zug,
m. ,
ahd. zuc,
in obliq. cas. u. zuss. zugi Graff 5, 611,
vgl. Schatz
altbair. gr. § 103,
mhd. zuc
mhd. wb. 3, 931
a; Lexer 3, 1163,
mnd. toch, toge Schiller-Lübben 4, 556
f.; ags. tyge Bosworth-Toller 1028
a,
me. tige
u. ä. Stratmann-Bradley 622
b.
es fehlt im nord. und ist im got. nicht belegt. es ist ein verbalabstract auf -i
mit schwachstufiger wurzel, vielleicht erst westgerm. entstehung. die verhältnismäszig dürftige belegung im ahd. und mhd. (
in Notkers
Boethius und Hartmanns
Iwein kommt es nicht vor)
kann nicht der thatsächlichen verbreitung entsprechen, denn im frühnhd. tritt es in sehr mannigfacher bedeutung auf, u. die abstracte anwendung in manchen mhd. belegen weist auf eine längere entwicklung: er hete an krefte alsolhen zuc, vil künege wâren sîne man, mit krôntem lîbe undertân Wolfram
Parz. 13, 22; ir tuot der freude alsolhen zuc 533, 2;
[] ze helle zôch er eines zuges vil ungetoufter geiste Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 12582.
im nhd. besonders seit beginn des 18.
jh. hat zug
seine bedeutungen neu und mannigfach entwickelt, wie das fehlen mancher heute geläufigen verwendungen noch bei Stieler 2630
zeigt. sie sind in der schriftmäszigen sprache ausgebildet u. von den maa. nur vereinzelt übernommen. neben eigenen antrieben ist dabei die einwirkung allgemein abendländischer erscheinungen, bes. im fr., nicht zu verkennen. s. u. bei 11.
wenn der auslaut als verschluszlaut gesprochen wird, kann zug
sich mit zuck
berühren, vgl. sp. 281, 6: ein zug, ein kleiner augenblick führt dich zun ewigkeiten G. W. Sacer
bei Fischer-Tümpel 4, 507
b.
allgemein ist in frühnhd. zeit auf alemannischem boden die vermischung mit züg, zeug,
m., in der bedeutung kriegszug, feldheer, s. u. II A 2 c; und sie fuortend den zeüg wider die Midianiter
Züricher bibel (1530)
4. Mos. 31; dann ein ... starker züg zuo rosz und fuosz ist mit einem gächen sturm über zün und muren inprochen
N. Manuel
weinbrief (
weinspiel vi
ndr.); wolan das newe jahr, in welchem unsre frewd und glick ernewern wirt, ist förtig umbzuschlagen, und will durch newen zeug und zug das alte leyd und nach dem alten jahr selbs unsren feind verjagen G. R. Weckherlin 2, 216
lit. ver. bedeutungen. II. zug
bezeichnet die thätigkeit und den vorgang des ziehens, wobei neben dem fortschaffen einer last die angespannte wirkung in einer bestimmten richtung zum ausdruck kommt: wann man dann fort will, so werden ermeldte ancker vermittels eines starcken zugs ... wider auff in das schiff gezogen H. Welsch
wahrh. reisebeschr. (1658) 110; he brack sik losz mit twen togen
Reineke vos v. 6351
Prien; thAeten so starck die rhuoder zucken, als wolten fallen sie an den rucken in gleichem zug, in gleichem flug Fischart
glückh. schiff 13
ndr.; in sichrem gleichgewicht gehalten (
das pferd) durch den gelinderen zug der trense Klopstock
oden 2, 24
M.-P.; er ruht nun auch am sieb'nten tag von manchem zug und manchem schlag Göthe 16, 123
W.; und er lehrt die kunst der zange und der blasebälge zug Schiller 11, 296
G. danach in Augsburg der ort, wo schiffe ans land gezogen werden, zug Lexer 3, 1164,
vgl.zuck 5,
sp. 281.
ferner ruderzug remigium Frisius 1141
b. I@AA.
dabei treten die einzelnen theilvorstellungen in den vordergrund. I@A@11)
die beförderung einer last durch lebendige vorgespannte kraft, im gegensatz zum schieben, besonders von zugthieren: guote und gschickte zierosz, die guot im zug sind Frisius 1350
a; darzu sind xxx ochsen geordnet, die man abwechselt, das allewege zwei par am zuge gehen
F. Fabri
eigentl. beschreib. (1557) 163
a; Lehmann
florileg. 2, 936; das ist ein guter zug für ein junges kalb
N. Duez
prov. fr.-allem. (1679) 11; der zug des arbeitsviehes gehet nemlich von dem punkte, womit sie ziehen, niederwärts zu dem punkte, wo der schwengel am vorgestell befestiget ist Thär
ackergeräthe 1, 4. ein zug
ist dann auch ein gespann: scindere rura bubus ... mit dem pfluog oder zug bauwen Frisius 1170
b; den wagen für den zug spannen S. Franck
sprichw. (1541) 1, 2
a; ein zug ochsen Stieler 2630; Kramer 2, 1452
a; J. v. Müller 1, 240.
dazu rinderzug Frisius 163
b. ein zug pferde
ist meist ein gespann von einer farbe Jacobsson 4, 721
b; Guelfo, gebt mir den zug apfelschimmel zum erbtheil Klinger 1, 27.
als zähleinheit: nicht weniger als 30 züge vieh, durch welche das getreide ausgetreten wurde Ritter
erdk. 16, 67.
mundartlich e halbe zug
für ein zugthier Seiler
Basler ma. 328
b.
hierzu gehören [] viele zusammensetzungen: zugrind, -ochse,
-bulle, -stier, -pferd, -rosz,
-stute, -kameel; zugfähig, -fest,
-tauglich, zuggespann, -joch, -fahrzeug. so auch gelegentlich von menschen: drei züg tröscher haben in 13 wochen ... auf iren thail bekommen 15 muth 16 metzen
geschichtbücher der wiedertäufer in Österreich-Ungarn (
zeugnis von 1641) 464
Beck. vgl. u. II A 2
d. I@A@22)
die art der wirkung im gegensatz zu druck und stosz: vom schöpfer kam der trieb, der den planet belebt, stets mit dem zuge kämpft, der ihn zur sonne senket A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 72; wunder- und sonderbar ist sein (
des magnets) mächtiger zug, krafft welches er das sonst schwere und harte metall, das eisen, emporhebt Dannhawer
cat.-milch 1, 80; wie itzo die seiten auf der laute, deren wohl zehen aufgezogen werden, ehe man eine findet, die rein klinget und den zug aushält Butschky
Pathmos 139; nach der biegungstheorie wird in jedem trägerquerschnitte (
einer brücke) der eine gurt auf 'zug' ... beansprucht Karmarsch-Heeren 2
3, 81.
dazu unbegrenzte zusammensetzungen in der sprache der mechanik und technik, z. b. zughöhe, -leistung, -kraft, -spannung, -widerstand, -wirkung;
zuggurt, -strebe. I@A@33)
die wirkung in einer besonderen richtung: die kugel nam den zug nit an, sy thet zu gar gern abhin gan (
schützenausrede von 1504) Grob
ausreden d. schützen (1603),
zschr. f. d. altert. 3, 254; ihre kleidung folgt dem zuge eines jeden muskels H. Sturz 2, 65; (
sägezähne) stehen auf dem zug, wenn sie beim anziehen der säge angreifen, beim wegschieben sich lösen Mothes
baulex. 4, 523. I@A@44)
die besondere bewegungsart des ziehens, wobei der gezogene gegenstand der hand folgt. I@A@4@aa)
von saiteninstrumenten, wie schon mhd.: zeuch erstmal die öberste seyt so hoch das sie nicht leiden kan einen zoch
M. Agricola
musica instrum. (1528) 47
a; der spielmann sagt: 's ist genug, ich musz fideln noch einen zug Rückert 3, 11. I@A@4@bb)
von anderem, besonders schneidendem werkzeug: dise (
kisten) machet der meister in dem schlemgraben rein, so er mit bäsen ihr obertheil sanfft kehrt, nicht mit gleichen zügen, sonder jetzmahlen stracks, darnach in die quär Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1621) 257; darumb so ist die gewisser und nützer schnidung, die .., mit dem zug des messers und nit mit dem straich volbracht wierdt H. Österreicher
Columella 1, 270; zug mit dem schärmesser Kramer 2, 1452
a; so bald der schnitter hat nur einen zug gethan J. Rist
neuer t. Parnasz (1652) 252.
in freierer verwendung: es (
das schwert) hat den zug, wie es ihn haben musz Lessing 2, 374
M. I@A@4@cc)
von der scheinbar ziehenden bewegung werden die wehen züge
genannt: sind sie schwanger und gehen die züge heran, so werden sie auch bösz auff die männer J. Zader
breutigams ehrenkranz (1606) 161.
auch von anderen schmerzen wie ziehen
und reiszen: meine augen sind leidlich, der zug aber in den schenkeln und seiten fatal Göthe IV 3, 143
W. überhaupt für '
anfall',
siehe zschr. f. d. altert. 53, 154: er .. war ein fleisziger stiller arbeiter, bekam aber alle monat seinen zug; dann trank er drei tage H. Löns
mein braunes buch 106.
ausschlag im gesicht heiszt zug und flug oder aufzug Höfler 860
a. I@A@55)
es bleibt, bes. in älterer zeit, nur der begriff des einzelnen vorganges, während das ziehen aus der vorstellung schwindet. so kommt die bedeutung streich, kunstgriff heraus: er sprach: vrouwe, sitzet nider unt lernet uns die selben zuge, wie daʒ so gewesen muge Ebernand v. Erfurt 1401;
[] die fabel lert uns auch den zug, das man mit schaden erst wird klug Burk. Waldis
Esop. 2, 180
Kurz; wie kan dieser zug (
ein alter '
wurzelmann'
hat krankheiten in bäume gehext) in eine solche ferne .. würcken? Lohenstein
Arm. 2, 480
a.
plattd.: eenem eenen tog rieten
einem einen possen spielen Schütze
holst. id. 4, 253; dit was dem fursten ein hart toge (
dasz er seiner stiefmutter 5000
gulden geben musz) Schiller-Lübben 4, 557
b. I@BB.
diese bedeutungen haben sich in besonderen verwendungsbereichen eigenthümlich entfaltet. I@B@11)
in der musik, vgl. A 4 a: tirata [
ital.], tirade [
gall.]
s. f. bedeutet einen zug oder strich, u. überhaupt eine reihe vieler noten von einerley geltung J. G. Walther
music. lex. (1732) 609; eine nachtigal ... welche bald den grund langsam mit stetem zuge, bald die höhe mit geschwind- und gedrehetem gelispel ... berührte Ph. Zesen
rosenm. (1651) 4; den .. chorus .., der dem .. Philoktet sein ... ruhelied, in sanften, langsamen zügen singet Herder 3, 17
S.; sie (
die töne des kontrabasses) sind ... von einem ansprechenden feinen zug, dem man das kräftige wohl anmerkt Fr. Th. Vischer
ästhet. 3
4, 1036. I@B@22)
vom ziehen des netzes beim fischfang und vogelstellen, schon mhd.: captura zuc Diefenbach
n. gl. 74
b;
bolus ein anwurff oder zug mit dem garn (oder ein fang 640
a) Frisius 158
b; werffet eure netze aus, das ir einen zug thut
Luc. 5, 4; so nun der jäger .. will erfahren, was uber land oder am zug gefangen seie Sebiz
feldbau 567; ich fange auf einen zug zwey vögel Klinger 3, 194; einen zug sollt' er thun, wie er keinen gethan Schiller 12, 488
G. wie fang
ist zug
auch das gefangene: als so einer einem visscher ein zug abkauffte mit dem netz
clag, antwurt (
Augsburg 1497
bei H. Schönsperger) 87
a; haben .. dann einige tüchtige züge hechte und karpfen gefischt Scheffel 4, 50.
dann bezeichnet zug
verschiedene einrichtungen zum fischfang, eine an der tiefsten stelle eines fischteiches angebrachte grube, in der sich die fische beim ablassen sammeln Benzler
deichlex. 2, 298; Jacobsson 8, 283
b;
fischbüchl. 115,
in Luzern ein den durchlasz unter einer brücke sperrender kasten, der mit stangen hinaufgezogen werden konnte: es sint ouch zuge an stangen ze Lucern, die geltent jerlich ze zinse 100 stanbalchen (
eine art fische)
habsburg. urbar 1, 215
Maag. weiter die fischgerechtigkeit in einem gewässer: de der ersten kumpt in de Kernemelckes siell, de schal den köer hebben, wer he wil den haeken hebben edder dat toch in der Schulower Lake
Hamburger fischerlade (1469) 1 A 5, 15; (
auf dem Heuwerder) ... mochte men to voete uthtreden unde warpen de seyne in dat water unde theen wedder to hande to. den toch seden se em hueraftich to (
als eigenthum, das er verkaufen oder vermieten kann) Rüdiger
zunftrollen 65 (
die beiden belege aus d. samml. d. hamb. wörterbuchs).
überhaupt ist es der ort der fischgerechtigkeit u. wo man fischt: de garne de se up den toghen hebben
hschr. eintrag von Walther zu Schiller-Lübben. in der Schweiz zug (
abtheil. eines fischwassers) Buck
flurnamenb. 313 (
wie fischenz, fischweide).
überhaupt von seitenarmen, altwässern: da sollen auch alle alte flusz und zöge, da man var zeiten lastschiff hingelegt hat, geraumet werden
Frankfurter zunfturk. (1607) 1, 211; der Lange Zug (
seitenarm der Alster in Hamburg).
eine reihe weidmännischer bedeutungen von zug
nennt Heppe
aufricht. lehrprinz 47
f. zug
als mittel zum anlocken des wildes haushaltung in vorwerken (1569/70)
schr. der kgl. sächs. komm. f. gesch. 19, 225.
aus dem zug
bei fischerei und jagd erklärt sich auch vermuthlich die in der umgangsspr. und den maa. verbreitete wendung einen auf dem zuge haben,
ähnlich wie einen auf dem strich haben.
für das alter der wendung spricht, trotz der abweichenden präp.: die edel hertzogin keyn andren trost sunst von nyemants enpfahen mocht (
alle meiden sie), dann das gantz Britanien sye in dem züg hat,
[] wie wol jung und alt grosz mitleiden mit ir hatten Wickram 1, 148
Bolte. I@B@33)
davon oft auf das ziehen bei der lotterie und den gewinn beim spiel übertragen: Calvia Crispinilla, die eben einen groszen zug von vielem gelde gethan hatte A. U. v. Braunschweig
Octavia 4, 133; auf'n ersten zug war er (
der haupttreffer) heraus Nestroy 1, 80.
von erfolgreicher diebs- oder bettelfahrt Oswald
rinnsteinspr. 172.
dazu geltzug
acquisitio pecuniae Stieler 2630. I@B@44)
vom ziehen der figuren beim brettspiel, schon mhd.: wer aber einen solchen guotten zug thuot, und zeucht den rechten steyn, der gewinnet das spill J. Agricola
t. sprichw. (1534) i 7
a; ich stehe immer wie über einem schachspiele und halte keinen zug des gegners für unbedeutend Göthe 8, 224
W.; einen zug vorgeben, zurücknehmen; der zug ist an einem; ein schachspiel zug auf zug.
daher in der geschäftssprache die erfüllung zug um zug,
die leistung gegen empfang der leistung bgb. § 274,
wie it. tratta à tratta, toccare robba per robba z. um z. handeln Kramer 2, 1452
a,
s. auch Jacobsson 8, 284
a; sie sollten sich schämen, mit mir auf so genaue rechnung zu leben. zug um zug ist eine regel in der handlung, aber nicht in der freundschaft Lessing 17, 190
M.; zwischen freunden musz nicht alles zug für zug gehen Göthe IV 33, 130
W. weiterhin heiszt zug für zug
einfach '
eins ums andere', '
schrittweise' Seume
gedichte (1804) 4; Fontane I 6, 65; Ludendorff
kriegser. 220. I@B@55)
bei der peinlichen frage ist zug
das anziehen auf der leiter Zedler
universallex. 63, 1194 (
vgl. 44, 1451),
überhaupt der einzelne zugriff bei der folter Frisch 2, 484
b: über dieser aussage hielt der knecht drey grausame züge und das brennen mit schwefel beständig aus Lohenstein
Armin. 2, 122
a. I@B@66)
in gemeiner anwendung auf das geschlechtliche: gemeine metz, dirn, hur, so keinen zug abschlegt P. Apherdianus
meth. discendi 283.
oft in den fastnachtspielen. I@B@77)
von alters wird in der weberei von zug
gesprochen, durch welchen die feine wolle ausgesondert wird Zedler
universallex. 63, 1196: so schal nemant kopen werk, dat anderwerff getogen is up anderen toch Schiller-Lübben (1393) 4, 557
b.
die feine wolle ist der kammzug (Laplata-kammzug
der handelsberichte),
der abfall zugabrisz Lueger 5, 409.
sonst kommt in der sprache der gewerbe noch vor candirte züge,
vom obst durchschlagenes mark, mit zucker candirt Jacobsson 4, 722
b. I@B@88)
im bergbau ist zug I@B@8@aa)
das abmessen der gruben, grubenzug, wenn unter der erde, tagezug, wenn am tage verrichtet Wolff
math. lex. (1747) 1453; Eggers 2, 1404; Fäsch 273
b.
dazu markscheiderzug Jacobsson 4, 721
b; Hübner-Rüder 4, 1036
a. zug zulegen
die ausmessung in einem verjüngten maszstabe zu papier bringen Jacobsson 4, 723
b.
die aufnahmen werden ins zugbuch eingetragen Veith 596. zug
ist auch die vermessene länge 595. I@B@8@bb)
eine anzahl von gängen, lagern, gruben, die beieinander liegen Schönberg
berginf. 2, 112; Veith 594
f., vgl. die beschreibung bei Lori
bair. bergr. 239
f.: zcwene, drey, vir, funff oder vi zcechen, die uff clufften und zcugen aneinander gelegen sint H. Ermisch
sächs. bergrecht d. mittelalters 94 (
bel. von 1479); war all sein geschrey und wundsch, wachs ertz wachs, ein findiger zug oder gute kux die thätens Mathesius
Sarepta (1679) 52.
unterschieden werden ein flacher zug
vom seigeren zug (
in senkrechter ebene) Veith. I@B@99)
in der alten rechtssprache war zug
der weg einer rechtserholung der schöffen und dann der berufung der beschwerten partei nach einem bestimmten benachbarten gericht. sie unterscheidet sich von der heutigen berufung (
vgl.rechtszug
th. 8, 442)
dadurch, dasz sie nicht vom unteren zum oberen richter ging J. Grimm
rechtsaltert. 2
4, 463
ff.; Zedler
universallex. (1750) 63, 1193.
s. ziehen Lexer 3, 1105.
es hatte z. b. Orlamünde den zug
nach [] Jena, rheingauische gerichte nach Eltville, Rüdesheim, Lorch. eine längere beschreibung eines solchen zuges
schlieszt: und sol ouch da iegklicher zug ein ende han
weisth. (1347) 1, 31
f. aus diesem zugrecht,
vgl. d. w., ergibt sich die bedeutung '
aufschub', '
frist',
auch in allgemeinem sinne: toge oder zuge oder frist
inducie voc. theut. (1482) g g 2
r; zug geben
chr. d. st. 4, 107; züg und tag geben
bad. weist. 1, 1, 273 (1480); zúg und zil geben
urkundenb. d. stadt Rottweil 1, 377; ane czoge .. bezalen
lehnsurk. Schlesiens 2, 590; sunder, ane toch Schiller-Lübben 4, 557; aber syn unschuld erzelet er und begerte aines zugs sich ze bedenken, die selben für ze bringen, ... der zug ward im gegeben Steinhöwel
Äsop 307
lit. ver. eine andere verwendung in der rechtssprache ist auf das alemannische gebiet beschränkt: unzinszbare und freye ledige güter, die von freyen zügen härkommend Frisius 1038
b; ein gut mit rechten zügen überkommen 728
b (
ähnl. 924
a; 1181
a); was von rechten zügen und guoten guot hie ist, das wöl got gesegnen Pauli
schimpf u. ernst 132
lit. ver. eine dritte verwendung s. bei zugrecht. I@B@1010)
allgemein üblich sind anwendungen, die vom einziehen des athems ausgehen. I@B@10@aa)
vom athmen: raucus tractus ein zug mit groszem gereüsch oder getösz Frisius 1321
b; gleich sich wider ins peth gelegt, und wenig züg gethan ... alsbald ... verschiden J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 21; ein klarer music-schall werd meiner seufzen zug G. Weckherlin 1, 262
lit. ver.; ich ringe mit dem athem, jeder zug, den ich .. wage, macht den folgenden immer beschwerlicher Gellert 5, 28; lasz mich in vollen, in durstigen zügen trinken die freie, die himmlische luft Schiller 12, 487
G.; Fox ... atmete in vollen zügen die lebensluft ein, welche der anfang der französischen revolution ... ausströmte Dahlmann
gesch. der frz. revol. 426. den letzten zug, die letzten züge
thut man im sterben: Frisius 459
a; 462
a; 525
a;
daher die ausdrücke für die augenblicke des fliehenden lebens: nembt war: Jesus, der falsche man, hat seinen letsten zug gethan!
Brixener passion 2832
Wackernell. vorherrschend und heute allein üblich in den letzten zügen liegen,
seit Luthers
bibel Marc. 5, 23;
Luc. 8, 42,
veraltet ist in letzten zügen l.,
von Luther
an, beliebt im 17.
jh., bis ins 19.
jh. hinein, noch Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 168; Brentano 2, 75, in, an (den) zügen l. Frisius 451
a,
öfter im 16.
und 17.
jh. früher in allerlei anderen abwandlungen: in die züge greifen H. Sachs 10, 374
K.; Guarinonius
greuel 1074; bis ... der kranck in die züg oder ins grab getretten ist 998; wenn es an die züge geet Luther 10, 3, 165; 12, 361
W.; wenns zu der not kumpt und zu den zügen 34, 2, 41; wenn die züge her gehen 17, 1, 296; 34, 1, 130; wen der zug und streckbein kompt 33, 76.
gelegentlich übertragen, bei deutlicher persönlicher vorstellung: allein jetzo ist es (
das plattd.) ganz herunter gekommen und liegt in den letzten zügen Gottsched
beytr. zur crit. hist. 1, 310; Genua liegt wirklich in den letzten zügen Schiller 3, 23
G. adverbial verwandt geht die bedeutung in die zeitliche der '
sterbestunde',
der '
todesnoth'
über: güter können nicht helffen in den letzten zügen Luther 28, 670
W.; er fabelte gewisz in letzten zügen Göthe 14, 146
W. (
Faust 2962); in des papillons gestalt flattr' ich, nach den letzten zügen, zu den vielgeliebten stellen 1, 51
W. ich benutze seine (
des jahres) letzten züge, dir zu schreiben Moltke 6, 185. I@B@10@bb)
vom trinken: Frisius 273
c; ein zug wein, ein zug bier Kramer 2, 1452
a, aus der kannen Wickram 2, 44
[] Bolte; tut drauf ein trunk, ...: neun züg und beide backen voll Uhland
volksl. 573; dann flosz unerschöpflich die quelle, bis durch starke züge der lechzende wandrer gelabt war Klopstock
Messias 10, 399; wir schlürfen gern in vollem zug Uhland
ged. 1, 277; man thut einen tiefen, mächtigen, trefflichen, tüchtigen, tapferen, herzhaften zug, einen pommerschen zug; man trinkt in langen, groszen, gierigen, bedächtigen zü
gen. man leert ein gefäsz auf einen zug Chr. Reuter
Schelmuffsky 55
ndr.; Göthe 14, 41
W. (
Faust 728),
auch in, mit einem zuge. einen guten zug hat,
wer tüchtig trinken kann. danach von genüssen und freuden jeglicher art, seit mitte 18.
jh. belegt: alles sog es (
das herz) in sich mit vollen zügen
F. H. Jacobi 5, 14; ich bin selig in vollen zügen Heinse 10, 136
Schüddekopf; ich wollte einmal das leben in vollen zügen genieszen D. v. Liliencron 2, 124 (
auf der hühnerjagd). I@B@10@cc)
vom rauchen: es sahe sich possierlich zu, wenn er rauchte, denn es kam auf jeden zug eine gewaltige menge rauch heraus
Leipz. avanturieur 1, 111.
mit umlegung des subj.: die pfeife hat keinen zug. I@B@1111)
noch mannigfacher sind die verwendungen, welche vom ziehen des stiftes oder der feder beim zeichnen und schreiben ausgegangen sind. dies gehört zumeist den beiden letzten jahrhunderten an und berührt sich vielfach mit dem franz. trait,
s. Littré 4, 1302
ff. Stieler
kennt davon nur züge auf den briefen 2630. I@B@11@aa)
vom wirklichen zeichnen oder schreiben. I@B@11@a@aα)
es ist das ziehen des stiftes, der feder oder des pinsels: Kramer 2, 1452
a;
lineam ducere einen zog oder strich thun mit der farbe oder feddern Bas. Faber (1587) 452
b; nahm er die ... schreibfeder, ... und begann ... kopf und brustschild ... in langsamen zügen damit zu bestreichen Th. Storm 1, 76; oder einer ein quadrangel machet ausz dem freyen zug Paracelsus
op. (1616) 2, 317; ich fing ... damit an, allerley mathematische figuren aus freyer hand ... zu entwerfen, um sie zur sicherheit im zuge zu bringen Heinse 4, 39
Schüddekopf; David und Goliath, die er (
beim miniaturenmalen) so gut im zug hatte Scheffel 1, 222. I@B@11@a@bβ)
es bezeichnet die besondere form und führung der linien: auch gewint ein krume lini ... kein eck, und ob der zug gleich ablang wer A. Dürer
unterweisung der messung (1525) e 1
a; nun liset er die beschwerung, macht mit koln oder kreiden vil seltzam züg und caracter in den kreis H. Sachs 21, 283
G.; die gleichweitigen züge, welche fort und fort in gleicher weite von einander stehen, und niemahls zusammenkommen Zesen
kriegsarbeit (1672) 1, 17; schwarze wurmförmige züge auf weiszem grunde Göthe II 5, 1, 49
W.; zirkelzug Stieler; Kramer 2, 1452
a.
in weiterer anwendung: die rechte hand beschreibt langsam steigend in gleichmäszigem zuge einen bogen von osten nach westen v.
d. Steinen
naturvölker Zentral-Brasiliens 70; ein zug strahliger, elastischer fasern geht vom schildknorpelwinkel ... aus Sömmerring
vom bau des menschl. körpers 5, 241. I@B@11@a@gγ)
es ist das geschriebene oder gezeichnete, mhd. schon gelegentlich Daniel 4637
Hübner, aber später mehr von der form u. weniger von der bedeutung der buchstaben: formae et tractus literarum die züge der buchstaben B. Faber (1537) 262
b;
ductus lit. züg oder strich der buchstaben Maaler 524
a; also mach mit solcher fassung der federn, unverruckt, alle deine züg und buchstaben Ant. Neudörffer
schreibkunst (1601) 1, k 1
b; züge auf den briefen Stieler; schwungvolle, krause, unleserliche züge; ich mache bisweilen, wenn ich recht in der arbeit bin, ganz und gar nur züge statt der buchstaben Klopstock
an Ebert 143
Lappenberg; aber entzifferst du hier der göttin heilige lettern, überall siehst du sie dann, auch in verändertem zug Göthe 3, 87
W. [] so bezeichnen züge
die handschrift als eigenthümlichkeit des schreibers u. ä.: es ist die hand deiner ... frau ... es sind noch die züge, worin sich dir ehedem das beste herz ausdrückte J. Möser 1, 411; die züge deiner, seiner hand
u. ä.; die schrift war augenscheinlich die .. eines alten mannes, wie die .. zitternden züge verriethen Stifter 3, 133; die züge der majuskeln widersprechen dem 11 ten (
jh.) nicht, aber groszentheils dem 13 ten J. Grimm
kl. schr. 5, 6.
der zug
ist der namenszug: als sie nun die überschrift (
des schreibens) und den zug, so man pflegt darunter zu machen, lang angesehen
grillenvertreiber 55; und also sei zum schlusz, was wir bisher bethätigt, für alle folgezeit durch schrift und zug bestätigt Göthe 15, 286 (
Faust 10966). I@B@11@a@dδ)
insbesondere wird zug
von allerlei gemaltem oder geschriebenem oder ähnlichem zierat gebraucht: man schreibt kurrent, kanzley, fraktur mit zügen Sonnenfels
ges. schr. 2, 122; schreiben und zugmalen
allg. d. bibl. anh. zu bd. 25—36, 1628; wie man jetzt auff die schönen und glatten venedischen gleser mit demant allerley laubwerck und schöne züge reiszet Mathesius
Sarepta 195
b;
coronis .. ein krummer zug, den man zu end einer schrift macht Corvinus (1646) 225; ein ... kleid ..., worunter ein von blasz-rosenfarb und silbernen zügen und bendelwerk gestickter rock sich zeigte J.
M. v. Loen
der redliche mann am hofe (1740) 265.
zugbuchstaben sind eine art von zierbuchstaben Chomels öc.-phys. lex. 8, 954; Sonnenfels
ges. schr. 2, 126,
in der druckersprache züge
eine besondere art zierat, federzüge Klenz 111
b.
auch in der heraldik: der schilt ist ûz und ûz gespenget an dem zeichen und an dem zuge
minnesinger 2, 365
a (
des wilden Alexanders minneleich); zug
ductus sinister, taillé, ist eine diagonal von der lincken Schumacher
wapenkunst 87; visirbilder sind diejenigen züge und figuren, welche den schild in gleicher distance wechselweise von metall und farben füllen 22,
vgl.C 2 b. I@B@11@a@eε)
als kunstwerk der malerei bezeichnet zug,
wie frz. trait Littré 4, 1303,
die linien, die einen raum der oberfläche und ihre theile einschlieszen, wie lineament Jacobsson 4, 721
b; diese häszlichen zierrathen stellen euch tausend ungerade und ungeheure züge und lineamente vor, die kein original in der natur haben
discourse der mahlern (1721) 2, 132; ein guter mahler thut keinen zug, der nicht ein lineament von einem objecte bezeichne 3, 165.
so können züge
die zeichenkunst schlechthin bezeichnen: es ist .. gesagt, wie schwer es sei, .. töne in züge zu verwandeln Herder 6, 297
S.; welche wonne, in zügen und farben dem unaussprechlichen näher zu treten! Göthe 24, 371
W. I@B@11@bb)
solche züge
sind mittel der darstellung, zunächst der bildlichen: wie in einem gemähl, ein kleiner schatte, oder ein einziger zug kan machen, das solches dem ersten ganz gleich oder uneben scheine Butschky
Pathmos 245; freylich sind diese züge des gemäldes manchem unsichtbar Klopstock
gelehrtenrepublik 157; eine solche miene, wenn sie im gemälde in bleibenden zügen festgehalten wird Wackenroder
herzensergieszungen 89; wenn ich die köpfe eurer apostel ... zug für zug auf meine tafel übertrage 45.
weiter von der darstellung durch das wort und den entsprechenden eindrücken auf das bewusztsein: Tasso beschreibet seinen Satan ... mit folgenden zügen Bodmer
von dem wunderbaren 35; Clavigo: das ist unartig, Carlos, und übertrieben. Carlos: nicht um einen zug Göthe 11, 97
W.; was er für den kaiser gethan hatte, stand mit glühenden zügen in sein gedächtnisz geschrieben Schiller 8, 249
G.; etwas wird mit, in groszen, starken, allgemeinen, flüchtigen, kurzen zügen dargestellt, bleibt in der seele haften. I@B@11@cc) züge
sind die ein menschliches angesicht kennzeichnenden linien, frz. trait.
dies fehlt noch bei Stieler
und Kramer
und erscheint seit ende des 17.
jh., allgemeiner im 18.,
zunächst im sinne des malers und des [] physiognomen: dadurch man ... das angebohrne böse und guhte des hertzens sehen kan ..., ja aus den strichen und zügen unsers gesichtes Zesen
rosenmand 39; mit ahnenden augen bemerk' ich lineament' und züg' auf deinem antlitz verstreut Bodmer
Noah 13 (1, 262); so ein unnennbar himmlisches im menschlichen auge: das zusammengesetzte aller züge und mienen Lavater
physiogn. fragm. 1, 4; diesz hindert aber nicht, dasz nicht auch feste und ruhende züge anmuth zeigen könnten. diese festen züge waren ursprünglich nichts als bewegungen, die .. bey oftmaliger erneuerung ... bleibende spuren eindrückten Schiller 10, 79
G. (
vgl. 89); eiserne maske ... wohlgebildete züge darstellend Göthe III 12, 181
W.; ihr habt einen zug von eurem vater an der lippe Brentano 7, 56.
in diesen zügen spricht sich der vorübergehende zustand oder das bleibende wesen der personen aus: (
der maler) kann zwar einige züge und lineamente der gemüthsneigungen ... nachbilden Breitinger
crit. dichtk. 1, 18; wobei ein wilder, schiefer zug um ihren sonst so schönen mund schwebte G. Keller 4, 60; ein feiner lauernder zug um mund und wange Göthe 8, 50
W.; wie wunderbar! das anschaun thut mir gnüge, im widerwärtigen grosze tüchtige züge 15, 118 (
Faust 7182); sieh! deine reinen, edlen züge wissen noch nichts von dieser unglücksel'gen that Schiller 12, 240
G. die züge
werden dann zur einheit und bezeichnen das antlitz des einzelnen menschen als eigenthümliches ganzes: diesz sind des groszen Reinbecks züge, diesz ist sein holdes angesicht Brockes
ird. vergn. 8, 581; die züge des priesters erkennt er schnell Schiller 11, 386
G. (
ähnl, 11, 342); meine züge hat er mit sorgfalt auf eine tasse gebracht Göthe IV 41, 105
W.; ein mädchen mit verstörten schönen zügen Storm 1, 35.
in demselben sinne spricht man auch von den zügen der hand: in dem angesicht eines menschen, in den zügen seiner hand las er dessen schicksal Ranke 1, 64; er sah auf ihr jenen feinen zug geheimen schmerzes, der sich so gerne schöner frauenhände bemächtigt, die nachts auf krankem herzen liegen Th. Storm 1, 35.
formelhaft geworden sind auch die züge der natur. I@B@11@dd)
von da aus hat sich entwickelt zug
als '
eigenthümlichkeit', '
eigenschaft',
charakterzug, auch vorübergehender art, von menschen und menschlichen zuständen. auch hierin geht es mit frz. trait
zusammen: zeugt nicht von seinem hasz und irthum zur genüge, dasz er den Galliern schreibt zu der Teutschen züge? H. v. Abschatz
bei Lohenstein Arm. 1, e 1; nur sizzt mir ein stiller trauriger zug über der seele Göthe IV 3, 152
W.; diese (
die Römer) hatten noch immer grosze züge, aber der Dänen hauptkarakter ist das kleine Fr. L. v. Stolberg
an Vosz 9; wenn er sich ... des mädchens ursprüngliche schöne natur ... zug für zug vorhielt Mörike 3, 65; gerechtigkeit, redlichkeit und unbestechlichkeit prägten sich in jedem zuge von Scharnhorsts charakter aus Häusser
d. gesch. 3
2, 150; ein zug von grösze G. Forster 6, 217, von güte Caroline 1, 58
Waitz; ein tiefer zug von gemeinheit G. Keller 4, 40; liebenswürdige, menschliche, sanfte, herbe, störende züge.
häufig sind es die merkwürdigen, hervorstechenden, herrschenden, wesentlichen, bezeichnenden, unterscheidenden züge.
bei anwendung auf abstracta bleibt immer das persönliche bewuszt: alle poesie hat einen tragischen zug Novalis 2, 253
Minor; der realistische zug der gegenwart Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 88; denn wenn das essen auch jeden zug der arbeit hat ..., so fehlt ihm doch das sittliche motiv und ziel Riehl
deutsche arbeit 6.
dies berührt sich manchmal mit B 2
d. [] im anfang des 18.
jh. wurde zug
bei gleicher grundanschauung auf die geistige, besonders die poetische fähigkeit eingeschränkt: denn fürs erste haben sie (
die cavaliere) von denen frantzösischen scribenten den artigen zug, welchen man in briefen halten musz, schon gelernet B. Neukirch
anweisung zu teutschen briefen (1709) 311; und ob uns die natur mit einem pfund versehn, ob sie bei der gebuhrt uns mit dem zug beglücket, der feurig und belebt und sich zur dichtkunst schicket Hagedorn
nebenstunden 59
DLD. I@B@11@ee)
indem dabei sich der nachdruck auf das einzelne legt, sind züge
die einzelnen handlungen, die einen charakter oder zustand kennzeichnen, und solche einzelheiten, die davon berichtet werden: er nahm sie (2000
scudi u. eine kostbare perle) mit der rechten und gab mit der linken das zeichen zur hinrichtung des cardinals. dieser zug machte Fausten .. wahnsinnig Klinger
w. 3, 247; er erzählte verschiedene lächerliche züge von der gesellschaft Göthe 22, 59
W.; nach diesem ersten ... haben wir charakteristische skizzen, einzelne biographische züge ... mitgetheilt II, 3, 11
W.; es fehlte nicht an zügen ehrloser unterwürfigkeit Treitschke
d. gesch. 1, 251.
besonders gern bezogen auf literarische darstellungen. da sind es entweder stoffliche einzelheiten oder eigenthümliche darstellungsweisen: den stof dazu (
zu dem trauerspiel) wird man hier eben so wenig ... in einer oder der andern geschichte finden, die züge dazu in jeder Klinger
neues theater 1, 107; hier muszte ich an sich gute züge den gränzen der bühne ... aufopfern Schiller
br. 1, 42; ein ganz der natur abgelauschter zug J. Grimm
Reinhart Fuchs VIII; treffende, beiszende, komische züge. I@CC.
auf gegenstände übertragen bezeichnet zug I@C@11)
allerlei vorrichtungen, die zum ziehen dienen oder an denen gezogen wird. vorrichtungen um lasten zu heben wie hebezeug: hebzug, winde Frisius 217
b; Alberus (1540) bb 2
b; Golius 196; 254; zug rollscheib
girella, zug mit viel röllein Hulsius (1618) 1, 284
b; ein zug, kranich 2, 136
b; das holtz mit dem zug aufziehen Kramer 2, 1452
a; mit dem eisernen treibhut, welcher ... an einem kranich, zug oder keffer henget Mathesius
Sarepta 149
b; das ander ende aber des seiles erstrecket sich unten hinab auff den zug oder haspel
theatr. machinarum (1607) 1, 89.
ebenso mnd. toch
nd. jahrb. 46, 7.
an einer mühle: mornends bunden sy mich (
den esel) an ain joch des zuges diser mülin
N. v. Wyle
translat. 275
K. für zugbrücke: item zu dem zoge zu dem Reichenbacher turme 6
gr. cod. dipl. Lusatiae super. (1426) 1, 273.
mnd. toch Schiller-Lübben 4, 557
a.
werkzeug der böttcher, die dauben zusammenzuziehen Zedler
universallex. 63 (1750) 1196; Popowitsch
versuch 646; Jacobsson 8, 283
b.
flaschenzug im takelwerk eines schiffes G. R. Weckherlin 2, 171
Fischer. noch mundartlich Gangler
luxemb. 493.
vorrichtung, eine thür zu öffnen oder schlieszen: runde löcher ..., die man durch züeg mit eysin beschlagen leden auff und zu mög thon A. Dürer
underr. z. befest. d. stett (1527) c 1
a; die untere thür oben beym zug (
schloszzug) aufmachen Kramer 2, 1452
a; wie gut, dasz ich den heimlichen zug an der thür hab' anbringen lassen Herm. Schmid
alte u. neue gesch. aus Bayern 294.
ähnlich gedacht züge
an deichen Benzler 2, 298;
theutonista 398
b Verdam. im orgelwerk der schieber, der die windlade zum register des pfeifenwerks öffnet Jacobsson 8, 283
b; J. G. Walther
mus. lex. 67; zitternder zug (
art register) S. Hüttel
chr. d. st. Trautenau 221,
s.orgelzug
th. 7, 1350.
ähnliche unsichtbar angebrachte ziehvorrichtungen: der mönche zu Cantelburg betrug, welche ein besondern crucifix ... mit registern und zügen aufm rücken hatten zugerichtet, dasz es sich hatte mit dem angesichte,
[] munde und lippen nicken und bücken, regen und bewegen können W. Bütner
epitome historiar. (1596) 31
b.
ähnlich ollapatrida 369
ndr.; E. Th. A. Hoffmann 11, 77
Grisebach; Nestroy 3, 26.
in einer pumpe oder feuerspritze ist z.
der innere theil des ventils Jacobsson 4, 721
a,
auch das eisen, an dem der holm befestigt ist v. Schönberg
berginform. 2, 72; 112;
oder der kolben J. J. Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 423, Mothes 4, 523.
gegenstände an, oder mit denen gezogen wird, die züge
einer posaune, eines fernrohrs, sogen. englische züge
in einem schreibtisch, ein zug
an einem beutel, an einem gürtel, für ein elastisches band, für eine elastische uhrfeder Jacobsson 4, 721
b.
früher für sehne,
s. d. beleg aus F. Würtz
bei waldenwachs
th. 13, 1397.
hierzu gehören in der sprache des handwerks und der technik viele zss., welche verschiedenste zugvorrichtungen
bezeichnen, wie zugbank (
böttcher, gewehrfabrikation),
-block (
ramme),
-bolzen (
ramme),
-hebel (
windmühle),
-keil (
mühle),
-klinke (
webstuhl),
-rolle, -schwengel, -schwinge (
an einer wage),
-walze (
spinnerei),
-welle, zugbeutel, -fähre, -fernrohr, -gardine, -lampe, -harmonika, -säge, -vorhang. andere am alphabetischen ort. I@C@22)
auf anderen vorstellungen des ziehens beruhen. I@C@2@aa) zug
für zugpflaster:
cataplasma zug oder pflaster W. Brack d 4
a;
ceratum tzoch Diefenbach 114
a; ein alter scherer (
wundarzt) one zug B. Waldis
Esop 2, 244
Kurz; brauner z. Ryff
confectb. (1548) 285
a; gelber z. Steinbach 2, 1101; Göthe III 6, 76
W. etwas abweichend: szo lang der tzugk uff dem plaster bleibt, szo ist es guth H. v. Pfolspeundt
büntherznei (1460) 2.
veraltet. dazu mnd. tochswede
zugpflaster Sch.-L. 4, 558
a. I@C@2@bb)
in etwas längliches, hartes eingegrabene linien oder schmale bänder, vgl. I B 11 a
δ: das horn (
des seeeinhorns, eines fisches) (
ist) gantz gerade, sehr hart und so weis, ja rund herüm mit schiefen und zimlich tieffen zügen so zierlich ausgedrehet, das es scheinet, als wan es der künstliche drechseler aus elfenbein gedrechselt O. Dapper
Africa (1670) 25
a.
besonders sind züge
die in gewehrläufe eingeschnittenen bänder, das stehenbleibende sind die felder,
vgl. th. 3, 1479, 11.
die technik kommt im 17.
jh. auf: ein pürschrohr ... im abnehmen mit sieben zügen gefertiget v. Fleming
vollk. t. jäger (1719) 284; er (
der rost) hatte in der gegend, allwo das pulver und die kugel .. zu liegen kommt, sowohl die felder als züge abgefressen J.
F. Stahl
d. gewehrgerechte jäger (1762) 69. I@C@33) ein zug saiten,
ursprünglich wohl die zusammen auf ein instrument aufgezogenen saiten, dann eine folge zusammengehöriger saiten, die als ein satz (
th. 8, 1838)
in den handel kommt Stieler 2630; Zedler 63 (1750) 1195; Jacobsson 4, 721
b. IIII.
ein zug
ist die bewegung vieler oder von vielfachem hintereinander. es entspricht so dem intrans. ziehen.
im mhd. spärlich belegt Lexer 3, 1164,
tritt es im frühnhd. und dann weiter in reicher entfaltung auf. II@AA.
im raume. II@A@11)
von der bewegung einer menge von menschen: migratio zug Frisius 820
b;
profectio reisz, fart, zug 1068
a; völcker-zug Kramer 2, 1207
c; die züge der völker
migrationes gentium Gottsched
d. sprachk. (1748) 115; hatt .. 32 ross und 3 trommeter, hatten den zug vor den böhmischen herren H. v. Schweinichen 164
Österley; gedicht von dem zuge der stämme Israel durch die wüste Gerstenberg
recensionen 93
DLD.; die räuberische bande .. hatte ... jener herrschaft aufgepaszt .., von deren zug sie genaue nachricht muszte gehabt haben Göthe 22, 65
W.; o schöner tag! wenn endlich der soldat in's leben heimkehrt, in die menschlichkeit, zum frohen zug die fahnen sich entfalten Schiller 12, 89
G. [] als lang dauernder vorgang: dieser zug (
von stattlichen personen, trommelschlägern, pferden) hat ... viere stunden gedauert Prätorius
anthropodemus pluton. 2, 5.
seltener von einzelnen: solivagus der seinen zug gern allein hat Frisius 1223
b; zug von einem ort zum andern, verenderung der herberg Maaler 524
a; do er sich recht hinderdacht uff die wunderlich züge (
der seele)
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 3
a; auf das wir gleichsam flick werden ..., und den fröhlichen flug und zug thun mögen in seinen himmlischen freudensaal Dannhawer
catech.-milch 6, 18; mir machte der zug durch diese enge (
das Birschthal) eine grosze ruhige empfindung Göthe 19, 224
W. (
ähnlich 19, 108; 24, 362; IV 29, 280); aber der zug (
nach Lübeck) ist doch zu weit W. Grimm
an Dahlmann 1, 120.
nicht mehr üblich. oft knüpft sich daran die vorstellung des unbehinderten, des freien zuges: aber Sihon gestattet den kindern Israel den zug nicht durch seine grentze
4. Mos. 21, 23, so im heiligen reich von christelichen oberkeiten gemeinlich ein freier zug geordnet und die leibeigenschafft gar abgethan würde J. Schlusser
d. peürisch krieg (1573) 53; das recht, das jedem offen läszt den zug in alle welt Uhland
ged. 1, 70.
zugsfreiheit für freizügigheit hdwb. d. staatswiss. 3, 1264. II@A@22)
der zug
ist die ziehende menge als lebendige einheit: hiermit ging der ganze zug dem richtplatz zu Lindenborn
Diogenes 1, 144; es schleppt sich hinter dem könig beständig ein zug von zwölftausend pferden her Göthe 44, 37
W.; mein busen fühlt sich jugendlich erschüttert vom zauberhauch, der euren zug umwittert 14, 5
W.; die feuersäule, die vor dem zuge Israels wandelte W. Raabe
hungerpastor 2, 23; die endlosen züge der freiwilligen Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 156.
besonders von festlichen zügen
bei froher oder ernster feier: genius in pilgertracht eröffnet den zug Göthe 16, 235; da sie verordnet hatte, wie eine einfache bürgersfrau begraben zu werden, so konnte ich auf der strasze mitten in den zug treten und sie zu ihrer ruhestätte geleiten W. Grimm
an Dahlmann 1, 444; kutschen fehlten im zuge Fontane I 5, 14.
s. auch den beleg aus Schiller
bei 1. man kommt in langen, ganzen, groszen zügen heran. II@A@33)
insbesondere gebraucht von bewaffneten mengen, von truppen, ein wort der landsknechtszeit. II@A@3@aa)
im eigentlichen sinne der kriegsmäszige marsch, schon im 18.
jh. nicht mehr üblich Zedler
univ.-lex. 63 (1750), 1193: die (
Boier), die die römischen hauffen am zug angegriffen haben
J. Frontinus v. den guten räthen (1532) 5
b; wir haben .. die post aus dem dasz wir im zug gewesen sind und nit still gelegen sein, erst anheut abgefertigt
polit. corresp. Moritz v. Sachsen 1, 478; ich will, wie im zuge, also auch in der schlacht bei euch sein W. v. Kalchus
Sallust (1629) 231; sie solten nur gleich ihr kriegesgeräthe aufbinden und geraden weges über die ubische brücke ihren zug nehmen Lohenstein
Arm. 2, 259
b; wo auch sonst ein unteroffizier oder gemeiner auf der strasze oder zügen .. truncken oder voll betreten würde Fleming
vollk. t. soldat 97. zug und (oder) wacht
für den dienst des soldaten: ein kriegsmann stets mit hunger und durst, zuch und wacht ... leben mus
F. Dedekind
christl. ritter (1590) a 2
a.
im 18.
jh. noch als '
altes deutsches kriegswort'
üblich, in kriegsartikeln Fleming
vollk. t. soldat 135; 186; 427;
im soldatenabschied Zedler
univ.-lex. 63 (1750) 1193. II@A@3@bb)
dann ist es '
kriegerische unternehmung', '
heereszug',
in diesem sinne üblich geblieben: expeditio zug Alberus (1540) 114
a; Frisius 514
a; (
Nebukadnezar) lies aus gantz Syrien korn zufüren, zu seinem zug (
gegen Assyrien)
Judith 2, 9; von dem grossen zug, den chönig Sigmundt in die Thürkay thet Schiltberger 2
lit. ver.; in diesem zoge sollen zwo grewliche schlachten geschehen sein Schütz
hist. rer. pruss. 1, b 4
c;
[] ungerochen hat für zeiten niemand Deutschland kunt bestreiten; unbereichert wird mit nichten iemand ietzt den zug verrichten Logau
sinng. 143
Eitner; nun aber friede tröstend wiederkehret, kehrt unser sinn sich treulich nach dem alten, zu bauen auf, was kampf und zug zerstöret Göthe 4, 16
W. hierzu gehören zss. wie feldzug, kriegszug, Türkenzug, Römerzüge Stieler.
für den krieger ist zug
der feldzug, an dem er theilnimmt: sie (
d. entlassenen kriegsleute) möchten ihm zu ehren noch einen zug gegen danckbare erkenntligkeit mit ihm thun Lohenstein
Arm. 2, 1095
b; die ritter sprachen vom heiligen lande, ..., von abenteuern ihres zuges Novalis 4, 100
Minor; mein arm erfocht mir durch sechs saure züge zwar nicht an lohn, doch wunden volle gnüge Bürger 106
a Bohtz. dies ist durch feldzug
ganz verdrängt. II@A@3@cc) zug
war in der alten kriegssprache zugleich das kriegsbereite, mobile heer, hierfür in alem. quellen oft zeug
s. o. sp. 377.
jetzt veraltet, vgl. d: darnach fügt sich, dasz marggraf Egkberten von keiser Heinrichen ein statt ... belagert ward mit einem starcken zug Tschudi
chr. helvet. 1, 38; S. Paulus ... den catechismum ... einem zug vergleichet, da ie eine lehr der andern in schöner ordnung ... folgt Dannhawer
cat.-milch 1, 23; nun schickte .. Caesar den reisigen zug voran hin zu erkundigen, wo sich der feind hinaus zu wenden gemeinet Fleming
vollk. t. soldat 281; die zugordnung desz gantzen lägers ist also anzustellen, dasz sie in drey underschiedenen hauffen abgetheilet werden. der erste ... die avantgarde oder vorzug, der zweyte, die bataille oder mitler zug, der dritte arrieregarde oder nachzug Jacobi v. Wallhausen
corpus militare (1617) 90 (
nach ztschr. f. d. wortf. 14, 59)
vgl. auch abzug
th. 1, 160.
neben zug
erscheint in diesem sinne zeug, züg
als m., im südwesten. II@A@3@dd)
bezeichnet zug
im heereswesen die kleinste selbständige taktische einheit in der kompanie, schwadron oder batterie: division eine rotte, zug wornach ein bataillon oder ein oder mehr regimenter auf dem marsch abgetheilet werden Sperander (1727) 211
b; einen officier ..., welcher bey seiner kindheit angeführet worden, kleine gedrechselte männergen, ... zu stellen, sie mit zügen abzuführen und nach gefallen zu schwencken Fleming
vollk. t. soldat 9; bis sie einen zug husaren antraf, der den eigentlichen vortrab der hauptarmee machte Göthe 33, 23
W.; himmel donnerwetter, herr lieutenant, ihr zug schwenkt falsch; was machen sie denn? Holtei
erz. schr. 7, 244.
hierzu gehören militärische wörter wie zugbreite, -front, -kolonne, -schieszen, zugführer.
diese militärische verwendung ist anfang des 18.
jh. aufgekommen als übertragung der frz. division Zedlers
univ.-lex. 63, 1098; 1193.
sie schlieszt sich an die am ende von c
aus Jacobi v. Wallhausen
belegte an. II@A@44) zug
ist allgemein was sich einheitlich, in sich aufeinander folgend, vorwärts bewegt: wagen von erz, mit pferden bespannt, langschleppende züge, schwer beladne kameel' und elephanten mit thürmen Bodmer
Noah 6; es war eben die zeit des Bellenzer marcktes und die strasze des Gottharts war mit zügen sehr schönen viehes belebt Göthe IV 12, 334; während das reich in Trier ... rathschlagte, griffen Berlichingen und Selbitz jenen Nürnberger zug, welcher von der Leipziger messe kam, .. an Ranke 1, 136. II@A@55)
so war zug
bei der einführung der eisenbahn das gegebene wort für das engl. train.
anfang der vierziger war es, samt seinen ableitungen personen-, güter-, postzüge,
in der betriebessprache fest eingeführt, s. U. Hendschel
eisenbahnatlas (1844); Frhr. v. Reden
eisenbahnjahrbuch I (1846).
die allgemeine sprache, die vorher dampfwagen
vorzog, das zugleich locomotive
bedeutete, [] folgte erst allmählich: am ende aber hiesz es, ein letzter Berliner zug wäre noch zu erwarten A. Ruge
briefw. u. tageb. (1848) 2, 34. bahnzug
erscheint noch in einer ganz anderen bedeutung in dem titel einer druckschrift: bemerkungen über die wünschenswertheste bestimmung des bahnzuges für die von Hannover auf Verden ... Bremen zu führende eisenbahn ...
Stade 1842.
jetzt steckt das wort so tief in der sprache, dasz sich längst sprichwörtliche redensarten gebildet haben: sie hat den zug verpaszt (
keinen mann bekommen) Wander (
vor 1869) 5, 620; er ist mit dem letzten zuge angekommen (
ein dummer kerl) (
vor 1873) 621.
die bedeutung geht von der anschauung der einzelnen von einer locomotive
gezogenen wagenreihe bis zu dem begriff der planmäszig laufenden verkehrseinrichtung: da ward auch schon der zug wie im nu sichtbar Hoffmann v. Fallersleben 7, 240; gar niedlich stellen sich da oben zumal die groszen züge dar, wenn die lange wagenreihe sich so gelenkig durch wald und au hindurchschlängelt L. Steub
wanderungen im bayr. gebirge 126; der zug fuhr in eine grosze station ein Ebner-Eschenbach 8, 41 (
ähnl. Moltke 7, 35); 'der zug von Trautenau geht .. sechs uhr fünfundfünfzig', sagte der mit dem kursbuch Fontane I 6, 52; mein z.; der fahrplanmäszige, der letzte, der frühzug, nachtzug, schnellzug
u. s. w.; der zug wird gemeldet, der z. hat verspätung; man erreicht, versäumt den z.
dies wird dann wieder als regelmäszige erscheinung des tages verlebendigt: dann auch fuhr der Kiel-Altonaer zug vorbei, ... alles (
pflüger, pferde u. s. w.) mit seinem dicken weiszen qualm verschlingend D. v. Liliencron 7 (1912) 226.
von den zss., die sich der dienstbetrieb geschaffen hat, sind manche allgemeiner geläufig geworden, wie zugfolge, -theil, -gattung, -geschwindigkeit, -kilometer, -verspätung, zugführer,
zugpersonal. II@A@66)
von thieren, insbesondere vögeln bezeichnet zug
die regelmäszigen wanderungen: wir unterscheiden diese reisen als zug, wanderschaft und streichen Brehm 4, 31
Pechuel-Lösche; die reyher ... verrichten ihren zug zur herbstzeit Fleming
vollk. t. jäger 150; raubvögel horsten wenig in der marsch, auf dem zuge erscheint der seeadler Allmers
marschb. 1/2, 121; die züge der salmen aus dem meere nach den flüssen Liebig
chem. br. 214.
dann von den wandernden scharen und schwärmen: also lärmet ein zug von kranichen Bürger 1, 205
Bohtz; hoch überhin steuerte ein zug von wildgänsen durch die luft Storm 2, 181; indem ich hier sasz, merckte ich einen zug fische Ramler
einl. in die schönen wissensch. 1, 349.
ähnlich von den zusammen ausgebrüteten vögeln, die der mutter folgen Jacobsson 2, 44
b.
daher viele namen von thierarten, wie zugameise, zugbock
u. ä. II@A@77)
vom unbelebten, wasser, wolken u. ä.: die Brenta flieszt langsam, doch hat sie noch immer zug genug Heinse 7, 189
Schüddekopf; die zwei schiffenden zogen .. ihre ruder ein .., während der kahn im zuge, gleichsam von selbst, längs der grauen felsen hinging Stifter 3, 313; engpasz der züge, so benannt wegen der dort häufig fallenden lawinen G. Theobald
naturbilder aus den rhät. alpen (1893) 125; nach osten strebt die masse (
der wolken) mit geballtem zug Göthe 15, 245
W. (
Faust 10044); der mond schien hell durch die beruhigte luft, nur ein sanfter zug leichter wolken war bemerklich 33, 97; zu dem zug der Horen wünsche ich glück IV 10, 298. II@A@88)
auf dinge in der landschaft angewandt bekommt zug
eine örtliche bedeutung, vgl. I B 2: es (
die lage von Nürnberg) ist ein tract ein zug oder gegent zwischen Norgee und Franken S. Meisterlin
chr. d. st. 3, 48; da sollen auch alle alte flusz und zöge, da man vor zeiten lastschiff hingelegt hat, geraumet werden
Frkf. zunfturk. (1607) 1, 211 (
vgl. I B 2); dasz das gantze Arabien ... überal mit hohen bergen .. in einem zuge hin umgeben lieget O. Dapper
Africa (1670) 6
a; der zug der küste Mommsen
röm. gesch. 42, 28; wenige schritte dahinter begann
[] der dunkle zug der haide und streckte sich .. schwarz und undurchdringlich in die nacht hinaus Storm 1, 226; die Chauseestrasze liegt im zuge der Friedrichstrasze.
als fachwort im deichbau für einen deichzug,
eine strecke des deiches, die einem bestimmten aufseher untersteht Jacobsson 4, 721
b.
auch andere örtliche verwendungen finden sich hie und da verstreut: züge
für schwer zugängliche kleine bergweiden im hochgebirge, die zum wildheuen verloost werden J. G. Kohl
alpenreise (1849) 1, 271; achtein toich grases unde eyne cleine wysschen Schiller-Lübben (1437) 4, 557
b; zug
f. fischplatz s. o. I B 2. grenzzug Stieler 2631
ist dagegen ursprünglich grenzumgang. II@A@99)
eigenthümlich und lebhaft ist die anwendung auf die bewegte luft. II@A@9@aa)
nichts als die bewegung der luft bezeichnend ist es ein poetenwort: ein buntbeblümtes feld, worauf der zephir spielet, der blumen mattes heer durch sanfte züge kühlet Schwabe
belustig. 2, 470; ist's nicht, als ob ich eine leier zürnend zertreten wollte, weil sie still für sich, im zug des nachtwinds, meinen namen flüstert? Heinr. v. Kleist 2, 72
E. Schm.; die fahrt war sehr schön, der himmel stets heiter, und ein sanfter zug spielte in den segeln Stifter 3, 70. II@A@9@bb)
in allgemeinerem gebrauch ist es die luft, deren bewegung sich wirksam macht: und von dem zug der thür erloschen starb das licht der kleinen lampe! Brentano 3, 261; vaters mäntel ... drehten sich langsam um sich selbst, wenn der zug durch die offenen bodenlucken hereinstrich Storm 3, 16. II@A@9@cc)
insbesondere als anreger des feuers: so möchte man ... dieselben (
öfen) gröszer machen ..., damit das fewer seinen rechten zug haben köndt L. Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 46
b; ihr kohlen, glüht nur recht! ihr habt ja luft und zug Schwabe
belustig. 1, 246; ein ofen hat guten zug. züge
sind die kanäle, durch welche feuer und rauch zum schornstein geleitet werden. hierzu vielfache zss. in der ofenbaukunst: zugöffnung, -regelung, zugofen, -muffel, -esse, -schornstein, -thür, -schacht. II@A@9@dd) zug
bezeichnet eine unangenehm, als gewaltsam oder kühl, empfundene luftbewegung. diese bedeutung erscheint erst im 18.
jh., ist in Göthes
briefen oftmals zu finden und macht sich in der umgangsprache immerfort geltend: so wird bei jedem öffnen der thüre der kranke dem zuge ausgesetzt Bremser 263 (
ähnl. 276); ein etwas starkes feuer verursachet einen zug in dem zimmer, der beynahe einem winde gleichet Sulzer
theorie der schön. künste 1, 439; sitze, hinter denen die öffnungen mit glasfenstern zugeschlossen sind, damit man nicht im zuge sitze Göthe III 2, 149
W.; eine so schöne luft und doch kein zug Fontane I 4, 337; zu hause ... musz ich im zuge arbeiten ... und im zuge schlafen. die Engländer nennen das 'ventilation'. was die zug nennen, deckt die dächer ab und würde in der ganzen übrigen welt sturmwind heiszen
familienbr. 1, 47.
dazu allerlei zss. zugangst, -narr Vischer
a. einer 3, 166,
-teufel 1, 112.
gelegentlich ist zug
in der zss. so viel wie wind: zugstosz Bismarck
an s. braut u. gattin 136, zug- und windfänge
F. v. Baader
tagebücher 147. II@BB.
räumlich gedacht. II@B@11)
von ununterbrochen fortgesetzten vorgängen, wobei im einzelnen eine verschiedene anschauung zugrunde liegen kann. II@B@1@aa)
auf die vorgänge bezogen drückt es das stetige, beharrliche aus: kaum hatte er dieses gesagt, so lachte er schon wiederum einen guten langen zug daher Lindenborn
Diogenes 1, 227; der Franzosen linker flügel
[] ist in einem zug aus der Oberpfalz bis an die Lahn zurückgedrängt worden Göthe IV 11, 206
W.; habt ihr geduld, des vortrags langgedehnten zug still anzuhören? mancherlei geschichten sind's 15, 197
W. (
Faust 8971); und beide folgten recht gerne dem sanften zuge dieser tage Stifter 3, 160; dem zug der ereignisse .. Ranke 14, 186; der zug der dinge 37, 19; er ging nur dem zuge seiner gedanken nach 2, 14; Wilhelm, mitten im zuge der .. Loirekämpfe E. Marcks
kaiser Wilhelm I. 302.
das geht in die vorstellung des lebhaften, raschen geschehens über in wendungen wie in zug kommen, bringen, im zuge sein
u. ä., wie im gange sein
u. ä.: die chromatischen arbeiten fangen wieder an einigermaszen in zug zu kommen Göthe IV 19, 466
W.; in Polen war der aufstand in vollem zuge Häuszer
d. gesch. 3
2, 49,
insbesondere für den absatz eines buches: ich dächte, .. wir setzten diese 4 bände ... lieber nur auf 3 thlr. um dieser ausgabe einen schnellen zug zu verschaffen Bertuch
an Göschen Göthejahrb. 2, 409; seine (
Cottas) bemühung, ihre (
anrede) gedichte in zug zu bringen L. Schücking
an A. v. Droste-Hülshoff 318.
dazu gehört auch die neuerdings beliebte anwendung auf eine abtheilung einer schule mit besonderem lehrplan durch mehrere klassen: englischer, mathematischer zug
u. ä. II@B@1@bb)
auf handelnde personen bezogen haben diese wendungen durchaus den sinn des lebhaften, thätig-munteren: wenn ich mir so deine jetzige lage betrachte, ... wie du in vollem zug mit allen guten winden fährst Mörike 3, 49; ich komm sobald nicht wieder in die arbeit, wie ich jetzt im zug bin Göthe IV 20, 133
W.; nicht wahr, da ist dein mütterchen wieder recht im zuge? Droste-Hülshoff
an L. Schücking 110.
ähnlich schön, gut im zuge, im besten zuge sein.
beliebt als eingang eines satzgefüges: einmal im zuge, da ich einmal gerade im zuge bin
u. ä. in den wendungen in einem zuge, auf einen zug,
vereinzelt unter einem zug Guarinonius
greuel d. verwüst. 1299,
liegt der sinn bald mehr in zug,
bald mehr in einem: Montaigne erzählt ... dasz er acht bis neun stunden in einem zuge schlafe Schopenhauer 2, 284
Grisebach; während ich in einem zuge fortschrieb und allerlei dabei dachte Heine 3, 152
Elster; .. dasz ein weib in einem zug mehr in fremde sprachen übersetzt als der allergelehrteste Harsdörfer
gesprechspiele 4, 408; ich wollte ... die ganze vergangenheit noch einmal in einem schnellen zuge durchleben und genieszen Eichendorf 2, 269. im zuge sein
mit folg. infinitiv ist sowohl '
schon dabei sein',
als '
unmittelbar davor, im begriff sein',
s. th. 1, 1312: so war der latinische stamm ... im zuge, sein gebiet zu erweitern Mommsen
röm. gesch. 41, 98 (
ähnl. 2, 57; 61; 379; 407); (
einer der feinde) der schon im zuge war, dem Doria mit seinem sichelförmigen damascenersäbel den unterleib durchzuschneiden Heinse 4, 101
Schüddekopf; meine berufsgenossen ... die im besten zuge sind, mich zu überflügeln Ebner-Eschenbach 3, 16. II@B@1@cc)
einen besonders frischen zug
hat das wort in militärischer und ihr nahestehender volksthümlicher ausdrucksweise bekommen Imme
soldatenspr. 77; Müller-Fraureuth
obers. wb. 2, 715; sein erstes war, überhaupt zug und halt in seine brigade zu bringen Meinecke
Boyen 1, 280; Mozart ... that alles um das orchester im zuge zu erhalten O. Jahn
Mozart 4, 478; aber seine wirtschaft hatte er gut im zug C. Viebig
das schlafende heer 2, 460; der zug (
festzug in e. oper) hat sonst nicht zug genug E. Th. A. Hoffmann 1, 18
Grisebach; man mag denken über diese ballade Bürgers, wie man will; aber 'zug' ist drin D. v. Liliencron 10
ausgew. nov. (1904) 141; 'der Menz hat keinen zug im leibe', 'der Menz hat keine ehre' Fontane I 6, 21. II@B@22) zug
ist der antrieb, der auf den menschen wirkt, oder der trieb auf ein ziel, der in ihm lebt. II@B@2@aa)
mit örtlicher anschauung: er wuszte nicht, wie ihm geschah, fühlte einen neuen zug nach Bamberg, er wollte — ohne zu wollen Göthe 8, 60
W.; (
er) liesz
[] .. sich überreden, dasz sie zu ihm .. durch einen unwiderstehlichen zug hingeführt worden 21, 94
W.; der zug in die welt hinein ist mächtig Fontane I 4, 230; der zug nach dem westen P. Lindau
romantitel, s. Ladendorf
schlagwörter 351. II@B@2@bb)
geistig, der zug
zu einer person: der seele sey ein geheimer zug gegen gott ... angeboren Lohenstein
Arm. 1, 83; und ein innerlicher zug heiszet mich lieben, das kan ich nicht leugnen Ziegler
asiat. Banise 488; jener heimliche zug gegen einander, jene unsichtbare kette, die zwey einerley denkende, einerley wollende seelen verknüpfet? Lessing 2, 55
M.; der innere zug der blutsverwandtschaft Ranke 14, 249. II@B@2@cc)
der zug zum handeln und thun: diese aber reiszet den man mit gewaltigem zug zu natürlicher gebärung Schweickhart v. Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 1039; indem er zu keinem andern als denen kriegsspielen einigen zug hätte Lohenstein
Arm. 1, 86
a; sie fühlte einen heimlichen zug, ihm zu folgen Göthe 19, 184
W.; die zunächst dem zug der interessen folgende speculation
F. A. Lange
gesch. d. materialismus 516; da kam ein zug des schlummers mächtig über ihn Scheffel 1, 164
Prölsz. II@B@2@dd) zug
ist eine besonders gerichtete art des gemüths und der gesinnung, was sich mit I B 10 d
berührt: er hatte zur ruh und weltweiszheit .. einen sonderbaren zug Lohenstein
Arm. 2, 40
b; Sperata war von natur zur religiosität geneigt. ihr zustand, ihre einsamkeit vermehrten diesen zug Göthe 23, 271
W.; zug zur einsamkeit Zimmermann
einsamkeit 1, 175, zum charakter Th. Abbt 3, 57, nach genusz Klinger 3, 93, vom allgemeinen zum besonderen Kürnberger
liter. herzenssachen 2. II@B@2@ee)
ebenso ohne angabe des ziels: keinen andern überredungen als dem zuge des verstandes zu gehorchen Kant 8 (1838), 7
Hartenstein; dein herz hat den rechten zug wie immer Fontane I 7, 12. II@B@2@ff)
in dieser bedeutung haben sich feste verbindungen eingeführt: innerer, magnetischer, allmächtiger zug; wer da blind ist, folgt blind dem geheimen und unwiderstehlichen zuge Fichte 2, 255; welche ... dem zug der zeit gehorchend, die neue völkerwanderung über die meere mit wandern G. Keller 4, 221; ist dieses mehr freie tugend oder mehr zug der natur Gellert 7, 135; der zug des herzens ist des schicksals stimme Schiller 12, 152
G. II@B@33)
in ähnlichem sinne hat sich das wort bereits in der sprache der mystiker entwicktelt. es ist zunächst der innere zug zu gott, der geistliche zug: diser zweier gotesfrúnden geischlicher zug waz gar ungelich. dú ain waz fúrneme vor dem volge und waz begabet mit götlicher sssekeit, dú ander waz nút fúrneme und got uopte si emzklich mit lidene H. Seuse 142
Bihlm. weiter ist es wie abzug,
verzückung: dise úberswenke zug werte wol ein stunde neiss ein halbe 10; o Jesu, .. sey doch du mein zug zum vatter J. Böhme 4, 11; ich pflege allen philosophen zu sagen, dasz wenn sie gott nie gezogen habe, sie auch nicht schuldig sein, sich mit ihm zu vereinigen; sie stehen gemeiniglich ein wenig in gedancken, wenn ich sie treuhertzig frage, was ein zug sei Zinzendorf
der teutsche Socrates (1732) 65; wie unerforschlich ist sein rath! wie mächtig seines zuges triebe!
teutsche ged. (1766) 51.
von hier aus haben die in 2
angeführten verwendungen ihren ausgang genommen. IIIIII.
den zuss. mit zug-
werden heute in einzelnen fällen die mit zieh-
vorgezogen, z. b. ziehbrunnen
und ziehhund
gegen ältere zugbrunnen
und zughund,
man braucht nur zugbrücke,
auch zugpferd, zugochse, zugpflaster
u. ä., während Stieler ziehpferd, ziehochs
und ziehpflaster
daneben nennt, die nicht mehr gebräuchlich sind. eigenthümlich österreichisch, amtlich u. militärisch, ist zugs-,
z. b. zugsführer, zugskosten.
in älterer sprache vereinzelt: [] zugsgeselle J. H. Harant
christl. Ulysses (1678) 521; zugsgerechtigkeit (
für zugrecht)
oberrhein. stadtrechte II. abth. 13
heft, 104.