schenken,
verb. II.
Verbreitung und herkunft. das wort ist als gemeingermanisch anzusehen, wenn auch eine gothische bezeugung fehlt: altn. skenkja,
prät. skenkta,
dän. skjænke,
schwed. skänka,
ags. scencan, scencte,
altfries. skenka Richthofen 1026
b,
mnld. schencken Kilian,
neunld. schenken;
im altsächs. ist das verbum nicht bezeugt, mnd. schenken Schiller - Lübben 4, 72
a,
ahd. scencan, scenchan Graff 6, 518 (ich scenkon Williram 132, 1),
mhd. schenken
mhd. wb. 2, 2, 81
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 702.
im präteritum zeigt sich im ahd. und mhd. fast durchweg unumgelautete wurzelsilbe (schancte),
prät. part. geschanct
neben geschenket.
auch nhd.: etzliche zeitwörter leiden zweyfache formirung, daselbst zu wissen, dasz
die gleichflieszende die richtigste und gebräuchlichste sey, als: ich schenkete und schankte. Schottel 575. schankte
neben schenkte, schänkte Stieler 1759, geschanket
neben geschenket,
ebenso noch bei Steinbach 2, 381 geschanckt, geschencket, ich schauckte, schenckte; über 6 fl., die wir dem selben prister davon geschanckt han.
aus dem archiv zu Frankfurt a. Main; schanckt jm die schuld gleich guotwillig. Wickram
rollw. 43, 4
Kurz; das sy jm sein war alle sampt wider schanckten. 55, 22; Galmy Friderichen seinem gesellen sein pferd zur letzt schanckt.
buch der liebe 64
a; Fridrauna euch gütlich dankt, dasz ir ir euren wein habt geschankt.
fastn. sp. 451, 24; die küngin schankt ir auch zur hand ir aller köstlichest gewand (
zwei zeilen vorher schank).
liederb. aus dem 16. jh. 352, 381
Gödeke-Tittmann; den ungemesznen rumpff, den riesen, jhm auch schanckt. Dietr. v. dem Werder
Ariost 15, 75, 4.
in älterer sprache begegnen vereinzelte starke formen: und schanck eim jeden zur erquickung eyn pferd fortzukommen. Fischart
Garg. 260
a; es sey sanct Ceciliae becher, den sie voll wein auff ein zeit schanck. 1, 190, 2275
Kurz; dieselbig er mir jetzund schanck.
marckschiff B 1
b; der frau sagt man grosz lob und dank, nun hört, was ir der könig schank.
liederb. aus dem 16. jh. 352, 379
Gödeke-Tittmann, s. auch Schmeller 2, 432.
auf nd. gebiete haben sich starke formen bis jetzt erhalten: geschunken, geschonken Schiller-Lübben 4, 72
b, schunk, schunken ten Doornkaat Koolman 3, 111
a. Frommann
zeitschr. 4, 129, 125, schonk, schonken Woeste 227
a, geschonken Frischbier 2, 267
a.
im nld. ist die starke flexion durchgedrungen (schenken, schonk, geschonken).
die bedeutung, '
flüssigkeit in ein gefäsz, aus einem behältnis flieszen lassen, trank eingieszen'
erweist sich durch den übereinstimmenden gebrauch der altgermanischen sprache als die älteste. J. Grimm
kl. schr. 2, 179
stellte das verbum zu ahd. scancho,
ags. sceanca
crus, tibia, sodasz letzteres auf die röhre am fasz deuten würde, durch welche der trank in das trinkgefäsz lief. indessen bleibt das verhältnis beider worte unklar. aus dem begriff des spendens von getränk zur bewillkommnung und bewirtung entwickelte sich dann allmählich der des unentgeltlichen, willigen darreichens. J. Grimm
a. a. o. und 1, 123;
von bedeutung ist für diese entwicklung auch der alte brauch, mit dem dargereichten trunk zugleich den becher dem gast zu verehren, vielleicht auch die bekräftigung wichtiger vergebungen durch zutrinken. J. Grimm
rechtsalterth. 606.
der sinn von largiri wohnt dem wort auch im nld. dän. und schwed. inne. IIII.
Gebrauch. II@11)
trank eingieszen, zu trinken geben. scencan, scenhan,
fundere, infundere, miscere, haurire, propinare, ministrare, porrigere Graff 6, 518.
vgl. einschenken, ausschenken. II@1@aa)
formen des gebrauchs. II@1@a@aα)
ohne nähere bezeichnung des getränkes, der gefäsze, des bewirteten: thie man thoh, thie thar scanktun (
bei der hochzeit von Cana). Otfrid 2, 8, 41; ich trunke gerne dâ man bî der mâʒe schenket. Walther 29, 25; er schenket kniende alle vrist: er sol ein vrouwenschenke sî
n. krone 24589; da hub sie auf und schenket und trug ims selber her. Uhland
volksl.2 254.
auf das gefäsz bezogen, mit dem eingeschenkt wird: nd. de trekpot (
theekanne) wil nêt ördentlîk schenken; de tt is to enge. ten Doornkaat Koolman 3, 111
a. II@1@a@bβ)
mit bezeichnung des getränks, des inhalts; gewöhnlich mit dem acc.: þegn nytte beheóld, sê þe on handa bärhroden ealo-wæge, scencte scîr wered.
Beowulf 496; vil guoten wîn über al schankte man dâ mit schal.
ges. abent. 1, 121, 620; Gilg (
St. Aegidius) schanckte guoten most. Osw. v. Wolkenstein 123, 5, 1; kompt zehret von meinem brot, und trincket des weins, den ich schencke.
sprüche 9, 5;
mit dem genitiv: die speisen trug der pfalzgraf des Rheins, es schenkte der Böhme des perlenden weins. Schiller 11, 382. II@1@a@gγ) einem schenken,
ihm getränk eingieszen, ihn mit getränk versehen, bewirten: þá stóð Viðarr upp ok skenkti Loka.
Lokasenna 10; de silve koning sat in ener hochtit mit den sinen unde scencte in mit den vaten, de gerovet weren to Jerusalem.
deutsche chron. 2, 1, 77, 2; hertoge Hengest hadde eyne suverlike dochter, de schenkede eyns dussem koninge von Britten unde sprak: dringk heil.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 72
b; ein magt begunde in schenken.
Parz. 406, 21; schenk' ich meinem herrn zu danke, nun so küszt er mir die stirne. Göthe 5, 211. einem schenken, einem eins schenken,
einem zur bewillkommnung oder aus freundschaft einen trunk darreichen. Adelung; jemandem einmal schenken (
besonders seiner tänzerin),
einen trunk bieten. Albrecht 199
a.
gewöhnlich mit object: ich scenkon dir gepîmentet uuîn unte most, ûʒʒen rôten epfelen gedûhtan. Williram 132, 1; unde sulen dâ gote gnâde sagende nemen daʒ trinken, daʒ man in dâ schenket.
statuten des deutschen ordens 44, 5
Perlbach (
regel 16); lutaran brunnonso scenkent sie uns mit wunnon. Otfrid 2, 9, 15; do hieʒ man den gestenschenken den Guntheres wî
n. Nibel. 125, 4; man schankte im den kalten wî
n. Virginal 545, 12; her chunic, nu heiʒet in nach ir arbeit schenken chulen win.
Ludwigs kreuzfahrt 4043; (
man) schancte in ûʒ erwelten wî
n. H. v. Freiberg
Tristan 615; sâ zehant dô schanct man in den vil klâren ôsterwî
n. minnes. 3, 186
a Hagen; dringk, Jhesus, den drang, der sal dir von mer werden geschangk.
Alsfeld. passionssp. 6265; wein Cors, Trebian, süsz Malmasier, den man bringt von Venedig her, und wie man die all mag erdencken, thet man jr uberflüssig schencken. B. Waldis
Esopus 2, 31, 150;
das object im genitiv: hebet ûf den becher, liebiu kint, und schenken in des kalten. Stricker
ged. 5, 155
Hahn; wendung mit von: wil ich auch nit undanckbar sein und schencken dir vom besten wein. B. Waldis
Esopus 4, 64, 38.
frei in der wendung: die mutter schenckt ihrem kinde,
säugt es. Steinbach 2, 381. J. Grimm
kl. schr. 2, 180;
s. unten unter 2,
ferner schenkamme
und schenkung 1. II@1@a@dδ)
mit angabe des behältnisses, dem das getränk entnommen, des gefäszes, in das es gegossen wird: wein aus der kanne in den becher, in die tasse, aus der flasche in das glas schenken; unde do scangta er ûʒʒer enemo calice ueteris testamenti in disen calicem noui testamenti luteren uuî
n. Notker 74, 9; so schenket he mi denne ût sinem geverweden krose.
des dodes danz 1180; ein glas, einen becher voll, zu voll schenken. einen becher voll wein schenken: es sey sanct Ceciliae becher, den sie voll wein auff ein zeit schanck. Fischart 1, 190, 2275
Kurz; drauff gieng das römsche reich fein sauber ausgeschwencket und auff den weiszen schaum bisz
oben voll geschencket mit aller macht herumb. Rachel
s. 72 (7.
sat.); becher schenken,
einschenken: der brütgen gebt den borschen bier, do heeszts denn: schänket bächer! Firmenich 2, 125
b (
gegend bei Gotha).
frei gewendet: das gschir, geschenckt mit welschem tranck, sol sein am tisch ein umbher gang. Ayrer 853, 12
Keller. II@1@bb)
mit beziehung auf besondere gelegenheiten; dem ankommenden gaste wird zur bewillkommnung ein trunk gereicht (J. Grimm
kl. schr. 2, 178),
ihm wird geschenkt: man hieʒ den gesten schenkenund schaffen guot gemach.
Nibel. 392, 1; swie erbolgen si in wæren,schenken man in hieʒ den boten vor den mæren.
Gudrun 767, 1; got geb daʒ ich dir schenken müeʒ mit vröuden, als ich ger (
dasz ich dich wiedersehen und bewillkomnen darf).
ges. abent. 2, 225, 18; sie entpfiengen in alsô, als eʒ sînen êren gezam vil wol. sie sprâchen: meister, man sol ûch schenken ûf diser heide.
livl. reimchron. 4423;
bei dem empfang der heiligen jungfrau Maria im himmel: die engel ir dâ schencten. Suchenwirt 41, 1331.
daher als grusz bei der bewillkommnung: sît got wilkomen, her Nîthart! iu sî geschanct an dirre vart.
minnes. 3, 186
a Hagen; verblassend: vurwar so wil ich schenken der uweren wirdenzuo hoer zirden (
so will ich euch begrüszen, rühmen). Muskatblut 69, 70.
bei der aufhebung der tafel wird noch einmal wein gereicht: dar nâch hieʒ si schenken sân: getorste si, daʒ wære verlâ
n. eʒ müete si deiʒ niht beleip, wand eʒ die ritter ie vertreip, die gerne sprâchen widr diu wîp.
Parz. 29, 9; dô daʒ schenken geschach, daʒ folc fuor gar an sîn gemach. 702, 10. minne schenken, St. Johannissegen schenken,
den abschiedstrunk reichen, in besonderer bildlicher anwendung unter c. einschenken eines trunkes nach abgeschlossener versöhnung: und wil euch do ein schiedwein schenken.
fastn. sp. 256, 8.
bei der erwählung eines bischofs wird ihm kraut
und wein geschenkt: dat gy solt unse bischop syn. seit, hyr schenken wy ju krût unde wyn, dat got ju mote gelucke geven und uns mit ju ein selich leven.
Theophilus 265. II@1@cc)
freier gebrauch. besondere bildliche wendungen der älteren sprache. vom getränk auf die speise übertragen: wol dan! ich wil dir gelten dîn wirtschaft und die spîse gar, die du mir schanktest, âne var. Boner 37, 30,
s. unten die stelle aus Opitz.
mit zugrundelegung des begriffs der erquickung, der wohlthuenden, beseligenden spende; die sinnliche vorstellung bleibt zum theil völlig gewahrt: in (
den kristentuom) dürstet sêre nâch der lêre als er von Rôme was gewon: der im die schancte und in dâ trancte als ê, dâ wurd er varnde von. Walther 6, 35; swer dîn (
der heil. jungfrau) loblich wil gedenken, dem muostu genâde schenken von dem brunnen unde trenken, dem man aller wîsheit giht.
minnes. 1, 70
a Hagen; nu
schenke uns in des herzen kopf der wâren minne süeʒekeit. K. v. Würzburg
lieder u. sprüche 1, 13; daʒ muoʒ ich alleʒ schenken ûʒ mîner gnâden vaʒʒe.
troj. krieg 1966; wand er den sînen schancte die genâde albesundere.
passional 663, 58
Köpke; von der genâden volleist, die der heilig geist den schenket, die er mit dem wîne trenket, der in sînem kelre lît. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2636; ein wîn der wart geschenket ûʒ rîchem kelche in edelʒ glas: sündær, den trink und lâʒ dich dürsten sêre.
meisterl. der Kolm. handschr. 2, 45;
verblaszt und in die bedeutung von 4
überleitend: den selben wil ich rîlîch lop mit mîme sange schenken.
minnes. 3, 45
b Hagen; statt freundlich mit trost reich begabten letheschenkenden holdmildesten worts. Göthe 41, 196.
gewöhnlich wendet der bildliche gebrauch den begriff ins schlimme, düstere: ags. deáðes scencende drenc (
mortis propinans poculum).
the latin hymns of the anglo-saxon church ed. by J. Stevenson 31; do schancte sie hern Adâmen und allem sînen sâmen den tôt.
Lucifer u. Jesus in v. d. Hagens Germ. 9, 172, 66; si treten willic in die nôt, dâ man in schenket grimmen tôt.
passional 102, 4
Köpke; darinne (
im kerker) was der stanc sô scharf, daʒ er genûgen leiden tôt schancte mit vil grimmer nôt. 564, 36.
mit aufgabe des ursprünglichen begriffs: er hat mir auch geschenckt, zur speise bitterkeit, mit wermut mich getrenckt. Opitz 3, 37 (er hat mich mit bitterkeit gesettigt, und mit wermut getrenckt.
klagel. Jerem. 3, 15).
mit beziehung auf die qual der hölle: in der hellen woln mer uch schengken, mit swebel und bech woln mer uch trencken.
Alsfeld. passionssp. 1109.
der kampf wird gern in kräftigen bildern einem gelage verglichen, bei dem wacker geschenkt
wird: suman thuruhskluog her,suman thuruhstah her. her skancta cehantonsînan fîanton bitteres lîdes.
Ludwigst. 53; hie schenket Hagnedaʒ aller wirseste tranc.
Nib. 1918, 4; ob si niht wolten trinkendes küneges Hetelen wîn, man schankte mit dem bluoteime und ouch den recken sî
n. Gudrun 773, 4; er dranc mangen in pîn und schenket mangem sîn eigen bluot.
Wigam. 3823; daʒ rôtvarwe schenkenmit rôt wart verwidert.
jüng. Titurel 917, 1; die brûdere wâren nicht zû laʒ, sie schenketen baʒ unde baʒ iren gesten, die dar wâren komen. die heiden hatten keinen vromen des schenkens, des man in dô pflac.
livländ. reimchron. 5456; hier coomt Lamfroit, ende sal u scinken.
Reinaert 705. minne schenken,
den abschiedstrunk reichen (Grimm
myth.4 48
ff.),
in gleicher weise übertragen: er schancte im eine minne.
Daniel von Blumental 43
b (2096),
vgl. mhd. wb. 2, 1, 178
a; St. Johannis segen schenken,
in ironischem sinne: denn du mich gdenckest zu verführen, mit meiner haut dein wangen schmieren, und schencken mir Sanct Johans segen, wie die wölffe den lemmern pflegen. Waldis
Esopus 1, 49, 21
Kurz. II@22)
in der alten sprache wird schenken
auch mit dem acc. einer person verbunden im sinne von tränken: ags. hwænne gesâwe wê ðê þurstigne, and wê ðê scencton?
homilies ed. by Thorpe 2, 108;
mhd. daʒ er ein canel sî, durch den er die durstigen schenket. H. v. Nördlingen
in Heumanni opusc. (1747) 390;
vgl. die mutter schenkt ihr kind,
säugt es Schm. 2, 432 (
s. oben 1,
a, γ);
nd. ênen beschenken,
ihn betrunken machen brem. wb. 4, 636. II@33) schenken,
mit dem begriff des gewerbsmäszigen, von wirten, feil haben: schencken, schincken,
propinare Dief. 465
c,
nov. gl. 306
a; schencken, weyn verkauffen,
praeesse oenopolio Maaler 349
c; wein und bier schenken Stieler 1759; das schenken, das öffentliche schenken, oder auszapfen des getränks,
jus pocillandi sub hedera Frisch 2, 173
c; wein, bier, branntwein, kaffee, chocolade, meth schenken.
in einigen gegenden Obersachsens auch salz schenken,
vom kleinverkauf, s. schenke,
f. 3 Adelung;
nd. hîr word bêr, wîn un jenefer schunken. ten Doornkaat Koolman 3, 111
a; daʒ ist daʒ gesetzede über die leitgeben die dâ wîn schenkent.
stadtrecht von Meran in zeitschr. für deutsches alterthum 6, 428; so soll der chamrer den wein nemmen von dem wirt, als in der wirt vom zapfen schenkt.
tirol. weisth. 1, 134, 14; es mag ain ieglicher in der Aschau wein schenken. 2, 106, 2; die masz, da man pei schenkchet, die masz sullent uberal geleich sein. 211, 8; dem wolte ein rath das schenncken verbieten.
Nürnb. polizeiordn. 267; wan es ist gar ain swer hus, da trunken lüd gand in und us; er möcht licht ain besser ampt han denn mit schencken (
mit wirtschaft) sich began.
des teufels netz 12902 (
lesart); doch ein solcher reimenspruch, den die nahmen erst verbrämen, den auch Klingsohr, Frauen-Lob und Hansz-Sachsens kunst beschämen, schickt sich wohl dahin am besten, wo man schöps und kofent schenkt. Günther 860; Klein-Prage hat gar gutes bier zum schencken eingenommen. Picander 3, 454. II@44) schencken,
donare, munerare, et munerari, dare dono Dasypodius; geben, begeben, schencken, verehren Henisch 1378, 28;
diese bedeutung entwickelt sich erst gegen ende der mhd. zeit. II@4@aa)
im eigentlichen, in materiellem sinne. II@4@a@aα)
in allgemeiner anwendung: eim ein krämlin schencken,
condonare alicui munusculum Maaler 349
c; einem ein kuh, eine kette, ein landgut, ein feld schencken. Steinbach 2, 381; graf Floris heft grave Edsard een schoon carveel mit al syn segel unde tobehoer geschunken.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 72
b; do sprach ich, ich wolte im darumb lonen und schencken.
d. städtechron. 9, 1043, 24 (
so mit ausgelassenem object und einem dativ nur in älterer sprache, s. weiter unten die stelle aus Opitz); ich schencke dir den acker, und die höle drinnen dazu.
1 Mos. 23, 11; bringet her, und von ewrem vermügen, schenckt mir.
Hiob 6, 22; und theten jre schetze auff, und schenckten jm gold, weyrauch und myrrhen.
Matth. 2, 11; die schankten den stattknechten ein par güldin.
Zimm. chron.2 2, 322, 39; da nun der weingart schier gar in ein verderben gerathen, do schankt in der alt herr seinem vettern. 3, 459, 1; es verging kein tag, dasz ihr dem mädchen nicht
etwas schenktet, und wenn der Deutsche schenkt, liebt er gewisz. Göthe 20, 225; heiʒ dir etwaʒ schenken.
ges. abent. 2, 230, 422; die burger im dâ schancten des in kunde wol genüegen, vil kleinet rîch und in sîn kamer pfenninge die êrst vuoren von der münze hamer.
Lohengrin 2917; der keiserin si sunder dô und der vürstinne schancten durch daʒ kumende vrô des keisers unde des prâbantischen vürsten von klârem golde rîche zwei fürspan. 3092; ros und meiden mit der zal schanc si driuzehen zuo dem mâl. Suchenwirt 5, 550; Judas, wollest du dich hengken, ich wil der ein strick dar zu schengken.
Alsf. pass. 3669; gott grüsz euch, jungfraw, hüpsch und fein! da schenk ich euch ein ringelein. Uhland
volksl.2 38; dann wer mit eren schencken well, der lach, und syg eyn guot gesell und sprech nit, zwor ich thuo es ungern. Brant
narrensch. 96, 11; ich weisz und sehe wol, dasz einer etwas mehr als ich besitzen soll, der fürsten schencken will. Opitz 1, 22; könnt' er nur immer wie er gerne wollte! er schenkte land und leut' an die soldaten. Schiller
Piccol. 1, 1; du hast nichts mehr zu schenken, ach! du hast nicht mehr, wovon du morgen könntest leben.
jungfrau von Orleans 1, 2. jemandem ein almosen, seiner geliebten ein andenken schenken.
in gewählter sprache: gott schenkte dem ehepaar eine tochter;
ähnlich: gatte, tröste Leonoren, schenk ihr einen sohn im may. Gotter 1, 184.
freier: kann ich ihm denn seinen sohn wieder schenken? Schiller
räuber 5, 2
schauspiel; etwas geschenkt bekommen,
dono accipere Frisch 2, 174
a;
mundartlich: etwas zu schenken kriegen, zu schenken geben. Schmeller 2, 432;
man sagt: das nehme ich nicht geschenkt, das ist geschenkt zu theuer,
um etwas als ganz unwert abzuweisen; vgl. etwas nit g'schenkter mögen Schöpf 601. Schm.
a. a. o. der begriff des empfangens ohne gegenleistung wird mitunter scharf hervorgehoben: wir lassen uns nichts schenken, herr! unser eins hat auch ehre im leibe. Schiller
Fiesko 1, 9; vergeszt nicht, dasz ein andres noch vonnöthen, und dasz des lebens sold euch nicht geschenket. Geibel 1, 103.
in besonderer fügung: am kloster schenkten wir uns arm und bauten uns zu grund. Uhland (1864) 356. schenken
wie beschenken: dasz e. kö
n. may. gefalle, mich gnedig, mit dem rittersorden zuversehen und zuschencken.
Amadis 48 (1, 5)
Keller. II@4@a@bβ)
mit beziehung auf besondere gelegenheiten, zum theil in prägnanter anwendung (
vgl.schenke,
f. 1);
bei hochzeiten, kindtaufen u. ähnl. schenken
die gäste, bringen ihre gaben dar. Schm. 2, 432. Spiesz 210. aufs bette schenken,
puerperae donationem facere Stieler 1759; bette schenken, ist an etlichen orten ein gebrauch, nach welchem die gevattern, auszer dem pathengelde, der sechswöchnerinn nach vollbrachter taufhandlung, auch noch etwas geld zum geschenke auf das bette reichen.
frauenzimmerlex. 1, 401. II@4@bb)
eine grosze reihe von redensarten und sprüchen der volksweisheit handelt vom schenken.
man läszt sich gern etwas schenken,
ist dankbar dafür, wenn es auch nicht eben von besonderem werte ist: schencken, thut niemand krencken. Petri (1605) Ss 3
b; mit schencken, thut man keine lieb krencken. Pp 3
b; schenken thut niemand kränken. Simrock;
auch das geringere nimmt man gern: es ist alles gut genug was geschenkt wird.
ebenda; man soll die gabe nicht erst lange auf ihren wert prüfen, die man empfängt: man spricht, wan man einem ein rosz schenkt, so sol man im nit in das maul lugen (
zu sehen, wie alt es sei). Keisersberg
narrensch. 123
a; geschenktem gaul sieht man nicht ins maul,
equi donati non examinatur aetas. Frisch 2, 174
a; eme geschonkenen gule süht me nitt in de mule. Woeste 227
a; Margretlein zog ein schiefes maul, ist halt, dacht' sie, ein geschenkter gaul. Göthe 12, 145.
gegenseitiges schenken
verbindet: schencken und widerschencken erhält gute freundschafft. Petri (1605) Ss 3
b. Steinbach 2, 381.
was man einmal verschenkt, darf man nicht wiederhaben wollen: geschenkt und wieder genommen ist gestohlen. Eiselein 229,
vergl.: g'schenkt, g'schenkt, nimma gê'm (
geben), g'fundn, g'fundn, wida gê'm, g'schdoln, g'schdoln, aufg'hengt (
Nieder-Österreich). Frommann 3, 391, 38.
auf der anderen seite wird gewarnt, geborgtes für geschenktes
anzusehen: lang geborgt, ist nicht geschenkt,
quod differtur, non aufertur Stieler 1759; börgen is nêt schenken,
oder: gebörgt is nêt geschunken. ten Doornkaat Koolman 3, 111
a;
häufig wird die redensart so angewendet, dasz schenken
in dem unter 5
behandelten sinne (
nachlassen, erlassen)
genommen wird. die gefahr der übertreibung im schenken
wird hervorgehoben: schencken hat kein boden, schencken reicht nicht. Henisch 343, 20.
wer gaben austheilt, ist angesehen: wer zu schencken hat, dem ists wie ein edelstein, wo er sich hinkehret, da ist er klug geachtet. Henisch 790, 53;
der geber verpflichtet sich die beschenkten: das schänken kauft und zeucht an sich anderer leute freyheit. Butschky
kanzelley 319;
schärfer zur kennzeichnung des selbstsüchtigen schenkens: mit schencken, thut man einer gab wencken. Petri (1605) Pp 3
b; schencken heyszt anglen; wer eim andern etwas schenckt, der wirfft ihm ein bratwurst an einen backen. Franck
sprichw. 2, 169
b.
daher vom standpunkte des empfängers aus: geschenket gudt kumpt einem am düresten
an. Schiller - Lübben 4, 72
b; wie man auch spricht, es wird nichts thewrer gekaufft, denn das man geschenckt nimpt, gibt mans nicht zweifeltig wider, so spricht man er sey undanckbar. Luther 4, 89
b; das schencken kan zu wegen bringen, das man desz herren lied musz singen. Petri (1605) M 6
a.
aus dem italienischen: du hast wohl sagen hören, wenn der arme dem reichen schenkt, so lacht der teufel. Göthe 34, 56.
andere sprichwörtliche wendungen s. bei Wander 4, 141
ff. II@4@cc) schenken,
in umfassendem sinne: welcher auch seines eigen sons nicht hat verschonet, sondern hat jn fur uns alle da hin gegeben, wie solt er uns mit jm nicht alles schencken?
Röm. 8, 32; der grosze menschen-freund schenk' euch zu jeder frist dasz, was an leib und seel euch nütz und selig ist. Rist
Parnasz 638;
in beziehung auf immaterielles: minne hôchgemüete schenket, minne lieb in herzen gît.
minnes. 2, 393
a Hagen; für all woltat, so ich euch schankt, habt ir mir warlich nie gedankt. Barth. Krüger
in schausp. aus dem 16. jh. 2, 112, 211
Tittmann; da sah ich einer schön wittfrauen ein jüngling schencken jhr ein trab (
ihr eine fensterpromenade machen), der hett sich auffputzt wie ein pfab ... thet sich lang in der gassen umbtrehen, meint, die wittfrau solt jhn ersehen. Ayrer 3001, 8
Keller; auch musz ich, wenn die nacht sich niedersenkt, mich ängstlich auf das lager strecken; auch da wird keine rast geschenkt, mich werden wilde träume schrecken. Göthe 12, 80; eim das burgerrecht schencken,
civitate aliquem donare. Maaler 349
c; viel blinden schencket er das gesichte.
Luc. 7, 21; schenck gott deinen zorn, und bitte für deine feinde. Petri (1605) Ss 3
b; ein hecht au four .., dem bekanntlich der wegschnitt des kopfes und schwanzes und die verschlossenheit des bauchs die gestalt eines rehzimmers schenken. J. Paul
Titan 1, 105.
die neuere sprache verwendet diesen freien, uneigentlichen gebrauch mit vorliebe in einer reihe mehr oder weniger fester verbindungen: die mutter schenkt einem sohne das leben;
anders: wenn gott leben und gesundheit schenkt. Schiller
räuber 4, 3
schauspiel; diese hoffnung schenkt ihm neues leben, neue kräfte: mächtig dem ermatteten körper neue kräfte zu schenken. Ramler 2, 231. gunst, neigung, theilnahme, freundschaft, liebe, anerkennung, glauben, vertrauen, beifall, aufmerksamkeit, gehör, einen gütigen blick
u. s. w. schenken: warm wie das leben ist deine liebe, und ohne schranken, wie's unermeszliche — schenke sie einer edeln und würdigern. Schiller
kab. u. liebe 3, 4; der mönche sündenbleiche zunft war zeuge, als sie mir feierlich gehör geschenkt.
don Carlos 2, 2; dieser groben lüge konnten sie glauben schenken? 5, 4; ein kleiner, alter mann mit weiszen haaren und freundlichem gesicht, der seine gunst mir gleich geschenkt.
Piccol. 3, 4; jemandem sein herz schenken: der könig schenkte mir sein herz. er nannte mich seinen sohn.
don Carlos 4, 21; wehe dem, der zu sterben geht, und keinem liebe geschenkt hat. Rückert
poet. werke (1882) 7, 482; ein mädchen schenkt dem geliebten herz und hand. jemanden seine ganze zeit, einen tag, eine stunde, einen augenblick schenken: der .. seiner gevatterin jeden abgemüszigten augenblick schenkte. Göthe 24, 134; man rufe mir den inquisitor kardinal. ich lasz' ihn bitten, eine stunde mir zu schenken. Schiller
don Carlos 5, 9; sich schenken,
sich widmen, hingeben: wir wollen uns ganz dem künstler schenken.
Fiesko 2, 17; die der neuen religion bisher nur in ihren herzen gehuldigt hatten, .. schenkten sich ihr jezt öffentlich und laut.
schriften 7, 210; wie? hab' ich darum meine hoffnungen auf diesen einz'gen augenblick verwiesen, der sie mir endlich ohne zeugen schenkt?
don Carlos 1, 5; bleib' und schenke dich deinen kindern!
schriften 6, 182 (
Iphig. in Aulis 3, 3); nur heute geh' nicht nach Altorf — hörst du? heute nicht, den einen tag nur schenke dich den deinen.
Wilh. Tell 2, 1.
in volksthümlicher sprache: jemandem nichts, nicht viel schenken,
ihm gar nicht, nicht sehr nachstehen, besonders auch im üblen sinne. Schmeller 2, 432;
anders: du kannst di wat schenken laten,
du hast deine sachen nur schlecht gemacht. Dähnert 403
b. II@55)
freilassen von dingen und personen, die eigentlich verfallen sind; nachlassen, erlassen bei vorhandener verpflichtung und gebundenheit: jr aber verleugnetet den heiligen und gerechten, und batet, das man euch den mörder schencket.
ap. gesch. 3, 14; ach, wollt ihr mein gedenken, den gefang'nen mir zu schenken, ja, schenken zu der eh?
wunderh. 1, 90
Boxberger. einem das leben schenken,
ihn verschonen, begnadigen: eim das läben schencken, und alle schuld der miszhandlung verzeyhen,
vitam concedere, et ignoscere peccata. Maaler 349
c; (
sie) baten Oniam, das er doch den herrn bitten wolt, das er dem Heliodoro, der jzt in letzten zügen lag, das leben wolt schencken. 2
Macc. 3, 31; ick bidde ju doer gott, schinckt mi min levend.
Simpl. 1, 276, 6
Kurz; sie (
die kirche) schenkt euch das leben, und das ist keine prahlerey, denn ihr seid wahrhaftig gerichtet. Schiller
räuber 2, 3; schenken s'mir nur ein bissel mein leben. Raimund 2, 162; sein leben sie wollten ihm schenken geschwind.
wunderh. 1, 64
Boxberger. jemandem eine sünde, schuld, missethat
u. s. w. schenken,
ihm nicht anrechnen, was er gefehlt hat, häufig ist das object zu schenken
aus dem zusammenhange zu entnehmen: und hat uns geschenckt alle sunde, und ausgetilget die handschrifft so wider uns war.
Col. 2, 13; wiewol aber dem könig seine missethat geschencket und zugedecket wird. Mathesius
Sar. 83
b; ich weisz es selbst auch wol, dasz er gar ein tölpel ist; aber wenn ich im disz, wie ich von euch verstanden hab, schencke, so solt ir mir in den hindern blasen. Kirchhof
wendunm. 1, 316
Österley; wol gedacht jm solches (
er hatte seiner frau übel mitgespielt) nit geschenckt würde.
wegkürzer 7; daran söllen gedencken all die mit rauberey umbgon, man wirtz ir keim mer schencken, wirt in gen disen lon. Soltau
hist. volksl. 2, 69; ei, wirt ir dann auch got die sünde schenken? Rebhun
in schausp. aus d. 16. jh. 1, 48
Tittmann; die sünd wölln wir dir alle schencken. Alberus
fab. 11, 160 (
s. 52
neudruck); die torheit will ich euch gern schencken, das jhr mich also uberfallt. 10, 56 (45
neudruck); allwissend was ein jeder thut, er aller thun bedencket, und daher der ellenden blut vergossen, niemand schencket. Weckherlin 31; nicht denck es sey geschenckt wann einer was verbricht: zeit decket laster zu, und bringt sie an das liecht. Opitz 1, 305; welch mädchen ist kein schmetterling, kein schalk? du warst es, süszes ding, und (Amor schenk's mir armen sünder!) ich liebte dich darum nicht minder. Gotter 1, 18; die buosz schencken, ungestraafft lassen; die straaff schencken und nachlassen. Maaler 349
c;
mit unbestimmtem object: ich schenke es ihm nicht, schenke ihm nichts,
verschone ihn nicht, lasse es ihm nicht hingehen: ich will dirs nicht schenken, ..
inultum id nunquam auferes. Stieler 1759; man schenckts den knechten nicht, wenn auch der meister leidt. A. Gryphius 2, 443; und bei gott, dir schenk' ich nichts. hör' es gott, was ich dir biete! Göthe 5, 136; doch wenn seine wirthe und wirthinnen es ihm nicht ganz nach dem sinne machen, so schenkt er ihnen nichts. 49, 184.
scherzhaft, bei einem spiele: Ilse aber bekannte sich getroffen, nahm das tuch und schenkte es jetzt dem professor gar nicht, sondern schlug ihn damit herzhaft auf die schultern. Freytag
verl. handschr. 1, 123. jemandem eine schuld schenken (
ein debitum),
ihm die zahlung erlassen: da sie aber nicht hatten zu bezalen, schencket ers beiden.
Luc. 7, 42.
eigenthümlich und kühn: auch melden sich wohl klatschen an, die ihre zunge keinem schenken (
die keinen mit ihrer nachrede verschonen). Picander 3, 244.
wie ersparen, verzichten: ich schenke mir den letzten act der oper,
höre ihn nicht an; ich schenke dir die beweisführung,
verzichte darauf: das laufen sei dir diesmal geschenkt. du wirst geschleift werden. Schiller
Fiesko 2, 9; die eitelkeit der alliirten liesz sie nicht bemerken, .. dasz er ihnen die niederlage groszmüthig schenkte.
schriften 8, 325; die regen, die uns der winter schenkte, erhalten wir nun (
im sommer) zurück (
hier ist der bedeutungswandel des verbums besonders scharf ausgeprägt). Heyne
an Forster (
Forsters briefw. 1, 817); schenke mir diese betrachtungen; wir wollen sie schülern und höflingen überlassen. Göthe 8, 215.
freiwillig zugeben mit erlassung des beweises: wir können den Leibnitzianern noch ihre voraussetzung schenken. Kant 8, 81; wenn wir herrn Eberhard seine einfachen theile .. schenken und zugeben. 3, 358. II@66)
besonderes: II@6@aa) geschenktes handwerk,
bei dem die wandernden gesellen bei ankunft und abgang geschenke erhalten. Schöpf 601. Jacobsson 7, 202
a; das gott dieses geschenkte handwerk (
schneiderhandwerk) eingesetzet. Hippel
lebensl. 2, 68. II@6@bb) den ball schenken,
dem ballschläger zum bequemen schlage zuwerfen, nd. opschenken (
Fallersleben). Frommann 5, 291. II@6@cc) schenken und logiren,
ein noch heute übliches gesellschaftsspiel, bei dem von der einen seite das geschenk, von der andern der ort ins ohr gesagt wird, wo man es unterzubringen hat. frauenzimmerlex. 3053.