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verstehen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verstehen verb.

Bd. 25, Sp. 1660
verstehen, verb. form. 11) wie im stammwort (th. 10, 2, 1396 ff.) stehen von vornherein zwei verba neben einander: -standen (-stantan) in starker und -stân (-stên) in athematischer flexion, die auf die wurzel germ. stā- zurückgehen; das erstere eine dentale weiterbildung des letzteren mit nasalinfix. im got. fehlt es. altengl. nur farstandan, -stondan Bosworth-Toller 318b; altnord. (lehnwort) forstanda (fyrirstanda) Fritzner ordbog 1, 462b; altsächs. farstanden Heliand 4655, 5228; mnd. nur vorstân Lübben-Walther hdwb. 524b; mnl. verstaen und verstanden Verdam hdwb. 637b. ahd. ist -standan (-stantan) häufiger als -stân (-stên). Graff sprachschatz 6, 602 f., 593 setzt unberechtigt als normalform des präfixes einmal far-standan, das andere mal fir-stên an. thatsächlich gebrauchen die wichtigsten der ahd. schriftsteller ihre normalformen und zwar Isidor firstandan und Tatian for-fur-stantan allein, Otfrid firstanten neben firstân, Notker ferstanden neben ferstân, Williram ferstantan neben ferstên, aber nicht willkürlich; vielmehr erscheint die athematische form bei ihnen nur im ind. präs., part. präs., inf., seltener im imperat., die starke stets im conj. präs., prät., part. perf. Graff 6, 602 ff., 593. das alemann. weist -stân, das bair. häufiger -stên auf, das fränk. schwankt. Otfrid hat in der 3. sg. präs. firstât (3, 7, 49) neben firsteit (3, 7, 53; 16, 55) ebd. § 383, 3. Wilmanns gramm. 3, § 35, 3 f. 22) während das prät. und part. prät. die thematische form festhalten, ist sie sonst sehr selten. auffällig in form und bedeutung ist ein vereinzeltes factitives verstenden neben intrans. verstân (über den e-vocalismus in der thematischen form vgl. th. 10, 2, 1403f.): des ist ouch der stein guot daʒ er verstendet daʒ bluot an der nasen oder an wunden: dar nâch in kurzer stunden sô er in nimet in die hant, sô verstât daʒ bluot zehant Volmar steinbuch 272 Lambel. gelegentlich wird der imperativ so gebildet, obd. wie nd.: verstand von mir mein klag und wort Hätzlerin liederbuch 1, 7, 12 (daneben: diern, hör und verstê 1, 1); verstant wilchen rait ich dir geven Hagen Köln. chron. v. 1491 (d. städtechron. 12). in älteren alemann. quellen findet sich der conj. präs., imper., seltener der indic. präs. und inf.: wyter ist .. zuoerkonnen ob er .. das, so er redt, wol verstand Riederer rhetoric (1493) a IIIa; ire spraach verwirren, das keiner des anderen spraach verstande Züricher bibel (1531) 1 Mos. XIB; verstand das wie ichs red Maaler 432a; disz verstand von allen dinen synnen Keisersberg bilgerschafft (1512) B IIIa; darumb bericht oder straff sy scharpff (verstand allein mit worten) Zwingli v. freiheit d. speisen 9 neudr.; wa ich die sach greif gröblich an, und wer unzüchtig mit den worten usz zorn hie an etlichen orten, so bit ich euch, verstanden das: wir narren jetz nit künnen basz Murner luth. narr v. 150 neudr.; von büchern hab ich groszen hort, verstand doch drynn gar wenig wort Brant narrenschiff 1, 6 Zarncke; dasz du .. nit mer betäubt werdest mit disen worten Hiera Ruffi, als einer artzney die du nit verstandest Gesner-Forer thierbuch (1563) 26; nicht ohne widerred mag ich mein schreiben vollenden, und nicht ohne grosze anbellung deren allen, die weder mich noch mein gegentheil verstanden Paracelsus opera 1, 208 B; würt deiner keiserlichen .. majestadt in aller demietigkeit zuo verstanden geben Murner an den adel 4 neudr. bair.: ir maget vile wol verstanten, dunket iʒ iuch nieht enplanten Vorauer ged. 348, 28 Diemer. 1. und 2. person verschieden gebildet (vgl. Fischart th. 10, 2, 1399 oben): Peter. wann du mit dienst und solt umbgeest, da verstande ich mich nichts uf. Franz. verstehstu dich nichts daruf? sat. u. pasquille 2, 46, 9 Schade. der conj. präs. ist auch im älteren schwäb. belegt: daʒ er in verstande mit reht quelle bei Haltaus 1900, Fischer 2, 1357; das er in und sin erben verstande und veranntwurtte ebd. er lebt noch im tirol. Schöpf 706. nach th. 10, 2, 1403 bewahren die heutigen obd. mundarten überhaupt im conj., theilweise auch im imp. und ind. noch vielfach die thematische form. 33) in der athematischen form wechselt a- mit e-vocalismus, theils mundartlich geschieden, theils innerhalb der flexion. im groszen ganzen gehören die a-formen dem alemann., die e-formen dem bair. an. über das ahd. s. Graff 6, 593; über die verhältnisse in der mhd. klassischen dichtung vgl. th. 10, 2, 1406. in der nhd. schriftsprache verhilft Luther dem mitteldeutschen e-vocalismus zur herrschaft, in der aus verstên zerdehnten form verstehen Wilmanns 3 1, § 157, 1; gelegentlich auch verstähen geschrieben: von euch verstäh ich rechten grund, di meiner seelen sen gesund Schwarzenberg Cicero (1535) 151; (es) wärden meine .. herren dise zuschreibung in gutem verstähen Bellin rechtschreibung (1657) )( vb. gegen diese form sträuben sich die obd. schriftsteller noch lange und zeigen im einzelnen recht abweichende formen: elsäss. verstēn neben dem gewöhnlichen verstōn: dasz im teutschen was ihre meynung wenig zuverstehen Spangenberg dichtungen 5 Martin; von sanct Martin der gansz patron: gab er darinnen zuverstohn .. 33. Fischart gebraucht durch einander den inf. verstān, verstēn, verston (vgl. th. 10, 2, 1415): ir habt hie oben verstahn mögen, das des Gargantz und balds farb ist gewesen weisz und plo .. dadurch er zu verstehn gab, wie ein himlische freud er seim völcklin seie Garg. 184 neudr.; ausz dieser bekandtnusz offentlich die weltlichen fürsten allzugleich wol mercken solten und verston, was doch wer ir religion die gelehrten v. 1173 Kurz. im imper.: verstaht mich Garg. 70 neudr.; im ind. präs. -e-: wann ihr .. nicht alle diese noppenteurlichkeit .. verstehet 269; vor solcher deiner narrenfart, verstehst nicht wa der weis hinfahrt glückhaft schiff v. 238 neudr. die alemann. schriftsteller haben im allgemeinen neben dem a- den verdunkelten o-vocalismus: verstān neben verstōn, so Maaler, Anshelm, Tschudi; Stumpf nimmt gelegentlich in der Schwytzerchron. (1606) 67b verstehn auf. auch die form verstöhn kommt gelegentlich vor: da bei mag mengklich verstön Murner an den adel 12 neudr.; das er alles so er liszt oder hört, wol verstön und erörtern möge Gesner-Forer thierbuch (1563) 20. in demselben werk aber findet sich verston neben verstehn: doch so findt man die sich darauff verstond 40; gleich können sy nicht reden, verstehen aber die indianisch sprach wol 8. im schwäbischen wechselt verstān mit verstēn vgl. Fischer 2, 1356 ff.; Seuse gebraucht verbal den inf. verstan, aber subst. verstēn 617b Bihlmeyer. vereinzelt entwicklung zu au: zuohand gab er allem volk zeverstAvn Stainhöwel de claris mulieribus 232, 10. selten ist verston: wann sy ainer so lang verston liesze quelle von 1558 bei Fischer 2, 1356; darumb söllent unser aller erben sy allerweg verston, vertretten und versprechen v. 1370 ebd. 1357. bair. ist verstēn zuhause, so bei Aventinus; tirol. kommt auch verstan vor Vintler blume der tugend v. 884 (s. unten II A 1 c). im ostfränk. erscheint auch wechsel des vocals. H. Sachs zeigt im präs. und imper. e-vocalismus, im inf. aber ist verstahn häufiger als verstehn und verston (vgl. auch th. 10, 2, 1414). auffällig ist ein conj. verstate: daʒ alter, tut man sprechen, kumet mit vil gebrechen, macht all kraft schwach und mate, jeder bei im verstate 5, 132 Keller. Albrecht v. Eybe hat den inf. verstien (schriften 1, 5, 19 Herrmann) neben versteen (spiegel der sitten A 1a); vgl. th. 10, 2, 1417. im mitteldeutschen ist e-vocalismus häufiger als a-vocalismus, mittelfränk. aber letzterer: virstain, intelligere Diefenbach gloss. 302c; wayre verstayne, warandizare 632a; verstain d. städtechron. 12 v. 2332 (Köln). die herrschaft von verstehn ist im 17. jh. endgültig entschieden. 44) besonders zu betrachten sind der inf. und das part. prät. der inf. wird in älterer sprache bald ohne, bald mit dentaleinschub decliniert: zu verstene geben, specificare Diefenbach gloss. 545b; auch in ein und demselben text neben einander: ze glicher wise ist es hie nach menschlichem verstenne gegen dem götlichen wússenne Seuse 293, 13; wanne sú sint nach mime verstende zuo der höhesten vollekomenheit die aller nehsten 474, 20; die sint rehte als rinder oder kelber zuo verstonde zuo disen hohen götlichen dingen Tauler 10, 30 Vetter; eben das ... habe ich ihrer majestät kurtz zuvor unterthänigst zuverstehende gegeben Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 183. da die alten einsilbigen formen die endungen nicht deutlich genug hervortreten lassen, so werden sie bisweilen nach dem muster der mehrsilbigen aufs neue angefügt Behaghel d. sprache 3 § 338, 7; so verstenen, intelligere Diefenbach gloss. 302c; sinen magen ze verstenen mit kampfe schwäb. quelle bei Fischer 2, 1357; vgl. th. 10, 2, 1461. umgekehrt begegnet eine thüring. und obd. form des infinitivs ohne nasalen auslaut (vgl. th. 10, 2, 1461): daʒ sú zu úrin jârin kumin unde sich selbin virstê kunnen Mühlh. rechtsbuch 55 (mhd. wb. 2, 2, 587a); daʒ her ein kirchlêhen lege eime der iʒ nicht vorstê konde hl. Ludwig 47, 14 Rückert; es gibt aber samenthaft in ainen knopf gefasset zeverstee Wyle 14, 5 Keller. das part. prät., das sonst stets vom starken verb. gebildet wird, findet sich selten vom athematischen abgeleitet: daʒ vrîesch bî dem Rîne ein rîter wol verstân: der wande sîne sinne an daʒ schœne wîp Nibelungenlied 327, 2 Lachmann; hett ich dich nit gewiszt dahain, ich hett mich gentzlich des versten, du wärest zuo dem pfaffen gen Kaufringer 119 (bei Fischer 2, 1360); also ich das habe vorstan Alsfelder pass. 2368; gemeinlick werdt dat olde testament Moses unde de propheten genoemet unde vorstan Rotmann restitution 21 neudr. es hält sich stellenweise auch in lebenden mundarten: luxemb. verstanen Gangler 470, verštân wb. (1906) 467b; hamb. da bün ik up verstaan, so hab' ich's verstanden Schütze 4, 180. 55) die vertretung in den lebenden deutschen mundarten entspricht den an älteren quellen gemachten beobachtungen. leider lassen die angaben der wörterbücher hier meistens im stich: schweiz. versto(h) Tobler Appenzell 188b, Seiler Basel 113a; elsäss. fərštó neben fəršté(n), im part. prät. mit assimilation verstang(en) Martin-Lienhart 2, 566b; schwäb. verstehen (verstá) Fischer 2, 1356, 1358 f.; bair. vətê Schmeller 2, 715; tirol. verstean, aber 1. sg. präs. i' verstand', 2. versteas(tes) Schöpf 706; kärnt. verstean, i' verstea, si' versteant Lexer 241; hess. fərštn, fərštṓn, 2. sg. präs. fəršt.e.s Leihener Cronenberg 36b; luxemburg. verštôen, präs. ech verštin, du verštês, e verštêt, part. prät. verštân neben verštâng; siebenbürg. verštô lux. wb. 467b; köln. verston Hönig 194b; schles. theils fərštên, theils fərštîn Unwerth schles. mundart § 26; a verstiht sich a bisseln ufs calender machen Gryphius dornrose 257 Palm; a verstieht seine sache! G. Hauptmann Rose Bernd 69; über mitteld. stîn Weinhold gramm. § 353; nd. vorstahn Eilsdorf bei Halberstadt nd. jahrb. 34, 62b; götting., hamburg., holstein. verstahn, aber 2. 3. sg. präs. versteist, versteit Schambach 267a, Richey 285, Schütze 4, 180; ostfries. ferstân, ik ferstâ, du fersteist, prät. hê ferstun ten Doornkaat Koolman 1, 467b; mnd. ik vorsta, he vorsteet, -staet, -steit, se vorstan; he vorstund, se vorstunden Schiller Lübben 5, 459. 66) das prät. wird stets von der starken form gebildet. der ursprünglich nur dem präsensstamm zukommende nasal ist auch in das prät. eingedrungen Braune ahd. gramm.4 § 346, 5. zwei alte formen bewahrt noch Tatian: eine nicht diphthongierte forstôtun 89, 6 neben der diphthongierten forstuotun 104, 7. die regelrechte mhd. form ist verstuont; im schweiz. des 16. jhs. mit übernahme des schlieszenden dentals aus dem präs.: von den dingen .., die sy aber schwarlich verstuondend Zwingli von freiheit der speisen 42 neudr.; die sich kriegens uff dem meer und uff dem land verstundind Tchudi helvet. chron. 1, 247. gelegentlich mit o-vocalismus: sich virstônt die nôtige diet könig Rother 1321; die erzte .. wol verstonden Arigo 21, 18 Keller. die übliche spätere form verstund bewahrt selten die ursprüngliche länge (aus verstuont, verstuent): ermahnungen, die ich so wenig verstuhnd als eine katze Bräker 1, 12; sie verstuhnden kein wort deutsch Heinse 10, 41. gewöhnlich tritt kürzung vor folgender doppelconsonanz ein: keiser Karl, der sich nicht auff solch ding verstunt Luther 19, 276 Weim. diese form herrscht bis ins 18. jh.: und keins verstund sein eigen wort Günther ged. (1735) 129; sie verstund die gelehrten und neuern sprachen aus dem grunde anmuthige gelehrsamkeit 3, 5 Gottsched; die kinder Noah verstunden einander nicht mehr Rabener 1, 151; wiewohl sie nichts von der kartenmischung verstunden Wieland (1793) 4, 99; ich verstund wort und blick Göthe IV 3, 104 Weim.; weil er am meisten verstund dir zu dienen Schiller 1, 68; die gottheit, die sich so übel auf ihre leute verstund 3, 419 (kabale 2, 7); verstunden sie nun alles? Pfeffel pros. versuche 5, 27. in der zweiten hälfte des 18. jhs. erscheint daneben verstand. Wieland, Göthe, Schiller kennen verstund nur in ihrer ersten periode. im 19. jh. erscheint diese form noch alterthümelnd bei germanisten: eine gute altgermanische sitte, die sich gewissermaszen von selbst verstund Weinhold d. frauen 2, 190. bisweilen schleicht sich das schlieszende -e der schwachen prät. ein (vgl. th. 10, 2, 1439): ir keines das ander verstunde Arigo 110, 6 Keller; ich lase es, aber die wort oder sprach verstunde ich nicht, es waren mir eitel bömische dörfer Moscherosch Philander 262 Bobertag; dieser schäfer .. sich auf die wund-arznei wol verstunde A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 32; als sie dieses nun verstunde lied sie auch die pfeiff im munde Logau 520; man meldet, dasz aus dieszem grunde, der bischof, der moral verstunde, den sonnen-weiser oft den falschen freund genannt Lichtwer äsop. fabeln 73. eine anlehnung an das verwandte gehn liegt vor bei einem prät. verstiende (nach gieng) Behaghel geschichte d. d. sprache3 § 338, 6; umb des willen macht man ain spiegelfechten vor dem volck .. das volck verstiende sich darauf (merkte es), wann man weszt wol d. städtechron. 29, 29, 17 (Augsburg). die jüngere form des prät. verstand scheint aus dem part. eingedrungen zu sein. die abneigung gegen den gebrauch des prät., die in einem theil des sprachgebiets zum völligen absterben führt (Behaghel zeitformen 208, Wunderlich satzbau 1, 220), ist bei verstehen auch in älterer zeit zu beobachten; es wird fast stets durch das part. umschrieben, häufig mit unterdrückung des hilfszeitwortes. die art, wie bei so vielen starken verben in jüngerer zeit sich im prät. eine änderung, meist vereinfachender art, vollzog, mag hier die angleichung an das part. prät. befördert haben. daneben hat vielleicht auch die dritte ablautsreihe band — bunden einen einflusz ausgeübt (vgl. th. 10, 2, 1442). die ältesten nachweisbaren stellen reichen in die mitte des 17. jhs. hinauf: alle andere nationen aber, derer sprache sie nicht verstanden Micraelius Pommerland (1640) 1, 2; Lingus solte für den hust brauchen loch de Farfara; disz verstand er so und so, brauchte loch de Barbara Logau 298; der mann verstand sich nicht auf weiberseelen Wieland urteil des Paris v. 5; er verstand ein wenig französisch und fing an zu übersetzen Lessing 8, 42; nur dadurch wurden sie eines gefühls der ehre fähig und werth, dasz sie ihren beruf verstanden und erfüllten Herder 23, 44. 77) der conj. prät. ahd. ferstuonti, mhd. verstüende, wird nhd. verstünde; die alte form noch alemann.: sag, wie vil hast guldi z' Köln verzert, e du die gschrift so wol verstüend? N. Manuel Barbali v. 548 Bächtold. mit entrundung auch alem. verstiende: sy verstienden sich basz uff küh mälken Th. Platter 48 Boos. auch eine umlautlose form kommt vor: der ihm aus dem catechismo, was er von seinem christenthum verstunde, examiniret Grimmelshausen 2, 355, 28 Keller; ich bin .. kein Ungar, sonst verstunde ich mich am besten auf die verba aufferendi Stranitzky ollapatrida 8, 13. die form verstünde wird von guten schriftstellern des 16.-19., verstände daneben von denen des 18.-19. gebraucht: wenn eyner sich auff eine sprache nicht verstünde Luther 18, 103, 31 Weim.; weil er sich auf die handlung cento pro cento so glücklich verstünde Weise erznarren 35 neudr.; wenn er nur seine mutter-sprache verstünde d. vernünft. tadlerinnen 1, 11; dasz die Italiener unter plasma einen gräulich-gesprengten hornstein verstünden Lessing 10, 306; dasz niemand schriebe, was er nicht verstünde Herder 1, 260; als wenn er auch zu lesen verstünde! Göthe 23, 86 Weim.; da braucht man nicht zu thun, als wenn man es verstünde Tieck 6, 55; er stellte sich, als verstünde er die geschichtlichen anspielungen seines volontairs Gutzkow ritter 8, 400; wehe dir, wenn du mich verstündest! Hebbel 1, 60 (Judith 5); er meint, man verstünd ihn eben auch hier nicht Mörike 1, 124; er meinte, dasz er's verstünde Fontane 5, 130. die jüngere, zu verstand geschaffene form verstände ist nicht durchgedrungen: wer sich auf schlösser gut verstände! Schiller 52, 259 (Karlos 2184); nun denkt einmal, ich verstände die kunst, auf des menschen angesicht zu lesen Klinger werke 3, 87; verstände und spräche ich nicht italienisch E. Th. A. Hoffmann fantasiestücke 1, 132; wenn es nur aufzuhören verstände zur rechten zeit Ludwig 2, 13; geldborgen, das sie allerdings aus dem grunde verständen Keller 2, 110. verstände und verstünde halten sich also nebeneinander bei guten schriftstellern. doch zieht man heute den gebrauch des coni. präs. vor, wenn er formell vom ind. präs. zu unterscheiden ist: Friedrich sey ebenfalls aufgefordert sich einzufinden, oder abgeordnete zu senden, damit er die anklage vernehme und sich zu einer angemeszenen genugthuung verstehe Raumer Hohen staufen 4, 141. dazu bildet Anzengruber einen neuen coni. prät.: weil s' ihnen anstellen, als ob s' meine anspielungen gar nit versteheten 10, 263. 88) bei verstehen sind zwei grosze gruppen zu sondern, je nachdem es zur bezeichnung geistiger vorgänge oder sinnlicher verhältnisse verwendet wird. die semasiologischen fragen, die sich an das verhältnis zwischen präfix und stammwort anknüpfen, werden im folgenden getrennt behandelt. II. verstehen als ausdruck für den vorgang des geistigen erfassens. I@AA. semasiologie, verbreitung, bedeutung. I@A@11) wie aus der sinnlichen anschauung des stehens die abstracte des verstehens entstanden ist, hat den semasiologen seit dem 18. jh. gelegenheit zu mehr oder minder geistreichen deutungsversuchen geboten. thatsächlich ist der einzige weg zu einer befriedigenden deutung, wenn man verstehen in enge beziehung zu einem entsprechenden unter- und in- compositum setzt, worauf schon Adelung hingewiesen hat. in der composition mit dem stammwort stehen ist verschiedentlich der versuch gemacht worden, den begriff des geistigen erfassens auszudrücken. ahd. in-stantan gebraucht Otfrid als 'intelligere' ebenso häufig wie fir-stantan, fir-stân (vgl. Graff sprachschatz 6, 601). Isidor hat ein in-standan (15, 8) neben häufigerem fir-standan (einmal graphisch fyr-stant 25, 21). im mhd. ist ein en-stân neben ent-stân nachzuweisen, wo sich das t entweder unorganisch entwickelt oder sich das präfix in- mit ent- (ahd. ant-, int-) gekreuzt hat. dieses entstehen belegt auch Schmeller 2, 713 und Fischer 2, 741, letzterer noch für das 15. jh. in der form en-sten. dem hochdeutschen in-compositum tritt ein under-standan, -stân sächsischer herkunft in diesem sinne neben dem ver- compositum gegenüber (altengl. Bosworth-Toller 1100a, mengl. Stratmann-Bradley 646a; mnd. Schiller-Lübben 5, 36b), das im engl. zur herrschaft gelangt, im nd. dem umsichgreifenden ver- compositum weicht. einem solchen unterstehen liegt offenbar ein dem lat. inter ('unter, zwischen') entsprechendes präfix zugrunde (gegen Paul wb.2 587a); vgl. lat. intellegere (inter-legere) 'dazwischen auslesen, unterscheiden'. in-standan, in-stân besagt 'in einem gegenstande stehen, fuszen, zuhause sein', under-standen, under-stân 'dazwischen d. h. mitten darin stehen'. wenn nun noch, ob auch ganz vereinzelt, ein nhd. bestehen (th. 1, 1672) in demselben sinne gebraucht wird, so würde es die anschauung vertreten 'einen gegenstand umstehen, bestehen, in seiner gewalt haben' (ahd. bi-standan vgl. umbi-: griech. ἀμφι-). von diesem ausgangspunkte läszt sich der übergang von dem sinnlichen auf das geistige gebiet verstehen, wie uns die ähnlich entwickelten bildungen be-greifen und ver-nehmen noch heute semasiologisch durchsichtig sind. ein vereinzeltes mhd. er-stên (wb. 2, 2, 582b; Lexer hdwb. 1, 675) können wir einem erfassen an die seite stellen. ein weg zu diesen bildungen musz vom präfix ver- aus erschlossen werden, um auch verstehen begreiflich zu finden. im got., wo die grundformen des präfixes fair- faur- fra- noch getrennt sind, fehlt das wort. im ahd. erscheinen, im wesentlichen nur landschaftlich und zeitlich geschieden, far- fer- fir- for- fur-, so dasz z. b. Otfrid fir-, Notker fer-, Tatian for- fur- als normalform des unbetonten präfixes durchführt (vgl. germ. abh. 27, 30). um so auffälliger wird es dann, wenn diese regel an bestimmter stelle (unter mehr als 250 fällen 1 mal) durchbrochen wird wie im Tatian 89, 6: bi hiu ni virstantet ir, quare non intellegitis. dieses fir- aber entspricht got. fair- (griech. περι-, lat. per-) und würde sich got. fair-greipan: κρατεῖν, fair-waurkjan: περιποιεῖσθαι an die seite stellen; daher weist auch Wilmanns gramm. 2 § 127 verstehen unter diese kategorie. bei fair-greipan ist auf das deutsche begreifen hinzuweisen, das aus derselben anschauung heraus zum ausdrucksmittel des abstracten denkens geworden ist. auffällig ist die vollere form der vorsilbe in einzelnen ahd. nomina, die in beziehung zum verbum stehen: furi-stentida, -stentiga neben fer-stendida, -stentida Steinmeyer-Sievers gloss. 2, 220a b; 282a; 502b; 523a; furi-stantlîh neben far-stantantlîh in der Benedictinerregel (1, 39; 119 Hattemer). dieses furi- ist jedenfalls ebenso aus firi- hervorgegangen, wie ein ahd. firiwizzi (vgl. got. fair-weitl) in furi-wizzi übergeht (Graff 1, 1098 f.), im mhd. vir-witz (e) neben vür-witz (e) steht (mhd. wb. 3, 793a; 794b; Lexer hdwb. 3, 618) und im nhd. fürwitz meist zu vorwitz fortgebildet erscheint. spricht so die lautform nicht gegen die annahme einer fair-type, so die semasiologische betrachtung entschieden dafür. denn als 'rings um einen gegenstand stehen, ihn umstehen, in der gewalt haben, beherrschen' reiht sich verstehen zwanglos den behandelten parallelbildungen an. zu der ganzen darlegung vgl. germanist. abhandl. (1907) 27, 191f. Kluge geht erst etym. wb. 7 (1910) 475a auf die frage ein und nimmt eine urgerm. vorsilbe fri- zu hilfe, die in got. fri-sahts 'bild' und ahd. antfristôn 'verdolmetschen' stecken soll; fristôn aber soll mit firstân identisch sein; vgl. darüber Leopold festschr. d. schles. phil.-vereins z. jubil. d. univ. Breslau (1911) 13. der hinweis auf gestehen und griech. ἐπίσταμαι, welch letzterer sich schon bei Adelung findet, vermag keine klarheit in die auffassung von verstehen zu bringen. I@A@22) seit der ältesten periode ist verstehen weit verbreitet. im got. fehlt es, kommt im altengl. als forstandan, seltener als understandan vor Bosworth-Toller 318b, ist in diesem sinne im mittelengl. erloschen. altfries. fehlt es, ist in die jüngeren mundarten aus dem nl. und nd. eingedrungen Dijkstra 1, 420a; Siebs Helgoland 218b; ten Doornkaat Koolman 1, 467a. spätaltnord. forstanda, fyrirstanda Fritzner ordbog 462b, 522ab ist schon dem mnd. entlehnt Falk-Torp etym. wb. 263; n. forstaa, schwed. först, altsächs. farstandan Heliand 4655, 5228; mnd. vorstân Schiller-Lübben 5, 460ab; mnl. verstaen Verdam hdwb. 637b; nl. Kilian 604b. ahd. in den mannigfaltigsten formen Graff sprachschatz 6, 593; 602 ff.; mhd. wb. 2, 2, 587b ff.; Lexer hdwb. 3, 248; nhd. zahlreich gebucht. I@A@33) die bedeutung von verstehn findet sich in den älteren quellen verschieden umschrieben: ahd. farstân, sentire, intelligere, deprehendere, sapere Graff 6, 593; farstandan, intelligere, cognoscere, agnoscere, scire, sentire, resipiscere, animadvertere, advertere 602 ff. dazu treten bei den späteren weitere: capere, apprehendere, comprehendere, percipere, perspicere, cognitum habere Maaler 432a; Kilian 604b; Dentzler 313a; Frisch 2, 327c; discere Stieler 2129. bisweilen findet es sich mit deutschen ausdrücken wie hören, sehen, merken, begreifen, vernehmen, wissen zusammengestellt: ich höre oder ich verstehe, capio Dasypodius 25a; hör und verstand mein meinung und für nemmen oder radtschlag, accipe Maaler 432a; dat eyn horen et dat ander verstaen, subaudire Diefenbach gloss. 559a; dise begerunge stillent sú domite daʒ sú dise ding wellent hören und verston Tauler pred. 22, 24 Vetter; dieweil aber ain rat biszher sovil und mänigerlay fürnemen und hanndlung gemerckt, gehört, gesehen und verstanden hab d. städtechron. 25, 354, 20; mit hörenden ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen, mit sehenden augen werdel ihr sehen und werdet es nicht vernemen Matth. 13, 14; als wier das sechen und verstann, so hat die sun iren klaren schein verlan Tirol. pass. 155 Wackernell; denn werdet ihr recht schmecken und verstehen was liebe für ein labsal sey Lohenstein Ibrahim 589 (1680, s. 70); sapere, schmackhafftlichen versteen Diefenbach gloss. 511c; praesapio, vorhin mercken, etwas künfftiges vorhin erschmecken und verstehn Calepinus 1139a; planus .. heyter und klar, verstendlich, gut zu mercken und zu verstehn 1100b; das enkein menschliche verstentnisse enmöchte die luterkeit nút begriffen noch verston mit vernunften Tauler 120, 17 Vetter; als das sie hette die lehren .. recht fassen und verstehen können Opitz poeterei 9 neudr.; die erzte vernamen daʒ sich die kranckheit meren und argern ward von tag ze tag und wol verstonden der tod mit im begonde ze ringen Arigo 21, 18 Keller; ein volck des sprachen du nicht verstehest, und nicht vernemen kanst, was sie reden Jer. 5, 15; drumb ists clar das disse bullisten yhr eygen wort nit vorstehn, wissen nit was sie lallen Luther 6, 618 Weim.; west vor nit, das ich jetzt versteh, dasz ich so selig was darinn H. Sachs 17, 3 Keller-Götze. für den vergleich lehrreich sind die stellen, an denen verstehn in den texten für ein anderes wort eingesetzt oder durch ein anderes ersetzt ist: wan ich vernym (var. verstee) nit, daʒ ich wirk cod. Teplensis 2, 10; der do weisz (var. verstet) den tag, der weysz (var. verstet) in dem herren, qui sapit diem, domino sapit erste d. bibel 2, 52, 25; und sy miskanten (var. verstuonden, verstunden nit) das wort 1, 247, 46; Altus ist ein tapffrer mann, dessengleichen man kaum fünde, were tapffrer, wann er nicht, dasz er tapffer, so verstünde Logau 507 (bei Lessing-Ramler fände: selbst gestände). I@A@44) verstehen berührt sich in der bedeutung mit fassen, begreifen, vernehmen. alle sind von sinnlichen auf geistige vorgänge übertragen. beim begreifen nimmt der geist die einzelnen theile oder merkmale des gegenstandes in sich auf und wird sich durch sie des ganzen bewuszt; beim verstehen kommt die form zum bewusztsein und das ganze in seinem zusammenhang und seiner ordnung Weigand syn. wb. nr. 561; begreifen ist noch etwas mehr als verstehen. man versteht nämlich viel sachen, die man doch nicht begreift. denn wer nicht völlig einsieht, wie es mit einer sache zugeht, oder wie sie möglich ist, der begreift sie nicht. jedermann versteht, was ich will, wenn ich sage: ein stein sey schwer; aber wie es mit der schwere zugehe, begreifen auch die weltweisen noch nicht vollkommen Gottsched beobachtungen über d. sprachgebrauch 407. die lebende sprache unterscheidet beim auffassen der rede vernehmen von verstehen; man vernimmt den sinnlichen, lautlichen klang des gesprochenen und gelangt dadurch, falls überhaupt die beziehung des klanges zum sinne klar ist, zum verstehen des in den lauten ausgedrückten sinnes vgl. Eberhard-Lyon nr. 1399. verstehen als philosophischer kunstausdruck entspricht in der sprache der mystiker der bedeutung von verständnis (A 2), in der neueren philosophie der von verstand (A 2). es bezeichnet besonders das deutliche begriffs- und unterscheidungsvermögen: den underscheit (zwischen den beiden arten von gebresten) verstont! Tauler 126, 33 Vetter. sobald wir von einem dinge deutliche gedanken oder begriffe haben, so verstehen wir es Chr. Wolff gedanken von gott 1, § 276; verstehen heiszt anfänglich den sinn oder die bedeutung der wörter und redensarten oder einer sprache überhaupt wahrnehmen Gottsched beobachtungen über d. sprachgebrauch 407; begriffe, durch welche allein der verstand etwas bei dem mannigfaltigen der anschauung verstehen d. h. ein object derselben denken kann Kant 3, 93 akad. ausg.; etwas verstehen, d. h. durch den verstand vermöge des begriffs erkennen oder concipieren 9, 65; daher drückt verstehen auch eine beziehung auf etwas aus, das uns ohne unser zuthun von auszen kommen soll Fichte 1, 234. man verstehet eine rede, ein wort, ein zeichen, wenn man eben den gedanken damit verknüpft, welchen der urheber der rede oder des zeichens damit verbindet Adelung; sich eine deutliche vorstellung von etwas machen Campe; die bedeutung, den sinn einer handlung, eines wortes, eines satzes, eines satzzusammenhanges erfassen, d. h. die den betreffenden sprachzeichen zugehörigen vorstellungen, begriffe, urteile mehr oder weniger deutlich, gegliedert, zusammenhängend reproduzieren oder reproduzieren können, auf grund von psychischen dispositionen und assimilationen, die das verständnis auch ohne deutliche vorstellungen ermöglichen Eisler philos. wb.3 3, 1672; wir verstehen nur vermittelst der übertragung unserer inneren erfahrung auf eine an sich tote äuszere thatsächlichkeit Dilthey einleitung i. d. geisteswissenschaften 1, 172. I@A@55) einzelne besonderheiten des syntaktischen gebrauchs in älterer sprache sind hervorzuheben. verstehen in verbindung mit einem dativ der betheiligten person bedeutet 'einem mit verständnis sein ohr leihen, den sinn seiner worte erfassen': solt ihr wissen, das mein meister sehr ubel höret, und musz einer gar laut ruffen, dem er etwas verstehn sol Krüger Clawert 7 neudr.; ich stellte mich aber, als wüste oder verstände ich ihm nichts Ziegler Banise 89; sie glaubt, sie höre gott; denn sie versteht ihm nichts, und was sie halb gemerkt, stützt sie auf ein: er sprichts Lessing 1, 258. mit doppeltem accusativ: den nehsten sul wir niht ein unser kunden und die unser sippe sint vorsten, suonder ein igelichen menschen der unser ebinchristen ist altd. predigten 1, 279, 1 Schönbach; böszlistiglich ich sie verstohn, das macht mir ein groszen argwon Sachs 20, 22, 19 Götze. mit accus. c. inf.: gleichwol aber verstand er es rathsamer zu seyn seiner rache was abzubrechen Lohenstein Arminius 2, 242b. I@BB. gebrauch in der literatur. I@B@11) dem sinne nach erfassen, wahrnehmen, vernehmen, merken. die vermittlung der eindrücke durch die sinne wird hervorgehoben: ahd. mít tien ûʒerên sensibus ferstándên wir dero ûʒerôn díngo Notker 1, 335, 7 Piper. ältere nhd. quellen bei Fischer schwäb. wb. 2, 1354. I@B@1@aa) in sinnlicherer verwendung. mit dem gefühl: (beim trinken) so du kanst verstehn, dasz dir der athem will entgehn, so magstu thuon ein kleine rast, bisz dasz du wider athem hast Scheit Grob. 3263 neudr.; do Jacob virstunt daʒ ime nahote der tot, do hiʒ er ime gewinnen Joseben sinen liben sun genesis 105, 8 Diemer. mit dem gesichtssinn: dann sie wol wisten und täglich verstüenden, dasz mir etlich von herrn und ander veintschaft trüegen d. städtechron. 5, 298, 26; zeigt im die herberg, alles an, dasz es der beck wol mocht verstahn Fischart Eulenspiegel 576. mit gesichts- und gehörssinn: hete ich ougen oder ôren danne dâ, sô kunde ich die rede verstân: swenne ich niht ir beider hân, sone kan ich nein, sone kan ich jâ Walther v. d. Vogelweide 42, 4 Lachmann. mit dem gehörssinn: also so bald ir lieblich gthön die gmüter mercken und verstehn Fischart lob der lauten 255; des himmels ahnung den umweht, der deinen liebeston versteht Matthisson schriften 1, 16. I@B@1@bb) articulierte laute und worte ihrem sinnlichen klange nach so auffassen, dasz man sie von ähnlich klingenden unterscheiden und einen sinn in sie hineinlegen kann: ihr stehet zu weit von mir, ich kan euch nicht verstehen Kramer 2, 940a b; du sprichst so undeutlich, dasz man dich nicht verstehen kann Adelung; durch das gehör deutlich vernehmen, unterscheiden Campe. mnd.: (Bellîn stunt buten ... he rêp ...) do dit Reinke hadde vorstân, he gink ût unde sprak Reinke de Vos 2998 Lübben; nhd.: und fangen denn ein klopffen an, das keiner kan kein wort verstahn Fischart Dominici leben 146 Kurz; war etwas minder tobend das gelag, ich hätte wohl verstanden, was man sprach Droste-Hülshoff 2, 107; machten sie ein solches gethöne, dasz auch die nächsten kein wort ... verstehen konten Lohenstein Arminius 1, 31a; so dasz nach und nach vor weinen und schreien man kaum sein eigenes wort verstand Gotthelf 1, 87 Bartels; sie pumelte noch mehr dazu, welches ich aber nicht alles verstehen konnte Grimmelshausen 2, 341, 30 Keller; der horcher (konnte) ... ungefähr folgendes verstehen Göthe 21, 217 Weim. mit persönlichem object: das .. volk machte nun während des Shakespeareschen trauerspieles einen solchen lärm, dasz man nicht etwa nur die schauspieler nicht verstand, sondern auch nicht hören konnte, ob sie überhaupt sprächen oder nicht Grillparzer 19, 164; verfluchter junge, ich kann dich nicht verstehen ... wart' ich musz einmal sehen, ob du keine zunge im munde hast Droste-Hülshoff 2, 275; schwäb. Fischer 2, 1358; ostfries. Doornkaat 1, 467a. I@B@1@cc) gesprochenes mit aufmerksamkeit und verständnis anhören: das kind versteht schon, was man ihm saget Gottsched beobachtungen über d. sprachgebrauch 407; als ich din sprauch vorstehen, mich duncket, du sijhest von Galilee Alsfelder pass. 3516 Grein.; von den hab ich drey schöne schwenck erfaren. den ersten thüet verston! H. Sachs fabeln 4, 73 neudr.; eur bitt wir haben verstanden Rebhun Susanna 5, 608; habt ihr doch vielleicht verstanden (erfahren Lessing-Ramler) was der Venus gieng zu handen, da sie den Adonis liebte ..? Logau 528; den jungen hunden soll man keynen langen namen geben, damit sie desto eher verstehen, wann sie bei irem namen geruft werden Sebiz feldbau 147; wir haben uber das mit bekümmertem gemüt verstanden, wie er .. viel unser lieben kinder .. zu zwingen sich unterstehet Luther 6, 329a Jen.; do er verstund, daʒ esz (das schlosz) gewunnen was und die von Nürmberg wider heim waren d. städtechron. 2, 153, 20; da ich auch verstand, dasz sich hertzbruder biszher im spital auffgehalten Simpl. 367 Kögel; wir habens verstanden, dasz 2 hübsche leute bey uns um das bürger recht anhalten Weise comödienprobe 265; ew. hochgräfl. excellenz habe in Torgau meldung gemacht und damals verstanden, dasz seine czarische majestät einige meiner ... vorschläge in gnaden aufgenommen Leibniz 2, 469. instrumental gebrauchtes an tritt hinzu; mhd. reflex.: ich verstân mich an der rede dîn: der ist Rôther alsô lieb könig Rother 2248. nhd.: die hertzogin wol verstuond an desz ritters worten Wickram 1, 15, 36. seltener bezeichnet an, gewöhnlich von die mittheilende person: ich verstan an euch, das diser rath über Jhesum von Nazareth gat Tirol. pass. 34 Wackernell; verstand von mir mein clag und wort Hätzlerin liederbuch 1, 7, 12; do de stat verstunt van dem herzog Alf .., dat er dat bolwerk nicht afdoin wolde d. städtechron. 13, 106, 28; es ist auch .. mir offenbart, nämlich durch den prior zu Erfort, der es von e. f. g. beichtvater verstanden Luther briefe 1, 77; was er von ihm verstanden Opitz Argenis 1, 458; so ich von etzlichen verstanden daʒ du dich der selbigen nicht also, wie vorhyn, annemest Hutten 185, 32. in älterer sprache kommt auch ein persönliches object vor: ir cristenlütt, ich eüch bedüt: den ackerman süllt ir verstan: Jhesus ist er genennet! Hätzlerin liederbuch 105; judt Elion, solt mich verstohn, eylendt mit mir auffs rathausz gohn Endinger judenspiel 55 neudr. I@B@1@dd) lesend erfassen, erfahren: sin gesicht im Jhesus geben hat, als wir verstand, am sabat schausp. d. mittelalters 2, 224 Mone; nun sollen wir das concilium also lassen beliben, bisz ir verstanden, wie nun der Husz und Jeronimus gen Costentz kommen Richental Constanzer concil 76; ir habt hie oben verstahn mögen, dasz des Gargantz und balds farb ist gewesen weisz und plo, wie gedörrt bonenstro Fischart Garg. 184 neudr. mit präpos. bestimmung: da ward er Hugberto auch aufsetzig (wie im 3. buch am 93. cap. verstanden wirt) Stumpf Schwytzerchron. 317b; meines .. herrn .. schreiben habe zu recht erhalten und daraus mit sonderbarer vergnügung verstanden, dasz man .. geneigt verbleibet Leibniz 2, 109; so Stieler 2129; Kramer 2, 940b; Frisch 2, 327c; Adelung. literarische belege für das 18. jh. fehlen. I@B@1@ee) nicht durch das gehör oder einen bestimmten sinn, sondern allgemein aus verschiedenen anzeichen wahrnehmen, bemerken, erfahren: quod per conjecturam colligitur et proponitur ... das man ausz gemercken oder mutmassungen versteht und abnimpt Calepinus IX ling. 308b. ahd.: forstuontun thaʒ her gisiht gisah in templo (cognoverunt) Tatian 2, 10. mhd.: swer dienet, dâ mans niht verstât, der verliuset al sîn arebeit Reinmar in minnesangs frühling 4 172, 30; ouch verstuont her Iwein wol daʒ er sich weren solde, ob er niht dulden wolde beide laster unde leit Hartm. v. Aue Iwein 1004. nhd.: in welches rühmliche land kan sich ein man wol vergehen, alda er deinen wolstand und namen nicht mög verstehen? Weckherlin ged. 1, 141, 96; do nun die underthanen hetten verstanden den willen ires herren, gingen sy heym und namen ir harnisch und waffen Warbeck Magelone 40; als das die edele junckfrau höret, auch desz rytters hertz, muot und sinn hat verstanden Schumann nachtbüchlein 304; da nun der Türck .. sölche uneinigkeit der christen verstanden Stumpf Schwytzerchron. 15b; man furcht sich fur Türcken und kriegen und wassern, denn da verstehet man, was schaden und frumen sey Luther 15, 30 Weim.; und thu an mir ein zeichen, auff das ein jederman versteh, das kein gerechter untergeh Ringwalt handbüchlin c 8b. in diesem sinne noch heute verständlich: (er) verstand ganz gut, dasz die 'carrête' die eben angefahrene kutsche sein sollte Gutzkow ritter 1, 18. gern tritt ein präpos. ausdruck hinzu; ahd.: wánt íh mínes sponsi gnâda verstên in sínero vocatione Williram 46, 4 Seemüller; mhd.: sich hât verwandelôt diu zît. daʒ verstên ich an den dingen (var. bî der vogel singen) minnesangs frühling 4 37, 31; daʒ du nieman verderben lâst an dem du reinekeit verstâst Rudolf v. Ems Barlaam 391, 22; nhd.: da die Römer solch erbar fürhalten von Romulo verstunden, darab namen sie grosz gefallen Carbach Tit. Liv. 5r; in dem werdend ir verstan das der herr euwer murren gehört hat Zürcher bibel (1531) 2 Mos. 16 b; auch schicket er ir einen ring, .. darbey sie verstunde, dasz er zu land kommen war buch der liebe 98a; aus deinem seufftzen verstehen wir nichts. wenn wir nicht die ursache wissen sollen Weise comödienprobe 56; ausz diesem text mag man verstan, das sich sol hüten iederman, sein nechsten menschen hie zu richten Sachs 1, 294, 26 Keller. die mhd. periode hat eine vorliebe für die reflex. form: Parzivâl verstuont dô sich daʒ eʒ Sigûne wære Wolfram Parzival 440, 20. mit gen.: Paulus und Johannes, wol verstuonden si sich des, daʒ si ze dem gotes rîche scolten varn kaiserchronik 10883 Schröder. mit präpos. an, bei, mit: ich verstên michs wol an eime site: des ich aller sêrest ger, so ich des bite, so gît siʒ einem tôren ê Walther v. d. Vogelweide 117, 19 Lachmann. einzelne festgewordene wendungen schlieszen sich an. I@B@1@ff) zu verstehen sein, auch in der lebenden sprache. mit dem gesichtssinn wahrzunehmen, erkennbar (vgl. a): o wolf, ich kenn dich an der stimm, wie wol du erzeigst dich nit Grimm! aber du bis wol sunst zuo verstan und hettestu zehen schafshüt an N. Manuel ablaszkrämer 73 Bächtold. deutlich hörbar: (die pforte) durch die des plaudernden gerüchtes zeitungsworte als durch ein sprachrohr sind ganz deutlich zu verstehn König ged. 13, 3. dem sinne nach zu entnehmen: es war, ohne dasz er kreischte, zu verstehn, was er schweigend heischte Rückert makamen 1, 56. lesend zu erfahren: was der könig Alexander magnus seinen fürsten und räthen für groszes guot und gaben geben, ist ausz der königin Olympiadis .. brieffen zu verstehen Kirchhof wendunmuth 2, 12; do by ist wol zuo verston, daʒ man die schulden sol und musz bezalen Keisersberg bilgerschaft b 1c. I@B@1@gg) einen (einem) etwas verstehen lassen, machen, thun mit dem sinne 'merken lassen, andeuten, mittheilen'. mnd. vorstân laten Lübben-Walther hdwb. 524b; mhd. verstân lâʒen wb. 2, 2, 588a; Lexer hdwb. 3, 248. mit bezeichnung der person: (sie) leten dem rade vorstan van der vorghenanten forsten weghene, wu dat de heren in der borch hebben by one ghehad ore bodeschop unde one vorstan laten, dat dar ghekomen weren kortisanen ut dem hove to Rome d. städtechron. 16, 32, 10; wann euers namen ich nit waysz .. ich bitt euch laszt mich den verstan Schwarzenberg teutsch Cicero 151; mein Sara, lasz michs auch verstan, ob du wöllest Thobiam han! Sachs 1, 148, 22 Keller. ungewöhnlich mit präpos. auf: ist es dein wil, daʒ lasz, bit ich, freundtlichen mich hierauff versten Forster teutsche liedlein 45 neudr. dieser gebrauch schlieszt mit dem 16. jh. ab. anders fassen wir eine wendung des 18. jhs. auf: lasz in dein heiligthum die scheue muse sehen, und lasz sie den gebrauch der jenschen welt verstehen Zachariae 1, 4. ähnlich: geh hin mit deinem sanften wehen, du sachteseusler, westenwind, geh, mach die schönste nymf verstehen, das allerliebste hertzenkind Neumark lustwald 296. Gottsched bildet ungewöhnlich, aber verständlich und anschaulich: Carl, so läszt sich ihr wort verstehn ged. (1750) 16. (zu) verstehn thun ist veraltet: alsz ich im schreiben thun verstahn, mag es lenger verzug nit han, sonder bitz montag, wie ich bericht Endinger judenspiel 71 neudr. mnl. daer ic hem dede te verstane, dat twe hinnen ende een hane .. up enen haenbalke saten Reinaert 1609 Martin. I@B@1@hh) zu verstehn geben ist noch heute üblich: specificare, zu verstene geben Diefenbach gloss. 545b; Maaler 433a; Kramer 2, 940b; Dentzler 313a; Frisch 2, 327c. gewöhnlich in worten: den dit to vorstande wart gegeven, de brachten dit an den rad d. städtechron. 7, 245, 8; nun merk ich eben, das ich soll zu verstehen geben euch meiner ler den rechten grund Maximilian Teuerdank 22, 45; ich mus aim solchen grobian die sach grob geben zuverstahn Fischart glückhaft schiff 400; da kommt ein bube wolgemut, gibt manches zu verstehen — »sprich, du hättst auf Karthago's schutt den Marius gesehen!« Schiller 1, 269; wen sol er denn leren das erkentnis? wem sol er zuverstehen geben die predigt? Jes. 28, 9; die solches sagen, die geben zu verstehen, dasz sie ein vaterland suchen Hebr. 11, 14; welches unser heiland in sinem lyden ze verstan geben, durch die glichnusz der zwey schwestern Tschudi helvet. chron. 1, 25; er wil so viel zue verstehen geben, das sie alles was in ein kurtz getichte kan gebracht werden beschreiben können Opitz poeterei 25 neudr. mit richtungsangabe: nebenst diesem sie dem h. reichs cantzler ihre meinung vom teutschen wesen ausführlich und dahin zuverstehen gegeben Chemnitz schwed. krieg 2, 12. durch seine handlungsweise kundgeben, verraten: ihm meine grosze gewogenheit zu verstehen zu geben Gryphius Horribil. 43 neudr.; ein feuriger hengst, welcher mit seinem schäumen und hitzigen sätzen seine ungedult .. zu verstehen gab Lohenstein Arminius 1, 31a; hie gibstu (Luther) dein unwissenheit hoch zuo verston in villen stücken Murner an den adel 18 neudr.; denn wer sich also der auffrurischen an nympt, gibt gnugsam zuverstehen, das, wo er raum und zeyt hette, auch ungluck anrichtet Luther 18, 386 Weim. mit instrumentaler angabe: dise torheyt wil uns got durch die laufenden spilenden kind zu verstehn geben Franck chron. Germaniae 186; Nero (hatte) mit einem handwink zu verstehen gegeben, das er reden wolte A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 11; gab jenem pantomimisch drohend zu verstehen, dasz er sich von hier hinwegbegeben solle Göthe 21, 148 Weim.; wer dieses nicht thut, giebt zu verstehen, dasz es ihm nicht um die wahrheit .. zu thun sey Gottsched weltweisheit 1, § 208. unpersönliches subject: die runtzeln des gesichts, der schnee der grauen haare gibt reichlich zu verstehn, dasz deines lebens jahre nicht schlechter anzahl seyn Rachel satyr. ged. 51 neudr.; die ahndung der natur giebts heimlich zu verstehen d. schaubühne 1, 177 Gottsched. in jüngerer zeit hat sich die bedeutung verengert: auf eine verdeckte art merken lassen Adelung; auf eine entfernte art, indem man es nicht geradezu sagt Campe; schwäb. Fischer 2, 1358; in Berlin Brendicke 189a; ostfries. Doornkaat 1, 467a; die hofmeisterin giebt ihr was zu verstehen, wie es mit bräuten zugehet Schweinichen 19; diesz gab ich ihm so ungefähr zu verstehen d. schaubühne 1, 261 Gottsched. gewöhnlich mit erläuterndem zusatz: die .. ihm auf eine feine art zu verstehen gaben, dasz sie ihn für geschickter hielten Wieland Agathon (1766) 2, 51; damit man mir am ende auf die empfindlichste art zu verstehen geben könne, ich würde wohl thun, wenn ich .. Lessing 2, 355 (Sara 4, 8); bei der nächsten zusammenkunft gab ihnen der propst .. nicht undeutlich zu verstehen, der kaiser sei nicht geneigt, den zoll aufzurichten Ranke 2, 89. hinweisen, aufmerksam machen auf etwas, nahelegen: ich möchte ihnen ihre eigene natur zu verstehen geben Pückler 1, 163. heute übliche wendungen: vergeblich gab er ihm das tollkühne seines unternehmens zu verstehen; sie gab ihm zu verstehen, in zukunft mit seinen äuszerungen vorsichtiger zu sein. seltener als in worten erfolgt die andeutung durch zeichen: mit den augen aber gab sie ihm zu verstehen, dasz er sich an ihre wort nicht kehren sollte Grimmelshausen 2, 337, 18 Keller; wie wär's, wenn wir das kalender-büchlein vornähmen, legten es vor ihn hin, wiesen mit dem zeigefinger auf unsere namenstage und gäben ihm zu verstehen, dasz wir den seinigen zu erfahren wünschen? Holtei erz. schriften 5, 134. vereinzelt reflex. gebrauch: wie anderst es gibt sich zu verstahn! bistu dann nicht damit zu frid? Ayrer dramen 2007, 4 Keller. mit reflex. dativ in dem sinne 'sich einbilden': auch die versperten in den klöstern in zuo versten geben (faccendosi a credere) und gelauben solches in zimlich ze thon sey Arigo decamerone 10, 15. I@B@22) im zusammenhange, in der gesamtheit aller beziehungen ein ding oder einen menschen erfassen, begreifen, durchschauen; den sinn einer sache, die handlungsweise eines menschen erkennen und mit verständnis begleiten. es handelt sich hier um eine intensivere geistige thätigkeit als bei dem vorigen gebrauch: das werde ich nicht erleben, dasz man dies versteht, d. h. durchdringt und anwendet! Fichte 2, 76; überall sahen diese menschen ein abbild ihres einfachen lebens, und legten sich, was sie nicht verstanden, auf solche naive weise zurecht Scherer gesch. d. d. literatur 6; was du hier gibst, versteht man, glaubt es zu verstehen und findet wenigstens ein analogon in dem was man gewisz verstehet Göthe IV 40, 140 Weim.; der mensch versteht nichts als was ihm gemäsz ist I 24, 43; die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären läszt Ebner-Eschenbach 1, 3. I@B@2@aa) worte nicht nur ihrem sinnlichen klange nach auffassen und von andern unterscheiden können (1b), sondern auch nach ihrem bedeutungsinhalt richtig erfassen und erkennen: ein rotwelsch vocabularius, daraus man die wörter, so yn diesem büchlein gebraucht, verstehen kan Luther 26, 638 Weim.; drey oder vier auszländische wörter, die er zum offtern nicht verstehet Opitz poeterei 27 neudr.; sie haben eine menge wörter, die man hier nicht versteht, die aber viele leser zu verstehen wünschten Lessing 8, 32; mord, knabe, verstehst du das wort auch? Schiller 2, 122 (räuber 3, 2); Wilhelm hörte diese worte, und verstand sie nicht Göthe 22, 44 Weim. schriftzeichen: geschickt schlug ich (kater Murr) mit der pfote ein ziemlich dickes buch auf .. und versuchte, ob es mir nicht möglich sein würde, die schriftzeichen darin zu verstehen E. T. A. Hoffmann 10, 34. die vorbedingung für dieses verstehen ist, dasz man das verhältnis zwischen dem klangbild oder lautbild und dem bedeutungsinhalt der worte kennt. das setzt nähere bekanntschaft damit und übung voraus. der ausdruck eine sprache verstehen ist doppelsinnig; er kann ebenso die fähigkeit bezeichnen, mit verständnis anzuhören, wie die zu sprechen. soweit die praktische fähigkeit in frage kommt, gehört diese wendung nach 3 a. hier ist nur von der fähigkeit des verständnisvollen anhörens die rede: ich verstehe die sprache wol, aber ich kan sie nicht reden Kramer 2, 940a; mnd. ik vorsta des nicht, spreket up dudesch juwe bicht Reinke de Vos 1393 Lübben; mhd. die kriechisch kunnen verstân Rudolf v. Ems Barlaam 402, 29. nhd. sie wusten aber nicht das Joseph verstund, denn er redet mit inen durch einen dolmetscher 1 Mos. 42, 23; ire spraach verwirren, das keiner des anderen spraach verstande Züricher bibel (1531) 1 Mos. xi b; sy wissendt offt ouch selber nit, worum ir eyner gott erbit, den dasz sy betten mit dem mundt: der keyner nie latin vorstundt Murner schelmenzunft 21 neudr.; der was der Spanier .. sagt, und was der Brite spricht, und der Franzose fragt, bis auf den grund versteht Neukirch ged. 133; er ist teutsch und latein wolberedt gewesen, und griechisch hat er wol verstanden Franck chron. Germ. 79; unsere übersetzer verstehen selten die sprache; sie wollen sie erst verstehen lernen Lessing 8, 9; ich verstehe kein wort wenn sie (die Bologneser) mit einander reden Göthe III 1, 311 Weim. sprache in übertragenem sinne: sie verstehen also auch die sprache des affects mehr als wir Herder 1, 152; sie verstand die stumme sprache der dinge Storm 1, 45; mein herz verstand sein liebevolles schweigen Lenau 76; selbst das schweigen ist beredt, wo es von gesammelter aufmerksamkeit verstanden wird Görres 1, 128; ob nun die juden noch heutiges tages diese musikalische charaktersprache verstehen, ist mir nicht bekannt Schubart ästhetik d. tonkunst 11; die vögel verston, linguas volucrum sentire Maaler 471a; ja, ich versteh des vogels sang, verstehe seinen flug Arnim 22, 10. mit persönlichem object; die sprache, aussprache, sprachweise eines menschen verstehen: meinen sprachmeister verstehe ich besser als einen andern Kramer 2, 940a; ein liebriche zungen und ein unliebriches hertze enkan als wenig verston als ein Tútscher einen Walch der ewigen wiszheit betbüchlin iib; er sah mich lange so an, wie man einen menschen ansieht, der eine wildfremde sprache spricht, den man nicht versteht und doch gern verstehen möchte Klinger werke 4, 66; dasz in der zweiten hälfte meines (englischen) aufenthaltes mich jedermann verstand, nur ich die andern nicht Grillparzer 19, 165. I@B@2@bb) zeichen und willensäuszerungen verständnisvoll erfassen: er verstehet jeden wink, jede miene Adelung, Campe; er glaubte den hellen wink des schicksals zu verstehen Göthe 21, 46 Weim.; die grosze chemiker haben ihr (der natur) gar sehr müssen unter die augen sehen, ehe sie ihren blick verstanden Bettine königsbuch 1, 42; sein buhlen wirst du nicht versteh'n, im sturmschritt ihm entgegengeh'n lieder zu schutz u. trutz 105 Lipperheide; in diesen tiefen seufzern ist ein sinn; legt sie uns aus, wir müssen sie verstehn Shakespeare 3, 281 (Hamlet 4, 1); und die thiere verstanden alle meinen segen maler Müller 1, 27. mit persönlichem object: den Mortimer spielt ich am besten, Maria war immer so schön! doch trotz der natürlichen gesten, sie wollte mich nimmer verstehn Heine 1, 25; lasz die reime lieblich flieszen, lasz mich des gesangs genieszen und des blicks der mich versteht! Göthe 3, 338 Weim.; es (das thier) kennt mich schon und ich versteh's am besten Tieck 1, 213. I@B@2@cc) den zusammenhang eines gedankeninhalts, einer rede, schrift, die zusammensetzung und das wesen eines werks erkennen und erfassen: das geheimnis der h. dreyeinigkeit verstehet kein mensch Kramer 2, 940a. absolut: ein richter sol in summa langsam urtheylen, bald verstehn Franck sprichw. (1545) 1, 6b; der wirth. unsere policey ist sehr exackt, gnädiges fräulein. — das fräulein. ich verstehe: von meinen gütern aus Thüringen also Lessing 2, 193 (Minna 2, 2); Moor (nachdenkend). ich verstehe (die fügung des geschicks) — lenker im himmel — ich verstehe — die blätter fallen von den bäumen — und mein herbst ist kommen Schiller 2, 158 (räuber 4, 5). mit nichtsubstant. object: kinder, das ein heiden dis verstunt und darzuo kam, das wir dem also verre und also ungelich sint, das ist uns laster und grosze schande Tauler 301, 2 Vetter; verstehestu nicht, was ich sage? Gryphius Horribil. 17 neudr.; nu vorsteestu, was heyligen heyst, was heilig ist Luther 2, 88 Weim.; er soll selbst nicht verstehen, was der brieff heiszen soll Weise erznarren 58 neudr.; ich freue mich wenn kluge männer sprechen, dasz ich verstehen kann wie sie es meinen Göthe 10, 110 Weim. (Tasso 117); das holz läszt unser herrgott frei wachsen und das wild wechselt aus eines herren lande in das andere; die können niemandem gehören. doch das verstehst du noch nicht Droste-Hülshoff 2, 268; dasz er in seinem testamente den wunsch ausgesprochen hat, in W. begraben zu werden. Friedrich wird schon verstehen, was das heiszt Ebner - Eschenbach 4, 72. mit substantivobject: ob ir diʒ bîspel verstêt, iwer prîs wirt hôch unde snel Wolfram Parzival 660, 6; du verstehest meine gedancken von ferne psalm 139, 2; drumb redt Christus verdeckt in parabolis, das die got gelerten .. allein verstehn Franck sprichw. (1541) 1, 113b; ihre majestät verstehen den titul nicht wol Gryphius Squenz 18 neudr.; wenn man alle die feinen anmerkungen verstehen will, die herr Klopstock mehr im vorbeigehen als mit vorsatz zu machen scheinet Herder 1, 199; trinke muth des reinen lebens! dann verstehst du die belehrung Göthe 1, 182 Weim.; allegorieen verstehe ich entsetzlich schwer Pückler 1, 89; eyn kurtze form, das pater noster zu versteen und zu beten Luther 6, 11 Weim.; (hauslehrer) der mich .. quälte mit dem glaubensbekenntnis, das ich nie verstand und er auch nicht Fontane 5, 96. schrift- und kunstwerke: dann ich on nutz vil bücher han, die ich nit lysz und nyt verstan Brant narrenschiff 139 Zarncke; ein döricht man aber dermasen der verstet deiner werck gar nicht Sachs 18, 362, 20 Keller-Götze; lasz den lacher, o Gleim, lauter dein lied entweihn! deine freunde verstehns Klopstock oden 1, 102, 10; wenn man problematische bilder wie das fragliche von Tizian verstehen und auslegen will Göthe IV 35, 300 Weim.; denselben Hamlet, den Goethe sich fruchtlose mühe gegeben hat, zu deduzieren, versteht der schneider in der vierten galerie, das heiszt, er findet es natürlich, dasz die menschen sich so und nicht anders benehmen, und faszt das ganze in eine erhöhte empfindung auf. eine dichtung mitleben heiszt aber sie verstehen Grillparzer 19, 126; dasz nach jener ersten vorstellung Schiller aufs theater geeilt sei, Graff umarmt und ausgerufen habe: jetzt erst verstehe er seinen eigenen Wallenstein! 135; wer die uhr gleich nicht versteht, mercket dennoch, wie sie geht Logau 365; wer ihrer (der erde) felsenglieder geheimen bau versteht, und unverdrossen nieder zu ihrer werkstatt geht Novalis 4, 122. das wesen der welt und der dinge erkennen: wer die welt will verstehen, musz sie sehen Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 31; die welt ist innerlich ruhig und still, und so musz es auch der mann sein, der sie verstehen und als ein wirkender theil von ihr sie widerspiegeln will Keller 2, 13; ich verstehe die welt nicht mehr! Hebbel 2, 71 (Maria Magdalena 3, 11); der mensch ist der höchste .. gegenstand bildender kunst; um ihn zu verstehen .. ist eine allgemeine kenntnisz der organischen natur unerläszlich Göthe 47, 12 Weim. sprichwörtlich in Berlin: det verstehn sie nich, det versteh ik kaum Brendicke 189a; ebenso preusz. als scherzhafte zurechtweisung Frischbier sprichw. 1, 272. I@B@2@dd) sich eine erscheinung, die eigenart eines wesens erklären können, verständnis zeigen für etwas: die einzige, die erste, die meine seele ganz versteht Schiller 52, 239 (Karlos 1848); was weisz denn ich vom menschenleben? bin freilich scheinbar drin gestanden, aber ich hab es höchstens verstanden, konnte mich nie darein verweben Hofmannsthal ged. u. kl. dramen 114; wer hat des irdischen leibes hohen sinn erraten? wer kann sagen, dasz er das blut versteht? Novalis 1, 87; deine liebe gott versteht, deine tiefe, hoffnungslose! Lenau 169; sie verstand diese unruhe nicht, ahnte nur, dasz ihr blut sie trieb Zahn frauen von Tannò 119; er verstand nicht die zukunftschwangern regungen des geistes Immermann 1, 26. neutral ausgedrückt in verbindung mit einem nebensatz etwas verstehen, nicht verstehen können: wie's aber in der welt zugeht, eigentlich niemand recht versteht Göthe 5, 86 Weim.; nunmehr verstehe ich erstlich, wozu dir die flügel an deinen füszen nützen Rist friedewünsch. Teutschland 48; Montesquieu wollte verstehen, warum die universalmonarchie .. im alterthum möglich gewesen war Justi Winckelmann 1, 210; zwar verstehe ich, dasz es für unsre politik nützlich, wenn die liberalen die hoffnung behalten, die hand mit an's ruder legen zu können Bismarck erinner. 2, 172. besonders die lage, handlungsweise und ansichten eines menschen begreifen und nachfühlen können: jetzt verstehe ich seine warnung, was er damit hat sagen wollen; ich kann sein benehmen nicht verstehen; ich verstehe nicht, warum er das tut Paul wb.; vor scham und freüden .. nit reden mocht, ein semliches die hertzogin wol verston kundt Wickram 1, 15, 3; Wilhelm verstand nun erst, warum das leichtfertige .. mädchen den knaben der sonne verglichen Göthe 22, 85 Weim.; man versteht es, dasz Augustus diese unterliesz und jene aufnahm Mommsen m. gesch. 5, 7; nur wenige verstehn, was dem für ehren bleiben, der liegt, und überwunden hat Klopstock oden 1, 100, 57; freund, niemand, der's versteht und billig denkt, mag tadeln dich und deine streitbarkeit Bürger 1, 175; und konnt' es nicht versteh'n, warum sie mochten laufen Rückert 1, 86; sie wissen's nicht und können's nicht verstehn, was er, der reiche herr in himmelshöhn, den seinen mag im schlafe zubereiten Droste-Hülshoff 2, 197. I@B@2@ee) mit persönlichem object; den gedankengang, den sinn der rede eines menschen, seine meinung und absicht richtig erfassen. man kann in einer bekannten sprache reden, ohne begriffen zu werden, wenn der sprechende bei dem hörenden dieselben, oft sprunghaften gedankenverbindungen voraussetzt, wie er sie hat: ich werde reden, und du wirst mich nicht verstehen Klinger werke 3, 56. man bequemt sich daher der fassungskraft des hörers an: ich musz stammeln, damit mich die kinder verstehen Schubart ästhetik d. tonkunst 202; (Johannes der täufer zu den juden:) die mich nu wol vorstanden hand, die mogen sich bereiden Alsfelder pass. v. 499 Grein; so, schatz, so werd ich sehen, bey dem verstande dein, dich mich vielmehr verstehen, als bey den worten mein Zinkgref ged. 54 neudr.; wolan, ich weysz noch ein lidlin von Rom .. verstehst mich wol, liebes Rom, was ich meyne Luther 6, 469 Weim.; ich verstehe dich nicht! du widersprichst dir! Göthe 1, 308 Weim.; Francisca, wenn alle mädchens so sind, wie ich mich jetzt fühle, so sind wir sonderbare dinger ... du wirst mich nicht verstehen. ich verstehe mich wohl selbst nicht Lessing 2, 202 (Minna 2, 7); tochter, dir wurde geist; du verstehst die mutter, sie warnt dich: lasz dich niemals blenden den wahn der westlichen thörin! Klopstock oden 2, 99, 21; Gianettino. du hast mich verstanden. Mohr. wohl. Gianettino. die weisze maske. Mohr. wohl Schiller 3, 13 (Fiesko 1, 2); ich verstehe dich nicht, Botho; was soll dies 'man kann es sagen'? Fontane 5, 160; sie sah ihn staunend an, sie verstand ihn nicht Storm 1, 20. besonders gern als kurzer ausruf oder befehlende frage: hast du es verstanden? oder verstast du es wol? ich habs verstanden und gemerckt Maaler 432b; aber ich musz eine haben, versteht ihr — eine .. Ludwig 2, 313; Nathan. versteh mich, sultan. Saladin. ich versteh dich. weiter! Lessing 3, 91 (Nathan 3, 7). in der frage liegt meist eine versteckte drohung: Fiesko. fragt dich jemand, so hast du von weitem murmeln gehört, dasz dein herr damit jagd auf die Türken mache. verstehst du? Mohr. verstehe Schiller 3, 71 (Fiesko 2, 15); dumme göhre! wenn ich dir rufe, kommste. verstehste? Fontane 5, 5. im Berliner dialect wird verstehste wol? häufig drohend zu einer behauptung zugesetzt; verstehn se wird oft von leuten, die nicht gut erzählen, in die rede eingeschoben Meyer 128a; verschtehn se mir? haben se mir verschtanden? merken sie sich das! Brendicke 189a. dieser brauch ist aber viel weiter verbreitet als bezeugt. über verstanden, verstehste, verstandez-vous vgl.D 3 und 4 (sp. 1693f.). die absicht und den sinn eines dichters, schriftstellers erfassen: wie jederman bekennen muste, der denselben poeten recht lese und verstünde Faust volksbuch 132 neudr.; räthsel! wird hr. Klotz ruffen. ich mache keinen anspruch mehr darauf, von ihm verstanden zu werden Lessing 10, 262; dasz Deutschland gar keiner verteutschung Homers bedürfte, sondern jeder virtuose und dilettant ihn in dem göttlichen grundtexte selbst ganz verstehen .. möchte Bürger 1, 175b; wer den dichter will verstehen musz in dichters lande gehen Göthe 7, 211 Weim. I@B@2@ff) einen durchschauen, seine meinung erkennen; die handlungsweise eines menschen erkennen und begreiflich finden: daʒ ich aber kom da hin ich wolt, und verstanden werd, warumb ich dise translaciones uf das geneuest dem latin nach gesetzet hab Wyle translationen 8, 20; denn wer einmal uns versteht, wird uns auch verzeihen Göthe 6, 25 Weim.; verstanden wenigstens mögte ich gern zuweilen sein, wenn auch nicht aufgemuntert und gelobet; von einer seele wenigstens mögte ich gern zuweilen verstanden werden, wenn auch alle andern mich verkennen Kleist 5, 48; Holofernes. solch ein wort hört' ich noch nicht. nimm die goldne kette für dies wort. Judith (verlegen). herr, ich verstehe dich nicht. Holofernes. wehe dir, wenn du mich verstündest! Hebbel 1, 60 (Judith 5); dasz man die alten nicht versteht, wenn man gegenstände ihres täglichen lebens .. nicht .. sich anschaulich denkt Niebuhr m. geschichte 1, 8; ich versteh' den alten nicht, und ich kann es mir mit seiner predigt blosz so denken, dasz er ein unglück verhüten will Fontane 6, 21. mit präpos. bestimmung: als kind schon war sie ein kleiner starrkopf, schwer zu verstehen in ihren bedürfnissen Polenz Grabenhäger 1, 20. es handelt sich nicht um ein vorübergehendes verstehen einer handlungsweise, sondern um das verständnis des ganzen wesens und der eigenart eines menschen: gott hat vom himel herab auff aller menschen kinder gesehen, ob doch einer unter inen were, der in verstünde, und nach im fragte Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 579; wir verstehen, als erdenthiere, das erdenthier besser, als das wassergeschöpf Herder 5, 7; willst du dich selber erkennen, so sieh wie die andern es treiben, willst du die andern versteh'n, blick' in dein eigenes herz Schiller 11, 170; ich höre, dasz er euch seit kurzem oft vertraute zeit geschenkt; und dasz ihr selbst mit eurem zutritt sehr bereit und frey wart. wenn dem so ist .. musz ich euch sagen, dasz ihr euch selber nicht so klar versteht, als meiner tochter ziemt und eurer ehre Shakespeare, Hamlet 1, 3; aber du — du verstehst mich: denn ich weisz, dasz auch dir das wunderbare, romantische reich aufgegangen .. ich habe dich verstanden: dein gemüth hat sich im gesange mir aufgeschlossen E. T. A. Hoffmann fantasiestücke 1, 134; o mutter, ich fürchte, mein mann versteht dich besser als ich! Ebner-Eschenbach 4, 129. I@B@2@gg) seit dem 17. jh. datiert auch der gebrauch der reflex. form zum ersatz für die passive. das versteht sich, hoc per se patet Stieler 2129; Kramer 2, 940b; nd. dat versteit sich, verstôt sich Wander 4, 1606; schwäb. Fischer 2, 1360; schles. Weinhold handschr. nachlasz S bl. 430b; luxemb. Gangler 470. vielleicht ist die wendung unter französischem einflusz geprägt. ein schwartzes kind das nicht war weisz, weil es sich wol ohne disz verstehet! Opitz poeterei 30 neudr.; das versteht sich ja alles! (läszt sich ohne weiteres begreifen, ist selbstverständlich) Herder 5, 33. in die rede eingeschoben oder in der gegenrede: Wallenstein. wenn ich mich gegen sie verpflichten soll, so müssen sie's auch gegen mich. Illo. versteht sich Schiller 12, 109 (Piccol. 698); Sittah. so mach, und sag, dasz ich das geld mir nur kann hohlen lassen. Al-Hafl. versteht sich, so wie immer Lessing 3, 46 (Nathan 2, 2); Plutzerkern. wer kein geld hat, soll auch nix essen. Christoph. versteht sich! kinder haben nie geld und essen alleweil Nestroy 1, 4; 'soll Christine den kaffee bringen?' 'versteht sich soll sie. und gib mir die pfeife!' Fontane 6, 31; weil nun der denkende ein mit sich redender ist, darf er, wie sich versteht, in erster person reden J. Grimm kl. schriften 3, 283; von dieser zeit an, versteht sich's, schnitt' ich bey allen anlässen Ännchen ein entschieden freundlich gesichtgen Bräker 1, 61. mit folgendem conjunctionalsatz: es versteht sich, dasz die dichtungsarten nicht alle gleiche schwierigkeiten haben Herder 3, 231; es versteht sich zuerst, dasz die weisze fläche die sämtlichen farben des bildes am reinsten und mächtigsten zeigen wird Göthe II 2, 206 Weim.; denn das versteht sich schon seit Fritz des groszen zeit, dasz lehrer und soldat zusamm' bei uns gehören lieder zu schutz und trutz 112 Lipperheide. sich verstehen von etwas: und von der lieb' versteht sich's gar, dasz sie nie ohne thorheit war Göthe 131, 304 Weim.; von deiner seel' es sich versteht, dasz sie mit in den handel geht Lenau 383. später gewöhnlich in der verstärkten form: das versteht sich von selbst Adelung, Campe; das versteht sich von selber schwäb. Fischer 2, 1360; in Berlin Brendicke 189a; dasz die gesammte kunstwelt .. gastlich eingeladen ist, versteht sich von selber Stifter 14, 16. früher auch das versteht sich selbst: da doch oft, wenn mans mit mühe auseinander gelesen, es sich selbst verstehet Leibniz 1, 260; den eröffneten weg, der sich nunmehr gewissermaszen selbst verstünde Göthe 24, 343 Weim. die sprichwörtliche wendung: das versteht sich am rande schreibt Adelung dem gemeinen leben zu: das ist auszer allem streit, ist unleugbar, ist leicht einzusehen; schwäb. Fischer 2, 1360; in Berlin Brendicke 189a; schles. das versteht sich am rande, dasz es in der mitte tief ist Wander 4, 1606; westf. dat versteit sik am ranne, dat de pannekauken rund is ebd.; preusz. dat versteit söck am rand, wenn de schätel voll ösz Frischbier sprichw. 1, 273; dasz sie meinem lieben sohn recht viele grüsze von mir überbringen sollen — versteht sich am rande Elisabeth Göthe an Christiane Vulpius vom 12. 1. 1798; von allem, dessen rand er (Runge) mit seiner kunstreichen hand geschmückt hat, kann gesagt werden: es versteht sich am rande, sollte es sich im innern selbst gleich nicht immer verstehen Brentano 4, 431. eine ähnliche wendung: das man muesz ein gescheidten kopff habn, .. das versteht sich auswendig Schwabe tintenfäszl 17. sonst herrscht die form es versteht sich von selbst, meist unpersönlich mit abhängigem satz: dasz von denen hier nicht die rede ist, .. versteht sich von selbst Lessing 8, 22; dasz er dort nicht feierte, .. versteht sich von selbst Keller 1, 20. eingeschoben: die gesellschaft bestand aus 12 personen, Engländer waren dabei, wie sich von selbst versteht Moltke 1, 106. in veränderter form: was soll ich nun weiter fortfahren auszusprechen, was sich von selbst versteht! Göthe 25, 59 Weim.; sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten male, und du bist unsterblich Ebner-Eschenbach 1, 3. weniger üblich ist ein dingliches subject: Daja. nun gebt mir nur die liebe zu; den unsinn will ich euch erlassen. tempelherr. weil er sich von selbst versteht? Lessing 3, 105 (Nathan 3, 3); jene machen partei; welch unerlaubtes beginnen! aber unsre partei, freilich, versteht sich von selbst Göthe 1, 354 Weim.; dinge, die sich von selbst verstanden Ludwig 1, 347; tausend herzliche grüsze an alle Itzehoer verstehen sich von selbst Moltke 6, 79. ungewöhnlich ist persönliches subject: als lord Percy .. die vier gröszten compositionen der neueren kunst vereinigen wollte, wählte er .. für die farnesische gallerie Annibale's Felice Costanzi, aber für die gröszte composition der neueren kunst und der kunst überhaupt verstand sich von selbst Mengs Justi Winckelmann 21, 28. die wendung zu verstehen sein dient ebenfalls zum ersatz des passivs; schon ahd.: endi ioh dhazs ist nu unzuuiflo so leohtsamo zi firstandanne Isidor 7, 8. nhd. nun hertzog Jubil dieses kürtzlich erzehlte, war die in dieser wahrsagung enthaltene billigung des zum heerführer erwählten hertzog Herrmanns deutlich genug zu verstehen Lohenstein Arminius 1, 30a; weil gerade diese dinge zum heiligsten jeder einzelnen sprache gehören, und oft so schwer zu verstehen als unübersetzbar sind Herder 12, 192. auch sächlich: so weit näherten sich die protestanten noch einmal dem römischen kirchenwesen .. es ist kaum zu verstehen, dasz man sie dabei nicht festhielt Ranke 3, 196. I@B@2@hh) verwendung der reflex. form in anderem sinne. in älterer zeit gern 'verständig sein, zu verstande kommen, vernunft annehmen': ahd. ir goucha ferstânt iûh éteuuenne, stulti aliquando sapite Notker 2, 395, 22 Piper. mhd. do er (Johannes) dar zu gedech daʒ er sich vorstunt, do hub er sich in die wuostenunge altd. predigten 1, 164, 29 Schönbach; swer mit disen schanzen allen kan, an dem hât witze wol getân, der sich niht versitzet noch vergêt und sich anders wol verstêt Wolfram Parzival 2, 16. nhd.: du bist ein arm eintönig einfalt kind, verstast dich nüt und wilt doch wissen! N. Manuel Barbali 1062. die oben aus Wolfram angeführte stelle gibt einen schlüssel zu Keisersberg: versteest du dich on trübsal v. d. anhebenden menschen A 8 (im buch granatapfel 1510), wo die geistige bedeutung ganz verblaszt ist. 'merken, erkennen, durchschauen', nur mhd.: dô sprach der snelle Hagene: 'als ich mich kan verstân, wand ich den hêrren lange niht gesehen hân, si varent wol dem gelîche sam eʒ sî Rüedegêr' Nibelungenlied 1120, 1 Lachmann. mit präpos.: ein mære ich dir bescheiden wil, an dem solt du dich verstân, daʒ ditze beʒʒer ist getân Rudolf v. Ems Barlaam 164, 19. etwas anders sich selber, selbst verstehen, besonders in jüngerer sprache, 'sich durchschauen, erkennen, zur einsicht kommen': in daʒ götteliche abgrunde, do got sich selber bekennet und verstat sich selber und smacket sin selbes wisheit und wesenlicheit Tauler 109, 19 Vetter; jene dunkle metaphysik, die sich selbst kaum verstehet Herder 23, 67; mit dir versuch' erst umzugehn, und kannst du dich nicht selbst verstehn, so quäl' nicht andre leute Göthe 3, 111 Weim. sich verstehen lassen: von welchem bettelpack soll ich mich denn verstehen lassen? Pückler 1, 93. I@B@33) etwas praktisch anzuwenden wissen, auf einem gebiete kenntnis, besonderes verständnis, fachmännisches urtheil haben (vgl. verstand B 4 sp. 1539, verständnis B 3 sp. 1603); klare, und im engsten und wissenschaftlichen verstande, deutliche begriffe von etwas haben Adelung; wer eine sache nicht versteht, der musz sich nicht darein mengen, der kann nicht davon urtheilen Gottsched beobachtungen über d. sprachgebrauch 407. I@B@3@aa) die trans. rection fehlt dem mhd. mit unbestimmtem object; synonym mit können: ers ... weder verstehet noch besser machen kan Grimmelshausen 4, 503, 10 Keller; käme es nur so weit, dasz niemand schriebe, was er nicht verstünde Herder 1, 260; die nichts verstehen corrigiren oft am meisten Stephanie lustspiele 10, 20; schwäbische sprichwörter bei Fischer 2, 1358; Göttingen: wat einer nich elert hat, dat versteit he ak nich Schambach 267a; wer recht verstehen will was (guts) zu thun, der thue dasjenige, so er schon verstehet Kramer 2, 939; er verstehts nicht besser Frisch 2, 327c; daʒ ir uns dorumb verschreibt, alʒ daʒ euwer künigklich hohwirdikeit wol verstet d. städtechron. 1, 142, 29; der .. nichts kann, als im lande mit seinem schwarzen fasse herumziehen und thörichten knaben, die es nicht besser verstehen, die füsze mit wagenschmiere anstreichen Stifter 51, 58; der alte schulmeister hat ein stückel mehr verstanden als birnsieden Rosegger waldschulmeister 12; sitz nider, schweig und höre zu denen, so mehr verstehn als du Spreng Ilias 2, 17a: das ist ein schalk, — der's wohl versteht — er lügt sich ein — Göthe 15, 14 Weim. (Faust 4885); ich dachte aber die lieben herren solten es wol verstehen, und wenn sie dem gelehrten doctor nicht trauen dürffen, so würden sie nicht so ein leben gemacht haben Weise comödienprobe 319; die drei andern aber tanzten wie leute, die's verstehen Fontane 5, 143; a bessern schwiegersohn winscht' ich mir nie: a verstieht seine sache! G. Hauptmann Rose Bernd 69; zumal sie bald heraus hatten, dasz er seine sache aus dem fundament verstehe Storm 1, 121. sprichwörtlich: denn sie verstehens doch so wenig als der esel den psalter Luther 26, 341 Weim.; wie der ochs das schwebelpfeifen (schwegelpfeifen) Abraham a S. Clara (zeitschr. f. d. wortforsch. 8, 210); schwäb.: der versteht sein sächlein; der verstehts wie der esel 's rezept Fischer 2, 1359; luxemb.: de verštêt de rommeldefiff, der kennt die schliche und kniffe wb. 467b; westfäl.: dat versteist'e, ässe de buer dat woerstfreaten Wander 4, 1607. weitere derartige wendungen s. unter c (sp. 1682). etwas der eigenen kenntnis entsprechend beurtheilen: du sprichst, wie du's verstehst, willst du etwa die fiedel tragen, Evchen, in der kirche am nächsten sonntag reuig busze tun? Kleist 1, 352 (krug 6). mit subst. object: eine sprache, eine kunst verstehen Kramer 2, 940a; Frisch 2, 327c; ihren regeln nach inne haben Campe; verstehst du nicht deine kunst, so ist alle müh' umsunst Wander 4, 1607. die wendung eine sprache verstehen gehört hierher, so weit sie die fähigkeit des praktischen gebrauchs bezeichnet (über das verständnisvolle anhören vgl. 2 a sp. 1673). sie ist heute allenthalben gebräuchlich: der herr wird ein volck uber dich schicken, .. des sprache du nicht verstehest 5 Mos. 28, 49; ein Teutscher ist gelehrt, wenn er sein teutsch versteht Heräus ged. 15 (vgl. Canitz 98; Göthe 3, 141 Weim.); und aus lust zur wissenschaft, liebt sie Frankreich, sammt den Britten, deren sprachen sie versteht, und durch mund und kiel erhöht Gottsched ged. (1751) 248; man bemerkte, er (Karl V.) verstehe nicht einmal deutsch und habe noch keine probe persönlicher tüchtigkeit gegeben Ranke 1, 241. einen beruf, eine fertigkeit, kunst auszuüben wissen; sprichwörtlich elsäss. Martin-Lienhart 2, 566b; schwäb. Fischer 2, 1359; die alten verstehen nicht das recht Hiob 32, 9; da waren die männer des positiven rechts, die politik weder machten noch verstanden Mommsen m. geschichte 3, 3; architekt und gärtner verstehen ihr handwerk und sind gewohnt mit freyem sinn zu arbeiten Göthe IV 33, 10 Weim.; nur dadurch wurden sie eines gefühls der ehre fähig und werth, dasz sie ihren beruf verstanden und erfüllten Herder 23, 44; zu meiner zeit .. da muszte man noch sei geschäfte verstehn Hauptmann weber 8; weil wir frieden wollen, müssen wir den krieg verstehen Arnim trösteinsamkeit 31 Pfaff; eines mädchens wegen .., das .. die fesselnden künste einer buhlerinn so wenig versteht Lessing 2, 299 (Sara 3, 1); er versteht die Passauer kunst Borchardt-Wustmann 359; ich setze mich niemals zu einem spiel ohne es zu verstehen Stephanie lustspiele 23, 19; auch nicht wegen des decori oder wohlstandes, denn solchen verstehen ist ein gut der seele Leibniz 2, 43. mit beurtheilendem adverb.: in wirklichkeit hätten sie nichts oder nicht viel mehr, als einen groszen fleisz im geldborgen, das sie allerdings aus dem grunde verständen Keller 2, 110; etwas aus dem ff verstehen Borchardt-Wustmann 143. läszt sich schon an sich die verbindung mit substantivobject am einfachsten aus der unterdrückung eines infinitivischen ausdrucks erklären, so besonders im folgenden, wo es sich nicht um die ausübung eines berufs oder einer kunst handelt, sondern um die anwendung der kenntnis im einzelnen am object: der den schenckel wohl verstehet (beim reiten) Duez nomencl. 179; ein abgericht pferd .. ist ein pferd, das sehr wohl in der faust ist, den schenckel verstehet (das auf den schenkeldruck reagiert) Hohberg georgica 3, 155b; er aber verstuond ire kranckheit nicht, sonst het er ir geholffen Schumann nachtbüchlein 17; einer artzney die du nit verstandest Gesner-Forer thierbuch 26; der todten angesichter versteh ich besser doch als ihr Storm 4, 255; mag doch kein schiffer heiszen, der keinen wind versteht Rachel ged. 121 neudr.; kein neuling schnell erhöht der noch des landes heil und wohlfahrt schlecht versteht Gottsched ged. (1750) 3; verstehst ja die rohe frucht sowohl als das garn Bräker 1, 216; er verstand nun den wein und die speisen. sie schmeckten ihm überaus köstlich Novalis 4, 155; ferner verlange ich dasz du .. den putz mit geschmack wohl verstehest Göthe IV 1, 109 Weim.; ich verstehe eben meinen vortheil nicht, meinte er, und er sehe höchst ungern meine besondere liebhaberei, die zeit zu verderben I 28, 171; die Franzosen können keine grabschrift machen, sie verstehen das leben, aber nicht den tod, und jenes nur, so viel man es ohne diesen begreifen kann Börne 5, 160. auch von geisteswissenschaften: heimlichkeiten natürlicher dingen, so wol als Aristoteles .. solche verstanden Thurneisser alchymia vorr. 1; man meldet, dasz aus diesem grunde, der bischof, der moral verstunde, den sonnen-weiser oft den falschen freund genannt Lichtwer äsop. fabeln 73. mit subst. inf.: Simplex handelt auch mit pfeiffen, derer kein ihm abe gehet, ob sie gleich sind wol gebrochen, weil er pfeiffen nicht verstehet Logau 452; diese augen (des kindes) ... regten sich noch nicht, weil sie noch das sehen nicht verstanden Stifter 3, 52; die verstehn das schwelgen im genusz Bettine Günderode 1, 171. I@B@3@bb) das object ist ausgedrückt durch einen nebensatz, selten durch einen fragesatz: wie man ... durch tiefe wissenschaft zur sonnenkugel steiget, ... das hat der Grieche wohl und Rom in seinen landen, jedoch, zu beyder zeyt, der Deutsche nicht verstanden Neukirch ged. 111; ja Christi wort sein selbst vorhanden; der hat am besten zwar verstanden, was rathsam und unghorsam ist Fischart nachtrab 660. gewöhnlich geht ein infinitivsatz voran oder folgt nach, auch selten in der älteren periode: diese itzige kirche hat nicht einen bischoff .., der den catechismum .. für sein eigen person zu beten verstehe Luther 26, 592 Weim.; sie ... verstehen die gelegenheit in acht zu nehmen Prätorius Katzenveit a 6 r; (Felix) sagte ihr .. alle worte nach, .. als wenn er auch zu lesen verstünde Göthe 23, 86 Weim.; wie schön klingen todesglocken dem, der zu sterben versteht Hippel lebensläufe 1, 204; wer nicht zu hören versteht, versteht auch nicht zu bemerken Herder 17, 11. sprichwörtlich preusz.: dei versteit (weet) drop to lope, auch mit dem scherzhaften zusatz: wie de kau op em appelboom Frischbier sprichw. 1, 273; er versteht mit gekochtem essen umzugehen 2, 190. I@B@3@cc) mit präpos. zusatz ungewöhnlich, aber aus einem unterdrückten infinitiv (zu spielen) zu erklären ist die verbindung mit auf: ich verstehe etwas auff der viol di gamba, auff der laute, auff der zieter, auf der harpffe, auf der flöhte schausp. engl. com. 103, 34 Creizenach. gewöhnlich ist von etwas verstehen, von etwas eine vorstellung, einen begriff, nähere kenntnis haben: ich verstehe etwas davon Kramer 2, 940a. vereinzelt mhd.: wie soltent ir denne verston von disen göttelichen indewendigen dingen? Tauler 301, 16 Vetter. es ist selten bis zum 18. jh.: der ihm aus dem catechismo, was er von seinem christenthum verstunde, examiniret Grimmelshausen 2, 355, 28 Keller; du muszt nicht glauben, dasz ich von den sachen ganz und gar nichts verstehe Lessing 2, 57 (freigeist 1, 3); der soviel unverständliche visionen .. über die theorie der musik schrieb, wovon weder er, noch sonst irgend ein mensch jemals etwas verstanden hat Göthe 45, 7 Weim.; der .. von pferden so viel verstand, wie ein faszbinder vom spitzenklöppeln Ebner-Eschenbach 4, 63. solche scherzhaften vergleiche sind sehr beliebt (vgl. sp. 1680); schwäb.: der versteht keinen pfifferling, keinen dreck von etwas; der verstaht so viel von deren sache, als der blinde von der farbe Fischer 2, 1358; als die kuh vom A B C 1359; preusz.: er versteht (weisz) soviel, wie die kuh vom rothen (grünen) thor; wie der todte hund vom bellen Frischbier sprichw. 1, 273; wie die ziege vom pfeffer 2, 190; luxemb.: wei t kallef vun der houmass, wie das kalb vom hochamt luxemb. wb. 467b; oberharzisch: wos verstieht der bauer vom gorkensalat Wander 4, 1607; schweiz.: e verstoht so vil dervo as e chue vom brätspil ebd. 1609; als die katz vom pfeiffen, wie die krähe vom sonntage, als die kuh vom kalender, wie ein ochs von musik, wie der esel das flötenblasen 1608, 1609. I@B@3@dd) reflex. rection ist schon in alter zeit beliebt, besonders mit genetivzusatz: gab ántwurti ther ánder, ther firstúant sih filu mér Otfrid 4, 31, 5. mnd.: de sik vorstunt der wendeschen sprake quelle bei Schiller-Lübben 5, 460b. mhd.: das von alter her behalten was an briefen, sigeln, büchern und klainot, wann sich des keiner verstund d. städtechron. 3, 146, 6; swer sich rechtes verstêt Sachsenspiegel prol. 125. nhd.: syndicus, stattschreiber, der sich der rechten verstehet Alberus 10b; da ich mich aber der frage nicht verstund apostelgesch. 25, 20 (nach Teller Luthersprache 1, 246 einzige bibelstelle); alle so sich der geschrifft verstond Zwingli v. freiheit d. speisen 40 neudr.; er was aber angsthaftig umb daʒ er sich der welschen sprache nit gnugsamklich verstunde Wyle translat. 35, 33; darinne er fande groszen schacze .. von edelem gesteine gefast und ungefast, der er sich wol verstunde Arigo decamerone 17, 22; lieber, kumb her und sie besich, du verstehst dich der kue mehr denn ich Sachs 14, 116, 6 Keller-Götze. vereinzelt ist die verbindung mit in und an: die edeln und die wîsen hânt vil witze, in den sie sich verstânt Rudolf v. Ems Barlaam 326, 8; se (die handwerker) vorstan sek nicht in dem testamente des richtes (non intelligunt testamentum judicii) Sir. 38, 38 bei Schiller-Lübben 5, 460b; Verdam 637b. mhd. auch über, um: schendeten den alten rat und sprachent, sie hetten gesatz über die hantwerk gemacht, darüber sie sich nit verstunden d. städtechron. 3, 146, 17; der ie getriuwen friunt gewan und weiʒ, wie man den meinen sol, entriuwen der verstât sich wol umbe Kurvenâles swære Gottfried Tristan 7502; Scherimdenbart und Schlap sein knecht verstunden sich umbs weltlich recht Alberus Äsop 147. I@B@3@ee) alle behandelten reflex. verbindungen, die mit dem 16. jh. erlöschen, sind überlebt und verdrängt von sich verstehen auf etwas 'mit etwas bescheid wissen, umzugehen wissen, etwas zu beurtheilen wissen'. bis ins 18. jh. kommt die wendung er verstehet sich nichts auff das studieren vor Dentzler 313a; doch solchs alles wissen die kriegsleute besser denn ich, der ich mich auff solch gelegenheit und leuffte nichts verstehe Luther 302, 184 Weim.; die regenten und vorsteher der welt verstehen sich nichts auff geistliche ding Albertinus hirnschleiffer 295; dasz sie sich nichts auf die belagerung und vertheidigung der städte verstunden M. J. Schmidt gesch. der Deutschen (1778) 1, 123; sonst heiszt es stets sich nicht auf etwas verstehen: ich verston mich selbs wol auff mein handel Maaler 432d; Stieler 2129; Kramer 2, 940c; Frisch 2, 327c; ich verstehe mich aufs frauenzimmer, kenne es, weisz, wie mit demselben umzugehen ist Adelung. letzterer weist mit recht auf spätlateinischen einflusz hin (intelligere se in aliqua re). von sprachen, wissenschaften und wissenschaftlicher kenntnis ist diese wortfügung nicht so gewöhnlich: so feyn verstehet sich dieser geyst auff das gesetz Mose und auff ebreisch Luther 18, 121 Weim.; ich verstehe mich nicht gnug auf den abstrakten begriff der liebe, als dasz ich wissen könnte Herder 3, 88. man sagt nicht leicht die sterne, die heilkräuter verstehen, aber wohl die sternkunde, die heilkunde verstehen (und sich auf die sterne, die heilkräuter verstehen) Campe; mnd. Lübben-Walther 524b; mnl. Verdam 637b. am üblichsten mit concretem object: Hieram sandt seine knecht im schiff, die sich auff schiff verstundend Züricher bibel (1531) 3 n. c e; solche personen ..., die sich auff die seide zum besten verstehn Sebiz feldbau 452; sie verstehen sich besser auf die amphoras als aphorismos Abraham a S. Clara 4, 51 Strigl; das rind versteht sich nicht, dann nur auff stroh und gras Logau 109; versteht sich ein mägdgen auf küssen und schertz Günther ged. 260; wer sich auf's geld versteht, versteht sich auf die zeit Göthe 5, 154 Weim.; apropos, gnädiges fräulein, sie verstehen sich doch auf juwelen? Lessing 2, 196 (Minna 2, 2); alles, was die kinder trugen, ward im hause gemacht, und sie verstand sich auch sehr gut auf einen mannsschlafrock Möser werke 1, 205; sie verstehen sich ganz und gar nicht auf Berlin E. T. A. Hoffmann 1, 14. ähnlich: der könig sprach zu den weisen, die sich auff landes sitten verstunden Esther 1, 13; ein ehrlicher frommer mann, der sich auf bürgerliche gute ehrbare policey verstehe Fronsperger kriegsbuch 1, a 3r; und weil er wuste, dasz er sich auff die wunden-cur wohl verstund, bat er vor allen dingen, nach der wunde zu sehen, und ihn zu verbinden Ziegler Banise 18; verstehet ihr euch auffs calender-machen Gryphius Squenz 10 neudr.; wie niemand verstand sie sich auf die kunst, nichts zu versprechen und — alles hoffen zu lassen Ebner-Eschenbach 4, 94; wenn dem volke weise weiter nichts wär' als klug? und klug nur der, der sich auf seinen vortheil gut versteht Lessing 3, 86 (Nathan 3, 5); der mann verstand sich nicht auf weiberseelen Wieland (1794) 10, 153; ich bin ein kriegsmann, verstehe mich wenig auf nasse wangen Schiller 3, 160 (Fiesko 5, 16); Kohlhaas, der sich auf das gesicht des groszkanzlers gar wohl verstand, setzte sich, in seinem entschlusz nur bestärkt, auf der stelle nieder Kleist 3, 211; ich will der betrügerey ihre würde nicht nehmen, das hiesze sich sehr schlecht auf die welt verstehen Bode Montaigne 5, 20. sprichwörtlich mit scherzhafter anspielung (vgl. sp. 1680, 1682): darauff verstund er sich so vil, gleich wie ein kuh ob dem bretspil Sachs 21, 301, 21 Götze; das weib versteht sich aufs hauswesen wie der esel aufs lautenschlagen ebd.; wie der esel aufs harfenspielen, wie die kuh auf den mittag, wie die ziege auf die petersilie, wie die katze auf die sauere milch, wie der blinde auf die farbe, wie der bauer aufs austernessen, aufs latein Wander 4, 1609, 1608; wie ein daus Borchardt-Wustmann 473. selten mundartlich verzeichnet: luxemb. wb. 467b; in Berlin Brendicke 189a. abweichend davon heiszt es in Tirol: sich verstean auf etwas, sich dessen erinnern Schöpf 706; i hà' mi' nét drauf verstanden, besonnen Schmeller 2 2, 715; in Kärnthen: i' verstea mi' nèt áff di', ich kenne dich nicht; guota kinder versteant si' áff die èltern, erinnern sich an sie, helfen ihnen; i' verstea mi' áff épans, es fällt mir etwas ein Lexer 241. wieder anders nd.: da bün ik up verstaan, so hab' ich's verstanden (Hamburg) Schütze 4, 180. persönliches object ist selten, 'mit menschen umzugehen wissen': kan ich mich recht uff üch verston, ich glaub, ir sind von gott harkon schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 216, 859 Bächtold; mädchen, du verstehst dich so trefflich auf die guten menschen: aber, wenn willst du die schlechten ertragen lernen? Lessing 2, 233 (Minna 4, 3); sie machen hier ein beiszendes pasquill auf die gottheit, die sich so übel auf ihre leute verstund Schiller 3, 419 (kabale 2, 7). vereinzelt ist der präpos. ausdruck durch einen infinitiv ersetzt: gott behüte! so weit verstehe ich mich nicht, mylady, zu wissen, was die worte heiszen Klinger sturm u. drang 2, 2. I@B@44) in bestimmter art und weise auffassen, auslegen, meinen (vgl. verstand B 5 sp. 1542, verständnis B 4 sp. 1604). I@B@4@aa) die art der auffassung wird durch einen adverbialen ausdruck gegeben: ein wort auff zween wäg verston, verbum in duas pluresve sententias accipere Maaler 432d; dis ... ist unde heiszet ein unbegriffenliche wilde wüste, do nieman vindet weg noch wise, wan es ist úber alle wise. das vinsternisse sol man also verstan Tauler 55, 5 Vetter; sone wil eʒ diu werlt sô niht verstân als eʒ doch gote ist erkant Hartm. v. Aue Iwein 1902; wie versteest du das?zeig mir on! Sachs 1, 70, 19 Keller; ach wie solt ichs von euch verstehn, das ihr für uns thut uber gehn und gönt uns nicht eur angesicht Ayrer dramen 1638, 19 Keller; ich wuste immer nicht wie ich das verstehen .. solte Moscherosch Philander 1, 6; Götz. wie versteht ihr das? Martin. wohl euch dasz ihr's nicht versteht Göthe 8, 12 Weim.; wir verstehen den dichter nunmehr so, wie wir ihn verstehen sollen Lessing 11, 309; (ein) ehrenmann, der ... nur ... seiner pflicht, wie er sie verstand, gemäsz gehandelt hatte Mommsen m. geschichte 2, 114; christlich, in dem sinne wie wir es verstehn, war soviel ich weisz auch ihr (der mutter) glaube nicht Bismarck an braut u. gattin 49. mit demonstrativem adverb.: got begabt manchen, das im billich wol sein solt, wann ers also acht und verstünd Franck sprichw. (1545) 1, 16b; die möglichkeit, sich zu einigen, .. wurde nicht benutzt, weil jeder sie so versteht, dasz er der mittelpunkt derselben wird Moltke 7, 13. das demonstr. adverb. ist vor einem nebensatz zu ergänzen: sagt, acht halb schoff, wie vil hatz füesz? er sprach mit grymen peiszig: 'sie haben nit meer dan dreiszig.' der von Kalenberg sprach: 'ich versteen, das sie nit haben mer dan zwen ...' pfarrer v. Kalenberg 27 neudr.; das obgemelte ummgraben soll verstanden werden, weil (während) die jungen schöszlin noch kleyn sein Sebiz feldbau 258. das adverb. wird eingehender bezeichnet: die rede er weltlich verstuont, als ie diu kint der welte tuont Rudolf v. Ems Barlaam 40, 5; sind sie nit (ich hab dann unrecht verstanden) in sondere regel und gebot ... gesetzet worden? Scheit Grob. 9 neudr.; diesz alles trifft zusammen mit dem inhalt ihres briefes, wenn ich ihn recht verstehe Göthe IV 29, 84 Weim.; wie man die schrifft mit der heyligen römischen kirchen uberein bringen müsse, und catholischer weisz verstahn Fischart binenkorb a 6a; eine .. alle vernunft chagrinirende sucht, die nothwendig figurate müszte verstanden werden Leibniz 1, 283; er versteht das priestertum der laien, dies palladium der protestanten, im verwegensten sinne Treitschke hist. aufsätze 1, 14. eine locale bestimmung tritt ein oder ist zu ergänzen: wird an beyden orten des reichspostreiters (einer zeitung) der nehmliche mann verstanden, oder nicht? Lessing 13, 202; wo unser .. noturfft ein anders heusche, soll der sabath .. uns underworffen sin. du solt ouch die letzten noturfft hie nit verston, da man kummen sye in die nähe des todes, als die irrenden theologi troumend Zwingli v. freiheit d. speisen 14 neudr.; eigentlich gab es nur zwei blasinstrumente, von denen eins hier verstanden werden musz Stilling 3, 30. meist ist die locale bestimmung zu ergänzen: Homerus verstehet das haupt Meduse Schaidenraisser Odyssea 50b; ja die unsrigen (er verstehet die stoischen) haben darvor gehalten, das ein weiser alleine ein poete sey Opitz poeterei 10 neudr.; man kann leicht muthmaszen, dasz der herr verfasser allezeit eine seeligkeit um Christi willen verstehe Lessing 7, 9; wenn ich liebe sage, so versteh ich die wiegende empfindung, in der unser herz schwimmt Göthe IV 1, 236 Weim. häufig redet der autor den leser an, um ihm seine auffassung deutlicher zu vermitteln; ein solches imperativisches verstehe, verstehet bedeutet geradezu 'das ist, das heiszt, nämlich'. es wird in den satz eingeschoben, ohne eine rectionsänderung zu verlangen: dieses hat gott durch mich geredt von seinem Mesia (verstet!): der geist des herren bey mir wand Sachs 1, 167, 24 Keller; welchem (schleier) diese worte, dir einig und allein, verstehe, gebühret ehre, eingestickt zulesen waren Birken ostl. lorbeerhäyn IIa; ey ja verstehet eine wasserkunst Gryphius Squenz 12 neudr.; bey dem gold befindet sich viel eisen, verstehe das zanck-eisen Abraham a S. Clara etwas für alle 1, 253; davon uns gottes güt und gnad durch Lutherum befreyet hat, der hier wider Polylogum (versteh den Tetzel) nicht ist stumm Rinckhart christl. ritter 20 neudr.; versteht: des kleinern schatzes, — denn des gröszern waltet sein vater noch — des schatzes für sein haus Lessing 3, 20 (Nathan 1, 3). ein beurtheilender ausdruck wie recht, unrecht, wohl, übel tritt hinzu oder ist zu ergänzen. bei persönlichem object, einen redenden, handelnden, einen schriftsteller in dem von ihm gewünschten sinne verstehen: versteht mich recht! Sachs 17, 351, 8 Keller-Götze; nun, verstehn wir uns nur recht! Lessing 3, 22 (Nathan 1, 3); alsz es heraus kame, dasz beyde (streiter) einander unrecht verstanden, so umarmeten sie sich wieder Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 7; pfui, wenn ich dich recht verstehe Kotzebue 2, 57; darum bin ich kaltsinnig worden — versteh mich aber wohl, in euren augen Schiller 1, 56. bei sächlichem object, worte oder handlungen einer person übel auslegen und als verletzend ansehen: der harlequin musz alles über quer verstehen und thun Gottsched anmuth. gelehrsamkeit 3, 207; jane solt du mirʒ, Kriemhilt, ze arge niht verstân wan ich âne schulde niht die rede hân getân Nibelungenlied 763, 1 Lachmann; du verstast es lätz, du nimpst es zum aller bösten auff, perverse interpretaris Maaler 432b; Kramer 2, 940b; Adelung; er wollte ihn necken und hänseln, aber dieser verstand es unrecht und gab ihm eins hinter die ohren, wollte es nicht für spasz aufnehmen, wollte sichs nicht gefallen lassen und auf ähnliche art erwidern Campe; in solcher vollen weise gerathe ich an einen polnischen edelman, .. der verstehts unrecht und langt mir eines mit seinem sebel über den rechten arm Weise erznarren 42 neudr.; in den oberen ländern sind in ein seitendorf .. zwölf französische reiter gekommen, um zu plündern. die bauern verstanden aber die sache schlecht und überfielen sie Stifter 51, 361; treibt's ock ni gar zu tolle, dasz a ni etwa amal falsch versteht! G. Hauptmann weber 60; sie wolle diese meine rede und antwort .. nicht in bösen von mir verstehen schausp. engl. com. 281, 1 Creizenach; ir kai. maj. wollten das inen nit in ungnaden versteen d. städtechron. 25, 375; zum besten verston und aufnemmen Maaler 433a; werden also die herren .. in guttem verstehen, das ich ihren namen hiesigen geringfügigen buche .. versetzen .. wollen Opitz poeterei 6 neudr.; so bitten wir euch all vorahn, ir wölt es in gut hie verstahn und uns zu dem besten ausz-legen Sachs 14, 3, 13 Keller-Götze. I@B@4@bb) dem sinne nach schlieszt sich hier an die redensart scherz, spasz verstehen. Kramer 2, 940a bucht keine kurtzweil verstehen; das sind complimenten vor statsdamen, die vexirerey verstehen: solche mädgen musz man gar auff andern stangen reiten: sie verstehen die worte nicht Weise comödienprobe 238; scherz verstehen, einen scherz als einen scherz aufnehmen, nicht empfindlich darüber werden Adelung, Campe; menschen, die gar keynen schimpff vorstehen konnen, wo du sie antastest, da brechen sie entzwey Luther 101, 1, 653 Weim.; du grober betz, und du brodt-hemel, kanst du den keinen schimpff verstahn? Sachs 14, 33, 11 Keller-Götze; (ihr habt meinen scherz) gleich in ernst auffgnomen, ey botz, wie seidt ir darzuo komen. so muosz ers dann in schimpff verston, und als ein weinred bleiben lon Scheit Grobianus v. 4759. die stadtmausz sprach: hab ein gut hertz! mich dunckt zwar, du verstehst kein schertz Waldis Esopus 1, 28 Kurz; wer schertzen wil, sol auch schertz verstehen und auffnemen Franck sprüchw. (1545) 1, 82b; wie unglücklich die leute sind, die keinen scherz verstehen Liscow 34 vorr.; seid ihr da glücklich vorbei, so naht euch dem zielenden hofrath Schütz nur getrost, er liebt und er versteht auch den spasz Göthe 5, 216 Weim.; es ist ein jammer mit den Deutschen, dasz sie, weil keinen spasz, auch keinen ernst verstehen Börne 6, 42. mit präpos. über: ich verstehe darüber so gut spasz, dasz es fast keine lust ist, mit mir darüber zu spaszen Lessing 18, 360; dem alten, der über eine solche unregelmäszigkeit keinen scherz verstanden hätte Göthe 22, 236 Weim.; über mein mädchen versteh' ich keinen spasz Bauernfeld 2, 201. in: wir fränkische mädchen verstehn in solchen dingen keinen scherz Klinger werke 1, 165. ähnlich angewendet: der feldherr verstand ort und zeit (die umstände, unter denen ihm der schimpf geschah), mäszigte die hitze einiger jungen officiere und sprach lächelnd Dahlmann franz. revolution 80. I@B@4@cc) präpos. ausdrücke bestimmen die art der auffassung: diu heilic schrift sî ein vellung und ein gift, sô mans nâch dem text verstât Teichner 55 Karajan; dann er das senff für hanff verstundt, wie solchs dann gibt der Sachsen mundt, und ist hierinnen bald miszhört Fischart Eulenspiegel v. 1126; hatte er sorge, wir würden ausgeteilet brod für ausgeteilte bradwürste und ausgeteileten wein fur ausgeteilet wasser verstehen? Luther 26, 488 Weim.; wir .. bitten, sollich unser vorgegeben antwort in khainen ungnaden aufzunemen noch für ain ungehorsame zuo versteen d. städtechron. 25, 397. noch anderer art ist: so doch on busze keyn vergebung der sunden ist, es kan auch vergebung der sunden nicht verstanden werden on busze Luther 26, 202 Weim.; alle diese andern schriftsteller .. haben den poetischen ausdruck desselben entweder in seinem geiste nachgebraucht, oder wider seinen geist verstanden Lessing 11, 306. verstehen auf, in, 'auslegen, beziehen auf etwas', im 16.—17. jh.: welches die vorgemelte h. vätter auch auff die höltzine marmelsteinine und glockenspeisine bilder verstanden haben Fischart binenkorb 140b; eben auff diesen schlag kan man meine erfahrenheit .. auch verstehen Simpl. 9 Kögel; von dieser frag ..., welche in zweyerley weg verstanden wirdt Agricola bergwerkbuch 2. bei Luther ohne präpos.: dis gebeth mag vorstanden werden tzweyerley weysz 2, 116 Weim.; darumb wirt dis gebot auch zweyerley vorstandenn 6, 243. von: s. Paulus (seine äuszerung) musz auch von leyplicher vorretherey vorstanden werden 101, 1, 657; von sölchen nammen allen wirdt ein thier verstanden, so gemeingklich Leppard genent wirdt Gesner-Forer thierbuch 104; ein geschminckter affe, wird verstanden, theils von euszerlicher scheinheiligkeit, theils von ungestalten personen, so sich schöne ausputzen Treuer d. Dädalus 1, 62; die angabe des gewichts .. musz .. von alten italischen talenten verstanden werden Niebuhr m. geschichte 2, 239. bei, durch, unter etwas verstehen, 'unter einem ausdruck oder gegenstande sich etwas bestimmtes vorstellen'. bei ist belegt vom 14.—16. jh., durch vom 16.—18.; unter, vom 17. an nachzuweisen, hält sich allein heute lebendig. bei: by den schribern verstet man die vernúnftigen die alle ding ziehent in ir vernúnftige wise oder in ire sinnelicheit Tauler 41, 13 Vetter; desgelichen hört men degelich uis dem alden testament, dat bi eme sundigen man doch ein goit exempel ind gelichenis verstanden wirt d. städtechron. 13, 455, 14; bey diesem häszlin würt verstanden .. die cristenlich kirch Keisersberg hasz im pfeffer a 2; erstlich David anzeiget hat allhie der gottlosen rhat, darbey man ein mensch verstehn mag, der gott veracht, nichts nach im frag Sachs 18, 27, 7 Götze. durch einen ausdruck etwas verstehen ist wahrscheinlich einer fremden sprache nachgebildet (vgl. franz. entendre par); durch einsamkeit verstehe ich jede entfernung von der gesellschaft der menschen noch bei Adelung; heute nicht mehr üblich; durch diese drey todten werden verstanden nach der lere sancti Augustini dreyerley geschlecht der sünder Luther 1, 273 Weim.; ausz welcher anführung und induction .. die gantz welt durch weisz hat verstanden lust, freud, kurtzweil und ergetzlichkeit Fischart Garg. (1590) 239; solchen traum legte er eigensinnig dem bauren volck ausz, und beweiste, wie dasz durch die mäusz die edel-leut verstanden seyn Abraham a S. Clara Judas 1, 8; unterdessen sehe ich wohl, dasz er durch den groszen polyhistor einen vornehmen mann verstehe Leibniz 2, 361; wenn man durch die erfahrungen sätze verstehet, die .. Gottsched weltweisheit 1 § 109; lassen sie mich erklären, was ich durch ein beyspiel verstehe Lessing 8, 59; Herder 16, 428; was hier durch das neue land und den meerbusen verstanden werde, läszt sich auf keine weise bestimmen Forster 4, 15. während Adelung noch daneben durch kennt, erwähnen schon die älteren lexicographen Kramer 2, 941a und Frisch 2, 327c nur unter, das bei Lessing und Herder neben durch vorkommt: worunter ich herren Sänfftleben verstehe Opitz poeterei 5 neudr.; unter dem text 'falsche reden' werden billig alle schmeichelhaften propheten verstanden Abraham a S. Clara lauberhütt 1, 429; Aristoteles würde nicht sagen, mitleiden und furcht, wenn er unter der furcht weiter nichts als eine blosze modification des mitleids verstünde Lessing 10, 100; niemand verstehe hier unter diesem namen (elegische poesie) jenen hinkenden affen, der sich nach unsern weisen lehrbüchern der poesie blosz im sylbenmaas unterscheiden soll Herder 3, 23; die liebenswürdigste aller eigenschaften unsers geschlechts .. ich verstehe darunter die neugierde Göthe 25, 78 Weim. I@B@4@dd) einige feste wendungen zur umschreibung des passivs haben sich herausgebildet. zu verstehen sein, eine gewisse art der auffassung und auslegung verlangen; mit adverb. oder präpos. zusatz, dem lat. (intellegi in aliqua re) nachgebildet. schon ahd.: dhar ist auch in dhemu gotes nemin fater zi firstandanne (intelligitur) Isidor 16, 5. mhd.: die sint rehte als rinder oder kelber zuo verstonde zuo disen hohen götlichen dingen Tauler 10, 30 Vetter. nhd.: er legt den verstand des gesetzes ausz, wie es zuverstehen sey Luther 11, 259 Weim.; dasz in manchem griechischen epigramme .. der historische umstand selbst nichts weniger als nach den worten zu verstehen ist Lessing 11, 305. von: sölcher befehl gehet allein die apostel an und ist von den priestern zu verstehen Luther 26, 611 Weim.; ist doch sölches allein zuverstehn von der Germania jenseyt Rheyns Stumpf Schwytzerchron. 67b; dem Homer sey z. e. ein schiff entweder nur das schwarze schiff, oder das hohle schiff, oder das schnelle schiff, .. zu verstehen von seiner manier überhaupt Lessing 9, 109. der heutigen sprache durchaus lebendig wie auch die verbindung mit unter. bei, durch, unter: wo ir die verpoten frücht nieszen, alszdenn wert ir wie die göter. dabey zuversteen sein drey götlich personen Berthold v. Chiemsee 58; der ein eyd schweren musz, der sol auffheben drey finger, bey dem ersten, das is der daum, darbey ist zu verstehen gott der vatter Fronsperger kriegsbuch 1, C 2r; so ist gewisz die hirtenflöte und leyer, und ganz und gar nicht unsere geige darunter zu verstehen Schubart ästhetik der tonkunst 5; ist eine frist von acht tagen mündlich vereinbart, so sind hierunter im zweifel volle acht tage zu verstehen handelsgesetzbuch § 359 abs. 2. etwas verstehen wollen (16. jh.), verstanden haben wollen (16.—17.), verstanden wissen wollen (18.—19.), dem lat. nachgebildet (intelligi, intellectum velle aliquid); ebenfalls mit adverb. oder präpos. zusatz: dise weyssagung hat Christus nit allain wöllen versteen von gemainer zerstörung gantzer kirch und aller weld Berthold v. Chiemsee 3; also haben wir nu .. vernomen, was Paulus dardurch verstehen wil Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 51; disz aber will ich für sich selbs verstanden haben Sebiz feldbau 62; solches will ich mit diesem wort .. verstanden haben Moscherosch Philander 1, 103; dasselbig will ich auch hiebey verstanden haben von dem schley Alberus fabeln 83 neudr.; hierunter aber, wollen wir nicht verstanden haben, etliche frembde sachen und zugleich frembde wörter Harsdörffer secretarius 1, va; was ich aber nicht in abstracto verstanden wissen will Solger schriften 1, 646; ich will hierunter sowohl das werk des Planudes als des Kephalas verstanden wissen Lessing 11, 299; der pöbel, worunter ich keineswegs die gassenkehrer allein will verstanden wissen Schiller 2, 12. die reflex. wendung (das) versteht sich mit einem die art der auffassung bezeichnenden zusatz erinnert an 4 a und 2 g, weist aber feine unterschiede auf. veraltet: das fetten verstehet sich nicht allein auf das unkraut, sondern auch auf die weinstöcke selbst Hohberg georgica 1, 344a. heute noch verständlich: das verstehet sich von dem, de hoc intelligendum Dentzler 313a; dieses alles versteht sich nur von der ältesten zeit Kant 8, 173 akad. ausg.; ich bins zufrieden, .. wenn meine frau will, versteht sichs d. schaubühne 1, 94 Gottsched; dasz sie ihn kennen, haben sie mir schon gesagt; aber es versteht sich doch wohl, von person? Lessing 2, 158 (schatz 11); es versteht sich dieses im grosen ganzen der menschheit betrachtet Göthe IV 8, 231 Weim.; wahrheit sag' ich euch, wahrheit und immer wahrheit, versteht sich: meine wahrheit I 5, 235. noch heute geläufig: die niedrigen preise für die waren verstehen sich bis zum 1. april (sind aufzufassen). I@CC. in anderem sinne. I@C@11) ein reciproker und reflexiver gebrauch von verstehen geht von B 2 aus; er berührt sich mit verständigen 3, verstand C, verständnis C (sp. 1582, 1547, 1604). I@C@1@aa) sich mit der sprache verständigen: ja in Frankreich und Teutschland sein heutiges tages die einerley sprache reden und sich doch nicht verstehen Morhof unterricht 1, 33; obgleich verschiedene sprachen redend, verstehen sie sich vollkommen Göthe 411, 173 Weim. I@C@1@bb) sich verstehen bedeutet meist wie sich verständigen 'im reden, denken, handeln einander verständnis entgegenbringen; sich über etwas verständigen können': wir müssen einander recht verstehen; sich mit einem wol verstehen Kramer 2, 940b; sie verstehen ein anderen nicht, male inter illos convenit; ein anderen wohl verstehen, congruere inter se et convenire Dentzler 313a. selten durch zeichen: das ruhig aufmerksame kind verstand sich mit dem haushofmeister durch blick und wink, dasz alles auf das trefflichste gerieth Göthe 20, 113 Weim. gewöhnlich durch worte: damit man nun gewisz versichert werde, ob auch ein wahrer wiederspruch unter ihnen verhanden ist, oder ob es nur ein wortstreit sey: so müssen sich beyde erst recht verstehen; versteht man einander, so musz der gegner den anfang machen den satz zu wiederlegen, welches durch gute erklärungen der wörter leicht zu erhalten ist Gottsched weltweisheit 1, § 204 f.; was brauchen sie der worte die tiefer denkenden männer? sie handeln! verstehen sich durch ihr handeln! Klopstock oden 2, 21, 32; wo aber zweie sich in keinem punkt verstehn, wird die verständigung in leeren streit ausgehn Rückert 8, 188; so aber sind's die namen nur, worüber man sich versteht; in sachen denkt man anders Schiller 6, 142; dasz man sich beinahe nur über die ordnung verstehen dürfte, in welcher man die phänomene .. aufzustellen der natur gemäsz finde Göthe II 51, 85 Weim.; wir verstehen uns über diesen punkt so wenig, wie über viele andre Klinger werke 4, 103; wer über diese vorstellung sich verstanden hat, begreift und erhöhet sein inniges wohlgefallen an den dichtungen eines vergangenen und zukünftigen lebens Hülsen im Athenäum 2, 162. I@C@1@cc) es handelt sich um ein ständiges einverständnis, gutes einvernehmen, das auf gegenseitiges verstehen begründet ist: Maaler 433a; schwäb. nicht populär Fischer 2, 1360; berlin. Brendicke 189a; regierung und volk hatten in der zwischenzeit gänzlich verlernt, sich zu verstehen und zu verständigen Jahn 2, 798; menschen, die so ekzentrisch sind, .. tugendhaft zu seyn .., verstehn sich überall, finden sich leicht F. Schlegel im Athenäum 1, 127; Schlurck und Gelbsattel verstanden sich sehr gut ... es waren menschen, die eine ziemlich gleiche lebensphilosophie hatten Gutzkow ritter 3, 252; die einander am besten verstunden, verstellten ihre vertrauligkeit mit schmähungen und gezäncke Lohenstein Arminius 1, 44b. unter: sobald er sich aber entfernte, brach die entzweiung wieder hervor. schon seine eigenen anhänger konnten sich nicht unter einander verstehen Ranke 3, 23. mit: da wir mit dem teuffel uns so woll verstehen, und mit gott in stetiger feindschaft leben Olearius pers. baumgarten 913; dasz Montan sich mit unserm astronomen bald verstehen würde, war vorauszusehen Göthe 25, 269 Weim.; das ist ein verzweifelter bube, aber er hat seine sache so gut gemacht, dasz ich mich mit ihm verstehen musz Schiller 14, 177 (neffe als onkel 3, 5); den papst, mit dem er sich verstehen konnte, muszte er erst setzen Ranke 1, 14. besonders gilt dies von dem verhältnis zweier liebenden (vgl. verständnis C 1 d sp. 1605): nur uns armen liebevollen beiden ist das wechselseit'ge glück versagt, uns zu lieben, ohn' uns zu verstehen Göthe 4, 97 Weim. in: dem prinzen starb eine braut in seiner jungen mutter. schon hatten sie mit wünschen sich gewiegt, in feurigen empfindungen verstanden Schiller 52, 284 (Karlos 2642); dasz wir uns in manchen punkten unsers wesens am innigsten berührten und am besten verstanden Tieck 4, 22. mit: lassen sie Kathrinen nichts merken, wenn ich nicht glauben soll, dasz sie sich mit ihr verstehen J. E. Schlegel 2, 378; aber noch kürzere zeit brauchte sie, um sich mit ihrem liebhaber zu verstehen Pfeffel pros. versuche 3, 165. I@C@1@dd) eine vereinbarung, einen vergleich treffen: sie haben sich mit einander verstanden, sich verglichen Adelung; ob wir uns drüber in etwas verstehen nnd vergleichen könnten Leibniz 1, 376; einen feldhauptmann des reichs wollte er selbst ernennen, wenn er sich mit Albrecht von Baiern nicht verstehe Ranke 1, 109. I@C@1@ee) das einverständnis kann eine zu bestimmtem zweck und meist gegen dritte getroffene vereinbarung sein (vgl. verständnis 2 sp. 1606): sie verstehen einander wie ein paar pflasterjuden, wie jahrmarktsdiebe Wander 4, 1610; sich mit jemanden verstehen, gemeinschaftlich mit ihm zu einer geheimen absicht wirken Adelung; die von Straszburg verstundend sich mit künig Heinrichen Tschudi helvet. chron. 1, 123; wer diesz von weisen lernt, sein eigner freund zu werden, mit der versuchung nicht sich heimlich zu verstehen Hagedorn poet. werke 1, 28; wenn sich die majestät zur hehlerin erniedrigt — hinter unserm rücken mit unsern schlimmsten feinden sich versteht, was wird mit uns? Schiller 52, 441 (Karlos 5171); zwei schelme sind's — verstehn sich schon Göthe 15, 17 Weim. (Faust 4951); ein steinschneider verstand sich mit einem vignerol; dieser gab vor, den camee im weinberge gefunden zu haben IV 8, 263. der nebensatz bezeichnet den zweck: könnten sie sich mit der wittwe verstehen, dasz sie ihnen das gegenwärtige inventarium für ein billiges überliesze Rabener 3, 36. I@C@22) der zweck tritt besonders hervor und wird durch zu mit dat. oder inf. wiedergegeben. die form des verbs ist reflexiv. sich zu etwas verstehen, sich gleichsam dazu hergeben, sich entschlieszen, willig finden lassen etwas zu thun, zu übernehmen: sich zu einer unangenehmen sache entschlieszen Adelung. wohl allgemein verbreitet. die wendung erscheint seit dem 17. jh.; sich nicht verstehen zum streit, declinare certamen Dentzler 313a; Kramer 2, 940c; ursprünglich vielleicht von einer abmachung zwischen zwei parteien gebraucht Paul, aber aus den belegen nicht zu erweisen; reciprok läszt sich auffassen: (da) nichts zu unser erkenntnisz mehr dienen, noch mehr daran hindern kann, als andere menschen, so folgt daraus, dasz man trachten müsse, sich dazu mit ihnen bestens zu verstehen Leibniz 2, 42; was ist das? hat alles hier zusammen sich verstanden, mich zu bestürzen Schiller 6, 209 (Iphigenie in Aulis 5, 3). mit substantivobject: ich will mich zu der straffe willig verstehen, in betrachtung, einem diener übel der ungehorsam anstehet Harsdörffer gesprechspiele 5, 41; dasz sich desz jüdischen Messiae leibliche mutter zum cristenthumb verstehen werde Grimmelshausen 4, 647 Keller; er hebet belägerungen der schon sich zur ergebung verstehenden festungen auf Lohenstein Arminius 1, 397b; ob sich der schuldige selbst zu dieser genugthuung verstünde Lessing 17, 221; die gute dame, obgleich ungern, verstand sich hierzu Göthe 25, 262 Weim.; nach langem hader verstand man sich zu dem .. concordat Ranke 1, 23. die bedeutung 'sich vereinigen' tritt hervor: städte, wo bürger sich zu kleinen gesellschaften verstanden, sind die stifter der staaten gewesen Hippel werke 9, 217. statt mit steht vereinzelt gegen: da ich mich gegen euch zu nichts verstanden, als euch durch meine fabel .. zu — täuschen Herder 3, 278. ebenso auszergewöhnlich in statt zu: ich verstehe mich nicht in die drittel (theilung) Weise comödienprobe 193. in jüngerer zeit ist auch ein infinitivsatz mit zu üblich: und mich dazu von herzen gern verstehn, ihm jährlich diesen lohn ansehnlich zu erhöhn Gellert 1, 221; auf den wunsch meines gönners verstand er sich gerne dazu, mich ... zeichnen zu lassen Mörike 3, 20; in Cöln verstanden sich die stände, dem könig hülfe zu leisten Ranke 1, 110. vereinzelt: darein der jüngling sich nicht verstehen wollte Hammer rosetum historiarum (1654) 214. ungewöhnlich (auch mnl. Verdam hdwb. 637b met enen verstaen te) ist intrans. gebrauch in diesem sinne: verstehen zu einer sach, consentire, nicht verstehen darzu, dissentire Dentzler 313a; er könte, bey so gestalten sachen und vertröstetem secours, zur ergebung noch nicht verstehen Chemnitz schwed. krieg 2, 164. I@C@33) andere reflexive wendungen. I@C@3@aa) ein reflex. sich auf etwas verstehen, 'verlassen, rechnung machen, auf jemanden bekennen' findet sich nur bei Adelung lehrgebäude 2, 163. I@C@3@bb) mhd. auch sich eines dinges verstên, 'sich einer sache versehen, ihrer gewärtig sein'. gewöhnlich mit präpos.: ob ir iuch rechter sinne an mir verstân kunnent und ob ir mir gunnent beide guotes unde êren, so lâʒet mich kêren ze unserm herren Jêsu Krist Hartm. v. Aue armer Heinrich 803; da man sich mehr freuntschaft bei versten mocht dann kriegs von in d. städtechron. 2, 128, 1; jene hingegen hätten sich .. von dem landvolcke alles vorschubs zu verstehen Lohenstein Arminius 2, 728a. I@DD. nominalformen des verbs. I@D@11) infinitiv. über die form vgl. sp. 1662. I@D@1@aa) zum ersatz der subst. verstand, verständnis. 'die fähigkeit zu verstehen'. ahd.: ist ubarhepfendi angilo firstandan, super angelorum intelligentiam Isidor 3, 4. mhd.: eigene ungelossene muotwillige menschen, die .. verloszent sich uf ir übunge und ir guot verston und ir werk und groszen schin Tauler 188, 24 Vetter; die leute sind schweren lesens und verstehens und schreibens und druckens Grabbe 4, 415; denn alle tiefen, alle höhen durchdringt sein sehen, sein verstehen Arndt werke 5, 182; ist man arm, was hilffet schön? ist man arm, was hilfft verstehn? Logau 145. verständnis: doch ich weisz, dasz auch in mir sich ein verstehen regt, und dasz ich schwer gefehlt Schnitzler grüner kakadu 53; sehr schwere dinge seien ihm jetzt klar, es komme ihm ein unerhört verstehen, dasz er bis jetzt ein matter stümper war Hofmannsthal ged. u. kl. dramen 45. I@D@1@bb) mehr verbal gefühlt. Eckehart spricht sondernd von dem ûzern verstân unde von dem innern verstân 39, 14 Pfeiffer. mit object. genetiv in anlehnung an B 2, bei Tauler ohne änderung der verbalen rection: der vatter an siner persönlicher eigenschaft .. durchsiht sich selber in clorem verston den wesenlichen abgrunde sins ewigen wesens, und von dem blossen verstane (var. verstonde) sin selbs so sprach er sich alzuomale us 8, 30 Vetter; vernunftbegriffe dienen zum begreifen, wie verstandsbegriffe zum verstehen (der wahrnehmungen) Kant 3, 244 akad. ausg.; ein verstehen der wahrnehmungen durch verstandesbegriffe wird ein begreifen seyn Hegel 5, 236; er sprach vieles mit mir, welches ich aber nicht verstand, da mir damals als einem jungen unerfahrnen kiek in die welt von käterchen das verstehen der menschlichen sprache noch nicht eigen E. T. A. Hoffmann 10, 18; also wird vielleicht die philosophie der kunst das bessere empfinden oder verstehen der kunstwerke bewirken Solger ästhetik 8; das streben nach dem verstehen der naturerscheinungen A. v. Humboldt kosmos 1, 68. I@D@1@cc) das verständnis, gute verhältnis zwischen zwei wesen (vgl.C 1 c sp. 1689): mit dem fräulein gestaltete sich das verhältnisz des gastes bald gründlich und tief in das zarte verstehen ohne worte aus Immermann 1, 93; wie danke ich dir dasz du dich des französischen etwas annimmst, und dasz du es gethan ehe ich dich bat, ist eine neue bürgschaft unsres gegenseitigen verstehens, wenn es deren bedarf Bismarck an braut u. gattin 34. I@D@1@dd) einzelnes. infinitiv in passiver form: erkenntnisse oder bilder, welche in sich selber in ihrem verstandenwerden dinge, als das in ihnen abgebildete, setzen Fichte 4, 376. mit anderen infinitiven zusammengesetzt: dasz sie (die methode) zum ... verstehenmachen nicht tauge allg. d. bibliothek 52, 251; aber ein verstehenwollen seiner gefühle und wünsche fand er darin nicht Polenz Grabenhäger 2, 122. I@D@22) part. präs. I@D@2@aa) 'verständig': eine verstehende (verstand habende) creatur, creatura intelligente Kramer 2, 940c; veraltet. I@D@2@bb) 'verständnisvoll', seit der zeit der romantiker: sie hätte dir die hand gedrückt, und so unendlich menschlich, flüchtig, leicht, tief, einfältig, herzlich, leis', gefühlig und verstehend mit dir geplaudert Brentano 8, 271; wie würde es freilich erst um den philosophen stehen, wenn er zu einer verstehenden .. nation sprechen könnte Solger schriften 2, 2; ich reichte ihm dankbar die hand, denn seine worte und energische bewegung bewiesen mir seine verstehende teilnahme Keller 2, 268; sie aber hat die grosze gabe des verstehenden instinktes, ja sie hat selbst das, was ich genie des herzens nennen möchte Bierbaum Graunzer 252; sie .. fühlte ein heiszes verstehendes mitleid mit ihr Zahn frauen von Tannò 308. I@D@2@cc) reflexiv zu B 2 g (sp. 1678), 'selbstverständlich': was dem papstthum .. zu hülfe kam, war das natürliche, sich gleichsam von selbst verstehende bündnisz, in welchem es mit den deutschen fürsten stand Ranke 1, 23. subst.: weil die personen fast nichts natürliches und sich von selbst verstehendes thun und denken Ludwig 5, 200. negativ 'unverständlich': (wenn der satz vom grunde) in jene verkehrten, sich selbst nicht verstehenden formen und fragen eingegangen wäre Schopenhauer 1, 52. I@D@33) part. prät. I@D@3@aa) in passiver verwendung hält es sich allein lebendig: deprensa, ferstantiniu Steinmeyer-Sievers ahd. gloss. 2, 465, 2; unvergleichlich war die wirkung eines scharfen schlaglichtes am oberen zinnrande eines bierkrugs, von welchem ein seltsamer, aber verstandner reflex den knopf des feldwebelstocks traf, welcher darüber am dritten haken hing Immermann 1, 21. subst.: ich habe .. mich darauf verlassen, dasz meine eigene kleine dichtergabe ... mir zu hülfe kommen würde, das verstandene so auszudrücken, dasz der schwung und die deutlichkeit nicht zu viel verlören Lessing 8, 5; dein gott, mein bruder — und der meinige — unser, unser gott — mein unaussprechlicher versteher und verstandener Lavater an Herder 1772 (aus Herders nachlasz 2, 26). im anschlusz an B 4 a und 2 e (sp. 1684, 1676) mit beurtheilendem adverb.: in einem durch höchst verstandene falten vermannigfaltigten einfachen kleide Göthe 47, 230 Weim.; dasz sie die klöster aufgethan und tausend schlachtopfer einer falsch verstandnen andacht den pflichten der natur zurückgegeben Schiller 12, 449 (M. Stuart 1176); wenn Simonides, richtig verstanden, gerade eben das sagte, was Plinius und Valerius versichern? Lessing 11, 306; Macbeth. der graf von Cawdor lebt ... Rosse. freilich lebt er noch, — wohl verstanden, der gewesene graf Bürger 1, 290 (Macbeth 1, 3). das adverb. fällt weg: und lasz die lampe vorn brennen .. verstanden? Fontane 5, 156; und wenn de satt bist, scheer dich, verstanden!? G. Hauptmann biberpelz 8. in Berlin: verschtanden? merken sie sich das! Brendicke 189a; schwäb. verstanden? bekräftigt oft eine erregte rede, einen unwirschen befehl Fischer 2, 1358. über den elliptischen ausdruck s. Grimm gramm. 4, 131. eigenthümlich ist verstanden sein 'selbstverständlich sein' (vgl.B 4 d sp. 1688): der pfarrer liesz ihn nicht ausreden, sondern herrschte ungeschlacht: 'bei wem? beim Velderndorffer nit, das ist verstanden!' 'schon beim Velderndorffer', sagte der forster Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 1, 12; 'tut mir sohin — ums lohn ist verstanden —' 'nein!' 'he? was nein?' 'ich mach nichts an dem bild!' 188. in attributiver stellung: der ofen spuckt hitze, auch mit verstandenem object: der ofen spuckt, vgl. th. 10, 2, 209 (und öfter). I@D@3@bb) in der mhd. und frühnhd. periode herrscht verstanden in activem sinne als 'verständig'. als lebend wird es in der negierten form unverstanden noch bei Schmeller 2 2, 715 für das bair. bezeugt: ən ũveˁstandúns kind. solche participien sind mit vorliebe zu reflexiven verben gebildet worden, vgl. Wilmanns gramm. 3, § 59. verstanden, vafer Diefenbach nov. gloss. 375b; Diefenbach-Wülcker 568; Maaler 432b. prädicativ: wer üt gelert ist und verstanden, der mag alleine us disem capittel wol sagen von vil kluogen dingen d. städtechron. 9, 871, 16; ein trommeter soll keck und mannlich seyn, auch verstanden, geschickt und auffrichtig Fronsperger kriegsbuch 1, R 1r; weliche (ich) auszerwelen sol unter den jüngling allen sanden, der weisz, fürsichtig und verstanden Sachs 13, 95, 32 Keller-Götze. attributiv: verstanden lüten ist predigen guot Brant narrenschiff 72 Zarncke; Friedbert, welcher gar ein weiser verstandener mann was Wickram 2, 77, 30. comparativ: wer ein wenig verstandner, gelerter oder reicher ist dann der ander, wolt gern herrschen Franck weltbuch 115b. der grad wird bestimmt: ein guot verstanden wîp minneburg 15b; wa solcher will und eynigkeit zwischen den hauptleuten und regierern wer, wa der minder dem basz verstandnen volgte Carbach Tit. Liv. 60r; der ein iunger püffel was und nit übrichs verstanden Arigo decamerone 79. das gebiet wird angegeben, auf dem einer etwas versteht (vgl.B 3 sp. 1680): legisperitus, des rechten ain wyser, vel verstandner; eyn recht-verstandener, -verstender, -vorsteh Diefenbach gloss. 323a; daʒ tete die jungelinge ze minnen verstanden Konrad Fleck Flore 725. übertragen auf das gemüth und alter (vgl. verständig 2 b und c sp. 1572 f.): daʒ der mensche mit dem liehte siner bescheidenheit alle sine werg, wort und gedenke durchsehe mit eime verstanden (var. verstentlicheme) gemüte Tauler 92, 8 Vetter; welche er auch nach seinem götlichen wolgefallen in verstandenem alter durch den na türlichen tod wider zuo seinen götlichen gnaden berüfft Wickram 2, 238, 32. von verstanden b ist das subst. verstandenheit (s. d.) abgeleitet. I@D@3@cc) im 18. jh. vorübergehend mit einem verstanden sein (vgl.C 1 sp. 1689 f.): sie sind darüber verstanden, sie sind in dieser sache einig Adelung. nach demselben ist einverstanden sein nur im obd. üblich, verdrängt aber bald das einfache und weniger deutliche verstanden sein. Campe kennt nur dieses: sie müssen ihn natürlich unterstützen, da sie mit ihm verstanden waren Stephanie lustspiele 195; soll der wirth, den ich vor einen ehrlichen mann gehalten hab', mit meiner tochter auch verstanden seyn? Hafner lustspiele 2, 70; ... gerad' als wärest du mit meinem arzt verstanden Gökingk ged. 3, 117. vgl. zeitsch. f. d. wortforschung 12, 62. I@D@44) die scherzhaft wie drohend gebrauchte frageform verstehst du? populär verstehste? (vgl.B 2 e sp. 1677) hat sich in den verschiedensten mundarten zum subst. ausgewachsen, das im volksmunde an stelle von verstand 'fassungsgabe, verständnis' lebt. es ist schon im 18. jh. litterarisch bezeugt: ich dürffte es wohl nicht melden, denn wer nur ein wenig ein verstehste hat, der wird die nähsten begreiffen können, die zu gevattern gebethen worden jungfer Robinsone 10. verstehste wird als weiblich gebraucht in Berlin: sie haben wol 'ne schwere verstehste? zu einem schwerhörigen oder schwer begreifenden Meyer 128a; Brendicke 189a. verstehstes als männlich in Steiermark und Tirol (versteastes) Unger-Khull 227b; Schöpf 706; schwäb. der hat keinen verstahst-mich, verstand Fischer 2, 1359; in Baiern heiszt es der versteh-mich Schmeller 2 2, 715; in Oberhessen der versteht-ihr-mich neben verstehst-du-mich Crecelius 878; do host-de de verstehtermich net davoh Niebergall dram. werke 230; in Niederhessen nach Edw. Schröder verstehtsemich: er hat 'n guten verstehtsemich. verstehst-du-mich ist die meistverbreitete form, selten sächlich, meist männlich gebraucht: lothring. Follmann 154b. es ist besonders in Mitteldeutschland verbreitet: Leipzig Albrecht 231a; Meiningen Spiess 269; Thüringen Hertel 234; Kleemann 25a; Eichsfeld Hentrich 25; Oberhessen Crecelius 878; Schöner Eschenrod 64; Leihener Cronenberg 36b; Frankfurt Askenasy 39; Luxemburg Gangler 470; lux. wb. 467b; Köln Hönig 194b. zu den scherzhaften volksthümlichen bildungen gehört auch die französisierte form verstandez-vous für verstehstdu? verstanden? (vgl.B 2 e sp. 1677), gesprochen fərštandĕwŭ; Fischer 2, 1359 nennt sie als früher verbreitet. sie ist üblich im Elsasz (Martin-Lienhart 2, 566b), in Preuszen (Frischbier 2, 442b), Berlin (Meyer 128a), Schlesien (Jäschke fremdwb. 45), hier als barsche, unhöfliche, sonst als scherzhafte frageform. offenbar auch in Österreich bekannt: ohooo! .. ohne die päsz keine heirat, verstandez-vous, voulez-vous Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 1, 68. die form scheint nach voulez-vous gebildet zu sein. I@EE. besonderes. I@E@11) der begriff des 'verstehens, begreifens, einsehens, geistigen beherrschens' hat sich so fest mit dem präfix verbunden, dasz auch die gaunersprache ihn durch ver-bildungen wiedergibt. dem verstehen steht lautlich am nächsten versteunen Kluge rotwelsch 476. am weitesten verbreitet ist verlunschen (ebd. 19, 55, 78, 94), das in der form verlüntzen schon 1411 bei Vintler nachzuweisen ist (ebd. 4). selbst die rection ist nachgeahmt (vgl.B 3 e sp. 1683): welch leninger (verstehe landsknecht) .. verlunscht sich recht auf das reckhedisz quelle von 1598 (ebd. 115); von 1620: ich verlunsch (verstehe) mich auch wenig drauff ebd. 140; (vgl.B 4 b sp. 1686): kanstu auch .. schimpf verlunschen (verstehen)? ebd. 136. für verstanden (D 3 b sp. 1693), verständig: wer hat dich so verlünscht (verstanden) gemacht? ebd.; es seynd grobe und verlunschte horcken (verschmitzte baurn) da 137. ferner kommen in dem sinne von verstehen noch verâmen, veraumen (437, 442), verkneisen, verkneisten (339, 413, 157), vernuppen (442), versnuwen (446) vor. vgl. german. abh. 27, 197. I@E@22) Campe schreibt: oft gebraucht man im gemeinen leben verstehen, wo ein miszverständnis eingetreten ist: ich verstand, dasz ich heut zu ihnen kommen sollte. ähnlich: die feinde verstunden (meinten fälschlich), ihr geschütz wer alles abgangen, sein daruff mit groszem geschrei die unsern angefallen d. städtechron. 27, 57, 7. IIII. verstehen in rein sinnlicher, nicht geistiger bedeutung ist in allen sprachperioden neben der geistigen nachzuweisen, in weitester verbreitung im mhd. sonst überwiegt stets die geistige, am meisten ahd., wo Notker der einzige vertreter des sinnlichen gebrauchs ist. auffälligerweise verwendet er ferstân in der bedeutung 'versperren, verwehren' gesondert von ferstanden 'protegere' Graff sprachschatz 6, 593, 603. in der heutigen sprache ist dieses verstehen bis auf einige verschwindende reste zusammengeschrumpft, weil verstehen als ausdrucksmittel für geistige vorgänge immer unentbehrlicher geworden ist, während es sich in der sinnlichen bedeutung leicht ersetzen liesz. vgl. dazu im ganzen Grimm gramm. 2, 854—861; Wilmanns 2, § 125, 3; 126, 6. sehr ähnlich ist die entwicklung von versprechen (sp. 1448 ff.). II@AA. verstehen in resultativer verwendung ist wohl als fair-type anzusehen (vgl. germanist. abh. 27, 203 ff.). II@A@11) intransitiv: stehen bleiben, aufhören, stocken, verfallen mhd. wb. 2, 2, 586; Lexer 3, 247; mnd. Schiller-Lübben 5, 459a; mnl. Verdam 637b; nhd. be-, verstan, belyben, harren, perseverare Diefenbach gloss. 429c. noch im nl. lebendig als 'verfallen'. II@A@1@aa) 'stillstehen, stocken, nicht vorwärts kommen'; selten bei personen: dô vorstunt (var. vorstumt) er und wart blas, want er ir allir schuldic was Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 22486; wem die sprach verstet und nit gereden mag bair. quelle bei Schmeller 2 2, 715; vgl. Höfler kranheitsnamen 673b. 'aufhören zu flieszen, nicht flieszen wollen': dann so versteen die bäch, so die brunquell ... abgegraben ist Franck kriegs-büchlin des friedes (1550) 158. bei harnstockung: wem der harn verstehet Gäbelkover arzneibuch 1, 342. vom ausbleiben der weiblichen periode: an den daʒ menstruum ê zît ist verstanden arzneibuch a. d. 12. jh. 139 Diemer; wo der monatflussz den weyberen von keltin wägen verstanden Gesner-Forer thierbuch 30v. von krankhaften ergüssen: das pulver sol man dem falcken geben uff warmen flaisch zu eszen, so verstatt der flus Mynsinger von falken, pferden, hunden 30; daʒ diu ruor verstê Megenberg buch d. natur 82, 35. bei blutenden wunden: henck dem menschen an hals nesselwurtzel und rauten wurtzen rein geweschen, so versteht das bluot von stund an Dryander arzneibuch 84a; do verstuont des Jordanis fluʒ .. durch des heiligen Cristes minna verstant diu bluotrinna Wiener segensspruch bei Schmeller 2 2, 715; eine hure die thut kein gutt, und als wenig die hure gutt thut, so gewies solstu verstehen, blutt (16.—17. jh.) zeitschr. f. d. mythologie 3, 326. von der ader: gab ihm doch ein blutwurzell inn die hand, da verstand es (das äderlein) ihm wider Berlichingen 59 Bieling; mîn âder brast, dâ gieng eʒ (das blut) van. diu ist kûme iezuo verstanden Gottfried Tristan 15221. übertragen: unter den eltern und den kindn thut die natürlich lieb verschwindn auch also das ihr blut versteht und keine pflicht von hertzen geht Ringwalt lauter warheit 371. noch freier: ich wil en vor uch losszen straiffen, dasz hie wol mochte schrien woffen, dasz sijn missetad musz vorstehen Alsfelder pass. 4240 Grein. II@A@1@bb) der sinn 'zu lange, über die zeit hinaus stehen', schon im vorigen bisweilen kenntlich, wird deutlicher: durch zu langes stehen 'überständig', unbrauchbar werden und verderben; mnd. von waren, durch zu langes liegen abstehen, die güte verlieren Lübben-Walther 524b; wann auch ain holtz verstat, so ist es dem herren widerumb haimgefallen schwäb. quelle v. 1558 bei Fischer 2, 1357; das heu verstod, bleibt ungekauft Tobler Appenzell 188b; schweiz. zurückbleiben Staub-Tobler 1, 906; boume, gras und sæte. sô daʒ verstât in sîner zît als der ze lange in slâfe lît, sô sol erʒ wecken unde wegen (der wind), mit senftelîchem lufte regen Rudolf v. Ems Barlaam 240, 17; der wein hat verstanden, wenn er durch langes stehen auszerhalb des kellers verdorben ist Campe; pferdt oder viech, so durch den verzug in die länge verstehen und sich selbst verzehren Frankf. reform. 1, 12 § 9. II@A@1@cc) am häufigsten von pfändern, 'verfallen': pfandes stên heiszt 'zu pfande stehen, verpfändet stehen', pfandes verstên 'über die bestimmte zeit hinaus', dasz das pfand dem inhaber verfällt J. Grimm rechtsalterthümer 2, 169; sin besteʒ phant verstêt Hugo v. Trimberg renner 16928; verstan in pfantschafft wyse, perstare voc. inc. teut. ii 5a; Diefenbach gloss. 430a; Maaler 432d; der in ein wirthshausz geht, und ausz mangel desz gelds, sinen mantel versetzt, aber doch in meinung, er wolle denselben nicht lang verstehen lassen Albertinus hirnschleiffer 299; wan du mir das dein gelt daruf (auf das pfand) wilt leihen bisz uf ein zit, das ichs mag wider löse; wan ich lasz dir es nit verstan liederbuch a. d. 16. jh. 326, 27 Gödeke-Tittmann. wie das pfand, kann man auch den bürgen im stich lassen, sitzen lassen (vgl. versetzen 16 sp. 1292): verstehen lassen, deserere, linquere Dentzler 313b; aber ein unverschemter mann lest endlich sein bürgen verstahn Sachs 19, 121, 33 Götze; jederman spottet des jüngeling, das er als närrisch het getan, Physoia die wurd in lassen verstan Vintler blume der tugend 884. im bergbau sagt man einen kux verstehen lassen, die zubusze nicht abführen, so dasz der kux verfällt Adelung, Campe; im retardat verstehen, von kuxen, für die bisherigen eigenthümer verloren gehen, verfallen Veith bergwb. 378. auf die ehre übertragen, die man verpfändet: swa er sine triwe versetzet hât, ich geschaffe daʒ si niht verstât Stricker Karl 3370; wiʒʒet daʒ er nie verstên sîn triuwe lie pfandes Lohengrin 80. II@A@22) die reflexive form ist seltener als die intransitive. II@A@2@aa) schles. der pilz versteht sich, wird alt und faul Weinhold handschriftl. nachlasz S bl. 430b. sonst von pferden und anderen thieren, auch von menschen, die durch zu langes stehen steif werden: das pferd verstehet sich im stalle Kramer 2, 939c; Frisch 2, 327c; durch langes stehen schadhaft oder untüchtig werden, .. in welchem verstande man von thieren und menschen sagt, sie haben sich verstanden, wenn sie durch langes stehen steif und träge geworden sind. auf ähnliche art sagt man sich versitzen, verliegen Adelung. so noch heute in populärer sprechweise üblich; auch dänisch Helms wb. 123a. mnd.: wente de reckadern entslapen unde maken lam, alsemo wol by den perden süth, de ere knaken vorstan quelle bei Schiller - Lübben 5, 459a. mhd.: diu ros hieʒ man ersprengen wîten ûf dem sant die breite und die lenge. manegeʒ man dâ vant, diu vil træge wâren und springen niht enkunden. diu heten sich verstanden.Wate hieʒ sie küelen an den stunden Gudrun 1149, 4; nhd. lasz das rosz vier tage also stehen, darnach lasz allgemach hinauszgehen, damit es sich nit hart verstehe Seutter roszarznei 359; manche schäfer geben vor, das vieh müsse ausgetrieben werden, ob schon auch groszer schnee fluren und felder bedecket, und überreden die herrschaften, in dessen unterlassung dauerten die schaafe nicht, sie verstünden sich, das futter könte anderer gestalt unmöglich nutzbar in die raufen gebracht werden allgem. haushalt.-lex. (1749) 3, 85; ja seht, da hatte sich das vieh verstanden, und konnte und wollte sich nicht mehr spazieren reiten lassen Tieck novellen (1835) 4, 98. II@A@2@bb) von pfändern: das pfand hat sich zerstanden, verstanden Stieler 2130; dem gerichtsherrn von jeder nacht, so lange das pfand ungelöset stehen bleibt, drei schilling pfennige geben, bis sich das pfand gantz verstehet quelle bei Schottel 647b; Kramer 2, 940c; Frisch 2, 327c; weiterhin als landschaftlich verzeichnet: das pfand hat sich verstanden, in welchem falle es doch zunächst nicht sowohl verfallen zu bedeuten scheinet, als vielmehr, dasz durch langes stehen und angeschwollene zinsen der werth des pfandes erschöpft worden Adelung; auff dieses pfand pflegt niemand nichts zu leihen, es verstehet sich zu geschwinde Gryphius Horribil. 15 neudr. übertragen: Veith gab seine treu zu pfande; die hat längst schon sich verstanden; weil sie niemand denckt zu kauffen, bleibt sie gläubigern in handen Logau 275. II@A@33) am üblichsten ist es in der form des part. prät. II@A@3@aa) das der simonensafft und die brü .. eyne sondere würckung .. haben wider den verstandenen harn Sebiz feldbau 350; das im die gülden ader verstanden wer schwäb. quelle v. 1494 bei Fischer 2, 1357. von dem ausbleiben des weiblichen periode auf die zeit selbst als beiwort übertragen: die verstandene zeit der weiber ebd.; diese latwerg .. mildert solche schmertzen, treibet die verstandene zeit Hohberg georgica 3, 151b. II@A@3@bb) welliches rosz verstanden ist das nit zürchen kan Seutter roszarznei 97; verstandene blatter Höfler krankheitsnamen 673b; schweiz. verstandenes heu, überstanden, das über die zeit der reife gestanden hat Stalder 2, 391; bair. verstandener wald, überständiger Schmeller 2 2, 715; das alte verstandene wasser (in geschirren abgestanden) Hohberg georgica 2, 321b. übertragen: wollüstige und verstandene jugend eines reuigen studenten titel eines werkes v. 1664 im quellenverzeichnis th. 5 sp. L. uneigentlich sagt man auch von einer alten jungfer, dasz sie verstanda sei Tobler Appenzell 188b. II@A@3@cc) verstandene pfänder verkaufen Campe; wo er es (das pfand) darinn nit löset, das es verstanden und verfallen sei Franck weltbuch 155a; erlœs uns das verstanden pfant, das get dem tiuvel in die hant minnesinger 2, 219b Bodmer (1370 Pfaff); dem sind verstanden seine pfand; dieselben wöllen wir verkauffen Sachs 21, 27, 27 Götze. kuxe, bergwerk, güter: Veith bergwb. 378; also ist dieses bergwerck, weil das holtz etwas teuwer, auch verstanden, sonst were es wol zu genieszen Thurneisser alchymia 1, 68. 'einem zufallen': deden se des nicht, so scolde uns dat hus vorstan sin und use rechte gut wesen quelle v. 1320 bei Schiller-Lübben 5, 459a; mir ist der selb weingarten verstanden österr. quelle v. 1357 bei Lexer 3, 247. auf personen übertragen, die als schuldner verfallen sind: iemer in der helle bruot müeʒen si verstanden dem tievel sîn ze pfanden Hugo v. Langenstein Martina 68; ich bin so thüer daruff verschriben und umb den zinsz verstanden (rückständig) bliben, den juden also gar verstanden under andren geuchischen pfanden, das ich mich besorg, mich lösz kein man Murner gäuchmatt 23, 231 Uhl. 'verpflichtet': denen er wegen einer wohlthat verstanden war Opitz Argenis 1, 501. II@A@44) transitiver gebrauch ist selten, aber vulgär noch heute üblich. mit reflex. dativ: mnd. sik de knoken vorstân vom pferde, 'sich lahm stehen' Lübben-Walther 524b. nhd. (leute) die sich auf wachtparaden und in parterren die füsze verstehen, oder in gesellschaften Arnim 2, 316. vgl. auch eine scherzhafte wendung wie: sich die beine in den leib stehen. II@BB. die anschauung 'über etwas hinaus stehen' kann, wie 'versäumen', so auch den guten sinn 'überholen, verwinden, aushalten' entwickeln. nur transitiver gebrauch. II@B@11) 'versäumen, unbeachtet lassen', mhd. wb. 2, 2, 586 f.: virstunde abir he der gibote drú, so sal he wette sex phenninge Mühlh. rechtsbuch 52, 17 ebd. II@B@22) 'überholen, verwinden, aushalten'. in jüngerer zeit nur nd. mundartlich: Schiller-Lübben 5, 458b; eine krankheit verstehen, überstehen; einen guten trunk verstehen, vertragen können Adelung; hamb. von einem betäubten oder verstörten menschen: he süht uth as een osz, de eenen slag verstahn hett; auch sagt man von einem säufer, der so leicht nicht unter die füsze zu bringen ist: he kann wat rechtes verstahn Richey 285; dat kann eenen gooden stoot verstahn, 'das ist stark 292; holst. Schütze 4, 180; up enem berge stunt ein êk .. der breden wortelen se genôt, dat se vorstunt vil mannigen stôt, de or de wint vil dicke bôt Gerhard v. Minden fabeln 88, 5 Seelmann. nhd. hie wil ich (dacht der teufel) dem Luther das hertz nemen, und den steiffen geist mat machen, den griff wurd er nit verstehn noch uberwinden Luther briefe 2, 165; dasz die natur die plötzliche änderungen .. nicht wol verstehet und auszhart Fischart Garg. (1600) 168b (sog. falscher Gerhard, Magdeburger Äsop, gegenüber der originalausgabe 1575 uberstehet). 'überwinden, fahren lassen': wir wölln alhie seiner warten, in der masz schlagen auff die schwarten, das er sol sein hochmuth verstehn Ayrer dramen 2180, 31 Keller. II@B@33) verwandt damit ist wohl die bedeutung 'fördern, fruchten', die auf eine faur-type zurückzuführen ist (vgl. germ. abh. 27, 110). dieses nur in der mittleren periode (und im altengl. Bosworth-Toller 318b) nachweisbare verstehen stellt sich einem uns noch heute verständlichen verfangen und verschlagen (sp. 305 f., 1089) an die seite. mhd. wb. 2, 2, 587a; mnd. Schiller-Lübben 5, 459a, wo betonte und unbetonte vorsilbe nicht recht zu scheiden sind; lâʒ dîn lougen, eʒ entouch, eʒ ne verstêt niht ein hâr Heinr. v. Veldeke Eneit 280, 15 Ettmüller (vgl. die varianten verstat, enverstet dich, enfristet, enhilffet dich bei Behaghel 10543); sint daʒ min bete und min rat nicht vervehet noch verstat noch dehein gut ende Herbort v. Fritzlar troj. krieg 12156. mit präpos.: wande des mannis mûʒicheit zô dem lîbe noch zô der sêle niht ne versteit Lamprecht Straszb. Alexander 32. II@CC. verstehen in befürwortendem sinne gehört wie versprechen I B (sp. 1464) der mittelalterlichen rechtsprache an. es vertritt die anschauung 'vor einem stehen, sich vor einen stellen, vor einen hintreten, um ihn zu schützen'. im ahd. ist es nur einmal nachzuweisen (s. unten 3). dasz hierin eine faur-type enthalten ist, bezeugt mhd. vürstân als volltonige neben der geschwächten form verstân Lexer 3, 611 neben 247 f.: nu ruowe hînt: des wirt dir nôt, wiltu furstên den künec Lôt Wolfram Parzival 692, 30, auch altengl. Bosworth-Toller 318b. II@C@11) mit acc. der person. II@C@1@aa) einen verstehen, für ihn stehen, seine stelle vertreten, vertheidigen Campe; auch im kampfe: altsächs. ... hwand ina thit heriscepi wili farstanden mid strîdu ... Heliand 4475; mnd. wur af de salicheit ome were, dat one der lowe vorstunt so sere Gerhard v. Minden fabeln 23, 53; mhd. want got werlîchen ist mit in und in strîte si vorstât Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 13041; nhd. würt sy dann der bitt nit gewert, so bitt sy, das er bürge werdt, vor dem tuochman sy verstandt Murner narrenbeschwörung 37 neudr.; sie hatt keinen man der sie möcht in gerichten und rechten verston oder vertretten Keisersberg postill 3, 84. in der urkundensprache: d. städtechron. 17, 158, 20; swer ouch deme andern gût in sîne gewere lêt, ê erʒ ime ûf lâʒe, her sal in in der gewere verstân Sachsenspiegel 1, 9, 5. reflex.: wand als eʒ (das kind) sich selben muoʒ verstên, als muoʒ eʒ sîne mundelen wol verstên 1, 42, 2; si hâte sich gote genzlîchen gelâʒen, dar ume verstunt si gote mystiker 1, 179, 40 Pfeiffer; der sich aber selber verstêt, den lêʒit her 180, 5. II@C@1@bb) die stelle eines anderen vertreten: mnl. Verdam 637b; nhd. einen anderen verston, versähen, thuon das ein anderer thuon sölt Maaler 432d; swa man siben man ze geziuge leiten sol, da verstat der rihter zwen man und sin gebütel alsam (ibi iudex esse potest loco testium duorum) Schwabenspiegel 235, 2 Laszberg; Haltaus 1899. II@C@22) mit sächlichem object. II@C@2@aa) im anschlusz an das vorige 'eine stelle vertreten, ein amt und die mit ihm verbundenen pflichten wahrnehmen': daʒ ir iuwer amt mit triuwen üeben sult und iuwer stat ze rehte verstên sult an wârheit und an gerehten liuten Berthold v. Regensburg 1, 155, 3 Pfeiffer; wenne diu sunne under der erden ist und der môn dar ob, sô verstêt der môn der sunnen stat K. v. Megenberg buch der natur 67, 18; der stede nuwe scheffen setzen ... unde de ir stat kunnen verstain Hagen Kölner chron. v. 2332; daʒ die iungen in den tagen rittere solden werden und mit vollen werden irre vetere stat verstân passional 592, 58 Köpke. II@C@2@bb) 'an der spitze eines landes stehen; es regieren, verwalten, schützen'. mnl. Verdam 637b; im mnd. ist betonte und unbetonte vorsilbe nicht zu scheiden (Schiller-Lübben 5, 459b); vor godes gebort seven und vertich jar weren drei heren, de dat romische rike vorstunden d. städtechron. 7, 7, 2; ich en kan des stichtes (stiftes) nicht verstaen, went ich byn up myne dage komen Trierer Theophilus v. 270 Petsch; er hatte sechstehalbeʒ jâr daʒ lant vil wol verstanden livl. reimchronik 3587; daʒ her (der könig) recht sterke und unrecht krenke und daʒ rîche verstê in sîme rechte Sachsenspiegel 3, 54, 2. II@C@2@cc) in juristischem sinne besonders ein gut, ein lehen verstehen, für ein lehen eintreten und die damit verknüpften rechte und pflichten, wie bürgschaft und zinsentrichtung, übernehmen: verstehen das lehen, praesto esse domino ad feudo deserviendum, corpore suo feudalia praestare officia Haltaus 1901; her muoʒ aber daʒ gût zu hant verstân Sachsenspiegel 1, 70, 1; Schmeller 2 2, 715; en queme dan neymant dat gut to vorstande na hoves rechte .., so mochte dey hoves schulte eynen myt dem gude belenen weisthümer 3, 37, 43 Grimm; solch gutt solte he verstehen mit hünern und bede gein Blanckenstein uff das haus urkunde v. 1532 bei Haltaus 1901; ock schal W. dat gud vorschoten unde vorstan glik anderen unsen medeborgeren götting. urkunde bei Schiller-Lübben 5, 459b; und sol ich in daʒ gelt verstan (verzinsen) nach dem rehten schwäb. quelle v. 1325 bei Fischer 2, 1357. II@C@2@dd) für etwas anderes eintreten, eine verpflichtung eingehen, etwas zu leisten, zu thun übernehmen: den rächttag verston, sich am gesetzten oder bestimpten tag stelen oder daran erscheynen, vadimonium obire Maaler 432d; den tag verstehen, an dem bestimmten tage sich stellen Campe; davon sein kü. maiestat .. sich zu gegenweer geschickt, und den tag auff purif. Marie, nit hab versteen mügen quelle v. 1495 bei Haltaus 1901; schwäb. Fischer 2, 1358; verstehen das gerichte, sistere se iudicio ad causam dicendam Haltaus 1901; was gerichte sich verlauffen haben in vintschafft oder die wile sie die gericht nit versten mohten Straszb. quelle v. 1422 ebd.; Schiller-Lübben 5, 460a. II@C@2@ee) übertragen: drum geburt einem yglichen christen das er sich des glaubens annehm, zuvorstehen und vorfechten Luther an den adel 14 neudr. übertragen: dann also musz der mann alle die sorgfeltige wartung, so an seine recht eingeimpffte impffling zweig und erben angewendet wirdt, ihm als dem stammen selber widerfahren sein, auffnemmen, und zu danck gegen seiner ehverknipfften mit widerlieb verstehn und erkennen Fischart Garg. 97 neudr.; sprachen, umsonst ist nicht die müh, weil man mit dank verstehet die glückhaft schiff v. 776. II@DD. denselben ausgangspunkt wie C hat verstehen in dem entgegengesetzten sinne 'verwehren, verweigern'. beide entwickeln sich aus der anschauung 'vor einem gegenstand stehen', um ihn gegen einen angreifer zu decken und diesem den zutritt zu versperren, verwehren (vgl. Notker unter 3 und Graff sprachschatz 603, 593); in beiderlei sinne ist verstehen von vertreten in der neueren sprache abgelöst worden. auch altengl. weist forstandan noch beide bedeutungen auf, mengl. nur 'hindern' Bosworth - Toller 318b; Stratmann - Bradley 242b; fries. Dijkstra 1, 420a; mnd Schiller-Lübben 5, 459b; mhd. wb. 2, 2, 587a b; Lexer 3, 248. II@D@11) 'den weg verlegen, den zutritt zu einem raume versperren': verstên einem den weg, sich ihm in den weg stellen Schmeller 2 2, 715. ahd. diâ mûra déro súndon diû úns den hímel ferstât, also swert werbendaʒ ioh paradisum súndigen ferstât Notker 2, 53, 7 Piper. mhd. sî verstuonden im die tür Hartm. v. Aue Iwein 1290, daʒ tor was in verstanden Reinhart Fuchs 527 Grimm. nhd. er verstünd ir weg und steg, sie in irem witfreulichen stande zu fellen Hertzog schildwache Aiij; Pariphores versteht im den weg. Theseus geht ein und sagt: was verstehst du mir hie die strasz? gehe weg! meines wegs mich reysen lasz! Ayrer dramen 1251, 18 Keller. II@D@22) in der rechtsprache 'verwehren, verweigern': ihm pfand verstên, ihn hindern ein pfand zu nehmen Schmeller 2 2, 715; daʒ lêhen sol im der herre niht verstên monum. Wittelsbac. 217, 47 (a. 1300); mag der purger nicht geantwürten für den man, so sol man den flüchtigen man auʒ dem haus antwürten auf recht, und wirt daʒ verstanden von dem selben purger, so sol der richter den selben schedleichen man suochen d. städtechron. 15, 404, 10. die rechtsprechung verweigern: daʒ er clagt habe unde man im gerihte verstanden habe Augsburg. stadtbuch bei Fischer 2, 1357; verstanden recht, versagtes ebd.; Schmeller 2 2, 715. übertragen: nieman sol mir das verstan (verwehren zu glauben) sine möhte mih vor einem iære von sorgen wol erlœset han ob es der schonen willen were minnesinger 1, 92b Bodmer (195 Pfaff). II@D@33) einem übel vorbeugen, es abwehren. die rection ist verschieden. das übel steht im dativ: ahd. din minna unde din irbarmeda ferstánden mih diên úbelen (verwehren mich den übeln, d. i. schützen mich gegen die übel) Notker 2, 45, 12 Piper. nhd. ich bin zu den rayssigen bstelt als ein wachtmeister, woh im feldt im vortheil das läger versehn soll sein, dem ubel zuverstehn, so bestell ich allemahl die wach Fronsperger kriegsbuch 3, 89a. das übel steht im acc.: altsächs. hiet sia god gruotian, gerno biddian that he im thero costondero craft farstôdi unrêðaro willeon Heliand 4741 Behaghel. mhd. si frâgeten (die Juden Jesum) obe ir frîeʒ leben dem künege iht zinses solte geben. do verstuont er wol ir huote unde ir lâge (var. dô brach er in die huote unde al ir lâge) Walther v. d. Vogelweide 11, 23 (133) Lachmann. nhd. also wer auch geschehen fast den Trojaneren mit last, wann Jupiter nicht an der stet die sachen bald verstanden het Spreng Ilias 97a. II@EE. isolierte verwendung. II@E@11) in jüngerer zeit nach bekanntem muster gebildet ist in populärer sprache ein trans. verstehen 'durch langes stehen verbringen, zubringen': die zeit verstehen Campe; Heyne wb.; (er) versteht seine der arbeit zugezählten tage in dem vorzimmer der groszen Sonnenfels 3, 308; i wegen der wäsche, wenn ich mer hier meine zeit versteh', da kann ich doch heite nich fertig wer'n Hauptmann biberpelz 57. II@E@22) auf eine alte bildung weist schweiz. einen platz verstân 'stehend einnehmen' hin (Staub-Tobler 1, 908), dem ein bair. versitzen 'besitzen' (Schmeller 2 2, 348) zur seite steht: ist der platz schon versessen? war alles schon versessen beym wirth vgl. sp. 1344. beiden liegt eine fair-type zu grunde, etwa wie got. fair-aihan, μετέχειν (1. Kor. 10, 21); vgl. germ. abh. 27, 14; 177.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verstehen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verstehen , verb. irreg. S. Adelung Stehen , welches in doppelter Gattung gebraucht wird. i. Als ein Neutrum mit dem Hül…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verstehen

    Goethe-Wörterbuch

    verstehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verstehenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ver-stehen st. : 1. 'hören', ve (r) steh(e), -stehn, -stihn, s. stehen [allg.]. Ich veʳsteh dich net, du muscht e bißje …

  4. Sprichwörter
    Verstehen

    Wander (Sprichwörter)

    Verstehen 1. Aes 'e 't (als er es) balle verstund, da verreckte de Hund, hadde de Buer sagt; dei hadde dem Iesel willt d…

  5. Spezial
    verstehen, unter etwv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    verstehen , v unter etw. понимать , гл что-л. под чем-л.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verstehen

4 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von verstehen

ver- + stehen

verstehen leitet sich vom Lemma stehen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verstehen 2 Komponenten

verst+ehen

verstehen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verstehen als Zweitglied (2 von 2)

Mißverstēhen

Adelung

miss·verstehen

Mißverstēhen , verb. irreg. act. S. Adelung Verstehen , falsch verstehen, einen Fehler in dem Verstehen oder Vernehmen begehen. Mittelw. miß…

mißverstehen

DRW

mißverstehen, v. unrichtig erfassen, falsch auslegen vgl. Mißverstand (II), Mißverständnis (II) 1695 SchweizId. XI 678 Faksimile der satz, d…

Ableitungen von verstehen (2 von 2)

Mißverstēhen

Adelung

Mißverstēhen , verb. irreg. act. S. Adelung Verstehen , falsch verstehen, einen Fehler in dem Verstehen oder Vernehmen begehen. Mittelw. miß…

unverstehen

DWB

unverstehen , n. , nichtverstehen (verstehen I D 1 a ): Jean Paul 11/14, 64 H.; 45/47, 345 H. zu verstehen I D 1 b: ein ewigs u. Kuhlmann kü…