willkomm,
adj. , '
willkommen, angenehm',
eigentlich ein schwaches hauptwort, dessen erster bestandtheil der stamm des wortes wille
m. ist; wahrscheinlich ausgehend von wille, will
adj., adv., oben sp. 136;
vgl. die dort erwähnten ags. wilboda, wilgæst, willspell;
ferner der bedeutung nach, wenn auch vom substantiv abgeleitet, an. vil-bjǫrg, vil-mál, -mæle
willkommene rettung, rede. dagegen scheiden sich in der bedeutung des ersten bestandtheils hiervon scharf die ebenfalls auf das substantiv zurückgehenden mhd. willetôre, willeklage ['
freiwillig'],
sowie willkür
und willfahren.
es bedeutete wohl ursprünglich '
wunschgast, gern gesehener ankömmling'
; als begrüszungsformel schon ahd. willicomo,
osianna Graff 4, 673;
ags. wilcuma;
mhd. noch willekome, willekume;
so namentlich in der verbindung bis wilkom(e),
sei willkommen, gegrüszt; mnd. sy willekome Korner 34
d.
auch das ältere nhd. hat dieses wort bewahrt, zumal im obd., wo wir es bis heute in der mundart finden (
s. unten sp. 188);
doch kennen es auch Opitz, Dach
und Harsdörffer;
es reicht sogar in die erste hälfte des 18.
jhs. hinein, wo es Dentzler (1716) 353
b noch verzeichnet. II.
form. im allgemeinen lautet der ausdruck willkom(m)
oder willkum(m),
also mit verkürzung des ersten glieds; doch kommen auch längere formen vor: mein herr, nun seidt mir wille-kumb! H. Sachs 6, 144, 32
Keller; seit willikhum, lieber herr pharrer! ir seit ganz recht kumen her
Sterzinger spiele 18, 201; sit willekum, ihr liben kindere min, ir solt nummer ungemach lide eder pin
spiel v. d. zehn jungfr. 108
v. 209;
[] bis willekomm, du edler gast! Erlach
volkslieder d. Deutschen 1, 20; bis willekomm, o kind (
Jesus)
M. Opitz
teutsche poemata 185
neudr.; willichkum (
vgl. sp. 199)
wird daraus umgedeutet sein: zu dem studenten er do sprach: 'bis willichkum, vil gutter man, dein begern soltu mich wissen lan'
pfarrer vom Kalenberg 6
neudr. der ton ruht nach ausweis des versbaus bald auf dem ersten theil (
wie auch mundartlich sp. 191),
bald auf dem zweiten; so heiszt es wíllkomm
bei Alber, Murner, Fischart, H. Sachs
und Scheit (
s. unten), Ayrer, Dach, Spee: darumb er (
der gefundene edelstein) mir nicht willkum ist, und bleibt meinthalben wol im mist Alberus
fab. 1,
v. 19
Braune; als er zum löwen kompt hinein, da heiszt der löw ihn wilkumm sein 36, 44; wiewol ich nit stätz willkomm bin Fischart
flöhatz 6
v. 98
neudr.; von euerer vorfaren wegen seit ir mir wilkumm hie zugegen
glückh. schiff 10
v. 292
neudr.; und ir, herzliebster anherr mein, solt mir zu tausentmahl wilkumb sein! Ayrer
dramen 69
v. 13; du kommst? sei willkomm! S. Dach 373
Österley; o Fridrich Wilhelm, trost und hoffnung vieler lande, sei willkomm deinem volk hie an des Pregels rande!
ebd. 592; ei, zu vielmahl tausent mahlen sei mir wilkom, liebe sonn Spee
trutznacht. 323;
dagegen willkómm
bei der Hätzlerin, Frischlin, Weckherlin, Paul Gerhardt,
aber auch bei Fischart, H. Sachs, Ayrer: sy sprach: willkomm sei mir der gast Hätzlerin 34; bis mir zu tausend mal willkumm, mein liebe Naemi, woher? Frischlin
dt. dichtungen 95; willkomm du schöner katverrürer, du oberster mundpreiprobirer Fischart
glückh. schiff 39
v. 59
neudr.; bis mir zu tausentmal wilkumb! H. Sachs 17, 19, 20
Keller-Götze; ach ir königlichn kinder frumm, seit mir zu tausentmahl willkumm! Ayrer
dramen 202
v. 2; und sie, bei denen du (
büchlein) willkomb (: fromb), werden dich schon vor unfall freyhen Weckherlin 1, 88
Fischer; mehrere schriftsteller haben also beide tonformen nebeneinander, so Fischart, H. Sachs, Ayrer.
abgewandelt wird das wort selten: ein willkommer gast Alberus (1540) liiii
a;
gesteigert wird es anscheinend nicht, im gegensatz zu dem verwandten willkommen (
sp. 195). IIII.
bedeutung und gebrauch. die bedeutung ist fast durchweg gleich geblieben. im gegensatz zu willkommen,
das ehedem nicht blosz bei ankunft ertönte, sondern auch zum abschied: willkumen ûf die vart Hagen
heldenb. 2, 198.
was sonst von der mittellinie abweicht, knüpft sich an die verschiedenheiten des gebrauchs, bei dem zunächst die abhängigkeit in betracht kommt. II@AA.
abhängigkeit. II@A@11)
als anrede auszerhalb des satzes. die ursprüngliche substantivform und, wenn nicht der älteste gebrauch, so doch einer der ältesten, kann vorliegen in der anrede: a willkum, lieber junker, wie gehets euch? Kirchhof
wendunmuth 1, 94
Österley; o willkumb, mein herzlieber trost! H. Sachs 1, 157, 2
Keller; willkumm, Seyfrid herr mein
lied v. hürn. Seyf. 33
neudr.; willkom, du unsers heils bekräftigung, willkom Weckherlin 2, 316
Fischer; der breutgam ward sein freunds gewar: sich, wilkumm, sprach er, komb hiehar, und sitz zu den schönen madonen Scheit
Grobianus 3394
neudr.; [] wilkomm! hörzog und errötter deiner weitversträuten schar! Rompler v. Löwenhalt
reimgetichte 28; o wilkom, süsze nachtigall Spee
trutznacht. 19; bisweilen auf der gassen ware die ansprach, willkomm bruder, lebest du auch noch? A. a St. Clara
merks Wien 26; willkomm mein herr! wie ich sehe, so ist der herr ein frembder Stranitzky
ollapatr. 76, 6
neudr.; im 18
jh. scheint dieser gebrauch auszusterben; denn er findet sich jetzt und später nur bei alterthümelnden schriftstellern: doktor — geben immer einander die hände — willkomm! willkomm! maler Müller
Fausts leben I. 13
neudr.; im ausruf: heil! willkomm! des volkes führer! heil! willkomm! der künste freund! heil! willkomm! des liedes könig, ob der himmel lacht, ob weint Brentano
schr. 2, 85; willkomm, herr vater, gottwillkomm! was bringst du deinen kindern? Uhland
ged. 2225; willkomm! — so ruft der Greiner — willkomm in meiner haft!
ebd. 369; und sie sprach zu ihm: willkomm, edler herr! wie seh' ich euch gerne Scheffel
Ekkehard 334. II@A@22)
prädicativ. II@A@2@aa)
neben sein.
alt ist jedenfalls auch der prädicative gebrauch, weil hier die form auch noch substantiv sein kann; er ist auch am meisten verbreitet, zumal in der gruszweise bis willkomm '
sei willkommen': herr, nun bisz mir wilkumb! H. Sachs 1, 66, 13
Keller; bis wilkom, du lieber vatter minn!
Alsfelder passionsspiel 65
v. 2097; bisz wilkom Stumpf
Schwytzerchron. 367
b; bisz willkomm, bisz willkomm Opitz
poem. 187
v. 439
neudr.; sei mir wilkumb, mein lieber schüetz! H. Sachs 22, 487, 6
Götze; seyt wilkom, her Cayphas
altdeutsche passionssp. aus Tirol 185
Wackernell; sonst: und wa er vor einmal gewesen was, da was er nit wilkum
Eulenspiegel 47
neudr.; der sperling sprach, es soll ja sein, du aller liebstes meuslin mein, du bist mir willkum, kum herein Alberus
fabeln 147
neudr. (
f. 34,
v. 19); die frucht, so ich vom edelgstein empfangen mög, ist warlich klein, darumb er mir nicht willkumm ist
ebd. 21 (
f. 1,
v. 19); der ... ihm kein nest erbauen kan, deszwegen aber in aller andrer vögel nestern willkomm seye Harsdörffer
secretarius 2, 148; wenn das datum recht ist, so ist der brief willkomm Kirchhofer
schweizerische sprüchwörter 261;
auch von mehrzahligem subject: wa sie (
die Böhmen) wolten glauben und halten als alle andere christen uff erden, .. so sein sie uns wilkum, als herzliebe christliche brüder Murner
a. d. adel 55
neudr.; proficiat, ihr lieben herrn, gesegen euch trinken und essen, seit willkomm all in ehrn
Garg. 70
neudr. noch mehr ist adjectivisch gedacht: o wie wilkum wirt ihm Wicelius sein Alberus
widder Jörg Witzeln K 6
b;
ironisch gebraucht von unwillkommenem besuch: er ist willkomm hindersich (
in ostio formosus) Dentzler 353
b.
hierhin gehört auch heiszen willkomm sein '
erklären, dasz einer willkommen ist',
das namentlich dem 16.
jh. eigen ist: doch wil ichs wagen hie mit in, zuom ersten heiszen wilkumm syn Murner
narrenbeschwörung 42
v. 14
neudr.; ob dann dein weib vom beth aufstünd, und meint die thür aufthon geschwind, und hiesz dich lieblich wilkumm sein, .. so schlag sie in das angesicht Scheit
Grobianus 3936
neudr.; also heiszt man ein wilkumm syn H. R. Manuel
weinspiel 335
neudr.; die eptissin ... hiesz in willkum sein Frey
gartengesellschaft 116, 7;
[] anstat der süszen freuden stellt' auch sich häufig ein bekümmernis und leiden und hiesz euch willkomm sein Dach 924
Österley; mhd. heiszt es: sie in hieʒ willecume sîn, in wilkom heiʒen sî
n. II@A@2@bb)
ähnlich steht willkomm
neben kommen: da er denn nicht gar wilkom kam Fischart
von S. Dominici artl. leben v. 1790
Kurz; wer willkomm kommen will zuo haus, kauf seim weib disz buoch zuo voraus
flöhatz 1
neudr. II@A@2@cc)
in anderm verhältnis steht das wort —
erst nhd. —
neben heiszen: darumb sie (
seine frau) der mann mit feindlichen worten .. willkomm hiesze Kirchhof
wendunmuth 2, 180; in allen hochzeiten, gästereien und zusammenkünften thut man einander mit groszen geschirren empfahen und willkomb heiszen Albertinus
landstörtzer 471; kein tod ist löblicher, kein tod wird mehr geehret, als der, durch den das heil des vatterlands sich nehret, den einer willkom heist, dem er entgegenlacht Zinkgref
gedichte 62
neudr.; ich rief: bistu der widerschall? hiesz wilkom ihn beineben Spee
trutznacht. 16;
auch mit bezug auf eine mehrzahl: sein zorn er eilends fallen liesz, die herrn ganz freundlich willkumm hiesz Scheit
die fröhliche heimfahrt E I
a; die brüder .. schickten sich mit pfeilen und spieszen, hieszen die geste also damit wilkom Hennenberger
erclerung d. preusz. landtaffel 49; man heiszet euch (
die geistlichen herrn) dermas wilkom, .. dasz ir zum zweiten mal nit widerumb koment Sleidanus
reden 110. II@A@33)
attributiv ist willkomm
nur ganz ausnahmsweise und dabei meist flexionslos: so sind es dann gar willkumm gest Scheit
Grobianus 3180
neudr.; doch s. den beleg aus Alberus
oben unter I
sp. 189. II@BB.
ergänzung. II@B@11)
sehr häufig steht willkomm —
ähnlich wie willkommen (
sp. 199) —
neben dem dativ gott: mhd. einem gode wilkum sîn;
nhd. solche stuck samtlich sind on zweifel gott sehr lieb und willkomm Fischart
binenkorb 108
a;
häufig formelhaft: bisz mir gott wilkum, du mein allerliebster und getrewster kempfer Wickram 1, 180, 31; der uns das selbig brechte hAer, worlich er uns got wilkum wAer Gengenbach 76; schalom, schalom, ihr brüeder mein, ich heisz euch all got willkhom sein
Endinger judenspiel 27; so wend wirs ouch bestäten lan nach bruch der heilig christlich kilchen. tochter, nun komm und bis gott wilchen
fastnachtsspiele 890, 18;
vgl. auch N. Manuel 76
Bächtold (
vom pabst 1211); seit mirs gott willkomm Moscherosch
insomnis cura 6
neudr.; noch heute im Aargau gotwílchem;
offenbar ist das ursprünglich ein geistlicher grusz beim eintritt in eine kirche, ein pfarrhaus, ein kloster u. dgl. II@B@22)
eine richtungsbezeichnung ist (
wie bei willkommen,
unten sp. 202)
auch hier selten: herr pfarrer, bona dies, seind wilkum ins wirthaus, wo her kreucht ir? Schade
satiren 2, 135, 2.