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wirrwarr

nhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 8 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wirrwarr m.

Bd. 30, Sp. 620
wirrwarr, m. , daneben n., ganz selten f.; alliterierend-ablautende bildung vom typus schnickschnack, mischmasch, ticktack u. s. w. aus dem vb. mhd. werren bzw. wirren, nhd. wirren (s. dort), vgl. das bei Tauler belegte vb. wirrwarren (s. d.), das früheres vorhandensein auch des subst. vermuten läszt; wirrwarr erscheint vereinzelt ende des 15. jhs., gehäufter in der reformationszeit, verbreitet sich stetig seit dem beginnenden 18. jh. und gehört seit der klassischen zeit, nachdem es noch von Adelung wb. 4, 1575, der insbesondere auf die starke nd. verbreitung des wortes hinwies (vgl. über den styl [1785] 3, 430; ebenso brem.-ndsächs. wb. 5, 270 und Mensing schlesw.-holst. 5, 666) als vulgär abgelehnt worden war, zum gängigen gut aller sprachschichten. in älterer zeit zeigen sich grosze schwankungen im formenstand, vgl. wirwer, wirenwer Melber (s. u.), wirrwerr Gebwiler (s. u.), wirrewerre, wirriwerri, würwer Geiler v. Keisersberg (s. u.), wirrewarry Calepinus (s. u.), auszerdem das dissimilierte wirrwald (s. d.); im 18. jh. hat sich wirrwarr durchgesetzt; schwed. virrvar ist junges lehnwort aus dem deutschen, vgl. Falk-Torp 1387; s. auch das synonym gewirre. 11) entsprechend wirren 1 im 15./16. jh. meist 'streit, zank', vgl. uneinigkeit, hadder, wirrer und werer, wirwer jurgium Melber voc. präd. (1482) p 2b, ähnlich (1486) p 2b wirenwer: wer da zwischen zweien personen, die frid mit einander haben ..., wirrewerre macht Geiler v. Keisersberg sünden des munds (1518) 47a; es sol auch billich ein jeder weyser sich hütten, eyntrag, wirrwerr oder hinderung solchen gottsgaben zu vermischen H. Gebwiler ein schöne warhafft hist. (1522) b 3b; häderige leut, denen mit wirrewärry wol ist tricones Calepinus sept. ling. (1579) 1575; in verbindung mit irrung: bis daz die wirwer und yrrung des Luthers sich in dem land erhuob H. Gebwiler beschirmung des lobs Marie (1523) 26b; in neuerer zeit nur noch vereinzelt, vgl. Richey idiot. hamb. (1755) 341, ähnlich Dähnert plattdtsch. wb. 553b; die fahne, der ich lang zuvor, eh dieser wirrwarr sich entspann, den eid der treue schwor, führt izt mich gegen dich Gökingk ged. (1780) 3, 84. 22) entsprechend wirren 2 im sinne 'durcheinander, chaos, unordnung' erst seit dem 18. jh. allgemein gebräuchlich, doch vgl. schon ähnlich: ein verworner oder unrichtiger handel, wenn man sich ausz einem ding nit verrichten kan, ein wirrenwäreten discrimen confusum Frisius dict. (1556) 424a; an wirr 1 a bzw. wirren 5 angelehnt: sie söllend führen reine lehr, allein gottswort ohn wirrewer ... studierend fleiszig tag und nacht J. R. Rebmann naturae magnalia (1620) 569; das ist recht körperlich und unkörperlich zeug ..., mit mischmasch und wirrwarre durchstucket v. Schönaich ästhetik in e. nusz (1754) 410; was für wirrwarr und verwüstung musz das in dem ... gewebe des cerebelli anrichten J. J. Ch. Bode Tristram Schandi (1774) 2, 181; die griechische mythologie, sonst ein wirrwarr, ist nur als entwicklung der möglichen kunstmotive ... anzusehen Göthe gespräche 2, 272 Biedermann; die veränderung des ministeriums vermehrt den wirrwarr J. u. W. Grimm briefw. (1881) 473; sein leben ist wirrwarr, aufregung, getöse G. Freytag ges. w. 4, 105; oft mit bestimmenden zusätzen: der wirrwarr von menschen H. Watzlik der pfarrer von Dornloh (1930) 112; als gäbe es in diesem wirrwarr von terrassen überhaupt keine straszen P. Dörfler Peter Farde (1929) 192; in diesem wirrwarr von gestrüpp und dornen Platen w. 2, 118 R.; ein wirrwarr von bunten farben G. Keller ges. w. 5, 39; der ganze wirrwarr der töne ist an unser ohr geschlagen Görres ges. schr. 6, 396; unter all dem wüsten wirrwarr der wahlen Bismarck br. an s. braut u. gattin 135; (Österreich war) zu einem parlamentarisch regierten, undeutschen wirrwarr herabgesunken A. Hitler mein kampf 160; der wirrwarr ihrer rechtssachen und öconomischen angelegenheiten J. A. Eberhard Amyndor (1782) 211; wirrwarr des gerichtswesens Gervinus gesch. d. 19. jhs. (1855) 2, 54; der wirrwarr von geschäften Gleim briefw. 2, 550 Körte; in dem wirrwarr der zeiten J. v. Müller s. w. (1810) 18, 364; auch ich stand einst im wirrwarr dieser welt W. Weigand renaissance (1904) 1, 98; das wirrwarr dieses lebens Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 392; wie wirren, pl.: wir geraten zunächst in blutigen wirrwarr Laube ges. schr. 14, 300; besonders gern in bezug auf geistige erscheinungen, gedanken und gefühle: ein wirrwarr von sätzen Lessing 5, 325 L.; der wirrwarr von tausend plänen fürst Pückler briefw. u. tageb. 6, 436; aus dem bunten wirrwarr der gedanken H. v. Barth Kalkalpen (1874) 167; wenn ein höheres wesen in den wirrwarr von ideen treten könnte Jean Paul w. 7/16, 266 H.; man schildert gern den wirrwarr des gefühles Göthe 15, 344 W.; mit kennzeichnenden adjektiven, selten indifferent: in dem allgemeinen wirrwarr Ranke s. w. 4, 367; meist pejorativ: ein babylonischer wirrwarr J. H. Benner (1749) 4, 133; einen wüsten wirrwarr Göthe 40, 285 W.; ein böser wirrwarr Herder 23, 50 S.; ein heilloser wirrwarr Langbein s. schr. 31, 148; gleichgültige tage selbst verwandelt ihr in garstigen wirrwarr netzumstrickter qualen Göthe 15, 311 W.; aus dem tollen wirrwarr aller träume und einbildungen E. Th. A. Hoffmann s. w. 11, 63 Gr.; nur vereinzelt werterhöhend: wenn auch der verliebte man, vor all diesem harmonischen wirrwarr von reiz und nachlässigkeit, zu asche brennte F. M. Klinger neues theater (1790) 2, 206; auf eine person übertragen 'unruhiger kopf, konfuser mensch', vgl. wirr 1 b, s. Bock idiot. pruss. (1759) 77. —
5594 Zeichen · 159 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wirrwarr

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Wirrwarr , des -es, plur. die -e, eine verworrene Vermischung mehrerer Dinge. Sich aus dem Wirrwarr nicht heraus fin…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wirrwarr

    Goethe-Wörterbuch

    Wirrwarr [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Wirrwarr

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Wirrwarr Band 16, Spalte 1069 Wirrwarr 16,1069

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wirrwarr

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von wirrwarr 2 Komponenten

wirr+warr

wirrwarr setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wirrwarr‑ als Erstglied (3 von 3)

wirrwarren

DWB

wirr·warren

wirrwarren , vb. , entsprechend wirrwarr 1 ' streiten ': la din ruschen, din mengelen, din wirrewarren sin Tauler pred. 376, 4 , V. —

wirrwarrig

DWB

wirrwarrig , adj. : sie flog dort noch wirrwarriger durch die aufziehenden gewitterwolken Grabbe w. 4, 519 Blumenthal. —

wirrwarrsch

MeckWB

wirrwarr·sch

wirrwarrsch verworren: mi stünn dat all' so wirrwarsch up eenmal vörre Ogen Bri. 7, 131.