gestelle,
gestell,
n. ,
ahd. gistelli,
mhd. gestelle,
coll. zu ahd. mhd. stal,
statio, sedes, locus, gestell, stütze. daneben ein fem. ahd. gestellida,
collocatio, status, situs, mhd. gestellide Lexer
nachtr. 202, forme
vel gestellede,
scema Dief. 517
c (13.
oder 14.
jh.).
entlehnt nl. gestel,
dän. gestel. 11)
stellung: gestelle,
positio Hayme (1738) 254. 1@aa)
aufstellung, lage: ahd. taʒ mag man wola sehen an dero spêra (
sphaera, erdkugel), diu in cella sancti Galli noviter gemachôt ist sub Purchardo abbate. si habet allero gentium gestelle. Notker
Boethius 86
a Hattemer; vom sternbild des groszen und des kleinen bären: ubar thaʒ sibunstirri,ioh ther wagano (
gen. plur.) gistelli. Otfrid 5, 17, 29;
westfäl. gestell,
zustand, geschick: et es en üwel gestell, wann de bäcker sall backen un het kain mel. Woeste 78
a;
stelle, ort: die ort und gestell, darin die wunder und andere werck Christi geschehen.
reisbuch d. heil. lands 87 (
reise d. herzogs Bugislaus v. Pommern 1496); ein guts gestell,
eine gute stellung, eine gute weile: wir zween also sitzen, auffwarten, verwundern uns, was werden wöll, sehen so zu ein guts gestell, was die weiber da anfangen. Jac. Frischlin
Susanna p. 398. 1@bb)
haltung, positur: oberd. aus seinem gestelle kommen. Adelung;
md. gestell,
stellung, aber in verächtlichem sinne, unpassende haltung Dief.-Wülcker 617;
westfäl. gestelle,
benehmen Woeste 78
a;
bair. gstell,
die art etwas anzugreifen, das benehmen, insonderheit ein geziertes, ungeschicktes Schm.
2 2, 749;
verstellung, vgl. sich stellen,
simulare: gestelle,
simulatio, dissimulatio, color, fictio, figmentum Stieler 2146;
aussehen, gestalt, wie sich etwas darstellt: ein hertes unde ein smêhes cleit an gestelle dunkelvar.
h. Elisabeth 6805. 22)
zusammen-, aufgestellte vorrichtung. 2@aa)
gerüst: gestelle,
tentum Dief. 578
b, gestell,
tabulatum, pegma Duez 195
b; ein mulin gestelle (
mühlenbau) heten vonden die boten.
Pilatus (12.
jahrh.)
bei Mone
anz. 4, 439;
glockenstuhl: nd. de groten clocken velen beide nedder up dat murwerck, und de gestelle vorbranden ganz.
Magdeb. chron. 1, 402, 16;
webstuhl, s. bortenwirkergestelle theil 2, 247,
noch in Nordostböhmen das gestelle,
der webstuhl Knothe 263; das dachgestelle,
dachgerüst, dachstuhl; gestell eines mäurers,
murarii contignatio Duez 195
b,
auch rüst-, gerüstbock
genannt Röhrig
techn. wb. 286
b; gestell eines malers,
staffelei Duez 195
b, gestell eines mahlers zum mahlen Rädlein 377
a; gestell oder gerüst eines comedianten,
scena vel theatrum Duez 195
b;
appenz. gstell,
der pranger Stalder 2, 396;
die schlagfalle: doch hatte ich ein groszes holz zurechte gestellt und wie eine falle unterstützt, und wollte es auf meinen kopf schlagen lassen (
um mich zu tödten). als ich nun das gestelle zurechte gemacht hatte .. Göthe 34, 359;
das knochengerüst des menschen, schweiz. gstell Hunziker 116,
vom menschlichen körper überhaupt: rück nur auf donnerstag dein zart gestell zurecht, mit Paris nach Sankt Peters kirch' zu gehn. Schlegel
Shakesp. 1, 118 (
Romeo 3, 5);
verächtlich von personen: das alte gestell, er ist ein komisches gestelle;
in puppenfabriken heiszt gestell
der körper der puppe; dichterisch von einem hochragenden felseneiland: ein steingestell' ohn' alles gras und moos. Chamisso 4, 152. 2@bb)
aufbau von holz oder eisen, um etwas darauf zu stellen, legen oder hängen: gestelle,
repositorium Steinbach 2, 659;
theca, kaste
vel gestelle
voc. 5, 5; gstell zuo buocheren,
foruli, plutei Maaler 196
d; büchergestell Krämer 552
b, ein büchergestelle Wieland 2, 73 (
theil 2, 472
nachzutragen); in einem mansardzimmer waren tische und gestelle mit brettern aufgeschlagen (
für die seidenraupenzucht). Göthe 24, 191; gestelle, darauff man thee-pötger stellet,
incitega Aler 928
a; gestell zu gläsern, credentztisch,
tablettes à mettre le buffet Rädlein 377
a; die bank, der tisch, das hölzerne gestelle (
für das hausgerät). A. v. Droste-Hülshoff
ged. 47; ein teller am gestell. 48; das gestell im keller,
flaschenregal, das gestell im garten,
die blumentöpfe darauf zu stellen Adelung; gestel umb einen ofen,
circumferentiale voc. 1482 m 1
a; fische dorrten in der sonne an dem hölzernen gestell. Freiligrath 1, 15;
in den schächten, gestell
oder fördergestell,
vorrichtung aus starken eisenschienen zur ein- und ausförderung der förderwagen und personen Veith 236. 2@cc)
rahmenwerk, einfassung, fassung, z. b. des schildes: mhd. her (
der schild) was gevaʒʒet innen mit borden und mit phelle und was al daʒ gestelle mit goldînen nagelen dran geslagen.
Eneit 161, 14; (
die schilde wurden) unz anʒ gestelle zerslagen.
Erec 9142; unz daʒ den wîganden beleip vor den handen niht wan daʒ armgestelle.
Lanzelet 695. 6385; gestell eines regen- oder sonnenschirms; das brillengestell; das thürgestell,
s. theil 11, 465; fenstergestelle,
fenestrarum jugamenta Henisch 1574;
die obere einfassung des brunnens: gestel umb einen prunnen,
margo voc. 1482 m 1
a. Dief.
nov. gloss. 247
a (
von 1466);
tabulatum, das gestelle Trochus
prompt. (1517) O 4
a; gestelle,
die einfassung eines salzbrunnens zu Halle über der erde Frisch 2, 330
c; gestell
oder rahmen
einer maschine, einer locomotive Röhrig
techn. wb. 186
b; das gestelle an einer druckerpresse,
the shelf or till of a printer's press, the visorium Ludwig 764; das hintere gestelle an der presse, auf welchem der farbestein ruhet. Täubel
wörterb. d. buchdruckerkunst 2,
anh. 24
a; gestell der drehbank,
le banc d'un tour Röhrig 286
b;
bei den riemern das gestell,
dasjenige riemenzeug, welches um die ohren, backen und kehle des pferdes geht Adelung. Weber
öcon. lex. 194
a; gestell der uhr
nennt man an den taschenuhren die durch vier pfeiler mit einander verbundenen zwei dicken runden scheiben, zwischen welchen das räderwerk enthalten ist Jacobsson 5, 660
a; gestell, so herfür ragen,
axes prominentes Henisch 1574; ein jglich gestüle hatte vier eherne reder, mit ehernem gestell (
aeneas rotas aeneosque asseres).
1 kön. 7, 30; gestell der säge,
der rahmen der handsäge. technol. wb. (
Leipzig 1818) 81;
sensengriff, -stiel: viere gestellen an sense. Dief.-Wülcker 617 (
Frankf. arch., von 1382);
anders gestell,
die an der getreidesense zum auffangen der von ihr abgehauenen halme angebrachte vorrichtung, reff, rechen Weber
öcon. lex. 194
a,
vgl.gestellsense; gestell (
stock) eines spinnrades. Röhrig
techn. wb. 286
b;
schweiz. das gestell,
die gabeldeichsel Stalder 2, 397,
ebenso luxemb. Gangler 178,
daher das gestellross (
s. d.),
das pferd, das in die gabeldeichsel gespannt wird, das haupt- oder handpferd, und dazu die redensart aus dem gestell treten Frey
gartenges. 42,
wie aus dem geschirr treten
sp. 3890;
schifflein zum knötchenstricken (
theil 5, 1498): von dieser art (
miniaturspinnräder) hatte er heimlich eins für Selinden kommen lassen und für sich ein gestell zu knötgen. Möser
patr. phant. 1, 54;
vom gehenk des degens: Osrick. sechs französische degen samt zugehör, als gürtel, gehenke .. drei von den gestellen sind in der that dem auge sehr gefällig, den gefäszen sehr angemessen, unendlich zierliche gestelle.
Hamlet. was nennt ihr die gestelle?
Osrick. die gestelle sind die gehenke. Schlegel
Shakesp. 3, 347 (
Hamlet 5, 2). 2@dd)
untersatz, unterlage, fusz: gestell, ein fusz oder rüstung, darauff man etwas stellet,
pluteus, pes, cantherius Duez 195
a. 2@d@aα) gestelle einer seule Stieler 2145; der obelisk. aufgerichtet hat mich auf hohem gestelle der meister. Schiller XI, 256; das gestelle,
der fusz eines bildes (
statue). Ludwig 764; der gedanke beruht auf dem worte, wie auf ihrem gestell die bildsäule steht. Klopstock
gramm. gespr. 293; (sie zieht Laiden an Dianens fuszgestell.) umfasse diesz gestell mit deinen unschuldigen händen, Laide! Fr. Müller 2, 303; er reiszt das bildchen vom gestelle. Kinkel
ged. 490; gestell eines geschützes,
l'affust d'un canon Duez 195
b; die gestelle zu pöllern, feuermörsern. Comenius
orb. pict. 2, 132; gestell einer windmühle,
chaise Beil
techn. wb. (1853) 242; gestell eines mahlganges,
piédestal d'une paire de meules Röhrig
techn. wb. 286
b; das gestelle zu einem schiffsbau,
stocks to build ships upon Ludwig 764; gestelle,
das feuerfeste gemäuer unten im hohofen, worinnen das eisen geschmolzen wird Hertwig
bergbuch (1710) 178
a. Karmarsch 1, 570; kesselgestelle,
cortinale, pfanngestelle,
climacter Stieler 2146;
in der bierbrauerei der in den stellbottich genau eingeschnittene bewegliche boden, aus aneinander geschlichteten hölzern bestehend, zum ablaufen der würze aus der maische Zinck
öcon. lex. 934. 2@d@bβ) gestelle eines wagens oder einer kutsche,
das untertheil mit den rädern Frisch 2, 330
c,
auch das untergestell
genannt im gegensatz zum obergestell
oder oberwagen Karmarsch 1, 864, das untergestell eines wagens besteht aus dem
hintergestell, dem vordergestell und der deichsel.
ebenda; von einem stein karen gestelle 35 und 40 pf. (
lohn dem wagner), von einem vorder wagen gestell 35 pf., von einem gestell zu einem nidern einrussen wagen 42 pf. Tucher
baumeisterb. 102, 10
fg.; hie ist kein achse, deistel, gestell, lonsen, leiter. Luther
vorr. zu Hesekiel bei Bindseil 7, 351;
altclev. gestelle van en waghen of ploich,
themo. Teuthonista 257
b;
bergmännisch, bei der streckenförderung ein auf rädern ruhendes gestell, auf welches die förderwagen gesetzt werden. Veith 191; gestell eines pfluges,
la sellette Beil
techn. wb. (1853) 242; von einem hinter groszen waltpflug gestelle dreu pfunt alt 2 pf. (
lohn dem wagner). Tucher
baumeisterb. 102, 9. 2@d@gγ)
die bettstelle, s. bettgestell theil 1, 1735: ein gestell zu einem raispett.
inventar von 1504
bei Lexer
nachtr. 202; das gestell des rollbettes. Langbein 16, 39; drinnen im kämmerlein hatte der greis zum lager des mittags weich ein polster gestopft mit fedrichten kolben des teichschilfs, über dem weidnen gestell, das er selbst im winter geflochten. Voss
ged. (1802) 2, 317;
die bahre: da rührte hinter ihm im gange der leichnam sich auf dem gestelle. Uhland
ged. (1833) 454; traggestelle,
tragbahre zum befördern von urnen und krügen Göthe 39, 149; ein reff ist ein leichtes hölzernes gestell mit tragbändern; gestelle,
lagerbäume, fässer und waaren aufzulegen Kramer 2, 96
a. 2@d@dδ) das gestelle eines tisches,
die mit querriegeln verbundenen füsze, worauf das tischblatt ruht, pes mensae Frisch 2, 330
c. Kramer 2, 96
a: die tische mit ihren gestellen und fusztritten. Comenius
orb. pict. 1, 149;
stütze, bein der bank: die bank über dem erbwapen führet der elteste bruder mit zweien gestellen, der sohn hat die bank mit dreien, das eneklein mit fünf gestellen, so lang der anherr im leben ist. Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 3, 169. 2@d@eε)
von gliedmaszen des menschen, auf denen der ganze körper ruht, das gesäsz, s. hintergestell 2,
theil 4
2, 1503: wenn anders nicht er hergekommen ist, dem könig seine rosse zuzureiten: er hat so recht ein reiterlich gestell. Uhland
Ludw. d. Baier 2.
aufz., 1.
sc.; das gangwerk, die beine, basl. gstell Seiler 152
b;
die füsze: bair.-östr. ein schlechtes gestell haben. Hügel 74; da hat mi oaner auffitrett (
auf den fusz), hab gmoant, dös ganze gstell is hin. K. Stieler
habts a schneid 90. 2@d@zζ)
weidmännisch das gestelle,
die füsze des raubgeflüges, wie gestände Heppe
jäger 181
b; das gestell
oder fuszgestell,
die schenkel des habichts Eggers
kriegslex. (1757) 1, 1046. 2@ee)
vorrichtung zum fang, bei jägern und fischern. 2@e@aα) vogelgestelle,
vogelherd Hayme
jur. lex. (1738) 1277: vogelgestel,
aucupium Brack (1491) 37
b; der tüffel hatt uff erdtreich ein vogel gesperr, als einer ein leger hat, da er lerchen facht, ein lerchen gestel oder ein meiszen gestel. Keisersberg
brös. 2, 90
c. 2@e@bβ)
vorrichtung zur falkenzucht, äste mit nestern: der da sparber haimblich abtrueg oder fieng oder ain gestell mit gnüst wissentlich niderschlueg, so ist er umb jedes stuck 5 ℔ D; hat er es nicht an dem guet, so ist er umb baide augen.
östr. weisth. 6, 56 (16.
jh.). 82, 24, die gestell der federspil 225, 4
u. o., gstöll 481, 1. 2@e@gγ)
die umstellung des wildes bei der jagd (
vgl.das wild ist gestellt,
wenn es vor dem hunde nicht fliehen kann oder will): ein hirschen hett wir im gestell, den wolt der junge fürst selbst bürschen. Ayrer
Sidea p. 437
b (2197, 3
Keller);
Kuntz. wo wolt jhr fliegenfänger aber mit einander hin?
Reitz. auf den affenfang, wir haben hier auch schon einen hasen im gestelle.
ped. schulfuchs 67. 2@e@dδ) das gestell,
alles aufgestellte netz- und reusenzeug Weber
öcon. lex. 194
a. Adelung. 2@ff)
weidmännisch wie stellweg, stellflügel,
gerader, durch aushauen des holzes hergestellter weg im walde, richtweg, schneise Weber
öcon. lex. 712
a. Kehrein 142. 2@gg)
bair. gestell,
die in reihe aufgestellten tanzpaare und jede tour, die sie tanzen Schm.
2 2, 749. 33)
die zusammenstellung, gesamtheit gleichartiger gerätschaften oder dinge: in der schifffahrt ein gestell segel,
alle segel, die zu einem schiffe gehören, ein gestell riemen,
die ruder, die ein fahrzeug zugleich gebrauchen oder führen kann Jacobsson 5, 660
a;
schweiz. gestell,
das geschlinge von thieren, lunge, leber, herz. Stalder 2, 396. Tobler 243
b. 44)
schweiz. gestell,
was viel raum einnimmt, unordentlicher haufe Stalder 2, 396. 55)
als name von krankheiten: das augengestell,
eine rinderkrankheit, wie der augstall,
eine krankheit der pferde, ahd. oucstal,
albugo Schm.
2 2, 749;
auch fürgestelle
ist name einer krankheit. ebenda.