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spion

mnd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
13 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

spion m.

Bd. 16, Sp. 2552
spion, m. kundschafter. 11) zu dem ahd. verbum spehôn explorare, inquirere (vgl.spähen oben sp. 1837 ff.) gab es ahd. die weiblichen substantiva spehunga und speha mit dem auch im verbum früh entwickelten besonderen sinne des auskundschaftens im kriege (exploratione speho Steinmeyer-Sievers ahd. gl. 2, 165, 14. 203, 16, exploratione spehunga 211, 47, insidiis mit spehunga 664, 57), von denen namentlich speha sich mhd. als spehe fortsetzt (vgl. oben sp. 1835 ff.) und neben der handlung des kundschaftens auch die collective bedeutung der jene ausführenden schaar zeigt: die spehe Hartmuoteswas dar gesant (si goumten dâ niht guotes)von Ormanîelant. si speheten ze allen zîten,waʒ dâ wurde ervunden. Gudrun 730, 1, von wo sich wieder die des einzelnen kundschafters abzweigt. das wort wird von den romanischen sprachen aufgenommen, und erscheint hier zufrühest in mittellateinischen quellen Italiens in der doppelform als femininum spia und als masc. spio, plur. spiones, letztere gebildet zur entschiedenen hervorhebung der persönlichen bedeutung; glossen zum langobardischen edictus Rothari cap. 5: si quis scamaras intra provinciam celaverit gewähren scamares, id est spias und id est spiones (daneben id est exploratores). mon. germ. leg. 4, 293a, vgl. auch spia und spio Du Cange 7, 553. 557. in gleicher weise zeigt sich im spanischen espia und espion, im altfranzösischen espie (woher mnl. spie und spiede, speculator, explorator Kilian Ll 5c) und espion. in der letzteren form kehrt das wort als bestandtheil der französischen soldatensprache im 17. jahrh. zu uns zurück, zuerst noch der verdeutschung bedürftig, daher Böckler in seiner kriegsschule (1668) unter den fremden kriegswörtern: espion kundschaffter. s. 1020; bald aber dem heimischen sprachgut unter anlehnung an die italiänische form spione einverleibt, schwachformig, gen. und plur. spionen: etliche hielten mich vor einen spionen. Simpl. 1, 67 Kurz; was bis ins 18. jahrh. dauert: würden sie müszige spionen abgeben. Möser patriot. phant. 1, 178; wir hatten ... durch unsere spionen wind gekriegt, der Roller liege tüchtig im salz. Schiller 2, 91 (räuber schausp. 2, 3); fürst Minos schikt spionen nach allen gränzen hin, die teufel müssen frohnen ihm kundschaft einzuziehn. 1, 207, und so gewöhnlich bei diesem schriftsteller (weitere beispiele unten 2); aber seit der zweiten hälfte des 18. jahrh. kommt die starke form empor, die in der neueren sprache allein gilt: ein tyrann ist [] durch seine spione und creaturen überall. Seume spaziergang 2, 7; was stöszt den finstern blick, den redlichsten spion, vom grund der brust zurück? Lessing 1, 194; der liebe tapfre mann will mich zu keinem gemeinen bothen; will mich — zum spion. 2, 219 (Nathan 1, 5); Adelung führt nur den genitiv spiones, plur. spione auf. eine nach der französischen pluralform gebildete spions ist selten: die dame erfuhr durch ihre spions ... alles sehr frühzeitig wieder. cav. im irrgarten (1738) s. 100; wie wir es zu kriegeszeiten halten, wo der general den ankommenden fremden die route vorschreibt, welche sie gehen müssen, wo sie nicht als spions gehangen werden wollen. Möser patriot. phant. 1, 85. aussprache und betonung des wortes spîô′n hat nie geschwankt. 22) spion, kriegswort, kundschafter gegen die feinde, als technischer ausdruck das alte kundschafter (theil 5, 2646) verdrängend: der spion, ein kundschafter, explorator Steinbach 2, 629; kundschafter, heimlicher spion, explorator Frisch 1, 556a; spions, espions, sind leute, die auf anderer thun achtung geben, solches insgeheim verkundschaften, und ihnen damit schaden. diejenigen, welche sich im kriege zu dergleichen geschäfften gebrauchen lassen, und vom feinde nachrichten verstohlnerweise einbringen, werden insonderheit mit den namen spions beleget. Eggers kriegslex. (1757) 2, 954, daselbst die zusammensetzung feldspion sp. 955; wenn ein spion, von welcher gattung er auch sein mag, aufgefangen wird, so ist der galgen sein nächster lohn, und das mit recht. ebenda; im lager, als er zu dem general geführt wurde ... sagte éiner von der patrouille seinem kameraden vom pferd herab: es ist ein spion. der kamerad sagte: strick ist sein lohn. Hebel 2, 161; wie hat sich der bauer da hereingeschlichen, ohne dasz unsere wachen ihn meldeten? das ist ein spion, man musz ihn hängen. W. Hauff 6, 12 (Lichtenstein 3, 1); damit diese (die Franzosen) uns nicht den armen burschen als spion abthun. Freytag ahnen 6, 138; frei: und doch schwebt schon ob der veste eine lerch' als luftballon, die vom feindesheer die beste kundschaft bringt als dein spion. Anastasius Grün ged. (1844) s. 173. 33) das kriegswort wird im 18. jahrh. zum alltagswort, allgemein einen heimlichen lauscher, aufpasser und angeber bezeichnend: wollen wir nicht spionen ausstellen? Schiller 2, 155 (räuber schausp. 4, 5); zugleich hinterbringen mir meine spionen, dasz der oberschenk von Bock auf dem sprunge sei, um die lady zu werben. 3, 429 (kab. u. liebe 3, 2); und bei diesen zermalmenden schauspielen lies er noch besoldete spionen herumgehen, welche auf die unwillkührlichen regungen des mitleidens in den augen der zuschauer lauerten. 4, 105; er war es, der den gebrauch spionen zu besolden, welche sich in die verborgensten intriguen zu schleichen wuszten, zu einem theil der regierungskunst machte. 106; während die französische trommel durch die straszen Berlins wirbelt und die spione der fremden um die häuser lungern, hält Fichte seine reden an die deutsche nation. Freytag bild. a. d. d. vergangenheit 4 (1882) s. 394; den namen — nein, den nannt' er nicht — es möchten spionen, sagt er, in der gegend horchen, und es dem könig plaudern. Schiller 51, 102 (dom Karlos 2, 8); es heiszt sich zum spion hergeben, den spion machen: den spion zu machen und vater und mutter alles was man getrieben hatte, und oft mehr dazu, wieder zu sagen. Wieland 15, 158; so ein polizeier, wenn er sein handwerk versteht, ist ein wichtiger mann ... er macht für die mutter den spion, für die tochter den botschafter. J. Gotthelf erzähl. u. bilder 4 (1853) s. 11. 44) spion name einer art hühnerhunde (vgl. auch spionhund): ingleichen läszt sich auch der spion im wasser und überall gebrauchen. Döbel jägerpract. 1, 116b.
6255 Zeichen · 111 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    spiônm.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    +° spiôn , m. , Spion, Kundschafter (Oldekop 507).

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Spiōn

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Spiōn , des -es, plur. die -e, derjenige, welcher anderer Heimlichkeiten mit List auszuforschen sucht, um einen ihne…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Spion

    Goethe-Wörterbuch

    Spion [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Spion

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Spion (ital. spione , franz. u. span. espion ), Späher, Kundschafter (s. d. und Spionage).

  5. modern
    Dialekt
    Spion

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB RhWB Spion [ʿSpión U. ] m. wie hochd.

  6. Sprichwörter
    Spion

    Wander (Sprichwörter)

    Spion 1. Das ist ein schlimmer Spion, der beiden Parteien zugleich dient. – Altmann VI, 498. 2. Die besten Spione sind d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit spion

26 Bildungen · 20 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

spion‑ als Erstglied (20 von 20)

spionage

DWB

spion·age

spionage , f. das spionieren; mit fremder endung nach dem franz. espionnage: was treibt ihr da? spionage? C. F. Meyer Jenatsch 5 .

spionaje

LDWB1

spionaje [spi·o·nā·je] m. (-ji) Spionage f.

spionartig

DWB

spion·artig

spionartig , adj. : auf dem rückwege ... folgten mir spionartige civilisten. v . Bismarck gedanken u. erinn. 1, 21 .

Spionberg

Meyers

spion·berg

Spionberg ( Spioenberg ), Name mehrerer Berge in Kapland (Südafrika), so im N. von Calvinia (1385 m), im SW. von Carnarvon und in Groß-Busch…

spionen

ElsWB

PfWB RhWB spione n [piónə Olti. Co. ; Demin. piǽnlə Co. ] spionieren, lauschen.

spionenauge

DWB

spionen·auge

spionenauge , n. auge eines spions oder wie eines spions: er drückte der kleinsten ( schwester ) zweimal zum spasze die spionenaugen zu. J. …

spionenblick

DWB

spionen·blick

spionenblick , m. blick eines spions oder wie eines spions: sie können sich keinen fataleren spionenblick denken. Lichtenberg 5 (1803), 248 …

spionenkniff

DWB

spionen·kniff

spionenkniff , m. kniff eines spionen: anfangs war Luzian misztrauisch, selbst die freien worte Rollenkopfs sah er nur wie einen spionenknif…

spionenohr

DWB

spionen·ohr

spionenohr , n. ohr eines spions oder wie eines spions: setzte er sich auf den fuszboden heraus und presste das spionenohr an diesen. J. Pau…

spionerei

DWB

spion·e·rei

spionerei , f. treiben als spion: unser anführer, der rittmeister, der zuerst eine spionerey hier wittern wollte. Göthe 30, 26 . dafür die f…

Spionerie

GWB

spion·e·rie

Spionerie [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

spionhund

DWB

spion·hund

spionhund , m. bezeichnung einer art hühnerhunde: vom spionhunde. dieser ist eine art von hünerhunden. Döbel jägerpract. 1, 116 . vgl. spion…

spionieren

DWB

spion·ieren

spionieren , verb. spion sein, kundschaften; bildung noch des 17. jahrh. aus dem subst. spion, nach franz. espionner; 1 1) als kriegswort: s…

Spionierer

PfWB

Spionierer m. , Spioniererin f. : ' Person, die auskundschaftet, spioniert ', Spioneereʳ [ KU-Schmittw/O ], Spioneereʳn [ KU-Schmittw/O ].

spioniereⁿ

Idiotikon

spioniereⁿ Band 10, Spalte 25 spioniereⁿ 10,25

spionin

DWB

spionin , f. weiblicher spion: wer weisz ob sie nicht noch jetzt deren spionin ist. Brentano ges. schr. 5, 176 .

Spioniren

Adelung

spion·iren

Spioniren , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, anderer Heimlichkeiten mit List und zu ihrem Nachtheile zu erforschen suchen; aus …

Spionkop

Meyers

spion·kop

Spionkop , Berg im westlichen Natal, südwestlich von Ladysmith, bekannt durch die Kämpfe im Südafrikanischen Kriege zwischen Engländern und …

Spionskopf

RhWB

spion·s·kopf

Spions-kopf -kǫp Saargeb., in der Bergmspr. m.: verächtl. hochgelegenes Büro des Wettersteigers.

spion als Zweitglied (5 von 5)

Armseelenspion

RhWB

Arm-seelen-spion -špĭū:n Aach m.: scherzh. Leichendiener.

Tintenspion

RhWB

tinten·spion

Tinten-spion -špiū·ə.n Kref-Stdt m.: verächtl. Büroangestellter, Schreiber.

werkspion

DWB

werks·pion

-spion , m. , agent, der betriebsspionage betreibt: die Höchster ( firmen ) haben schon ihre neuesten betriebe nach Mitteldeutschland verleg…

Ableitungen von spion (1 von 1)

spioné

LDWB1

spioné [spi·o·nę́] I vb.tr. (spionëia) abhören, belauern, belauschen, bespitzeln, beschnüffeln, spionieren II loc.v b. spioné do nachspionie…