willkommen,
adj.; der zweite theil dieser zusammensetzung, die um 1100 willechomen
und später im mhd. willekomen
lautet (
vgl. auch Opitz
poem. 187
v. 451
neudr.),
ist offenbar das particip von kommen
selbst, wofür es auch Paul
in seinem wörterbuch hält; weniger einleuchtend könnte man die form als einen erstarrten casus des substantivs willkomm
m. (
ahd. willichomo)
ansehen, etwa die mehrzahl, die aus einer fügung sît willekomen
verallgemeinert wäre, oder den accusativ der einzahl, aus der verbindung einen willekomen heiʒen;
der ton ruht immer auf dem zweiten bestandtheil, daher auch in verkürzung kärnt. kuma! Lexer 164.
jedenfalls gebraucht man das wort genau so wie jedes andere adjectiv, attributiv und prädicativ, und man steigert es seit alter zeit. so lautet der comparativ gewöhnlich willkommener (
mhd. willekomener Lexer): je ungelehrter sie sind, je willkommener und lieber sind sie in den klöstern Fischart
binenkorb 225
b; alwo ein schönes kleid, wan es schon ein esel an hätte, bei fürsten und herren willkommener ist, als ein doctor in einem schwarzen kleid Moscherosch
gesichte 2, 303; einen entschlusz, der mir noch willkommener war Bürger 243
b Bohtz; die rübchen erschienen umso willkommener, als es dies jahr am Rhein und Main keine kastanien giebt Göthe IV 19, 74
Weim.; ähnlich I 24, 29; eine willkommenere bitte Jean Paul 1, 206; eine andere willkommnere form Bismarck
briefe an seine braut u. gattin 46;
nur ausnahmsweise in umschreibung: geistliche, denen ein von der kirche herrührendes gesetzbuch gewisz mehr willkommen war als das von einem weltlichen monarchen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 129;
der superlativ: in solchen fällen (
auf der reise) ist ein wörterbuch die willkommenste begleitung Göthe 33, 106
Weim.; leute .., die von launen regiert werden, so dasz man ihnen heute der willkommenste gast, morgen der überlästigste gesellschafter ist Knigge
umgang mit menschen 1, 193; als wir noch recht tapfer und getreu auf unsern burgen hausten, waren die minnesänger am willkommensten in unsern sälen Fouqué
gefühle, bilder 1, 61; der willkommenste bestandtheil in diesen nachträgen Justi
Winckelmann 2 ii, 284; die .. piraterie wurde ... als willkommenste bundesgenossin überall entfesselt Mommsen
römische geschichte 2, 282;
in den wörterbüchern gebucht von Steinbach 1, 898.
bedeutung und gebrauch. den inhalt und die grenzen der bedeutung des wortes ersieht man am besten aus der verbindung mit sein
und ähnlichen zeitwörtern. II.
abhängigkeit. I@AA.
prädicativ neben zustandsverben. I@A@11)
neben sein. I@A@1@aa)
zunächst nur von personen oder wie lebendes behandelten dingen, die wirklich kommen, namentlich von gästen, wie es denn geradezu nebeneinander heiszt: du bist uns itzt ein lieber gast und auch willkommen Thym
Thedel v. Wallmoden v. 1016
neudr.; seid mir als werther gast und freund willkommen Schiller 12, 255;
am passendsten ist der ausdruck, wenn das kommen (
vgl. th. 5, 1630
ff.)
wirklich erwähnt wird: willkommner wär' er mir, käm er ohn ihm zurück
theater der Deutschen 1, 98;
oder wo das kommen
wenigstens vorausgesetzt ist: wann man was erfunden und erdacht hat, so ihnen (
den herrschaften) zu vortheil ... dienen mag, und wann es noch so gottlos wäre und gar vom teufel käme, so ist man bei ihnen doch willkommen damit Moscherosch
gesichte 2, 825; heil dir, könig der thiere! du bist immerdar willkommen Lessing 8, 57, 29; ein bücherkenner ist überall willkommen Göthe 46, 45, 25
Weim.; widerlegen oder berichtigen sie meine idee, sie werden mir in beiden fällen willkommen sein
Schlesw. litbr. forts. 301.
im besondern als grusz in der form sei (
älter bis) willkommen,
zunächst an ankommende, entsprechend mhd. bis (sît) willekomen
Gudr.: Willekin, bis willekomen! sage an, waz hast du vernomen?
Katharinenspiel 130, 46; sei mir wilkommen Schaidenraiszer
Odyssea 2
a; zarter erstling, süszer knabe! ... sei willkommen!sei gegrüszt! Gottsched
gedichte 106; seid willkommen, edle gäste, jedem echten deutschen sinn Göthe 3, 117
Weim.; ebenso bei unpersönlichem: seid willkommen, liebliche blümchen umher! Geszner
schriften 1, 74; ha, windsbraut, sei willkommen, willkommen sturm des herrn Schenkendorf
gedichte 7; sei mir willkommen, jahr des friedens und des todes! Miller
Siegwart 2, 471; sei willkommen, licht der frommen! Schubart
gedichte 2, 90; o tod! dann sei mir willkommen! Kotzebue
dram. werke 2, 89; sei mir tausendmal willkommen, süszes oder besser angenehmes wort Hippel
lebensläufe 1, 11
und öfter; schlieszlich auch als grusz an dinge, die nicht kommen, sondern zu denen der grüszende kommt: sei willkommen, friedliches gefilde Schiller 1, 131. I@A@1@bb)
dann in der gleichen weise von dingen, die kommen; so, wo das kommen (
oder bringen)
wieder erwähnt wird: das wohltemperirte clavier soll, wenn es ankommt, auch in duplo willkommen sein Göthe IV 31, 66
Weim.; oder doch ohne weiteres zwischen den zeilen zu lesen ist: sehr willkommen war disz buch den frommen Deutschen (
Luthers bibelübers.) Mathesius
Luther (1583) 142
b; ei, so sei willkommen die geiszel meines gottes! Birken
der vermehrte Donau-strand 125; die drei kupferstiche waren sehr willkommen Göthe IV 35, 284
Weim.; was ist verwünscht und stets willkommen? 15 i, 9
Weim. (
Faust 4743); ihr lieber brief, mein bester, war mir .. nur desto willkommener, je länger ich darauf geharrt hatte Forster
schriften 7, 194; ein glas wein war mir höchst willkommen A. v. Arnim
werke 2, 142; dann würde es (
das geld) für tage der krankheit, der not oder verarmung einst plötzlich willkommen sein Keller 2, 97; hier haben wir grosze vorräthe .. gefunden, die äuszerst willkommen waren Moltke
schriften 6, 451; die ausbeute war .. immer sehr willkommen Ranke
werke 3, vii. I@A@1@cc)
endlich von weniger dinglichem oder ganz abstrac tem, was aber immer noch als kommend vorgestellt werden kann, so wieder, wo die bewegung erwähnt wird: ein schönes ja, ein schönes nein, nur geschwind! soll mir willkommen sein Göthe 2, 226
Weim.; oder wo sie vorauszusetzen ist: wer es ... für falsch hält, dessen widerlegung soll mir willkommen sein Lessing 10, 235; doch wie dir jede kunst willkommen König
gedichte 108; jede auszeichnung musz in diesen trüben und stürmischen zeiten willkommen sein Göthe IV 21, 352
Weim.; sie (
die finsternis) ist, wie die ruhe, den müden willkommen II 5, 1;
völlig abstract: wie willkommen ist uns ... eine philosophie Wieland
Agathon 1, 263; jeder trugschlusz Nicolai
reise d. Deutschland u. d. Schweiz 6, 414; dieses versehen Göthe 21, 26, 7
Weim.; ein versuch Schubart
ästhetik der tonkunst 1. I@A@1@dd)
zuweilen scheint der gebrauch des wortes an seinen grenzen angelangt zu sein, wenn der gedanke an eine bewegung ziemlich ausgeschlossen ist; bei personen ist das selten oder garnicht der fall, eher bei sachen: vom militärischen standpunkt ist jede bahn willkommen Moltke
schriften 7, 35;
vor allem bei undinglichem: jedes amt .. soll mir willkommen sein Solger
schrift. 1, 83; und auch der speise kräft'ger wohlgeschmack wär ... mir ... willkommen Fouqué
held des nordens 1, 85;
namentlich wo ein infinitiv oder ein nebensatz als subject neben willkommen
gedacht ist: so musz mir nichts willkommner sein, als wenn diejenigen, welche bestellt sind gegen das gesetzlose zu wirken, ... zu mildem entschlusz sich bewogen fühlen Göthe IV 28, 202
Weim.; mir wäre willkommener gegen ihn (
den oheim) im felde zu stehn als an seiner schwertseite Freytag 9, 22. I@A@1@ee)
in der besonderen verbindung willkommen sein heiszen, die schon mhd. vorliegt (er hieʒ si willechomen sîn Lexer),
und die sich erklärt wie das kürzere willkomm sein heiszen (
oben sp. 190,
vergl. auch band 4, 2
sp. 910);
sie hat sich im älteren nhd. gehalten, ist aber im 18.
jh. ausgestorben: nach der mesz gieng si zu im, vieng in in ir arm, hiesz in grosz willichumen sein got und ir Füeterer
Lanzelot 171
Peter; wann er wieder zu haus kompt, sol sie ihn frölich heiszen wilkommen sein Barth
weiberspiegel K 3
a; denn die flegelgroben brüder ,. hieszen ihn wilkommen sein, dasz ihm auflief leib und bein
Reinicke fuchs (1650) 120; wir heiszen dich jetzt sein willkummen Spreng
Äneis 153
a; .. seht, er trit schon zu euch ein, wohl! heiszet ihn willkommen sein Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 205; sahe ich mich ... um, ob er und mein meüder uns nicht bald entgegen gehen und uns willkommen sein heiszen wolten
Simplicissimus 14
Kögel; diesen hiesz der wirth alsobald wilkommen sein Weise
die drei ärgsten erznarren 23
ndr.; und die götter alle hieszen ihn willkommen sein Denis
lieder Sineds (1772) 66. I@A@22)
neben andern zustandsverben, wie erscheinen, heiszen, aber auch neben kommen: und auch jene geldhülfe, wie willkommen erschien sie Dahlmann
gesch. d. franz. revolution 78; der geheime rath freilich wird anders urtheilen, dem eben diese allgemeine zerrüttung willkommen heiszt Schiller 7, 160; man meint, wenn ich willkommen hiesze, so kämen noch drei mädchen nach! Mörike 1, 172; so kam ich sehr willkommen Keller 4, 29. I@BB.
prädicativ neben transitiven. wie sich willkommen
neben sein
auf den träger der zeitwortshandlung (
das subject)
bezieht, so neben transitiven zeitwörtern auf deren ziel (
accusativobject). I@B@11)
willkommen heiszen, beinahe allein übliche verbindung (
vgl. band 4, 2,
sp. 913
unter e
und oben sp. 191
unter willkomm). I@B@1@aa)
im eigentlichen sinn, vom grusz eines menschen, zunächst an einen ankommenden andern menschen: Florigunde .. heiszet ihn willkommen
volksbuch v. geh. Siegfried 76
ndr.; wo dieselbe wäre, dasz sie nicht anwesend und ihn willkommen hiesze
der politische maulaffe 241; (
die weiber) kamen uns entgegen, nahmen uns bei der hand und hieszen uns gar freundlich willkommen Wieland
Lucian 4, 225; die götter alle willkommen ihn hieszen Herder 25, 221; erlauben ew. gnaden, dasz ich sie schriftlich im Carlsbad willkommen heisze Göthe IV 30, 35
Weim.; noch einmal, fürstin, heisz ich sie im feld willkommen Schiller 12, 104;
auch im passiv: der bräutigam wird vielmehr am tage der vermählung vom schwiegervater als gast willkommen geheiszen Peschel
völkerkunde 237;
in gehobener sprache und übertragen: wo man Homer und Phidias neidlos willkommen hiesz, um von dem herrlichsten gewinn zu ziehen Gervinus
gesch. d. deutsch. dichtung 5, 54;
wie begrüszen
auch mit bezug auf lebloses: dann dürft ich deinen hellen strahl willkommen heiszen allemal Becker
mild. liederb. 4; damit ich sie (
kreuz und verfolgung), wenn sie kommen, könne willkommen heiszen Butschky
Pathmos 56. I@B@1@bb)
oft spöttisch, von einem üblen empfang, einer derben zurücktreibung, vgl. oben sp. 193 den willkomm geben: auf das man dich nicht in der zunft schelt einen groben unvernunft, noch dergestalt willkommen heisz, dasz dir der senf die augen beisz Ringwaldt
die lauter warheit 112; deinen nachbar hiesz ich willkommen, also dasz er für mir uber den zaun springen muste
engl. comedien u. tragedien A 8
a; die ihn ... überredet, er sei unsichtbar, bisz ihn sein weib darüber heszlich willkommen geheiszen Grimmelshausen 4, 529
Keller. I@B@1@cc)
seit neuerer zeit auch in abgeblasztem sinn von '
gern aufnehmen, nicht abweisen': nachdem er .. auf seinen zügen .. jeden waffenbruder, der sich anschlosz, willkommen geheiszen hatte Mommsen
röm. geschichte 2, 172;
auch von sachen in der bedeutung '
billigen, mit freuden begrüszen': bei dem allen aber ist ihm die anthropomorphistische vermittelung so unentbehrlich, dasz er ... sie als symbol willkommen heiszt Hegel 16, 212; man hat an allen orten die chemie gern willkommen geheiszen Stöckhardt
chemische feldpredigten 1, viii; (
die) wahl Rudolfs, die von der stadt Straszburg so willkommen geheiszen Nitzsch
deutsche studien 200. I@B@1@dd)
auch in der weise, dasz lebloses dabei als subject auftritt: der lenz heiszt euren lenz der jugend ietzt willkommen P. Fleming
gedichte 1, 65; wir jungen können nicht verschweigen, wenn uns ein glück willkommen heiszt [K. Stieler]
geharnschte venus 91
ndr.; ein ... lustgeschrei heiszt dich ... willkommen König
gedichte 27; durchsichtige papierbuchstaben, hinter denen lampen standen, und die die ankommenden willkommen hieszen Stifter 2, 353. I@B@22) willkommen
machen, haben, nur vereinzelt: indesz ein unnennbares gefühl ihm das gebot der frau von Tharow willkommen machte Chézy
erzählungen und novellen 1, 40; wenn man musz eine zeitlang hacken und graben, wird man die ruh erst willkommen haben (
lieb haben) Göthe 16, 148
Weim. I@CC.
attributiv. der attributive gebrauch ist aus der verbindung mit sein
entsprossen und deckt sich daher so ziemlich mit ihm. so steht willkommen
auch als attribut I@C@11)
bei ausdrücken für personen oder persönlich gedachtes: die wirtin sprach: die hab ich gern und seind mir gar willkommen herrn Fischart
Eulenspiegel v. 3893
Hauffen; die werden dem herrn wider willkommene gäste sein in seinem ewigen reich der herrligkeit Nigrinus
von zäuberern, hexen, vorrede 3
a; denn stets willkommne freier waren, so lang' es liebe gab, husaren Erlach
die volkslieder d. Deutschen 2, 497; lieber und willkommener hausfreund Arndt
werke 1, 30; ein willkommener schüler Tieck
schriften 2, 26; ein willkommener diener Freytag 11, 292. I@C@22)
bei ausdrücken für dingliches, unpersönliches: zur dankbaren erwiderung der willkommnen sendung Göthe IV 41, 56
Weim.; dieser willkommene trank Schiller 4, 75; eine willkommene erscheinung Forster
schriften 8, 174; einen willkommenen nachtrag Heine 3, 375; willkommene beute Peschel
völkerkunde 163. I@C@33)
bei ausdrücken für weniger dingliches oder ganz undingliches: ein willkommenes wort Hebel 2, 29, 5; und seht ihr leuchten die willkommnen flammen, dann auf die feinde stürzt, wie wetters strahl Schiller 14, 388; auf dem lande würde ein ... vogelschieszen ... eine willkommene ergötzlichkeit sein Jahn
werke 1, 307; nicht im elend allein ist fröhlicher liebe reiner willkommner strahl die einzige tröstung Göthe 11, 31
Weim.; einen so willkommenen anlasz Matthisson
schriften 1, 3; die trümmer der gräber und tempel, welche dem aufnehmenden die willkommenste orientirung gewähren Moltke
schriften 1, 185; willkommne genugthuung! B. v. Arnim
dies buch gehört dem könig 2, 328; die willkommene gelegenheit, den consular zu demüthigen Mommsen
röm. geschichte 2, 212. I@C@44)
deutlich spürt man beim attributiven gebrauch die verblassung der bedeutung und den übergang zu einem allgemeinen ausdruck für '
angenehm': und am abend soll der geruch willkommenen fleisches euch entgegendampfen Göthe 50, 293
Weim.; es ist mir kein willkommner zeichen, ihnen zu sagen, dasz ich sie liebe, als immer wechselnde blumen IV, 5, 64; ohne den willkommenen klang der zusammenschlagenden hände I 22, 238; ew. wohlgeboren so willkommene als entschiedene art sich ... zu erklären IV 28, 177; ein zierlich geschweiftes steinernes blätterwerk, willkommener schlupfwinkel für ein heer von spatzen Gutzkow
ritter v. geiste 1, 13; ein willkommenes obdach gewähren Nehring
tundren u. steppen 30; mit allem willkommenen comfort Pückler
briefwechsel u. tageb. 2, 327;
vereinzelt steht ein fall wie: legt eure willkommene (
wohlthuende) hand auf mein haupt Klinger
werke 1, 45. I@DD.
substantiviert, nur vereinzelt; so männlich: dem willkomnen sonst nichts? Lessing 3, 144;
sächlich: etwas deinem gaumen willkommenes Göthe IV 37, 1
Weim.; (
dasz) den vielwillkommnen sich willkommnes biete Grillparzer 1, 178; einiges willkommne J. Grimm
klein. schriften 3, 227. IIII.
ergänzung. willkommen
nimmt mehrfache ergänzungen zu sich, deren form hauptsächlich von ihrer bedeutung abhängt. II@11)
die person, der man willkommen
ist, steht meist im dativ, sonst mit bei
oder auch für. II@1@aa)
dativ: nun seid mir wilkomen Arigo 157, 14; dem edeln Heinrich waren sie alle herzlich willkommen maler Müller
werke 1, 223; vater Hamlet im schlafrock ist dir gewisz willkommen Göthe IV 42, 105
Weim.; und sie, mein freund, sind mit dem anerbieten ihrer freundschaft meinem verwundeten herzen höchst willkommen Gleim
briefwechsel 1, 40;
seltener mit einem stark persönlich gedachten dativ der sache: der volksphantasie aber muszten die thiergestalten überaus willkommen sein Laistner
nebelsagen 11.
besonders häufig in der verbindung gott willkommen. diese zumal in älterer zeit noch recht übliche verbindung musz sich als geistlicher grusz erklären, wie das kürzere gottwillkomm (
sp. 191);
dafür sprechen besonders frühere verbindungen wie got und mir willkommen (
mhd. got willekomen unde mir).
die belege sind im 16.
jh. reichlich, brechen dann merkwürdigerweise aber fast ganz ab, obwohl der ausdruck noch heute nicht unbekannt ist. bei altertümlich schreibenden indes wie Scheffel
besagt seine anwendung nicht allzuviel. beachtenswerth ist, dasz im nhd. der persönliche dativ ohne weiteres neben gott
tritt: seit mir gotwilkomen Arigo 139, 38; 471, 7; bringen sie gottes wort, so sagen wir: gott wilkommen Luther 33, 477
Weim.; herr doctor, seid uns allen gotwilkomen 15, 342, 7
Weim. (
handlung D.
M. L.
mit dem raht und gemeine der stad Orlamünd); sind mir gott wilkommen, lieber herr!
N. Manuel 64 (
v. papst u. s. priesterschaft v. 876); wenn die vom adel bei im einzogen, so hiesz er sie schwager, schwager gott wilkommen, schwager der gilt dir Hertzog
die schildwache diiii; gott willkommen, bester herr landsmann! Eichendorff (1864) 3, 66; unerschrocken stand sie vor ihm und sprach: gottwillkommen Scheffel
Ekkehard (1878) 362;
auffällig ist daneben ein sächlicher dativ: das war dem fleisch got willkommen, wann man es in seiner brü und pfütz ongelüpft sitzen laszt Seb. Franck
chronicon Germaniae 60
a;
diese verbindung gottwillkommen sein
kommt auch mit heiszen
vor: der (
der pfarrer) hiesz sie got wilkumen sein
pfarrer vom Kalenberg 94
v. 1956
neudr.; beachtenswerth sind zwei nebenformen des ausdrucks: 1) seid uns
gott willig kommen, lieber sark Luther 34 ii, 212, 1
Weim., wofür gleich darauf steht seit uns gotwyl kummen, lyber sarck
z. 19; 2) mit gott willkommen,
offenbar eine verdeutlichung des schon damals unklar werdenden ausdrucks: dieweil ir sagent, das ir uns also gewegen und holt seind, so seind mit got wilkommen
hertzog Aymont v. Dordons süne (1535) f II
a. II@1@bb)
bei: darum war ich bei i.
f. g. willkommen Schweinichen
denkwürd. 127; o, möglicher wär' nichts! denn Assad war bei hübschen christendamen so willkommen Lessing 3, 129; sie war ... bei der rotte sehr willkommen maler Müller
werke 1, 296. II@1@cc)
für: diesmal bin ich für dich willkommen Göthe 43, 165
Weim. II@22)
der ort, wo man willkommen
ist, wird in der gewöhnlichen weise angegeben: söhne .., welche ... im preuszischen dienst wieder willkommen waren Arndt
werke 1, 157; sie werden auf meinem schlosz willkommen sein Moltke 1, 82; sei willkommen an des morgens goldnen thoren Schiller 4, 6; II@33)
selten wird auch —
gemäsz der grundbedeutung von willkommen (
oben sp. 194) —
der ort angegeben, aus dem man herkommt: willkommen fürstin aller nächte! ... willkommen, mohn, aus düstrer bahn vom ozean [K. Stieler]
geharnschte Venus 103
neudr.; sonst vgl. die richtungsangabe in mhd. si wâren willekomen dar Lexer
und unten sp. 202
unter 1 b. II@44)
den zweck, zu dem man willkommen
ist, bezeichnet man mit zu: Alhafi derwisch ist zu allem, was ich vermag, mir stets willkommen Lessing 3, 22, 440; welche ... zu diesem posten willkommen waren Schiller 7, 80;
vgl. mit anderer entwicklung engl. you are welcome to
es steht ihnen frei, zu diensten. II@55)
den grund des willkommenseins drückt durch aus: graf Corneillon war auch hier, durch sein ernstes ruhiges betragen und dadurch, dasz er angenehme kunstwerke zur unterhaltung brachte, immer willkommen Göthe 36, 17
Weim.; oder, indem man an einen begleitenden umstand denkt, durch mit: dasz ich den meisten unter ihnen mit dieser arbeit willkommen sein werde Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 1; mit wahrheit ist man überall der welt, beim ersten augenblick nicht sehr willkommen Seume
gedichte 33;
oder wenn man an eine bestimmte einschränkende beziehung denkt, durch in: er (
ein schauspieler) ... ist in dem, was man mittlere .. charaktere nennt, gewandt und willkommen Göthe IV 42, 231
Weim.; sonst vgl. o geist, ist deinem lenz die lust genommen, sei du der welt in schrecken auch willkommen Lenau
werke 589
Barthel; II@66)
eine verstärkung des begriffs giebt man in mannigfacher weise durch adverbien oder präpositionalverbindungen wieder: darum sind sie uns wol willkommen Fischart
glückh. schiff 22
v. 763
neudr.; ich war ihnen also gleich sehr willkommen Schubart
leben und gesinnungen 1, 31; ganz willkommen Schleiermacher
Platons werke 6, 265; seit mir schönst willkommen! Birken
ostländischer lorbeerhäyn 29; willst du hereintreten, so bist du schönstens willkommen Göthe IV 34, 10
Weim.; August soll mir auf das schönste willkommen sein 21, 74; ew. hochwohlgeb. würden morgen früh um 11 uhr .. herzlich willkommen sein 28, 26; pisz mir ze tausent malen wilkomen Arigo 80, 23; sei tausentmal wilkommen, du theure, wehrte friedensgab P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel,
kirchenlied 3, 397
b; sei mir von herzen willkommen Chr. Reuter
ehrl. frau 31; aus ganzer seele willkommen Fouqué
zauberring 1, 2.