zwinger,
m., nomen agentis ,
dessen verschiedene bedeutungen sich unabhängig von einander aus den entsprechenden gebrauchsweisen von zwing,
m., und zwingen,
vb., entwickelt haben. ahd. nur im compositum not(t)uingari
u. ä. violentus ahd. gl. 3, 144, 16; nottwinger 3, 328, 35; notwinger 3, 412, 13 (
seit d. 12.
jh.).
in älterer zeit twinger,
seit dem spätmhd. daneben zwinger,
das die nhd. normalform wird; vereinzelt quinger (
bei Luther,
neben zwinger);
im schwäb. (
Heilbronn a. d. j. 1525) schwinger
württ. geschichtsquell. 20, 121;
genaueres sieh unter zwingen,
vb., sp. 1226.
der stammsilbenvokal erscheint gelegentlich gerundet: zwünger Bucholtz
Herkuliscus (1665) 24.
das häufigere zwenger
gehört zu zwängen
oder zwang,
schon in den ahd. gloss. ein nottwenger 3, 188, 44
St.-S. (12.
jh.); zwenger
hist. volkslieder 2, 325
v. Liliencron (1492/93); G. Braun
beschr. u. contrafactur (1572) 1, 17
a,
vgl.zwänger. AA.
von menschen im sinne von zwing 1
u. zwingen,
vb.; selten zu zwingen A,
vgl. etwa: reifenzwinger
cane da bottaio Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1496
c mit zwingen A 1 a
und b '
aneinander, zusammenpressen'.
in der regel zu zwingen B:
wer mit gewalt oder starker kraftanstrengung jemand oder etwas besiegt, unterwirft, beherrscht; vgl. zwingerin. A@11)
sachlich feststellend '
herrscher, sieger'.
überall läszt der zusammenhang diese herrschaft als das ergebnis eines siegreichen kampfes, einer kriegerischen auseinandersetzung erkennen: secht zu, das ir brucht Venus berden, so werdet ir der man zwinger werden Murner
gäuchmatt 1920
Uhl; dasz sie den zwinger der welt und fürsten jenes volcks, der menschheit und sich selbst der ungeduld zeihen ... wolt Chr. Bruno
de institutione (1566) 69
a;
dahin wohl auch: dar an gedenck ein yder meister singer, schacz keinr den andern ringer! er wirt genant ein zwinger vor got, der im solch er zw schanczt Hans Folz
meisterlieder 86, 19
Mayer. wegen der ungewöhnlichen stärke der bildvorstellung in der überhöhenden ausdrucksweise des barock beliebt: Aquilo, der wasserzwinger, bricht die stürme, fährt gemach, P. Fleming
ged. 327, 39
Lappenberg; ein zwinger seiner feind und siger Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 127; der wird sein gold und geld verehren als den gott und zwinger dieser welt J. Rist
neuer teutscher Parnass (1652) 133; welt-zwinger
domatore del mondo Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
c; lüsten-zwinger, zwinger seiner selbst
sforzatore cioè vincitore, domatore de' suoi appetiti, trionfatore di se stesso ebda; es zieht der länder trost, der frechen feinde zwinger, ... Europens lieb und freud in deine burg bald ein Heräus
ged. u. inschr. (1721) 45.
nicht selten mischt sich vom standpunkt des besiegten oder beherrschten eine leicht abschätzige wertung in die verwendung des worts (
übergang zu 2): disz laster hat ein sonder senfft gifft, aber also krefftig, das vor zeiten die fürsten und zwinger der gantzen welt, dardurch verblendet, haben sich lassen verspotten
Erasmus v. Rotterdam herrenzucht (1566) 64
b; die wunden, die dem menschlichen stamm die zwinger von Mexico schlugen J. J. Bodmer
Noah (1752) 351 (11, 362); die lanzen in die rippen dem zwinger und dem knecht gestoszen! E.
M. Arndt
w. 5, 123
Rösch-Meisner. seit dem 19.
jh. nur gelegentlich in bewuszter neubildung vom zeitwort her; zu zwingen B 1 b: denn endlich hat der tod, der starke zwinger, die faust geballt Lenau
sämtl. w. 81
Barthel; zu zwingen C 2 b
in mischung mit B 1 b: der unumschränkte herrscher im felsgebirge, der zwinger ihrer jungfräulichen häupter, der unholde friedensbrecher des Karwendel H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 540. A@22)
sittlich aburteilend für jemand, der andere gewalttätig bedrückt, körperlich oder seelisch durch ausnutzung seiner überlegenheit schwer bedrängt, s. zwingen B 2;
für gewöhnlich mit unverblaszter anschauungskraft: die gebour habent mer erslagen der livte, als ich hOere sagen, daz siv twingære sein vnt tunt ir vngvte schein
warnung 855
L. Weber; sich, durch menge der twingere, di mit mancherhande swere di gerechten hy beczucken und geweldeclich verdrucken
Hiob 13205
Karsten; vgl. 13433; ir witewen, klaget aber ieman hin ze iu, ir müezet im mêr geben danne ir im ze rehte schuldic sît, sô lîde eht dû dîn ungemach güetlîche unde gedulteclîche ... dise unrehten twinger unde drücker die minrent dir dîn vegefiwer unde mêrent dir den lôn oben ûf dem himele Berthold v. Regensburg
pred. 1, 331
Pfeiffer; vmb des willen das die zollner nit beszers wesen seind dann die anderen rauber oder zwinger
clagantwurt (1497) 47
a; Etzel, der schreif sich ein heren ind ein konink boven alle koninge ind was ein anxst ind ein zwinger binae over all ertrich ind schat ind verdarft die lude mit steden ind dorperen overal, ... (
Köln 1499)
chron. d. dt. st. 13, 377, 1;
angarius ein zwynger oder noter mit gewalte vnd vnrecht
gemma gemm. (1508) b 1
a; denn das gesetz sol man den christen nicht frlegen als einen zwinger und verdammer E. Sacerius
hausbuch (1553) 62
a.
daher geradezu '
gewaltherrscher, tyrann': land-zwinger (zwinge-land), leutezwinger
tiranno Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
c; wer durch zwang folgt, verläszt im unglücke den zwinger, wie tausende von männern abgefallen sind Stifter
s. w. 11 (1932) 149.
wer ein lebewesen mit gewalt antreibt, in eine bestimmte richtung nötigt: wer entlich glaybet sOelcher mer, das gott zuo snden zwinger wer J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 155; so ist gott kein zwinger, dasz er die vnwilligen beim har ghen himel ziehe Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 80
a. Luther
ersetzt es später durch treiber: das pochen des zwingers (
erste dt. bibel: gewaltigen quelers;
vulg.: exactoris) horet er (
der wildesel) nicht Luther
dt. bibel 1, 447, 7
W. (
Hiob 39, 7);
vgl. zwinger, der treiber
a driver Ludwig
dt.-engl. (1716) 2669.
am längsten hält sich die bedeutung '
peiniger, quäler, leuteschinder': der elende seufzet nach der zeitlichen nahrung und fluchet dem zwinger, der ihm seinen schweisz abdringet, und denket, er thue recht daran; aber er verderbet sich nur selber daran, er handelt eben so gottlos als sein treiber (1620) Jac. Böhme
s. w. 6 (1846) 283
Schiebler; (
die deutsche sprache spricht) ... man dehnt mir zum maule den mund; mir werden von den zwingern die glieder sogar verrenkt Klopstock
oden 2, 128
M.-P.; dasz die Irländer, dieser zwinger entledigt, ... über die englischen kolonisten herfielen K. Fr. Becker
weltgesch. (1801) 8, 486.
so noch im 19.
jh., wenn die wortwahl stark von der ma. her bestimmt wird: gegen jedermann artig und gerecht zu sein, der es in seiner weise gut meinte und selbst kein zwinger und hasser war G. Keller
w. (1889) 4, 201; dwinger
dränger, quäler Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 375.
übertragen, vgl. zwingburg: wütende scharen belagerten die beiden hauptburgen ... nahmen sie mit stürmender hand ... und machten die verhaszten zwinger dem erdboden gleich H. Allmers
marschenb. (1892) 395. BB.
von örtlichkeiten und bauwerken. in älterer zeit häufig neben zwing,
dem lehnwort zingel
sowie zwingel
und zwingolf. B@11)
das gebiet und die in ihm errichteten verteidigungsanlagen auszerhalb der hohen ringmauer der burgen oder der festen stadtmauer. in den älteren vocc. für gewöhnlich verdeutschung von pom(
e)
oerium, das selbst nicht eindeutig ist (
sieh z. b. unter a Decimator).
vgl. Diefenbach
gl. 446
b; Frischlin
nomencl. (1586) 203
a;
nomencl. (
Hamburg 1643) 474;
auch dwenger
antemurale, propugnaculum Andr. Helvigius
etymol. (1640) 104. zwinger
bezeichnet ursprünglich einen bestimmten, scharf umgrenzten raum wie zwing 2 (
s. d.), zwinghof 1,
in dem in bestimmtem umkreis bebauung und bepflanzung des vorgeländes rechtsverbindlich untersagt (
vgl. bannmeile)
war, um die unbemerkte annäherung des feindes bis an den fusz der hauptmauer zu verhindern und einblick und ungehinderte schuszbahn in das vorfeld zu sichern. die bezeichnung für wehranlagen und bauwerke stellt also erst eine sekundäre bedeutungserweiterung und -übertragung dar. wohl für die gesamtheit der befestigungsanlagen: item anno dom. 1400 und 28 jar da ward der twinger umb des kunigs vesten volbracht (
Nürnbg. 15.
jh.)
chron. d. dt. st. 1, 374;
vgl. 1, 376; 2, 247
u. ö.; brachte auch daran einen thiergarten oder hagen, unnd fret herumb mauren und graben, da zuvorn gewest waren zwinger, gehecke und sümpffige grunde B. Faber
Saxonia (1563) 132
a.
für gewöhnlich werden verschiedene teile dieses befestigungssystems —
die niedrige vormauer, der freie raum davor und zwischen der äuszeren und inneren mauer, der oft darin angelegte graben oder darin erbaute wehrtürme —
kurzweg zwinger
genannt; in dieser verständniserschwerenden auffächerung der bedeutung wirkt die ursprungsbedeutung im unterbewusztsein lange nach, da diese wehranlagen ja sämtlich in dem für normale nutzung und bebauung gesperrten raumumkreis errichtet sind. erst die auf klar abgegrenzte begriffsinhalte drängende jüngere sprachentwicklung sondert sie durch bildung von zusammensetzungen wie zwingermauer, zwingergraben,
zwingerturm,
zwingergarten usw. sauber auseinander. B@1@aa)
die ursprungsvorstellung von der rechtlichen sonderstellung eines bestimmten gebiets wirkt vor allem lexikalisch noch lange nach; vgl. pomerium est circa muros locus quem in condendis urbibus vacuum relinquunt, hoc enim spacium neque habitari neque arari fas est. dictum quasi pro murum. hoc est proximum muro zwinger Pinicianus
prompt. (1516) L 2
a (
zu pomoerium vgl. noch: pomoerium, ... locus circa murum ab humano cultu aedificiisque purum solum habens Decimator
lex. lat. [1608] 1001).
der raum vor der stadtbefestigung, vgl. der zwinger auszerhalb des walles einer befestigten stadt
the false brey round about a walled town Ludwig
dt.-engl. (1716) 2669; zwinger
umkreis Fulda
wurzelwörter (1776) 214;
proximurium vocant pontificiale pomerium desz bapst zwinger Alberus
nov. dict. (1540) BB 2
b: also das der Ötlinger seinen vienden ettwevil mayden entweret, die er und sein helffere an den henden fuorten und damit durch ir viende gejagt wurden bis an unser stat schranken und hinein yn unser stat zwinger. da begriffen sy den Ötlinger und benötten in franknüsse zu geloben und ritten wider von dannan, das wir sy da innan nit begriffen (1423)
chron. d. dt. st. 5, 131
anm. 4; (
die 200
knechte) kamen zwar a salvo dahin (
d. i. nach der stadt Ruffach), doch war ihnen des feindes reuterey so nahe auf der haube, das sie mit genawer noth den schlagbaum und zwinger ereileten, von dar aus fewr auf ihre verfolger gaben ... vnd hernach erst vollend zum thor eingelassen wurden v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 2, 251
a;
jünger gelegentlich mit weiter greifender, historisch begründeter vorstellung auf auszerdt. verhältnisse angewandt: das imperium über die plebejer auch innerhalb des zwingers und der bannmillie unbeschränkt herzustellen Niebuhr
röm. gesch. 1 (1828) 625.
vgl. zwing 3; zwingelhof, zwinghof 1; zwingolf 1.
übertragen für sonstige besondere rechtliche verfügungsgewalt innerhalb einer begrenzten örtlichkeit gebraucht: ich kann ein weib, ein kind, ein gesinde und überhaupt eine andere person nicht darum das meine nennen, weil ich sie jetzt als zu meinem hauswesen gehörig befehlige oder im zwinger und in meiner gewalt und besitz habe Kant
w. (1838) 5, 50
Hartenstein. dahin die fachsprachliche sonderbedeutung C 2. B@1@bb)
der raum zwischen der niederen vor- und der hohen stadt- oder burgmauer, der äuszere burghof; entstanden durch bedeutungsverengung und -verschärfung von a: zwinger, ein ort zwischen mauren gelegen Hulsius
dict. teutsch-frz. (1616) 443; zwinger '
welches ein ort in gräben zwischen zwo mauren der städte und vestungen ist, an der haubtmauer, mit steinen gantz auswendig auch umbmauret, und mit schieslöchern und streichwehren versehen' Harsdörffer
secretarius 1 (1656) 554; zwinger,
m., '
intervallum, ein ort zwischen mauren gelegen' Schottel
haubtspr. (1663) 1450; zwinger
pomerio, intermurale, intermenio spatio che regna tra le due mura d'una città, Kramer
dict. 2 (1702) 1496; zwinger, (raum zwischen zweyen basteyen) dwinger
ders. hochnd. dict. (1719) 2, 284
a; zwinger (kriegsbank)
bey den alten dasjenige, was wir jetzo insgemein faussebraye nennen, und bestund solcher aus einem drey bis vier ruthen breiten platze, vor der ringmauer einer stadt, mit einer 6
bis 8
fusz hohen mauer, mit schieszlöchern versehen, um den feind, noch zwischen dieser und der ringmauer, durch eine niedrige defension, desto länger von sich abzuhalten Fäsch
kriegslex. (1735) 1039; '
seit dem 12.
jh. begann man auch vor der ringmauer einen zwinger
anzulegen, d. h. einen durch eine niedere mauer gegen sicht gedeckten umgang. sowohl dieser rondengang als seine mauer wurde als zwinger (zingel, zwingelhof,
bei den Franzosen bailles, lat. cingulum, antemurale, ballium)
bezeichnet' v. Alten
handb. f. heer u. flotte 2 (1909) 626
a; zwinger, zwingolf,
m., raum zwischen der stadtmauer und dem stadtgraben Buch
flurnamenb. 314.
vgl. zwing 2; zwinghof 1.
s. Fischer schwäb. 6, 1, 1462
ansatz 2.
in dieser sachzuspitzung literarisch am geläufigsten: dasselb seil hab ich (
als längenmasz) im zwinger hinter der Peunt (
dem stadtbauhof in Nürnberg) auf der gedeckten zwingermeur ... an der prustwer gegen dem graben verzeichen lassen (
mitte 15.
jh.) Tucher
baumeisterbuch 284, 35
Lexer; zwen schützen, die da geen auf die lincken seiten (
d. i. des tores) in zwinger, und zwen schützen, die da geen auf die rechten seiten in zwinger ie zu zeiten des nachts, und über die greben hinausz sehen (
Nürnb. 1449)
chron. d. dt. st. 2, 277, 5; im zwinger neben spitalertor hinab gein der Pegnitz im ersten turn
ebda 288; gärten, deren es dann sehr vil zu Wormbs im zwinger oder der rinckmauren hat Wickram
w. 3, 274
Bolte; ja, ich hab auch in meinem mut das schlosz lassen setzen darauff mit einem zwinger und umblauff und mit eim weiten tieffen graben mit rinckmawer und thürn erhaben Hans Sachs 12, 538
lit. ver.; aber die bürger und soldener hielten sich in den zwingern binnen den mauren vnd den türmen, so das er muste vngeschaffter sachen abziehen Schütz
hist. rer. Prussic. (1592) N 6
a; griechisch Weiszenburg war mit einer doppelten mauren umbfangen, also daz zwischen beyden mauren ein weiter geraumer zwinger war Rätel
Curäi chron. Schlesiens (1607) 157; die soldaten wurden in die zwinger und faussebrayen unten vertheilet v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 152; schon war der feind in den zwingern, wurde aber ... zurückgetrieben
acta publ. 6, 12
Palm. in bildkräftiger übertragung, die den sinn der wehranlage scharf heraustreten läszt: hie helff gott, hie hat ons doktor Eder im zwinger, da wir jhm nicht entgehen sollen Nigrinus
papist. inquis. (1582) D 1
b.
später verwischt sich die schärfe der vorstellung zu allgemeinem '
befestigungsanlagen': das schlosz aus vielen, successiv entstandenen gebäuden, angebäuden, höfen und zwingern bestehend Göthe IV 35, 79, 6
W.; im 19.
jh. gelegentlich historisch erneuert: kühe und stiere wurden unterweilen ... in den zwinger getrieben Alexis
hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 103. B@1@cc)
die in diesem der freien verfügungsgewalt entzogenen raum (a)
errichtete niedrige verteidigungsmauer (
ursprünglich nur ein wall),
die die wehrbauten nach auszen gegen das freie feld abschlieszt, um dem andringenden feind einen ersten widerstand entgegenzusetzen, ohne doch für die weit höhere beherrschende stadt- oder ringmauer das freie schuszfeld zu behindern; später verdeutlichend zwingmauer, zwingermauer
genannt: antemurale ein zwinger
vel furmuer Melber
voc. pred. (
Straszb. 1486) b 2
b; zwinger oder vormawr
promurale voc. theut. (1482) qq 7
a;
promurale vormure, vormur, vorburg, zwinger, zwingolff;
promurale vel antemurale zwinger (
voc. alphab.) Diefenbach 464
c; (
in andern frühnhd. gloss. mit vorthor, vormaur, vorstad, vorgraben, vorburg, dy vorder meur, bolwerck, zwingolff, zwinghof, pastey
wiedergegeben)
ebda; '
sowohl dieser rondengang als seine mauer wurde als zwinger ...
bezeichnet' v. Alten
handb. f. heer u. flotte (1909) 2, 626: item desselben jars ward der tzwinger ümb die stat volbracht und vil ein grosz stück wider ein am Vispach (
Nürnb. um 1450)
chron. d. dt. st. 10, 18; anno domini 1432 ... pauet man ainen zwinger von dem Eserturn bisz zu der hauptstat des ainen summers, und hankt man pretter an all zinnen umb die stat (
vor 1468
Augsburg)
chron. d. dt. st. 5, 93; auszerhalb diser fierung werd ein zwinger herumb gefrt sechtzig schuoch dick vnd viertzig schuoch hoch ... auszerhalb des zwingers werd gemacht ein graben fünfftzig schuoch tieff vnnd sechtzig weyt ... aber der zwinger des kuoniglichen hausz sol vier thor haben mit vier schlag prücken A. Dürer
befestigung d. stett (1527) D 1
b; anno 1536 ... da ward angefangen der zwinger für der newenstat hinder dem ziegelhofe und im 37. jar vollendet (
Magdeburg vor 1549)
chron. d. dt. st. 27, 110; umb das underst schlosz machet man gar einen guten unnd hohen zwinger, der fast gut und starck war
buch der liebe (1587) 266
b; was aber fuszmauren, nidere zwinger und futerungen belanget Speckle
architectura v. vest. (1589) 14
a.
besonders deutlich wird der charakter des zwingers
als niedriger vormauer in der häufigen zusammenstellung mit der inneren hauptmauer (
vgl. zwingolf 3): der herr hat gedacht zu verderben die mauren der tochter Zion ... bis er sie vertilget, die quinger stehen kleglich vnd die maur ligt jemerlich
d. klagelieder Jeremia 2, 8 (
vulg.: luxitque antemurale et murus pariter dissipatus est; die vormaur clagt vnd die maur ist verwúst
erste deutsche bibel 9, 211
Kurr.); den thurn bei Krembser thor, die statmaur, zwinger und greben von dan unzt zu Wiener thor (
anf. 16.
jh.)
österr. weist. 9, 281, 11; man baute auch noch vor diejenigen courtinenmauer (
hauptmauer) noch eine andere niedrige, so man den zwinger hiesz H. v. Fleming
vollk. dt. soldat (1726) 389; und zwischen mauer, graben und thor, da wollten sie hängen ihn; ... 'laszt reiten mich um den zwinger herum meinen allerletzten ritt' Strachwitz
ged. (1891) 102.
in gewagter übertragung: es war ein herrlicher morgen, als Friedrich und Leontin in den ewigen zwinger der Alpen einritten Eichendorff
s. w. (1864) 2, 231. B@1@dd)
der graben, der vielfach in dem raum zwischen der zwinger- und der hauptmauer zur weiteren erschwerung feindlichen eindringens angelegt wurde: pomœrium ... ein zwinger oder stadgraben B. Faber
thes. (1587) 632
b; Decimator (1608) 1001.
auch diese bezeichnung haftet der sache fest an: 1431 ... do hubin die von Erfforte an zu buwen yren zwinger an der stat hynder des bischoufes house yn dem bruel, unde is wart der zwere (
d. i. querlaufende) grabe bey den Karthussirn sso balde gebuwet ... unde als her gegraben wart, do gab der rath den Karthussern den grabin Rothe
düring. chr. 668; ein kloster aus dem 12 ten jahrhundert, rings umgeben mit hohen mauern, einem zwinger, über den eine zugbrücke in dunkle thorgewölbe führte Kerner
bilderb. (1849) 174; die klostergebäude ... wurden mit einer hohen, von einem zwinger umgebenen ... mauer umzogen D. Fr. Strausz
ges. w. (1876) 10, 181. B@1@ee)
türme, die in dem freien raum zwischen äuszerer und innerer festungsmauer zur erhöhung der widerstandskraft der verteidiger angelegt wurden, vgl. zwingerturm: desselben jars (1464) da ward die zwingermaur verdecket mit zimer (
zimmerholz) und zu praht vom Froschturn pis ans wasser am Sant alle zwinger von oben herab (15.
jh.)
chron. d. dt. st. 10, 288, 1; und waz man bracht von plundern, traid oder petgwant, smalcz, hausrat ... daz tet man in den zwinger und verslosz daz (
Nürnberg 15.
jh.)
ebda 2, 260, 3;
noch heute fester eigenname für derartige türme als überrest der mittelalterlichen befestigungsbauten: vom zwinger, draus geschäftig-laut die träger nach der ufertreppen das gut der stolzen königsbraut in packen roll'n Immermann
w. 13, 185
Hempel; (
in Goslar) einer dieser türme, der zwinger genannt, hat so dicke mauern, dasz ganze gemächer darin ausgehauen sind H. Heine
w. 3, 35
Elster; rechts am wege erhebt sich in massigen umrissen der sogenannte zwinger, ein merkwürdiges bauwerk aus dem jahre 1507, der zwischen einem polygonalen gebäude für wohnzwecke und einem turmartigen bollwerk die mitte hält Heckner
Aschersleben am Harz (1909) 18;
vgl. 21; der ... links neben dem dom sichtbare viereckige schwere glockenturm ... stand hinter der mauer als starker 'zwinger' und beherrschte das sumpfige gelände des späteren lustgartens Arendt-Faden-Gandert
gesch. d. stadt Berlin (1937) 81.
bildlich: der gletscherberg mit seinen grauen thürmen steht ... als trotziger zwinger da über dem ganzen weiten rund Rosegger
schr. (1895) II 12, 73.
in sonderbarer verwaschenheit der vorstellung: alwo sich ein zwinger oder blockhausz von sonderbahrer ungewöhnlicher höhe befindet J. Neuhof
gesantschaft (1666) 205
a. B@22)
mit dem untergang des rittertums, dem wachstum der städte über den mittelalterlichen stadtumfang hinaus und der ablösung spätmittelalterlicher befestigungsformen durch die festungsbaukunst des barock verlieren die spätmittelalterlichen befestigungsanlagen ihre bedeutung für die verteidigung von stadt und burg und werden mit dem aufhören kriegerischer zusammenstösze und der unsicherheit im offenen lande infolge der stärkung der landesherrlichen gewalt unter dem absolutismus anderen zwecken dienstbar. damit wandelt und erweitert sich der begriffsinhalt des wortes erneut entsprechend den üblichsten verwendungszwecken. B@2@aa)
garten an oder vor der stadt- oder schloszmauer. seit die zwingeranlagen zur verteidigung unbrauchbar geworden sind, wird der aufkommende pflanzenwuchs im raum zwischen vor- und hauptmauer nicht mehr beseitigt, sondern bald vom burg- oder stadtbewohner liebevoll gefördert und in form von gärten oder parks gepflegt (
vgl. zwingergarten, -gärtchen);
vgl. pomoerium locus ubi poma crescunt vel proximus muro (
v. j. 1478)
bei Diefenbach 446
b;
pomoerium zwinger, garten hinder der stadtmauer Weismann
lex. bipart. (1698) 405
b;
zur sache vgl. dazu: der stadtgraben ist sehr breit und ziemlich tief, wird jetzt aber zu feldern und wiesen benutzt, so wie die verschiedenen zwinger und schanzen zu gärten Chr. Fr. Schulz
reise eines Livländers (1795) 5, 126.
die beziehung zur ursprünglichen bedeutung der anlage wird bald nicht mehr empfunden: es soll ir auch zusteen und beleiben mein hausgarten und zwinger vor dem parfueser thor (1521)
bei Fischer 6, 1462; nach bestellung der gärten wOellen wir den grünen zwinger oder obs- vnd lustgarten (
le clos ou verger à fruits) auszrüsten Sebiz
feldbau (1579) 2; es werden zweyerley lustgärten (
vergers) gefunden. zum ersten sein die grünen zwingen (
que l'on appelle autrement le preau) (
vgl. zwing 3
sp. 1219) oder die wärder, welche man pfleget am schönen grünen ort oder feldern auszurichten ... wann man will solche lustige zwinger anrichten
ebda 311; diese kräuter wachsen gern hinter den zäunen, in weingärten, in zwingern Tabernämontanus
kräuterb. (1664) 93.
mit der entstehung des modernen naturgefühls werden diese gärtnerischen anlagen das ziel der spaziergänger: so ist dieser herr nachmittags bey mir gewesen und hat mich in ihrer wehrten compagnie in einen zwinger invitiret Menantes
neue briefe (1723) 328; einstmalen fügte sichs ... daz ich, ebenfals in geselschaft, in vollem putz durch den zwinger angestapelt kam Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 147.
sturm und drang und romantik entdecken den reiz dieses vom menschen gehegten stücks natur inmitten der zerfallenden reste mittelalterlicher bauwerke: zwinger. in der mauerhöhle ein andachtsbild der mater dolorosa (
scenische anweisung) Göthe I 14, 182
W.; ich sah vorhin im blumig gras'gen zwinger das sanfte thier Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 64; dazu die frau im zwinger zieht täglich blumen auf A. v. Arnim
s. w. 12 (1842) 246; hat Göthe doch mit götterkindlichkeit der welt vertraut, wie er in deinem zwinger, o Frankfurt, einst gespielt Brentano
ges. schr. (1852) 6, 5.
so bis in die gegenwart empfunden: im untern zwinger träumt der pfirsichbaum und lehnt sich schläfrig an die alte mauer Münchhausen
balladen u. ritterl. lieder (1922) 170.
local begrenzt: zwinger
für schulgarten in Meiszner schulen Müller-Fraureuth
obersächsisch 2, 721. B@2@bb)
tiergehege; geräumiger käfig, insbesondere für wilde, blutgierige tiere; dazu zwingerwand, -wärter.
in dieser ebenfalls bis in die gegenwart lebendigen verwendung überschneiden sich zwei vorstellungen in eigentümlicher steigerung: anstelle der wächter, die den fusz der hauptmauer zur bewachung umgehen muszten, vertraut man diese aufgabe im mittelalter vielfach bären oder starken hunden an, für die in dem freien zwingerraum besondere gehege gebaut wurden (
vgl. Cohausen
d. befestigungswesen [1898] 185);
dort wurden sie zur schau auch später gehalten (tiergarten).
durch die allmähliche verschiebung des schwerpunkts der wortvorstellung auf die im zwinger gehaltenen tiere löst sie sich von dem ummauerten raum der stadtbefestigung schlieszlich ab; ihre ausweitung auf jedes gehege für wilde tiere wird dadurch erleichtert, dasz das zeitwort zwingen
selbst im sinne von '
wilde tiere bändigen, zähmen'
gebraucht werden kann; vgl. B 1 f,
sp. 1246.
auf dieser neuerlichen belebung der begriffsvorstellung beruht die völlige verselbständigung der verwendung; dem sprachbewusztsein ist später jede beziehung zu ihren beiden sprachlich-sachlichen wurzeln verloren gegangen (
vgl. die entsprechende entwicklung unter c
α und β). B@2@b@aα)
gehege für wilde tiere, raubtierkäfig: die burger ... machten meinem herrn mitten in der stadt auf dem markt ein gejeid mit wilden ochsen. der hetten sie dreyzehen auss der wildnuss herein lassen bringen in einen zwinger, und liessen ie einen herauss laufen (
um 1470) G. Tetzel
Rozmitals reise 167
Schmeller; weil auch viel wilde thier von den menschen in ihren thier-gärten, zwingern und häusern gehalten ... (
werden) W. H. v. Hohberg
georgica cur. (1682) 2, 129. '
käfig': und wie er winkt mit dem finger, auf thut sich der weite zwinger, und hinein (
in den löwengarten) mit bedächtigem schritt ein löwe tritt Schiller 11, 227
Göd.; des wärters tochter, die rosige maid, tritt ein in den zwinger des löwen A. v. Chamisso
w. (1836) 3, 253.
die völlige verselbständigung der bedeutung zeigt sich in anachronistischer verwendung: er (
der könig) liesz sich lustig berichten von der kraft eines löwen, den Ingo im zwinger der Alemannenkönige gesehen hatte G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 122;
vgl. 133; 'greift ihn, werft ihn in den schlangenturm, ihr knechte!' ... mutig trat er in den zwinger, und mit weitgesperrtem rachen auf den greis, den waffenlosen, stürzen die gefleckten drachen Fr. Wilh. Weber
ges. dichtungen (1922) 3, 29;
vgl. die festgewordenen zusammensetzungen raubtier-, bärenzwinger. B@2@b@bβ)
hundezwinger: '
ein platz vor dem hunde-stall von jeder art, darinnen sie bisweilen frische lufft schöpfen können, sich dabey in die sonne legen oder abkühlen können' Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 488; 'zwinger ...
wird auch ein mit mauern, brettern oder pallisaden umgebener platz also genennet, in welchem hundsställe gemacht sind, wo die hunde frey herum laufen kOennen' Heppe
wohlred. jäger (1763) 346
b; Campe 5, 972: ein zwinger, die jagdhund darinnen uffzuhalten Furttenbach
architectura univ. (1635) 77; mussen sie (
die saurüden) in einem groszen zwinger frey herumb lauffen H. v. Fleming
vollk. teutscher jäger (1719) 172; sollen sie (
die windhunde) nicht auf dem hofe herumlaufen und gesund bleiben, so müssen zwinger und hunde-ställe vorhanden seyn
allgem. haushalt.-lex. (1749) 3, 741; dazu bellte der hund, den er im zwinger eingesperrt hat Bettine
Clemens Brentanos frühlingskranz (1844) 53; am nachmittag öffnete Gabriel die thür des zwingers und zwang die geschöpfe (
grosze hunde), sich auf eine viertelstunde dem sonnenlicht des gartens auszusetzen (1864) G. Freytag
ges. w. 6 (1887) 138;
vgl. hundezwinger ebda 133. B@2@b@gγ)
in erweiterter verwendung auch für geräumige eingezäunte gehege, in denen andere grosze oder kleine tiere in freier luft gehalten werden: wann jr die gelegenheit nicht habt, alles inn den zwinger zu beschliessen, für euer grosz und klein viech Sebiz
feldbau (1579) 20; dem volke? sind das nicht die unglücksel'gen haufen ... die von dem hohen glanz des hofes weit entfernt, nur, wie das zahme wild, in ihrem zwinger lauffen? Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 277; ich beherbergte sie (
zebramanguste) in einem zwinger Brehm
tierl. 1, 577
P.-L.; im zwinger habe ich sie (
die begattung der ichneumonen) sehr oft mit angesehen, weil die thierchen im zwinger gar zu schnell sterben Ratzeburg
ichneumonen (1844) 1, 9;
vor allem, um vögel am entweichen zu verhindern: die enten soll man in beschlosznen zwingern ziehen, damit sie nicht entfliegen. in mitten desselben zwingers soll man grasz säen Herr
feldbau (1551) 174
a; so lang nun das haus (
für die fasanerie) ist, und vor der seite, wo die haus-thüre hinein gehet, wird ein zwinger, 60 fusz breit und lang, mit einer bretwand gemacht. unten durch die mauer des hauses nach dem zwinger zu, können ... löcher gemacht ... werden, dasz man die erwachsenen fasanen nach gefallen dadurch aus- und einlassen kan
Chomel lex. (1750) 3, 1400; ein rebhühnergehege wird mehrfach zwinger genannt
allgem. haushalt.-lex. (1749) 2, 656
a; er flog an das ende des gartens in einen abgesonderten zwinger, wo er sein blumendepot hinverlegt hatte Musäus
volksmärchen d. Deutschen 1, 105
Hempel. B@2@cc)
gefängnis, kerker für menschen. B@2@c@aα)
eigentlich. seitdem die befestigungstürme nicht mehr ihrer ursprünglichen aufgabe dienen, werden sie vornehmlich als gefängnis benutzt, da ihre dicken mauern und kleinen öffnungen gröszte sicherheit gegen ein entweichen des gefangenen bieten: balt schlieszet sie all in die springer (
i. fuszeisen) und legt sie gfangen in die zwinger Jac. Ayrer
dramen 2, 1059
Keller. auch hier ist der zusammenhang mit der ursprünglichen bedeutung rasch vergessen: an dem heiligen pfingstfeste ... kam Rublin in das gefängnisz, nahm Walthern seine ketten ab und entschlüpfte mit ihm in einen entlegenen winkel des zwingers Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 163; dreimal hab ich im zwinger gesessen Sturz
schr. (1779) 2, 381; armer jungfernkinder finger heimlich abgewürgt im zwinger Bürger
s. w. 303
Bohtz; denn auf eine sonderbare spezial-verordnung des kurfürsten ward bald darauf auch noch der zwinger, in welchem er sich befand, eröffnet H. v. Kleist
w. 3, 245
E. Schmidt; die maus gräbt rasch ein loch, und so entkommt Nardiello aus dem zwinger R. Köhler
kl. schr. (1898) 95. B@2@c@bβ)
vielfältig übertragene bedeutungen erweisen auch hier wie bei b
völlige verselbständigung der bedeutung. für räumlichkeiten, die ein mensch als kerker empfindet, in dem er gefangen gehalten wird, dem er nicht entkommen kann: klostergarten hält im harten zwinger dieses blümleins pracht Fouqué
zauberring (1812) 1, 180; und beide werden in des harems zwinger von unserm herrn gerissen E. Raupach
dram. w. ernster gattung (1835) 1, 43; lebe wohl, du mein grauenvoller zwinger! (
Venustempel) denn ich geh, um mensch zu sein, ich, bis jetzt nur gleich dem thiere Immermann
w. 19, 150
Hempel; war endlich ... die schule aus, so kann man sich denken, mit welcher hast wir aus dem zwinger stürzten J. Gotthelf
ges. schr. (1856) 1, 79; sein bruder ... der ... hinter dem schulscheuen wesen des kleinen tiefe anlagen erkannt hatte, sah, wie wenig Gerharts geist und gemüt im zwinger gediehen Paul Schlenther
Gerhart Hauptmann (1898) 10; (
ein vater hält seine tochter so gut wie gefangen) ob er sie für die grosze sünde, den kopf aus dem fenster ihres zwingers gesteckt zu haben, nicht am ende wirklich mit hunger oder gar mit schlägen büszen läszt? Paul Heyse
Meraner novellen (1864) 202;
scherzhaft in der studentensprache für '
studierstube des gelehrten': als ich diesem toleranten manne meine freiern meinungen in seinem zwinger mittheilte, gab er mir den weisen rath Laukhard
leben und schicksale 2 (1792) 95.
auf geistige oder seelische tatbestände gewendet: ihr kuckt euch bis zum zwinger der seel hinein J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 4, 123; es bleiben die zwinger eingekerkerter jugend und schönheit zu sprengen Fr. L. Jahn
w. (1884) 1, 163; die seele konnte nicht aus ihrem zwinger sich losmachen Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 2, 321. B@2@dd)
eigenname für den 1711-1721
durch August den Starken errichteten, am 13. 2. 1945
vernichteten repräsentativen barockbau Matthes Daniel Pöppelmanns im raum der ehemaligen befestigungsanlagen Dresdens an der Elbe: so blendet ihm schon dort der zwinger das gesichte (1719) J. Chr. Günther
s. w. 4, 189
Krämer; (
diese) frühlings-concertisten, die in dem wohlbekannten zwinger zu seyn pflegen Menantes
neue briefe (1723) 329; den wunderschönen bau des zwingers aufzuführen, zwingt man selbst die natur, ihn schöner auszuzieren König
ged. (1745) 24; des zwingers auserlesne pracht Gottsched
ged. (1751) 1, 33; bei Dreszden, rechts der grüne vordergrund, das ist der zwinger. nein — eigentlich der thurm, an den der grüne berg und die grüne allee stöszt, das ist der zwinger,
d. h. der kurfürstliche garten (1800) H. v. Kleist
s. w. 5, 110
E. Schmidt; professor Semper zeigt mir seine pläne: verbindung des zwingers mit dem theater Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 9, 133.
gelegentlich wird deutlich, wie völlig die herkunft des namens dem bewusztsein verloren gegangen ist: das denkmal, an welchem der geist Augusts ganz besondern antheil hatte, war das fragmentarische gebäude, welches den sonderbaren namen zwinger führt, wahrscheinlich weil es kein gebäude in der welt giebt, dessen physiognomie so wenig zwingerartiges hat Justi
Winckelmann (1866) 1, 255. CC.
fachsprachliche sonderbedeutungen. C@11)
in der jägersprache (
vgl.zwang 7,
teil 16, 938; zwingen A 1 i
α sp. 1234): zwang oder zwinger, it. das zwingen oder grimmen benennt, ist dieses, wenn der hirsch geschlossen gehet und das erdreich fest zusammen ziehet, machet er den burgstall, räszel und füszlein, und solches nennt man das zwingen Heppe
wohlred. jäger (1763) 346
a; zwang, zwinger, wenn der hirsch die schaalen vorne scharf zusammen zwinget und das erdreich veste an sich und zurück ziehet. es ist ein gutes zeichen, welches kein thier thun kann Jacobsson
technolog. wb. (1781) 4, 730
b. C@22)
in der erdmessung '
zone, gürtel auf der erdkugel'
; fachsprachliche spezialisierung von B 1 a,
von der ringförmigen erstreckung des mauergürtels her übertragen: anietzo wollen wir derer übrigen parallelen auff erden ihre nutzbarkeit anschauen, unter welchen diese die geringste nicht, dasz sie den runden erdkreisz in kleine zonen oder zwinger eintheilen, welche des tages länge wegen merklich von einander unterschieden sind E. Weigel
erdspiegel (1665) 119.