gezwang,
verbalsubstantiv zu zwingen (
s. d.)
mit der ablautstufe des präteritums. gedwang, gidwanc (
s. Graff 5, 277)
tritt später auf als das zum präsens stimmende gedwinc, getwinc (5, 275—277),
das von ihm aber so weit zurückgedrängt wird, dasz die jüngere form des anlauts (gezwing)
nur ganz vereinzelt bezeugt ist. andererseits streift getwanc
schon mittelhochdeutsch das präfix vielfach ab (
vgl.twanc Lexer 2, 1595),
das vom ausgang des 16.
jahrh. ab nicht mehr bezeugt ist. spätmittelhochdeutsch tritt das präfix be
concurrierend dazwischen; vgl. betwanc (
mhd. wb. 3, 164
b; Lexer 1, 245;
die zeugnisse aus Jeroschin
und Gottfrid
gehören zu getwanc): do sprach er zur iuncfrowen, die dort in irem bette lac und vil herter suche (
krankheit, siechthum) pflac, die ir twanc houbt unde huf (
hüfte), 'Petronilla, nu stant uf' ... di iuncvrowe nicht enlie, swaʒ ir der vater e gebot, wand sie entwanc dikeine not. risch was si und wol gesunt ... do sprach der gute Petrus zu siner tochter aber sus 'Petronilla, nu ganc und lege dich in den betwanc, als du vor hast gelegen, la din vurbaʒ die suhe pflegen.'
pass. 297, 52
Köpke a. a. o. dies bezwang ist in der späteren epik viel vertreten (
s. Lexer
a. a. o.): (in dem betwange) Ottokar 93673 (mit betwange) 53600 (
var. getwange); (in bedwange halten)
Karl meinnt 125, 53
Keller; (sin bedwanck halten) 133, 32; (mit pezwangen ... umbfangen)
erzähl. 240, 1
Keller; vgl. bezwang und nötungen Fries
spiegel der artzney (1529) 114
a.
die bildung hält sich vereinzelt bis auf Opitz
und Spee;
s. oben theil 1,
sp. 1804. 11)
zum ältesten gebrauch und zur bedeutungsentwicklung von gezwang 1@aa)
ist ein überblick über die verwendungen von gedwing
vorauszuschicken, dessen erbschaft das jüngere substantiv übernahm. 1@a@aα)
anhaltspunkte geben 1@a@a@11))
schon die ältesten glossen, so namentlich die Hrabanisch-Keronische sippe. die vorstellung des zusammenpressens, zusammenfassens,
die für die sippe grundlegend ist (
vgl. noch: zer fiuste twang er sus die hant
Parz. 229, 12; die fûst twingen
Nibel. 2079, 1
u. a.),
kommt am reinsten in der gleichung: ambitus, kaduinc, cadhuing, kiduinc Steinmeyer-Sievers 1, 18
f.; ambagines, kaduinc, kiduing
ebenda (
für ambages neben cadhuing
auch duinc),
zur geltung, die in dem spätern verwaltungsrechtlichen ausdruck (
s. u.)
wieder aufgenommen wird. von dem begriff des zusammenpressens erst erwächst die vorstellung einer gewaltanwendung, der willensbeugung, die für unsern gebrauch der sippe wesentlich ist, vgl. districtio, caduinc, kithuuinki, kidungani, starchida 1, 108
f. dazu vgl. jugum ferreum, hartengiduinch
u. a. zu 5 Mos. 28, 48 (wird ein eisern joch auff deinen hals legen Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 371;
frena, giduinga (
zu den canones) 2, 106;
disciplinam, kiduinc (
zu Prudentius) 2, 420
u. a. 1@a@a@22))
im ältesten litterarischen gebrauch, für den Otfrid
und Notker
zeugen, tritt durchaus die willensbeugung und gewalt vor: fon themo er unsih retita,in hellun nan gistrewita, giwan ouh mit githwingein sin selbes heiminge. Otfrid 5, 16, 4;
ähnl. 4, 7, 39
u. a.; desgl. (
vom jüngsten gericht): thaʒ thar si mihilaʒ githuing. 5, 19, 22.
dazu vgl. beatum regimen ... si quidem foret jugum detrectantium ... sô iʒ tero widerôntôn geduuing wâre Notker
Boethius s. Hattemer 3, 153
b;
disciplina tua correxit me ... dîn geduuing rihta mih
psalm 17, 36;
Hattemer 2, 67
a (die lerunge din
Trebnitzer psalmen; wenn du mich demütigest Luther); nu habest dû gefestenot an mir dîna hant. ich pin nu in dînemo geduuinge (
zu psalm 37, 3) 2, 131
b. 1@a@bβ)
in der mittelhochdeutschen zeit ist der gebrauch dieses substantivs schon durch das vordringende getwanc
eingeengt; vgl. mhd. wb. 3, 164
a; Lexer 1, 953.
andererseits wirkt auch die neigung, das präfix abzustreifen: trûrens urhap, freuden twinc
Parzival 314, 12.
noch mehr in rechtsformeln: twinc unde ban
s. mhd. wb. 3, 164
a; die in dem twinge gesessen sint
ebenda; vgl. auch hanttwing, twinchof
u. a. 1@a@b@11))
zum freien gebrauch mit der bedeutung gewaltanwendung vgl.: er prediet ein niuwene und storit cristenlichiu dinc so verre unde sin getwinc eʒ iemer vollebringen mac. Hugo v. Langenstein
Martina 192, 76;
desgl. 194, 108; 199, 167;
vgl. auch mhd. schachbuch 187, 30; 238, 36. schephers unde walters unde herre aller dinge mit gewaltigem getwinge. Walther v. Rheinau
marienleben 54, 2.
dazu vgl. die formelhafte präpositionalverbindung ane getwinc: suʒ ist er hie geborn ze einer wiʒe erkorn darzuo ane getwinc tuot er menic boese dinc.
Martina 116, 15;
desgl. 117, 17; 239, 110; des tempils umbehanc zerbrach, dar zuo man emploeʒet sach an dirre stunt sunder getwinc des tabernackels inriu dinc. Walter v. Rheinau
marienleben 205, 29. 1@a@b@22))
zur rechtsformel vgl. 1@a@b@2@aa))
erzwungene leistungen und ansprüche auf solche: 1@a@b@2@a@aα)) tuomherren, ambtliute ... sint deʒ gewerfes vri unde alles getwinges vri, wan so verre mit des bischoves urloube tuinget ein rat die ambtliute ze habend rosuzzoge, wahte
Basler dienstmannenrecht s. 17
Wackernagel. 1@a@b@2@a@bβ)) alle getwingnisse ist des bischoves
ebenda s. 20.
andererseits vgl.: libertas ist ... tiu in ioh chuningliches kewaltes inbindet unde er âne gemeine êa neheinen gedwing nehabet Notker
Boethius s. Hattemer 3, 80
a.
beim verkauf eines hofes zu Offingen tritt aus dem lat. stil die deutsche formel heraus: cum juribus que dicuntur ehafti, getwinc et frAeveli
urk. v. 1280
s. Würtemberg. urk. buch 8, 227.
die gleiche formel in verträgen von 1270; 1274; 1275; 1276; 1280;
desgl. ehaft. getwing ban 1286
s. Hermann Fischer
schwäb. wb. 3, 647;
dazu vgl.: daʒ wir hein verkoufet ... unsern getwing und ban ze nidern Endvelt mit aller rechtunge und ehaftigi, als er uns angeerbt ist von unsern vordern ... und enziechen uns ... aller der rechtunge, vorder oder anspreche, so wir nu oder hie nach an dem vorgenanden getwing und ban, so wir von eigenschefte oder von erbschefte, nach sitte oder gewonheit des landes, iemer könden oder möchten in keine wis gewinen
urkunde Rudolfs v. Habsburg (1312)
s. Kopp nr. 142. 1@a@b@2@bb))
mit der gleichung für ambitus (
s. d.)
berührt sich die zusammenfassung eines (
für solche leistungen in betracht kommenden)
bezirks vgl.: es sond ouch alle die da sin, die in dem getwing sitzend und all die, die des gotshus eigen sind ...
öffnung von Dietikon s. weisth. 5, 95; die in unserme getwinge sint
Züricher richtebrief 47;
dazu im plural: wil ein gast klagen uf ein, der in den gezwingen gesessen ist, der sol im an dem abent mit dem förster für gebietten
weisthum von Birmensdorf (1347)
weisth. 1, 31;
vgl. auch getwenge
s. sp. 7236. 1@a@b@33))
das einzige zeugnisz für die jüngste form des anlauts an dieser bildung bringt die grundbedeutung, wie sie in den glossen für ambitus
zu tage trat, am reinsten zur geltung: die frowen saʒen geziert in dem gezelt wol geballieret, si saʒen umb zuo ring in einem engen gezwing. 1@bb)
die form gedwang 1@b@aα)
ist althochdeutsch noch spärlich bezeugt. aus den glossen kommen für sie fast nur jüngere schichten in betracht, litterarisch ist sie nicht vor Notker
beobachtet. 1@b@a@11))
die ersten zeugnisse stammen zwar aus einer in das 9.
jahrh. versetzten Reichenauer handschrift, bleiben aber in dieser zeit ganz vereinzelt, gedwang
wird erst 2
jahrhunderte später allgemein aufgenommen: censura, geduuange (
zu Gregors cura past. 3, 14) Steinmeyer-Sievers 2, 233 (
vgl. geduinge 2, 189; giduinc 2, 169; suana, rehtmeʒ 2, 228);
disciplinam, geduuanct 2, 232 (giduinc 2, 190); geduuange 2, 235.
andererseits vgl.: frenum, giduuanc
Regensburger und Scheierner glossen 11.—13.
jahrh. zu 2
Samuel. 8, 1 (und nam den dienstzaum von der Philister hand Luther; daʒ erb des zinses
ältere bibel) Steinmeyer-Sievers 1, 417 (giduinc
in Tegernseer; Wiener handschr. 10.—11.
jahrh. u. a.). 1@b@a@22)) Notker,
der gezwing
für lat. jugum und disciplina einsetzt, giebt das letztere noch häufiger mit gezwang
wieder: disciplina tribulationis, geduuang manigh nôthafti
zu psalm 68, 18
s. Hattemer 2, 237;
ebenso (
zu psalm 70, 20) 2, 247;
timor et disciplina dei, gotis forhta unde sin geduuanch (
zu 101, 20);
dazu vgl.: omnia rector gubernans certo fine respuis solos actus hominum, alliu ding kot in geduange habende newile du menniskôn tâte tuingen ze iro rehte
Boethius s. Hattemer 3, 37
a. 1@b@bβ)
ungewöhnlich ausgedehnt ist der gebrauch des subst. in der mittelhochdeutschen zeit. schon hier zeigen sich die ansätze neuer —
bei gedwing
nicht beobachteter-wendungen, vgl. mhd. wb. 3, 164; Lexer 1, 951. 1@b@b@11))
im mittelpunkt steht die bedeutung der gewaltanwendung und willensbeugung. mit vorliebe ist dabei die person in den vordergrund gerückt, die vergewaltigt wird, seltener der thätige theil. noch seltener wird das subst. ganz allgemein ohne hinweis auf den einen oder andern eingeführt: obini gnadi, undini giduanc.
genesis s. Diemer dtsch. gedichte 99, 23;
vgl.: sô senftiu swaere so lieplîch twanc. Ulr. v. Lichtenstein
frauendienst 10
tes lied 22 (134, 26).
gelegentlich sind beide theile gleich gekennzeichnet: die valsche (
gerechtigkeit) hât unwirdikeit ir selbin gibt sî getwanc des vleischis, daʒ gar sundir wanc sal recht als eignîn undir der sêle joche sî
n. Nic. v. Jeroschin 2626.
kennzeichnend für den mittelhochdeutschen gebrauch ist das vorwiegen der präpositionalverbindungen, die meist formelhaft erscheinen. 1@b@b@1@aa))
das augenmerk ist auf das leidende subject gerichtet: si chomen in ein lant. da habeten sie michelen gedvanc. di chunege si irten. di vart si in werten.
genesis s. Diemer dtsch. gedichte 62, 17;
desgl. (getwanc ... lide)
pass. 28, 84
Köpke; (vil getwanges leit) 448, 7; wan ich niht fürhte sîn getwanc, ich sol dich über sînen danc vor schaden wol behüeten. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 17163; alsô chom der êwige gottes sun zuo ... Marîûn ... daʒ siu newedir innân wart getwanges noch sêres
Züricher handschr. einer predigt zur geburt Christi s. Wackernagel lesebuch 1
2, 192
b; si chomen in daʒ lant durch hungers geduanch.
genesis s. Diutisca 3, 102; (von hungers getwange) Heinrich v.
d. Türlin
krone 29151; (von des todes getwange) Helwig
maere v. heil. kreuz 467
Heymann; do sluc si iʒ in den hindir, als man phlit die kindir, mit einir scharfin rutin ... dem kinde tet die rute we. lute iʒ zcu der mutir schre ... durch der rutin getwanc.
md. schachgedicht 193, 17
s. ztschr. d. a. 17;
vgl. (in armutis getwangin
mit reim auf enpfangin) 204, 24;
desgl. (in stritis getwangin) 233, 24; (in sinin getwangin) 252, 2; in dem getwange sîner minne
aus predigten dtscher. mystiker s. ztschr. d. a. 8, 248;
vgl. dagegen: ich lobe den hohen nider ganc der in den twank der helle sprank und uns von tievels banden da erloste.
s. ms. v. d. Hagen 2, 142
b. in den ewigen getwanc muʒen die sundere.
pass. 104, 64
Köpke; daʒ im sîne holden mit marter nâch volgen mit wîʒʒe und mit getwange.
kaiserchron. 10880;
desgl. mit groszem frochtin (forchtin) ... unde mit getwang
Eberh. Cersne 1919. belîbet ir iht lange in hurte und in getwange. Gottfried
Tristan 14420.
dagegen vgl. (ich saeʒ in dem twange) Seifried Helbling 3, 166; mich hât der starken minne bant nû lange zît getwungen ... mich riuwet, daʒ ich ie gebeit sô vil und alsô lange. sol ich in dem getwange verswenden leben unde lîp, daʒ man mich haete vür ein wîp. Konrad v. Würzburg
troj. krieg. 16670.
mit gleicher stärke des begriffes (er lebte mit getwange naht unde tac)
Rabenschlacht 9
Martin; (sie wurben mit getwange) 823; (die vögel leben in getwange) Heinr. v. Krolewiz
vaterunser 1060; (mit getwange sô bekart) Jeroschin 27025; der bluome ... stêt ... den sumer lanc schône ân allen getwanc. 1.
büchlein (Hartmanns) 847.
vgl. ohne präfix: huote staeten frowen machet wankeln muot, man sol frouwen schouwen unde lâʒen âne twanc. Heinrich v. Morungen
s. ms. frühl. 137, 9. 1@b@b@1@bb))
seltener wird die aufmerksamkeit auf das thätige subject, den bezwinger, gewaltiger gerichtet: der buoche lêre und ir getwanc was sîner sorgen anevanc, Gottfried
Tristan 2083; wi en Pilatus tede bedrang und legite an si grossin getwang. Joh. Rothe
passion 1345
Heinrich; iʒ engescaehe von getwange der wunden.
kaiserchronik 15722; der chunich Hainrich was ze den Nortmannen, die er mit michelme getwange der toufe getwanc. 15791 (
var.: twangen);
desgl. (mit michelme getw.) Gottfried
Tristan 6274; (mit sölhem) Rud. v. Ems
guter Gerhard 1780; nû bin ich iu ein teil ze swach unde an wirde gar ze kranc daʒ ich iuch koufe durch getwanc: ob aber ich iuch getrôste daʒ ich iuch hinnen lôste ... welt ir, ich wil enwâge lân umb iuch alleʒ daʒ ich hâ
n. 2058. 1@b@b@22))
auch die rechtliche bedeutung gliedert sich unter diesem gesichtspunkt. 1@b@b@2@aa))
auf den gewaltinhaber ist in zeugnissen der gebundenen sprache bezug genommen, die dem rechtsgebiet erwachsen sind: nu ist eʒ an ein ende komen, dar nâch mîn herze ie ranc, daʒ mich ein edeliu frouwe hât genomen in ir getwanc. der bin ich worden undertân ... Dietmar v. Eist
s. minnes. frühling s. 38; ze Rôme ist sbâbes êre kranc: in vremediu lant gât sîn getwanc.
Freidank 151, 26
W. Grimm. 1@b@b@2@bb))
zum object der gewalt vgl.: eʒ ist auch gesetzet, daʒ man niht langer in kainen getwang sein sol denne ain viertail jares, eʒ sei denne ob ain man niht anhaime sei; unde bringt der clager daʒ für in gerihte, so sol er aber ain viertail jares in dem getwange sein
Nürnberger polizeiordnungen 18
Baader. 1@b@b@33))
die bei getwinc
in älteren belegen zu tage tretende grundbedeutung des zusammenpressens ist für getwanc
in medicinischen zeugnissen aus der mittelhochd. prosa anschaulich zu fassen: daʒ der dunst in der erden sich auf macht und twingt sich durch alle die lüeger, die er vinden mag ... gêt der luft datʒ den engen nüeten ein und teust in dem getwang Konrad v. Megenberg 108, 30.
namentlich gilt dies für leibesschäden: swer daʒ getwanch hât oder swem der bouch zesamen gezogen ist, trinchet er vast ein waʒer daʒ ... gesalcen sî, sô wirt er als palde gesunt, want der bouch zelediget sich von dem salce und wird fiuhte von dem waʒer
Tegernseer arzneibuch 13.
jahrh. s. Pfeiffer 2, 15
a; swenne den wîben wê ist in der matrice oder umbe den nabel oder an der geschaft, sô gewinnent si ein getwanch, daʒ si dunchet des, daʒ si niden sî zesamene gebunden 3
d; swer daʒ getwanch habe, der siede himelbrant mit wurz mit alle unde bint in an sîn bein; im wirt sîn buoʒ 16
c; daʒ ist von dem getwankch (
Wiener handschr. 15.
jahrh., gedwangc
Klosterneuburger)
mitteld. arzneibuch s. J. Haupt s. 12.
für ähnliche bedeutung zeugen auch frühe buchungen: stranguria ... daʒ kalte siechte, der k. pisz, harn strang, ... getwanc
Bonner glossar (11.
jahrh.)
s. Diefenbach 555
a; des lîbis getwank,
carnis afflictio handschr. vocab. (
Breslau, mitte 14.
jahrh.)
s. fundgruben 1, 373.
im litterar. gebrauch treten neben der vollform auch formen ohne präfix vor: der seinen leib vertig well machen von dem twang, der nem zukker und waʒʒer gesoten mit viol Konrad v. Megenberg 426, 20; für des leibes twanch 417, 9; si gend och mengem ain trank, davon er gewint daʒ zwank und mag nit ze stuol gan.
teufels netz 10139 1; das muos man in wol durchkochen, daʒ ainr der ars nit werd zerbrochen mit ainem ruor und susz von zwang 5853. 1@b@gγ)
die von Diefenbach
benutzten vocabulare vermeiden für die bei Stieler (
s. u.) zu gezwank, zwank
gestellten lat. wörter ein glied unserer sippe, nur für coactio wird bezwingung (Diefenbach 128
b)
für violentia neben gewalt, macht
in einem vocab. pred. 15.
jahrh. zwingnisz
gebucht (Diefenbach 621
b).
aber zu lat. rigor stellt ein handschr. vocab. v. 1469 getwanck, gezwanck Diefenbach 498
b (
in andern vocab. twang, zwang,
niederdeutsch dwanck).
dazu vgl. für: abjugare neben: in zwei teilen, deilen sundern, abscheiden
auch: usz getwange laszen (
handschr. vocab. lat. germ.) Diefenbach 3
b.
auszerdem: tenasmon, das getzwang
Augsburger vocab. v. 1468
s. Diefenbach
nov. gloss. 360
b (zwangk Diefenbach 577
b) Dasypodius
bucht das subst. mit vorliebe ohne präfix: jurisdictio, gewalt oder gerechtigkeit, recht und gericht halten, gerichtszwang
lat. dtsch. R 3
b; grentzen des gerichtszwangs,
fines jurisdictionis deutsch-lat. F 6
a; zwange des stulgangs
tenasmus T 3
b; zwangnusz, genötigter dienst,
angareia ebenda; vgl. aber unter angareia ... gezwang, genöthigter dienst
lat. dtsch. B 5
a;
dazu vgl. noch: compellere in angustas, in gezwang treiben und nötigen Faber
thesaurus (1587) 601
b. Stieler
führt die präfigierte form noch unter den einschlägigen verbalsubstantiven auf: zwingung ... das zwingen, und der zwang, it gezwang,
domitura, coactio, concitatio, impulsio, vis, violentia, coercitio, coactus 2665.
in den beispielen hierzu setzt er nur zwang,
einmal zwingung
und an anderer stelle bucht er: zwängung, die das zwängen ... gezwänge,
coarctatio, coarctio, violentia, impetus, ferocia, vis, impressio, instantia ... 2666.
vgl. auch gezwâng, zwang Haltrich
s. 30;
desgl. (
s. u.) Spiesz
s. 78. 1@b@dδ)
formen. 1@b@d@11))
gegen getwanc
ist eine jüngere weiterbildung abzugrenzen, deren verwendungen und formen sich vielfach mit dem ersteren kreuzen: getwenge
s. mhd. wb. 3, 165
a; Lexer 1, 952. 1@b@d@1@aa))
vereinzelte adjectivbildung: eine kleine brust getwenge.
m. s. v. d. Hagen 3, 67
b s. Lexer
a. a. o.; daʒ er wolde sundir sparn in einen andrin ordin varn, der dâ wêre strengir zu traine und getwengir. Nicol. v. Jeroschin 4668;
vgl.getwenger wec Wh. v. Wenden 5458
s. Lexer
nachtr. 205. 1@b@d@1@bb))
das substantiv 1@b@d@1@b@aα))
unterscheidet sich im gebrauch nicht von getwanc: och ne stet eʒ por lenge, ê des glustes geduenge in aver ane gat, daʒ er alsame tuot.
genesis s. fundgruben 21, 8; siner zen varwe schein durch die lefzen als ein helfenbein ... weder gel noch rostig si waren, und ufrecht da bi, und waren rechter lenge. keiner krumbe getwenge noch ander gebreste dekein an Jhesus Cristus zenen schein. Walther v. Rheinau
marienleben 110, 24
Keller; vgl. (mîn herze in ein getwenge ... brâht) Hadamar 147;
vgl. die formel an getwenge Helwig
maere v. heil. kreuz 467 (von des todis getwange 467)
Heymann; vgl. auch die rechtliche verwendung: in des von Blankensteins gebiete und gegwenge
Dresdener urk. 25
s. fontes 2, 20.
das gleiche im Braunschweiger schichtbuch 16.
jahrh. in unnsen landen, gebeiden, gerichten und getwengen
s. dtsch. städtechron. 16, 502. 1@b@d@1@b@bβ))
eine sonderbedeutung, die sich für getwenge
gegen getwang
abgrenzen liesze, erklärt sich aus der vorliebe, mit der das erstere an gedrenge
gebunden wird: ... unz der van quam in ein getwenge in einis waldes enge. unde in dem gedrenge hûb sich ein gesprenge von der dît allumme zuo Nic. v. Jeroschin 25096; und dô sî quamen an dî Nar, dâ wart ein sulch gedrenge, daʒ sich von dem getwenge vil der ungetouftin in der vlût vorsouftin 21285;
vgl. auch wandern durch ein sulch getwenge
pass. 373, 39
Köpke. erst koman sie in ein gezweng do wardt umb sie ein grosz getreng Hans Schneider
die künigliche schlacht v. j. 1504 (
fliegende bl.)
s. 7. 1@b@d@22))
in den obliquen casus des sing. wie im ganzen plural lieszen sich die formen mit e
auch flexivisch erklären (i-
klasse);
entscheidend scheint das reimbedürfnisz gewesen zu sein: so wart im hie ein stosz ... so wart im ein stich ... so wart im ein slac anderswa beide hie und da also dicke und also lange daʒ er vor gedrange und vor irme getwenge beherten die lenge noch mochte noch enkunde Herbort
troj. krieg 7753; ze Düringen und in Sahsen læt man diu hâr niht wahsen an die rehten lenge, der hûben getwenge machent in kleiniu spænelîn Seifried Helbling 3, 222
Seemüll.; daʒ houbet die lenge wart gesniten mit getwenge
buch der Maccabäer 8923
Helm; mine rede was do gewant uf die uberluhte der stift mit dir in der heiligen schrift und von den sweren getwengen gotlichen sin zu volbrengen 177; die vremden wonden in der stat ouch von Jacob ist vergangen alle wollust von getwangen 2276;
desgl. gevangen ... mit getwangen 8118 (1.
Macc. 3, 46
ff.):
desgl. gevangen ... in getwangen 12410;
vgl. auch oben zum md. schachgedicht. dagegen vgl.: darumb sollen sie enge sein
daz der winter nit mit kelde mache das honig gefrieren und der sommer fliessende. die beide gezwang sein den immer zu forchten
Petr. de Cresc. 178
b. 1@b@d@33))
für das grammatische geschlecht herrscht bei gezwanc, getwanc, —
soweit erkennbar —
das masc., bei getwenge
das neutrum. letzteres dringt auch bei getwang
vor: an alles getwang Vintler 1631
aber: aller gezwang Hans Sachs 3, 501.
die beziehung auf leibesschäden ist dem neutrum besonders günstig, vgl. die zeugnisse für gezwang
und zwang
oben sp. 7235.
vgl.daz gezwang Weidner.
für ein fem. könnte das folgende sprechen, doch wird es sich vielmehr um den plural handeln: daʒ sie was ungewinnelich von grozer getwenge verte enge weich naʒ unde herte
buch der Maccabäer 1297. 22)
der neuere gebrauch hält verhältnismäszig lange an den formen mit präfix fest, nicht so sehr in formeln der rechtssprache oder der beziehung auf leibesschäden, als in der allgemeinen bedeutung einer gewaltanwendung, für die neben Hans Sachs
namentlich Luther
belege stellt 2@aa)
für die gewaltanwendung und willensbeugung 2@a@aα)
sind zusammenstellungen mit synonymen viel bezeugt. 2@a@a@11)) gezwang, vordruckung bein rechten, viel verhinderung und underdruckung von einem hern
prophezeiung von 1464
in Simon Hüttels
chron. v. Trautenau, s. dtsch. chron. in Böhmen 2, 118,
s. auch unten; vgl.: gude frnde averst averkumpt men mit gunst und fründtlikem guden willen, nicht mitt tyrannie und gedwange (
testament des Cyrus)
jüngere glosse z. Reinke de vos 60, 65
Brandes. 2@a@a@22)) sulchen getwank, sulche engestliche not, als die was, menschlicher sinnen krefte nimmer betrachten ... mochte Joh. v. Neumarkt
leben des heiligen Hieronymus 145
Benedict; und wird von derselben zeit an kleinmütigkeit und argwon unter den bürgern werden und entstehen, vom öberhaubt bewegt zur aufrhur, gezwang und not S. Hüttel 119. 2@a@a@33)) das bandt das do behelt di artzeny daz gezimet den gelidern in den da nit mag werden bindung oder gezwanck Brunschwig
chirurgia 41
a; daz under sollichem gezwang oder joch der dienstbarkeit leben under den heiden doch im glauben mindert Breidenbach (1486) 87
a; wir ergeben uns nicht inn gezwanck und dienstbarkeit, sunder inn deinen glauben Carbach
verdeutsch. des Livius 321
a. 2@a@a@44)) danne ich in züchung der kinden main und schetz, vast nütz sin ... lere enpfelchnüsz gezwang und nötung ains alten vatters Niclas v. Wyle
translationen 140
Keller; mit gezwang unter dem schwerd und gesetz eusserlich frum sein Luther
widder die himl. propheten (1525) a 4
b; die liebe zu gott würd es alles von ihm selbs fein ausrichten one gepott und gezwang Luther 20, 513 (
vgl.on alles gesetz und zwang
ebda); so wirt dann ausz dem gezwang oder gebot allein ein spiegel fechten (
predigten v. 1522) 10, 3, 15; keinen gezwangk noch gebot 61; habt jr gehört von den stücken die unnötig und frei sind ... das man kein gezwang noch ordination darausz machen sol 41 (B: zwang); denn aus euer gnaden geheisz, befehl und gezwang sind wir zur rechtfertigung unseres zwistes für die kaiserliche majestät gezogen worden
M. C. Schütz
Preuszen (1599) 174
b. 2@a@a@55)) das brennen, obgleich kein werck folgete, doch verlorne keuscheit ist, weil sie nicht aus lust und liebe, sondern mit grosser unlust, unwillen und gezwang gehallten wirt Luther (
ausl. von 1. Kor. 7) 12, 115; ein iglicher thue, wie ersz fur hatt, szo doch das nit ausz unlust odder getzwang geschehe denn ein frolichen geber liebt gott Luther (
von der beicht, 1521) 8, 165; und auch deszhalb mögen freie genant werden, das sie nit ausz gezwang oder mit unlust zum guten guts thun Joh. Dietenberger
das ander buch wider M. Luther n 4
a; du bist in freuden, ich in betrubnisz und getzwang Luther 9, 126 (
ausleg. d. vaterunsers); der iunge erbe inn furcht und gezwang erzogen wird Luther
post. (1528) 17
b. 2@a@bβ)
genetivbestimmungen, die das subject der gewaltanwendung kennzeichnen, begegnen seltener: sonderlich die stedte ... legten (
zulage geben) ungerne, sie mustens aber thun aus gezwange des keisers
hochd. übers. d. Magdeb. schöffenchron., s. dtsche städtechron. 27, 59 (
nach 1551); darumb das strmung des lAegers understanden were, hette er weder mit seiner anzeigung, noch mit seinem willen, sonder ausz gezwang der statt gethan Ringmann
Cäsar, s. 51
a: demnach lebet Eneas lang, bis er zlest von alters gezwang nach der welt weisz hat müssen sterben Wickram (
Ovids metamorph. 14,
cap. 7 [
vers 548]) 8, 213
Bolte; und in sölchem segen (
sägen) oder hauen wirt der gantz stam oder leib der pflantzen bewegt und die schweiszlöcher werden geenget durch den gezwanck des hauenden
Petrus de Cresc. 13
b; das ich als ein armer unverstendiger mensch ... nit szo viel frucht schaffen magk, als ich ausz getzwangk der warhafftigen bruderlichenn liebe gern thun wolt Hartmuth v. Cronberg (
an J. Kobel)
s. neudrucke 154
ff. s. 57;
vgl. (finsternis gezwange
var. für gecwenge)
bergreihen nr. 5,
v. 14. 2@a@gγ)
ohne nähere bestimmungen (
attribute sind ganz selten: sind wir solchs ehrenhalben gezwangs schuldig Fronsperger
s. H. Fischer 3, 646: betrübt ... in eusserstem gezwang Melissus
s. neudruck 144, 25)
steht das subst. noch immer hauptsächlich in präpositionalverbindungen. die function des subj. oder objects ist wenig belegt. der bedeutung nach kommt die active oder passive auffassung der gewaltanwendung hier meist zum ausdruck. 2@a@g@11))
ohne dasz thätiges und leidendes subject geschieden wird: wir duren uns selber zuo übel, also uns selber gezwang an thuon im gottes weg, also für und für zuo faren Geiler
christl. bilger 220
d; und raufent in die alten federn aus ... salben sie dann ... als lang das in wahsent ir vedern an alles getwang Vintler
pluemen der tugent v. 1631
Zingerle (allen zwang D); ieder wandel inn trewem mut, das es dem nechsten kumb zu gut! und iedes thu, gleich wie es wolt, das im von jhem geschehen solt! so nemb ein end aller gezwang! die hendel hetten freien gang und blieben wolfeil alle wahr Hans Sachs (
der eigen nutz) 3, 501. 2@a@g@22))
das thätige subject ist erfaszt: Esau iagtt, treibt das gesetz, regirt mit gezwang, Jacob lockett mit gnaden Luther 14, 368; die oberkeit aber ist ein gezwungener herr,
d. i. sie gehet mit gezwang umb Luther
tischreden 330
b;
non durant actus, homo quos facit ipse coactus, was ein man mit gezwang thut, bringet selten jemand gut
loci communes proverb. (
Basel 1572)
s. 27; man sol die kinder mit gezwang auffziehen Agricola
sprüchw. 77
a; der müller war so dick, dasz er schier nicht ohne gezwang durch ein stadtthor eingehen konnte Bechstein
märchen 94; do er hat vierzehn monat lang Magdeburg blägert mit gezwang
hochwicht. erhebl. ursachen s. Opel-Cohn
s. 52. 2@a@g@33))
das leidende subject steht im vordergrund. 2@a@g@3@aa))
so bei der seltenen verwendung für inneren drang, trieb: darnach stuend das nicht lang, das der sun gewan gross getwang nach dem selben pargamast, wan er mocht nicht haben rue noch rast von des selben messers wegen Hans Vintler
pluemen der tugend 4237 (
var.: zwang); nu gewan er groʒ getwange, darumb das er nicht west, was lones er verdient ze lest 8929 (
var.: zwang, zwange); so ihm aber der hunde hauffen an der hetz so streng nach thund lauffen ... und nicht mehr zu entrinnen weisz ... so hat dem thier doch die natur geben dise beschützung nur, dasz es sein mist in dem gezweng hinter sich auff drei acker leng hinaus wirfft also ungehewer wie ein hitzig brennendes fewer ... Hans Sachs (
der bonasus) 16, 508. 2@a@g@3@bb)) das sie umb keines getwanges willen, sunder von der gnade des heilgen geistes zu der hilgen toufe komen wellen
brief des ordensprokurators (1413,
s. J. Voigt,
jahrbücher Joh. Lindenblatts. s. 335
anm.); gibt sich in geczwanck, do er sunst frei wer Luther (
predigten 1519 ff.) 9, 395; und must dich erst selbs darzuo zwingen, das du mit gezwanck denckest an gott Eberlin von Günzburg (
predigt von zweierlei reich) 3, 90
ndr.; wird aber einer zum eide gezwungen, es seie mit langwirigem gefengnusz oder sonst mit gezwang Reutter v. Speir
kriegsordn. s. 21.
dazu vgl. die bewahrung der präfigierten form im sprichwort: hoffart musz gezwang leiden Spiesz
beitr. z. e. Henneberg. idiot. s. 78. 2@bb)
für die rechtliche bedeutung liegen wenig zeugnisse mehr vor, doch sprechen einzelne späte belege für die längere dauer: ob abeer den ihenen die nit in unserm gezwangk od eidszpflichtẽ sind, ligende güter so in unsern gepieten und obrikeiten, wie obstat gelegẽ, verfangen und behafft sind ... dero mögen si nit genoss sin die zu behalten ... sunst mögen und sollen die ligenden güter ... den frömbden, die nit in unserm gezwangk noch eidspflicht sind, nit zugelassen, gevertigt, noch inen zugestellt werden
nüwe stattrechten und statuten der statt Freiburg im Priszgow (1520) 46; jhenen, die nit in unserm gezwang, aidspflichten, oberkeit
Würtemberg. urkde v. 1569
s. H. Fischer 3, 646. 2@cc)
mehr dagegen für die beziehung auf leibesschaden. 2@c@aα) das pferdt gewinnet etwann das gezwangk oder die feifel, das ist, das im bös flüss flüessen inn die lende oder inn die nieren
Stuttgarter medic. handschr. (1571)
s. H. Fischer 2, 1014; von fürstal oder gezwang Albrecht
büchlein von artzney der rosz 5
a; so der vogel das gezwang hette, so nimm honigseim einer nusz grosz, und den dritten theil so viel seiffen ... und salb jhm das gefieder bei dem weidfenster, so schmeist er davon
neuer jagd und weidwerk buch 2 (1582) 59. 2@c@bβ) aber die feiszten leiden durch scharpffe kranckheiten und schweren adem grossen gezwang Khüffner
verdeutschung des Celsus 8
a (
difficultata spirandi strangulantur); do ainem menschen das getwang nit enweichen wil
München. handschr. s. Schmeller 2
2, 1178;
dort sonst twanch
und bezwang; (
dasz die leute) von gezwang des afters, genicks oder gegicht geplagt werden Ryff
spiegel der gesundheit (1574) 10
b,
vgl. dazu Frisch 2, 489
a; arssgezwang da einen der stulgang stets anficht und mag doch nicht zu stul gon H. v. Gersdorf (1518) 100;
vgl.bezwang des hinteren darms,
tenasmus ani Fries
spiegel der artzenei (1532) 115; arschzwang Coler
hausbuch 220,
vgl. Höfler
deutsches krankheitsnamenbuch 864.