wahrzeichen,
n. kennzeichen, merkmal, anzeichen, vorzeichen, losung u. s. w. II.
herkunft und verbreitung. I@11)
das wort gehört dem hoch- und niederdeutschen an, erscheint aber auf der ältesten sprachstufe in der form wortzeichen,
as. wordtêkan,
ahd. (
seit Notker) wortzeichen: thô wurðun sân aftar thiu thar te Hierusalemjungaron Kristes forðward an ferdi,fundun all sô he sprak wordtêcan wâr:ni was thes giwand ênig.
Heliand 4548; wáʒ íst sî flúhtiga dánne âne wórtzéichen dero chúmftigûn léidegúngo (
indicium future calamitatis)? Notker
Boethius 2, 4 (1, 55, 15
Piper); tû fúrefâhest míh rehto chád si únde dáʒ íst wórtzéichen dînero gniste (
indicium erecte jam resistentisque nature). 4, 8 (1, 238, 3
Piper); zíu íst íro dánne sô nôt zeervárenne díu tóugenen wórtzéichen dero wârhéite (
tectas notas veri)? 5, 16 (1, 324, 5
Piper);
nos autem dicimus argumentum ... wórtzéichin, quíssunga, irréchida, irváreni, cloûblîchi.
de syllogismis 15 (1, 617, 12
Piper);
verbi gratia, ze worzeichen. Steinmeyer - Sievers
gl. 3, 419, 23 (
aus den glossen der Herrad).
im 11.
und 12.
jahrh. scheint das wort sonst nicht vorzukommen und tritt erst in der höfischen epik wieder auf. wordtêkan, wortzeichen
ist wol eigentlich nichts anderes als '
buchstabe' (
wie wordgimerki)
und hat die bedeutung '
anzeichen, merkmal'
durch das verfahren der altgermanischen losung und wahrsagung erhalten, bei der runenzeichen, denen eine bestimmte bedeutung innewohnte, in stäbchen eingeritzt waren. die form warzeichen
läszt sich erst am schlusz des 12.
jahrh. nachweisen, wird aber schon früher bestanden haben, da das gleichbedeutende isländ. jarteikn (
später jartegn, jartein),
das seit dem 11.
jahrh. vorkommt, höchstwahrscheinlich (
als lehnwort aus dem nd.)
darauf zurückgeht. darnach ist weiter anzunehmen, dasz das wort seinen ursprung im nd. hat; mnd. heiszt es warteken Schiller-Lübben 5, 609, wordteken
ist weder bei Schiller-Lübben,
noch in Lübbens
handwb. belegt. auch in den jetzigen nd. dialekten ist es lebendig: warteken Dähnert 539; waurteken Strodtmann 281; waorteiken Danneil 245; wârteiken Schambach 287; wrteken Woeste 316.
im ndl. in der früheren sprache: wairteicken, lijckteicken,
intersignum. Teuthonista 84
d; waerteecken,
indicium veritatis, argumentum, omen. Kilian 646.
aus dem nd. stammt dän. varetegn, vartegn (
neben dem auf früherer entlehnung beruhenden jertegn).
ins hd. ist warzeichen
vielleicht durch Heinrich v. Veldeke
und Eilhart v. Oberge (
deren werke in md. fassung verbreitet waren)
gekommen; beide bedienen sich des wortes: doe liet sî hen sien dat twîch, dat rechte wârteiken (
die hss. warzeichen, B wortzeichen). H. v. Veldeke
Eneit 3131
Behaghel; Tristrant ir ein vingerlîn zu wârzêchene sante daʒ sie vor vil wol irkante, wen sie hâtiʒ im gegebin. Eilhart v. Oberge 6357
Lichtenstein. für Hartmann v. Aue
und Gottfrid v. Straszburg (
bei denen wortzeichen
öfter vorkommt)
läszt sich die form warzeichen
nicht nachweisen, dagegen hat Wolfram v. Eschenbach
sie sicher verwendet (Haupt
zu Erec 1895),
er bringt das wort mit wâr
in zusammenhang und umschreibt es auch durch wârgeleite.
ebenso scheinen auch Rudolf v. Ems
und K. v. Würzburg
das wort aufgefaszt zu haben, nach den folgenden stellen, wo wârzeichen (
bei Haupt wortzeichen)
mit wârheit
in verbindung gebracht wird: mit alsô hêrlîcher kraft wart gefrîget sâ diu stift: daʒ seit diu wârheit und diu schrift diu daʒ wârzeichen (
so die hs. B) treit mit offenlîcher wârheit. R. v. Ems
gute Gerhard 215; geloubet ir der mære niht, sô nemet ir in iuwer pfliht diu rehten wârzeichen (
so die hs.). alsô begunde er reichen Dieterîche dâ zehant einen brief, dar an er vant alles des die wârheit daʒ er im hæte dô geseit. K. v. Würzburg
Engelhard 1373.
demnach scheint wahrzeichen
als höfische form auch ins obd. gekommen zu sein, ohne dasz es ihm gelungen wäre das ältere wortzeichen
ganz zu verdrängen (
vgl. das nd. md. wâpen
neben dem einheimischen wâfen).
die handschriften schwanken im gebrauch der beiden formen sehr. I@22)
wahrscheinlich ist wahrzeichen,
wie Grimm
gramm. 2
2, 456
annimmt, durch umgestaltung aus wortzeichen
entstanden (
vgl. oben sp. 741 etwas nicht wahr haben wollen
für älteres nicht wort haben wollen).
das wort lautete im nd. wol zunächst wartêken (
vgl. die entlehnten isländ. jarteikn
und dän. vartegn,
die nicht wâr-
voraussetzen)
und gehört in seinem 1.
bestandtheil zu war '
aufmerksam', ware '
aufmerksamkeit'
und waren '
in acht nehmen',
also eigentlich '
zeichen zur aufmerksamkeit' (
vgl. oben sp. 992 wahrschau).
dann ist es aber als wârtêken,
hd. wârzeichen
aufgefaszt worden. in der bedeutung tritt der zusammenhang mit wahren
am meisten bei wahrzeichen
als '
losung, signal' (II, 4),
d. i. zeichen, wonach man sich richtet und als '
vorzeichen' (II, 5,
d)
hervor. überwiegend aber faszte man das wort als wahres, d. h. glaubwürdiges zeichen, zeichen der wahrheit (verum indicium
in der lat. rechtssprache),
vgl. oben die stellen aus der mhd. höfischen dichtung, ferner im Reineke vos: se sede ok eyn warteken dar by, dat it encket vorstunt by my, dat it war was alder dynck. 2197.
nicht selten erscheint das wort auch getrennt als wahres zeichen: Paulus der liebe herre mîn mir minen sloier wider gab, den er e truch mit im hin ab, ir muget in blutech schowen. si giengen do mit der vrowen unde sahen daʒ ware zeichen.
passional 192, 21
Hahn; und ob er des nicht tête, ir manunge vorsmête, sô wolde an im sundir wân des gotlîchin zornis ban lîb unde sêle sterbin und êwiclîch vorterbin; und des zu wârin zeichin (
var. warzeichin) sach er sî dâ reichin und langis ûf sich streckin ein wîʒ tûch mit vîr eckin in der wîse glîche, als ûf eine lîche. Nic. v. Jeroschin 19594
Strehlke; worynne die ware schickung tzum tode steh, und in welchen waren zeychen (
var., im text wartzeichen) sie erkendt werde. Staupitz 1, 86
Knaake; und dass wir nicht ferner wahre zeichen suchen, so versichert mich eine gewisse hertzbrechende kinderliebe, die ich stets zu diesem Livius getragen, dass diesem also sey. Gryphius
lustspiele 566
Palm. I@33)
die formen wârzeichen
und wortzeichen
sind im mhd. und z. th. noch im 16.
jahrh. schwer von einander abzugrenzen. da â
in vielen dialekten frühzeitig zu o
wird, kann das häufige worzeichen (
besonders in elsässischen quellen, ferner z. b. weisth. 5, 77.
volksbücher 140, 1
Bachmann-Singer. d. städtechr. 14, 816, 23 [
Köln 1499]. Schade
sat. 3, 209, 4.
schweiz. schausp. 2, 284. Fel. Platter 223
Boos)
für warzeichen
stehen, doch kann es auch (
mit ausfall des t) wortzeichen
entsprechen; die zweifelhaften fälle sind unter wahrzeichen
gestellt, vgl. auch den artikel wortzeichen.
selbst wortzeichen
kann bei der häufigen schreibung tz
für z
auch nach consonanten = warzeichen
sein, so z. b. sehr wahrscheinlich im Kulmischen recht 5, 46
Lemann, den Straszburger zunftordnungen 123
u. ö., Eulenspiegel 121
neudr., Gengenbach 3 (
prosa), 45
Gödeke. andrerseits kann die form wartzeichen,
die in den meisten fällen für warzeichen
steht (
z. b. Ludwigs kreuzfahrt 5289
Hagen. weisth. 3, 452. Eyb
dramen 38, 35
Herrmann. Tristrant 161, 18. 195, 25
Pfaff. Tengler
layensp. 131
a. Luther 9, 757, 36. 15, 135, 23
u. ö. Weim. ausg. Micyllus
Tacitus 191
a),
in bair.-österreichischen quellen, wo oft o
vor r
in a
übergeht, = wortzeichen
zu nehmen sein. im ganzen läszt sich ersehen, dasz im md. warzeichen
durchaus überwiegt, so dasz das daneben erscheinende worzeichen
meist diesem gleichzusetzen ist; es steht z. b. H. v. Freiberg
Tristan 1405.
Elisabeth 1332.
altd. predigten 1, 129, 7
u. ö. Schönbach. Ködiz
leben des h. Ludwig 26, 21. 57, 27.
urkundenb. der stadt Freiberg 2, 88, 24
Ermisch. Purgoldts
rechtsbuch 3, 10
Ortloff. Rothe
düring. chron. 781.
im obd. dagegen, wo wahrzeichen
vermutlich als höfische form eingedrungen ist (
oben 1),
finden wir überall wortzeichen
in gleicher anwendung daneben; wârzeichen
wird von den herausgebern gesetzt Ulr. v. Lichtenstein 254, 8. Ottokar
österr. reimchron. 15462
u. ö. Seemüller. Enikel
weltchron. 10413
Strauch (
an andern stellen wortzeichen);
es steht ferner Schwabensp. 286, 2
Gengler. stadtrecht v. Arau 24, 27
Merz. monum. boica 36, 2, 333.
d. städtechron. 4, 33, 15 (
Augsburg).
fastnachtsp. 330, 17. 1056, 23. Liliencron
hist. volksl. 2, 224, 180 (
Nürnberg 1502). I@44)
auch im älteren nhd. stehen die formen wahrzeichen
und wortzeichen
noch nebeneinander; letzteres steht vorwiegend, aber nicht ausschlieszlich, für '
losung',
wo anlehnung an wort
möglich ist. Diefenbach
gl. 47
c argumentum, warzeichen (
aus dem voc. praed.), 305
b intersignum, worzeichen, wortzeichen, wartzeichen, warzeichen, warezeichen (
auch -zeigen, -zechen), warczeichen der warheit,
nov. gl. 219
b intersignum, wortzaichen, wartzeichen, warezaichen; Dasypodius 237
d symbolum, waarzeychen,
aber 243
c tessera, eyn kriegszeychen, das wortzeychen, die losung oder krey,
tesserarius, der das worzeychen gibt, 461
b wortzeichen,
symbolum; Maaler 485
a warzeichen,
vestigium, signum, symbolum, aber 479
d wachtmeister der den kriegsleüten das heimlich wortzeichen oder die krey gibt,
tesserarius, 506
a wortzeichen, waarzeichen,
tessera; Calepinus 1435
symbolum, ein wahrzeichen; Hulsius 273 warzeichen,
indicio, segno. von den späteren hat Schönsleder Mm 8
b nur wortzaichen,
tessera, symbolum, losung, Dentzler 3, 341
zwar wahrzeichen,
symbolum, signum, aber 351
auch wortzeichen, das wort,
symbolum, signum, wortzeichen auf den thürnen,
specularis significatio. alle andern haben nur wahrzeichen; warzeichen,
saggio, indicio. Krämer 1211
a; wahrzeichen,
symbolum. Stieler 2611; wahrzeichen,
enseigne, signe, marque. Rädlein 1027
a; warzeichen,
marque, indice, caractere. v. wahrzeichen.
ebenda 1030
b; wahrzeichen,
the sign, mark, point or token, to know a thing by. Ludwig 2371;
signum, indicium. Frisch 2, 19
a. Steinbach 2, 1076;
indicium, signum, character. Kirsch 2, 379. Adelung.
in der litteratur kommt wortzeichen
zwar noch im 16.
jahrh. (
bei Pauli, Wickram, Frey
u. a.)
und selbst im 17.
jahrh. (Philander)
vor, doch überwiegt wahrzeichen
bedeutend. es steht nicht nur bei den Mitteldeutschen, vor allem Luther,
auch Schwarzenberg
in der Carolina, sondern auch bei den meisten Oberdeutschen, auszer H. Sachs, Ayrer
z. b. Hedio, Micyllus, Forer, Herolt, Schaidenreiszer, Aventin, Fronsperger, Fischart.
wegen der mehrdeutigen form worzeichen
vgl. oben 3. I@55)
während wahrzeichen
im 16.
jahrh. ein häufiges, in der bedeutung reich entwickeltes wort ist, dessen sich auch Luther
mit vorliebe (
doch nicht in der bibel, abgesehen von der stelle II, 1,
b)
bedient, tritt es in der folgenden zeit mehr zurück. es verschwindet zwar nicht völlig, wie es ja auch von den wörterbüchern weiter angegeben wird, wird aber selten, namentlich in der freieren bedeutung '
anzeichen, merkmal von etwas'. Klopstock, Lessing
und die meisten dichter des 18.
jahrh. scheinen es gar nicht zu gebrauchen, Wieland
hat es zuweilen als '
äuszeres kennzeichen',
wie es in diesem sinn auch sonst gelegentlich im 18.
jahrh. vorkommt. Adelung
definirt es als '
ein sichtliches zeichen, ein ding daran zu erkennen oder von andern zu unterscheiden; nur im gemeinen leben. so nennt man eine warze, ein mahl u. s. f. ein wahrzeichen
eines menschen. auch städte haben ihr wahrzeichen.
in der edleren schreibart gebraucht man dafür kennzeichen, merkmahl
u. s. f.'.
auch Möser (
unten II, 2)
weist wahrzeichen
der volkssprache zu. im anfang des 19.
jahrh. ist das wort aber gerade in der höheren schreibart wieder in aufnahme gekommen als '
kennzeichen, merkmal',
namentlich ein besonders hervortretendes, nach dem man sich richten kann. schon Göthe
verwendet es öfter in diesem sinne und die neuere sprache hat den gebrauch des wortes noch weiter ausgebildet. die umgangssprache kennt es allerdings fast nur in der auch von Adelung
erwähnten bedeutung '
kennzeichen einer stadt'
oder sonst '
äuszeres sichtbares zeichen'.
auch in den hd. mundarten wird es am ersten noch in diesen bedeutungen lebendig sein. die meisten dialekte haben es wol ganz verloren, wie das z. b. Lenz
für das südfränkische bezeugt; doch führt es Schmeller
2 2, 1076
noch aus dem ostfränkischen, Weigand
4 2, 1044
aus der Wetterau an und auch in der Schweiz ist es (
nach freundl. mittheilung A. Bachmanns)
noch an mehreren orten üblich. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) wahrzeichen
ist zunächst ein äuszeres, sichtbares zeichen, das zum nachweis von etwas vorgewiesen werden soll oder kann: ein wahrzeichen haben,
signum aliquod habere. Steinbach 2, 1076; ein wahrzeichen geben,
signum dare. ebenda; es dient zum wahrzeichen,
signo est. ebenda; zum wahrzeichen dienen,
signum esse, zum wahrzeichen haben,
habere aliquid signum. Hederich 2573; das wahrzeichen geben,
signum dare, ostendere. ebenda; die warzeichen weisen,
mostrar i contrasegni. Krämer 2111
a; etwas an warzeichen kennen,
contrasegnar qualche cosa, conoscerla a' contrasegni. ebenda; an dem wahrzeichen kennen,
connoître à la marque. Rondeau. II@1@aa)
in seiner ursprünglichsten bedeutung ist wahrzeichen
ein stück holz oder metall, das mit einem buchstaben oder sonst einer marke versehen ist. im mittelalter wurden solche wahrzeichen
als nachweise z. b. für geleistete abgaben oder einen zu erhebenden anspruch verwendet: swaʒ man viehs treibt ab der Wormleitten oder enhalb Weiding, und der niht warzaichen hat von Khamb oder von ChOestting, daʒ sol er da zollen, als ze Khamb.
monumenta boica 36, 2, 333 (
Straubing, anf. des 14.
jahrh.); wenn er sinen zolle also gerihtet, sollent die zoller ime ein wortzeichen geben zuo dem tor usz.
Straszburger zunftordnungen 123
Brucker; es sollent ouch wortzeichen gemaht und die geben werden den die do wasser tragent; also wann das füre zergt, wer dann ein wortzeichen bringet, do sehe man das der wasser getragen hette und dem gebe man gelt, der kein wortzeichen brehte, dem gebe man nützit. 154; und soll man bestellen, das die zoller an allen thoren underscheidenlich wortzeichen habent, daran so vil stücke gezeichnet stont underscheidenlich als ein fuorman füret. 596; sü söllent ouch grosse worzeichen haben, uff welichen pfennig einre verungeltet, das sü yme dannoch ein worzeichen gebent; also verungeltet einre ein fuoder oder zwei halbe fder uff einen pfenninge, do sol dasselbe worzeichen ein ander gemerke haben dann uf drige heilblinge. Eheberg
verfassungsgesch. der stadt Straszburg 1, 375 (
nach 1400); daʒ sú (
die zoller) kein vas hinweg lossent fúren, sú habent denne worzeichen vor dovon entpfangen, daʒ sú wissent, daʒ sú verzolt sigent.
urkunden zur städt. verfassungsgesch. 281 (
Straszburg 1405)
Keutgen; er (
der aufseher an den bauarbeiten) soll auch mit den warzeichen treulich umbgeen und sehen, dasz kein gefahr da braucht werde, keins ligen lassen und hinweg geben, es seie dan recht und wol verdient.
Schlettstadter stadtrechte 2, 433 (2.
hälfte des 16.
jahrh.)
Gény; ob ainem vich zu schaden geth, derselb mag das vich eintreiben und soll dem des das vich ist das verkünten; der soll dan disem ain warzaichen geben und den schaden laszen beschauen und soll ihm das vich umb das warzaichen auszgeben.
österr. weisth. 6, 57, 45 (
Steiermark 16.
jahrh.); es soll niemant ... one des lantrichters erlaubnus vischen, sondern sich dasselbst jarlich zu Georgi einschreiben lassen und ain warzaichen von im darumben haben. 6, 328, 15 (
Steiermark 17.
jahrh.). II@1@bb)
daran schlieszt sich wahrzeichen
als persönliches abzeichen, insiegel: mit frechen wiganden wil nu er helfe ouch sin berait, von den sig iuch ouch widersait. der suln ir worzaichen (
var. wortzeichen, wartzaichen) sin zwai insigel guldin, diu sú iu baide hant gesant. Rudolf v. Ems
Willehalm 10645
Junk; wir verbieten auch vestichlich, daʒ dehain rihter noch amptman dehain insigel betschat oder worzaichen noch dehainen neuen aufsatz aufsetze.
die rechte u. freiheiten der stadt Wien 1, 73 (1296)
Tomaschek; und sahe einen andern engel auffsteigen von der sonnen auffgang, der hatte das warzeichen des lebendigen gottes.
offenb. Joh. 7, 2 (
seit 1541 siegel,
gr. σφραγῖδα,
vulg. signum).
die bedeutung wird auch durch die folgenden stellen vorausgesetzt: der brief niht insigels truoc: er schreib in sus erkant genuoc mit wârzeichen ungelogen. W. v. Eschenbach
Parzival 626, 11; Feirefîʒ Gahmuretes kint nam tincten unde permint. sîn schrift wârzeichens niht verdarp: ich wæne ie brief sô vil erwarp. 785, 29. II@1@cc)
sehr häufig ist wahrzeichen
als '
zur beglaubigung vorgewiesener ring' (
der mit dem abzeichen des besitzers versehen ist): warzeichen, ring der ein zeichen ist eines dings,
symbolum. Maaler 385
a; dâ mit daʒ si iu hât gesant ab ir vil linden wîʒen hant bî mir ein kleineʒ vingerlîn: daʒ sol ir lieb wârzeichen sî
n. Ulrich v. Lichtenstein 254, 8; er sprach (
zum boten) ... 'ditz wârzeichen gip im in die hant, dâ bî wirt eʒ im wol erkant.' Enikel
weltchronik 10413
Strauch; die alt kupplerin spricht: ach, sol ich kein warzeichen han, dasz ich ir möge zeygen disz, dasz sie sey ewer lieb gewisz, nach der sie so hitzig sey ringen?
der thumbherr zeucht ein ringlein vom hertzfinger und spricht: so thu ihr dises ringlein bringen. H. Sachs 17, 68, 26
Keller-Götze; sich diʒ vingerlin dar inne gegraben ist daʒ lamp gotis ... daʒ sal dir ein warzeichen si, bi weme ich dir daʒ sende, dem saltu genzlich gloubin waʒ he wirbit von miner wegin. Ködiz
leben des h. Ludwig 57, 27
Rückert. daran schlieszen sich wendungen wie zum wahrzeichen geben,
wo wahrzeichen (
namentlich wenn sich ein genetiv anschlieszt)
auch abstract als '
beglaubigung'
genommen werden kann: da namen die Sarracin von irn henden tzwei vingerlin, dem boten gaben sie die uf ein wartzeichen.
Ludwigs kreuzfahrt 5289
Hagen; ein jung man thut in lieb verderben, dem ir sein hertz gar habt besessen, mag weder schlaffn, trincken noch essen. zu eim warzeichen solcher ding schickt er euch disen gülden ring. H. Sachs 17, 70, 27
Keller-Götze; nym hin disen ring, und bring den der künigin zuo wartzeichen meiner zuokunfft.
Tristrant 161, 18
Pfaff; auch bring ir disen ring zuo wartzeichen. 195, 25; sie ... stälte sich mit sehr ernsthaftigen gebährden als wan sie ihr ingeheim die grosze libe, die ihr bruder Kleomedes zu ihr trüge, vertrauen wolte. dessen zum gewissen wahrzeichen, fuhr si fort, hat er mich gebäten disen diamantring zu tragen. Zesen
Sofonisbe 35; wollen e. str. ihren ring dem hauszschencken zum warzeichen schicken, er wird gern einen trunck salbeywein anhero schicken. Schupp
schriften 109. II@1@dd)
auch anderes, woran man eine person kennt, ein brief mit der unterschrift, handschuhe, handspiegel u. dgl. kann als wahrzeichen
dienen: der knappe sîn warzeichen und sîne brieve reichen begonde dem herren in die hant. der wol gelêrte Tristant an den brieven selber las, daʒ alle die rede wâr was, die der knappe het gesaget. Heinrich v. Freiberg
Tristan 1405
Bechstein; 'ja' sprach der furste wolgetan, 'du salt ein warzeichen han, daʒ si der rede gloube dir unde ouch erkenne min begir, wie unser zweier sache lit'. er greif in sinen bursit, er gap im einen spiegel dar.
Elisabeth 1332
Rieger; 'herre min, muste ich or di botschaft sage?' 'ja', sprach der herre, 'daʒ saltu tun unde brenge ir ein warzeichin daʒ ich dir gebe dar zu'. her zoch uʒ sinem butel ein zwefachin spigel. Ködiz
leben des h. Ludwig 26, 21
Rückert. zum wahrzeichen geben
u. dgl.: szo sal der konnig seine hantschuoch zu warzceichen darsenden, darmete man bewieszet, das es sein wille sey. Purgoldts
rechtsbuch 3, 10
Ortloff; gont hin balde zuo des burgers hus und sprechent zu sinre frowen, daʒ sü irme meister sende daʒ silber daʒ im der koufman gab zuo haltende, und daʒ sü daran keinen zwivel habe, so gent ir irs meisters eser (
tasche) zuo worzeichen. Closener,
d. städtechron. 8, 54, 33. II@1@ee) wahrzeichen
kann auch eine marke sein, die einem menschen oder thier aufgedrückt wird: man wil ime (
dem fremden) worzeichen an sin kleider trucken durch das, das man wisse, daʒ ime herin erlöbet ist. Eheberg
verfassungsgesch. der stadt Straszburg 1, 362 (
um 1400); ein wahrzeichen aufsetzen,
mettre une marque. Rondeau; etwas mit einem bekannten wahrzeichen bemerken,
insigni et nota re aliquid notare. Nieremberger; das vieh mit einem wahrzeichen bemerken,
imprimere signum pecori. ebenda. II@1@ff)
etwas anders ist wahrzeichen
zu nehmen, wenn es durch seine beschaffenheit auf eine sache, die nachgewiesen werden soll, hindeutet, also probe, rest von etwas: lege auch die frawe kyndes inne, so sal der amptman dem hune das heupt abbrechen und sal der frauwe das hun geben, und sal er das heupt mit ime heym füeren syme herren zum warzeichen.
weisth. 1, 535 (
Rheingau 1324); und ob wAer, das der hirt ein houpt vich iemant verlur, das sol der hirt bezalen; wen er aber in dry tagen bringt warzeichen, nämlich zopf oder zagel von dem selben vich, so sol er ... ledig sin uss der ursach, das man dan ... verstan mag, das sOelich vich von den wolfen umkomen und verlorn ist.
stadtrecht von Brugg 91, 50 (
um 1505)
Merz; bald ihrs bringt in den wald herab, so schneidt dem kind die kelen ab! bringt uns zu warzeichen heimwertz mit euch des jungen kindes hertz! H. Sachs 12, 94, 19
Keller; mags sein, doch müssen wir dem Golo sagen, dasz wir sie umgebracht; und wie solls werden? befahl er nicht, wahrzeichen mitzubringen, die augen und die zunge? Tieck 2, 195 (
Genoveva); mit austrüklichem befähl, dasz man sie tödten solte, und ihr ein wahrzeichen, dasz solches gewis geschähen wäre, mitbringen. Zesen
Sofonisbe 174; da rief sie einen jäger und sprach 'bring das kind hinaus in den wald, ich wills nicht mehr vor meinen augen sehen. dort sollst dus tödten, und mir lunge und leber zum wahrzeichen mitbringen. Grimm
märchen (1843) 1, 315; kompt dan der forster und brengt eyn wartzeichen von stock und von stain.
weisth. 3, 542 (
Franken 14.
jahrh.).
namentlich im bergwesen: wahrzeichen, fundwahrzeichen, fundstufe, am fundpunkte der entdeckten lagerstätte abgehauenes stück mineral. Dannenberg
u. Frantz
bergmänn. wb. 431. Veith
bergwb. 551; der ... bergrichter soll es (
das bergwerk) dem leihen, der es am ersten gefunden und geöffnet hat, doch dasz derselbe ... ein warzeichen von der kluft bringe, und mit dem lehen zu begehren und auszubitten über drey tage nicht verziehe.
ungar. bergordnung von 1575,
corpus juris metallici 176
Wagner; bey vermessen der zechen soll ... der hoffmeister den geschwornen einfahren, und den gang, darauff maasen begehret werden, behauen, wahrzeichen von anbrüchen herausbringen. Span
bergrechtsspiegel (
Dresden 1698) 258; die verleihungsgesuche müssen ... mit einem wahrzeichen des gemachten aufschlusses belegt sein.
allg. österreichisches berggesetz vom 23.
mai 1854 § 49
bei Veith
a. a. o. II@1@gg)
in der alten rechtssprache ist wahrzeichen
als '
vorzuweisendes zeichen'
in mehreren bedeutungen zu finden. II@1@g@aα)
als symbol des besitzrechtes oder der besitzübergabe: und alse er danne ze solichem hobe gewiset ist, hat eme der schultheisze zu solichem hobe mit rechte geholfen und eme sin warzeichen von solichem hobe gegeben und hat auch der genant Heinrich sölichen hob jar und dag in pfandwise inne gehat und hat auch sin warzeichen von dem hobe in demselben jare zu allen ungeboten dingen erzeiget. Kuchenbeck 3, 100 (1350)
nach Grimm
rechtsalterthümer4 1, 154; in massen er der doctor auch alsbald alle schlüssel von solchem hoffe und hausz von obged. meyern ... gefordert, zu sich genommen, hinwiederumb dem fiscal zu unzweifflichen wahrzeichen realis et verae traditae possessionis signo hinwiderumb zugestellet.
urkunde von 1595
bei Haltaus 2031; symbolische übergebung, oder übergebung durch ein zeichen,
traditio symbolica, ist, da durch überreichung eines wahrzeichens die dadurch angedeutete sache selbst übergeben wird, z. e. wenn ich einem andern die schlüssel zum hause, küsten
etc. übergebe. Zedler 48, 622. II@1@g@bβ)
als symbol der rechtlichen inanspruchnahme: und wär, das ain waibel ainen armen man ze hus und ze hof nit fundi, so er die höf wölt kúnden, so sol ain waibel in des biderben mans hof ainen stain umb keren zuo ainem wǎrzaichen, das er da gewesen sig, und damit sol dem man verkúnt sin.
weisth. 4, 497 (
Schwarzwald 14.
jahrh.); weler ouch das recht liden soll um erb old um eigen, dem soll man fürgebieten ze hus und ze hof ald under ougen; were aber, daʒ er sich also verseit, so soll des gotzhus bot ein worzeichen us desselben hus bistell bringen. 5, 77 (
Muri 1413); darumb ist im rechten fürsehen, wo ainer vermaint, er wöll von neüem yemandts überbauwen, so mag im solch neüw gebeüw mit verbott erniderlegen. also das der beschwärt selbs an den enden desselben neüwen baw müntlich oder mitt warzaichen, das man etlich holtz, stain, mesz, werckzeüg oder anders offentlich davon nimpt oder durch den richter ferrer zuo bauwen verbieten lassen. Tengler
layensp. 96
b; welicher inhaber jemands in seinen obspaum, wein und wurzgarten, oder andern eingezeunten guetern, am schaden betrit, der mag dieselben person aignes gewalts fencklich annemen, und dem gericht uberantworten, oder aber ain pfandt zu ainem wartzaichen neMen, und dem gericht anzaigen.
kärnt. landgerichtsordnung von 1578
art. 12
bei Haltaus 2031. II@1@g@gγ)
als zeichen einer missethat, corpus delicti: wo sy ain namhaffte unhold und schuldig, so wären villeicht etlich instrument oder wartzaichen (
in der behausung) ... zu erfinden. Tengler
layensp. 131
a; wo auch der anclager freund, zeugen, wartzaichen oder schub der ubeltat het, mag er mit im nemen. 204
a bei Haltaus 2031; dasz alsz vor einem jahr 25 stösz büchenholtz ... mit schwerem costen machen lassen, und mir davon über 3 gantze stösz ... gestohlen worden, mein knecht aber mein zeichen und no. auf des schultheiszen ... sohns wagen gefunden und zum warzeichen dasselbe scheid holtz worauf solches gestanden ihme schultheiszen nacher haus getragen. Buri
vorrechte der bannforste, urkunden s. 139 (
Frankfurt 1687); wie ein frau oder junkfrau weisen soll, die ihrer ehrn beraubt ist? dieselb soll von stund an clagen und wahrzaichen weisen dem negsten da sie zuekombt.
österr. weisth. 1, 235, 2 (17.
jahrh.); daʒ desz ersten der ring an vier orten uffdon und dem todtschleger sich umb den todtschlag, so er an
N., desz warzeichen zegegen ligent, begangen, zeverantwurtten durch den weybel gerüefft werden solle.
stadtrecht von Bern 1, 281, 23
Welti; een liiflik warteken hiesz, in allen peinlichen gerichten über todtschlag, die rechte hand des erschlagenen, die von dem todten körper abgelöset und vom kläger ins gericht gebracht ward, seine klage darauf zu gründen. Dähnert 539; wiltu mich (
sagt das weib) auch ermörden than, wie du ermördst den gestring man? der hecker sprach: thust mich anliegen. sie sprach: herr pfleger, unter der stiegen liegt er zu warzeichen begraben. sucht! so werdt ir die warheit haben. H. Sachs 9, 334, 35
Keller; da sprach der älteste 'wir haben den kaufmann nicht getödtet, der mörder steht da im kreisz' und deutet auf den wirth, 'zum wahrzeichen geht hin in seinen keller, da hängen noch viele andere, die er ums leben gebracht'. Grimm
märchen (1843) 2, 196. II@22)
an 1,
a schlieszt sich an wahrzeichen
als '
denkzettel',
der den besitzer an etwas erinnern soll. so noch jetzt in nd. mundarten: wârteiken Schambach 287, waorteiken Danneil 245,
auch übertragen: dek wil ek en wârteiken gêwen.
dahin gehört die redensart des schäfers wahrzeichen,
die H. Sachs 21, 325
Keller-Götze in einem schwank erläutert: einem auf die Frankfurter messe reisenden krämer, der viele aufträge einzukaufen erhalten hatte, werden auf dem wasser alle denkzettel in den Main geweht, nur das mit einem thaler beschwerte wahrzeichen
eines schäfers nicht; der apt von Fulden ... wollt auch was durch disen schalksnarren beim kaiser verrichten, gab im aber des scheffers warzaichen nit darbei.
Zimmerische chron. 2, 217, 15; die waren zwar willig und mangelt an irem bereiten willen nichts, denn allein des schäffers warzeichen, das ist, das kein gelt vorhanden war. Kirchhof
wendunmuth 3, 54
Österley. auch des schäfers wortzeichen: gedenck, daʒ du nit mer kommest in mein hausz, du bringest dann des schäfers wortzaichen. A. v. Eyb
dramen 94, 7
Hermann. allgemeiner '
erinnerungszeichen': meiner meinung nach hatten dieselben (
unsere vorfahren) bei allen ihren sogenannten abergläubischen ideen keine andere absicht, als gewissen wahrheiten ein zeichen (was noch jetzt seinen eigenen namen in der volkssprache hat: wahrzeichen) aufzudrücken, wobei man sich ihrer erinnern sollte, so wie sie dem schlüssel ein stück holz anknüpften, um ihn nicht zu verlieren. Möser
bei Göthe 45, 297; rollte sie (
die haare) in ein papier und reichte sie dem ritter gleichsam scherzweise als ein wahrzeichen hin, sich dabey des abenteuers im zauberwalde zu erinnern. Musäus
volksmährchen 1 (1804), 52; und als ich drauf mich bückte, um die (
im gefecht abgehauenen) finger von der erde zum wahrzeichen aufzuheben. Gökingk 3, 139; wahrzeichen liesz jedweder zurück von dem gefechte, hier lag des königs fusz — dort lag Waltharis rechte, dort zuckte Hagens aug'. Scheffel
Ekkehard 423 (
Waltharilied). II@33) wahrzeichen
kann auch nur ein äuszeres zeichen sein, das eine person oder sache kennzeichnen und sie von anderen unterscheiden soll. II@3@aa) wahrzeichen ... besonders die früher vor numerirung der häuser allgemein üblichen, die benennung des hauses anzeigenden bildwerke. Müller
u. Mothes
archäol. wb. 974
a. II@3@bb) warzeichen. die künstler pflegen ihrer arbeit ein geheimes merckmahl, an dem orte, wo es die kunst-verständigen alleine suchen, einzudrucken. Adrian Beier
handwerckslex. (1722) 467
a. Zedler 52, 1064. II@3@cc)
im 16.
jahrh. wird wahrzeichen
für hieroglyphen gebraucht: J. Herold, bildschrift oder entworffne wharzeichen dero die uhralten Ägyptier ... gepraucht habend. (
titel.) II@3@dd)
in der wappenkunde das wappen und die devise auf dem ritterschilde. Krünitz 232, 559: der fuort in einem gelben velde einen wurm, der was swarz, als ein geliutert harz; der was ûf von unden umb einander gewunden. bî dem wârzeichen mugt ir wol erreichen, wer der selbe wære. Ottokar
österr. reimchron. 15977
Seemüller. II@3@ee)
fahnen und andre abzeichen, zeichen an der kleidung u. dgl.: der warzaichen in der kriegstuben (
Nürnbergs) henchen, di dorften sich zbar der schand nit riemen. Liliencron
hist. volksl. 2, 224, 180 (1502); als Nortimur das panier von Persien vorrücken hiesz. die völker kannten das wahrzeichen. Haller
Usong (1783) 281; die fahnen und wimpel, die wappen der fürsten und wahrzeichen der städte noch alle bunt an den wänden (
der festhalle). Gutzkow
aus der zeit und dem leben 112; hasz, undanck, gesetzlosigkeit, eroberungssucht, neid, rachbegierde und andere derer vielfältigen eigenschafften, durch welche die götter der erde die von dem allerhöchsten ihnen verliehene wahrzeichen und würde entehren.
F. C. Moser
beherzigungen (1761) 258; er risz seine oberkleider entwey, und zeigte dem unterkönig den gelben gürtel, das wahrzeichen des kaiserlichen geblütes, das er niemals abgelegt hatte. Haller
Usong (1783) 22; wie sie ... die namen, wahrzeichen und geschäfte der neun jungfrauen (
der Musen) sich einzuprägen versucht haben. E. Curtius
alterthum u. gegenwart 95; es ist nicht genug, in dem guten glauben zu stehen, man liebe den liberalismus und führe seine sache; es musz auch in wahrheit der fall sein ..; hier geht es nicht nach cocarden und wahrzeichen, sondern nach der mühseligen, nie fertigen arbeit des begreifens. Ruge
2 2, 283; und hybey zu eyme warzeychen und irkentnisz sal uns (
l. unser) iglicher der ritter eyn guldyn, und der knecht eynen sylbernen lewen an yme tragen.
bündnisvertrag von 1379
bei Haltaus 2031;
meister Klotz-George. sonderlich wäre rathsam wegen schwangerer weiber, dasz ihr nur bald anfänglich sagtet, ihr wäret kein rechter löwe, sondern nur meister Klipperling der schreiner.
Pickelhäring. und zum wahr-zeichen lasset das schurtzfell durch die löwen-haut hervor schlenckern. A. Gryphius (1698) 1, 721 (
P. Squenz 1).
äuszeres kennzeichen eines gegenstandes: auf dem einen (
brief) war eine hirnlose marke, auf dem andern das petschaft des Michelangelo gedrückt. ich griff nach dem wahrzeichen des ersten, der mir eine wortreiche bitte entwickelte ... v. Thümmel
reise 8, 23 (1803). II@3@ff)
körperliche kennzeichen, namentlich entstellungen, verletzungen: II@3@f@aα) der eine hieʒ Uolrich, er was lanc und niht kleine, er hanc an einem beine — waʒ hulf, ob ich lanc zalt des andern gestalt und mit wârzeichen mæʒe: eʒ was der truchsæʒe genant von Lengenbach ... Ottokar
österr. reimchron. 55273
Seemüller. II@3@f@bβ) swa man ein seckelsnider begrifet an der hantgetat ... uber den sol man also rihten daʒ man im den gerehten dumen sol abeslahen. ... vindet man aber diu worzeichen an im, daʒ er erremals umbe die selben schulde gemercket ist, swie vil des gutes danne si ... so sol man in drumbe hencken.
Augsburger stadtbuch 55
Meyer; waʒ sunst gesellen do waren, den schneid man usz ieder hand 2 finger zu ainem worzaichen irer boshait.
Augsburger chronik, d. städtechron. 4, 33, 15. II@3@f@gγ) die Valben zuo drungen: si begunden in reichen solhiu wârzeichen, daʒ man in muoste jehen, si heten vînt an gesehen und wæren in nâhen bî gewesen. Ottokar
österr. reimchron. 15462
Seemüller; stöst sie mihr den orth des beils oben in das vorhaupt. das warzeichen ist vorhanden, bleibt auch woll so lange, als ich in dissem sterblichen lebende bleibe. Sastrow 1, 57; dann mich die bauren halb zu todt geschlagen, wie man dann die wahrzaichen von den kolmen und stecken noch heutiges tags in meinem kopf sihet.
Bacchusia 356; dies ward nun ihr verräther-lohn: ausm graben thäten sie aufston mit lahmen arm und beinen. zum wahrzeichen sie's tragen nun, dasz sies nicht können verneinen. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 5, 22. II@3@f@dδ) so aber der umbkreysz des poppels (
der pupille) hAerdt und grob wirt, last es gewonlich allemal eyn bOesz wortzeychen oder eyn mal hinder im, ja auch nach der heilunge.
Celsus von Khüffner 1531. 91
a; '
eine warze, ein mal'. Adelung. II@3@gg)
ein an einer örtlichkeit angebrachtes oder wahrzunehmendes schaustück, das symbolische bedeutung hat oder auch nur das andenken an etwas wach halten soll: er (
der könig) hete ê genomen solhe râch an den Flæmingen, daʒ er mit êren möhte bringen hin heim und gereichen siges wârzeîchen. Ottokar
österr. reimchron. 64917
Seemüller; hiebey solle billich des grossen eysenen nagels, welcher an diesem heiligen ort (
Inchenhofen) das bewuszte kenn- und wahrzeichen ist, ... nicht vergessen werden. Martinus
synopsis miraculorum (1659)
bei Panzer
beitr. z. deutschen mythologie 2, 25; das müszte er sich gefallen lassen, dasz er nach seinem tode ausgestopft, und zum wahrzeichen auf die universitätsbibliothek gesetzt würde. Rabener 3 (1752), 169; ein goldner hahn auf einer eisenstange steht aber noch jetzt zum wahrzeichen auf der (
Sachsenhäuser) brücke (
wo ein hahn vom teufel zerrissen wurde). Grimm
sagen2 1, 234; setzte er sich mit Heunisch auf die bank vor dem gelben hirsch, dicht unter eines der enden des gewaltigen geweihes, das über der thür als wahrzeichen ... hing. Gutzkow
ritter vom geist2 2, 280; sie gab ihm das geringelte panzerhemd und den schild des erschlagenen Hunnenführers mit, auf dasz es in der klosterkirche aufgehängt werde als ewiges wahrzeichen. Scheffel
Ekkeh. 223.
besonders werden die Rolande in den norddeutschen städten wahrzeichen
genannt. II@3@hh)
jede stadt hatte früher dergleichen schaustücke und sie pflegten von den reisenden, namentlich den handwerksburschen, aufgesucht zu werden. in der bedeutung '
merkwürdigkeit einer stadt',
auf die Adelung
und Kindleben
studentenlex. 209
neudr. aufmerksam machen, ist wahrzeichen
besonders allgemein geworden: es hat S. Peterskirchen ain haubtthor, so grosz und von lauter gloggenspeisz gegoszen mit schönen historien, darinn das warzaichen der statt gezaigt wiert, so ain aihörnlain auf aim baum und ain binen vor aim binenstockh ist. Ernstinger
raisbuch 88
Walther; mitten in der seulen (
im Augsburger rathaus) wiert gezaigt ain weiszer lew, so in dem märmlstain von natur also eingewachsen und hernach etwas böszer formiert worden, welcher für das warzaichen der statt gehalten wiert. 122; gieng darauf ... als wir zu vorhero die schiffer-gesellschafft besuchet, und aus dieser stadt wahrzeichen, dem stürtze-becher, getruncken, auch den thum, allwo der esel auf der sackpfeiffen bläset, und viel anders mehr, besehen, mit einem Magdeburgischen land-kutscher des abends noch aus Hamburg. Hesse
ostindische reisebeschr. (1687) 351; derselben (
der Magdeburger domkirche) wahrzeichen bestunden unter andern darinnen: als (1.) ist zu sehen käyser Ottens und dessen gemahlin begräbnisz. (2) die leiter, auf welcher unser heyland und seligmacher Christus Jesus, vom creutz soll seyn abgenommen worden.
ebenda; statt Tasso's gefängnisz zeigen sie einen holzstall. ... es kommt mir vor, wie doctor Luthers dintenkleks, den der castellan ... wieder auffrischt. die meisten reisenden haben doch etwas handwerkspurschenartiges und sehen sich gern nach solchen wahrzeichen um. Göthe 27, 158 (
ital. reise 1); nachdem Euripides die wahrzeichen von Abdera sämmtlich in augenschein genommen hatte. Wieland 19, 343 (
Abderiten 3, 10); dasz ich ... in mein vaterland zurückgegangen wäre, ohne an diesz wahrzeichen der stadt (
das grab der Laura in Avignon) zu denken. v. Thümmel
reise 2 (1794), 145; die alte sitte, dasz der wandersmann die sogenannten wahrzeichen der städte behalten muszte. Jahn
volksthum 445; (
ein handwerker erzählt von seiner wanderzeit) die verschiedenen wahrzeichen in den städten sind mir immer lieber gewesen, um die du dich fast nie bekümmert hast. Tieck
novellen (1854) 12, 26 (
der junge tischlerm.); besprach er in heiterem ton meine reise, die städte, welche ich sehen würde, die wahrzeichen derselben, die ich besichtigen solle, und nannte mehrere, wie die handwerksburschen auf der wanderschaft sie sich zu überliefern pflegen, hier einen steinernen mann, dort einen schiefen turm, anderswo einen hölzernen affen am rathaus. G. Keller 2, 128 (
gr. Heinrich); und ihr, um euren jungen fürsten, Coburger! schwenket hochgesinnt die spiesze mit den bratewürsten, die unsrer stadt wahrzeichen sind. Rückert
ges. ged. 4, 257; doch nun gleich der stadt wahrzeichen gieng ich zu besehn, ... sah ich an der rathhaus-einfurt ausgehaun in stein das geschöpf, von dem du Schweinfurt sollst benamet seyn. 4, 284. II@3@ii)
etwas abweichend ist die verwendung des wortes, wenn es für etwas sichtbares steht, das besonders die blicke auf sich zieht (
das wort ist hier unter einflusz von gewahren, wahrnehmen
u. s. w. geraten): also gab er Noe den regenbogen zu ainem warzaichen. Luther 10, 3, 142, 3
Weim. ausg.; der thurm lag etwas erhöht und war gewissermaszen das wahrzeichen des ortes. Gutzkow
ritter vom geist2 2, 17; zwei pappeln, die am fusz des hügels standen, von dem ein altmodisches groszes gebäude herniederschaute, kündeten sich wie wahrzeichen unter dem sonst niederen gehölze
an. Auerbach
neues leben 1, 119; 'sie müssen sich irren', erwiderte ich, 'der niedrige thurm kann in solcher entfernung noch nicht sichtbar sein.' 'niedrig!' rief der alte fast unwillig, 'der thurm hat seit jahrhunderten auf viele meilen in die see hinaus den schiffern zum wahrzeichen gedient!' Storm
werke 2, 29 (
in St. Jürgen); vor uns .. streckt der riese des alten Roms, das wahrzeichen der imperatorenweltstadt, das kolosseum, seinen torso in die luft. Stahr
ein jahr in Italien2 1, 148.
auch gern in übertragener bedeutung, etwas das man vor augen hat: drum, dasz dem muthe sein wahrzeichen nicht, der ehre nicht ihr freudig wimpel fehle, hab' ich anstatt der fahnen, die im kampf zerrissen wurden und in euern kirchen jetzt aufgehängt sind, diese neuen hier geweihet. Uhland
Ludwig d. B. 1; er betrachtet das wahrzeichen, das ich errichtet (
Göthe's farbenlehre), als einen gränzstein zwischen der tag- und nachtseite, von wo aus jeder nun nach belieben zu einer oder der andern region seinen weg einschlagen könne. Göthe 60, 121 (
nachtr. z. farbenl.); wie lebhaft seine (
Arndts) rede die gemüther ergriff, und welch festes wahrzeichen für verwandte gesinnung namentlich sein 'geist der zeit' im deutschen boden einschlug. Varnhagen
denkw. 6, 363. II@3@kk)
damit berührt sich die ebenfalls in der neueren sprache häufige bedeutung: etwas äuszeres, sichtbares, das symbolisch auf bestimmte verhältnisse hindeutet: wo hat doch ein geringes werkzeug solche macht entfaltet, wo ist es so sehr das wahrzeichen und der ideale mittelpunkt eines reich entfalteten volkslebens geworden, wie die leier bei den Hellenen. E. Curtius
alterthum u. gegenwart 153; war sie (
die siegessäule) nicht ein wahrzeichen der pflicht, die tausende und tausende in den tod geführt? Ompteda
drohnen 190; so möge denn das gotteshaus ... ein denkmal werden der göttlichen treue ... und das wahrzeichen eines immer erneuten protestes gegen jede verleugnung der reformatorischen grundsätze. Rogge
bei Flathe
deutsche reden 2, 671. II@3@ll)
eine besondere bedeutung ist die von spur, anzeichen einer sache, die früher da war: warzeichen, verlaszne anzeigung,
vestigium. Maaler 485
a; das eingedruckte wahrzeichen des fusses, des nagels
etc.,
the print of the foot, nail, the mark imprinted by the foot, by the nail. Ludwig 2371; do Christus der herr für seinen jüngern gen hemmel gefahren, wüe dann noch zum wahrzeichen ein weüsser marmor gesehen, dorinnen der fuesstapfen eines rechten fues. Kiechel
reisen 302
Haszler; dasz das pferd mit einem fusse auf diesen felsen gesprungen, und mit dem huff-eisen dieses wahr-zeichen eingeschlagen habe. Behrens
Hercynia curiosa (1703) 130; vor zeiten ... was daselbst (
zu Deuz) ein grosse veste statt, jetzt aber ists ein dorf, man sicht auch noch warzeichen einer alten maur doselbst, welche von den lantleuten in grossen êren gehalten worden umb des alters willen. Aventin
werke 1, 333, 4
Lexer; sollen noch warzeichen (
einer alten stadt) vorhanden sein. 1, 334, 13; es ist bey der Römer zeyt ein herrlicher platz gewesen, wie desz noch etlich alte gebrochen mauren und andere römische monimente oder warzeichen guote anzeigung geben. Stumpf
chron. (1606) 432
b; und hat man in einigen bergstädten, die im dichten wald erbauet worden, zum wahrzeichen einen grossen abgehauenen stock übrig stehen lassen, dannenhero auch der bergort Eibenstock soll benennet seyn. Ch. Lehmann
Oberertzgebirge (1699) 176; demnach fälleten wir etliche bäume, zersägten dieselben, und rammelten ziemlich grosse plöcke um die gegend in den flusz, wo wir die wahrzeichen des dammes unserer vorfahren mit grossen freuden wahrgenommen hatten. Schnabel
insel Felsenburg 1, 147
neudr. II@3@mm)
auch spur einer sache, die nicht völlig ausgebildet ist: (
die affen) tragend kein schwantz ... wol ist war, der aff hat ein klein warzeichen eins schwantz, desse man doch nit acht nimpt. Forer
thierb. 1
b; das haupt (
des alrauns) ist ohnauszgebildet und länglich, hatt die wahrzeichen der augen und des mundes.
Simpl. schriften 4, 280, 1
Kurz (
galgen-männlin 4). II@44)
nur der älteren sprache gehört an wahrzeichen
als ein zeichen durch worte, gebärden, töne, signale, das zur mittheilung oder verständigung dient. II@4@aa) die yszengraber sollen den andern munczmeistern also Sangerhusen und Zwigkaw ysen graben und fertigen, wenne yn des not ist, und uff ein nemlich warzceichen, das yn iglicher munczmeister zuschriben sal, die gegraben iszen verpetschafft senden.
urkundenbuch der st. Freiberg 2, 88, 24
Ermisch; (
die vom bundschuh) ratschlagten ouch witer von dem wortzeichen, so einer zuo dem andern käm, und was das wortzeichen: guoter gesell was ist din wesen, der arman mag nümme genesen. Gengenbach 3 (
prosa), 45
Gödeke. namentlich militärisch, die parole, losung (
in dem ersten beleg wird das wahrzeichen
von der losung
unterschieden, während es in dem letzten auch für die krey,
d. h. das feldgeschrei, steht, vgl. auch oben I, 4
die stellen aus Dasypodius
und Maaler); bestellung desz sturms czum Saczk (
in Pommern) ... der heilig ritter sandt Jorg soll sein die lossung, die muter gotz das heimlich worczaichen, die crewcz das zaichen und darczu aichin-laub.
geschichtsquellen des geschlechts von Borcke 2, 215 (1478); und hat der Nero auch dem hauptmann .., als er zuo im kam, und noch brauch und gewonheyt des legers eyn losantz oder wartzeychen (
signum) von im begert, disz wort zuor losantz geben, optime matris. Micyllus
Tacitus (1535) 194
a; also namen die galleen das warzaichen und allen beschayd, gesegneten uns und furen etwas auf die linckh hand weyt von uns hindan.
itinerarium in das heil. land (16.
jahrh.),
zeitschr. für deutsch philologie 25, 208; gleicher gestalt sollen auch solcher zwey schiff hinder dem hauffen den nachzug haben, und doch nicht gar zu weit vom hauffen bleiben, das sie einander im gesicht mögen behalten und warzeichen oder losung einander können geben. Fronsperger
kriegsb. 1, 206
a (1573); und was ir (
der christen) worczeychen: Jhesus monschoye, aber der heiden worczeichen oder kryd was: Machmet und Terwigand, unser dienst sey uch bekant.
volksbücher 140, 1
Bachmann-Singer. II@4@bb) so sott gar gschwindt ins fenster ston im (
dem buhlen) wincken und worzeichen gn heimlich, das niemans mög vernAen.
schweiz. schausp. 2, 284 (Boltz
weltspiegel 4325); darauff sagt der künig, du thuost inen nit recht, aber dieweil du wilt die warhait zuo sagen bezwungen und gemartert sein, gab damit seinen dinern ein warzeichen (
ἐσήμαινε τοῖσι δορυφόροισι) den hirten zuo fahen. Boner
Herodot 23
b; er .. nam ein ander weib, doruff folgt nun, das er ihr (
der wasserfrau) die gelübdnisz brach, drumb sie ihm auff der hochzeit das warzeychen gab durch die büne, auff sein tisch, bey ihrem schenckel, und also am dritten tag todt war. Paracelsus (1590) 9, 69. II@4@cc) ir herren, ich kam eins an ein end und gab meim puolen zuo verstend durch ein warzeichen, das ich es wer.
fastnachtsp. 330, 17; und sol ouch zuo denselben ziten, so die geswornen also durch die metzige gont und hüten wellent, niemans klopfen noch kein ander wortzeigen geben daʒ sie do sint, domite ir keinre möhte gewarnet werden.
Straszburger zunftordnungen 356
Brucker; er legt sich mit seinen knechten auf das negst in einen tiefen graben, wartende, bis der Grison kem oder warzeichen gebe, der sie sich vereint, wen ein katz auf der mauer gekert, solten si hernider im graben auch eine schreien machen, so wer also alle schlecht. Wilwolt v. Schaumburg 136
Keller. namentlich signal durch horn- oder trompetenblasen: warzaichen wurden geben hell, auch unser volk zesammen schnell, die bichsen thet wir rysten. Liliencron
hist. volksl. 3, 434, 14; ich hab gestossen an das horn, weil wir den grafen haben verlorn. aber ich verstehe kein warzeichen, das ihn das gethön thu erreichen. J. Ayrer 1663
Keller; do gieng einer in balchen und bliesz das horn, alls danne ir worzeichen und anschlag was, und so bald sy das erhorten, do luffent sy ... hin uff das husz, gewunnent das. Etterlin
kronica von der eydtgnoschaft (1507) 16
b; seind sie (
die soldaten) allesampt, wie man das warzeichen geben hat (
signo dato), abgewichen. J. Herold
Dictys (1554) 30; so er (
der herold) für das läger kompt, sol er gleichszfalls wie im ersten antritt, mit der trommeten blasen, warzeichen geben, darmit er von den feinden erkennt und nit geletzet oder geschossen werde. Fronsperger
von keyserl. kriegsrechten (1571) 53
a; wie nun Vastius durch der seinen ermanung das warzeichen zu dem streit geben.
kriegsb. 3, 136
a. II@4@dd) wann ouch die zoller uf der Rinbrucken hörent zm münster ... die grosz glock klencken und der worzeichen eins, nemlich die wisz und rot vane im tage, oder ein burnende swebel by nacht uf dem münster sehent.
Straszburger zunftordnungen 28
Brucker; (
sie verabredeten) wenn sie on eyn zeichen gebin, das sie zu deme slosse rynnen suldin unde das yn nemen. ... also das nun allis gantz und gar bestalt wart ... do vorsumeten sie die zeit unde wolden nicht rynnen, wie wol sie die warzeichen sahin. Rothe
düring. chron. 781; das wahrzeichen (zeichen zum angriff) ... bestand gewöhnlich im schwingen des schwertes, hutes oder der fahne um das haupt, aber auch in feuerzeichen durch angezündete strohbündel.
zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 6, 165. II@55) wahrzeichen
kann dann auch in mehr abstracter auffassung auf verhältnisse, zustände, handlungen bezogen werden, die auf etwas hindeuten oder aus denen man etwas entnehmen oder erschlieszen kann. diese bedeutung ist schon der alten sprache eigen und hat sich auch in der neueren wieder eingebürgert. in der anwendung treten noch einige (
nicht scharf von einander abzugrenzenden)
schattierungen hervor. II@5@aa) wahrzeichen
ist merkmal, kennzeichen, näherer umstand, der zu genauerer bestimmung, feststellung einer sache dient: swer dan dar nach kumet mit geziugen oder mit gewissen warzeichen, diu an dem (
verlorenen) gute sind, und so er die gewisheit bringet, dannoch so sol er sweren zu den heiligen, daʒ das gut sin sî.
Schwabensp. 286 § 2
Gengler; wer dornoch kummet myt erbaren getzugen adir myt gewissen wortzeychen dy an deme gute synt, also das her nennet welchirleye gut is sy und wy vil des gutes sy, dennoch sal her dy wortzeychen sagen.
Kulmisches recht 5, 46
Leman; do sich die Sachsen zu dem heiligen cristinglouben gabin, do gab man en daʒ selbie warzeichin, daʒ yn irem gerichte sollen eilff schepphen sien, unde der schultheise ist der zwelfte.
sächs. weichbildrecht glosse (
zu art. 16)
Daniels u. Gruben; und wart er (
der priester) des gewar, daʒ die miselsucht da was mit den warzeichin die die buch sagin, so hieʒ er den menschen sundern von den andern.
altd. predigten 1, 129, 7
Schönbach; do sprachen in die engele zu: 'wir kundigen uch vil groʒe vroude die da nu geschen ist menschlichem kunne, wane unser herre der heilige Crist ist geborn zu Bethlehem, und diʒ si uch ein warzeichen: get dar ir vindet daʒ kint bewunden mit tuchen und geleget in eine krippe'. 1, 152, 10; und das hab dir zu aim wartzeichen, das unser bürger haubt umbkert seind.
heiligenleben 86
bei Scherz - Oberlin 1949; si ... enwiste nit anders, dan he lange zit doit wer geweist, doch sachte he ir worzeichen, dat si in kante.
d. städtechron. 14, 816, 23 (
Köln 1499); eben der maszsen hat er ym vater unser unsz heyssen bitten 'vergib unsz unsere schuld', wellichs er nit gethan hette, so er nit verhiesse und wollte gnedigklich vergeben, aber nit destminder hatt er solliche zuosagung angehefftet an ein zeychen, da er spricht 'so yhr den menschen yhre yrrsall vergeben werdet, wirt auch ewer hymelischer vater euch vergeben', das erst ist ein wartzeychen, das ander ein verheyssung. Luther 15, 732, 20
Weim. ausg.; denn wer Christi ist, der ist auch des vaters. die sind aber Christi, wie er selb gesagt hat, die das wort von ihm nemen und behalten. das ist das gewissest warzeichen eines gnedigen vaters. 28, 134, 16; wol gehorchen wir den aposteln, und der kirchen auch, so fern sie jenes mannes (
der nie gesündigt) warzeichen mit bringen. 6, 86
b Jen. ausg.; und ist mein trewlich warnen, woltet euch hüten für dem hohen geist, der sich bey euch wil eindringen, und habt das zum warzeichen, das er von ihm selber kompt. 6, 349
a; darumb gib uns ain worzaichen, dasz wir sie (
die verführer) recht mügen erkennen und uns vor inen hten. Schade
satiren 3, 209, 14; das hetten geton seine knecht, sie hettens grüntlich aüsgespecht, sagten im all warzaichen recht. H. Sachs
fab. u. schw. 5, 621, 16
neudr.; sie sagten mir auch darbey, was ich zween tag den samstag und sonntag gethan und gehandelt, und zeigten mir auch alle wahrzeichen an, was ich für ein haubt-harnisch, und wie ich ein gaul gehabt, und was ich gehandelt hette. Götz v. Berlichingen 33
neudr.; und gab ihm selbs mein rath und alle wahrzeichen, wie er sich halten solt. 41; dann derselbige verräther hette, wie gemeldt, alle wahrzeichen angezeigt, wo er (
der gefangene) nemlich hinkommen, und wer ihne niedergeworffen hett. 51; ich bin Ulysses ... und zu merem glauben und gewissern warzeichen, so schawet diese masen, die mir ein wildes schwein ... gehauwen hat. Schaidenreiszer
Odyssee (1570) 275
b; nun ich will dir noch ein gewissers warzeichen sagen, als ich im ... die füsz geweschen, hab ich an seinem schinbein war genommen und gesehen die masen. 294
b; dann wir seynd seer gebrechlich und gar schwache unvermögliche menschen, des bauchs diener und des fleisches eigne knecht, an denen sich kaum ein warzäichen der tugend sehen lest. Schwayger
drey büchlein des h. Augustini (1571) 132 (
meditationes); wie sie also gemacht werden, und der packt der unholden gehalten, darbey auch das warzeichen mitlaufft, ihr eigen haar vom kopf, von den uchszlen, an der scham, darbey man erkennen mag dieselbig unholden, welche dieser pact antrifft. Paracelsus (1590) 9, 253; müssen sich derowegen von denen benachrichtigen lassen, welchen hiebevor ihr heyland selbsten etliche warzeichen seiner zukunfft hinterlassen.
Simpl. (1669) 425
neudr.; als derowegen ich ihm viel warzeichen und gebräuche von solchen orten zusagen wuste, glaubte er mir auch was ich ihm von fernern ländern und stätten auffschnidt. 511; diese weichheit, welche wir von der natur für das leiden der thiere, für ihre letzte todeszückungen haben, ist ein ächtes wahrzeichen empfindungsvoller herzen. Abbt
werke 1, 151; (
der als hahn erscheinende teufel) schlug dreimal mit den flügeln, machte ein entsetzliches getöse — und verschwand. — ob mit hinterlassung des gewöhnlichen wahrzeichens, hat der ehrwürdige capuziner vergessen zu berichten. Wieland 31, 41
Gruber (
betrachtungen über Rousseau); ich erkannte den mann gleich an den wahrzeichen die man mir gegeben hatte; denn er war am linken auge blind. Göthe 35, 18 (
Ben. Cellini 3, 2); auf schmächtigem körper ein mächtiges haupt, dran eine gewaltige unterlippe kritisch in die welt hervorragte, das wahrzeichen strenger ausdauer auf den steinigen pfaden des forschens. Scheffel
Ekkeh. 45; die existenz gottes hat das wesen einer empirischen oder sinnlichen existenz, ohne doch die wahrzeichen derselben zu haben; sie ist an sich eine erfahrungssache und doch in der wirklichkeit kein gegenstand der erfahrung. L. Feuerbach
wesen des christenthums3 274; die götter des Olymps hatten das wahrzeichen der wirklichen persönlichkeit in ihrer individualität. 314; jene verehrung der frauennatur, welche das rechte wahrzeichen und der höchste messer der echten civilisation ist. Mommsen
reden u. aufsätze 62. II@5@bb) wahrzeichen
ist ein kennzeichen, das zur bestätigung, bekräftigung, zum beweis von etwas dient: ob aber er (
bei dem gestohlenes gut gefunden) vergechen hetti, das er das kofft hetti von einem erkanten, es zimpt im vierzechen tag ze suochen durch unser gebiet, ob er denn nit fundi und mOecht nit warzeichen gehaben (
jüngere fassung: ob er den nicht vint, noch werschaft nit haben mag), er sol liden ein buos oder bin eines mordes.
stadtrecht v. Arau 24, 27
Merz; san zu stunt quam also reine ruch und also gut in daʒ hus, da der lichnam inne stunt, als ob rosin und lylyen und andere gute blumen und wurze dar inne werin ... daʒ waʒ ein groʒ warzeichen, were anders cheiner slachte zwivil von siner sele, daʒ man hie mit wol mochte merken, daʒ sie unser herre hette enphangen.
altd. predigten 1, 139, 17
Schönbach; er gat darmit umb, das er dich umb ander gelt teüschen will, als er mir selbs hat gesagt ... zuo wartzaichen hat er mir verhaissen, er wöll mir das gelt alles geben, das ich es vertzere mit hübschen frawen. A. v. Eyb
dramen 38, 35
Herrmann; er hat die laffscheiszen gehat, das macht in in dem ars als frat, das im das hemd stet pecht darein. sechts warzeichen, lieben freunt mein ... secht, wie rintsz im über die waden!
fastnachtsp. 1056, 23; haltet gegen des Luthersz schrifften nit ewr leren, sondern wartzeychen und urkund ewrer leren. Luther 9, 757, 36
Weim. ausg.; derohalben Christus wirt genandt ein wartzeychen desz glaubens und ein exempel des lebens. 15, 734, 6; das er (
Christus) aber leiblich hinauff genomen ist, ist geschehen des zum warzeichen. 19, 491, 29; lauten sie doch nicht anders denn wie die wort eines lieben vaters, der nach den ruten sein kind widder zu sich locket, ... deutet .. sein steupen auffs beste, wie ers so gut gemeinet habe .., beut yhm daneben einen grosschen odder apffel zum warzeichen, auff das das blöde kindlin ... sich widder kindlich zu yhm stelle. 23, 516, 23; mit dem mund müssen wir das evangelium bekennen und darauff das sacrament zu einem warzeichen nemen. 3, 157
b Jen. ausg.; so wil ich dein, du solt mein gastfreünd sein ... des zu warzeichen ... nimm hin mein schäfelin. Joh. Herold
heydenweldt (1554) f 5
b; zum worzeichen, das sy (
die guardiknechte) firthin nit mer wider die studenten sein welten, dauft man sy mit eim glas mit wein, über den kopf hinab geschüttet. Fel. Platter 223
Boos; das es (
das abendmahl) sei eyn gewisses sacrament oder heyligs warzeychen, urkund, losung, treubefestigung, vesthalm, pfand und sigel. Fischart
binenkorb (1580) 81
b; das die könig von Neaples un Sicilien im (
dem papst) alle jar auf S. Peters tag müssen huldigen und ihne für ihren lehenherrn erkennen, auch zum warzeichen solcher erkantnusz im eyn köstlich gezierten schönen weissen zelter saMt noch etlichen tausent ducaten lieffern. 133
a; der viehisch leib aber, der sorgt, drumb so zerrütt er sich, wird taub, toll, unsinnig, schellig, dölpig: zu einem wartzeichen, das wir auff dieselbig vernunfft, weiszheit
etc. list, rencken, nit bawen sollen. Paracelsus (1590) 9, 10; er kennete ihn sehr wol, wuste mir auch seine wohnung, auff dem marckt, am eck, gegen dem hirsch über zum warzeichen anzudeuten. Heberer
Aegyptiaca servitus (1610) 317; sehr viel grosse ungeheure riesen-beine, viel todte verwesene cörper unsäglicher grösse (
fanden sie in der höhle), deren zum warzeichen sie etliche mit sich herausz gebracht. Prätorius
Blockes-berges verrichtung (1668) 7; wie er ihn auch ins erste mit so vielen wohlthaten überschüttete ... und durch so viel warzeichen ihm seine wolgewogenheit versicherte. Kormart
Cassandra (1685) 98; man wird hoffentlich finden, dasz dasjenige, was ich davon herausgebracht, durch die augenscheinlichsten wahrzeichen, so weit es bei begebenheiten von so hohem alterthum möglich ist, hinlänglich bestätiget werde. Heilman
Thucydides 25; dasz sie die abgelegten holzschuhe ihm nachtragen und wohl verwahren sollten, zum wahrzeichen, dasz einst der geringste im volk zur höchsten würde von den Böhmen sei erhoben worden. Musäus
volksmährchen 3 (1805) 416; konnte ich bemerken, dasz meine alten freunde mich nicht recht wieder erkennen wollten, wovon uns in Hubers schriften ein wahrzeichen übrig geblieben. Göthe 31, 22 (
tages- u. jahreshefte); parterre und galerie bevölkerten sich gar bald wieder als wahrzeichen und gleichnisz, dasz in stadt und staat alles die alte richtung angenommen. 32, 3 (
ebenda); seit sie als wahrzeichen ihres geniewesens eine junge malerin in ihren verband aufgenommen hatten. G. Keller 7, 89. II@5@cc)
ferner ist es ein anzeichen, das das vorhandensein von etwas, ein geschehen u. s. w. annehmen läszt: er (
der ohnmächtige) was lang on waarzeichen des lebens gelegen. J. Herold
heydenweldt (1554) a 4
a; seiner dapfferkeit ist ein guot wharzeichen die fromm ahrt und liebe, so er zuo dem guoten getragen.
Diodor (
Basel 1554) 45; trewhertzig sein ohn arge list, der rechten lieb warzeichen ist. Melissus
bei Opitz
t. poemata (1624) 164; brachte man mir den brief von wohlbekannter hand und dieszmal doppelt willkommen mit dem löwchen gesiegelt: als vorläufiges wahrzeichen des glücklich angelangten packets. Göthe 27, 275 (
ital. reise 1); es ist auch eine ganz unbegründete annahme, als sei der beiläufige gewerbebetrieb beim bauernvolke früher nicht vorhanden gewesen und ein ganz neues wahrzeichen der angeblichen verschmelzung von stadt und land. Riehl
land u. leute8 128; von den Pariser forts ... donnerten die deutschen kanonen den Franzosen das geburtsfest eines neuen kaisers als das wahrzeichen eines neuen zeitalters in die ohren. Rümelin
bei Flathe
deutsche reden 2, 297; er (
der bauer) trug ein reines hemd, den schwarzen rock und einen flachen filzhut — sichere wahrzeichen, dasz es nach der stadt ging. W. v. Polenz
der Büttnerbauer 32; in dieser uneingeschränkten herrschaft des zerstreuten gehöftes liegt ein wahrzeichen für die wirtschaftlichen zustände. v. Andrian
die Altausseer 28.
früher wird es namentlich in gerichtlichem sinn für '
indicien'
gebraucht: dieselben sach oder warzeichen, so ein redlich genugsam anzeigen, argkwon oder verdacht geben, seindt nit muglich alle zu beschreiben.
Carolina art. 18; das nymandt uff einicherley anzeigung, argkwon, warzeichen oder verdacht endtlichen zu peinlicher straff soll verurteylt werden.
art. 22; solliche warzeichen und umbstende.
art. 53; warzaichen seind all und yeglich argwon oder vermuotung, so dem fürschlag anhangen, davon ain yede handlung beschehen oder vermitten seind, verdacht und abgenommen wirt. Fuchsperger
dialectica (1534) 87
b; wiewol ain ainigs warzaichen oder argwon selten genuogsam beweysung thuot, so seind sie doch heuffig versamlet fast starck, und yeden fürschlag zuobeweren schützlich. 88
a; wahrzeichen oder warzeichen, heissen in denen rechten so viel, als die sonst sogenannten anzeigen oder indicien. Zedler 52, 1064. II@5@dd)
dem steht wieder die bedeutung '
vorzeichen, omen'
nahe: warzeichen künfftiger dingen,
signum. Maaler 485
a; disz aber (
der einsturz des saals) ist ihm ein gemeyne anzeygung und warzeychen des heyls und gefährligkeyt, sovil den zuokünfftigen krieg belanget, gewesen. C. Hedio
Josephus vom krieg der Juden (1516) 18
a; wie wir anzogen, so hüt ein schäfer allernechst darbey, und zum wahrzeichen, so fallen 5 wölff in die schaaf, und griffen auch an, das hört und sahe ich gerne, und wünscht ihnen glück, und uns auch, und sagt zu ihnen: glück zu, lieben gesellen. Götz v. Berlichingen 75
neudr.; so ferrn nun ewer göttlicher will ist, das ich die boszhafftigen werber strafen soll, so gebt mir zwey warzeichen, eins inner das ander ausserhalb disz hausz. auff solch sein gebet hat Juppiter von stundan ein grossen donnerstreich gethon. Schaidenreiszer
Odyssee (1570) 283
a; ich ward da ... als ein Steinscher begleiter mit freuden und ehren und wie zum eingange als mit dem glücklichsten wahrzeichen von einer hübschen jungfrau mit dem allerherzhaftesten herzigsten kusse begrüszt. Arndt
wanderungen mit Stein 161; dieses lied der Tarquinier ist noch in seiner prosaischen gestalt unbeschreiblich dichterisch ..: Tullias frevelhochzeit: des gerechten königs mord: die ganze geschichte des letzten Tarquinius: die vorbereitenden wahrzeichen seines falls: Lucretia: Brutus verstellung: sein tod. Niebuhr
röm. gesch.3 1, 289; wir brauchen für unser reich, das neu gegründete, nicht mit ängstlichem augurblicke nach den wahrzeichen des himmels auszuschauen, um bürgschaften für seinen bestand zu finden. E. Curtius
alterthum u. gegenwart 352; du hingegen ermahnst, den weitgeflügelten vögeln mehr zu vertraun ... ein wahrzeichen (
οἰωνός) nur gilt: das vaterland zu erretten. Voss
Ilias 12, 243.
in der Schweiz kommt noch jetzt wahrzeichen
als sicheres anzeichen von etwas, z. b. von jemandes tode, vor. ebenso in Kolmar wōrtsaiche '
présage' Henry 234.