stelle,
f. ,
in der älteren sprache und dialektisch auch neutr. stell, stelle,
gestell, bzw. ort, platz. j-
ableitung (ja-, jô-, jôn-
stamm)
zu stall,
m., wie bürste, grütze
zu borst, griesz
oder die neutra heft, öhr, stück
zu haft, ohr, stock.
doch ist deverbaler ursprung von stellen,
v., auch möglich, so Wilmanns
gramm. 2, 215,
der st.
zu fem. bildungen wie beute, blende, fähre, schwemme, tränke
u. s. w. stellt, die die j-
form des verbalen präs.-stammes zeigen. st.
ist auf das deutsche (
hd. nd. nfr.)
beschränkt. norweg. dän. stel,
schwed. ställ
ist lehnwort aus dem deutschen. in breiterer verwendung (stall
und statt
aus einer reihe von anwendungsgebieten verdrängend)
erst seit dem 16.
jh. literarisch nachzuweisen. ahd. blosz im comp. heristelli,
n., mhd. vereinzelt bei spruchdichtern des 13. und 14. jhs., auch mnl. selten, s. Verwijs-Verdam 7, 2065.
schwache sg.-formen neben starken nur mhd. und vereinzelt älternhd. (Lehman
floril. polit. 3, 104;
acta publ. 1, 19
Palm; v. Fleming
vollk. soldat [1726] 181).
sie sind in der bedeutung des concretums dialektisch (
bair.)
noch heute üblich. [] bedeutung und gebrauch. engerer zusammenhang mit bedeutungen des verbums stellen
findet sich nur spurenweise (
s. u. II A 10; 11; C 1),
die ältesten belege zeigen st.
als concretum, was deverbalen ursprung nicht ausschlieszt, wie die subst. blende, schmiere, schminke, spritze, stütze
u. a. beweisen. als abstractum (
locus)
im hd. erst vom 15.
jh. an literarisch bezeugt. II.
das neutr. stelle, stell.
das neutr. ist ahd. und and. in compp. als concretum u. abstractum belegt. (heristelli
locum castrorum vocari iussit Carolus rex a. 797 Graff 6, 666; 675
und forastelli,
constipatio, verstopfung Trierer gloss. bei Gallée
vorstudien 79),
drang aber weder in alter noch neuer zeit aus landschaftl. u. dialektischem gebrauche heraus zu breiterer verwendung ins schriftdeutsche. Stieler, Adelung
buchen das neutr. nicht. I@AA.
concret, synonym mit gerüst, gestell. I@A@11) eines schniders wittib thate ein miszdrytt uber ein stell Fel. Würtz
practica der wundartzney (1612) 269; die schergen ... legten ihn auf ein gemachtes stel und ... zogen ihm alle glieder aus den gelenken Bucholtz
Herkules (1666) 2, 10. I@A@22)
prägnant für bettstelle, bettgestell: Erlauer spiele 3, 470.
für wirkstelle, webstuhl: Schiller-Lübben 4, 382; Campe 4, 630.
dialektisch im norden weit verbreitet: das stell wirkt (=
webt) gut
quelle bei Frischbier
preusz. wb. 2, 368
a; Woeste 254
a; Stürenburg 263; Fischer
Samland 87; 97; Bauer-Collitz 99
a; Schmidt-Petersen 127
a; werpet den wever mit dem stelle nedene an de dêpen helle
spil van d. upstandinge v. 1521. I@A@33)
für vorder-, hinterstell,
vorder-, bzw. hintertheil des wagens, s. Danneil 211
a,
ferner Woeste 254
a; Bauer-Collitz 99
a; Schmidt-Petersen 127
a;
nd. korr. 18, 42.
vgl. auch die compp. vör-, hinner-, achterstell, stellmacher, stellwagen. 4)
karrengabel Woeste
a. a. o. 5)
holzaufbau (
geschosz, stockwerk)
eines hauses: (
das haus brannte ab) van boven uppe dat nedderste stel
Braunschweig 1502
in städtechron. 16, 405.
hierher auch Diefenbach
nov. gloss. 359
b s. v. tetta? I@BB.
nd. auch collectiv für eine summe von dingen, die ein zusammengehöriges ganze ausmachen, so in der schifferspr. ein stell segel, masten,
alle segel, masten u. s. w., die ein schiff bei seiner vollständigen betakelung führt Campe 4, 630
a; Heinsius 4, 787
b.
jeu de voiles, jeu de mâts ... Beil 573; Hoyer-Kreuter 1, 728.
auch norweg. dän., s. Falk-Torp
norweg.-dän. etym. wb. 1156. I@CC.
collectiv ist auch die bedeutung für neutrales stell
im Elsasz: allerlei gesindel Martin-Lienhart 2, 589. IIII.
das fem. stelle. II@AA.
concret: gestell, die älteste bedeutung des wortes. die spärlichen belege aus dem 13.
jh. zeigen nur diese und zwar specialisiert für sitz, thron gottes, s. mhd. wb. 2, 2, 560
a; 619
a; Lexer 1, 1288; 2, 1171; sîn (
gottes) sin kan alle stcrnen zeln, ... er sitzet ûf den himelsteln (ûf des himels steln
Kolm. 101, 35) Marner 1, 35
Str.; ähnlich Meiszner, Boppe, Frauenlob (
die ansetzung stele
neben stelle
für die schwach-flectierten formen in beiden wbb. ist unberechtigt).
in der neueren sprache ist st.
als concretum schriftsprachlich obsolet geworden, wird aber in dieser bedeutung dialektisch noch verwendet. II@A@11)
gerüst, gestell, regal: vorrichtung, um gegenstände abzustellen, aufzubewahren: kastel, kisten an der wand, stellen Diefenbach 499
a s. v. riscus; arca Stieler 2142;
ripositorio, gestelle Kramer 2 (1702), 955
a;
spintrum, ein st. in einer stuben
quelle (15.
jh.)
bei Lexer
kärnt. wb. 240.
s. auch Schmeller-Fr. 2, 747; Schöpf 705; Unger-Khull 574
a; die waldfrau langt ein laib brot von der stellen herunter Anzengruber 5, 110; Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 1, 19
R. hierher compp. wie bücherstelle Ebner-Eschenbach
dorf- und schloszgesch. 26. II@A@22)
für stockartigen holzaufbau eines hauses: diese hütte war ... mit dreyfach übereinander gebauten stellen versehen Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 67. II@A@33)
stuhl, sitz: sie ist komen in ir stell (
in der kirche) vor den leuten G. Preu
augsb. chron. (1537)
in [] städtechron. 29, 20 (
oder neutr.?).
hierher vielleicht auch: der junge mensch sasz nur zwo stellen von mir Rabener 4, 319
oder zu B 3?
s. Gottsched
beob. (1758) 277,
ferner Moscherosch
insomnis cura parentum 104
ndr. in bildlichem gebrauche: zu deme gibt es in meinem buche keine gewisse sitze, stellen oder bänke wie auff den reichstagen Rist
n. teutsch. Parnasz (1652) b 9
b; der tugend sitz und stelle
friedew. Teutschl. (1648) 32.
der abstracten bedeutung B 3
nahe: wann die weiszheit kommt mit ir stell nicht in ein boszhafftige seel H. Sachs 19, 418
K.-G.; aber weishait hat gern ir stell in ainer rhuigen stillen sel Fischart
podagram. trostbüchlin 89
H. II@A@44)
für zaunstelle,
vorrichtung zum übersteigen: Gangler
luxemb. (1847) 431; Buck
flurnamenb. 269. II@A@55)
felsstufe (
südbair.),
s. Lexer
kärnt. wb. 340; Unger-Khull 574
a; J. Bacher
Lusern 393;
scoglio, rupe Schmeller
cimbr. wb. 174
a; Schmeller-Fr. 2, 747.
bodenstufe, terrasse: die da pauen die stellen und die weingarten auf dem perg (
ca. 1490)
österr. weisth. 8, 1053.
schwelle: luxemb. wb. 422. II@A@66)
für viehstelle,
hürde: st.,
ein gehege für weidevieh, kuhlager Buck
flurnamenb. 268; Martin-Lienhart 2, 590.
ähnlich: den gitzlinen ein stelle machen Frisius
dict. (1556) 374
a s. v. defendo; stathmus ein st., herberg, stall Calepinus xi
ling. (1598) 1378
a.
weitere belege vom 16.
jh. ab bei Fischer
schwäb. wb. 5, 1724. II@A@77)
für bau-, hofstelle: st.,
länderei, knechtshof Sallmann
lex. beitr. 48
b;
neue beitr. 72; die übrigen ... von ihnen selbst angebaueten stellen liesze man in ihren händen S. Fr. Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 101; die st. wird sich schwerlich für die familie halten lassen Storm 3, 87; zu der väterlichen hufe auch noch die Fehse'sche st. ... erwerben 3, 118;
vgl. auch hdwb. d. staatswiss.2 4, 1222. II@A@88)
für wohnstelle,
ländliches haus: dann werdet ihr ... zu eurer st. gerathen (=
nach hause kommen) br. Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 42; Storm 3, 127.
vgl. noch compp. wie feuerstelle Viebig
schlaf. heer 1, 50; herdstelle Freytag 8, 8; miststelle Hulsius (1618) 2, 329
b, werkstelle
officina Stieler 2142; G. Hauptmann
Em. Quint 184.
hierher auch die redensart eine bleibende st. aufschlagen: Chr. Weise
pol. redner (1677) 776.
dem abstractum nahe bei den verben finden Tieck
schr. 6, 3, haben Wander 4, 825. II@A@99)
für schiffstelle,
arsenal, hafenanlage (16.
u. 17.
jh., s. Frisius
dict. [1556] 857
b s. v. navale; nomenclator [
Hamb. 1634] 561): schiff ausz der stell ins wasser ziehen Hulsius (1618) 2, 425
a. II@A@1010)
für lachsstelle,
vorrichtung und ort zum lachsfang, s. Frischbier 2, 368
a. II@A@1111)
hag, hecke (
jägerspr.)
: indago Pomey (1720) 417,
zu stellen
v. '
zum stehen bringen'? II@BB.
abstract: ort, platz. erst nhd. seit dem 15.
jh.: locus, regio, spatium Stieler 2142.
die wbb. differenzieren: 'ort
ist allgemeiner ..., st.
scheinet zunächst das bestimmte verhältnisz des ortes in der reihe der nebeneinander befindlichen dinge zu bezeichnen' Adelung 4, 348.
ähnlich Eberhard
syn. 5, 267: 'st. (
ist)
der ort, ... den ein ding in der ordnung einer gewissen reihe einnimmt',
ebenso Heinsius 4, 787
b; Krünitz 173, 80. II@B@11)
ein bestimmter platz, punkt, fleck in einem raum, einer landschaft auf erden oder im kosmos: II@B@1@aa) deinde elegit locum templi alszo hat er (
gott) szunderliche ... stellen darzu verordnet, papa autem hat schyr ... alle stellen zu kirchen gemacht Luther 34, 2, 296
W.; solte er darumb viel Christus seyn, das man yhn ynn so unzeligen sichtigen teylen austeylt, so müsten auch so viel Christi seyn als viel stellen der welt 19, 527
W.; überalsein steet allain got zu, und es haiszt nit in ainer iegklichen creatur und stell besunder sein ... sunder es haiszt in ainem wesen sein, da kain irdische creatur, kain leibliche stell noch zeit ist C. Schwenckfeld
apologia ... (1529) h 3
a. dasz bey dem leibe nichts als grösze, solidität oder undurchdringlichkeit und bewegung oder veränderung der st. anzutreffen Leibniz
dtsche schr. (1838
f.) 2, 329. II@B@1@bb)
näher bestimmt durch relativsatz oder localsatz: er küsset, weisz nicht was, die stelle, da sie stund, den stuhl darauff sie sasz — Rachel
satyr. ged. 94
ndr.; [] bald wird, an dem öden strand, ... kaum ein hirt die stelle weisen, wo Carthago sonsten stand Cronegk
schr. (1766) 2, 180; H. Heine 1, 104
E.; da ich sehe, dasz ... die st., die sie (
die erde) mit ihrem umlauf bezeichnet, ... durch gesetze bestimmt ist, ... so ... Herder 13, 15
S.; so weit das zepter meines vaters reicht ..., ist keine stelle, keine, keine, wo ich meiner träume mich entlasten darf als diese (=
an des Marquis von Posa busen) Schiller 5
1, 22
G. (
don Carlos 1, 2). II@B@1@cc)
durch adj. determiniert: wir giengen manche rauhe bahn, die heilge stelle selbst zu sehen Zachariä
poet. schr. (1763
ff.) 3, 205; H. Steffens
was ich erlebte 1, 355; die sogenannte böse st., orte nämlich wo ein frevel verübt worden ist Immermann 5, 115
B. II@B@1@dd)
als obj. bei verben wie jemandem eine st. anweisen, gönnen, lassen
u. ä.; grenze gegen 3, 4, 5 (
s. u.)
ist flieszend: doch sie ihm allezeit ein läre stell lassen, weil sie glauben, er sitze alsdann mit zur tafel Grimmelshausen 4, 600, 31
K.; (
obwohl) alle buchläden damit (
mit büchern) ... angefüllt, ist doch die st. ... denen zu gönnen, dardurch man die leute zu ... gottes forcht ... anzuhalten begeret J. Saubert
wagen Simeonis (1627)
widm. 7. eine (keine) st. finden
in eigentlichem und übertragenem sinne: sie (
die natur) muszte ... auf verlust rechnen, weil alles zusammengedrängt ist und nichts eine st. findet, sich ganz auszuwickeln Herder 13, 54
S.; nachdenken konnte keine stelle finden A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 110
Sch. sprichwörtlich: ein gut wort findet eine gute st.
Reinicke fuchs (1650) 122.
ohne artikel: den (=
Christus) sie bald in tüchlin wandt, sein gar fleissig pfleget, und weil sie nicht stelle fandt, in ein kripeln leget
das picardisch gesangb. (1539) b 5
a; wie hastu schelmisch werck, voll unflat und voll sünden, im menschenhertzen doch je können stelle finden? D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 11.
ges. 26.
str. st. finden,
in erfüllung gehen: welcher wundsch auch aus sonderlicher gottes schickunge st. fande Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 2, j 4
f. II@B@1@ee)
mit den präpos. in, an, auf, zu, von (
formelhafte wendungen s. u. 8). II@B@1@e@aα) in
ist bei st.
sowohl für richtungs- als ruheconstruction selten und heute fast ganz auszer gebrauch: (
Narcisz lief) zum spiegel seiner quelle und sah, bedeckt vom baldachin des hains, in eine (=
ein und dieselbe) stelle (
des wassers) Hölty
ged. 5
H. II@B@1@e@bβ) an
mit dat. und acc. ganz allgemein. mit dat.: nur an geschützten stellen, auf berg und fels haben sich ... verzweifelte städter behauptet Freytag
bilder 1, 118; an einer st. ..., wo der schutt einer bildhauerwerkstatt abgeladen sein muszte Fontane I 5, 173; Alexander beschlosz an dieser st. (
der küste) einen damm durch das meer zu legen Droysen
Alex. d. Gr. (1833) 184.
pleonastisch: hier an dieser st. Klinger
w. 4, 22; und uns rollte nun schon das neunte der jahre an dieser stelle (=
vor Troja) vorüber! Bürger
s. w. 198
a B. mit acc.: maister, nun lasz uns eilendt gon, ... das ich zu der kumb an die stel, welche lieb hat mein hertz und sel Hans Sachs 13, 235
K.-G.; wir setzten uns an eine schattige st. Göthe 25, 43
W.; einige ... brachten uns an die st., wo wir lagerten, einen ochsen Freytag
bilder 1, 150; also ... lief ich ... und kam ... an eine wilde und entlegene stelle am Rhein G. Keller
ges. w. 4, 29; 6, 34. II@B@1@e@gγ) auf
mit dat. und acc. die ruheconstruction: auf einsamer st. Bettine
Günderode (1840) 2, 244; das königsschlosz, welches ... auf einer hohen st. lag Freytag
a. a. o. 1, 158; auf dieser st.: ich schwer auff dieser stell bey meiner höchsten seele, dasz ... Chr. Reuter
ehrl. frau 45.
[] wer senkte dich auf dieser stelle bey berg und felsen in den grund? Gottsched
neueste ged. (1750) 34.
pleonastisch: hier auf dieser stelle! ... zu meines vaters füszen! Gerstenberg
Ugolino 264
dtsche nat. lit.; J. H. Vosz
Od. 180
v. 271
B. auf derselben stelle: die menschen wogten durcheinander ..., aber Traugott stand ... wie zur bildsäule geworden auf derselben stelle E. Th. A. Hoffmann 6, 144
Gr.; Brentano 5, 386.
übertragen: ihr (
Amalias) roman bleibt durch die drei ersten akte immer auf eben derselben st. stehen Schiller 2, 365
G.; auf der nemlichen st. Klinger
neues theater (1790) 1, 96. auf einer st.: sie sitzen oft bis in die nacht beysammen fest auf einer stelle Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 94.
mit acc.: und kam alszo uff di st., do si pflagk zu essen
Hedwiglegende (1504) d 1
b; ich hatt auf eine grüne stelle die augen eben hingewandt Brockes
ird. vergn. (1721
ff.) 2, 82; ihre (
der sprache) bäche und ströme dürfen oft bis auf die st. zurückgeführt werden, wo sie ... vorgebrochen sind
dtsch. wb. vorr. vii. II@B@1@e@dδ) von: und du denn müssest gar mit scham auffstehn von solcher stelle Ringwalt
evang. f 3
a; doch weg von dieser stelle! Platen
w. 1, 452
R.; (
das gelichter der schwämme) haucht von jeder sumpfgen stelle seinen brodem in die luft Geibel
w. (1888) 4, 26. II@B@22)
bestimmter punkt, platz, theil eines fest umgrenzten gröszeren ganzen. grenze gegen 1)
ist flieszend. II@B@2@aa) st. eines gebäudes, eines bestimmten gegenstandes
u. ä.: (
sie) wichen aus den äuszeren verschanzungen nach der festesten st. Ranke
sämtl. w. 4, 32; schwache st. einer festung, einer militär. aufstellung,
sodann übertragen, was schwache seite,
s. o. th. 9,
sp. 2154. (
es ist) nicht gut, dasz man drüber (
über das kehricht) gehet, denn man trägt es ... gar leicht wieder an die reinen und schon gekehrten stellen (
des bodens) J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 18. an dieses furchtbaren gebäudes schmutzgen schwellen sind von geronnen blut viel eckelhafte stellen König
ged. (1745) 12; das strohdach erschien an einigen stellen fast durchsichtig O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 39; (
ich habe) dies alles an einer trocknen und hohlen st. des hauses niedergelegt Freytag 6, 12; mit einem steinchen eine bezeichnete st. an einer mauer treffen G. Keller
ges. w. 1, 144.
bildlich: der ... zweck von revolutionen ist nicht der, das ganze gebäude einzureiszen, sondern ... unpassendes zu entfernen und an der ... freigelegten, gesunden st. weiter ... zu bauen A. Hitler
mein kampf (1933) 286. st. eines bildes: je schwärzer die dunklen stellen, je heller die leuchtenden H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 4, st. einer fensterscheibe: stellen, an welchen sie (
die scheiben) blind geworden sind Göthe II 1, 68
W., st. eines buches
oder papierblattes: nun wurden die nassen stellen (
des buches) bepflastert Bettine
frühlingskranz (1844) 298 (
buchstelle, literarische stelle s. u. d). er verklebte die noch offene st. (
des blattes) mit briefmarkenstreifen Fontane I 5, 6. st. am körper: pestis ist eine kranckheit, so am leibe des menschen 6 unterschiedliche stellen hat Paracelsus
op. (1616) 1, 326
H.; wenn ein pferd schäbich ist, so waschen etliche die stelle mit harn J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 93; Schiller 1, 54
G.; ihr könnt ... ... ihm (
Siegfried) im krieg die stelle decken, wo er sterblich ist Hebbel
w. 4, 121
W. kranke, wunde st.
u. ä., z. b. scherzhaft vom trinker er hat eine trockene st. im hals Wander 4, 825; wenn ich mit dir getändelt, ward mirs helle, ich fühlte nicht am kopf die heisze stelle A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 116
Sch.; [] auf geistig-seelisches übertragen oder im bildl. gebrauch: was der könig hat, gehört dem glück — Elisabeth dem Philipp. hier ist die stelle, wo ich sterblich bin Schiller 5, 2, 186
G. (
don Karlos 1, 6); ein den protestanten zugestandenes recht verletzte die katholische kirche an ihrer empfindlichsten st. 8, 17
G.; da jener ihn ... an der verwundbarsten st. traf W. v. Polenz
Büttnerbauer 1, 62; Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 32. II@B@2@bb)
bestimmter punkt, ort eines berges, flusses u. s. w.: da er ... an den flusz kam, ging er auf und ab, eine schmale st. zu finden Brentano
ges. schr. 5, 45; die reiszendsten stellen des flusses Eichendorf
sämtl. w. (1864) 2, 112; du wirst noch hals und bein brechen ..., wo jetzt so viel glatte stellen am berg sind Bettine
Günderode (1840) 2, 82; die steilste st. (
des berges) W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 291; an seiner (
des weges) schmalsten st. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 64; Mommsen
röm. gesch. 2, 28. II@B@2@cc)
zeitlich gewendet: ich habe viele leere stellen in dem cirkel meines lebens gefunden S. v. Laroche
frl. von Sternheim (1771) 1, 189; Fr. Schlegel
Athenäum (1798- 1800) 1, 2, 94; Brentano
ges. schr. 2, 290; ich bin schon in den jahren, wo's in den hagestolzen übergeht. das ist eine gefährliche st. Bauernfeld
ges. schr. 2, 194. II@B@2@dd) st.
in einem buch, gesetz, brief, einer schrift, rede, predigt u. ä., entsprechend dem lat. locus meist ort und inhalt zugleich bezeichnend. hierher compp. wie buch-, brief-, lied-, predigt-, gesetzesstelle; gemeinstellen,
excerpta, loci communes Stieler 2142. II@B@2@d@aα)
die in st.
liegende raumvorstellung von theil eines gröszeren ganzen tritt deutlich hervor in wendungen wie: was mir ... in der heiligen schriffte ... fürkommen, alles undter seine gewisse locos oder ställen verzeichnen und einzihen Heyden
Plinius (1565)
vorr. 4
a; (
das lied) hat ... in stellen (=
stellenweise) ein hohes trauriges und einfalt im gange von anfange zu ende Herder 25, 13
S.; alle morgen ... wird an der Iphigenie geschrieben, täglich erobre ich eine st., und das ganze macht sich, ich bin ganz nah fertig zu seyn Göthe IV 8, 76
W.; weil ein gutes gedicht keine stellen, sondern eben nur das ganze gute gedicht gibt Eichendorf
sämtl. w. (1864) 2, 360.
ähnlich Lessing 7, 7
M.; mein hauptbemühen war ..., aufzusuchen, an welche punkte und stellen (
der alten thierfabel) die phantasie unserer voreltern ihre fäden knüpfte J. Grimm
Reinhart fuchs widm. 4,
oder bei bildlicher verwendung: mich dünkt, diese st. ist ein angenehmer ruheplatz für den leser und für mich auf der mitte eines spazierweges Lavater
physiognom. fragm. 1 (1775), 109,
auch in acc.-verbindungen eine st. gönnen, finden: welchem (
scherz) eine st. zu gönnen kaum irgend ein blatt zu ernsthaft seyn kann Schopenhauer 1, 15
Gr.; hier mögen M.s worte eine st. finden O. Jahn
Mozart 3, 174
anm. 22,
ebenso in präpositionalen wendungen wie an dieser, an anderer st.
u. ä. für hier, anderswo (
im buch u. s. w.): es darf an dieser st. nicht verschwiegen werden, dasz ... Peschel
völkerkunde 229. was es gewesen, dürfen wir an dieser st. dem leser noch nicht vertrauen Göthe 24, 56
W.; 7, 154
W.; an dieser st. (
des gedichtes) brechen die verse ab Scherer
lit. gesch. 87; und ist schon an andern stellen erwiesen, dasz ... J. G. Schmidt
rockenphil. (1706) 1, 269; br. Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 79; Fontane I 5, 155. II@B@2@d@bβ)
die raumvorstellung ist z. th. auch noch deutlich in wendungen wie Luther ist ihm selbst zuwider in seinen büchern mehr dann an dreyhundert stellen Nas
das antipap. eins und hundert (1567
ff.) 2, 230
a; das wird von den ... aposteln an beygesagten stellen herrlich ... beschrieben J. Ayrer
hist. processus juris (1600)
vorr. 5; Spee
güld. tugendb. (1649) 328; an vielen stellen ... hätte ich verbessern können Schnabel
insel Felsenb. vorr. 8, 31
U. II@B@2@d@gγ)
meist aber ist der inhalt der literar. stelle gemeint, die raumvorstellung verblaszt: (
es) sind viele stellen darinn (
im buch), die unmöglich von einem philosophen ... herrühren
[] können Lichtenberg
nachl. 29; indesz erhellet doch aus dieser und ähnlichen stellen, dasz ...
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
ff.) 3, 100; Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch.3 1, 50; sollte man ... mit dieser oder jener st. (
der schrift) nicht ganz zufrieden sein, so ... Kretschmann
sämtl. w. (1784) 1, 3; ich hoffe ... meine meinung durchaus mit stellen belegen zu können Göthe 22, 28
W.; einige stellen (
in Göthes '
braut v. Korinth') könnte man fast bürlesk nennen Fr. Schlegel
in Athenäum 1, 2, 139. II@B@2@d@dδ)
für liedstelle, theil, satz, partie, musikal. motiv: 20 stellen, deren accord zweideutig ist J. Mattheson
kl. generalbaszschule (1735) 44; stellen, die er (
d. componist) am meisten billigt Ramler
einl. (1758) 1, 214; in der nacht zogen wir durch die straszen, indem mein vater die laute spielte und ich dazu sang und bei manchen stellen eine kleine handpauke schlug Tieck
schr. (1828) 7, 253; wie denn die posaunen ... an manchen stellen, z. b. im kyrie und sanctus ... selbständig verwandt sind O. Jahn
Mozart 3, 392
anm. 107. II@B@2@d@eε)
mit adj. attribut: es sind eigentlich nicht die sogenannten rührenden stellen ..., es sind die schönen stellen, aus welchen der reine geist des dichters ... hervorsieht Göthe 22, 170
W.; E. König
bei Lessing 20, 27
M.; Herder 5, 163
S.; Fr. Schlegel
Athenäum (1798—1800) 2, 3; die schönsten stellen ... mit einer stecknadel bezeichnen Hauff
sämtl. w. 2, 126; bey jeder schönen stelle (
der bibel) wird meines weibchens augenstern von frommen zähren helle Schubart
s. ged. (1825) 2, 250; das gedächtnis mit glänzenden stellen (
aus dem theaterstück) anfüllen Göthe 45, 95
W.; deine übersetzung des Racine hatte treffliche stellen H. v. Kleist 5, 328
Schm.; der vater ... las ... die erbaulichsten stellen vor U. Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 73; die klassischen stellen Scheffel
ges. w. (1907) 1, 143; hinreiszende stellen groszer dichter Brentano
ges. schr. 5, 23; die lyrischen stellen Göthe IV 31, 65
W.; Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 1; Fontane I 3, 4; die nachdrücklichsten stellen Wieland
Agathon (1766
f.) 2, 70; es (
Hamlets '
sein oder nichtsein') ist eine gute st., und ich hätte sie ... gern citiert Heine 3, 135
E.; L. hat grade von dieser klaren st. kein wort verstanden K. O. Müller
die Etrusker (1828) 1, 54; man ... fragte mich über schwere stellen Schubart
leben und gesinn. 2, 41; critik über zweifelhafte stellen (
der bibel) Lichtenberg
nachl. 37; Gottschedin
br. (1771) 1, 26
R.; um die erklärung einer dunkeln st. der schrift ... bitten Ranke
sämtl. w. 2, 18; die wunderlichsten und unverständlichen stellen darin (
in den heften) Göthe 41, 1, 183
W.; schwache stellen
neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit 8, 787.
ähnlich für leer, nichtssagend: stumpfe st. Göthe IV 27, 150
W.; vergleichung herausgerissner stellen und bilder (
aus oriental. dichtungen) Herder 12, 9
S.; concordante stellen sehr verschiedner autoren Göthe IV 10, 103
W., widersprechende und unwahre
allgem. dtsche bibl. anhang zu b. 53—86, 45. st.
aus der musik: L'Augier sang mir verschiedene abgebrochene stellen aus böhmischer, spanischer ... musik vor Herder 25, 131
S.; (
das orchester) durch starke stellen in arbeit setzen Schubart
ästhetik d. tonkunst 47; bei einer harmonischen st., wo der bogen sanft auf mehreren saiten stirbt Göthe 45, 36
W. sodann adj. attribute, die das buch oder den autor bezeichnen: biblische stellen K. L. v. Haller
restauration 1, xxxvii, ciceronische Mommsen
röm. gesch. 2, 248
anm. II@B@2@d@zζ)
durch gen. attribut determiniert: st. eines buches, briefes, artikels, musikstückes
u. s. w., z. b. dasz sein herz nicht sympathetisch schlägt bei der stelle eines lieben buches Göthe 19, 113
W.; fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 281; bei den trefflichsten stellen ihrer dramen Lenz
ges. schr. 2, 335
T.; stellen ... der heiligen schrift Jung Stilling
sämtl. schr. 6, 432; verwirrung, die in einigen stellen dieses ... artikels herrscht Görres
ges. br. (1858
ff.) 3, 122; stellen ihres briefes A. v. Droste-Hülshoff
br. 104
Sch.; st. des edicts v. Savigny
gesch. d. röm. [] rechts 1, 7, 25; einige stellen der musick waren ... schön Göthe III 1, 252
W. st. eines autors: die bekannte st. des Ammians, darinn er ... beschreibt ...
allgem. dtsche bibl. (1765—1798) 1, 2, 148; st. des Horaz Bodmer
samml. crit. ... schr. 1, 108; aus einigen stellen des heil. Irenäus und des Tertullian
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtsch. 1, 371, Homers und Hesiods J. H. Voss
antisymbolik 14, alter autoren H. Meyer
gesch. d. bild. künste 1, xiv, der alten Göthe 46, 100
W., groszer dichter Brentano
ges. schr. 5, 23.
mit vorgesetztem gen.: daher ist auch Gellerts stelle (=
satz) ... eigentlich fehlerhaft Adelung
umst. lehrgeb. 2, 125.
hierher dann compp. wie bibelstelle, psalm-, Dante-, Göthestelle. II@B@2@d@hη)
mit präpos. ausdruck: stellen aus seinen predigten Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 301; Laistner
nebelsagen 116; grosze stellen aus Ariost und Tasso auswendig wissen Göthe 32, 345
W.; stellen aus den alten Herder 22, 125
S.; stellen im vierten buch Lukrez 15, 316
S.; ich hab sie (
d. schrift) zeil um zeile nachgemalt, nichts als die stelle von dem eid blieb weg Schiller 12, 159
G. (
Picc. 4, 2). II@B@2@d@thθ)
die verba, zu denen st.
in dieser bedeutung als subj. oder obj. tritt, sind zum theil solche, die auch zu st.,
für platz, ort allgemein treten können, z. b. es sind ihm alle stellen genau bekannt J. E. Schlegel
w. 3, 427
oder eine st. ausfündig machen (Rabener
sämtl. w. 1, 146), auffinden (Göthe im
Göthejahrb. 11, 25), bezeichnen (Göthe IV 42, 66
W.), auf eine st. treffen (Göthe IV 27, 236
W.), an eine st. kommen (H. v. Kleist 3, 330
Schm.)
; häufiger sind es aber verba, die nur für diese spezielle bedeutung von st.
passen: M. Canus ... hat zehen locos und stellen zusammengetragen Dannhauer
catechismusmilch (1657) 1, 28; sie hatte ... dichter gelesen und führte in der konversation ... stellen daraus an Nicolai
Seb. Nothanker 1, 12; Bismarck
ged. u. erinn. 2, 177
volksausg; die angeführte st. Göthe IV 34, 10
W. ähnlich: auf grund einer von Orlandi beigebrachten stelle des Tacitus H. Brunn
kl. schr. 1, 36.
für schriftliches zitieren auch einrücken, auszeichnen, aufnehmen, einschalten: die stelle wird ... hier eingerückt Göthe IV 22, 66
W.; sonderbar, dasz er sich gerade diese st. (
aus Young) auszeichnete Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 25; ich habe ... an dem grundsatz festgehalten, die zur publication geeigneten stellen wortgetreu aufzunehmen
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 5, xi; Nitzsch
dtsche studien (1879) 1; ich schalte einige stellen aus der rede ein Bismarck
ged. u. erinn. 2, 35
volksausg. sodann bezeichnen, ausziehen, anstreichen: briefe ..., aus denen wir einige stellen ausziehen wollen Göthe 23, 183
W.; stellen, die er sich (
im buch) ... rot angestrichen E. Th. A. Hoffmann 10, 25
Gr.; habt ihr die ... stellen mit eigner hand bezeichnet? Klinger
w. 4, 31. nachschlagen: er schlug die stellen nach, welche citirt wurden Ranke
sämtl. w. 4, 243.
ähnlich Klinger
w. 3, 72. weglassen, ändern, übersetzen, erklären
u. ä.: aus seinen schriften einige stellen weglassen Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) a 2
a; Ranke
sämtl. w. 31/32, 111; man streicht mir oft die schönsten stellen weg Schubart
br. 2, 134
bei D. Fr. Strausz
w. 9; er übersetzt stellen aus meiner italiänischen reise Göthe IV 29, 81
W.; diese stelle hat der englische übersetzer nicht wörtlich übertragen mögen Hegel
w. 10, 1, 444; ich habe ... viele stellen verbessert, ganze gesänge umgegossen Dusch
verm. w. (1754) x 2
b; eine stelle ... ändern Göthe IV 8, 29
W., verändern 8, 77, deutlicher und gelenker machen IV 41, 122
W. hierzu wendungen wie erklärung einiger stellen ... aus den Schweizerliedern Gerstenberg
hamb. neue ztg. 303
dtsche lit. denkm. 128; diese oder jene auslegung und anwendung einer st. Göthe 46, 57
W.; zergliederung der besten stellen ihrer schriften behalte ich dem mündlichen unterrichte vor Eschenburg
entwurf vorr. 36. sagen, lesen, singen: es verdrosz ihn, dasz ... seine zuhörer ... ganze stellen daraus (
aus Briontes) vorlasen Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 18; Th. Abbt
verm. w. (1768
ff.) 6, 2, 228; G. Hauptmann
einsame menschen 49; ich sagte
[] Wilhelminen eine st. aus dem schauspiel Juliane Caroline 1, 87
W.; (
ein) schriftsteller, der eine öfters citirte classische st. wieder citirt
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 2, 6.
M. deklamirte mir einige stellen vor Sturz
schr. (1779) 1, 6; Gellert
w. 2, 57; (
es) sollten nur diejenigen stellen abgesungen werden, ... Ayrenhoff
w. (1814) 1, 233. II@B@33)
der einer person oder sache gebührende, zukommende standort, platz, stellung, lage, position. in eigentlichem und übertragenem sinne, häufig durch attribute wie gehörig, recht, gebührend
und besonders durch poss. pron. determiniert, aber auch ohne nähere ergänzung. eine reihe von wendungen erwuchs aus der militärspr., s. u. 5.
grenze gegen 4
und 5
ist flieszend. II@B@3@aa)
mit adj. gehörig, eigen, recht, alt
u. ä.: der richter soll ... dieselbigen (
übelthäter) an ihr gebürliche stehl führen
quelle (
a. 1548)
bei Lori
bergrecht (1764) 266; da wir ein gebürende stell inn diesem unserm gewerb ... haben werden Xylander
Polybius (1574) 156; dasz es (
das wort) an seine gehörige st. kömt Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 19; so magstu das fis erlangen, das underst end wirdts melden drat, wo es sein eigne stelle hat
M. Agricola
musica instrumentalis 247
Eitner; dasjenige in schubladen zu betrachten, was mich sonst auf hohen berggipfeln ... an eigener st. ... interessiren konnte Göthe IV 41, 109
W.; an ihrer eigensten st. 16, 240
W.; so viel sei gesagt, um ... demselben seine eigenthümliche st. anzuweisen 49, 183
W. an seiner rechten st. sein, stehen: das schämen kann überall an seiner rechten st. seyn, nur bey dem bekenntnisse unserer fehler nicht Lessing 2, 309
M.; Eschenburg
entwurf (1783) 218;
dtsch. wb. vorr. xxxiv; (
die attische kritik,) welche den werth eines stückes danach beurtheilte, ob die peripetiescene an rechter st. stand Freytag 14, 4.
mit elision des verbums: wie sieht denn die kröte (=
das kind) aus? alles an die rechte stelle, nase, mund, arm, bein? W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 10; Grillparzer 2, 143
S. an rechter stelle,
zu rechter zeit: Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 321. an, auf der alten st.: (
sie) freuten sich vieles an der alten st. ... zu finden Göthe IV 27, 119
W.; I 46, 49
W.; an alter st. Fontane I 5, 244; 153; wir funden ... kein haus ... auf seiner alten st. A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 758; mein zollhaus ... stand noch auf der alten st. Eichendorf
sämtl. w. (1864) 3, 95. II@B@3@bb)
mit poss. pron. II@B@3@b@aα) seine st. haben: (
der) tisch, der dicht unter (
dem bilde von) Mariä verkündigung seine st. hatte Storm 3, 142; im 'ich' bildet sich alles organisch und alles hat seine st. Schleiermacher im
Athenäum 1, 2, 99; Herder 5, 104
S. seine st. behaupten: doch der entschlusz behauptet seine st. (=
bleibt fest) Schiller 6, 407
G. st. haben, behalten
u. ä. ohne poss. s. u. c. II@B@3@b@bβ) seine st. finden, nehmen, sie jemandem anweisen
u. ä.: ein jeder, der recht schreiben und rechnen kan, findet seine st. ... in dieser welt Harsdörfer
secretarius (1656
f.) 1, 16; der fürst ... nam ... seine st. zwischen den zweyen hörnern der ... taffeln Lohenstein
Arminius 1, 17
a; A. Olearius
persian. reisebeschr. 21; nun wo das volk wieder wehrhaft geworden, ist seine st. ihm in mitte der sturmschaaren angewiesen Görres
ges. schr. 2, 101. II@B@3@b@gγ) es ist ihre st. (
ist der platz, wohin sie gehören) Görres
br. (1858) 3, 10; bei dir ist jetzt (
im unglück) meine st. W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 17; Immermann 2, 84
B. II@B@3@b@dδ) alles wieder an seine st. legen, thun, setzen,
riporre ... al suo luogo Kramer 2 (1702), 954
c; solches (
pflaster) wird die muter (
gebärmutter) widerum an ire stell bringen Sebiz
feldbau (1579) 85; frau Hinkel stellte den korb, den spinnrocken ... an ihre st. Brentano
ges. schr. (1852
f.) 5, 36; die ... tafel an ihre st. rücken Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 48.
ohne verb: eure mütze an ihre st., sie ist für den kopf!
Shakespeare 3, 344 (
Hamlet 5, 2).
[] II@B@3@b@eε) an seiner st.,
auf dem gebührenden platze: in die kirch ich fleiszig gehe und mich überall umbsehe, ob mich etwan ein gesell sitzen siht an meiner stell Voigtländer
oden u. lieder (1642) 68, 15. an seiner st. sein, stehen
u. ä., am passenden, am gehörigen platze sein: weil sie (
die elster) unter den vögeln nicht an ihrer st. war, so verwandelte er (
Zeus) sie in einen journalisten Kästner
verm. schr. 2 (1772), 153.
bildlich: dichter von dieser naiven gattung sind in einem künstlichen weltalter nicht so recht mehr an ihrer st. Schiller 10, 449
G.; da war nun St. Germain ganz an seiner st., schuf ein heer, bemannte die flotte Dahlmann
franz. revolution (1845) 58; ich bin an meiner st.,
auf meinem posten, thue meine pflicht: Iffland
theatr. w. (1827) 1, 32.
von st.
in einem buche, einer rede gesagt: wie in negst hernach volgenden ... thail an seiner stöll begriffen (=
berichtet wird) Brandis
landeshauptleute von Tirol 46; den nachdruck eines wortes, das an seiner st. steht, empfinden Ramler
einleitung (1758) 2, 123; ein jedes wort an seiner st. (=
richtig angebracht) ... finden Gerstenberg
hamburg. neue zeitung 350
lit. denkm.; der ganze allgemeinsatz ist ... hier kaum an seiner st. Herder 3, 86
S.; ihre frage war sehr an ihrer st. Brentano 9, 359. II@B@3@b@zζ) aus seiner st. kommen: etlich wolten inen (
den fliehenden) ... nachjagen, aber der mönch erhielt sie (
hielt sie davon ab), besorgend ... sie ausz ihren stellen und ordnungen kemen Fischart
Garg. 424
ndr. II@B@3@b@hη) von seiner st.: die statuen waren aus ihren nischen und von ihren stellen gehoben Göthe 46, 49
W.; kein mensch jetzund auff erden lebet, der ihn (
d. stein) zumal mit beeden händen von seiner stelle möcht verwenden Spreng
Ilias (1610) 164
b. II@B@3@cc)
ohne attrib. ergänzung prägnant für gebührende, zukommende, richtige st.: ists hier? nein, dort, es ist die stelle nicht A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 108
Sch. st. haben, behalten, nehmen
militärisch und von da in freiem gebrauch: gebt keiner leichten wollust stat, laszt euch die sünde nicht bethören, weil dort nur unschuld stelle hat, die säu und hund hinaus gehören S. Dach
ged. 336
Ö.; die steuer und gotts wort behalten ewig stelle; das himmelreich ist diesz und jenes ist die hölle Logau
sinnged. 1, 3, 36
E. 64. (eine) st. (ein-) nehmen: drum mögen sie (
die narren) sich nur bequemen, hier eine stelle einzunehmen S. Brant
narrensch. 10
Z. 13
var.; nimmt dieser ärgste wolfahrtsfeind (=
die pracht) in euren sinnen erst die stelle, so ists um eure ruh geschehn Brockes
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 123. II@B@3@dd)
der bedeutung 5
steht st.
nahe in der wendung st. im himmel
für platz, auf den ein frommer christ hoffen darf; vom 16.
bis 18.
jh. in geistl. lyrik und prosa beliebt: die teufel wenden alle mittel gegen die menschen an, nur dasz sie nicht in ihre stellen im himmel kommen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 766; seine arme seele bedencken, ... damit er nach diesem leben eine st. im himmel unter den auserwehlten kindern gottes haben und in ewigkeit besitzen könne Schupp
schr. (1663) 426.
ähnlich: die ... seele hat schon eine bessere und annehmlichere st. in dem ... garten des ... paradieses angetroffen Chr. Weise
polit. redner (1677) 485; Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718), 1245; die schlüssel vor der höllen hast du; drumb hilff einmal uns auch zu einer stellen in deines himmels saal J. Preusz
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 5, 588; herr Jesu, zwang der hellen, der du uns tausent stellen im himmel auffgeräumbt S. Dach
in Königsberger dichterkreis 74
ndr. [] ins heidn.-germ. gewendet: helden, die das schwert einer st. in Valholl würdig gemacht hat Gerstenberg
erläut. z. ged. eines skalden 358
lit. denkm. ohne ergänzung: die beste stell bleibt wol für mich, weil ich jetzt sterbe williglich, da will ich stehen euch (
spröden mädchen) zu spott Opitz
teutsche poem. 84
ndr. auch für platz in der hölle: der teuffel ist ain guot gesell, dem menschen richt er manche stell Schwarzenberg
Cicero (1535) 155. II@B@44)
bestimmter platz in einer reihe. II@B@4@aa) ordnung, stell Frisius
dict. (1556) 927
b s. v. ordo; seine (
der luft) stell ist under dem elementischen fewr und ob dem wasser Guarinonius
grewel (1610) 403; die untere st. (
des vegetativen typus) nimmt die wurzel ein Göthe II 6, 14
W. oft mit numerale die erste, zweite, dritte ... letzte st.,
z. b. im alphabet, s. Bellin
hochd. rechtschreib. (1657) 2,
in einer gedichtsammlung, s. Kästner
verm. schr. (1772) 2, 51. die st. der einer, zehner, hunderter
u. s. w. als term. der mathem. vgl. ein-, zwei-, dreistellige zahl,
ferner comp. wie stellenwerth,
m. II@B@4@bb)
häufig wird damit ein werthurteil ausgesprochen, so dasz st.
sich der bedeutung von rang (
s. u.)
nähert: (
so) muszte ich mich zur braut setzen, welches nechst dem bräutigam die oberste st. (
an der tafel) war Chr. Reuter
Schelmuffsky 53
vollst. ndr.; so ist ihm ... in der gantzen gesellschaft ... die erste st. ... gegeben worden Neumark
palmbaum (1668) 17; Hoffmannswaldau
u. a. Dtschen ... ged. 6, 119; Miller
briefw. dr. ak. freunde (1778) 1, 36; unter allen werken des menschlichen geistes behauptete ... die homerische poesie ... die erste st. Fr. Schlegel
sämtl. w. (1846) 3, 111; die ursache, warum Batteux dem lehrgedicht die poetische st. hat streitig machen wollen Herder 1, 116
S.; (
es ist ein fehler), dasz man ein abgeleitetes phänomen an die obere st., das urphänomen an die niedere st. setzte Göthe II 1, 73
W.; alles, was in der geschichte der wissenschaft eine hervorragende st. einnimmt Scherer
kl. schr. 1, viii.
prägnant für ehrenstelle: einem bei gastgeboten die st. geben Opitz
Arg. 1, 513; bochet nicht auff ewre stöll G. R. Weckherlin
ged. 1, 490
F.; ich bin in Dresden, ist mir recht, in Friedrichs Augusts hofcapelle. hier kläng Arions harfe schlecht, hier fänd auch Heman selbst im singen keine stelle Gottsched
ged. (1751) 1, 44.
ähnlich: und lebet der guten hoffnung ..., dasz sie ihm ... eine stelle in denen ehrensälen ... gönnen Lohenstein
Arminius 1, b 4; eine st. verdienen Gerstenberg
schleswig. lit.-briefe 232
lit. denkm.; sich unter den meistern des stils eine st. erwerben Ranke
sämtl. w. 3, 42. II@B@55)
posten, sodann function, anstellung, amt, beruf: officium, munus, honos, dignitas Stieler 2142.
aus 1)
entwickelt. den ersten anstosz zu dieser bedeutungsentwicklung dürfte die militärspr. gegeben haben, franz. place hat sie dann weiter gefördert, s. zs. f. dtsche wortf. 3, 235.
die ort-, bzw. raumvorstellung wird z. th. deutlich empfunden. dies zeigen attributive ergänzungen sowie verba, zu denen st.
als ergänzung tritt, vor allem die aus der soldatenspr. hervorgegangenen wendungen wie eine st. behaupten, be-, ersetzen, verlassen, verlieren, jem. aus einer st. vertreiben, verdrängen
u. ä., aber auch in freiem gebrauche bleibt die sinnlich-locale vorstellung häufig lebendig: erhaben stehn auf höchster stelle, die welt regieren, ihr zum heil, ... sei wenigen, den würdigsten zu theil Göthe 16, 254
W.; Luna, solcher hohen stelle weiten umblick neid ich dir 3, 224
W. in der bedeutung amtsstelle
ist der locale sinn oft verblaszt: 'st.
bezieht sich auf die versorgung, die einer erhält, indem er das recht erhält, gewisse geschäfte zu verrichten' Eberhard
syn. (1795) 1, 56; al yr (
der pfarrherren) narung ist vil yar gestanden allein auff der stell ..., die stell aber ist nicht anders dan eyn schentlicher gewinn oder geniesz
[] Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 5
ndr. hierher compp. wie diener-, herrscher-, lehrer-, minister-, richterstelle; amts-, arbeits-, dienst-, lehrstelle
u. ä. II@B@5@aa)
mit präpos.-ergänzung eine st. im capitel,
voce nel capitolo Kramer (1702) 2, 955
a; stellen im militär, der diplomatie und ... der regierung D. Fr. Strausz
schr. 6, 182; eine st. beym fuhrwesen der armee Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 8; eine st. zu fusz
Shakespeare 6, 128; eine st. von fünfhundert scudi (=
die 500
sc. einträgt) Göthe 43, 347
W.; eine st. für Paulinchen in Belgien mit schönem gehalte A. v. Droste-Hülshoff
br. 123
Sch. II@B@5@bb)
mit gen. oder als: die stell einer kellerin Grimmelshausen
vogelnest 2, 345
K., einer sybilla Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 22, eines eingen (
einzigen) kindes D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 127; die st. eines präsidenten Göthe 46, 65
W., eines nachmittagspredigers an der universitätskirche Spielhagen 1, 492, eines leichenbitters O. Ludwig
ges. schr. 2, 42; die st. (=
rolle) des fragenden Göthe 47, 263
W.; st. als erster präsident des obersteuercollegiums Dahlmann
franz. revol. (1845) 26.
mit vorgestelltem gen.: vormunds stelle Lessing 2, 164
M. der gottheit stell (
für '
priester'): (
wer) nach der gottheit stell auf tugendstaffeln klimmt A. v. Haller
ged. 97
H. II@B@5@cc)
mit adj. α)
die raumvorstellung wird in einer reihe von redensartlichen wendungen mit empfunden wie: in den unteren stellen Moltke
schr. u. denkw. 7, 55; in den obersten stellen
ebda 7, 93; an höherer st. Göthe 24, 67
W.; freie, offene, leere, erledigte st.: die läre
ò ledige st.,
posto vacante Kramer (1702) 2, 955
a; die erledigte st. Neumark
palmb. (1668) 305; einem erprobten manne die erledigte st. ... conferiren Göthe IV 30, 95
W. vacirende st. Quensted
ethica past. (1678) 163; der cardinal von Rohan hat in der französischen akademie durch seinen tod eine leere st. gelassen
neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 426.
prädicativ: es wird eine st. vakant Schiller 3, 471
G. (
kabale u. liebe 4, 9); gleich als wäre seine st. durch einen todesfall erledigt worden 8, 16
G. die st. (
eines aktuars) ist leer, wer die st. bekäme! Bauernfeld
ges. schr. 5, 175.
β)
die raumvorstellung ist verblaszt bei adj. wie öffentliche st. Ranke
sämtl. w. 17, 145; geistliche, weltliche st.,
s. Raumer
gesch. d. Hohenst. 1, 23; eine ehrenvolle, wohlbesoldete st. Göthe 22, 280
W.; Klinger
w. 8, 162; Gaudy
sämtl. w. 4, 111; eine ansehnliche st. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 219; eine sehr einträgliche st. Fichte
sämtl. w. 4, 405; A. v. Arnim 15, 18
Gr. II@B@5@dd)
mit relativsatz: die st., auf der ich stehe Bismarck
polit. reden 2, 89
K. II@B@5@ee)
in verbindung mit verben. eine reihe von verben, zu denen st.
als subj. oder obj. tritt, hält den in st.
liegenden ortsbegriff fest, andere wieder stehen weiter ab von der räumlichen vorstellung oder verdunkeln sie. II@B@5@e@aα)
als acc.-object bei verben. II@B@5@e@a@aaaa) der ist ein weiser, ... der willig die stell ausfüllt, die der baumeister ... ihm bestimmt hat Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 139; du (
Melina) thust wohl, dich in jene grenzen einer gemeinen stelle (=
eines bureaukratischen berufes) zu sehnen, denn welche würdest du wohl ausfüllen, die geist und muth verlangt! Göthe 21, 81
W.; eine st. suchen, finden: in meinem vaterlande wird sich schon eine st. für mich finden Lenz
ges. schr. 1, 62
T.; H. Steffens
was ich erlebte 1, 4; H. Seidel
Leb. Hühnchen 37.
redensartlich eine st. mit jem. ersetzen: junge clericos auffziehen, damit man die stellen mit gelerten leuten zu ersetzen hette P. Albinus
meiszn. land- u. bergchron. (1589) 138; Chr. Weise
polit. redner (1677) 232; Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 98. eine st. ersetzen,
sie übernehmen: der edle
** ersetzt die stelle, die durch den fall erledigt war Gottsched
ged. (1751) 1, 253; A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 271
Sch. eine st. besetzen: der kaiser wird glücklich sein, die ersten stellen damit besetzen zu können Göthe 8 (
Götz I), 35
W.; alle stellen im lande mit seinen verwandten ... besetzen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 27; Hippel
lebensläufe 1 (1778), 55.
[] passiv gewendet: weil nun zu lande (
in der landarmee) alle stellen besetzet, will ich euch auf die schifflotte dem Ä. P. zuordnen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 4, 516. die st. verändern ...,
cambiare il posto Kramer (1702) 2, 955
a; den posten oder st. verlassen Castelli
it.-teutsch. sprach- u. wb. (1741) 1, 2
a; verlieren: Beckedorf hat alle seine stellen verloren Brentano 9, 189; Hauff
sämtl. w. (1890) 5, 257. II@B@5@e@a@bbbb)
weiter ab von der räumlichen vorstellung stehen verbindungen wie eine st. haben: eine st. im raht haben,
haver un posto, ... una voce nel consiglio Kramer (1702) 2, 955
a; ich habe die st., ich bin cassirer! Hebbel
w. 2, 20
W. versehen, verwalten: fertige mich ... ab, das ich die st. eines glückseeligen bottschaffters verrichten möge Creizenach
schausp. engl. com. 113, 17; ich (
habe) ... erlernet, ... wie man ... die st. ... eines ... officieres verwalten soll
med. maulaffe (1719) 59; jemandem eine st. geben, übertragen, verschaffen, eine st. erhalten, übernehmen, annehmen, niederlegen
u. ä.: werden nicht jetzt 100 stellen an unstudirte vergeben? Herder 5, 348
S.; der papst habe dir eine st. ... gegeben Göthe 43, 347
W.; Mathilde hat ihm die st. ausgewirkt maler Müller
w. (1811) 3, 9; ich will ihrem sohn eine st. verschaffen Nestroy
ges. w. (1890) 1, 24; (
es) war ihm von Joseph II. ... die st. eines theaterdichters übertragen worden O. Jahn
Mozart 4, 181; die st. ist mir angetragen worden Schiller 4, 186
G.; Klinger
w. 3, 121; Sternheim erhielt ... die st. eines obersten S. v. Laroche
frl. von St. (1771) 1, 3; Göthe IV 42, 65
W. eine st. bekleiden: was für eine st. bekleiden sie hier im hause?
samml. von schausp. (
Wien 1764) 1, 8; Göthe 25, 53
W.; die st. eines leitenden ausschusses übernehmen Bauernfeld
ges. schr. 2, 124; die st. eines bundesgesandten annehmen Bismarck
ged. u. erinn. 1, 97
volksausg.; ich rieth ihm seine st. niderzulegen Gellert
w. 9, 186; Klinger
w. 3, 134; (
ich) lege meine st. zurück Schnitzler
d. grüne kakadu (1899) 11. II@B@5@e@bβ)
als gen.- bzw. dativergänzung bei verben: die groszen, die ihre schuldigkeit nicht thaten, ihrer st. entsetzen
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778) 1, 488. ... als er (
d. wolf) nun mit ihm (
d. fuchs) trabt, der stelle vorzustehn, die man ihm angetragen, sieht er ... Ramler
fabellese (1783
ff.) 3, 84. II@B@5@e@gγ)
mit präpp. II@B@5@e@g@aaaa) an
mit dat., die raumvorstellung wird festgehalten: ich sehe sie an einer st., wo ich einen geprüften freund viele jahre thätig wuszte Göthe IV 41, 110
W.; 22, 169; und sitzest wie ein arm gesell numehr an einer hohen stell Ringwald
d. lauter warheit 142; an leitender st. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 223
volksausg. an
mit acc. s. u. 7
c β. II@B@5@e@g@bbbb) in
mit acc. (
selten): mit begeisterung traten sie ... in eine st., die ihren talenten ... zusagte v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 12. II@B@5@e@g@cccc) auf
mit acc.: der durch sein heucheln ist auf diese st. kommen, die meine faust erwarb A. Gryphius
trauersp. 31
P. redensartlich (
mit verblaszter localvorstellung): mancher, der auf die st. ... sich rechnung gemacht hatte Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 21. II@B@5@e@g@dddd) zu: er stieg von stufe zu stufe bis zur st. des ersten im lande Klinger
w. 3, 121; (
so) gelangte er endlich zur st. eines domherrn von Regensburg Göthe IV 36, 112
W.; dasz man mich zu einer ... st. in Berlin berufen will W. v. Humboldt
br. an Welcker 8; zu ... stellen befördern,
s. Ranke
sämtl. w. 31/32, 38; (
leute,) die ihm zu der st. des leibarztes verholfen hatten
M. Beer
sämtl. w. (1835) 295; es soll nur das verdienst zu wichtgen stellen bringen Cronegk
schr. 2, 87. II@B@5@e@g@eeee) von: (
die fürsten) entfernten ihn von gedachter st. (
der gesellschaft der rathspfeifer) Göthe 43, 21
W.; als er ... von seiner st. vertrieben ward IV 36, 112
W. II@B@5@e@g@ffff) um (
raumvorstellung ist verblaszt): umb die stell bitten Lehman
floril. polit. (1662) 1, 421; ihr möget bey ewrem könig euch umb solche stell ... anmelden Zinkgref-Weidner
dtscher nation weisheit 3 (1653), 16; um eine st. anhalten Fr. Nicolai
bei Lessing 4, 325
L. [] II@B@5@e@dδ)
als subj.: die stelle trägt etwas ein
u. ä., z. b. (
Nathan zum derwisch:) was bringt dir deine stelle? Lessing 3, 21
M. (
Nathan 1, 3). II@B@5@e@eε)
in zweigliedrigen ausdrücken: die ... feinde der republik ... wurden ... gewonnen ... durch angebotene vortheile, durch ämter und stellen K. L. v. Haller
restauration (1816) 1, 257; durch stellen und sinecuren Häuszer
dtsche gesch. (1854) 1, 126; entzwischen Jupiter anhetzet Mezentium. derselb ersetzet desz Turni stell und ampt vorab Spreng
Äneis 211
b; (
Beckmesser:) pressierts den herrn? mein stell und amt lasz ich ihm gern R. Wagner
ges. schr. 5, 100. II@B@66)
behörde. im österr. amtsstil für höhere justiz- und verwaltungsinstanz, s. Schmeller-Fr. 2, 747
a;
im curialstil allerhöchste st.
für '
landesherr'. Heynatz
lehnt ab: 'die st.
für kollegium u. d. g. ist oberdeutsch und will den hochdeutschen, obgleich viele es nachgebraucht haben, doch nicht so recht gefallen'
antibarbarus 2, 448; bey gerichte odern krefftigen (=
zuständigen?) stellen
Olmützer gerichtsordnung 12.
landesbehörde, hofkammer: tirol. weisth. 1, 46.
behörde überhaupt: (
es) ist die genehmigung der ... zulässigen st. erforderlich
hypothekenbankgesetz vom 13./ vii. 1899 § 1,
abs. 3; (
es) entscheidet diejenige st., von welcher die revisoren ernannt sind
handelsgesetzb. § 194,
satz 1.
aus der amtsspr. ins schriftdeutsch gedrungen, z. b. nun erbat sich jene st. (=
die fremde behörde) die benannte kleidung (
die bei einem verwegenen unternehmen eingebüszte jacke) Göthe 25, 78
W. die locale bedeutung von st.
wird mitempfunden: (
der beamte) ging an höherer st. bericht abzustatten Göthe 24, 67
W.; seit sie uns dich (
den neuen oberlehrer) von höchster st. hergeschickt haben Raabe
Horacker (1876) 12; (
der kaiser zu den fürsten:) als richter werdet ihr die endurtheile fällen, berufung gelte nicht von euren höchsten stellen Göthe 15, 1, 285
W. (
Faust 10946). II@B@77)
in den bedeutungen 1, 3, 4, 5
oft mit dem nebensinn, dasz die durch attrib. gen., poss. pron. oder allgemeinsituation bezeichnete person oder sache den ort, die position oder function nicht mehr einnimmt. II@B@7@aa)
in eigentl. sinne: sie gaben für, dasz dieses unsichere gemach auf die st. sey gebauet worden, da zuvor hollunder gestanden Prätorius
anthrop. plut. (1666) 1, 17; du hast eine hütte niedergerissen ... und einen pallast auf die st. gegründet Schiller 4, 38
G.; das haus ... steht nicht mehr, über seine st. geht der pflug Paulsen
aus meinem leben 73. II@B@7@bb)
in übertragenem sinn z. b. im sprichwort der will ist desz wercks stell Lehman
floril. polit. (1662) 2, 912. II@B@7@cc)
besonders in acc. verbindungen jemandes st. halten, einnehmen, vertreten
und in präpositionalen fügungen wie jemanden
oder etwas an die st. eines andern setzen, an die st. eins andern kommen, rücken, treten
u. ä. II@B@7@c@aα) die st. jem.s halten: wie wir unsz wol erinnern, wie unsere burggrafen ... in unserer böhaimbischen königlichen cancelley unsere st. gehalten
acta publ. 1, 94
P.; es tobten sich im kriege die männer vormals müde, drum halten nun die teuffel der männer stell im friede Logau 3, 10, 9
Eitner 594. haben: Sophie heirathet, du solst ihre st. haben Schiller 3, 460
G. (
kabale u. liebe 4, 7). nehmen, einnehmen, übernehmen: der thränen stelle nahm ein glüend roth im feurigen gesicht Gleim
bei Lessing 8, 37
M.; (
der könig zu Feria:) und ihr nehmt meine stelle im geheimen rathe Schiller 5, 298
G. (
don Karlos 3, 7); da ihr gatte nicht anwesend war, übernahm sie seine st. Stifter
sämtl. w. (1901f.) 5, 1, 323.
in übertragenem sinne: wie ein schreiben omnium contra omnes die st. einer wohlgeordneten gerechtigkeit einnimmt Lichtenberg
nachl. 22; ein triumph des geldstolzes ..., der die st. des alten adelstolzes einnahm Niebuhr
röm. gesch. 1, 2, 9. die st.
[] eines andern versehen, vertreten, verwalten: verwalte diesen tag mein platz für mich, ich wil auff ein ander zeit deine st. wider verwalten Orsäus
nomenclator method. (1623) 304; Kramer 2 (1702), 955
a; der wächter ... versah seine (
des gefesselten kutschers) st. maler Müller
w. (1811) 1, 305; du wirst seine (
des ministers) st. klüger versehen Klinger
w. 3, 136; in meiner abwesenheit vertritt er meine st.,
does my function Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1855; ziehet ihr mich hiermit auff, dasz herr Mannus ... die stell (
des gatten) am tisch vertretten soll? Creizenach
schausp. engl. com. 287; bey dem obersten oder wer ... dessen st. und befehlig vertriet
acta publ. 1, 4
Palm; war dieser (
Wilhelm) beschäftigt ..., so muszte Felix die st. vertreten Göthe 23, 179
W.; verbrecher ... strafen heiszt die st. des höchsten richters auf erden vertreten Schiller 4, 164
G. bei sachsubj. und abstracten: die feder der zungen stell vertritt Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1, 290; die vortreflichste arzenei, zu häufig gebraucht, vertritt sie nicht die st. des gifts? A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 227; zwei strohsäcke ... vertreten die st. der betten Bettine
d. buch gehört d. könig (1843) 2, 570; Chph. v. Schmid
ges. schr. (1888) 1, 28; die artigkeit vertrat bei ihr die st. der schönheit Gellert
w. 4, 247; A. v. Haller
Alfred (1773) 12; gewohnheiten, ... die bey ihnen (
den Deutschen) die st. der gesetze vertraten
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778) 1, 3, 45; (
es) vertrat mündliche überlieferung bei den Hellenen die st. schriftlicher urkunden Fr. Schlegel
sämtl. w. 3, 9. eine st. ersetzen, abtreten: der ... mond ersetzte ... die st. der abwesenden sonnen Lohenstein
Arminius 1, 33
a; O. Ludwig
ges. schr. 2, 308; (
der derwisch zu Nathan:) was gebt ihr mir? so tret ich meine stell euch ab Lessing 3, 21
M. (
Nathan 1, 3). überlassen: ich überliesz einem meiner brüder ... meine bisherige st. Schubart
leben u. ges. 1, 71. II@B@7@c@bβ)
in präposit. bindungen II@B@7@c@b@aaaa) an,
rein local: jem.
oder etwas an die st. eines andern thun
u. ä.: unterdessen kanstu ihm seinen glückseckel auszziehen und diesen andern an dieselb stell thun
engl. com. u. trag. (1624) n 5
b; die plünderer schraubten die steine von den pistolen, zwängten an ihre st. den daumen der bauern Freytag
bilder 3, 98; allerlieblichste trochäen aus der zeile zu vertreiben und schwerfälligste spondeen an die stelle zu verleiben Göthe 3, 338
W. jem.
oder etwas an die st. eines andern setzen
allgemein: Kramer (1702) 2, 955
a; dasz er ihm die stein ... rausgenommen und andre an die st. setzen lassen Schweinichen
denkw. 157
Ö.; das (
hals-) kettchen verkaufen und für den werth etwas anders an die st. setzen H. L. Wagner
d. wohlthätige unbekannte 11; ein viele jahre gewünschtes gärtnerhaus an die st. des alten ... setzen Göthe IV 40, 219
W.; H. v. Kleist 1, 15
Schm. bildlich: die evangelischen predicanten haben die hailigen apostel hinweggeschafft und ausgemustert und sich an die stell gesetzt Nas
das antipap. eins u. hundert (1567) 1, 149
b; Klinger
w. 3, 229; Pfeffel
poet. vers. (1812) 1, 169.
bei abstracten: die art wie gelesen wird, soll das ohr an die st. aller übrigen sinne sezen Wieland
Agathon (1766f.) 2, 47; an die st. ... frohen lebensgenusses die hoffnung fremder glückseligkeit ... setzen Göthe 23, 65
W.; IV 38, 171
W.; ein gesundes staatsprincip an die st. eines morschen gesetzt, erfrischt ... den blutumlauf im ... volkskörper Dahlmann
franz. revolution (1845) 61; das heimische aufzugeben und das fremde (
in der sprache) an dessen st. zu setzen
dtsch. wb. vorr. xxvii; (
der) krieg, welcher die bestehenden verträge beseitigt und an ihre st. andere setzt Moltke
schr. u. denkw. 7, 12.
redensartlich: wenn ich mich an des andern st. setze, so ... Lavater
verm. schr. (1774f.) 2, 16. jem. an eines andern st. erheben, befördern, schicken
u. ä.: dasz er mit schimpff abgedancket und Longinus an seine st. erhoben ward Micrälius
Pommerland (1640) 1, 92; Freytag
bilder 1,
[] 120; man hat ... beyspiele, dasz er ist abgerufen und ein neuer an seine st. geschikt worden Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 18; an dessen (
des bischofs) st. Maximilian ... einen seiner ... verwandten zu befördern wuszte Ranke
sämtl. w. 1, 109; an die st. aller beamten, deren gesinnung ... zweifelhaft erscheint, werden neue angesetzt Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 48. an jem.s st. kommen,
seine function, sein amt übernehmen: der mensche kam an Lucifers st. J. Böhme
schr. (1620) 4, 19; an Freudenfelds st. in Bonn ist ein gewisser Ritter aus Schlesien gekommen Brentano 9, 36; Göthe 37, 155
W.; der stadtschreiber starb, und ich kam an seine st. B. Mayr
päckchen satiren (1769) 23; hat ihm der wind sein macht genommen und an sein stell in das reich kommen? Fröreisen (1613)
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 186. treten,
rein local: in seiner verzückung hat er nicht bemerkt, dasz Sandrina bei seite gegangen und der podesta an ihre st. getreten ist O. Jahn
Mozart 1, 378.
bildlich: wenn die Dardanerburg ... versänke, du verstehst, so dasz ein see, ein bläulicher an ihre stelle träte, ... H. v. Kleist 2, 140
Schm. die function, das amt eines andern übernehmen: ich will an seine st. treten,
vicem eius implebo Stieler 2142; er trat an die st. seines vaters bey ihm Klinger
w. 4, 52;
handelsgesetzb. § 146
abs. 3.
bei abstracten: jetzt hat die freude ein ende, und angst tritt an die st. Jung-Stilling
w. 3, 214; Göthe 46, 62
W.; Schiller 12, 97
G. (
Picc. 2, 2); in unseren staatsgrundsätzen musz das recht an die st. der pflicht ... treten G. Büchner
nachgelass. schr. 58; Ranke
sämtl. w. 4, 8; die nacht tritt an des tages stelle Morhof
unterricht (1682) 1, 724. rücken: also dasz das naturgeschichtliche ... an die st. des poetischen gerückt ist Gervinus
gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 17. sich drängen: sogleich mit wunderbarer schnelle drängt sich ein andrer an die stelle Göthe 15, 1, 8
W. (
Faust 4737).
bildlich: der verstand (
eines gewissen dichters) beherrscht nicht die fantasie, sondern drängt sich an ihre st. E. Th. A. Hoffmann 6, 99
Gr. sich denken: denkt euch einmal an seine st.! Schiller 2, 21
G. (
räuber 1, 1); Mörike
w. 3, 47
Göschen. an stelle
in ruheconstructionen für anstatt, für
s. u. 8
g). II@B@7@c@b@bbbb) in (
selten): wenn sie (
die bauern) ein messer ausz der scheiden verlieren, stecken sie ein höltzlein in die läre stell Lehman
floril. polit. (1662) 1, 21. jem., etwas, sich in jem.s st. setzen: setze dich in gedanken ... in andrer leute st. Knigge
umgang (1796) 1, 55; Herder 22, 84
S. in jem.s st. treten: und in eines jeden erlegten lücke trat alsobald ein ander in die st. Lohenstein
Arminius 1, 41
a; nach dessen tödlichen hintritt were dessen ... tochter ... in seine st. getreten Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 27. eindringen: Zesen
adriat. Rosemund 20. in
bei ruheconstruction in dieser bedeutung, s. u. 8
b). II@B@88)
in formelhafter präpositionalverbindung II@B@8@aa)
auf der st., auf diesem platze, am gleichen ort, sogleich. II@B@8@a@aα)
rein local: pleibt er (
der auf den heiszen herd geworfene kern) auff der stell ungehupft, wirds korn in seim werd und preisz bleiben Sebiz
feldbau (1579) 45; nochmals muszten sie (
im festzug) auf der st. marschieren, wie der technische ausdruck sagt, wenn man auf demselben fleck die bewegung des marsches fortmacht G. Keller
ges. w. 6, 315.
im preusz. exerzierreglement: auf der stelle getreten!
hoc loco, häufig durch localsatz pleonastisch erweitert: er schwehrt bey gott, bey himmel, hell, leugt doch, da er steht auff der stell Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 111. II@B@8@a@bβ)
auch in der redensart auf der st. sein,
am platz, posten sein ist die raumvorstellung deutlich empfunden: wir selber waren immer von den ersten auf der st. und tummelten uns wacker U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 132; Alexis
Roland [] (1840) 2, 60. II@B@8@a@gγ)
in der redensart auf der st. (tot) bleiben
schwingt z. th. temporaler nebensinn mit: es kam ... ein karabinerhagel auf uns los, so dasz mancher todt auf der st. blieb U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 150; der vater sei vom vierten stock aus dem fenster gesprungen und auf der st. todt geblieben A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 153
N.; O. Ludwig
ges. schr. (1891f.) 2, 90.
euphemist. ohne das adj. tot: auf der st. bleiben,
restar morto sul campo Kramer (1702) 2, 954
c; indessen viele ... an ihren wunden starben oder gleich auf der st. blieben Ayrenhoff
w. (1814) 1, 12, 4.
durch hier
determiniert: lasz das kind los ... oder einer von uns bleibt hier auf der st. Göthe 21, 160
W. vergl. noch u. δ. II@B@8@a@dδ)
zeitlich gewendet für sogleich, augenblicklich, schriftsprachlich und in den dialekten allgemein: stante pede Stieler 2143;
aussitôt Schwan
n. dict. (1783) 2, 711
a;
subito Jagemann (1799) 2, 1159; Adelung;
s. ferner Hunziker 253; Seiler
Basler ma. 278;
luxemb. 423; Bauer-Collitz 99
a.
vgl. auch die parallele bedeutungsentwicklung bei uf der stede,
statim quelle (1517)
bei Diefenbach 550
c. II@B@8@a@d@aaaa)
der locale bezug wird gleichzeitig festgehalten: der graff von Monte Cuculi were ... auff der st. umbs leben kommen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 160; ihn auff der st. erwürgen Lohenstein
Ibrahim sultan k 4
a; du must auff der st. sterben Creizenach
schauspiel engl. com. 291; auf der st. zahlen,
sul campo, subito, stracks, alsobald Kramer 2 (1702), 955
a, eine predigt ablegen,
all' improviso ebda 954
c, ein gut kauffen
ebda. betheuernd: ich will auf der st. des todes seyn, wofern ich lüge Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 1, 255;
ähnlich Lessing 2, 78
M.; Hauff
sämtl. w. (1890) 3, 261; in der ... nacht ward der postwagen ... von räubern überfallen, sie schlugen, den postillon auf der st. todt Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 163; auch wär er sicher ... auf der st. todes verblichen, wenn ... ein riese ... erschienen wäre Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 25; H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 107; so ist mir der hunger dergestalt schmerzlich, dasz ich auf der st. umfallen könnte Göthe 44, 75
W.; so will ich ihm das auf der st. schreiben Schiller 2 (
räuber 1, 1), 23
G.; ein saubrer einfall, den galanten prinzen ... drei räthsel aufzugeben, und wenns einer nicht auf der stelle trift, ihn abzuschlachten! 13, 367
G. (
Turandot 2, 1); der meister ersticht den jungen auf der st. br. Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 97; du muszt mir auf der st. dein wort geben Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 6; ich ... glaubte, man würde mir auf der st. ansehen, dasz ich seinetwegen käme G. Keller
ges. w. 1, 231; die minder wichtigen sachen entscheidet sie (
die kaiserin) auf der st. Ranke
sämtl. w. 30, 8; H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 82. II@B@8@a@d@bbbb)
der locale sinn ist verblaszt in wendungen wie: ich muszte auf der st. aus dem hause Rabener
sämtl. w. 2, 20; auf der stell zum minister will ich Schiller 3, 409
G. (
kab. u. liebe 2, 4); fleuch auf der stelle! 2, 113
G. (
räuber 3, 1); Müllner
dram. w. (1828) 6, 80; dasz der Salfelder auf der st. fortgeschickt wurde O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 117; 361; ganze waldstrecken wurden in einer nacht gefällt und auf der st. fortgeschafft A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 280
Sch.; der könig machte eine ... bewegung, dasz alles sich auf der st. entfernte H. Laube
ges. schr. (1875
ff.) 2, 46; zum liebchen flög ich auf der stell
M. Schneckenburger
dtsche lieder (1870) 60.
ohne verbum (
elliptisch): (
Flora:) sie müssen mir aufträge bestellen. (
Julius:) auf der st.! Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 10. II@B@8@a@eε)
erweitert durch gleich, jetzt, sofort: alles dieses wurde gleich auf der st. ausgemacht Lessing 8, 29
M.; ich hätte den juden gleich auf der st. küssen mögen maler Müller
w. (1811) 2, 46; sottisen ..., die ich nur, weil ich sie immer, mein lieber vater, vor augen hatte, nicht gleich auf der st. gerächt habe Mozart
bei O. Jahn 3, 17; Iffland
theatr. w. (1827) 1, 93; A. v. Arnim 14, 362
Gr.; Körner
w. 2, 132
H.; isz ... gleich da auf
[] der st., ich will zusehen, ob es dir schmeckt S. Brunner
erz. u. schr. 1 (1864), 47; drum ist es besser, auf der stelle gleich die freunde preisen, die geliebte küssen Göthe 4, 253
W. mit bewegungsverb: sie müssen mich gleich zum herzog bringen, gleich auf der stelle, oder alles ist zu spät Brentano
ges. schr. 4, 202. jetzt auf der st.: und das musz anderscher wern, sprech ich, jetzt uf der stelle G. Hauptmann
weber (1892) 42; sofort auf der st. Schnitzler
Anatol (1901) 24. II@B@8@bb)
in der st. für auf der st.
nicht üblich, spontan bei Heinse: in der mitte des may denk ich ... fortzuwandern, schon wollen meine füsse nicht mehr in der st. bleiben
sämtl. w. 9, 404
Sch. II@B@8@cc)
auch an der st. für an ort u. stelle, bzw. sogleich, sofort ist wenig üblich: wann der faktorist an der st. den ... schiffspatron züchtiget Justus Möser
sämtl. w. 1, 95
A.; hinaus, an der stell!
F. Raimund 1, 114
S.; sag jetzt an der stell, was du hast Nestroy
ges. w. (1890) 2, 177. II@B@8@dd)
zur st. II@B@8@d@aα)
in verbindung mit bewegungsverben wie bringen, schaffen, kommen
für herbeibringen u. s. w., bzw. zur richtigen, gehörigen st. bringen: er ... befahl, dasz ... einige gefangene Römer ... augenblicklich zur st. gebracht werden solten Lohenstein
Arminius 1, 32
b; Storm 3, 102; H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 376; bring mir Liakos zur stelle, lebend sei er oder todt! Göthe 3, 215
W.; also macht der poet die unsichtbaren engel für das menschliche gesicht gerecht, indem er ... sie aus ihrer entfernung näher in unsere gegenwart zur st. führet (=
heranführt) Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 34. zur st. schaffen: Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 11; der richter sprach: wenn ihr mir nun den vater nicht bald zur stelle schafft, so weis ich euch von meinem stuhl Lessing 3, 95
M. (
Nathan 3, 7); 2, 198; und schaffst du den becher mir wieder zur stell, so sollst du der treflichste ritter mir seyn Schiller 11, 225
G. zur st. kommen,
herbeikommen: venire al luogo Kramer 2 (1702), 954
c; er rufet laut, er stöszt ins hifthorn schnelle, ... er ruft noch einmal: niemand kommt zur stelle Jul. Mosen (1863) 2, 26.
zur richtigen, gebührenden stelle: bald ward ihr gesichte helle, rötlich ihrer wangen saal, muht und leben kam zur stelle Stieler
geharnschte Venus 132
ndr. zur st. kommen,
ans ziel kommen: wir wandern nun schon viel hundert jahr, und kommen doch nicht zur stelle Eichendorf
s. w. (1864) 1, 577. zur st. erscheinen: weil ... die stände ... nicht zur stellen erschienen, ... ist geschlossen worden, obangeregter deliberation bis dahin anstand zu geben
acta publ. 1, 19
Palm. II@B@8@d@bβ)
in ruheconstructionen. II@B@8@d@b@aaaa) zur st. sein,
an dem platze sein, wo jem. oder etwas sich befindet, wo etwas geschieht, synonym mit hier, dort: adesse Stieler 2143; alsz wollestu ... dier in allem ... unseres landes notturft nicht weniger als wann wier selbst zuer st. wehren, angelegen sein lassen
acta publica 2, 6
Palm; er ware nicht einmal zur st., als dieser aufbruch geschahe A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 313; P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 340
b. ein vorgang, der dem ansehn der regierung auch dadurch schadete, dasz truppenabtheilungen zur st. waren und die gewaltthat nicht hinderten Dahlmann
franz. revolution (1845) 219; R. Wagner
ges. schr. 5, 100; Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 343; kein urtheil soll der richter fällen, der verklagte sey dann auch zur stellen Lehman
flor. pol. (1662) 3, 104.
bei sachsubj.: und siehe, sie (
die zeugnisse) waren ... zur st. Franzos
Heines nachlasz in dtsche dicht. 10, 46; H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 54.
mit elision des verbums: [] unter den ungarischen herrn, deren damals sehr viel ... zur st., verstunde allein der konig ... die polnische sprach H. Rätel
Joach. Curäi chron. (1607) 201; Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 628.
redensartlich zur st.,
am posten, am platz: immer gesund und zur st. Ranke
sämtl. w. 9, 134.
im gleichen sinne bei militär. präsenzmeldung sich zur st. melden
und die militär. meldung: zur stelle! II@B@8@d@b@bbbb) zur st.,
am richtigen orte, bzw. am ziele: noch einige tagereisen weiter ... öffnete endlich Esau seinen mund und sprach: wir sind zur st. Cramer
Neseggab (1791f.) 2, 39; Tieck
schr. (1828) 4, 397; Körner
w. 2, 211
H. II@B@8@d@b@cccc)
in temporalem sinne für sogleich, sofort: ich will ihn zur st. fragen Klinger
w. 2 (1815), 23; Lessing 3, 100
M. (
Nathan 3, 3); eine ... pflanze ..., die ich entweder zur st. oder doch, sobald ich sie in vermehrung habe, ... übersenden werde Göthe IV 32, 212
W.; (
da) brauchts kein zureden, ich heurathe sie zur st. Stephanie
d. j.
s. singspiele (1792) 76. Rückert
w. (1867—1869) 1, 104; Gaudy
sämtl. w. 2, 139; Lenau
sämtl. w. 29
B.; Freytag 8, 90. II@B@8@ee)
von der st. II@B@8@e@aα)
bei intrans. bewegungsverben wie gehen, kommen, rücken, weichen
u. ä.: ich will nicht von der st. gehen, ich habe euch denn bezahlt,
io non partiró da questo luogo ... Kramer (1702) 2, 955
a; kaum noch kraft finden von der st. zu gehen Schiller 1, 159
G.; Göthe 43, 46
W.; Körner
w. 3, 251
H.; er geht nicht von der st. und wenn man feuer unter ihn macht Wander 4, 825.
betheuernd: ich will ni mit heilen knochen von d'r st. gehn G. Hauptmann
die weber (1892) 98; übelthäter bannen ..., dasz sie nicht von der st. ... zu lauffen vermögen Prätorius
philos. colus (1662) 10; nicht von der st. kommen,
non partire dal posto Kramer (1702) 2, 954
c; du kommst nicht von der stelle, vogt, bis du mir recht gesprochen Schiller 14, 397
G. (
W. Tell 4, 3); (
die postillone) glauben ..., dasz die pferde ohne ihren .. zuruf nicht von der st. kommen würden Moltke
schr. u. denkw. (1892) 1, 136; diesen sommer komme ich wahrscheinlich nicht von der st. (=
von Weimar fort) Göthe IV 39, 230
W. redensartlich: nicht von der st. kommen können,
to be not able to stir Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1855; wodurch ich mich so sehr entsetzete, dasz ich nicht von der st. kommen konte Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 307.
für vorwärtskommen, bildlich und abgezogen: er watete gleichsam im sande, dasz er wenig oder nichts von der st. ... kam Lohenstein
Arminius (1689) 2, 567
a; man kömmt durch sie (
analytische urtheile) nicht nur nicht weit, wie Kant sagt, sondern man kömmt gar nicht von der st. Fichte
sämtl. w. (1845) 1, 114; die finanzwirtschaft. kam nicht von der st. Bennigsen
nationalliberale partei 51. rücken: der verrostete weiser (
der uhr) rückte nicht mehr von der st. Eichendorf
sämtl. w. (1864) 3, 321; nun, mir ist alles lieb, geschieht nur was, und rücken wir nur einmal von der stelle! Schiller 12, 129
G. (
Picc. 3, 1). weichen: das ist ein geselle! stehet fest und unverzagt, weicht nicht von der stelle Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890
f.) 2, 383.
mit elision des bewegungsverbums von der st. dürfen, können, wollen: Heinsius 4, 788
a; dasz wir ... wie behext ... ständen und nicht von der st. könnten Gaudy
sämtl. w. (1844) 13, 27; H. Heine 1, 104
E.; das pferd scheute ... und wollte nicht von der st. Göthe 8 (
Götz 2), 58
W.; der wagen will nicht von der st. Miller
predigten fürs landvolk (1776) 1, 5. II@B@8@e@bβ)
bei transitiven bewegungsverben wie jem.
oder etwas von der st. bewegen, bringen, lassen, schaffen, schieben, treiben
u. ä. in eigentlichem und bildlichem sinne: wo er steht, da steht er fest, die pforten der höllen können ihn nicht von der st. bewegen Jung-Stilling
w. 3, 199; die andern waren ... ins gespräch geraten und nicht von der st. zu bringen Hölderlin
ges. d. 2, 139
L.; Schnabel
insel Felsenburg 11, 32
U.; Kramer (1702) 2, 954
c; der schwarze Hans, der schmied von Zell, der hebt drei zenten von der stell K. Stieler
ged. 4, 18
Recl.; [] erquickender duft ... liesz einen nicht von der st. los maler Müller
w. (1811) 1, 52; H. Heine 1, 247
E.; das eiserne gewicht des ... vorurtheils ... von der st. ... räumen Schiller 1, 202
G.; einen aufbringen heiszt ihn von der st. schaffen. um tapfer zu seyn musz man standhalten
Shakespeare 1, 8 (
Rom. u. Jul. 1, 1); ... die gespanne von zweiundzwanzig starken und vierrädrigen wagen, sie schleppten ihn nicht von der stelle, jenen ... fels, den das ungeheuer (
d. Zyklop) emporhub J. H. Voss
Od. 158
B.; die ungeduld trieb ihn von der st. Göthe 24, 61
W. redensartlich: (k)einen fusz von der st. setzen,
sich (
nicht)
rühren, s. Görres
ges. br. 3, 196. sich von der st. entfernen, rühren,
weggehen: er entfernt sich von der stelle, überwinder und gebläut Göthe 1, 176
W.; ich werde mich nicht von der st. rühren 22, 57
W.; du bleibst, du rührst dich nicht von der st. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 288.
ohne verb: he, hallo, halt! ... nicht von der stelle! A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 16
Sch. H. J. v. Collin
Regulus (1802) 126. II@B@8@ff)
aus der st. im 18.
jh. häufiger als in der neueren sprache, die von
in solchen wendungen vorzieht. α)
bei intrans. bewegungsverben: ich bin so erschrocken, dasz ich nicht aus der st. kommen kann Creizenach
schausp. engl. comöd. 152; Musäus
volksmärchen 1, 68
H.; du sollst mir nicht aus der st. gehen,
isthinc te ne moveas Stieler 2143; unserm herrn gott zu ehren geh ich diesmal nicht aus der st. (=
rühre ich mich nicht von hier weg) Göthe IV 1, 261
W.; als die gewohnte kuh nicht aus der stelle wich König
ged. (1745) 207.
β)
bei auxiliaren (
mit elision des bewegungsverbs): gott! und sie sehen nicht, dasz ich nicht aus der st. kann? Klinger
theater (1786f.) 2, 183; Musäus
volksmärchen 1, 33
H.; und das macht mir eine verdrieszliche arbeit noch weit verdrieszlicher, so dasz es gar nicht aus der st. damit will Lessing 18, 330
M. γ)
bei trans. verben: spannt eine kette von teufeln herum, sollen mich alle nicht aus der st. bringen maler Müller
w. (1811) 3, 89; aber jetzt, mein leser, erlaube mir die kleine zudringlichkeit, dich nicht aus der st. zu lassen Fichte
sämtl. w. (1845f.) 2, 372; (
er war so stark,) dasz ihn ... auch ein mächtiger ringer nicht hatte aus der st. rücken können E.
M. Arndt 1, 40
R.-M.; nichts konnt ihn aus der stelle treiben Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 1, 149; die leichtern werden von den ... schwerern flüssigkeiten so lange aus ihrer st. getrieben, bis sie völlig auf der oberfläche der ... schwerern ... sich befinden Liebig
hdb. d. chemie (1843) 1, 23.
reflexiv: ich kann mich nicht aus der st. rühren E. Th. A. Hoffmann 14, 150
Gr.; ihre einladung nach Bonn (
ist) ... verführerisch ..., kann mich doch nicht aus der st. rücken Gervinus
im briefw. zw. J. u. W. Grimm (1885f.) 2, 374.
redensartlich: wir ... setzen keinen fusz aus der st. fort Chr. Weise
polit. redner (1677) 73; Tieck
schr. (1828) 7, 182. II@B@8@gg) an (der) stelle
anstatt, für (
s. o. 7). 'für
wird gebraucht wan es ... so viel bedeutet als an eines st.
gleiche verrichtung thun' Gueintz
dtsche rechtschreib. (1666) 67. Göthe
will differenzieren zwischen anstatt
und anstelle: wo man die übersetzung dem original identisch machen möchte, so dasz eins nicht anstatt des andern, sondern an stelle des andern gelten solle 7, 237
W. der allgemeine sprachbrauch folgt ihm hierin nicht, verwendet anstelle
und anstatt
synonym, es sei denn, dasz die raumvorstellung bei anstelle (
besonders in den durch art. oder pron. aufgelockerten wendungen)
stärker mitempfunden wird als bei anstatt. II@B@8@g@aα)
local empfunden II@B@8@g@a@aaaa)
mit pron.: sie aber solte drinnen an seiner st. bleiben Barth
weibersp. (1565) f 2
b; könnte ... der mann nicht in der volksversammlung erscheinen, so verhindert nichts, dasz seine gattin an seiner st. erschiene Fichte
sämtl. w. (1845f.) 3, 348; (
er) habe
[] einen ältern liebhaber an seiner st. gefunden Göthe 22, 30
W.; die hexe ... legte sie (
ihre tochter) an ihrer (
der königin) st. in das bett
kinder- und hausmärchen (1812) 1, 37; er scheint uns anzusehn, und geister mögen an unsrer stelle seltsam ihm erscheinen Göthe 10, 111
W. (
Tasso 1, 1);
mit pron. gen.: (
es) wolten die zimmerleute die alte scheune abbrechen, damit sie an deren st. eine neue aufrichteten Prätorius
winterflucht (1678) 137; der consul oder wer an dessen st. der wahl vorsasz Niebuhr
röm. gesch. 3, 345.
mit nach- oder vorgestelltem subst. gen.: so fand er (
im keller) an der st. der wein- und bierfässer ... wassertröge br. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 147; an st. des altehrwürdigen baues stand jetzt ein ... kaninchenhaus Storm 3, 175.
β)
häufig verblaszt die sinnlich locale vorstellung. II@B@8@g@a@aaaa)
mit art. und nachgestelltem gen.: was er an der st. des unwürdigen ... thun würde Göthe 21, 82
W.; in die nördliche (
provinz) sandte ... der senat ... einen anderen oberfeldherrn an der st. des unfähigen Nobilior Mommsen
röm. gesch. 2, 6; eine balsamische masse ... färbt nun an der st. des bluts die so früh verblichenen wangen Göthe 23, 256
W. ohne artikel: an st. des erkrankten alten pfarrers Hansjacob
meine madonna 127; haushaltungsgegenstände, die der mann an st. der ... wertlos gewordenen stücke anschafft, ...
bürgerl. gesetzb. § 1382. II@B@8@g@a@bbbb)
mit vorgestelltem gen.: die da an gottes stelle steht
jedermanns jammerklage (1621) c 4
a. Zesen
rosenmând (1651) a 2
b; an des ... officirers st. die frage ... beantworten Chr. Weise
erznarren 22
ndr.; gegen die gesellschaft würd ich an Bakunins st. protestieren
br. von und an Herwegh (1896) 69; Göthe IV 28, 9
W.; der teufel selbst wird seyn sein (
des verdammten reichen) mitgeselle, das hellsche feur wird seyn an goldes stelle Neumark
lustwäldchen (1652) 7; an des haders stelle soll des friedens helle ... jetzt aufleuchten siegreich klar Rückert
w. (1867
ff.) 1, 120. II@B@8@g@a@cccc)
mit pronom. gen.: man würde ... schätze vermuthen, an deren st. aber finden sich ... schulden Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 35. II@B@8@g@a@dddd)
mit präpos. ausdruck: an st. von Wandas brünettem gesicht erschien eine ... kartoffelprinzessin Fontane I 5, 32. II@B@8@g@a@eeee)
mit poss. pron. an meiner, deiner ... st.
u. s. w.: mein herr vater ... ist ins einlager gemahnet worden, da er mich dann an seiner st. geschicket Schweinichen
denkw. 31
Ö.; die mag er an meiner st. ... erwürgen
Reinicke fuchs (1650) 207; ein bekannter muszte an seiner st. (
für ihn) der prüfung beiwohnen H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 194; Göthe 45, 73
W.; Bettine
d. buch gehört d. könig 1, 26; G. Keller
ges. w. 1, 29; ach, wenn ich wüszte, wie Assad, — Assad sich an meiner stelle hierbey genommen hätte! Lessing 3, 127
M. (
Nathan 4, 4); hundert mädle an meiner stell thätens nicht! O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 370.
umschreibend: wenn ich an seiner st. wäre
u. ä. für ich an seiner st.: wan ein unvernünfftig thier an meiner st. gewesen wäre, so hätte es besser gewust ... Grimmelshausen
Simpl. 19
ndr.; ich würde das äuszerste versuchen, wenn ich an deiner st. wäre Schiller 2, 61
G. (
räuber 2, 1); Göthe 19, 77
W.; U. Bräker
s. schr. (1789
f.) 2, 106.
ähnlich Lessing 2, 64
M.; Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 7; Klinger
neues theater (1790) 2, 185; II@B@8@hh) in stelle
in der bedeutung anstatt ist selten: wenn ich in ihrer stelle wäre, Gottsched
dtsche schaubühne (1741
f.) 2, 123; ich in ihrer st., liebe Nette, würde ... A. v. Droste-Hülshoff
br. 141
Sch.; K. Lessing
schausp. 313. II@B@99)
in zweigliedrigen wendungen. II@B@9@aa) ort und stelle,
rein local oder mit dem nebensinn '
gebührender, richtiger ort',
[] pleonastisch nachdrücklich. II@B@9@a@aα) so zeugen die alten scribenten auch ort und st. an, wo die Heneti in Asia gewohnet haben H. Rätel
Joach. Curäi chron. (1607) 25; Günther
ged. (1735) 46; ob aber der römische (
glauben) also bewandt, ist hier nicht ort und st. auszumachen Leibniz
dtsche schr. 2, 374.
selten im pl.: das unvermeidtliche anschawen der orth und stellen
theatrum amoris (1626) 72.
determiniert: ein sicher ort und stell Thurneyszer
magna alchymia (1583) 135. II@B@9@a@bβ)
mit localen präpositionen in ruhe- und richtungsconstructionen. II@B@9@a@b@aaaa) an ort und st.
local, oder der temporalen bedeutung '
sogleich, sofort'
sich nähernd II@B@9@a@b@aa@aaαα)
rein local: der marmor war an ort und st., man brauchte also weder die kosten noch die mühe einer ... überfahrt Herder 15, 595
S.; unsere hofdamen, die das modell an ort und st. gesehen haben Göthe IV 42, 71
W.; genaue nachrichten an ort und st. sammeln 21, 59
W.; 19, 145; die untersuchung der denkmale an ort und st. Ritter
erdkunde (1822) 2, 506; an ort und st. über diese wichtige sache verhandeln Holtei
erzähl. schr. 6, 26; Storm 3, 93; Mommsen
röm. gesch. 2, 361; überzeugen wir uns davon an ort und st. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 169. II@B@9@a@b@aa@bbββ)
im sinne von hic et nunc: es (
das gedicht) ward von Zelter componirt und von ihm an ort und st. selbst ausgeführt Göthe 4, 82
W.; betrachtungen, welche meistens an ort und st. niedergeschrieben und nur später in verbindungen gebracht worden sind 47, 41
W. II@B@9@a@b@aa@ggγγ) an ort und st.,
am richtigen, gebührenden orte, bzw. bei richtungsconstruction an den gehörigen ort: er ... fand den wundarzt nicht an ort und st. Hippel
lebensläufe (1778ff.) 3, 1, 291; das wird sich geben, wenn wir ... an ort und st. sind Pfeffel
pros. vers. (1810) 4, 129; Lessing 17, 403
M.; E. Th. A. Hoffmann 1, 211
Gr.; zu der vorgesetzten zeit ... an ort und st. anlangen J. G. Schmidt
rockenphil. (1706) 2, 110; an ort und st. sein
in übertragenem sinne für '
am platz, angemessen, passend sein': deine worte werden wohl ... an ort und st. seyn Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 1, 9.
durch adj. determiniert: wie nun ... der keyserliche abgeordnete ... sich am bestimmeten ort und st. finden lassen Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 33; wenn nun derselbe an bestimter ort und st. zu Caschaw angelanget, wird er ...
acta publ. 1, 4
Palm. an ort und st. bringen: die (
geraubte) braut wieder an orth und st. zu bringen
gesch. d. tatar. krieg. (1696) 29
bei A. Olearius
anhang; folgt mir, ich bring euch an ort und st. Göthe 24, 59
W.; wer bringt an ort und stelle alles das, was er geholt hat, jedesmal zurück? Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890
ff.) 5, 234. schaffen, rücken: aufgeräumt ... und das vielfach herbey geholte an ort und stelle geschafft Göthe III 11, 129
W. bildlich an ort u. st. rücken,
zurechtrücken, z. b. den kopf: Kotzebue
s. dram. w. (1828) 18, 265. sich verfügen, begeben: wollten ew. liebden ... sich selbst an ort und st. verfügen Göthe IV 35, 119
W.; Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 11; Valerius begab sich an ort und st. und erfuhr ..., dasz ... br. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 13; Kerner
bilderb. (1849) 276. kommen: dasz ihr möget mit gutem winde an ort und st. kommen Creizenach
schausp. engl. comöd. 173, 38; Hippel
über die ehe (1774) 214; Göthe 22, 23
W. näher determiniert: als sie aber ... wiederumb an denselbige ort und st. ... kommen waren Prätorius
Katzenveit (1665) b 6 r; bereit (
sein), mit seinem anvertraweten quartir an die ort und st., die ihme benand würde, aufzuziehen
acta publica 1, 103
Palm. II@B@9@a@b@bbbb)
mit den präpp. auf, in
selten: Faustus würde ... mich auf dem ort und der stelle in stücken ... zerhauen, allwo er mich anträffe Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 173; wann ihr in ewren ort oder st. (
in der kirche) kommet, so erseufftzet ... zu gott Moscherosch
insomnis cura par. 104
ndr. II@B@9@a@b@cccc) vor: (
es soll) ein jeder regimentswagenmeister vor dem ort und stellen, wohin man zu rücken willens ist, halten v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 181 § 4. II@B@9@bb) stelle und ort
in gleicher bedeutung, im ganzen selten, aber bevorzugt von Herder: damit die feine bemerkung
[] st. und ort finde 15, 555
S. mit präp. II@B@9@b@aα) an st. und ort,
local hier, dort, bzw. prägnant an gehörigem orte, an seinem ort: lassen wir ... alles an st. und ort, wie sie es erzählen Herder 19, 98
S.; 20, 278; musz der geist der zeit herrschen oder dienen? er musz beides an st. und ort 17, 78
S.; 19, 405; 20, 58; 15, 551. an st. und ort
in richtungsconstruction: wer zog die adern hie und dort, ein jed an ihre stell und ort? P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 368
a; so sollen ir (
euch) ein jeder wieder an sein stelle und ort ... verfügen Reutter v. Speir
kriegsordnung 41. II@B@9@b@bβ) nach: ich sehnte thöricht nach stell und ort, nach süszer ruhe mich
Z. Werner
d. söhne d. thales (1803) 1, 131. II@B@9@b@gγ) zu: auf! auf und nehmet euren lauff mit mir hin zu der stell und ort, davon gemeld der engel wort P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 438
a. II@B@9@b@dδ) auszer st. und ort,
nicht am platz, unangebracht: reine reime ... in diesen uralten gedichten suchen zu wollen, wäre ganz auszer st. und ort Herder 16, 194
S.; 15, 520. II@B@9@cc)
alliterierend: st. und statt: so wird auch ein jede wolthat finden ir rechte stell und stat Hans Sachs 19, 65
K.-G. II@B@9@dd) stelle und raum,
bzw. r. und st.
in der redensart st. und raum geben,
stattgeben, gewähren: weil ir ... so starck anhaltet, wil ich euren bitten stell und raum geben
Z. Theobald
Hussitenkrieg (1609) 31; gebt der bitte raum und stelle S. Dach 725
Ö. st. und raum haben,
innewohnen: wer den himmel wenig acht ..., hat ein hertze, drinnen kaum leeres nichts hat stell und raum Logau 1, 8, 1
Eitner 160. II@B@9@ee) art und stelle: daher ein jeder sich wacker halten und nach seiner art und st. sich behaupten musz Göthe IV 40, 248
W. II@B@9@ff) zeit und stelle
u. ä.: hüttet euch nu, das yhr nymmer keyn zyl der zeyt odder stell euch bestymmet zu beten Eberlin von Günzburg
s. schr. 3, 195
ndr.; auff bestimpte zeit und stelle kam der könig
M. C. Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 1, d 3
b; weil das grab und die höll für danck, lob und gesang hat weder zeit noch stöll G. R. Weckherlin
ged. 2, 189
F.; letzlich so ist schamhafftigkeit nutz zu der zeit und stelle, wo und wann wir sie (
die weiber) loben Barth
weiberspiegel (1565) m 8
a. zur zeit und stel,
zu seiner zeit und an seinem orte: acta publica 1, 59
Palm; wie das e.
f. g., so sie ... es nach und nach lesen, jeder zeit und st. befinden werden Xylander
Polybius (1574)
vorr. 4
a.
in alliterierender wendung st. und stunde Steinbach 2, 658; stelle und stunde machen einen dieb Lehman
floril. polit. (1662) 3, 320; Wander 4, 825; schöffen, ist es stund und stelle, hier ein offnes ding zu hegen? Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 120; ein weiser helt an sich ..., underscheydet zeit, stunde, person und st.
sprichwörter schöne weise klugreden (1548) 115
b;
theatrum diabolorum (1569) 49
b. II@B@9@gg) von st. zu st.,
von ort zu ort: es führte ihn der werkmeister von st. zu st. Freytag 8, 162; ich schwebe so von stell zu stelle Göthe 15, 1, 146
W. (
Faust 7830); 3, 258.
die redensart ist aufgelockert: und ziehn an die quellen, von blumigen stellen zu blumigern stellen Fouqué
alts. bildersaal (1818
f.) 2, 83. II@CC.
besondere verwendungen. II@C@11)
concret in der schifferspr. stellen des steuers: '
eiserne angelringe ..., die durch eiserne banden mit beiden seiten des achtersteuers verbunden sind' Bobrik
seewb. 662
b (
masc.? vgl. einen beleg a. 1623
bei Frischbier 2, 368
a: zwei beutel, unter welchen einer einen stel [
eine art verschlusz, schliesze?] gehabt;
zu stellen,
v., zum stehen bringen, festhalten).
[] II@C@22)
in der heraldik zu st. B 2 (
s. o.): der schild hält in sich neun punct, stipfel oder stelle, deren die drey obersten machen des schilds haubt Harsdörfer
gesprächsp. 3, 155;
nostri vocant stellen,
Galli pendans Spener
op. herald. pars gen. 349. II@C@33)
schles. st.
für nachgeburt (
s. Gusinde 202
b)
ist wörtl. übersetzung von poln. miejsce, das sowohl st. (
locus)
als nachgeburt bedeutet. II@DD.
ein masc. stelle
für trotzkopf (
zu refl. sich stellen,
sich zur wehr setzen)
weist Follmann 496
für das lothr. nach.