schlauch,
m. länglicher behälter von biegsamen, wasserdichtem stoffe, uter. ein auf das hd. beschränktes wort, ahd. slûh Graff 6, 783,
mhd. slûch, slouch Lexer
handwb. 2, 989.
eine nominalbildung zu mhd. slûchen,
vgl.schlauchen und schlucken.
dem nd. ist das wort fremd, über holl. slok(e),
s.schluck;
das engl. slough,
abgestreifte schlangenhaut, vergl. Kluge5 325
b und Skeat 564
a,
läszt sich mit dem deutschen worte lautlich nicht vereinigen. dagegen ist das wort im dänischen als slug
vorhanden in den bedeutungen des deutschen wortes, s. dansk ordbog 6, 523
a;
mundartlich schlauch,
alem. schluch Hunziker 224;
nassauisch als fem. schlauch,
kehle, während das masc. andere bedeutungen aufweist (
s. 8,
b. 9,
b. d. 11,
a). Kehrein 1, 349.
auch das westfäl. hat slûk Woeste 242
a,
südhannov. slûke,
plur. slüke Schambach 195
b. 11)
ursprünglich bezeichnet schlauch
wol die handlung des slûchens,
wie das verwandte schluck,
vergl. daselbst. so wird westfäl. slûk
für sluck
gesagt. Woeste 242
a.
gewöhnlich aber ist schlauch
das, was schluckt, oder womit man schluckt, schlund (
vgl. daselbst),
kehle, gurgel, speiseröhre, so besonders im mhd., während die nhd. wörterbücher diese bedeutung nicht mehr aufführen. Frisch 2, 193
c kennt sie als veraltet. vgl. auch schluck und holl. slok
und sloke,
gula. Kilian. 1@aa)
gurgel von thieren: item der delphin hat ein weit maul, engen rachen oder schlauch. Forer
fischb. 93
b; verschluckt alle dinge gantz, wiewol er sonst einen engen schlauch hat. 98
b. 1@bb)
auch vom rüssel des elephanten: die jungen elephanten habent die art, wenne der alt vellt, sô hebent si in auf mit irm slauch, der haiʒt ze latein promuscides und ze däutsch slauch oder rüeʒel. Megenberg 136, 12. 1@cc)
bei menschen: mit den worden gave eme hey eynen slach Karlle Bremunt in synen buch, dat eme de derme ind ouch der sluch her usser syme lyve woet.
Karl Meinet 93, 12; einen ganzen schâfpouch aʒ er in sînen slouch. Heinr. v. Neustadt
Apoll. 5442; ich sprach wie ist so gros dein pauche er sprach o das verschlint mein schlauche gelt klainat klaider und haus rat.
meisterl. fol. 23,
nr. 231; aber du muszt zuvor diesen bereyten (
vergifteten) apffel, so du mir bereytet hast, selbs in deinen verrähterischen schlauch fressen.
buch d. liebe 257
a. 22)
in verächtlichem sinne auf den menschen selbst übertragen, fresser, schlemmer, prasser: verfräszne und versoffne schleüch,
utres absumpti Maaler 356
a; schlauch,
gulosus, gaudisseur Schottel 1400; ein voller schlauch,
ebriosus, bene potus, vino gravis, madens, sive madidus vino, et madulsa, ac amphora Stieler 1837; schlauch, ein fräszhafter mensch,
homo gulosus Steinbach 2, 439; schlauch, fresser und saufer,
lurco. voc. von 1663
bei Schöpf 617; sprichet Anicenna (
Avic.?), daʒ rehte slüche die allewegint essent, nit zü nement.
quelle bei Dief.-Wülcker 839; pfî, ir frâʒ, ir trenker und ir slûch! Berth. v. Regensburg 1, 560, 36; si (
die glieder) klagten alle ûf den bûch, und sprâchen, er wær ein rechter slûch. Boner
edelst. 60, 6; swer in der jugent wirt ein slûch und mit frâʒe an sîn alter kumt, wirt im dâ von ein grôʒer bûch, wie lützel daʒ der sêle frumt! Tanhäuser
hofz. 249; es mus aber ein jglich land seinen eigen teufel haben ... unser deudscher teufel wird ein guter weinschlauch sein, und mus Sauff heiszen. Luther 6, 163
a; es seyn sechsz volle schleuch gewesen, die sich für die besten und obersten im saufforden auszgaben. Kirchhof
wendunmuth 1, 269
Österley (1, 218);
so auch weinschlauch: jr frawen, ich hab ein weinschlauch (
zum mann), alle wirtsheuser er ausz schleufft, darinn er schlemmet, frist und seufft. H. Sachs 1, 522
c; er trank gewöhnlich wasser, konnte aber, wenn's darauf angelegt war, den stärksten weinschläuchen die stirne bieten. Wieland 35, 103.
als schimpfwort, ohne ausdrückliche beziehung auf schlemmerei, von der bedeutung 4
ausgehend: zweybeiniger schlauch bist wieder auferstanden? Göthe 41, 69 (
Faust II, 1); paszt auf die niedern regionen, ihr schläuche (
die dickteufel). 325 (5). windiger schlauch,
wie sonst windbeutel,
einer, der mit leeren reden um sich wirft oder ausflüchte macht: du windiger schlauch, wie sollst du mir büszen! Hebbel 3, 229. 33)
übertragen auf den schlund, den verschlingenden abgrund der hölle oder des meeres; für den bedeutungsübergang verweist Kluge
5 325
b mit recht auf die parallele entwicklung von schlund
sowie lat. vorago
zu vorare
und faux.
von der hölle in der ältern sprache: aut in torrentem lividum vorandum .. hiatu piceo despuebat ... alde gab sie dero blâuuun ahô saturni zeferslindenne in harzegemo slûche. Notker 1, 710, 7
Piper (
Marc. Capella 1, 12); damit ich werd enzuckt der helle slauch. Osw. v. Wolkenstein 113, 3, 6.
vom meere, oft von der bedeutung 4
ausgehend: schlauch, das grosse behältnüsz des meers, so das wasser desselben zusammen hält, als ein schlauch,
receptaculum aquae. Frisch 2, 193
c; gott versammlete nach der sündflut das wasser widerum in seine sümpfe und schläuche. Mathesius
Sar., s. ebenda; die flüsse fanden nicht gleich anfangs, als das trockene vom meere befreit wurde, fertige schläuche und einen zubereiteten einförmigen abhang ihres laufes. Kant 9, 9; die furcht, den schlauch des meeres damit (
mit schlamm) ausgefüllt zu sehen. 16. 44)
die jetzt übliche bedeutung eines ledernen, sackartigen behälters für flüssigkeiten u. s. w., vgl. Jacobsson 3, 616
a,
ist ebenfalls eine wegen der ähnlichkeit der gestalt und des materials naheliegende übertragung der ursprünglichen bedeutung, vergl. Wachter 1425;
sie begegnet seit dem 15.
jh. (1445
nach Weigand 2, 583):
uter .. eyn sluch da man mit abe list (
abläszt); schluch, schluh, slauch, schlauch, winsluch, wynsclauch, weinschlauch, ein flesch
vel ein schluch win in ein fasz zu laszen. Dief.
gloss. 631
b; schlauch,
uter, utriculus. schlauch, der, zesamen genAeyte haut, als geiszhaut, darinn man wasser, weyn, öl
etc. fasset,
uter Maaler 356
d; weinschleuche,
utres vinarii. bierschlauch,
culeus cerevisiarius Stieler 1836; ein lederner schlauch,
uter coriaceus; wein in einem schlauche tragen,
vinum utribus gestare Steinbach 2, 439;
ἀσκωλία,
saltatio per unctos utres, auff
schlauchen tantzen. Frischlin
nomencl. 279
a; 2 kurcz sleuch von eim alten stiffel gemacht. Tucher
baumeisterb. 307, 17
Lexer; als flüssigkeitsbehälter: er helt das wasser im meer zusamen, wie in einem schlauch.
ps. 33, 7; man fasset auch nicht most in alte schleuche, anders die schleuche zureissen, und der most wird verschütt, und die schleuche komen umb.
Matth. 9, 17,
vgl. Luc. 5, 37
f.; daher sprichwörtlich alte schleuch fassen newen most nit. Franck
sprichw. 1, 83
a,
vgl. Eiselein 551. Simrock
spr. 9069; auch ist der wein all in unsern schläuchen. Schiller
räuber 3, 2
schauspiel; der herbst giebt frucht und wein und füllt so scheur als schläuche. Günther 542; ich ehrlicher alter verstelle mich auch, bezeche den jüngling und leere den schlauch. Hagedorn 3, 74; doch wo die karawane verschmachtet im heiszen sand, ersetzt es (
das kameel) hingeopfert mit dem gesparten vorrath reinen wassers im magen der reisenden erschöpften schlauch. Rückert
ges. poet. werke 4, 75;
im bilde: denn Heine war .. ein unvergleichlich reicherer geist als Börne, der allen wein des lebens in die schläuche der politik füllte. Treitschke
deutsche gesch. 3, 713;
Simei. wer kommt da atemlos?
Aaron. und gärend wie der schlauch, den zu zerreiszen droht sein inhalt? Ludwig 3, 336.
der weinschlauch
ist in der dichtung des 18.
jahrh. stehendes attribut der Faune, Silene u. s. w.: habe meinen schlauch weidlich mit frischem most gefüllt. Fr. Müller 1, 162; kaum liebt' ich meinen schlauch so zärtlich wie dich! Wieland 4, 183 (
Am. 8, 16); und eine sommernacht entschlüpft beym schlauche geschwind. 186 (20); so taumelt Silen auf seinen schlauch. 5, 120 (16, 12); wenn eine wonnetrunkne seele dem jungen Faun beym ersten schlauch ein wenig gleicht. 9, 192;
daher bildlich: seit du aus Amors — schlauche den groszen zug gethan. 194;
mit luft gefüllter schlauch: schlauch der voll blast ist,
follis Dasyp.; auf einem schlauche schwimmen,
super utrem nare Steinbach 2, 439;
sprichwörtlich: einen aufgeblasenen schlauch untertauchen,
etwas unverbesserliches bessern wollen. Wander 4, 228, 6; vom neunjährigen stiere den schlauch zum geschenke mir reicht' er, wo er der hallenden wind' unbändige wege gehemmet. Voss
Odyss. 10, 19;
bildlich: so grosze backen haut er. pfü! wann das er reden kan, er bedüchte mich susz ain erblausner schluch syn. Steinhöwel
Äsop 41
Österley. als behälter für mehl, samen: als gott, mit seiner allmacht umgürtet, wie mit gürtendem schlauch ein sämann, sonnen dahinwarf. Stolberg 1, 193; dann auch schütte mir mehl in wohlgenähete schläuche. Voss
Odyss. 2, 355.
übertragen: wie er sie berührt, sieht Blaffardine den thron der liebesgötter (
den busen) sinken, sieht, wie sich sein stolzes gewölbe in längere schläuche verliert als jene, woran die kleinen kaffern trinken. Wieland 4, 165 (
Amadis 7, 28); die wolke hingegen wie sie vorrückte unterlag im einzelnen der erd-anziehung und es senkten sich ganz verticale guszstrahlen herunter. diese schienen jedoch mit der erde in solchen contact und verbindung zu kommen, dasz sie mit ihrem untern ende an dem boden festhielten, der die feuchtigkeit an sich saugte, indesz die wolke weiter zog und das obere ende dieser schläuche mit fort nahm. Göthe 51, 224. 55)
langer dünner offner schlauch
aus leder, gummi oder dgl. als leitungsröhre für flüssigkeiten; schlauch an feuerspritzen
u. ähnl., vgl. Jacobsson 3, 616
a. 7, 229
b. Karmarsch - Heeren
3 5, 636
ff.: schlauch, auch eine lederne röhre, wo man bier, wein und anders durchlassen kan. item, die wasser-schläuche beym löschen eines brands, brand-schlauch, lösch-schlauch,
canalis coriaceus. Frisch 2, 193
c; es soll auch nymandt eynichen wein .. durch keynen schlawch in eynichen keler inn anndere fass ziehen lassen on wissen und erlawpnuss des ungellters.
Nürnb. polizeiordn. 242
Baader; durch den schlauch laszt man jhn (
den wein) inn keller.
Garg. 151
neudruck. 66)
leicht begreift es sich von der äuszern ähnlichkeit, wenn schlauch
im mhd. von der schlangenhaut gesagt wird: sô ist diu ander kundekeit, die der wîse slange treit .. und lât abe den sînen slûh. Hugo v. Langenstein
Martina 46, 1; würmli (
schlangen) ... machen newen slauch. Osw. v. Wolkenstein 35, 3, 9.
dagegen ist die bedeutung '
haut'
schlechthin abzuweisen, die Lambel (
erz. u. schw. 413 anm.)
und Lexer
handwb. 2, 990
in folgender stelle annehmen: eʒ næme der keiser für gewin, vieng ich in niht und züge in hin und beschazte in unz an den slouch.
meier Helmbrecht 413,
da man hier mit der gewöhnlichen bedeutung '
bis an die gurgel'
auskommt (
so mhd. wb. 2, 2, 415
b),
wenn man es nicht vorzieht, mit Keinz
an das heutige schlau, vorschlau,
unterkleid, zu denken. 77) schlauch
etiam notat equorum et asinorum genitale Stieler 1837, die röhre an den zeugungsglied der pferde und esel,
penis Frisch 2, 193
c;
die schlaffe haut an dem zeugungsgliede des hengstes, welche die rute umgibt und ihr zur scheide dient. Nemnich. Jacobsson 7, 229
a; würm an dem geschröt oder schlauch. Seuter
roszarzn. 202; nimb geschelten knoblauch und pfeffer, alles zerstoszen, stosz jms in schlauch, und reibs (
das rosz) zwischen den beinen darmit (
so wird es stallen). 100; das membrum ad generationem soll schwartz, und das geschrött aufgezogen und klein seyn, weil diejenigen, die weisze schleuche haben, zur zucht undienlich gehalten werden Hohberg 2, 144
a; der schlauch und schweiff (
des widders) sollen grosz seyn. 292
a. 88)
sonst bei thieren: 8@aa) schlauch und lampend haut an der kälen der ochsen,
palear. Maaler 355
d; schlauch, was unten an der kehle oder am hals des rind-viehes hangt,
palear. Frisch 2, 193
c. 8@bb)
der fleischige kern im horne des rindes. Jacobsson 3, 616
a. Kehrein 1, 349. Schmidt 188. 8@cc)
der stiel der lepaden oder entenmuscheln, eine fingerlange röhre: wir sehen aber hier kein isolirtes wesen, sondern verbunden mit einem stiele oder schlauch, geschickt sich irgendwo anzusaugen. Göthe 55, 327. 99)
verschiedene schlauchartige gebilde bei pflanzen, sowie bezeichnung von pflanzen. 9@aa)
ascidium, eine art pflanzenstütze, ein blattartiger, walzenförmiger und innen hohler körper, der gewöhnlich reines wasser enthält, und an der öffnung einen deckel hat, der sich von zeit zu zeit schlieszt. Nemnich. 9@bb)
schuppengröps, balg, der um das einzelne samenkorn wie eine haut anliegt, wie beim weizenkorn. Oken 2, 73. 3, 383.
hülle der gerstenähre Kehrein 1, 349. Schmidt 189. 9@cc)
die keimschläuche bei pilzen. Behlen 5, 489,
vergl. Oken 3, 44. 182. 239. 9@dd) schlauch,
caulis, rappesstrauch, der kein haubt gewonnen, sondern nur lauter bleter hat,
saxonice schluck, schleuke Schottel 1400;
saxon. schleuke, die,
et schluck, der,
sed tunc significat caulem brassicae non capitatae, sed quae ex meris foliis constat. Stieler 1836; schlauch
pro stengel,
caulis Steinbach 2, 439,
schlechter kappes Schmidt 188. Kehrein 1, 349;
auch westf. slûk (= sluddik?)
weiszkohl, der nicht zum kopfe geworden ist. Woeste 242
a,
südhannov. slûke Schambach 195
b.
dieses dem norddeutschen eigne wort gehört ursprünglich kaum hierher. 9@ee) schlauch, das hohle kraut so an zwibeln und am lauch aufwächst,
herba ceparum et allii. Frisch 2, 183
c (
dass. wie a?). 9@ff) wasserschlauch,
utricularia, eine primelart. Oken 3, 957. 9@gg) slauch
für lauch, allium porrum im voc. von 1482
bei Pritzel-Jessen (
l. lauch?). 1010)
technisches: 10@aa)
bei den tuchmachern das garn, das auf den groszen wollrädern gesponnen wird, auch ketzer
genannt. Jacobsson 2, 396
b. 10@bb)
bei fischern ein schlauchförmiges netz. 1111)
mundartliches: 11@aa)
rheinisch, butter, die weich, weiszlich, käseartig ist. Kehrein 1, 349. 11@bb)
westfälisch slûk
der letzte im spiel. Woeste 242
a.