kretschmar,
kretschmer,
m. 11)
schenkwirt, ein slav. wort, böhm. krčmář,
wend. korčmaŕ,
poln. karczmarz,
slov. kerčmár,
ungr. kortsmáros,
ehstn. körtsmik;
s. das vorige. 1@aa)
es erscheint md. seit dem 14.
jh., vom osten her bis nach Thüringen oder weiter, im 16.
jh. selbst im südwesten bekannt nach Fischarts
gebrauch (
auch als eigenname seit dem 14.
jh., s. z. b. Gersdorfs
urkundenb. des hochstifts Meissen 3, 448
a):
tabernator, krecimer.
fundgr. 1, 380
a;
tabernarius, creczemer. Dief.
n. gl. 357
a aus einem voc. v. 1421,
das nicht md. scheint; kretzmer,
caupo. Schilter
thes. 3, 520
b mit einem citat: ein kretzmer, der ein fasz bier auf der tafel nicht schreibt zwier;
tabernarius, kretzschmer.
voc. opt. Lpz. 1501 Dd 3
b (
jetzt in Leipzig längst unbekannt).
im 16.
jh. war es z. b. Luthern
ganz geläufig: rhümen wol viel vom glauben (
an das sacrament vom kelch), mengen aber unternander, wie der kretzmer, wasser und wein, damit das sie sagen ... 6, 42
a; das ist der lauter ungefelschter reiner wein, da kein kretzschmer wasser eingeuszt. 6, 119
b; ein solcher diebischer kretzschmer ist der bapst
auch, bis das (
so lange) er eitel pfützenwasser für guten wein verkauft. 1, 503
a; denn was zu Rom oder anderswo geschicht oder bepst dulden, künd auch ein iglicher landferer oder kretschmer wol schwetzen. 1, 51
a; noch gieng ich gern ins kretzmers haus. Ringwald
tr. Eck. H 7
b; auf den dörfern die kretschmer oder krüger. Waisselius
chron. (
Königsb. 1599)
s. 106; denn wir nicht schenken oder kretschmer sein. H. Müller
geistl. erquickst. 262,
aus Luther wie es scheint; kretschmer Steinbach, Günther 466,
es gilt noch in Schlesien, Posen, in der Lausitz. 1@bb)
aber auch noch mit dem vollen vocal der slavischen form kretschmar,
von der die formen unter a eine verdeutschung zeigen: als etliche (
knechte) am ganzen sontag des kretzschmars warten oder des tanzes und lassen irer hern vihe hungerig und dorstig stehn. Carlstad
vom sabbat C iij
b; essigweicher, kretschmar, rebknecht. Fischart
groszm. 78 (607
Sch.);
noch Stieler 1504, Rädlein, Frisch
geben mit vollem a kretschmar,
wie es noch in dem häufigen namen Kretschmar
gilt. wie erklärt sich diese bewahrung der slav. endung, da doch ein dauernder einflusz des slavischen da nicht vorliegt? s. auch unter 2,
a. 1@cc)
aber auch ganz umgedeutscht in kretschmann (
s. d.)
und -meier: welchs kein papist noch Luther jemals verstanden hat, auch kein becker noch kretzmaier. Luther 8, 176
b; kretzschmeier
auch bei Mathesius
Sar. 92
b. 94. 1@dd)
aber auch mit neuem -er kretschmerer,
z. b. thüringisch im 15.
jh.: item 40
gr. (
einkünfte) von enem kreczschmerer zu Gamstete.
neue mitth. des thür.-sächs. vereins 12, 457,
v. j. 1442;
die form erklärt sich aus dem folg. kretschmer
für schenke. 1@ee)
der kretschmer
erscheint zugleich als brauer (
s. oben unter kretscham 2): ouch klagten sy (
die bürger dem kaiser Karl IV.), wy daʒ eczlich hettin geschost vor einen kretsmer (
d. i. als kr.), der geschos man hette genomen unde do noch hette man dy selben nicht wolde lasen bruwen. Johann v. Guben
jahrb. von Zittau 28, 17; das wir jerlichen umb sant Mertens tag den kretzmern gemeinlich setzen (
den preis bestimmen) ir bier nach der zeit darnach das getreide gilt und wolfeile ist. Behrends
Magdeb. fragen s. 210; das es die cretschmer darumb wol gezeugen mö
gen. 211,
aus Thorn 16.
jh.; dasz hinfürder um Chemnitz in einer meile wegs .. kein kretschmar brauen noch malzen, auch kein ander .. denn Chemnitzer bier schenken .. solle.
urk. v. 1470, Gengler
cod. jur. munic. 1, 490
b,
aus Chemnitz in Sachsen. 22)
auch für den kretscham,
wie schon kretschmann 2
gleichfalls; das ist sehr merkwürdig, erklärt sich aber gewiss nicht aus unkenntnis des fremden wortes. es spricht sich darin der alte gedanke von der einheit des besitzers und seines besitzes besonders scharf aus. 2@aa)
mit voller endung (
s. u. 1,
b): wo sich abir schenkehus adir kreczsmar bi einer myle umme uf den dorfern irhuben.
Eisenacher rechtsbuch 3, 99
bei Ortloff
rechtsqu. 1, 733; auch sollen keine kretzschmar in der meile in den dörfern sein, es wäre denn dasz die von alters da gewest wären und man auch vor alters darinne gebrauet und geschenket hätte. Klingner
samml. zum dorf- u. baurenr. 4, 672
aus einer urk. Grimma 1404; grave Gunther, herre zu Swarzburgk ... meinte den herren von Orlemunde das slosz Lawinstein anzugewinnen ... unde als sie dorvor quomen zu mitternacht, do gewonnen sie den kretzschmar unde nomen den yn (
und wollten von da aus das schlosz stürmen) ... unde die herren von Orlamunde brachten fuer in den kretzschmar mit fassen obir die muwirn (
die sie über die schloszmauern herab warfen) unde branten den ap (
dasz die feinde ihn räumen muszten). Rothe
thür. chron. cap. 773,
zum j. 1429,
offenbar die dorfschenke die unter der burg lag; in die schenkheuser, kretzschmar oder tafernen.
Erfurter stadtordn. P 2
a; als zween volle bawren sich schlügen im kretzschmar umb ein zubrochen glas. Luther 8, 41
a (
br. 5, 458);
noch bei Stieler 1504 kretschmar, '
taberna meritoria',
garküche (kretscham
hat er nicht). 2@bb)
mit geschwächter endung: sie meinten, man solde in uf iren gutern in der meile (
bannmeile) gelegen nicht weren, handwerge sich (
dat.) zu sezen, noch in iren kretzschmeren weren zu melzen, breuen ader fremde bier zu schenken.
Freiberger urk. von 1437, Schott 3, 92,
brauhaus mit schenke, s. 1,
e; er (
der teufel) musz seine capell oder kretzmer bei der kirchen bauen. Luther 5, 449
a; o welch ein schöne kirchwey, kretschmer und jarmarkt solt da werden (
wenn jeder dem prediger und alle einander ins wort fallen dürften). 5, 493
a,
wie judenschule
u. ä.; ich thet ir (
bettler) eins mals im kretzschmer vil ergreifen. Schades
sat. u. pasq. 1, 172,
vom herausgeber in kretschem
geändert; schleppten mich in kretschmer mit gwalt. Hollonius
somnium vitae human. F viij
u. ö.; Bogislaus II. hat dem kloster zu St. Michel in Bamberg aus jederm kreitschmer oder kruge in Pommern jährlichen einen stein wachs verschrieben. Micrälius
Pommern 2, 301.