steuern,
vb. ,
stützen, helfen; besteuern; lenken; wehren. ahd. stiurren (
in den bedeutungen A
und C),
mhd. stiuren (A, C, D),
mnd. sturen (A, C, D);
mnl. sturen (A);
got. stiurjan
aufstellen (
im übertragenen sinn);
sonst auszerhalb des deutschen in den bedeutungen C
und D (
s. u.).
germ. *stiurjan, j-
ableitung von dem nur in der composition erhaltenen -stiura- (
s. sp. 2603)
bzw. stiurjō '
pfahl',
s. 2steuer.
die bedeutungen A
und B
im deutschen beruhen auf erneuter ableitung vom subst. in den entsprechenden bedeutungen. AA. '
stützen, helfen, ausstatten, beitragen'
; den bedeutungen und anwendungen im ganzen bereich von 2steuer
entsprechend. A@11) '
stützen',
wie steuer A 1.
mundartlich noch heute, häufig reflexiv '
sich stützen' (
s. u.): sich steuern Kehrein
Nassau 1, 391; steuere dich wider die wand Schmidt
westerwald. 235; steiern Kisch
Nösner u. moselfrk. ma. 215; steire Fischer
schwäb. 5, 1747; stüre
einen obstbaum stützen Martin-Lienhart 2, 612; stüra '
mit den fuszspitzen den boden anstemmend berühren' Bühler
Davos 137; steuan
sich anlehnen Neubauer
Egerl. 100; si stoirn Schöpf
tirol. 709; '
beim ausgleiten das gleichgewicht zu halten suchen' Lexer
kärnt. 241. A@1@aa)
in eigentlicher anwendung, seit ahd. zeit: stiuri hant
fulci manum Müllenhoff-Scherer
denkm.3 222; gistiurta
suffulsit (
eccles. 50, 1:
Simon ... sacerdos magnus, qui in diebus suis suffulsit domum)
ahd. gl. 1, 582, 64; do nam der gotes holde (
Christophoros) daz kient uf und gienc hin abe gewonlich mit sime stabe, der im durch sturen gezam
passional 349
Köpke; als in einem naturlichen leib das gebein steüret das fleisch, als ein sterckers das schwach Michael Stiefel
ev. v. d. zehen pfunden Matthäi (1522) c 2; dann wie ein baw ... durch untersetzte seulen gewisser gesteuert wird: also auch der glaub auff gottes wort als auff dem fundament beruhet
J. Calvin inst. christl. rel. (1572) 2, 163; das hertz, zu helffen und zu schützen; den arm, zu steuren und zu stützen H. v. Hoffmannswaldau
u. a. ged. 7, 103
Neukirch. [] am stärksten ausgebildet refl. sich steuern: sih stiurendo (
quo)
innixa Notker
bei Graff
ahd. sprachsch. 6, 706; er viel dicke durch den snê und stiurte sich dicke mit der hant, unz er den val überwant Stricker
bei Wackernagel
leseb. 566; das weib so ein knäblein trägt, ... wenn sie auffstehen wil, steuret sie sich mit der rechten handt viel mehr dann mit der lingken J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 142; zuokt er ein äxtlin, welches er stettigs in die kirchen trueg, sich damit zu steuren, wiewol sein mainung gar nit war zu schlagen oder den knecht zu schedigen
Zimmer. chron. 4, 182
Barack; ein alter schwacher mann, der sich nicht wol mehr steuren kan Georg Rollenhagen
Abraham 132, 14
Freybe; die alten, so sie an einem stecken gehn, steuren sich immerzu vor anhin nach irem grab Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 57
a. — sich steuern
in verbindung mit präp., die richtung und ort des stützens, haltens, lehnens angeben: in die stegraif stiurt er sich, in die hende er daz swert twanc Johann v. Würzburg 8396; der helt sich zuo des plânes habe da stûrte mit der hende sîn Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 40005. — sich steuern an jemanden, an etwas '
sich stützen, lehnen': si stiurte unde leinte sich mit ir ellebogen an in Gottfried v. Straszburg
Tristan 11974; Sernilius ..., wie er ... uff dem marck steet, länet oder steüret sich an seinen bruoder ... und stirbt H. v. Eppendorf
Plinius (1543) 34; dar umbe quam her zu deme grabe des lieben heiligen ... unde brachte mit om sin ophir unde ouch den stab, dar an her sich phlag zu sturne
leben des heil. Ludwig 90
Rückert; er leynet und steuret sich an seinen walstab
Aymont v. Dordon (1535) Z 3
b; sie (
die fürsten) sind keine stangen, daran man sich steyren kan Moscherosch
ins. cura parent. 62
ndr.; es steiget stracks uber sich und steuret sich an die nechsten gewächse Tabernämontanus
kräuterbuch (1588) 698; allein man steure sich an einen dapffern, tieffen und steiffen grund, darauff das werck sicher ... erhebt ... werde Guarinonius
grewel der verw. (1610) 843.
im sinne von '
stemmen': und stewrete sich mit beiden füssen an das bette an, damit sie ihn desto fester auff den nothfall halten könte A. v. Kreckwitz
lustwäldlin (1632) 262; das thor er widerumb zuschlosz, steurt sich daran mit kräfften grosz, bisz er die rigel trucket ein Spreng
Äneis (1610) 189
b. —
auch mit dem dat.: iz was ein frouwe zu Erferte gesezzin, die brach die gicht also unmezlichen sere, daz si stetes zu bette muste legin, unde wenne si uff einre siten mude gelegin hatte, so mûste si sich stûren an eime seile, daz si uff di andere siten quam
leben des heil. Ludwig 87
Rückert; und stewerte sich an einem knuttel
Hedwigslegende (1504) c c 1
a; ein fallender, der sich an einem schwächern anhalten und steuern wil Butschky
Pathmos (1677) 610; es ist auch seer behilfflich, ein stab oder kurtz spieszlin mit zu tragen, sunderlich wa man unebne weg wandern musz, ... im absteigen steuret man gegen dem stecken, dasz man nit schnell herab stürtz Ryff
spiegel d. gesundheit (1544) 26
b. '
stemmen': sein pratspiess abgegürt, sich damit gegen dem wasser gesteurt und sein haubtharnasch oder schallern auffgegürt v. Herberstein
selbstbiogr. 287
Karajan. sich steuern auf etwas, jemanden
ist noch bis ins 19.
jh. hinein bezeugt: nieman sich goldes versach in deme stabe, den er truc, als ob er durch gemaches vuc dar uf sich wolde sturen
passional 19, 84
Köpke; all menschen, die von sant Ulrichs grab stecken oder krucken namen, das si sich darauff stewrotten
leg. v. heil. Ulrich 60
Hirsch; einen schröcklichen prügel in händen
[] trug, auff welchen ich mich wie ein wilder mann steurete Grimmelshausen
Simpl. 435
ndr.; darauf (
auf den stock) konte er sich nicht allein steuern, sondern auch, wann es die noth erforderte, damit gute schläge austheilen J. C. Dippel
abgezw. fatale abfert. (1733) 27; auff ein zerbrechlichen rohrstab sich steurn, heist mit guten bedacht zur erden fallen Harsdörffer
gesprächsp. (1641
ff.) 2, 171; do der convent von seiner arbait widerumb kom und stuond vor irer porten und was wartend des zaichen der orglocken, do steurt sich der ellter münch aus in auff sein grabschaüfel und sprach Joh. Hartlieb
dial. mirac. 69, 18
dtm.; der dir ein fester pfeiler sein wirdt, darauff du dich lehnest und steuerst
J. de Acosta America (1605) 253; dasz man solle mit gestifften allmosen ... den bösen buben und faullentzern küssen machen unter die arm und pfülben zu den häupten, darauff sie sich steuren Joh. Erh. Cellius
buszspiegel (1615) 93; Elise gieng nur allein mit dem halse und kopff uber das wasser herausz, und hatte sich mit den händen auf einen seidenen strick, so quer über gespannet war, gestewret Opitz
Argenis (1644) 2, 161; unsere werthe königin steuerte sich inzwischen auff eine alte frau und war vor unaussprechlichen betrübnisz schon mehr als halb todt Ziegler
asiat. Banise (1689) 270; von den zaichen, ob ain fraw ain knäblein trage. ... daz ainleft ist, wenn si aufstêt, sô steurt si sich auf die rehten hand Konrad v. Megenberg
buch d. natur 40, 32
Pfeiffer; noch derzeit verspüre ich kein oberbein ahn meiner handt ...; dasz ich mich auf meine handt steüere undt sie mir umbschnapt, dasz kan niemandts hindern Elisabeth Charlotte
br. 2, 681
Holland; der einen müden fusz hat ..., sich aber auff denselben zur zeit der flucht verlassen und darauff stewren oder leinen wolte, ... vom feind wird er verfolgt, ... und ertapt Albertinus
hirnschleiffer (1664) 422; massen so er (
der hirsch) sich auf die füsse steuren kan, mag er leicht den jäger einen schaden zufügen
das geöffn. jägerhaus (1715) 9; die steinböck ... haben ein langes schwer gehürn, darauff sie sich steuren, wenn sie einen fehlsprung gethan Heyden
Plinius (1565) 275; so sitz dann hinderm disch geschmogen, und stewr dich auff ein elenbogen Scheidt
Grobianus 3057
ndr.; sich auf den ellenbogen steuren Kramer 2 (1702) 969
a; folgends stewert er sich auff seine arm und fieng an, so heftig zu sinnen
Amadis 1, 143
Keller; ich sehe leicht ein, dasz die kerls (
schlecht ernährte soldaten) sich schwer auf den beinen erhalten würden, allein (— ich bemerke nicht einmal, dasz die im ersten gliede ohnehin auf das knie sich steuern können —) Jean Paul (1826) 16, 228
Reimer; sich auf etwas steuern
appoggiarsi, fondarsi su checchessia Jagemann
wb. (1799) 2, 1162. —
im sinne von '
sich niederlassen',
vgl. o. sich auf den ellenbogen steuern: also sprach sie, bisz in das betth, darauff sie sich gestewret hett Spreng
Äneis (1610) 79
b; Tyridates legte sich hierauf gleich zu bette, ... alles zu überdenken, was ihme den tag begegnet war. Vasaces muste, nachdem die slaven aus der kammer gegangen, sich auf ein nebenbette steuren, um seines königes vorbringen anzuhören A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 16; so will ich mich bey disem brunnen hie nider setzen an die sonnen. ... er steuert sich nider Ayrer
dramen 1087
lit. ver.; vgl. im gleichen sinne sich niederstaren (
teil 8, 799). etwas auf, in, an etwas steuern '
stützen, lehnen',
seltener neben dem reflexiven gebrauch: daselbst hat auch ein junger gesell den kirchfanen sollen umbtragen. wie er aber ain vorteil zu suchen begert, hat er die stangen auch auf den latz gesteurt
Zimmer. chron.2 3, 598
Barack; hatte ... in der lincken hand den scepter, den er auff den schenckel steüret J. B. v. Borstel
von der lieb Astreae (1619) 1, 95; und so man ihn (
den schild) auff den boden steürt, nimpt er des keinen schaden Xylander
Polybius (1580) 334;
[] durch welches mittel gehen denn die engel, oder worauf steuern sie ihren fusz? Jac. Böhme
s. w. 2, 128
Schiebler; kommt mutter! steurt auf mich den abgezehrten leib! legt den verdorrten arm um meinen hals! ich bleib, vor eure schnur, itzt stab Gryphius
teutsche ged. (1698) 1, 453; und verschied in dem pett sitzende und sein haubt auf die hand stewrende G. Alt
buch der cron. (1493) 212
b; und hielte jeder mit seinem lincken arm den rechten, damit selbiger sambt dem darauf gesteuerten haupt nicht gar niedersuncke Harsdörffer
Diana (1661) 2, 130; mein haupt in die recht hand ich stewert H. Sachs 7, 203, 37
K.; welcher wann er zielet, den arm an die brust oder seiten steuret, der verfällt einen asper
qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 5, 390. A@1@bb)
im älter nhd. häufig übertragen, in den gleichen präpositionalen verbindungen wie o. a,
meist sich, etwas steuern auf, an etwas,
so dasz in der construction der zusammenhang mit dem eigentlichen gebrauch immer festgehalten ist. unter beibehaltung des bildes: der heilligen streittenden kirchen grundfestungen, darauff sich das gantz zimmer diss gepews vertrawentlich steüert, sind die heiligen apostel G. Alt
buch d. cron. (1493) 101
a; und dieses war der pfeiler, worauf sich der selige mann gottes in widerwärtigkeit zu seinem unbeweglichen troste steuren konte Gotthart Schuster
christ-erbauliche sendschr. (1742) 478; und du, mein sohn einig allein, solst mir gleich wie ein stab jetzt sein, auff den ich mich steurn und stützn thet Ayrer
dramen 581
Keller; darauff im der vatter geantwortet: ja wol, mein son, sey du mein stab, daran sich mein alter steuret und sey du herwider mit des vatters gebet gesteuret H. Fabricius
auszzug bewerter hist. (1599) 325; ob nun gleich kirchliche bitte, gebet und vorbitte eben nicht im geruch groszer wirksamkeit stehen und für die andächtigen seelen, die sich darauf steuern, nur ein schwacher stab sind Musäus
volksmärchen 461
Klee; steuer dich an Christum unszern erloszer und szeligkmacher J. S. Egranus
ungedruckte predigten 135
Buchwald. meist weniger bildhaft, abstracter: darumb lebe man also und steure sich auff die veterliche trewe gottes Luther 16, 296
W.; doch im namen meines herren dörfft ich mich auff seine gnad sicher stewren und kecklich anlehnen Spee
güld. tugendbuch (1649) 106; und stürent sich uff den artickel von der küre der radherren begriffen (15.
jh.)
Straszburger urk. 1, 455
Eheberg. sich steuern auf etwas
in breiter anwendung auch im sinne von '
sich auf etwas verlassen': ihr aber, herr Leonhard Korn, seit wol ein gut und nutzlich korn, weil auff euch manch bedrangter mann sich steuren und verlassen kan J. J. Weidner
lustgärtlein (1621) e 7
a; die Türcken förchten und fliehen dieselbe (
pest) nicht, sondern steuren sich auf die vorsehung H. Widerhold
beschr. der sechs reisen (1681) 1, 35
a; die sich fürnemlich steuren und lainen auff ire gutten werck Keisersberg
schiff d. penitentz (1514) 117
b; der fuchs steurt sich auff sein witz und list, wolt dem trewen rath nicht volgen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 109
a; es musz aber niemand vermessener weisz in alle rauffhändel sich mischen und sich allein steueren auff sein fechtkunst Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 1, 178; ich steuere mich ganz auf die rühmlichen zeugnisse, die ich in händen habe Jean Paul 1, 367
Hempel; töchter sind bey uns ein kapital, das in umlauf musz gesetzt werden ... mutter Brigitta steuerte sich auf einen wohlhabenden eidam, der sie einst wieder ... in das land des überflusses ... zurückführen würde Musäus
volksm. (1826) 4, 13; '
sich daran halten': die chronicken sind in den jarzalen obbemelter königen also ungleych, dasz ein jede beynaahe ein besondere weysz hat, und sich niemands daran steüren kan Stumpf
Schweizerchron. (1606) 665
b.
gelegentlich auch mit sachlichen subjecten: welcher glaube sich stewert und verlesset auff das
[] wort der verheissung gottes Mathesius
Syrach (1586) 2; und disz stuck fundirt und stewrt sich auff das erste: dann wer gott rechtschaffen liebt und jhm gehorcht, der liebet auch sein nechsten Joh. Saubert
currus Simeonis (1627) 439; die vorrede ... hat vielleicht desto mehr zu sagen, da sie sich noch auf nichts vorhandenes steuern kann Jean Paul
s. w. (1826) 56, xiii
Reimer. —
selten nicht reflexivisch steuern auf etwas: das uns gott unser sunde durch seyn szon Christum unsern hern vorgeben hat und vergeben wil, darauff sollen wir ym leben und todt und bey leyb auff keyn werck bawen, steurn und uns vertrosten Luther 10, 2, 497
W.; weil sie das müsten verwerffen, das sie selbs in allweg auffrichten, verthedingen ... ja darauff sie gegründt und gesteüert steen Seb. Franck
chron. u. beschr. d. Turckey (1530) a 3
a. etwas auf etwas steuern: wo er (
der teufel) einen menschen am sterben findet ..., der sein gewissen auf menschen leer und gepot stewret ..., den würdt er stürtzen
bei O. Clemen
reformationsflugschr. 2, 359; steure deinen weg auf den herren: unt hoffe auf yn Schede-Melissus
psalmen 140
ndr. von steuern
lenken (
u. sp. 2649)
zu scheiden: dasz es das gewöhnliche los der sterblichen ist, ihr leben zu verträumen, einer phantasie, einer leeren grille den besten theil desselben aufzuopfern und ihre ganze thätigkeit darauf zu steuren Musäus
volksmärchen (1826) 3, 97. A@22)
fortentwickelung des concreten '
stützen'
durch abstrahierung. A@2@aa)
unterstützen, helfen, fördern, wie steuer A 2,
in der form jemanden, etwas steuern,
seit ahd. zeit bis ins älter nhd.: stuorrent sie dia scalhheit (
adiuvant servitutem) Notker 1, 1, 313
Piper; stiurrentes
institutores ahd. gl. 4, 220, 13.
dem concreten '
stützen'
noch nahe: hillich yn alle synen wercken up hevende de vallende ... unde de gerechtigen sturende, gevende starkheit den volke godes (1473)
bei Schiller-Lübben 4, 453;
doch meist abstracter: sweme got ferlîhet ten gewalt, daz er ist guoter liste unde sînen ebencristen stiuret unt lêret, zuo dem bezzerem chêret mit tem selbem gaiste
himml. Jerusalem bei Waag
kl. ged.2 65, 313; diejenigen, so in (
Luther) wider kay. ma. verbot gsteüert und gleichsamb geborn und in Pathmos under irem schutz behalten haben Joh. Nas
antipap. eins und hundert 3, 56
a; sobald der heil. Benno den kaiserlichen befelch, welchen der pabstliche, das ist der höchste, steuerte, vernommen (1697)
bei Schmeller-Frommann 2, 777. —
im sinne von '
veranlassen, bewirken': doch bôt er im guoten tac, als in sîn zuht stiurte Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 2399
Hahn; die schencken steürent trunckenheit und frässerei (
tabernarii ebrios pariunt) H. Stainhöwel
spiegel menschl. lebens (1479) 107
a.
von b '
mit etwas ausstatten'
nicht immer scharf geschieden: ir heiligen sêla ... stûret mih mit iuweren guoten biliden (
fulcite me) Williram 31, 6
Seemüller; mit dem heiligen geist durchfewert, der sie hat krefftigt und gestewert H. Sachs 6, 237, 31
K.-G. auch mit objectssatz, '
helfen': ratet, helfet und steuret, wie ich so sweres leit von herzen werfen muge
ackermann a. Böhmen 21, 12
Bernt; du bist trawrig des kürbis halben, welche du doch nit erarbeit hast, auch nit gesteuwert, das sie wachsen künde J. zu Wege
confession (1555) 116
b.
das abstracte '
helfen'
ist von übertragenem '
lenken, steuern' (
u. sp. 2649)
nicht immer eindeutig geschieden, s. auch u.: das ist je ein gewüsz zeichen, dasz gott stürt, denn nach kleine mines verstands hätte ich dahin (
zum verständnis der hl. schrift) nienen kummen mögen H. Zwingli
deutsche schr. 1, 79.
von '
wehren, abhilfe tun' (
u. D)
zu scheiden: hilfet da nicht (
gegen den tod) ... physica mit iren mancherlei steurenden trenken
ackermann a. Böhmen 63
Bernt. [] mit angabe des zieles und zweckes jemanden zu etwas steuern
ihn zu etwas veranlassen, dazu verhelfen, fördern, öfter von '
zu etwas hinlenken' (
u. C)
nur durch historischen vergleich zu scheiden: und wie sie (
die welt) ir süeze siuret, daz mich ze fröiden cleine stiuret Ulrich v. Eschenbach
Alexander 16272
Toischer; was sye zuo ir säligkeit stüren mag, ich ir gerne günnen will Wickram 1, 164
Bolte; und manent in unde warnent in und helfent ime und stúrent in zuo den tugenden und zuo den gnaden, und mit steter wirklicher bunge so behtent si den menschen Tauler
pred. 373
Vetter; in Ytalia, daz ist Walhen lant, da ist ein prunn, der daz gesicht der augen pessert, und die chranchen augen steurt zu pesserm gesicht
gesta Romanorum 143
Keller; und durchwander all stett und lant, darzuo den lufft und möres grund, darzuo mich steürt die liebe stund, über die du fürst solche klag Georg Wickram
irr reitend bilger (1555) b 2. jemanden steuern etwas zu tun '
veranlassen': des haben si ir wall und wandl mit mir oder auch mit ainem andern mann, der sew pas furdern kan und stewrn solhs auszerichten
österr. weist. 8, 183.
hierher, obwohl (Schiller-Lübben 4, 453)
als '
lenken'
interpretiert: de leren sal myne hant to schryvene unde de sturen sal myne tungen to spreken (1473)
ebda. —
ohne accusativobject zu etwas steuern '
verhelfen, beitragen, fördern': waz stiuret baz ze lebenne danne ir werder lîp? Walther v.
d. Vogelweide 93, 22
Lachmann; alle dye darczuo steüren oder ratten, die seind verteylt mit des todes pein geqwelt und gemartert Hartlieb
buch Ovidii v. d. liebe (1482) 54
b; fieng an den bruder heimlich hassen, darzu sin eewib ... one underlasz fürdert und stürt, dann es si verdrosz, dasz er dem vatter gevolget Tschudi
chron. Helvet. 1, 121. —
auch jemanden auf etwas steuern
ihn in der richtung auf etwas fördern, unterstützen, dem sinne von '
ausstatten' (
u. b)
nahe, von '
lenken' (C)
zu scheiden: ouch hât mich Heinrîch Marschant ûf diz werc gestiuret wol. ob ez volendet werden sol, des hilfet er mir sêre Konrad v. Würzburg
Partonopier 203; all die menschen, die herkommen sein von gnaden und ablas wegen, die steur ich auf den weg der ewigen salikeit
pfarrformel bei Schmeller-Frommann 2, 778;
hierher: wann man rft vor der schrann, das nimant stewr auf dez andern schaden, wer aftendez aufhabt oder dirtailt ungefragt, der schol dem richter püzzen und ainem seinen schaden ablegen
steiermärk. landr. 47
Bischoff. A@2@bb)
ausstatten, beschenken mit etwas, durch gaben u. s. w. unterstützen, wie steuer B 1,
von dem reinen '
unterstützen, helfen' (a)
nur in der anwendung verschieden, ebenfalls in der form jemanden steuern;
besonders im mhd.: 'frouwe, ich sende iu zwelf prôt, schultern unde hammen drî: dâ ligent ähte kæse bî, unt zwei buzzel mit wî
n. iuch sol ouch der bruoder mîn hînte stiuren: des ist nôt Wolfram v. Eschenbach
Parzival 190, 15; seyt das mich got hat her gesant zu Tarsis in das werde land, ich stewre wol die tewr. ich will der statt zu stewr hundert tausent maut geben Heinr. v. Neustadt
Apollonius 1009
dtm; (
er) klagt den herren sein armuot und sagt ... het durchfaren zway kaiserthuomb ... und het sich so verzeret und begeret allso, das sy yn wolten steuren, das er wider möcht in sein lannd kommen (1509)
Fortunatus 42
ndr.; '
aussteuern': also das er sein schwester vorhyn steürt und zuo morgengabe geben het oder das hausgesinde darvon gespeist oder den glaubiger seines vaters schuld betzalt und gegeben het
clag, antwurt (1497) 88
b Schönsperger; a
ähnlicher: hastu ... niemant haimlich gesteürt, behauszt
[] und beherbergt Caspar Huber
ain trewe warnung (1535) b 5
b. jemanden an, zu etwas steuern
für etwas, zu einem zwecke ausstatten: allew dy daz gotshaus gestewrt habent mit worten oder mit wercken, ... daz sy unser lieber herrgot auch stewer an sel und leib
bei Schmeller-Frommann 2, 777; des morgens do er danne schiet, ir wipheit sich mit ir selben des beriet daz sie in wolt ze siner verte stiuren, unt gap im als ir was gesant vünfzec scharlach über se von Engellant
Lohengrin 3843
Rückert; so gingent biderbe lüte und hieschent an dem ringe den lüten, daz sü die bruder stürtent zu kertzen und zu vanen
städtechron. 8, 111. — jemanden mit etwas steuern
beschenken, ausstatten, ausrüsten: do sprach marggrafe Helnot von Tuschan: ich wil dich hohe sturen mit fünftzig man, die wil ich mit uch senden uff das wilde mer
Otnit str. 38
Mone; es hett auch dieser bischoff ein sondern anmuth zu dem closter Eberach, also das er wolt, das sein hertz nach seim todt daselbst begraben werden solt, des stewert er es auch mit reichen und vielen järlichen zinsen Joh. Herold
chron. aller ertzbisch. zu Mayntz (1551) 85
a; euer gewonheyt ist, alle iar die armen diener des lieben herren ... mit eüerm almuosen czesteüren Arigo
decamerone 401
Keller; a
ähnlicher: so manliche man gesach ich nie, der rechte mutig wurde, er wurde dann mit frawen troste gesteuret
ackermann a. Böhmen 29, 15
Bernt; wann so sie ausz einem feisten bodem in ein magern versatzt werden, so mügen sie nit nütz sein, sie würden dann zu dem dicker mal mit mist gesteiert
Petrus de Crescentiis 44
b (
ca. 1495). A@2@cc) '
beisteuern, schenken',
im unterschied zu a
und b
mit dem dat.: jemandem steuern
ihm eine gabe, geschenk, unterstützung beisteuern; wie steuer B 1;
seit älter nhd. zeit, in junger zeit neben gewöhnlichem beisteuern,
auch zusteuern,
noch erhalten. mundartlich von 3
meist deutlich geschieden: steüern
beitragen zu etwas K. Bruns
volksw. d. prov. Sachsen 66; sie wesse s doch, dass mer im frijahr iwwerschwemmung gehatt hann. es is ja fir ens gesteiert worrn Crecelius
oberhess. 810; stire '
geschenke für ein neues haus bringen' Fischer
schwäb. 5, 1747; wenn d nit brav bis, so stürt dr d mueter nix, wenn si z märk get Martin-Lienhart 2, 612; het ders wienechtchindli au gstürt? Seiler
Basl. ma. 283; einem stüre Hunziker
Aarg. 264; staürn
einem betteler etwas geben J. Bacher
die deutsche sprachinsel Lusern 393. jemandem steuern
jemandem materielle unterstützung reichen, insbes. almosen: darümb ain herr zu loben ist, der frid den seinn macht zu aller frist. die seinen müszen im steurn und geben, und teglich pitt man ümb sein leben
fastnachtsp. 646
Keller; (
Camillus) stewret auch allen burgern, die ir heuser wider bawen wolten, ausz gemeynem seckel Carbach
Livius (1551) 59
r; ward ein frommer prediger in Böhmen umb göttlicher warheit willen ins gefängnisz geleget, dem steureten fromme christen, dasz er sich darinnen erhalten möcht Prätorius
glückstopf (1669) )( 4
b; den armen steuren
dar limosina, aiuto a poveri Kramer 2 (1702) 968
a;
modern im etwas blasseren sinn von '
beisteuern' (
s. u.): ich bin nicht reich, doch werden eltern mir und freunde willig steuern, mein glück von deiner habsucht zu erkaufen Grillparzer
s. w. 4, 214
Sauer; es dauerten sie dabei nur die armen leute, denen die häuser hätten verbrennen müssen, so gleichsam ihretwegen, aber denen müsse auch gesteuert werden, dasz es fry key gattig hätte Jer. Gotthelf
geld u. geist (1852) 166. —
mit objectsausdruck jemandem etwas steuern: die städt und klöster im Wirtemberger land steuerten den armen leuten 10627 fl. 20 creutzer ... sonst hat ihnen der fürst alles bauwholtz geschenckt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 131
b;
[] steht mir umb gottes willen bey, stewret ein klein almosen doch mir und mein armen weiszlein noch W. Spangenberg
ausgew. dicht. 268
Martin; er musz ein armer mann gewesen seyn, dasz man ihm so viel hat steuren müssen, und musz ein verthunischer gesell seyn, dasz des steurens noch kein ende ist Grimmelshausen
traumgeschicht (1660) 34; ich spühre deinen beyfall schon, o du versammlung edler häupter, die du, wie jetzt, dem höchsten thron, so oft du freudentage feirest, auch seinen weyrauch steurest Weichmann
poesie der Niedersachsen 5, 66; doch steuert er ihm etwas auf den weg und hiesz ihn auch die schuh im stall mitnehmen, wofern er etwa meinte, sich ein geldlein mit zu machen Mörike
erz. (1878) 195; zum lohn steuerten ihm alle bürger, als die hungersnoth wüthete, jeder ein weniges von seiner speise, sich selbst abdarbend Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 349; der herold rief die kriegsfähigen auf, die bereit wären, leib und leben dem vaterland zu steuern
ebda 3, 579; (
arme) wurdent in das barfüsserkloster yngenommen, und nach zimlicher notturfft in spys, tranck, geliger, decke, allten gestürten kleydern, mitt grosser müy und arbeit viler gottsfürchtiger lüth ... daselbs erhallten worden sind Heinr. Bullinger
reformationsgesch. 2, 244
Hottinger. vereinzelt: und gebt mir doch nur ein paar kronen! ae stürend mich ein altes kleid! Wickram 5, 222
Bolte. mit angabe des zwecks, der richtung u. s. w. steuern zu etwas '
zu etwas beitragen': darumb ich bitt euch, das yhr mir wollen steuren ein heller, ein rüschen flachs, ein unterbant garn zu dem alter Luther 26, 643
W.; einem etwas steuren zu etwas
contribuire, dare, largire ad uno qualche cosa di larga mano à qualche effetto Kramer 2 (1702) 968
a; als eur lieb ... unserm lieben bruder ... hiemit zu seiner kurzweil dez schiessens gesteurt und geschickt habt ein armbst
privatbr. d. mittelalt. 1, 55
Steinhausen; erlangten auch groszen ablasz, beyde zu ihren kriegen und spitäln, wer ihn mit leib, gut, hülff und thaten darzu steuwerte Kirchhof
wendunmuth (1581) 431;
übertragen: das stürt im vil zuo guotem lob J. Aal
trag. Johannis (1549) b 4.
ohne dativobject der person etwas steuern zu etwas: wie dann bemelte witib ... solh ir naygung mit dem werch erzaigt und dartzuoe all ir guoet gestewrt hat nach irem vermögen Berthold v. Chiemsee
theol. 613
Reithm.; wol hett ir sovil leichter im jar ein drey pfenning geopffert, und zum gebet ein par batzen gesteweret Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 4, 299
a; nachdem er aber von Mose ermahnet worden, etwas von seinen schätzen zum unterhalt der armen zu steuren, etwa eins von zehn, ... hat er sich dessen gewegert Olearius
pers. baumgarten (1696) 14; du steuerst kostbar zu der brüder hochzeit: dem einen vorenthaltne ländereyn, ein ganzes land, ein herzogthum, dem andern
Shakespeare 4, 307; mit um so gröszerem selbstbewusztsein ..., als Magdeburg wohl weisz, dasz es mehre millionen thaler zum jährlichen finanzetat Preuszens steuert Gutzkow
ges. w. 11, 53;
in weiterer anwendung, s. u.: das binlein steurt das wax zum siegel nechst dem end Harsdörffer
d. teutsche secret. (1656) 1
vorr. 8
a; die welt ist ... grosz genug und steuret überflüssige materie zu neulichkeit Stieler
zeitungs lust u. nutz (1697) 65.
ohne object: sie wolten auch mal sein die herrn, steurten zu dem allmusen gern Fischart
Eulenspiegel 261
Hauffen. — steuern zu etwas
hat gelegentlich den doppelsinn des allgemeinen '
zu etwas beitragen, beisteuern'
und des speziellen '
steuerabgabe zu einem zwecke leisten' (
wie u. 3): aus Italien muste man sie ... mit 10 metzen gulden hinweg kauffen, worzu auch die kinder in der wiegen gesteuret S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 132;
besonders in [] junger zeit unklar: nicht die fürsten steuerten zu dieser 'hoffahrt', sondern der könig bezahlte sie Nitzsch
deutsche studien (1879) 174; an der stelle, wo die Baglionen gewohnt, ward eine festung aufgerichtet. die bürger selbst muszten dazu steuern Ranke
s. w. 37, 261.
seltener in anderen constructionen; mit präpositionen der richtung und des zwecks (
wie o. mit zu): steyeret in das h. allmosen nach ewerem vermögen Moscherosch
ins. cura parent. 105
ndr.; wer wirdt nach dieser musterung steuren den frawen an ein borten, an ein halskoller Paracelsus
op. (1616) 1, 201
Huser; die trinkgelder und mein schafhandel hatten mir für meine wenigen bedürfnisse das meiste geliefert; nur an eine sackuhr muszte mir der meister steuern Jer. Gotthelf
s. w. (1898) 1, 180; gehen sie in eine armenschule und steuern sie für das jüngste der kinder ... eine gabe Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 4, 105.
modern öfter ohne angabe des empfängers, wie auch o. steuern zu etwas: es (
das kamel) erträgt hunger, durst und hitze und steuert dabei noch seine milch H. Laube
ges. schr. 5, 270; es ging in seinem hause geräuschvoll und lustig her; die pfarrkinder steuerten reichlich, was feld und wald abwarf G. Keller
ges. w. 1, 15; Europa glaubte, die blüthe seiner gewissen hoffnungen vor sich zu sehen; sollte es also nicht steuren? nicht geben? Herder 15, 116
S.; wo der regent, der euch kennt und weisz, was ihr nöthig habet, wenn er euch ein groszes almosen ertheilen siehet, zu euch sagen musz, das ist nicht in der ordnung, dasz ihr also steuert! Pestalozzi
s. w. 9, 89
Buchenau. besonders in junger zeit über die älteste und häufigste anwendung des '
bedürftigen unterstützungen reichen'
hinaus stark erweitert (
s. auch schon o.): zu seiner vorhomerischen symbolik hatten ihm mancherlei spiel von kinderweisheiten gesteuert die altväter Danaos und Kekrops J. H. Voss
antisymb. 2, 8; schämig versagst du den blick dem übel beleumdeten ketzer, ... schwebe nur zierlich von hinnen: als mütterchen seh ich dich humpeln, welches zu Hussens gericht steuert sein schwelendes scheit! G. Keller
ges. w. 10, 28; von solchen fabrikleuten ... wird man doch nicht erwarten, dasz sie ... jenen beitrag zur ausprägung der volkspersönlichkeit steuerten, den sie durch ihr mechanisch gattungsmäsziges arbeitsproduct nicht steuern können W. H. Riehl
deutsche arbeit (1861) 106; auszer dem erzählenden gedicht der pilger hat Boie nichts in Schillers zeitschrift gesteuert Weinhold
Heinr. Chr. Boie (1868) 226; in Hamburg war es, wo die kultur der oper auf die bedeutungsvollste höhe getrieben wurde, wo (
poeten und componisten) ... wetteifernd dafür steuerten, und daher ihr leben und schicksal am frappantesten hervortritt Devrient
gesch. d. schausp.-kunst (1848) 1, 273. A@33)
steuerverpflichtungen nachkommen, steuern bezahlen. seit dem 14.
jh. bis heute bezeugt. die anwendung entspricht zwar nach construction und bedeutung 2 c '
beitragen, beisteuern',
beruht aber mehr auf directer ableitung von steuer '
abgabe' (
sp. 2597),
als auf kontinuierlicher fortentwicklung des vb.; der zusammenhang mit steuer
bleibt bis in die jüngste zeit fortwährend lebendig. —
in verschiedenen mundarten bezeugt: stüren
steuer zahlen Richey
Hamb. 299; dat hus stüret nig Dähnert
pomm. 471;
s. Rovenhagen
Aachener ma. 144; Fischer
schwäb. 5, 1748; stüre '
eine öffentliche auflage erlegen' Hunziker
Aarg. 264;
im bair. wald, s. Bayerns ma. 2, 260; Lexer
kärnt. 241. —
in absoluter form: ich stewer
do subsidium, stewer Alberus (1540) c c 1
b; welhi bissher ain tzit also umb ain genante summe geltz zuo burgern ingenomen sind ... súllent die selben nun hinfúr stúren alz ander ... und hienach arm und rich in gelichem und mit der stúr alz herkomen ist
württemberg. gesch.-qu. 21, 258; ob ain gast ... und der mit den purgern hie ze München nicht steuret, ainem purger ain guot laet ze gesellschaft, oder süst ân gesellschaft, davon, der nicht purger ist, gewin wil nemen, ... so sol der purger, der ez arbait, versteuren, als der stat recht ist
stadtrecht v. München 124
Auer; (
der könig) gab in freihait, dorften wie ander leut weder raisen noch
[] steuern, weder wachen noch scharwerchen, waren aller ding frei Turmair
bair. chron. 1, 105
Lexer; ist auch der vertraglautter, das wann ein hieiger burger hinnauf in die jung pfaltz kaufft, dieselben untrthonen forthin herab steüren sollen Balth. Paumgartner
briefw. 267
lit. ver.; bei der stadt ist stattlichkeit, bei dem dorffe dürfftigkeit. ists nun recht, wenn gleich die stat statlich auch zu steuern hat? Logau
sinnged. 41
Eitner; wer sechzehntausend asses an geräthe besasz, muszte steuren, als wann er hundert und sechzigtausend besessen hätte A. v. Haller
Fabius u. Cato (1774) 173; (
dasz) allen liederlichen haushältern und schuldnern ein verzug zugestanden, lehnsmänner und leibeigne ihrer pflichten, steuernde ihrer steuer, zinsende ihrer zinsen entlassen wurden Herder 14, 473
S.; ein ... bund miszvergnügter bürger und bauern, welche ... sich verschworen, in zukunft nicht anders als nach eigner freier bewilligung zu steuern Ranke 1, 142. von einem gut, vermögen
u. s. w. steuern
davon steuern entrichten: Fricz Muszler hat ein lehen, dorein gehoren dritthalb tagwerck wisen und sechczehen morgen ackers. dovon er stewret und dienet mit andern seinen nachgepawren
mon. boica 47, 613; lägerbücher ... woraus zu ersehen, was einem jeden von seinen gütern zu steuren gebühret Stieler
zeitungs lust u. nutz (1697) 411; dasz diese steuer, das tributum, daher seinen nahmen hatte, weil es der inbegriff des vermögens ... war, von dem gesteuert ward Niebuhr
röm. gesch. 1, 260. —
mit dem dativ dessen, der die steuer empfängt, jemandem steuern: daz wir ... die burger ... ze Wetflaren ... gefriet haben ... zehen jar ... vor aller stuor und dienst, die sie uns mit phennigen tuon suollen; mit der bescheidenheit, wer, daz si sich in der selben frist so vil besserten, daz uns duhte, daz si uns stuoren oder dienen möchten, des sullen si gehorsam sin ze tuond (1334)
urk.-buch v. Wetzlar 1, 509; der ertzbischoff steuret seinem nachgepauren von Wurms und mit im die Reinischen
städtechron. 3, 117; diese güter steuren dem landsfürsten Kramer 2 (1702) 967
c; zwar sind die einmal unbedingt bewilligten steuren nicht mehr das eigenthum der unterthanen, sondern gehören dem fürsten, als demjenigen, welchem gesteuret worden ist K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 3, 30; mit vollem recht gehorchten wir nur uns und steuerten nur uns, weil wir uns schützten. so wuchs die macht, indesz gewerb und handel gesichert, frei von jedem herrenrecht, des reichthums strom in unsre mauern führte Raupach
dram. w. ernster gatt. 5, 62; in der nordamerikanischen (
armee), welche dem staate und den kommunen steuert und hoch steuert Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 53.
ebenso zu, an jem. steuern: dann Steinen und Art zevor allein iren herren und nit dem rich gestüret, uszgenommen was kosten uff das gemeine land gieng, da hat Steinen und Art jewelten mit gemeinen landtlüten ze Schwitz gestüret Tschudi
chron. Helvet. 1, 172; (
dasz) die güter nicht mehr zu den städten, in denen ihre besitzer wohnten, sondern zu den herrschaften, unter denen sie gelegen waren, steuern sollten Ranke 1, 140; ich steure an die herrn von Rappersweil Schiller 14, 332
G.; ich und mein vater und groszvater und wieder dessen vater haben immer an die Priglitzer gesteuert und keinen hut vor dem Rothensteine gerückt Stifter 2, 14
Sauer. —
mit dem accusativ dessen, was bezahlt wird, jemandem etwas steuern: dinet und stewret meinem gnedigen hern 8 guldein
mon. boica 47, 711; du weiszt, herzliebe hausfrau, dasz man jetzund steuern soll; ... es wird ein geschworne steuer, ich hab etliche jahr 2 goldgulden gesteuert, es möcht mir aber jetzund etwas abgehen, so bedenke, was du gesteuert habest
M. Frecht (1548)
in württemb. vierteljahrsh. 5, 256; wir danken euch flisiclichen euwers gutten willens in der irbittunge nu nehist tzu Osterode von des geschos wegen, das ir uns in unsern noten stuern wellet und geben (1411)
akten d. ständetage Preuszens 1,
[] 162
Töppen; haben sie mir vor ein belonung zuogericht ..., dem phaltzgrafen haben sie gestuert gelt und frucht H. v. Cronberg
schr. 125
ndr.; der fürst läszt sich steuern, zins und schosz, immer mehr, immer mehr W. Alexis
hosen (1846) 1, 182; alle activen bürger, die einen zehntägigen arbeitslohn steuern, sind wählbar Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 407; so steuerten ... die juden jedes andere jahr ein viertel der aussaat Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 382; die nadel soll mir erwerben, was ich dem kloster steuern musz Musäus
volksmärchen der Deutschen 2, 129
Hempel. mit dem accusativ des grundstückes u. s. w., auf das sich die steuerpflicht bezieht, heutigem '
versteuern'
entsprechend: Concz Hubner von 3 lehen (die sol er fur 2 lehen stewren und verdienen), die im Johann Brawnn verliehen hat, 2 herbsthuner, 1 vasznachthuhn
mon. boica 47, 268; das ain yeder, der erb und aigen in dem gericht zu Ingolstadt liegend hat, das stewrn soll, es sey man oder fraw — er sey gaistlich oder weltlich Joh. Mederer
gesch. d. maierhofes Ingoldestat (1807) 51; oder si geben nimer kain ungelt, oder daz all purger ir guot stiurten, als lieb in wär
städtechron. 4, 79. BB.
steuern auflegen und erheben, obd. in älter nhd. zeit, heutigem besteuern
entsprechend, vgl. Schmeller-Frommann 2, 777,
selbständige ableitung von steuer '
abgabe' (
sp. 2597).
in der form jemanden steuern, gesteuert werden: es sollen auch alle ehehalten durchaus gesteuert werden, ... also dasz jeder ehehalt, als oft er ein pfund Münchener pfenning zu sold hat, davon geben soll ein schilling pfenning zu steuer
bair. landtagshandl. 9, 254
Krenner; auch sullen se zwen stewrer haben, dew den man stewren, der in ir wart spricht. auch sullen se stewren den man, das er es wol gehoren mug
österr. weist. 11, 221, 11; sobalt er nach dem abzug haym kam, fieng er von stund an mit den äpten, prelaten, pfarrern, briestern, stetten, merckten, dörfern, die zu steuren, gelt samlen
bei Baumann
bauernkrieg 200; tu ich aber die armen leut steuren zu diser teuren zeit, so klagen si darnach so fast, sprechen ich tu in überlast Sebastian Wild
bei Tittmann
schausp. a. d. 16. jh. 1, 214; erstlichen so ist unser ambthauss und kastn in dem markt ganz gefreit, das ain marktrichter kain gewalt hat darein zu greifen, auch kainen, so darinnen ist, nit thar steuren oder zinszen
österr. weist. 6, 276; es sullen und mügen auch der benannt abbt, convent und gotzhauss nun hinfür und ewigklich die obgenannten stuck mit allem irem zugehörung, wie obgeschriben, innhaben, nutzen und nyessen, stifften, steren, setzen und entsetzen, verchauffen, verkummern
qu. bei Meichelbeck
chron. Benedictobur. (1752) 2, 162; er zwung und drung mit stewrn und schetzen, mit untertrucket klein und grosz H. Sachs 16, 447
K.-G.; sie hofften, ... die fürsten und stätt wurden die gemeyn nimmer stewren oder mit ungeld beladen Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 4, 322; item es schol auch nimand der widen holden steüren dan der pfarrer, wann im das nott thuet oder wann er gestewrt würt
österr. weist. 8, 111;
hierher auch: und süllen auch die waisen die zeit, und daz selb guot deu stat inne hat, ungesteuert sein
stadtr. v. München 160
Auer; vereinzelt: hirtzog Bilhalm und Ludwig gebrüder in Bairn haben disen hirbst im ganzen fürstenthumb den geistlichen allen irs einchomen gesteurt und daussen behalten, das ein grosz geld machett
städtechron. 15, 70. CC.
den lauf des schiffes mit hilfe des steuers lenken. im nord- und westgerm.: altnord. stýra,
ags. stéoran, stíeran,
altfries. stiūra, stiōra,
mnl. sturen.
im deutschen seit ältester zeit bezeugt. die im deutschen hervortretenden berührungen zwischen den übertragungen von '
stützen' (
o. sp. 2639)
und '
lenken'
sind secundär; s. das gleiche verhältnis beim subst. (
sp. 2592).
[] C@11)
in eigentlicher anwendung. mundartlich im nd., meist stüren,
s. brem. wb. 4, 1081; Mensing
schlesw.-holst. 4, 925; Dähnert
pomm. 471; Frischbier
preusz. 2, 370; Fischer
Samland 155; Bauer-Collitz
waldeck. 100; Woeste
westfäl. 261
a; Schambach
Göttingen 216; Flemes
Kalenberg 367; Danneil
altmärk. 215;
auszerhalb des nd. selten, s. Lenz
Handschuhsheim 68; Lambert
pennsylv. 143; Schmeller-Frommann 2, 778. —
seit ahd. zeit: stiurrentin
dirigentis (
ep. Jac. 3, 4
ecce et naves, cum magnae sint, et a ventis validis minentur, circumferuntur a modico gubernaculo ubi impetus dirigentis voluerit)
ahd. gl. 1, 785, 59; stiuren
gubernare ebda 1, 211, 11; stiuranto
remigio ebda 4, 18, 4; sturen, also eyn schep regeren
gubernare nd. voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
nov. gl. 198
b; stiren
vel scheffregiern
gubernare obd. voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 270
c; stewren
guvernare la nave con il timone Hulsius
t.-ital. (1618) 239
b. C@1@aa)
gewöhnlich jemand steuert das schiff
lenkt, regiert es: gib mir, herre, der wisheite roder, daz ich ditz schif vorbaz sture, als ich han getan vert und hure Brun v. Schonebeck 11914
lit. ver.; und do daz schif wart begrieffen und nit mocht werden gesteurt in den wint, dem schiffe wart geben di unten
codex Tepl. 69
Huttler; die eusserlich ceremonien ... haben das ruder in der hand und steuren das schiff Fischart
binenkorb (1581) 103
a; Christus aber mag allein rudern helffen wie ein anderer steurknecht oder potsgesel. doch thut man jme darzwischen dise ehre, das er auch mit jm raht ist, rhat zugeben, wie mann das schiff zum besten steuren sol
ebda 103
a; ein jeglicher schiffer soll des compasts, der see und fahrwasser kündig seyn und das schiff zu führen und zu steuren ... wissen (1614)
bei Pardessus
coll. de lois marit. 2, 532; sie (
die liebe) ist ein ... wohl ausgerüstetes ... schief, welches, da es von einem erfahrenen gesteuret wird, ... seine tragende leute gar glüklich in dem verlangten hafen bringet Butschky
Pathmos (1677) 327; mürrisch sasz er im kahn und steuerte langsam sein fahrzeug gegen die brausende fluth zum ufer Zachariä
poet. schr. 2, 146; ... die segler schwebeten, schwankten, krachten einher, kühn gesteuert einher, und ohne steuer Klopstock
oden 2, 109
Muncker-Pawel; vier kräftige Oberbayern steuerten das flosz, auf dem sie sich für die lange fahrt eine hütte als notobdach gebaut hatten
der holzmarkt nr. 145, 17. 6. 1936, 1.
beil. —
ebenso auf das schiff bezogen, doch ohne den objectsausdruck: vor sturme trat ir schif hin dan under ein inseln einlant; da alle ir kunst was erwant, die sigelten unde sturten, wand in ir witze turten, der si ewilen phlagen
passional 644
Köpke; einen man leihen an das schef, das er ziech und steur (15.
jh.)
österr. weist. 9, 826; der erbnauferg, welcher oben auf dem salz stehet und mit zeigen die naufarth regiert, auch einem jeden nach gelegenheit des geförts das ziechen und steuern schaffen thuet (1581)
bei Lori
bergrecht 322; wenn das schiff richtig gehet, so kan ein jeder stewren Voigtländer
oden u. lieder (1642) 59; der föhn ist los, ihr seht wie hoch der see geht. ich kann nicht steuern gegen sturm und wellen Schiller 14, 277
G.; ein langes ruder dient zum steuern Ratzel
völkerkde 2, 342; du ... siehst dich gleich um, wie am besten nach der sonne zu steuern sei Betting
Günderode 1 (1840) 262; ob er mehr nach rechts oder nach links hin steuern solle Fontane I 4, 191; dasz wir auf unserer rückfahrt ungefähr 200 seemeilen westwärts von den canarischen inseln steuerten Kotzebue
sämtl. dram. w. 1, 70. — einen kurs steuern: so wird ihm (
einem der mannschaft) ein bestimmter kurs aufgegeben, den er nach dem unmittelbar vor ihm stehenden kompasz zu steuern hat. steht der wind
[] von vorn herein, so musz er ... 'beim winde' steuern Tiedemann
salzwasser u. brise (1909) 22; wir ... gingen bei scharfem sso. in see, welcher jedoch gestattete, in dem kurs auf die südspitze von Sardinien zu steuern Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 118.
übertragen (
vgl. u. 2): dasz ich eben im begriff stand, mich mit frau und kindern nach Boston einzuschiffen, als dieser glorreiche sturm losbrach und mich nun einstweilen noch zurückhält. die ereignisse werden sich wahrscheinlich so rasch überstürzen, dasz ich schon in wenigen wochen — höchstens monaten — weisz, welchen kurs ich zu steuern habe Freiligrath
bei Ruge
briefw. u. tageb. 2, 9
Nerrlich; er musz dieser qual ein ende machen, er fühlt, dasz sein gewissen es verlangt. er musz diesen bösen kurs steuern, wenn er schiffer seines lebensfahrzeugs bleiben will Gorch Fock
fahrensleute (1918) 32. C@1@bb) nach einem ort, wohin steuern
in junger zeit auch im allgemeinen sinne von '
zu schiff dorthin fahren': von einem schiffer, der von einer stürmischen nacht auf der see überfallen, nach hause zu steuern trachtete Göthe 30, 279
W.; also steuerte er nach Danzig, befrachtete sein schiff mit ausgesuchtem weizen br. Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 165; dasz er (
der befehlshaber) den sich bei der insel gewöhnlich gegen morgen erhebenden wind erwartete, um ans land zu steuern Hegel
w. 5, 177; also steuerten wir mit trauriger seele von dannen Voss
Odyssee 152
Bernays. C@1@cc)
in junger zeit auch intransitiv das schiff steuert: das schiff steuert gut, schlecht, wenn es sich gut oder schlecht steuern läszt. bei windstillen steuern die schiffe schlechter als sonst Krünitz 173 (1840) 687; wie man von einem schiffe, das von Europa um das vorgebirge der guten hoffnung die erde umsegelt hat, sagt, es habe die östliche fahrt gemacht, wenn es gleich ... oft nach süden und nach norden gesteuert Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 66; es ist ein meer, von schiffen irr durchflogen, die steuern rastlos nach den falschen landen, die alle suchen, und wo alle stranden auf schwanker flut, die jeden noch betrogen Eichendorff
s. w. (1864) 1, 612; ich sehe hier eine flotte im ewigen ring des bedürfnisses herumgewirbelt ... (
sie) kreuzt furchtsam längs dem ufer, proviant zu holen, und das tackelwerk zu flicken, und steuert ewig nie auf die höhe des meeres Schiller 2, 352
G. C@22)
erweiterte und übertragene anwendungen. C@2@aa)
schon in alter zeit in übertragungen verschiedener art: muat stiurre inti rihte (
mentem gubernet et regat)
Murb. hymnen 3, 5
Sievers; stiuri dina scalcha (
guberna tuos famulos)
ebda 16, 5; ih mêino daz er rîcheson newolta, wanda diû suht stûret sie náh alle, so sî Adâmen teta, do er got wólta werden Notker 2, 3
Piper; do (
in der landschlacht) saich her Mathis und vernam, dat hei up heren Lodewige quam, ... hei sturte reicht up in sin roder und began up eren Mathis sprechen
städtechron. 12, 159; rande to den vorderknechten unde sturede up enen, den he dör wolde ryden Korner
bei Schiller-Lübben 4, 453;
vielleicht so im sinne von '
sich hinwenden': und macht im auff dem herd ein fewr, das er sich zu der wärm fein stewr Fischart 3, 314
Kurz; auch '
zur seite stoszen'
ist kaum besser an '
stützen' (
sp. 2639)
anzuknüpfen: swenne de krogersche sik forgetet unde den beker nicht ful ne metet, so plegik ere de hant to roren unde de mate bi siden sturen
spil van der upstandinge 1452
Ettmüller. C@2@bb)
in eigentlicher bedeutung (
wie 1),
jedoch in anderen gebieten als der schiffahrt, modern von diesem abgeleitet: der fisch schwebt und wiegt sich auf seinen meeresflügeln,
[] und schieszt hinunter und fährt hinauf, und streicht und steuret Herder 22, 80
S.; und die silberfischchen schwammen ruhig über ihre (
einer badenden) hüften hin, erblinkend, wenn sie steuernd ihre flossen regten G. Keller
ges. w. (1907) 10, 113; es (
das anhängsel des schwanzes) dient nicht nur, den after zu decken, in luft und wasser zu steuern Fr. Th. Vischer
ästhetik 2, 105; ich sah die köpfe (
der falken) schwimmen über dem wipfelmeere, die hälse edel klimmen, als wenn zu laufen wäre, ersah die flügel prächtig, hellgrau und unten nächtig aus den schultern schlagen, die schwarzen schweife steuern W. Heymann
Nehrungsbuch (1909) 20; verrichten die hinterbeine anstatt des schwanzes den dienst des steuerns Brehm
tierleben 1, 8
Pechuel-Lösche; dasz sogar sein alter Holiday noch vermöchte, alle anwesenden pferde zu schlagen, vorausgesetzt, fügte er hinzu, dasz Walter ihn steuere
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 219;
heute: schlitten, kraftwagen, flugzeug
u. s. w. steuern: das schiff (
Zeppelin) ... wurde aber sehr geschickt in ein altwasser des Rheins gesteuert A. v. Parseval
motorballon u. flugmasch. (1908) 20. —
hierher auch: denn Kadmos stadt hätt er gestürzt, wofern nicht einer von den göttern seinen speer gesteuret ... grafen zu Stolberg
ges. w. 15, 120. C@2@cc)
in übertragenen anwendungen; mit ausführung des bildes vom seefahrenden schiff: deine schrift ist vollendet. auch mich freuts. zu viel ausstreichen ist Scylla; zu wenig Charybdis. sieh mir ins gesicht, jüngling! kanst du steuren? hast du mut? Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 130; allein dein lebensnachen emsig schiffte nur von gestade steuernd zu gestade; des hohen meeres unbetretne pfade W. v. Humboldt
sonette (1853) 205; ich lerne täglich mehr steuern auf der woge der menschheit Göthe IV 3, 12
W.; (
es wird) ein richtiger politischer blick dazu gehören, das deutsche staatsschiff durch die strömungen der coalitionen zu steuern Bismarck
ged. u. erinn. 2, 293
volksausg.; während ... Haugwitz ... den staat im fahrwasser der französischen allianz steuerte Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jh. 1, 229. —
ohne ausführung des bildes; in weiten bereichen des menschlichen tuns: verleyh mir deines augs lieblächlend reichen glantz, und meiner federn lauf der warheit nach zu stewren Weckherlin
ged. 2, 346
lit. ver.; meist modern: nur stille, liebes herz, und lasz dem stern der hoffnung, der uns blinkt, mit frohem muth uns klug entgegen steuern Göthe 10, 40
W.; wer hat uns den Andreastag geraubt, an dem wir bauern lustig, wie die störche und schwalben, in die weite steuerten und mit der sonne zogen? Hebbel
w. 6, 75
Werner. mit objectsangaben: zuletzt entdeckt sich ihr im groszen ocean diesz eiland. aufgethürmt aus schwarzen ungeheuern ruinen, lockt es sie durch seine schwärze an, den irren flug dahin zu steuern Wieland
s. w. (1797) 23, 106; laszet uns da fleiszig nach diesen sternen, den punkten aller richtung, sicherheit und ruhe hinsehen, und denn mit treue und emsigkeit unsern lauf steuren Herder 5, 584
S.; der wechsler freut sich, dasz sein geld er klug gesteuert durch den wald A. v. Droste-Hülshoff 1, 307
Schücking; so steuerte er ihn (
den sohn) mit kundiger faust durch das empörte meer, bis gerade vor dem tische der siebenmänner es eine gefährliche stockung absetzte G. Keller
ges. w. 6, 341. —
auf die gewöhnliche fortbewegung des menschen übertragen, meist mit präpositionen der richtung, '
in einer beabsichtigten richtung gehen': weil aber die frau ... einen nähern fuszweg durch ein kleines wäldchen zu wissen glaubte, so steuerten wir dahin Knigge
roman meines lebens (1781) 2, 147; also steuert ich, unter dem geleit
[] dieser beherzigung, mit macht auf das gebürge los und gelangt im zweyten rennen den folgenden tag in den erzgebürgischen kreis Musäus
physiogn. reisen (1788) 2, 94; dann aber steuerte sie sofort ... nach dem kretscham hinüber, um sich hier den ingwer geben zu lassen Fontane I 6, 7; er ersuchte mich, ihm zu folgen und steuerte durch die menge, die ihm ehrfurchtsvoll auswich Hebbel
br. 2, 152
Werner; über den Opernplatz steuerte er mit dem breiten quäkerhute H. Laube
ges. schr. 8, 21; der (
leutnant) steuerte dem schattigen biergarten zu Zahn
Lukas Hochstraszer (1907) 22. —
auf zielbewusztes, absichtvolles '
wollen, sich bemühen, sich richten'
übertragen: so steuerte er schon jetzt mit sicherem takte nach der richtung, der seine spätere verwaltungsepoche angehört Häusser
deutsche gesch. 2, 657; so arm ich war, steuerte doch mein sinn jetzt unaufhaltsam nach Italien A. v. Arnim 1, 363
Grimm; nichts ist nöthiger, als früh genug ihm die richtung bemerklich zu machen, wohin sein wille zu steuern hat Göthe 42, 2, 172
W.; da er merkte, dasz bei der ältesten schwester die eltern dahin steuerten, sie ... bekannt zu machen v. Ompteda
Sylvester v. Geyer (1900) 1, 175. auf etwas steuern,
heute vulgärer auch auf etwas los steuern (
s. auch o.): up wat stüren '
auf etwas ernstlich bedacht, erpicht sein' Schütze
holstein. 4, 219: so im herzen befeuert, strebt man rascher vom fleck, arbeitlustig, und steuert grad auf mittel und zweck J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 93; auch darauf bin ich eben nicht mit dir gesteuert Lessing 3, 87
L.-M. einer sache zusteuern: dann steuerte er seinen persönlichen angelegenheiten zu, wobei er gut fand, der lateinischen sprache sich zu bedienen C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1904) 88; so steuerte dieser trieb (
zur theorie) ... jenem groszen ziele zu Boltzmann
populäre schr. (1905) 77;
hierher wohl im sinne von '
darauf gerichtet',
kaum '
dazu ausgerüstet' (
o. A 2): er ist keiner von den menschen, die unbemerkt durch die welt schleichen wollen, sondern ist ganz dazu gesteuret, fürs allgemeine einen neuen fusztapfen nachzulassen Herder
nachlasz 2, 405
Düntzer. C@2@dd) '
schicken, senden',
mnd. mnl. nl. sturen;
norw. styra
aus dem nd.; aus '
lenken'
übertragen: Knut klaget aver Claves, dat he knechte an dat land to Vulrewyk sturde, dede eme unde sinen vader nehmen fangen
bei Schiller-Lübben 4, 453;
heute mundartlich, s. ten Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 356;
brem. wb. 4, 1081; Schmidt-Petersen
nordfries. 128
a; Dähnert
pomm. 471; stürrt n katt na Engeland, se sall as katt wer umkamen Kern-Wilms
Ostfriesl. (1869) 5. DD.
einhalt, abhülfe tun, wehren, dämpfen. ebenso im altfries. und ags. —
aus '
steuern, lenken, regieren' (C)
entwickelt; '
jemanden in gewünschter richtung lenken' (
vgl.C 2 d)
kann zugleich bedeuten '
seinen unerwünschten absichten wehren'
; für diese herleitung könnte sprechen, dasz das altfries. und ags. nur die bedeutungen C
und D
haben, vgl. auch Delbrück
synkretismus (1907) 97.
die sinnverbindung von '
lenken, fortschicken'
und '
hindern, abhalten'
liegt vielleicht in nd. zeugnissen vor: stuire din kint van sime gelouven
qu. a. d. 15.
jh. bei Frommann
dt. maa. 2, 454; to stande ok vor der müren, dat me mochte darvan stüren den vienden ut der Merke, de ghingen uns an al sterke
städtechron. 16, 162.
die annäherungen im deutschen zwischen '
helfen' (A 2 a)
und '
abhelfen'
sind secundär, vgl. auch steuer A 2 h.
das auszerdeutsche verhältnis verbietet auch eine herleitung aus '
stützen' (A 1)
in der art, dasz '
einhalt tun'
als '
sich gegen etwas stützen, stemmen'
aufzufassen wäre, vgl. das späte: sich gegen etwas stewren, aufflehnen, auffhalten
obniti, contra niti Bas. Faber
thes. (1587) 547
a.
charakteristisch für die bedeutung D
ist die construction mit dem dativ dessen, dem einhalt getan wird (
vgl. u. 4). —
im deutschen erscheint die bed. zuerst, seit dem 13.
und 14.
jh., im nd. und [] md.; nicht in der klassischen mhd. dichtung, doch schon bei Herbort (
s. u. 1).
dementsprechend nur in den nd. mundarten (stüren): wel kant stüren, dat he gen kwad deid? ten Doornkaat-Koolman 3, 356; de kinder stüren
brem. wb. 4, 1081; bi de kinner hett n ümmer wat to stürn Mensing
schlesw.-holst. 4, 925; sik nig stüren laten Schütze
holst. 4, 218; ek harre genaug te stüren Schambach
Göttingen 216; iΧ mute stire un were Hentrich
Eichsfeld 57,
ebenso Hofmann
niederhess. 230;
s. auch Woeste
westfäl. 260; Danneil
altmärk. 215; Fischer
Samland 155;
auch in den bäumen steuern (
u. sp. 2655). D@11)
in alter zeit meist auf personen bezogen: hie machet (
Jesus) sinen gloubet also breit, sturen mer em nicht zu disser zit, ... so wirt uns ee gar unrein und uns juddische gesecz vorstoret und vorleczet
Alsfelder passionssp. 2353
Grein; do de van Heymechude use borghere venghen, roveden unde brenden unde de vrowen bleckeden vor der stad, dat klaghede wi unde kundegheden unsen heren, den greven. dar ne wolden se ne perd umme sadelen noch breef umme senden. se mochten en myd eneme worde sturet hebben
hamburg. urk.-buch 675
Lappenberg; alsus worden in korten tiden der rovere lantsaken unde rôfslote vele gesturet unde gewunnen. ... were den roveren nicht gesturet, de land weren in kortes mit enander vorwostet
städtechron. 7, 338; handelt ein gast den wirt ubel in seinem haus und stewret er im also, das er in rewft ader mit fewsten schlecht, ... er hat gegen dem richter noch gegen dem cleger noch gegen den bürgern nit misshandelt
rechtsdenkm. aus Thür. 439
Michelsen; denn ein prediger bestettigt, sterckt und hilfft erhalten alle oberkeit, allen zeitlichen friede, steuret den auffrurischen, leret gehorsam, sitten, zucht und ehre Luther 30, 2, 537
W.; hir umme is lenrecht geset unde sin gerichte, dat me med rechte den homudigen sture, den valschen pinege unde den doren lere
richtsteig lehnrechts vorw. § 1
in Sachsenspiegel 2, 610
Homeyer; gleicher weis spricht man auch: bösen weibern kan niemand steuren, weil sie das schwerd im maul füren Fischart
ehzuchtbüchlin 265
Hauffen; einem bösen weib steuert niemand Alexis
Roland (1840) 1, 385; hilff mir und stewre, herr, denen die mich betrüben! Weckherlin
ged. 1, 383
lit. ver.; so sollen sie allerseits sich von niemand anders steuren lassen, sondern in einem stück weg lärmen Polander
studierstube (1721) 67; Eberhard, der Franken fürst, fürst Berthold mit seinen Bayern sollen links und rechts umher den verwägnen horden steuern v. Schönaich
Heinrich der vogler 171; keine polizei vermag solchen massen zu steuern, wenn sie es nicht selbst thun Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 324; bitten ihn, das er ir reich nit wöll betrüben, seinem bruoder, so durch wenig aufrürig sei erwelet, steüren, das er nit komm Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 236
b; dasz man nachforschete, die thäter auskundschaffete, und andern dergleichen zu thun steuerte Prätorius
glückstopf (1669) 153;
ebenso rückbezüglich sich steuern: do zurnte her Achilles und sturte sich under des daz er nicht ubels sprach Herbort v. Fritzlar 12214
Frommann; duorch daz solde ich guot bilde gebin mit wortin und mit werkin allen den, die mich vernemen. do ich mir selben do niht stuorte, wie mochtistu dir so gestuorin, so du beide junger und tummer were dan ich
dt. pred. d. 13.
u. 14.
jh. 76
Leyser; dieweil denn in seinen glossen als viel lügen als wörther enthalten, hab ich mir nicht mögen stewren, sonder folgendt antwort darauff auch müssen im drugk auszgehen lassen
F. Arnoldi
bei Luther 30, 3, 424
W.; der kan ihm selbst nicht stewren, der so weit vom zorn erhitzet wird Comenius
jan. IV ling. (1644) 290.
auf sachliches gerichtet: wir sulen stigen boven daz vleisch also, daz wir stuoren redeliche und widersten der suontlichen geluost und gerunge
altdt. pred. 1, 57
Schönbach; [] die narren ... yhrem maul nit weren noch stewren kunnen J. Agricola
sprichw. (1534) d 5
a; die andere stat des kuniges ist der kerker des vegevures, da du, mensche, wol stures dines vrundes ungemach
passional 591, 94
Köpke; den richtern zu befelhen, spil zu sturen und den heissen steinknechten und andern ir worffel legen (1428)
bei Bücher
berufe d. stadt Frankfurt 56
b; ist ein guote artzney, die eyter ausszuodörren und dem geschwultz zuo steuren Heyden
Plinius (1565) 226; Germanicus ... entschlosz sich, ... dem aufruhre zu steuren Lohenstein
Arminius (1689) 2, 994
a. darümb sey er auch alleine der rechte gott für allen andern, der den grossen beumen stewren kan, das sie nicht in himel wachsen Luther 16, 342
W.; so besonders im nd.: god sturd den bomen, dat se nicht wassen in den hemmel
Lübecker chron. 2, 331
Grautoff; noch mundartlich, s. Schambach
Göttingen 216
b;
auch mit dem accus. (
s. u. 4): godd stüret de böme Dähnert
pomm. 471. —
in mannigfacher anwendung, besonders in junger zeit: den keckheiten unserer jungen schlucker zu steuern Göthe 19, 35
W.; dem zwange, den man von Rom aus sogar auch in den entferntesten gegenden noch ausüben möchte, so viel es angeht, zu steuern W. v. Humboldt
briefw. m. Schiller 279
Cotta; dardurch vast in allen handtwercken ... ein solcher uffschlag ervolgt, dasz zu besorgen, wo demselben nicht bey zeiten gesteurt, der gemaine hauszburger und baursmann sich schwerlich ... erhalten würde künden
ordn. wie sich handtwercker u. handthierer verhalten sollen (1579) a 2
a; leichenordnung ..., wodurch doch den schon vorher übermäszigen ausgaben hat sollen gesteuert werden Nicolai
reise 1, 238; der nachdruck ist mir sehr unangenehm, und wir müssen ihm zu steuern suchen Lessing 17, 232
L.-M.; selten steuren die gesetze selbst diesem luxus Herder 19, 366
S.; dasz Baiern seine stellung fortan erhalten bleibt, da sie mit einer treuen, rückhaltlosen bundespolitik wohl vereinbarlich ist und verderblicher centralisation am sichersten steuert Bismarck
ged. u. erinn. 1, 383
volksausg.; und meiner neubegier zu steuern, gab sie getreu in nuce mir den zweiten tom von ihren abenteuern Bürger
s. w. 109
a Bohtz; entwicklungen steuern: er steuret manches unglücks lauff P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 432
b; ihrer (
der ratten) vermehrung ist nicht zu steuern Chamisso (1836) 1, 141; nun, grosze götter, sprecht, ists nicht die höchste zeit, dem fortgang dieser pest zu steuern Wieland
s. w. (1794) 5, 175; häufig richtete sie ihren tadel gegen meine eltern, weil sie nicht dem rückgang ihrer verhältnisse kräftiger zu steuern suchten Ric. Huch
Ludolf Ursleu (1893) 54.
mit charakteristischen ausdrücken des feindlichen; dem übel, unrecht, unheil, unwesen steuern: wie fürsten und herren solten auch dem andern bracht und uberflus der kleider steuren und wehren, das will ich jetzunder hie mit nit einmengen ...; das ewer gunsten ... solchem ubel wehren und steuren wöllen Musculus
hosenteuffel 26
ndr.; o du allmächtiger beschützer! wem anders sonsten als nur dir, der du dem bösen übel steurest, gebühret lob und dank dafür? Brockes
ird. vergnügen (1721) 8, 334; diesem übel hätte, zum grössten nutzen der christenheit, ganz leicht können gesteuert werden Lessing 5, 364
L.-M.; ouch daz her wetwen und weisin wolde allezcid beschurin und si schutzcin vor allin freisin und deme frefiln unrechte sturin Joh. Rothe
ritterspiegel 844
Neum.; hörte auch die begierde auf, grosze thaten zu thun, allem unrecht in der welt zu steuren Wieland
Agathon (1766) 2, 296; die hohe gabe preisen wir, die grausem unheil steuert Göthe 4, 146
W.; [] damit ... dem blutvergieszen und kläglichen ... unwesen ersprieslich gewehret und gesteuret werden möchte v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 28; so ist es desto schlimmer für den damaligen staatsprocurator, wenn er, obgleich die gesetze ausreichten, solchem unwesen nicht steuerte Bismarck
reden 1, 79
Kohl; so mannigfach: es war angemesznes tagwerk, diesem elend der lebensbedürfnisse zu steuern Bettine
Brentanos frühlingskr. (1844) 90; um der notlage der älteren angestellten wirksam zu steuern, hat der präsident der reichsanstalt ... eine anordnung ... erlassen
der holzmarkt 53 (1936) 152; es ist also an unsern gegnern sehr zu loben, dasz sie diesem misbrauche zu steuren suchen Gottsched
d. neueste a. d. anm. gelehrs. 1 (1751) 401; Preuszen muszte diesem höhnischen unfug steuern Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 239. D@22)
neben anderen gleichbedeutenden ausdrücken: alle anschlege der tyrannen ..., die sonst steuren und hindern wollen, das das evangelium nicht fort komme Luther 16, 9
W.; als ist vor wohlgedachter hochweise rath gemüssiget worden, ... sothanen höchst schädlichen unordnungen und miszbräuchen ... vorzubeugen und zu steuren (1687)
bei Pardessus
coll. de lois marit. 3, 326; einer blos moralischen schwärmerei ... zu steuren oder womöglich vorzubeugen Kant 5, 84
akad.; dan wirt des schifvolcks forcht und ungewitters noht gestewret und gelindert Weckherlin
ged. 2, 172
lit. ver.; wo man solchem unheil nicht bei zeiten ... fürgekommen und gesteuret Zesen
rosenmând (1651) 170; die reichsgewalten fühlen sich zu wenig vermögend, dem zu steuern, dasz sie nur beschränkungen festzusetzen suchen Ranke 1, 45; damit aber dem geitz und bosheit etlicher reisenden gesteuret und begegnet werde v. Hohberg
georg. curiosa 1 (1682) 52.
besonders häufig in fester verbindung mit wehren: dem obliegenden verderblichen schaden zu begegnen, zu steuren und zu wehren
grillenvertreiber (1670) 11; damit er heisset weren und steuren denen, so nicht wollen from sein Luther 29, 565
W.; das auch leczlich das landtvolck ... ihnen und ihren auszfällen und blünderungen nit steyern noch wehren können
acta publica 2, 23
Palm; und regierungen, akademien, redactionen sollten der verführerischen rotte steuern und wehren Görres
ges. br. 3, 130; da war nu unmüglich zu weren allen gliedmassen ..., noch der bösen lust zu steuren Luther 24, 90
W. D@33)
besonders geläufige constructionen: steuern mit
und steuern durch,
wenn das mittel, durch das einhalt getan wird, genannt wird: und den herten naturen mit herten worten sturen an menslichen gelitzen H. v. Hesler
apokal. 8198
Helm; das übel nähme bey dem vaterlande so schnell die oberhand, dasz mit gemeinen mitteln ihm nicht mehr zu steuern A. v. Haller
Fabius u. Cato (1774) 171; steuert mit einem theile des geldes euerer gegenwärtigen noth Chph. v. Schmid
ges. schr. 3, 232; insonderheit dem drachen durch deine engel stewr Ringwalt
handbüchlin d 8
a; welchen (
lastern) sonst bey andern völkern weder durch gesetz, verbot noch hefftige straffen gesteuret werden kan H. Rätel
Joach. Curäi chronica (1607) 18; gleichwie nun ... einbrüchen der ströme nicht sowohl durch einen steifen damm ... zu steuren Leibniz
deutsche schr. 1, 457
Guhrauer; intoleranz ist immer handelnd und wirkend, ihr kann auch nur durch intolerantes handeln und wirken gesteuert werden Göthe 40, 275
W.; da bekanntlich gerade kümmerndes wild seuchenanfällig ist, wird durch einen normalen raubwildbestand einer verbreitung von seuchen und krankheiten gesteuert
deutsche jagd (1936) 1, 11
ausg. a. —
gelegentlich einer sache in etwas steuern
teilweise einhalt tun: die natur, damit sie ihrer wilden art und grausamkeit in etwas steuern mögte, hat ihnen keine
[] solch scharfe klauen, wie dem adler gegeben Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 218; deine fliegenden blätter kamen gerade zu rechter zeit, um dem verdrusz über dein verschwinden in etwas zu steuern Bettine
Göthes briefw. (1835) 2, 311.
in älterer und junger sprache auch ohne objectsausdruck. da so das merkmal der construction fehlt, gelegentlich mit '
lenken'
oder '
helfen' (
s. o.)
fast zusammenfallend: dann jetzunder kompt disz treffliche geschäfft zu handen, bald ein ander wichtige sach, bald ein schrecklich ander botschaft, dasz also die herrn all jhre hände voll haben zu schicken und zu stewren R. Lorichius
paedagogia princ. (1595) 49; die ... unsers steurens und verbietens nicht achtend alles heraus sagten A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 4, 561; darüber die Francken jmmer zu steuren und zu wehren hatten, das nicht die Sachsen die Düringer unterdruckten
Z. Rivander
düring. chron. (1596) 67; in der hölle musz man nicht waffenstillstand machen, sondern auf den letzten mann steuren und wehren v. Hippel
lebensläufe 1, 436; (
Jesu) steure, wenn das hertze will einer kleinmuth sich ergeben, wende des gewissen angst, wenn es will verzaget leben B. Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 52; wenn also schon angegriffen ist, so bleibt noch die frage: wo soll man steuren? natürlicherweise bleibt man da noch mit einiger ehrfurcht hängen, wo es ans letzte oder ans hauptwerk geht Thom. Abbt
verm. w. 6, 18; ists mir lieb, dasz das ding (
eine kampfschrift) vom herzen weg ist. steuern wirds nicht, das weisz ich! — aber doch einigen die augen öffnen, dasz das ding auch eine andere seite habe Herder
nachlasz 2, 104
Düntzer-Herder; selbst die leitenden männer im senat erschraken vor dem skandal. Marcus Scaurus suchte zu steuern; es war umsonst Mommsen
röm. gesch.6 (1874) 2, 140. D@44)
selten in abweichung von der üblichen construction mit dem dativ. —
mit dem accusativ dessen, dem einhalt getan wird, besonders im nd., s. auch Jac. Grimm
kl. schr. 5, 19: do nemen de borgere van Luneborg den vorsaet underlank, dat se sturen wolden den overdadigen homoth des hertigen Magnus
städtechron. 36, 26; dy ratmanne, dy in den steten synt, dy mogen ... willekore setzen obir toppilspil und obir valsche wurfele und das sturen, uf das dy lute myt toppilspile icht tzu sere beschediget werden
Kulmisch. recht 77
Leman; nutz des gesetzs, das es die leut schrecke, ... die bösheit zu stewren und auswendig zu weren, dazu ist es gut Luther 17, 1, 124
W.; als einem standt von got verordnet, zu schutzen die frommen und zu steueren die bösen
ebda 30, 3, 182; hör ich nicht den krieg schon kommen? steur ihn doch, du frommer gott! J. G. Schottel
friedens sieg 56
ndr.; drumb, liebn Römer, wir müssens wagn, ritterlich mit dem feind uns schlagn und jm doch steurn sein ubermuth Ayrer
dramen 136
Keller; ebenso in passiver wendung: dat worde nicht ghut, also den rad to vornichtende, dat mostem sturen unde scholde sturet werden
städtechron. 16, 303; mich wundert, das der könig hat nicht funden einen weysern rath, wie die thewrung zu stewren sey H. Sachs 8, 580
K.-G.; ganz vereinzelt noch jung: der jammer war aber nicht zu steuern Varnhagen v. Ense
Rahel 2, 120.
hierher auch, von steuern '
lenken' (
sp. 2649)
zu scheiden: ich weisz es auch nicht, wo sie (
die ärgernisse) herkommen, aber dasz ich nicht schuld daran bin, dasz ich immer redlich dagegen gesteuert hab, das weisz ich K. Ernst
bilder a. d. beamtenwelt (1858) 112. —
seltener mit dem genitiv (
der auch im ags. in dieser bedeutung auftritt, s. Delbrück
synkretismus 97
f.): des enkonde pawes Urbanus nicht sturen
städtechron. 7, 280; mer woln der dins klaffens sturen und dich in einen kerkener fueren: dar in mustu vorterben
Alsfelder passionsspiel 796
Grein; [] das solchem vater seyns frevelichen unrechts und teufelischer gewallt gestewret und das kind von yhm errettet und er zu rechtem brauch veterlicher gewalt gezwungen würde Luther 15, 166
W.