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wortzeichen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wortzeichen n.

Bd. 30, Sp. 1646
wortzeichen, n. , ahd. mhd. wortzeichen, -zaichen, -zeichin, as. wordtêcan, im übrigen nur obd.; bis ins 17. jh. literarisch lebendig, seit dem 12. jh. neben wârzeichen und in jüngerer sprache von diesem verdrängt, soweit nicht in jungem gebrauch spontane, nicht für wahrzeichen geltende anwendungen auftreten (s. u. 6, 7). in der schreibung worthzeichen (St. Blasien 1467) weist. (1840) 1, 305, worttzeichen Wickram 1, 238 B., wartczeygen (15. jh.) Diefenbach gl. 305b, in jüngerem poetischem gebrauch vereinzelt in der form wortezeichen (s. u. 7 a). s. v. wahrzeichen teil 13, 1016 ff. ist das auch für die wortgeschichte von wortzeichen wesentliche so ausführlich dargelegt, dasz hier mit einzelnen ergänzungen darauf verwiesen werden kann. seit der wende vom 12. zum 13. jh. stehen im obd. wortzeichen und das daraus im nd. umgestaltete und dann ins obd. eingedrungene wârzeichen nebeneinander. die unterscheidung beider wörter ist aus den quellen des späteren mhd. und bis tief ins 16. jh. hinein, d. h. während der wichtigsten lebenszeit von wortzeichen, weithin nicht mit sicherheit zu treffen. die mundartlich obd. besonders im alemannischen (im elsässischen, geringer auch im schweizerischen) weitverbreitete senkung des â zu ô läszt hinter der häufigen form worzeichen in den meisten fällen ein wârzeichen vermuten, da mit einem ausfall des interkonsonantischen -t- wohl nur als mit einer ausnahme gerechnet werden darf, so möglicherweise ahd. gl. 3, 419, 23 St.-S.; Seuse 554 B.; weist. (1840) 4, 488; 5, 77. selbst hinter der schreibung wortzeichen wird sich angesichts des häufig tz geschriebenen z oft genug ein warzeichen verbergen, vgl. die beispiele s. v. wahrzeichen sp. 1017. umgekehrt wird im bair.-österr. ein wartzeichen, entsprechend bair. wart für wort, gelegentlich als wortzeichen beansprucht werden dürfen, so vielleicht wartzaichen (kärntn. 1578) bei Haltaus 2031; (Tirol 16. jh.) österr. weist. 5, 700, doch fehlen einigermaszen eindeutige beispiele. da die doppeldeutigen fälle unter wahrzeichen abgehandelt sind, werden im folgenden nur solche bezeugungen aufgeführt, die unter berücksichtigung des lautstands und der orthographie ihrer jeweiligen quelle nach stichproben mit einiger wahrscheinlichkeit als wortzeichen genommen werden dürfen. aber selbst eine genauere untersuchung der lautlichen und orthographischen verhältnisse in jeder einzelnen quelle könnte angesichts der notorischen inkonsequenz der schreibung, auch innerhalb ein und desselben denkmals, häufig nicht zu sicherem ergebnis führen, so etwa bei Königshofen in: dt. städtechron. 8, 243; 262; 453; 487; 9, 504; 514; 852, vgl. z. b. auch das nebeneinander von worzeichen, worczeichen, wuortzeichen, wortzeichen in Lanzelot 85; 86; 39; 184 (hs. ca. 1430) Kluge. dasz wahrzeichen, wie es seit dem 18. jh. in dem bis dahin beiden wörtern gemeinsamen bedeutungsbereich alleinige geltung besitzt, über älteres und echteres wortzeichen auch im obd. die vorherrschaft gewonnen hat, steht auszer zweifel. immerhin bewahrt wortzeichen im 16. und deutlich noch über die mitte des 17. jhs. hinaus ein zähes leben, in mannigfaltiger anwendung, so im schweizer. bei Cysat, Tschudi, Xylander, Ruoff, Stumpf und nicht selten urkundlich, im elsässischen bei Pauli, Frey, Wickram, Moscherosch, Dannhauer, im schwäbischen, s. Fischer 6, 964 und nach ausweis der österr. weist. auch im bair.-österr., dort namentlich in tirolischen urkunden des 16. und 17. jhs., vgl. 2, 16; 3, 5; 4, 64; 269; 5, 656; 700; 7, 879. lexikalische spätbezeugung bei Dentzler (1716) und Aler (1727), auf die militärische bedeutung 'losungswort' und 'signal' beschränkt (s. u. 5 a, c), fällt als unmittelbarer rückgriff auf Frisius, Maaler, Calepinus nicht ins gewicht. ob bei ahd. wortzeichen, as. wordtêcan mit einer konkreten grundbedeutung 'buchstabe' gerechnet werden darf, aus der sich auf dem wege über den gebrauch von runenstäbchen in der germanischen losung und wahrsagung eine abstraktere bedeutung 'anzeichen' entwickelt haben könnte, bleibt ungewisz. jedenfalls steht wortzeichen gerade in seinen ältesten belegen und bei seinem eintritt in die quellen, wie auch weithin später noch, bereits auf einer ausgesprochen abstrakten bedeutungsstufe (s. u. 1), während erst seit dem mhd. eine mehr konkret gegenständliche anwendung nachweisbar ist, die ihrerseits sehr wohl sekundärer natur sein und den älteren abstraktgebrauch voraussetzen kann. im übrigen decken sich wortzeichen und wahrzeichen in ihrer bedeutung, wenn auch die gewichte gelegentlich verschieden verteilt sind und wortzeichen in die jüngerer sprache vorbehaltenen gebrauchsweisen seines konkurrenzwortes nicht mehr hineinwächst. umgekehrt haben die jungen, spontanem ansatz entsprungenen bedeutungen 6 und 7 bei wahrzeichen keine entsprechung. 11) in begrifflicher auffassung als 'kennzeichen, merkmal, ausweis, beweisgrund, beweismittel' u. ä., selbständig gebraucht oder um im sinne solcher bedeutungen zustände, vorgänge oder handlungen zu charakterisieren, die an sich durchaus konkreter art sein können, vgl. wahrzeichen II 5. 1@aa) 'merkmale, nähere einzelheiten, begleitende umstände', durch deren angabe man sich als genauen kenner, mitwisser, zeugen einer sache oder eines vorgangs ausweist, eine sache oder einen vorgang kenntlich und feststellbar macht, s. wahrzeichen II 5 a: fundun (die jünger) all so he sprak uuordtecan uuar (sie fanden alle von Jesus,vorhergesagten näheren umstände vor, zu Mk. 14, 16) Heliand 4548; es ist ain tch gewonden, diu wortzaichen hǎnd von mir, in ainer krippe vindent ir das selb kindlin gelait (14. jh.) Mone schausp. d. mittelalt. 1, 159; do nam der künig den koufman an ein ende und frogete in heimeliche, in wes sacke er dem wurte hette das geld enpfolhen, und alle wortzeichen. das seite im der koufman (ca. 1400) dt. städtechron. 8, 453; derselbig verretter het ... alle wortzeichen anzeigt, wo er nemblichen hinkommen, unnd wer inn nidergeworffen het (16. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 964; dass er (der hirt) denselben (verlorenen stier) zu suechen schuldig, und da er in dreien tägen keine wortzeichen befänt, dass er dasselbig zu bezahlen schuldig sein soll (Tirol 1607) österr. weist. 4, 269. in der feststellung der eigentumsrechte bei verlorenem oder umstrittenem gut: mit gewissen wortzeichen, dú an dem guote sint, also daz er nennet waz guotes ez ist (ca. 1275) Schwabensp., landr. 347 Laszberg; (sie wollten das fremde pferd ... demjenigen gern ausliefern) des das pferd sei, (wenn er komme oder) yemants von seinen wegen, der des ware wortzaichen bring und sage (Nürnberg 1421) dt. städtechron. 2, 41 anm.; es wer nit der (verlorene) sack, er het nit rechte wortzeichen gesagt J. Pauli schimpf u. ernst 87 lit. ver. unbestimmter, um die glaubwürdigkeit einer aussage zu stützen: dasz ich diese löbliche kunst der buchtruckerey nach langem nachsinnen vnnd dencken letzlich im jahr vnsers herrn 1440 erfunden, domahlen hab ich, zum wortzeichen, gewohnt am Fronhoff, zum thiergarten Moscherosch gesichte (1650) 2, 835. 1@bb) namentlich, wenn auch von a nicht immer scharf zu trennen, als kennzeichen, merkmal, beweismittel, durch die etwas bewiesen, bekräftigt, in seiner richtigkeit oder gültigkeit bestätigt wird, wie wahrzeichen II 5 b: nos autem dicimus argumentum tannan man iz uuizen mag alde irratin mag alde daranah chomen mag, uuortzeichin, quissunga, irrechida, irvareni, cloublichi Notker 1, 617, 12 P.; verbi gratia ze worzeichen (l. wortzeichen) (Herrad v. Landsberg) ahd. gl. 3, 419, 23 St.-S.; nu begunde sî imz aber sagen unde wortzeichen geben (um die wahrheit ihrer behauptung zu erweisen, dasz der verwundete ritter Erec sei) Hartmann v. Aue Erec 6986; ei argumenta rei dicam ich wil jm diser sach halb guote anzeigungen oder wortzeichen sagen Frisius dict. (1556) 409a. in betont abstrakter auffassung, wenn die wahrheit eines satzes, die gültigkeit eines geistigen befundes bekräftigt werden soll: den bOesen herzen entwúrtent dú ding nah ir selbes bosheit, daz einem wisen gotesfrúnd nit ze ahten ist ... diser warheit nement ein wortzeichen da mite: luogent, got der wil úch schier rechen und wil sin zornlich hand ber das bOes herz lassen gan Seuse 128 Bihlm.; zu einem zeichen der warheit hab ich citirt den spruch: audiens sapiens sapientior erit. und zu einem andern wortzeichen hat Zwingli mir die rede underfaren (unterbrochen), es dörft des künzlens und hoffierens nichts Faber in: Zwingli dt. schr. 1, 164 Schuler-Schulthesz; wolte ich gern ein ander ... wortzeichen haben, bey welchem ich ... wissen könnte, dises newgeboren kindlin were der heyland ... es gibt uns der prophet E. ein solch gewiss wortzeichen eben in denen worten (1604) bei Fischer schwäb. 6, 964. öfter noch empfängt ein dingliches beweisstück, ein konkretes zeichen oder symbol den charakter des wortzeichens: 'du hast dir selbem uf geleit eine tat und eine manheit, der du mit alle unschuldic bist, als ez mir zuo gerunet ist' 'vrouwe, ir redet, ine weiz wie: ich han doch diz wortzeichen hie' (das haupt des erschlagenen drachen) Gottfried v. Straszburg Tristan 9846 R.; Wolfdietrich D viii 190 Jänicke; er fuort ein ölboumes rîs: daz was ein wortzeichen, daz er vride wolte reichen Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 1381 Hahn; dú (taube) brahte ein olzwic hin dan ze wortzeichen dem reinen man, das im da bi wurde irkant das si vant irtruhchent lant Rudolf v. Ems weltchron. 826; vgl. 852; und gap mir (dem zweiten schächer am kreuz) dis zeichen des crüzes uf minen rucken, das ich zuom engel spreche der des paradyses htet, das er mich darin liesse, und solte ime zougen dis crüze zuo wortzeichen (Straszburg ca. 1400) dt. städtechron. 9, 504; ob ein man sturby der ein gotzhusman gewesen wär vnd nützit hinder im liese von varendem gutt, so ist doch derselb verfallen den rechten schuoch zuo einem val, so er nicht anderes hett, zum wortzeichen vnd vrkund daz er ein gotzhusman gewesen sye (Schweiz 1464) weist. (1840) 4, 349; (ich will) inerhalb dreyer monet ... dein frawen zuo meinem willen ... pracht haben, und zuo wortzeihen dir ir schönsten kleynet pringen Arigo decameron 144 Keller; allein schneide er ein stück vom mantel des Sauls, vnd behielt es bey sich, zu einem wortzeichen dasz er den Saul in seiner hand gehabt Gretter erklerung d. epistel s. Pauls a. d. Römer (1566) 421; brachten dem kser zum wortzeichen ein hasenhertz, darmit er beruhiget war (1657) bei Fischer schwäb. 6, 964; so soll man ihm ain spriszl (sprosse) abschlagen von der huetseilen zu einem wortzeichen (niederösterr. 1665) österr. weist. 7, 879. mehr vom gesichtspunkt der bekräftigung und versicherung aus; fast soviel wie 'pfand, unterpfand': der ritter der junckfrawen einen ... ring zuo einem waren und festen wortzeichen gab (um sie seiner treue zu versichern) Wickram w. 1, 261 Bolte; arra winkoff vel wortzeichen. ein bestetigung einsz kauffs durch die versichert würt der kauff vocab. predic. (1486) B 8b. von hier aus ergibt sich leicht die auffassung des christlichen sakramentes als eines wortzeichens, doch mag sie, wie beiläufig einige der folgenden belege nahelegen, auch in der vorstellung vom sakrament als einem vom (göttlichen) wort oder von worten begleiteten zeichen (s.wort I A 1 d; B 1 e) ihren selbständigen ursprung haben: hye zuo gegen hast du daz recht lebendig wortzeichen und sigel, seynen leyb unnd seyn pluot. gelaub den wortten und dem zaychenn (1524) bei Fischer schwäb. 6, 964; das er sich selbs uns zuo einer gnAedigen lOetzen, pfand und wortzeichen eingesOetzet und ergeben habe (im sakrament) (1548) ebda; diese beide sacramenten ... seind ... gnadenreiche wortzeichen ... wort und wortzeichen. das wort ist die predigt ... die wortzeichen seind die h. sacramenten (1599) ebda; μυστήριον sacramentum göttlich wortzeichen Frischlin nomencl. triling. (1586) 219a. 1@cc) von einem anzeichen und merkmal, aus dem sich schlieszen läszt, dasz etwas bestimmtes vorhanden ist, dasz etwas geschieht, geschehen ist oder auch geschehen soll, vornehmlich auf abstraktes bezogen, vgl. wahrzeichen II 5 c: und ob ich reine worden bin, des muoz er (gott) uns drin ein rehtez wortzeichen geben, ode sich muoz mîn leben ûf disem steine verenden Hartmann v. Aue Gregorius 3617; hast du alle die wortzeichen, die man gehaben mag, und envindest dis gezúg nút der minne (die 'trúwe'), so ist es alles verlorn Tauler pred. 335, 18 V.; aber die grantner (bettler) die vil wort brauchen vnd sagen von grossen wunderzeichen ... vnd konnen das maul wol brauchen, das ist ein wortzeichen das sie es lang getriben haben, die sind on zweifel falsch (ca. 1500) bei Avé-Lallemant gaunerthum 1, 171; solt du vorhin durch den harrn vnd andere gewisse wortzeichen die feuchtigkeit, welche vberhand genommen, wol lernen erkennen Ruoff hebammenb. (1580) 170. gern mit einem substantivischen genetivattribut begrifflicher art: unde daz ist uuortzeichen dînero gniste (indicium ... erecte jam resistentisque nature) Notker 1, 238, 3 P.; vgl. 324, 5; solcher ewer bestendigkeytt wol eyn ieder geben eyn wortzeichen mit zweyen uffgereckten finger (1529) bei Fischer schwäb. 6, 963; als dann du vnder andern reden, so offenbare wortzeichen deiner besondern tugent, vnd darnach deiner grossen lieb, mir anzeigtest Jac. Frey ein schön gespr. von einem waldtmann (1555) F 1b; schreib ir brieflin und gab ihr auch andere wortzeichen seiner lieb ders., gartengesellsch. 104 Bolte. 1@dd) seltener in der bedeutung 'vorzeichen', s. wahrzeichen II 5 d: uuaz ist sî (Fortuna) fluhtiga danne âne uuortzeichen dero chumftigûn leidegungo (iudicium futur calamitatis) Notker 1, 55, 15 P.; alsô daz Troiære sâhen, si erschrâken unde jâhen, daz wær ein übel zeichen in. ir gote hete ûf ir ungewin und ûf ir herzeclichen pîn geschicket daz wortzeichen sîn Konrad v. Würzburg troj. kr. 47 514; (die priester) botent den heilgen geist, das er in ein wortzeichen gebe, welre solte bobest werden ... do floug ime (dem Fabianus) ein tube uf sin houbet und sprach: 'dirre sol bobest sin' (Straszburg ca. 1400) dt. städtechron. 9, 514; vgl. noch presagium wortzeichen gemma gemmar. (1508) 18a. 22) in prägnantem gebrauch sind wortzeichen bestimmte konkrete gegenstände oder merkmale, die zum nachweis von etwas vorgezeigt werden können oder sollen, in den verschiedenen anwendungsweisen von wahrzeichen II 1; vorwiegend mhd. und z. t. nur in vereinzelten belegungen. wie wahrzeichen II 1 a, 'umgeldsmarke': (der zoller soll) die wortzeichen, es sye von korn oder aller ander sachen wegen ... niemand ze geben, es sye denn, das er desselben geltz ... bezalt sye, und in der burger trog geleit werde, ee das er die wortzeichen uffgebe (14./ 15. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 963; vgl. noch heute im elsässischen: wortzeichen 'kontrollmarke, die einem ausgehändigt wird, wenn er einen stoffgegenstand zum färben in die färberei bringt' Martin-Lienhart 2, 892. wie wahrzeichen II 1 b—d, von persönlichen abzeichen verschiedener art, die ihren besitzer oder ihren überbringer ausweisen: dô sante in der reine man mit sînem wortzeichen (var. warzeichen) dan an einen priester, der was guot, ... dâ nâhe in dem walde Rudolf v. Ems Barlaam 282, 20; vgl. 333, 33; Heinrich v. d. Türlin krone 21 620; 21 732 u. ö.; das wortzeichen (ring) tuot mir bekant, das es ist ain warhait (14. jh.) Heinrich Kaufringer ged. 95 Euling; zs. f. dt. altert. 50, 209; daz ich iu niht hân gelogen, des sol mîn wortzeichen sîn den ich hie bringe dirre schrîn Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 4733 Hahn; zehant er ûz sande, swar er mohte gereichen, brieve und wortzeichen, daz im die fürsten kæmen Hartmann v. Aue Erec 1894. wahrzeichen II 1 e entsprechend, 'aufgedrückte marke': von dergleichen waren kein stuck, welches nicht mit einem solchen wortzeichen, wie in margine zu sehen, signirt ... ist (1645) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 278. rechtssprachlich wie wahrzeichen II 1 g β, von gegenständen und handlungen, die eine rechtliche inanspruchnahme symbolisieren: (der richter soll) ouch von dem totten lichname (des erschlagenen) denne zemal ein wortzeichen nemen (Schweiz 14. jh.) weist. (1840) 4, 391; so aber der hirt yemant sin fäch verlure, sol er das by sunnenschin einem zu hus vnd hof verkünden, im oder sinen botten das helfen suchen, wa er aber nieman da heim funde, sin rut zu wortzeichen an die hustür stellen (Schweiz 1536) ebda 1, 135; vgl. 305 (St. Blasien 1467); so sollen si (die boten) auf desselben schwellthur drei stain legen zu ainem wortzaichen, dasz er ime poten habe (Tirol 1591) österr. weist. 4, 64. 33) ganz vereinzelt des schäfers wortzeichen 'geld, das einem auftrag, einer bestellung nachdruck verleihen soll', wie des schäfers wahrzeichen unter wahrzeichen II 2, wo die redensart erklärt ist: darffst nim kumen, du habst dan mer gelt zu dir gnummen. dan, so du widerkummen witt, so bring schöffers wortzeichen mit! Wickram w. 5, 222 Bolte. 44) prägnant auch als 'kennzeichnendes oder unterscheidendes merkmal', in verschiedenen der für wahrzeichen II 3 geltenden gegenständlichen anwendungen. entsprechend wahrzeichen II 3 a—e, von 'abzeichen' verschiedener art: ze ainem wortzeichen und erkanntnúss sol unser ieglicher der ritter ain bild in er sant Wilhalms (tragen) (1380) bei Fischer schwäb. 6, 963; sovil dann die ... inhaimbische petler berürt, deren jedes soll sein pleies wortzaichen am huet oder sonst an sichtigem ort tragen (Tirol 17. jh.) österr. weist. 2, 16. wohl im sinn von 'feldzeichen, panier', wenn nicht zu 5 a: si namen zuo hilf sant Ursen schon und der von Bern wortzeichen sant Vincenz rftents an (1474) hist. volksl. 2, 40 Liliencron. von körperlichen merkmalen, s. wahrzeichen II 3 f: do vand si den schlag gezeichent mit swarzen totblten an dem arme, als si dú geisel getrofen hate. si truog dú kuntlichen wortzeichen mit grossem smerzen vil zites Seuse 44, 22 B.; da er den grund liess graben, da fand er sant Afra leichnam in ainem stainin sarch und fand das wortzaichen des prants an ir (Augsburg, 2. hälfte d. 15. jhs.) dt. städtechron. 4, 300; (von der miszhandlung der schüler durch die lehrer) kan ich selbsten nicht allein mit worten, sondern auch mit wortzeichen gut zeugnuss geben ... welche zeichen vnnd masen ich noch heut an meinem leib trage Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 246. 'gedenkzeichen, denkmal', wie wahrzeichen II 3 g: si (Lots weib) wart ein salz stein ... und den man noh wol sehin mag unz an den jungesten tag: wand er ze wortzeichen noh stat Rudolf v. Ems weltchron. 4846 Ehrism. gebräuchlicher als 'spur, die an etwas früher vorhandenes erinnert', vestigium, wie wahrzeichen II 3 l: dessen (dasz zauberei auf dem Pilatus getrieben wurde) werden noch ettliche vestigia oder wortzeichen gezeigt (ca. 1600) R. Brandstetter Renward Cysat 23; viel klägliche und erbärmliche kriegs- und verderbliche wortzeichen hin und wieder an kirchen, schlössern, schulen (17. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 964; dasz man seithero nichts mehr von jhr gesehen oder erfahren können, als allein etliche kleine wortzeichen vnd vnvermerckte anzeigungen ..., dasz sie vorzeiten auff der welt gewesen (die Justitia) Moscherosch gesichte (1650) 1, 31. 55) 'zeichen, das zur mitteilung, gegenseitigen verständigung oder befehlsübermittlung dient'; es kann in worten bestehen oder sich anderer äuszerungsformen bedienen. vornehmlich in militärischem gebrauch, mhd. noch selten, aber im älternhd. sehr verbreitet, entsprechend wahrzeichen II 4. 5@aa) der militärischen bedeutung 'losungswort, parole' (s.wort I A 3 b) als einem aus worten bestehenden, durch worte gegebenen zeichen muszte die verbindung wortzeichen besonders entgegenkommen, doch gilt sie auch für wahrzeichen (s. d. I 4; II 4 a). lexikalisch bis ins 18. jh., vgl. tessera ein zeichen, wortzeichen, loszzeichen Frisius (1556) 1306a; 1211a; Calepinus (1598) 1458a; Dentzler (1716) 357a; 360b; wortzeichen tessera ... symbolum Aler (1727) 2, 2214b; s. auch Schmeller-Fr. bair. 2, 1012: da sprach der pfleger ze Neuburg: 'so gebt in wortzaichen, daz sy nun reiten'. die gab man in ... da sy ausriten zu dem tor mit dem wortzaichen (München ca. 1400) dt. städtechron. 15, 498; (Nürnberg mitte d. 15. jhs.) ebenda 2, 244; vgl. 283; machtend si ein wort-zeichen: Petermann, damit si einandern (di wil es finster nacht was) dabi erkennen vnd zusprechen mochtend (vor 1572) Tschudi chron. helv. (1734) 1, 385; offnet jhm alle sach, auch der feynden heimliche kryd vnd wortzeichen Stumpf Schweizer chron. (1606) 492a; vgl. 112b; die tesseram militarem, das wortzeichen Dannhauer catech.-milch (1657) 6, ):( ):( 2a. wohl soviel wie 'feldgeschrei, losung': des Mahumetis und Türcken symbolum war disz, alla, illa, alla, Mahumet rasul, alla ... wer dieses wortzeichen angenommen, der wurde Musulman genennet, dem war das leben geschencket ebda 2, 201. ähnlich von einem vereinbarten kennwort, das über den beginn einer militärischen aktion verständigt: (zu fragen) wenn und zu welicher zeit sie die aufrur anfahen, und ... was sie inen fur ein wortzeichen geben wolten (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 271 Chroust. so vielleicht schon: sô die Kriechen kæmen und daz zeichen von in næmen, daz si ûf Troære leben ze wortzeichen im gegeben hâten unde er in aldâ Konrad v. Würzburg troj. kr. 48 112. 5@bb) von einem wortlos gegebenen heimlichen wink oder verständigungszeichen, wie wahrzeichen II 4 b: sô lesche ouch ich den kinden diu lieht an der hant: bî disem wortzeichen sol dir sîn bekant, daz ich bî dir sî nâhen (in der tarnkappe) Nibelungenlied s. 99, str. 2 Z. was ein wirt der het ein knecht mit dem het er an gelegt wan er in hiesz des weins bringen, so solt er es nit thuon, er geb im dan ein wortzeichen Pauli schimpf u. ernst 227 lit. ver.; Rosamunda dem jüngling ein worttzeichen gab. des er bald war genummen hett, sich behend unten an das fenster füget Wickram w. 1, 238 Bolte; vgl. 127; darumb er von stundan ein wortzeichen geben, dasz man die verrähter mitten in der versammlung greiffen, unnd zum todt richten solt Feyerabendt ungar. chron. (1581) 142b. 5@cc) wie wahrzeichen II 4 c—d, von feuerzeichen, horn- oder glockensignalen u. ä., namentlich in militärischer sprache, vgl. wortzeichen ab den warttürnen, oder wortzeichen von vernusz zegeben ab der warte Frisius dict. (1556) 1231b; Maaler (1561) 485a; Dentzler (1716) 357a; Aler (1727) 2, 2214b: der kOenig hat ... darnach durch die busauner das wortzeichen geben Xylander Polybius (1574) 248; gar bald zünten die fyend ein huss oder zwey an zu einem wortzeichen, dass ir züg ouch zusammen ruckte (schweizer. 1515) bei Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 2, 1, 113; eben zu diser stunt ... mit der grossen gloggen das wortzaichen gegeben (zu beginn des feierabends) (Tirol 1631) österr. weist. 3, 5; dafür auch leitzaichen ebda passim. 66) vereinzelt 'interpunktionszeichen', ohne verbindung mit den älteren bedeutungen des wortes: schrift-, red- oder wort-zeichen interpuntione, come per exemp. comma, punto etc. M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1433c. 77) ebenfalls nur in jüngerem gebrauch und spontanem ansatz ist wortzeichen 'zeichen für ein wort' oder 'wort als zeichen'. 7@aa) 'graphisches wortsymbol', wie es in der wortschrift (s. d.) das in einem einzigen zeichen dargestellte wort ist: dieselben (lehrer) mahleten vielerlei thiere und vögel, die wortzeichen ihnen anzudeuten und beizubringen G. Opitz merkw. nachrichten (1752) 2, 224; das wortzeichen, welches in der chinesischen schrift die priester ... bezeichnet Ritter erdkunde (1822) 7, 428; sie (die höchste mathematik) steht in einer gewissen verwandtschaft mit den sogen. ideographischen sprachen, ... welche nicht mit einer begrenzten anzahl lautzeichen von stets gleichbleibendem werth, wie wir in unserm alphabeth, sondern mit einer unbegrenzten anzahl von unter sich ganz ungleichwerthigen wort- und begriffszeichen operiren Langbehn Rembrandt als erzieher (31890) 100. dem alten gebrauch 2 nahe, aber sicher in spontanem ansatz von einem aus einem wort bestehenden warenzeichen, das dem gesetzlichen markenschutz unterliegt, vgl. handwb. d. staatswiss. (21898) 5, 686. allgemeiner 'geschriebenes wort': ein selger schimmer da entflosz dem grale; ein heilig traumgesicht nun deutlich zu ihm spricht durch hell erschauter wortezeichen male: 'durch mitleid wissend der reine thor, harre sein, den ich erkor' R. Wagner ges. schr. (1897) 10, 333. 7@bb) 'wort, sofern es zeichenhaft für einen begriff steht': lassen sie mich versuchen, ob ich mit ihnen ... in dem begriffe eines gemäldes der empfindung, eines tongemäldes, und eines wortzeichens übereinstimme ... töne sind zeichen, worte sind auch zeichen, nur auf eine andre art. worte können theils als töne, theils als ideen betrachtet werden Gerstenberg schlesw. lit. br. 334 lit.-denkm.; eltern lehren die kinder nie sprache, ohne dasz diese nicht immer selbst mit erfinden. jene machen diese nur auf unterschiede der sachen, mittelst gewisser wortzeichen, aufmerksam Herder 5, 41 S.; analog wie die empfindungen fremder menschen existieren auch die vorgänge in der unbelebten natur für uns blosz in unserer vorstellung, d. h. wir markieren sie durch gewisse gedanken und wortzeichen Boltzmann popul. schr. (1905) 171.
25376 Zeichen · 475 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wortzeichenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    wortzeichen stn. wahrzeichen. eigentl. ein zeichen, das statt eines wortes dient. Gr. 2. 529. 481. so ahd. N. Boeth. 29 …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    WortzeichenDas

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ Das Wortzeichen , — s, Mz . gl. ein Zeichen, sofern es in einem Worte bestehet, woran man etwas erkennt, oder womit ma…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wortzeichen

    Goethe-Wörterbuch

    Wortzeichen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Wortzeichen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wortzeiche n [Wòrttsaiχə Hi. ] n. Kontrollmarke, die einem ausgehändigt wird, wenn er einen Stoffgegenstand zum Färben i…

  5. Spezial
    Wortzeichenn

    Dt.-Russ. phil. Termini

    Wortzeichen , n знак , м , словесный

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wortzeichen

4 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von wortzeichen 2 Komponenten

wortze+ichen

wortzeichen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wortzeichen‑ als Erstglied (1 von 1)

Wortzeichenseckli

Idiotikon

Wortzeichenseckli Band 7, Spalte 647 Wortzeichenseckli 7,647

wortzeichen als Zweitglied (2 von 2)

Ableitungen von wortzeichen (1 von 1)

verwortzeichen

Idiotikon

verwortzeichen Band 17, Spalte 203 verwortzeichen 17,203