lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

zeihen

mhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
22
Verweise raus
12

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zeihen verb.

Bd. 31, Sp. 509
zeihen, verb. form: gemeingerm. wort (goth. gateihan, altn. tjá, ags. téon, afrs. tîa, as. aftîhan, mnd. tîen, ahd. zîhan, mhd. zîhen) aus der idg. wurzel diḱ-, zu der lat. dīco und griech. δείκνυμι gehören. nächstverwandt ist zeigen (s. sp. 501), aus einer idg. nebenwurzel stammt zeichen (s. sp. 476). z. unterliegt grammatischem wechsel, so dasz sich als regelrechte mhd. formen ergeben zîhe, zêh, zigen, gezigen. die g-formen schwinden im 16. jahrh. (part. perf. gezigen noch Keisersberg ausg. d. kind. Isr. H 4, geziegen Luther 33, 528 W., ziegen H. Sachs 4, 11 K.; conj. prät. zige J. Frey gartenges. 62 B.; ind. sg. zig Steinhöwel Äs. 133 Ö., zige 247 Ö.), und -h- setzt sich durch (zihe ind. prät. S. Franck chron. Germ. (1538) 61b und danach später zieh, geziehen). im obd. gebiet bewahrt -h- auslautend seinen spirantischen charakter, vgl. zeich ich präs. H. Sachs 22, 281 G., und dehnt sich weithin sogar über das ganze paradigma aus: zeichen inf. Hätzlerin lied. 90, zeychen Maaler 519d, zeichen 3. plur. ind. präs. Äg. Albertinus Luc. 85. die md. und nd. bezirke entwickeln im hiat -g-: zeigst Alberus 123b; zeygest Apherdianus meth. 79, zeigen inf. B. Garth lex. 400a. lautliche unsicherheit tritt in -eu- zu tage (man) zeücht Wickram 1, 325 B., (sie) zeucht H. Sachs 9, 55 K., (ihr) zeucht 8, 306 K., zeugen inf. Stieler geh. Venus 91 neudr.) und führt sogar zum lautlichen zusammenfall mit ziehen, vgl.wesz sy mich hand zogen R. Manuel weinsp. 3400, auch schwäb. Fischer 6, 1095 und bair. Schmeller-Fr. 2, 1104. schwache bildungen erscheinen seit Paracelsus zeihete op. (1589) 1, 307 und noch bei Schiller zeihte 5, 2, 380 G., auch Brentano ges. schr. 4, 5, A. v. Arnim s. w. 2, 217; gezeihet Herder 5, 229 S. ableitungen sind zicht in inzicht (th. 4, 2, 2152), bezichtigen (1, 1799) und altn. tigi n. anschuldigung. bedeutung: wie die goth. bedeutung anzeigen, verkünden, die alt- und neunord. (n., schwed. te) zeigen, die as. und ahd. zss. aftîhan, firzîhan abschlagen, versagen (eig. fortweisen) sowie das von z. abgeleitete ahd. zich, m., forum Graff 5, 625, Schmeller-Fr. 2, 1105 und das mittel- und neund. tih, ti, ty, tie, m., beratungs- und sammelplatz eines dorfes Schiller-Lübben 4, 541b, brem. wb. 5, 66, Woeste 271a, Schambach 229, Frisch 2, 374c lehren, schlieszt sich die bedeutung eng an die der idg. verwandten an. doch sind bei z. selbst nur noch spuren davon bewahrt; s. unten 1 und 3. als hauptbedeutung tritt vielmehr durchgängig anklagen, beschuldigen, bezichtigen zu tage, was sich aus einer ellipse, jemand als den thäter oder den schuldigen benennen oder erweisen, erklären dürfte. der in der frühnhd. periode noch reiche gebrauch des wortes z. ist seit der mitte des 18. jahrh.s auf den gehobenen literarischen stil eingeschränkt; umgangssprache und mundarten kennen das wort mit ausnahme etwa bair. und schwäb. bezirke (s. Schmeller-Fr. 2, 1102 und Fischer 6, 1095) gleichfalls nicht mehr. 11) ein deutlicher beleg für den alten wortsinn ist in der ahd. glosse cîhu, picîhu fateor, confiteor erhalten, für welche davon abhängige glossare die damals schon geläufigeren verben gihu, pigihu ahd. gloss. 1, 15827. 28 einsetzen. indessen findet sich die alte bedeutung doch noch wieder viel später bei Luther, vgl.so nu die wort Christi uns zeyhen und leren yn dem sitzenden Christo seynen tod und aufferstehunge erkennen 18, 195 W., wo z. so viel wie zeigen, weisen besagt. ferner gebraucht Otfrid, der im übrigen bereits nur die tadelnde bedeutung verwendet, z. ohne diese in der stelle: 'er ist', quad, 'gotes holdothes zihuh inan baldo' III 20, 73, wo z. für benennen, erklären steht. ein nachklang hält sich schlieszlich im oberbair.: i zeich, es is so ich sage, ich meine, es ist so; i zeuch ich vermute Schmeller, und auf dem bezeichnen, aussagen liegt der nachdruck in: ich bin nit der man, den ir mich zeihet volksb. Aymont p 2b; Weim. jb. 2, 114. zum pers. obj. kann ein prädicatives nomen treten; das einer ... gezigen wird als ein ketzer Luther 19, 329 W.; zeihet euch dieses als menschendiebe Herder 13, 263 S.; s. auch unten 3; 22) bezichtigen, beschuldigen, anklagen, arguere, accusare, insimulare, crimini dare: Graff 5, 585; Lexer 3, 1110; einen des geyts zyhen Frisius 136a; Stieler 2613; Heynatz syn. wb. 1, 262b; a) selten mit bloszem acc. der person, z. th. noch in der bedeutung beschuldigend schelten: mein mutter zeyhet mich, zwOelff knaben freyen mich Forster t. liedl. 91 neudr.; v. Hippel lebensl. 1, 91; euch zeihet der brief Brentano ges. schr. 7, 428; es ist besser stehlen als z. facilius est furari quam furti aliquem accusare Pistorius thes. paroem. 659, d. h. der bestohlene hütet sich, seinen verdacht zu äuszern Fischer 6, 1096; b) in der regel mit acc. der person und gen. der sache: thih zîhen (wir) unhuldi Otfrid IV 24, 5; daz du mih diuve zîhest Vorauer genesis 62, 9 D.; zeyhet in, des er nye gethon hat Albr. v. Eyb 1, 30 H.; warum zeichestu mich so einer falschen inzicht? gesta Rom. 41 K.; welcher unter euch kan mich einer sünde z.? Luther Joh. 8, 46; die (die kinder) kan er nichtes zeihen nicht Hayneccius H. Pfriem 12 ndr.; man zicht uns der gröst abgöttery N. Manuel 193 B.; der schreiber ward ... eins todtschlags gezigen J. Frey gartenges. 112 B.; so dauernd geläufig: Wieland 17, 55 H.; aufruhrs z. Göthe 39, 126 W.; des undanks zeiht man mich Schiller 14, 213 G.; der unwissenheit z. Schleiermacher s. w. I 5, 412; Bismarck red. 1, 87 Kohl; auch refl.: niemand zeihe sich einer schuld v. Ebner-Eschenbach 1, 91; mit ausfall des sachobjects: Adam musz ein Eva han, die er zeihe was er hat gethan Lehmann flor. pol. 3, 20; durch pronominaladverb ausgedrückt: wir sind nit all so böser art, wie ir uns allhie zeyhen thut H. Sachs 5, 212 K.; in älterer sprache: wes zeichst du mich? Arigo decam. 147 K., und noch: wes man mich zeyht Lenz ged. 105 W.; c) bald überwiegt hier die form was, wie auch etwas für älteres etewes durchdringt: was hat man die schAefli gottes gezigen? Zwingli d. schr. 1, 223; Eberlin v. Günzburg 3, 158 neudr.; was ich ihn zeihe, werd ich selbst Schiller 5, 2, 342 G.; darüber hinaus begegnet der acc. der sache überaus selten: die verlust zech er die Swobe Fr. Closener chron. d. st. 8, 38; (die unschuld,) die man mich zeget S. Israel Susanna 55; sogar wol noch einmal Herder: habsucht zeih ich euch nicht 27, 113 S.; d) präpositionale constructionen: maniger dunckt sich des geziert, so man in zeicht mit frawen Hätzlerin liederb. 93; H. Sachs 17, 39 G.; so werdet ihr nit mit lgen gezigen Paracelsus op. (1616) 1, 218c H.; um: s. Fischer 6, 1095; nicht zeih ich über deine opfer dich Herder 12, 99 S.; e) scharf prägt sich der rückgängige gebrauch des wortes in der construction mit dem dativ der person aus: dem ich fürwar kein diebstahl zeyh Barth. Krüger bäur. richt. 34; die schuld mir z. A. Olearius pers. ros. 24a; zeiht die that dem sohne Rabener s. w. 4, 174; haben ihm ... fehler gezeihet Herder 5, 229 S., der im übrigen unter dem einflusz der bibelstelle Joh. 8, 46 zur alten construction zurückfand; und zeihn sie mirs als sünde Geibel w. 1, 169; f) ausgiebig mit nachsatz belegt: der ... zech si, si wölten in gewalt anlegen chron. d. st. (Augsburg 15. jahrh.) 4, 328; zeihete mich, ich geb ergernusz Paracelsus op. (1616) 1, 109c H.; die pfaffen zihen in ..., er hett ... gestolen S. Franck chron. Germ. (1538) 129a; geziehen 315a; die (juden) wurden gezigen, dasz sie ... vergifftet ... sOelten haben Stumpf Schweizerchron. 416b; 33) in der rhetorischen frage wes (später was) zeihst du dich? läszt sich, wie unter 1, die grundbedeutung aussagen noch erkennen, indem als ursprünglicher sinn die wendungen: wessen rühmst du dich? wie schätzt du dich ein? was hältst du von dir? angesetzt werden können, woraus sich, je nach dem gefühlston, a) die bedeutung sich zumuten, sich denken, sich bemühen ergiebt, vgl. wes wilt du dich zeichen, dir dise müe ze nemen? Arigo decam. 30 K.; was zeihe ich mich, das ich mich so zuplagen lasse? Luther 36, 537 W.; beachtenswerthe verknüpfung mit einer zweiten person: was wolt ir zeyhen euch und mich (eine so gefährliche reise zu machen)? H. Sachs 17, 113 G.; vgl. die angaben der wbb.: sich z., belästigen se charger de Hulsius-R. 427a, Rädlein 1085; was hat er sich gezigen? cur sustinuit hoc facere? voc. v. 1618 bei Schmeller-Fr. 2, 1103; b) sich einbilden, sich vermessen, sich unterfangen, sich herausnehmen: was han ich mich gezigen, das ich myn leben so süntlichen wider got verzert hab? Keisersberg bilg. 24b; volksb. v. dr. Faust 33 ndr. Br.; H. Sachs 4, 11 K.; ey, du frembdling, was zeihstu dich, das du dich wilt uber uns erheben? B. Waldis Es. 1, 183 K.; letzte beispiele dieser art: J. Rist parn. 115 (noch wes); Logau sinnged. 187 E.; Rachel sat. ged. 86 neudr.; die redewendung folgt dem im satz vorher ausgedrückten inhalt von sich z.: ir solt nit zuo der löwin gehen, was wöllend ir euch zeihen Octavian E 1; so sageten sie (die landstreicher), hette man doch (almosen) auff diesem und jenen dorff gegeben ... was sie (die bauern) sich denn alleine zeiheten Pape garteteufel P 5a; vgl. Vilmar 466 u. Schmeller-Fr. 2, 1103; 44) part. perf.: ain iegliche getzigne fraw Th. Lirer chron. G 1a; wider die regel: der geziehene diebstal A. U. v. Braunschweig Oct. 4, 552.
9377 Zeichen · 316 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zeihenst. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    zeihen , st. V. Vw.: s. zīhen (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zeihen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Zeihen , verb. irregul. act. Imperf. ich zieh, Particip. geziehen, Imperat. zeihe, eines Vergehens, oder Verbrechens übe…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zeihen

    Goethe-Wörterbuch

    zeihen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    zeihenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

     zeihen st. : ' bezichtigen, beschuldigen '. 16. Jh.: So aber ein mensch daß ander seiner ehren beflecket oder freuenli…

  5. Sprichwörter
    Zeihen

    Wander (Sprichwörter)

    Zeihen Zeihen ist besser (leichter), als beweisen. – Pistor., VIII, 76; Eisenhart, V, 27; Eiselein, 656; Simrock, 12010.…

Verweisungsnetz

36 Knoten, 30 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Kompositum 27 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zeihen

7 Bildungen · 0 Erstglied · 3 Zweitglied · 4 Ableitungen

zeihen als Zweitglied (3 von 3)

anzeihen

DWB

anzeihen , accusare, anschuldigen, zeihen, nnl. aantijgen: da Yonet sich von Constans einen verräter anzeihen hort; Constans, es ist unrecht…

bezeihen

DWB

bezeihen , coarguere, beschuldigen, ahd. pizîhan ( Graff 5, 587 ), ags. beteon, mhd. bezîhen ( pass. K. 324, 55), mnd. betien: dat en ander …

verzeihen

DWB

ver·zeihen

verzeihen , vb. form. ahd. farzîhan; afries. fortîa; mhd. verzîhen; mnd. vortien, vortigen; mnl. vertien. wie beim simplex zeihen schwinden …

Ableitungen von zeihen (4 von 4)

bezeihen

DWB

bezeihen , coarguere, beschuldigen, ahd. pizîhan ( Graff 5, 587 ), ags. beteon, mhd. bezîhen ( pass. K. 324, 55), mnd. betien: dat en ander …

gezeihen

DWB

gezeihen , verstärktes zeihen ( vgl. oben gezeichnen; vgl. auch gezeug), mit vereinzelten belegen in das 16. jahrh. reichend. 1 1) während d…

verzeihen

DWB

verzeihen , vb. form. ahd. farzîhan; afries. fortîa; mhd. verzîhen; mnd. vortien, vortigen; mnl. vertien. wie beim simplex zeihen schwinden …

zerzeihen

DWB

zerzeihen , verb. , selten für ver- einem etwas versagen: Heinrich v. d. Türlin krone 15100 ; wann aber die gerechten schreyen, thut er sie …