zwang,
m. ,
mhd. dwanc, twanc
mhd. wb. 3, 164; Lexer 2, 1595,
mnd. dwank Schiller-Lübben 1, 609.
im ahd. nur ein beleg thuanga
frena Graff 5, 277.
häufiger belegt ahd. githuinc Graff 5, 275.
so hat auch dem mhd. zwanc
das häufigere getwanc
zu grunde gelegen, wovon die vorsilbe theils infolge des worttones, theils als entbehrlich, vgl. zwing
und gezwing, gezwerg
und zwerg,
abgestreift ist, s. th. 4, 1, 4, 7231
ff. gezwang
noch bei Luther: das nit aus unlust odder getzwang geschehe 8, 165
W.; aus getzwang und not der gesetzs 10, 1, 363
W. für den übergang des anlauts tw
in zw
s. o. bei zw. 11)
die grundanschauung von zwingen '
mit der faust zusammenpressen'
ist in dem ahd. thuanga
frena unverkennbar. wir dürfen damit auch die bedeutung ärmeleinfassung verbinden, die sich aus der mhd. Elisabeth ergibt, vgl. breisen
th. 2, 355: in ermeln ane prise, ane knoufeln, ane twanc, ir kleider eben, nit zu lanc, mezlich allez ir gewant. goltborten unde harbant, alle uppeclich geziere verwarf die vrouwe schiere
Elisabeth 1991
R. 22)
damit hängt auch zusammen die anwendung auf die beschwerden des leibes, bes. der verdauung: zwang des stuolgangs Dasypodius 468
a;
tenesmus ... zwang, nit mögen zu stul gehen Saurus-Melanchthon (1592) f 2
a; zwang
[] des stulgangs Kramer 2, 1499
a; ir pauch tät ir groszen zw. Hartlieb
Alexander (1473) 11
b; der zwanck kam mit beschlosznem leib H. Sachs 4, 407
K.; in groszem schmertzen des zwangs brauch folgende zäpflin Osw. Gäbelkover
arzneib. (1595) 1, 242; wo aber blut mitlieff mit dem zw. und herter stul Paracelsus
chir. 441 (1618)
H.; grimmen, schneiden, zw. und seitenstechen v. Fleming
vollk. t. soldat (1726) 322.
länger erhalten in zusammensetzungen stuhlzwang, afterzwang Höfler
krankheitsnamen 863, blutzwang
th. 2, 198, hufzwang
th. 4, 2, 1873, zahnzwang
th. 15, 180. 33)
aus dem zusammenzwingen ergibt sich der begriff der enge, der in mnd. dwenge
reichlich belegt ist Schiller-Lübben 1, 612,
einmalig auch als dwang: Jhesus lach in der cribben dwanck 610. 44)
als verbalabstract zu zwingen
enthält zwang
auf der einen seite die nöthigung, gegen die man sich nicht wehren kann, und auf der andern die einwirkung einer von auszen kommenden gewalt, mag sie nun mehr oder weniger handgreiflich oder moralisch und geistig sein: der gebrauch ..., die zusammengeflochtenen haare auf oder kurtz hinter dem scheitel in zw. zu halten J. D. Major
bevölkerte Cimbrien (1692) 68; dieselbe gnad werde eingossen mit groszem zw. der sele. solchen zw. nennen sy ein rew Berth. v. Chiemsee 22
R.; lasset uns doch ... aus lauterem zwange der wahrheit bekennen, dasz hie kein grobes barbarisches wesen ... vorhanden sei Schottel
t. haubtspr. (1663) 61. 4@aa)
selten und nicht mehr üblich tritt in zw.
die wirkung von auszen nicht hervor, indem er sich aus der eignen, natürlichen beschaffenheit ergibt: wann ich sihe, das unter unvernunftigen tieren ein gatte umb des andern tot trauret von angebornem twange
ackermann aus Böhmen 21, 17
B.; twang, vor dem alle himelische ordenunge aus irem geewigten angel nimmer treten mag, lichte sunne, erhore mich 34, 24
B.; also begegnet disem kranken ein unüberwindliche neigung und zw. zum schlaffen Wirsung
arzneib. (1588) 143
b; dann die uppig geilheit ihren ersten zw. thut (
bei mädchen) Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 932; in todes zw. Wickram 4, 146
B.; hilff mir ausz der not; der bitter todt hat mich im zwang Forster
fr. t. liedlein 32
ndr.; deszgleich das waszer niemal flosz dahin, denn da es musz durch zwang Kirchhof
wendunmuth 2, 194
lit. ver.; der zwang des pulvers redt noch freyer, sein donner übertäubt die luft Stoppe
Parnass 7. 4@bb)
herschend war bes. in früherer zeit die vorstellung der gewalt. 4@b@aα)
den frauen gegenüber: thalamus coactus ein zwang oder überringung einer frauen, ubergewaltigung einer dochter Frisius 244
a; als Dionysius die nachricht hatt empfangen, wie dasz ein edles weib sein sohn mit zwang entehrt Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 339; also that er ihr zwang an und beging eine grosze schandthat Simrock
dtsche volksbücher 2, 9. 4@b@bβ)
durch streit und krieg: kamen des constantinopolitanischen keysers zwen söne vätterlicher erbschafft halb in zwang Fronsperger
kriegsb. (1573) 3, 174
b; dieser Türck hat der christenheit groszen zwang gethan Seb. Franck
chr. d. Türkei (1530) l 3
a; nachdem die alten Römer mit weiszheit und zwange ... ir reich ... gemehrt und geweitert haben Jac. Frey
gartenges. 145
B.; da ... die Galater sie ... anfielen, seind sie in gröszten zw. kommen Xylander
Polybius (1574) 228. 4@b@gγ)
daran schlieszt sich freiheitsberaubung, gefangenschaft: und lehrt den vogler pfeiffen fügen, darmit die vöglein zu betriegen, zuo locken in durch falsch gesang, bitz das ers bring in zwang und strang Fischart
lob d. lauten 308
H.; [] durch der pfeiffen schönen klang kombt der vogel oft in zwang Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 193; den man in diesem jahr stark nachgestellet, in zw. gebracht und zu gleich aufgehenckt hat 251; da ich nun, wie ich neben euch erlöset worden, oder vielmehr in einen neuen zw. gerahten bin, nicht erzehlen darf A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 1198 (1677). 4@cc)
aus dieser vorstellung ergibt sich die ständige verbindung mit noth,
s. th. 7, 905
und drang,
th. 2, 1333: aus not und zwang Frisius 532
a; zw. und not auflegen 701
a; ausz wassers not und feuers zwang errettet vor dem untergang Spreng
Äneis 18
a; ich bin indessen von noth und zw. umgeben Göthe IV 10, 83
W.; zwang und noth bricht treu und eydt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 170; zwang und trang Frisius 35
b; darumb das Christhus on zwang und drang, on gesetz und schwerd ein frei willig volck haben solt Luther 11, 253
W.; im schlamm und koth, im zwang und drang Rinckhart
christl. ritter (
mansfeld. bergreihen) 45
ndr.; das werthe Niederland: sie haben zugenommen durch solchen zwang und trang, sind in die schlösser kommen Opitz
opera (1690) 3, 303.
ähnliche verbindungen: denn es ein tyrannisch ... regiment, beide uber leib und uber seele, das mit eitel dreuen und zw. regiret Luther 26, 135
W.; (
Romulus) die Römer auch in hartem zw. und straff hielt Carbach
Livius 7
a; auf das vor süszigkeit des klangs und gsangs er verges die bitterkeit seines zwangs Fischart
podagramm. trostbüchl. 31
H.; eins mals ich in dem heiszen summer spacieren gieng in groszem kummer, weil die theurung und groszer zwang in allen dingen werdt so lang H. Sachs 3, 302
K.; als demselben gottshus mengerlei uberfal und zwangs geschach Tschudi
chron. helvet. 1, 61.
zum zw.
gehört auch leiden: ach mutter, schweig und machs nit lang, die altvetter leiden groszen zwang
Egerer fronleichnamsp. 3980
M.; man thü die kloster ab. und lasz sie alle in die ee kumen und kinder machen, damit ... sie nit also groszen zw. und trang leiden Hier. Gebwyler
beschirmung d. lobs Marie (1523) 33
a; die leiden not und hungers zwanck H. Sachs 1, 270
K.; gros not leit er und herten zwang Murner
badenfahrt 7
Martin. 4@dd) zwang
hat sich in neuerer zeit mehr auf die unwillig ertragene vergewaltigung des willens, der sittlichen und geistigen unabhängigkeit gewandt: gewalt geschicht durch zw. oder uberreden Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 230; aller zw. hemmt und drückt die natur Heinse 4, 230
Sch.; ob ein werk aus willkühr oder aus zw. gemachet sei, dies ändert seine einrichtung nicht Herder 22, 126
S.; der zw. beschämt niemanden, und es ist kein schimpflicher dienst, der zeit zu dienen Göthe 28, 139
W.; er sey hier auf dem schlosz, behaupten sie, du haltest ihn mit zwang Schiller 12, 305 (
Wall. tod 3, 17)
G.; es kostete viele mühe, ja, fast zw., ihn dazu zu bewegen H. Steffens
was ich erlebte 1, 167; den gedanken, dasz der physische zw. im wesentlichen dasselbe ist was die nothwendigkeit, die das weltall zusammenhält Solger
vorl. über ästhetik (1829) 133; die arbeit setzt nicht blosz freiheit voraus, sondern auch den zwang W. H. Riehl
dtsche arbeit 237; die base ... führte ihn halb durch überredung halb mit zw. aus der thür W. Raabe
hungerpastor 1, 253.
in bildlicher anwendung: unter seines hammers zwange bildet sich zuerst der pflug Schiller 11, 296
G.; [] doch immer höher steigt der edle drang (
der cirruswolken), erlösung ist ein himmlisch leichter zwang Göthe 3, 100
W. im ggs. dazu: zw. wert nit lang
schöne weise klugreden (1548) 5
b; du willst die freiheit gegen zwang, für unruh ruhe tauschen Zinzendorf
t. ged. (1766) 228; zw. erbittert die schwärmer, aber bekehrt sie nie Schiller 3, 421
G. 4@ee)
als zwang
wird besonders die einwirkung auf liebe und eheschlieszung empfunden: der zw. der eltern darf heirathen weder stiften noch hindern grafen Stolberg 3, 199; eine langweilige predigt über die menschlichen herzen, über die nichtigkeit der schwüre, über den zw. der ehe Schiller 3, 541
G.; sie (
die eltern) brachten es endlich durch zw. und drohung dahin, dasz sie sich mit einem vornehmen hofbeamten ... verloben muszte br. Grimm
dtsche sagen 1, 92. liebe
und zw.
einander gegenüber: du darffst es offentlich gestehen und sagst durch keines zwang und trieb: ja, ja, mein kind, ich hab euch lieb S. Dach 424
Ö.; die liebe läszt sich nicht durch zwang zuwege bringen A. Gryphius
dram. w. 162
P.; die lerche steiget in die höhe. ihr buhlerischer lustgesang verehrt und lobet lebenslang die freie liebe, nicht die ehe, die stete wahl und keinen zwang Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 26. 4@ff)
umgekehrt ist der zw.
etwas übermächtiges, gelegentlich übernatürliches, fast mystisches: die sternen haben ... einen völligen zw. über uns Lohenstein
Armin. (1689) 1, 264
b; eine predig ... ein süszer zw. zu allen löblichen thaten Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2, 222; hier wird man froh, von wahn und zwang entbunden, herr seiner zeit und könig seiner stunden Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 105; tiefewärts mit süszem zwange zieht es mich zu schauen Lenau
s. w. 92
B.; dennoch geht der schauspieler in des dichters unsichtbarem zwange O. Ludwig 5, 131
E. Sch.; die volkskraft wirkt unablässig mit dem dunkeln zwange einer urkraft G. Freytag
ges. w. 17, 24; sind sie doch nur ein menschenpaar, das, ungleich im alter, den zw. der natur zu fühlen bekommt W. Schäfer
lebenstag eines menschenfreundes 110; endlich begann er wie unter einem zwange auf den laut der gemeinsamen schritte zu horchen Hans Grimm
volk ohne raum 1, 164. 4@gg)
am allgemeinsten gefühlt ist der zw.,
der von der menschlichen gesellschaft ausgeübt wird. 4@g@aα)
der zw.
des rechts und gesetzes: wan solches geschicht, so ist kein zwang und hat kayserlich recht seinen gang
Endinger Judenspiel 87
ndr.; ein thorheit der menschen ists, da gott jedem sein land und leut, sein hausz und nahrung hat zugeeignet und verzäunt, dasz einer den zaun will brechen und sein hausz mit ander leut zwang und gewalt vergröszern Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 335; denn die gesetze, welche der natur und ihren neigungen zw. anthun, sind für den pöfel gemacht Lohenstein
Armin. (1689) 1, 14
b; sie müssen sich nicht sowohl angelegen sein lassen, ihre unterthanen tugendhaft und vernünftig zu machen, es ist ganz unmöglich dieses durch den zw. der gesetze zu bewirken Rabener
s. w. 2, 401.
s. auch gerichtszwang,
th. 4, 1, 2, 3686. 4@g@bβ)
der von einer macht über eine andere, von einem volk über das andere, der irgendwie vom staat geübte zw.: wie er die kinder von Israel aus irem zw. und tyrannei frei gemacht Luther 28, 702
W.; under seiner herschaft und zw. Schaidenreiszer
Od. 12
a; dasz sie ja möchten von allem zwange frei sein, (
haben sie) ihren eignen könig getödtet Micrälius
Pommerland (1640) 1, 101; wiewol jedermann in den dryen ländern des mutwilligen zwangs
[] und der tyrannei der landtvögten beschwert was Tschudi
chron. helvet. 1, 237; dasz sie bei denen vorzunehmenden werbungen die geringste gewalt und zw. auf keine weise verüben v. Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 125; die ungewöhnliche freiheit, die ich mir in einem lande voll ängstlichen zwangs anmaszen wollte Schubart
leben u. gesinnungen 2, 10; den unnatürlichen grund einer blos auf zw. und furcht beruhenden verfassung J. G. Forster
s. schr. 7, 185; dieser zw. ... hat zuerst den begriff der freiheit geboren E.
M. Arndt
s. w. 1, 244
R.-M.; überall, wo der zw. der dreifelderwirthschaft ... die dorfgemeinde einengt G. Freytag
bilder 1, 75; doch wenn ein volk, das fromm die heerden weidet, sich selbst genug, nicht fremden guts begehrt, den zwang abwirft, den es unwürdig leidet Schiller 11, 401
G. 4@g@gγ)
auf dieser anwendung beruhen die festen wendungen in zwang halten, unter einen zw. bringen, unter einem zw. leben: das volck äuszerlich regiren und das fleisch im zwang halten Luther 24, 402
W.; wenn der pöbel mit zw. und guter manier im zaum gehalten wurde G. Arnold
kirchen- u. ketzer-hist. (1689) 30
a; das der leute gemüther viel mehr durch willfährigkeit zu gewöhnen als durch zw. in gehorsam zu halten weren Chemnitz
schwed. krieg 2 (1658), 33; so er begert zuo haben land, lüt und gelt, das zuo bringen under sinen zwang Nikl. Manuel
v. papst u. s. priestersch. 1094
B.; sie lebten unter zu hartem zwang W. Hauff
s. w. 1, 232. 4@g@dδ)
der zwang
der kirche: so ir wollet frei werden ... von den gesetzen und zwang des bapsts Luther 33, 64
W.; sy (
die bischöfe) söllind iedermann ungezwungen lassen ires gebotes oder zwangs halb Zwingli
dtsche schr. 1, 315; Luther sey von got gesandt, zuo seubern die biblia von der lerer auslegung und zw. Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 150
ndr.; und darneben mit bann und zwang den gwissen machen angst und bang Fischart
Jesuiterhütlein 223
H.; die form des gottesdienstes glich einer abgeschmackten, lästigen etikette, und dieser ewige zw. muszte endlich die heuchelei ... gebähren Schiller 5, 90
G.; obgleich man den zw. der ohrenbeichte verwarf Ranke
s. w. 2, 312.
der zwang
des teufels und der hölle ist der zwang,
den die macht des bösen ausübt: der satan dräut mit list und zwang A. Gryphius
ged. 497
P.; es gehet die seele ... nicht ausz dem menschlichen leibe, dasz sie wandere in einen wolf durch zw. des teuffels Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 428.
es ist aber auch der zwang
der gegen die hölle angewendet wird: herr Jesu, zwang der hellen Simon Dach
bei Fischer-Tümpel 3, 72; er liest im alten zauberbuch, genannt der zwang der hölle H. Heine 1, 268
E.; und der dämon daher, seines zwanges entledigt, aus dem halse wieder in die magengegend hinabsank Immermann 2, 148
B. s. über höllenzwang
im buchtitel th. 4, 2, 1757. 4@g@eε) zwang
der erziehung: iren leib in zw. und zucht zu halten Luther 33, 428
W.; wo kein zwang ist, da ist kein ehr 2, 104
b (
oft belegt); doch gehört die ruot, der trib und zw. nur auf die narren, knecht und kinder 2, 105
a; katzen mausen aus lust, nicht von hunger noch zw. Petri 2, L l 2
b; paedagogium, eine fürtrefflich schule der künst und sprachen, so unter starckem zwange noch gehalten wird Orsäus
nomenclator (1623) 106; was kinder ausz zw. thun, das hat keinen bestand Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 193; arbeit, zwang und lehr bringt kinder zu der ehr 1, 147; es war nicht möglich, leute von so verschiedenen nationen ... in dem zw. zu erhalten, den die römische
[] kriegsdisciplin erforderte
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778) 1, 84; verstellung ist für edle seelen unerträglicher zw. J. J. Engel
schr. (1801) 3, 121.
aus erziehung und gewohnheit entsteht der zwang
der tracht: der zwang der steiffen schnürleiber
die vernünftigen tadlerinnen 1, 52; nach dem war der ganze anzug der Griechen so beschaffen, dasz es der bildenden natur nicht den geringsten zw. anthat Winckelmann
s. w. 1, 12; H. hat vollkommen eben denselben wuchs, nur dasz sie durch den zw. der kleidung eher schmächtiger als stärker scheint Lessing 2, 40
M. 4@g@zζ)
der zw.
der sprachform, besonders der in der dichtung geltenden: dasz des reims wegen man offtmahlen wider willen wörter, ja gantze reden setzen musz, die man viel eigentlicher ... ohne diesen zw. hätte geben können Morhof
unterr. d. dtschen spr. (1682) 568; der verfasser hat sich an keinen zw. einer philosophischen einrichtung binden wollen Gottsched
vers. e. crit. dichtk. (1751) 5; unsere sprache ist so zart, dasz sie nicht den geringsten zw. leiden will J. G. Neukirch
anfangsgr. d. teutschen poesie (1724) 100; die beiden briefe ... sind recht gut, bis auf einigen zw. in der schreibart Gellert
w. 9, 208; dem zwange des sylbenmaszes und des reimes zum trotze Lessing 7, 32
M.; die aufzählung solcher zusammensetzungen im wörterbuch zeugt von keinem reichthum unserer sprache, blosz von einem zw., der ihrer syntax angethan wird Jac. Grimm
vorr. xxv; der rhythmus ist ein zw., er erzeugt eine unüberwindliche lust, nachzugeben, mit einzustimmen Nietzsche 5, 115. 4@g@hη)
der zw.,
den man sich selbst auflegt, ist das ergebnis der erziehung: der ... sich also seiner eignen vergnügung, die er aus ihrer gegenwart schöpfte, berauben wolte, und hierbei ihme den grösten zw. anthäte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 56; so bin ich doch garnicht woll, ich esze mit zw. El.-Charl. v. Orleans 6, 12
H.; zum ersten mal verlohr der jüngferliche gang bei eil und dämmerung den affectirten zwang Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 14; die königin ... überlegt den unglücklichen zw. ihres standes, der ihr nicht erlaube, nach der wahren neigung ihres herzens zu handeln Lessing 10, 22
M.; ich that mir keinen zw. an, meinen husten zurückzuhalten Bode
Yoricks reise (1768) 2, 162; und wenn ich unklug muth und freiheit sang und redlichkeit und freiheit sonder zwang, stolz auf sich selbst und herzliches behagen Göthe 2, 145
W.; das lehramt auf universitäten ist ein eigenes element, das seine freiheit, aber auch seinen zw. hat Jac. Grimm
kl. schr. 1, 28; weil dieser freie kopf den zw. des amtes nicht ertrug Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1866) 2, 60; man konnte mit ihr verkehren wie mit einem kameraden, ohne sich irgend welchen zw. auferlegen zu müssen Polenz
Grabenhäger 1, 74. 4@g@thθ) ohne zw.
für unbehindert, frei, natürlich: dasz unser liebe und wolmeinen nicht undanckbarlich und stöltzlich verachten, sondern sich williglich, on zwanck, nach der liebe art solcher visitation unterwerffen Luther 26, 200
W.; die kindlich forcht gottes on zwang die ist der weiszheit anefang H. Sachs 19, 5
G.; drum rath ich, dasz du frei bekennest ohne zw. J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 360; dünne, glatte und feine lippen, die den mund ohne zw. zuschlieszen können Quanz
anweis. die flöte zu spielen (1788) 4; da er sich jetzt seinem schmerz ohne allen äuszeren zw. überlassen konnte Klinger
w. 8, 333. 55)
der zu dem begriff des wortes nicht passende plur. erscheint zu verschiedenen gelegenheiten unter der einwirkung besonderer stilistischen neigungen: der (
mensch) liget leider nû dâ nider, und ist in grôzen twangen
thür. ged. bei Bartsch
erlösung, einl. xiv 235
B.; und ist sölche vogtei und herrligkeit nachmals derselbigen statt Zürich mit manschaft, gerichten, zwengen,
[] pänen und aller gerechtigkeit underthan Stumpf
Schweizerchr. (1606) 419
b; indes sein geist selbstvergessen den zwängen der menschenseele nachsann C. Hauptmann
Einhart d. lächler 2, 36; dieses erkennens der zwänge von launen, lieben und leidenschaften der menschen 37. 66)
ungewöhnlich ist auch die prädicative verwendung, wie bei noth,
s. th. 7, 918: wisz, das mir ganz zwang bei in ist
Egerer fronleichnamsp. 962
M.; der könig belägert in und thät ihm so zwang, dasz er sich ergab Joh. Herold
chron. aller ertzbisch. zu Maintz (1552) 73
a; zehe, weich, zwang
lentus H. Decimator
thes. 77)
in der weidmannsprache ist zwang
das besondere zeichen der fährte des hirsches im ggs. zum '
thier': der zw. ist ein solches zeichen, welches der hirsch thut, indem er fortschreitet, die schalen vorne zusammen zwinget, und die erde damit heraus hebet Göchhausen
notabilia venatoris (1742) 24.
s. auch Döbel
neueröffnete jägerpractica (1754) 1, 6; der zw. ein zeichen der rothirschfährte, welches darin besteht, dasz der hirsch stets mit geschlossenen schalen schreitet Dombrowski
waidmannssprache 118.
auszerdem zwang treiben,
wenn das wild nach dem ersten jagen enger, und in den abjagensflügel eingestellt wird Eggers 2, 1416. 88)
ein fehler an pferden, vgl. zwanghuf, hufzwang: es begibt sich auch, dasz beiderseits an diesem oder jenem fusz bei oder an der wurtzel der huf zween knolln oder beulen einen halben eyes grosz, mit den spitzen in die höhe gerichtet erwachsen, welche etliche, die weil sie das lebendige des fuszes hart zusammen zwingen oder eng einziehen, den zwang nennen oder die hörnlein Uffenbach
neues roszbuch (1603) 2, 270.
die mit zwang
zusammengesetzten substantive sind zum gröszten theil uneigentliche, nach Jac. Grimm
gr. 2, 615,
vgl. die entsprechenden mit volk
th. 11, 2, 470
ff. sie fehlen auch bei Adelung,
während Campe
sie in reicherem masze aufnimmt. bis zum 17.
jh. überwiegen solche bildungen, die den im recht des besitzes liegenden zwang
bezeichnen wie zwangsbackofen, -dienst, -drescher, -gesinde, -kelter, -knecht, -presse, -spielleute, -schenke, -wein.
mit dem 18.
jh. treten die wörter hervor, welche die macht des staates und seines rechts über seine unterthanen und ihren besitz zum ausdruck bringen. in diesen überwiegt auch die '
uneigentliche'
bildung mit dem genetiv zwangs-: zwangsablösung, -ablieferung, -abgabe, -anleihe, -anstalt, -ansiedler, -arbeit, -arbeiter, -armensteuer, -aufsicht, -aushebung, -beitrag, ziehung, -gebot, -gebiet, -genossenschaft, -gesetz, -gewalt, -befehl, -berechtigt, -darlehen, -ehe, -enteignung, -er— -recht, -verkauf, -versicherung, -versteigerung, -verwalter -verwaltung, -vollstrecker, -vollstreckung.
dazu kommen die, welche auf der unbedingten wirkung der naturgesetze beruhen, wie zwangsläufig, -schiene, -schlusz, -schraube, -widerstand. —