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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gezwungen

Bd. 7, Sp. 7261
gezwungen , partic.-adjektiv (adverb) vom vb. zwingen, seit dem späten mhd. gegenüber dem vb. verselbstständigt (doch s. das substantiv gezwungenheit schon bei Seuse). lexikalisch seit dem 15. jh., z. b.: coercitus getwungen lat.-dtsch. voc. v. j. 1420, nr. 478 Schröer; angustus gezwongen, districtus, exactus gezwungen (15. jh., md. vocab.) Diefenbach 35b, 187c, 213c. gelegentlich begegnen präfixlose formen, s. z. b. unten in abschnitt A 2 a und b, d. vgl. noch ungezwungen teil 11, 3, 955. AA. eigentlich. nicht gerade häufig sind belege mit prägnantem oder noch ganz sinnlichem gehalt, weitere beispiele s. unten abschn. 4 (fachsprachen): er schlug den dritten mit gezwungner (geballter) faust als hart an seinen halsz, das er auch starb hertzog Aymont (1535) a 3b; eine gezwungene stimme vox pressa Duez dict. (1664) 2, 743; (das sonett) ein lyrisches reimgedicht in einer gezwungenen form, gleich dem bette des Prokrustes Voss krit. bl. (1828) 1, 515. adverbiell: wenn ... die flanque auf der courtine perpendiculair angeleget worden, so musz die canone nach der face zu bestreichen oblique gezwungen (befestigt, unbeweglich?) gerichtet werden Fleming teutsch. soldat (1726) 54; (die Augsburger tracht war dauerhaft) so dasz die tochter die kleider der seligen mutter oder groszmutter tragen konnte, jedoch steif und gezwungen (beengt) P. v. Stetten reichsstadt Augsburg (1779) 2, 92. A@11) von personen und persönlich vorgestelltem, auch von tieren, 'genötigt, gepreszt, unfreiwillig'. A@1@aa) ungemein häufig in adverbieller verwendung neben einem verbum des handelns, der bewegung, seltener des seins: darzwüschen ein frouw ... uss Andro ist kummen in disse nachburschafft uss armuot und ire fründ versumnüss gezwungen (inopia et cognatorum neglegentia coacta) Terenz deutsch (1499) 11b; das kind ist willig und frey, der knecht unwillig und getzwungen Luther 10, 1, 1, 376 W.; alle mein predigen und schreiben habe ich müssen gedrungen und gezwungen thun 31, 1, 209 W.; genötet und gezwungen in den truck gegäben schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 183 Bächtold; zur kirchen geht er wie gezwungen B. Ringwalt lauter warheit (1597) v. 29; was man gezwungen thut bringet selten gut Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) G 1b; wo ... der müller nicht freywillig, sondern gezwungener die frucht über land holen ... musz (a. d. j. 1770) bad. zunftordn. ca (§ 25); (das dumme vieh) das nichtes thut, als nur gezwungen D. v. d. Werder buszpsalmen (1632) d 2b; (die ärzte malen ihre kunst so vor) dasz man eben, als wie gezwungen, gestehen musz, dasz sie recht haben ollapatrida 209 Wiener ndr.; dann ihr (poeten) sehet, dasz die eine (die vernunft beim dichten) sich ungerne und nur gezwungen einfindet discourse d. mahlern (1721) 2, 56; als der kaiser selbst äuszerst gezwungen den feldzug übernahm Herder 14, 469 S.; die einen unterwarfen sich gezwungen, die andern übergaben sich freiwillig Fr. Schlegel (1846) 4, 142. A@1@bb) in attributivem gebrauch: und got wil kein zwungnen diener hon, sonder freywillig z allen dingen (1523) Seb. Lotzer schr. 28 Götze; und ob ich gleich ein gezwungener diener von diesem tyrannen bin Ziegler asiat. Banise (1689) 57; (buchtitel) Gordianus der Grosze mit Hanss Wurst dem lächerlichen liebesambassadeur, gezwungenen spion ... (1724) bei Fr. Homeyer Stranitzkys drama v. 'heil. Nepomuk' 19; ist das der seelen ruh, wenn sie bey solcher last kaum einmal athem holt, und ein gezwungner gast des frechen körpers ist? B. Neukirch gedichte (1744) 113; dasz dem gezwungenen hörer kein wort verloren gehen konnte Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 220; der verstimmte, gezwungene Bayer oder Württemberger in der engsten genossenschaft kann mir nichts helfen Bismarck reden 4, 309; (der hader) zwischen den freiwilligen und ..., gezwungenen mitgliedern der ... eidgenossenschaft Mommsen m. gesch. (1865) 2, 43. von zu zwangsarbeit verurteilten oder gepreszten: gezwungener ruderer, arbeiter, fröner Kramer teutsch-it. dict. 2 (1702) 1496b; gezwungener, angefesselter, gefangener ruderknecht ebda 379b; dasz sie (die verurteilten) dem könige ausz zwang uff den galeeren oder kriegsschiffen dienen müssen, und also dannenhero gezwungene leute genennet werden Bastel von der Sohle Juncker Harnisch (1648) 278; sehet da, das sind alles gezwungene ruderknechte, die der könig auf die galeeren führen läszt don Quixotte (1734) 1, 263. gezwungene (gepreszte) soldaten (überschrift) Logau 49 Eitner; gezwungene soldaten taugen nicht v. Loen der soldat (1752) 323. sprichwörtlich: mit gezwungenen hunden ist nicht gut jagen Kern auserlesener sprüchw. (1718) 41; ist übel jagen Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 405a; bildlich: deszwegen ich mich auch auf die gebundene rede nie haubtsächlich verlegen wollen (weiln mit gezwungenen hunden übel zue jagen) v. Stubenberg (1648) in: d. fruchtbr. gesellschaft ertzschrein 109 Krause. gezwungene köpfe schlagen nicht ein coacta ingenia male respondent Weismann lex. germ.-lat. (1775) 197. A@22) von unpersönlichem. A@2@aa) ein verzagt gemüet, zwungen, undergedrückt ins kot, auf der erd ligend gemüet und gewissen Aventin bayer. chron. 2, 774 Lexer; wyr gehen getzwungensz willensz yn den wercken des gesetzs Luther 10, 1, 1, 366 W.; gezwungen ding, find ich geschriben, sindt nie lang bestendig belyben Murner gäuchmatt 13 Uhl; unmüglich ist, dasz die ... mit gewalt gezwungene ding underlassen können, zu ihrem centro zu gelangen Albertinus landstörtzer (1615) 117; das ist ein gezwungene und knechtliche und nit ein kindtliche haltung, so ich die gebett halt, das ich nit werd verdampt (1522) M. Stifel christförm. lehr Luthers 35 Lucke. A@2@bb) in bestimmten, festen wendungen und typischen anwendungsbereichen, meist im sinne von 'erzwungen'. schönheit: wann ain jungfraw leibig ist so gefellt sie mir. die mütern sagen sie fügt zefechten als ain baurenknecht. sie vertziehen in die speis. merck wie vast erzwungne schöni verdammet. wann so die zwingnusz auffhört, so ist ir schöni auch vergangen (1486) Hans Neidhart Eunuch d. Terenz 59 lit. ver.; frag: welches aus beeden höher zu schätzen? die aufgebutzte und gezwungene schönheit (der frauen) in der stadt, oder die ungezwungene auf dem land? Neiner tändlmarckt (1734) 369. eid. meist sprichwörtlich oder sprichwortähnlich: die fabel leret ... und zöget: zwungen aid nit binden Steinhöwel Äsop 124 lit. ver.; gedwungen eede en sint van neiner wêrde Tunnicius sprichw., nr. 123 H.; gezwungener eid soll nicht binden Graf - Dietherr rechtssprichw. 549; besonders häufig: zwungner eyd ist got leydt Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 78a; dan nach gemeinem spruch, so ist gezwungen eid got leid Gebweiler lob Marie (1523) 35a und oft in sprichwortsammlungen. in freiem gebrauch: ungerechter gezwungener eid Göthe 8, 66 W.; verpflichtet ..., dem gezwungenen eide ... nachzukommen Götting. student auf d. Plesse (1744) 1, 142. privileg, kontrakt: wider ... (die) dialectica mögen sie (die päpste) nichs fürbringen, dann allein ire abgebettelte und gezwungene privilegien Sleidanus reden 230 lit. ver.; erpressete obligationes und gezwungene contracte Dietherr supp. Speidelianum (1686) 611. liebe, ehe, verlöbnis, heirat. oft sprichwörtlich: getzwungni liebi wirt offt ze diebi bei Laszberg liedersaal 3, 349; doch gibt die zwungene liebe kein freud schweiz. volksl. 1, 131 Tobler; gedwungen leifde vorgeit bolde Tunnicus sprichw. nr. 180 H.; gezwungen lieb und geriebene röte (d. i. geschminkte wange) weret die lenge nicht Mathesius ausg. werke 2, 63 L. (sehr oft mit ähnlichem wortlaut, z. b. Sandrub kurzweil 13 ndr.; Petri [1605] F f 4a; Lehman flor. pol. [1662] 3, 133; 1, 170; Binder 123). — denn eyn rechter christ ... wurde sich freylich nicht wegern noch weren, solche gezwungen ehe an zu nehmen Luther 15, 165 W.; was ist gezwungne eh, als eine hölle Shakespeare 7, 349; im sprichwort: gezwungen ehe bringt nur wehe Petri (1604) F f 4b, ähnlich Spanutius (1720) 582; Binder 39. — gezwungen verlöbnis sollen nichts gelten Luther 30, 3, 236 W.; es dienete euch auch eine gezwungene heyraht nicht zum besten Opitz Argenis (1626) 1, 438. dienst, arbeit: gott ... mag gezwungen und unwillige dienst nicht haben Luther 30, 2, 388 W.; dergleichen gezwungene dienst aber seind gott nit angenemb Albertinus landstörtzer (1615) 525; gezwungener dienst hat keine kraft Graf-Dietherr rechtssprichw. 52; die rittergutsbesitzer ... waren dem gezwungenen militärdienst nicht unterworfen Häusser dtsche gesch.2 (1859) 3, 119; gezwungene arbeit frohne Thiel landwirt. konv.-lex. (1879) 4, 436b. messe, gottesdienst; glaube, religion: ist nutzer in der gwissen frei sein von gezwungner mesz, dann usserlich gelobt werden als ein flissiger Eberlin von Günzburg 2, 87 ndr.; die gleisznerey ist nit das minst und der getzimgne (lies: getzwungne) gottesdienst B. Waldis d. päpst. reich (1555) M m 2b; gezwungener gottesdienst reglement f. d. kgl. preusz. leichte infanterie (1788) 312. gezwungen glaub coacta fides Henisch (1616) 1612; gezwungen glaub, lieb und eyd sind alle drey gott leyd Hulsius dict. (1616) 139b; dasz gemeinlich aus einer gezwungenen oder simulierten religion gar ein atheismus werde (1621) bei Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 376. von verschiedenen tugenden: zwungen frümmkait Eberlin von Günzburg 3, 84 ndr.; gezwungen keüscheit 1, 140; armuot 1, 49; ein gezwungene mildigkeit Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) m 2a; mit angsthafftigem gezwungnem fleysz Frisius dict. (1556) 59a; gezwungene freygebigkeit schausp. engl. comöd. 291 Creizenach; gezwungen tugend ist kein tugend Henisch (1616) 1612; gezwungener gehorsam Comenius janua (1644) 212b; durfte sich der wolf die gezwungene enthaltung (vom schafereiszen) als eine gute tat anrechnen? Lessing 7, 478 L.-M. von zuständen und verhaltungsweisen: in einer gezwungenen einsamkeit Zimmermann über die einsamkeit (1784) 1, 5; gezwungene anwesenheit in Paris K. Fr. Cramer Neseggab (1791) 1, 158; die gezwungene ruhe der fasten F. L. W. Meyer Friedr. L. Schröder (1819) 1, 125; in seiner gezwungnen horcherrolle Immermann 5, 39 B.; die langeweile der gezwungenen musze O. Ludwig (1891) 1, 162; gezwungener aufenthalt in Hamburg Bauernfeld (1871) 3, 286; ein gezwungenes, eingebildetes (interesse) für diese alten formen briefe von u. an Herwegh (1896) 23. gezwungener tod gewaltsamer, unfreiwilliger: er sol ... des gezwungenen tods vor disen allen wol sicher sein Schaidenraiszer Odyssea (1537) 70a; angewachssene hörner haben eynes ochssen ..., bedeut eyn unnatürlichen gezwungenen tod Ryff traumbuch Artemidori (1570) 39b. gezwungenes erbe wie erbzwang: aber was die arcana antreffen, lebts (das kind) in (lies: im) gezwungenen erb: das ist, kein kind kan von jhm werffen das wenigst glied, das es von seim vatter hat, ... sondern es musz diese ding behalten Paracelsus (1616) 1, 242 Huser. A@2@cc) in den folgenden belegen würde die heutige sprache zusammensetzung mit zwang suchen, 'zwangsanleihe, -kredit, -kurs, -abonnement': der raub unter dem namen eines gezwungenen anlehns (war in Frankreich) wieder eingeführt Posselt staatsgeschichte Europas (1805) 1, 5; geistesgüter geben nichts zu gezwungenen anleihen, herzensschätze bleiben frei von lieferungen Fr. L. Jahn 1, 281; Arn. Feldmann: die gezwungenen anleihen der freien Hansestadt Lübeck (1835); beide kammern (haben) ein gezwungenes anlehen genehmigt allg. ztg. v. 22. mai 1848, beilage. jeder gewaltstreich, durch welchen die regierung solchen münzen gezwungenen kredit und geltung zu verschaffen sucht Lotz revision d. grundbegr. d. nat.-wirtschaftslehre (1811) 2, 192; (weil) die steuereinnahmen versiegten, muszte man dennoch bald zum gezwungenen curs (der assignaten) seine zuflucht nehmen Dahlmann franz. revol. (1845) 297. die gezwungenen (zeitungs-)abonnements der regierungsbureaux Gutzkow (1872) 7, 295. ähnlich: (die weinproduktion, die) die eröffnung gezwungener märkte ... förderte Mommsen römische geschichte (1895) 2, 399. A@2@dd) häufig begegnet die verbindung gezwungener weise, seltener gezwungener maszen: gezwungener weise sforzatamente Kramer dict. (1678) 564a; welchem befehl der teuffel muste gezwungener weisz nachkommen Abr. a s. Clara etwas f. alle 1 (1699) 581; da wir gezwungener weise dem verhängnisz stille halten musten Schnabel insel Felsenburg 1, 252 Ulbrich; ich muste mich also gezwungener weise derselben straffe unterwerffen Götting. student auf der Plesse (1744) 1, 61; beschlieszlichen nach dem ein wittfraw gleichsam gezwungner maszen (näml. aus fleischlicher lust) zu der andern ehe hat gegriffen Albertinus hauszpolicey, theyl 5 -7 (1602) 17b. früh in ein wort zusammengeschrieben: mieszen mir zwungnerweisz unsern weg anderstwahin suochen Seb. Bürster schwed. krieg 108 Weech; allda auch ettliche pferd und personen zwungnerweisz hinweg mit sich genohmen ebda 29; oft auch wanderten seine gedanken eigene verschwiegene wege und kehrten nur gezwungenerweise zu ihr zurück H. Sudermann d. hohe lied (1909) 556; ein groszer teil der abgeordneten allerdings wird der aufforderung, zu der cortessitzung zu erscheinen, gezwungenermaszen nicht folge leisten können, insbesondere sämtliche abgeordneten der rechten dtsch. allg. ztg. v. 30. sept. 1936, abendausg.; verkürzt: und das wir nut zwungenmaszen wesen sin (1513) Franz d. dtsch. bauernkrieg, aktenband (1935) 63. A@33) selten wird gezwungen als adverbielle bestimmung zu adjektiven gebraucht: sie lispelt undt helt sich so gezwungen strack, alsz wenn man ihr ein stock in den rücken gesteckt hett Elisabeth Charlotte v. Orleans briefe 5, 150 Holland; mit gezwungen gelasznem tone A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 2, 36; sie ... fährt mit einem gezwungen ruhigen tone fort Göthe 9, 25 W. A@44) fach- und berufsprachlicher gebrauch. A@4@aa) gezwungener wein brause-, schaumwein, champagner: da obnen im land, da macht man gezwungnen wein, da seint die tauwen (dauben) dick und mit reiffen wol versorgt und mit banden und den puntten (spunden) verspert mit einem grossen holtz und einem trom, das der wein den puntten nit usz mag stossen und musz also in sich selb ieren Keisersberg evang. (1517) 217b. vgl.: das beste mittel ('geringe wein zu stärcken') ... ist, dasz man die möst ... nicht voll füllt, sondern einer spannen oder mehr lähr lässet, dasz sie also gezwungen unter sich arbeiten müssen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 373. A@4@bb) gezwungenes wort in der terminologie der meistersinger: gezwungen lind und hart, vernempt also, wenn zwey wörter ein vocalis regirt, und der vocalis in einem wort lind, im andern hart lauten sol, und man zwunge beide wörter im singen, das sie lind oder hart lauteten, damit das gebänd recht were. exempli gratia: man bringt uns her eine newe lehr ... wiewol etliche uberwitzige singer solche gezwungene wörter durchaus straffen ... achte ich es doch nicht für strefflich A. Puschmann gründl. bericht d. dtsch. meistergesangs 19 ndr.; gezwungene, linde und harte wörter, strafft man für 1 syllaba ebda 12. A@4@cc) waidmännisch gezwungener fusz fusz mit geschlossenem huf: der hirsch gehet allwegen mit einem beschlossen und gezwungen fusz, das er nicht mit dem spalt zwischen ausläszt, das mag kein hinde thun, das sie iren fusz als fest zuzwinge und beschliesz iren gang allwegen dazwischen aus, und das heiszt zwingen Meurer v. forstl. oberherrligkeit (1561) 94b; sag an, waidmann, wobei der jäger die freien spur erkennen kann? bei seinem gezwungenen und gespaltenen fusz der jäger die freie spur erkennen musz (1589) bei Grässe jägerbrevier (1857) 1, 3 (hierzu anm.: gezwungen weil der hirsch eine die erde und das gras scharf abzwängende fährte, den sogenannten zwang, zurückläszt), ähnlich 1, 7; die fehrt der sau ist platt und vorn gerade eingeschoben, des edeln hirsches aber gezwungen und erhoben ebda 1, 45; dieweil der hirsch jederzeit beschlossen und gezwungen gehet, so zwinget er, wenn er also zu holtze ziehet, und über gras oder jung grün getreide kommt, gras ab, und behält es in der schale Döbel jägerpractica (31783) 1, 9b. beim vogelfang: wann nun diese fantasey (getarnte vorrichtung, näml. ein schneller für vogeldiebe) gestellet, wird der gezwungene (gespannte) schneller zwerch vor den gang num. H., wie er schlagen soll, angepflöcket Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 251. A@4@dd) in der hüttenkunde gezwungenes (roh)eisen: graues oder gezwungenes roheisen wird erhalten, wenn man dem hohen ofen weniger erze aufgiebt als die kohlen schmelzen können. auf diese weise wird das roheisen im anfange jeden ganges des hohenofens oder eines blasens, da man gegen die kohlen gerechnet, nur sehr wenig erz aufsetzen kann, ehe die mauer so vollkommen durchheitzet, dasz sie eine starke schmelzhitze mittheilt, gemeiniglich gezwungen oder grau (nödsatt eller grtt) J. G. Georgi Swen Rinmanns versuch einer geschichte d. eisens aus d. schwed. übersetzt (1785) 2, 394; (roheisenbruch) etwas weniger, aber doch noch sehr mit kohlen gezwungen ebda 395; gezwungenes eisen Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 417; gezwungenes roheisen ... es entsteht beym gargange des hohofens und heiszt daher auf deutschen eisenhütten gemeiniglich gares roheisen, auch gareisen Blumhof eisenhüttenkunde (1816) 2, 446. gezwungener anlauf bei der böhmischen anlaufschmiede, lose, gare, an den anlaufstab zusammengeschweiszte eisenbrocken G. Eger technol. wb. (1882) 2, 339. A@4@ee) in der geographie: gezwungene strömungen jene triftströmungen, die durch den wind an ort und stelle erzeugt sind. gegensatz freie strömungen die als gezwungene in bewegung gesetzten und dann weiterbewegten strömungen Kende geogr. wb. 71; ähnlich gezwungene wellen: neben den unmittelbar von den erzeugenden kräften (z. b. auch dem winde) bewirkten primären oder gezwungenen wellen (entstehen) sekundäre (freie) wellen ebda 220. A@4@ff) in der landwirtschaft: gezwungen von künstlich zur reife gebrachtem kraut und obst Crecelius oberhess. wb. 941. A@4@gg) militärisch, der gezwungene im gegensatz zum freiwilligen rückzug: eine aufgabe ..., bei welcher ich unbedingt den 'gezwungenen rückzug' antreten müsse v. Födransperg vierzig jahre in d. österr. armee 2, 233. A@55) gelegentlich tritt im gebrauch ein funktionswechsel ein, gezwungen wird nicht mit dem leidenden objekt, sondern mit dem handelnden subjekt verbunden. die dabei entstehenden sinnfärbungen können umschrieben werden mit 'zwangs-, zwangausübend, zwingend, aufgezwungen, gezwungen ertragen, als zwang empfunden' u. ä. verwandte fälle s. schon oben 2 c. gezwungenes regiment regiment, das zwingt, zwangsregiment: nu hebben de wysen heyden uth der vornufft und erfarung geslaten, dat nene tyrannie und gedwungen regimente lange bestan mach (1. hälfte d. 16. jh.) H. Brandes d. jüng. glosse zum Reinke de vos (1891) 59; kein gezwungen regiment kan lange bestehen Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) e 1a; gezwungener gast sich aufdrängender (s. dagegen oben 1 b den beleg aus Neukirch: gezwungener gast unfreiwilliger, genötigter): zweyerley art der armut ist verhanden, die eine ist unverschambt und kompt selbst unberuffen: die andere aber kompt beruffen und gebetten. vor der ersten ... behüte uns gott, und dieselbe ist die jenige, von dern ich tractire, dann sie ist ein gezwungener gast in dem hause Albertinus landstörtzer (1615) 97. auch von unpersönlichem; sinnlich: (lenden) die ich in raue säcke, in härin tuch verstecke und mit gezwungnem (schnürendem?) bast an gürtels stat die haare sind voll aschen umwinde, A. Gryphius trauerspiele, oden, sonette (1663) 591. verschiedene andere belege: der aschen (verbrannter mäuse) tauget für das gezwungene (krankhafte) nachtharnen, wann man ihn trincket Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 273b; denn es schien diese gezwungene aufgeregtheit (zwangserregung) in solchen leidenden perioden ihn dem wahnsinn nahe zu bringen Charlotte Stieglitz 200 Mundt; na, hebb ick nu etwa jrosz wat davon? det schiffwerken is n jezwungenes werk (unangenehme arbeit)! un paschen, det is n schlechtet jeschäft G. Hauptmann d. biberpelz (1893) 20. adverbieller gebrauch in abweichenden prägnanten bedeutungen. 'gedrängt, knapp': ein ding gezwungen und kurtz beschreyben presse et anguste rem definire Maaler teutsch spraach (1561) 181d. 'gewaltsam': er nahm die stadt gezwungen ein urbem invite capiebat Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 1133. BB. uneigentlicher gebrauch tritt vornehmlich ein, wenn die richtung der zwangsausübung nach innen gewendet ist. gezwungen bedeutet dann eine beschränkung, verbiegung, verzerrung im natürlichen sein des betroffenen objects, seiner äuszerungen oder hervorbringungen. 'gezwungen ist alles, wo der grund der modification nicht in der natur der sache selbst liegt' Hübner zeitungslex. (1825) 2, 55; gezwungen gewaltsam herbeigeführt und daher gekünstelt Paul dtsch. wb. (1921) 681. durch diese bedeutungsänderung tritt gezwungen, je nach dem zusammenhang, in synonymische wechselwirkung mit 'unnatürlich, gehemmt, geziert, gespreizt, steif, gesucht, geniert, geschraubt, affektiert, gekünstelt, gemacht, gewaltsam, krampfhaft, mühsam, unfrei' u. s. w.; noch weiter gehen lexikalische bedeutungsangaben: 'mit fleisz erdichtet' Kramer hochniderdtsch. dict. (1719) 98a; 'durch viele kunst verstellt' Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 1134. selten von dingen: steife, gezwungene, einsiedlerische gärten Göthe bei Bernays d. junge Göthe 2, 137. uneigentliches gezwungen entfernt sich völlig von seinem stammwort zwingen. es entwickelt sich schüchtern im 16. jh., vom 17. jh. ab dringt es gegenüber dem einbüszenden eigentlichen gebrauch gewaltig vor. dem 18. jh. ist es eine art lieblingswort. vgl. auch gezwängt 2. im folgenden die zeugnisse nach anwendungsgruppen. B@11) von personen: einer ist gar sehr gezwungen (geniert, innerlich unsicher) bey vornehmen leuten Kramer 2 (1702) 1496b; das deutsche frauenzimmer von stande sey noch viel zu gezwungen Lessing 3, 324 L.-M.; unter leuten von stande wird es immer gezwungne zärtlinge geben, die den ruhm empfindlicher seelen auch da zu behaupten suchen, wo andre ehrliche leute gähnen ebda 6, 52 L.-M.; es kam mir ... vor, als ob er ein wenig zu steif und gezwungen wäre Bode Th. Jones (1786) 5, 108; mühsam und gezwungen ist eine gesellschaft, wo es nicht erlaubt ist, kleine fehler zu begehen J. E. Schlegel (1761) 5, 154; (mamsell) Bella erschien uns nicht hübsch und sehr gezwungen Solger nachgel. schr. (1826) 1, 21; ich fühlte mich gezwungen ... und gehemmt Gutzkow (1850) 2, 126. B@22) vom lachen: gezwungen lachen rire du bout des dents 300 sprichw. aus d. frantz. (1659) 105; mit stetem gezwungenen lächeln Zachariä poet. schr. (1763) 4, 78; die gesellschaft ... verbarg ihre verlegenheit hinter einem gezwungenen lächeln Göthe 23, 304 W.; sein lachen klang immer gezwungener und wilder O. Ludwig (1891) 2, 76; (Eduard) mit gezwungenem lachen P. Heyse rom. u. nov. (1905) II 6, 76; sie lächelt gezwungen G. Hauptmann einsame menschen (1891) 2, 1. B@33) vom weinen: gezwungen thränen (vb.) pleurer en heritier 300 sprichw. aus d. frantz. (1659) 95; gezwungene thränen larmes étudiées nouv. dict. al.-fr. (1762) 1, 342; lagrime studiate, affettate, simulate Jagemann dtsch.-it. wb. (1799) 520 und oft. B@44) schönheit: era in lei una belleza naturale e non affettata es war an ihr eine natürliche und nicht gezwungene schönheit Castelli it.-teutsch. wb. (1741) 20b. vgl. oben A 2 b die gleiche fügung in eigentlichem sinn. B@55) gang, bewegung; stellung: wer durch gezwungnen gang und sitten glaubt, dasz er seinen rang erstritten, der schleifft die kappe an den füszen, und wird sich drüber leiden müssen Seb. Brant narrenschiff 12 Z.; gezwungen einhergehen Schrader dtsch.-frz. wb. (1781) 545; (der tanz) ein gezwungnes beugen der brust und taille Herder 8, 91 S.; mit einer gezwungenen verbeugung Pfeffel pros. vers. (1810) 2, 116; bogenlenkung (beim geigespielen) etwas zu verkünstelt und gezwungen Schubart ästh. d. tonkunst (1806) 145. gezwungene stellung des haupts und leibes, um andern zu gefallen Schrader a. a. o.; die abgewendete stellung ist etwas gezwungen G. Forster br. u. tageb. 152 Leitzm.; vornübergeneigt in gezwungener haltung W. Hegeler pastor Klinghammer (1903) 3, 462. B@66) miene, aussehen; verhalten, geberden, manieren, sitten, art u. ä.: sie hatt ein rund gesicht und eine zarte haut; doch eine sehr gezwungne miene Gellert (1784) 1, 119; als sie nunmehr mit gezwungnen mienen bittend naheten Spitteler Prometheus u. Epimetheus (1906) 158; dieser heldenmüthige entschlusz gab ihm anfangs ... ein so gezwungenes und entlehntes ansehen ... Wieland (1794) 12, 79; bei dem gezwungenen ausdruck seines gesichts Hegeler pastor Klinghammer 2 (1903) 1, 51. die verhaltung in gesellschaften ... soll keines weges gezwungen ... seyn Butschky rosenthal (1679) 370; das gezwungene betragen des herrn Jones Bode Th. Jones (1786) 3, 595; gezwungene geberden Kramer dict. (1678) 564a. alle ihre maniren seindt nicht naturlich, gezwungen und gedrungen El. Charl. v. Orleans briefe 5, 15 Holland; gezwungene manieren Gottsched schaubühne 6, 401. gezwungene sitten Ludwig t.-engl. (1716) 2668; die freyheit von gezwungnen sitten A. G. Kästner 1 (1755) 129. gezwungene weisz (zu sprechen) Grimmelshausen teutsch. Michel (1673) 65; die gezwungene und gezierte art in ihren geberden und kleidungen Gottsched vernünft. tadlerinnen 1, 238. dasz auch das kleinste kind es hätte mercken können, dasz es lauter gezwungen werk (geschraubtes tun) mit seinem frembde (ausländisch) reden war Chr. Reuter Schelmuffsky 113 ndr. umgang, wesen: der umgang mit leuten vom stande ist ihr zu gezwungen samml. v. schausp. (1764) 1, 4; ob ich ... zu gezwungen oder zu frei in meinem umgange bin dem. Lucius bei Gellert briefw. mit d. L. 55 Ebert. vermittelst eines gezwungenen kindischen wesens anmuth. gelehrsamk. 3, 140 Gottsched; (die frömmigkeit) war nichts, als ein ängstliches, gezwungenes wesen K. Ph. Moritz Anton Reiser 43 lit.-denkm. B@77) ehrerbietigkeit, höflichkeit, heiterkeit, stolz: noch (kann ich mich) in die schnöde sclaverey gezwungner höfligkeiten finden v. Abschatz Anemons u. Adonis blumen 57 ndr.; mit gezwungner überhöflichkeit Lenz 3, 136 Tieck; mit ... gezwungner ehrerbietigkeit Lohenstein Arminius (1689) 2, 400b; Julie, mit einer etwas gezwungenen heiterkeit Chr. F. Weisze lustsp. 3, 64; hochroth vor ärger, liesz sie sich mit gezwungenem stolz ... nieder Eichendorff (1864) 3, 217. kompliment, beifall: das ist nur ein gezwungen compliment Ludwig teutsch-engl. (1716) 2668; (furcht u. s. w.) den vorgehabten tadel in einen gezwungenen beyfall verwandelten Wieland Agathon (1766) 1, 240. B@88) vom sprechen: gezwungene worte anxie et curiose quaesita verba, affectatus sermo Duez (1664) 2, 201a; eine gezwungene rede Ludwig teutsch-engl. (1716) 2668; gezwungenes exordium (redeeingang) Schrader (1781) 545; gezwungenes reden, gezwungen sprechen Jagemann dtsch.-it. wb. 2 (1803) 501a; gezwungene gespräche wollten nun anheben A. Stifter 1, 95. natürliche redensahrten (sind nicht selten) für gezwungen angesehen worden chron. d. ges. d. mahler 36 Vetter; (Wieland) kommt mir im reden ein wenig gezwungen vor Mozart briefe 1, 147 Schiedermair; die unterhaltung blieb ... steif und gezwungen Eichendorff (1864) 2, 78. von gesang und schrift: also sang ich matte, gezwungene töne Herder 27, 105 S.; in seltsam geschlungenen und gezwungenen schriftzügen F. v. Saar (1908) 10, 157. B@99) von der verstandestätigkeit und logischem denken: usz wellicher ... geschrifft Luthers widerfechter auch gar ein gezwungenen verstandt bringen M. Zell christ. verantwortung (1523) i 1a; ein guter redener sol nichts gezwungens und das sich zum handel nicht reimet, einfren Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) r 1a; beides (näml. erklärungsversuche) kommt gezwungen heraus J. D. Frisch harpfe Davids (1719) 653; dabei es äuszerst gezwungen lassen würde, sie (die liebe) ... unter den begriff der menschenliebe zu bringen Lavater aussichten in d. ewigk. (1770) 1, 128. besonders häufig gezwungene erklärung, auslegung: (die gelehrten haben verstanden) das Carolstadt an gezwungne erclerung für sich genommen und in ordnung der worten Luther betroffen, in dem verstand aber derselbigen verfelet hab Keszler sabbata 138; abgezwungene privilegia machen hernach eine gezwungene erklärung Chr. Weise Masaniello 41 ndr., weitere belege Jung-Stilling 3, 457 Gr.; Jac. Grimm Reinhart fuchs, vorr. 245. vilmer erkennen wir den für ain ketzer, welcher mer den rechten verstand der schrifft, dann unsere gezwungene auslegung beschützen wil M. Müller v. Westendorff kurtzer auszug (1545) b 1a; gezwungene auszlegung, die man bey dem hals herbei ziecht Fischart binenkorb (1588) 73a; (einem beschlusz) gezwungene auslegung geben Preuszen im bundestag 1, 57 v. Poschinger. weitere verbindungen mit gezwungen: hypothese Herder 13, 400 S.; ableitung 15, 80; deutung 15, 76; Lessing 11, 28 L.-M.; nutzanwendung Göthe II 3, 126 W. witz, scherz: gezwungener witz und pretiöse ausdrücke (1770) zeitschr. f. dtsch. wortf. 7, 256; oft ist der witz auch gezwungen und ungeheuer Schiller 2, 385 G.; wie einer, der eine mächtige erschütterung ... verbergen will, frug er in gezwungenem scherz G. Freytag (1887) 4, 359. B@1010) gezwungen in den 'schönen künsten', vgl. den einschlägigen artikel bei Sulzer theorie d. schönen künste (1771) 479. B@10@aa) in der malerei: wie dann dergleichen durch allzugrosze sorgfalt herausgenöthete dinge (näml. gemälde) gemeiniglich auch den augen gezwungen vorkommen G. v. Sandrart l'academia tedesca della architect. (1675) 1, 2, 31b; ein gezwungen gemäl quadro sforzato, pittura sforzata, non libera e franca Kramer 2 (1702) 1496b; gezwungen nicht recht aus freier hand gemalt, stanté Schrader (1781) 545; terminologisch: gezwungene handlung action forcée, eine stellung, die nicht frei und natürlich ist Pernety handlex. d. bild. künste (1764) 120. B@10@bb) bei dichterischer, schriftstellerischer hervorbringung. in buntem gebrauch: gewisz, die kunst steckt nicht in dem gezwungnen schreiben und trüber heimlichkeit J. Küefer bei Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 233; gezwungne neuerung (beim dichten) sei weit von uns verbannt (1648) d. fruchtbringend. gesellsch. ertzschrein 411 Krause; mehr ein gekünstelt und gezwungenes, als von der natur selbst eingegebenes werk Zesen Helikon (1649) 1, t 2b; (vokale in wörter einzuflicken) welches ... gezwungen, ungeschickt und wieder die ordentliche art zu reden läufft J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 49; lieber ein angenehm flieszendes als ein gezwungenes gedicht Gottsched crit. dichtkunst (1751) 7; ob die entwicklungen (im dialog) im geringsten gezwungen sind? Lessing 10, 143 L.-M.; gegen das unnütze spiel dieses gezwungenen schellenklanges (beim sonnett) Voss krit. bl. 1, 512; ungemein oft bei Herder: gezwungne mystische bilder 12, 86 S.; vgl. 130; 339; 1, 490; der schöne, aber oft gezwungene Phädrus (eine fabel) 15, 568. sehr oft in verbindung mit reim, schreibart, stil: weilen die reime etwasz gezwungen (1643) ertzschrein 197 Krause; dasz er (der reim) so gezwungen klinget Zesen Helikon (1649) 1, d 6a; gezwungne reimen Kramer 2 (1702) 1496b. Johnsons gezwungene, geschraubte, affektirte schreibart Gerstenberg schlesw. lit.-br. 326 lit.-denkm. 30; gezwungene, steife schreibart Schrader (1781) 545. gezwungen im styl und gewaltsam ist nicht einerley ... gezwungen ist das gegentheil von der natur Winckelmann w. 3 (1809) 221 Meyer-Schulze. CC. substantiviert: dieser (der irrende und unwissende) sey gleich einem gezwungenen ... und unsinnigen Nigrinus von zäuberern (1592) 168; zwar freiwillig und doch ein gezwungener musz ich, musz dich wieder verlassen, Genua, blühende stadt Platen 1, 210 Redlich; redensartlich: kein zwungene will ma net im himmel wenn du nicht willst, lasz es bleiben Fischer schwäb. 6, 1460. als neutrum: (bei der beschreibung einer reiterkunst) nichts hinlässiges, nichts gezwungenes, sondern in allem ein solcher gehorsamb desz pferdes gegen jm Opitz Sidneys Arcadia (1638) 280. uneigentlich: dasz ich im ganzen Spinoza ... nichts so gezwungenes gefunden habe, als eben diese prästabilirte harmonie Herder 16, 462 S.; gerade das, worüber man (bei der erzählung) spottet, oder was man aufs gezwungenste rettet, ist das schönste 12, 171; die epischen formeln, im original natürliche wiederhohlungen, bekommen in der nachbildung etwas gezwungenes und schleppendes Jac. Grimm an Göthe bei Steig Göthe u. d. br. Grimm 174; das gezwungene in der schreibart Fr. Schlegel (1846) 1, 85; das gezwungene der situation O. Jahn Mozart (1856) 4, 518; sein ganzes wesen hatte etwas gezwungenes und studirtes Jul. Petri rothe erde (1895) 186.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gezwungen

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gezwungen , partic.-adjektiv ( adverb ) vom vb. zwingen, seit dem späten mhd. gegenüber dem vb. verselbstständigt ( doch…

  2. Sprichwörter
    Gezwungen

    Wander (Sprichwörter)

    Gezwungen Was man gezwungen thut, das bringt selten gut. – Petri, II, 603.

  3. Spezial
    gezwungen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ge|zwun|gen adj. sforzé (-zá, -zada), artifizial (-ai, -a). ▬ gezwungen sein zu messëi ; gezwungen lachen rí por sforz.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gezwungen

9 Bildungen · 5 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

gezwungen‑ als Erstglied (5 von 5)

gezwungendeutsch

DWB

gezwungen·deutsch

gezwungendeutsch , n. : zwang- sive gezwungenteutsch stylus affectatus, asper, horridus; dicimus etiam unteutsch, quando quis ita loquitur &…

gezwungenermaszen

DWB

gezwungenermaszen , gezwungenerweise , s. oben sp. 7264 gezwungen A 2 d.

gezwungenheit

DWB

gezwungen·heit

gezwungenheit , f. , gebildet vom adj. gezwungen, an dessen hauptbedeutungen es anschlieszt. vgl. noch unten zwungenheit, ferner teil 11, 3,…

gezwungenlich

DWB

gezwungen·lich

gezwungenlich , adj. , erweitert aus gezwungen; schon althochdeutsch. vgl. auch unten zwungenlich und ( teil 11, 3, 957) ungezwungenlich: ob…

gezwungen als Zweitglied (2 von 2)

notgezwungen

DRW

not·gezwungen

notgezwungen, adj. wie notbezwungen (I) die erben werdent antweders genennet die notbezwungnen oder gesipt bezwungenen oder die frembden. ei…

ungezwungen

DWB

ungezwungen , part.-adj. adv. zu zwingen, nicht gezwungen ( s. d. ); erst im 15. jh. ( städtechron. 4, 310 Augsburg ), früheres ahd. unbidwu…

Ableitungen von gezwungen (2 von 2)

ungezwungen

DWB

ungezwungen , part.-adj. adv. zu zwingen, nicht gezwungen ( s. d. ); erst im 15. jh. ( städtechron. 4, 310 Augsburg ), früheres ahd. unbidwu…

ungezwungenlich

DWB

ungezwungenlich , veraltetes adv., gth. v. gezwungenlich ( s. d. ). mhd. ungetwungenlîche Steierm. landrecht 157. ongezwongenlich Knebel chr…