gezwungen ,
partic.-adjektiv (
adverb)
vom vb. zwingen,
seit dem späten mhd. gegenüber dem vb. verselbstständigt (
doch s. das substantiv gezwungenheit
schon bei Seuse).
lexikalisch seit dem 15.
jh., z. b.: coercitus getwungen
lat.-dtsch. voc. v. j. 1420,
nr. 478
Schröer; angustus gezwongen,
districtus, exactus gezwungen (15.
jh., md. vocab.) Diefenbach 35
b, 187
c, 213
c.
gelegentlich begegnen präfixlose formen, s. z. b. unten in abschnitt A 2 a
und b,
d. vgl. noch ungezwungen
teil 11, 3, 955. AA.
eigentlich. nicht gerade häufig sind belege mit prägnantem oder noch ganz sinnlichem gehalt, weitere beispiele s. unten abschn. 4 (
fachsprachen): er schlug
den dritten mit gezwungner (
geballter) faust als hart an seinen halsz, das er
auch starb
hertzog Aymont (1535) a 3
b; eine gezwungene stimme
vox pressa Duez
dict. (1664) 2, 743; (
das sonett) ein lyrisches reimgedicht in einer gezwungenen form, gleich dem bette des Prokrustes Voss
krit. bl. (1828) 1, 515.
adverbiell: wenn ... die flanque auf der courtine perpendiculair angeleget worden, so musz die canone nach der face zu bestreichen oblique gezwungen (
befestigt, unbeweglich?) gerichtet werden Fleming
teutsch. soldat (1726) 54; (
die Augsburger tracht war dauerhaft) so dasz die tochter die kleider der seligen mutter oder groszmutter tragen konnte, jedoch steif und gezwungen (
beengt) P. v. Stetten
reichsstadt Augsburg (1779) 2, 92. A@11)
von personen und persönlich vorgestelltem, auch von tieren, '
genötigt, gepreszt, unfreiwillig'. A@1@aa)
ungemein häufig in adverbieller verwendung neben einem verbum des handelns, der bewegung, seltener des seins: darzwüschen ein frouw ... uss Andro ist kummen in disse nachburschafft uss armuot und ire fründ versumnüss gezwungen (
inopia et cognatorum neglegentia coacta)
Terenz deutsch (1499) 11
b; das kind ist willig und frey, der knecht unwillig und getzwungen Luther 10, 1, 1, 376
W.; alle mein predigen und schreiben habe ich müssen gedrungen und gezwungen thun 31, 1, 209
W.; genötet und gezwungen in den truck gegäben
schweiz. schausp. d. 16.
jh. 1, 183
Bächtold; zur kirchen geht er wie gezwungen B. Ringwalt
lauter warheit (1597)
v. 29; was man gezwungen thut bringet selten gut Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) G 1
b; wo ... der müller nicht freywillig, sondern gezwungener die frucht über land holen ... musz (
a. d. j. 1770)
bad. zunftordn. c
a (§ 25); (
das dumme vieh) das nichtes thut, als nur gezwungen D. v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) d 2
b; (
die ärzte malen ihre kunst so vor) dasz man eben, als wie gezwungen, gestehen musz, dasz sie recht haben
ollapatrida 209
Wiener ndr.; dann ihr (
poeten) sehet, dasz die eine (
die vernunft beim dichten) sich ungerne und nur gezwungen einfindet
discourse d. mahlern (1721) 2, 56; als der kaiser selbst äuszerst gezwungen den feldzug übernahm Herder 14, 469
S.; die einen unterwarfen sich gezwungen, die andern übergaben sich freiwillig Fr. Schlegel (1846) 4, 142. A@1@bb)
in attributivem gebrauch: und got wil kein zwungnen diener hon, sonder freywillig z allen dingen (1523) Seb. Lotzer
schr. 28
Götze; und ob ich gleich ein gezwungener diener von diesem tyrannen bin Ziegler
asiat. Banise (1689) 57; (
buchtitel) Gordianus der Grosze mit Hanss Wurst dem lächerlichen liebesambassadeur, gezwungenen spion ... (1724)
bei Fr. Homeyer
Stranitzkys drama v. '
heil. Nepomuk' 19; ist das der seelen ruh, wenn sie bey solcher last kaum einmal athem holt, und ein gezwungner gast des frechen körpers ist? B. Neukirch
gedichte (1744) 113; dasz dem gezwungenen hörer kein wort verloren gehen konnte Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 3, 220; der verstimmte, gezwungene Bayer oder Württemberger in der engsten genossenschaft kann mir nichts helfen Bismarck
reden 4, 309; (
der hader) zwischen den freiwilligen und ..., gezwungenen mitgliedern der ... eidgenossenschaft Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 43.
von zu zwangsarbeit verurteilten oder gepreszten: gezwungener ruderer, arbeiter, fröner Kramer
teutsch-it. dict. 2 (1702) 1496
b; gezwungener, angefesselter, gefangener ruderknecht
ebda 379
b; dasz sie (
die verurteilten) dem könige ausz zwang uff den galeeren oder kriegsschiffen dienen müssen, und also dannenhero gezwungene leute genennet werden Bastel von der Sohle
Juncker Harnisch (1648) 278; sehet da, das sind alles gezwungene ruderknechte, die der könig auf die galeeren führen läszt
don Quixotte (1734) 1, 263. gezwungene (
gepreszte) soldaten (
überschrift) Logau 49
Eitner; gezwungene soldaten taugen nicht v. Loen
der soldat (1752) 323.
sprichwörtlich: mit gezwungenen hunden ist nicht gut jagen
Kern auserlesener sprüchw. (1718) 41; ist übel jagen Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 405
a;
bildlich: deszwegen ich mich auch auf die gebundene rede nie haubtsächlich verlegen wollen (weiln mit gezwungenen hunden übel zue jagen) v. Stubenberg (1648)
in: d. fruchtbr. gesellschaft ertzschrein 109
Krause. gezwungene köpfe schlagen nicht ein
coacta ingenia male respondent Weismann
lex. germ.-lat. (1775) 197. A@22)
von unpersönlichem. A@2@aa) ein verzagt gemüet, zwungen, undergedrückt ins kot, auf der erd ligend gemüet und gewissen Aventin
bayer. chron. 2, 774
Lexer; wyr gehen getzwungensz willensz yn den wercken des gesetzs Luther 10, 1, 1, 366
W.; gezwungen ding, find ich geschriben, sindt nie lang bestendig belyben Murner
gäuchmatt 13
Uhl; unmüglich ist, dasz die ... mit gewalt gezwungene ding underlassen können, zu ihrem centro zu gelangen Albertinus
landstörtzer (1615) 117; das ist ein gezwungene und knechtliche und nit ein kindtliche haltung, so ich die gebett halt, das ich nit werd verdampt (1522)
M. Stifel
christförm. lehr Luthers 35
Lucke. A@2@bb)
in bestimmten, festen wendungen und typischen anwendungsbereichen, meist im sinne von '
erzwungen'.
schönheit: wann ain jungfraw leibig ist so gefellt sie mir. die mütern sagen sie fügt zefechten als ain baurenknecht. sie vertziehen in die speis. merck wie vast erzwungne schöni verdammet. wann so die zwingnusz auffhört, so ist ir schöni auch vergangen (1486) Hans Neidhart
Eunuch d. Terenz 59
lit. ver.; frag: welches aus beeden höher zu schätzen? die aufgebutzte und gezwungene schönheit (
der frauen) in der stadt, oder die ungezwungene auf dem land? Neiner
tändlmarckt (1734) 369.
eid. meist sprichwörtlich oder sprichwortähnlich: die fabel leret ... und zöget: zwungen aid nit binden Steinhöwel
Äsop 124
lit. ver.; gedwungen eede en sint van neiner wêrde Tunnicius
sprichw., nr. 123
H.; gezwungener eid soll nicht binden Graf - Dietherr
rechtssprichw. 549;
besonders häufig: zwungner eyd ist got leydt Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 78
a; dan nach gemeinem spruch, so ist gezwungen eid got leid Gebweiler
lob Marie (1523) 35
a und oft in sprichwortsammlungen. in freiem gebrauch: ungerechter gezwungener eid Göthe 8, 66
W.; verpflichtet ..., dem gezwungenen eide ... nachzukommen
Götting. student auf d. Plesse (1744) 1, 142.
privileg, kontrakt: wider ... (
die) dialectica mögen sie (
die päpste) nichs fürbringen, dann allein ire abgebettelte und gezwungene privilegien Sleidanus
reden 230
lit. ver.; erpressete obligationes und gezwungene contracte Dietherr
supp. Speidelianum (1686) 611.
liebe, ehe, verlöbnis, heirat.
oft sprichwörtlich: getzwungni liebi wirt offt ze diebi
bei Laszberg
liedersaal 3, 349; doch gibt die zwungene liebe kein freud
schweiz. volksl. 1, 131
Tobler; gedwungen leifde vorgeit bolde Tunnicus
sprichw. nr. 180
H.; gezwungen lieb und geriebene röte (
d. i. geschminkte wange) weret die lenge nicht Mathesius
ausg. werke 2, 63
L. (
sehr oft mit ähnlichem wortlaut, z. b. Sandrub
kurzweil 13
ndr.; Petri [1605] F f 4
a; Lehman
flor. pol. [1662] 3, 133; 1, 170; Binder 123). — denn eyn rechter christ ... wurde sich freylich nicht wegern noch weren, solche gezwungen ehe an zu nehmen Luther 15, 165
W.; was ist gezwungne eh, als eine hölle
Shakespeare 7, 349;
im sprichwort: gezwungen ehe bringt nur wehe Petri (1604) F f 4
b,
ähnlich Spanutius (1720) 582; Binder 39. — gezwungen verlöbnis sollen nichts gelten Luther 30, 3, 236
W.; es dienete euch auch eine gezwungene heyraht nicht zum besten Opitz
Argenis (1626) 1, 438.
dienst, arbeit: gott ... mag gezwungen und unwillige dienst nicht haben Luther 30, 2, 388
W.; dergleichen gezwungene dienst aber seind gott nit angenemb Albertinus
landstörtzer (1615) 525; gezwungener dienst hat keine kraft Graf-Dietherr
rechtssprichw. 52; die rittergutsbesitzer ... waren dem gezwungenen militärdienst nicht unterworfen Häusser
dtsche gesch.2 (1859) 3, 119; gezwungene arbeit
frohne Thiel
landwirt. konv.-lex. (1879) 4, 436
b.
messe, gottesdienst; glaube, religion: ist nutzer in der gwissen frei sein von gezwungner mesz, dann usserlich gelobt werden als ein flissiger Eberlin von Günzburg 2, 87
ndr.; die gleisznerey ist nit das minst und der getzimgne (
lies: getzwungne) gottesdienst B. Waldis
d. päpst. reich (1555) M m 2
b; gezwungener gottesdienst
reglement f. d. kgl. preusz. leichte infanterie (1788) 312. gezwungen glaub
coacta fides Henisch (1616) 1612; gezwungen glaub, lieb und eyd sind alle drey gott leyd Hulsius
dict. (1616) 139
b; dasz gemeinlich aus einer gezwungenen oder simulierten religion gar ein atheismus werde (1621)
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 376.
von verschiedenen tugenden: zwungen frümmkait Eberlin von Günzburg 3, 84
ndr.; gezwungen keüscheit 1, 140; armuot 1, 49; ein gezwungene mildigkeit Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) m 2
a; mit angsthafftigem gezwungnem fleysz Frisius
dict. (1556) 59
a; gezwungene freygebigkeit
schausp. engl. comöd. 291
Creizenach; gezwungen tugend ist kein tugend Henisch (1616) 1612; gezwungener gehorsam Comenius
janua (1644) 212
b; durfte sich der wolf die gezwungene enthaltung (
vom schafereiszen) als eine gute tat anrechnen? Lessing 7, 478
L.-M. von zuständen und verhaltungsweisen: in einer gezwungenen einsamkeit Zimmermann
über die einsamkeit (1784) 1, 5; gezwungene anwesenheit in Paris K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 1, 158; die gezwungene ruhe der fasten
F. L. W. Meyer
Friedr. L. Schröder (1819) 1, 125; in seiner gezwungnen horcherrolle Immermann 5, 39
B.; die langeweile der gezwungenen musze O. Ludwig (1891) 1, 162; gezwungener aufenthalt in Hamburg Bauernfeld (1871) 3, 286; ein gezwungenes, eingebildetes (
interesse) für diese alten formen
briefe von u. an Herwegh (1896) 23. gezwungener
tod gewaltsamer, unfreiwilliger: er sol ... des gezwungenen tods vor disen allen wol sicher sein Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 70
a; angewachssene hörner haben eynes ochssen ..., bedeut eyn unnatürlichen gezwungenen tod Ryff
traumbuch Artemidori (1570) 39
b. gezwungenes
erbe wie erbzwang: aber was die arcana antreffen, lebts (
das kind) in (
lies: im) gezwungenen erb: das ist, kein kind kan von jhm werffen das wenigst glied, das es von seim vatter hat, ... sondern es musz diese ding behalten Paracelsus (1616) 1, 242
Huser. A@2@cc)
in den folgenden belegen würde die heutige sprache zusammensetzung mit zwang
suchen, 'zwangsanleihe, -kredit, -kurs, -abonnement': der raub unter dem namen eines gezwungenen anlehns (
war in Frankreich) wieder eingeführt Posselt
staatsgeschichte Europas (1805) 1, 5; geistesgüter geben nichts zu gezwungenen anleihen, herzensschätze bleiben frei von lieferungen Fr. L. Jahn 1, 281; Arn. Feldmann: die gezwungenen anleihen der freien Hansestadt Lübeck (1835); beide kammern (
haben) ein gezwungenes anlehen genehmigt
allg. ztg. v. 22.
mai 1848,
beilage. jeder gewaltstreich, durch welchen die regierung solchen münzen gezwungenen kredit und geltung zu verschaffen sucht Lotz
revision d. grundbegr. d. nat.-wirtschaftslehre (1811) 2, 192; (
weil) die steuereinnahmen versiegten, muszte man dennoch bald zum gezwungenen curs (
der assignaten) seine zuflucht nehmen Dahlmann
franz. revol. (1845) 297. die gezwungenen (
zeitungs-)abonnements der regierungsbureaux Gutzkow (1872) 7, 295.
ähnlich: (
die weinproduktion, die) die eröffnung gezwungener märkte ... förderte Mommsen
römische geschichte (1895) 2, 399. A@2@dd)
häufig begegnet die verbindung gezwungener weise,
seltener gezwungener maszen: gezwungener weise
sforzatamente Kramer
dict. (1678) 564
a; welchem befehl der teuffel muste gezwungener weisz nachkommen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1 (1699) 581; da wir gezwungener weise dem verhängnisz stille halten musten Schnabel
insel Felsenburg 1, 252
Ulbrich; ich muste mich also gezwungener weise derselben straffe unterwerffen
Götting. student auf der Plesse (1744) 1, 61; beschlieszlichen nach dem ein wittfraw gleichsam gezwungner maszen (
näml. aus fleischlicher lust) zu der andern ehe hat gegriffen Albertinus
hauszpolicey, theyl 5 -7 (1602) 17
b.
früh in ein wort zusammengeschrieben: mieszen mir zwungnerweisz unsern weg anderstwahin suochen Seb. Bürster
schwed. krieg 108
Weech; allda auch ettliche pferd und personen zwungnerweisz hinweg mit sich genohmen
ebda 29; oft auch wanderten seine gedanken eigene verschwiegene wege und kehrten nur gezwungenerweise zu ihr zurück H. Sudermann
d. hohe lied (1909) 556; ein groszer teil der abgeordneten allerdings wird der aufforderung, zu der cortessitzung zu erscheinen, gezwungenermaszen nicht folge leisten können, insbesondere sämtliche abgeordneten der rechten
dtsch. allg. ztg. v. 30.
sept. 1936,
abendausg.; verkürzt: und das wir nut zwungenmaszen wesen sin (1513) Franz
d. dtsch. bauernkrieg, aktenband (1935) 63. A@33)
selten wird gezwungen
als adverbielle bestimmung zu adjektiven gebraucht: sie lispelt undt helt sich so gezwungen strack, alsz wenn man ihr ein stock in den rücken gesteckt hett Elisabeth Charlotte v. Orleans
briefe 5, 150
Holland; mit gezwungen gelasznem tone A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 2, 36; sie ... fährt mit einem gezwungen ruhigen tone fort Göthe 9, 25
W. A@44)
fach- und berufsprachlicher gebrauch. A@4@aa) gezwungener wein
brause-, schaumwein, champagner: da obnen im land, da macht man gezwungnen wein, da seint die tauwen (
dauben) dick und mit reiffen wol versorgt und mit banden und den puntten (
spunden) verspert mit einem grossen holtz und einem trom, das der wein den puntten nit usz mag stossen und musz also in sich selb ieren Keisersberg
evang. (1517) 217
b.
vgl.: das beste mittel ('
geringe wein zu stärcken') ... ist, dasz man die möst ... nicht voll füllt, sondern einer spannen oder mehr lähr lässet, dasz sie also gezwungen unter sich arbeiten müssen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 373. A@4@bb) gezwungenes wort
in der terminologie der meistersinger: gezwungen lind und hart, vernempt also, wenn zwey wörter ein vocalis regirt, und der vocalis in einem wort lind, im andern hart lauten sol, und man zwunge beide wörter im singen, das sie lind oder hart lauteten, damit das gebänd recht were. exempli gratia: man bringt uns her eine newe lehr ... wiewol etliche uberwitzige singer solche gezwungene wörter durchaus straffen ... achte ich es doch nicht für strefflich A. Puschmann
gründl. bericht d. dtsch. meistergesangs 19
ndr.; gezwungene, linde und harte wörter, strafft man für 1 syllaba
ebda 12. A@4@cc)
waidmännisch gezwungener fusz
fusz mit geschlossenem huf: der hirsch gehet allwegen mit einem beschlossen und gezwungen fusz, das er nicht mit dem spalt zwischen ausläszt, das mag kein hinde thun, das sie iren fusz als fest zuzwinge und beschliesz iren gang allwegen dazwischen aus, und das heiszt zwingen Meurer
v. forstl. oberherrligkeit (1561) 94
b; sag an, waidmann, wobei der jäger die freien spur erkennen kann? bei seinem gezwungenen und gespaltenen fusz der jäger die freie spur erkennen musz (1589)
bei Grässe
jägerbrevier (1857) 1, 3 (
hierzu anm.: gezwungen
weil der hirsch eine die erde und das gras scharf abzwängende fährte, den sogenannten zwang,
zurückläszt),
ähnlich 1, 7; die fehrt der sau ist platt und vorn gerade eingeschoben, des edeln hirsches aber gezwungen und erhoben
ebda 1, 45; dieweil der hirsch jederzeit beschlossen und gezwungen gehet, so zwinget er, wenn er also zu holtze ziehet, und über gras oder jung grün getreide kommt, gras ab, und behält es in der schale Döbel
jägerpractica (
31783) 1, 9
b.
beim vogelfang: wann nun diese fantasey (
getarnte vorrichtung, näml. ein schneller für vogeldiebe) gestellet, wird der gezwungene (
gespannte) schneller zwerch vor den gang
num. H., wie er schlagen soll, angepflöcket Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 251. A@4@dd)
in der hüttenkunde gezwungenes (roh)eisen: graues
oder gezwungenes roheisen
wird erhalten, wenn man dem hohen ofen weniger erze aufgiebt als die kohlen schmelzen können. auf diese weise wird das roheisen im anfange jeden ganges des hohenofens oder eines blasens, da man gegen die kohlen gerechnet, nur sehr wenig erz aufsetzen kann, ehe die mauer so vollkommen durchheitzet, dasz sie eine starke schmelzhitze mittheilt, gemeiniglich gezwungen
oder grau (
nödsatt eller grtt) J. G. Georgi
Swen Rinmanns versuch einer geschichte d. eisens aus d. schwed. übersetzt (1785) 2, 394; (
roheisenbruch) etwas weniger, aber doch noch sehr mit kohlen gezwungen
ebda 395; gezwungenes eisen Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 417; gezwungenes roheisen ...
es entsteht beym gargange des hohofens und heiszt daher auf deutschen eisenhütten gemeiniglich gares roheisen,
auch gareisen Blumhof
eisenhüttenkunde (1816) 2, 446. gezwungener anlauf
bei der böhmischen anlaufschmiede, lose, gare, an den anlaufstab zusammengeschweiszte eisenbrocken G. Eger
technol. wb. (1882) 2, 339. A@4@ee)
in der geographie: gezwungene strömungen
jene triftströmungen, die durch den wind an ort und stelle erzeugt sind. gegensatz freie strömungen
die als gezwungene
in bewegung gesetzten und dann weiterbewegten strömungen Kende
geogr. wb. 71;
ähnlich gezwungene wellen: neben den unmittelbar von den erzeugenden kräften (z. b. auch dem winde) bewirkten primären oder gezwungenen wellen (
entstehen) sekundäre (freie) wellen
ebda 220. A@4@ff)
in der landwirtschaft: gezwungen
von künstlich zur reife gebrachtem kraut und obst Crecelius
oberhess. wb. 941. A@4@gg)
militärisch, der gezwungene
im gegensatz zum freiwilligen rückzug: eine aufgabe ..., bei welcher ich unbedingt den 'gezwungenen rückzug' antreten müsse v. Födransperg
vierzig jahre in d. österr. armee 2, 233. A@55)
gelegentlich tritt im gebrauch ein funktionswechsel ein, gezwungen
wird nicht mit dem leidenden objekt, sondern mit dem handelnden subjekt verbunden. die dabei entstehenden sinnfärbungen können umschrieben werden mit '
zwangs-, zwangausübend, zwingend, aufgezwungen, gezwungen ertragen, als zwang empfunden'
u. ä. verwandte fälle s. schon oben 2 c. gezwungenes regiment
regiment, das zwingt, zwangsregiment: nu hebben de wysen heyden uth der vornufft und erfarung geslaten, dat nene tyrannie und gedwungen regimente lange bestan mach (1.
hälfte d. 16.
jh.) H. Brandes
d. jüng. glosse zum Reinke de vos (1891) 59; kein gezwungen regiment kan lange bestehen Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) e 1
a; gezwungener gast
sich aufdrängender (
s. dagegen oben 1 b
den beleg aus Neukirch: gezwungener gast
unfreiwilliger, genötigter): zweyerley art der armut ist verhanden, die eine ist unverschambt und kompt selbst unberuffen: die andere aber kompt beruffen und gebetten. vor der ersten ... behüte uns gott, und dieselbe ist die jenige, von dern ich tractire, dann sie ist ein gezwungener gast in dem hause Albertinus
landstörtzer (1615) 97.
auch von unpersönlichem; sinnlich: (
lenden) die ich in raue säcke, in härin tuch verstecke und mit gezwungnem (
schnürendem?) bast an gürtels stat die haare sind voll aschen umwinde, A. Gryphius
trauerspiele, oden, sonette (1663) 591.
verschiedene andere belege: der aschen (
verbrannter mäuse) tauget für das gezwungene (
krankhafte) nachtharnen, wann man ihn trincket Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 273
b; denn es schien diese gezwungene aufgeregtheit (
zwangserregung) in solchen leidenden perioden ihn dem wahnsinn nahe zu bringen Charlotte Stieglitz 200
Mundt; na, hebb ick nu etwa jrosz wat davon? det schiffwerken is n jezwungenes werk (
unangenehme arbeit)! un paschen, det is n schlechtet jeschäft G. Hauptmann
d. biberpelz (1893) 20.
adverbieller gebrauch in abweichenden prägnanten bedeutungen. '
gedrängt, knapp': ein ding gezwungen und kurtz beschreyben
presse et anguste rem definire Maaler
teutsch spraach (1561) 181
d. '
gewaltsam': er nahm die stadt gezwungen ein
urbem invite capiebat Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 1133. BB.
uneigentlicher gebrauch tritt vornehmlich ein, wenn die richtung der zwangsausübung nach innen gewendet ist. gezwungen
bedeutet dann eine beschränkung, verbiegung, verzerrung im natürlichen sein des betroffenen objects, seiner äuszerungen oder hervorbringungen. 'gezwungen
ist alles, wo der grund der modification nicht in der natur der sache selbst liegt' Hübner
zeitungslex. (1825) 2, 55; gezwungen
gewaltsam herbeigeführt und daher gekünstelt Paul
dtsch. wb. (1921) 681.
durch diese bedeutungsänderung tritt gezwungen,
je nach dem zusammenhang, in synonymische wechselwirkung mit 'unnatürlich, gehemmt, geziert, gespreizt, steif, gesucht, geniert, geschraubt, affektiert, gekünstelt, gemacht, gewaltsam, krampfhaft, mühsam, unfrei'
u. s. w.; noch weiter gehen lexikalische bedeutungsangaben: '
mit fleisz erdichtet' Kramer
hochniderdtsch. dict. (1719) 98
a; '
durch viele kunst verstellt' Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 1134.
selten von dingen: steife, gezwungene, einsiedlerische gärten Göthe
bei Bernays
d. junge Göthe 2, 137.
uneigentliches gezwungen
entfernt sich völlig von seinem stammwort zwingen.
es entwickelt sich schüchtern im 16.
jh., vom 17.
jh. ab dringt es gegenüber dem einbüszenden eigentlichen gebrauch gewaltig vor. dem 18.
jh. ist es eine art lieblingswort. vgl. auch gezwängt 2.
im folgenden die zeugnisse nach anwendungsgruppen. B@11)
von personen: einer ist gar sehr gezwungen (
geniert, innerlich unsicher) bey vornehmen leuten Kramer 2 (1702) 1496
b; das deutsche frauenzimmer von stande sey noch viel zu gezwungen Lessing 3, 324
L.-M.; unter leuten von stande wird es immer gezwungne zärtlinge geben, die den ruhm empfindlicher seelen auch da zu behaupten suchen, wo andre ehrliche leute gähnen
ebda 6, 52
L.-M.; es kam mir ... vor, als ob er ein wenig zu steif und gezwungen wäre Bode
Th. Jones (1786) 5, 108; mühsam und gezwungen ist eine gesellschaft, wo es nicht erlaubt ist, kleine fehler zu begehen J. E. Schlegel (1761) 5, 154; (
mamsell) Bella erschien uns nicht hübsch und sehr gezwungen Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 21; ich fühlte mich gezwungen ... und gehemmt Gutzkow (1850) 2, 126. B@22)
vom lachen: gezwungen lachen
rire du bout des dents 300
sprichw. aus d. frantz. (1659) 105; mit stetem gezwungenen lächeln Zachariä
poet. schr. (1763) 4, 78; die gesellschaft ... verbarg ihre verlegenheit hinter einem gezwungenen lächeln Göthe 23, 304
W.; sein lachen klang immer gezwungener und wilder O. Ludwig (1891) 2, 76; (
Eduard) mit gezwungenem lachen P. Heyse
rom. u. nov. (1905) II 6, 76; sie lächelt gezwungen G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 2, 1. B@33)
vom weinen: gezwungen thränen (
vb.)
pleurer en heritier 300
sprichw. aus d. frantz. (1659) 95; gezwungene thränen
larmes étudiées nouv. dict. al.-fr. (1762) 1, 342;
lagrime studiate, affettate, simulate Jagemann
dtsch.-it. wb. (1799) 520
und oft. B@44) schönheit:
era in lei una belleza naturale e non affettata es war an ihr eine natürliche und nicht gezwungene schönheit Castelli
it.-teutsch. wb. (1741) 20
b.
vgl. oben A 2 b
die gleiche fügung in eigentlichem sinn. B@55) gang, bewegung; stellung: wer durch gezwungnen gang und sitten glaubt, dasz er seinen rang erstritten, der schleifft die kappe an den füszen, und wird sich drüber leiden müssen Seb. Brant
narrenschiff 12
Z.; gezwungen einhergehen Schrader
dtsch.-frz. wb. (1781) 545; (
der tanz) ein gezwungnes beugen der brust und taille Herder 8, 91
S.; mit einer gezwungenen verbeugung Pfeffel
pros. vers. (1810) 2, 116; bogenlenkung (
beim geigespielen) etwas zu verkünstelt und gezwungen Schubart
ästh. d. tonkunst (1806) 145. gezwungene stellung des haupts und leibes, um andern zu gefallen Schrader
a. a. o.; die abgewendete stellung ist etwas gezwungen G. Forster
br. u. tageb. 152
Leitzm.; vornübergeneigt in gezwungener haltung W. Hegeler
pastor Klinghammer (1903) 3, 462. B@66) miene, aussehen; verhalten, geberden, manieren, sitten, art
u. ä.: sie hatt ein rund gesicht und eine zarte haut; doch eine sehr gezwungne miene Gellert (1784) 1, 119; als sie nunmehr mit gezwungnen mienen bittend naheten Spitteler
Prometheus u. Epimetheus (1906) 158; dieser heldenmüthige entschlusz gab ihm anfangs ... ein so gezwungenes und entlehntes ansehen ... Wieland (1794) 12, 79; bei dem gezwungenen ausdruck seines gesichts Hegeler
pastor Klinghammer 2 (1903) 1, 51. die verhaltung in gesellschaften ... soll keines weges gezwungen ... seyn Butschky
rosenthal (1679) 370; das gezwungene betragen des herrn Jones Bode
Th. Jones (1786) 3, 595; gezwungene geberden Kramer
dict. (1678) 564
a. alle ihre maniren seindt nicht naturlich, gezwungen und gedrungen El. Charl. v. Orleans
briefe 5, 15
Holland; gezwungene manieren Gottsched
schaubühne 6, 401. gezwungene sitten Ludwig
t.-engl. (1716) 2668; die freyheit von gezwungnen sitten A. G. Kästner 1 (1755) 129. gezwungene weisz (
zu sprechen) Grimmelshausen
teutsch. Michel (1673) 65; die gezwungene und gezierte art in ihren geberden und kleidungen Gottsched
vernünft. tadlerinnen 1, 238. dasz auch das kleinste kind es hätte mercken können, dasz es lauter gezwungen werk (
geschraubtes tun) mit seinem frembde (
ausländisch) reden war Chr. Reuter
Schelmuffsky 113
ndr. umgang, wesen: der umgang mit leuten vom stande ist ihr zu gezwungen
samml. v. schausp. (1764) 1, 4; ob ich ... zu gezwungen oder zu frei in meinem umgange bin dem. Lucius
bei Gellert
briefw. mit d. L. 55
Ebert. vermittelst eines gezwungenen kindischen wesens
anmuth. gelehrsamk. 3, 140
Gottsched; (
die frömmigkeit) war nichts, als ein ängstliches, gezwungenes wesen K. Ph. Moritz
Anton Reiser 43
lit.-denkm. B@77) ehrerbietigkeit, höflichkeit, heiterkeit, stolz: noch (
kann ich mich) in die schnöde sclaverey gezwungner höfligkeiten finden v. Abschatz
Anemons u. Adonis blumen 57
ndr.; mit gezwungner überhöflichkeit Lenz 3, 136
Tieck; mit ... gezwungner ehrerbietigkeit Lohenstein
Arminius (1689) 2, 400
b; Julie, mit einer etwas gezwungenen heiterkeit Chr.
F. Weisze
lustsp. 3, 64; hochroth vor ärger, liesz sie sich mit gezwungenem stolz ... nieder Eichendorff (1864) 3, 217. kompliment, beifall: das ist nur ein gezwungen compliment Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2668; (
furcht u. s. w.) den vorgehabten tadel in einen gezwungenen beyfall verwandelten Wieland
Agathon (1766) 1, 240. B@88)
vom sprechen: gezwungene worte
anxie et curiose quaesita verba, affectatus sermo Duez (1664) 2, 201
a; eine gezwungene rede Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2668; gezwungenes exordium (
redeeingang) Schrader (1781) 545; gezwungenes reden, gezwungen sprechen Jagemann
dtsch.-it. wb. 2 (1803) 501
a; gezwungene gespräche wollten nun anheben A. Stifter 1, 95. natürliche redensahrten (
sind nicht selten) für gezwungen angesehen worden
chron. d. ges. d. mahler 36
Vetter; (
Wieland) kommt mir im reden ein wenig gezwungen vor Mozart
briefe 1, 147
Schiedermair; die unterhaltung blieb ... steif und gezwungen Eichendorff (1864) 2, 78.
von gesang und schrift: also sang ich matte, gezwungene töne Herder 27, 105
S.; in seltsam geschlungenen und gezwungenen schriftzügen
F. v. Saar (1908) 10, 157. B@99)
von der verstandestätigkeit und logischem denken: usz wellicher ... geschrifft Luthers widerfechter auch gar ein gezwungenen verstandt bringen
M. Zell
christ. verantwortung (1523) i 1
a; ein guter redener sol nichts gezwungens und das sich zum handel nicht reimet, einfren Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) r 1
a; beides (
näml. erklärungsversuche) kommt gezwungen heraus J. D. Frisch
harpfe Davids (1719) 653; dabei es äuszerst gezwungen lassen würde, sie (
die liebe) ... unter den begriff der menschenliebe zu bringen Lavater
aussichten in d. ewigk. (1770) 1, 128.
besonders häufig gezwungene erklärung, auslegung: (
die gelehrten haben verstanden) das Carolstadt an gezwungne erclerung für sich genommen und in ordnung der worten Luther betroffen, in dem verstand aber derselbigen verfelet hab Keszler
sabbata 138; abgezwungene privilegia machen hernach eine gezwungene erklärung Chr. Weise
Masaniello 41
ndr., weitere belege Jung-Stilling 3, 457
Gr.; Jac. Grimm
Reinhart fuchs, vorr. 245. vilmer erkennen wir den für ain ketzer, welcher mer den rechten verstand der schrifft, dann unsere gezwungene auslegung beschützen wil
M. Müller v. Westendorff
kurtzer auszug (1545) b 1
a; gezwungene auszlegung, die man bey dem hals herbei ziecht Fischart
binenkorb (1588) 73
a; (
einem beschlusz) gezwungene auslegung geben
Preuszen im bundestag 1, 57
v. Poschinger. weitere verbindungen mit gezwungen: hypothese Herder 13, 400
S.; ableitung 15, 80; deutung 15, 76; Lessing 11, 28
L.-M.; nutzanwendung Göthe II 3, 126
W. witz, scherz: gezwungener witz und pretiöse ausdrücke (1770)
zeitschr. f. dtsch. wortf. 7, 256; oft ist der witz auch gezwungen und ungeheuer Schiller 2, 385
G.; wie einer, der eine mächtige erschütterung ... verbergen will, frug er in gezwungenem scherz G. Freytag (1887) 4, 359. B@1010) gezwungen
in den '
schönen künsten',
vgl. den einschlägigen artikel bei Sulzer
theorie d. schönen künste (1771) 479. B@10@aa)
in der malerei: wie dann dergleichen durch allzugrosze sorgfalt herausgenöthete dinge (
näml. gemälde) gemeiniglich auch den augen gezwungen vorkommen G. v. Sandrart
l'academia tedesca della architect. (1675) 1, 2, 31
b; ein gezwungen gemäl
quadro sforzato, pittura sforzata, non libera e franca Kramer 2 (1702) 1496
b; gezwungen
nicht recht aus freier hand gemalt, stanté Schrader (1781) 545;
terminologisch: gezwungene handlung
action forcée, eine stellung, die nicht frei und natürlich ist Pernety
handlex. d. bild. künste (1764) 120. B@10@bb)
bei dichterischer, schriftstellerischer hervorbringung. in buntem gebrauch: gewisz, die kunst steckt nicht in dem gezwungnen schreiben und trüber heimlichkeit J. Küefer
bei Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 233; gezwungne neuerung (
beim dichten) sei weit von uns verbannt (1648)
d. fruchtbringend. gesellsch. ertzschrein 411
Krause; mehr ein gekünstelt und gezwungenes, als von der natur selbst eingegebenes werk Zesen
Helikon (1649) 1, t 2
b; (
vokale in wörter einzuflicken) welches ... gezwungen, ungeschickt und wieder die ordentliche art zu reden läufft J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 49; lieber ein angenehm flieszendes als ein gezwungenes gedicht Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 7; ob die entwicklungen (
im dialog) im geringsten gezwungen sind? Lessing 10, 143
L.-M.; gegen das unnütze spiel dieses gezwungenen schellenklanges (
beim sonnett) Voss
krit. bl. 1, 512;
ungemein oft bei Herder: gezwungne mystische bilder 12, 86
S.; vgl. 130; 339; 1, 490; der schöne, aber oft gezwungene Phädrus (
eine fabel) 15, 568.
sehr oft in verbindung mit reim, schreibart, stil: weilen die reime etwasz gezwungen (1643)
ertzschrein 197
Krause; dasz er (
der reim) so gezwungen klinget Zesen
Helikon (1649) 1, d 6
a; gezwungne reimen Kramer 2 (1702) 1496
b. Johnsons gezwungene, geschraubte, affektirte schreibart Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 326
lit.-denkm. 30; gezwungene, steife schreibart Schrader (1781) 545. gezwungen im styl und gewaltsam ist nicht einerley ... gezwungen ist das gegentheil von der natur Winckelmann
w. 3 (1809) 221
Meyer-Schulze. CC.
substantiviert: dieser (
der irrende und unwissende) sey gleich einem gezwungenen ... und unsinnigen Nigrinus
von zäuberern (1592) 168; zwar freiwillig und doch ein gezwungener musz ich, musz dich wieder verlassen, Genua, blühende stadt Platen 1, 210
Redlich; redensartlich: kein zwungene will ma net im himmel
wenn du nicht willst, lasz es bleiben Fischer
schwäb. 6, 1460.
als neutrum: (
bei der beschreibung einer reiterkunst) nichts hinlässiges, nichts gezwungenes, sondern in allem ein solcher gehorsamb desz pferdes gegen jm Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 280.
uneigentlich: dasz ich im ganzen Spinoza ... nichts so gezwungenes gefunden habe, als eben diese prästabilirte harmonie Herder 16, 462
S.; gerade das, worüber man (
bei der erzählung) spottet, oder was man aufs gezwungenste rettet, ist das schönste 12, 171; die epischen formeln, im original natürliche wiederhohlungen, bekommen in der nachbildung etwas gezwungenes und schleppendes Jac. Grimm
an Göthe bei Steig
Göthe u. d. br. Grimm 174; das gezwungene in der schreibart Fr. Schlegel (1846) 1, 85; das gezwungene der situation O. Jahn
Mozart (1856) 4, 518; sein ganzes wesen hatte etwas gezwungenes und studirtes Jul. Petri
rothe erde (1895) 186.