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glatt

nhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glatt adj.

Bd. 7, Sp. 7705
glatt, adj. herkunft und form. ahd. glat, clat 'glänzend', mhd. glat, gelat 'glänzend, eben, schlüpfrig', mnl. glat, gelad 'schlüpfrig', nl. glad 'schlüpfrig, eben', afries. gled 'schlüpfrig', ags. glæd und mengl. glæd, glad, gled 'glänzend, fröhlich, angenehm', engl. glad 'froh, erheiternd, angenehm', as. gladmôd 'fröhlich', anord. glaðr 'blank, hell, froh', n. und norw., schwed. glad, wonebenn., norw. glat, schwed. glatt 'eben, schlüpfrig' als lehnwort aus dem nhd. (vgl. Falk-Torp 1, 326). got. nicht bezeugt.auszerhalb des germ. stellt sich germ. *glada- aus idg. *ghladho- urverwandt zu aslav. gladuku 'eben, poliert', lit. glodùs 'glatt anliegend, glatt gestrichen, glatt, sanft', apreusz. glosto 'wetzstein' (weiteres bei Trautmann baltoslav. wb. 90 f., Berneker slav. et. wb. 300). gesichert ist auch die verwandtschaft mit lat. glaber 'glatt, kahl' aus idg. *ghladhro-, vgl. Walde-Hofmann 603. der ganzen sippe liegt zu grunde idg. *ghlādh-, *ghlədh- 'glänzend', das in den idg. einzelsprachen als 'glänzend' und als 'glatt' bezeugt ist, vermutlich eine wurzelerweiterung mit dental zu *ghel- 'glänzen, schimmern' (vgl. Fick 3, 147; Walde-Pokorny 1, 625). damit träte glatt in den bereich der gleichen grundwurzel, der die sippe glanz und, auf grund von s- und st-erweiterungen, auch glas, glast, glimmen, glitzern, gleiszen, gleiten zugeordnet werden, vgl. noch Persson beitr. z. idg. wortforschung 790 ff. nebenform gelatt (vgl. mnl. gelad Verwijs-Verdam 2, 1988) gelegentlich spätmhd. Hätzlerin 165, 105; 180, 23; dtsche städtechron. 5, 229. steigerungsformen: vereinzelten umlautlosen ahd. formen glatôr Notker 1, 128 P., glatesten ebda 770 stehen ebenso vereinzelt umgelautete spätmhd. gegenüber: geletter Hätzlerin 180, 23; gleter Rothe keuschheit 4276 Neumann. der umlaut, für Luther durchgehend bezeugt, überwiegt deutlich bis Herder und Göthe und ist auch im jüngsten gebrauch noch möglich. die umlautlosigkeit, erst in der 2. hälfte des 16. jhs. wieder belegbar (glatter Sebiz feldbau [1579] 32), gewinnt erst im lauf des 19. jhs. das übergewicht und drängt heute zur normalform, vgl. Wilmanns gr. 2, 444. — in den mundarten ist glatt über das ganze deutsche sprachgebiet verbreitet: obd., md. glatt, glat, nd. glad, gladd. bedeutung und gebrauch. in der germanischen und auszergermanischen geschichte des wortes, wie vom standort der deutschen entwicklung aus steht namentlich das verhältnis der bedeutungen 'glänzend' und 'glatt', d. i. planus, lubricus zur frage. für den germ. stamm *glada hat nach ausweis des ags. und anord., wie auch noch des ahd. 'glänzend, hell', nitidus als grundbedeutung zu gelten, die sich aber schon im ags. zu 'froh' und 'angenehm' (dazu as. gladmôd 'fröhlich') und im anord. zu 'froh' erweitert und so im engl. und neunord. allein gilt, während das ahd. hier nur einen schwachen ansatz (s. u.A 1) zeigt (vgl. als deutschen parallelfall dieser bedeutungsentwicklung heiter, s. Persson beitr. 28 und teil 4, 2, sp. 921ff.). [] dasz im ahd. neben der ausschlieszlich, wenn auch nur auf schmaler überlieferungsbasis (keronisches glossar, Otfrid, Notker) bezeugten bedeutung 'glänzend', nitidus schon mit der bedeutung 'eben', planus (ahd. ebano, sleht) und auch 'schlüpfrig', lubricus (vgl. frühmhd. gletî 'glätte', vom eise) zu rechnen ist, läszt sich im hinblick auf die auszergerm. verwandten (s. o.) vermuten, aber nicht belegen (nicht zu verwerten ist ein in Pa bezeugtes glati algor ahd. gl. 1, 6 St.-S., da ihm in K und Ra chaldi, chalti gegenübersteht, vgl. dazu Bäseke abrogans 3. 44). im mhd. dagegen ist der sachlich nicht fernliegende wechsel zu 'glatt', planus und lubricus, der die ältere bedeutung 'glänzend' überlagert und immer mehr zurückdrängt, in übergangsstufen noch greifbar (A 2). gegen ende der mhd. periode kann diese entwicklung, die auch unter bevorzugung der bedeutung lubricus in afries. gled, mnl. glat und nl. glad vorliegt, als abgeschlossen gelten. seither begegnet 'glänzend' nur noch in bestimmten sachzusammenhängen, als nebenton noch mitschwingend oder neu hinzutretend (A 3). der nhd. gebrauch verzweigt sich in zwei hauptästen, die als planus 'eben' (B), mit einer besonderen wendung ins adverbiale (C), und als lubricus 'schlüpfrig' (D) auseinandertreten und denen sich ein aus verschiedenen wurzeln abzuleitender, meist jüngerer übertragener gebrauch innerhalb der moralisch-geistigen sphäre (E) anschlieszt. AA. 'glänzend, leuchtend, hell, blank', nitidus, limpidus, candidus, clarus (vgl. die weithin parallele anwendung von glanz, adj.). A@11) ahd. nur so bezeugt: klad, clat limpido (8. jh.) ahd. gl. 1, 201 St.-S.; als merkmal leuchtender körper; von der sonne: er mano rihti thia naht, ioh wurti ouh sunna so glat Otfrid II 1, 13; von ihren strahlen: taz tiu sunna clate skimen habe (radios ... candidos) Notker 1, 196 P.; den sternen: fone dien siben glaten sternon, die aller der liut wagen heizet ebda 1, 749; (der Orion) der sirium sternon glatesten in lingua maioris canis nah imo fuoret ebda 1, 770; von den augen: ube ouh tu wellest mit claten ougon (claro lumine) chiesen dia warheit ebda 1, 50. vereinzelt scheint die aus diesem eigentlichen gebrauch abzuleitende, im ags. und anord., aber nicht im deutschen entwickelte bedeutung 'fröhlich, freundlich, angenehm' wenigstens anzuklingen: glator skinent tie sternen (gratius astra nitent) Notker 1, 128 P., worauf auch ein singuläres clatamuati verweist: danta clatamuatan kebon minnoot (quia hilarem datorem diligit) kl. ahd. sprachdenkmäler 208 St., doch vergleiche ahd. slehtmot(i) hilaris ahd. gll. 1, 8 St.-S. A@22) der prägnante gebrauch 1 bleibt auf das ahd. beschränkt, doch sind übergangsstufen zur bedeutung B 'eben, planus' und seltener zu D 'schlüpfrig, lubricus' im mhd. und gelegentlich im frühnhd. noch erkennbar, insofern glatt hier noch überwiegend solche gegenstände bezeichnet, die vermöge ihrer 'glätte' die eigenschaft des 'glanzes' besitzen, wobei die bedeutung 'glänzend, blank' noch als die primäre empfunden werden kann und oft auch durch synonyma als solche erwiesen wird, vgl. auch: nitella das glatt und gleissend macht Calepinus (1598) 947a. vom blanken, spiegelnden estrich: und unden was der esterîch glat unde lûter unde rîch, von grüenem marmel alse gras Gottfried v. Straszburg Tristan 16718 B.; so lûterbære und alsô glat was ir (der stadt) gazzen esterich, daz man ersach dar inne sich reht als in eime spiegel Konrad v. Würzburg trojan. krieg 17408; von der rüstung und von metallgeräten, wobei im ersten beleg der synonyme gebrauch von hæl vielleicht zur bedeutung 'lubricus' hinüberweist: kain wafen in (den helm) verkretzet, so hæl ist er und so glat Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 13867 R.; ... furten ritter unde knechte, burger unde reisige lude, broste unde glade beingewant zu stormen unde zu stride [] Limburger chron. 80; und ... ire fsse waren gleich wie runde fsse und glintzeten wie ein hell, glat ertz Hesekiel 1, 7; ein reines geschirr, sauber und glat, drinn gott neun monat grwet hat (vas dei) J. G. Tibianus encomia beatae Mariae (1595) h 2b. vom glänzend und blank geriebenen spiegel (s. auch 3): als ein mailiger spiegel poliert wirt, auf das er glat werde zuo empfahen der sonnen schein Berthold v. Chiemsee theologey 301 R. von der menschlichen haut (s. u.B 4 a): sîn reiner lîp wîz unde glat genzlichen wart enblecket Konrad v. Würzburg Pantaleon 1604; des edeln schiltz (des gesichtes) glantzes vel ist auch darzu so recht hel, das es nit künd sein geletter liederbuch d. Hätzlerin 180, 23. auch die bedeutung D 'schlüpfrig' scheint anfänglich mindestens den nebensinn des glänzenden oft mit einzuschlieszen: wand daz die andern sinen munt sahen also rechte glat (von öl) passional 401, 73 Köpke; oire (der bösen leute) keylen sin gleder unde clarer wen de olie (15. jh.) Schiller-Lübben 2, 117b. A@33) auch im jüngeren gebrauch kann je nach dem sachlichen zusammenhange, insofern 'glatte' dinge auch glänzen oder spiegeln, die ursprüngliche vorstellung noch oft mitschwingen oder neu hinzutreten (vgl. 1glätten 2 b, c), doch ist bei diesem durchweg complexen gebrauch primär von der vorstellung 'eben' auszugehen. am häufigsten vom (metallenen oder gläsernen) spiegel (s. o. 2 und unter spiegelglatt): nun ... soll man die (aus metall gegossenen) spiegel auf der einen seiten auf einem schleiffstein glatt schleiffen, also das gar kein grble oder mackel darinn gefunden werd, dann es am sehen grosse irrung brechte Paracelsus op. (1616) 2, 567 H.; alsdann mach die eysintaflen vor dem eingiessen warm und bestreichs mit unschlitt, auf das die metall nicht anhangen, und die spiegel fein glatt werden ebda; aber nun ... müssen wir ... fleiszig an dem spiegel unserer seele schleifen, damit er glatt und klar werde und treu das bild der schönen natur zurückwerfe H. v. Kleist 5, 172 E. Schm. auch innerhalb des gebrauchs B 8 b (oberfläche von gewässern): das alte, abgenutzte gleichnis vom meere, bis in dessen tiefste abgründe jetzt der sturm wühlt, ... um sodann wiederum der hellen sonne einen reinen, glatten spiegel zu zeigen Holtei erz. schr. 2, 86; sonst bei spiegelnden flächen und gegenständen: das glatte ist mangel an räumlichen unterschieden; und da, wenn die rauhigkeit fehlt, wir nichts bestimmtes an einem gegenstande sehen, so sehen wir am glatten nur überhaupt glanz, der ein allgemeines abstractes scheinen, ein unbestimmtes leuchten ist. glatt ist also, was das bild des andern ungetrübt manifestiert Hegel (1832) 7, 1, 146; sieh, auf klauen des leun, wie erglänzte die funkelnde basis, mächtig und glatt; drin konnte sich wohl abspiegeln ein mädchen Gregorovius Euphorion (1858) 6; die helleuchtende stralen der sonnen, so von den glatten marmorn ... widerschlagen wurden theatrum amoris (1626) 135; (das bild) scheint aus den spiegelwellen wieder so wie der sonne bild von glattem marmor thut Wieland 17, 21 (Idris 1, 19); in der verbindung glatt und glänzend: daher die liebe der Engländer zu schönen ebenen, die sie mit groszen, rollenden steinen glatt und glänzend machen Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 94; die stange wird krystallinisch, sie wird brüchig wie guszeisen, der bruch ist nicht mehr fadenförmig, sondern glatt und glänzend J. Liebig chem. br. (1844) 138. daher gelegentlich auch, aber mit anderer ausgangsvorstellung als unter 1, von himmelskörpern: der mond stand glatt und schön über dem Rusenschlosz Mörike ges. schr. (1905) 2, 83 Göschen; aber heute hätte sogar ein groszstädter der sonne angesehen, die sich glatt und klar wie eine messingscheibe über die linie des horizontes schob, dasz sie wieder einem heiszen ... [] tage das leben geben wollte Ernst Jünger wäldchen 125 (1928) 100. complex in botanischem bereich, von pflanzen, deren ebene oberfläche glänzt: der blätter glattes weisz ... bestrahlt der bunte blitz von feuchtem diamant A. v. Haller ged. 37 H.; complex namentlich im gebrauch B 4 a: glatte haut, glatte stirn u. ähnl. (weitere belege s. dort): seine glatte, wie ein spiegel glänzende stirne Klinger 8, 111; ihre haut ist ramprichter als der glatten und gläntzenden Egyptier Lohenstein Arminius (1689) 2, 1024b. besonders das nd. läszt hier gern die bedeutung 'hell, glänzend' mit anklingen (s. auch B 4 b, e): de hellen morgens un de glatten derns dögt ni vel Mensing schlesw.-holst. 2, 386; de glattsten derns ward de swattsten fruuns ebda; so glad sag he ut, do he nog froom was, regt as en waren ängel; averst kyk dat swarte gesigte darneffen, wo aisch (garstig) it is (Wolfenbüttel) bei Firmenich 1, 180. zu B 13 b 'blank, feist', vom vieh: glatt und feiszt nitidus et pinguis Henisch (1616) 1627. BB. glatt in der bedeutung 'eben', planus, lēvis, als eigenschaft von flächen und körpern, deren auszenseite weder fühlbare oder sichtbare erhöhungen noch vertiefungen zeigt. innerhalb dieses weiten bedeutungskreises erfolgt eine differenzierung des wortgebrauchs eben so sehr im sachzusammenhang bestimmter anwendungsbereiche wie in enger begrenzten sonderbedeutungen. B@11) im allgemeinsten sinne, im weiten bezirk des sachlichgegenständlichen: dur die wunneclîchen stat, diu mit marmelsteine glat was gemûret über al Konrad v. Würzburg trojan. krieg 7320 (vgl.marmorglatt); ist es aber ein bein, so leg in auf ein glatten tisch H. Braunschweig chirurgia (1539) 93b; charta laevis glatt papier nomencl. lat.-germ. (1634) 287; das ineinandergreifen der glättesten glasplatten ... bringt eine halbvereinigung hervor Göthe II 1, 188 W.; glatte flächen ... befriedigen durch ihre feste bestimmtheit und deren gleichförmige einheit mit sich Hegel (1832) 10, 1, 182. in geläufigem vergleich glatt wie elfenbein, in dem die componente 'glänzend' mitschwingt (s.A 2): eburneus weysz und glat wie helffenbein Frisius dict. (1556) 456; glat als ein altez helfenbein und wîzer denne ein krîdenmel was ir das neckel unde ir kel Konrad v. Würzburg trojan. krieg 19987; di zähne (der geliebten) sein sehr klein und zahrt, so glat als elfenbein Ph. Zesen adriat. Rosemund 264 ndr.; ein perlenband ... weisz und glatt wie elfenbein maler Müller (1811) 1, 203; da (in der antiken poesie) sei alles glatt wie elfenbein Scherer lit.-gesch. 50. in allgemeinstem gegensatz zu rauh: sü (die geiszler) hettent die kostbersten fanen von semetdüchern, ruch und glat dt. städtechron. 8, 105 (Straszburg); er ... zeigt, ... dasz der bruch nicht rauh, sondern glatt sei Göthe I 25, 294 W.; um ihm zum bewusztsein zu bringen, dasz die kunst nicht nur hohles, hohes und tiefes, rauhes und glattes der natur nachbilde, sondern ... auch geistige eigenschaften H. Brunn kl. schr. (1898) 3, 252. aber oft durch engere opposita genauer bestimmt: alles holtz, krumbs und schlechts, glats und krOepfechtiges Paracelsus op. (1616) 1, 309 H.; den ganzen wald mit jung und alt, mit allem, was er hat, knorrig und glatt? kinder- u. hausmärchen (1850) 2, 449; sie (die steine) sind bald glatt, bald ... warzig und von ungleicher oberfläche Sömmerring menschl. körper (1839) 8, 1, 317; die bald glatten, bald gekräuselten glasfäden A. v. Humboldt kosmos 4, 417; zuerst wird die gekerbte seite des schlägels angewandt und dann die glatte Bücher arbeit u. rhythmus (1899) 37; fast gleichzeitig mit [] den glatten kugelbrüsten treten die von Maximilian I angegebenen gerippten oder geriffelten harnischbrüste auf Wend. Böheim waffenkde (1890) 88. durch verwandte begriffe gekennzeichnet: des paums (der eibe) holz ist gar hert und glat oder hael und macht man mezzerheft darawz Konrad v. Megenberg 321 Pf.; schienen, die schlecht und glat seind, von dennen oder buochen holtz H. Braunschweig chirurgia (1539) 86b; indigesta ligni simplicitas ein glatt, einfaltig und schlecht holtz, das weder blmt noch reid ist, und kein strimen oder Oeugle hat, kein flader noch maser Frisius dict. (1556) 682; obgleich es (das chinesische papier) durchgängig gröszer, feiner, weicher und glätter als das europäische ist Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 3, 258. häufig als attribut runder körper: der steile weg lag voll runder, glatter steine wie ein fluszbett H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 35; es geht doch kein handwerk über die büttnerei. so ein ding (ein fasz), das steht auf sich selber da, so rund, so glatt und so fest O. Ludwig 2, 123; zweige und blattknospen des laubholzes ragten glatt und rund, gefüllt mit geheimem leben G. Freytag ges. w. 13, 93; auch in übertragenem gebrauch (s.C 3) verkoppelt: o nachtigal, du schOene! ... man dich fürnehmlich krOene ... wie magst es (das singen) je doch machen so sauber, glatt und rund Spee trutznachtig. (1649) 107; deswegen fehlt den versen noch hier und da das runde und glatte Göthe IV 7, 58 W. daher auch anwendungen wie glatte rundung (der weintraubenbeere) bei Triller poet. betracht. (1750) 1, 8; glatte kugel- oder sphäroidform (der erde) D. Fr. Strausz schr. 6, 112. so auch sonst von gestraffter, gewölbter form eines körpers: denn wenn ich die kugel auf das küssen lege, so folgt auf die vorige glatte gestalt desselben das grübchen Kant 3, 176 akad.; di brust (einer schönen) ist so föllig, so kwaplicht und so glat, dasz man keine knochchen dahran sihet, di brüste sein so lihblich und so rund Ph. Zesen adriat. Rosemund 264 ndr. vom runden, vollen, prallen tierkörper (meist vermischt mit B 5 b, s. d.): denn die fisch ... sindt grosz, feist, glatt und voll, wann der mon voll ist Sebiz feldbau (1579) 47. B@22) in typischen verbalverbindungen, meist aus dem handwerklichen bereich (vgl. auch F 2 und 1glätten 2): die nuwe kirche, die stande noch rehte also eine schüre, und sprichet, die muren, die sint noch nüt glat reine verworfen Nicolaus v. Basel 337; die inwendigen wände soll man glatt verstreichen Sebiz feldbau (1580) 120; vgl. noch: ausgetünchte oder sonst glattverworffene und verstrichene röhren (eines ofens) v. Hohberg georg. cur. (1682) 2, 79; radirn schaben, fegen, kratzen, glat machen, ausztuon S. Roth diction. (1570) n 7b; (der pfarrer zum drechsler) mach mir ein scheiben grosz und fest ... mach mir die scheiben glatt und eben pfarrer von Kalenberg 76 ndr.; es ward unter den herrn und doctorn medicinae viel disputirt von einem schönen emplastro zu legen, von glatt abgeriebenen ziegelsteinen zubereit Kirchhof wendunmuth 2, 109 Österley; mit etwas glatt geriebenen ziegelstücken Lichtenberg br. 2, 91 L.-Sch.; nim ein eichin bret, das also frisch glat abgehoblet sey Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 267; ich bin ein schreiner, hoble glatt Böhme volkstüml. lieder 463; (ich) reichte meinen gefährten den pfahl und hiesz ihn mir und sie schabten ihn glatt glätten; Voss Odyssee 161 B. insbesondere bei polieren, schleifen, vgl.glat ... levigatus, politus, pumicatus Er. Alberus (1540) ll 4b; glatt schleifen pulire, polire, forbire Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 569c: dan es (ein stück am baumstamm) war glätter poliert als eine marmorsteinerne säule oder stählerner spiegel Grimmelshausen Simplicissimus 44 ndr.; er spürte das harte, abgegriffene, von schweisz und schwielen glatt gescheuerte, braune holz (einen pflugsterz) E. Leibl die kette (1937) 64; [] jeder undurchsichtige und glatte körper aber ist ein spiegel, der desto vollkommener sein wird, je glätter seine oberfläche geschliffen ist Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 1, 212; dieses papier betrachtete ich durch ein gläsernes massives prisma, dessen zwei seiten ... glatt und wohl polirt waren Göthe II 2, 22 W. sprichwörtlich: glatt geschliffen ist bald gewetzt Binder 75. die übertragung auf menschliche rede und gebarung trifft mit anders verwurzeltem gebrauch zusammen (s. u. E 1 und 2). die bei glätte und glätten verselbständigte übertragung auf literarisches und künstlerisches gebiet im sinne des geschliffenen, des nicht kantigen und eckigen, flieszt bei glatt mit der aus C 1 'geebnet, gebahnt' abgeleiteten übertragenen verwendung zu complexem gebrauch zusammen (s. u.C 3). B@33) in naturwissenschaftlicher und technischer fachsprache, soweit eine oberfläche im unterschied zu andern möglichkeiten als eben bestimmt werden soll. B@3@aa) im botanischen bereich für lēvis, sofern es sich um ebene oberfläche von pflanzen oder pflanzenteilen handelt (anders glatt glaber, unbehaart, s. u. B 6); häufig näher bestimmt; vgl. 'eben, laevis bei uns ganz gleichbedeutend mit glatt (und daher oft eines statt des anderen), ohne irgend eine hervorragung (höcker, warzen, knoten, punkte) oder vertiefung (furchen), also im gegensatz von gestreift, gefurcht, getüpfelt, scharf, rauh, chagrinartig, warzig; aber nicht im gegensatze von behaart oder von jeder art des überzuges, wie wir dieses wort zu nehmen pflegen' Röhling flora (1823) 1, 150; 'glatt (laevis) heiszt es besonders beim stengel oder halm, und der gegensatz ist: gestreift (striatus), wie bei vielen gräsern, gefurcht (sulcatus), wie bei dolden, auch wohl grubig, rissig u. s. f.' Ratzeburg standortgewächse (1859) 36. so schon im 16. jh. gebraucht: nescio, nisi quod nonnulli glade roeren i. laevem cannam seu fistulam appellant (gemeint ist smyrnium olusatrum, unsere 'brustwurzel' oder 'pferdesilge') Euricius Cordus botanologicon (1534) 124; scapus, thyrsus ein lanck und glatt stengel eines krudes Chyträus nomencl. (1585) 473; scirpi (pl.) ein bintz uberal glatt, ohn knOepff, oder geleich Calepinus XI ling. (1598) 1310b (vgl. scirpus slechte semde [15. jh.] bei Diefenbach gloss. 518 und unten glattbinse). oft als artbestimmung: ehretia laevis ... glatte ehretie Dietrich lex. 3, 728; scleria laevis ... glattes geiszelgras ebda 8, 676 u. s. w. auch im sinne von 'stachellos, dornlos': rhamnus frangula glatter wegdorn, zweige dornlos Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 451; von dem kern der roszkastanie im gegensatz zu ihrem äuszeren stachelgehäuse: weil die sonsten glatte kesten nur in ihrem hause sticht Joh. Grob dichter. versuchgabe (1678) 42. B@3@bb) zoologisch, von fischen, die schuppenlos sind (im andern sinne s. u. D 2 a, b): glatte, hele fisch ohne schuppen, wie ein forel Henisch (1616) 1627; ein glatte bambel ... in der grösze einer groszen lauckel, aber ohne schuppen, ganz glatt und dick über den rücken (1666) L. Baldner tierbuch 117 Lautenborn; ahl ... ein fisch so keine schuppen hat, sondern glat ist Harsdörffer secretar. (1656) 1, 470. ebenso von dünnschuppigen fischen: die glatten oder dünnschuppigen fische ... sie bilden die zweite ordnung Oken (1833) 6, 118. von stachellosen fischen: der glattroch ... ist ein flachfisch, gantz dünn, auf das aller weytest auszgespreit, sein haut glatt, uszgenommen zwey (stacheln) auf dem kopf Forer Geszners fischbuch (1536) 68b; H. U. Krafft reisen 28 lit. ver.; die zitter- oder krampfrochen ... sind ganz glatt, ohne alle stacheln Oken (1833) 6, 118, s. u. glattroche. auch von der gleichmäszig ebenen oberfläche der schaltiere, bei muscheln, krebsen, schnecken u. ähnl.: sonst ist noch eine andere art der glatten schaalen (krebse), so gar schwach und ohn ein kopf ist Hulder. Frölich v. Plawen offenbarg. d. natur (1591) 257; ganz junge gehäuse (der porzellanschnecke) sind glatt, einfach grau gefärbt Brehm tierl. (1890) 10, 392. B@3@cc) in andern bereichen. im münzwesen glatter heller, in quellen des 14. jhs., wohl im gegensatz zu den bracteaten oder holen penninghen, als deren gegenbegriff im 14. jh. [] auch lutike plate penninghe erscheint, s. v. Schrötter wb. d. münzkde (1930) 269 (die von Fischer schwäb. 3, 674 als 'schon ganz abstract' angesetzte bedeutung im sinne des vollwertigen, nicht abzugsfähigen ist für glatt erst modern bezeugt [19. jh.], sieh glatt B 7 e): 7000 ℔ heller guter alter gelatter heller (1349) bei Fischer schwäb. 3, 674; item einen guden glatten alten haller für zweyn pfenninck (1370) Hirsch münzarchiv (1756) 7, 18. bergmännisch: glatte gare (im gegensatz zu rauher gare) ist der grad der reinigkeit des kupfer, wenn es glatt ist und noch keine zäckgen hat bergmänn. wb. (1778) 231. mineralogisch: bei der gegebenen beschreibung der crystalle haben wir angenommen, dasz sie glatt, d. i. frei von allen kleineren unebenheiten seien Oken (1833) 1, 66; A. G. Werner oryktognosie (1792) 4. im schieszwesen, bei feuerwaffen, deren lauf keine züge hat: diese erfindung tauget vor diejenige schützen, welche auf dem stand mit glatten büchsen schieszen müssen J. Fr. Stahl gewehrgerecht. jäger (1762) 76; von den glatten läufen Seydell über lauf u. einrichtg. d. kl. gewehrs (1811) 177; es bedarf wohl keiner weitern auseinandersetzung, dasz ein gezogenes gewehr besser wie ein glattes schieszt Wilhelm I. militär. schr. 2, 100; glatt heiszen alle feuerwaffen, deren seelenwand eine ununterbrochene zylinderfläche bildet v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 266; auch bei den glatten geschützen kam eine ablenkung vor ebda 1, 30. B@44) insbesondere 'ohne falten, ohne furchen, ohne risse': B@4@aa) namentlich von der haut des menschlichen körpers und seiner teile, oft neben weich, fein, lind u. ähnl.: glatt weich, mollis, laevis, laevi et glabra cute Henisch (1616) 1627: weich und glat was ir daz vel an vleische und an gebeine Konrad v. Würzburg trojan. krieg 19998; mein haut, die mir gantz ruffig war, ist mir ietz fein gantz und glat Hans Sachs 8, 156 K.; die flöte erfordert ... dünne, glatte und feine lippen Quantz anweisg. die flöte zu spielen (1789) 4; solchs ... nutzet, ... den weibern, glatte und linde haut damit zu machen Joh. Barth weiberspiegel (1565) b 5a; denn ein glatter, egaler teint sei doch eigentlich das beste, was man haben könne Fontane I 5, 305. häufig spielt auch die vorstellung des hellen, glänzenden mit, die in den mhd. belegen und in traditionellen formeln primär sein mag (vgl. oben A 2, 3): ihr glatter leib, weisz als der schne Forster teutsche liedlein 8 ndr.; die frische gilgen sich vergleichen hie deiner zart und glatten hand Weckherlin 1, 154 F.; dadurch habe ich die runtzeln dergestalt vertrieben, dasz ihre haut so glatt war als ein spiegel Stranitzky ollapatrida 18, 15 Wiener ndr. am geläufigsten glattes (an)gesicht, glatte stirn (s. auch b): solch distillirt wasser macht das angesicht glatt, schOen und glitzend Sebiz feldbau (1579) 426; in euer excellenz glattem gesicht ist keine runzel zu bemerken Göthe 13, 1, 78 W.; sein angesicht, so glatt, so hell Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 93; glatte stirn frons erugata, explicata, exporrecta, opp. corrugata Henisch (1616) 1627; (ihre stirn) weisz wie ein schönes helfenbein oder ein weisser marmelstein, breit, glat und klar, von farben gut Scheidt Grobianus 67 ndr.; diese furchen verloren sich in einer glatten, hellen, hochgewölbten stirne Klinger 3, 48. diese verbindungen in jüngerem gebrauch gern als äuszeres kennzeichen innerer zustände: die ... stirne war glatt und heiter Dusch verm. w. (1754) 162; ob die stirn glatt oder gerunzelt ... sei, das alles trägt zum ausdruck des temperamentes bei Sömmerring menschl. körper 6, 731; auf Heribalds stirn ward manche runzel glatt, wie der letzte reiter dem tor entritt Scheffel ges. w. (1907) 2, 14. gegensätzlich gewandt [] (vgl.E 2): (er) zog die dunklen brauen zusammen (vor verdrusz) ... aber er war herr über sein mienenspiel, glatt ward seine stirne W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 134. mit negativem unterton: doch suchen mehr wir als die glatte stirn, die keine runzel wagt zu pflügen, freund! Platen 1, 124 R. stärker, im sinne von 'flach', 'ausdruckslos', analog dem übertragenen gebrauch E 3: Wallenstein (über Isolani): mit schnell verlöschten zügen schreiben sich des lebens bilder auf die glatte stirne, nichts fällt in eines busens stillen grund. Terzky: doch möcht ich mich den glatten stirnen lieber, als jenen tiefgefurchten, anvertrauen Schiller 12, 286 G.; das gesicht ist glatt, denn keine seele hat darauf gespielt 1, 171 G. ohne diese negative wertung, 'noch nicht beschrieben', wobei glatt B 7 b mitspielen mag; poetisch: und von allen diesen glatten stirnen (der novizinnen) ist nur eine (die der heiligen), wo ein flämmlein brennt A. v. Arnim 22, 106; vgl. dazu: 'oh, der bösen, stachelichten zäun, daran eim das herz musz wundreiszen! sei still ..., ein glattes herz taugt nit. hinter den narben liegt all unser menschheit' Kolbenheyer Paracelsus 1, 70. B@4@bb) schon früh mit dem bedeutungsgehalt 'schön', aber mehr im leichteren sinne des wortes, 'hübsch, zierlich, schmuck', auch von der körperlichen gesamterscheinung: nit glaub, so er (dein liebhaber) gelatt ist, das er dir füg zu aller frist liederb. d. Hätzlerin 165, 105. glatter spiegel, hübsches gesicht (s. teil 10, 1, 2239): diese rittmeisterin ... vernarrte sich dermassen in meinen glatten spiegel und geraden leib, dasz sie mir endlich ... zu verstehen gab, wo sie der schuh ... drücke Grimmelshausen 1, 315 Keller; der schönen Annerl, wie die leute sie ihres glatten spiegels wegen nannten Brentano (1852) 4, 183. am geläufigsten in tautologischen verbindungen: ein armer patron hate ein weib, gar schon und glate Hans Sachs s. fab. u. schw. 4, 266 ndr.; sie gleicht der Louise sehr, mit der sie eine mutter gehabt, nur dasz sie glätter und schöner J. u. W. Grimm briefw. (1881) 100; Rahel ... ist eine hübsche glate metz ... gewesen Luther 24, 521 W.; 10, 2, 114; da ging die thür auf, ein schwarzbraunes, zerlumptes, sonst glattes und hübsches mägdlein ... leuchtete uns ... mit einer kienfackel ins gesicht Brentano (1852) 4, 247; über den rand des kruges weg betrachtet er die frau, wie sie da im lichten mittag sitzt, so glatt und zierlich K. H. Waggerl mütter (1935) 97. in alliterierender formel (s. auch u. E 2): denn in der that, noch jetzt sieht die alte für ihre jahre glatt und glau genug aus E. T. A. Hoffmann 14, 64 Gr.; schein ich nicht schön dir, niedlich und neckisch, glatt und glau — hei! so buhle mit aalen R. Wagner ges. schr. (1897) 5, 205. diese bedeutung von glatt ist in nd. mundarten sehr verbreitet: en glat't hüt ein schönes mädchen Frederking Hahlen 11; sin ik nig eene glatte däne? alle lüde seggt et dog (münsterländisch) bei Firmenich 1, 297; vgl. Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 630b; Schambach Göttingen 64; en glatten keerl ein schöner kerl Schütze holstein. 2, 37; wohl von hier aus: und (sie) dachte daran, wie glatt es ausgesehen hatte, als der bauer den vormittag in hemd und hose holz klein gemacht hatte und sein haar in der sonne aussah wie eitel gold Löns sämtl. w. 7, 153 Castelle. in jüngerem gebrauch oft in betont äuszerlichem sinne: holde sanftmut, witz und scherze rührt mein herze, nicht ein glatt gesicht allein Uz 62 Sauer; [] doch lobte er Fränzchens schönheit. 'ach, glatt hin, glatt her!' sagte der alte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 7, 151; einem jungen burschen, der sich an ein glatt gesicht verplämpern will, habe ich seinen standpunkt klar gemacht Fr. Reuter 2, 388 Seelmann. besonders zur bezeichnung eines miszverhältnisses von körper und geist oder charakter: ein glattes gesicht vertritt die stelle des verstandes Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 3, 33; eine buhlerin mit glattem gesicht und hohlem kopfe G. Keller 5, 129; falsche Doris, nun adieu, mich bringt deine glatte stirne nun nicht mehr in angst und weh Hoffmannswaldau auserl. ged. (1697-1727) 1, 346; denn alle diese greuel seien meist schon im mädchen eingepuppt hinter glatter mädchenhaut verborgen Jer. Gotthelf 7, 280 Bartels. B@4@cc) als typisches merkmal jugendlichen aussehens; vielleicht schon im folgenden beleg, wenn nicht zu b gehörig: die muesigen, die glatten beginnen (beghinen) tuot er (der teufel) watten mit heimlichem getüsche in daz muor der unküsche sœlden hort 4795 Adrian; also findst du die erst gewachsen jugend glatt und das voll alter ganz gerumpfen und das fleisch verzehrt Dürer schriftl. nachl. 361 Lange; jung glatt, alt runtzlich Petri weiszheit (1604) 2, L l 1a; endlich (bei einer condolationscour) wurden die hände glätter und weicher, und das jüngste geschlecht zog vorüber G. Keller 1, 255. in verbindungen wie unter b: ir diener seind ... jung, schOen, glat, gelbhAerig Schaidenreisser Odyssea (1537) 65a; die jungen, glatten gesellen Frey gartengesellsch. 56 B.; eitel hubsche, glatte, junge metzle Luther 8, 251 W.; jugendliche, zarte und glatte schönheit hatte er (Homer) nicht, sondern stärkere züge der schönheit des männlichen alters Bürger 136c Bohtz. daher auch: frisch, hurtig, süsz ist zwar der glatten jugend lieb, und früling unsrer jahren Weckherlin 1, 475 F.; dasz sie dünkelhaft dein goldnes haupt, deine glatten jugendreize höhnen Bürger 88a Bohtz. als umschreibung für jugendliche unreife: weiszheit find man ehe unter runtzeln, als unter glatten backen Petri weiszheit (1604) 2, Z z 8b. B@4@dd) in älterer sprache von b und c her oft mit erotischem nebenton, verächtlich von leichtfertigen weibern gesagt: henkends den glatten huoren an (die ablaszkrämer das gold) Nic. Manuel 116 Bächtold; manche narren machten ihnen göttinnen aus glatten metzen Grimmelshausen Simplicissimus 69 Scholte. B@4@ee) gelegentlich von der körperlichen erscheinung auf geputzte, schmucke, reinliche kleidung übertragen (doch vgl. auch g unter glatt ausstreichen): man sach (sie) in glatter wate nekisch geziert Forster teutsche liedlein 123 ndr.; thut endlich ir einen erdappen, der glat in seinen kleidern gieng, hurtig und rebisch (d. i. fein, flott) aller ding Hans Sachs 17, 301 K.-G. dieser gebrauch lebt in nd., seltener md. mundarten weiter: daher man in Niedersachsen von einem wohlgekleideten menschen sagt: er ist recht glatt Gottsched beiträge z. crit. hist. (1732) 7, 99; vgl. v. Klein provinzialwb. 1, 149; Danneil altmärk. 64b; Mensing schlesw.-holstein. 2, 386; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423b; sek glat māken sich putzen Bauer-Collitz waldeck. 40b; Danneil altmärk. 64b. daneben auch: glatt huus 'geziertes haus' Schütze holstein. 2, 37; Danneil altmärk. 64b; es glatt haben 'behaglich eingerichtet sein' Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423b. B@4@ff) von baumrinde oder fruchthaut, a entsprechend: denn alle bäume, die von art eine glatte rinde trugen, hatte er mit ... sprüchen gezeichnet Grimmelshausen Simplicissimus 573 Kögel; wann die kälte fürüber ist, [] kan man von citroni- und lemonibäumlein die geradesten und glattesten zweiglein ... abschneiden, ... man schabt ihnen unten zwey oder drey finger breit die rinden weg Hohberg georgica (1682) 1, 116; und weil er noch zwei glatte buchen vor seinen gram bequem befand, so schnitt er mit geübter hand ein traurig denkmal in die rinden J. Chr. Günther ged. (1735) 360; er hielt an, umarmte den seidenglänzenden, glatten stamm (des kirschbaums) und küszte ihn Paul Ernst zehn geschichten (1933) 5. von frischer, straffer fruchthaut: nimm ... diesen gelben, glatten (apfel), mit den zarten tüpfelchen G. Forster sämtl. schr. (1843) 5, 253. B@4@gg) glatt bezeichnet das gegenteil von 'faltig', 'kraus', 'knittrig'; meist von tuchen, stoffen, bekleidungsstücken: man braucht es der säule nicht anzusehen, ob die ärmel (eines frauengewandes) weit oder enge, faltig oder glatt sind A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 121; der unvergängliche schlafrock, sauber und glatt aus der wäsche, mit wohlgeschildetem ärmel J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 210; das mädchen ... zog den besatz ihrer schürze durch die finger, obwohl der nicht glatter sein konnte, als er war Anzengruber (1890) 3, 58. speciell glatt anliegen, formelhaft für engen, faltenlosen sitz von kleidungsstücken, wofür heute glatt sitzen wohl gebräuchlicher: er richtet eine kühaut dermassen zu, dasz ... er sie anziehen ... konte, mit anderer rüstung mehr, dasz sie ihm fein glatt anlage und die ander kleidung nicht vermerckt warde Kirchhof wendunmuth 2, 220 Österley; bildlich: und jederman sihet nit mehr, denn wie gladt einem anderen der schuch anligt, sihet aber nicht, wo er ihn druckt Luther 10, 1, 1, 315 W.; ein par leinen hosen, so beide gar eng und glatt am leibe angelegen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1644) 1, 101; das kleid liegt ihm glatt an Frisch (1744) 1, 351. ähnlich: vor diesem war es bei den Teutschen eine zierlichkeit, die strümpf glat anlegen, jetzunder müssen sie nach französischer art viel falten haben unartiger sprachverderber (1644) h 6a. in anderen festen verbalverbindungen; in älterer sprache glatt ausstreichen (s. teil 1, 991) mit dem an e erinnernden nebensinn 'fein machen, herausputzen': es ist nicht damit auszgericht, dasz er (der fähnrich) glatt ausgestrichen und wol gerüst ist, es gehört viel mehr dazu Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, 95b, vgl. auch: die seligen wyber gstaltet man so huorisch, so glatt und usgestrichen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 298. glatt anstreichen (s. teil 1, 492): es sitze ein feuriges gespenst auf der todtenbahr, und hab beyde handschuch an, und streiche einen nach dem andern aufs glatteste an J. Prätorius glückstopf (1669) 56. in jüngerem gebrauch glatt streichen (s. u. glattstreichen): ich will ihnen die kleider der kunstfigur ... hier lassen, sie können sie alle hübsch glatt streichen Brentano (1852) 5, 136; Botho ... strich die decke glatt Fontane I 5, 272. fernerhin: du must das tuch fein glatt ausbreiten engl. comedien u. tragedien (1624) C c 6a. bildlich: sein ganzes leben lag glatt ausgebreitet und eingeteilt vor ihm H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 30; dann zog er sich den etwas zerknitterten uniformrock an den hüften glatt F. v. Saar sämtl. w. (1908) 7, 20. ähnlich vom papier: (sie) machte es (das papier) an ihrer schürze glatt O. Ludwig 2, 360. B@55) in der mit 4 vergleichbaren anwendung auf behaarte flächen des tierischen oder menschlichen körpers, auf fell, gefieder und kopfhaar, bezeichnet glatt das gegenteil von 'zottig', 'struppig', 'kraus', 'lockig'. B@5@aa) in verschiedenen eigentlichen anwendungen. vom tierfell: wir sehen wol, das die wilden thir vil schoner sint und vil mer zir und haben vil gleter hute und vel Joh. Rothe lob d. keuschheit 4276 Neumann; sie (die hunde) sind glad von hor oder gantz zottet Dürer menschl. proportion (1528) q 5b; bei guter ... nahrung bekommen alle säugetiere ein glattes haarkleid Brehm tierl. [] (1890) 1, 27; von kurzhaarigem tier: bald kamen, murrend und jagend, noch zwei ... glatte bulldoggen Stifter 3, 201. vom gefieder des vogels: ein glatter schwan Hoffmannswaldau auserles. ged. (1697) 2, 13; und wie du dein glatt gefieder arg versengtest in den flammen Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 107. beim menschen von schlicht liegendem kopfhaar: das volk ist etwas fAeler an der farb als die in Mosambique, hat glatte, schlechte haar Cassiodorus regnum Congo (1597) 2, 21; die glatten, grauenden haare ... geben ihm etwas weises Laube (1875) 8, 19; das gesicht ... war schmal, eckig, mit dunklem, glattem haar E. Wiechert d. magd des Jürgen Doscocil (1934) 76. gelegentlich weist dieser gebrauch nach B 10 'gerade, gestreckt, eng aufliegend' hinüber, namentlich bei lang herabhängendem haar des menschen: coma recta, cui opponitur crispa ein glatt oder lang haar, das abhin hangt Frisius (1556) 1133; siehe, hellbraune haare, recht lang und glatt, freundliche, dunkle augen W. Hauff (1890) 1, 15; ihr haar ist lang und glatt Chamisso (1836) 2, 54. bei gleichmäsziger ordnung des haares, besonders in geläufigen verbalverbindungen: ich erinnere mich, dasz eine andre übel von mir gesprochen, weil ich mir die haare in den augenbrauen nicht fein glatt auseinander gestrichen die vernünftigen tadlerinnen (1725) 2, 116; meinen groszeltern hatte sie (meine mutter) viel zu glatt gestrählte haare J. Gotthelf ausgew. w. 1, 23 Bartels; endlich trat Gottlieb Stange in den ring, er nahm den hut ab, strich sich mit der hand sein graues haar glatt und verneigte sich G. Freytag (1886) 12, 29; ihr haar war glatt geflochten A. v. Arnim 21, 311. B@5@bb) speciell, vom blanken fell (s.A 3 'glänzend') oder vom runden, straffen haarkörper (s.B 1 ende) des wohlgenährten tieres: (der wolf zum hund:) wie kumpts, daz du so feist und so glatt bist über dinen walg? (unde frater, sic nitidus et bene pinguis es?) Steinhöwel Äsop 162 Öst.; dann wo die rinder ... das fewer schauen, werden sie darvon ... glatter und geschlachter Sebiz feldbau (1579) 32; und bracht ein ochsen, der war feist und ausgemestet schön und glatt W. Spangenberg ausgew. dicht. 68 Martin; etliche fleissige mägde halten das vieh so rein, dasz sie es auch alle morgen schrapen, wie die knechte die pferde zu schrapen pflegen, dasz sie fein glatt, schön und scheinlicht werden viehbüchlein (Magdeburg) 27; wie ein gaul beschaffen seyn musz ... zum fünften glatt von schenckeln Mart. Böhme roszartzney (1618) 6; wenn ihre kühe ... dick und glatt waren, dachte sie nicht an sich selbst Justus Möser (1842) 1, 30; und der rinder breitgestirnte glatte schaaren kommen brüllend Schiller 10, 314 G.; der rinder schaaren, der glatten pferde wohl genährte zucht ist von den bergen glücklich heimgebracht derselbe 14, 282. in nd. redensart: de ruugsten fahlen ward de glattsten per Mensing schlesw.-holstein. 2, 386. — im 16. jh. auch in derber übertragung auf den menschen: daher werden sie (die gottlosen) gewaltig und reich, fett und glatt Jeremia 5, 27; namentlich in der formel glatter balg, in satirischen und polemischen schriften: wa aber ein glatter balg ist, des man wartet, als eins federspils, da hat der tüffel ruw, aber nit in den dürren, rauchen, unweszrigen stet Geiler v. Keisersberg d. hellische löw (1514) 25a; (die ablaszhändler) hand ... glatt bälg damit (mit dem ablaszgeld), schon frowen und schöne zelter erzogen Zwingli dtsche schr. 1, 88; sie (die pfaffen) weiden sich selbs: das sieht man wol an iren feisten beuchen und glatten bälgen bei Schade satiren 2, 21. B@5@cc) von tieren mit glattem fell, aber schmeichlerischtückischem wesen, in bildlichem und sprichwörtlichem gebrauch, der den übertragenen bedeutungen E 1, 2 nahekommt, [] ohne doch diese in ihrem sprachlichen leben sichtbar zu beeinflussen. besonders von der katze: sihe da, wie weiche har hat das ketzlein, wer decht, das also scharpfe clawen und tzungen in der glaten haudt steckten (von den afterredern) Luther 2, 120 W.; ist das kätzlein noch so glatt, so hats doch scharpfe klawen Lehman floril. polit. (1662) 1, 358; die fünfzigjährige braut ... that ... freilich mit ihrem bräutigam so verliebt und glatt wie ein junges kätzgen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 114; und sonst, namentlich im vergleich: Arch.: ein scharfer feind läst was, ein glatter gar nichts hoffen. Procul.: wer löwenklauen hat, bedarf des fuchsbalgs nicht Lohenstein Cleopatra (1680) 49; ihr (der schmeichler) glatter fuchspelz deckt ein hinterlistig wesen Gottsched crit. dichtkunst (1751) 61; 'ich kenne dich', rief der könig in ausbrechendem zorn, 'du tauchst behend wie die otter im flusz, hüte dein glattes fell vor den streichen meiner knaben' Freytag (1886) 8, 59; mit jener sanftmut, die an ein glattes raubtier erinnert Heer könig d. Bernina (1904) 243; der Lausitzer Tzschoppe ... glatt und leise wie ein wiesel Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. (1897) 3, 434. figürlich glatt streichen u. ähnl. für 'schmeicheln' (s. u.glättlen, glättling): het er (Johannes) Herodi wöllen schmeichlen, den falwen hengst glatt können streichlen, so wer im sölichs gwisz nit bschehen Joh. Aal tragödia Joannis (1549) k 4 b; herrn sind katzen art, streicht man sie glatt den rücken ab, so recken sie den schwantz, streicht man sie zurück, so funckeln sie Lehman florilegium (1662) 1, 412. B@66) 'unbehaart', 'kahl', glaber, calvus, depilis, im gegensatz zu 'rauh', 'behaart' oder 'bärtig'; vgl. glaber glat, bloet, sacht (nl. 1500) Diefenbach nov. gl. 193b; glaber glatt, das ist one haar Cholinus-Frisius (1541) 392b. vom tier: minam ovem Varro interpretatur ventre glabro glatt oder blut (d. i. kahl) am bauch Frisius (1556) 822a; sind nicht die glatten insekten (im gegensatz zu behaarten tieren wie katze und pferd) ihrem verhältnis nach weit stärker als die vierfüszigen tiere? A. v. Haller tageb. (1787) 1, 84; junge mäuse sind klein und glatt, sie haben kein härchen Gerstenberg recensionen 158 lit.-denkm.; daher auch: und sind ihnen die röcke so glatt gegerbt, es möchte, haarlosigkeit halb, nicht ein laus darauf kriechen L. Thurneysser alchymia (1583) vorr. 4. vom menschen in verschiedener anwendung. allgemein von der körperbehaarung: mein bruder (Esau) ist rauch, so bin ich (Jakob) glat, befend er, das ich es wer, er geb mir den fluoch für den segen Geiler v. Keisersberg has im pfeffer (1502) c 2 a; aber die fell von den böcklin thet sie (Rebekka) im (Jakob) umb seine hende, und wo er glat war am halse 1. Mos. 27, 16; schleen saft ... machet auch den menschen kal und glat an den enden, da er nit gern haer haben will Tollat v. Vachenberg margarita (1516) 5a. von der menschenhaut im unterschied zum tierfell: ... und mit ir ein kind gezeuget, so halb rauch wie ein wild thier, und halb glat gewesen Irenäus wundergeburten (1584) f 3b; angesicht, hände und füsze (eines wilden weibleins) waren glatt, aber der übrige leib rauh Grimm dtsche sagen 1, 125. speciell vom kopf, vgl. glatze: ist er kal und ane har, den heiszt man einen glatten schalck bei Laszberg liedersaal 3, 422. 'die glatten heissen in Baseler ratsmandaten diejenigen gauner, welche sich fälschlich eine tonsur gemacht haben' (ca. 1440) schweiz. id. 2, 653; wann euch solte von einem jeden flucher ein härl auszgehen, so wurde euch in einem monat der schädel so glat ... als wie ein gesottener kalbskopf Abr. a s. Clara auf, auf ir christen 90 Wiener ndr.; laszt wohlbeleibte männer um mich sein, mit glatten köpfen, und die nachts gut schlafen Shakespeare 2, 21; 1, 253. [] glatt scheren, kahl scheren: wil ich dich gantz glatt auf deinem haubt bescheren Wickram 1, 154 Bolte; in Foca trugen die Türken den kopf ebenfalls bis auf einen kurzen haarbüschel glatt geschoren Hassert reise durch Montenegro (1893) 103. bildlich: es (der theophilanthropismus) ist der völlig glatt und kahl geschorne kopf der aufklärung Athenäum (1798) 3, 261. dann namentlich auch 'bartlos': glaber, glabilis glat sicut facies mulieris vel nudus vel imberbis gemma gemmarum (1508) l 5a; in diser scena wirdt ein neuwe holdtschaft des ungebarten glatten jünglings Cheree angezeigt Boltz Terenz (1539) 37b; alle mann söllen by grosser pein lang bärt tragen, kainer soll sein angesicht glat haben wie ein wyb Eberlin v. Günzburg 1, 127 ndr.; ... zwei junge kavaliere, der eine ... schlank, grosz und glatt, der andere ... etwas kleiner, mit vollbart und nur vorschriftsmäszig freiem kinn Fontane I 5, 166. häufig in festen prägungen: bin ich denn nit glat umb den schnabel? fastnachtsp. 703 Keller; adolescentulus imberbis, der noch gar glatt umb den schnabel ist Faber thesaurus (1587) 104a. im älteren sprichwort von jugendlicher unreife, in gleichem sinne, aber mit anderm ausgangspunkt wie B 4 c: er ist noch zu glat umbs maul, alt schelck from zu machen Eyering (1601-04) 2, 361; he hett n glatte snuut ('bartlos') Mensing schlesw.-holstein. 2, 386; besonders glattes kinn (s. u. glattkinn): sie (die Arnulfinger) waren nur freie karle, d. h. männer, trugen kurzes haar wie die andern Franken, und über dem glatten kinn den fränkischen lippenbart Freytag (1886) 17, 314; ein trügerischer schlagschatten hatte in der kirche seinem glatten kinn Berklingers schwarzen, krausen bart gegeben E. T. A. Hoffmann 6, 163 Gr. auch als umschreibung für weib: ich werde keinem manne jemals dienen, doch diene ich auch keinem glatten kinn Brentano (1852) 6, 129. bildlich: wo Rhingulph, der barde, gut singt, singt er immer modern, ganz nach der weise unseres jahrhunderts: sein glattes kinn also verräth ihn: er sollte das bardenhemd wegwerfen, das nicht für ihn gemacht ist Herder 5, 335 S. in jüngerer verbalformel: ich war zum glück recht glatt rasiret v. Erlach volkslieder 5, 278; im übrigen war sein glatt rasiertes ... gesicht ganz farblos M. v. Ebner-Eschenbach 2, 250. in attributiver verwendung heute meist als zusammenrückung, s. u. glattrasiert. ähnlich von gemähtem gras, geschorenen hecken, doch ist hier die vorstellung des gleichmäszig ebenen mitgegeben: glatt und dicht abgeschorene wiesen Göthe III 3, 273 W.; ich flieh vom Boulingreen, vom niedlich glatt gemähten grase Göthe 2, 89 W.; ein garten ... mit glatt geschorenen hecken und dunklen lauben Storm (1898) 1, 190. botanisch, 'ohne haar oder filzbezug': ... wachsen herfür ... knöpf oder bolle, darin ist der glatt samen verschlossen Bock kreutterbuch (1539) 2; glattsaamige hundszunge ... der kelch ist mit einem feinen filze bedeckt, und die saamen sind glatt Dietrich 3, 490. namentlich vom blatt (s. u. glattblättrig): ja sogar entwickelt dieselbige pflanzenart glättere und weniger verfeinerte blätter, wenn sie in tiefen, feuchten orten wächst; da sie hingegen, in höhere gegenden versetzt, rauhe, mit haaren versehene, feiner ausgearbeitete blätter hervorbringt Göthe II 6, 36 W.; die blätter (der grewia excelsa) sind ... oben glatt, geadert und auf der unterfläche mit einem grauen filze bedeckt Dietrich 4, 462. seltener vom stengel (vgl. o. B 3 a): glatte betonien ... stengel und blätter sind glatt, aber die kelche sind auszerhalb mit einer feinen wolle bekleidet Dietrich 2, 267. terminologisch für lat. glaber, in einer fülle botanischer artbezeichnungen, z. b.: convolvulus glaber ... glatte winde Dietrich 3, 287; daucus glaberrimus ... glatte möhre ebda 572 u. s. w. obd. und md. glatte frucht, getreide ohne spelzbesatz, roggen und weizen: das dombcapitul [] zu Speier ... hat etwan 19 malter glatter früchten ständiger pfacht und 200 eier geben (1665) badische weistümer I 1, 51; ich habe darin gefunden, dasz man in Anspach einen unterschied unter rauher und glatter frucht (oder getraide) macht. zu rauher frucht wird ... gerste, haber und dinkel gerechnet. rauhe frucht wird der glatten entgegengesetzt, in so fern sie noch unausgehülset ist Nicolai reise (1783) 1, 183; vgl. Fischer schwäb. 3, 674. in der viehfütterung ist glattes futter das körnerfutter, also namentlich hafer im gegensatz zu heu und stroh als rauhem futter, s. u.glattfutter und teil 8, 265, 273: (jemand, der ein gestüt einrichten will, soll darauf achten, dasz er in der nähe hat 1. heu und 2.) wie nicht weniger das glatte futter in der nähe oder um die stutterey herum selbsten zu bauen habe v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 102a; vgl. Fischer schwäb. 3, 674; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423a. B@77) in einer reihe von anwendungen wird glatt zu einem negativen begriff, der das fehlen bestimmter erscheinungen oder merkmale bezeichnet, wobei die vorstellung des ebenen in die zweite linie rückt, einseitig optisch gemeint ist oder auch ganz zurücktreten kann. seit dem 16. jh. belegbar, häufig fachsprachlich. B@7@aa) von naturobjecten. 'leer, kahl, abgeerntet', von feldern und äckern: dieweyl so hetten wir mit sitten umb den galgen gar eingeschnitten, und wern die ecker leer und glat Hans Sachs 17, 99 K.-G.; die felder lagen matt und glatt als Phebus in den Steinbock trat, da sahe man den winter kommen J. Rist Parnasz (1652) 748; wir ziehen in die stadt; die landlust wird zu traurig, die felder sind zu glatt, die lüfte sind zu schaurig Rückert w. (1867) 2, 10. 'baumlos, unbewachsen': auch wa die berg am rauhesten und voller bäum seind, mehr (d. h. gibt es mehr wasser), dann sie glatt seind Mich. Herr feldbau (1551) 30b. so glatter fels, 'nackter fels' (doch s. auch D 2 d): ... im dunkelwogenden meere, thürmt sich ein glatter fels den drängenden fluten entgegen Voss Odyssee 44 Bernays. glattes feld, 'offenes, freies feld': aber die vind zugen ab, unt mochten die unsern, so zuo fuos waren, si leider nit erilen, dann das si in glattem veld gerüst zuo dem strit mit geordnetem gemt hielten D. Schilling Berner chron. 232 Tobler. mit dem unterton des einförmigen: kein wald bringt einen dunklen fleck hervor auf der glatten ... flur M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 7. in ähnlicher vorstellung in obd. mundarten: der himmel ist glatt, 'mit eintönigem regengewölk überzogen' Fischer schwäb. 3, 673; Martin-Lienhart elsäss. 1, 262b. B@7@bb) 'unbeschriftet, ungezeichnet' (vgl. auch o. 4 a ende): zwen wOerfel ..., aus welchen einer mit einem creutzlein verzeichnet wirdt, der ander wird glatt und ungezeichnet gelassen Nigrinus von zauberern (1592) 323; du (Maria) bist das papyr gottes glat, darein gott selber gschriben hat J. G. Tibianus encomia beatae Mariae (1595) h 2b; ich habe ... befunden, dasz Aristoteles ... wohl geschlossen, als er die seele eines menschen einer leeren, unbeschriebenen tafel verglichen, darauf man allerhand notiren könne, und dasz solches alles darumb von dem höchsten schöpfer geschehen sei, damit solche glatte tafel durch fleissige impression und übung gezeichnet ... werde Grimmelshausen Simplicissimus 27 Kögel; zuweilen waren diese krüge glatt und ohne schrift, zuweilen mit wunderlichen heiligen schriftzeichen und sinnbildern der Egipter gezieret Zesen Assenat (1672) 381. 'ungestreift': die dodecaederflächen sind glatt, die prismaflächen gewöhnlich horizontal gestreift, parallel den combinationskanten Oken (1833) 1, 136; man unterscheidet die muskeln als quer gestreifte und glatte Muspratt chemie (1888) 6, 89. [] B@7@cc) webtechnisch, in verschiedener, nicht einheitlicher anwendung, auf farbe, muster oder herstellungsart der verschiedenen zeuge bezogen. glatter sammt, in altem gebrauch wohl 'einfarbig' oder 'ungemustert': 'im Fugg. inv. erscheinen als raiszkleider: schwarze glatt sametne kutten mit gold prämbt' Birlinger augsb. 297a; die prüstle und mützle, mit einem wullin tuoch oder einer halben eln glatten sammat, doch alles unauszgeneet und ungestickt, verpremen lassen Augsb. polizeiordnung (1582) 5; man hat aber nicht allein glatten einfärbigen, sondern auch geblümten vielfärbigen (sammt) Jacobsson (1781) 5, 499b. in speciellem unterschied zu geköpertem sammt: die grundkette bildet mit dem einschusse das bald leinwandartige, bald geköperte gewebe, nach dessen beschaffenheit man die waare in glatten sammt und köpersammt unterscheidet Prechtl (1830) 20, 517. so auch sonst: 'glatte leinwand nennet man diejenige, die nicht gemodelt, auf damasten art gemachet oder gedrucket ist' Marperger beschreibung d. hanffs (1710) 60; 'glatte zeuge ... alle zeuge, die keine blumen oder köper haben, sondern ganz glatt sind, d. i. deren kette mit dem einschlagfaden sich rechtwinklig oder glatt verbindet und der zeug leinwandartig ist' Jacobsson (1781) 2, 114b; sie zeigte mir ... trockene waare (cattun); diese ist immer glatt, ohne streifen und quadrate oder sonst irgend ein abzeichen Göthe 25, 1, 116 W.; glatte artikel (einfarbige stoffe) Karmarsch-Heeren 11, 240. s. u.glattfärben, glattrot, glattschwarz. B@7@dd) 'unverziert', verschieden angewendet. besonders 'ohne spitzen, ohne besatz': ein glatter kragen, ein glattes hals- oder schnupptuch id. est: ohne spitzen Kramer 1 (1700) 528b; da ich einmal von einer reise wieder kam, hatte meine frau allen ihren schmuck und sogar die spitzen verspielt und sasz in glattem weiszeuge da Gottsched schaubühne (1742) 1, 98. 'unziseliert', von metallgefäszen: glatte arbeit, glattes silber - etc. geschirr Kramer 1 (1700) 528c; 'eine glatte dose, welche keine eingegrabene oder ausgetiefte figuren hat' Krünitz (1773) 19, 2; aber den kessel, die schüsseln und mächtigen schalen, die schmucklos wären und glatt, die möge man ohne bedenken dem gieszer lassen zum gusz Mörike (1905) 1, 251 Göschen. ohne verzierung aller art: um das service zu haben, muszt ich auf der fabrick gute worte geben ... sie wollen mir aber eins machen. ich habe ein ganz glattes bestellt Göthe IV 20, 83 W.; alles ist einfach und glatt, nicht schnitzwerk oder vergoldung will man mehr 50, 211 W.; glatt ... schlicht, ohne ornament Mothes baulexicon (1882) 2, 467. B@7@ee) in anderen sachlichen wendungen. glatter pfeil, d. i. ohne widerhaken: duo observanda sunt 1. von hackenpfeilen. 2. von glatten pfeilen Paracelsus chir. (1618) 563; vgl.glatte pfeile corici ... missilia levia, pfeil mit wiederhacken hamata Stieler (1691) 123. hierhin auch ein glat bolcz plumbata (1421) Diefenbach n. gl. 295b ? — glatter text: die verleger halten besondere stücke auf durchaus 'glatten text', d. h. auf text ohne alle ziffern, tabellen, citate, wort- und musiknoten. sie nehmen ein buch mit ganz 'glattem texte' noch einmal so gerne W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 1, x; glatter satz: inschriftkasten ... sind die für den gewöhnlichen oder glatten satz erforderlichen buchstaben ... in fächern vertheilt Karmarsch-Heeren (1877) 2, 125. im geld- und rechnungswesen 'ohne rest'; formelhaft: alle morgen sah er in der zeitung die gewinnummern durch, aber die seine fand er nicht, trotzdem sie unter ihren fünf zahlen drei sieben hatte und mit sieben dividiert glatt aufging Fontane I 6, 312; eine rechenaufgabe, die immer glatt aufgeht Meschendörfer büffelbrunnen (1935) 157; glatt hereinnehmen 'in der börsensprache der verzicht auf einen besonderen kurszuschlag (report) im prolongationsgeschäft, weil die stückzinsen eine genügende vergütung für das geliehene geld darstellen' Brockhaus15 7, 404. mehr umgangssprachlich: glatte rechnung, glattes geld, geld ohne abzüge; [] glatte zensuren, d. h. uneingeschränkte u. ähnl. mundartlich besonders md. bei zahlangaben 'rund': et woren glatt 100 M. rhein. wb. 2, 1257; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423b; se sind glatt 'einander nichts schuldig' rhein. wb. 2, 1257; Albrecht Leipzig. 123b. von diesem gebrauch aus vereinzelt auch anders: e glatter wittmann, sei kinner sinn all grosz un auszem haus Frankfurter mundart 69. B@7@ff) im älteren nhd. gab es noch andere möglichkeiten: frei von befleckung oder beschwerden; körperlich, gesund und glatt, rein und glatt: ich hab kein kranckheit nie gehatt am leib bin ich gesund und glatt W. Spangenberg ausgew. dicht. 310 Martin; (Christus zu einem aussätzigen): so bisz gsund, suber, rein und glatt Joh. Aal tragödia Joannis (1549) o 8b. ähnlich noch: und aussatz schuppte sich mir augenblicklich, wie einem Lazarus, mit ekler rinde ganz um den glatten leib Shakespeare 3, 179; zwage darmit (mit der salbe gegen kopfschmerz), es kuolet, trucknet, macht glatte haupt, stärckt das hirn Wirsung artzneybuch (1588) 34b. in moralischem sinne, 'ohne mangel, ohne fehler': ein jeder mensch ein mangel hat, sonst wern wir all gerecht und glat Petri weiszheit (1604) 2, v 8a; kein lehrer man gefunden hat, der were gewesen gantz rein und glat Lehman floril. polit. (1662) 4, 106. B@88) in beschränktem umfang begegnet glatt wie eben im geläufigsten sinne, auf gröszere flächen bezüglich. B@8@aa) von land- und bodenflächen: aber do ein glat tenne ist, do endarf man nüt denne das man mit einem vederwüsche hie über var Tauler pred. 145 Vetter (s. auch oben A 3 glatter estrich); der platz dazu kann ... glatter sandboden sein Gleim briefw. 2, 204 Körte; man denke sich eine vollkommen glatte ebene, die die erde ... berührte Lichtenberg verm. schr. (1800) 9, 179; weil die stromgefilde keineswegs in einer glatten ebene liegen Peschel völkerkde (1874) 47; wenn die thäler besser ausgefüllt, die flächen (des Apennin) mehr glatt und überspült wären, würde es (das land) Böhmen zu vergleichen seyn Göthe III 1, 314 W. in älterer sprache auch glattes land: es muste die natur ganz werden umbgewand ausz tälern berg gemacht, aus bergen glattes land Opitz poemata (1645) 3, 268. wie heute flaches land: Savigny möchte gerne, noch ehe er in das glatte land kömmt, noch einmal recht die bergketten durchklettern (1810) Bettine an Arnim 369 Steig. nautisch glattes deck 'ein solches deck, dessen planken von vorne bis nach hinten in einer ebene fortlaufen und nur von den luken durchbrochen sind' Bobrik naut. wb. (1850) 233, vgl. dazu glattdeckskorvette. B@8@bb) bei der oberfläche von gewässern, ruhe des beweglichen elementes bezeichnend: das meer was wie der boden glat, den man erst new gepflästert hat Spreng Äneis (1610) 103a. seit dem 18. jh. in festen verbindungen, vorzüglich von stehenden gewässern; häufig mit dem unterton 'glänzend, klar, spiegelnd' (s. o. A 3): düstre fledermäuse schwirren nun dem glatten teiche zu grafen zu Stolberg (1820) 2, 124; ein völlig glatter spiegel ist auf dem Bosporus selten Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 8, 101. kaum noch wankte das rohr, und der see ward glatt wie ein spiegel Voss s. ged. (1802) 1, 69; die pfütze war so ziemlich klar, und alles, was am ufer war, erschien und mahlte sich auf ihrer glatten fläche Lichtwer äsop. fabeln (1748) 71; auch relativ, von ruhiger strömung: ein glatter flusz, worin gebeugte bäume sich spiegeln Wackenroder herzensergiesz. [] (1797) 133; er ginge dabei zuerst die Alz entlang, den stillen, glatten strom Steub wanderungen (1862) 62; und wie ein pfeil flog die leichte barke mit vollem segel über die glatten wellen hin fürst Pückler briefw. (1873) 2, 135. vgl. seemännisch glatte see von völlig ruhigem meer, s. Hoyer-Kreuter 1, 303. in jüngerem poetischem gebrauch gern übertragen (vgl. 1glätten 4 b): nur die fläche bestimmt die kreisenden bahnen des lebens, ist sie glatt, so vergiszt jeder die nahe gefahr Göthe 1, 358 W.; auf der glatten see des lebens G. Keller 3, 63; wunsch und hoffen ertrank, glatt liegt seele und meer Nietzsche 8, 371. B@99) in frühem gebrauch bei verben, seltener substantiven, die gewaltsame lostrennung oder zerstörung ausdrücken, durch die eine glatte fläche entsteht: truncare glet virhauen (15. jh.) Diefenbach gl. 599c. am geläufigsten glatt abhauen: und man im da glatt soll abhouwen den kopf, der im bym arszloch stat H. R. Manuel weinspiel 3795 ndr.; und hieb ihm glatt vom rücken und genick die schulter ab Bürger 160 Bohtz; ähnlich: (ward) ainem, der aller negst bei den herzogen hielt, das haubt mit den eisenhuet glatt auf den achslen abgeschossen Wilwolt v. Schaumburg 76 lit. ver.; mit diesem scharfen steine hab ich sie (die bäume) glatt an der wurzel weggerissen Göthe 39, 205 W.; denn die grünen zweige sind nicht etwa gewaltsam losgewürgt, sondern glatt und sauber, wie mit einem federmesser geschnitten Langbein s. schr. (1835) 31, 14. ostfriesisch: hê snêd de takke so glad of, dat dr gên stummel fan sitten blêf Doornkaat-Koolman 1, 630b. substantivisch: so man den forgemachten corporen mit glatten schnitten ire eck weg nimbt Dürer underweysung (1525) n 4c. oft mit dem nebensinn, dasz nichts mehr da ist, nichts übrig bleibt (von hier aus wohl auch einflusz auf glatt als verstärkungsformel, s. u. C 4 b): nichts als die knochen bleiben, wo er hinkommt, so glat macht er alles Treuer Dädalus (1675) 1, 625; keine rippe konnt ich erlangen, sie wäre denn gänzlich glatt und trocken genagt Göthe 50, 55 W. ähnlich auch mundartlich: glatt weg etn 'alles, was es giebt, essen, ohne kiesig zu sein' Danneil altmärk. 64b; er hat älles glatt sauber ausgeessen Fischer schwäb. 3, 675. vgl. auch: suber und glat gang ich darvon (ein ausgeplünderter) Pamph. Gengenbach gouchmat 371 Gödeke. B@1010) seltener 'gerade, gestreckt', aequus, rectus, zur kennzeichnung einer gestalt, eines umrisses, eines linien- oder führungsverlaufs. vorwiegend optisch empfunden, vgl. aequus eben und glatt Frisius (1556) 32b. B@10@aa) von geradem oder ungebrochenem linienverlauf: wir machen aus dem claren zin kandel, pawchet und auch glat Hans Sachs 22, 268 K.-G. von schiffen, 'anggestreckt, nicht gebaucht': (frz.) gabare, lat. navis ampla magis quam concava, eine art glatter und weiter fahrzeuge Apinus gloss. nov. (1728) 236; die häuserlinie läuft nicht glatt und senkrecht, ein oberstock oder zwei — die gadem — springen über das untere stockwerk vor G. Freytag 18, 125. vom aufrechten gang: glatt einhergehen, andar tirato sulle gambe Kramer 1 (1700) 528c. vom astlosen stamm: enodis ohne knöpff, glatt (enodes trunci) Calepinus VII ling. (1579) 495b; dergleichen bäume, wenn sie schon anderthalb mann hoch, von unten auf glatt und ohne äste sind H. Fr. v. Göcyhausen notabilia venatoris (1741) 53; er hatte den schlanken, glatten wuchs eines bäumchens mit der umfassenden hand verfolgt O. Ludwig 2, 121; bildlich: es ist kein baum so glatt, er hat ein ast (kein mensch ist ohne fehler) Lehman florilegium (1662) 2, 524. glatter rand, im gegensatz zu gezähntem, gezacktem: je nachdem sie (die schuppen) an ihrem hinteren, freien rande glatt oder gezähnt sind, werden sie als rund- oder [] kammschuppen bezeichnet Max v. d. Borne fischzucht (1886) 112; glatträndiges blatt, integerrimum, heiszt dasjenige blatt, welches durchaus einen glatten rand hat Jacobsson (1781) 5, 695b, s. u. glattrandig. ähnlich: einen gewissen gegensatz zur eiche bildet die buche ... durch ihre 'architectur', die gegenüber der zerzausten silhouette des eichbaumes etwas glattes und regelmäsziges hat Wimmer gesch. d. dtsch. bodens (1905) 218; die lichtgränze ihrer (des planeten Venus) phasen ist nie ganz glatt, sondern ... höckerig wie ein gepflügter acker Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 3, 149. B@10@bb) ähnlich, um die enge, dichte lage oder ordnung von körpern zueinander zu bestimmen: wo sich aber der jäger im herabsteigen so glatt und eben an den felsen helt, dasz dem thier gar kein durchgesicht werden mag, so bleibt es stehn Heyden Plinius (1565) 177; der bergmann legte sich oben glatt nieder und sah nach unten (in einen abgrund) Paul Ernst zehn geschichten (1932) 41. fachsprachlich in verschiedenen anwendungen für gleichlaufende führung eng zugeordneter flächen: gang führet einen glatten harnisch, der gute ablosung von gestein in hangenden und liegenden hat A. v. Schönberg berginformation (1693) 2, 34; glatter harnisch des ganges 'ist ein glattes saalband (s. teil 8, 1683 salband 2) des ganges, das sich von dem gestein ablöset und nicht angewachsen ist' bergmänn. wb. (1778) 231; glatt anstechen ... heiszt, wenn man zwei leinwande, um sie an der stelle zu befestigen, füttert. man sticht, ehe man sie annähet, in verschiedenen reihen, mit groszen vorderstichen glatt an; das glatt angestochene bleibt Jacobsson (1781) 5, 694a. bei fugenloser dichte: 'glatte mosaik heiszt diejenige mosaik, deren einzelne körper dicht, ohne fugen, aneinanderstoszen' Bucher kunstgewerbe (1884) 155b. CC. die anwendung von glatt planus auf straszen und wege, die gleichmäszig eben sind und die man daher gut betreten, ungehindert beschreiten kann (s. u. 1), hat schon früh (seit dem 15. jh. belegbar) einen adverbialen gebrauch von glatt entstehen lassen, der, besonders in der umgangssprache und mundart weit verbreitet, sich namentlich in der vielfach abgestuften übertragenen verwendung zu eigener, meist formelhaft abgegriffener bedeutung selbständig entwickelt und in jüngerer sprache (seit dem 18. jh.) wieder auf den nominalen gebrauch zurückwirkt. teilweise kreuzen auch die anwendungen von B 1 und 2 sowie B 9 in diesen anwendungsbereich hinein, s. u. sp. 7724, 7725, 7726. C@11) als attribut neben strazse, weg, pfad, eigentlich und bildlich (s. u. glatteben): nu gie ain lantstrazze glat von dem dorf und ain phat Laszberg liedersaal 2, 613; ist den werckleuten bevolhen worden, alles, was under den füszen lag, hinweg zu raumen und den weg glat zu machen Xylander Polybius (1574) 419; auf glatten heerstraszen Göthe 25, 183 W.; ich kam daher auf glatten wegen, und jetzt steht mir geröll entgegen derselbe 15, 145 W.; in den wäldern waren nirgend glatte pfade für die zeugstiefeln der städter gebahnt G. Freytag (1886) 6, 42. auch bildlich früh entwickelt: der weg (zur hölle) stat offen nacht und tag und ist gar breit, glatt, wolgebant Seb. Brant narrenschiff 49 Zarncke; das auszerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem wege Göthe 20, 116 W.; 'nun ja', fuhr der mann fort, 'so seid ihr nun kindisch, ihr wünscht und wollt, aber alles soll auf gleichem glatten wege bleiben' E. T. A. Hoffmann 1, 272 Gr. daher dann von gleichmäszig ebener oder unbehinderter bewegung, in adverbieller und nominaler verbindung: desselben gleichen ein rauber, so er rauben wil, schleicht er glat daher Petrarcas trostbücher (1551) 20b; die erlesenen rosse heiszen und reinen blutes stürmten mit so glatter bewegung über die ebene hin, dasz jeder der reiter einen gefüllten becher auf der hand hätte tragen [] können, ohne einen tropfen zu verschütten Albr. Schäffer prisma (1926) 509; sodasz sie beide den rädern (des zuges) zuhören muszten, die, von einer schiene zur andern ratternd, nicht glatt dahinrollen konnten W. Schäfer wendekreis neuer anekdoten (1937) 233; wenn du die kluge fürsorge deiner mutter gehabt hättest und wärst so eben und glatt in die naturwissenschaften geraten: dann wäre dein leben richtiger verlaufen Frenssen Jörn Uhl (1902) 523; wie man geschmeidig das gewissen macht, dasz es die lästge fessel des versprechens glatt von sich streife Wildenbruch Karolinger18 11. C@22) aus der zu 1 gehörenden vorstellung ungehinderter bewegung leitet sich schon seit ende des 15. jhs. ein zur redensart drängender übertragener gebrauch ab, in dem glatt ganz allgemein den normalen, günstigen, ungehemmten verlauf oder abschlusz von vorgängen oder handlungen bezeichnet: etwas geht glatt (ab), glatt von statten u. ähnl.: und solt darumb nit aufhören, das es nit also glat dargeet, als du mainest, es dir geen solt Geiler v. Keisersberg has im pfeffer (1502) b 1a; ob ich schon etwan die geistlichen oder weltlichen angetast, so ist es doch nur zu schimpf ... beschehen, ... und geht so glat und wol ab, das man sein billich lachen und darumb nit zürnen sol Jac. Frey gartengesellsch. 7 Bolte; wir haben uns zu früh gefreut, und bis jetzt ging alles so glatt Ernst Jünger wäldchen 125 (1928) 11; dann im alle seine reden, thuon und lassen so glatt von statt gangen, als werf er es mit würfeln herausz Lindener rastbüchlein 30 lit. ver.; schon hier müssen wir uns wundern, dasz die sache so glatt ablief D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 317. häufig zweigliedrig: so aber das regiment nit für faret so gladt und hübsch, wie das fleisch gemeint hat, so falt er auch ab Eberlin v. Günzburg 2, 156 ndr.; aber es ging alles ohne störung und glatt und rasch von statten Hans Grimm volk ohne raum 1, 226; ... während alles andere glatt und gut ging Fontane I 6, 391; (im 11. jh.) verlief auch der geistlichen männer leben nicht so glatt und friedlich Scheffel ges. werke (1907) 3, 159. auch lockerer und in andern verbindungen, namentlich in jüngerer und jüngster sprache: eh ich mich gefaszt hätte, wollt ich nichts sagen: denn ich war über die gehäuften übel doch ein wenig auseinander. nun aber gehts wieder ins klare und glatte Göthe in: briefwechsel zw. Göthe u. Zelter 2, 297. geläufig: glatt machen, in ordnung bringen: morgen wird alles vor notar und gericht glatt gemacht G. Freytag (1886) 7, 253; am sonnabend wird dann alles 'glatt gemacht' J. Schlaf stille welten (1899) 71. ähnlich wohl schon: die sach wolt mich nit dunken glat (d. h. ich glaubte an eine schuld der angeklagten Susanna) Sixt. Birck in: schweiz. schausp. 2, 73 Bächtold. glatt sein in ordnung sein: das nächste mal ist sicher alles glatt Hans Grimm südafr. novellen (1921) 48; nach den bisherigen erfahrungen ... möchte ich nicht, dasz irgendwie ... der eindruck entstünde, als sei nunmehr alles glatt und klar, als hätten wir den frieden mit Ruszland in der tasche amtl. kriegsdepeschen 20. 2. 1918. so namentlich auch mundartlich, z. b. schweiz. id. 2, 653; Albrecht Leipzig. 123b; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 630b. jüngerer sprache sehr geläufig, 'ohne unfall, ohne störenden zwischenfall': die reise in die neue heilstätte vollzog sich glatt K. Bröger d. unbekannte soldat (1917) 92; sie atmete erleichtert auf, die klippe des eigenen erzählens so glatt umschifft zu haben Sudermann das hohe lied (1909) 433; aber der (ein engel) hätte mich kaum so glatt über dies hindernis gebracht, wenn ich meiner glieder nicht mehr mächtig gewesen wäre W. Schäfer 45; in: ausritt 1937/38 almanach Langen-Müller. die blätter erhalten von informierter seite eine mitteilung, in welcher festgestellt wird, dasz die waffenstreckung in Montenegro ganz glatt durchgeführt ist amtl. kriegsdepeschen 25. 1. 1916; dasz wir auch den Tungdalus ganz glatt fertig gekriegt, hab ich ihnen wohl schon geschrieben [] Müllenhoff an Scherer, briefwechsel 19; in fester sachbeziehung, adverbial und attributiv: glatt landen, glatte landung im flugwesen; glatt verlaufen, glatter verlauf bei krankheiten; glatte geburt u. s. f.; sei wiren taufreden mit den glatten rundgang von de geldgeschäften Fr. Reuter 2, 359 Seelmann. damit vergleichbar ist die anwendung auf die einfachste art zu stricken: die glatte masche, auch rechte masche genannt, ist die leichteste Dillmont weibl. handarb. 237; dazu glatt stricken, d. h. rechts, ohne den wechsel rechter und linker maschen stricken, vgl. Fischer schwäb. 3, 673; Betcke königsberg. 60. auch zur bezeichnung lückenlosen fortgangs: ich habe ... die lücken ... wieder zusammengefügt und übermalt, so dasz es jetzt ein interessantes, glatt hintereinander weggehendes stück ... geworden Göthe IV 28, 6 W. vgl. glatter anschlusz in der verkehrssprache. C@33) auf geistiges gebiet erweitert. von flüssiger sprechweise, flieszender rede, in formelhaften verbindungen: denn welch ein lob flieszt von den lippen groszer leute wohl glatter herunter, als das auf kosten eines dritten? Herder 3, 7 S.; die welsche sprache glitt glatt über seine zunge Fr. L. Jahn 1, 505 Euler; wir hatten unsere rollen gut gelernt, und die worte flossen uns glatt von den lippen A. Winnig frührot (1926) 205; keine brachte es (das schwierige sprüchlein) zum dritten oder vierten mal glatt aus dem mund; dadurch gab es viel lachen Mörike (1878) 2, 151 Göschen. seit dem späteren 18. jh. im bereich der neuen kunstkritischen sprache, von ebenmäsziger, zierlicher formgestaltung, die sich leicht und ohne stockung vermittelt, doch kreuzt hier auch die an B 1 und 2 anknüpfende, im bereich 1 glätte 4 a und 1glätten 2 d α allein herrschende vorstellung des gerundeten und gefeilten hinein, die im einzelfall auch primär sein kann: der übergang davon (von der einleitung) zur erzählung selbst sei eben und glatt literaturbriefe 20 (1764) 43; alles, was diese epoche geschaffen hat, ist glatter, fehlerfreier ... als die schöpfungen des sechsten jahrhunderts Mommsen m. gesch. (1874) 2, 461; die übersetzung ist sehr glücklich geraten, sie liest sich gut und glatt Göthe IV 39, 30 W.; α gibt den glattesten und eingängigsten text, aber diese glätte hat Bernt getäuscht, ... dem ackermanndichter kam es nicht so sehr auf gefälligkeit und gefügigkeit des stils an Arthur Hübner z. überlief. d. ackermann in: sitzungsber. d. preusz. akad. d. wissensch. (1937) 8, 28. von flusz und diction poetischer rede: der glättere vortrag, den wir bald stufenmäszig in Neukirchs, Günthers, Hagedorns lyrischen liedern antreffen, ging nur von ihm (Hoffmannswaldau) aus Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 433; der glatte und graciöse dialog, der zündende witz, ... vor allem aber die streng sittliche tendenz sind vorzüge Bauernfelds jahrb. d. Grillparzerges. (1890 ff.) 5, xiv; ich kennte heutzutage keinen, der so glatt weg, in einem strome, ohne seitensprünge und episoden zu erzählen wüste wie er Müllenhoff an Scherer, briefw. 76 Leitzm. glatte verse im gegensatz zu holperig, holpricht (s. dort, doch auch B 1 unter glatt und rund): (eine) geschichte, welche ... Konrad von Würzburg in glatte mittelhochdeutsche verse gebracht hat Scherer lit.-gesch. 80. von der leichten, gewandten, zierlichen ausführung in der bildenden kunst: man fordert nicht von denselben (kopien zu übungszwecken), dasz sie grosze wirkung thun oder durch glatte ausführung dem auge schmeicheln Göthe 47, 250 W.; hier schick ich meiner Lotte das landschäftgen um etwas glätter zurück Göthe IV 6, 153 W.; doch spielt der zu E 3 gehörige negative unterton gelegentlich schon hinein: die genauere prüfung, welche ich (O. Jahn) mit dem spiegel von Arkadien und Soliman II (von Süszmayr) ... angestellt habe ..., hat mich eine leichte, aber oberflächliche erfindung, eine gewandte und glatte factur ... bei ihm finden lassen O. Jahn Mozart 4, 732. an die vorstellung ungestörten, unbehinderten verlaufs knüpft vielleicht auch das meistersingerliche glatt singen für 'fehlerloses singen' an: so die hauptlieder glat und gut gesungen Puschman meistergesang 30 ndr.; glatt [] singen nennet man, wann in dem singen nichts kann getadelt werden Wagenseil meistersinger (1697) 532; 544. C@44) anders gewandt begegnet glatt in verbalen, seltener nominalen verbindungen, in denen es etwa von der bedeutung 'ohne bedenken', 'ohne weiteres' bis zur bloszen verstärkungsformel und zur floskel reicht. dieser gebrauch setzt im 15. jh. noch zögernd, im 16. jh. mit breitem ansatz ein. in einigen anwendungen verkümmert er später, in anderen wuchert er in den mundarten und in niederen schichten gerade der jüngeren sprache fast ungehemmt. C@4@aa) 'ohne weiteres', 'ohne bedenken', 'kurzerhand'; zufrühst als übersetzung für plane, planissime: und (sie) lebend also schlecht und glat (quasi plane) in den tag H. Österreicher Columella 1, 177 lit. ver.; nemlich von wegen dynes flys ist mir die sach aller glättest zu der wyd gedihen (opera tua ad restim res redit mihi quidem planissime) Terenz deutsch (1499) 134b; da ist erkant worden unter allen knechten, keiner wider die pauren zuo ziehen, ... und der hauptmann von Memingen ist glat hinweg abzogen mit seinen knechten (1525) quellen z. gesch. d. bauernkrieges i. Oberschwaben 1, 618 lit. ver.; so brach doch könig Frotho seine schimpfliche handlung glatt ab Lohenstein Arminius (1689) 2, 894b; die einzige verdammte redensart hob ihn glatt aus dem sattel Joh. Jac. Engel schr. (1801) 1, 95; sie (unsere regierung) ging ganz glatt in die ihr vom bolschewismus gestellte schlinge Ludendorff kriegserinn. (1919) 530. 'ungehindert': ist aber die frage, die er (der gesetzentwurf) betrifft, dringend, so liegt die gefahr vor, dasz auch ministerieller unsinn glatt durch die parlamentarischen stadien geht Bismarck ged. u. erinner. 2, 302. 'anstandslos': er liesse sich glatt an seinem sold genügen Grimmelshausen 1, 341 Keller; was von den kaisern nur die kirche hat jemals verlangt, bewillige ich glatt Paul Ernst kaiserbuch (1928) 3, 2, 102. 'unbedenklich': in diesem augenblick hätte ich jeden von ihnen glatt umgebracht Meschendörfer stadt im osten (1933) 13. am geläufigsten: glatt heraussagen u. ä., d. h. 'freiheraus', 'rundheraus', 'ohne umschweife oder rückhalt' reden: und sonst in anzeygen ir schand fry glatt H. R. Manuel weinspiel v. 3647 ndr.; die jungkfraw sagt frey ausz her glat: ich hett es warlich auch nicht gesprochen solt mich der herr drumb han erstochen M. Montanus schwankb. 556 Bolte; do sagt ich im eben glatt raus, erzält im die geschicht nach und nach Herold Diodor (1554) 239; höre Paszquill, wie kochestu den brei im munde und sagst es nicht glatt herausz, wie dirs im hertzen sitzt Jac. Böhme apologien (1682) 239; wenn ich von hier gebracht, will ich mein elend ihm ohn umschweiff glatt auslegen A. Gryphius (1698) 1, 236 (Cardenio); es mag zu den militärischen gepflogenheiten gehören, das so glatt und trocken herauszusagen Ernst Jünger wäldchen 125 (1928) 72. so auch mundartlich, z. b. a glatter mensch ein offener mensch, der frisch weg spricht Lexer kärnt. 115; (diese äuszerungen) müssen sie mir nicht übel nehmen; ich bin ein glatter mann Nestroy 2, 167; derb: die frau hebam hat mirs aber ratt und glatt in dfressn gsagt Joh. Joach. Schwabe tintenfässl (1745) 56 (vgl.ratt und glatt bei Schmeller-Fr. 1, 978). vgl. in jüngerer umgangssprache: das hab ich ihm glatt ins gesicht gesagt u. ähnl. gelegentlich anders, auf der grundlage von B 1, zuständlich gesehen, so vor allem in synonymischer verbindung mit klar und heiter, auch rund, 'mit deutlichen, klaren worten sagen', vgl. heiter 5 und 6, klar 10 e: planiloquus glatt und heiter oder rund auszhin sagen Frisius (1556) 1010b; der frey heiter oder glatt herausredet Calepinus XI ling. (1598) 1100b; das wort (eines treueides) ist gantz clar, rund und glatt M. Frywalt preusz. gesch. (1578) c 4b; [] ähnlich auch: in meinem letzten briefe steht schon, was ich hier mit glatten worten rundheraus wiederholen will Chamisso w. (1836) 6, 20. (über die sonst in anderm sinne gebräuchliche formel glatte worte sieh unten E 1 a, b). in obd. und md. mundarten noch in andern tönungen lebendig: 'gerade, geradezu': glatt wie gerade wie Fischer schwäb. 3, 675; Schmeller-Fr. bair. 1, 977; glat dat gerade das Kramer Bistritz. 35; Haltrich siebenbürg. 43b. auch als zeitbegriff, in verschiedenen richtungen. 'soeben': glatt ist er wekgang (in diesem augenblicke) Lexer kärnt. 115; Schmid schwäb. 232. 'gleich, sofort': Hertel Thür. 107; Hentrich Eichsfeld 104. als einschränkender maszbegriff 'fast': ich sin glôd reit 'ich bin beinah fertig' Crecelius oberhess. 423. 'ziemlich': glatt feinster 'ziemlich dunkel' Martin-Lienhart elsäss. 1, 263a. 'eben noch, knapp': e äs glat derfu ku 'er ist gerade noch, also knapp davongekommen' Kramer Bistritz. 35; Unger-Khull steir. 293b; glatt so got 'eben gut' rhein. wb. 2, 1258. C@4@bb) namentlich in der verbindung mit verben, die zurückweisung und ablehnung ausdrücken, nähert sich die bedeutung 'ohne weiteres, kurzweg, rundweg' einem bloszen verstärkungswort, so in der wohl auch von B 9 beeinfluszten formel glatt abschlagen, die schon im 16. jh. sehr häufig belegt ist: das (ansuchen) sie glat abgeschlagen (1527) polit. corresp. d. stadt Straszburg 1, 280; das habe ich ihme glatt abgeschlagen Dürer nachlasz 57 Lange; praecise negare glatt und rund abschlahen Frisius (1556) 1034; glatt abschlagen plane praecidere, praecise negare Stieler (1691) 663; nun aber kömmt er vor des Lazari thür und bittet um ein tröpflein wassers zu seiner erquickung: aber es wird ihm glatt abgeschlagen M. Möller evangelien (1729) 516a. ähnlich: er stritt ihr die erbsünde im theologischen sinn glatt ab Hippel lebensläufe 4, 189; ich lehnte sie (die gewerkschaft) selbstverständlich glatt ab Adolf Hitler mein kampf 48; dein mann ist erst gewest bei mir und hat mir glat das hauss verbotten Hans Sachs 17, 189 K.-G.; a. (15)36 is de vastelavent glat vorbaden Hamburg. chron. 105 Lappenberg; also dat de reise dat jar glat angegeven (aufgegeben) word ebda 110; kein lieb den irrenden ... zu underweisen, nur glatt zu verdammen geneigt und geflissen Luther 23, 454 W. in jüngerer sprache als verstärkungswort, mit dem nebensinn 'dreist, unverfroren, skrupellos', bei anderen negativ betonten verben: höret an das protokoll voll schanden, wies die garstge beim verhöre glatt weggelogen Schiller 1, 188 G.; die amtliche russische nachricht, dasz die generale v. Liebert und v. Pannewitz in Ostpreuszen gefangen genommen worden seien, ist glatt erfunden amtl. kriegsdepeschen 24. 11. 1914. vgl.: das ist glatt gelogen, eine glatte lüge u. ähnl. schon früh auch als einfache verstärkungsformel im sinne von 'ganz und gar', 'durchaus', 'vollständig', 'restlos', aber auch hier bis in den jungen gebrauch hinein vorwiegend bei irgendwie negativ gerichteten verben: in disem jar (1517) wuchs gar kain payrisch wein von wintergfrür, und was den winter gleich auskam, erfrur im maien glatt dtsche städtechron. 15, 30 (Regensburg); gern bei abstracten verben: so moste de gansse kerken dar umme in dem banne sin unde glat swigen Schiller - Lübben 2, 117b; glat vorgethen ebda, vgl. in der heutigen umgangssprache: das hab ich glatt vergessen; er muste mir glatt parirn Grimmelshausen Courage 93 ndr. in bestimmten wendungen wurzelt das verstärkende moment in der vorstellung gewaltsamer zerstörung (vgl.B 9): kam ein feur ausz ... bran das zimer oben glatt hinwegk dtsche städtechron. 15, 176 (Regensburg), sieh unten glattweg 1; Harborch brande glat up Hamburg. chron. 119 Lappenberg; diese ortschaft ist ziemlich glatt vom boden gefegt, sodasz auszer den substructionen wenig mehr vorhanden ist Sachau reise in Syrien (1883) 188; dann [] sei auch aus meinem herzen, glatt aus meinem gedächtnisse weggewischt maler Müller 3, 92; sie ist verschwunden! glatt aus meinem herzen verschwunden Göthe 11, 52 W. auch zweigliedrig, in synonymischer verbindung mit sauber, rein, schön u. ä., wohl unter mundartlichem einflusz (s. u.) und namentlich in älterem gebrauch: so sollte ein frommer mensch ... der zauberischen segen sauber und glatt müszig stehen Widmann Fausts leben 93 Keller; verderbet sie (die sünde) den menschen sauber und glat in grund hinein Gretter erklärung d. epist. Pauli a. d. Römer (1566) 255; es wäre mir ... ungelegen, wenn mir meine mundirung rein und glatt zu schanden würde Stoppe Parnasz (1735) 523; denn muosz er dantzen, was ich pfiff, den rymen kan ich glatt und stiff Joh. Aal tragöd. Joannis (1549) s 2a; bis wir so ganz glatt und eben aus jedem punkt zusammenpassen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 219. — auf dem gesamtgebiet der mundarten ist das adverbiale glatt in diesem sinne beliebig verwendbar, z. b. Lexer kärnt. 115; Fischer schwäb. 3, 675; Pfister nachtr. 79; Danneil altmärk. 64b; Mi Mecklenb. 27a. synonymisch verstärkt: suber und glatt schweiz. id. 2, 653; glatt eben voll ganz voll ebda; Fischer schwäb. 3, 674; 'oft wird dieses glatt noch zu einem verstärkenden schön gefügt' Crecelius oberhess. 423; manst, die zwa ... schuldenmächer, durchgegange sind se heut nachts glatt und schön mit alles maler Müller 2, 31. im md. auch als verstärkungswort beim adjectiv: glatt (ganz) rote haare (Pfalz, Coblenz) v. Klein provinzialwb. 1, 149; es lag tiefer schnee, und der weg ging glatt (sehr) bös Bindwald oberhess. sagenb. 48; hinte is recht glatt warm drauszen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423b. auch in der neueren umgangssprache beliebig erweitert: ich schlief glatt dreizehn stunden hintereinander kriegsbr. gefall. stud. (1928) 105. — auch die in jüngerem gebrauch entwickelte attributive verwendung von glatt für 'völlig, gänzlich', vornehmlich beim irgendwie negativen begriff, neigt eher zur umgangssprache oder zum mundartlichen: lieber glatte unwissenheit statt solches holen unsinns Herder 6, 82 S.; das is ja eine glatte unmöglichkeit Nestroy 6, 106; vgl.: glatte verdrehung, glatter rechtsbruch, glatte niederlage, jedoch auch glatter sieg u. s. w. ebenso mundartlich, z. b.: du bist a glatter tölpel ein wahrer narr Lexer kärnt. 115; du bist en glatter grobian Schmeller-Fr. bair. 1, 977 u. s. f.schriftsprachlich auf das 16. jh. beschränkt bleibt ein häufiger adverbialer gebrauch zur verstärkung der einfachen negation, im sinne von 'durchaus': nun darfest du dich doch glat nit vor im besorgen Wickram 2, 395 Bolte; darzuo wOelte sein adel ... sOelches glatt nicht leyden Stumpf Schweizerchron. (1606) 597b; wir (meinen nicht) in disem unserem schreiben den recht gesunden menschen, dem glat nichts felet oder gebrist Ryff gesundheit (1544) b b 1b vorr.; und dorft vor viertzehen jaren glat kein knab nicht kommen in die stat Hans Sachs 7, 402 K. mundartlich weithin noch lebendig, z. b.: glat net, glat neischt 'gar nicht, gar nichts' Gangler Luxemb. 147; rhein. wb. 2, 1258; Fischer schwäb. 3, 67; schweiz. id. 2, 653. C@4@cc) zum flickwort verblaszt, meist im reim, bei schriftstellern des 16. jhs., namentlich Hans Sachs, überaus häufig: vor groszer lieb und freundschaft glat, die es (das einhorn) zu reyner keuschheit hat Hans Sachs 16, 497 K.-G.; wann der herr kan vergelten glat, wie ein ieder verdienet hat ebda 19, 46; bis sie (die glieder) zu kaufn an allem ort verbringen, was an werck und wort der leib mit seinem geiste glat gewis zu thun beschlossen hat Ringwaldt lauter warheit (1597) 145. DD. glatt in der bedeutung 'schlüpfrig', lubricus. seit dem späten 13. jh. bezeugt, vielleicht unmittelbar aus A nitidus entwickelt, vgl. schon frühmhd. gleti vom eise (12. jh.) und den auf mnd. boden geltenden vorrang der bedeutung [] lubricus vor planus (s. Schiller-Lübben 2, 117b, vgl. auch afries. gled glatt, vom eise Richthofen afries. wb. 776a, mnl. glad schlüpfrig Verwijs-Verdam 2, 1988). — glatt im sinne von schlüpfrig setzt weithin den sachlichen tatbestand von B eben voraus, bewahrt aber durchaus selbständigen gebrauch, für den die vorstellungen des ausgleitens, des entgleitens oder auch die der leichten gleitfähigkeit bestimmend sind. D@11) als eigenschaft des bodens, auf dem der fusz leicht ausgleitet, insbesondere des vereisten oder feucht-glitschigen: D@1@aa) eigentlich: ir berc was îsec unde glat, man mohte dar an nicht bestên livländ. reimchron. 11056; freier: (sie) hant vil kumbers hie erlitten in der welte nach menschen sitten, mengen glatten winter mit froste Hugo v. Langenstein Martina 637; glattes eis, s. auch glatteis 2: wan es war hart und glat eisz one schne, auf welchem die knechte den pferden nachliefen und sich todt fielen auf dem eise S. Grunau preusz. chron. 1, 502 Perlbach; vielleicht beschäch im drauf ein schad, dieweil das eis ist also glatt Teuerdank 70 Gödeke; so in vielen verbindungen: du wirst noch hals und bein brechen, ... wo jetzt so viel glatte stellen am berg sind vom schmelzenden schnee Bettine Günderode (1840) 2, 82; abend ... brach ... Moritz ... auf dem glatten pflaster ... den arm Göthe IV 8, 79 W.; endlich glitten wir aus auf den glatten nadeln, welche den boden bedeckten G. Keller 1, 157; nachdem ich die erste schwindelbesorgnis auf dem glatten parket des weiszen saales überwunden hatte, tanzte ich mit vergnügen Bismarck ged. u. erinn. 1, 102. formelhaft es ist glatt: es ist auf dem eyse glatt und man fellet leichtlich J. Agricola sprichw. (1534) f 8a; dann sie (die ochsen) fallen leichtlich, wanns glatt ist viehbüchlein (1667) 14; die pferde sind wohl und beklagen, dasz es so glatt ist, dasz sie nicht heraus können Moltke ges. schr. (1892) 6, 170; da ist glatt und schlüpfrich, wer da geht, fällt schneller Hippel lebensläufe (1778) 2, 576. glatt werden: der enge fuszsteig war durch den regen äuszerst glatt geworden Eichendorff (1864) 2, 210. auch vom leicht ausgleitenden fusz: glücke steht auf glattem fusz P. Fleming dtsche ged. 1, 85 Lapp. vgl.glatte schuhe, glatte sohlen. D@1@bb) in bildlicher umschreibung für religiöse versuchung, sittliche gefahr; in der frühesten bezeugung auch in direkter übertragung, vom menschen, der zum bösen neigt: glatter, glipferiger, lasterper, unrainer ... ad mala labilis vel pronus vocabul. theuton. (1482) 80a. im übrigen figürlich: der (Luther) ... nun durch solchen schein ... uns uf das gladt eis füren gedenckt Karlstadt bei Luther 18, 89 W. (s. auch glatteis 3); hie (im religiösen hochmut) ist furwar ein glad schlupfericher stand Luther 7, 555 W.; uber ander lüt regieren, ist ein grosz und glatt (das ist sorglich) ding Leo Jud von worem u. valschem glauben (1526) l 2a; glat, lubricus, glitschicht ... lubrica adolescentia Er. Alberus (1540) l l 4b; sind lüste dieser welt der menschen ärgste feinde, was tritt der freche fusz noch auf die glatte bahn? J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 877. er hat sich auf den gebohnten glatten boden der heutigen welt verlocken lassen Pückler briefw. u. tagebücher (1873) 3, 113. substantiviert: wenn dein verhängnüsz mich liesz auf dem glatten wanken, hilf gott, was würden sie nicht haben für gedancken P. Fleming teutsche poem. (1642) 19. speciell im bereiche des hoflebens, der intrige: hohe empter sind ein schlipferiger glatter orth, da man gar leichtlich gleiten und fallen kan Petri weiszheit (1604) 2, I i 3a; höre, Mortimer! es ist ein schlüpfrig glatter grund, auf den du dich begeben. lockend ist die gunst der könige, nach ehre geizt die jugend Schiller 12, 469 G.; [] so war alles zu wetten, dasz er (Schubart) auf dem glatten Ludwigsburger parkettboden gar fallen muszte D. Fr. Strausz w. 8, 147; des thrones glatte schwelle, wie selbstbewuszt, wie fest betrittst du sie Platen 1, 187 Redlich. D@22) als merkmal für alles, was der hand leicht entgleitet, was nicht zu fassen ist, namentlich von körpern mit feuchtschlüpfriger oberfläche. eigentlich und bildlich reich entwickelt: labilis glat. glidelich (15. jh.) Diefenbach gl. 314a. D@2@aa) von der haut der fische, allgemein (s. o. B 1 b): erfreut euch all ihr flüss! erfreu dich hohes mer, mit deinem wunder volk und glatten schupenhör Rompler v. Löwenhalt reimgetichte (1647) 24; sein wort ging aus: da lebten die luft und das meer; der glatte fisch, der leichte vogel schwebten unbegreiflich daher Kretschmann (1784) 2, 61. D@2@bb) besonders vom aal: aal, der schlüpferige, gleichgeschlangte, schlangengleiche, waltzigte, glatte, schuppenlose Treuer Dädalus (1675) 1, 1. meist, und schon früh, bildlich: (die weltweisheit) ein glatten aal beim schwanz kan halten und in vier teil ein härlin spalten Burkh. Waldis streitged. 30 ndr.; wir sind ölig, glatt und hell (d. i. hähl) wie die ael, truckt mans, so wischts aus, schlieszt mans, so glitschts aus Fischart Gargantua 323 ndr. redensartlich (s. auch E 1 a u. 2): er ist so glatt wie ein aal Körte sprichw. 1. D@2@cc) ähnlich von der schlange: du bist ene slengende slange unde makest mennigerlye spyse dines gladen bukes Lübeck. passional (1499) 148c; gleichwie eine schlange eine glatte haut hat und einem durch die hände wischet Luther tischreden 1, 54 W.; uneingedenk, wie doch seine (des glückes) flosfedern so schärtig und spitzig, und seine gantze haut glätter als eine slange und aal sey Schottel friedenssieg 9 ndr. von der schnecke: der mon erfüllt zu seiner zeit die glatten schnecken weit und breit Huldr. Frölich v. Plawen offenbarung d. natur (1591) 257; bei der schlange auch mit anspielung auf die geschmeidige beweglichkeit des tieres: siehe, da kroch ein kleines, glattes schlänglein zwischen dem reisig hervor Jac. Grimm kl. schr. 2, 227; und um des helden bein und arm da schnürte sichs dort und hier, es legte sich über die wunden warm das glatte kalte getier (schlangen) Strachwitz ged.8 241. so auch bildlich, meist mit dem für E 1 a und 2 geltenden nebensinn heimtückischer geschmeidigkeit: zu letst ... belegert uns der glatt schlipferig schlang, der tüfel Joh. Adelphus enchirid. d. Erasmus (1521) 2; die leute ziehen jetzt die glatten schlangenbälge über ihren eigenen balg, um nur recht unbeschadet durchs leben durchkriechen zu können Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 274; ein geier ist der krieg, herzblut ist sein verlangen; die seuche, still und glatt, ist vom geschlecht der schlangen. wo diese schlange schleicht, fliegt ihr voran das grauen Lenau 147 Barthel. vereinzelt und occasionell in ähnlicher vorstellung von der zunge: is de tunge aldus (in lippen und zähnen) beslaten, nochtan is se also glat, listich unde kloeck, dat se beide dusse slote kan dorbreken Joh. Veghe im histor. jahrbuch d. Görresgesellsch. 6, 364. D@2@dd) gegenständlich: (der geselle) hebet einen becher auf, ihr (der jungfrau) einen zu bringen, war der becher etwas glat, entfellet ihm aus der hand B. Hertzog schiltwache a 7; er holte noch eine nicht völlig glatte stange, woran man sich festhalten konnte Heinse 5, 368 Schüdd.; Reinald wollte hinauf klettern, aber der stamm war zu dick und glatt, dreimal versuchte ers, aber umsonst kinder- u. hausm. (1812) 1, 376. glatter fels (doch vgl. B 7 a), 'unbesteigbarer, unzugänglicher': so man dises thier (den steinbock) jagt, steigen ihm die jäger nach und [] treiben es bis etwan an einen uberhohen glatten felsen, da es nicht entkommen noch uberausz springen mag Heyden Plinius (1565) 277; da stieg er an dem steine empor und suchte sich an dem glatten felsen mit füszen und händen zu halten Stifter (1901) 5, 1, 277; aber so glatt strebt der felsen an, dasz kaum finger und eisenzinken an ihm finden, woran sich festzukrallen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 406. übertragen glattes glück: das rund, glatt ... glück Thurneysser alchymia (1583) vorrede 2; und das glück, treulos und immer glatt, es entgleitet den gatten, eh sich wandelt der rausch in scham Jos. Weinheber adel u. untergang (1934) 101. D@33) als attribut fettiger oder flüssiger stoffe, die leicht gleiten, gleitfähig machen oder glätten, vgl. labefacere glat, glich, gleich, glidende, glitten machen bei Diefenbach gl. 313b. D@3@aa) in verschiedenen anwendungen: sô welzt si (die schlange) sich in ainem glaten laim, daz si dester paz durch des selben tiers maul geslupfen müg Konrad v. Megenberg buch d. nat. 273 Pf. vom öl (s. auch A 2): der (der flusz Titaresios) in Peneios flut hinrollt ein schönes gewässer, aber sich nie einmischt in Peneios silbergestrudel, sondern wie glattes öl auf der oberen welle hinabrinnt Voss Ilias (1821) 63. meist bildlich: ich will hinfüro mehr ich selber seyn, mächtig und furchtbar, mehr als meine art, die glatt wie öl und weich wie flaum gewesen Shakespeare 6, 25; frauenlob ist glatt wie öl in der männer munde; aber wie essig scharf und beizend auf der weiblichen zunge Musäus volksm. (1826) 4, 104. mit anspielung auf B 8 b glatte see: Talleyrand war gleichsam bestimmt, wie glattes öl die anarchischen wogen der revolution zu beruhigen Gutzkow ges. w. (1872) 9, 24. vom wein: dann ist er (der wein) am ersten rauch und saur, so gibt es guten trost (wein), aber wenn er weich und glat ist, so ists ein bOeses zeychen Michael Herr der feldbau (1551) 105b. poetisch: und fahren mit dem glatten weine einmal wieder in das mondbeschienene unterland A. v. Arnim 7, 45; je glätter der Burgunder flosz Schiller 3, 173 G. (s. auch b). daher auch glatte kehle u. ähnl.: 'erzähle, erzähle, jungfer Rose, die geschichte!' baten alle; sie aber trank bedeutend viel wein, damit sie eine glatte kehle bekam Hauff s. w. (1890) 2, 300; will zuvor ein'n schluck thun, dasz mir der hals ein bischen glätter wird maler Müller 1, 168. vgl. auch: so kumpt denn jungfrau pfladergeut mit irer glaten smyr und macht uns geng das under loch und auch des magen tur fastnachtsp. 1105 Keller; er (der bettler) sagt unverholen, was man ihm geben soll, nemblich wann kein geld kompt, speck, butter, eyer und anders, das einen glatten stulgang macht des ... wiedererstandenen Simplicissimi ... staatskram (1684) 138; der vater hat in der hochzeitnacht glatten leib (durchfall) bekommen Schiller 2, 140 G. D@3@bb) in alt geprägter formel: etwas geht glatt ein, glatt hinab, glatt hinunter, von dem, was leicht, süsz, angenehm zu schlucken ist, eigentlich und übertragen: und drinkst dor fur eyn guoten weyn, der ging dir doch dest gletter eyn Murner schelmenzunft 40 ndr.; geöltes kraut gaht hinab glatt Fischart w. 3, 86 Hauffen; bereite mir ein süpplein, das glatt eingehe und wohl gefettet sei Musäus volksm. (1826) 4, 97. in bildlicher verwendung; oft mit dem für den übertragenen gebrauch E 1, 2 bezeichnenden nebensinn des verführerisch-trügerischen, der hier seine hauptwurzel haben dürfte: er (der wein) gehet glat ein, aber dar nach beist er wie eine schlange, und sticht wie eine ottern spr. Salom. 23, 31 f.; [] alle lüste der welt sind nichts anders dann ein süszes gift, das glat einschleicht und hernach sehr sticht und beist Lehman florilegium (1662) 4, 119; auch hier merken sie nicht, dasz sie mit dem regenwurm, der so glatt hinunter zu gehen scheint, einen angel verschlucken Göthe IV 27, 233 W.; so eine rede hatte noch keiner gehört, denn was er von bauernart und bauernstolz und bauernarbeit sagte, das ging den leuten glatt herunter Löns s. w. 7, 211 Castelle. EE. glatt übertragen in die sphäre moralisch-charakterlicher oder geistiger wertung. vereinzelt schon im ausgehenden mittelalter, aber erst seit ende des 18. jhs. in bedeutung und gebrauch differenzierter. bei der mehrzahl dieser übertragungen sind teils von vornherein, teils allmählich verschiedene möglichkeiten des eigentlichen gebrauchs zusammengeflossen (s. u.); das ergibt zwischentöne, verleiht auch dem einzelgebrauch oft flieszende umrisse. E@11) am ältesten und bis heute am sprachläufigsten ist die übertragung auf menschliche rede (doch vgl. auch C 3). E@1@aa) vornehmlich im sinne des schmeichlerisch trügerischen und heuchlerischen, das eine gefährliche oder böse absicht hinter beredter liebenswürdigkeit verbirgt. aus verschiedenen wurzeln zu gleicher bedeutung entwickelt. glatte worte (s. auch C 4 a, sp. 7726; E 1 b), schon spätmhd. in fester formel: und (der wolf) gedacht, wie er dise guete gesellen möchte verwürren und von ainander pringen. und auf ainmal kam er zu dem ainen ochsen und nam in an ain ort und vieng an mit gelatten worten und sprach zu im dtsche städtechron. 5, 229 (Augsburg, vor 1474); wann wiltu losen, was er sag, so schaffen wir nüt mit unser clag, der glatten worten er (der verklagte Christus) so vil kan (sagen die kläger) schausp. d. mittelalt. 2, 288 Mone; die lippen lehrt man glatte worte machen, disz denkt der sinn, und jenes sagt der mund Opitz bei Schottel haubtspr. (1663) 926; oft mit andern ausdrücken für lug und heuchelei gepaart: die sich bey im hett eingeflickt, mit worten glatt und heucheley Dedekind christl. ritter (1590) g 6b; kommst mit list, mit glatten worten, mit verstellung, mich erst einzuwiegen Göthe 11, 318 W.; in älterem gebrauch redensartlich: glatte worte geben für 'schmeicheln': so findet man dann feine leut, fuchsschwenzler, feine zudüttler, die aim glatte wörtlin geben künden Montanus schwankbüch. 142 lit. ver. häufig und früh in der verbindung mit süsz, ursprünglich wohl im anschlusz an glatt D 3 a, b, worte, die geschmiert, glatt und süsz eingehen: blandus ein senffter, süsser glatter senffter wort ... ist ein ole schencker, geschmirter wort Melber vocab. praed. (1493) c 1b, blandimenda ... senfte glatte wort, süsz gladt wort ebda (1482) c 6b; namentlich in der bis ins 17. jh. gebräuchlichen wendung glatte worte schmieren (s. teil 9, 1084): so pflegen sie (die hofleute) dieselbigen (ihre herren) mit glatten, schönen und süszmündigen worten zu schmiren Äg. Albertinus landtstörtzer (1615) 538; er uberredt sie, der unflat, mit seinen verschmierten worten glat Hayneccius Hans Pfriem 79 ndr. und in andern älteren oder gelegentlich jüngeren wendungen: sie sprach: du kanst vil süesser glatter geberd und red genuog (antwort auf einen liebesantrag) meister Altswert 162; mit allegorien spielen in der christlichen lehre ist fährlich. die wort sind bisweilen fein lieblich und gehen glatt ein; es ist aber nichts dahinter Luther bei Herder 11, 16 S.; denn die lippen der huren sind süsse wie honigseim, und ire kele ist gletter denn öle spr. Salom. 5, 3; die schwr gond in so glat daher, als wann die kl in gschmieret wer Wickram 4, 199 Bolte; [] und was der münch redt in latin, das kond meister Heinrich so fin in tütsch dartuon, so glat und lieplich sagen, grad als wettind sie beid den Cuontzen jagen N. Manuel papst u. priesterschaft 1170 Bächtold; bethören liesz ich mich; der wein, weiberzunge, glätter noch als wein maler Müller 3, 114. auf das 16. und 17. jh. beschränkt bleibt die in den zusammenhang B 2 weisende formel glatte worte schleifen (s. teil 9, 596), gelegentlich mit dem obigen gebrauch gekreuzt, wobei auch A mitschwingt: wie du dein worter umb solt keren, schliffen glatt und glitzend gerben und uf der zungen lieblich ferben, das si so glat mir fallent ein, als wer es nüt den siesser wein Murner schelmenzunft 37 ndr.; glossogastores. wortschleiffer. die den wind oder athem verkaufen, glatte wort schleifen, irem bauch das wort thuond und mit allen winden segeln Seb. Franck sprichwörter (1545) 1, 6a; betrug ... schleift glatte wort Lehman florilegium (1662) 1, 107. frühzeitig auch im anschlusz an D 2 c (glatte schlange), wobei die vorstellungen der geschmeidigen, gift speienden natter und der schlange aus dem paradies zusammenflieszen: (der teufel) richtet als ein tausentkünstiger sein list und tück, wie ein listigs und schmauchends schlenglein, an das erste weibsbild und beredt sie mit glatten und gelerten worten Mathesius Sarepta (1571) 180a; vergebens brauchst du deine glatten worte; ich traue nicht der schöngefleckten schlange Theod. Körner w. 4, 31 Hempel; auch in der verbindung glatte zunge (s. glattzüngig): sie schleicht heran und zischt mit glatter zunge, die kleine schlange, zauberische töne Göthe I 10, 207 W.; so überwindet sie (die welsche sprache) kosend und spielend und sticht mit glatter zunge den sieger meuchlings über den haufen Fr. L. Jahn w. 2, 643 Euler; vgl.: ach Moyses, wie hastu so ein geschwinde, wol und glatte geballierte (polierte) zungen, die ist aber spitziger und stechender als der schlangen zungen Ayrer processus (1601) 123. seltener in anlehung an D 2 b: ihre worte sind glatter als ein schlüpfriger aal E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 261; oder D 1: ihr brauchtet manchen fund, erdachtet glatte (verfängliche) fragen P. Fleming teutsche poemata (1642) 6; glatter worte falsches eis wird ein schlechter grund der triebe Gottsched ged. (1751) 1, 206. absolut gebraucht, wohl vom mundartlichen her: in redten aber soll er (Collatinus) lugg (d. i. lose) und glatt syn schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 168 Bächtold; das ist eine glatte, die kaum so denkt, wie sie spricht Pestalozzi Lienhard u. Gertrud (1831) 3, 219; vgl. schweiz. id. 2, 653; en glatten ein unzuverlässiger, schmeichler rhein. wb. 2, 1257; Martin-Lienhart elsäss. 1, 262b. vgl. im nd. glattsnacker schönredner, heuchler: denn dat brukt keiner tau glöwen, dat hei en glattsnacker was Fr. Reuter 2, 414 Seelmann; Schütze holstein. 2, 37. E@1@bb) glatte worte gelegentlich auch in harmloserem sinne, 'ausweichende, unverbindliche worte': herr vicari, es bedarf nit sölicher wyter usschweifen und glatter worten Zwingli dtsche schr. 1, 129; der minister ... hatte sich mit glatten worten jeder ... zusage zu entziehen gewuszt Fontane I 1, 254. 'freundliche, liebenswürdige worte': und (es ward da im kampfe) ouch nit vil geklaffet mit glatten worten Stricker Daniel 5529 (var. e. hs. a. d. mitte d. 15. jh.) Rosenh.; er (der wirt) empfieng sie mit freuntlichen glatten worten, machet in guot arbeit, fragt, ob sie kaufleut oder vom adel weren Wickram 2, 31 Bolte; und im fall dieselben mit guten glatten worten nichts auszrichten kOenten, so hatte der keyser ein wolgerstet kriegsvolck in der nAehe Binhardus thuring. chronica (1613) 101. ich muszte also [] (um die verlaufenen geiszen zu locken) die glatten wort und das streicheln und schmeicheln zur hand nehmen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 25; welchen fürsten des heeres und edlen krieger er antraf, diesen hielt er (Odysseus) zurück mit glatten, freundlichen worten grafen zu Stolberg ges. w. (1820) 11, 51; verzeihen sie das doppelte nein, welches sie doch aus meinem briefe heraushören würden, wenn ich es auch mit noch so viel glatten worten umkleiden wollte Göthe IV 25, 78 W. E@22) darüber hinaus erweitert auf haltung, gebaren und wesensäuszerung des menschen überhaupt, gelegentlich auch auf abstracta; im vereinzelten ansatz schon im frühen 17. jh. bezeugt, im anschlusz an B 4 a von der äuszerlich ruhigen erscheinung eines menschen im gegensatz zu seiner inneren gesinnung, meist negativ betont: mancher der führt ein glatten schein, ist doch ein schalck im hertzen sein S. Israel Susanna (1607) 60; noch hatte der unselige dämon der zwietracht seine von glatten mienen bedeckten rückhaltsgedanken nicht ausgesäet Gutzkow ges. w. (1872) 9, 334; ohne diesen negativen sinn: von auszen glatt, wenn wir von innen leiden Göthe 3, 153 W. namentlich aber seit dem späten 18. und 19. jh. sprachläufig im sinne von 'gewandt, geschmeidig', meist, wenn auch in wechselnder accentstärke, mit dem für E 1 a geltenden, aus den eigentlichen gebrauchsweisen entwickelten nebensinn des trügerischen. besonders von den formen des gesellschaftlichen umgangs: Gordon täuschte durch glatte formen; anfangs auch mich. im grunde seines herzens war er hochmütig und eingebildet Fontane I 4, 449; die glatten, fast zärtlichen manieren des grafen L. zwangen mich, auf meiner hut zu sein Gutzkow ges. w. (1872) 6, 88; bin ich den andern zu rauh, so sind sie mir dafür zu glatt Bauernfeld ges. schr. (1871) 4, 135; dort (in gesellschaft) war er im äuszern der glatte, feine mann gewesen A. Stifter (1901) 3, 195. von unterwürfigem gebaren, weltmännischer verbindlichkeit oder anpassungssucht: ... die art, womit er alle diese dinge schob und rückte und dem herrn etatsrath handgerecht zu machen wuszte, war von einer so glatten beflissenheit und doch wiederum so unverkennbar von verstohlenem trotz begleitet, dasz ich schon damals einen ... widerwillen gegen diesen Käfer (name) faszte Storm (1898) 6, 194; (ich) verliesz auf sitte mich und höflichkeit, auf den gebrauch der welt, der sich so glatt selbst zwischen feinde legt Göthe 10, 174 W.; das müszige gewissen in einer glatten, nicht widerstehenden welt wird zum fesselnden gespräche, zur alleserzählenden fabel Novalis 4, 234 Minor; wenigstens hätte sich sein glatter weltton erst lieber mit dem neuen ankömmling vermittelt Gutzkow ritter v. geist (1850) 1, 157. wenn ohne moralischen nebenton, mehr im anschlusz an B 2 (glatt schleifen): er (Eulenburg) ist gescheidt, elegant, eine vornehmere natur als Harry von Arnim, glatter poliert als Robert Goltz Bismarck ged. u. erinn. 2, 189; propst: drum erst die kanten abgeschroten, und abgehobelt knorr und knoten! erst wenn sie (anrede) glatt sind wie die andern, und nie mehr sonderwege wandern, wird, was sie tun, zu nutz getan Ibsen s. w. 2, 385 Fischer. mit deutlicher anlehnung an D 2, von menschen, die nicht zu fassen sind: gib heut einmal acht, wie es die kühlen ... Schweizer machen ... und die glatten, glitschigen Welschen P. Dörfler d. notwender (1934) 111. in ähnlicher anwendung: geseze sind glatt und geschmeidig, wandelbar wie laune und leidenschaft, religion bindet streng und ewig Schiller 3, 514 G.; es ist schwer, ihre wunderbare, glatte, vielfarbige weisheit festzuhalten ..., [] diese weisheit der welt Schleiermacher I 5, 97. oft mit dem nebensinn 'kalt, herzlos': es ist eine ganz gemüthlose natur (bergrat Scherer), und so glatt, dasz man sie nirgends fassen kann Schiller br. 5, 413 J.; kurz, er schlich sich ein, gewandt, geschmeidig, glatt — und kalt, dem leidenschaftlich erhitzten folglich auf jede weise überlegen Holtei erz. schr. 6, 31. mit schwächerem moralischen accent, formelhaft: glatt und schlau wich sie aber (im gesellschaftlich - erotischen spiel) allem aus, was sie nur einigermaszen hätte fesseln können Heinse 5, 211 Schüdd.; andererseits fand Boyen in dem glatten und schlauen diplomaten (Metternich) ... nichts, was ihn anzog Meinecke Boyen 1, 245. ähnlich: mal sagte sie leise: 'wenn er nur nicht so glatt und glau wär. er ist so munter und spricht so viel und kann alles. ihn ficht nichts an Fontane I 6, 393; so namentlich in nd. redensart: glau un glatt Mensing schlesw.-holstein. 2, 387; glatt un glei ebda; se is so glad un glei (... 'falsch freundlich') Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 630b. ohne nebenton: und nur alsdann, wenn man bei äuszerungen der heftigen leidenschaften alles vermeidet, was diesen oder jenen (d. h. den ohren oder augen an stimme und bewegung der schauspieler) unangenehm sein könnte, haben sie das glatte und geschmeidige, welches ein Hamlet auch da noch von ihnen verlangt, wenn sie den höchsten eindruck machen Lessing 9, 204 M. E@33) als begriff minderen geistigen oder seelischen wertes. wiederum aus verschiedenen ansatzpunkten entwickelt. 'oberflächlich': ... ist die französische erziehung eben die in ihr land eingeschränkteste, glätteste und superficiellste Herder 5, 314 S.; glatt und flach, man erräth den inhalt, ohne zu lesen, beute für leihleserei ist wie das buch, so der mann Hegner ges. schr. (1828) 5, 198. 'ohne eigenart, einförmig', mit deutlicher anlehnung an B 2: in Paris liebt man die glatten, zierlichen puppen, von denen die kunst alle kühne natur hinwegschliff Schiller 2, 344 G.; die menschen waren damals ungebildeter, aber eigentümlicher, mannigfaltiger und poetischer als jetzt; das naturgepräge war noch nicht zur glatten einerleiheit ... abgeschliffen E. M. Arndt 1, 43 R.-M.; geht mir alle zusammen, ich verlache dies trippelnde, glatte, geschabte und schäbige geschlecht G. Freytag (1886) 2, 86; eine glatte, charakterlose schrift L. Thoma d. lustige geschichtenbüchlein (1936) 16. in naheliegendem wortspiel: den freundlich glatt-platten hofmann Göthe 22, 98 W.; kommen nur noch einer und behaupte, das alte Europa sei so platt und glatt geworden, dasz es nicht mehr der mühe lohne, sich daselbst zu bewegen Raabe leute a. d. walde (1863) 1, 62. als terminus der kunstkritik, in erweiterung des gebrauchs C 3, doch kreuzt gelegentlich auch B 4 a, b (äuszerlich glatt und schön) hinein, den mangel von geist, ausdruckskraft und tieferem gehalt bei formaler gewandtheit oder regelmäsziger schönheit bezeichnend: entglüht kein ton dir, dichter? so duld es denn!. doch büsz auch deine demuth, durch zirkelnden entwurf, (verzeichnung ist er!) glatte liederchen, oder durch Henriaden Klopstock oden 2, 17 M.-P.; schwächliche arbeit, der bei allem glatten und einnehmenden das wesentliche, geist und leben, fehlet Herder 22, 210 S.; dagegen drängt sich immer mehr der geist der journalisten auf der universität ein, und nicht selten unter dem namen der philosophie; ein glatter geschminkter vortrag, Faust und Nathan den weisen auf den lippen ... solche anzeichen sprechen dafür, dasz der universitätsgeist anfängt, sich mit dem zeitgeiste zu verwechseln Nietzsche I 1 (1895) 490; darum müssen wir uns ... zurückwenden zum ursprünglichen ... und uns davon entwöhnen, in dem glatten und lieblich ausgebildeten die schönheit zu suchen Solger Erwin (1815) 2, 192; die glatte, tadellose schönheit, die wir in den bildern wiederfinden, geht eben wie ein bild an uns vorüber Laube ges. schr. (1875) 2, 96. [] FF. zusammensetzungen mit glatt- als erstem bestandteil. im 16. jh. aufkommend, gewinnen sie im 17. jh. nur langsam boden und bleiben auch in jüngerer sprache durchaus überschaubar, wobei sich substantivische und adjectivische bildungen ungefähr die wage halten. vollentwickelten und bedeutungsmäszig differenzierten gebrauch zeigen nur wenige bildungen. zwei sondergruppen zeichnen sich deutlicher ab, die eine der botanisch-zoologischen fachsprache zugehörig, die andere in der form verbaler zusammenrückungen. gelegentliche glatt-composita wie glatteisen, -feile, -stein zur bezeichnung glatter, zum glätten bestimmter werkzeuge s. an alph. stelle unter den entsprechenden glätt-bildungen, vgl. auch glätten 7 (die übrigen wörter sieh unter eigenem artikel). F@11) im botanischen und zoologischen bereich begegnet, gelegentlich schon im 16. jh., in steigendem masze seit dem späten 18. jh. eine grosze zahl meist substantivischer, seltener adjectivischer zusammensetzungen, die, soweit sie nicht als volkstümliche nebennamen von pflanzen oder tieren leben, vor allem der fachsprachlichen artbestimmung dienen, häufig aber nur gelegenheitsbildungen darstellen oder nicht zu eindeutiger anwendung gelangen. sie wurzeln, oft an einem einzelglied des pflanzlichen oder tierischen körpers haftend, in den verschiedensten bedeutungen von glatt, soweit der grund der benennung im einzelfall erkennbar ist, namentlich im bereich glatt B 'eben', so in B 3 a, b 'ohne vertiefungen oder aufsätze irgendwelcher art', insbesondere 'stachellos, dornlos', B 4 'ohne furchen, ohne risse', B 5 'schlicht und gleichmäszig behaart', B 6 'unbehaart, ohne besatz oder behang', B 10 'ungezackt, ungezähnt', seltener auch wie A 'glänzend, spiegelnd' oder D 'schlüpfrig, glitschig' (wörter ohne stellenangabe sieh unter eigenem artikel). F@1@aa) botanisch: glattbinse; -blättrig; -futter;
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glatt

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Glatt , -er, -este, (nicht glätter, glätteste,) adj. et adv. welches diejenige Eigenschaft der Oberfläche der Körper aus…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    glatt

    Goethe-Wörterbuch

    glatt vereinzelt -t, subst auch Kleinschr; Komp u Superl fast ausschließl -ä-; rund 220 Belege 1 ohne Unebenheiten jegli…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glatt

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Glatt , 1) rechter Nebenfluß der Thür in den schweizer. Kantonen Appenzell und St. Gallen, entspringt in der Berggegend …

  4. modern
    Dialekt
    glatt

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    glatt [klàt allg. ] Adj. glatt: g. wi e e Spieg e l; g. wi e e Mus ein Haustier mit glatten, schönen Haaren. D e r Himm …

  5. Sprichwörter
    Glatt

    Wander (Sprichwörter)

    Glatt 1. Buawen glatt un bunt, un unnen (unten) nicks as Strunt. ( Münster. ) – Frommann, VI, 428, 116. 2. Erst selber g…

  6. Spezial
    glattadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    glatt , adj гладкий , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glatt

247 Bildungen · 217 Erstglied · 29 Zweitglied · 1 Ableitungen

glatt‑ als Erstglied (30 von 217)

Glattbach

SHW

Glatt-bach Band 2, Spalte 1377-1378

Glattbuche

SHW

Glatt-buche Band 2, Spalte 1377-1378

Glatteis

SHW

Glatt-eis Band 2, Spalte 1377-1378

glattfarbig

SHW

glatt-farbig Band 2, Spalte 1379-1380

glatthaarig

SHW

glatt-haarig Band 2, Spalte 1379-1380

Glattmacher

SHW

Glatt-macher Band 2, Spalte 1379-1380

Glattstrich

SHW

Glatt-strich Band 2, Spalte 1379-1380

Glattwalze

SHW

Glatt-walze Band 2, Spalte 1379-1380

glattanliegend

DWB

glatt·anliegend

glattanliegend , adj. 1) zu glatt B 4 g, von faltenlosem sitz der kleidung: mit glattanliegenden grünen beinkleidern Döbel neueröffnete jäge…

glattarbeiten

GWB

glatt·arbeiten

glattarbeiten [ Beschreibung einer Alabaster-Herme ] Über der rechten Schulter ist etwas vom Gewand abgebrochen gewesen, die Stelle ist wied…

Glattau

Wander

glat·tau

Glattau Sie ist von Glattau. (S. Bredleben, Nachtr.) Von einer weiblichen Person mit flacher Brust.

glattbärtig

DWB

glatt·baertig

glattbärtig , adj. , seltenen gebrauchs für bartlos: glattbärtig, glattmäulig: qui n'a pas un poil de barbe Schwan (1783) 1, 760 b ; das ...…

glattbahnig

DWB

glatt·bahnig

glattbahnig , adj. , s. DWB bahn 12 teil 1, 1078, vom hammer mit ebener schlagfläche: die ... buchrücken werden ... mit leim bestrichen und …

glattbalbiert

PfWB

glatt-balbiert Adj. : = PfWB glattrasiert , glattbalwiert [ Beam Penns 42].

glattbeschoren

DWB

glatt·beschoren

glattbeschoren : er gsehen hab einen mit glatbeschornem haupt Ryff spiegel d. gesundth. (1544) 6 b . —

glattbinse

DWB

glatt·binse

glattbinse , f. : marinus iuncus, levis iuncus ... meerbintzen, glatbintzen ... Er. Alberus dict. (1540) d d 1 a . —

glattblättrig

DWB

glatt·blaettrig

glattblättrig , adj. , als botanischer terminus von pflanzen mit unbehaarten blättern; meist appellativisch: gemeine klette, glattblättrige …

glattbrand

DWB

glatt·brand

glattbrand , m. , in der porzellanindustrie das aufbrennen der aus 2 glätte, lithargyrum bereiteten, glänzend glatten glasur, s. Lueger (189…

glattbrennen

DWB

glatt·brennen

glattbrennen , vb. : ' dieser brand ( das gar- oder glattbrennen) hat den zweck, ... die glasur zu schmelzen ' Karmarsch-Heeren (1876) 9, 42…

Glatt+brunnen

PfWB

glatt·brunnen

Glatt + -brunnen m. : 'Brunnen bei NW-Iggb'. a. 1555 werden für das Flößen von Holz am Glattbrunnen 4 Wooge angelegt [ Dochnahl 107]. Der er…

glatt als Zweitglied (29 von 29)

apfelglatt

RhWB

apfel·glatt

apfel-glatt Adj.: mer hon en wonnerschene Herebst, de Grombere leie steppdroge un ä. im Keller Goar-Lamschd .

butterglatt

DWB

butter·glatt

butterglatt , laevissimus: butterglatte worte geben, blandissima verba. Aretini hurensp. 59 . nach ps. 55, 22 .

eisglatt

DWB2

eis·glatt

eisglatt adj. : ⟨1858⟩ Arndt 2,1,145 R./M. ⟨1947⟩ Graf unruhe (1948)27.

glitzeglatt

PfWB

glitze·glatt

glitze-glatt Adj. : ' glänzend glatt '. Die Pfälzer putzen die Weltachse glitzeglatt mit Glaspapier un Butzpumad [ Münch Weltgesch. 12]. — D…

lilienglatt

DWB

lilien·glatt

lilienglatt , adj. : herr Hüon stand nunmehr, bis auf die lilienglatte bartlose wange, wie ein wahrer sultan da. Wieland 22, 207 ( Oberon 5,…

lindglatt

DWB

lind·glatt

lindglatt , adj. weich und glatt anzufühlen. Fischart dicht. 3, 262, 95 Kurz. s. die stelle unter lind im eingange.

marmorglatt

DWB

marmor·glatt

marmorglatt , adj. glatt wie marmor: ihr beste ross läst ( die sonne ) laufen los auf marmerglatten meilen. Spee trutzn. (1654) 27 .

ölglatt

DWB

oel·glatt

ölglatt , adj. glatt wie öl: also wird die welt mit den ölglatten, hönigsüszen worten der falschen propheten .. verfhret. J. Nas der warnun…

rauchglatt

DWB

rauch·glatt

rauchglatt , adj. für rauhglatt, rauh und doch wieder glatt: wie der probirstein, durch schwärze und rauchglatte eigenschaft seiner oberfläc…

regenglatt

DWB

regen·glatt

regenglatt , adj. glatt vom regen: der blick in den garten fand die bäume entlaubt, die wege unsauber, regenglatt. Gutzkow ritter v. geist 7…

schlangenglatt

DWB

schlangen·glatt

schlangenglatt , adj. glatt wie eine schlange: ich bin erschöpft — all' meine proben gleiten von diesem schlangenglatten sonderling. Schille…

schroffglatt

DWB

schroff·glatt

schroffglatt , adj. : schroffglatter felsenwände spiegelflächen im schein der abendsonne zu betrachten. Göthe 13, 268 .

schërmǖseⁿglatt

Idiotikon

schërmǖseⁿglatt Band 2, Spalte 654 schërmǖseⁿglatt 2,654

spiegelglatt

DWB

spiegel·glatt

spiegelglatt , adj. glatt wie ein spiegel: ( von einem fuszboden: ) ein weiter dom war uns geöffnet, dunkel glimmte lampenschein, spiegelgla…

stahlglatt

DWB

stahl·glatt

stahlglatt , adj. : schon schläft gebändiget die stahlglatte salzflut. Platen 133 a .

unglatt

DWB

ung·latt

unglatt , adj. adv. , gth. v. glatt ( s. d. ). nl. onglad. sinnlich scaber, iniquus Frisius Maaler. ' nicht glatt, darum aber noch nicht rau…

Waag'latt

MeckWB

waag·latt

Wossidia Waag'latt f. über die ganze Straßenbreite reichende breite Latte der Steinbrügger zur Kontrolle: ünner de Waag'latt dörf man nich ü…

wasserglatt

DWB

wasser·glatt

wasserglatt , adj. glatt wie wasser; glatt durch wasser: ( er ) stürzte mit dem erschöpften pferde inmitten des hofes, dessen grosze steine …

īsglatt

Idiotikon

īsglatt Band 2, Spalte 654 īsglatt 2,654

Ableitungen von glatt (1 von 1)

unglatt

DWB

unglatt , adj. adv. , gth. v. glatt ( s. d. ). nl. onglad. sinnlich scaber, iniquus Frisius Maaler. ' nicht glatt, darum aber noch nicht rau…