zwingen,
vb. , '
pressen, drücken, einengen, bedrängen, überwältigen, unterwerfen, beherrschen, nötigen'.
herkunft und form. ahd. thwingan, dwingan, twingen;
as. thwingan;
mhd. dwingen, twingen, quingen; zwingen;
afries. thwinga,
jünger twinge '
zwingen, nötigen'
; mnl. nl. dwingen '
drücken, kneifen, beherrschen, stillen, nötigen'
; anord. þvinga,
sw. vb. (
prät. þvingaða), '
drücken, unterdrücken, plagen, nötigen' (
spät und selten, daher von Frank Fischer
d. lehnw. d. altwestnord. [1909] 43
als entlehnung aus dem mnd. angesehen);
altschwed. þvinga (
prät. þvang
und þvingaþe),
mittelschwed. þvinga (
prät. twyngde, thwang
u. twang) Söderwall 3, 746;
schwed. twinga,
dän. tvinge.
im got. und altengl. nicht belegt. —
mengl. twingen,
part. twungen (
nur vereinzelt um 1300
als variante neben twinged) Bosworth-Toller
anglosax. dict. 1027
a; Stratmann-Bradley 626;
neuengl. veraltetes twinge '
kneifen, pressen',
s. auch Murray 10, 1, 535,
und die ableitung twengen
haben germ. t-
im anlaut wie ahd. zuangot (zuuankondi)
irrigat, stimulat ahd. gloss. 1, 174, 36
St.-S.; zwangonton
vellentibus ebda 1, 614, 19
und zuengen
ebda 21
ff., zuenget
remordet Notker 1, 286
P., zuangta
prestrinxit ebda 1, 76, 20.
auszerhalb des germanischen wird avest. θwzaiti '
gerät in bedrängnis',
zu einer idg. wurzel tenĝh,
verglichen, s. Walde-Pokorny 1, 749,
sowie andrerseits, und zwar sehr fragwürdig, indem man eine idg. wurzel tenq
ansetzt, unbelegtes sanskr. tvanakti '
zieht zusammen',
griech. σάττω <
σάκω '
stopfe voll' (
nach Schwyzer
griech. gramm. 1, 715
wegen σαγή '
bepackung, ausrüstung'
analogisch für σάζω <
σαγω),
lit. tviñkti '
aufschwellen',
s. Hellquist
etym. ordbok 21252,
ders. ordförrdets lder 114;
vgl. auch Walde-Pokorny 1, 746
f. der ablaut im stammsilbenvokal des praet. mhd. twanc,
plur. twungen
wird erst während der nhd. epoche ausgeglichen. in der sprachlehre d. 17.
jh. zunächst noch sauber getrennt: ich zwinge, ich zwang, du zwungest, er zwang, wir zwungen, ich zwünge Schottel
haubtspr. (1663) 603;
unsicher geworden im übergang zum 18.
jh.: ich zwang
und zwunge, du zwungest, er zwang
und zwunge, wir zwungen, du zwünge
und zwänge Stieler (1691) 2665.
mit dem 18.
jh. ausgeglichen: zwinge, zwang, zwänge, gezwungen Frisch
teutsch-lat. (1741) 2, 488
c; zwingen, zwang, zwänge, gezwungen Adelung
dt. sprachl. (1781) 289;
entsprechend bereits der ansatz: ich zwinge, ich zwang, gezwungen J. Bödiker
unvermehrte grundsätze (1709) 128; ich zwinge, ich zwang, gezwungen Gottsched
dt. sprachkunst 5 (1762) 341,
vgl. Paul
dt. gramm. 2, 195; 215.
in der literatur setzt der gegenseitige ausgleich des präteritalen stammsilbenablauts in frühnhd. zeit ein; das schwanken in der bildung der präteritalformen dauert dort bis nach der mitte des 18.
jh. an: die herren zwungen es (1415) Richental
chron. d. Const. conc. 164
lit. ver.; sie zwungen Luther 26, 487
W.; drungist und zwungist sie 8, 166
W.; zwungt jr Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 143, 1; deine tugent und ehren uns zwungen (1616) Weckherlin
ged. 1, 105
lit. ver.; es zwungen diese knaben Gabr. Voigtländer
od. u. lieder (1642) 46; zwungend die von Meyland Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 84; (
sie) zwungen mich (1731) Schnabel
insel Felsenburg 63, 8
Ullrich; die umstände zwungen ihn J. Möser
Osnabrück. gesch. 2(1780) 2, 184.
im conjunct. praeteriti: das er in zwúng
erste dt. bibel 5, 138, 6
Kurr.; dasz es ihn zwnge Chr. Thomasius (1693)
leben Socratis 4.
ausgegeglichen nach dem plural: es zwung sy die lieb Mich. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 24
c; er zwung und drung (1563) Hans Sachs 16, 447, 29
lit. ver.; kein könig zwunge P. Fleming
dt. ged. 103
lit. ver.; 122; es zwunge ihn die lieb Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b; erz, das alle thiere zwung A. v. Haller
ged. 130
Hirzel; die kröte zwunge Lichtwer
Äsop. fab. (1748) 171.
die maa. zeigen teilweise bis in die gegenwart diesen ausgleich: '
Moritz, Heinsius erwähnen als berlinisch (
schon tadelnd) zwung' Lasch
berlinisch 209;
vgl. auch: dwingen, dwung, dwungen Böning
Oldenburg (1941) 26; zwenge, zwong, jezwongen Rovenhagen
Aachen 170.
die nach der 1.
u. 3.
person singularis ausgeglichene form setzt sich in der schriftsprache endgültig durch: sy zwangen manche land J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 118; (
schlangen) die zwangen (
im reim) (1558) Hans Sachs 6, 224, 22
lit. ver.; sie jhre nachbarn zwangen Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 25; zwangen mir meine kleider an Grimmelshausen
Simplicissimus 106
Scholte; hAendel, die in zwangen Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 16; (
die Normänner) zwangen Alfred Haller
Alfred (1773) 11, (
der dagegen im sing. die -u-
form hat, s. ob.); du zwangest Schiller 2, 199
G.; zwangt ihr
ebda 12, 415.
vom 15.
bis zum 18.
jh. bei der 1.
u. 3.
sg. prät. häufig die anfügung eines unorganischen -e;
bei der lautgesetzlich echten form: vil sorg den wachter zwange (: lange)
liederb. d. Hätzlerin 12
a; Matthias ... zwange es S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 65;
vielfach bei der nach dem plural ausgeglichenen ablautgestalt belegt: man zwunge Puschmann
meisterges. 19
ndr.; sie zwunge sich Dietrich v.
d. Werder
Ariost (1636)
ges. 10,
str. 99, 4; ein könig zwunge P. Fleming
ged. 103, 45
Lappenberg; vgl. ebda 122, 2; ihr freundlichthun ... mich zwunge Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1485
b; es zwunge ihn die liebe Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b; Ludwig
teutschengl. (1718) 2668; dasz er uns ... zu suchen zwunge (1731) Schnabel
insel Felsenburg 244, 9
Ullrich; die kröte ... zwunge Lichtwer
Äsop. fab. (1748) 171.
vereinzelt begegnet sogar ein schwach gebildetes prät.: zwingte jhm ... das blut
F. Würtz
wundartzney (1624) 634; zwingte ich mein gemüth Stranitzky
lustige reyszbeschreib. 28
R. M. Werner. im part. praet. überwiegt in den ältesten ahd. glossen gidungan, githungan
mit lautgesetzlichem schwund des
vor u,
in K ausnahmslos, in Pa u. Ra überwiegend: cadhungan, kidungan
ahd. gl. 1, 7, 12
St.-S.; cadungan 1, 40, 24;
vgl. pidungan
ebda 1, 274, 59; bithunganan 2, 76, 18; ungithungidu
indisciplinatio 2, 157, 39
u. ö.; literarisch: pidungan
Muspilli 61; bethungen
Trierer capitulare bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 306, 24; gedungen
Wiener Notker 3, 222, 16
P.; vgl. bethngun
strangulant in einer Werdener hs. bei Wadstein
kl. as. sprachdenkm. 98
b u. latinisiertes thunginus
in der lex Salica (
um 500),
s. E. Karg-Gasterstädt
in PBB 72 (1950) 314.
im laufe des ahd. aber stellt sich das
analogisch wieder ein, schon Pa hat auch caduungan
ahd. gl. 1, 6, 12,
s. Braune
ahd. gramm6. § 107
anm. 1; § 336
anm. 5; Schatz
ahd. gramm. § 283; J. Franck
altfränk. gramm. § 184; § 69, 2. —
bis ins 17.
jh. fehlt dem part. prät. nicht selten das präfix: wurd wir ... zwungen
altdt. passionssp. a. Tirol 70
Wackernell; es hat mich zwungen Luther 6, 323
W.; zuo der bschnidung zwungen werden Zwingli
v. freiheit d. speisen 32
ndr.; wAer hat ch darzu zwungen H. R. Manuel
weinspiel 704
ndr.; er sie gar nicht zwungen hette
M. Lindener
rastbüchl. 36
lit. ver.; dieser ist ... zwungen worden Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 36;
beide formen nebeneinander: gezwungen vnnd genötiget werden Frisius (1556) 243
b und darzu einer genOet und zwungen ist
ebda 244
a.
der anlaut ist im ahd. th, dh, d (
bei Notker d
und t
nach der bekannten anlautregel)
nicht anders als bei germ. þ
vor vokalen (
auch tuuinget
im glossar Rc ahd. gl. 2, 233, 46
St.-S. hat seine parallelen an torrên 2, 234, 10; tarbêt 2, 234, 45
u. ä.); dw-
herrscht z. b. in der Wiener genesis und den Vorauer büchern Mosis noch ausschlieszlich: (si) duwngen sich zesamene 4909
Dollm.; so dvinge wir dem munde
bei Diemer
dt. ged. d. xi.
u. xii.
jh. 44, 10;
ebenso in der Milstätter gen.: dwanch 15, 14
Diemer; 82, 2; 65, 5; 33, 22
u. ö. sowie in exod. 156, 3
Diemer; 133, 6;
in obd. quellen im 13.
jh. nachzuweisen, wenn auch vereinzelt u. nicht immer völlig gesichert: dwingt Thomasin v. Zirclaria
w. gast 9979
Rückert; si dwanc Wolfram v. Eschenbach
lied. 5, 11
L.; als uns des dwinget nôt
Nibel. 1957, 3
Bartsch (twinget 1894, 3
Lachm.),
neben twingen 2142, 1
B., getwungen 294, 1
B.; in compositis: gedwingen Hartmann v. Aue
Iwein 4143
L. nach der hs. A (getwingen
hs. B); erdwingen
Nibel. 55, 4
B. (
ebenso 56, 4
L.)
neben ertwingen 58, 4
B. —
das mhd. herrschende tw- beginnt schon spätahd., so bei Notker: ube er sie tuunge 1, 39, 17
P.; nube sie tuinget 1, 321, 11
P. (
also gegen die regel);
vgl. ferner betvvingen
ahd. gl. 2, 522, 11; tvvingit, betvinget, betwinget 4, 33, 45
ff. (12.
und 13.
jh.), twanc
Vorauer Alex. 424
Kinzel; twanc
kaiserchronik 15536
Schr.; s. Braune
ahd. gramm.6 § 167
anm. 8; Schatz
ahd. gramm. § 193; J. Franck
altfränk. gramm. § 93
anm. 1. tw-
gilt dann bis ans ende des 15.
jh.: twingt
erste dt. bibel 1, 21
Kurr.; twungen
ebda 111, 25; Fischer
schwäb. 6, 1, 1461
anm. im mnd. bleibt dw-: dwingen
sieh Schiller-Lübben 1, 615
ff.; A. Lasch
mnd. gr. § 232,
doch kommt auch twingen
vor, z. b. 1227
im stadtrecht von Braunschweig, urkundenbuch d. st. Br. 1, 3, 32 (
Ottonianum),
s. a. a. o.; twingin
Magdeburg. deichrecht, s. a. a. o. § 212
anm. in den heutigen nd. maa. dw-
neben tw-: dwingen Böning
Oldenburg 26; twingen Block
idiot. v. Eilsdorf 99; dwingen, twingen Schambach
Gött. 238; dwing'n, twing'n Danneil
altmärk. 45
u. 229; Woeste
westf. 64; 278; twingen Bauer-Collitz
waldeck. 106; twingen Frederking
Hahlen b. Minden 33; Böger
schwalenberg. ma. 166; Schmid-Petersen
nordfries. 144
a. —
der nhd. anlaut zw-
setzt sich erst in spätmhd. zeit (14./15.
jh.)
durch (
über alem. zwi
ngint,
nachgetragen zu kinotit wirdit
exigitur in den Schlettstädter gloss., vgl. Jos. Schatz
ahd. gramm. § 193 '
kein verläszlicher beleg für zw-
aus dw-'): zwingen
bei Seuse 178, 23
Bihlm.; 442, 26; 506, 15,
aber getwungen 490, 7; twingen (
anf. d. 15.
jh.) Vintler
pluemen d. tugent 6781
neben zwingen 5042
ff.; twingen Heinrich v. Neustadt
Apoll. 10530
Singer; twang 19539,
dagegen er zwinge sich
gottes zukunft 66.
ebenso twinger (1427
und 1430)
chron. d. dt. st. 1, 374; 376
neben zwinger (1427)
ebda 1, 375. —
seit dem 13.
jh. erscheint kw-
statt tw- (
vgl. Weinhold
mhd. gr. § 187, 229; Wilmanns
dt. gr. 1, § 85; H. Paul
dt. gramm. 2, § 174; Lessiak
beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 155;
vgl. Braune
ahd. gr. § 159
anm. 5,
der mit der möglichkeit dieses lautübergangs schon für das ahd. rechnen zu können meint, dagegen mit recht Schatz
ahd. gr. § 176): quinc die ougen und den muot (14.
jh. Basler hs.)
bei Wackernagel
leseb. (1839) 893, 13; czwingen, quingen
angariare, angere (
obd. gloss. d. 15.
jh.) Diefenbach-Wülcker 920;
vor allem ostmd.: die minen tquingen mich darzu
Griseldis 16, 16
C. Schröder (
Leipzig. hs. d. 15.
jh.); grausamlich quinget und nötiget (
Oberlausitz 1467)
urkundl. beitr. z. gesch. Böhmens nr. 399
Palacky (
font. rer. Austr. II 20); quinget, quingene, her bequang, si bequungen
in der hs. von Joh. Rothe
Düring. chron., nach Fedor Bech
i. d. Germania 6, 269;
vgl. noch quing unde ban (1286
elsäss., s. Hanauer
les const. d. campagnes de l'Alsace au moyen-age 37,
im dt. rechtswb. 1, 1202)
oben sp. 1217; das dorf Karspach mit qwin und banne (
um 1400)
d. Habsburg. urbar, quell. z. Schweizer gesch. 15, 1, 191; quinger Luther
klagelieder Jerem. 2, 8
neben zwinger
dt. bib. 1, 447
W.; urgidus quingik
obd. gloss. d. 15.
jh. Diefenbach- Wülcker 920.
mundartlich im schlesischen: quingen '
zwingen' Weinhold
beitr. z. e. schles. wb. (1855) 75; quingen '
zwingen, bewältigen' Knothe
wb. d. schles. ma. 436,
doch auch in westlichen mundarten: quingen '
zwingen'
z. b. am Taunus und am Rhein Pfister
nachträge 220; Kehrein
Nassau 315 (
für den Taunus).
im schwäb. erscheint (
lokal beschränkt oder eher individuell?)
ein anlaut schw-: uns damit zu schwingen
urkundenb. d. st. Heilbronn 4, 425 (
a. d. j. 1528); das eyn erbar radt meyster Pettern nit schwing noch heys
ebda 4, 543 (
a. d. j. 1530);
ebenso schwinger
ebda 4, 121 (
a. d. j. 1525),
alle 3
belege stammen von demselben autor; vgl. auch Fischer
schwäb. 6, 1, 1461.
bedeutung und gebrauch. '
pressen, zusammendrücken', '
einen körper durch gewaltanwendung räumlich einengen'.
in sinnlicher vorstellung wie vielfältig getönter übertragung: allen arten des gebrauchs liegt die vorstellung der anwendung von äuszerer oder seelischer gewalt, zum mindesten nachdrücklich zielgerichteten willenseinsatzes zu grunde; einbezogen ist die vorstellung, dasz die natürlichen oder gegebenen seinsbedingungen des betroffenen gegenstandes oder lebewesens dabei gegen seinen mehr oder weniger deutlich spürbaren widerstand gebrochen, überwunden oder wenigstens entscheidend verändert werden. von daher schwingt in den meisten verwendungen des wortes ein sittliches urteil der miszbilligung oder ein gefühl der empörung mit. AA.
eigentlich. der schwerpunkt dieser verwendung liegt im älteren deutsch. A@11)
der nachdruck der vorstellung ruht unmittelbar auf dem vorgang des gewaltsamen pressens, zusammendrückens an sich. A@1@aa)
ein ding, insbes. einen körper, einen körperteil zusammendrücken, zusammenpressen, vgl. premens ... dvingent
ahd. gl. 2, 643, 17
St.-S.; complexus druchenter,
angit duang (
complexus et angit ... guttur Vergils Aen. 8, 260)
ahd. gl. 2, 662, 51
St.-S.; vgl. bethvngun
strangulant (
Prudent. gl. Werdener hs.)
bei Wadstein
as. sprachdkm. 98
b;
pressare zwingen Diefenbach
gl. 457
a,
in andern gloss. die vil trucken
ebda; premere twingen, drucken (15.
jh.)
ebda 455
a;
coarto ich zwing zusammen Er. Alberus (1540) C 3
b;
suffocare vel strangulare erwargen oder den frasz (
d. i. die kehle) zwingen
i. gulam restringere voc. theut. (1482) hh 6
b;
vgl. auch A 2 a: vil lange er mit im ranch ... die huf (
hüfte) er im dwanch, ovz swizzot im daz march
gen. 65, 5
Diemer; die (
jungfrau) dort in irem bette lac und vil herter suche pflac, die ir twanc houbt unde huf
pass. 297, 37
Köpke; und (
das zauberschwert) gurte in mitten als ein reif. sînen lip ez sô sêre twanc, daz er des lebens wart sô kranc Heinrich v.
d. Türlin
diu crone v. 8578
Scholl; da sah er (leider) wie sie rang mit jres lebens feind, der zwang mit grossem weh jr zarte glider Caspar Scheit
frölich heimfart 63
Strauch; ihrer vilen haben sie strick oder sailer umb die köpff geraittelt, ... kluppen an die finger gelegt, und mit zwingen nicht nachgelassen, bisz das blut zun nägeln herausz geloffen
N. Schwelin
würtemberg. kleine chronika (1660) 452; wart iht dâ friwentlîchegetwungen wîziu hant von herzen lieber minnedaz ist mir niht bekant
Nibelungen 294, 1
B. von den eignen körperteilen, oft zum ausdruck einer willensanspannung, kraftanstrengung, wobei dann die widerstandsvorstellung naturgemäsz fehlt; besonders gern von der zur faust geballten hand: die fûst begond er twingen:dô lief er in an und sluoc sô krefteclîcheden hiunischen man
Nibelungen 2142
Bartsch; zer fluste twanger sus die hant, daz dez pluot ûzen nagelen schôz Wolfram v. Eschenbach
Parzival 229, 13; swelche sele sigenumftic wal besitzen wil an den zwein ubelen, die sal mit vast getwungen knubelen sin swert beclemmet halden Heinrich v. Hesler
apocalypse 4900
Helm; er schlug den dritten mit gezwungner faust als hart an seinen halsz, das er auch starb
hertzog Aymont (1535) A 3
b.
vom fusz, den schalen des hirsches in der jägersprache, s. unten i
α.
vom mund, ihn drückend zusammenziehen oder schlieszen: (
die jungen mädchen) müssen eng die lippen zwingen vnd sie in die falten bringen Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 71; o lieber herr ich bitte dich, das ... mich nit vorschling di tieffe, auch der tieffe pfuel nicht vber mich tzwinge seinen mundt Michel Henchen
ein schon christlich vormanung (1519) A 4
b.
von den augen: der ursach san ich nach gar lang, bisz mir der schlaff mein augen zwang das ich entschlieff gar senfft und leisz Hans Sachs 3, 491, 14
Keller. für die anwendung auf dinge '
einen oder mehrere gegenstände zusammenpressen': ein ysenblech oder ysendrot, den man umb ein ding schlüsset und mit naglen hert doran schlecht, daz er das zusamenheb und zwing, das er nit zerkyne Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) 27
d,
vgl. auch zwinge,
f., zwingreifen,
m., zwinglatte,
f., zwingelreif,
m., zwingeblatt,
n. A@1@bb)
von zwei dingen, insbes. körpern, die sich fest aneinanderdrücken oder fest gegeneinander, aufeinander gepreszt werden, oft in praepositionaler oder adverbialer verbindung; vgl. constringo zusammen ziehen, zueinander zwingen Calepinus xi
ling. (1598) 321
b: und gênt die zwai clemern oben und unden zesamen und habent ringel, dâ mit man si zuo enander twingt Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 245, 3
Pf.; mach ein gefiert vberlengt holtz ... vnd zwing disz holtz also ... auf das pret Albrecht Dürer
underweysung der mess. (1525) Q 1
b; ein werkzeug, wodurch vermittelst schrauben ... zwey stücken holz zusammengezogen oder gezwungen werden Jacobsson
techn. wb. (1781) 4, 733
a;
vgl. zwinge,
f. sp. 1220
ff. und schraubenzwinge, leimzwinge; zwingschrauf
zwinge, klammer, die geleimte teile zusammenpreszt Fischer
schwäb. 6, 2, 3530; zwey bretter zusammen zwingen Adelung 5 (1786) 473.
aus dieser vorstellung heraus: als dy scheff zesam stiessen ... dy schef man zusam twang (
d. i. legte sie eng bord an bord nebeneinander) Hauch
d. Kellner
St. Stephans leben 1687
McClean. bildlich '
miteinander verbinden': traurig sein vnd doch singen, ist ein sehr grosze pein, es last sich schwerlich zwingen weynen und lustig seyn Moscherosch
gesichte 2 (1650) 307. '
fest an sich ziehen, an sich pressen': einen kampfschilt er für sich twanc Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 1920;
vgl. 3242; den schilt twang er an sich und gab dem tyere ainen stich Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5033
Singer. von menschen, die sich aneinanderpressen; im ringkampf: ... den (
engel) er (
Jacob) nam zuo zim und in an sich twanc. mit dem engil er do ranc Rudolf v. Ems
weltchron. 6626
Ehrismann; aus liebe: sin bruodir was im vil liep ... er dwanch in an sich mit den armen, er chust in minnechlichen (
vulg.: currens Esau obviam fratri suo amplexatus est, stringensque collum eius et osculans flectit
gen. 33, 4)
genesis 66, 10
Diemer; si dwngen sich ze den brusten, ich weiz er si vil minnechlîche chuste
altdt. genesis 2549
Dollmayr; ir munt er an den sînen twanc Wolfram v. Eschenbach
Parzival 131, 13; daz er daz keiserliche wîp an sînen halptôten lîp vil nâhe und inneclîche twanc Gottfried v. Straszburg
Tristan 1321
Ranke; mit armen twang er (
Priamos) si (
Hecuba) nâher baz
Göttweiger Trojanerkrieg 15
Koppitz; wie ich in in mein arm nam, ... vnd zwang in nach an meinen leib
liederbuch d. Clara Hätzlerin 126
Haltaus. vgl. heute mundartlich sich zwingen '
sich einander körperlich zu bezwingen suchen, sich balgen, ringend miteinander die leibesstärke messen': zwingt euch einmal!
meszt einmal eure kräfte! Spiess
henneberg. id. 296;
ebenso dswengt ych emō! Hofmann
niederhess. wb. 273
b.
abgeschwächt, bei deutlich sinnlicher vorstellung, geradezu '
umarmen, umhalsen'
: brachiare zwingen
cum brachiis voc. alph. bei Diefenbach
gl. 80
b (
in andern vocc. helsen mit den armen, fruntlen, küssen
ebda).
umwinden: der weinstock pfleget sich nicht mit gewalt zu zwingen umb seinen ulmen-stamm Opitz (1689) 1, 12; voll zärtlichkeit den arm um ihren hals gezwungen, stand ich neben ihrem sessel Göthe I 37, 29
W. A@1@cc)
das augenmerk ist auf das ergebnis der gewaltsamen zusammenpressung gerichtet, '
etwas ausdrücken, auspressen',
meist in präpositionaler verbindung mit aus; daraus, heraus zwingen,
auch auszwingen,
s. teil 1, 1044,
vgl. extorquere usz-, auszzwingen, -twingen, -drucken, -pressen Diefenbach
gl. 220
b;
vgl. piduuingit anchun smero
exprimit butirum (
im glossar Rb)
ahd. gloss. 1, 542, 66
St.-S.: do chom mir skiere des chuniges pechâre. den nam ich in mine hant, dei pere ich dâr in duang
altdt. gen. 3899
Dollmayr; daz man die ölfrüht dreistunt twingt und druckt und preszt Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 335, 11
Pf.; daz kraut pricht man ab in des lenzen end und zerstœzt ez und twingt daz saf dar auz 395, 32; zwing den safft auss knoblauch Seutter
hippiatria (1599)
bei Fischer
schwäb. 6, 1, 1461; sô samnet ez (
das tier) den mist in seinem leib und twingt den und læzt den auz dem leib varn gegen den jagdhunden Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 133, 19
Pf.; wickle liebstöckel in ein tuch, backe dieses in brotteig ... nim das tuch herausz in aller hitz, zwings vber ein glaszgeschrr, so gehet ein wasser herausz Gäbelkover
artzneyb. (1595) 59
b;
im bilde: ich (
Christus) bin ein purpurwürmlein roth, welchs man zerquetscht bisz in den tod, dasz man den saft erlanget ... bin ich, o mensch, denn nicht ein wurm, aus welchem man blut zwinget Joh. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 283;
weniger anschaulich: dise pitter marter starck (
dornenkrone) twanck im (
Jesus) ouz dem houpt daz plût Gundacker v. Judenburg
Christi hort 1901
Jaksche. '
auswringen': wenn etwas genaw gesucht worden sagt man, er hats drausz getrungen und gezwungen wie eine wäscherin ausz der wAesch Lehman
floril. polit. (1662) 2, 759; mit winden und zwingen kommt er (
der hanf) zwar aus diesem bad wieder Marperger
beschr. d. hanffs und flachs (1710) 20;
mit kühner bildhaftigkeit: si wunden unde twungen ir jâmer under ir henden Gottfried v. Straszburg
Tristan 7106
Ranke. mit hilfe einer besonderen preszvorrichtung gewinnen, vgl. zwingbaum
sp. 1219: (
d. papiermacher sagt): ich samel hadern zu der müel, den dreibt mirs rad des wassers kuel, das mir die zschniten hadern melt, das mel in waser wirt einkwelt. draus mach ich pogn, auf den fülcz pring, durch pres das wasser daraus zwing Hans Sachs 23, 279, 20
lit. ver.; vgl. auszwingen: thut selbige (
saurachbeeren oder erbseln) in einem leinenen sack, zwinget sie unter der presz aus Hohberg
georg. cur. 3, 1 (1715) 162
a;
in poetisch verkürzter form: o! lasz mich ihn entsiegeln, den Hochheims edle kelter zwang Ramler
lyr. ged. (1772) 83; der Cäcuber, jener auch, den Kalenums kelter zwang, die sind dir daheim (
Caecubum et prelo domitam Caleno tum bibes uvam Horaz od. 1, 20, 9) Herder 26, 237
S. von blut, schweisz, tränen, die eine tiefe gemütserschütterung oder eine starke körperliche anstrengung gewaltsam herauspressen, vgl. auch auszwingen
teil 1, 1044: wer zu seer schneusst, der zwinget blut heraus Luther 30, 3, 223
W.; vgl. spr. Sal. 30, 33; Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) 2, Eee 7
a; er starb für mich in schmertzen. solte das nicht zwingen bluth aus den frommen hertzen? J. Sieber
bei Fischer-Tümpel 4, 162
b; und will der füsze müh den schweisz aus den erwärmten schläfen zwingen (
beim ballettanz) Hagedorn
versuch 21
lit. denkm.; bald dämpfest du die leyer zu trauervollen tönen und zwingst durch deine seufzer aus männeraugen thränen Dusch
verm. w. (1754) 26; wenn das, was ich für schatten hier empfunden, in deinem herzen mächtig wiederklingt, aus deinem auge schöne thränen zwingt Schiller 6, 1
G. übertragenem gebrauch sich nähernd, ohne die zugrundeliegende sinnliche vorstellung aufzugeben: die angst, die mir mein hertze dringt und darausz so viel seuftzer zwingt, ist grosz Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 319;
ebenso 397
b.
noch anders, '
aus der hand winden',
vgl.d: wann er ein seyl gefaszt hat, kondens jm fnff kerles nicht ausz der hand zwingen Fischart
Garg. 284
ndr. A@1@dd)
etwas, auf etwas drücken, pressen, um zu erreichen, was das gepreszte object von sich aus nicht leisten will oder kann: die zene err (
d. i. er ir) von ein ander twanc, man gôz ir wazzer in den munt Wolfram v. Eschenbach
Parzival 109, 16; swie sêre er mit dem tôde ranc, doch er sîn ougen ûf twanc und sach sie jæmerlîchen an
in zs. f. dt. alt. 6, 513:
Pyramus u. Thisbe 324; (
wenn die pferde) die zähne zusammen beiszen vnd wollen den zaum nicht ins maul nehmen, so drucken und zwingen sie ihnen die lippen vnd das zahnfleisch mit einem eisen, dasz sie das maul auffthun vnd den zaum hinein nehmen müssen Joh. Walther
pferde- und viehzucht (1658) 21.
vgl. bildlich-übertragenes auf unser gewissen zwingen
bei Luther
unter B 2 c
sp. 1248. A@1@ee) '
drücken',
im sinne von '
jemanden körperlich bedrängen',
vgl. afficere zwingen, dwingen, dwengen (14./15.
jh.)
bei Diefenbach
gloss. 15
c (
neben pynen, pinigen, quelen, castigen
in gleichzeitigen vocc. ebda),
vgl. auch unter B 4: die gensz all triben hondt in stall ... (
und wollen sie) schinden, schaben, rupffen, zwingen Th. Murner
narrenbeschwör. 269
Spanier; ein münch sich beklaget habe, wie alle nacht ein bekanntes weib zu ihm käme, das ihm über die brust fiele, und so zwnget, dasz er weder arm noch bein regen (
könnte) J. Prätorius
anthropodemus Plutonicus (1666) 1, 39.
geradezu '
knuffen, prügeln': fielen im also alle drey inn seine arm und an seinen halsz, zerreten in hiemit zuo der erden ... stiesz also den könig gantz starck auff sein brust ... aber es halffe nichts; dann sie truckten und zwungen in, das er gantz mat vnd krafftlosz warde (1559) Val. Schumann
nachtbüchlein 258
Bolte; im bilde: schau nur die zeilen an, die ungerathnen kinder. nicht eins gehorcht mir recht. und schlag und zwing ich sie, musz man in sorgen seyn, dasz ich nur krüpel zieh (1717) Joh. Chr. Günther
s. w. 3, 52
Krämer; mit bäpstlichem endchristlichem donder der bullen, do mit sie (
die Franziscaner) zwungen und bochten jedermann Eberlin v. Günzburg
sämtl. schr. 1, 98
ndr. '
hart zusetzen, quälen, peinigen'
; adfligit, percutit, occidit thuingit, triffit, slahit
ahd. gloss. 1, 40, 29/31
St.-S. (
abrogans),
vgl. dazu B 4 b
sp. 1252;
urgere twingen, zwingen (1507), zwingen (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 630
a neben queln
vel pinnigen (15.
jh.)
ebda: si dwngen uil starche daz livt mit dem werche (
fronarbeit) mit slegen unde mit stozzen ... die meister si blovwen unsanfte dwngen
genesis 133, 6
Diemer; si (
Maria) sach in mit geiseln zwingen, und Ihesus sein plut ausdringen
in: erlösung 292
Bartsch; vnd het er so vil gutes nút, man sol in twingen mit sime libe, durch das das andere bizeichen bi ime nement (1310) Haltaus
gloss. 2190; (
Friedrich II.) hies die pfaffen manigerlei wis twingen und kestigen, wande sü nüt alleine für weltlich gerihte gefüret wurdent und gezogen, sünder sü muostent mit enander kempfen Fritsche Closener (
Straszb. 1362)
in: chron. d. dt. st. 8, 146, 21; der geist den armen narren zwang, das jm der todtlich schweysz uszdrang Th. Murner
von den fier ketzeren 30, 795
Fuchs. A@1@ff)
durch eine schwere last oder starken krafteinsatz herunterdrücken, gegen einen heftigen widerstand herabbiegen, gewaltsam nach unten beugen: niderdrucken oder zwingen
coercere, coartare, nidergedruckter oder gezwungner
coercitus, coartatus voc. theut. (
Nürnberg 1482) x 5
a; den bittern gang, do man dich twang, herre, under ein crútze, was breit und lang (15.
jh.)
bei A. Hübner
die deutschen geiszlerlieder (1931) 168; thet eyn zweig mit gwalt rab zwingen Wickram
w. 7, 81
Bolte; die warheit ... zwingt dir dein gesicht gegen der erden
theatrum amoris (1626) 1, 29; mancher (
hat) die augen unter sich gezwungen, wenn ich ihn habe unter augen sehen wollen J. G. Schütze
Herrnhuthianismus in literis (1753) 2, 274;
bis in die neuere zeit in sinnlich angeschauter verwendung: Glaucus, der sich dem meer enthebt ... sein mächtiger arm ist kräftig geübt, mit dem er immer die wellen ergreift und unter sich zwingt Göthe I 19, 98
W. in bilde: (
vgl. unter B 1 a
sp. 1240
f.): was in der blühenden jugend ... sich nicht wiel zwingen und beugen lassen J. Prätorius
philos. colus (1662) 34. in den staub zwingen: sih, herr, gantz hoffnungs-losz, und zittrend wie das laub bisz in den staub hat unsre sehlen schon das schwere creutz gezwungen Weckherlin
ged. 1, 339
Fischer; und man hat dich unterjocht, hat dich in den staub gezwungen G. Herwegh
ged. e. lebendigen (1841) 74; zu boden zwingen: angreifende verbände wurden zu boden gezwungen
u. ähnl.; beliebt im bilde vom joch, unter das der mensch wider seinen willen herabgebeugt wird: (
er) zerstOert jre anschleg und zwang si gar under das joch Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 4; glücklicherweise liesz mich das wörterbuch ein wenig zu athem kommen, da Wilhelm seit dem buchstaben D eingetreten ist, und es geht gut damit. das E wird mich aber sehr wieder unters joch zwingen Jac. Grimm
an Luise Dahlmann briefw. 1, 533
Ippel; auch an, in ein joch zwingen: wir gehen bündnis ein, die mächtig, was die welt und der gewölckte bau in seinen schranken hält, zu zwingen an ein joch A. Gryphius
trauersp. 98
Palm; unnatürlicher und drückender wurde eine herrschaft, die ... freunde und feinde in dasselbe joch zu zwingen begann J. G. Droysen
gesch. Alex. d. Gr. (1833) 9; wenn der erobrer dann ... ins joch zwingt mann und weib Stefan George
das neue reich 37; aus schweren tagen bin ich aufgestiegen, von menschen in ein hartes joch gezwungen Hermann Stehr
mein leben (1934) 36.
anders (
vgl. aufzwingen): doch steht die tugend fest, die sich kein strenges joch der laster zwingen läszt A. Gryphius
trauersp. 179
Palm. unter die füsze zwingen: der himmlische vatter (
wollte) ihm der welt ende zum eigenthum geben, seine feinde aber unter seine füsze zwingen J. D. Frisch
neukling. harpfe Davids (1719) 7;
dem ausdruck nach hergehörig: uuir sculun thes beginnansulih gras io thuingan joh thio sino suazial dretan untar fuazi Otfrid III 7, 65 (
spiritualiter gefaszt im sinne von B 1 c
β sp. 1243,
zu '
erat autem faenum multum in loco'
Joh. 6, 10,
vgl. foenum ... concupiscentia carnalis intelligitur, quam calcare et premere debet omnis, Alcuin). auf, in die knie zwingen: in überwältigender grösze und weite suchte sie (
die kirche des mittelalters) die menschheit des bis dahin erschlossenen geschichtsraumes zu umspannen und vor sich auf die kniee zu zwingen W. Andreas
Deutschland vor d. reform. (1932) 19. A@1@gg)
durch starken druck auf ein ziel hin oder von einer stelle fort bringen, treiben, jagen, drängen; häufig mit treiben
zusammengestellt, auch in zwillings- und drillingsformeln, s. auch unter B 9
sp. 1256,
insbes. B 9 d
sp. 1260;
vgl. twingen, zwingen,
nd. dwingen
neben driben, treiben driven
für compellere in vocc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gl. 137
a; erjagen oder eintreiben oder zwingen
voc. theut. (
Nürnberg 1482) ii 3
a;
cogo belg. tesamen dryven oft dwingen,
germ. sammlen, zusammen treiben, treiben, zwingen, nötigen Calepinus xi
ling. (1598) 263
a: so er ie serre dannen ranc, so minne ie vaster wider twanc. so er ie harter dannen vloch, so minne ie vaster wider zoch Gottfried v. Straszburg
Tristan 904
R.; vnd zehant twang in der geist in die wust (
ἐκβάλλει,
expulit)
erste dt. bibel 1, 122
Kurr.; er nachuolget im, do er floche, vnd zwang in zuo der stat
ebda 4, 378 (
in urbem compulit richter 9, 40, trib in ein in die statt Z-Oa); was darff mich mein vatter also zuo der schuol zuo zwingen Wickram
w. 2, 23
Bolte; wie man die schwein und wilden thier treibt und zwingt Luther 20, 247
W.; umb, wann etwan ein fuchs darinnen vorhandent, dasz man ihn dann ... vorsichtiger nach den netzen zwingen kan Täntzer
Dianen jagtgeh. (1682) 1, 44; ehe fast solche köder das wasser erreichet, so war es schon neben den hacken von einem solchen ungeheuren thiere verschlucket, worauff denn alsobald viertzig bisz funfftzig starcke männer an dem seile ziehen, und diss widerstrebende thier auff das land zwingen musten Ziegler
asiat. Banise (1689) 737.
auch mit sachlichem object: die schiff, wie michel sy seint vnd werdent getzwungen von den starcken winden
erste dt. bib. 2, 418, 55
Kurr. (
vulg. et a ventis validis minentur Jac. 3, 4; getriben Z-Oa
d. ersten dt. bib., Luther, Eck, Dietenberger); etliche wasser ... lassen (
sich) ansehen ... als ob sie vnden ausz dem erdtrich quellen vnnd also auff das erdtrich gezwungen wrden vnd jren trib ausz dem meer haben Michael-Herr
d. feldbau (1551) 31
a; und müssen dieselbige wasser schüssig seyn, dasz sie hinunterwerts zu den teichen von sich selber lauffen, und nicht durch fremde, euszerliche hülffe müssen hineingetrieben und gezwungen werden
das edle fischbüchlein (
um 1660) 105; streiche also offt vnd dick dasz glied ... an füssen vnd armen ... als wenn einer mit allem fleisz ... das geblüt in die finger oder zehen fürhin ziehen vnd melcken wolte. zwingte jhm derhalben das blut so vast in die eussersten glieder ... das jhm zu letzt sein fusz oder handt auffgeschwollen ist
F. Würtz
wundartzney (1624) 634.
im sinnlich-anschaulichen bilde, mit abstractem ziel, der übertragenen anwendung nahe: ûf wollust (
zur wollust hin) er in twanc (
der teufel den mönch)
väterbuch 10766
Reiszner; do muos ... geschehen ... ein innewendig versamenen aller krefte ... alse ein schütze ein zil wil eben treffen, so tuot er ein ouge zuo, das daz ander deste nauwer sehe. der ein ding wil tieffe mercken, der tuot alle sine sinne darzuo und twinget sine sinne uf ein in die sele Tauler
pred. 9
Vetter. '
treiben', '
verdrängen': ein keil den andern aus thut dringen, ein nagel thut den andern zwingen Eyering
proverb. (1601) 2, 186. '
forttreiben, verjagen': daz sie von im (
dem besessenen) in (
den bösen geist) solten twingen (
ut eicerent illum Marc. 9, 17) Schönbach
mitt. a. altdt. hss. 5, 142 (Luther: das sie jn austrieben); (
ein stern) twingt den häuschricken und die vogel und die schedlichen nebel und den schaurn und die pœsen wint von den erdfrüchten Konrad v. Megenberg
buch d. natur 446
Pf.; bisz das man bapstlich bullen bringt, die armen münch von dannen zwingt und ander geuch setzt in das nest Murner
narrenbeschw. 228, 34
ndr.; wenn ir die armen nöt und tringt, darzuo von iren güeteren zwingt mit schwerem wuocher Jak. Ruff
Etter Heini 2243
Kottinger; wann dasselb (
quecksilber) wider dauon gezwungen wirdt (
im chemischen process abgesondert wird), so ist es nachmals widerumb zugebrauchen L. Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 48
a.
im bilde, '
fernhalten': in dem ihm was, wie, wan er will allzeit nach seinem wunsch gelinget, und dasz er seinen lust erfill, der gottes wort ferr von sich zwinget Weckherlin 2, 19
lit. ver. A@1@hh)
ein widerstrebendes ding mit gewalt in eine bestimmte lage oder stellung bringen: wem dasz hâr der überprâw hernider gekrümt ist oder an ain stat getwungen von natûr Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 45, 5
Pf.; die schiff er auff ein seiten zwang (
von der lage des schiffes, obliquat), weil starck auff sie das wetter trang Spreng
Äneis (1610) 83
a;
insbesondere ein unnatürlich geformtes glied gerade richten, zurechtbiegen: mit diszem beingewand so richt den krummen schenkel in sein schlicht und nim der schrubengäng recht war, so fällt es nit, du zwyngst in gar Gersdorf
wundarznei (1517) 36
a; (
das) instrument wird gebrauchet, so ein rosz hinten auff den zeen gehet, musz man ihm solches auffschlagen und den fusz wieder gerade damit zwingen J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 161; es wächset dieses holtz ... in dem schwarzen holtze mit, zwischen welchen dasselbe in die höhe gezwungen werden kan, dasz es so glatt, als ein bau-stamm bleibet v. Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 174; wenn ihr ... die gerte, welche rechts hinaus wachsen will, links hinüber zwingt Immermann
w. 1, 26
Boxberger. bildlich, der übertragenen anwendung nahe, vgl. sp. 1242:
virga directionis virga regni tui kerta gerihtennis ist dines riches kerta. si gerihtet die er (
vorher) chrumb uuaren unde intuuunden (
d. i. von gott losgelöst), uuanda sie ane in uuolten regnare (richeson) unde iro selbero uuillen tuon unde gotes uuillen nah demo iro duuingen Notker 2, 170
P. (
psalm 44, 7); dasz alle ding ... von jm (
gott) gestaltet, geschickt und gezwungen werden nach sinem fürnemen Zwingli
dt. schr. 1, 63
Sch.; doch ich schweige, weil ich doch nicht alles ... nach einer eingebildeten richtschnur zwingen kan Chr. Weise
polit. redner (1677) 55; so wie die inspirierten orientalischen dichter ... die worte ... der irdischen sprache durch lauter feurige bilder gleichsam in die höhe zwangen Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 173. A@1@ii)
fachsprachliche sonderbedeutungen, bei denen die ursprüngliche vorstellung gewaltsamen zusammendrückens, pressens unabgeschwächt fortwirkt. hier dient die verwendung des wortes zu reiner sachfeststellung ohne jedes begleitende gefühl oder urteil. A@1@i@aα)
in der jägersprache wird '
zwingen von einem hirsch gesagt, wenn er mit geschlossenen klauen auftritt und die erde vorn stark beizieht' Behlen
forst- und jagdkunde (1840) 6, 195: der hirsch gehet allwegen mit eynem beschlossenen vnd gezwungnen fusz, das er nit mit dem spalt zwischen auszleszt, das mag keyn hinde thun, das sie jren fusz also fast zuzwinge, vnd beschliesz jren gang allwegen darzwischen ausz, vnd das heyszet zwingen Meurer
jag- u. forstrecht (1574) 69
b; (
der hirsch) denn fusz vorn zwingt, dasz nicht darzwischen uszgann mag (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 6, 1, 1461; diss zeychenn nennen die jeger zwingen (16.
jh.)
ebda; (
der edelhirsch) hält dan die schalen fein enge zusammen und wann er dieselben also zusammen schleuszt, dasz bald nichts von der erde in die hohe gehet, ofters nur gleich ein faden, dasz heist man das zwingen Joh. Täntzer
Dianen jagtgeh. (1682) 1, 75; H. v. Fleming
vollk. jäg. (1719) 95;
vgl. den gebrauch von 1 a;
so bis heute: man sagt, der hirsch geht gezwungen, er zwingt oder zwängt Teuwsen-Schulze
fährten u. spuren (1922) 30; zwang, auch zwängen oder zwingen genannt ist ein zeichen der rotwildfährte E. v. Dombrowski
dt. waidmannssprache (
41939) 260;
dazu zwingspur,
s. d., und zuzwingen;
vgl. oben gezwungen A 5 c
teil 4, 1, 4, 7265
sowie zwang
und zwingen C 1. A@1@i@bβ)
im chemisch-technischen sinne '
weichmachen, aufweichen, erweichen'
: aceto macerare mit essig zwingen vnd erweichen Bas. Faber
thes. (1587) 6
a; ja, er (
spiritus vini) zwinget und zerbricht die geschwär Bapst v. Rochlitz
artzneibuch (1597) 239; aus solcher gerste werden auch schöne graupen gemacht, die jedoch im kochen sich nicht, wie die ordinairen gerstengraupen zwingen lassen, sondern etwas harte bleiben
allgem. haushalt.-lex. (1749) 2, 696
a. A@1@i@gγ)
handwerklich '
glätten' (
durch drücken, pressen): glätter ist eine secte der papiermacher, so da papier zwingen, dasz es gediegener wird Adr. Beier
handwerkslex. (1722) 160
b; glätter sind unter die pappiermacher zu zehlen. sie zwingen das pappier, dasz es gediegener wird (mit steinen oder einem zugerichteten holtze bogenweise)
Chomel (1750) 4, 1110; wenn nun endlich die vertiefungen aus dem gröbsten herausgebracht worden, musz nachher alles mit schmirgel gezwungen werden (
bei bearbeitung des porphyr) Winckelmann
w. (1808) 3, 134. A@22) '
einengen, einzwängen',
der nachdruck der vorstellung liegt auf der unnatürlichen zusammendrängung oder begrenzung der gegebenen ausdehnung eines gegenstandes oder der üblichen bewegungsfreiheit eines menschen infolge der einwirkung äuszerer gewalt. in interlinearübersetzungen, glossen und vocc. ist vor allem diese bedeutung immer wieder verzeichnet, von den ahd. gll. bis ins 16.
jh.; seit dem 15.
jh. dringt daneben und dafür in zunehmendem masze zwängen
vor: angere twingen (14.
u. 15.
jh.)
neben engen Diefenbach
gl. 34
c;
angustare twingen, dwingen, zwingen, twengen (15.
jh.) (
neben engen, eng machen
in andern gleichzeitigen vocc.)
ebda 35
b;
ango duingu
ahd. gl. 4, 327, 14 (9.
jh.);
angit tvvingit 4, 33, 45 (12.
jh.), duang 2, 662, 51 (11.
jh.),
artavit duanc 1, 272, 59 (8./9.
jh.), (
vgl. quam angusta porta et arta via wuo engi ist thiu phorta inti bithuungan weg
Tatian 40, 10; diu betuungeniste phragina
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 154);
artare engen
vel zwingen
voc. ex quo (1472) c 1
a; zwingen oder engen
coartare, cogere, coercere, obstringere voc. theut. (1482) qq 6
b;
coartare dwingen (
nd. 1420), twingen, zwingen (
md. 1440) Diefenbach
gl. 128
c,
daneben dwengen (
nd. 15.
jh.), enge machen (
md. 15.
jh.)
ebda (
vgl. coartare einzwengen, engen Frisius [1556] 237
b);
coangusto, coarcto, contraho zusammenzwingen oder tringen Calepinus xi
ling. (1598) 258
a;
coercere twingen, zwingen, dwingen (
in vocc. d. 15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 130
a;
constringere twingen, zwingen, dwingen
neben zusamentwingen, -zwingen
z. t. in denselben gloss. d. 15.
jh., ebda 145
b (
in andern vocc. zusamenbinden
ebda);
obstringere twingen, betwingen (15.
jh.)
ebda 390
b,
restringere twingen, bedwingen, betwingen
neben vorstrickin (
anf. d. 15.
jh. obd.)
ebda 495
b,
vgl. unten 2 c. A@2@aa) '
einengen, beschränken': und wann du wiltt in ain gruob zway oder drú bomblin (
bäumlein) setzen, so versorg, das sy nit ain ander zwingint (
inter se constringant) oder von den wurmen verderben Österreicher
Colum. 1, 331
lit. ver.; dise bäume mögen keyns wegs leiden, das man jre wurtzel zu sehr zwinge, dann sie müsen die breyte haben Sebiz
feldbau (1579) 360; (
im keller eingewinterten salat soll man) so nahe an einander setzen, dasz sie einander zwingen
quelle von 1657
bei Fischer
schwäb. 6, 2, 3530; zween knollen oder beulen (
am huf des pferdes) ... mit den spitzen in die höhe gerichtet erwachsen, welche etliche, die weil sie das lebendige des fuszes hart zusammen zwingin oder eng einziehen, den zwang nennen Uffenbach
neues roszbuch (1603) 2, 270.
bildlich: ihr seid grosze narren, dasz ihr unsers herrn gottes gewalt so zwingen und enge spannen wollet Luther 6
2, 101
Erl. ausg. (
hauspostille).
medicinisch von der wirkung adstringierender mittel '
zusammenziehen': (
ein wasserbad) darinn gesotten sein die ding, die da trengen, zwingen vnd eng machen, als eycheln, eichenrinden (1513) Eucharius Rösslin
d. frawen rosegarten 21
Klein; hierher wohl als '
zusammendrängen, einschlieszen': vnd Amorreus der engerte (
var. czwang Z-Oa) die sun Dan an dem berge
erste dt. bibel 4, 342, 41
Kurr. (
vulg. arctavit filios Dan in monte nec dedit eis locum, ut ad planiora descenderent, richter 1, 34; Luther: drungen auffs gebirge);
mit duanc
auch in ahd. gloss. 1, 272, 59
St.-S. (8./9.
jh.)
wiedergegeben; vnd verstunden wol, daz etliche pilgri, die vor vns ab dem berge waren klummen, von den heiden worden in den fälsen gezwungen ... also kamen wir hinab vnd funden mein herrn mit 5 anderen pilgrin in einem höl, vnd vor dem höl stunden vier heiden
F. Fabri
eigentlich beschreibung (1557) 84
a.
anders '
zusammenballen, concentrieren': um auch in ihrer kunst ein wunder vorzubringen und ihre ganze kraft in einen kern zu zwingen, so nahm sie (
die natur), was sie nur in ihrem vorrath fand v. König
ged. (1745) 78; weil aller völcker kraft sich hier zusammen dringt und sich in einen klump des wüsten heeres zwingt J.
V. Pietsch
geb. schr. (1740) 9.
mit der folge des einzwängens, dem schmerzhaften druck: ich wil den schuoch ze wît noch zenge. ist er enge, er dwingt den vuoz Thomasin v. Zirclaria
d. welsche gast 9979
Rückert; dwinget on de stevel dan (
si ocrea nimis est stricta), mit dinem denste bewise dek daran
bei Schiller-Lübben 1, 615; ein yder wet wol, war em de scho dwinkt (1514) Tunnicius
nr. 461
Hoffmann v. F.; wen der schuh wringet, zwinget (drucket) und das weib dringet, der ist ein armer mann Henisch (1616) 753;
ähnlich: die stirnen halbe er (
der schleier) verdakt und uber die oren och gesthrakt, iedoch also gezogen nút das sin verdeken twunge ir út oren oder wangen schweizer Wernher
Marienleben 12904
Päpke-H. vom eng um den leib liegenden gürtel: an disen aht frouwen was röcke grüener denne ein gras ... dâ mitten si zesamne twanc gürteln tiur, smal unde lanc Wolfram v. Eschenbach
Parz. 234, 7. A@2@bb)
mit gewalt etwas durch eine enge, eine öffnung, einen spalt hindurchpressen, hindurchtreiben. A@2@b@aα)
allgemein: vor dem ertpidem daz ertreich oft seust und wispelt ... daz ist dar umb, daz der dunst in der erden sich auf macht und twingt sich durch alle die lüeger (
öffnungen), diu er vinden mag, reht sam der wein seugt auz ainem viehteinne väzlein und daz dâ verspunt ist, wann sô gêt der luft datz (
da zu) den engen nüeten (
fugen) ein und seust in dem getwang Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 108, 26
Pf.; da kam ein sturm auf mich von sieben vollen krügen ... so bald ich diese last gezwungen durch den kragen, da fühlt ich einen lärm und aufruhr in den magen Rachel
satyr. ged. 89
ndr. im nhd. vielfach bildlich vom engen weg, der schmalen strasze, durch die sich etwas gleichsam hindurchwinden musz: angiportus vel angiportum ein kleines enges gäszlein, da man sich durch zwingen musz Corvinus
fons lat. (1646) 651; es war so hefftig grosz der edlen weiber klagen, dasz in der gantzen stadt die echo jhren klang nur von Virginia durch alle gassen zwang J. Rist
poet. lustgarte (1688) G 2.
weiterhin: (
des bächleins) lisplendes gesaussel sich durch den bunten kiesz zwingend ... ohren und sinne lieblichst betaubte Harsdörffer
gesprächsp. 5 (1645) )( )( )( )( 6
b; wo bald im rauschenden bach die kutsche der reisenden wallet, bald durch die engsten felsen sich zwingt Zachariae
poet. schr. (1763) 3, 91;
vgl. noch bei Stieler: durch die schlachtordnung sich zwingen
ordinem dirimere, aciem incidare, agmen perrumpere stammbaum (1691) 2670; zwischen einen streit sich zwingen
iurgio alicui immiscere se temere 2672
und mundartlich: hê dwinget sük d'r mit gewald dör Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 375.
von tieren, die sich durch ein enges loch zwängen, hindurchwinden: als der schlange zuo ettlichen zeyten die hut abstreyft, so er sich durch ein eng loch zwingt oder krücht Gersdorff
wundartzney (1517) 74
b; (
der fuchs) durch ein eng loch sich zwang, in einen keler drang Hans Sachs 22, 222
lit. ver.; als er (
der fuchs) sich nun durchs loch hinausz wolt packen, ausz des bawern hausz, vnd sich durchs loch wolt wider zwingen, da kundt ers nicht zuwegen bringen Er. Alberus
fabeln 163
ndr.; dises thier (
der wolf) ... wann es sich schon so voll gefressen, das jm der wanst wie ein trumm strotzet vnd spannet ... den bauch dermasen zwischen zweyen bäumen, die gar eng bei einander stehn, streyfet vnd zwinget, das der vberlAestig wust fornen vnd hinden wider von jm geht Fischart
w. 3, 250
Hauffen; der flacht ain sayl ausz stro und zwang sich durch ain klains fenster herausz (
v. j. 1533)
bei Baumann
qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschw. 194
lit. ver. etwas anders in eine enge, zu enge öffnung zwängen: einen pfropfen in eine bouteille zwingen Adelung 5 (1786) 473.
bei flüssigkeiten '
seihen': nach dem sieden, szo zcwinges durch ein tuch (1460) H. v. Pfolspeundt
bündthertznei 52
H.-M.; stosz gar wol in ainem mörser das brot ... zwing es durch ein pfeffertuch ... stosz es anderwerb und zwing es aber durch (
ca. 1492)
kuchenmeysterey in der zs. Alemannia 18, 249; (
bittermandel, pfirsichkern und weinbeeren) zerstosz alles wol durch einander, zwings mit gesottenem wasser durch ein tuch, wie ein mandelmilch Gäbelkover
artzneybuch (1596) 2, 143;
ähnlich J. Walther
pferde- und viehzucht (1658) 132; dieses zergangene (
eine über feuer gelöste salbe) durch ein leinen tuch gezwungen, thu man wieder in die schaalen H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 336
b; (
man) zwinget sie (
die brunnenkresse) durch einen reinen lappen in ein schüsselgen C. v. Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 390. A@2@b@bβ) wort, ton, stimme zwingen,
vom atemstrom her, der gewaltsam durch eine enge (
luftröhre, kehle, windung eines hornes etc.)
gepreszt wird: das zwingen der stimme oder eine gezwungene stimme
le forcement de la voix, une voix forcée et contrainte, pressus vocis et vox pressa Duez
dict. germ.-gall.-lat. (1664) 743;
vgl.: seine rede zwingen oder seine worte zwingen, die worte schwer aussprechen und hervorbringen, seine rede mit angst und not herauswürgen lassen
ebda; sehe ich einen zornigen, ... wie er so ungestüm und langsam athem holet ... wie er seine worte zwinget und stümmelt
discourse d. mahlern 1 (1721) X 2
b.
terminologisch vom gesang die stimme zwingen.
die vorstellung des gewaltsamen pressens ist abgemildert zu der eines fühlbaren drucks (
am halse; gelegentlich sachlich bestimmt als zusammenzwingen des halses),
doch auch diese wird undeutlich und verschwindet, so dasz ein abgeschliffener gebrauch möglich wird (
vgl. hier unten Moscherosch).
im part. prät. gezwungene stimme
im gegensatz zu natürliche stimme
mischt sich der bedeutungsgehalt von gezwungen B '
unnatürlich, gekünstelt' (
vgl. teil 4, 1, 4, 7266)
ein: die stimme zwingen — fistuliren (höher oder leiser singen, als die natur gegeben)
sforzare, sospignere, falsare, rompere la voce, cantare in falsetto Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 974
c;
vgl. falsetista heiszt bey einigen musicis einer, der den discant fistulieret; das ist, der über das alter ist, darinne man einen natürlichen discant singen kan, und doch noch einen so hohen ton durch die kehle vermag zu zwingen oder zu pfeiffen
musikal. lexikon (1749) 136; tonkünstler beschreiben die falsettöne ... durch gezwungene töne und eine falsettstimme durch gezwungene stimme ... man weiß, dasz man durch einen gewissen fühlbaren zwang, den man dem halse im singen antut, viel mehrere hohe töne herausbringen kann, als sonst ordentlich der umfang einer jeden stimme mit sich bringet J. Fr. Agricola
anl. z. singkunst (1757) 34.
so sprach man insbesondere bei dem aus Italien überkommenen kastratengesang von ungezwungener
oder natürlicher
und von gezwungener stimme,
vgl. Fr. Haböck
d. kastraten u. ihre gesangskunst (1927) 90,
entsprechend dem italien. voce naturale e sforzata, s. bei Tommaseo-Bellini 4, 1891
a: es gibt stimmen, die bass, tenor und jede andere stimme mit gröszter leichtigkeit (
con molta facilità, also nicht 'gezwungen') singen
übersetzung aus Maffei (16.
jh.)
discorso della voce bei Fr. Haböck
d. kastraten u. ihre gesangskunst (1927) 85; bey erwachsenen sängern, wenn sie an statt ihrer ordentlichen bass- oder tenorstimme, durch zusammenzwingen und dringen des halses, den alt oder discant singen. man nennet es auch deswegen eine unnatürliche stimme J. Gottfr. Walther
musical. lex. (1732) 239
a; hört man nicht dieses lieber an, wenn ein unbartiger, entmannter mann aus Welschland, seine kehle zwinget, und geile buhlenlieder singet? D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 1, 540; herr Dethlef darf nicht mehr, wie vor, die stimmen zwingen und in der abendluft ein kläglichs liedlein singen von seiner liebe pein J. Rist
neuer teutscher Parnass (1652) 49;
vgl. noch: ein ton, der durch die fistel gezwungen wird, klingt viel besser und reiner Göthe I 21, 100
W. auch von der frauenstimme bezeugt: eine jungfraw die eine schOene stimme hat und derselben meister ist, sie zierlich zwingen, ziehen, thönen und abwechslen kan, ist anmtiger zu hOeren als alles seitenspiel. vox omnes voces vincit humana Moscherosch
insomnis cura par. 65
ndr., vgl. denselben gebrauch von erzwingen: falseten (das ist halber und erzwungener stimme) J. Andr. Herbst
musica mod. pratt. (1653)
bei Allerup (
diss. phil. Münster 1931) 13; bald wil ein graubart das falset erzwingen Mattheson
gött. ephorus (1727)
bei K. Sachs
musikinstr. (
21930) 224
anm. 3.
ähnlich bei blasinstrumenten: falset-stimme in einer pfeiffen und andern instrumenten wird genennet, was über eines jeden blasenden instruments natürlicher höhe oder tiefe, von eim guten meister zu wege bracht, und heraus gezwungen werden kan (1618) Mich. Prätorius
syntagma 2, 13
Rob. Eitner; etliche instrument, welche nicht leichtlich über ihren natürlichen ton können gezwungen und gebracht werden. als da sein, ... auch etliche blasende und sonderlich die pfeiffende instrumenta
ebda 2, 9,
vgl. auch musical. lex. (1749) 136.
ohne diese fachsprachliche tönung von dem wildpressenden atemstosz her: der ziegengefüszete pausback zwingt den heiseren ton wild aus dem schmetternden horn Göthe I 1, 307
W. A@2@cc) '
einschnüren, zusammenschnüren, zusammenbinden, fest anbinden',
vgl. zwingband: diu binta zesamene duinget die menige dero lokko Williram 56
Hoffmann v. F.; entslozzen ist der knote, der dich nu getwungen hat
Daniel 4739
Hübner; drcken es (
quecksilber) mit eim schwamb, und thu es in ein ... barchet, oder ... leder ... und zwing es mit einer festen schnur L. Ercker
beschr. aller min. ertzt (1580) 48
a; '
mit gewalt binden, in stricke, fesseln legen',
gern in zwillingsformeln: wo mit wir (
die Philister) jn (
Simson) vbermögen, das wir jn binden vnd zwingen Luther
dt. bibel 9, 1, 145
W. (
quomodo eum superare valeamus et vinctum affligere, richt. 16, 5);
darnach buch d. liebe (1587) 300
b; in banden, fesseln, ketten zwingen: dieselben (
delinquenten) ... werden gezwungen in panden an henden und fuoszen Albrecht v. Eyb
dt. schr. 1, 82, 32
Herrm. bildlich: stringis pugnantia semina archanis vinclis tie ringenten samen, daz chit quatuor elementa, duingest tu mit tougenen banden Notker 1, 689, 14
P.; ich wil euch wol unter die ruten bringen und euch in die band des bundes zwingen (
subiciam vos sceptro meo et inducam vos in vinculis foederis)
Hesekiel 20, 37; denn, wie ein sklav, den schwere fesseln zwingen A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 155;
so häufig in bildl. gebrauch; insbesondere von der fesselung durch das band der liebe (
vgl. auch unter B 3 b
sp. 1248): der minne pant mich twinget sêr
erlösung 220
Bartsch; die Rosilis hAelt mich gezwungen. sie hAelt mein wollen und verlangen, ja meine seele selbst gefangen Casp. Stieler
geharnschte Venus 22
ndr.; der in rosenfesseln eine fürstinn zwingt Ramler
lyr. ged. (1772) 154;
das gleiche bild auch häufig mit anderer beziehung: als noch ber unserm haupte freyheit ihre palmen schwang, bis dich aberglaub ihr raubte und in seine fesseln zwang Miller
ged. (1783) 280; wozu das traur'ge leben mir noch fristen? bis Jarbas mich in seine ketten zwingt? (
captam ducat Jarbas Vergils Aen. 4, 326) Schiller 6, 401
G.; doch ist zu früh noch solches bangen, noch ists gekommen nicht so weit, dasz sie den mann in ketten zwangen, noch kämpft er fort den groszen streit Lenau
s. w. 544
Barthel. speziell im stock, an eisen zwingen,
vgl. zwingstock: Joseph ward zum knecht verkaufft, sie zwungen seine füsze im stock, sein leib muste in eisen ligen
ps. 105, 18 (
vulg.: humiliaverunt in compedibus pedes eius, ps. 104, 18
); darnach: Joseph ward vor jn hin gesandt,
verkaufft von seinen brdern,
sie zwungen seine fsz im stock,
sein leib in eisen gfangen lag
Burkard Waldis
psalter (1553) 188
a;
ich selbst und durch mich selbst musz mich an eisen zwingen
und mir an meinen hals die koppeln legen an
Paul Fleming
dt. ged. 106,
v. 147
Lappenberg. die vorstellung wirkt mit in anwendungen wie: man wölle auch niemand mehr vmb der religion willen also stöcken vnnd plöcken, sondern die biszhero geübte arrianische inquisition vnnd scharpffe process einstellen, dann gott selbs pflege die menschen zu lehren vnnd nicht zu zwingen, vnnd habe kein gefallen an der genötigten vnnd erzwungnen bekanntnusz Ph. Heilbrunner
v. d. Augsp. confession widerwertige censur (1598) 142
. auch sonst bei gerichtlichen executionen: 'einsperren, strafen': czu pfendin, czu fahen und twingen (14. jh. Iglau) im dt. rechtswb. 3, 419a; gepurt, den verclagten todtschleger vonn ampts wegen zu fahenn, vnnd die notturfft erfordert, jnen mit waffenn, sollicher gefenngknus halb, zu betrowen, zwingen vnd nottigen Carolina 1, 73 Kohler-Scheel; ob auch ain geschrai aufkäm, daz ander leut dann des gotzhausz richter ainen oder mer vahen, noeten oder zwingen wolten (16. jh.) österr. weist. 3, 60; ein jeglicher sol schuldig seyn, das recht zu stAercken, und diejenigen, so sich dagegen vergreiffen, zwingen und straffen zu helffen (1625) bei E. v. Frauenholz
entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 3, 1, 298
; vgl. zwing und bann sp. 1217, zwingen und bannen bei B 1 g sp. 1247 f. A@2@dd)
etwas in einen engen, zu engen raum mit gewalt hineinzwängen, auch in einen schon ausgefüllten raum (
metall, stein etc.): nâtûrn art zwingt grôz wunder in ein ei sô klein
erlösung ix (
vom sacrament) 44
Bartsch; ein voller bauch hat ja die weisz, dasz er nicht darf noch ander speisz, ob man dann mehr wolt darein zwingen, er mocht jm von einander springen Scheit
Grobianus 4170
ndr.; hê kun' de stok d'r net henin dwingen; hê dwingt dat mit gewald in d'sak Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 375
a; wie gelantz, wie stark ain helm sy, des schwertes schnit als in ain bliy tringtt, wen du es tuwingest dar
Göttweiger Trojanerkrieg 2157
Koppitz; gott steckt das gut in harte stein, da mussen wir vns zwingen nein ... einer fehrt aus, der ander ein (
ins bergwerk)
M. Rinckhart
christl. ritter 45
ndr.; es sol kein meissel oben so grosz sein, dasz er das (
wund-) loch auszfülle ... hab also niemahlen kein meissel in eine hOele gezwungen, sondern allwegen luck und weit umb in lassen bleiben
F. Würtz
wundartzney (1624) 61.
ein lebewesen wider seinen willen in einen festumgrenzten raum hineinsperren, der es in seiner freiheit einschränkt, in einen kerker, käfig, in ein kloster
usw. zwingen: iere kind under gestalt der andǎcht in die clOester zwingen Stainhöwel
de clar. mulier. 157
Drescher (
parvulas filias ... coactas monasticis claustris Boccatii de claris mulieribus [1539] 30
b);
vgl. 305; Barbali, min tochter ... ich will dich nit ins closter zwingen
N. Manuel 139
Bächtold; dieses kloster ... (
ist) angestackt worden von einer klosterjungfrawen, welche jre brüder ... mit gewalt hinein gezwungen (1579) Christoph Entzelt
altmärk. chronik 112
Bohm; gleich wie ain vOeglin allzeit singt, wann mans schon inn die kAeffig zwingt, veracht es die gefängnüs frei vnd spott des voglers tirannei Fischart
dicht. 3, 124, 84
Kurz; man musz dem rosz ein ader sprengen, vnd solte mans drüber in notstall zwingen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 567; ich weisz sust wol, dasz gott nit yngezünt noch zwungen wirt an dhein ort Zwingli
dt. schr. 1, 291
Sch. besonders häufig belegt in der bildlichen verwendung von notstall, kerker, käfig, schranken, bahnen
u. ähnl.: von ihren augen fluszen trehen vor forchte unde trangsal, sie muosten in den notstal, und sich darinne twingen lan. es waren nicht vierhundert man
vom Würzburger städtekr. (1397-1400)
bei Liliencron
hist. volksl. 1, 190; Zwinglin, der sie (
die kath. priester) inn den nothstall der heiligen schrifft hat wOellen zwingen Fischart
binenkorb (1588) 212
b; bepst oder concilia, achten vnser blödigkeyt gar nicht, zwingen vns bey lebendigem leyb in hellischenn kercker (
durch die forderung der ehelosigkeit) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 29
ndr.; wofern die weise seel kan aus dem kercker dringen, in den sie fleisch und noth und zeit und arbeit zwingen A. Gryphius
trauersp. 22
Palm; der hüter, der die ungestümmen gäste (
die leidenschaften) in schranken zwingt — vernunft Gotter
ged. (1787) 1, 321; wer ein volk in seine bahnen zwingt, der beschränkt ihm auch den künftigen erdenweg, und vieles, was er nicht zwingen kann, empört sich G. Freytag
bilder 1
8, 347.
so auch in bildlichen ausdrücken wie: soviel stoff in so kleinen raum zu zwingen (
im drama) O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 315; die schönheit läst sich nicht in enge federn zwingen, ein schimmrend antlitz ist vor pinsel auch zu grosz Hoffmannswaldau
ged. (1697) 2, 95.
den körper oder ein glied in ein enges, zu enges kleidungsstück hineinzwängen: als siu sich in den mantel twanc Ulrich v. Zatzikhoven
Lancelet 6081; ich macht ... dy schuech vil zw eng, dar ein ich grosz fuesz czwang
altdt. passionssp. 271
Wackernell; mit getzwengter prust von yn brisen ... merck wie vast er (
der liebhaber) zwungne schOeni (
bei beleibten jungfrauen durch einschnürung erzeugte schlanke schönheit) verdamnet (1486) Hans Neidhart
Terenz Eunuch 59
lit. ver.; genaueres vgl. unten s. v. zwingnus 1; wie zwinget und presset man offt den leib ein in die engste und unbequemste kleidung, nur ein ansehen zu haben Scriver
seelenschatz (1737) 1, 6
b; da sich die behertzte princessin in gemeine soldatenkleider warff, ihre haare in eine sturm-haube zwang Ziegler
asiat. Banise (1689) 747;
ohne die vorstellung der engen, zu engen kleidung von der bloszen gewaltsamkeit des vorganges: dasz der schuldige (
beim haberfeldtreiben) in ein hemd gezwungen wird H. Jaekel
Savigny-zs., germ. abt. 27 (1906) 121;
bildlich: das behagen, womit er auf seiner schnitzbank schafft oder die glatten dauben in den schnürleib der reife zwingt, hört sich ... aus jedem hammerschlag heraus O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 122.
gewaltsam in eine vorgebildete form pressen: jahrhunderte lang haben nationen ihre köpfe geformt, ihre nasen durchbort, ihre füsze gezwungen Herder 13, 278
S.; ein wilder zwang, nach alter sitte, einst seines bübchens weichen kopf ... in die Huronenform Pfeffel
poet. vers. (1802) 8, 143;
bildlich: doch der prägstock in seine form uns gezwungen hat Bettine
d. buch gehört d. könig (1843) 1, 156. BB.
übertragen. anknüpfend an die bildliche verwendung der sinnlichen bedeutungen haben sich allenthalben übertragungen entwickelt. schon im ahd., insbes. bei Otfrid
und Notker
häufiger belegt, entfaltet sich diese gebrauchsweise aber erst im nhd. so reich, dasz die sinnliche ausgangsverwendung schlieszlich dahinter zurücktritt. B@11)
überwältigen, überwinden, in seine gewalt bringen. B@1@aa)
einen gegner niederringen, mit der gewalt der waffen oder der kraft der arme: so quement Romani ... mit wafanu unsih thuingent,oba sies biginnent, mit kreftigera hentiduent unsih elilenti Otfrid III 25, 17; si striten alsô sêre,daz al diu burc erscal ... er twanc den portenære,daz er in sît gebant
Nibelungen 492
Bartsch; Gâwân kunde ringen unt mit dem swanke twingen: swem er daz swert undergienc ... er warf in balde under sich Wolfram v. Eschenbach
Parzival 538, 10; der kleine David zwang den groszen Goliath, den groszen David zwingt der kleine zwerg, die liebe J. Chr. Günther
s. w. 5, 19
Krämer; wie Alcide (
Hercules), sein ahnherr, als er riesen zwang Seume
gedichte (1804) 177; (
zwei buben) zankten sich und von den worten kams zum raufen und balgen, und als keiner den andern zwingen konnte, risz sich jeder einen pfahl aus dem pferch Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 169; ich forderte jeden, der mir nicht glaubte, zum ringen heraus und liesz merken, dasz ich zur not sie alle miteinander zu zwingen denke H. Hesse
Peter Camenzind (1907) 59;
schwäb. allgemein ein knabe zwinget den anderen im ringkampf Fischer 6, 1, 1461.
kämpfend erobern; vgl. subigere zwingen, underdoen (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 560
a: und daz er von rehte bûwen wolte daz lant daz er hête bedwungen, mit sînem herscilte gewunnen
kaiserchronik 5111
Schr.; (
Ninus) der mit gewalterichir hant begunde twingin do dú lant Rudolf v. Ems
weltchronik 3415
Ehrismann; ausz der vrsach schickten die ROemer zwen hauptmenner ... die zwungen und zerrissen vil stett Carbach
Livius (1533) 104; der flihende geist bin ich genant, helf zwingen schlos, sted, levt vnd land (
ca. 1560) H. Ziegler
geschützinschriften (1886) 31; die frösch zwangen dasselbe land, zuvor Dardania genant Georg Rollenhagen
froschmeuseler 171
Gödeke; du wirst noch eine krohn im reiche Japon tragen, den wo man dieses reich mit prahlen zwingen kan, so beutet es (
erbeutet) dein maul, du tapfferer lügenmann J. Rist
Parnass (1652) 343; ganz England, strömt es alle seine bürger auf unsre küsten aus, vermöchte nicht diesz reich zu zwingen, wenn es einig ist Schiller 13, 230
G. präpositionale fügungen verdeutlichen die sinnliche ausgangsvorstellung; mit in: (
Semiramis) twanc mit frechir hant in ir gewalt der more lant Rudolf v. Ems
weltchronik 3582
E.; mit freud sah er die gelegenheit zu zwingen in die dienstbarkeit das freie vaterland (1388)
histor. volkslieder 1, 152, 2
Liliencron; er zwang den gantzen Schwartzwald in sin gehorsami Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 30.
mit unter (
vgl. oben A 1 f
sp. 1231): land und leute under sich zwingen
rerum potiri Stieler (1691) 2671; das alle solche ... stedte ... zuletzt unter die Römer gezwungen Luther 23, 611, 19
W.; Messia solt ... auch die Römer und alle welt mit dem schwert unter sich zwingen 53, 494. B@1@bb)
seit alters auf die verschiedensten vorgänge körperlicher oder geistig-seelischer auseinandersetzung übertragen, wenn sie als kampf gegen einen hartnäckigen widerstand bildhaft vorgestellt werden: uf daz in (
den ölbaum) der rife nicht twinge
Daniel 2108
Hübner; derhalben ist bekant, das dasz eysen den diemand mehr an sich ziehe, dann dasz der diemand das eysen zwingen oder zu sich ziehen solte L. Thurneysser
magna alchymia (1583) 4; ob ich nun wohl so viel stärke gehabt, dasz ich ihn mit trinken zwingen hätte können, so wollt ich es doch nicht thun Schweinichen
denkw. 39
Österley; kein heldenschwert beschützt uns mehr, die federn sollen alles zwingen Gottsched
ged. (1751) 1, 157; sein wunder-elixir, ... ein öl, das jede krankheit zwingt Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 128; wie angenehm der morgen! — die sonne zwingt den nebel noch, gibts heut einen herrlichen tag maler Müller
w. (1811) 1, 186;
so gern vom kampf mit den elementen, '
bewältigen': lieffen sie zu, die zu beschawen, die grosze flüsz zu zwingen trawen Fischart
glückh. schiff 17
ndr.; hat schif gebaut, das mer zu zwingen, das es die leut musz uberbringen
ebda 4; das wunderschiff ... das fünfzig helden faszt und fluth und stürme zwinget Gottsched
neueste ged. (1750) 90; so war es der verdoppelten anstrengung gelungen, die flammen endlich zu zwingen Eichendorff
s. w. (1864) 2, 104;
vom kampf der elemente untereinander: den 10. februarij ist ein tawwetter angefallen, hat groszes gewesser geben, doch hat die kelte, so bald wider darauff komen, solchs wasser wider gezwungen Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 485
b; treib wolcken über uns zu hauff, die sanften regen bringen und dannenher auch die beschwehr der groszen hitze zwingen (1649) Simon Dach 342
Österley. vom ringen mit übermenschlichen gewalten: daz man in (
Christus) an ein crce hing, do in der dot an twang Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 7398
Singer; vnd singen Jesum Christum an, der todt und teuffel zwingen kan Barth. Ringwaldt
evangelia (1581) P 4
a; kehrt sie uns aus dem grab zurück? zwingt sie den tod? Schiller 13, 334
G.; kein mensch kan das glück zwingen Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) 2, Ll 4
a; und bleibet nur wacker zusammengefügt, ihr zwinget das glück und regieret Schiller 11, 213
G.; weitere belege mit glück
siehe unter B 11 a
sp. 1262; der du (
schlaf) mit deinem mohne selbst götteraugen zwingst Göthe I 37, 38
W.; denn o saget, wo lebt menschliches leben sonst, da die knechtische jezt alles, die sorge zwingt? Hölderlin
s. w. 4, 20
v. Hellingrath. vom politischen, geistigen ringen, in anknüpfung an rein bildliche anwendung schon bei Notker (
s. oben A 1 h,
sp. 1233).
wie bei a
oft in präpositionaler fügung mit unter,
die den sinnlichen ausgangspunkt der vorstellung deutlicher werden läszt: sondern der gewalt halben (
sollte der papst der oberste sein), das er die bischove mochte als jr herr gewaltiglich und weltlicher, ja tyrannischer weise unter sich zwingen (1545) Luther 54, 231
W.; 53, 602; bisz entlich der papst sie under sich gezwungen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 9
a;
assiduitas omnia subigit steter fleisz bringet und zwinget alles unter sich Bas. Faber
thes. (1587) 30
b; aber dise zwingen und überkomen die ganzen welte under ir gebote
sat. u. pasqu. 2, 25, 15
Schade; wie
N. N. gräulich tyrannisirete und wollte alle seine unterthane unter die papistischen satzungen zwingen, denselben zu gehorsamen
bei Luther
tischreden 5, 458
W.; doch würd ich mich vnder keines gewalt lassen zwingen Zwingli
v. freih. d. speisen 6
ndr.; als Bonaparte alles unter militärischen despotismus zwang Savigny
v. beruf u. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 55. B@1@cc)
vom gefühlsleben; die bildhaftigkeit verblaszt, kann aber durch präpositionale angaben des ortes und des mittels, durch synonymische verbindungen und vor allem poetisch erhalten bleiben oder neu belebt werden. B@1@c@aα)
gefühle gewinnen macht über den menschen, bringen ihn in ihre gewalt; insbesondere die liebe: insita caritas ut suevit stringere patria pectora diu minna, diu mih nieht ein neduuinget also si ouh anderro fatero muot tuot Notker 1, 765
P.; die ie geminnden oft noch minnen, die sîn vrô in manigen sinnen; des die domben niene beginnen, want si die minne noch nie dwanc Heinrich v. Veldeke
in minnesangs frühling 67, 31; sit minne kraft hât sô vil daz sie ... alle künege, die nû sint, noch lîhter twinget danne ein kint Hartmann v. Aue
Iwein 1570;
mit poetischer vertauschung: swâ twingende vrouwen sint, die sulen im heiles wünschen nuo, wande in brâhte ein wîp darzuo, daz minne witze von im spielt Wolfram v. Eschenbach
Parz. 293, 24; wie krefftig die liebe ist gemacht, sy czwingt alle herczen Arigo
decam. 378, 2
Keller; wand in dwanc der grôze zorn, den sin hêter nâh verlorn
Straszburger Alexander 4322
Kinzel. von anderen gefühlen: wenn dich des freundes gram nicht rührt, lasz eines mädchens gram dich zwingen J. A. Ebert
episteln u. verm. ged. (1789) 52; gleichwohl ist mirs noch entfallen, wie sie ohr und herzen zwingt, wenn clavier und laute klingt Gottsched
ged. (1751) 1, 249; wenn es nicht aus der seele dringt, und mit urkräftigem behagen die herzen aller hörer zwingt Göthe I 14, 34
W. in diesem sinne geradezu '
verführen, betören': wie die zwey (
wein und weiber) auch gewaltige und sonst unüberwindliche helden und könige zwingen und bewegen Kirchhof
wendunmuth 2, 17
lit. ver.; er hielte sich fest an die mast, als die Syrenen sungen, vnd stopffte zu die ohren fast, sonst hetten sie jhm zwungen Gabriel Voigtländer
oden u. lieder (1642) 7; kann doch weder stolz noch geiz in dein starkes herze dringen, noch der eitelkeiten reiz deine grosze seele zwingen Gottsched
gedichte (1751) 1, 232; kann in die öde gruft des ruhmes nachhall dringen? läszt sich des todes ohr durch schmeicheleyen zwingen? Gotter
ged. 1 (1787) 137. B@1@c@bβ)
der mensch besiegt, beherrscht (
oft verderbliche)
gewalten in sich, insbes. sinnliche triebe, leidenschaften, liebe, kummer, affecte und deren ausbrüche: michil ist ir (
der menschen) ubilithuruh thaz herza frauili. ther ni thuingit sinaz muatioh thaz ubil al giduat Otfrid II 12, 91; ter geuualtig uuelle sin, der duuinge sin geilla muot Notker 1, 157, 1
P. (
qui se volet esse potentem, ille domet feroces animos nec colla victa libidine summittat, Boethius 3, 5, 22); lieber vatter, gib unss gnade, das wir des fleysches lust tzwingen Luther 7, 228
W.; dergleichen sind andere mehr gewesen, die jrer natur mit steder gewonheit vil abgebrochen, unnd derselben lüst beteuben und zwingen haben können Heyden
Plinius (1556) 30; wer ... zwingt und zähmet in der brust seine lust Butschky
Pathmos (1677) 73; die begirden zwingen Er. Alberus
dict. (1540) C 3
b; sein fleisch, seine böse begierden zwingen
sforzare cioè frenare, raffrenare, riprimere, mortificare la sua carne, li suoi pravi appetiti; mortificarsi Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b,
vgl. dazu unter A 1 f Otfrid III 7, 65
sp. 1232: der ist starck, der sein eigen gedancken vnd begierden zwingen kan Lehman
floril. pol. (1662) 1, 416; der heist ein rechter herr, der stets in allen dingen kan seine leidenschaft und seine lsten zwingen Lindenborn
d. d. welt bel. Diogenes (1742) 1, 25; ich zwang (
neben der geliebten gehend) den verwirrenden tumult in mir, dasz ich sprechen konnte Hölderlin
s. w. 2, 61
v. Hell.; ich sollte ruhn? ich soll die liebe zwingen, die feurigfroh nach hoher schönheit strebt?
ebda 2, 10; doch der natur entgehn, der thränen aufruhr zwingen, dem blute widerstehn, das wird dir nicht gelingen A. v. Haller
ged. 177
Hirzel; affectibus moderari die affecten zwingen
nomencl. lat.-germ. (
Hamburg 1634) 227; so ist es auch eine hohe und lOebliche tugend an einem hohen herren, wann er sein gemthe zwingen ... kann
Reinicke Fuchs (1650) 221; ihr temperament zu zwingen Fontane
ges. w. I 4, 22; sie zwang ihre wachsende ungeduld und liesz ihren ärger über die verzögerung zins auf zins stehen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 355; meine Belise, sie zwinge ihren kummer Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 143;
so bis in die heutigen maa. geläufig: se kann dat lengen ni dwingen '
ihr heimweh nicht bezwingen' Mensing
schlesw.-holst. 1, 976. B@1@c@gγ)
eine gewalt ist der anderen überlegen, überwindet sie, löscht sie aus: die lieb wirt oft durch feintschaft zwungen, das kummet durch die falschen zungen, die solche lieb nit leiden mügen Hans Sachs
fastnachtsp. 1, 5
ndr.; doch lieb ist stärker, stärker noch als der tod! sie zwang des grabes eherne festigkeit Kretschmann
s. w. (1784) 2, 80; so kühn gewaltig zwingt das lied die trauer der beklemmten brust Bettine
Clemens Brentanos frühlingskranz (1844) 26; wo ... in dem frost noch nie bestrahlter gründe kein leid mehr bleibt, das nicht die stille zwingt A. v. Haller
gedichte 7
Hirzel. B@1@dd)
reflexiv: sich zwingen,
schon im älteren deutsch mit starker verinnerlichung unter schnell fortschreitender verblassung der sinnlichen ausgangsvorstellung, '
sich selbst überwinden, sich beherrschen, dem widerstrebenden inneren oder äuszeren menschen eine als vorbildlich empfundene haltung aufnötigen'.
für gewöhnlich auf das grundsätzliche verhalten bezogen: wer sleht den lewen? wer sleht den risen? wer überwindet jenen unt disen? daz tuot einer der sich selber twinget und alliu sîniu lit in huote bringet ûz der wilde in stæter zühte habe Walther v.
d. Vogelweide 81, 9
L.-Kr.; mit guoten siten er zwinge sich Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 66
Singer; ein ider der sich zwingen kan, der mag der ubel wol frei stan
fastnachtsp. 147, 29
Keller; sich selber zwingen ist die grOeszeste kunst Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Ss 2
a; sich selbst zwingen ist der gröszeste sieg Spanutius (1720) 510.
aber auch von einem in einer bestimmten lage augenblicklich erforderlichen verhalten: und do die maus ward springen, do chunt sich die chatz nicht twingen, si vieng die maus mit schallen Vintler
pluemen der tugend 6781
Zingerle. diese verwendung setzt sich in nhd. zeit durch und führt zu veräuszerlichter bedeutung: seinem augenblicklichen gefühl nicht nachgeben, eine gefühlsmäszige wallung unterdrücken, sich beherrschen, sich zusammennehmen: sie seindt gar zu freszig, können sich nicht zwingen (1709) Elisabeth Charlotte
br. 115
Menzel; es hat kein kOenigsthron ein schOener weibesbild, allein du muszt dich zwingen, und nur von ferne gehn, nicht gleich auf werke dringen B. Neukirch
ged. (1744) 137; diese entfindliche reden giengen dem Nero durch die seele, weil er deren nicht gewohnet war. doch zwang er sich, und gieng traurig wieder hinweg A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1031; dasz er zu keinen menschen, da er einigen respect tragen und ein wenig sich zwingen musz, gehen will Leibniz
dt. schr. 2, 16
Guhrauer; dieser zwang sich und sagte in einem ganz ruhigen tone Pfeffel
pros. vers. (1810) 1, 97; aber die frau von Hohenauf ward durch diese vorstellung sehr wenig besAenftigt, ob sie gleich sich zwingen und mit verbisznen lippen höfliche antworten geben muszte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 201.
da für eine solche vom augenblick geforderte haltung keine dauernde innere wandlung notwendig ist, gewinnt in neuerer zeit die vorstellung von einer unechten, blosz vorgetäuschten wirkung des äuszeren oder inneren zwangs zunehmend die oberhand; damit bekommt das wort einen abschätzigen unterton; vgl. im übrigen noch unten B 9 b
δ sp. 1259: daher sind die schalcks-narren, wenn sie von der schau-bühne abtreten und ihre possen getrieben haben, ins gemein unangenehm und traurig, weil sie sich zuvor gar zu sehr und hefftig gezwungen haben v. Ryssel
seelenfrieden (1685) 627; da müszte ich mich sehr zwingen! (
er will aber nicht) (1798)
bei J. Meier
hall. studentenspr. 68; gesegnet seist du, liebe einsamkeit! wie erbärmlich habe ich mich seit dem eintritt in dieses haus zwingen müssen Göthe I 17, 27
W.; mit den schmerzen ist es so weit nicht her, aber der verdrusz ist zu grosz, und sie kann sich nicht zwingen Immermann
w. 3, 19
Boxb.; die dame athmete und fragte dann endlich sich zwingend noch sanfter Stifter
s. w. 1 (1904) 26; er hat kein ohr mehr für mich, und wenn er es hat, so zwingt er sich und lächelt Fontane
ges. w. I 1, 25.
mit anklang an die vorstellung B 6: denkst du, es sey gleichviel, ob du es machst, wie es dir natürlich ist oder ob du dich zwingst? Ramler
einl. i. d. sch. wiss. (1758) 1, 85.
daher geradezu '
sich verstellen': sich zwingen, sich nur zwingen
sforzarsi, farsi, forza cioè affettare, simulare, far vista ò sembiante Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b; und du bist falsch wie sie! zwinge dich nicht! zeig deinen abscheu! Schiller 14, 116
G.; ich musz mich zwingen vor der schwester, ruhig scheinen und alle qualen der bedrängten brust in mir verschlieszen
ders. 12, 292
G.; derentwegen ... brauchst du dich nicht zu zwingen, mich freut alles, was du mir sagst O. Ludwig
ges. schr. 2, 331
E. Schmidt. vgl. die im partic. praeterit. gezwungen
entwickelte bedeutung '
unnatürlich, gekünstelt'
s. v. gezwungen B
teil 4, 1, 4, 7266. B@1@ee) ein weib, eine jungfrau zwingen,
auf dem wege zur bedeutung '
vergewaltigen, notzüchtigen'
; häufig in dieser situation, doch zumeist noch in der allgemeineren bedeutung des überwältigens: das si dú wip not zogten und in das uz irbrogten, das si ir willen tatin. vil selten si des baten, si twungin siz zallir stunt Rudolf v. Ems
weltchronik 21979
Ehrismann; das niemant solt chain frawen zwingen zu chainen uncheuschen dingen Vintler
pluemen d. tugent 6066
Zingerle; die züchtige fraw von im kam ... 'hat sie ewer durchleuchtigkeit nichts künden zwingen noch nöten' Val. Schumann
nachtbüchl. 341
Bolte; ist sie gleich keusch; die nothzucht wird sie zwingen Lohenstein (1680) 2,
Sophonisbe 56;
mundartlich: dwing mi, säd de dern, denn doo ik keen sünn Mensing
schlesw.-holst. 1, 976.
die sonderbedeutung '
stuprare'
scheint sich aber erst unter dem einflusz des seit dem 15./16.
jh. häufigen compositums notzwingen, notzwängen '
notzüchtigen' (
s. ob. teil 7, 964)
einzustellen; vgl. seit dem 16.
jh. auch zwang (
teil 16, 933, 4 b
α)
in der bedeutung '
stupratio per vim, notzucht'
anstelle des älteren u. häufigeren notzwang,
s. dort teil 7, 963, 1.
lexikalisch ende des 17.
jh. erfaszt: eine jungfrau zwingen
violare virginem, puellae vim inferre Stieler (1691) 2665; eine jungfer zwingen
sforzare, violare, stuprare una donzella. v. nohtzüchtigen Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b;
als veraltet gekennzeichnet bei Muret-Sanders: zwingen '
notzüchtigen'
engl.-dt. wb. (1901) 2, 2366
b.
eindeutige literarische belege sind selten: einer unter den schiffleuten ... unterstunde sich mit der keyserin umb bulschafft zu werben ... fiel die keyserin an und wolt sie mit gewalt nötigen ... die löwin ... sahe den ehrlosen schiffmann, wie er die fromme keyserin mit gewalt zwingen wolt (
in der capitelüberschrift: die keyserin notzwingen wolte)
buch d. liebe (1587) 6
b; wurd offengklich eebrüchig gschendt ... so dann nie dryn verwillget hast (
Lucretia), so bist noch reyn, vnd lydt der last vff dem, der dich gezwungen hadt
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 120, 271
Bächtold. B@1@ff)
ein wildes oder wildgewordenes tier zähmen, bändigen, gefügig machen, ihm den willen des menschen aufzwingen: effrenata vis equorum wann sie sich nit zwingen oder zeumen lassen Er. Alberus
dict. (1540) R 4
a; wenn die elephanten ... wyld seind, so zwinget man sye mit hunger Eppendorff
Plinius (1543) 46; hatt Orfeus durch sein spiel vorzeiten kOennen zwingen der rauhen tiere schaar Zesen
verm. Helikon (1656) B 4
a; lasz sehn, ob wir den tollwurm (
Pegasus) nicht durch magre kost und arbeit zwingen Schiller 11, 20
G.; und welcher zügel, hoffst du, wird ihn (
den gaul) zwingen? Grabbe
w. (1874) 3, 293; wer reitet beherzt und wacker, wer zwingt das störrische pferd Strachwitz
ged. (1850) 32; seid nicht so unverständig, wie gäul und mäuler sein, die eh nicht werden bändig, als wenn ihr wildes maul ein scharfer zügel zwingt P. Fleming
ged. 5
Lappenberg. bildlich: wo bist du, glück in himmelsbahnen? ... steig nieder, wo fass ich die flügel, dasz ich dich greife, dich binde, dasz ich dich zwinge mit zaum und zügel Tieck
schr. (1828) 2, 115;
diese verwendung wirkt in die von zwinger 2 b (
s. d.)
hinein. B@1@gg) zwingen
wird in der bedeutung '
überwältigen, in seine gewalt bekommen, macht gewinnen über jemanden'
seit dem mittelalter für geister- u. totenbeschwörung so häufig gebraucht, dasz das wort auf diesem anwendungsgebiet fast formelhafte geltung hat u. sich der sonderbedeutung '
durch zaubern in die gewalt bekommen, (
mit erfolg)
beschwören, bannen, magisch herbeirufen, zitieren'
nähert; oft mit dem beiklang '
nötigen, veranlassen, treiben zu' (
s. u.B 9).
zahlreiche composita wie zwingbuch, -messe, -kreuz, -spruch, -wort, -zauber,
auch ableitungen wie zwinglich
gehen von hier aus. verzeichnet von Kramer: die geister zwingen
costringere, sforzare, esorcizzare gli spiriti teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b: etliche alte weiber dy mich (
den teufel) gar offt in ain glas zbingen
altdt. passionssp. a. Tirol 344
Wackernell; den stain schol man setzen in plei, der hât die kraft die tiefel zu twingen, daz (
so dasz) sie antwürt müezen geben den, die si frâgent Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 470 22
Pf.; (
kaiser Nero) hat sich auf die schwarze kunst ... geben, hat ... künftige ding wöllen wissen und die teuffel oder wie er glaubt die götter pannen, nötten und zwingen durch wasser, krais, luft ... pöck ... und ander dergleichen gökelwerk Aventinus
bair. chron. 1, 783
Lexer; teufel: ich bin ein fürst der hölle, und komme, weil dein mächtiger ruf mich zwingt Klinger
w. (1809) 3, 48; eines zauberrings zwingende kraft Rich. Wagner
ges. schr. (1897) 6, 102; der geist des geopferten Rollers, den du zum zeugen aus dem todenreich zwangest Schiller 2, 199
G; Odin zwingt durch zauberei die todte zum weissagen Herder 25, 270
S. aus diesem zusammenhang heraus: nun der imaginirt, zwingt die kreutter, dasz jr verborgene natur herfür musz kommen Paracelsus
op. (1616) 2, 513
Huser; sie (
die selbstliebe) grub ein erzt hervor, das alle thiere zwang A. v. Haller
ged. 130
Hirzel; es werden mit etlichen worten die schlange beschworn vnd gezwungen, dasz sie das gifft von sich legen Nigrinus
von zäuberern (1592) 104;
ebda 55.
mhd. auch in der formel zwingen und bannen,
unter rechtssprachlichem einflusz? vgl. zwing und bann
sp. 1217
sowie zwingen A 2 c: du (
der mönch) tuost mich (
den teufel) zwingen und bannen als ain (
einen) dieb in ainer srannen so der stat an dem gericht und man im an sin leben spricht umb sin grossen boshait
des teufels netz 879
Barack. B@22)
unterdrücken, bedrücken, beherrschen, in der gewalt halten. B@2@aa)
im bereich des geschichtlich-politischen lebens als gewaltherrscher seinen willen aufzwingen, dauernd unterjochen: si twungin krefteclich fúr war swas ir do ubir den Jordan sih hate nider ê virlan Rudolf v. Ems
weltchronik 19365
Ehrismann; sie werden also sere twingende die cristenheit über alle die werlt breit, daz dan niemant tar uz loufen Heinrich v. Hesler
apokalypse 19329
Helm; ok hadde hertoge Magnus, uppe dat he den raad (
der stadt Lüneburg) vnde dhe bOerghere desde hOegher beschaden vnde dwinghen mOeghte, to der tyd vele wapender lude nomen uppe dhe borgh (1371)
chron. d. dt. st. 35, 13, 12; er hatte neun hundert eissern wagen vnd zwang die kinder Israel mit gewalt zwenzig jar Luther
dt. bib. 9, 1, 97
W. (
vehementer oppresserat eos, richter 4, 3); also zwang nu Hasael, der könig zu Syrien, Israel, so lang Joahas lebt
2. kön. 13, 22 (
afflixit Israel); wer zwingt für furcht sein underthan, der musz auch fürchten jedermann Lehman
floril. pol. (1662) 1, 253; die vormals deines gleichen waren, sie zwingt jetzt deines scepters macht Schiller 11, 230
G.; mit diesem häuslein wollt ihr Uri zwingen
ders. 14, 289,
vgl. zwingburg.
in demselben bereich mit unpersönlichem object: dasz der commandeur Reers sehr unter denen mooren geheszig ist, weil er sie ubel tractire, ... umb ... ihre rechte zu verkürzen und den handel zu zwingen (1704
urkundl.)
bei R. Schück
Brandenburg-Preuszens kolonialpolitik 2, 505. B@2@bb)
allgemeiner von vorgesetzten, überlegenen, gegenüber den ihnen untergeordneten, teilweise mit einem beiklang von B 1: he sll ins vatern gter sitze, vn regniren nach sienem willen, die vngehorsamen zwingn vnd stilln Rinckhart
christl. ritter 51
ndr.; solche knechte bey den compagnien obligat seyn sollen, damit die officiers ihrer besser versichert seyn, und sie besser zwingen können
reglem. v. d. kgl. preusz. cavallerieregimenter (1743) 5, 202; wo man ... die ungezognen (
zöglinge) zwingt, die guten freundlich lenkt König
ged. (1745) 178.
sprichwörtlich: ein blind man ein arm man, noch ist das vil ein ermer man, der sein weib nicht zwingen kan
sprichw., schöne, weise klugr. (1548) 1358; wer Henszlein nicht zwingt, der wird Hanse nimmermehr zwingen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Ggg 2
b; de in der joget nicht gedwungen sint, de vorteren, wat se krygen up dat older (
iam consumit opes patrio non verbere laesus) Tunnicius
sprichw. nr. 723
Hoffm. B@2@cc)
auf das geistige und sittliche leben angewendet: vnd wer mit vnrecht zwingt die frummen, mag zu keim guten ende kummen Burkard Waldis
Esopus 1, 309
Kurz; es hat (
es gibt) auch der angeber viel, die den gerechten zwingen Ringwaldt
handbüchl. (1598) B 5
b; es ist unmglich, ein monarch werden, und die gewissen zwingen wollen Moscherosch
ges. (1650) 1, 209; es läst sich der menschliche wille und das menschliche gewissen nicht zwingen
l'humana volontà e l'humana conscienza non si può sforzare, violentare Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
a.
bei Luther
in sinnlich gesehenem bilde (
vgl.A 1 d) zwingen auf das gewissen '
einen druck ausüben': so wolten wir gerne tragen, was sie uns auff die liebe legten ... aber nu zwingen sie auff unser gewissen und wöllen dieselbigen mit gesetzen beschweren 26, 573
W. B@33)
einschränken, fesseln; einzwängen, einpassen. B@3@aa)
zurückhalten, im zaume halten, fernhalten; im anschlusz an A 2 a '
cohibere'
bei Notker:
cohibe linguam tuam a malo et labia tua ne loquantur dolum ube dih iro luste, so nelaz dina zungun ze arge, duuing iro unde dine lefsa netruge chosoen 2, 114, 15
P.; so dvinge wir dem munde, daz wir mit unnuzzem chose gotes hulde niht verliesen
ged. d. 11./12.
jh. 44, 10
Diemer; sich einen menschen nicht lange an ... wir sollen die augen twinge unnd sollen gedencken was god vorbot, das Eva ougen brachten den tot (
vor 1434) Joh. Rothe
lob. d. keuschh. 2744
Neumann. in kreuzung mit einer richtungsvorstellung (
vgl.A 1 g): wan der do wil liebhaben das leben vnd gesechen die guoten tag, der tzwing sein zungen von dem vbelen vnd sein lespen, das sy icht reden die triekeit
erste dt. bibel 2, 432, 40
Kurr. (
παυσάτω τὴν γλώσσαν ἀπὸ κακοῦ,
coerceat linguam suam a malo 1.
Petr. 3, 10),
vgl. dazu: wer seine zung, gegn alt und jung, zum besten weysz zu zwingen, und schickt sich recht zu allen seinen dingen Burkard Waldis
psalter (1553) 21
a. B@3@bb)
übertragene verwendung des gebrauches von A 2 c
u. d (
z. t. in mischung mit A 1 f,
s. u. β). B@3@b@aα)
im anschlusz an bildliche vorstellung im ahd. bei Notker
im abstrakten bereich: an constringit fatalis catena (
d. i. series cohaerentium sibi causarum)
ipsos quoque motus humanorum animorum? tuuinget fatum ouh menniskon gedancha, also iz tuot andere geskihte? Notker 1, 311, 2
P.; hec (
i. e. series causarum)
constringit etiam actus tisiu duinget ouh tero menniskon tate 1, 281, 7
P. (
vgl. Boethius 4, 6, 87); 1, 39, 16
P.; sic patitur frenos fors, que videtur fluitare permissis habenis so feret casus peduungen, ter dir dunchet faren umbeduungen; ... cause die casum machont, die duuingent in (
d. i. die wirkenden ursachen schaffen den zufall und engen ihn dadurch ein [duuingent],
d. i. hindern sein fluitare) 1, 310
P. im mhd. vereinzelt, seit dem nhd. weiter verbreitet und bis heute lebendig; von der fesselung oder einengung des lebensgefühls, der geistigen, seelischen oder sittlichen freiheit, z. b. durch geistliche gewalten: nit das ich üch ein strick well anlegen, daz ist, nit das ich üch mit eim gebott fahen oder zwingen well Zwingli
v. d. freiheit d. speisen 13
ndr.; er (
Moses) hat es aber alles darümb gethan, das er die jüden damit (
mit dem gesetz) zwingen, fassen und eintreiben wolte Luther 24, 5, 13
W.; mit der vorstellung des zu engen, einengenden raumes, vgl. A 2 d
sp. 1239: ... wie man das sternenzelt in enge bilder zwingt ... wie sich der himmel nur im meere dunkel malet! E. v. Kleist
w. 1, 48
Sauer. B@3@b@bβ)
für die einzwängung, einfügung in sprachliche formen und logische systeme und begriffe: einen ganzen langen schriftlichen aufsatz in eine einige periode zu zwingen Adelung
magazin (1783) 2, 1, 132; ein system in dem kopfe des philosophen entwickelt, das sich wohl schwerlich jemahls wird in tabellen zwingen lassen Lichtenberg
nachl. 6
Leitzm.-Schüdd.; mehr auf grundlage der vorstellung von A 1 f '
herunterdrücken': der jurist will alles auff sein leges zwingen Lehman
floril. pol. (1662) 1, 208; diesz ist im ganzen so ausgemacht, dasz wer es läugnen wollte, ... alles unter ein zu früh festgesetztes theoretisches system müszte zwingen wollen Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 2, 388; wie der witz zwei sehr verschiedene reale objekte unter einen begriff zwingt Schopenhauer
w. 1, 104
Gr. B@3@b@gγ)
auch von der einfangenden, prägenden formung des noch nicht gestalteten, mit positivem klang, vgl. unten zwingen B 8 '
meistern': ich habe die angewohnheit, oft nachts meine eindrücke und ideen über kunst und sonst allerlei nieder zu schreiben. es reizt mich, die oft unklaren vorstellungen und empfindungen in worte und gedanken zu zwingen Th. Billroth
br. 9361; sie war auserwählt, das in die wirklichkeit zu zwingen, was die schwankende dämmerwelt der bloszen möglichkeit ... zu verlassen begehrt Werner Bergengruen
am himmel wie auf erden (1940) 235. B@3@cc)
vom dichten: in reime zwingen; reime, verse, rede, wörter zwingen
u. ähnl. entsprechend der wesenhaft formal bestimmten auffassung von dichtung vom 16.
bis ins 18.
jh. rein sachlich von der einpassung in gegebene formen des versmaszes und der reimbildung (
vgl. den gebrauch unter A 2 d).
von anfang an auch in abwertender bedeutung, die seit der mitte des 18.
jh. allein herrscht, nachdem sich die auffassung von der dichtung als schöpferischer gestaltung durchgesetzt hat, vgl.: in reime zwingen war bei unsern lieben alten ein bloszer latinismus (in versus cogere); wir haben nun eine spötterei daraus gemacht Heynatz
antibarbarus 2 (1797) 686.
bemerkenswert sind ähnliche lateinische wendungen wie: oratio numeris (
non)
astricta, conicere in versus, in versus coartare, carmina in varias mensuras cogere u. ähnl. (
vgl. thes. l. lat.),
die auf die prägung des deutschen ausdrucks mit eingewirkt haben können ('
in versus cogere'
selbst ist bislang nicht nachgewiesen).
in reime zwingen '
verse machen'
: prosa ein ledige vnd vnzwungne red, die nit in reymen gezwungen oder gestelt ist Frisius
dict. (1556) 1081; sowohl in ungebundener und ungezwungener als in gebundener und gezwungener rede und versen
Boterus weltbeschr. (1596) 1, 132; hilff gott, das mir gelinge, du edler schOepfer mein, die silben reimen zwingen (
d. i. die silb in reimen) zu lob den ehren dein, das ich mag frOelich heben an von deinem wort zu singen
bergreihen 21
ndr.; wann dort ein groszer meister singt, hab ich das ohr nicht leicht entfernet, und selbst darüber fast gelernet, wie man die sylb in reime zwingt
M. Richey
bei Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721) 4, 146; ich, der ich demuthsvoll die schrift in reime zwinge, weis wohl, dasz ich noch rauh und gar zu heischer singe Neukirch
ged. (1744) 186;
auch: ich dichtete ein neues lied, den kindern Korah vorzusingen; ich würde gottes lob in tausend strophen zwingen Stoppe
Parnass (1735) 122.
abwertend: ... ich stell es lieber ein, als dasz ich etwan sol der worte hencker sein, die sylben ber hals und kopff in reime zwingen A. Tscherning
dt. getichte früling (1642
nachdr. Rostock) 100; alle diese schriften waren nicht weit her ... ein mischmasch gemeiner, unreifer und gutentheils gestohlner gedanken, die entweder, mit vieler mühe, in deutsche reime gezwungen, oder durch ein plattes und barbarisches kchenlatein noch mehr verstellet waren Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 6; auch was er sonst über die evangelien z. e. für kinder nur in reim gezwungen hat, hat alles klang Herder 25, 123
S.; vgl. als vereinzelte parallele: derhalben weichet jr poeten, die war geschicht inn falsch gdicht nOeten Fischart
glückhafte schiff 5
ndr., dazu macht Uhland
in d. ausg. Tübingen 1828
die anm.: nöthigen, zwingen, wie noch jetzt in der redensart 'in reime zwingen' 112
anm. 1.
anders, auf den inhalt, der ausgedrückt werden soll, bezogen (
vgl.A 2 d
sp. 1239). ich habe reim und reim gepaart und nicht gedanken drein gezwungen Joh. E. Schlegel
w. (1761) 4, 179; ob es denn der mühe lohne, mit so sprachgeistarmen worten gefühle in reime zwingen zu wollen Bettine
die Günderode (1840) 1, 416.
ebenso bildlich in der bedeutung '
in übereinstimmung, harmonie bringen': denn so wenig ein geübter poet leben und todt, ehstandlust und witwenleid in einen reim zwingen kan, so wenig scheint auch das gegen-wAertige haus der vorigen glckseligkeit theilhafftig zu seyn Chr. Weise
polit. redner (1677) 544.
verse zwingen '
dichten': wolan will heut erklingen ein wercklein deiner (
gottes) händ, wil zarte verszlein zwingen, von jmmen wol bekändt Spee
trutznachtigall (1649) 127;
abwertend: was zwingest du die vers, es ist ein schlechtes wesen, du kanst die leute doch nicht zwingen sie zu lesen Grob
dichter. versuchgabe (1678) 25; lasz reimen-schmiede sylben zwingen, die ohne zieraht und vernunft!
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 126.
reime zwingen, gezwungene reime, abschätzig, das gewaltsame, unnatürliche bezeichnend: weilen die reime etwasz gezwungen, dasz e.
f. gn. noch viel darbey zu erinnern, ... werde ich anleitung geben, dasz sie zuvor e.
f. gn. zur verbesserung zuzuschicken sein (1643)
ertzschrein 197
Krause; von der verszeile: ein heldenreim ... aus lauter eingliedrigen wörtern ... nicht die eingliedrigen wörter machen, dasz er so gezwungen klinget, sondern die darin nachlässige beobachtung des wortfalles und der wortzeit Zesen
Helikon (1649) 1, D 6 ;
vom endreim: gezwungne reimen
rime sforzate, attirate con argani Kramer 2 (1702) 1496
b; ein kreissendes sonnett, das mit dem tode ringet, und der gedanken rath so wie die reime zwinget Neukirch
ged. (1744) 143;
vgl. noch im allegorischen zusammenhang: so hat gleichfalls seine hertzliebste sich iederzeit bemühet, angenehme tugenden, freundliche blicke, einen gleichen willen, das ist, richtige und ungezwungene reime darzustellen Chr. Weise
polit. redner (1679) 543.
wörter zwingen, gezwungene wörter im 16.
jh. als fachausdruck meistersingerlicher terminologie für die gewaltsame bindung vokalisch unreiner reime: gezwungen lind vnd hart vernempt also, wenn zwey wOerter ein vocalis regirt, vnd der vocalis in einem wort lind, im andern hart lauten solt, vnd man zwunge beide wOerter im singen, das sie lind oder hart lauteten, damit das gebAend recht were. exempli gratia: man bringt uns her, ein newe lehr ... lautet doch das (her) hart und das (lehr) lind Puschmann
meistergesang 19
ndr.; wo man nun her und ler, wer und ser im singen zusamen lind oder hart zwunge, mag mans in die scherffe straffen
ebda; solche gezwungene wörter
ebda; das e biszweilen ein wenig gezwungen wird
ebda. vgl. hiermit: uber disz wird sich mancher ob der art etlicher reime, derer exempel in prosodien nicht findlich verwundern. er wisse aber, dasz ich offt der melodey zu gefallen etwas zwingen müssen Casp. Stieler
geharnschte Venus vorr. 4
ndr. wörter in den vers zwingen u. ähnl., der natürlichen betonung, der satzstellung der wörter gewalt antun: der dactylus ... der sich zueweilen ... in unsere sprache, wann man dem gesetze der reimen keine gewalt thun wil, so wenig zwingen leszt Opitz
dt. poeterey 41
ndr.; wie? kan ich auch nicht wol die vers in reimen bringen und in gewisse zahl die teutschen wörter zwingen Rachel
satyr. ged. 15
ndr.; ist eine gewisze anzeigung, das die worte in den versz gezwungen und gedrungen sein Opitz
a. a. o. 31; die schwerfällige umstellung erklärt sich aus dem bedürfnisz, alles in eine art von versen zu zwingen Savigny
gesch. d. röm. rechts 5, 453. B@3@dd)
rechtssprachlich '
unter strafandrohung verbieten; wald, wasser, weide der freien allgemeinen nutzung entziehen',
vgl. zwing 2,
insbes. dort die formel zwing (twing) und bann;
im gegensatz zum subst. ist das vb. in dieser anwendung und formel nur selten nachgewiesen: si sond ǒch ir zelcg (
terminus der dreifelderwirtschaft, vgl. 2zelge 3
teil 15, 601) twingen und bAennen, dz si nieman úberschnid und ir weid sond si bannen ... si múgent ǒch ir eichlen bAennen
offnung für Dietikon perg. hs. a. d. anf. d. 15.
jh. in: rechtsqu. d. Kantons Zürich 1, 2, 359
Hoppeler; vgl. Vikt. Ernst
d. entsteh. d. dt. grundeigent. (1926) 45
anm. 38;
vgl. in anderer bedeutung, doch auch wohl auf rechtssprachlicher grundlage zwingen und bannen
oben B 1 g
sp. 1247 (
teufels netz v. 879). B@44)
bedrängen, quälen (
s.A 1 e);
vgl. duinget
urget (
ab alto arboribusque satisque notus pecorique sinister Vergil georg. 1, 443)
ahd. gloss. 2, 630, 35
St.-S.; anxie, afficit anguzliho, duingit
ebda 2, 168, 40
u. 41 (
cura past. Gregorii 3, 10);
urgens (
i. e. egestas) duingentiv
ebda 2, 627, 4;
urgere twingen, dwingen (1507)
bei Diefenbach
gloss. 630
neben queln
vel pinnigen. B@4@aa)
körperliche bedürfnisse bedrängen den menschen, vor allem hunger und durst: ... nu thuingit mi giu hungar endi thurst
alts. genesis 12 (
vgl. mid thurstu bithuungan
Heliand 3912; 4398); thurst then mêr ni thuingit (
non sitiet eum in aeternum) Otfrid II 14, 41; Abram dwanch der hungir
genesis 33, 22
Diemer; Sîfrit den reckendwanc des turstes nôt
Nibelungen 970
Bartsch; sô izzt er sein aigen flaisch, wenn in der hunger sêr twingt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 232, 13
Pf. nhd. nur noch in der frühzeit üblich: nu will ick mynen bueck ock vllen, vp dat ick mach den hunger stillen, de my szo langhe hefft gedwungen Burkard Waldis
d. verlorene sohn 1029
ndr.; dich thut der hunger zwingen Forster
frische teutsche liedlein 148
ndr.; so sie ausz schnellbrnstigem durst gezwungen, das wasser tranck der bächlein
buch d. liebe (1587) 115
b.
vom urindrang: so dich der haren zwingen tuot, den lasz von dir, das ist dir guot
liederbuch d. Hätzlerin 289
Haltaus; ähnlich: wann ich bin vol der wort, vnd der geyst meines bauchs der zwingt mich
erste dt. bibel 7, 214, 27
Kurr. (das mich der odem in meinem bauche engstet
Hiob 32, 18;
vulg.: coarctat me spiritus uteri mei)
; vgl. stuhlzwang,
harnzwang.
auch auf allgemeinere körperliche zustände angewandt: das er ummehtic und cranc waz und in vil sere twanc sin altir und im nahte zuo sin endis tac Rudolf v. Ems
weltchronik 16981
Ehrism; den leib der sichtumb ser twang, er wart plod und krankch Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 5251
Rosenfeld. B@4@bb)
nöte, leid, zustände, schicksalsschläge bedrücken den menschen nicht nur äuszerlich, sondern ängstigen, quälen, plagen, bedrängen, beschweren ihn vor allem seelisch, vgl. adfligor, malis oppremor cadungan upilu, capressot pim
ahd. gl. 1, 40
f., 24
ff, adfitior tedium patior duingit unlust tholem
ebda 32
ff. vgl. auch A 1 e
sp. 1230;
anxiare twingen (1470
mhd.-böhm. wb.)
bei Diefenbach
gloss. 39
b (
neben in engsten sin, sorgen, trurig sein
u. ähnl. in anderen vocc. ebda);
angere zwingen
md. voc. ex quo (15.
jh.) (
auch mit engsten, ein sorg machen, quelen, benauwen
wiedergegeben)
ebda 34
c;
sugillare zwingen als die consciencz tuot den sundern (
obd. 1466)
ders. nov. gl. 355
a: thaz quami uns in gidrahtithih thuungin unmahti, elilenti seroodo karkari suaro Otfrid V 20, 87; sich, min man, der ist mir tot, davon mich twinget groze not
historien d. alden ê 3226; gros wunder (
ein traum) tuwingen do began das wunder schönne süsse wib (
Hecuba), so das ir künscher rainer lib von schreken jomers nott gewan
Göttweiger Trojanerkrieg 4
Koppitz; dew urtail den tiefel ser twang Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 6039
Rosenfeld; warum got des armen chlag nicht erhore, der da ringet mit der armuet, dew in twinget
ebda 2760; dô begunde dwingen unfrowede mîn herze mit manicfalder smerze
Straszburger Alexander 5348
Kinzel nu was sant Peter gar unfro von schreken und von laide, die in twungent baide Schweizer Wernher
Marienleben 8262
Päpke; aber war umbe sú got fúrbas mit dem liden zwinge denne mit andern, daz ist verborgen in gottes tovgene Seuse 506, 15
Bihlm.; im älteren nhd. ist diese bedeutung noch voll lebendig: was magst du dich bekümern und zwingen mit reichtumb Albrecht v. Eyb
sp. d. sitten (1511) B 6
b; aber die liebe, die alle ding übertryfft, die zwinget mich so hart, das ich nitt lassen kan, ich musz eüch vmb eüwer lyebe bitten (1509)
Fortunatus 107
ndr.; also zwang jn die liebe so hart, das er der kOenigin versprach Carbach
Livius (1551) 184
a; wenn wir ... dem nechsten nit vergeben, sondern im tragen neid und hasz ... rachgirig in engsten und zwingen, in schand und schaden in zu bringen Hans Sachs 6, 330, 34
lit. ver. seit dem 17.
jh. ist diese verwendung im finiten verb nur noch selten zu belegen: biss hieher haben wir gesehen, wie die armutthey (
armut) uns zwinget, und offtmahln zu ergreiffung lasterhafftiger und bOeser thaten antreibet J. Prätorius
glückstopf (1669) 9.
im partic. präs. dagegen bis heute geläufig, vgl. D 1. B@55)
abzwingen, herauspressen. B@5@aa)
jemandem etwas gewaltsam und (
meist)
widerrechtlich fortnehmen, erpressen, vornehmlich steuern, geld, gut; vgl. zwingen
geld eintreiben, gerichtlich, cogere pecuniam vi iurisdictionis, rechtssprachlich belegt bei Frisch
teutschlat. (1741) 2, 488
c. jemanden um etwas zwingen: es sollen auch all die ihenen, so sich ... in unnserm fürstenthumb heuslich ... nyderthun, vmb kainerlay schulden ... zu bezallung derselben schulden gehalten, gezwingen, noch in vngeten angetast werden (1522)
bei Lori
baier. bergrecht (1764) 186; so es nicht leibstraffen anbetrifft, so soll die oberkeit diejenigen umb geldbueszen ... nit zwingen oder zu nöthigen haben
tirol. weist. 2, 187; darnach wurd wir genöttet und von Pilatus gewalt gedrungen und umb guet und gelt zwungen
altdt. passionssp. a. Tirol 70
Wackernell. jemanden zwingen: ist aber das geliehne gros vnd mag sogar ohn zinse blos nicht abgehn ... so nim was keysers maiestat von hundert nachgelassen hat, vnd zwing ja niemands vber pflicht Ringwaldt
lauter warheit (1588) 29; (
man soll) von willigen nemen vnd vnwilligen zwingen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 567. zins, gelder zwingen: ainem gebieter ... das er dem gericht sol warten ... und ist verbunden, kain zins ander ausz ze nemen noch ze zwingen (
vor 1586)
tirol. weist. 2, 310; man samlet die gelder ohn nöhten und zwingen Harsdörffer
gesprächsp. 8 (1649) 451; die gelder, zur pflegung vom lande gezwungen, sind rüstig durch gurgel und magen gedrungen Logau
sinnged. 171
Eitner; indessen wächst der schatz und nimmt bey groszen hauffen durch monat-zinsen zu,da geht es an ein kauffen ... ... er handelt, kaufft und zwinget, biss dasz er disz und das, und alles an sich bringet Rachel
satyr. ged. 45
ndr. B@5@bb)
durch druck eine aussage, eine bestimmte haltung, ein gefühl erzwingen; ursprüngliche bildvorstellung ist durch die verbindung mit aus, herfür, von
gekennzeichnet: ich gib zuo (djweyl du dise antwort ausz mir gezwungen hast) ... J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 43
b; die wahrheit aus einem zwingen
premere la verità da uno; premere, stringere uno con vive ragioni à confesser' il vero; convincerlo, stringerlo Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
a; ir grünen bäume, du blumenzier, ihr hausz der reyme, ihr zwinget mir diesz lied herfür Simon Dach 711
Österley; in dem lässet sich meine liebe durch keinen befehl zwingen, so lange kein liebenswürdiger Nherandi vorhanden ist Ziegler
asiat. Banise (1689) 136; ein mehres jhr nicht von vnsz zwingen werdet
schauspiele d. engl. comöd. 227, 19
Creizenach; in neuern zeiten hingegen will man sogar bei kindern alles durch reine gründe zwingen Möser
s. w. (1842) 5, 38
Abeken; konnte dein starkes talent die Deutschen niemals entzücken, recht so, mit schwacher schrift zwingst du den beifall vielleicht Göthe I 5, 297
W.; täubchensanft — doch steift sie eigensinn, will man was zwingen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 4, 317
E. Schmidt; und zwing erhörung von dem himmel nieder Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 33. B@66)
in eine bestimmte richtung drängen, verändern, vgl. ahd. gote alliu ding tuuingentemo ze rihti
coercente deo cuncta in ordinem Notker 1, 306, 13
P. (
Boeth. 5, 1, 23). B@6@aa)
allgemein von erzwungenem abweichen gegenüber der natürlichen anlage oder beschaffenheit: von diesem stand D sihe mit dem aug E nach der wand ... hinauff, so weit du sehen kanst, doch dasz du das aug nicht über sein vermögen zwingest A. Albertus
perspectiva (1623) 2; auch sähe ich nicht ein, warum eine heyrath die freundschaftlichen verhältnisse zwingen, euch im geringsten stöhren sollte? Caroline
br. 1, 82
Waitz. die äuszere natur durch menschliche eingriffe verändern, zu unnatürlichem verhalten nötigen: diz han wir von Adamen geerbet vnde siner fruht, daz wir der spise genuht in sweize muozen erringen, berge vnd tal hie twingen vmbe des armen libes spise Hugo v. Langenstein
Martina 261, 106
lit. ver.; mit mengen svren sweize sine spise erringen, das ertrich twingen vmbe sine lipnar
ebda 119, 110; dann das fürnemst, daz eim meyer zusteht, ist, daz er seines grund vnd bodens natur erkenn, vnd nit vnderstande jn zu zwingen Sebiz
feldbau (1579) 21;
in den maa.: zwingen '
von künstlich zur reife gebrachtem kraut und obst' Crecelius
oberhess. 2, 941. B@6@bb)
von geistigen inhalten '
verbiegen, verfälschen, sinnwidrig auslegen, mit absicht falsch gebrauchen oder anwenden, umdeuten, verdrehen'.
in verschiedenen bildvorstellungen, die vor allem für die ältere zeit (16.
jh.)
kennzeichnend sind; am häufigsten ist die verbindung mit auf: zum vierden sind sie falsch reder, denn sie füeren unnd tzwingen auch tzu weylen die heylige schrifft und der veter spruch auff yhre lere Luther 10, 2, 77
W.; die schrifft tzwingt er (
Murner) auff sein gedicht
ebda 7, 688; sanct Augustin tzwingt die wort auff den vorstandt alsz meyne der herr alszo viel
ebda 10, 1, 1, 278; welche party die gschrift uf jr meinung, recht oder unrecht, darthuot oder sunst mit gewalt (wider rechten verstand) thuot zwingen Zwingli
deutsche schr. 1, 124
Sch.; also frt er auch etlich sprüch hailiger schrifft in seiner regel, aber er zwingt sy auff vnrechten verstand Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 61
ndr.; also wo die wort got, gotzs dienst
etc. in biblia stendt, ziehen vnnd zcwingen sie die selbige wort vff yren got und gottes schyn
ebda 1, 190; dieser text wird da gezwungen auff junge meide und frawen, mnche und nonnen, davon der apostel nichts weis Joannes Kymeus
v. d. priester ehestand (1533) H 1
b; demnach hat es (
das biblische wort) Luther herumb auff das opffer vnd auff den ablasz gezwungen, vnd weil die wort nicht da sein, so setzt er sie selbst darzuo nach seinem lust Joh. Nas
eins u. hundert (1565) 3, 68
b.
lexikalisch noch bei Kramer
verzeichnet: den text mit gewalt auf etwas zwingen
stirare, stiracchiare, torcere il senso di qualche testo con argani à qualche sogetto teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b.
dahin zwingen,
wider etwas zwingen: zuo dem andren ... woltestu disse leren Petri dahin zwingen, das die priester allen menschen sollen underwürfflich sein Murner
dt. schr. 8, 6
Pfeiffer-Belli; es ist dieser spruch auch dahin gezwungen, das er menschliche satzung grunden sal J. Menius
ausleg. üb. d. spr. Salom. (1526) 3
b; so du aber die selben wörter ratbrechest und zwingest sie wider die meinung Cristi, haben wir das nit mögen unverantwurt lassen Murner
dt. schr. 7, 29
Pfeiffer-Belli; zwar allegorias, die nicht allein nit erbäwlich, sonder auch vngereimbt, vnd wider die glaubensregeln gezwungen werden, kan vnd soll ich nicht billichen Joh. Saubert
currus Simeonis (1627)
widmung 2.
in der verbindung mit biegen
u. ähnl.: äbich geschriftgelert, die das gotswort felschen, zwingen, piegen vnd brauchen zuo hochfart, neyd vnd rach Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey (1528) n 3 ; dasz sy die gschrift nach jrem grind bucken wellind und zwingen Zwingli
deutsche schr. 1, 79.
ohne solche die bildhaftigkeit andeutende verbindung: wellend wir also die gschrift zwingen, dasz sy das rede, das wir jren zuomuotend
ebda 1, 77.
allgemeiner: '
gewaltsam herleiten, künstlich herauslesen',
gleichsam herauspressen: solche zerfetzte deckmantel der religion-sAetz, so man ausz den lehrgedichten ... zwingen will Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 1, M 4
b. '
miszdeuten, absichtlich falsch gebrauchen': die boszheit macht sich oft nichts draus, des höchsten wort zu zwingen, und in gesellschaft hier und dort mit scherzen anzubringen Joh. Chr. Günther
s. w. 2, 265
Krämer. nur gelegentlich bezeugt das recht zwingen '
beugen'
: bonorum extortor, legum contortor der du den leuten das jhre abhadderst vnd das recht zwingest, wie du wilt, oder verfelschest Bas. Faber
thes. (1587) 875
b; gewonheit und gebrauch zwingt offt und sehr das recht Logau
s. sinnged. 39
Eitner. B@77)
in demselben sachbereich wie 6 b,
jedoch in gegensätzlicher verwendung '
überzeugen, schlüssig beweisen',
die nachdrückliche interpretation eines textes führt unausweichlich zu einer bestimmten deutung (
vgl. den gleichen gebrauch von dringen: lasset uns sehen, was dieser text schleuszet oder nicht, wie er dringet und nicht dringet Luther 4 [1566] 157
a oben teil 2, 1414): daz he hette ouch kunst der seligin di in deme himmele sint, da twingit di meistere dise rede zu
paradisus anime intellig. 36, 3
Strauch; daz dise kunst Christus hette, da habin die meistere twinginde rede zu
ebda 35, 31;
besonders beliebt bei Luther: weil der text hie gewaltiglich zwinget, das ein ding sey, unwirdig essen und den leib Christi nicht unterscheiden 26, 486
W.; diss tzwingt aber und macht uns gewisz, das eyn frommer Christ weysz
ebda 8, 491; das bezeuget und zwinget der text
ebda 16, 424; dies (
text der apokalypse) scheinet, als sei es vom Türken und nicht vom papst geweissaget. aber der text zwingets, dasz vom päpstlichen gräuel und tyrannei im weltlichen wesen musz verstanden werden
tischr. 3, 173, 11
W.; vereinzelt: aus dem text zwingen (
vgl.B 5, A 1 c): das aber Moses die heyden nicht binde, mag man aus dem text zwingen ym andern buch Mosi ... da gott selber spricht (1525) Luther 16, 373
W.; Christus ... spricht ... das brod, das wir brechen ... (
ist) der ausgeteilete leib Christi, das ist einmal ein text so helle und klar ... auff solchen text antworten sie mir nichts mehr, ... etliche sagen, Paulus (
1. Kor. 10, 16) rede von zeichlicher odder figurlicher gemeinschafft ... streichen damit davon, sehen uns nicht an, das sie solchs beweiseten odder aus den texten zwungen, da sol ich mir an yhren blossen worten und glosen lassen benugen
ebda 26, 487, 23
W. in kreuzung mit B 9 '
die deutung nötigt zu etwas': hie sieht man klar, dasz Chrysostomus nicht zwingt, die sünden namhaftig zu erzählen
Augsb. conf. XXV. art., concordienb. (1880) 39
a.
später im verbum finitum nur noch gelegentlich: das beispiel erläutert, aber es zwingt nicht Creuzer
symbolik (1810) 1, 97,
doch im participium praesentis zwingend
fest geworden, s. unten D 3. B@88)
eine sache, einen gegenstand meistern, ihn in der gewalt haben, meisterlich handhaben; die sicherheit der ausführung läszt die vorstellung eines dabei zu überwindenden widerstandes immer mehr zurück- und die leistung in den vordergrund treten (
vgl. den umgangssprachlichen gebrauch von C). B@8@aa)
von waffen und werkzeug: von Berne der tiuwer daz wâpen grimmeclîchen twanc mit manlîcher hende
Rabenschlacht 953, 4,
s. dt. heldenbuch 2; allda sie mit langen rohren oder rhiet sich gebrauchen und dieselbige zwingen, wie die mohren jhre lancen und spiesz zwingen und werffen G. Braun
beschr. u. contrafactur (1567) 2, 6
a; der die pentzel (
pinsel) so wird zwingen, dasz er kann zuwegen bringen, wass die schAepffend art erdacht Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 94. B@8@bb)
die saiten zwingen sforzare le corde Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
a.
eine sinnlich-eigentliche ausgangsvorstellung ist nur selten spürbar, vgl. etwa: 'zwingen, die saiten eines saitenspiels
ist poetisch, chordas, nervos arte tangere' Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 488
c; man schlage und zwinge die instrumente so künstlich und lieblich als nur möglich ist J. Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 8 (
vgl. die laute, harfe, leier schlagen
teil 9, 369,
den anschlag der finger bei tasteninstrumenten sowie orgelschlagen).
die bedeutung '
die saiten kunstgerecht spielen',
die auch bei Frisch
und Mattheson
im vordergrund steht, herrscht im allgemeinen allein, vgl. die saiten zwingen
fidibus canere Stieler (1691) 2665, saitenzwingung
musica instrumentalis ebda: deine liebe reitzet mich abermahl zu loben dich, dasz ich musz die seiten zwingen und von deiner schönheit singen Angelus Silesius
hl. seelenlust 54
ndr.; von dem gantzen weltgebäu wird ein neuer Orpheus singen, und nach fremdbeliebter art seine teutsche saiten zwingen Neumark
d. neuspross. teutsche palmb. (1668) 458; was Orpheus jener zeit auf Venusklippen sunge und wie er durch den witz die starken saiten zwunge in dem beseelten ton P. Fleming
deutsche gedichte 122
lit. ver.; zwingt die sayten in cythara und laszt die süsze musica gantz frewdenreich erschallen Phil. Nicolai
bei Phil. Wackernagel
kirchenlied 5, 258; wenn David lob wil singen, wenn er die harffen will mit süszen händen zwingen, zuckt Saul den schnellen spiesz A. Gryphius
ged. 560, 22
Palm; schönen kindern lieder singen, ist das amt der poesie und vor sie die laute zwingen nichts als angenehme müh (1722) Joh. Chr. Günther
s. w. 4, 322
Krämer; ach sollt ich doch die lust erleben, dich, schönstes kind, als braut zu sehn! ... wie wollt ich nicht die laute zwingen, dir nach verdienst ein lob zu singen! (1722)
ebda 319; dasz der finger des volks mich als den sänger zeigt, der die römische laute zwang (
Romanae fidicen lyrae, Horaz od. 4, 3, 23) Ramler
lyr. ged. (1722) 197; wann du sie selber singst und die violdegam in sanffter stimmung zwingst zu reiner harmonie G. Neumark
poet.-musik. lustw. (1652) X
b.
anders zwingen
in eigentlich sinnlicher anwendung vom anziehen der saiten durch drehen des stimmwirbels '
die saiten stimmen', saiten zwingen
fides temperare, corrigere Stieler
stammb. (1691) 2665: wer die seyten zu hoch thut zwingen, dem thut sie gar leichtlich zerspringen Eyering
proverb. (1601) 3, 151. B@8@cc)
von gesang und rede: (
nachtigall) thust wunder, wunder zwingen den athem hundertfalt, kein vOeglein ist im singen, so dir die farben halt Spee
trutznachtigall (1649) 107.
zu dem umgangssprachlichen gebrauch von C 1
überleitend: mittel eine oration annehmlich zu machen ... durch schöne rationes, consolationes ... denn was hat man für noth die rede zu zwingen? sondern man musz eine kluge wahl anstellen und das füglichste auslesen Chr. Weise
polit. redner (1679) 541. B@99) '
nötigen, veranlassen, treiben, antreiben zu etwas'.
eine äuszere oder innere gewalt drängt den menschen wider seinen willen zu einer bestimmten handlung, zu einem bestimmten verhalten; vgl. die sinnverwandten nöten 3, nötigen 3 (
teil 7, 932
u. 943), dringen 2b (
teil 2, 1416), treiben IA 4 (
teil 11, 1, 2,
sp. 16
u. C 3 c
ebda sp. 28),
mit denen zwingen
gern in zwillings- und drillingsformeln erscheint: zwingen, zusprechen, treiben, dringen
compellere voc. theut. (
Nürnberg 1482) qq 7
a; zwingen
vel noten
urgere, compellere voc. inc. teut. (
um 1491) qq 9
a;
necessitare notten, zwyngen
gemm. gemm. (1508) r 1
a;
ago, pello, compello, insisto ich treib, zwing, nötig Er. Alberus
dict. (1540) C3
b;
cogere zwingen, nötigen Frisius (1556) 243
b;
adhibeo necessitatem zwingen, nötigen
ebda 34
b;
necessitiren nöthigen, zwingen Spanutius (1720) 330;
exhortari raten, zwingen (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 21
c;
adhortari zwingen
ebda 12
b;
hortari 280
c.
sprachlich kennzeichnend für diese verwendung ist, dasz das ziel der gewaltanwendung oder willensanstrengung fast ausnahmslos angegeben ist, meist in der form eines präpositionalen ausdrucks mit zu,
eines infinitivs oder eines nebensatzes, in älterer zeit und poetisch auch eines finalen genetivs; in anderen fällen ist es aus einer unmittelbar voraufgehenden oder nachfolgenden parataxe oder aus dem weiteren zusammenhang zu entnehmen. seit dem ahd. belegt, entfaltet dieser gebrauch seine volle lebenskraft erst im nhd. zeitraum, wo er sich reich verästelt. B@9@aa)
ein äuszerer einflusz nötigt zu einem bestimmten verhalten, das das betroffene lebewesen freiwillig von sich aus nicht gewählt hätte. B@9@a@aα)
der mensch drängt zu einem bestimmten tun oder sein: then thuungun sie, daz her truogi cruci after themo heilante (
hunc angariaverunt portare crucem)
Tatian 200, 5; den zwungen sie, das er jm sein creutz trug
Matth. 27, 32; want er die Hûne fluhte twanc (
var. ze fluhte)
kaiserchr. 15552
Schr.; der kúnig Pharao gebot, das lút zerbeiten twingen Rudolf v. Ems
weltchron. 9754
Ehrismann; die sind betwungene knechte gotz, die muos man twingen zuo dem dienste gotz Tauler
pred. 182
Vetter; (
Christus) wird die leute nicht zwingen zur beschneitung noch dringen, das gesetze zu halten Luther 49, 114
W.; so soll man (
die kindesmörderin) ... mit ernstlicher peinlicher frage zu bekanntnuss der warheitt zwingenn
Carolina 1, 68
Kohler-Scheel; den christen machen frid und rhu, der Türck uns zwingt vnd nOett darzu Schmeltzl
zug i. d. Hungerland (1556) A 1
b; es heist wol recht ein tyranney vnd die aller grOeszt schinderey, das sie die sterbenden auch zwingen, sie mssen jn jr gut verdingen Fischart
s. dicht. 1, 162
Kurz; impelli in fugam zwungen und getriben werden ze fliehen, zur flucht genötiget werden Frisius
dict. (1556) 654
b; mit vorbehalt der alten teutschen freyheit, dasz man zum bescheyd thun nicht gezwungen sey, soll man bey dem wein frOelich seyn Lehman
floril. pol. (1662) 2, 780; also herrschet das unmAeszige vollsauffen, zwingen und nOethigen dazu H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 13
a; einen (über bestialischer weise) zum trincken
etc. zwingen
sforzare uno (
sopra bestialmente)
à bere Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
a.
häufig von der wider den willen der frau erzwungenen ehe: dasz die eltern die kinder zur ehe zu zwingen kein recht noch macht haben Luther
br. 2, 512
de Wette; so wolt ich auch ... die dochter nit gern zwingen, das sie wider iren willen ... solt vermehelt werden Wickram
w. 2, 142, 30
Bolte; ich hatte noch keine Sara aus dem hause eines geliebten vaters entwendet und sie gezwungen, einem nichtswürdigen zu folgen Lessing 2, 271, 17
L.-M.; die männer aber die wider das recht sie (
die Danaiden) zur ehe zwingen wollen Max Pohlenz
d. griech. tragödie (1930) 30.
die bei der nötigung angewandte gewalt kommt mit zum ausdruck (
vgl. oben B 1 a): wie ... die leute mit euszerster gewalt zu der römisch-catholischen religion gezwungen ... worden v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 171
b; wolten sie des nicht thun, so wolt er sie darzu zwingen mitt dem schwerdt Schiltberger
reiseb. 11
lit. ver.; ich entlasse die wache nicht, die euch zum gehorsam zwingt! Klinger
n. theater 2 (1790) 80.
dabei kann die vorstellung der gewaltanwendung, des unwiderstehlichen drängens so in den vordergrund treten, dasz eine neue, z.t. bewuszte und beabsichtigte, verbildlichung diesen gebrauch scheinbar dem von A 1 d
an die seite stellt, '
jemandem gegen heftigen widerstand etwas aufnötigen'
; fast redensartlich jemandem etwas in die hand (hände) zwingen: der fürst selbst zwang ihr eine leichte pürschbüchse in die hände Heinse
s. w. 5, 212
Schüddekopf; du wirst mir dann selbst den dolch in die hände zwingen Schiller 2, 124
G.; das schwert in die hand zwingen
beleg a. d. j. 1869.
heute sehr geläufig in wendungen wie dies zwingt mir die feder in die hand '
veranlaszt mich, nötigt mich zu schreiben'
u. a. B@9@a@bβ)
äuszere umstände, verhältnisse, zustände nötigen den menschen: ander sachen sein, die mich czwingen und nöten, liebe ze haben Arigo
decam. 127, 35
Keller; als er (
Karl V) gezwungen gewesen, auff der post durch Franckreich zu reisen, widerrieth es ihm ein Spanier Zinkgref
apophthegmata (1628) 105; viele zusammentreffende umstände dringen und zwingen mich, in gegenden der welt mich zu verlieren, wo ich ganz unbekannt bin Göthe IV 8, 12
W.; aber die verhältnisse werden ihn zwingen, und er wird sich lösen und freimachen Fontane
ges. w. I 5, 171; zu fragen, was denn die Hellenen zu seiner (
Apollos) anerkennung getrieben habe ... keine politische oder wirtschaftliche macht hat sie gezwungen v. Wilamowitz
Orestie (1910) 131; ein zweyter sieg zwang sie, um frieden zu bitten Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 217; im laufe der zweiten nacht sei er von einem unwohlsein befallen worden, das ihn aufzuhören zwang O. Jahn
Mozart (1856) 4, 246; sie sind auch so gar schlimm daran mit den kleinen schriftzügen, die ... sie zwingen, unendlich viel mehr als andre leute zu schreiben, dasz es wie ein ordentlicher brief aussieht Levin Schücking
an Annette br. 33
Schücking. B@9@bb)
eine innere macht übt diese bestimmende einwirkung auf den menschen. B@9@b@aα)
das innere wesen eines menschen und die ihm zugrundeliegenden eigenschaften: vil grosse truw schin er tuot, also kan twingen in sin muot schweizer Wernher
Marienleben 8744
Päpke; in twanc sîn manheit und sîn sin, daz er sîn sper an der stet mit einer rîchen jost vertet Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 4563
Kapteyn; des twanc si ganzer triuwe nôt
ebda 7880; noch zwingt mich treue über dir zu wachen Stefan George
jahr d. seele 30;
gefühle und empfindungen: daz in ne duwinge dehein nit daz er mir erslahe chint oder wib
Wiener genesis 3013
Dollm.; also die rach auch Malchum jetzt thut zwingen und wider den unschuldigen man dringen A. Lobwasser
Calumnia (
o. o. u. j.) B 7
b; Adam unt Eua si purgen sich gesuase fone gotes gesihte. des duanc sie diu forhte
Wiener genesis 751
Dollm.; die forcht das kind zu weinen zwang Spreng
Ilias (1610) 81
a;
vor allem die liebe: den Wâleis twanc der minnen kraft swîgens Wolfram v. Eschenbach
Parzival 294, 9; der mac niht wizzen waz mich sanges twinget Heinrich v. Morungen
in minnes. frühling 133, 23; wan daz mich die gOetliche minne darzuo zwinget, daz ich min ahsel búte under dine burde Seuse 442, 26
Bihlm.; ungestümikait der liebe zwinget mich nach zefolgen dem bösern Niclas v. Wyle
translat. 29
Keller; so zwingt mich ein kindliche trew, auch die lieb, so ich zu meinen eltern trag, und bit ewer kayserliche mayestat (1559) Val. Schumann
nachtbüchl. 148
Bolte. andere triebe: si wart wol innen, daz zeswal von der (
der vögel) stimme ir kindes brust. des twang in art und sîn gelust Wolfram v. Eschenbach
Parzival 118, 28; do tihte Moyses zehant, als in dú hohe vrode twanc got ein lobelich lobesanc Rudolf v. Ems
weltchronik 10956
Ehrismann; si lachet unde singet, wan si die vrOeude twinget
schausp. d. mittelalt. 1, 211, 26
Mone; da mich ein ungewohnt- und froher trieb will zwingen, was künftiges schon zum voraus zu singen Brockes
ird. vergnügen in gott 4 (1745) 233; und ihr leidwesen war so grosz, dasz es mich gleichsam zum mitleyden zwang Grimmelshausen 2, 429, 16
Keller; und so zwang mich die beschämung, sie (
die bitte) zurückzuziehen G. Keller
ges. w. (1889) 3, 59.
innere gesetze: dieweil sie yhr eygen gewissen dringt und zwingt zubekennen Luther 6, 618, 23
W.; ich thue es ... ausz lautter trewlicher sorge unnd pflicht, die yderman billich tzwingt, auch ... für unszer nechsten uns bekümmern
ebda 7, 10, 32; entblösze mich nicht eh, bis pflicht und ehre zwingen (
auf einer degenklinge) A. G. Kästner
verm. schr. (1772) 2, 266. B@9@b@bβ)
meinungen, gedanken und erkenntnisse: alse eginliche wirke ich mit ime (
gott) alse min sele wirkit mit mime libe. daz ist uns gar troistlich, und inhette wir anderis nicht, daz solde uns twingin zu minnine got meister Eckhart
serm. de tempore in: paradisus anime intelligentis 64, 4
Strauch; sie sagen, das sie durch die wort, hoc facite, darzu gezwungen und gedrungen sein Joh. Nas
d. antipap. eins u. hund. 2 (1570) 240
a; dasz jeder bluträcher seine pflicht tut, dazu zwingt ihn der glaube an die macht der grollenden seele (
des erschlagenen) U. v. Wilamowitz
Orestie (1910) 129; die überlegung sie zwingt, diesen schlusz als voreilig aufzugeben
ebda 146. B@9@b@gγ)
die wirkung äuszerer eindrücke: mein hertz ist in meim leib entbrant, ... die wort habn mich entzünd und zwungen, dasz ich denn red mit meiner zungen Hans Sachs 18, 168, 3
lit. ver.; eur liebliches sehen und zierliches gehen zu lieben mich zwingt G. Neumark
fortgepflanzt. lustw. (1657) 1, 361; deiner augen zauberkerzen zwingen hundert zarte herzen, dasz dich keines lassen kann Gottsched
ged. (1751) 1, 354. B@9@b@dδ)
der eigne wille des subjects; reflexivisch, sich zwingen: sich zwingen nit ze reden Frisius
dict. (1556) 656
a.
der mensch bringt sich unter selbstüberwindung mit mühe und anstrengung (
vgl. oben B 1 d
sp. 1244)
zu einem bestimmten tun und verhalten; '
sich selbst bezwingen': wann das laster (
der trägheit) musz man überwinden ... vnnd das ain mensch überwindlingen sich dring vnd tzwing zuo gaystlicher übung Keisersberg
sieben scheiden (1510) dd 4
c; die jenigen (
tun) recht unbesonnen, welche sich reiszen, zwingen und dringen, dasz sie priester werden
der wohlgeplagte priester (1695) 76; es sey nicht zu verstehen, dasz man sich zwingen möge, wie man die schuhe treten wolle J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 101; indesz verspür ich einen ordentlichen widerwillen am übersetzen und zwinge mich blos mit gewalt dazu J. G. Forster.
s. schr. (1843) 8, 187; je mehr als sich ein künstler plagt, je mehr er sich zum fleisze zwingt, um desto mehr es ihm gelingt Göthe I 16, 152
W. mit einschlusz der richtungsvorstellung von B 6
bezw. A 1 g,
insbesondere von der absichtlichen, gewaltsamen lenkung seelischer vorgänge. der mensch will eine starke erregung, eine heftige leidenschaft nicht zeigen und nötigt sich daher zu einer bestimmten haltung, die ihm zumindest im augenblick nicht gemäsz ist, die er als erzwungen, gekünstelt, unnatürlich empfindet (
vgl. oben B 1 d
sp. 1245 sich zwingen '
sich verstellen'): doch wie sie vns sahe, kam sie etwas zu jhr selber, vnnd zwang sich mit gewalt, frOelich zu seyn
buch d. liebe (1587) 193
d; Philo ... erbebte vor wut und grimmigem zorne in sich selber, und zwang sich aus stolz, den zorn zu verbergen Klopstock
Messias (1775) 1, 214; bald fühlte ich mein herz von glühendem unmuth gequält, bald wollte ich mich zu kalter verachtung zwingen
F. X. Bronner
schr. 3 (1794) 202; doch zwingt er sich zu ruhiger betrachtung Mörike
ges. schr. (1905) 3, 13
Göschen; sich zur geduld zwingend, sagte er G. Keller
ges. w. (1889) 5, 110; er strengte sich offenbar an und wollte sich zwingen, Eva liebzugewinnen
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 51; als wir drei früchte so gegessen, war mein mund so süsz erfrischt, dasz ich mich zwingen muszte, Judith nicht zu küssen G. Keller
ges. w. (1889) 2, 42; sich zwingen zu gewissen geberden
affettare certe continenze; esservi affettato, finto, simulato, farle affettamente Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b; man musz sich manchmal zum lachen zwingen G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 1, 109; zwang sich, ein ernsthaftes gesicht zu machen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 14.
vgl.gezwungen B,
teil 4, 1, 4, 7266. B@9@cc)
besonders fest geworden ist die verbindung mit not (
vgl. dazu auch zwingende not D 1): iuuih tuuinget michel not ze dero guoti
magna necessitas probitatis indicta est vobis Notker 1, 363, 8
P.; 1, 329, 5; 1, 321, 11; widderumb soll man nit auff den geystlichen vorstand fallen, es zwinge denn die nodt Luther 10, 1, 1, 553
W.; die nott tzwingt, szo viel wortt tzu machen
ebda 10, 1, 1, 369; vnnd zwingt sie not, zu handlen diser massen Ulr. v. Hutten
op. 2, 93
Böcking; darzuoe zwingt mich ains tails verferter lewt not, anders tail mein aufgeladen pürd vnd ambt Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 6
Reithm.; dasz mich die not darzu zwungen vnd gereitzt hat, diesen schmachhandel zu melden J. Ruoff
hebammenb. (1580) 39; er schlug mir nach meinem leben, vnd zwang mich die not, dasz ich mich wehren muszt
buch d. liebe (1587) 83
b; die noth zwinget mich
la necessità mi preme, stringe Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1496
b; so war es denn (
bei der hartherzigkeit d. dorfbewohner) nur die bittere nothwendigkeit, die den jungen zwang, sich selber zu helfen W. Raabe
Horacker (1876) 71.
damit sind oft körperliche zustände oder bedürfnisse gemeint: es wil doch sonst keyn schreyben noch leren helffen, bis uns die nott und armut zwinge (
sc. unnötiges kaufen zu unterlassen) Luther 15, 294
W; hat das alter disen oder andre poeten ... zuo schweygen gezwungen J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 27
a;
insbes. vom hunger
und durst, (
vgl.B 4 a,
sp. 1251): wo der hunger dich zwingen wird, deine eigene knochen abzunagen Schiller 2, 137
G.; der sohn der wittwe ... wurde durch seine armuth gezwungen, dem fröhlichen gewimmel fern zu bleiben W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 138; nicht der durst, sondern der hunger hat die germanischen völker ... gezwungen, sich mit der waffe in der hand neue wohnsitze zu erstreiten Hoops
waldbäume u. kulturpfl. i. germ. altert. (1905) 498.
allgemeiner: wer etwas sunders an seinem leib hat ... und sundere dück der lüst an ym, also das die seel der complex des leibs nachgat, das verstand in neigungs weisz, der leib neiget wol die seel darzuo, aber er mag sie nicht nOeten oder zwingen, sie hatt iren freien willen mitt dem sie mag die neigung uberwinden Keisersberg
brösamlin (1517) 12
b. B@9@dd)
durch die zufügung einer präpositionalen verbindung erhält zwingen
mehr oder minder deutlich den nebensinn einer inneren oder äuszeren ausrichtung oder bewegung auf ein ziel hin (
vgl. auch A 1 g '
treiben'
sp. 1232).
nicht selten schwingt die vorstellung eines zu ergänzenden infinitivs mit: diz mære giht daz gein dem strît in twunge hôhiu minne Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 387, 52; durch die grozen minne, die uf in (
Christus) twanc ir (
Marien) sinne
väterbuch 20164
Reiszenberger liden zúhet und zwinget den menschen zuo gote Seuse
dt. schr. 252, 4
Bihlmeyer; wer sein (
Eulenspiegels) thorheit nit hon mOecht, der kunt wol von im gon, es wer doch niemand zuo im gezwungen
Till Eulenspiegel 21
ndr.; zu dem wil ich auch niemand zu einem alten weib gezwungen haben Grimmelshausen
Simpliciana 71
Scholte (
rathstübel Plutonis 1672); er liesz die schaf alleine weiden, sagt: herde leb in guter ruh, mich zwingt von dir mein liebesleiden Neumark
fortgepfl. musik. poet. lustw. (1657) 1, 293; und doch ward ich ihnen (
anrede) immer näher und näher gezwungen Tieck
schr. (1828) 19, 39; die süszliche satyre ... die immer noch eine gattung von lesern bezaubert, und der andern das buch aus der hand zwingt
br. d. neueste lit. betr. (1763) 15, 142; gott! wie mag's im tod den vätern bangen, die ein kind in quälerhände zwangen Hölderlin
ges. dicht. 1, 57
Litzmann; zu einer bestimmten stelle, an einen bestimmten punkt bringen: darauf zwang ich mich nach hause
ebda 2, 29; (
ich muszt) schmeichelnd in das haus ihn zwingen Cl. Brentano
ges. schr. (1853) 3, 66; dasz meine ... pflegemutter all ihre kräfte anwenden muszte, um mich ... bis zum spieltisch ... zu zwingen Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 5; er zwang seine jungen leute wieder bis auf den punkt zurück, den sie eigenmächtig verlassen hatten Walter Flex
ges. w. (1927) 1, 91;
ähnlich: wann keine krieger ... mich durch fahung unter die leut gezwungen hätten Grimmelshausen
Simplicissimus 17
Scholte. in verbindung mit einem accusativ der erstreckung: und wer dich eyne meyle zwinget, mit dem gehe zwo meyle Luther 11, 249, 1
W. (
var. 1546: nötiget
deutsche bib. 6, 31
W.). B@9@ee)
häufig in der verbindung mit rechtsvorstellungen oder rechtsvorgängen zwingen,
insbes. gezwungen sein '
von rechts wegen nötigen, verpflichtet sein': und darzue (
zu einem gericht) ist nimans geczwungen, dan der schultheis und die schepfen obgenant
weist. 6, 23; swen aber die herre mit lênrechte gedwungen wirt, daz her gût lîen mût Eike v. Repgow
Sachsensp. 193
Eckhardt (
lehnr. 33, 2); das sie daz mit gutten willen erlange, darzu euch das recht zwinget Boltz
Terenz deutsch (1539) 96
b; dasz ... jede gemeinde rechtlich gezwungen war ... Mommsen
röm. gesch. 1 (1874) 39; die gezwungenen
d. h. die unter dem mühlzwang stehenden (1530)
im schweiz. id. 4, 191.
die gewaltanwendung, mit der diese verpflichtung bei verweigerung durchgesetzt werden kann, ist im vorstellungsinhalt eingeschlossen: der des nicht tuon en wil, den sal der richter dar twingen, is en si, das he zu den heiligen swere (1235) Fr. Wilhelm
corp. d. altdt. origin. urkd. 1, 14, 38;
adigere ad iusiurandum zum eyd zwingen, nötigen ein eyd zethuon Frisius (1556) 35
a; gezwungen eid ist gott leid Stieler (1691) 2665; der beschuldigte kann zum erscheinen und zur aussage nicht gezwungen werden Triloff
reichsdienststrafordn. v. 26. 1. 37
s. 58;
terminologisch: es gibt rechtssätze, welche jede privatwillkür ausschlieszen. sie kommen zur anwendung, auch wenn die personen, für welche sie gegeben sind, erklären, dasz sie nicht zur anwendung kommen sollen: sie zwingen Windscheid
lehrb. d. pandektenrechtes (
91906) 1, 125 (§ 30),
vgl. den rechtssprachlichen gebrauch von zwingend D 2. B@9@ff)
mit abschwächung des vorstellungsinhalts '
bewirken', '
veranlassen', '
verursachen': sin ubel werg, sin ubel gedang uns dar zu getwungen hant, daz wir in haben her brach
schausp. d. mittelalters 1, 109, 70
Mone; denn der ehliche stand tzwingt doch tzu gutten wercken Luther 10, 1, 1, 656
W.; es wirt mancher durch hertigkeit seines vatters zuo ungehorsam gezwungen Montanus
schwankb. 40
lit. ver.; 'können sie mich einen augenblick anhören?' 'wieder predigen?' 'zwingen sie mich nicht darzu? oder wollen sie, dasz man ihre seichten spöttereien unbeantwortet lassen soll, damit es scheine, als könne man nicht darauf antworten?' Lessing 2, 54
L.-M. die vorstellung der gewaltanwendung verflüchtigt sich bei der anwendung auf sachliche oder stoffliche vorgänge: derhalben so der haspeler das welchin (
eine hölzerne welle) vmbtreibet, so schöpffendt widerumb die stempffell mitt den blächen das wasser, welchs ... zwinget die obern stäts auffsteigen Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1557) 144; so zwingets die grosse hitz, dasz sich das ertz auch zu schlacken begibt L. Ercker
beschr. all. min. ertzt (1580) 15
a; wenn wir einen flüssigen oder gar gasförmigen körper zwingen, plötzlich fest zu werden Just. Liebig
chem. br. (1844) 132;
einfach '
zustande bringen, vermögen': einer mag ein andern heissen, thue das, vnd ist nur ein wort, vnnd das wort zwingt so vil, dasz es geschicht Paracelsus (1616) 1, 100
Huser. B@1010)
die abschwächung des vorstellungsinhalts kann, von verschiedenen ausgangspunkten her, bis an die grenze völliger bedeutungsentleerung führen, so dasz sich das wort zu bequemer reimfüllung darbietet: sine cene wiss als helffenbain, schnewiss, ze allen ziten rain, nút ze kurcz und nút ze lang, sú gar ain rechtú mǎsse twang schweizer Wernher
Marienleben 5894
Päpke; vgl. 5952; er fürt sie in das gbirge (
der drache Kriemhilden) auff eynen stayn so lang, das er ein vierteyl meyle den schat (
schatten) auffs birge zwang
lied v. hürn. Seyfr. 9
ndr.; (
dein weib musz) dir das hemd ins bett warm pringen vnd die nat rain an socken zwingen Fischart
w. 1, 194
H.; bis ein fertiger gesang muthig durch die lüfte drang und den hall zum nachruf zwang Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 691. B@1111)
festgewordene wendungen. B@11@aa) sich zwingen lassen.
in dem gesamten bedeutungsbereich des wortes (
vgl. oben unter A 1 f, B 1 a, B 2 a
β, B 1 b (Zwingli), B 2 c),
vornehmlich in dem von B 9: ich möchte gleich reden oder schweigen, so würde doch bald weltkündig werden, was ich zu schreiben mich zwingen lassen müssen Grimmelshausen 2, 30, 17
Keller; sie hätte sich schrecken und zu öffentlichen geständnis leicht zwingen lassen (
bei einem gerichtlichen verhör) Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 240; glücke läszt sich nimmer zwingen Fr. v. Logau
sinnged. 386
Eitner; die natur läszt sich nicht zwingen. wer selbst vater und mutter werden kann, sollte wenigstens in absicht dieses punkts nicht unter seinen eltern stehen Hippel
üb. d. ehe (1774) 19. B@11@bb)
sich gezwungen sehen im sinne von B 9: denn einem helden-geiste wäre nichts schrecklich, als sich gezwungen sehen, der boszheit beyzupflichten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
a; denn weil der sinesische mandoryn und seeräuber allenthalben geschlagen ... ward, sahe er sich gezwungen, ein ander land zu suchen, von dannen er seine räubereyen fortsetzen kOente Ad. Olearius
verm. reisebeschr. (1696)
vorber.; wo man sich oft länger als man wünscht ... aufzuhalten gezwungen sieht Hippel
lebensl. (1778) 1, 17; und sahen sich nun gezwungen, dieselben ... schritte ... zurückzumarschieren Fontane
ges. w. I 1, 251.
mit geringer abwandlung: sich so verschmäht von dem zu finden, den man hochzuschätzen sich so gezwungen fühlt Lessing 3, 9, 131
L.-M.; da sie (
die abweichung) sich aber viermal so hoch belaufen habe, so habe er sich gezwungen gefühlt, eine neue theorie ausfindig zu machen
F. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 145; wann man sich doch immerfort gezwungen findt, auf seinem angesicht die geziemenheiten der unwissenheit anzunehmen Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) xi; ist niemand gezwungen sich diser meiner ler zuo brauchen A. Dürer
unterweis. d. messung (1525) A 1
b; wenn man gezwungen ist, die farbenangaben von verschiedenen beobachtern miteinander zu vergleichen A. v. Humboldt
kosmos (1845) 3, 309. B@11@cc) in ein bockshorn zwingen,
jünger ins bockshorn zwingen,
als ausdruck der bedrängnis '
jmd. einengen, in die enge treiben, in angst jagen, einschüchtern'
; seit dem 16.
jh. neben gleichbedeutenden in ein bockshorn stoszen (S. Brant
narr. 160
b Z.), treiben (Hedio 1530), eintreiben (1590), jagen (Luther 1530),
schweizerisch u. schwäbisch auch eintun (16.
jh.), tun, spannen, sperren (
vgl. Staub-Tobler 2, 1617
u. 1622; Fischer 1, 1253),
vgl. in ein bockshorn kriechen (
teil 2, 207).
über die zahlreichen und vielartigen deutungsversuche dieser redensarten vgl. Heinermann
in PBB 67 (1944) 248
ff., der seinerseits im anschlusz an H. Jaekel
Savigny-zs., germ. abt. 27 (1906) 121
anm. 1
eine volksetymologische entstellung aus *bockesham(o)
d. i. bockshemd
bockshaut annimmt, in das der schuldige eingezwängt werde, ursprünglich zum zeichen einer friedloslegung; es wird also der unverstandene rest eines alten rechtsbrauches vermutet, wie bei dem gleichfalls als volksetymologisch (
aus *haberfell)
gedeutetem in ein (ins) haberfeld treiben.
doch ist weder *bockham(o), bockshemd
noch haberfell
belegt: in angustum adducere einen eynthun, in ein bockshorn (wie man spricht) zwingen Frisius
dict. (1556) 92
a; etlich besunder christen (
die gnostiker) ... die machten sich mit besunderm vil vasten und petten und dergleichen vil besundir monir und seltsam afterglauben gar zu narren, wolten die teufl in ein pockshorn zwingen, giengen mit der schwarzen kunst umb (
vor 1534) Aventin
bair. chron. 1, 809
Lexer; die conventsbrüder ... vermeinten, der apt wolt sie gar in ein bockshorn zwingen, dieweil er sie so heftig straffet Höniger
narrenschiff (1574) 199
b; ich acht dasz sich der freiheilig geist, der freiheit mit sich bringt und gebirt wo er ist, nit also in ein bockshorn lassen zwingen und an gewis regel menschlicher ordnung und glos lassen binden Seb. Frank
verbütschiert buch (
Frkf. 1559) 402
b;
quot homines, tot sententiae ... drumb sol man nit alle köpf in ein bockshorn begern zu zwingen
ders. sprichw. (1541) 2, 122; soll ich also ... geplagt und gemeistert sein? ... eh ich mich also in ein bockshorn zwingen lassen, will ich eh meines vatters huld und gnad verlieren und hinweglauffen Wickram
w. 2, 22, 34
Bolte; man müsse der jugend ouch etwas fröuden lassen, könne sy nit in ein bockhorn zwingen
fastnacht. pred. 1601
im schweiz. id. 2, 1623; welcher (
kaiser) ... gemercket, dasz diser landen wildt, starck und frech volck mit nichten durch wehr und waffen sich ins bockshorn zwingen und zemen lasse G. Braun
beschr. u. contrafactur (1581) 3, 41
a.
vgl. noch schweizerisch: (
ein widerspenstiger täufer) hat gefragt, ob dann
m. hh. sie wölltint in ein wursthörnli zwingen (1525)
urkdl. im schweiz. id. 2, 1625. CC.
umgangssprachlich. '
eine aufgabe bewältigen, schaffen, erledigen'.
von starker körperlicher anstrengung, einem nachdrücklichen willenseinsatz, wodurch der mensch die schwierigkeiten einer aufgabe zu überwinden sucht; das wort dient entweder reiner sachfeststellung ohne urteil oder gefühlsmäszige wertung oder begreift die anerkennung für die schwierigkeit und ungewöhnlichkeit der (
versuchten)
leistung in sich (
vgl. den gebrauch von B 8). C@11)
allgemein, in allen dt. maa. heimisch: ik kann dat nig dwingen nog doon
ich kann durchaus nicht damit fertig werden Schütze
holstein. (1800) 1, 282; ik kann dat stück ni dwingen Mensing
schlesw.-holst. 1, 976; twingen
möglich machen, ermöglichen, wat ek ichtens twingen kan
was ich irgend möglich machen kann Schambach
Göttingen 238; etwas nicht zwingen können
bei aller anstrengung nicht zustande bringen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 72;
durchsetzen, erzwingen: dat leischt sech net zwengen Follmann
lothr. 563;
erzwingen, durchsetzen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 926; er zwingts
bemeistert die arbeit, er wills zwinge Seiler
Basel 330
b.
wegen der umgangssprachlichen und mundartlichen begrenzung des gebrauchs in älterer zeit nur selten lexikographisch faszbar: man kan das werk so nicht zwingen
non adeo praecipitandum est hoc negotium Stieler (1691) 2665; er kan es zwingen
habet quo rem perficiat, in sua potestate est, vim adhibere potest Frisch
teutsch-lat. (1741) 2, 480
c.
literarisch begegnet diese verwendung vor allem bei umgangssprachlicher auflockerung des ausdrucks: (
er) arbeitete nunmehro an einem schiffe, damit er durch die luft zufahren zwingen wolte
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 48;
besonders in persönlichen lebenszeugnissen und landschaftsgebundener dichtung: indessen, däucht es mir, waren diese kenntnisse ohne viel genie schon mit bloszem fleisz zu zwingen (1805) Jacob Grimm
an Wilhelm, briefw. 60; es soll gar arg mit dem verwittern zugehen, und was die elemente nicht zwingen, das soll der ... baurath Schlausz ... glücklich zu stande bringen Görres
ges. br. (1858) 3, 2;
am üblichsten in der fügung es zwingen,
wobei dem fürwort die scharfe sprachliche beziehung auf einen im sinnzusammenhang genannten begriff fehlt (
vgl. unten die belege unter 2 a): mein mann ist recht fleiszig, aber er kanns doch allein nicht zwingen (
d. ernährung d. familie) Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 313; dann berichtete er ... von dem anbot des geweses, von seinen wünschen, und endlich — dasz es sich denn doch nicht zwingen lasse Storm
s. w. (1898) 5, 124; ich kenne Hoppenmarieken: hiermit zwingen wirs nicht Fontane
ges. w. I 1, 323; ich bin gewisz ni faul, aber ... zwing'n kann ma's doch nich G. Hauptmann
weber (1892) 9; u mügla die zigeunaleut kunnten 's aso nit zwinga A. Hartmann
volkslieder 30. C@22)
in bestimmten sachzusammenhängen ist diese verwendung besonders beliebt. C@2@aa)
eine bestimmte arbeit in einem festgesetzten zeitraum ausführen, bewältigen, schaffen, zustande bringen, vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 926: nun will ich über den Egmont und hoff ihn endlich zu zwingen Göthe IV 5, 280, 24
W.; Iphigenie wäre auf keinen fall auf den nächsten sonnabend zu zwingen gewesen, weil die hauptrolle sehr grosz und schwer einzulernen ist. es war schlechterdings nötig, der Voszin zeit dazu zu geben Schiller
an Göthe, br. 6, 378
Jonas; Burges ist jetzt sehr fleiszig; er will noch im laufe dieses winters alles zwingen Fontane
familienbr. 1, 175;
auch hier wieder mit beziehungslosem es: nur ist mir leid, dasz ihre reise so bald für sich gehet, denn ich so viel möglich eile, und gewisz nichts versäume, aber es nicht allemal zwingen kann Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 86; wenn ich es nur irgend zwingen kann, sollen sie auf Michael wieder zwey bände haben Göthe IV 8, 198
W. C@2@bb)
besonders lange oder schwierige wegstrecken in einer bestimmten zeit zurücklegen, bewältigen: da konnt keiner sich halten, nur der Engländer wollte es zwingen mit seinen langen beinen Bettine
Günderode (1840) 1, 129;
mit scharfer sachbeziehung: an der bisher beschriebenen tour, die sich in wenig tagen zwingen läszt, kann man viele monate kauen Göthe IV 7, 361
W.; dieser ausflug ... ist höchst lohnend und in einem vormittage leicht zu 'zwingen' Joh. Nordmann
meine sonntage (1880) 34;
einen schwer zu erkletternden berg besteigen: er wies mich auf den Ilfenspitz und meinte, wenn ich den einmal gezwungen, so dürfe ich mich im ganzen gebirge herumwagen H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 279; ich kann heute noch wie je einen berg zwingen Herm. Hesse
Peter Camenzind (1907) 29.
eine mengenmäszig ungewöhnlich grosze mahlzeit aufessen können; ganz volksläufig: ich zwing es nicht auf
ich kann es nicht aufessen Betcke
Königsb. ma. 67; ich kann das gemüse nicht zwingen '
aufessen' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 721; ich kann das fleisch nicht zwingen Albrecht
Leipz. 243
b; dat as zevil, dat kann ech net zwingen Follmann
lothr. 563; du zwingst denen brüeli nimmer
kannst diesen kuchen nicht mehr aufessen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 926; er hat e ganze schüssel voll zwunge Fischer
schwäb. 6, 1461.
im wortspiel: zwingst de mich? — ja. — do friss mich K. Rother
schles. sprichw. 491
b.
literarisch nur in mundartnaher dichtung: eure suppe hat mich rechtschaffen gesättigt, so dasz ich die schönen kieselsteine nicht einmal mehr zwingen kann J. P. Hebel
w. 2, 97
Behaghel; wüszt ich, wo er steckt, ich brächt ihm schmalz, eier und mehl, so viel er zwingen könnt Pichler
allerl. gesch. a. Tirol (1897) 2, 84. C@33)
in der studentensprache '
bei gelde sein, flott leben können',
vgl. Augustin
idiot. 117; Meier
hall. stud. spr. (1894) 42; Kluge
stud. spr. 136: wers dick kann zwingen, läszt satteln schnell der Sauerschen muse — durchsichtiges fell, und trabt daher, gar forsch und stolz
tafellieder d. hallisch-akad. zeitgen. a. d. j. 1785-1790
bei John Meier
hall. stud.-spr. 66; in Göttingen ... sucht der student, ders zwingen kann, das heiszt, der geld hat, bei einem vornehmen frauenzimmer anzukommen Fr. Chr. Laukhard
leb. u. schicks. (1792) 1, 265,
s. zs. f. dt. wortf. 12, 293. DD.
zwingend, das part. praes., wird in verbindung mit bestimmten begriffen formelhaft gebraucht und hat in neuerer zeit eine eigene geltung. die selbständigkeit von zwingend
zeigt sich auch in dem hier häufigen gebrauch des superlativs. vielfach ist die sinnhaltige vorstellung des gewaltsamen drucks, der äuszeren oder inneren bedrohung noch vorhanden. D@11)
in verbindung mit wörtern, die selbst die vorstellung einer starken kraft oder drängenden gewalt enthalten, unterstreicht zwingend
die wucht der wirkung, der sich der mensch nicht entziehen kann, in älterer zeit oft noch bildkräftig: darumb dieweyl solch (
aus furcht vor der strafe erzwungene) werck nit seynes (
des menschen) freyen geystis sind, szo sind sie nit seyn, szondern des zwingenden und treybenden gesetzs (1522) Luther 10, 1, 1, 451
W.; das euangelion ist ein zwingent gesatz, damit alle christen getriben sollen werden Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 56
ndr. (
über die jüngere entwicklung zum fachwort der rechtssprache s. u. D 2);
die übliche verwendung ist die zusammenstellung mit not (
vgl. auch oben die not zwingt B 9 c
sp. 1260): zwingende noht
necessità urgente Hulsius (1618) 286
a; also, dasz der junge herr (
Absolon) aus zwingender noth muste sich in die flucht begeben Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 70; ihre (
d. domänen) unveräuszerlichkeit war zwar in den alten ... gesetzen zweifellos ausgesprochen, aber die zwingende noth liesz auch hier die rechtlichen und politischen bedenken schweigen L. Häusser
dt. gesch. 3
2, 134; wenn es eine zwingende nothwendigkeit in der französischen revolution gab K. Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 185; nicht minder willkürlich ist es, solange nicht die zwingendste notwendigkeit vorliegt H. Brunn
kl. schr. (1898) 1, 61; durch den von dem schiffer im falle zwingender notwendigkeit auf grund seiner gesetzlichen befugnisse bewirkten verkauf des schiffes
handelsgesetzbuch § 764;
entsprechend in anderen, mehr oder weniger festen verbindungen, vgl. B 4 b: zu dämpfen wollest du die wuth der wilden farren in dringender drangsal, in zwingender gefahr, in die sie mich nu gantz und gar beschlieszen, nicht verharren Weckherlin
ged. 2, 69
Fischer; wie sucht die zwingende gewalt, auf seines creutzes beyden seiten, die arme schmertzhafft auszubreiten
V. Pietsch
geb. schr. (1740) 393; gründe von zwingender gewalt bestimmten mich, die truppen länger nicht mehr abzulehnen H. v. Kleist
w. 2, 357
E. Schmidt; die folge der zwingenden gewalt der verhältnisse Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 190; unter der zwingenden macht der spanischen ereignisse L. Häusser
dt. gesch. 3
2, 180;
mit deutlicherer sinnvorstellung: wer einmal von der gewaltigen macht des bühnenlebens erfaszt wurde, bedarf der hand des zwingenden schicksals, um vor ihr errettet zu werden Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 381. D@22)
zum fachausdruck der rechtssprache geworden (
vgl. den freieren finiten gebrauch in alten rechtsquellen oben B 9 e
sp. 1261
sowie Luther
u. Eberlin
unter α);
zwingendes recht ius cogens '
das recht, das eine von ihm abweichende regelung durch vereinbarung der beteiligten nicht zuläszt': der privatwille beherrscht die lebensverhältnisse nicht schrankenlos. ihm sind grenzen gesetzt durch zwingende (absolute, gebietende oder verbietende) vorschriften, die mit ausschlusz des privatwillens gelten wollen Enneccerus
lehrb. d. bürgerl. rechtes (
111926) I 1, 101 (§ 46 IV); die Römer nennen das zwingende recht ius publicum, quod pactis privatorum mutari non potest
ebda anm.; gesetze, überhaupt rechtsnormen sind teils zwingend, teils nicht zwingend Dernburg
d. bürgerl. recht d. dt. reiches (
31906) 1, 56; Ehrlich das zwingende und nichtzwingende recht im bgb (1899) (
buchtitel); Müller über zwingende und nachgiebige rechtsnormen (
titel)
in Seufferts bl. f. rechtsanwendung 66 (1901) 21; der könig besasz ein zwingendes recht auf befehl, bannus Schwappach
handb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 8; die rechtssätze über die wechselfähigkeit sind zwingendes recht, das nicht umgangen werden darf Grünhut
wechselrecht (1897) 1, 312.
freier: die ehe als zwingendes gesetz zeigt, dasz die liebe sich nicht immer sehr ehrbar betragen haben mag Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 453; allerdings war solcher vereinbarung überall eine schranke gezogen durch die zwingende kraft derjenigen rechtssätze, die als dem öffentlichen rechte ... angehörend anzusehen waren Pappenheim
handb. d. seerechts (1906) 2, 407; der richter sollte die befugnisz haben, ... jene strafe auszusprechen, auf welcher die zwingende kraft des landfriedens überhaupt beruhte, die strafe der acht Ranke
s. w. (1867) 1, 63;
auch übertragen: das priesterthum hat ... die milde lehre vom erlöser mit harten, gewaltsamen zwingenden dogmen schändlich bezwungen Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 273. D@33)
von geistigen zusammenhängen, wenn ihre unwiderstehliche schlüssigkeit herausgehoben werden soll, vgl. B 7
sp. 1255: (
er sah) in dem umstande, dasz sie ihm nicht besonders vorgestellt wurde, keinen zwingenden grund ..., diese höflichkeit zu unterlassen Spielhagen
s. w. 1 (1872) 2; eine zwingende deduktion Lange
gesch. d. materialismus (1866) iv; aber zwingende beweise für das vorhandensein von menschen sind jene holzkohlen nicht Hoops
waldbäume u. kulturpfl. (1905) 68; die analogie des Nibelungenliedes hatte eine anscheinend unentrinnbar zwingende kraft W. Schadewaldt
von Homers werk u. welt (1944) 20; es fehlt die zwingende einheit und folgerichtigkeit Hettner
gesch. d. dt. lit. 63, 3, 2, 75; eine zwingende erklärung der vokalabschattungen steht noch aus W. Henzen
dt. wortbildung (1947) 179.
weiterhin: sie treiben so zwingende, gesunde motive
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 96;
kühn verkürzt: der zweite theil (
des Wessobrunner gebets) der nichts zwingend sächsisches enthält W. Scherer
kl. schr. 1, 198.
hier gern auch in prädik. fügung: für wen der beweis von dem dasein eines höchsten wesens aus der natur zwingend ist, der bleibe dabei Lichtenberg
verm. schr. 1, 94; und der grund der ... sie dazu nöthigte, musz ebenso gerecht als zwingend seyn Fr.
M. Klinger
w. (1809) 8, 84; freilich ist darum die entwickelung der vorgänge (
in Hauptmanns '
einsame menschen') nicht mehr so zwingend, nicht mehr so überzeugend Paul Schlenther
Gerhart Hauptmann (1912) 118.
adverbiell: von dieser ist neuerlich ... durch Zellers gründliche untersuchungen zwingend nachgewiesen worden D.
F. Strausz
ges. schr. (1877) 3, 155; D@44)
frei fortentwickelt zu der bedeutung '
gefühlsmäszig überwältigend',
besonders gern in prädikativem oder substantiviertem gebrauch, '
überwältigend, unwiderstehlich, unentrinnbar': etwas zwingendes liegt im blick, in den augen, in der sprache, der haltung jemandes; zwingend war auch daher der drang nach vereinigung G. Freytag
bilder 1
8, 15; auch in diesen stilleren gaben, wie in aller liebe, lag etwas zwingendes Fontane
ges. w. (1920) II 2, 429.