: bisz mir gott wilkum, du mein allerliebster und getrewster kempfer Wickram 1, 180, 31; der uns das selbig brechte hAer, worlich er uns got wilkum wAer Gengenbach 76; schalom, schalom, ihr brüeder mein, ich heisz euch all got willkhom sein Endinger judenspiel 27; so wend wirs ouch bestäten lan nach bruch der heilig christlich kilchen. tochter, nun komm und bis gott wilchen fastnachtsspiele 890, 18; vgl. auch N. Manuel 76 Bächtold (vom pabst 1211); seit mirs gott willkomm Moscherosch insomnis cura 6 neudr.; noch heute im Aargau gotwílchem; offenbar ist das ursprünglich ein geistlicher grusz beim eintritt in eine kirche, ein pfarrhaus, ein kloster u. dgl. II@B@22) eine richtungsbezeichnung ist (wie bei willkommen, unten sp. 202) auch hier selten: herr pfarrer, bona dies, seind wilkum ins wirthaus, wo her kreucht ir? Schade satiren 2, 135, 2.
10727 Zeichen · 165 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    willkommadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +3 Parallelbelege

    willkomm , adj. , ' willkommen, angenehm ', eigentlich ein schwaches hauptwort, dessen erster bestandtheil der stamm des…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Willkomm

    Goethe-Wörterbuch

    Willkomm [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Willkomm

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Willkomm (franz. vidrecome ), großer, zylindrischer Pokal aus Glas oder vergoldetem Silber, meist mit Deckel versehen, d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit willkomm

58 Bildungen · 56 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

willkomm‑ als Erstglied (30 von 56)

Willkomm(en)

Idiotikon

Willkomm(en) Band 3, Spalte 284 Willkomm(en) 3,284

Willkommbecher

Campe

willkomm·becher

Der Willkommbecher , — s, Mz . gl. der Becher, welchen man zum Willkommen leeret. S. der Willkommen .

willkommelied

DWB

willkomm·e·lied

willkommelied , n. : da eure väter neugeboren vom boden aufsprangen, in wonnetaumel verloren, willkommelied sangen Göthe 16, 91 Weim.

willkommen

DWB

will·kommen

willkommen , adj.; der zweite theil dieser zusammensetzung, die um 1100 willechomen und später im mhd. willekomen lautet ( vgl. auch Opitz p…

Willkommen (Adv.)

Wander

Willkommen (Adv.) 1. Der ist überall willkommen, der etwas kann. Holl. : Die wat kan, is allezins welkom. ( Harrebomée, II, 449 a . ) 2. Der…

willkommengeld

DWB

willkommen·geld

willkommengeld , n. , zu willkommen, m.: die meier zahlen nicht überall ein willkommen- oder auftrittsgeld Kobbe Bremen und Verden 1, 306 . …

willkommensbrief

DWB

willkommen·s·brief

willkommensbrief , m. : dasz die gräfin Boies willkommensbrief ohne erlaubnis las Weinhold Boie 108 ; ein beruhigender schutz- und willkomme…

willkommensgrusz

DWB

willkommensgrusz , m. : drum hört, wie euch allen mein willkommensgrusz tönt Hebbel 7, 6 ; sonst hätte ich meinen willkommensgrusz schon in …

Willkommen (Subst.)

Wander

willkommen·subst

Willkommen (Subst.) 1. Das Willkommen des Wirths muss man (bei der Rechnung) mit bezahlen. – Altmann VI, 465. 2. Man gibt offt einem ein Wil…

willkommentrunk

DWB

willkommen·trunk

willkommentrunk , m. , Stieler 2331 : Circe ( hatte ) ... auch den willkommentrunk verehret Rollenhagen froschmeuseler D 8 a ; sein lohn ist…

willkommflasche

DWB

willkomm·flasche

willkommflasche , f. : wir leeren, spricht der wirth, nun gleich die willkommflasche Rückert werke 3, 205 . —

willkommgepränge

DWB

willkomm·gepraenge

willkommgepränge , n. : er .. nach einem langen willkommgepränge sie in das vornehmste seiner gastgemächer einführete Birken ostl. lorbeerhä…

willkommgeschenk

DWB

willkomm·geschenk

willkommgeschenk , n. : ich vernehme, dasz eure liebe mein liebes kind mit einem übermäszigen willkommgeschenke .. angesehen habe Bucholtz H…

Willkommgëlt

Idiotikon

Willkommgëlt Band 2, Spalte 252 Willkommgëlt 2,252

Willkommlied

Campe

willkomm·lied

Das Willkommlied , — es, Mz. — er , ein Lied, welches man zum Willkommen singt, beim Willkommbecher. Stieler. S. der Willkommen .

Willkommmahl

Campe

willkomm·mahl

Das Willkommmahl , — es, Mz. — e , ein Mahl, welches zum Willkommen gegeben wird. Stieler. S. der Willkommen .

Ableitungen von willkomm (2 von 2)

bewillkommen

DWB

bewillkommen , salutare, excipere, willkommen heiszen. schon die Angelsachsen bildeten aus vilcuma, qui gratus advenit, ein schwaches verbum…

unwillkommen

DWB

unwillkommen , adj. adv. , nicht willkommen ( s. d. ). mnl. onwillecome, nl. onwelkom, dän. uvelkommen, schwed. ovälkommen, engl. unwelcome.…