verzug,
m. ,
abstraktbildung zu verziehen (
s. d.)
und diesem in vielen bedeutungen folgend. mnl. vertoch Verwijs-Verdam 9, 152;
mnd. vortoch Schiller-Lübben 5, 475.
im hochdt. bereich zuerst in der mhd. urkunden- u. chronikensprache (
s. u. unter 4).
zu vürzoc,
einem offenbar selbständigen wort mit präfixbetonung s. unten unter 4,
desgleichen zu der parallelen bildung fürzucht.
lexikalisch ist das wort in der bedeutung '
aufschub, verzögerung'
seit dem 16.
jh. belegt, vgl. prestolatio, dilatio i. quasi mora voc. primo theut. (1515) e 8
a Hüpfauf; verzug
mora, dilatio, procrastinatio Stieler
stammb. (1691) 2644; verzug
oder verzögerung,
lat. mora
oder protractio
franz. delay,
oder non-chalance
heiszt insgemein ein geflissentlicher und vorsetzlicher, oder auch aus blosser nachlässig- und saumseeligkeit geschehener aufschub nöthiger verrichtungen Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2187;
vgl. auch Adelung 4 (1780) 1578
und die hinweise in den bedeutungsgruppen. mundartlich im nd. und md. raum; zur nd. form vertog Danneil
altmärk. 240
b; Schambach
Göttingen 268
a; fortôch Damköhler
Nordharz 218
a.
im übrigen s. unter den bedeutungsgruppen. AA.
aufschub, verzögerung (
zu verziehen A). A@11)
ohne scharfe grenze als nomen actionis und nomen acti gebraucht, '
der aufschub, die verzögerung, die säumnis'. A@1@aa)
das hinausschieben, der aufschub aus eigener entscheidung; procrastinatio verzug von einem tag auff den anderen Calepinus
XI ling. (1598) 1159
b; (
mhd. belege vgl. bei der juristischen fachsprache unter 4
und 5): was heut soll geschehen, musz man nicht auff morgen verziehen, denn ein verzug bringt den andern Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 398; jeder der dir gutes gönnet, rahtet dir, wie ich, verzug (
bei der veröffentlichung von gedichten); denn die käs- und pfefferkrämer haben noch papiers genug J. Grob
dichter. versuchgabe (1678) 99; fernere überlegung sey unnütz, verzug höchst wahrscheinlich von üblen folgen J. v. Müller
s. w. (1810) 9, 152; jetzt ist die abreise wieder auf den 26. verschoben ... noch weiterer verzug ist freilich kaum möglich wegen des russischen besuches Moltke
ges. schr. (1892) 6, 332.
der transitive charakter wird deutlich bei genitivisch angeschlossenem objekt: dem (dz vil loser Christen sein) wurt man mit verzug des tauffs nit begegnen mögen
mon. Germ. päd. 21, 162, 15.
in der wendung verzug geben: wo man aber der sach verzug geben möcht biss an nüwen jars-tag Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 237.
ebenso verzug nehmen: da herr Tristrant solche ding hOerete, nam er keinen lengern verzug, sondern wapnet sich nach notturfft vnnd reyt gegen der not
buch d. liebe (1587) 82
c. A@1@bb)
der (
erlittene)
aufschub, die verzögerung; metuo meo amori moram ich fürcht den verzug meiner buolschafft Frisius
dict. (1556) 819
a: als unser bote nu gen Mencze qwam, so waren unsere frunden do bynnen uffgebrochen, deszhalb etwas vertzoges darinne (
bei der beantwortung eines briefes) gefallen ist
Frankfurts reichskorr. 2, 19
Janssen; wollt gott, yhr furchtet eüch fur seynem zorn und bessert euch, das doch die plage eynen verzug und lenger auffschub gewünne Luther 18, 334
W.; doch mehrt verzug der tugent lon, dem frmmen, der gedult mag hon Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 125; je mehr neher die hoffnung, je schmertzlicher der verzug
schausp. engl. comödianten 307, 29
Creizenach; der leser ... wOelle desz verzugs (
in bezug auf die ausgabe des werkes) keine beschwer ... tragen Ercker
beschr. aller miner. ertzt (1580) 4
b vorr.; die begierden seind fewrig vnnd inbrnstig, vnd ist jhnen der geringst verzug zu lang Lehmann
floril. polit. (1662) 74; der verzug der strafe wird mit deroselben grösse und schärfe ersäzzet, wann das sünden-mas erfüllet Butschky
Pathmos (1677) 75; Affligio schob den verzug der opera auf die sänger und sagte, sie könnten und wollten solche nicht singen (1768) Leop. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 4, 283
Schied.; den bisherigen verzug (
der sendung) darf ich wohl durch mancherley zufällig eintretende umstände bey mir selbst entschuldigen Göthe IV 31, 196
W.; möge dieser neue verzug (
der reise nach Berlin) nur nicht länger fortdauern Pückler
briefw. (1873) 3, 137. A@1@cc) (keinen) verzug leiden (
in älterer sprache auch haben) (
keinen)
aufschub vertragen: wann das hei, korn und anders wetters halben einzupringen nit verzug leiden mag (1547)
österr. weist. 2, 225; es wollen e. ld. ... den ... deliberationibus, welche nunmehr keinen lengern verczug vnd anstand leiden wollen, beywohnen (1618)
acta publica 1, 13
Palm; weil aber die zeit ber ... mein verleger durch andere werke, so keinen verzug leiden wollen ..., abgezogen worden Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 3; ein befehl ... trägt mir ein geschäft auf, das keinen verzug leidet Wieland
w. I 3, 73
akad.; die besetzung der statthalterschaft an den gränzen deines reiches (
erlaubt) keinen weitern verzug Klinger
w. (1809) 7, 119; ich habe einen auftrag an die baronin zu besorgen, der keinen verzug leidet Grabbe
w. 1, 455
Bl.; weil die ... täglich zunehmende gefahr des reiches keinen verzug gestatte Häusser
dt. gesch. (1854) 1, 524.
häufig die sache leidet keinen verzug: es leidet die sache keinen verzug (längern verzug)
la cosa non permetto indugio etc.; ella preme, l'urgenza n'è grande Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1459
c: gantz kein verzug die sach nit leidt
Endinger judenspiel 40
ndr.; er eilt sich fast mit schwindem flugk: dann schnelle sach leidt kein verzugk C. Scheit
frölich heimfart (
o. j.) J 2
b; es were dan, das periculum in mora vnd die sache keinen verzug leiden wolte Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 36; weil die sache wenig verzug leidet Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 203.
auch mundartlich verzeichnet: dat litt kenen vertog Dähnert
plattdt. wb. 528
a.
sprichwörtlich z. b.: hunger leidt keyn verzuog S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 23
a;
so auch Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) I i 4
b; Blum
sprichwb. (1780) 2, 165. (keinen) verzug haben: ob ainer im selbs einwertz oder auswärtz farn wolt, ... so sol er sich nit widern (
dem gebot zu folgen) ... sunder allain, das er ... noch wein auf der achs hiet, das nit verzug möcht haben, auf den margt gen Holl zu kömen (1485)
öst. weist. 3, 165; dann (
die taufe durch eine frau) muosz geschehen nur, wenn das kindt gar schwach und kayn verzug hat Luther 15, 670
W.; schaw, dis mein elent ich (
Germania) pewein. Eckhart, kanstw, so gieb mir rat! gar kein verzwg die sach mer hat, die axt ligt an des paumes wuerz H. Sachs 22, 356
lit. ver.; ich mag schlechtz keyn verzug meer hon, ich wil mit myner eygnen hand om mynem lyb selbs rechen d'schand
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 121
Bächtold. A@1@dd)
der erbetene oder erwünschte aufschub im sinne einer verlängerten frist, bedenkzeit o. ä.: (
illi interea)
deliberatori (
merces duplicata est) dem radtschleger der einen verzug begAert, hat sich weyter ze bedencken Frisius
dict. (1556) 383
a; verzug begehren, um verzug bitten, anhalten
domandare, richiedere, proroga, dilatione, termine Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1459
c;
auch Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 1117: so bitt ich umb ein verzug, ich will mich besinnen Schumann
nachtbüchlein 207
Bolte; wie Sidonia hierauff vmb verzug bat, eine zeit mit jhr zu verziehen
buch d. liebe (1587) 335
b; ich bit dich ... daz du mich läben lăssest, untz daz ich ein gebett thuon ... also gab er Richarden vertzug, des er thorlich thet
d. Haimonskinder 172, 13
Bachmann; (
sie) begerten weyter zil vnd verzug die auszstehenden gefell zubezalen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 377
a; diesen verzug aber begehrete sie darum, weil noch nicht alles zur reise abgetahn wahr Bucholtz
Herkuliskus (1665) 364; die hausmutter stellte sich in den weg: sie bat nur um einen geringen verzug (
der hinrichtung) Ranke
s. w. (1867) 37, 294. A@1@ee)
das zaudern, säumen, zögern, die säumnis als ausdruck der unentschlossenheit: das ist denn seins verzugs die busz Hans Sachs 9, 407
lit. ver.; Fabius Maximus hat mit seinem verzug das römisch reich erhalten, aber ewer heyl. wird es mit seinem verzug verderben Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3.
theil (1653) 14;
vgl. auch Lehmann
floril. polit. (1662) 4, 98; alleine dieses kunststücke (
keine schlacht zu liefern, sondern den feind durch plänkeleien zu zermürben) deuchtete dem Tigranes nicht genungsam heldenmAeszig und aller verzug knechtisch zu seyn Lohenstein
Arminius (1689) 1, 212
a; das grosse heer zerschmolz durch mangel von lebensmitteln und durch überdruss des verzugs Meissner
Alcibiades (1781) 2, 181; ihr saht das fräulein, ich die dienerin; ihr liebtet und ich liebte: denn verzug, steht mir nicht besser an als euch, Bassanio
Shakespeare 4 (1799) 88 (
kaufm. v. Venedig 3, 2); schon den 28. schritt (
er)
dazu — denn verzug kannte er nicht — die heirath (
des kronprinzen) zu stande zu bringen Ranke
s. w. (1867) 27, 134;
als zögernde zurückhaltung: solchen verzug (
des ihm gegenübertretenden Hercules) fühlt Antäus nicht Göthe I 49, 1, 121
W. A@22)
von A 1
gehen anwendungen auf bestimmte situationen aus, denen spezielle bedeutungsfärbungen entsprechen. A@2@aa)
im hinblick auf einen zeitabschnitt. A@2@a@aα)
zeitspanne, durch die ein zustand oder eine folge von ereignissen unterbrochen wird, zwischenzeit, unterbrechung: in vmbteilung geburt sich die stimm zum höchsten mit aller claresten vsschryung vnnd souil vnderlybung zwuschen yeder vssruffung zehalten; als vil spacium oder verzog die vssruffung gehapt hat Riederer
rhetorik (1493) g 4
b; daz zwischen des willens geschäft vnd des werchs volziehung kain verzug beschiecht Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 292
Reithm.; aber haben wir nun mit aller gewalt es von uns abgewendet und ausgeworfen, nach kurzem verzug erhebt sich wieder ein sehnen und verlangen Görres
ges. schr. (1854) 2, 45; auch ... später war die republik genöthigt die etruskische militargränze ihrer eignen vertheidigung zu überlassen, bis der volskische feldzug ... geendigt war. während dieses verzugs hatte sich Nepete den Etruskern ergeben Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 295; derselbe (
band) erschien nach kurzem verzug Müllner
dram. w. (1828) 8, 62. A@2@a@bβ)
zeitspanne, zeitdauer, deren etwas bedarf, um zur auswirkung zu kommen: den verzug oder die trächtzeit das da kein verzug nit seye, weder dasz du jm die faust von stund an inn das gefrAesz eynhin oder in das angesicht gAebest (
ne mora sit quin) Maaler (1561) 440
a; in muoter leib magst du one einiche tafel also finden Pegius
geburtsstundenbuch (1570) d 3
b; seitenmal ein jeder anschlag oder practic ein gewisse zeit hat, ein gewissen verzug vnnd orth, zuo dem bedarff das sie verborgen sey Xylander
Polybius (1574) 386.
ähnlich als '
zeitliche möglichkeit, gelegenheit': hett sich des kOeniglichen regiments mit willen vnd zuolassen des gantzen senats vnderstanden, dann inn der auffruor mocht es den verzugk nit haben, dasz eyn gemeyn wal geschehe Carbach
Livius (1533) 17
b; (
er) machet dem Logbasi verzug, darmit er zuo seinen anschlag sich mOechte fglich zursten Xylander
Polybius (1574) 304. A@2@bb)
das verbleiben oder verweilen am orte, der aufenthalt; vgl. verzug,
m., verweilung, delai, retardement Frisch
nouv. dict. (1730) 606: es ist beschlossen, die flucht ist besser als ein ungewisser verzug Chr. Weise
d. jugend überfl. gedanken 210
ndr.; die dringlichkeit meiner geschäfte gestattet mir nirgends längeren verzug Geibel
ges. w. (1883) 7, 135. '
säumen'
im hinblick auf den aufbruch: der muntre tag erklimmt die dunst'gen höhn. nur eile rettet mich, verzug ist tod Göthe I 9, 237
W.; lasz uns nun von dannen eilen, länger gilt hier kein verzug
ebda 12, 281.
an verziehen ...
anschlieszend einen verzug haben '
warten': hab nur ain verzug, biss ich zuouor mein opffer verbring Schaidenreisser
Odyssea (1537) 48
a. A@2@cc)
im hinblick auf eine erwartete person oder sache; (
langes)
ausbleiben (
zu verziehen A 2 d);
vgl. tardanza per la dimora verzug, auszbleibung Hulsius (1618) 2, 406
b: und hat uns ir lieb gebeten, uch das zu schreiben, das ir denn langen verzug keiner bossheit schuld gebt
privatbr. d. mittelalters 1, 271
Steinhausen; man hette seins vorzuges (
des nicht erschienenen erzbischofs) bis anher nicht beszunders beschwerde gehabt (1521) Planitz
berichte 12
Wülcker; bittet der halben, e.
f. g. wolten solchen verzug, den er hat aus not ... müssen thun, ynn keinem vngnedigem willen verstehen (1538) Luther
br. 8, 215
W.; ach! wo ist mein seelen-artzt, ach' wo ist er hin! sein verzug alleine raubet muht und sinn Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 74; klage Sions über den verzug ihres breutigam Simon Dach 171
Öst.; mein arm ist ausgespannt, dich fröhlich zu umfangen, nichts, als nur dein verzug macht mir mein herz betrübt Ph. B. Schott
poesien (1720) 15; wir überlassen dem niedrigen pöbel, der die kunst von nichts zu schwatzen trefflich wol verstehet, diesen grieff, sich über den verzuge der brieffen zu zancken
chron. d. gesellsch. d. Mahler (1721) 57
Vetter; die ursache seines verzuges (
möge) lieber ein biszchen unart, als irgend ein zugestoszener unfall seyn Bürger
s. w. 301
Bohtz; der hülfe verzug J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 27. A@2@dd)
das aufgehaltenwerden in einer fortbewegung oder einem bestreben; mora fit per ianitorem der verzug geschieht durch den portner, wenn der thrhter einen nit eynlassen wil Frisius
dict. (1556) 565
a;
detention die aufhaldung, der verzug Spanutius (1720) 220: vom Strymon her wehten schlimme winde rastloser rast, hafenlosen treibens, des zugs verzug, ... Droysen
Äschylus (1841) 48; die kleinste hindernisz, der mindeste verzug trieb mich zum ungestüm Cronegk
schr. 2 (1763) 9.
vgl. auch: wünschen, vnd doch nicht geniessen, glauben, vnd doch mit betrug, reisen, vnd doch mit verzug; ... ist es nicht ein lauter quehlen?
Königsberger dichterkreis 44
ndr. in bezug auf den zeitverlust: die fährmänner ... erreichten gegen den wind anringend nur mit einigem verzug ihr ziel Chamisso
w. (1836) 2, 176.
vgl. auch: jene hat bald den verzug, in rascherem lauf, und die säumnis eingeholt J. H. Voss
Ovid (1798) 2, 198. A@33)
im anschlusz an verziehen A 1 a
bezeichnet verzug
das hinziehen oder die verlangsamung eines vorganges über einen termin hinaus (
prolongatio). A@3@aa)
das in die länge ziehen, die verschleppung eines unternehmens, auch die stockung; vgl. prolatatio verzug, verlengerung, verziehung Frisius
dict. (1556) 1071
b: ob die sachen noch zu verzoc möchten gebrâcht werden
fontes rerum Austr. II 2, 264
Chmel; darmit kam die sach in verzg Knebel
chron. v. Kaisheim 285
lit. ver.; die handlung entweder gar zu hindern oder ye in lengern schedlichen verzugk zu furen (1541) Luther
br. 9, 323
W.; er mit dieser seiner exception (die er allein zu verzug der sachen erdichtet) gehöret werde Ayrer
hist. proc. juris (1601) 124; besorgtend si, langer verzug und witer umkreisz (
umweg) wurdint den gesellen zu Thum ze spate hilf werden
ebda 2, 165; es ist zu besorgen, die sach werd keinen wrcklichen fürgang haben oder zum wenigsten einen auffschub vnd verzug gewinnen Sattler
phraseologey (1658) 103; so langsam sie fahren, sind sie doch mit dem verzug zufrieden Zachariä
poet. schr. (1763) 7, 20.
vgl. hierzu: allen verzügen der ungerechtigkeit und der gewinnsucht vorzubiegen und den lauf der rechtspflege so geschwind zu machen als es nur möglich ist Iselin
verm. schr. (1770) 1, 148 (
vgl. auch unter 1 a); ruhig in seinen verschanzungen erregte er in ihnen ungeduld über den verzug, und sie sandten haufen aus ... zu plündern Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 201.
in der argumentation etwa '
ausweichendes hinhalten': also sprach Sinon mit betrug, braucht langen vmbschweyf vnd verzug, bisz er vns endtlich hindergieng, mit scheinbarlichen worten fleng Spreng
Äneis (1610) 27
a.
hierher vielleicht auch: hat mehr verzge und stimen in seinem kleinen helselin, dann alle organa musica in urbe Noriberga St. Prätorius
luscinia cantatrix (1576) A 6
b.
auch mundartlich gebucht: up fertog
allmählig, nach und nach Doornkaat Koolman
ostfries. 1, 469
b; 't schleit in't vertogg
es zieht sich in die länge Stürenburg
ostfries. wb. 316
b. A@3@bb)
verzögerung im sinne einer verlangsamung des ablaufs, des fortschreitens der handlung (
tardatio): desz verzugs (
bei der geburt) denn die jungen (
nattern) wern unwillig und sich desz beschwern, dasz sie so langsam wern geborn Hans Sachs 16, 490
lit. ver.; vil pöser sach im rechten schmuck, verzug (
der prozesse) ist offt mein maister stück Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 136; mit verzug vnd gemach fahren kan man vielen sachen helffen vnd rathen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Pp 3
b; der schneck wird gemahlet zu dem verzug, der langsamkeit Harsdörffer
poet. trichter (1653) 413; bemühet euch alle recht vnd rechtssachen abzukürtzen, der kürtzte weg im rechten ist der best vnd gewissest, der verzug macht die sachen verworren Lehmann
floril. polit. (1662) 684; (
die ellipse ist von vielen guten deutschen dichtern gebraucht worden,) welche wegen ihrer geschwindigkeit die sachen zu begreiffen, oder in der hitze der affecte allen verzug hassen Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 2, 152; gut ist, dass weder am frieden mit Frankreich, noch der inneren verfassung Deutschlands geschwind gearbeitet zu werden scheint; durch verzug wird dermalen immer gewonnen (1814) Jacob Grimm in:
briefw. (1881) 300.
von der dehnung der sprachlaute: lange selblautende (
buchstaben) sind, die im reden lang und gleichsam mit einem verzuge ausgesprochen wärden Bellin
hochdt. rechtschr. (1657) 7;
so auch Schottel
haubtspr. (1663) 202. A@44)
die verwendung des wortes in rechtssprachlicher sphäre. A@4@aa)
bei vürzoc, (fürzuht),
das noch im 14.
jh. und vorwiegend in obd. quellen begegnet, scheint es sich um eine selbständige bildung mit präfixbetonung zu handeln, etwa in der bedeutung '
einspruch, einwand',
d. h. zunächst ohne temporalen sinn: dem sullen wir in (
den zehnten) leihen ich vnd meine nachkomen, daz wir chainerley fürzoch da wider nicht haben sullen (1344)
monum. Boica 15, 394.
meist in der sehr gebräuchlich werdenden wendung (
s. unter 5) ohne verzug: daz svlen sie innewendich zewain maneden, ... ane allen vúrdoch widertn (1286)
monum. Zollerana 1, 97; also daz sie uns sollint unde mogint scheiden unde richten eindrecheliche an unredelichen fuorzog dirre vorgenanten sache unde ansprache (1332)
hess. urkundenb. 2, 408
Wyss-Reimer; (
dasz sie) erindern sullen den rat aun frzog, szwa ir ainer mer von ieman angemuotet wrden dhainer besundern buntnsz (
Augsburg 14.
jh.)
städtechron. 4, 144; so soll dann der vorgenant brobst von Newnburch ... geben fumf vnd zwainczig phunt alter Wienner phenning, ... auf sant Jacobstag, ... an frzog (1357)
urk. d. stiftes Klosterneuburg 388.
in der form fürzucht: item vmb ausfertigung und widerfall derselben ist von alter nie kain fürzucht von töchtern oder schwestern geben worden, sonder hat die vorige verjärung der dreissig jarn zu ersuechen auf sich gehabt
österr. weistümer 5, 726, 12;
vgl. dazu auch den mit der bedeutung '
ǫbtentus, exceptiones'
angeführten beleg bei Scherz: an allen fürzog unde irrunge
gloss. germ. (1781) 459.
da das wort meist in dieser formelhaften verbindung und in zusammenhängen gebraucht wurde, die eine zeitliche deutung zulieszen bzw. nahelegten, ist es vermutlich mit dem primär temporal gefaszten verzug
zusammengefallen. A@4@bb)
in der modernen rechtsterminologie ist verzug
feste begriffsbezeichnung: verzug des schuldners (mora debitoris, leistungsverzug)
ist die (
rechtswidrige)
verzögerung der leistung durch den schuldner BGB § 284;
dazu auch gläubiger-(annahme-)verzug,
wenn eine verzögerung der erfüllung dadurch eintritt, dasz der gläubiger eine zur erfüllung nötige mitwirkung, insbesondere die annahme der leistung, unterläszt ebda § 293.
diesem gebrauch stehen vereinzelte frühere belege bereits nahe: daz der mensch awf die natürlich schuld nochmer in schulden taeglich felt, nemlich vmb versessen zinsz vnd verzug der bezalung natürlicher schulden Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 372
Reithm.; es soll auch ein jeder auf den tag, stunt und zeit ... gehorsamlichen erscheinen ... erscheint er aber gar nit oder hat gefärlichen verzug besucht, soll derselbig gestrafft werden (15.
jh.)
österr. weist. 5, 713; dann regulariter, wann von einem gesetz ... eine gewisse zeit angeordnet ... ist, wird nach verfliessung derselben keine entschuldigung wegen des verzugs oder versaumung zugelassen Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 33
a.
vorwiegend gebraucht im sinne eines rechtszustandes: von einer verzinslichen geldschuld hat der schuldner während des verzugs des gläubigers zinsen nicht zu entrichten
BGB § 301; ist der schuldner zur herausgabe eines grundstücks ... verpflichtet, so kann er nach dem eintritte des verzugs des gläubigers den besitz aufgeben § 303.
in der wendung in verzug kommen: leistet der schuldner auf eine mahnung des gläubigers nicht, die nach dem eintritte der fälligkeit erfolgt, so kommt er durch die mahnung in verzug
BGB § 284; der gläubiger kommt in verzug, wenn er die ihm angebotene leistung nicht annimmt § 293. mit etwas in verzug sein: wenn der hauptschuldner mit der erfüllung seiner verbindlichkeit im verzug ist
BGB § 775. A@55)
seit dem 13.
jh. nachweisbar und vom 17.
jh. bis heute dicht belegt ist die wendung ohne verzug,
auch ohne allen verzug, ohne jeden verzug;
meist im sinne von 1 '
ohne aufschub, ohne verzögerung'
; häufig, besonders in der rechtssprache, nicht klar abzugrenzen gegen die an 3
anschlieszende bedeutung '
ohne verschleppung, ohne verlangsamung'.
zum lexikalischen vorkommen vgl. peremtorias ane vortoch (1417) Diefenbach
nov. gl. 287
b;
abiecta cunctatione von stundan, flux, on allen verzug, allen verzug hindan gesetzt Frisius
dict. (1556) 6
b;
prompte alacriter, sine cunctatione hurtigklich, handtlich, fertigklich vnd ohn verzug Calepinus
XI ling. (1598) 1170
a; verzug ... ohne verzug, ohne aufschub oder unverzüglich etwas bewerckstelligen
to effectuate a thing without delay Ludwig
t.-engl. (1716) 2202. A@5@aa)
am frühesten belegt in der juristischen fachsprache, auch mit dem begriff hemmenden und damit aufschub bewirkenden einspruchs (
vgl. unter 4): und solicher rechtlicher austrag sol in sechs moneten nach dato ditz briefs nechstkomend ... on allen lenngern aufflag und verzug geschehen (1480)
monum. Habsburg. I 3, 213; darauf wurdt mit recht erkent, das ain ieder nach der stift in vierzehen tagen dem pfarrer den dienst soll bezallen ân lengern verzug (1570)
österr. weist. 1, 179; wann ain frembder in der gmain Graun sich verheirat, ... so soll er der gmain auch zu geben schuldig sein fünfzehen gülden ân allen verzug (17.
jh.)
ebda 3, 333; wan sie (
die alten dorfmeister) ötwas mit raitung schuldig verbleiben wurden, alsdan (
sollen sie) ohne verzug die erstatt- und bezahlung zu thuen schuldig ... sein (1781)
ebda 4, 142.
in fester verbindung ohne verzug und widerrede (-sprache): ane verzög vnd wederrede (1345) Bauer-Collitz
Waldeck 141; ane vortzog und allirley widersprache (1354)
hess. urkundenb. 2, 598
Wyss-Reimer; ân widerrede und âne verzog
weist. 6, 87. A@5@bb)
im übrigen sprachbereich sehr verbreitet, meist ganz formelhaft im sinne von '
unverzüglich, auf der stelle, umgehend',
auch '
ohne wanken, ohne widerspruch, ohne bedenken': dorthin haben auch die Nürnberger sich one verzug gewendet (
mitte 15.
jh.)
städtechron. 2, 35; was ... dem glauben schedlich, sol man kurtz umb on verzug und mit gantzer macht endern und abthun Luther 23, 419
W.; was e.
f. g. nachmals bevehlen werden, dasselbig wil ehr ohne verzug furnehmen (1543) Luther
br. 10, 416
W.; derhalben saumpt er sich nit lang, er raupt ohne allen verzug uf freundt und feindt, was er mocht ankommen
Zimmer. chron. 1, 271
Barack; doch begert der könig ... er solt ihm das wild schwein ... fahen; hernach wolt er ime die tochter on allen verzug geben Montanus
schwankb. 22
lit. ver.; dass sie one verzug, bey tag vnd nacht kommen sollen
buch d. liebe (1587) 341
d; die ungedult ... hiess mich ... verlaub bitten, ohne weitern verzug hineinzutretten Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 101; als er ... den schwan mit dem schifflein an der ketten sahe daher fahren, ist er ohne allen verzug darein gesprungen Prätorius
blockesberges verrichtung (1668) 359; lasset uns, sagte ich, das werk ohne verzug angreifen Nicolai
litteraturbr. (1759) 7, 183; weil die menschen sehr geneigt ... zur langsamkeit sind ..., so kann man sicher darauf rechnen, dasz man die oberhand in einer sache behält, wenn man alles ohne den geringsten verzug unternimmt Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 120; der grund davon ist der, dass ihre liebe und ihr herz ohne verzug nur sogleich zum objekte eilt, und nur für dieses sich interessirt Fichte
s. w. (1845) 5, 440; so langten sie ohne verzug in Baiern an, und wurden dem könige ... vorgestellt J. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 29; der kaiser hoffte Algier ohne verzug zu erobern ... er hätte es für zeitverlust gehalten, vorher nach Spanien zu gehen Ranke
s. w. (1867) 4, 170; um sechs uhr früh wurde er abgelöst und trat ohne verzug den heimweg an Gerhart Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 36; vielmehr geschah es ohne jeden verzug, nur mit einem gewissen wechsel des tonfalls, dasz sie (
Ad. Schopenhauer) nun fortfuhr Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 251; (
er) hatte inzwischen schon schritte getan, um ohne verzug eine zusammenkunft ... zu bewirken H. Mann
d. untertan (1949) 387. A@66)
die formelhafte verwendung gefahr im verzuge
geht aus von der übersetzung des lat. periculum in mora, vgl.: cum iam plus in mora periculi quam in ordinibus conservandis praesidii esset, omnes passim in fugam effusi sunt Livius XXXVIII 25, 13.
die lehnübersetzung findet sich in wbb. des 18.
jhs., vgl. verzug
cunctatio, dilatio, mora; die sach mag keinen verzug leiden
periculum in mora Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 317
b;
periculum in mora die sache leidet keinen verzug Spanutius
dt. lex. (1720) 553.
seit dem 17.
jh. mit variierender formulierung bezeugt: kein periculum (
ist) in mora oder gefahr aus dem verzug zubesorgen Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 527; der verzug bringt hier gefahr J. Chr. Günther
ged. (1735) 234; wo gefahr auf dem verzuge haftet Möser
patriot. phant. 2, 280
in: zs. f. dt. wortf. 13, 67; wo gefahr in der verweilung (im verzug) ist Garve
versuche (1792) 3, 109; gefahr beim verzuge ist doch in dieser angelegenheit selten vorhanden Schleiermacher
s. w. (1834) I 5, 526; nur unter ihrem (
der nacht) schützenden dunkel ist es möglich, zu entfliehen; jeder verzug bringt gefahr Ch. v. Schmid
ges. schr. (1858) 2, 11; weil die gefahr mit dem verzuge wuchs Rückert
ges. poet. w. (1867) 9, 72; aber der kaiser sah in dem verzug eine gefahr Ranke
s. w. 14 (1875) 188.
im 19.
jh. verlagert sich bei gleicher situation die aussage auf die (
bei verzug)
drohende gefahr, vgl.: zum reden freilich fehlt jetzt kraft und zeit, gefahr ist im verzug ... ... ein schlitten steht bereit, drauf man den tieferschöpften unterbringt; ... ... und vorwärts gehts im fluge Geibel
w. (1883) 2, 233; aber wo gefahr im verzug war und das wohl der römischen gemeinde keinen aufschub duldete, bedurfte er selbstverständlich nicht der befragung der götter Mommsen
röm. staatsrecht (1871) 1, 21.
gleichzeitig setzt sich die bedeutung '
gefahr im anzug'
durch, sie ist bis heute geläufig: als jetzt gefahr im verzuge war, begab ich mich ... zu madame Heimlich Holtei
erz. schr. (1861) 22, 90; vielleicht ist da gefahr im verzuge H. Laube
ges. schr. (1875) 14, 145; (
der arzt) behauptet, es sei das ärgste (
beim kronprinzen) zu fürchten und gefahr im verzuge (1887) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 127: wenn wir dies nun doch thun, so sollte man glauben, dasz dringende gründe vorhanden wären, dasz eine gefahr im verzuge vorläge Bismarck
polit. reden 1, 14
Kohl; bei gefahr im verzuge konnten auch die landesregierungen einstweilige masznahmen treffen
qu. v. j. 1935.
terminologisch in juristischer sprachsphäre: dagegen sollen die gewerbeaufsichtsbeamten selbst von dem rechte zu polizeilicher straffestsetzung ... nur bei gefahr im verzuge gebrauch machen
hdwb. d. staatswiss. (1898) 4, 498. BB.
seit dem 18.
jh. auch zu verziehen F '
schlecht erziehen, verwöhnen' (
vgl. ver- III 2);
s. auch Sanders
dt. wb. 2, 2, 1794
a;
auf den gegenstand des erziehens bezogen; für die heutige mundart fast ausschlieszlich im nd. bereich gebucht, vgl. vatoach
ein verzogener mensch Fischer
Samland 96
a; he is recht so'n lütten vertog (
aber auch he is sien vadder sien vertreck) Mensing
schlesw.-holst. 5, 439; et is en lütten vertoch
jb. f. nd. spr. 29 (1903) 152
a;
vgl. auch Mi
Mecklenb. 103
a; Bauer-Collitz
Waldeck 32
a; dat (kint) is sîn fortôch Damköhler
Nordharz 218
a; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 619.
noch unsicher: verzüge falscher zucht, der wahren keuschheit affen, der hochmuth hat euch nur zu unsrer qual geschaffen Haller
ged. 4, 139
Hirzel; im 19.
jh. üblicher werdend: kriege ich mein (
puppen-) geschirr? ruft der kleine verzug (
ein elternloses mädchen) zwischen uns ungeduldig W. Raabe
s. w. I 1, 55; ein verzug der familie, der seine schwester Mary auf alle ersinnliche weise neckt und quält (1870) H. v. Olfers
ein lebenslauf 2 (1914) 480; die vieljährige ordonnanz ... war, wenn sie erschien, der liebling und verzug des ganzen hauses J. v. Hartmann
lebenserinn. (1882) 1, 19; was aber die Marischka beträfe, so sei sie wohl ein verzug, aber kein engel Fontane
ges. w. (1905) I 4, 184; so spricht ein liebling des publikums, ein verzug, ein glückskind
ebda 28; Franz aber war ja nun wieder Erichs verzug Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 293; sie konnte es nicht ändern, der husar war nun einmal ihr verzug Clara Viebig
d. schlaf. heer (1904) 1, 75; als er aber doch bei seiner behauptung blieb und sagte, sie wäre aller verzug und könne nichts als küssen, strich sie ihr kleid hoch Frenssen
Klaus Hinrich Baas (1909) 237.
selten als nomen actionis, '
falsche, schlechte erziehung': so glaube ich dennoch, dreist behaupten zu können, dasz in unserer erziehung keine spur vom modernen verzug zu finden war Sophie Schwerin-Dönhoff
erinn. 64
Romburg. CC.
seltenere bedeutungen. C@11)
vereinzelt zu verziehen G, '
schnörkel': mit jenen 'verzügen' ... welche das wichtigste anhängsel eines schönen, sonst aber unleserlichen namenszuges sind
dt. zeitung (
Wien 1882) 3779. C@22)
in der jagdsprache vereinzelt zu verziehen B 1: verzug machen
gleichbedeutend mit verlappen '
eine abzutreibende wald- oder feldstrecke mit tuch- oder federlappen einfangen, damit sich das ausbrechen wollende wild daran schrecke und wieder in den trieb zurückgeht' Train
niederjagd 2 (1844) II 220
f. C@33)
zu verziehen B 2,
das weg-, fortziehen, umzug: wegen verzugs aus Berlin
bei Sanders
erg. wb. 684
b; der zuzug hatte 2252, der verzug nur 1558 (
personen, für die stadt) betragen
ebda. C@44)
in die länge ziehen, strecken; zu verziehen J: es hat deshalb die baumwolle eine längsverstreckung, einen verzug in der maschine erfahren Lueger
lex. d. ges. techn. 2, 77;
s. auch Prechtl
technol. encycl. (1830) 23, 135; das verhältnis zwischen doublierung und verzug (
beim garn) Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 322. C@55)
im bergbau '
das verziehen (
verpfählen)
und die durch dasselbe hergestellte zimmerung' Veith
bergwb. (1870) 543;
vgl. auch Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 9, 736);
ist eine fläche in unterirdischen räumen immerwährend zu schützen, so wird der belag, die belegung dieser fläche mit bretern, bohlen usw. abdeckung
genannt, wenn die fläche mehr oder weniger horizontal liegt ... ist sie an der decke, firste oder an den seiten, stöszen des raumes, also mehr oder weniger senkrecht oder geneigt, so heiszt der belag ein verzug Dannenberg-Frantz
bergmänn. wb. (1882) 422; die dachfläche (
musz) zwischen zwei unterzügen durch verzug gestützt werden Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 4, 791. C@66)
in der fachsprache des bauhandwerks durchkreuzungsplatz zweier minengänge Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 428. C@77)
im bair. auch '
anzug, kleidung': wàs hàst denn du heu
nt für ə~n vo'zug? wàs hàt denn dé mámsell für ə~ n vo'zug? Schmeller-Frommann
bayer. 2, 1098; in dem verzug
gartenlaube 23, 503
b.