zieser,
f.,
jüngere nebenform von kicher,
f. (
s. teil 5, 659
und Marzell
wb. d. dt. pflanzennamen 1, 986),
aber nicht wie dieses wort unmittelbar aus lat. cicer,
n., cicera,
f., entlehnt, sondern neu aus dem roman. bezogen; piemontes. und südfranz. mundarten scheinen, nach den heutigen dialektformen zu urteilen, die ausgangsstelle gewesen zu sein, vgl. franz.-piemont. sízer sízre,
ital.-piemont. sízar tšízer,
mdauphin. sízẹ,
gaskogn. séze,
provenz. seze,
Vinadio šiži v. Wartburg
franz. et. wb. 2, 664;
auch mlat. cisara cisser du Cange 2, 366
a;
c;
ein den r-
losen dialektformen entsprechendes ahd. cisa
vel arewaiza
cicer clm. 4606
f. 111
bei Schmeller-Fr. 2, 1157
erscheint bereits im 11.
jahrh.; ein gleichartiges afranz. cice
des 13.
jahrh. lebt als mfranz., nfranz. chiche
fort und ist ins engl. übergegangen: mengl. chiche,
älternengl. chich,
jetzt chick-pea.
da Nordfrankreich keine -s-
bildungen aufweist, wird das mwestfläm. ciceren
pl. des Jan Yperman
bei Verwijs-Verdam 1, 1500
der gelehrten lat. fachsprache entnommen sein; daraus leitet sich dann wahrscheinlich nndl. dial. sisser,
f., v. Dale
groot wb.6 1706
a her; das vorhandensein einer gleichen form am Mittelrhein im 12.
jahrh. beweist das siebenbürg. ziser,
f., vogelwicke, vicia cracca Kramer
Bistritz 145
sowie der mischungsvorgang mit dem älteren keker
am Niederrhein im 15.
jahrh., der secker
legumen citrolli Mones
anz. 7, 304
c, Schiller-Lübben 4, 176
b, sekkre
eyn vrucht alzo erwete, citrullus Diefenbach
n. gl. 94
b, czycke
gl. 117
a ergibt. bezeugt ist zieser
längs der gesamten deutsch-roman. sprachgrenze; neben dem älteren kicher
aber hat es sich nur in spuren bis auf die gegenwart gehalten. das geschlecht stimmt zu lat. cicera,
f., platterbse, lathyrus, und diese frucht ist auch unter. zieser
stellenweise verstanden worden, vgl.: cisara ciser Diefenbach
n. gl. 88
b;
auch als name der vogelwicke (
s. ob.)
kommt es vor; zum geschlecht s. im übrigen die bemerkungen t. 5, 659.
die älteren belege erweisen z. t. zieser
eindeutig als kichererbse, cicer arietinum, da sie zur menschlichen nahrung dient: zisern unde bônen gênt mir niht hôhen muot Tannhäuser 13, 61
Siebert; trif ich daz wilt alzuo der stunt daz ez muoz werden snüppic hæt ez mit zisern gezzen bônn unt kichern Frauenlob 368, 10
Ettmüller; nachvolgents die klain robotth, so die underthanen zu thain schuldig sein: als nämblichen ... arbaisz und zisern straifen (1433)
niederösterr. weist. 2, 678; contra morbum calculi ... recipe zisern et magnam radicem petersilie (1396)
bei Ch. Schmidt
wb. d. elsäss. mda. 442; gemss von zisern Fries
spieg. d. artznei 159
a;
cicer ziser L. Fuchs (1543) 111; in diesem artzneybuch ist allwegen zisern oder zisererbsen zu verstehen, so offt man kichern liset. denn die zisererbsen auch in etlichen orten kichern genannt werden Wirsung
artzneyb. (1597)
register; ziesern, kichern, dieses ist eine art kleiner bohnen, welche in hülsen gleich den linsen wachsen und mit diesen einige gleichheit haben
allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 798;
unter ziser
versteht Popowitsch
versuch (1780) 641
die kichererbse, doch fügt er 642
hinzu: einige nennen die platterbsen zisern;
wörterbücher: cicer cyser (13., 15.
jahrh.), zysern, ziseren, zyssern (1482) Diefenbach
gl. 117
a;
cicer zitzer, erbs
n. gl. 88
b;
cicer zisern, kicher Frischlin (1586) 41
a; zisern
eine art erbs Hulsius
dt.-ital. (1618) 283
b;
cicer zieser Reyher (1668) 1, 1055; ziser
et siser
cicer Stieler 2637; zisern, zisererbsen
chich or chich-pease Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2599;
pisum zisern Pomey (1720) 73; zieser (die,
pro erbse)
cicer Steinbach (1734) 2, 1097; Frisch 2, 480
b; Adelung
2 4, 1727; die kicher oder kichererbse ... heiszt auch zieser und ziesererbse und, weil man die erbsen auch hier und da brennt und unter den kaffee nimmt, kaffeeerbse Campe 2, 924
a;
dim.: cicercula ziserlin Frischlin (1586) 41
a;
cicercula ziserlein Pomey (1720) 73; ziserl (
Wien) Schmeller-Fr. 2, 1157;
s. auch siser,
f., t. 10, 1, 1237.