gefallen ,
verstärktes fallen,
mhd. gevallen,
ahd. gifallan,
ags. gefeallan,
altengl. ifallen,
mnd. mnl. gevallen.
im praet. auch geful,
wie ful (
s. dort)
und wie sonst in dem praet. der urspr. reduplicierenden verba (
vgl. Soltau 2, 85,
auch z. b. noch hess. ur
statt mhd. ier
aravi Dietz
wb. zu Luther 1, 50
a):
als David sah Urias weib sich waschen, bald gful
im ir leib. Fischart
bibl. hist. L 1
a (2, 304
Kurz);
die lad des bunds samt gnadenstul ward gzirt mit engeln, wies got gfuhl. G 1
a (2, 296);
s. auch nd. gevôl Sch.
u. L. 2, 91
b.
die 3.
pers. sing. praes. oft auch noch ohne umlaut (
wie noch z. b. bair.): narren und kindern gefallt ihr arbeit wol. Parac.
op. chir. 354;
das haus gefalt uns,
arrident aedes. Maaler 161
c und nur so; selbst wechselnd mit der umlautsform: wems gfalt, dem gfeltz.
klost. 8, 725,
wenn nicht da in der zweiten form gefellen
vorliegt, die mhd. nebenform mit umlaut, die auch nhd. anfangs noch galt (
sieh gefällen). II.
Das ursprüngliche gefallen,
eben nur ein verstärktes fallen,
für welches es in allen fällen, die einen nachdruck begehrten, eintreten konnte, noch nhd. anfangs manigfach nachlebend. I@11)
sinnlichstes fallen
z. b. noch im 15.
jahrh.: es gevielen in demselben herbst vor Michael 12 reifen (
nachtfröste).
Nürnb. chron. 4, 237, 5; it. 1459 an sant Anthoni in der nacht kom ein grosz güsz (
überschwemmung) und am andern tag geviel es wider. 239, 5; nim 2 loit knobelauchs
u. s. w., setz zum feur, losz (
d. h. setz's, lôsz's) halber in sieden (
einkochen), losz gevallen, sey das lauter (
das klare) ab, losz es über nacht ston.
mittelalt. hausb. 18, 9,
d. i. zusammenfallen, sich setzen, considere (
vgl.gestehn
coalescere); rür es wol under einander, schüt es in den wein, losz gefallen. 24, 28,
s. auch 13, 1. 27, 4.
ähnlich beim kürnen (
s. d.)
des silbers: sollen nun die körnlin rund gefallen, so geusz solch silber durch einen nassen besen. L. Erker
beschreib. aller erz 22
a,
eigentlich unten herausfallen, herauskommen, vgl. das heutige ausfallen,
zugleich ein werden, umgekehrt misvallen,
übel ausfallen, mislingen Homeyers
richtst. landr. s. 103
anm. 9. I@22)
auch ein andres werden, γίγνεσθαι,
nasci, erklärt sich aus sinnlichem fallen,
das freilich wol längst nicht mehr vorgestellt wurde: in diser insel gefallen die elephant in groszer menge, gröszer dann sunst niendert.
Frank weltb. 207
a; da gefallen die elephant in groszer summ. 204
a; von schönen eltern gefallen schöne kinder. Coler
hausb. 246 (
vgl. noch fallen
A, 3).
auch auf früchte u. ähnl. übertragen: bei disem volk gefelt vil wachss und honigs. Frank
weltb. 55
b.
es kann zugleich an das gefallen 4,
e von einkünften gedacht sein, sich damit gemischt haben, s. auch 4,
d von ausbeute der bienenstöcke. I@33)
besonders von zufälligem geschehen; vgl. gefall 2, gefälle 2,
auch gebühren 2,
worin das zufällige geschehen umgekehrt aus dem begriffe des aufsteigens erwachsen ist. I@3@aa)
so noch im 17.
jh. klar bewuszt: gefallen
evenire casu vel sorte (gefällig
fortuitus) Henisch 1414,
entstanden ohne zweifel vom fall der würfel oder des loszes, noch erhalten in zufall (
s. u. d);
ebenso z. b. lat. cadere, accidere, casus (
wie franz. chance).
das denken an die würfel dabei war Henisch
auch noch geläufig, wenn er 974
das lat. quod cecidit forte
deutsch gibt: das der würfel ohn gefärd (
ungefähr) geben hat.
ebenso im 15.
jh.: fortuita res .. ein ding das sich begibt vel gefelt von ungeschicht,
genauer: dʒ da geschicht oder gefelt von der geschicht der zufelligen ding, die da etwan uf diser siten etwan uf die ander siten gefallen (
wie würfel).
varil. k 2
a.
vom spiel selber mhd.: wie gevellet iu daʒ, ir spiler und ir toppeler (
s.doppeler), die got scheltent, sô eʒ niht nâch ir willen vellet? Berthold 266, 39,
statt der würfel schon das allgemeine eʒ,
wie im folgenden. I@3@bb)
unmittelbar vom würfel oder losz entnommen hiesz es mhd. mir fellet
oder gefellet eʒ wol,
ich habe glück im spiel, im kampfe aber: mir '
fällt der sieg zu',
wie es jetzt noch heiszt eben auch von losz oder würfel entnommen: nu hâte der wirt gespilt (
kampfspiel, kampf) und was im wol gevallen.
Lanz. 781; eʒ was dô wol gevallen den cristenen (
sie hatten nun den sieg).
pass. K. 265, 56;
dazu denn guoter val (
eigentlich der würfel), guot gevelle,
glück im spiele und sonst (
s.gefälle 2,
a).
statt eʒ
auch daʒ spil,
d. h. der kampf als spiel gedacht, eigentlich der gewin
des spieles (
vergl. noch in Schillers '
schlacht'
die eisernen würfel,
das eiserne würfelspiel): nu volgit nâch mit schallen (
dem fliehenden feinde), daʒ spil ist ûch (
dat.) gevallen! Jeroschin 23761;
vgl. umgekehrt mîn spil vervellet sich (
eigentlich die würfel),
ich habe unglück Winsb. 41, 4. 75, 5.
vom ursprünglichen bilde sich weiter entfernend der sige: ist daʒ uns der sig gevelt, wir wellen mit iu dingen.
Lohengr. 4837.
dann auch daʒ heil
oder unheil,
wie der gewin
oder ungewin (
verlust),
im spiele oder kampfe: ob aber ich sô sælic sî (
im kampfe), daʒ mir daʒ heil gevalle.
Lanz. 5015;
Gawein, von Iwein besiegt, den er erst dann als seinen freund, gesellen
erkennt, erklärt u. a.: sît mir geviel daʒ unheil, sô ist mir lieber ein teil (
s. 4,
a. b) nâch grôʒem ungevelle (
s.gefälle 2,
b), daʒ mich mîn geselle habe überwunden danne erslagen.
Iwein 7631
ff. I@3@cc)
das denken an das losz und sein unberechenbares fallen ist uns noch geläufig, nur getrübt, wenn wir ein schicksal bezeichnen als das losz, das einem gefallen ist;
so ergänzte man sich ahd. das lat. sors
in der übers. durch zugesetztes gefallen,
z. b.: sô welih lôʒ temo man gevallet. Notker
Boeth. 63 (70)
für lat. sors omnis; wio sâliglîh lôʒ mag imo wesen gevallen. 65 (72),
lat. nur quaenam beata sors esse potest; taʒ tir in lôʒ gevallen ist,
tua sors. 62 (68).
s. auch unter 6,
c. I@3@dd)
die beziehung des falles der würfel oder des loszes auf den spieler u. s. w. wird auszer durch den dat. auch deutlicher durch zu
bezeichnet, dann im bildlichen gebrauch beibehalten, wie noch in zufall,
z. b.: ob disem briefe dehainerlai schade oder gebresten zuo fiele.
mon. Zoll. 1, 392,
zufällig durch unfall zustiesze; saltuatim scribere
verdeutlicht Frisius 1175
b durch unordenlich schreiben, wie es eim on gefAerd zuofalt.
schon mhd. in der schulsprache unterschieden z. b. wesenlicher lôn
und zuo vallender lôn Suso im
leseb. (1839) 885, 31,
d. h. nach lat. accidens,
das aber selbst auf das '
zufallen'
der würfel oder losze zurückgeht. I@3@ee)
aber auch bloszes gefallen (fallen)
für zufälliges geschehen schlechthin (
s. Melber und Henisch
u. a)
schon in mhd. zeit: dâ von eʒ was gevallen bî der selben zît alsô
u. s. w. Konrad
Silv. 154; und geviele iʒ, daʒ ein missedediger man .. gevangen würde.
weisth. 2, 206; in den zîten daʒ gevêl (
nd.), daʒ Wenden daʒ kastel
u. s. w. deutsche chron. II, 511
b.
so mnd., s. das. 675
c, Sch.
u. L. 2, 91
b.
nhd. z. b.: allda gefielen nicht weniger grosze trünke. Schweinichen 1, 113.
s. auch 6,
a von reden und unter 5
von zufälligem kommen. mhd. aber auch vom schicksal, dem man sich fügen musz (
wie dem fallen der losze): eʒ was in sô gevallen.
livl. chron. 5724,
als trost gemeint, wie v. 4934 eʒ geschiht daʒ geschehen sol. I@44)
ein vertheilen (
und der zufall dabei)
liegt den folgenden anwendungen als begriff zu grunde. I@4@aa)
entstanden ist das, glaub ich, von der vertheilung der beute, die wol, nachdem die fürsten und führer sich ihren theil, den besten teil
frei gewählt hatten (
vergl. Germ. 10, 137,
auch oben sp. 1676
und 1717
γ),
durchs losz geschah, mit dem jedem sein theil '
zufiel',
wie wir noch sagen; das blickt noch spät aus folg.: waʒ (
gleich swaʒ) schaf und swein der stat von peuten gevilen (
in der fehde), die verkauft man (
d. h. der rat) wider der gemein.
Nürnb. chron. 2, 311, 22; ee man dieselben beut gab, so seczten die beutmaister einen tag und slugen des ain zetel an den stock bei dem schönen brunnen,
es sollte jeder seine gemachte beute auf das rathaus bringen und da beutrecht thun .. auch ob (
wenn) einer meint, er het innen (
zu hause bleibend) besser, dann im zu beut möcht gefallen (
bei der rechtmäszigen vertheilung) .. 2, 261, 11,
ein erwünschter blick in das alte beuterecht noch im 15.
jahrh.; ich hoffe dasz mer die schone meit zu der (
d. h. als) bute solle gefallen.
Alsfeld. pass. 1096; wo beut gefellt, da sein sie frisch, wo schleg gefalln, da fliegens (
fliehen sie) risch.
froschmeus. III, 1, 5,
bl. Oo 4
b (Pp 1
a).
also mir gefellt zur beute
und auch allgemein beute gefellt,
kommt zur vertheilung. statt beute
auch frume,
d. i. gewinn, nutzen, in einem fehdebündnis thüringischer grafen vom j. 1311: allermenlich sal sînen schadin selbir trage ... abir frumen sullen alle die mite neme (
ihren '
theil'
daran nehmen) nâch der manzale die dâ mite sîn, da (
wo) frume gevellit. Höfer
urk. s. 93.
übrigens auch im 13.
jahrh. schon vom besten teil,
eigentlich ungenau, gevallen,
d. h. auf die allgemeine bedeutung '
zu (
als)
theil werden'
erstreckt: sînes muotes wart er geil (
der neue raubgeselle) dâ von daʒ im der beste teil ie geviel an gewinnen (
in gewinn- und beutefällen).
Helmbrecht 689.
den grundbegriff kannte noch Henisch: gefallen,
obvenire sorte. 1414; das ist mir gefallen,
obtigit, obvenit. das. I@4@bb)
wie dabei die vorstellung, einmal von ihrem ursprünglichen bilde sich entfernend, leicht in ein anderes gerät und so die verschiedenen bilder sich kreuzen und mischen, zur qual des lexicographen, ist hier besonders deutlich zu erkennen. wenn z. b. Rollenhagen
vorhin, wie die beute, auch die hiebe gefallen
läszt, so ist das deutlich zunächst eine scherzhafte, hohnscherzende anwendung der beutetheilung (
vergl. noch heute hiebe 'austheilen'
und dazu sp. 1684),
aber die schläge fallen
ja zugleich im eigentlichsten sinne. ähnlich kann bei dem frume gevellit
zugleich an früchte gedacht sein, die wie einkünfte 'gefallen' (
s. 2),
eigentlich wol vom baume. bei Hartmann
u. 3,
e a. e. ist das gevallende unheil
zugleich als teil,
d. i. beutetheil, antheil bezeichnet, eigentlich mit eben dem hohnscherze, der im kampfleben den verlierenden theil verfolgt. noch anders im folgenden, gleichfalls aus dem kampfleben, das so viel witz in hohn und hasz erzeugt; ein teufel sagt: gefielen sie uns uf der selben fart, mer wolden sie werfen in unsern bart (
mund) und mit unsern zenen zuriszen.
Alsfeld. pass. 340 (Haupt 3, 489),
wenn sie uns zur beute würden, unsrer willkür preisgegeben, aber zugleich: wenn sie uns '
in die hände fielen',
durch zufall gerieten. I@4@cc)
von der beutetheilung ward das gefallen,
wie anderes, auf die erbtheilung übertragen (
wb. 3, 219
b, 31),
dann auf den erbanfall überhaupt: wand unser aller erbe dir einem nu gevellet.
pass. K. 399, 79; ist ouch daʒ die frouw von tod abgat vor dem man, so gefelt dem man daʒ ligend guot halb.
weisth. 1, 14 § 37, Josias was Ammons sun .. und gefiel im daʒ rich. Merzdorf
historienbibeln 465; es ist mir ein erb gefallen,
obvenit haereditas. Maaler 161
c; das erb gehört oder gefalt im zuo,
illi cedit. 161
d,
mit zu
verstärkt wie unter 3,
d. auch mit an (
vgl.anfall 2, angefälle, anfallen): dô der (
könig) verschiet, dô geviel daʒ lant an in und sînes bruoder hant.
Trist. 149, 11;
die stadt Schaffhausen bestimmte im j. 1261,
in bezug auf das erledigte reich: alle die burger hânt mit guotem râte daʒ gesworn, daʒ wir an enkeinen herren gevallend, der gewerbe ald krieg (
s. d. II, 3) umbe rœmischeʒ rîche hât .. wan mit gemainem râte .. unde willen aller der burger.
Schaffh. richtebr. § 96 (
in § 103
dafür komen).
mhd. auch behagen,
s. II, 1,
b. I@4@dd)
dann auch von austheilung anderer art, wie von der ausbeute
im bergbau, die ja eben noch als beute
bezeichnet ist: ein ausbeutzettel, darinnen, wie viel auf einen kux gefallen .. verzeichnet. Veith 38.
diesz dann weiter z. b. auf die bienenzucht übertragen: aus reichen fetten stöcken gefallen reiche ausbeuten. Höfler
bienenkunst (1614) 226,
was denn wieder zusammenfällt mit dem gefallen
von wachs und honig unter 2. I@4@ee)
daran schlieszt sich weiter natürlich das gefallen
von einkünften, zinsen, steuern, beisteuern, zahlungen u. ä., theils noch als antheil bei einer vertheilung der einem zufällt, zukommt, theils als früchte denkbar die dem herrn zufallen (
s. u. 2)
und noch anders. dazu als subst. gefälle (3),
auch gefall (4)
und einfach fall,
s. unter γ. I@4@e@aα)
dem frume gevellit
in dem fehdebündnis unter a gleicht aufs haar folgendes nutz gevellet,
nur im rechts- statt im kriegsleben: wir sullen ouch da haben ein ammetman gemeine .. der uns glîche teile alle den nuz, der dâ gevellet von gerichte oder von andern dingen. Haltaus 605,
vertrag zweier geistl. herren vom j. 1282
über gemeinsamen besitz einer ortschaft; so sal dem gotishus zu Eylverstorf (
von dem erbe des verstorbenen) volge und gevalle das beste pherd und der harnas. 606,
aus Querfurt 14.
jh., der sog. fall,
genauer todfall, leibfall (
s. Schm. 1, 521),
auch angevelle
Ssp. II, 58
a. e.; das ainem ieden kellner daselbs .. todvall sullen geben werden und gevallen .. so soll dem kellner gevallen (
aus dem erbe) .. aus demselben vich das pest stuck on das pest (
d. h. das zweitbeste).
östr. weisth. 1, 300
fg.; das von küniclicher erbezal den kirchen solte zehende gefallen.
Straszb. chron. 363, 9; herzog Steffan sant potschaft gen Rom .. umb ain gnadenjar gen Münichen und verhiesz dem babst darvon ze geben gleich halben tail der darvon gefiel (
conj.).
Augsb. chr. 2, 45,
der auf seinen theil kommen würde; Albrecht erzbischofen zu Mainz, dem das gelt vom ablasz halb gefiel und dem bapst das ander halb theil. Ritter
übers. von Melanchth. leben Luthers (1561) 37,
alles noch eine art beutetheilung. I@4@e@bβ)
dann auch von gefällen, einkünften, die zu bestimmter zeit wiederkehren, wie die ernde der früchte (
vgl.fruchtgefell
unter gefälle 3,
c),
womit der begriff einen neuen ansatz gewinnt, indem das vertheilen zurücktritt und das empfangen durch den einzelnen in den vordergrund: so musz doch der kasten (
s. d. 3) bald vergehen, denn es ist nichts da, und gefället nicht so viel, damit man die person erhalten müge. Luther
br. 2, 380,
er hat nicht so viel einkommen; so ist auch nie kein kloster noch stift gebauet, darauf nicht genug zinse gefallen müszten.
schr. 2, 407
a; der arm man musz des unglücks allein warten, die oberherrn sitzen frei und sicher. gott gebe (
s. sp. 1708) man verderbe oder gedeie, so müssen die zinse gefallen. 4, 220
a,
müssen regelmäszig entrichtet werden. mit nennung des zeitpunktes z. b.: die bezalung gefalt (
cadit) auf den ersten tag des monats. Maaler 161
d; die beste nutzung von den schafen, so im dritten jahr gefellt.
bair. landr. von 1616
bei Schm. 1, 520.
immer auch mit einfachem fallen
wechselnd, z. b.: so sol derselben gült fallen dem pfarrer 7 pfd. dl., so sollen dan den zwaien herren gefallen 12 pfd. dl. Schm. 1, 520.
daher noch fällig
und gefällig,
zahlbar auf bestimmten termin. vergl. das gefallen
von tagen im kalender 5,
a. I@4@e@gγ)
weiter für eingezahlt, geliefert, beigesteuert werden, wo denn im gegensatz zu dem ursprünglichen vertheilen vielmehr ein sich ansammeln eintritt: was auch opfers durch das jare in der capellen gefellet, das sal den (
geistlichen) werden und gefallen, den es von alders .. zugeburet.
cod. dipl. Sax. II, 3, 81, 15.
jh., vorher das. von andern einkünften der capelle: darzu lehenware, gerichts und ander
felle gefallen,
eingezahlt hinzukommen; dasz alles opfer, das in der cappellen gefiel (
conj.), in den baw gehöret.
Nürnb. chr. 3, 160, 25; der bischof von Augspurg bracht aplasz .. mit im herausz .. da gefiel allein in Augspurg .. xx tausent gulden. S. Frank
chronica 209
a; als nun der erst stain gelegt war (
der grundstein zum Ulmer münster), griff Ludwig Kraft in sein taschen und legt hundert goltgulden auf den stain, das thetten auch die andern .. und gefiel auf disen tag ein merklich grosz gelt.
ders. Germ. chron. 1538 313
b; wer nichts thut, wo nicht geld gefellt, thut alles, wann ihm nur kümmt geld. Logau 3, 259, 241 (
s. 672
Eitn.). I@4@e@dδ)
bemerkenswert im perf., gefallen sein,
wie jetzt fällig
oder verfallen sein: so ist hein (
keine) gülte gevallen. Haltaus 606; alles sin geschlechte solte man iemerme von der stat verwisen und alles sin guot solte der stat gevallen sin. Closener
Straszb. chr. 86, 6; alle busze das halb theil an dem gerichte soll gefallen sein unsern gn. herrn und das ander halb theil der busz soll gefallen den schöpfen. Haltaus 606; dasz dieselbe lüt und guot dem römischen riche gefallen sind.
das., als lehen anheim fallen. es wird der tag des verfalls, der todestag des lehnsmannes o. ä. als vorüber gedacht sein, von welchem an der 'fall'
eigentlich eben schon gefallen ist. I@4@e@eε)
aber auch das praes. für fällig werden, verfallen sein, wenn der tag voraus gedacht ist: stirbet eins, dem anteil geben (
in zusage gegeben) ist, e das anteil gefallet. Scherz 53,
vor der zeit, die die zusage bestimmte; (
sie drängten so) daʒ die stockmaister gehaiszen wurden, daʒ sie in irn tail ausrichten (
von der gefangnenbeute), ee er gefiel.
Nürnb. chron. 2, 265, 20; die schatzung, so von den gefangen gefiel. 264, 16. 266, 3.
hier ist es zugleich ein gebüren
und so oft: ertrinkt .. ain schef (
salzschiff) .. davon sol (
dennoch) dem schefman sein lon gefallen vor allen lewten. kumpt sein auch so vil aus (
wird davon so viel geborgen) das dem schefherren sein lon und schefmiet davon gefallen mag, das sol auch sein sein.
östreich. weisth. 1, 87, 37,
zugleich: zu theil werden, womit es zu α zurückkehrt. I@55)
ein zufälliges eintreten, kommen, geraten ist es im folg.; vgl. 3,
e von zufälligem geschehen. I@5@aa)
feste u. ä. gefallen
auf einen tag oder an einem tage (
jetzt fallen),
wobei der kalender gedacht ist mit seinem wechsel: alsô daʒ taidinc dô geviel (
die ausgemachte frist), dô gap er im Rachel.
gen. D. 56, 30; ob ain veirtag an den samstag gevellet, so mac man die flaischpenke wol offen haben.
Nürnb. poliz. 200; sant Peters dag .. der des jores uf einen samestag geviel.
Straszb. chron. 90, 5; sin tag gefellet an dem andern tage des ougestes. 515, 14; die fest der edelleut gfallen selten im christmonat. S. Frank
spr. 1, 130
a.
ähnlich das gefallen
von zinsen u. ähnl. zu bestimmter zeit 4,
e, β.
vgl. gefällig I, 4. I@5@bb)
ähnlich auch anderes gefallen,
z. b.: auch hab ich eim ieglichen vers acht sylben gegeben, ohn wo ein infinitivus am ende gefelt, der bringet mit sich ein obrige sylbe. Alberus
Es. s. xi,
jetzt ans ende fällt,
durch zufall zu stehen kommt. I@5@cc)
auch von wirklichem kommen, Ulrich v. Licht.
erzählt von einem turnei, wie sich die zwei haufen gegen einander bilden: zuo mir geviel ouch her Kadolt .. zuo mir geviel ouch her Heinrîch .. von Haselowe der biderbe man viel ouch zuo mir.
frauend. 497, 14
ff. ebenso von der gegenschar: des fürsten gesinde ûʒ Oesterrîch viel mit sîner schar zuo in .. von Mîssow mîn herr Otte sâ geviel in ouch ze helfe dâ
u. s. w. 497, 31
ff. da es sich um ein theilen der vorhandenen kräfte handelt, wie es auch heiszt zuo mîner schar man teilen sach den schenken
u. s. w. 497, 11,
so mag auch dahinter die theilung einer beute etwa zwischen zwei haufen als letzter ausgangspunkt versteckt sein, obwol hier das vallen
zugleich ein freiwilliges ist, wie noch später im parteileben u. ähnl. einem zufallen (
vgl. 6,
d), beifallen,
sich zu ihm schlagen. I@66)
von antwort, worten, reden, urtheilssprüchen u. ähnl. I@6@aa) antwort gefällt,
wird gegeben, abgegeben: wartten also die nacht (
auf den bescheid des herzogs), des andern tags auch, umb die ein uhr nachmittag da gefiel antwort.
Flersh. chron. 83, 31; wenn zu Leipzig gefraget würde (
bei dem verhör der evangelisch gesinnten), ob man herz. Georgen .. unterthan sein solt, und gefiel eine solche antwort, es sind zu Leipzig so viel bürger als in beiden Dresen, das were eine köstliche (
alberne) antwort. Luther 6, 14
b.
dann auch von bedeutsamen worten, reden
überhaupt (
wie jetzt noch fallen): gott sprach, es werde liecht. da drückt er aus, das bei gott ein wort war ehe denn das liecht ist worden .. wenn aber gott redet und das wort gefellet, so ist er nicht allein, so kann er auch das wort nicht selbs persönlich sein. Luther 4, 5
a; böse geselschaft, da oft gar ergerliche wort gefallen wider den glauben.
glosse zu 1 Cor. 15, 33; desmals sasz ich neben andern guten leuten ans doctors tische, daran gute und lehrhaftige reden gefielen. Mathes.
Luther 139
a; hieneben gefielen mehr guter reden vom berggut
u. s. w. 198
b,
von äuszerungen Luthers; desmals gefelt über tisch ein historien, wie ein bergman
u. s. w. das. und oft. I@6@bb)
der quelle näher vor gericht, da gefällt
urtheil und entscheidung: darumb ward erteilt mit einhelliger und gefallner urteil, dasz si das .. wol tun möchte .. als iro mit gefallner urteil erteilt ward. Haltaus 606, 14.
jahrh.; und werdent die fünfen ein mit ir urtail, damit hat der behabt (
recht behalten), dem das recht gefellt.
das., zugleich: zugesprochen wird. auch es gefellet mit urteil
u. ähnl.: und was da gefellet mit dem urteil
u. s. w. das.; do ward gevrogt, waʒ recht wær, da geviel mit vrog und mit urtail, seid
u. s. w. font. rer. austr. II, 10, 343. 402,
d. h. der richter fragt die schöffen o. ä., die nun ihre meinung abgeben. wieder auch mit dat. der person: do ertailten die lantherrn und geviel im auch mit frag und mit urtail .. Haltaus 606,
vgl.daʒ reht .. was im gevallen
Er. 1107,
er erhielt es zugesprochen. daher noch jetzt fällen
vom urtheil, einzeln auch fallen,
vgl. ausfallen. I@6@cc)
der ursprung ist glaub ich bei der abstimmung zu suchen, das abgeben der stimmen, der meinungen ist eig. das gefallen,
darauf aber mag es von dem gefallen
der losze übertragen sein (3,
a ff.),
mit denen man in allerlei zweifelsfällen die entscheidung suchte; so ist unser abgeben
der stimmen bei abstimmungen übernommen von dem abgeben
der losze oder kugeln (
s.kugel 3,
e)
an den einsammler, man spricht aber da auch noch davon, wie die stimmen fallen, die abstimmung ausfallen
werde. von einer abstimmung im gericht heiszt es noch im 17.
jahrh.: und gefiel von ihnen allen ein einhellige meinung. Ayrer
proc. 3, 2.
mir selbst kam der gedanke an die losze von dem hinfallen
nachher unter d. I@6@dd)
von den stimmen auch übertragen auf die abstimmenden selbst: it. weisen wir auch mit recht, was des (
gemeinsamen) walts halber zuschicken, zuthun und zu handlen ist, soll man zu Rüsselsheim thun und ausrichten, und weisen auch mit recht, wo drei dorf
hinfallen, sollen die ander zwei dorf mit zu fallen.
weisth. 4, 558,
die minderheit soll der mehrheit sich fügen, anschlieszen; si sind all zuo im gefallen,
cui assensi sunt omnes. Maaler 161
c,
stimmten ihm bei, stimmten wie er. vgl. mhd. gevallen zuo
unter 5,
c, sich einer partei anschlieszen. hier erklärt sich wol auch ein merkwürdiges gevallen vor (für)
etwas mit rede,
dafür sprechen vor gericht: ab man icht billicher die altsessen manne manen sulle (
als zeugen aufzutreten), wenne (
als dasz) sie (
die klägerin) mit keiner rede do vor gevallen moge.
Magdeb. fragen s. 228,
eigentlich ihre stimme abgeben? so mhd. persönlich gevallen an,
beistimmen, eigentlich eben so stimmen wie der vorige: der edel vürste sich dar wante, an die rede er dô geviel.
MSH. 2, 242
a.
von einer menge aber für einhellig stimmen: und enkunnet under iu allen an einen niht gevallen (der
u. s. w.).
Trist. 6094,
könnt euch nicht einigen über einen vorkämpfer. ähnlich von einer mehrheit ûf einen sin gevallen,
gemeinschaftlich einen gedanken, plan fassen, als ergebnis einer beratung, z. b.: dar ûf geviel des volkes sin mit (
mittelst) eime gemeinen râte.
pass. K. 254, 18.
ebenso einfaches vallen,
z. b.: an einen rât si vielen dô .. si vielen ûf den selben sin (
vorschlag).
livl. chron. 2390. 94; biʒ daʒ si vielen ûf die kür. 2444,
sich dazu entschlossen, den beschlusz faszten. s. auch gefällig I, 5, einem gefellig sein,
ihm zustimmen. I@77)
merkwürdig ein trans., das im folgenden wol notwendig ist (
zu 4,
e): es sol auch kein burger .. ichtz herbringen oder hie kaufen .. es werde dann recht verzolt und der stat ir gerechtigkeit (
gebühren) do von gefallen.
Nürnb. poliz. 143. IIII.
Das heutige gefallen,
placere, das uns jeden zusammenhang mit fallen
verloren hat, der denn zuerst aufzusuchen ist. es ist übrigens nur im hd. entwickelt, goth. vielmehr galeikan,
alts. lîkôn,
ags. lîcian, gelîcian,
auch mhd. einzeln gelîchen;
das nnd. gefallen Schamb. 60
a, Danneil 62
b musz hochd. einflusz sein. II@11, II@1@aa)
es wird gleichfalls von der beute- oder erbtheilung durchs losz ausgegangen sein (I, 4,
a. c),
denn alles ist klar, wenn man sich denkt wie die betheiligten ihren theil gut oder nicht gut fanden: mir gevellet eʒ wol
oder übel (
s. 2,
a. b),
ich habe '
ein gutes oder schlechtes losz gezogen'
wie wir im bilde noch sagen, nur dasz das perf. genauer wäre: mir ist eʒ wol gevallen,
was unter I, 3,
b in der bedeutung ich habe glück (
gehabt)
erschien; der übertritt ins praes. aus urspr. perf. kommt aber auch sonst vor, z. b. bei gedenken (
sp. 2009
unten);
s. auch unter kennen I, 3,
d, können I, 2,
a. oder auch gleich im praes., bei benanntem subject, wenn einer bei der theilung im voraus erklärte mir gevellet
das und das, d. h. ich setze voraus oder verlange, dasz mir das zufällt, weil es mir '
gefällt',
oder gelegen, passend ist, wie heute beliebt wird das paszt mir
zu sagen, das ist mir gelegen, willkommen, zugleich schon halb: das gefällt mir. II@1@bb)
diese bedeutung passen ist ahd. häufig (
s. auch mhd. nhd. u. 2,
c),
wo gifallan
neben competere, obvenire, obtingere (
sortito)
auch für convenire, congruere, conducere (
nicht placere)
eintritt Graff 3, 457
fg. bemerkenswert auch girîsan,
d. h. eig. fallen, für competere, congruere, convenire, decere 2, 538,
was doch auch vom fallen der losze kommen wird, während es in gebühren
umgekehrt von einem aufsteigen hergenommen ist (
sp. 1888. 1894),
wie alts. girîsan
decere, aber gebühren
galt auch vom antheil, der einem bei einer theilung zukommt (
sp. 1893),
ob vom aufsteigen der in und aus dem helme geschüttelten losze? aus dieser art loszung begriffe sich auch, wie rîsan
zugleich steigen und fallen bezeichnen konnte. ganz nahe steht auch mhd. gezemen,
das wie gevallen
sowol passen als zu theil werden (Walther 74, 7. 35, 23)
und auch gefallen bedeutete; s. auch 'eigen und gefallen'
u. 6,
b. eigen, dasz auch behagen
mhd. für zu theil werden galt, mit dem umgekehrten gange der entwickelung wie bei gefallen,
wie es scheint, der aber auch die nachbarschaft beider begriffe bis zum übergehen glaublicher macht: ir sît sô rehte schœne,ir möhtet krône tragen, ob eʒ iu wol möhtevon erbe her behagen.
Gudr. 1222, 2. II@1@cc)
die entfernung dieses gefallen
von fallen
ist besonders in dem haben
deutlich, das im perf. für sein
eingetreten ist. aber mhd. noch mit sîn: waʒ ir ie getâtent darinne ir iuch selber gevallen sît (
s. 7,
a) oder den liuten, daʒ ist betrogeniu hôhvart. Eckhart 449, 38,
von selbstgefälligem thun (
zu iuch
s. 9),
denn gevallen
steht da kaum schon für gevallend,
wie es im 16.
jahrh. vorkommt (
vgl. unter 2,
b aus d. ackerm. aus B.): ich weisz ein blümlein hübsch und fein, das ist mir wol gefallen. Böhme
altd. liederb. s. 698. II@22, II@2@aa)
lange ist noch wol gefallen (
s. 1,
a)
die geläufige wendung, vgl. als subst. dazu guter gefalle
sp. 2100 (
auch mhd. wol behagen): daʒ geviel den engilen allen wol.
gen. D. 2, 20; lât iu die zît gevallen wol, sît noch ein bœser komen sol. Freid. 114, 1; übel müeʒe mir geschehen, künde ich ie mîn herze bringen dar, daʒ im wol gevallen wolde fremeder site. Walther 56, 34; wem sol daʒ wol gevallen? Neidhart 14, 19; mîn lîp was frô, daʒ herze sam, daʒ ir mîn vart geviele wol. Lichtenst. 160, 3; ir ains das ander kuste, das geviel in baiden wol. Wolkenst. XXVIII, 1, 22; Zug, Glarus, ir lob ich allzit bris, si tuond mir wol gefallen. Liliencr. 1, 557
b; die Gaschgonier und Lackeien greif man zum ersten
an. den geviel nit wol der reien, sie machtend sich bald darvon. 3, 94
b; Eurilochi red und meinung gefiel den gesellen wol, bewilligten behend darein. Schaidenreiszer
Od. 163
b; ey das gefelt mir auf dich wol. Ayrer 392
a (1968 4),
wie jetzt an dir
oder von dir;
ein preislied auf könig Gustav Adolf, das nachher angeführte geistliche lied benutzend, beginnt: ich hab den Schweden mit augen gesehn, er thut mir wol gefallen. Soltau 2, 382; danken kost nichts und gefällt gott und menschen wol. Lehman
flor. 1, 133; wie Voltaire über Rousseau (
lachte), dasz ihm das gehen auf allen vieren so wol gefiele. Herder
v. deutscher art u. k. 18.
im comp. basz gefallen: das wird dem herren basz gefallen.
ps. 69, 32. wol
verstärkt, z. b.: wie süsze und wol im dasselb gefalle. Luther 6, 14
b.
Auch als éin wort schon im 16.
jahrh.: dein leib und gstalt mir wolgefelt. Körners
hist. volksl. 202; ich weisz mir ein blümlein, ist hübsch und fein, das thut mir wolgefallen. Hoffmann
gesch. des kirchenl. s. 407,
aus dem Leipziger gesangbuch von 1586 (
es steht noch in dem v. 1767
s. 204); und ir seid hierin gewis (
d. h. könnt sicher sein), das solchs alles gotte wolgefellet. Luther 6, 17
b; wer kans machen überall, das einem jeden wolgefall. Henisch 1415, 39.
daher noch heute als subst. wolgefallen
neben gefallen (
sp. 2100),
während man jetzt sonst sagt das hat mir gut gefallen.
nl. wel gevallen
gleich behaagen
noch bei Halma 58
b.
s. auch gefällig II, 2. II@2@bb)
im gegensatz ursprünglich übel gefallen.
so ahd. in der bed. passen ubelo gevallet,
es paszt nicht Graff 3, 458.
mhd.: ubil gevallent in unsir site.
exod. D. 139, 35; mir gevellet vile ubele.
Rol. 33, 4; der rât gevellet mir ubele. 40, 12; das alter .. ist suchtig, arbeitsam .. und allen leuten übel gefallent.
ackerm. aus B. 30, 12 (
var. ungefallig).
auch nhd. noch lange, wie wir ja noch sagen er hat mir nicht übel gefallen.
Dazu eigentlich die häufige frage, nicht ob,
sondern wie
einem etwas gefalle, d. h. ob wol oder übel, z. b.: Gunther der edeleder vrâgte sîne man (
im rate), wie in diu rede geviele.
Nib. 1397, 4; wie gevallent iu diu mære? 1443, 3.
so noch im 17.
jh. in den fragen des dichters an den leser: leser, wie gefall ich dir? leser, wie gefällst du mir? Logau. seht da, ihr Deutschen alle, da stehn wir narren vier, wie thun wir euch gefallen? sind wir nicht wunderthier?
alamodo monsiers bei Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 412.
wenn man jetzt noch fragt wie gefällt dir das?
will man doch mehr hören, ob sehr, ausnehmend
o. ä., oder doch ein wenig, einigermaszen,
obwol auch schlecht
geantwortet wird, wie im 17.
jh.: ich will nicht hoffen, dasz deroselben dieser wenige garten so gar schlecht gefallen wird. Weise
polit. redner 327. II@2@cc)
das blosze gefallen
und nicht gefallen
doch auch schon mhd. ahd.; im letzteren jedoch nur in der bedeutung passen, geeignet, erwünscht sein u. ä. (ne gevallet nieht,
non conveniens est),
die aber auch mhd. da wol öfter noch mit eingemischt ist, als man meint (
s. die wbb.),
z. b.: Libanus .. der selbe walt, den der kuninc Salemon galt (
kaufte) .. wand ime die boume wol gevielen ze zimbern und ze kielen.
Alex. 949
W.; du (
falke) erkiusest in dem walde einn boum der dir gevalle. Dietm. v. Eist
minn. frühl. 37, 11; dô sprach der künic edele:nu heiʒet her gân der iu dar zuo gevalle,den sul wir voget wesen lâ
n. Nib. 490, 4; swaʒ iu von mir gevalle,des bin ich iu bereit. 348, 15 (356, 3
B.),
zugleich mit einmischung von belieben (
s. 3,
e).
für zu gute kommen, conducere auch im 15.
jh. noch wol gefallen,
gewiss öfter als beobachtet ist: lasz dein grosze klage sein und lasz die alten weib schallen, sie werdent uns noch wol gefallen.
fastn. sp. 509, 27.
vermischt mit der folgenden bed. mag es z. b. im folgenden sein: si (
die doctoren) hand ain buoch, genant das decretal, was in gefelt, das seit es alle mal. Liliencron 1, 150
a,
zugleich: was ihnen in den kram paszt. s. auch gefällig II, 1
für passend. II@2@dd)
bloszes gefallen
placere für wol
oder gut gefallen
ist doch auch schon mhd. (
s. auch unter gefall 3,
dazu gefälle 4);
nhd. z. b.: gevallen, behagen,
placere, complacere. voc. 1482 m 4
b; es ist eine feine regel, wer da wil jederman gefallen, der lasse im jederman gefallen. Luther 4, 128
b; ich halt, das dis büchlin auch unsern widdersachern selbs müsse gefallen.
bei Dietz 2, 35
b; das geistlich (
canonische) recht gilt by uns nüt (
nicht mehr), ich bgär gotswort, wems gfalt dem gfeltz (: beltz). Utz Eckstein
concil., klost. 8, 725,
d. h. es ist mir einerlei, wem das gefällt oder nicht, was die gegner dazu sagen. II@2@ee)
entsprechend nicht gefallen
für das alte übel gevallen: wann (
denn) chainem narren gevellet nicht, wann man von weishait mit im spricht. Vintler 8578; wem nit gefält disz narrenbuoch .. ich bitt keinen das er es kouf. Brant 110, 22; wems nicht gefellt, der lese es nicht. Avent.
chr. 100
a; ehe denn die bösen tage kommen und die jar erzutretten, da du wirst sagen, sie gefallen mir nicht.
pred. Sal. 12, 1; wem der tanz nicht gefelt, der sihet saur ausz. Henisch 1416, 27,
sprichw.; gefällts den Meisznern und ihren nachbarn nicht (
mein deutsch) .. so werdens doch die Östreicher und ihre anstöszer nicht verstoszen. ich wollte sagen, bekompt es gleich seine tadler, so wirds doch auch lober .. finden. Grimmelshausen
teutscher Michel 12 (4, 408
Kz.); es mag euch gefallen oder nicht, ihr solt es thun,
sad or merry, you must sing. Ludwig 708.
scherzhaft, ein galgenwitz: es wil Marcolfo kein baum gefallen, daran er hang. S. Frank
spr. 1, 50
a.
so spöttisch den geviel mit wol der reien (
kampf) Liliencron 3, 94
b,
s. 2,
a. auch unverneint, in ironie: also mir dwält gliebt und gfalt nach irer art unsinnigkeit, das min nerz dran hat groszes leid. Ruff
Ad. u. Heva 5397; nun das gefällt mir!
als ausdruck unwilliger verwunderung bei Adelung.
auch mit können, wollen: das kann mir, das will mir nicht gefallen;
vgl. aus dem 15.
jh. u. 3,
a bei Pichler.
s. auch misfallen,
schon mhd. missevallen. II@33)
eine besondere entwickelung läszt sich im öffentlichen oder gemeindeleben erkennen. II@3@aa)
bei beratungen handelt es sich darum, wie das und das den räten oder dem fürsten gefalle;
der fürst selbst fragt jene damit um ihre meinung: der keiser in sînen wizzen die fürsten vor ime hieʒ sizzen. er sprach: o wole, ir fürsten alle, nu virnemit, wie iu dise rede (
das folg.) gevalle.
Rol. 30, 10,
d. h. vernehmt und sprecht euch dann aus (rede
zugleich angelegenheit);
vgl. schon unter 2,
b aus den Nib. und Rol., aus dem 16.
jh. unter 2,
a aus Schaidenreiszer,
es ist gewiss im parlamentarischen leben, das ja sehr entwickelt war, lange fortgeführt worden. auch zum aussprechen ihrer meinung werden die räte so aufgefordert: sô redet al daʒ iu gevalle.
Rol. 45, 9,
zugleich: ganz nach belieben (
e).
auch einen vorschlag machte man so der versammlung: gevielʒ iu wol unt wær iu niht ein ungemach, wir solden
u. s. w. Lohengr. 1155.
ebenso fragte man nach dem gefallen
des herrn, ja auf gegenseitiges gefallen
war die ganze beratung gerichtet: er (
der bürger als redner der städte) sprach: 'ir herren, merket eben (
genau), die stete gemeine wellent iuwers râtes pflegen (
ihn haben). ob halt ir (
eigne) witze wol ein wægerʒ vunde, sie tæten dannoch anders niht dan daʒ iu möht gevallen' ... sie sprâchen 'habt ir keinen sin (
einen guten gedanken) in iuwerm muot, den lât uns hœrn, ob er uns müge gevallen'.
Lohengr. 1174
ff. dabei die offne erklärung, für den fall des nichtgefallens: gevelt er uns, sô wiʒʒet daʒ: wir prîsen in, welt ir eʒ lâʒen âne haʒ, gevellet er uns niht, ob wir eʒ widersprechen. 1180
ff., d. h.: falls ihr uns die freiheit gebt (
es ungehasset lassen wollet),
dasz wir widerspruch thun, wenn er uns nicht gefällt. auch die entscheidung, der beschlusz wird so ausgesprochen (
s. auch gefällig II, 5): 'gevellet iu der rât, sô heiʒt eʒ sô verrihten'. der rât geviel in allen wol
u. s. w. Lohengr. 1210
fg., was denn mit dem gefallen
der stimmen bei der abstimmung (I, 6,
c)
sachlich zusammenfällt. nhd.: es gefalt im, er ist der meinung,
placet. Maaler 161
c.
ob überlieferung aus Rom her darauf gewirkt hat? auch dort hiesz es placuit senatui, placitum est
u. ä., wie noch bei den abstimmungen auf concilien placet
und non placet.
nach dem lat. vielleicht von einem beschlusse: gehört des volkes laut erhobne klage, gefiel es, einen landtag auszuschreiben. Chamisso 4, 76.
auch auf eine wahrheit erstreckt, der man beistimmt oder nicht, z. b. auf die meldung von Christi auferstehung sagt der ungläubige Thomas: Maria, la dein schallen, wie mag mir das gefallen, dasz ein todter man von dem tod sol aufstan? Pichler
drama des mitt. in Tirol 160,
deutlich: wie soll ich das glauben? eigentlich: dazu ja sagen, wie bei einer abstimmung. II@3@bb)
vom fürsten und herrn übertragen auf gott als obersten herrn, wie auch schon römisch placuit superis
u. ähnl. und noch jetzt z. b. in todesanzeigen es hat dem herrn über leben und tod gefallen (
nl. behaagd)
u. s. w., er hat es beschlossen, verfügt; es hat gott also gefallen, es ist also sein will gewäsen,
hoc deo complacitum est. Maaler 161
c; so es gott gefelt,
si deus voluerit. Henisch 1415,
als fromme wendung; wenn mein leiden der vorsicht gefällt, sind niedre geschäfte meine bestimmung allhier .. Cronegk 2, 61; ihr durchstudiert die grosz und kleine welt, um es am ende gehn zu lassen, wies gott gefällt. Göthe 12, 99; wenn es gott und der natur gefallen hätte, den urgebirgsknoten von Nubien durchaus .. zu entwickeln. 23, 267. II@3@cc)
von fürsten auch sonst, auszer der beratung, z. b.: es gfiel mir wol und wär mir eben, tät irs von armer leute wegen. Uhland
volksl. 439; es gefiel dem könige, das er mich hin sendete.
Nehem. 2, 6.
vergl. im canzleilatein placetum,
d. i. jenes placet
mit endung versehen, z. b. das placetum regium,
gutheiszen, billigung. II@3@dd)
im leben als höfliche wendung, gewiss zum theil als nachahmung der höfischen anrede gegen die gebietenden: gefällt es euch mich zu begleiten?
u. ä., ich begleite euch so es euch gefällt (
s'il vous plaît), möge es euch gefallen mich anzuhören
u. dgl., so sagte man noch im 17.
jh., wie man jetzt gefällig sein
verwendet. noch im 18.
jh.: wenn dirs gefällt,
si tibi videtur. Weber 329
a; kommen sie, wenn es ihnen gefällt. Adelung; wir machen doch diesen morgen eine tour, nichtchen? 'wie es ihnen gefällt'. Göthe 14, 156 (
groszc. 2, 4).
landschaftlich wie gefällt?
gleich wie beliebt?
was wünschen sie? was meinen sie? wenn man z. b. eine frage nicht verstanden hat. vgl. 8,
b. II@3@ee)
als grundbegriff tritt da das freie belieben hervor (
vgl. das subst. II, 2,
c fg.): heiʒt unser vrouwen mit ir nemen .. ir mâge, ir man und die ir wol gevallen (
conj.).
Lohengr. 1203; thut mit inen was euch gefellet.
1 Mos. 19, 8; thue mit ir wie dirs gefelt. 16, 6; es gefellet mir nicht sie zu nemen.
5 Mos. 25, 8; gefelt dirs mit mir gen Babel zu ziehen, so kom.
Jer. 40, 4.
auch tadelnd, spöttisch: seitdem es der Blumauerschen muse gefallen hat, ihn (
Virgil) dem einreiszenden geist der frivolität zum opfer zu bringen. Schiller VI, 346, 44; hr. Bürger vermischt sich nicht selten mit dem volk .. und anstatt es .. zu sich heraufzuziehen, gefällt es ihm oft sich ihm gleich zu machen. VI, 320, 19. II@44)
der inhalt des gefallens
ist ein wechselnder. II@4@aa)
äuszerlich, sinnlich: Simson sprach zu seinem vater, gib mir diese, denn sie gefellet meinen augen.
richt. 14, 3; als David sach Urias weib sich waschen, bald gful im ir leib. Fischart 2, 304
Kurz; könig ist hier, wer den augen gefällt. Schiller XIV, 49 (
braut v. Mess. 894).
selbst vom geschmack: es gefelt mir wol,
satisfacit palato meo Henisch 1414; wie gefelt dir diser wein?
das. dazu vielleicht: demnach asz er wie es in ankam, so viel als im geful.
Garg. 163
a (gefiel
Sch. 302).
s. auch gefällig II, 4,
b. II@4@bb)
aber auch innerlich, im herzen: ich wünsch dir ein freulein wolgestalt, das dir im herzen wol gefalt.
klopfan, weim. jahrb. 2, 94; der sol thun wie es meinem herzen und meiner seelen gefellet. 1
Sam. 2, 35.
vergl. ein solches gemüthe gefällt mir,
libenter amplector talem animum Steinbach 1, 374. II@4@cc)
das höchste gefallen
findet freilich das abgenutzte wort ungenügend, wie Werther: wenn man mich nun gar fragt, wie sie mir gefällt? gefällt! das wort hasse ich auf den tod. was musz das für ein mensch sein, dem Lotte gefällt, dem sie nicht alle sinnen, alle empfindungen ausfüllt. gefällt! neulich fragte mich einer, wie mir Ossian gefiele! Göthe 16, 51.
vgl. Kants 'blosz gefallen': angenehm heiszt jemandem was ihn vergnügt, schön was ihm blosz gefällt, gut was geschätzt, gebilligt wird. 7, 51. II@4@dd)
je nach umständen stellt sich dabei der begriff der freude oder lust an etwas deutlicher ein (
vergl.gefallen gleich freude sp. 2101
fg.),
z. b.: ir ains das ander kuste, das geviel in baiden wol. Wolkenst. XXVIII, 1, 22; mir gefällt ein lebendiges leben. Schiller XIV, 48 (
braut v. Mess. 880); unter des herrn groszen thaten allen hat mir das stückchen besonders gefallen. XII, 33 (
Wallenst. lager 7).
auch der begriff der lust zu etwas, wie gleichfalls beim subst., so in den beiden ersten beispielen u. a., und im folgenden: wem sölche nachvolgende reimen abzeschreiben gefallen, der soll .. merken, das er darinnen nit mer oder minder wörter .. mache. Schwarzenb.
t. Cicero 97
b.
von neidischem verlangen: der ihm eines anderen stand gefallen läszt, der musz eigentlich seines müede und überdrüssig werden. Henisch 1415, 59. II@4@ee)
bemerkenswert auch von thieren, z. b. wenn man einen hund streichelt oder ihn kratzt, wo es ihn juckt: es gefällt ihm,
er läszt merken, dasz es ihm wol thut, angenehm ist. II@55)
verschiedene fügung mit verschiedener färbung des begriffs. II@5@aa)
mit ganz allgemeinem subj. es gefällt mir hier
u. ähnl., ich befinde mich, fühle mich wol, bin zufrieden o. ä.: du findst je einen, dems gefelt, so (
schlimm) geht es her jetzt in der welt. Henisch 1416, 25; ich denke nicht dasz es mir in Rom länger gefallen wird, als es mir noch an einem orte in der welt gefallen hat. Lessing 12, 213; in diesen mauern, diesen hallen will es mir keineswegs gefallen. Göthe 12, 94. II@5@bb)
mit allgemeinem begriff, ohne nennung dessen, dem etwas gefällt; wenn z. b. der junge Lessing
vom mustergeiste (
genie)
äuszert: was ihn bewegt, bewegt; was ihm gefällt, gefällt. 1, 183,
d. i. gefällt überhaupt, ist in seinem wesen gefallend; schöne thut gefallen,
τὸ καλὸν φίλον. Henisch 1416, 11;
von einem neuen theaterstück heiszt es z. b. das stück hat sehr gefallen, hat allgemein gefallen;
auch von menschen spricht man, die gefallen wollen;
oder der dat. ergibt sich sonst aus der umgebung: doch hatt' er ihr noch nie so angenehm erschienen, als in dem jagdgewand, und selbst sein haar gefiel, ob es gleich halbversengt in schlechte locken fiel. Zachariä 147 (
verwandl. 2, 131); uns umspülen hundert tausend wogen, alles reizt uns, mancherlei gefällt. Göthe 1, 84.
ähnlich schon: die ir ... an euch selbs verzweivelt und betrübet, euch selbs feind seid, und nichts in ewer meinunge gefellet. Luther 3, 7
b,
mit der ganzen welt unzufrieden seid. II@5@cc)
was gefällt, wird auch umschrieben in satzform: es gefiel dem könige, das er mich hinsendete.
Nehem. 2, 6 (
s. 3,
c); gefellt es euch, das ich meinen todten begrabe, so höret mich.
1 Mos. 23, 8,
seid ihrs zufrieden, heiszt ihrs gut. oder mit inf.: es gefellet mir nicht sie zu nemen.
5 Mos. 25, 8;
vergl. die vermischte fügung Schwarzenbergs 4,
d wem diese reimen abzeschreiben gefallen. II@66)
auch menschen gefallen
oder gefallen nicht. II@6@aa) einem gefallen wollen,
ihm gefällig sein wollen, ihm zu gefallen etwas thun: do der kaiser daʒ vernam, der wolt seiner frawen da mit gevallen und sant seinen sun ausz dem land gein schuol.
gesta Rom. 3.
vgl. das sprichw. wer allen gefallen will, gefällt keinem (machts keinem recht),
bei Henisch 1415 allen menschen gefallen ist nicht müglich, keinem menschen gefallen ist tyrannisch und teufelisch.
auch einem zu gefallen suchen,
schmeicheln, mit etwas,
favorem captare Frisch 1, 244
b. II@6@bb)
man gibt so sein urtheil ab über den wert eines menschen, sein thun und lassen: die kriegsleut ... woltens mit im versuochen, aber er wolt in nit zuostehn, eigen und gefallen, derhalben erwürgten sie in. Frank
chron. 39
b (eignen
gleich passen,
s. 1,
b, vgl. geeignet).
bei wahlen durften z. b. die huber einen zum bannwart wählen, der in gefalle, wol gefalle,
wie es in weisthümern heiszt, zugleich noch nach 3,
e (
belieben)
und nach 2,
c (
passen, geeignet sein),
vgl. dort Nib. 490, 4,
auch unter 3,
e Loh. 1203.
noch im Faust von dem neu gewählten bürgermeister, im munde eines bürgers: nein, er gefällt mir nicht der neue burgemeister. Göthe 12, 50.
lebensregeln: es ist besser éinem frommen gefallen, denn vilen bösen. Henisch 1415; es ligt nicht daran, wie vilen, sondern welchen du gefallest.
das.; man leichter einem kan gefallen, dan sonst im ganzen haufen allen. 1416. II@6@cc)
ganz anders von kranken, wo der arzt sagen soll, wie er ihm gefalle,
wie er mit dem kranken zufrieden sei: der arzet kam alle tag zuo im .. und wan er dan von im gieng, so fragt in die fraw und die knecht, wie im der her oder der junker gefiel ... da fragten in des junkers knecht und sein husfraw aber, wie es umb in ein gestalt het und wie er im gefiel. Pauli
sch. u. ernst s. 42
Öst. (
s. III, 1251
fg.).
das hat sich erhalten im hausdeutsch, der kranke gefällt mir nicht
sagt man mit bedenklichem kopfschütteln, es ist ein banger ausdruck. so schreibt prof. Kieser
in den aufgeregten tagen im jan. 1814
an Luise Seidler: unser Göthe gefällt mir gar nicht (
er war arzt). er war gestern abend wieder so bewegt, so feierlich, so weich, dasz mir himmelangst wurde ... ich fürchtete sehr für sein leben.
erinn. der L. Seidler s. 113. II@77)
auch sich
selbst gefallen,
in doppelter bedeutung. II@7@aa)
von selbstgefälligkeit,
einer daraus entstandenen bildung; so seit der mhd. zeit (
s. schon unter 1,
c Eckhart): die sô frevellîchen schallent, der muoʒ ich vor zorne lachen, daʒs in selben wol gevallent mit als ungefüegen sachen. Walther 65, 19; secht, manger gfellt im selber wol, des ist die werlt der toren vol. Wolkenst. XX, 2, 12; im selbs wol gefallen, stolz sein, vil von im selbs halten, mit im selbs wol zufriden sein,
placere sibi, mirari se. Maaler 161
c; hast du dich selbs so lieb und gefelst dir selbs so wol,
te magnifice circumspicis (
Cic.). Henisch 1414
fg.; der sich in seiner poesie gefällt,
se in carminibus suis amat. Weber 329
b; darüber, darinnen gefalle ich mir selbst,
in eo me valde amo. daselbst. II@7@bb)
anders ein neueres sich gefallen,
nach dem franz. se plaire,
etwas gern thun, haben u. ähnl., noch bei Adelung
nicht aufgenommen; es scheint von Wieland
eingeführt. II@7@b@aα)
der anschlusz an das vorige, die selbstgefälligkeit, ist noch deutlich in fällen wie folgender: im carneval ziehen viele junge bursche im putz der frauen umher, und scheinen sich gar sehr darin zu gefallen. Göthe 38, 175.
daher auch von mehr launenhaftem thun, das nur seinem eigenen behagen nachgeht, z. b.: ein verhängnis, dessen dunkle gründe wir vielleicht in bessern welten sehn ... gefällt sich (wie es scheint) jede hoffnung selbstgewählter wonne ... plötzlich zu verwehn. Wieland 9, 308.
oder mit spöttischer färbung: wie sehr sich auch hr. Bürger in dieser erfindung gefallen haben mag, so ist ein zauberblümchen an der brust kein ganz würdiges .. symbol der bescheidenheit. Schiller VI, 325, 16. II@7@b@bβ)
sich wol fühlen, bei, mit etwas u. ä., behaglich dabei sein: ich gefiel mir nicht (
in Riga) als gesellschafter .. ich gefiel mir nicht als schullehrer .. ich gefiel mir nicht als bürger
u. s. w. Herder
reisejournal von 1769,
lebensb. 2, 155; er gefiel sich in dem schaudervollen (
der wilden natur). Klinger 5, 15; gebildete männer und frauen, gelehrte und sonst in einer feinen societät sich gefallende personen. Göthe 25, 58; diese widerwärtigen felsenwände .. wie sollte sich ein wolwollender mann daran gefallen. 23, 267. 50, 142 (
aus einem andern schriftsteller), daran
herbeigezogen von gefallen finden an
etwas; der hauptmann gefiel sich sehr in der gegend und bemerkte jede schönheit. 17, 28; so begleiteten sie uns ... nach Weiszenau, wo sich herr Gore ganz besonders gefiel. 30, 308,
kaum noch unterschieden von: wo es ihm gefiel. II@7@b@gγ)
daher etwas besonders gern thun, mit behagen immer darauf zurück kommen u. ä.: proteische wandelbarkeit der formen, worin sich gott Camarupa ewig gefällt. Göthe 55, 281; er (
Napoleon) gefällt sich zu bekennen, dasz er dem weltgange eine frische anregung, eine neue richtung gegeben habe. 49, 89.
selbst ohne das sich: es ist eine verständige, würdige frau, die .. in einer kalten untersuchung mehr gefällt, als im epigrammengefechte (
im Pariser salonleben). Sturz 1, 105 (283),
sie lieber hat, daran theil nimmt. II@88) sich
etwas gefallen lassen. II@8@aa)
eigentlich das seine dazu thun oder nicht widerstreben, dasz einem etwas gefalle; so mhd. als bitte oder forderung um gefallen: wil si daʒ ich andern wîben widersage, sô lâʒe ir mîne rede ... ein wênic baʒ gevallen. Walther 71, 9; und lâʒe eʒ ime gevallen wol.
Trist. 15; seht mich an,junge man (
singt Maria Magdalena), lât mich eu gevallen.
fundgr. 2, 247.
nhd. ihm gefallen lassen,
bewilligen, approbare Henisch 1414, 59 (
s. auch unter gefällig II, 5): da das Moses höret, liesz ers im gefallen.
3 Mos. 10, 20; dieselbige leszet es ir gefallen bei im zu wonen.
1 Cor. 7, 12; denn werden sie inen die strafe irer missethat gefallen laszen.
3 Mos. 26, 41. 43,
etwas spöttisch. es wird ihnen gefallen müssen, sie werden nicht gefragt werden um ihr gefallen; hab ich mirs einreden und gefallen laszen, diesen catalogum durch den druck auszugeben. Luther
vorrede zum catalogus aller schriften Luthers Wittemberg 1533; den rath seines feindes ihm gefallen lassen und folgen ist gefährlich. Olear.
pers. ros. 8, 24; wan wir Teutsche uns unserer mutter-sprach so wol als frembde sprachen gefallen lieszen. Weckherlin
vorr. zu d. weltl. ged., gefallen daran fänden und nicht widerstrebten; dasz der kaiser sich seine länder gefallen liesze. J. E. Schlegel 4, 300; und man liesz sich dieses oft wiederholte mährchen gern gefallen, weil .. Göthe 31, 213. II@8@bb)
als höfliche wendung (
vergl. 3,
d),
bei einem anliegen oder aufforderung, die etwas dem andern nicht willkommenes enthält: der herr lasse sich gefallen und ..,
Sir, be pleased to .. Ludwig 708; welches nicht wol anders geschehen kann (
die genügende herausgabe des Bereng. Tur.), als wenn ein gottesgelehrter von würde und anerkannten verdiensten ihn einzuführen sich gefallen läszt. Lessing 8, 316; als der doctor ankündigte, dasz sich die herren mögten gefallen lassen, künftigen donnerstag abend zehn neue louisd'or fürs collegium zu bezahlen. Stilling
wand. 164.
einen besuchenden bittet man lassen sie sichs hier gefallen, so gut es geht
u. ä., nehmen sie vorlieb. daher, wie aus dem munde des wirtes entnommen: eine aufnahme in sein haus lehnten wir ab, dankbar aber lieszen wir uns einen groszen theil des tags bei ihm ... gefallen. Göthe 31, 213,
wenn nicht, da es
fehlt, das ich gefalle mir 7,
b, β dahinter steckt (
wo dann uns
eigentlich doppelt zu nehmen wäre).
der höfliche sagte auch: ich lasse mir alles gefallen, was euch beliebet. Weber
teutsch-lat. wb. 329
b; sich etwas wolgefallen lassen,
delectari aliqua re Frisch 1, 244
b. II@8@cc)
endlich auch so, dasz das gefallen
sachlich zurück tritt oder ganz schwindet: ich musz mir das gefallen lassen,
id quidem pati cogor. Weber
a. a. o., musz gute miene zum bösen spiel machen, oder musz es leiden, auch mit böser miene; ich kann mir das nicht länger gefallen lassen,
musz mich dagegen auflehnen; er läszt sich alles gefallen,
sowol von zumutungen als selbst von thätlichkeiten. anderseits als ausruf der lebhaftesten freude, der bewunderung, des lobes dás lass ich mir gefallen!
wobei man doch an wirkliches gefallen
auch nicht mehr denkt, auch das aber wieder ironisch, tadelnd u. ähnl. II@99)
statt des dat. der person erscheint auch der acc., schon mhd. und noch im 18.
jh.: wʒ ir ie getâtent darinne ir iuch selber gevallen sît. Eckhart 449, 38 (
s. 1,
c); weil aber die metze ihn so fast gefället. Luther
br. 5, 187; mich hat allzeit der spruch gefallen: jeder für sich, gott für uns allen. Rollenhagen
froschm. Y 1
a (II, 2, 2); so will mich doch für allen die lilge nur gefallen. Fleming 384 (305
Lapp.); sie musz doch meine einrichtung gefallen, jungfer ... mich dünkt, es wird sie gefallen, sie versteht es. Miller
Siegwart 1, 109.
die norddeutsche vermischung von dat. und acc. (
z. b. sp. 1998
α a. e.),
die allerdings in alte zeit zurückgeht auch auf md., rhein. boden (
s. zu Soltau 2, 313),
will hier zur erklärung nicht ausreichen, gefallen
scheint da vielmehr etwas anders gedacht zu sein, nebst vergessen des ursprünglichen begriffes zufallen. ebenso behagen
mit acc., allerdings md.: diz ist der sun der mich behaget.
evang. Nic. bei Pfeiffer
übungsb. s. 10, 573.
das gleichbedeutende mhd. gezemen (
s. 1,
b)
hat wechselnd dat. und acc. allerdings ist das sie
bei Miller
nicht beweisend, da dat. und acc. in dieser anrede im 18.
jh. auch in gebildeten kreisen sich mischten und sie
als dat. z. b. Gottsched
selbst als dichter, Göthe
im gespräche brauchte. auch das iuch
bei Eckhart
könnte doch jene verwechselung sein (
s. z. b. die var. Walther 18, 7. 86, 15);
vgl. im evang. Nic. ich gab dich mîn himelbrôt Mones
anz. 4, 328, 74,
und im 16.
jahrh. gut schweiz.: das will mich kein rug (
ruhe) laszen Lenz
Schwabenkr. 78
a.
s. auch gebühren
mit acc. sp. 1897. II@1010)
unsicher ist es in einem zu gefallen etwas thun
u. ä., wobei das sprachgefühl zwischen subst. und zeitwort schwankt; jenes ist das ursprüngliche (
s. sp. 2100)
und herscht noch jetzt im sprachgefühl (
wie einem zu liebe, zu ehren, zu gunsten),
während das denken darüber leicht zur annahme des zeitwortes führt. als solches ist es z. b. im folgenden aufgefaszt: etwas glöf ik hirvan, to gfallen den poeten. Lauremberg 1, 375,
wol blosz nach dem hochd., wo doch der dat. stets vorausgeht; thu mirs zu gefallen. Ludwig 708; nicht ... dasz sie ihrem manne hätte gefallen wollen ... sie gehörte unter die zahl derjenigen weiber, welche alles für überflüszig halten, was ihren männern zu gefallen geschieht. Rabener (1755) 1, 113; so könnte ich die schönsten kleider tragen, den reizenden sängerinnen zu gefallen. Hallers
tageb. 2, 325; wenn du gut bist, sollst du mir zu gefallen eine jagd anstellen. Klinger 1, 23; ach so himmlisch dünke sie stets allen! aber meiner liebe zu gefallen, hold und magdlich meinem blick allein! Bürger
ged. 1789 1, 29; dasz selbst .. Virgil dem wohllaut .. zu gefallen nicht selten .. flickwörter sich erlaubte. Schiller VI, 345, 34. II@1111)
wertvolle sprichwörter z. b. bei Henisch 1415: einem jegklichen gefelt das sein wol,
suum cuique pulchrum; dem ein ding laid ist, der gedenkt des, dem ein ding gefelt, der vergiszt es; dem narren gefelt nichts besser als sein kolbe und pfeife; was einem einmal hat gefallen, das lieb er stets für andern allen. 1415; was jederman gefelt, darnach man stelt; wer thun will, was eim jeden gefelt (
l. gfallt), der musz han odem warm und kalt. 1416; wer nicht hat gelt, niemand gefelt. 1418.