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zwang

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwang m.

Bd. 32, Sp. 932
zwang, m. , mhd. dwanc, twanc mhd. wb. 3, 164; Lexer 2, 1595, mnd. dwank Schiller-Lübben 1, 609. im ahd. nur ein beleg thuanga frena Graff 5, 277. häufiger belegt ahd. githuinc Graff 5, 275. so hat auch dem mhd. zwanc das häufigere getwanc zu grunde gelegen, wovon die vorsilbe theils infolge des worttones, theils als entbehrlich, vgl. zwing und gezwing, gezwerg und zwerg, abgestreift ist, s. th. 4, 1, 4, 7231 ff. gezwang noch bei Luther: das nit aus unlust odder getzwang geschehe 8, 165 W.; aus getzwang und not der gesetzs 10, 1, 363 W. für den übergang des anlauts tw in zw s. o. bei zw. 11) die grundanschauung von zwingen 'mit der faust zusammenpressen' ist in dem ahd. thuanga frena unverkennbar. wir dürfen damit auch die bedeutung ärmeleinfassung verbinden, die sich aus der mhd. Elisabeth ergibt, vgl. breisen th. 2, 355: in ermeln ane prise, ane knoufeln, ane twanc, ir kleider eben, nit zu lanc, mezlich allez ir gewant. goltborten unde harbant, alle uppeclich geziere verwarf die vrouwe schiere Elisabeth 1991 R. 22) damit hängt auch zusammen die anwendung auf die beschwerden des leibes, bes. der verdauung: zwang des stuolgangs Dasypodius 468a; tenesmus ... zwang, nit mögen zu stul gehen Saurus-Melanchthon (1592) f 2a; zwang [] des stulgangs Kramer 2, 1499a; ir pauch tät ir groszen zw. Hartlieb Alexander (1473) 11b; der zwanck kam mit beschlosznem leib H. Sachs 4, 407 K.; in groszem schmertzen des zwangs brauch folgende zäpflin Osw. Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 242; wo aber blut mitlieff mit dem zw. und herter stul Paracelsus chir. 441 (1618) H.; grimmen, schneiden, zw. und seitenstechen v. Fleming vollk. t. soldat (1726) 322. länger erhalten in zusammensetzungen stuhlzwang, afterzwang Höfler krankheitsnamen 863, blutzwang th. 2, 198, hufzwang th. 4, 2, 1873, zahnzwang th. 15, 180. 33) aus dem zusammenzwingen ergibt sich der begriff der enge, der in mnd. dwenge reichlich belegt ist Schiller-Lübben 1, 612, einmalig auch als dwang: Jhesus lach in der cribben dwanck 610. 44) als verbalabstract zu zwingen enthält zwang auf der einen seite die nöthigung, gegen die man sich nicht wehren kann, und auf der andern die einwirkung einer von auszen kommenden gewalt, mag sie nun mehr oder weniger handgreiflich oder moralisch und geistig sein: der gebrauch ..., die zusammengeflochtenen haare auf oder kurtz hinter dem scheitel in zw. zu halten J. D. Major bevölkerte Cimbrien (1692) 68; dieselbe gnad werde eingossen mit groszem zw. der sele. solchen zw. nennen sy ein rew Berth. v. Chiemsee 22 R.; lasset uns doch ... aus lauterem zwange der wahrheit bekennen, dasz hie kein grobes barbarisches wesen ... vorhanden sei Schottel t. haubtspr. (1663) 61. 4@aa) selten und nicht mehr üblich tritt in zw. die wirkung von auszen nicht hervor, indem er sich aus der eignen, natürlichen beschaffenheit ergibt: wann ich sihe, das unter unvernunftigen tieren ein gatte umb des andern tot trauret von angebornem twange ackermann aus Böhmen 21, 17 B.; twang, vor dem alle himelische ordenunge aus irem geewigten angel nimmer treten mag, lichte sunne, erhore mich 34, 24 B.; also begegnet disem kranken ein unüberwindliche neigung und zw. zum schlaffen Wirsung arzneib. (1588) 143b; dann die uppig geilheit ihren ersten zw. thut (bei mädchen) Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 932; in todes zw. Wickram 4, 146 B.; hilff mir ausz der not; der bitter todt hat mich im zwang Forster fr. t. liedlein 32 ndr.; deszgleich das waszer niemal flosz dahin, denn da es musz durch zwang Kirchhof wendunmuth 2, 194 lit. ver.; der zwang des pulvers redt noch freyer, sein donner übertäubt die luft Stoppe Parnass 7. 4@bb) herschend war bes. in früherer zeit die vorstellung der gewalt. 4@b@aα) den frauen gegenüber: thalamus coactus ein zwang oder überringung einer frauen, ubergewaltigung einer dochter Frisius 244a; als Dionysius die nachricht hatt empfangen, wie dasz ein edles weib sein sohn mit zwang entehrt Chr. Warnecke poet. vers. (1704) 339; also that er ihr zwang an und beging eine grosze schandthat Simrock dtsche volksbücher 2, 9. 4@b@bβ) durch streit und krieg: kamen des constantinopolitanischen keysers zwen söne vätterlicher erbschafft halb in zwang Fronsperger kriegsb. (1573) 3, 174b; dieser Türck hat der christenheit groszen zwang gethan Seb. Franck chr. d. Türkei (1530) l 3a; nachdem die alten Römer mit weiszheit und zwange ... ir reich ... gemehrt und geweitert haben Jac. Frey gartenges. 145 B.; da ... die Galater sie ... anfielen, seind sie in gröszten zw. kommen Xylander Polybius (1574) 228. 4@b@gγ) daran schlieszt sich freiheitsberaubung, gefangenschaft: und lehrt den vogler pfeiffen fügen, darmit die vöglein zu betriegen, zuo locken in durch falsch gesang, bitz das ers bring in zwang und strang Fischart lob d. lauten 308 H.; [] durch der pfeiffen schönen klang kombt der vogel oft in zwang Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 193; den man in diesem jahr stark nachgestellet, in zw. gebracht und zu gleich aufgehenckt hat 251; da ich nun, wie ich neben euch erlöset worden, oder vielmehr in einen neuen zw. gerahten bin, nicht erzehlen darf A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1198 (1677). 4@cc) aus dieser vorstellung ergibt sich die ständige verbindung mit noth, s. th. 7, 905 und drang, th. 2, 1333: aus not und zwang Frisius 532a; zw. und not auflegen 701a; ausz wassers not und feuers zwang errettet vor dem untergang Spreng Äneis 18a; ich bin indessen von noth und zw. umgeben Göthe IV 10, 83 W.; zwang und noth bricht treu und eydt Lehmann floril. polit. (1662) 1, 170; zwang und trang Frisius 35b; darumb das Christhus on zwang und drang, on gesetz und schwerd ein frei willig volck haben solt Luther 11, 253 W.; im schlamm und koth, im zwang und drang Rinckhart christl. ritter (mansfeld. bergreihen) 45 ndr.; das werthe Niederland: sie haben zugenommen durch solchen zwang und trang, sind in die schlösser kommen Opitz opera (1690) 3, 303. ähnliche verbindungen: denn es ein tyrannisch ... regiment, beide uber leib und uber seele, das mit eitel dreuen und zw. regiret Luther 26, 135 W.; (Romulus) die Römer auch in hartem zw. und straff hielt Carbach Livius 7a; auf das vor süszigkeit des klangs und gsangs er verges die bitterkeit seines zwangs Fischart podagramm. trostbüchl. 31 H.; eins mals ich in dem heiszen summer spacieren gieng in groszem kummer, weil die theurung und groszer zwang in allen dingen werdt so lang H. Sachs 3, 302 K.; als demselben gottshus mengerlei uberfal und zwangs geschach Tschudi chron. helvet. 1, 61. zum zw. gehört auch leiden: ach mutter, schweig und machs nit lang, die altvetter leiden groszen zwang Egerer fronleichnamsp. 3980 M.; man thü die kloster ab. und lasz sie alle in die ee kumen und kinder machen, damit ... sie nit also groszen zw. und trang leiden Hier. Gebwyler beschirmung d. lobs Marie (1523) 33a; die leiden not und hungers zwanck H. Sachs 1, 270 K.; gros not leit er und herten zwang Murner badenfahrt 7 Martin. 4@dd) zwang hat sich in neuerer zeit mehr auf die unwillig ertragene vergewaltigung des willens, der sittlichen und geistigen unabhängigkeit gewandt: gewalt geschicht durch zw. oder uberreden Lehmann floril. polit. (1662) 1, 230; aller zw. hemmt und drückt die natur Heinse 4, 230 Sch.; ob ein werk aus willkühr oder aus zw. gemachet sei, dies ändert seine einrichtung nicht Herder 22, 126 S.; der zw. beschämt niemanden, und es ist kein schimpflicher dienst, der zeit zu dienen Göthe 28, 139 W.; er sey hier auf dem schlosz, behaupten sie, du haltest ihn mit zwang Schiller 12, 305 (Wall. tod 3, 17) G.; es kostete viele mühe, ja, fast zw., ihn dazu zu bewegen H. Steffens was ich erlebte 1, 167; den gedanken, dasz der physische zw. im wesentlichen dasselbe ist was die nothwendigkeit, die das weltall zusammenhält Solger vorl. über ästhetik (1829) 133; die arbeit setzt nicht blosz freiheit voraus, sondern auch den zwang W. H. Riehl dtsche arbeit 237; die base ... führte ihn halb durch überredung halb mit zw. aus der thür W. Raabe hungerpastor 1, 253. in bildlicher anwendung: unter seines hammers zwange bildet sich zuerst der pflug Schiller 11, 296 G.; [] doch immer höher steigt der edle drang (der cirruswolken), erlösung ist ein himmlisch leichter zwang Göthe 3, 100 W. im ggs. dazu: zw. wert nit lang schöne weise klugreden (1548) 5b; du willst die freiheit gegen zwang, für unruh ruhe tauschen Zinzendorf t. ged. (1766) 228; zw. erbittert die schwärmer, aber bekehrt sie nie Schiller 3, 421 G. 4@ee) als zwang wird besonders die einwirkung auf liebe und eheschlieszung empfunden: der zw. der eltern darf heirathen weder stiften noch hindern grafen Stolberg 3, 199; eine langweilige predigt über die menschlichen herzen, über die nichtigkeit der schwüre, über den zw. der ehe Schiller 3, 541 G.; sie (die eltern) brachten es endlich durch zw. und drohung dahin, dasz sie sich mit einem vornehmen hofbeamten ... verloben muszte br. Grimm dtsche sagen 1, 92. liebe und zw. einander gegenüber: du darffst es offentlich gestehen und sagst durch keines zwang und trieb: ja, ja, mein kind, ich hab euch lieb S. Dach 424 Ö.; die liebe läszt sich nicht durch zwang zuwege bringen A. Gryphius dram. w. 162 P.; die lerche steiget in die höhe. ihr buhlerischer lustgesang verehrt und lobet lebenslang die freie liebe, nicht die ehe, die stete wahl und keinen zwang Hagedorn poet. w. (1769) 3, 26. 4@ff) umgekehrt ist der zw. etwas übermächtiges, gelegentlich übernatürliches, fast mystisches: die sternen haben ... einen völligen zw. über uns Lohenstein Armin. (1689) 1, 264b; eine predig ... ein süszer zw. zu allen löblichen thaten Abr. a s. Clara etwas für alle 2, 222; hier wird man froh, von wahn und zwang entbunden, herr seiner zeit und könig seiner stunden Hagedorn poet. w. (1769) 1, 105; tiefewärts mit süszem zwange zieht es mich zu schauen Lenau s. w. 92 B.; dennoch geht der schauspieler in des dichters unsichtbarem zwange O. Ludwig 5, 131 E. Sch.; die volkskraft wirkt unablässig mit dem dunkeln zwange einer urkraft G. Freytag ges. w. 17, 24; sind sie doch nur ein menschenpaar, das, ungleich im alter, den zw. der natur zu fühlen bekommt W. Schäfer lebenstag eines menschenfreundes 110; endlich begann er wie unter einem zwange auf den laut der gemeinsamen schritte zu horchen Hans Grimm volk ohne raum 1, 164. 4@gg) am allgemeinsten gefühlt ist der zw., der von der menschlichen gesellschaft ausgeübt wird. 4@g@aα) der zw. des rechts und gesetzes: wan solches geschicht, so ist kein zwang und hat kayserlich recht seinen gang Endinger Judenspiel 87 ndr.; ein thorheit der menschen ists, da gott jedem sein land und leut, sein hausz und nahrung hat zugeeignet und verzäunt, dasz einer den zaun will brechen und sein hausz mit ander leut zwang und gewalt vergröszern Lehmann floril. polit. (1662) 1, 335; denn die gesetze, welche der natur und ihren neigungen zw. anthun, sind für den pöfel gemacht Lohenstein Armin. (1689) 1, 14b; sie müssen sich nicht sowohl angelegen sein lassen, ihre unterthanen tugendhaft und vernünftig zu machen, es ist ganz unmöglich dieses durch den zw. der gesetze zu bewirken Rabener s. w. 2, 401. s. auch gerichtszwang, th. 4, 1, 2, 3686. 4@g@bβ) der von einer macht über eine andere, von einem volk über das andere, der irgendwie vom staat geübte zw.: wie er die kinder von Israel aus irem zw. und tyrannei frei gemacht Luther 28, 702 W.; under seiner herschaft und zw. Schaidenreiszer Od. 12a; dasz sie ja möchten von allem zwange frei sein, (haben sie) ihren eignen könig getödtet Micrälius Pommerland (1640) 1, 101; wiewol jedermann in den dryen ländern des mutwilligen zwangs [] und der tyrannei der landtvögten beschwert was Tschudi chron. helvet. 1, 237; dasz sie bei denen vorzunehmenden werbungen die geringste gewalt und zw. auf keine weise verüben v. Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 125; die ungewöhnliche freiheit, die ich mir in einem lande voll ängstlichen zwangs anmaszen wollte Schubart leben u. gesinnungen 2, 10; den unnatürlichen grund einer blos auf zw. und furcht beruhenden verfassung J. G. Forster s. schr. 7, 185; dieser zw. ... hat zuerst den begriff der freiheit geboren E. M. Arndt s. w. 1, 244 R.-M.; überall, wo der zw. der dreifelderwirthschaft ... die dorfgemeinde einengt G. Freytag bilder 1, 75; doch wenn ein volk, das fromm die heerden weidet, sich selbst genug, nicht fremden guts begehrt, den zwang abwirft, den es unwürdig leidet Schiller 11, 401 G. 4@g@gγ) auf dieser anwendung beruhen die festen wendungen in zwang halten, unter einen zw. bringen, unter einem zw. leben: das volck äuszerlich regiren und das fleisch im zwang halten Luther 24, 402 W.; wenn der pöbel mit zw. und guter manier im zaum gehalten wurde G. Arnold kirchen- u. ketzer-hist. (1689) 30a; das der leute gemüther viel mehr durch willfährigkeit zu gewöhnen als durch zw. in gehorsam zu halten weren Chemnitz schwed. krieg 2 (1658), 33; so er begert zuo haben land, lüt und gelt, das zuo bringen under sinen zwang Nikl. Manuel v. papst u. s. priestersch. 1094 B.; sie lebten unter zu hartem zwang W. Hauff s. w. 1, 232. 4@g@dδ) der zwang der kirche: so ir wollet frei werden ... von den gesetzen und zwang des bapsts Luther 33, 64 W.; sy (die bischöfe) söllind iedermann ungezwungen lassen ires gebotes oder zwangs halb Zwingli dtsche schr. 1, 315; Luther sey von got gesandt, zuo seubern die biblia von der lerer auslegung und zw. Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 150 ndr.; und darneben mit bann und zwang den gwissen machen angst und bang Fischart Jesuiterhütlein 223 H.; die form des gottesdienstes glich einer abgeschmackten, lästigen etikette, und dieser ewige zw. muszte endlich die heuchelei ... gebähren Schiller 5, 90 G.; obgleich man den zw. der ohrenbeichte verwarf Ranke s. w. 2, 312. der zwang des teufels und der hölle ist der zwang, den die macht des bösen ausübt: der satan dräut mit list und zwang A. Gryphius ged. 497 P.; es gehet die seele ... nicht ausz dem menschlichen leibe, dasz sie wandere in einen wolf durch zw. des teuffels Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 428. es ist aber auch der zwang der gegen die hölle angewendet wird: herr Jesu, zwang der hellen Simon Dach bei Fischer-Tümpel 3, 72; er liest im alten zauberbuch, genannt der zwang der hölle H. Heine 1, 268 E.; und der dämon daher, seines zwanges entledigt, aus dem halse wieder in die magengegend hinabsank Immermann 2, 148 B. s. über höllenzwang im buchtitel th. 4, 2, 1757. 4@g@eε) zwang der erziehung: iren leib in zw. und zucht zu halten Luther 33, 428 W.; wo kein zwang ist, da ist kein ehr 2, 104b (oft belegt); doch gehört die ruot, der trib und zw. nur auf die narren, knecht und kinder 2, 105a; katzen mausen aus lust, nicht von hunger noch zw. Petri 2, L l 2b; paedagogium, eine fürtrefflich schule der künst und sprachen, so unter starckem zwange noch gehalten wird Orsäus nomenclator (1623) 106; was kinder ausz zw. thun, das hat keinen bestand Lehmann floril. polit. (1662) 1, 193; arbeit, zwang und lehr bringt kinder zu der ehr 1, 147; es war nicht möglich, leute von so verschiedenen nationen ... in dem zw. zu erhalten, den die römische [] kriegsdisciplin erforderte M. I. Schmidt gesch. d. Dtschen (1778) 1, 84; verstellung ist für edle seelen unerträglicher zw. J. J. Engel schr. (1801) 3, 121. aus erziehung und gewohnheit entsteht der zwang der tracht: der zwang der steiffen schnürleiber die vernünftigen tadlerinnen 1, 52; nach dem war der ganze anzug der Griechen so beschaffen, dasz es der bildenden natur nicht den geringsten zw. anthat Winckelmann s. w. 1, 12; H. hat vollkommen eben denselben wuchs, nur dasz sie durch den zw. der kleidung eher schmächtiger als stärker scheint Lessing 2, 40 M. 4@g@zζ) der zw. der sprachform, besonders der in der dichtung geltenden: dasz des reims wegen man offtmahlen wider willen wörter, ja gantze reden setzen musz, die man viel eigentlicher ... ohne diesen zw. hätte geben können Morhof unterr. d. dtschen spr. (1682) 568; der verfasser hat sich an keinen zw. einer philosophischen einrichtung binden wollen Gottsched vers. e. crit. dichtk. (1751) 5; unsere sprache ist so zart, dasz sie nicht den geringsten zw. leiden will J. G. Neukirch anfangsgr. d. teutschen poesie (1724) 100; die beiden briefe ... sind recht gut, bis auf einigen zw. in der schreibart Gellert w. 9, 208; dem zwange des sylbenmaszes und des reimes zum trotze Lessing 7, 32 M.; die aufzählung solcher zusammensetzungen im wörterbuch zeugt von keinem reichthum unserer sprache, blosz von einem zw., der ihrer syntax angethan wird Jac. Grimm vorr. xxv; der rhythmus ist ein zw., er erzeugt eine unüberwindliche lust, nachzugeben, mit einzustimmen Nietzsche 5, 115. 4@g@hη) der zw., den man sich selbst auflegt, ist das ergebnis der erziehung: der ... sich also seiner eignen vergnügung, die er aus ihrer gegenwart schöpfte, berauben wolte, und hierbei ihme den grösten zw. anthäte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 56; so bin ich doch garnicht woll, ich esze mit zw. El.-Charl. v. Orleans 6, 12 H.; zum ersten mal verlohr der jüngferliche gang bei eil und dämmerung den affectirten zwang Zachariä poet. schr. (1763) 1, 14; die königin ... überlegt den unglücklichen zw. ihres standes, der ihr nicht erlaube, nach der wahren neigung ihres herzens zu handeln Lessing 10, 22 M.; ich that mir keinen zw. an, meinen husten zurückzuhalten Bode Yoricks reise (1768) 2, 162; und wenn ich unklug muth und freiheit sang und redlichkeit und freiheit sonder zwang, stolz auf sich selbst und herzliches behagen Göthe 2, 145 W.; das lehramt auf universitäten ist ein eigenes element, das seine freiheit, aber auch seinen zw. hat Jac. Grimm kl. schr. 1, 28; weil dieser freie kopf den zw. des amtes nicht ertrug Treitschke hist. u. polit. aufs. (1866) 2, 60; man konnte mit ihr verkehren wie mit einem kameraden, ohne sich irgend welchen zw. auferlegen zu müssen Polenz Grabenhäger 1, 74. 4@g@thθ) ohne zw. für unbehindert, frei, natürlich: dasz unser liebe und wolmeinen nicht undanckbarlich und stöltzlich verachten, sondern sich williglich, on zwanck, nach der liebe art solcher visitation unterwerffen Luther 26, 200 W.; die kindlich forcht gottes on zwang die ist der weiszheit anefang H. Sachs 19, 5 G.; drum rath ich, dasz du frei bekennest ohne zw. J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 360; dünne, glatte und feine lippen, die den mund ohne zw. zuschlieszen können Quanz anweis. die flöte zu spielen (1788) 4; da er sich jetzt seinem schmerz ohne allen äuszeren zw. überlassen konnte Klinger w. 8, 333. 55) der zu dem begriff des wortes nicht passende plur. erscheint zu verschiedenen gelegenheiten unter der einwirkung besonderer stilistischen neigungen: der (mensch) liget leider nû dâ nider, und ist in grôzen twangen thür. ged. bei Bartsch erlösung, einl. xiv 235 B.; und ist sölche vogtei und herrligkeit nachmals derselbigen statt Zürich mit manschaft, gerichten, zwengen, [] pänen und aller gerechtigkeit underthan Stumpf Schweizerchr. (1606) 419b; indes sein geist selbstvergessen den zwängen der menschenseele nachsann C. Hauptmann Einhart d. lächler 2, 36; dieses erkennens der zwänge von launen, lieben und leidenschaften der menschen 37. 66) ungewöhnlich ist auch die prädicative verwendung, wie bei noth, s. th. 7, 918: wisz, das mir ganz zwang bei in ist Egerer fronleichnamsp. 962 M.; der könig belägert in und thät ihm so zwang, dasz er sich ergab Joh. Herold chron. aller ertzbisch. zu Maintz (1552) 73a; zehe, weich, zwang lentus H. Decimator thes. 77) in der weidmannsprache ist zwang das besondere zeichen der fährte des hirsches im ggs. zum 'thier': der zw. ist ein solches zeichen, welches der hirsch thut, indem er fortschreitet, die schalen vorne zusammen zwinget, und die erde damit heraus hebet Göchhausen notabilia venatoris (1742) 24. s. auch Döbel neueröffnete jägerpractica (1754) 1, 6; der zw. ein zeichen der rothirschfährte, welches darin besteht, dasz der hirsch stets mit geschlossenen schalen schreitet Dombrowski waidmannssprache 118. auszerdem zwang treiben, wenn das wild nach dem ersten jagen enger, und in den abjagensflügel eingestellt wird Eggers 2, 1416. 88) ein fehler an pferden, vgl. zwanghuf, hufzwang: es begibt sich auch, dasz beiderseits an diesem oder jenem fusz bei oder an der wurtzel der huf zween knolln oder beulen einen halben eyes grosz, mit den spitzen in die höhe gerichtet erwachsen, welche etliche, die weil sie das lebendige des fuszes hart zusammen zwingen oder eng einziehen, den zwang nennen oder die hörnlein Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 270. die mit zwang zusammengesetzten substantive sind zum gröszten theil uneigentliche, nach Jac. Grimm gr. 2, 615, vgl. die entsprechenden mit volk th. 11, 2, 470 ff. sie fehlen auch bei Adelung, während Campe sie in reicherem masze aufnimmt. bis zum 17. jh. überwiegen solche bildungen, die den im recht des besitzes liegenden zwang bezeichnen wie zwangsbackofen, -dienst, -drescher, -gesinde, -kelter, -knecht, -presse, -spielleute, -schenke, -wein. mit dem 18. jh. treten die wörter hervor, welche die macht des staates und seines rechts über seine unterthanen und ihren besitz zum ausdruck bringen. in diesen überwiegt auch die 'uneigentliche' bildung mit dem genetiv zwangs-: zwangsablösung, -ablieferung, -abgabe, -anleihe, -anstalt, -ansiedler, -arbeit, -arbeiter, -armensteuer, -aufsicht, -aushebung, -beitrag, ziehung, -gebot, -gebiet, -genossenschaft, -gesetz, -gewalt, -befehl, -berechtigt, -darlehen, -ehe, -enteignung, -er— -recht, -verkauf, -versicherung, -versteigerung, -verwalter -verwaltung, -vollstrecker, -vollstreckung. dazu kommen die, welche auf der unbedingten wirkung der naturgesetze beruhen, wie zwangsläufig, -schiene, -schlusz, -schraube, -widerstand. —
21776 Zeichen · 482 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwang

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Zwang , des -es, plur. car. von dem Verbo zwingen. 1. Der Zustand, da ein Theil des Körpers heftig zusammen gezogen,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zwang

    Goethe-Wörterbuch

    Zwang [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zwang

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Zwang 1) erlaubte Anwendung der Staatsgewalt; 2) unerlaubte Anwendung derselben, so viel wie Amtsmißbrauch; 3) private N…

  4. modern
    Dialekt
    Zwang

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia Zwang s. MeckWB Dwang .

  5. Sprichwörter
    Zwang

    Wander (Sprichwörter)

    Zwang 1. Die andern thun gross zwang vnnd noth, die trifft zuletzt ein böser Todt. – Lehmann, 936, 22. »Der Lucifer, jhr…

  6. Spezial
    Zwang

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zwang m. (-[e]s, Zwänge) 1 (Nötigung) costriziun (-s) f. , sforz (-rc) m. 2 (Gewalt) forza (-zes) f. , violënza (-zes) f…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwang

352 Bildungen · 184 Erstglied · 163 Zweitglied · 5 Ableitungen

zwang‑ als Erstglied (30 von 184)

Zwanganleihe

Campe

zwang·anleihe

Die Zwanganleihe , Mz. — n , eine mit Zwang veranstaltete Anleihe, eine erzwungene Anleihe.

Zwangbefehl

Campe

zwang·befehl

Der Zwangbefehl , — es, Mz. — e , ein Befehl, welcher mit Zwang begleitet ist, und welcher befolgt werden muß.

Zwangbrief

Adelung

zwang·brief

Der Zwangbrief , des -es, plur. die -e, in den Rechten einiger Gegenden, ein Befehl, die gerichtlichen Acten dem Appellanten bey Strafe abfo…

zwangbuch

DWB

zwang·buch

zwangbuch , n. , zauberbuch Lexer kärnth. 266 ( s. DWB höllenzwang th. 4, 2, 1757). —

Zwangdiener

Campe

zwang·diener

Der Zwangdiener , — s, Mz . gl. ein Diener durch Zwang, ein gezwungener Diener. »Er (der Mensch) hat das Auge verloren, ihre (der Thiere) Na…

Zwangdienst

Adelung

zwang·dienst

Der Zwangdienst , des -es, plur. die -e, Dienste, zu welchen jemand gezwungen ist, zu welchen er durch Strafübel angehalten werden kann, z. …

Zwangdrescher

Adelung

zwang·drescher

Der Zwangdrescher , des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, Häusler, so fern sie gehalten sind, dem Grundherren sein Getreide für e…

zwangecht

DWB

zwang·echt

zwangecht , adj. : mit den necessairfreien ..., welche zwangmündig oder zwangecht sind Just. Möser s. w. 3, 349 . —

Zwangen

Adelung

Zwangen , verb. regul. act. Zwang anthun, wie zwingen, doch nur noch in engerer Bedeutung, mit Gewalt zusammen drücken. Einen Pfropf hinein …

Zwangerinnerung

Campe

zwang·erinnerung

Die Zwangerinnerung , Mz. — en , eine gezwungene, erzwungene Erinnerung. »Ire Leichengebräuche sind freilich — Zwangerinnerung des unreinen …

Zwangfǖr

Idiotikon

Zwangfǖr Band 1, Spalte 948 Zwangfǖr 1,948

Zwanggesetz

Campe

zwang·gesetz

Das Zwanggesetz , — es, Mz. — e , ein Gesetz, welches durch seine Verbindlichkeit Zwang auflegt, zur Befolgung durch die Strafen, welche es …

Zwanggesinde

Adelung

zwang·gesinde

Das Zwanggesinde , des -s, plur. car. Gesinde, welches gehalten ist, dem Grundherren für einen geringern Lohn zu dienen, als freyes Gesinde.

Zwanggläubig

Campe

zwang·glaeubig

○ Zwanggläubig , adj . u. adv . einen oder den Zwangglauben habend, bekommend, und, darin gegründet. »— daß es mich gar nicht befremden würd…

Zwangglaube

Campe

zwang·glaube

○ Der Zwangglaube , — ns , o. Mz . ein mit Zwang verbundener Glaube, und in weiterer Bedeutung, ein Ibegriff von Glaubenslehren, welche anzu…

zwanghaft

LDWB2

zwang·haft

zwang|haft I adj. sforzé (-zá, -zada) II adv. cun la forza, a ries, cun les ries.

zwangheit

DWB

zwang·heit

zwangheit , f. : drumb müssen wir ... auch das erfullen, wo die werck ausz zwang geschehen oder von zwangheit Luther 9, 663 W. —

Zwangherrschaft

Campe

zwangherr·schaft

Die Zwangherrschaft , Mz. — en , eine Herrschaft, welche mit Zwang verbunden, geführt wird, da man durch und mit Zwang herrscht (tyrannische…

Zwanghüfig

Adelung

Zwanghüfig , adj. & adv. den Hufzwang habend, S. dieses Wort.

Zwanghuf

Campe

zwang·huf

† Der Zwanghuf , — es, Mz. — e , ein zu schmaler Huf. Nemnich.

Zwanghufig

Campe

zwang·hufig

† Zwanghufig , adj . u. adv . den Hufzwang haben. Davon die — keit .

zwangig

MeckWB

Wossidia zwangig zwangsmäßig: dat wir (bei den Zunftvorschriften) all' 'n bäten zwangig Gü Güstrow@Schwaan Schwaan .

zwang als Zweitglied (30 von 163)

Gruppenzwang

RDWB1

Gruppenzwang групповое давление, давление со стороны коллектива

Zugzwang

RDWB1

Zugzwang m übertr. навязчивая идея, невроз навязчивых состояний er steht gewaltig unter ~ - он одержим навязчивой идеей sie bringt sich dami…

ADVOKATENZWANG

DWB2

advokaten·zwang

DWB2 ADVOKATENZWANG m. DWB2 vorschrift, sich vor gericht durch einen anwalt vertreten zu lassen: DWB2 ⟨1861⟩ wenn .. die emanation einer neu…

Afterzwang

Adelung

after·zwang

Der Afterzwang , des -es, plur. inus. der Zwang des Afters oder im After, wofür doch Stuhlzwang üblicher ist, welches S.

Amtszwang

DRW

amts·zwang

Amtszwang vf angelegten ambtszwang einspannen müssen 1651 Nassau/Diefenb.-Wülcker 53 Faksimile

bezwang

DWB

bezwang , m. coactus, necessitas, zwang: wo kein bezwang, da ist keine ehre. Simrock 1076 ; es taugt kein arsch ohne bezwang. 578; dann bzwa…

briefzwang

DWB

brief·zwang

briefzwang , m. der krieg, der sich mit brief- und postzwang vertheidigen musz. J. P. friedenspr. 17.

Buchzwang

LDWB2

buch·zwang

Buch|zwang m. (-[e]s) ‹econ› oblianza da ajorné i libri comerziai f.

DEKLARIERUNGSZWANG

DWB2

deklarierung·s·zwang

DWB2 DEKLARIERUNGSZWANG m. DWB2 zuss. mit deklarierung f. 1: DWB2 1946 deklarierungszwang für den französischen privatbesitz an gold A. Webe…

denkzwang

DWB

denk·zwang

denkzwang , m. werden nun durch diesen begriff alle übrigen begriffe bestimmt nach dem gesetze des widerspruchs d. i. findet denkzwang statt…

dienstzwang

DWB

dienst·zwang

dienstzwang , m. das recht jemand zur leistung bestimmter dienste anzuhalten, wie die ausübung dieses rechts. er besitzt den dienstzwang, er…

distilzwang

EWA

distil·zwang

distilfinkoAWB m. n-St., nur in Gl.: ‚Distelfink, Stieglitz, carduelis, acalanthis‘ (mhd. distelvin- ke, nhd. Distelfink; mndd. distelvinke;…

dogmenzwang

DWB2

dogmenzwang m. : 1846 Vischer aesthetik 1,412. 1915 Faulhaber zeitfragen ( 1919 ) 118. H. Albrand

doppelzwang

DWB

doppel·zwang

doppelzwang , m. zwiefacher, verschiedener art. mögen wir dem doppelzwang entfliehen? wir sind kinder der natur und des schicksals Tiedge.

druckzwang

DWB2

druck·zwang

druckzwang m. : 1944 Hafter juristen 147. DWB2 c mit der herstellung von druckerzeugnissen befaßte personen, betriebe und wirtschaftszweige:

erfüllungszwang

DWB2

erfuellung·s·zwang

erfüllungszwang m. die erfüllung einer verpflichtung garantierender zwang: 1882 Jellinek staatenverbindungen 177. 1968 n. zürcher ztg. 113,4…

erzwang

DWB

erz·wang

erzwang , m. extorsio: wer das gebet als einen erzwang in hinsicht der sachen, die er bittet, ansieht, irrt sich. Hippel 4, 168 .

fesselzwang

DWB

fessel·zwang

fesselzwang , m. compages, vinculum: todte gruppen sind wir, wenn wir hassen, götter, wenn wir liebend uns umfassen, lechzen nach dem süszen…

Ableitungen von zwang (5 von 5)

bezwang

DWB

bezwang , m. coactus, necessitas, zwang: wo kein bezwang, da ist keine ehre. Simrock 1076 ; es taugt kein arsch ohne bezwang. 578; dann bzwa…

erzwang

DWB

erzwang , m. extorsio: wer das gebet als einen erzwang in hinsicht der sachen, die er bittet, ansieht, irrt sich. Hippel 4, 168 .

gezwang

DWB

gezwang , verbalsubstantiv zu zwingen ( s. d. ) mit der ablautstufe des präteritums. gedwang, gidwanc ( s. Graff 5, 277 ) tritt später auf a…

unzwang

DWB

unzwang , m. , zwanglosigkeit: laszt uns mit u. fröhlich sein Wolke bei Campe ; das war ... der edle ausdruck des gelehrten standesgefühls i…

Zwange

Adelung

Die Zwange , plur. die -n, ein vornehmlich im Bergbaue übliches Wort, theils eine Art Schraubenzwingen zu bezeichnen, die Felgen und Laschen…