Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gestelle
1.1 ‘(Aufenthalts-)Ort, Stelle’
1.2 Gestell eines Wagens
1.3 hierher wohl auch, im weiteren Sinne einer Ablage ‘Kiste, Truhe’
2 Arm-/ Handhalterung, mit der man den Schild in Stellung bringt (vgl. armgestelle und Schultz, Höf. Leben, 2,72)
3 ‘Beschaffenheit, Aussehen, Zustand’ (vgl. gestalt 1.3 und DWB, 4,1, 2,4221)
4 ‘Nachstellung’ (vgl. stellen ‘nachstellen’ )
1 der Ort oder der Unterbau, auf den etw. gestellt oder aufgebaut wird, tragende Konstruktion, Gerüst (vgl. mülen ~ , tisch ~ ) 1.1 ‘(Aufenthalts-)Ort, Stelle’ [Geistwesen sind ausdehnungslos. Wenn sich alle Engel, Seelen usw. in einer Kirche versammelten] giengen als vil lauͤt in chor / zu der weil als nach und vor, / [...] / so gar chlain ist daz gestell / da sich gaistleich dinch enthaben [aufhalten] Teichn 7,72. 311,106 1.2 Gestell eines Wagens: der herwagn / der den künec solde tragn ─ / daz gatr und daz gestelle was / silber wîz lieht als ein glas RvEAlex 5443; dô hiez der künic Nerô / bereiten einen wagen dô, / der was aller silberîn. / die schîben wâren guldîn / und daz geriht [La. gestelle, vgl. 2gerihte 2 ] gemeine. / mit edelm gesteine / was daz geriht [La. gestelle ] beleit EnikWchr 23237 1.3 hierher wohl auch, im weiteren Sinne einer Ablage ‘Kiste, Truhe’ theka: kaste, gestelle VocOpt 8.005 2 Arm-/ Handhalterung, mit der man den Schild in Stellung bringt (vgl. armgestelle und Schultz, Höf. Leben, 2,72): die [Schilde] wurden ouch alsô gar / unz anz gestelle zeslagen, / daz si ir niht mêre getragen / vor den armen mohten / und in ze wer niht tohten Er 9142; er stach ir einen [einem von ihnen] ûf den schilt, / daz daz gestelle gar zerbrach / und man den schilt vallen sach / verre und der man gesaz UvZLanz 6385; En 5760 3 ‘Beschaffenheit, Aussehen, Zustand’ (vgl. gestalt 1.3 und DWB, 4,1, 2,4221): wer in einen spiegel sehen well, / der sech nur in der werlt gestell. / alle dw werlt mit iͤr sach / ist als ein vaym [Schaum] in einem pach Teichn 22,54; in grozer andacht si enphienc / von meister Cunrade / zu dugentlicher gnade / in grozer odmudekeit / ein hertes unde ein smehes cleit, / an gestelle dunkelvar / unde an gulde snode gar Elis 6805 4 ‘Nachstellung’ (vgl. stellen ‘nachstellen’): do [am Kreuz] die menscheit wider quam / zu ir rechten vrilichen art / und der tuvel geschelket wart, / der mit spen [l. spæhen ] gestellen / zu der tiefen hellen / den menschen dachte vorsenken HeslApk 19621
MWB 2 595,25; Bearbeiterin: Baumgarte