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willkommen

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

willkommen adj.;

Bd. 30, Sp. 194
willkommen, adj.; der zweite theil dieser zusammensetzung, die um 1100 willechomen und später im mhd. willekomen lautet (vgl. auch Opitz poem. 187 v. 451 neudr.), ist offenbar das particip von kommen selbst, wofür es auch Paul in seinem wörterbuch hält; weniger einleuchtend könnte man die form als einen erstarrten casus des substantivs willkomm m. (ahd. willichomo) ansehen, etwa die mehrzahl, die aus einer fügung sît willekomen verallgemeinert wäre, oder den accusativ der einzahl, aus der verbindung einen willekomen heiʒen; der ton ruht immer auf dem zweiten bestandtheil, daher auch in verkürzung kärnt. kuma! Lexer 164. jedenfalls gebraucht man das wort genau so wie jedes andere adjectiv, attributiv und prädicativ, und man steigert es seit alter zeit. so lautet der comparativ gewöhnlich willkommener (mhd. willekomener Lexer): je ungelehrter sie sind, je willkommener und lieber sind sie in den klöstern Fischart binenkorb 225b; alwo ein schönes kleid, wan es schon ein esel an hätte, bei fürsten und herren willkommener ist, als ein doctor in einem schwarzen kleid Moscherosch gesichte 2, 303; einen entschlusz, der mir noch willkommener war Bürger 243b Bohtz; die rübchen erschienen umso willkommener, als es dies jahr am Rhein und Main keine kastanien giebt Göthe IV 19, 74 Weim.; ähnlich I 24, 29; eine willkommenere bitte Jean Paul 1, 206; eine andere willkommnere form Bismarck briefe an seine braut u. gattin 46; nur ausnahmsweise in umschreibung: geistliche, denen ein von der kirche herrührendes gesetzbuch gewisz mehr willkommen war als das von einem weltlichen monarchen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 129; der superlativ: in solchen fällen (auf der reise) ist ein wörterbuch die willkommenste begleitung Göthe 33, 106 Weim.; leute .., die von launen regiert werden, so dasz man ihnen heute der willkommenste gast, morgen der überlästigste gesellschafter ist Knigge umgang mit menschen 1, 193; als wir noch recht tapfer und getreu auf unsern burgen hausten, waren die minnesänger am willkommensten in unsern sälen Fouqué gefühle, bilder 1, 61; der willkommenste bestandtheil in diesen nachträgen Justi Winckelmann 2 ii, 284; die .. piraterie wurde ... als willkommenste bundesgenossin überall entfesselt Mommsen römische geschichte 2, 282; in den wörterbüchern gebucht von Steinbach 1, 898. bedeutung und gebrauch. den inhalt und die grenzen der bedeutung des wortes ersieht man am besten aus der verbindung mit sein und ähnlichen zeitwörtern. II. abhängigkeit. I@AA. prädicativ neben zustandsverben. I@A@11) neben sein. I@A@1@aa) zunächst nur von personen oder wie lebendes behandelten dingen, die wirklich kommen, namentlich von gästen, wie es denn geradezu nebeneinander heiszt: du bist uns itzt ein lieber gast und auch willkommen Thym Thedel v. Wallmoden v. 1016 neudr.; seid mir als werther gast und freund willkommen Schiller 12, 255; am passendsten ist der ausdruck, wenn das kommen (vgl. th. 5, 1630 ff.) wirklich erwähnt wird: willkommner wär' er mir, käm er ohn ihm zurück theater der Deutschen 1, 98; oder wo das kommen wenigstens vorausgesetzt ist: wann man was erfunden und erdacht hat, so ihnen (den herrschaften) zu vortheil ... dienen mag, und wann es noch so gottlos wäre und gar vom teufel käme, so ist man bei ihnen doch willkommen damit Moscherosch gesichte 2, 825; heil dir, könig der thiere! du bist immerdar willkommen Lessing 8, 57, 29; ein bücherkenner ist überall willkommen Göthe 46, 45, 25 Weim.; widerlegen oder berichtigen sie meine idee, sie werden mir in beiden fällen willkommen sein Schlesw. litbr. forts. 301. im besondern als grusz in der form sei (älter bis) willkommen, zunächst an ankommende, entsprechend mhd. bis (sît) willekomen Gudr.: Willekin, bis willekomen! sage an, waz hast du vernomen? Katharinenspiel 130, 46; sei mir wilkommen Schaidenraiszer Odyssea 2a; zarter erstling, süszer knabe! ... sei willkommen!sei gegrüszt! Gottsched gedichte 106; seid willkommen, edle gäste, jedem echten deutschen sinn Göthe 3, 117 Weim.; ebenso bei unpersönlichem: seid willkommen, liebliche blümchen umher! Geszner schriften 1, 74; ha, windsbraut, sei willkommen, willkommen sturm des herrn Schenkendorf gedichte 7; sei mir willkommen, jahr des friedens und des todes! Miller Siegwart 2, 471; sei willkommen, licht der frommen! Schubart gedichte 2, 90; o tod! dann sei mir willkommen! Kotzebue dram. werke 2, 89; sei mir tausendmal willkommen, süszes oder besser angenehmes wort Hippel lebensläufe 1, 11 und öfter; schlieszlich auch als grusz an dinge, die nicht kommen, sondern zu denen der grüszende kommt: sei willkommen, friedliches gefilde Schiller 1, 131. I@A@1@bb) dann in der gleichen weise von dingen, die kommen; so, wo das kommen (oder bringen) wieder erwähnt wird: das wohltemperirte clavier soll, wenn es ankommt, auch in duplo willkommen sein Göthe IV 31, 66 Weim.; oder doch ohne weiteres zwischen den zeilen zu lesen ist: sehr willkommen war disz buch den frommen Deutschen (Luthers bibelübers.) Mathesius Luther (1583) 142b; ei, so sei willkommen die geiszel meines gottes! Birken der vermehrte Donau-strand 125; die drei kupferstiche waren sehr willkommen Göthe IV 35, 284 Weim.; was ist verwünscht und stets willkommen? 15 i, 9 Weim. (Faust 4743); ihr lieber brief, mein bester, war mir .. nur desto willkommener, je länger ich darauf geharrt hatte Forster schriften 7, 194; ein glas wein war mir höchst willkommen A. v. Arnim werke 2, 142; dann würde es (das geld) für tage der krankheit, der not oder verarmung einst plötzlich willkommen sein Keller 2, 97; hier haben wir grosze vorräthe .. gefunden, die äuszerst willkommen waren Moltke schriften 6, 451; die ausbeute war .. immer sehr willkommen Ranke werke 3, vii. I@A@1@cc) endlich von weniger dinglichem oder ganz abstrac tem, was aber immer noch als kommend vorgestellt werden kann, so wieder, wo die bewegung erwähnt wird: ein schönes ja, ein schönes nein, nur geschwind! soll mir willkommen sein Göthe 2, 226 Weim.; oder wo sie vorauszusetzen ist: wer es ... für falsch hält, dessen widerlegung soll mir willkommen sein Lessing 10, 235; doch wie dir jede kunst willkommen König gedichte 108; jede auszeichnung musz in diesen trüben und stürmischen zeiten willkommen sein Göthe IV 21, 352 Weim.; sie (die finsternis) ist, wie die ruhe, den müden willkommen II 5, 1; völlig abstract: wie willkommen ist uns ... eine philosophie Wieland Agathon 1, 263; jeder trugschlusz Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz 6, 414; dieses versehen Göthe 21, 26, 7 Weim.; ein versuch Schubart ästhetik der tonkunst 1. I@A@1@dd) zuweilen scheint der gebrauch des wortes an seinen grenzen angelangt zu sein, wenn der gedanke an eine bewegung ziemlich ausgeschlossen ist; bei personen ist das selten oder garnicht der fall, eher bei sachen: vom militärischen standpunkt ist jede bahn willkommen Moltke schriften 7, 35; vor allem bei undinglichem: jedes amt .. soll mir willkommen sein Solger schrift. 1, 83; und auch der speise kräft'ger wohlgeschmack wär ... mir ... willkommen Fouqué held des nordens 1, 85; namentlich wo ein infinitiv oder ein nebensatz als subject neben willkommen gedacht ist: so musz mir nichts willkommner sein, als wenn diejenigen, welche bestellt sind gegen das gesetzlose zu wirken, ... zu mildem entschlusz sich bewogen fühlen Göthe IV 28, 202 Weim.; mir wäre willkommener gegen ihn (den oheim) im felde zu stehn als an seiner schwertseite Freytag 9, 22. I@A@1@ee) in der besonderen verbindung willkommen sein heiszen, die schon mhd. vorliegt (er hieʒ si willechomen sîn Lexer), und die sich erklärt wie das kürzere willkomm sein heiszen (oben sp. 190, vergl. auch band 4, 2 sp. 910); sie hat sich im älteren nhd. gehalten, ist aber im 18. jh. ausgestorben: nach der mesz gieng si zu im, vieng in in ir arm, hiesz in grosz willichumen sein got und ir Füeterer Lanzelot 171 Peter; wann er wieder zu haus kompt, sol sie ihn frölich heiszen wilkommen sein Barth weiberspiegel K 3a; denn die flegelgroben brüder ,. hieszen ihn wilkommen sein, dasz ihm auflief leib und bein Reinicke fuchs (1650) 120; wir heiszen dich jetzt sein willkummen Spreng Äneis 153a; .. seht, er trit schon zu euch ein, wohl! heiszet ihn willkommen sein Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 205; sahe ich mich ... um, ob er und mein meüder uns nicht bald entgegen gehen und uns willkommen sein heiszen wolten Simplicissimus 14 Kögel; diesen hiesz der wirth alsobald wilkommen sein Weise die drei ärgsten erznarren 23 ndr.; und die götter alle hieszen ihn willkommen sein Denis lieder Sineds (1772) 66. I@A@22) neben andern zustandsverben, wie erscheinen, heiszen, aber auch neben kommen: und auch jene geldhülfe, wie willkommen erschien sie Dahlmann gesch. d. franz. revolution 78; der geheime rath freilich wird anders urtheilen, dem eben diese allgemeine zerrüttung willkommen heiszt Schiller 7, 160; man meint, wenn ich willkommen hiesze, so kämen noch drei mädchen nach! Mörike 1, 172; so kam ich sehr willkommen Keller 4, 29. I@BB. prädicativ neben transitiven. wie sich willkommen neben sein auf den träger der zeitwortshandlung (das subject) bezieht, so neben transitiven zeitwörtern auf deren ziel (accusativobject). I@B@11) willkommen heiszen, beinahe allein übliche verbindung (vgl. band 4, 2, sp. 913 unter e und oben sp. 191 unter willkomm). I@B@1@aa) im eigentlichen sinn, vom grusz eines menschen, zunächst an einen ankommenden andern menschen: Florigunde .. heiszet ihn willkommen volksbuch v. geh. Siegfried 76 ndr.; wo dieselbe wäre, dasz sie nicht anwesend und ihn willkommen hiesze der politische maulaffe 241; (die weiber) kamen uns entgegen, nahmen uns bei der hand und hieszen uns gar freundlich willkommen Wieland Lucian 4, 225; die götter alle willkommen ihn hieszen Herder 25, 221; erlauben ew. gnaden, dasz ich sie schriftlich im Carlsbad willkommen heisze Göthe IV 30, 35 Weim.; noch einmal, fürstin, heisz ich sie im feld willkommen Schiller 12, 104; auch im passiv: der bräutigam wird vielmehr am tage der vermählung vom schwiegervater als gast willkommen geheiszen Peschel völkerkunde 237; in gehobener sprache und übertragen: wo man Homer und Phidias neidlos willkommen hiesz, um von dem herrlichsten gewinn zu ziehen Gervinus gesch. d. deutsch. dichtung 5, 54; wie begrüszen auch mit bezug auf lebloses: dann dürft ich deinen hellen strahl willkommen heiszen allemal Becker mild. liederb. 4; damit ich sie (kreuz und verfolgung), wenn sie kommen, könne willkommen heiszen Butschky Pathmos 56. I@B@1@bb) oft spöttisch, von einem üblen empfang, einer derben zurücktreibung, vgl. oben sp. 193 den willkomm geben: auf das man dich nicht in der zunft schelt einen groben unvernunft, noch dergestalt willkommen heisz, dasz dir der senf die augen beisz Ringwaldt die lauter warheit 112; deinen nachbar hiesz ich willkommen, also dasz er für mir uber den zaun springen muste engl. comedien u. tragedien A 8a; die ihn ... überredet, er sei unsichtbar, bisz ihn sein weib darüber heszlich willkommen geheiszen Grimmelshausen 4, 529 Keller. I@B@1@cc) seit neuerer zeit auch in abgeblasztem sinn von 'gern aufnehmen, nicht abweisen': nachdem er .. auf seinen zügen .. jeden waffenbruder, der sich anschlosz, willkommen geheiszen hatte Mommsen m. geschichte 2, 172; auch von sachen in der bedeutung 'billigen, mit freuden begrüszen': bei dem allen aber ist ihm die anthropomorphistische vermittelung so unentbehrlich, dasz er ... sie als symbol willkommen heiszt Hegel 16, 212; man hat an allen orten die chemie gern willkommen geheiszen Stöckhardt chemische feldpredigten 1, viii; (die) wahl Rudolfs, die von der stadt Straszburg so willkommen geheiszen Nitzsch deutsche studien 200. I@B@1@dd) auch in der weise, dasz lebloses dabei als subject auftritt: der lenz heiszt euren lenz der jugend ietzt willkommen P. Fleming gedichte 1, 65; wir jungen können nicht verschweigen, wenn uns ein glück willkommen heiszt [K. Stieler] geharnschte venus 91 ndr.; ein ... lustgeschrei heiszt dich ... willkommen König gedichte 27; durchsichtige papierbuchstaben, hinter denen lampen standen, und die die ankommenden willkommen hieszen Stifter 2, 353. I@B@22) willkommen machen, haben, nur vereinzelt: indesz ein unnennbares gefühl ihm das gebot der frau von Tharow willkommen machte Chézy erzählungen und novellen 1, 40; wenn man musz eine zeitlang hacken und graben, wird man die ruh erst willkommen haben (lieb haben) Göthe 16, 148 Weim. I@CC. attributiv. der attributive gebrauch ist aus der verbindung mit sein entsprossen und deckt sich daher so ziemlich mit ihm. so steht willkommen auch als attribut I@C@11) bei ausdrücken für personen oder persönlich gedachtes: die wirtin sprach: die hab ich gern und seind mir gar willkommen herrn Fischart Eulenspiegel v. 3893 Hauffen; die werden dem herrn wider willkommene gäste sein in seinem ewigen reich der herrligkeit Nigrinus von zäuberern, hexen, vorrede 3a; denn stets willkommne freier waren, so lang' es liebe gab, husaren Erlach die volkslieder d. Deutschen 2, 497; lieber und willkommener hausfreund Arndt werke 1, 30; ein willkommener schüler Tieck schriften 2, 26; ein willkommener diener Freytag 11, 292. I@C@22) bei ausdrücken für dingliches, unpersönliches: zur dankbaren erwiderung der willkommnen sendung Göthe IV 41, 56 Weim.; dieser willkommene trank Schiller 4, 75; eine willkommene erscheinung Forster schriften 8, 174; einen willkommenen nachtrag Heine 3, 375; willkommene beute Peschel völkerkunde 163. I@C@33) bei ausdrücken für weniger dingliches oder ganz undingliches: ein willkommenes wort Hebel 2, 29, 5; und seht ihr leuchten die willkommnen flammen, dann auf die feinde stürzt, wie wetters strahl Schiller 14, 388; auf dem lande würde ein ... vogelschieszen ... eine willkommene ergötzlichkeit sein Jahn werke 1, 307; nicht im elend allein ist fröhlicher liebe reiner willkommner strahl die einzige tröstung Göthe 11, 31 Weim.; einen so willkommenen anlasz Matthisson schriften 1, 3; die trümmer der gräber und tempel, welche dem aufnehmenden die willkommenste orientirung gewähren Moltke schriften 1, 185; willkommne genugthuung! B. v. Arnim dies buch gehört dem könig 2, 328; die willkommene gelegenheit, den consular zu demüthigen Mommsen m. geschichte 2, 212. I@C@44) deutlich spürt man beim attributiven gebrauch die verblassung der bedeutung und den übergang zu einem allgemeinen ausdruck für 'angenehm': und am abend soll der geruch willkommenen fleisches euch entgegendampfen Göthe 50, 293 Weim.; es ist mir kein willkommner zeichen, ihnen zu sagen, dasz ich sie liebe, als immer wechselnde blumen IV, 5, 64; ohne den willkommenen klang der zusammenschlagenden hände I 22, 238; ew. wohlgeboren so willkommene als entschiedene art sich ... zu erklären IV 28, 177; ein zierlich geschweiftes steinernes blätterwerk, willkommener schlupfwinkel für ein heer von spatzen Gutzkow ritter v. geiste 1, 13; ein willkommenes obdach gewähren Nehring tundren u. steppen 30; mit allem willkommenen comfort Pückler briefwechsel u. tageb. 2, 327; vereinzelt steht ein fall wie: legt eure willkommene (wohlthuende) hand auf mein haupt Klinger werke 1, 45. I@DD. substantiviert, nur vereinzelt; so männlich: dem willkomnen sonst nichts? Lessing 3, 144; sächlich: etwas deinem gaumen willkommenes Göthe IV 37, 1 Weim.; (dasz) den vielwillkommnen sich willkommnes biete Grillparzer 1, 178; einiges willkommne J. Grimm klein. schriften 3, 227. IIII. ergänzung. willkommen nimmt mehrfache ergänzungen zu sich, deren form hauptsächlich von ihrer bedeutung abhängt. II@11) die person, der man willkommen ist, steht meist im dativ, sonst mit bei oder auch für. II@1@aa) dativ: nun seid mir wilkomen Arigo 157, 14; dem edeln Heinrich waren sie alle herzlich willkommen maler Müller werke 1, 223; vater Hamlet im schlafrock ist dir gewisz willkommen Göthe IV 42, 105 Weim.; und sie, mein freund, sind mit dem anerbieten ihrer freundschaft meinem verwundeten herzen höchst willkommen Gleim briefwechsel 1, 40; seltener mit einem stark persönlich gedachten dativ der sache: der volksphantasie aber muszten die thiergestalten überaus willkommen sein Laistner nebelsagen 11. besonders häufig in der verbindung gott willkommen. diese zumal in älterer zeit noch recht übliche verbindung musz sich als geistlicher grusz erklären, wie das kürzere gottwillkomm (sp. 191); dafür sprechen besonders frühere verbindungen wie got und mir willkommen (mhd. got willekomen unde mir). die belege sind im 16. jh. reichlich, brechen dann merkwürdigerweise aber fast ganz ab, obwohl der ausdruck noch heute nicht unbekannt ist. bei altertümlich schreibenden indes wie Scheffel besagt seine anwendung nicht allzuviel. beachtenswerth ist, dasz im nhd. der persönliche dativ ohne weiteres neben gott tritt: seit mir gotwilkomen Arigo 139, 38; 471, 7; bringen sie gottes wort, so sagen wir: gott wilkommen Luther 33, 477 Weim.; herr doctor, seid uns allen gotwilkomen 15, 342, 7 Weim. (handlung D. M. L. mit dem raht und gemeine der stad Orlamünd); sind mir gott wilkommen, lieber herr! N. Manuel 64 (v. papst u. s. priesterschaft v. 876); wenn die vom adel bei im einzogen, so hiesz er sie schwager, schwager gott wilkommen, schwager der gilt dir Hertzog die schildwache diiii; gott willkommen, bester herr landsmann! Eichendorff (1864) 3, 66; unerschrocken stand sie vor ihm und sprach: gottwillkommen Scheffel Ekkehard (1878) 362; auffällig ist daneben ein sächlicher dativ: das war dem fleisch got willkommen, wann man es in seiner brü und pfütz ongelüpft sitzen laszt Seb. Franck chronicon Germaniae 60a; diese verbindung gottwillkommen sein kommt auch mit heiszen vor: der (der pfarrer) hiesz sie got wilkumen sein pfarrer vom Kalenberg 94 v. 1956 neudr.; beachtenswerth sind zwei nebenformen des ausdrucks: 1) seid uns gott willig kommen, lieber sark Luther 34 ii, 212, 1 Weim., wofür gleich darauf steht seit uns gotwyl kummen, lyber sarck z. 19; 2) mit gott willkommen, offenbar eine verdeutlichung des schon damals unklar werdenden ausdrucks: dieweil ir sagent, das ir uns also gewegen und holt seind, so seind mit got wilkommen hertzog Aymont v. Dordons süne (1535) f IIa. II@1@bb) bei: darum war ich bei i. f. g. willkommen Schweinichen denkwürd. 127; o, möglicher wär' nichts! denn Assad war bei hübschen christendamen so willkommen Lessing 3, 129; sie war ... bei der rotte sehr willkommen maler Müller werke 1, 296. II@1@cc) für: diesmal bin ich für dich willkommen Göthe 43, 165 Weim. II@22) der ort, wo man willkommen ist, wird in der gewöhnlichen weise angegeben: söhne .., welche ... im preuszischen dienst wieder willkommen waren Arndt werke 1, 157; sie werden auf meinem schlosz willkommen sein Moltke 1, 82; sei willkommen an des morgens goldnen thoren Schiller 4, 6; II@33) selten wird auchgemäsz der grundbedeutung von willkommen (oben sp. 194) — der ort angegeben, aus dem man herkommt: willkommen fürstin aller nächte! ... willkommen, mohn, aus düstrer bahn vom ozean [K. Stieler] geharnschte Venus 103 neudr.; sonst vgl. die richtungsangabe in mhd. si wâren willekomen dar Lexer und unten sp. 202 unter 1 b. II@44) den zweck, zu dem man willkommen ist, bezeichnet man mit zu: Alhafi derwisch ist zu allem, was ich vermag, mir stets willkommen Lessing 3, 22, 440; welche ... zu diesem posten willkommen waren Schiller 7, 80; vgl. mit anderer entwicklung engl. you are welcome to es steht ihnen frei, zu diensten. II@55) den grund des willkommenseins drückt durch aus: graf Corneillon war auch hier, durch sein ernstes ruhiges betragen und dadurch, dasz er angenehme kunstwerke zur unterhaltung brachte, immer willkommen Göthe 36, 17 Weim.; oder, indem man an einen begleitenden umstand denkt, durch mit: dasz ich den meisten unter ihnen mit dieser arbeit willkommen sein werde Bahrdt gesch. s. lebens 1, 1; mit wahrheit ist man überall der welt, beim ersten augenblick nicht sehr willkommen Seume gedichte 33; oder wenn man an eine bestimmte einschränkende beziehung denkt, durch in: er (ein schauspieler) ... ist in dem, was man mittlere .. charaktere nennt, gewandt und willkommen Göthe IV 42, 231 Weim.; sonst vgl. o geist, ist deinem lenz die lust genommen, sei du der welt in schrecken auch willkommen Lenau werke 589 Barthel; II@66) eine verstärkung des begriffs giebt man in mannigfacher weise durch adverbien oder präpositionalverbindungen wieder: darum sind sie uns wol willkommen Fischart glückh. schiff 22 v. 763 neudr.; ich war ihnen also gleich sehr willkommen Schubart leben und gesinnungen 1, 31; ganz willkommen Schleiermacher Platons werke 6, 265; seit mir schönst willkommen! Birken ostländischer lorbeerhäyn 29; willst du hereintreten, so bist du schönstens willkommen Göthe IV 34, 10 Weim.; August soll mir auf das schönste willkommen sein 21, 74; ew. hochwohlgeb. würden morgen früh um 11 uhr .. herzlich willkommen sein 28, 26; pisz mir ze tausent malen wilkomen Arigo 80, 23; sei tausentmal wilkommen, du theure, wehrte friedensgab P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 397b; sei mir von herzen willkommen Chr. Reuter ehrl. frau 31; aus ganzer seele willkommen Fouqué zauberring 1, 2.
21243 Zeichen · 285 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Willkómmen

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Willkómmen , adj. & adv. 1. Bey der Ankunft angenehm, angenehm in Ansehung der Ankunft; da denn dieses Wort eine gewöhnl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    willkommen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    willkommen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Willkommenm.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Will-kommen m. : ' Begrüßung, Empfang ', Willkomm(e), -kumm(e) [vereinzelt (von älteren Leuten gebraucht), Lambert Penns…

  4. Spezial
    willkommen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    will|kom|men adj. bëgnodü (-s, -da), bëgngnü (-s, -da). ▬ willkommen heißen dé le bëgngnü (bëgnodü).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit willkommen

20 Bildungen · 15 Erstglied · 1 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von willkommen 2 Komponenten

will+kommen

willkommen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

willkommen‑ als Erstglied (15 von 15)

Willkommen (Adv.)

Wander

Willkommen (Adv.) 1. Der ist überall willkommen, der etwas kann. Holl. : Die wat kan, is allezins welkom. ( Harrebomée, II, 449 a . ) 2. Der…

willkommengeld

DWB

willkommen·geld

willkommengeld , n. , zu willkommen, m.: die meier zahlen nicht überall ein willkommen- oder auftrittsgeld Kobbe Bremen und Verden 1, 306 . …

willkommensbrief

DWB

willkommen·s·brief

willkommensbrief , m. : dasz die gräfin Boies willkommensbrief ohne erlaubnis las Weinhold Boie 108 ; ein beruhigender schutz- und willkomme…

willkommensgrusz

DWB

willkommensgrusz , m. : drum hört, wie euch allen mein willkommensgrusz tönt Hebbel 7, 6 ; sonst hätte ich meinen willkommensgrusz schon in …

Willkommen (Subst.)

Wander

willkommen·subst

Willkommen (Subst.) 1. Das Willkommen des Wirths muss man (bei der Rechnung) mit bezahlen. – Altmann VI, 465. 2. Man gibt offt einem ein Wil…

willkommentrunk

DWB

willkommen·trunk

willkommentrunk , m. , Stieler 2331 : Circe ( hatte ) ... auch den willkommentrunk verehret Rollenhagen froschmeuseler D 8 a ; sein lohn ist…

willkommen als Zweitglied (1 von 1)

bewillkommen

DWB

bewillkommen , salutare, excipere, willkommen heiszen. schon die Angelsachsen bildeten aus vilcuma, qui gratus advenit, ein schwaches verbum…

Ableitungen von willkommen (4 von 4)

bewillkommen

DWB

bewillkommen , salutare, excipere, willkommen heiszen. schon die Angelsachsen bildeten aus vilcuma, qui gratus advenit, ein schwaches verbum…

unwillkommen

DWB

unwillkommen , adj. adv. , nicht willkommen ( s. d. ). mnl. onwillecome, nl. onwelkom, dän. uvelkommen, schwed. ovälkommen, engl. unwelcome.…

Unwillkommene

GWB

Unwillkommene [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Willkommene

GWB

Willkommene [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „willkommen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/willkommen/dwb?formid=W21622
MLA
Cotta, Marcel. „willkommen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/willkommen/dwb?formid=W21622. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „willkommen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/willkommen/dwb?formid=W21622.
BibTeX
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