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steuern

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steuern vb.

Bd. 18, Sp. 2639
steuern, vb. , stützen, helfen; besteuern; lenken; wehren. ahd. stiurren (in den bedeutungen A und C), mhd. stiuren (A, C, D), mnd. sturen (A, C, D); mnl. sturen (A); got. stiurjan aufstellen (im übertragenen sinn); sonst auszerhalb des deutschen in den bedeutungen C und D (s. u.). germ. *stiurjan, j-ableitung von dem nur in der composition erhaltenen -stiura- (s. sp. 2603) bzw. stiurjō 'pfahl', s. 2steuer. die bedeutungen A und B im deutschen beruhen auf erneuter ableitung vom subst. in den entsprechenden bedeutungen. AA. 'stützen, helfen, ausstatten, beitragen'; den bedeutungen und anwendungen im ganzen bereich von 2steuer entsprechend. A@11) 'stützen', wie steuer A 1. mundartlich noch heute, häufig reflexiv 'sich stützen' (s. u.): sich steuern Kehrein Nassau 1, 391; steuere dich wider die wand Schmidt westerwald. 235; steiern Kisch Nösner u. moselfrk. ma. 215; steire Fischer schwäb. 5, 1747; stüre einen obstbaum stützen Martin-Lienhart 2, 612; stüra 'mit den fuszspitzen den boden anstemmend berühren' Bühler Davos 137; steuan sich anlehnen Neubauer Egerl. 100; si stoirn Schöpf tirol. 709; 'beim ausgleiten das gleichgewicht zu halten suchen' Lexer kärnt. 241. A@1@aa) in eigentlicher anwendung, seit ahd. zeit: stiuri hant fulci manum Müllenhoff-Scherer denkm.3 222; gistiurta suffulsit (eccles. 50, 1: Simon ... sacerdos magnus, qui in diebus suis suffulsit domum) ahd. gl. 1, 582, 64; do nam der gotes holde (Christophoros) daz kient uf und gienc hin abe gewonlich mit sime stabe, der im durch sturen gezam passional 349 Köpke; als in einem naturlichen leib das gebein steüret das fleisch, als ein sterckers das schwach Michael Stiefel ev. v. d. zehen pfunden Matthäi (1522) c 2; dann wie ein baw ... durch untersetzte seulen gewisser gesteuert wird: also auch der glaub auff gottes wort als auff dem fundament beruhet J. Calvin inst. christl. rel. (1572) 2, 163; das hertz, zu helffen und zu schützen; den arm, zu steuren und zu stützen H. v. Hoffmannswaldau u. a. ged. 7, 103 Neukirch. [] am stärksten ausgebildet refl. sich steuern: sih stiurendo (quo) innixa Notker bei Graff ahd. sprachsch. 6, 706; er viel dicke durch den snê und stiurte sich dicke mit der hant, unz er den val überwant Stricker bei Wackernagel leseb. 566; das weib so ein knäblein trägt, ... wenn sie auffstehen wil, steuret sie sich mit der rechten handt viel mehr dann mit der lingken J. Ruoff hebammenbuch (1580) 142; zuokt er ein äxtlin, welches er stettigs in die kirchen trueg, sich damit zu steuren, wiewol sein mainung gar nit war zu schlagen oder den knecht zu schedigen Zimmer. chron. 4, 182 Barack; ein alter schwacher mann, der sich nicht wol mehr steuren kan Georg Rollenhagen Abraham 132, 14 Freybe; die alten, so sie an einem stecken gehn, steuren sich immerzu vor anhin nach irem grab Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 57a. — sich steuern in verbindung mit präp., die richtung und ort des stützens, haltens, lehnens angeben: in die stegraif stiurt er sich, in die hende er daz swert twanc Johann v. Würzburg 8396; der helt sich zuo des plânes habe da stûrte mit der hende sîn Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 40005. — sich steuern an jemanden, an etwas 'sich stützen, lehnen': si stiurte unde leinte sich mit ir ellebogen an in Gottfried v. Straszburg Tristan 11974; Sernilius ..., wie er ... uff dem marck steet, länet oder steüret sich an seinen bruoder ... und stirbt H. v. Eppendorf Plinius (1543) 34; dar umbe quam her zu deme grabe des lieben heiligen ... unde brachte mit om sin ophir unde ouch den stab, dar an her sich phlag zu sturne leben des heil. Ludwig 90 Rückert; er leynet und steuret sich an seinen walstab Aymont v. Dordon (1535) Z 3b; sie (die fürsten) sind keine stangen, daran man sich steyren kan Moscherosch ins. cura parent. 62 ndr.; es steiget stracks uber sich und steuret sich an die nechsten gewächse Tabernämontanus kräuterbuch (1588) 698; allein man steure sich an einen dapffern, tieffen und steiffen grund, darauff das werck sicher ... erhebt ... werde Guarinonius grewel der verw. (1610) 843. im sinne von 'stemmen': und stewrete sich mit beiden füssen an das bette an, damit sie ihn desto fester auff den nothfall halten könte A. v. Kreckwitz lustwäldlin (1632) 262; das thor er widerumb zuschlosz, steurt sich daran mit kräfften grosz, bisz er die rigel trucket ein Spreng Äneis (1610) 189b. — auch mit dem dat.: iz was ein frouwe zu Erferte gesezzin, die brach die gicht also unmezlichen sere, daz si stetes zu bette muste legin, unde wenne si uff einre siten mude gelegin hatte, so mûste si sich stûren an eime seile, daz si uff di andere siten quam leben des heil. Ludwig 87 Rückert; und stewerte sich an einem knuttel Hedwigslegende (1504) c c 1a; ein fallender, der sich an einem schwächern anhalten und steuern wil Butschky Pathmos (1677) 610; es ist auch seer behilfflich, ein stab oder kurtz spieszlin mit zu tragen, sunderlich wa man unebne weg wandern musz, ... im absteigen steuret man gegen dem stecken, dasz man nit schnell herab stürtz Ryff spiegel d. gesundheit (1544) 26b. 'stemmen': sein pratspiess abgegürt, sich damit gegen dem wasser gesteurt und sein haubtharnasch oder schallern auffgegürt v. Herberstein selbstbiogr. 287 Karajan. sich steuern auf etwas, jemanden ist noch bis ins 19. jh. hinein bezeugt: nieman sich goldes versach in deme stabe, den er truc, als ob er durch gemaches vuc dar uf sich wolde sturen passional 19, 84 Köpke; all menschen, die von sant Ulrichs grab stecken oder krucken namen, das si sich darauff stewrotten leg. v. heil. Ulrich 60 Hirsch; einen schröcklichen prügel in händen [] trug, auff welchen ich mich wie ein wilder mann steurete Grimmelshausen Simpl. 435 ndr.; darauf (auf den stock) konte er sich nicht allein steuern, sondern auch, wann es die noth erforderte, damit gute schläge austheilen J. C. Dippel abgezw. fatale abfert. (1733) 27; auff ein zerbrechlichen rohrstab sich steurn, heist mit guten bedacht zur erden fallen Harsdörffer gesprächsp. (1641 ff.) 2, 171; do der convent von seiner arbait widerumb kom und stuond vor irer porten und was wartend des zaichen der orglocken, do steurt sich der ellter münch aus in auff sein grabschaüfel und sprach Joh. Hartlieb dial. mirac. 69, 18 dtm.; der dir ein fester pfeiler sein wirdt, darauff du dich lehnest und steuerst J. de Acosta America (1605) 253; dasz man solle mit gestifften allmosen ... den bösen buben und faullentzern küssen machen unter die arm und pfülben zu den häupten, darauff sie sich steuren Joh. Erh. Cellius buszspiegel (1615) 93; Elise gieng nur allein mit dem halse und kopff uber das wasser herausz, und hatte sich mit den händen auf einen seidenen strick, so quer über gespannet war, gestewret Opitz Argenis (1644) 2, 161; unsere werthe königin steuerte sich inzwischen auff eine alte frau und war vor unaussprechlichen betrübnisz schon mehr als halb todt Ziegler asiat. Banise (1689) 270; von den zaichen, ob ain fraw ain knäblein trage. ... daz ainleft ist, wenn si aufstêt, sô steurt si sich auf die rehten hand Konrad v. Megenberg buch d. natur 40, 32 Pfeiffer; noch derzeit verspüre ich kein oberbein ahn meiner handt ...; dasz ich mich auf meine handt steüere undt sie mir umbschnapt, dasz kan niemandts hindern Elisabeth Charlotte br. 2, 681 Holland; der einen müden fusz hat ..., sich aber auff denselben zur zeit der flucht verlassen und darauff stewren oder leinen wolte, ... vom feind wird er verfolgt, ... und ertapt Albertinus hirnschleiffer (1664) 422; massen so er (der hirsch) sich auf die füsse steuren kan, mag er leicht den jäger einen schaden zufügen das geöffn. jägerhaus (1715) 9; die steinböck ... haben ein langes schwer gehürn, darauff sie sich steuren, wenn sie einen fehlsprung gethan Heyden Plinius (1565) 275; so sitz dann hinderm disch geschmogen, und stewr dich auff ein elenbogen Scheidt Grobianus 3057 ndr.; sich auf den ellenbogen steuren Kramer 2 (1702) 969a; folgends stewert er sich auff seine arm und fieng an, so heftig zu sinnen Amadis 1, 143 Keller; ich sehe leicht ein, dasz die kerls (schlecht ernährte soldaten) sich schwer auf den beinen erhalten würden, allein (— ich bemerke nicht einmal, dasz die im ersten gliede ohnehin auf das knie sich steuern können —) Jean Paul (1826) 16, 228 Reimer; sich auf etwas steuern appoggiarsi, fondarsi su checchessia Jagemann wb. (1799) 2, 1162. — im sinne von 'sich niederlassen', vgl. o. sich auf den ellenbogen steuern: also sprach sie, bisz in das betth, darauff sie sich gestewret hett Spreng Äneis (1610) 79b; Tyridates legte sich hierauf gleich zu bette, ... alles zu überdenken, was ihme den tag begegnet war. Vasaces muste, nachdem die slaven aus der kammer gegangen, sich auf ein nebenbette steuren, um seines königes vorbringen anzuhören A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 16; so will ich mich bey disem brunnen hie nider setzen an die sonnen. ... er steuert sich nider Ayrer dramen 1087 lit. ver.; vgl. im gleichen sinne sich niederstaren (teil 8, 799). etwas auf, in, an etwas steuern 'stützen, lehnen', seltener neben dem reflexiven gebrauch: daselbst hat auch ein junger gesell den kirchfanen sollen umbtragen. wie er aber ain vorteil zu suchen begert, hat er die stangen auch auf den latz gesteurt Zimmer. chron.2 3, 598 Barack; hatte ... in der lincken hand den scepter, den er auff den schenckel steüret J. B. v. Borstel von der lieb Astreae (1619) 1, 95; und so man ihn (den schild) auff den boden steürt, nimpt er des keinen schaden Xylander Polybius (1580) 334; [] durch welches mittel gehen denn die engel, oder worauf steuern sie ihren fusz? Jac. Böhme s. w. 2, 128 Schiebler; kommt mutter! steurt auf mich den abgezehrten leib! legt den verdorrten arm um meinen hals! ich bleib, vor eure schnur, itzt stab Gryphius teutsche ged. (1698) 1, 453; und verschied in dem pett sitzende und sein haubt auf die hand stewrende G. Alt buch der cron. (1493) 212b; und hielte jeder mit seinem lincken arm den rechten, damit selbiger sambt dem darauf gesteuerten haupt nicht gar niedersuncke Harsdörffer Diana (1661) 2, 130; mein haupt in die recht hand ich stewert H. Sachs 7, 203, 37 K.; welcher wann er zielet, den arm an die brust oder seiten steuret, der verfällt einen asper qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 5, 390. A@1@bb) im älter nhd. häufig übertragen, in den gleichen präpositionalen verbindungen wie o. a, meist sich, etwas steuern auf, an etwas, so dasz in der construction der zusammenhang mit dem eigentlichen gebrauch immer festgehalten ist. unter beibehaltung des bildes: der heilligen streittenden kirchen grundfestungen, darauff sich das gantz zimmer diss gepews vertrawentlich steüert, sind die heiligen apostel G. Alt buch d. cron. (1493) 101a; und dieses war der pfeiler, worauf sich der selige mann gottes in widerwärtigkeit zu seinem unbeweglichen troste steuren konte Gotthart Schuster christ-erbauliche sendschr. (1742) 478; und du, mein sohn einig allein, solst mir gleich wie ein stab jetzt sein, auff den ich mich steurn und stützn thet Ayrer dramen 581 Keller; darauff im der vatter geantwortet: ja wol, mein son, sey du mein stab, daran sich mein alter steuret und sey du herwider mit des vatters gebet gesteuret H. Fabricius auszzug bewerter hist. (1599) 325; ob nun gleich kirchliche bitte, gebet und vorbitte eben nicht im geruch groszer wirksamkeit stehen und für die andächtigen seelen, die sich darauf steuern, nur ein schwacher stab sind Musäus volksmärchen 461 Klee; steuer dich an Christum unszern erloszer und szeligkmacher J. S. Egranus ungedruckte predigten 135 Buchwald. meist weniger bildhaft, abstracter: darumb lebe man also und steure sich auff die veterliche trewe gottes Luther 16, 296 W.; doch im namen meines herren dörfft ich mich auff seine gnad sicher stewren und kecklich anlehnen Spee güld. tugendbuch (1649) 106; und stürent sich uff den artickel von der küre der radherren begriffen (15. jh.) Straszburger urk. 1, 455 Eheberg. sich steuern auf etwas in breiter anwendung auch im sinne von 'sich auf etwas verlassen': ihr aber, herr Leonhard Korn, seit wol ein gut und nutzlich korn, weil auff euch manch bedrangter mann sich steuren und verlassen kan J. J. Weidner lustgärtlein (1621) e 7a; die Türcken förchten und fliehen dieselbe (pest) nicht, sondern steuren sich auf die vorsehung H. Widerhold beschr. der sechs reisen (1681) 1, 35a; die sich fürnemlich steuren und lainen auff ire gutten werck Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 117b; der fuchs steurt sich auff sein witz und list, wolt dem trewen rath nicht volgen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 109a; es musz aber niemand vermessener weisz in alle rauffhändel sich mischen und sich allein steueren auff sein fechtkunst Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 178; ich steuere mich ganz auf die rühmlichen zeugnisse, die ich in händen habe Jean Paul 1, 367 Hempel; töchter sind bey uns ein kapital, das in umlauf musz gesetzt werden ... mutter Brigitta steuerte sich auf einen wohlhabenden eidam, der sie einst wieder ... in das land des überflusses ... zurückführen würde Musäus volksm. (1826) 4, 13; 'sich daran halten': die chronicken sind in den jarzalen obbemelter königen also ungleych, dasz ein jede beynaahe ein besondere weysz hat, und sich niemands daran steüren kan Stumpf Schweizerchron. (1606) 665b. gelegentlich auch mit sachlichen subjecten: welcher glaube sich stewert und verlesset auff das [] wort der verheissung gottes Mathesius Syrach (1586) 2; und disz stuck fundirt und stewrt sich auff das erste: dann wer gott rechtschaffen liebt und jhm gehorcht, der liebet auch sein nechsten Joh. Saubert currus Simeonis (1627) 439; die vorrede ... hat vielleicht desto mehr zu sagen, da sie sich noch auf nichts vorhandenes steuern kann Jean Paul s. w. (1826) 56, xiii Reimer.selten nicht reflexivisch steuern auf etwas: das uns gott unser sunde durch seyn szon Christum unsern hern vorgeben hat und vergeben wil, darauff sollen wir ym leben und todt und bey leyb auff keyn werck bawen, steurn und uns vertrosten Luther 10, 2, 497 W.; weil sie das müsten verwerffen, das sie selbs in allweg auffrichten, verthedingen ... ja darauff sie gegründt und gesteüert steen Seb. Franck chron. u. beschr. d. Turckey (1530) a 3a. etwas auf etwas steuern: wo er (der teufel) einen menschen am sterben findet ..., der sein gewissen auf menschen leer und gepot stewret ..., den würdt er stürtzen bei O. Clemen reformationsflugschr. 2, 359; steure deinen weg auf den herren: unt hoffe auf yn Schede-Melissus psalmen 140 ndr. von steuern lenken (u. sp. 2649) zu scheiden: dasz es das gewöhnliche los der sterblichen ist, ihr leben zu verträumen, einer phantasie, einer leeren grille den besten theil desselben aufzuopfern und ihre ganze thätigkeit darauf zu steuren Musäus volksmärchen (1826) 3, 97. A@22) fortentwickelung des concreten 'stützen' durch abstrahierung. A@2@aa) unterstützen, helfen, fördern, wie steuer A 2, in der form jemanden, etwas steuern, seit ahd. zeit bis ins älter nhd.: stuorrent sie dia scalhheit (adiuvant servitutem) Notker 1, 1, 313 Piper; stiurrentes institutores ahd. gl. 4, 220, 13. dem concreten 'stützen' noch nahe: hillich yn alle synen wercken up hevende de vallende ... unde de gerechtigen sturende, gevende starkheit den volke godes (1473) bei Schiller-Lübben 4, 453; doch meist abstracter: sweme got ferlîhet ten gewalt, daz er ist guoter liste unde sînen ebencristen stiuret unt lêret, zuo dem bezzerem chêret mit tem selbem gaiste himml. Jerusalem bei Waag kl. ged.2 65, 313; diejenigen, so in (Luther) wider kay. ma. verbot gsteüert und gleichsamb geborn und in Pathmos under irem schutz behalten haben Joh. Nas antipap. eins und hundert 3, 56a; sobald der heil. Benno den kaiserlichen befelch, welchen der pabstliche, das ist der höchste, steuerte, vernommen (1697) bei Schmeller-Frommann 2, 777. — im sinne von 'veranlassen, bewirken': doch bôt er im guoten tac, als in sîn zuht stiurte Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 2399 Hahn; die schencken steürent trunckenheit und frässerei (tabernarii ebrios pariunt) H. Stainhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 107a. von b 'mit etwas ausstatten' nicht immer scharf geschieden: ir heiligen sêla ... stûret mih mit iuweren guoten biliden (fulcite me) Williram 31, 6 Seemüller; mit dem heiligen geist durchfewert, der sie hat krefftigt und gestewert H. Sachs 6, 237, 31 K.-G. auch mit objectssatz, 'helfen': ratet, helfet und steuret, wie ich so sweres leit von herzen werfen muge ackermann a. Böhmen 21, 12 Bernt; du bist trawrig des kürbis halben, welche du doch nit erarbeit hast, auch nit gesteuwert, das sie wachsen künde J. zu Wege confession (1555) 116b. das abstracte 'helfen' ist von übertragenem 'lenken, steuern' (u. sp. 2649) nicht immer eindeutig geschieden, s. auch u.: das ist je ein gewüsz zeichen, dasz gott stürt, denn nach kleine mines verstands hätte ich dahin (zum verständnis der hl. schrift) nienen kummen mögen H. Zwingli deutsche schr. 1, 79. von 'wehren, abhilfe tun' (u. D) zu scheiden: hilfet da nicht (gegen den tod) ... physica mit iren mancherlei steurenden trenken ackermann a. Böhmen 63 Bernt. [] mit angabe des zieles und zweckes jemanden zu etwas steuern ihn zu etwas veranlassen, dazu verhelfen, fördern, öfter von 'zu etwas hinlenken' (u. C) nur durch historischen vergleich zu scheiden: und wie sie (die welt) ir süeze siuret, daz mich ze fröiden cleine stiuret Ulrich v. Eschenbach Alexander 16272 Toischer; was sye zuo ir säligkeit stüren mag, ich ir gerne günnen will Wickram 1, 164 Bolte; und manent in unde warnent in und helfent ime und stúrent in zuo den tugenden und zuo den gnaden, und mit steter wirklicher bunge so behtent si den menschen Tauler pred. 373 Vetter; in Ytalia, daz ist Walhen lant, da ist ein prunn, der daz gesicht der augen pessert, und die chranchen augen steurt zu pesserm gesicht gesta Romanorum 143 Keller; und durchwander all stett und lant, darzuo den lufft und möres grund, darzuo mich steürt die liebe stund, über die du fürst solche klag Georg Wickram irr reitend bilger (1555) b 2. jemanden steuern etwas zu tun 'veranlassen': des haben si ir wall und wandl mit mir oder auch mit ainem andern mann, der sew pas furdern kan und stewrn solhs auszerichten österr. weist. 8, 183. hierher, obwohl (Schiller-Lübben 4, 453) als 'lenken' interpretiert: de leren sal myne hant to schryvene unde de sturen sal myne tungen to spreken (1473) ebda.ohne accusativobject zu etwas steuern 'verhelfen, beitragen, fördern': waz stiuret baz ze lebenne danne ir werder lîp? Walther v. d. Vogelweide 93, 22 Lachmann; alle dye darczuo steüren oder ratten, die seind verteylt mit des todes pein geqwelt und gemartert Hartlieb buch Ovidii v. d. liebe (1482) 54b; fieng an den bruder heimlich hassen, darzu sin eewib ... one underlasz fürdert und stürt, dann es si verdrosz, dasz er dem vatter gevolget Tschudi chron. Helvet. 1, 121. — auch jemanden auf etwas steuern ihn in der richtung auf etwas fördern, unterstützen, dem sinne von 'ausstatten' (u. b) nahe, von 'lenken' (C) zu scheiden: ouch hât mich Heinrîch Marschant ûf diz werc gestiuret wol. ob ez volendet werden sol, des hilfet er mir sêre Konrad v. Würzburg Partonopier 203; all die menschen, die herkommen sein von gnaden und ablas wegen, die steur ich auf den weg der ewigen salikeit pfarrformel bei Schmeller-Frommann 2, 778; hierher: wann man rft vor der schrann, das nimant stewr auf dez andern schaden, wer aftendez aufhabt oder dirtailt ungefragt, der schol dem richter püzzen und ainem seinen schaden ablegen steiermärk. landr. 47 Bischoff. A@2@bb) ausstatten, beschenken mit etwas, durch gaben u. s. w. unterstützen, wie steuer B 1, von dem reinen 'unterstützen, helfen' (a) nur in der anwendung verschieden, ebenfalls in der form jemanden steuern; besonders im mhd.: 'frouwe, ich sende iu zwelf prôt, schultern unde hammen drî: dâ ligent ähte kæse bî, unt zwei buzzel mit wîn. iuch sol ouch der bruoder mîn hînte stiuren: des ist nôt Wolfram v. Eschenbach Parzival 190, 15; seyt das mich got hat her gesant zu Tarsis in das werde land, ich stewre wol die tewr. ich will der statt zu stewr hundert tausent maut geben Heinr. v. Neustadt Apollonius 1009 dtm; (er) klagt den herren sein armuot und sagt ... het durchfaren zway kaiserthuomb ... und het sich so verzeret und begeret allso, das sy yn wolten steuren, das er wider möcht in sein lannd kommen (1509) Fortunatus 42 ndr.; 'aussteuern': also das er sein schwester vorhyn steürt und zuo morgengabe geben het oder das hausgesinde darvon gespeist oder den glaubiger seines vaters schuld betzalt und gegeben het clag, antwurt (1497) 88b Schönsperger; a ähnlicher: hastu ... niemant haimlich gesteürt, behauszt [] und beherbergt Caspar Huber ain trewe warnung (1535) b 5b. jemanden an, zu etwas steuern für etwas, zu einem zwecke ausstatten: allew dy daz gotshaus gestewrt habent mit worten oder mit wercken, ... daz sy unser lieber herrgot auch stewer an sel und leib bei Schmeller-Frommann 2, 777; des morgens do er danne schiet, ir wipheit sich mit ir selben des beriet daz sie in wolt ze siner verte stiuren, unt gap im als ir was gesant vünfzec scharlach über se von Engellant Lohengrin 3843 Rückert; so gingent biderbe lüte und hieschent an dem ringe den lüten, daz sü die bruder stürtent zu kertzen und zu vanen städtechron. 8, 111. — jemanden mit etwas steuern beschenken, ausstatten, ausrüsten: do sprach marggrafe Helnot von Tuschan: ich wil dich hohe sturen mit fünftzig man, die wil ich mit uch senden uff das wilde mer Otnit str. 38 Mone; es hett auch dieser bischoff ein sondern anmuth zu dem closter Eberach, also das er wolt, das sein hertz nach seim todt daselbst begraben werden solt, des stewert er es auch mit reichen und vielen järlichen zinsen Joh. Herold chron. aller ertzbisch. zu Mayntz (1551) 85a; euer gewonheyt ist, alle iar die armen diener des lieben herren ... mit eüerm almuosen czesteüren Arigo decamerone 401 Keller; a ähnlicher: so manliche man gesach ich nie, der rechte mutig wurde, er wurde dann mit frawen troste gesteuret ackermann a. Böhmen 29, 15 Bernt; wann so sie ausz einem feisten bodem in ein magern versatzt werden, so mügen sie nit nütz sein, sie würden dann zu dem dicker mal mit mist gesteiert Petrus de Crescentiis 44b (ca. 1495). A@2@cc) 'beisteuern, schenken', im unterschied zu a und b mit dem dat.: jemandem steuern ihm eine gabe, geschenk, unterstützung beisteuern; wie steuer B 1; seit älter nhd. zeit, in junger zeit neben gewöhnlichem beisteuern, auch zusteuern, noch erhalten. mundartlich von 3 meist deutlich geschieden: steüern beitragen zu etwas K. Bruns volksw. d. prov. Sachsen 66; sie wesse s doch, dass mer im frijahr iwwerschwemmung gehatt hann. es is ja fir ens gesteiert worrn Crecelius oberhess. 810; stire 'geschenke für ein neues haus bringen' Fischer schwäb. 5, 1747; wenn d nit brav bis, so stürt dr d mueter nix, wenn si z märk get Martin-Lienhart 2, 612; het ders wienechtchindli au gstürt? Seiler Basl. ma. 283; einem stüre Hunziker Aarg. 264; staürn einem betteler etwas geben J. Bacher die deutsche sprachinsel Lusern 393. jemandem steuern jemandem materielle unterstützung reichen, insbes. almosen: darümb ain herr zu loben ist, der frid den seinn macht zu aller frist. die seinen müszen im steurn und geben, und teglich pitt man ümb sein leben fastnachtsp. 646 Keller; (Camillus) stewret auch allen burgern, die ir heuser wider bawen wolten, ausz gemeynem seckel Carbach Livius (1551) 59r; ward ein frommer prediger in Böhmen umb göttlicher warheit willen ins gefängnisz geleget, dem steureten fromme christen, dasz er sich darinnen erhalten möcht Prätorius glückstopf (1669) )( 4b; den armen steuren dar limosina, aiuto a poveri Kramer 2 (1702) 968a; modern im etwas blasseren sinn von 'beisteuern' (s. u.): ich bin nicht reich, doch werden eltern mir und freunde willig steuern, mein glück von deiner habsucht zu erkaufen Grillparzer s. w. 4, 214 Sauer; es dauerten sie dabei nur die armen leute, denen die häuser hätten verbrennen müssen, so gleichsam ihretwegen, aber denen müsse auch gesteuert werden, dasz es fry key gattig hätte Jer. Gotthelf geld u. geist (1852) 166. — mit objectsausdruck jemandem etwas steuern: die städt und klöster im Wirtemberger land steuerten den armen leuten 10627 fl. 20 creutzer ... sonst hat ihnen der fürst alles bauwholtz geschenckt Stumpf Schweizerchron. (1606) 131b; [] steht mir umb gottes willen bey, stewret ein klein almosen doch mir und mein armen weiszlein noch W. Spangenberg ausgew. dicht. 268 Martin; er musz ein armer mann gewesen seyn, dasz man ihm so viel hat steuren müssen, und musz ein verthunischer gesell seyn, dasz des steurens noch kein ende ist Grimmelshausen traumgeschicht (1660) 34; ich spühre deinen beyfall schon, o du versammlung edler häupter, die du, wie jetzt, dem höchsten thron, so oft du freudentage feirest, auch seinen weyrauch steurest Weichmann poesie der Niedersachsen 5, 66; doch steuert er ihm etwas auf den weg und hiesz ihn auch die schuh im stall mitnehmen, wofern er etwa meinte, sich ein geldlein mit zu machen Mörike erz. (1878) 195; zum lohn steuerten ihm alle bürger, als die hungersnoth wüthete, jeder ein weniges von seiner speise, sich selbst abdarbend Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 349; der herold rief die kriegsfähigen auf, die bereit wären, leib und leben dem vaterland zu steuern ebda 3, 579; (arme) wurdent in das barfüsserkloster yngenommen, und nach zimlicher notturfft in spys, tranck, geliger, decke, allten gestürten kleydern, mitt grosser müy und arbeit viler gottsfürchtiger lüth ... daselbs erhallten worden sind Heinr. Bullinger reformationsgesch. 2, 244 Hottinger. vereinzelt: und gebt mir doch nur ein paar kronen! ae stürend mich ein altes kleid! Wickram 5, 222 Bolte. mit angabe des zwecks, der richtung u. s. w. steuern zu etwas 'zu etwas beitragen': darumb ich bitt euch, das yhr mir wollen steuren ein heller, ein rüschen flachs, ein unterbant garn zu dem alter Luther 26, 643 W.; einem etwas steuren zu etwas contribuire, dare, largire ad uno qualche cosa di larga mano à qualche effetto Kramer 2 (1702) 968a; als eur lieb ... unserm lieben bruder ... hiemit zu seiner kurzweil dez schiessens gesteurt und geschickt habt ein armbst privatbr. d. mittelalt. 1, 55 Steinhausen; erlangten auch groszen ablasz, beyde zu ihren kriegen und spitäln, wer ihn mit leib, gut, hülff und thaten darzu steuwerte Kirchhof wendunmuth (1581) 431; übertragen: das stürt im vil zuo guotem lob J. Aal trag. Johannis (1549) b 4. ohne dativobject der person etwas steuern zu etwas: wie dann bemelte witib ... solh ir naygung mit dem werch erzaigt und dartzuoe all ir guoet gestewrt hat nach irem vermögen Berthold v. Chiemsee theol. 613 Reithm.; wol hett ir sovil leichter im jar ein drey pfenning geopffert, und zum gebet ein par batzen gesteweret Joh. Nas antipap. eins u. hundert 4, 299a; nachdem er aber von Mose ermahnet worden, etwas von seinen schätzen zum unterhalt der armen zu steuren, etwa eins von zehn, ... hat er sich dessen gewegert Olearius pers. baumgarten (1696) 14; du steuerst kostbar zu der brüder hochzeit: dem einen vorenthaltne ländereyn, ein ganzes land, ein herzogthum, dem andern Shakespeare 4, 307; mit um so gröszerem selbstbewusztsein ..., als Magdeburg wohl weisz, dasz es mehre millionen thaler zum jährlichen finanzetat Preuszens steuert Gutzkow ges. w. 11, 53; in weiterer anwendung, s. u.: das binlein steurt das wax zum siegel nechst dem end Harsdörffer d. teutsche secret. (1656) 1 vorr. 8a; die welt ist ... grosz genug und steuret überflüssige materie zu neulichkeit Stieler zeitungs lust u. nutz (1697) 65. ohne object: sie wolten auch mal sein die herrn, steurten zu dem allmusen gern Fischart Eulenspiegel 261 Hauffen. — steuern zu etwas hat gelegentlich den doppelsinn des allgemeinen 'zu etwas beitragen, beisteuern' und des speziellen 'steuerabgabe zu einem zwecke leisten' (wie u. 3): aus Italien muste man sie ... mit 10 metzen gulden hinweg kauffen, worzu auch die kinder in der wiegen gesteuret S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 132; besonders in [] junger zeit unklar: nicht die fürsten steuerten zu dieser 'hoffahrt', sondern der könig bezahlte sie Nitzsch deutsche studien (1879) 174; an der stelle, wo die Baglionen gewohnt, ward eine festung aufgerichtet. die bürger selbst muszten dazu steuern Ranke s. w. 37, 261. seltener in anderen constructionen; mit präpositionen der richtung und des zwecks (wie o. mit zu): steyeret in das h. allmosen nach ewerem vermögen Moscherosch ins. cura parent. 105 ndr.; wer wirdt nach dieser musterung steuren den frawen an ein borten, an ein halskoller Paracelsus op. (1616) 1, 201 Huser; die trinkgelder und mein schafhandel hatten mir für meine wenigen bedürfnisse das meiste geliefert; nur an eine sackuhr muszte mir der meister steuern Jer. Gotthelf s. w. (1898) 1, 180; gehen sie in eine armenschule und steuern sie für das jüngste der kinder ... eine gabe Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 4, 105. modern öfter ohne angabe des empfängers, wie auch o. steuern zu etwas: es (das kamel) erträgt hunger, durst und hitze und steuert dabei noch seine milch H. Laube ges. schr. 5, 270; es ging in seinem hause geräuschvoll und lustig her; die pfarrkinder steuerten reichlich, was feld und wald abwarf G. Keller ges. w. 1, 15; Europa glaubte, die blüthe seiner gewissen hoffnungen vor sich zu sehen; sollte es also nicht steuren? nicht geben? Herder 15, 116 S.; wo der regent, der euch kennt und weisz, was ihr nöthig habet, wenn er euch ein groszes almosen ertheilen siehet, zu euch sagen musz, das ist nicht in der ordnung, dasz ihr also steuert! Pestalozzi s. w. 9, 89 Buchenau. besonders in junger zeit über die älteste und häufigste anwendung des 'bedürftigen unterstützungen reichen' hinaus stark erweitert (s. auch schon o.): zu seiner vorhomerischen symbolik hatten ihm mancherlei spiel von kinderweisheiten gesteuert die altväter Danaos und Kekrops J. H. Voss antisymb. 2, 8; schämig versagst du den blick dem übel beleumdeten ketzer, ... schwebe nur zierlich von hinnen: als mütterchen seh ich dich humpeln, welches zu Hussens gericht steuert sein schwelendes scheit! G. Keller ges. w. 10, 28; von solchen fabrikleuten ... wird man doch nicht erwarten, dasz sie ... jenen beitrag zur ausprägung der volkspersönlichkeit steuerten, den sie durch ihr mechanisch gattungsmäsziges arbeitsproduct nicht steuern können W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 106; auszer dem erzählenden gedicht der pilger hat Boie nichts in Schillers zeitschrift gesteuert Weinhold Heinr. Chr. Boie (1868) 226; in Hamburg war es, wo die kultur der oper auf die bedeutungsvollste höhe getrieben wurde, wo (poeten und componisten) ... wetteifernd dafür steuerten, und daher ihr leben und schicksal am frappantesten hervortritt Devrient gesch. d. schausp.-kunst (1848) 1, 273. A@33) steuerverpflichtungen nachkommen, steuern bezahlen. seit dem 14. jh. bis heute bezeugt. die anwendung entspricht zwar nach construction und bedeutung 2 c 'beitragen, beisteuern', beruht aber mehr auf directer ableitung von steuer 'abgabe' (sp. 2597), als auf kontinuierlicher fortentwicklung des vb.; der zusammenhang mit steuer bleibt bis in die jüngste zeit fortwährend lebendig.in verschiedenen mundarten bezeugt: stüren steuer zahlen Richey Hamb. 299; dat hus stüret nig Dähnert pomm. 471; s. Rovenhagen Aachener ma. 144; Fischer schwäb. 5, 1748; stüre 'eine öffentliche auflage erlegen' Hunziker Aarg. 264; im bair. wald, s. Bayerns ma. 2, 260; Lexer kärnt. 241. — in absoluter form: ich stewer do subsidium, stewer Alberus (1540) c c 1b; welhi bissher ain tzit also umb ain genante summe geltz zuo burgern ingenomen sind ... súllent die selben nun hinfúr stúren alz ander ... und hienach arm und rich in gelichem und mit der stúr alz herkomen ist württemberg. gesch.-qu. 21, 258; ob ain gast ... und der mit den purgern hie ze München nicht steuret, ainem purger ain guot laet ze gesellschaft, oder süst ân gesellschaft, davon, der nicht purger ist, gewin wil nemen, ... so sol der purger, der ez arbait, versteuren, als der stat recht ist stadtrecht v. München 124 Auer; (der könig) gab in freihait, dorften wie ander leut weder raisen noch [] steuern, weder wachen noch scharwerchen, waren aller ding frei Turmair bair. chron. 1, 105 Lexer; ist auch der vertraglautter, das wann ein hieiger burger hinnauf in die jung pfaltz kaufft, dieselben untrthonen forthin herab steüren sollen Balth. Paumgartner briefw. 267 lit. ver.; bei der stadt ist stattlichkeit, bei dem dorffe dürfftigkeit. ists nun recht, wenn gleich die stat statlich auch zu steuern hat? Logau sinnged. 41 Eitner; wer sechzehntausend asses an geräthe besasz, muszte steuren, als wann er hundert und sechzigtausend besessen hätte A. v. Haller Fabius u. Cato (1774) 173; (dasz) allen liederlichen haushältern und schuldnern ein verzug zugestanden, lehnsmänner und leibeigne ihrer pflichten, steuernde ihrer steuer, zinsende ihrer zinsen entlassen wurden Herder 14, 473 S.; ein ... bund miszvergnügter bürger und bauern, welche ... sich verschworen, in zukunft nicht anders als nach eigner freier bewilligung zu steuern Ranke 1, 142. von einem gut, vermögen u. s. w. steuern davon steuern entrichten: Fricz Muszler hat ein lehen, dorein gehoren dritthalb tagwerck wisen und sechczehen morgen ackers. dovon er stewret und dienet mit andern seinen nachgepawren mon. boica 47, 613; lägerbücher ... woraus zu ersehen, was einem jeden von seinen gütern zu steuren gebühret Stieler zeitungs lust u. nutz (1697) 411; dasz diese steuer, das tributum, daher seinen nahmen hatte, weil es der inbegriff des vermögens ... war, von dem gesteuert ward Niebuhr m. gesch. 1, 260. — mit dem dativ dessen, der die steuer empfängt, jemandem steuern: daz wir ... die burger ... ze Wetflaren ... gefriet haben ... zehen jar ... vor aller stuor und dienst, die sie uns mit phennigen tuon suollen; mit der bescheidenheit, wer, daz si sich in der selben frist so vil besserten, daz uns duhte, daz si uns stuoren oder dienen möchten, des sullen si gehorsam sin ze tuond (1334) urk.-buch v. Wetzlar 1, 509; der ertzbischoff steuret seinem nachgepauren von Wurms und mit im die Reinischen städtechron. 3, 117; diese güter steuren dem landsfürsten Kramer 2 (1702) 967c; zwar sind die einmal unbedingt bewilligten steuren nicht mehr das eigenthum der unterthanen, sondern gehören dem fürsten, als demjenigen, welchem gesteuret worden ist K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 3, 30; mit vollem recht gehorchten wir nur uns und steuerten nur uns, weil wir uns schützten. so wuchs die macht, indesz gewerb und handel gesichert, frei von jedem herrenrecht, des reichthums strom in unsre mauern führte Raupach dram. w. ernster gatt. 5, 62; in der nordamerikanischen (armee), welche dem staate und den kommunen steuert und hoch steuert Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 53. ebenso zu, an jem. steuern: dann Steinen und Art zevor allein iren herren und nit dem rich gestüret, uszgenommen was kosten uff das gemeine land gieng, da hat Steinen und Art jewelten mit gemeinen landtlüten ze Schwitz gestüret Tschudi chron. Helvet. 1, 172; (dasz) die güter nicht mehr zu den städten, in denen ihre besitzer wohnten, sondern zu den herrschaften, unter denen sie gelegen waren, steuern sollten Ranke 1, 140; ich steure an die herrn von Rappersweil Schiller 14, 332 G.; ich und mein vater und groszvater und wieder dessen vater haben immer an die Priglitzer gesteuert und keinen hut vor dem Rothensteine gerückt Stifter 2, 14 Sauer.mit dem accusativ dessen, was bezahlt wird, jemandem etwas steuern: dinet und stewret meinem gnedigen hern 8 guldein mon. boica 47, 711; du weiszt, herzliebe hausfrau, dasz man jetzund steuern soll; ... es wird ein geschworne steuer, ich hab etliche jahr 2 goldgulden gesteuert, es möcht mir aber jetzund etwas abgehen, so bedenke, was du gesteuert habest M. Frecht (1548) in württemb. vierteljahrsh. 5, 256; wir danken euch flisiclichen euwers gutten willens in der irbittunge nu nehist tzu Osterode von des geschos wegen, das ir uns in unsern noten stuern wellet und geben (1411) akten d. ständetage Preuszens 1, [] 162 Töppen; haben sie mir vor ein belonung zuogericht ..., dem phaltzgrafen haben sie gestuert gelt und frucht H. v. Cronberg schr. 125 ndr.; der fürst läszt sich steuern, zins und schosz, immer mehr, immer mehr W. Alexis hosen (1846) 1, 182; alle activen bürger, die einen zehntägigen arbeitslohn steuern, sind wählbar Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 407; so steuerten ... die juden jedes andere jahr ein viertel der aussaat Mommsen m. gesch. (1874) 2, 382; die nadel soll mir erwerben, was ich dem kloster steuern musz Musäus volksmärchen der Deutschen 2, 129 Hempel. mit dem accusativ des grundstückes u. s. w., auf das sich die steuerpflicht bezieht, heutigem 'versteuern' entsprechend: Concz Hubner von 3 lehen (die sol er fur 2 lehen stewren und verdienen), die im Johann Brawnn verliehen hat, 2 herbsthuner, 1 vasznachthuhn mon. boica 47, 268; das ain yeder, der erb und aigen in dem gericht zu Ingolstadt liegend hat, das stewrn soll, es sey man oder fraw — er sey gaistlich oder weltlich Joh. Mederer gesch. d. maierhofes Ingoldestat (1807) 51; oder si geben nimer kain ungelt, oder daz all purger ir guot stiurten, als lieb in wär städtechron. 4, 79. BB. steuern auflegen und erheben, obd. in älter nhd. zeit, heutigem besteuern entsprechend, vgl. Schmeller-Frommann 2, 777, selbständige ableitung von steuer 'abgabe' (sp. 2597). in der form jemanden steuern, gesteuert werden: es sollen auch alle ehehalten durchaus gesteuert werden, ... also dasz jeder ehehalt, als oft er ein pfund Münchener pfenning zu sold hat, davon geben soll ein schilling pfenning zu steuer bair. landtagshandl. 9, 254 Krenner; auch sullen se zwen stewrer haben, dew den man stewren, der in ir wart spricht. auch sullen se stewren den man, das er es wol gehoren mug österr. weist. 11, 221, 11; sobalt er nach dem abzug haym kam, fieng er von stund an mit den äpten, prelaten, pfarrern, briestern, stetten, merckten, dörfern, die zu steuren, gelt samlen bei Baumann bauernkrieg 200; tu ich aber die armen leut steuren zu diser teuren zeit, so klagen si darnach so fast, sprechen ich tu in überlast Sebastian Wild bei Tittmann schausp. a. d. 16. jh. 1, 214; erstlichen so ist unser ambthauss und kastn in dem markt ganz gefreit, das ain marktrichter kain gewalt hat darein zu greifen, auch kainen, so darinnen ist, nit thar steuren oder zinszen österr. weist. 6, 276; es sullen und mügen auch der benannt abbt, convent und gotzhauss nun hinfür und ewigklich die obgenannten stuck mit allem irem zugehörung, wie obgeschriben, innhaben, nutzen und nyessen, stifften, steren, setzen und entsetzen, verchauffen, verkummern qu. bei Meichelbeck chron. Benedictobur. (1752) 2, 162; er zwung und drung mit stewrn und schetzen, mit untertrucket klein und grosz H. Sachs 16, 447 K.-G.; sie hofften, ... die fürsten und stätt wurden die gemeyn nimmer stewren oder mit ungeld beladen Joh. Nas antipap. eins u. hundert 4, 322; item es schol auch nimand der widen holden steüren dan der pfarrer, wann im das nott thuet oder wann er gestewrt würt österr. weist. 8, 111; hierher auch: und süllen auch die waisen die zeit, und daz selb guot deu stat inne hat, ungesteuert sein stadtr. v. München 160 Auer; vereinzelt: hirtzog Bilhalm und Ludwig gebrüder in Bairn haben disen hirbst im ganzen fürstenthumb den geistlichen allen irs einchomen gesteurt und daussen behalten, das ein grosz geld machett städtechron. 15, 70. CC. den lauf des schiffes mit hilfe des steuers lenken. im nord- und westgerm.: altnord. stýra, ags. stéoran, stíeran, altfries. stiūra, stiōra, mnl. sturen. im deutschen seit ältester zeit bezeugt. die im deutschen hervortretenden berührungen zwischen den übertragungen von 'stützen' (o. sp. 2639) und 'lenken' sind secundär; s. das gleiche verhältnis beim subst. (sp. 2592). [] C@11) in eigentlicher anwendung. mundartlich im nd., meist stüren, s. brem. wb. 4, 1081; Mensing schlesw.-holst. 4, 925; Dähnert pomm. 471; Frischbier preusz. 2, 370; Fischer Samland 155; Bauer-Collitz waldeck. 100; Woeste westfäl. 261a; Schambach Göttingen 216; Flemes Kalenberg 367; Danneil altmärk. 215; auszerhalb des nd. selten, s. Lenz Handschuhsheim 68; Lambert pennsylv. 143; Schmeller-Frommann 2, 778. — seit ahd. zeit: stiurrentin dirigentis (ep. Jac. 3, 4 ecce et naves, cum magnae sint, et a ventis validis minentur, circumferuntur a modico gubernaculo ubi impetus dirigentis voluerit) ahd. gl. 1, 785, 59; stiuren gubernare ebda 1, 211, 11; stiuranto remigio ebda 4, 18, 4; sturen, also eyn schep regeren gubernare nd. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach nov. gl. 198b; stiren vel scheffregiern gubernare obd. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach gloss. 270c; stewren guvernare la nave con il timone Hulsius t.-ital. (1618) 239b. C@1@aa) gewöhnlich jemand steuert das schiff lenkt, regiert es: gib mir, herre, der wisheite roder, daz ich ditz schif vorbaz sture, als ich han getan vert und hure Brun v. Schonebeck 11914 lit. ver.; und do daz schif wart begrieffen und nit mocht werden gesteurt in den wint, dem schiffe wart geben di unten codex Tepl. 69 Huttler; die eusserlich ceremonien ... haben das ruder in der hand und steuren das schiff Fischart binenkorb (1581) 103a; Christus aber mag allein rudern helffen wie ein anderer steurknecht oder potsgesel. doch thut man jme darzwischen dise ehre, das er auch mit jm raht ist, rhat zugeben, wie mann das schiff zum besten steuren sol ebda 103a; ein jeglicher schiffer soll des compasts, der see und fahrwasser kündig seyn und das schiff zu führen und zu steuren ... wissen (1614) bei Pardessus coll. de lois marit. 2, 532; sie (die liebe) ist ein ... wohl ausgerüstetes ... schief, welches, da es von einem erfahrenen gesteuret wird, ... seine tragende leute gar glüklich in dem verlangten hafen bringet Butschky Pathmos (1677) 327; mürrisch sasz er im kahn und steuerte langsam sein fahrzeug gegen die brausende fluth zum ufer Zachariä poet. schr. 2, 146; ... die segler schwebeten, schwankten, krachten einher, kühn gesteuert einher, und ohne steuer Klopstock oden 2, 109 Muncker-Pawel; vier kräftige Oberbayern steuerten das flosz, auf dem sie sich für die lange fahrt eine hütte als notobdach gebaut hatten der holzmarkt nr. 145, 17. 6. 1936, 1. beil.ebenso auf das schiff bezogen, doch ohne den objectsausdruck: vor sturme trat ir schif hin dan under ein inseln einlant; da alle ir kunst was erwant, die sigelten unde sturten, wand in ir witze turten, der si ewilen phlagen passional 644 Köpke; einen man leihen an das schef, das er ziech und steur (15. jh.) österr. weist. 9, 826; der erbnauferg, welcher oben auf dem salz stehet und mit zeigen die naufarth regiert, auch einem jeden nach gelegenheit des geförts das ziechen und steuern schaffen thuet (1581) bei Lori bergrecht 322; wenn das schiff richtig gehet, so kan ein jeder stewren Voigtländer oden u. lieder (1642) 59; der föhn ist los, ihr seht wie hoch der see geht. ich kann nicht steuern gegen sturm und wellen Schiller 14, 277 G.; ein langes ruder dient zum steuern Ratzel völkerkde 2, 342; du ... siehst dich gleich um, wie am besten nach der sonne zu steuern sei Betting Günderode 1 (1840) 262; ob er mehr nach rechts oder nach links hin steuern solle Fontane I 4, 191; dasz wir auf unserer rückfahrt ungefähr 200 seemeilen westwärts von den canarischen inseln steuerten Kotzebue sämtl. dram. w. 1, 70. — einen kurs steuern: so wird ihm (einem der mannschaft) ein bestimmter kurs aufgegeben, den er nach dem unmittelbar vor ihm stehenden kompasz zu steuern hat. steht der wind [] von vorn herein, so musz er ... 'beim winde' steuern Tiedemann salzwasser u. brise (1909) 22; wir ... gingen bei scharfem sso. in see, welcher jedoch gestattete, in dem kurs auf die südspitze von Sardinien zu steuern Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 118. übertragen (vgl. u. 2): dasz ich eben im begriff stand, mich mit frau und kindern nach Boston einzuschiffen, als dieser glorreiche sturm losbrach und mich nun einstweilen noch zurückhält. die ereignisse werden sich wahrscheinlich so rasch überstürzen, dasz ich schon in wenigen wochen — höchstens monaten — weisz, welchen kurs ich zu steuern habe Freiligrath bei Ruge briefw. u. tageb. 2, 9 Nerrlich; er musz dieser qual ein ende machen, er fühlt, dasz sein gewissen es verlangt. er musz diesen bösen kurs steuern, wenn er schiffer seines lebensfahrzeugs bleiben will Gorch Fock fahrensleute (1918) 32. C@1@bb) nach einem ort, wohin steuern in junger zeit auch im allgemeinen sinne von 'zu schiff dorthin fahren': von einem schiffer, der von einer stürmischen nacht auf der see überfallen, nach hause zu steuern trachtete Göthe 30, 279 W.; also steuerte er nach Danzig, befrachtete sein schiff mit ausgesuchtem weizen br. Grimm deutsche sagen (1891) 1, 165; dasz er (der befehlshaber) den sich bei der insel gewöhnlich gegen morgen erhebenden wind erwartete, um ans land zu steuern Hegel w. 5, 177; also steuerten wir mit trauriger seele von dannen Voss Odyssee 152 Bernays. C@1@cc) in junger zeit auch intransitiv das schiff steuert: das schiff steuert gut, schlecht, wenn es sich gut oder schlecht steuern läszt. bei windstillen steuern die schiffe schlechter als sonst Krünitz 173 (1840) 687; wie man von einem schiffe, das von Europa um das vorgebirge der guten hoffnung die erde umsegelt hat, sagt, es habe die östliche fahrt gemacht, wenn es gleich ... oft nach süden und nach norden gesteuert Fr. Th. v. Schubert verm. schr. 1, 66; es ist ein meer, von schiffen irr durchflogen, die steuern rastlos nach den falschen landen, die alle suchen, und wo alle stranden auf schwanker flut, die jeden noch betrogen Eichendorff s. w. (1864) 1, 612; ich sehe hier eine flotte im ewigen ring des bedürfnisses herumgewirbelt ... (sie) kreuzt furchtsam längs dem ufer, proviant zu holen, und das tackelwerk zu flicken, und steuert ewig nie auf die höhe des meeres Schiller 2, 352 G. C@22) erweiterte und übertragene anwendungen. C@2@aa) schon in alter zeit in übertragungen verschiedener art: muat stiurre inti rihte (mentem gubernet et regat) Murb. hymnen 3, 5 Sievers; stiuri dina scalcha (guberna tuos famulos) ebda 16, 5; ih mêino daz er rîcheson newolta, wanda diû suht stûret sie náh alle, so sî Adâmen teta, do er got wólta werden Notker 2, 3 Piper; do (in der landschlacht) saich her Mathis und vernam, dat hei up heren Lodewige quam, ... hei sturte reicht up in sin roder und began up eren Mathis sprechen städtechron. 12, 159; rande to den vorderknechten unde sturede up enen, den he dör wolde ryden Korner bei Schiller-Lübben 4, 453; vielleicht so im sinne von 'sich hinwenden': und macht im auff dem herd ein fewr, das er sich zu der wärm fein stewr Fischart 3, 314 Kurz; auch 'zur seite stoszen' ist kaum besser an 'stützen' (sp. 2639) anzuknüpfen: swenne de krogersche sik forgetet unde den beker nicht ful ne metet, so plegik ere de hant to roren unde de mate bi siden sturen spil van der upstandinge 1452 Ettmüller. C@2@bb) in eigentlicher bedeutung (wie 1), jedoch in anderen gebieten als der schiffahrt, modern von diesem abgeleitet: der fisch schwebt und wiegt sich auf seinen meeresflügeln, [] und schieszt hinunter und fährt hinauf, und streicht und steuret Herder 22, 80 S.; und die silberfischchen schwammen ruhig über ihre (einer badenden) hüften hin, erblinkend, wenn sie steuernd ihre flossen regten G. Keller ges. w. (1907) 10, 113; es (das anhängsel des schwanzes) dient nicht nur, den after zu decken, in luft und wasser zu steuern Fr. Th. Vischer ästhetik 2, 105; ich sah die köpfe (der falken) schwimmen über dem wipfelmeere, die hälse edel klimmen, als wenn zu laufen wäre, ersah die flügel prächtig, hellgrau und unten nächtig aus den schultern schlagen, die schwarzen schweife steuern W. Heymann Nehrungsbuch (1909) 20; verrichten die hinterbeine anstatt des schwanzes den dienst des steuerns Brehm tierleben 1, 8 Pechuel-Lösche; dasz sogar sein alter Holiday noch vermöchte, alle anwesenden pferde zu schlagen, vorausgesetzt, fügte er hinzu, dasz Walter ihn steuere M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 219; heute: schlitten, kraftwagen, flugzeug u. s. w. steuern: das schiff (Zeppelin) ... wurde aber sehr geschickt in ein altwasser des Rheins gesteuert A. v. Parseval motorballon u. flugmasch. (1908) 20. — hierher auch: denn Kadmos stadt hätt er gestürzt, wofern nicht einer von den göttern seinen speer gesteuret ... grafen zu Stolberg ges. w. 15, 120. C@2@cc) in übertragenen anwendungen; mit ausführung des bildes vom seefahrenden schiff: deine schrift ist vollendet. auch mich freuts. zu viel ausstreichen ist Scylla; zu wenig Charybdis. sieh mir ins gesicht, jüngling! kanst du steuren? hast du mut? Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 130; allein dein lebensnachen emsig schiffte nur von gestade steuernd zu gestade; des hohen meeres unbetretne pfade W. v. Humboldt sonette (1853) 205; ich lerne täglich mehr steuern auf der woge der menschheit Göthe IV 3, 12 W.; (es wird) ein richtiger politischer blick dazu gehören, das deutsche staatsschiff durch die strömungen der coalitionen zu steuern Bismarck ged. u. erinn. 2, 293 volksausg.; während ... Haugwitz ... den staat im fahrwasser der französischen allianz steuerte Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 1, 229. — ohne ausführung des bildes; in weiten bereichen des menschlichen tuns: verleyh mir deines augs lieblächlend reichen glantz, und meiner federn lauf der warheit nach zu stewren Weckherlin ged. 2, 346 lit. ver.; meist modern: nur stille, liebes herz, und lasz dem stern der hoffnung, der uns blinkt, mit frohem muth uns klug entgegen steuern Göthe 10, 40 W.; wer hat uns den Andreastag geraubt, an dem wir bauern lustig, wie die störche und schwalben, in die weite steuerten und mit der sonne zogen? Hebbel w. 6, 75 Werner. mit objectsangaben: zuletzt entdeckt sich ihr im groszen ocean diesz eiland. aufgethürmt aus schwarzen ungeheuern ruinen, lockt es sie durch seine schwärze an, den irren flug dahin zu steuern Wieland s. w. (1797) 23, 106; laszet uns da fleiszig nach diesen sternen, den punkten aller richtung, sicherheit und ruhe hinsehen, und denn mit treue und emsigkeit unsern lauf steuren Herder 5, 584 S.; der wechsler freut sich, dasz sein geld er klug gesteuert durch den wald A. v. Droste-Hülshoff 1, 307 Schücking; so steuerte er ihn (den sohn) mit kundiger faust durch das empörte meer, bis gerade vor dem tische der siebenmänner es eine gefährliche stockung absetzte G. Keller ges. w. 6, 341. — auf die gewöhnliche fortbewegung des menschen übertragen, meist mit präpositionen der richtung, 'in einer beabsichtigten richtung gehen': weil aber die frau ... einen nähern fuszweg durch ein kleines wäldchen zu wissen glaubte, so steuerten wir dahin Knigge roman meines lebens (1781) 2, 147; also steuert ich, unter dem geleit [] dieser beherzigung, mit macht auf das gebürge los und gelangt im zweyten rennen den folgenden tag in den erzgebürgischen kreis Musäus physiogn. reisen (1788) 2, 94; dann aber steuerte sie sofort ... nach dem kretscham hinüber, um sich hier den ingwer geben zu lassen Fontane I 6, 7; er ersuchte mich, ihm zu folgen und steuerte durch die menge, die ihm ehrfurchtsvoll auswich Hebbel br. 2, 152 Werner; über den Opernplatz steuerte er mit dem breiten quäkerhute H. Laube ges. schr. 8, 21; der (leutnant) steuerte dem schattigen biergarten zu Zahn Lukas Hochstraszer (1907) 22. — auf zielbewusztes, absichtvolles 'wollen, sich bemühen, sich richten' übertragen: so steuerte er schon jetzt mit sicherem takte nach der richtung, der seine spätere verwaltungsepoche angehört Häusser deutsche gesch. 2, 657; so arm ich war, steuerte doch mein sinn jetzt unaufhaltsam nach Italien A. v. Arnim 1, 363 Grimm; nichts ist nöthiger, als früh genug ihm die richtung bemerklich zu machen, wohin sein wille zu steuern hat Göthe 42, 2, 172 W.; da er merkte, dasz bei der ältesten schwester die eltern dahin steuerten, sie ... bekannt zu machen v. Ompteda Sylvester v. Geyer (1900) 1, 175. auf etwas steuern, heute vulgärer auch auf etwas los steuern (s. auch o.): up wat stüren 'auf etwas ernstlich bedacht, erpicht sein' Schütze holstein. 4, 219: so im herzen befeuert, strebt man rascher vom fleck, arbeitlustig, und steuert grad auf mittel und zweck J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 93; auch darauf bin ich eben nicht mit dir gesteuert Lessing 3, 87 L.-M. einer sache zusteuern: dann steuerte er seinen persönlichen angelegenheiten zu, wobei er gut fand, der lateinischen sprache sich zu bedienen C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1904) 88; so steuerte dieser trieb (zur theorie) ... jenem groszen ziele zu Boltzmann populäre schr. (1905) 77; hierher wohl im sinne von 'darauf gerichtet', kaum 'dazu ausgerüstet' (o. A 2): er ist keiner von den menschen, die unbemerkt durch die welt schleichen wollen, sondern ist ganz dazu gesteuret, fürs allgemeine einen neuen fusztapfen nachzulassen Herder nachlasz 2, 405 Düntzer. C@2@dd) 'schicken, senden', mnd. mnl. nl. sturen; norw. styra aus dem nd.; aus 'lenken' übertragen: Knut klaget aver Claves, dat he knechte an dat land to Vulrewyk sturde, dede eme unde sinen vader nehmen fangen bei Schiller-Lübben 4, 453; heute mundartlich, s. ten Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 356; brem. wb. 4, 1081; Schmidt-Petersen nordfries. 128a; Dähnert pomm. 471; stürrt n katt na Engeland, se sall as katt wer umkamen Kern-Wilms Ostfriesl. (1869) 5. DD. einhalt, abhülfe tun, wehren, dämpfen. ebenso im altfries. und ags.aus 'steuern, lenken, regieren' (C) entwickelt; 'jemanden in gewünschter richtung lenken' (vgl.C 2 d) kann zugleich bedeuten 'seinen unerwünschten absichten wehren'; für diese herleitung könnte sprechen, dasz das altfries. und ags. nur die bedeutungen C und D haben, vgl. auch Delbrück synkretismus (1907) 97. die sinnverbindung von 'lenken, fortschicken' und 'hindern, abhalten' liegt vielleicht in nd. zeugnissen vor: stuire din kint van sime gelouven qu. a. d. 15. jh. bei Frommann dt. maa. 2, 454; to stande ok vor der müren, dat me mochte darvan stüren den vienden ut der Merke, de ghingen uns an al sterke städtechron. 16, 162. die annäherungen im deutschen zwischen 'helfen' (A 2 a) und 'abhelfen' sind secundär, vgl. auch steuer A 2 h. das auszerdeutsche verhältnis verbietet auch eine herleitung aus 'stützen' (A 1) in der art, dasz 'einhalt tun' als 'sich gegen etwas stützen, stemmen' aufzufassen wäre, vgl. das späte: sich gegen etwas stewren, aufflehnen, auffhalten obniti, contra niti Bas. Faber thes. (1587) 547a. charakteristisch für die bedeutung D ist die construction mit dem dativ dessen, dem einhalt getan wird (vgl. u. 4). — im deutschen erscheint die bed. zuerst, seit dem 13. und 14. jh., im nd. und [] md.; nicht in der klassischen mhd. dichtung, doch schon bei Herbort (s. u. 1). dementsprechend nur in den nd. mundarten (stüren): wel kant stüren, dat he gen kwad deid? ten Doornkaat-Koolman 3, 356; de kinder stüren brem. wb. 4, 1081; bi de kinner hett n ümmer wat to stürn Mensing schlesw.-holst. 4, 925; sik nig stüren laten Schütze holst. 4, 218; ek harre genaug te stüren Schambach Göttingen 216; iΧ mute stire un were Hentrich Eichsfeld 57, ebenso Hofmann niederhess. 230; s. auch Woeste westfäl. 260; Danneil altmärk. 215; Fischer Samland 155; auch in den bäumen steuern (u. sp. 2655). D@11) in alter zeit meist auf personen bezogen: hie machet (Jesus) sinen gloubet also breit, sturen mer em nicht zu disser zit, ... so wirt uns ee gar unrein und uns juddische gesecz vorstoret und vorleczet Alsfelder passionssp. 2353 Grein; do de van Heymechude use borghere venghen, roveden unde brenden unde de vrowen bleckeden vor der stad, dat klaghede wi unde kundegheden unsen heren, den greven. dar ne wolden se ne perd umme sadelen noch breef umme senden. se mochten en myd eneme worde sturet hebben hamburg. urk.-buch 675 Lappenberg; alsus worden in korten tiden der rovere lantsaken unde rôfslote vele gesturet unde gewunnen. ... were den roveren nicht gesturet, de land weren in kortes mit enander vorwostet städtechron. 7, 338; handelt ein gast den wirt ubel in seinem haus und stewret er im also, das er in rewft ader mit fewsten schlecht, ... er hat gegen dem richter noch gegen dem cleger noch gegen den bürgern nit misshandelt rechtsdenkm. aus Thür. 439 Michelsen; denn ein prediger bestettigt, sterckt und hilfft erhalten alle oberkeit, allen zeitlichen friede, steuret den auffrurischen, leret gehorsam, sitten, zucht und ehre Luther 30, 2, 537 W.; hir umme is lenrecht geset unde sin gerichte, dat me med rechte den homudigen sture, den valschen pinege unde den doren lere richtsteig lehnrechts vorw. § 1 in Sachsenspiegel 2, 610 Homeyer; gleicher weis spricht man auch: bösen weibern kan niemand steuren, weil sie das schwerd im maul füren Fischart ehzuchtbüchlin 265 Hauffen; einem bösen weib steuert niemand Alexis Roland (1840) 1, 385; hilff mir und stewre, herr, denen die mich betrüben! Weckherlin ged. 1, 383 lit. ver.; so sollen sie allerseits sich von niemand anders steuren lassen, sondern in einem stück weg lärmen Polander studierstube (1721) 67; Eberhard, der Franken fürst, fürst Berthold mit seinen Bayern sollen links und rechts umher den verwägnen horden steuern v. Schönaich Heinrich der vogler 171; keine polizei vermag solchen massen zu steuern, wenn sie es nicht selbst thun Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 324; bitten ihn, das er ir reich nit wöll betrüben, seinem bruoder, so durch wenig aufrürig sei erwelet, steüren, das er nit komm Seb. Franck chron. Germ. (1538) 236b; dasz man nachforschete, die thäter auskundschaffete, und andern dergleichen zu thun steuerte Prätorius glückstopf (1669) 153; ebenso rückbezüglich sich steuern: do zurnte her Achilles und sturte sich under des daz er nicht ubels sprach Herbort v. Fritzlar 12214 Frommann; duorch daz solde ich guot bilde gebin mit wortin und mit werkin allen den, die mich vernemen. do ich mir selben do niht stuorte, wie mochtistu dir so gestuorin, so du beide junger und tummer were dan ich dt. pred. d. 13. u. 14. jh. 76 Leyser; dieweil denn in seinen glossen als viel lügen als wörther enthalten, hab ich mir nicht mögen stewren, sonder folgendt antwort darauff auch müssen im drugk auszgehen lassen F. Arnoldi bei Luther 30, 3, 424 W.; der kan ihm selbst nicht stewren, der so weit vom zorn erhitzet wird Comenius jan. IV ling. (1644) 290. auf sachliches gerichtet: wir sulen stigen boven daz vleisch also, daz wir stuoren redeliche und widersten der suontlichen geluost und gerunge altdt. pred. 1, 57 Schönbach; [] die narren ... yhrem maul nit weren noch stewren kunnen J. Agricola sprichw. (1534) d 5a; die andere stat des kuniges ist der kerker des vegevures, da du, mensche, wol stures dines vrundes ungemach passional 591, 94 Köpke; den richtern zu befelhen, spil zu sturen und den heissen steinknechten und andern ir worffel legen (1428) bei Bücher berufe d. stadt Frankfurt 56b; ist ein guote artzney, die eyter ausszuodörren und dem geschwultz zuo steuren Heyden Plinius (1565) 226; Germanicus ... entschlosz sich, ... dem aufruhre zu steuren Lohenstein Arminius (1689) 2, 994a. darümb sey er auch alleine der rechte gott für allen andern, der den grossen beumen stewren kan, das sie nicht in himel wachsen Luther 16, 342 W.; so besonders im nd.: god sturd den bomen, dat se nicht wassen in den hemmel Lübecker chron. 2, 331 Grautoff; noch mundartlich, s. Schambach Göttingen 216b; auch mit dem accus. (s. u. 4): godd stüret de böme Dähnert pomm. 471. — in mannigfacher anwendung, besonders in junger zeit: den keckheiten unserer jungen schlucker zu steuern Göthe 19, 35 W.; dem zwange, den man von Rom aus sogar auch in den entferntesten gegenden noch ausüben möchte, so viel es angeht, zu steuern W. v. Humboldt briefw. m. Schiller 279 Cotta; dardurch vast in allen handtwercken ... ein solcher uffschlag ervolgt, dasz zu besorgen, wo demselben nicht bey zeiten gesteurt, der gemaine hauszburger und baursmann sich schwerlich ... erhalten würde künden ordn. wie sich handtwercker u. handthierer verhalten sollen (1579) a 2a; leichenordnung ..., wodurch doch den schon vorher übermäszigen ausgaben hat sollen gesteuert werden Nicolai reise 1, 238; der nachdruck ist mir sehr unangenehm, und wir müssen ihm zu steuern suchen Lessing 17, 232 L.-M.; selten steuren die gesetze selbst diesem luxus Herder 19, 366 S.; dasz Baiern seine stellung fortan erhalten bleibt, da sie mit einer treuen, rückhaltlosen bundespolitik wohl vereinbarlich ist und verderblicher centralisation am sichersten steuert Bismarck ged. u. erinn. 1, 383 volksausg.; und meiner neubegier zu steuern, gab sie getreu in nuce mir den zweiten tom von ihren abenteuern Bürger s. w. 109a Bohtz; entwicklungen steuern: er steuret manches unglücks lauff P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 432b; ihrer (der ratten) vermehrung ist nicht zu steuern Chamisso (1836) 1, 141; nun, grosze götter, sprecht, ists nicht die höchste zeit, dem fortgang dieser pest zu steuern Wieland s. w. (1794) 5, 175; häufig richtete sie ihren tadel gegen meine eltern, weil sie nicht dem rückgang ihrer verhältnisse kräftiger zu steuern suchten Ric. Huch Ludolf Ursleu (1893) 54. mit charakteristischen ausdrücken des feindlichen; dem übel, unrecht, unheil, unwesen steuern: wie fürsten und herren solten auch dem andern bracht und uberflus der kleider steuren und wehren, das will ich jetzunder hie mit nit einmengen ...; das ewer gunsten ... solchem ubel wehren und steuren wöllen Musculus hosenteuffel 26 ndr.; o du allmächtiger beschützer! wem anders sonsten als nur dir, der du dem bösen übel steurest, gebühret lob und dank dafür? Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 334; diesem übel hätte, zum grössten nutzen der christenheit, ganz leicht können gesteuert werden Lessing 5, 364 L.-M.; ouch daz her wetwen und weisin wolde allezcid beschurin und si schutzcin vor allin freisin und deme frefiln unrechte sturin Joh. Rothe ritterspiegel 844 Neum.; hörte auch die begierde auf, grosze thaten zu thun, allem unrecht in der welt zu steuren Wieland Agathon (1766) 2, 296; die hohe gabe preisen wir, die grausem unheil steuert Göthe 4, 146 W.; [] damit ... dem blutvergieszen und kläglichen ... unwesen ersprieslich gewehret und gesteuret werden möchte v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 28; so ist es desto schlimmer für den damaligen staatsprocurator, wenn er, obgleich die gesetze ausreichten, solchem unwesen nicht steuerte Bismarck reden 1, 79 Kohl; so mannigfach: es war angemesznes tagwerk, diesem elend der lebensbedürfnisse zu steuern Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 90; um der notlage der älteren angestellten wirksam zu steuern, hat der präsident der reichsanstalt ... eine anordnung ... erlassen der holzmarkt 53 (1936) 152; es ist also an unsern gegnern sehr zu loben, dasz sie diesem misbrauche zu steuren suchen Gottsched d. neueste a. d. anm. gelehrs. 1 (1751) 401; Preuszen muszte diesem höhnischen unfug steuern Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 239. D@22) neben anderen gleichbedeutenden ausdrücken: alle anschlege der tyrannen ..., die sonst steuren und hindern wollen, das das evangelium nicht fort komme Luther 16, 9 W.; als ist vor wohlgedachter hochweise rath gemüssiget worden, ... sothanen höchst schädlichen unordnungen und miszbräuchen ... vorzubeugen und zu steuren (1687) bei Pardessus coll. de lois marit. 3, 326; einer blos moralischen schwärmerei ... zu steuren oder womöglich vorzubeugen Kant 5, 84 akad.; dan wirt des schifvolcks forcht und ungewitters noht gestewret und gelindert Weckherlin ged. 2, 172 lit. ver.; wo man solchem unheil nicht bei zeiten ... fürgekommen und gesteuret Zesen rosenmând (1651) 170; die reichsgewalten fühlen sich zu wenig vermögend, dem zu steuern, dasz sie nur beschränkungen festzusetzen suchen Ranke 1, 45; damit aber dem geitz und bosheit etlicher reisenden gesteuret und begegnet werde v. Hohberg georg. curiosa 1 (1682) 52. besonders häufig in fester verbindung mit wehren: dem obliegenden verderblichen schaden zu begegnen, zu steuren und zu wehren grillenvertreiber (1670) 11; damit er heisset weren und steuren denen, so nicht wollen from sein Luther 29, 565 W.; das auch leczlich das landtvolck ... ihnen und ihren auszfällen und blünderungen nit steyern noch wehren können acta publica 2, 23 Palm; und regierungen, akademien, redactionen sollten der verführerischen rotte steuern und wehren Görres ges. br. 3, 130; da war nu unmüglich zu weren allen gliedmassen ..., noch der bösen lust zu steuren Luther 24, 90 W. D@33) besonders geläufige constructionen: steuern mit und steuern durch, wenn das mittel, durch das einhalt getan wird, genannt wird: und den herten naturen mit herten worten sturen an menslichen gelitzen H. v. Hesler apokal. 8198 Helm; das übel nähme bey dem vaterlande so schnell die oberhand, dasz mit gemeinen mitteln ihm nicht mehr zu steuern A. v. Haller Fabius u. Cato (1774) 171; steuert mit einem theile des geldes euerer gegenwärtigen noth Chph. v. Schmid ges. schr. 3, 232; insonderheit dem drachen durch deine engel stewr Ringwalt handbüchlin d 8a; welchen (lastern) sonst bey andern völkern weder durch gesetz, verbot noch hefftige straffen gesteuret werden kan H. Rätel Joach. Curäi chronica (1607) 18; gleichwie nun ... einbrüchen der ströme nicht sowohl durch einen steifen damm ... zu steuren Leibniz deutsche schr. 1, 457 Guhrauer; intoleranz ist immer handelnd und wirkend, ihr kann auch nur durch intolerantes handeln und wirken gesteuert werden Göthe 40, 275 W.; da bekanntlich gerade kümmerndes wild seuchenanfällig ist, wird durch einen normalen raubwildbestand einer verbreitung von seuchen und krankheiten gesteuert deutsche jagd (1936) 1, 11 ausg. a. — gelegentlich einer sache in etwas steuern teilweise einhalt tun: die natur, damit sie ihrer wilden art und grausamkeit in etwas steuern mögte, hat ihnen keine [] solch scharfe klauen, wie dem adler gegeben Hagedorn poet. w. (1769) 2, 218; deine fliegenden blätter kamen gerade zu rechter zeit, um dem verdrusz über dein verschwinden in etwas zu steuern Bettine Göthes briefw. (1835) 2, 311. in älterer und junger sprache auch ohne objectsausdruck. da so das merkmal der construction fehlt, gelegentlich mit 'lenken' oder 'helfen' (s. o.) fast zusammenfallend: dann jetzunder kompt disz treffliche geschäfft zu handen, bald ein ander wichtige sach, bald ein schrecklich ander botschaft, dasz also die herrn all jhre hände voll haben zu schicken und zu stewren R. Lorichius paedagogia princ. (1595) 49; die ... unsers steurens und verbietens nicht achtend alles heraus sagten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 4, 561; darüber die Francken jmmer zu steuren und zu wehren hatten, das nicht die Sachsen die Düringer unterdruckten Z. Rivander düring. chron. (1596) 67; in der hölle musz man nicht waffenstillstand machen, sondern auf den letzten mann steuren und wehren v. Hippel lebensläufe 1, 436; (Jesu) steure, wenn das hertze will einer kleinmuth sich ergeben, wende des gewissen angst, wenn es will verzaget leben B. Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 52; wenn also schon angegriffen ist, so bleibt noch die frage: wo soll man steuren? natürlicherweise bleibt man da noch mit einiger ehrfurcht hängen, wo es ans letzte oder ans hauptwerk geht Thom. Abbt verm. w. 6, 18; ists mir lieb, dasz das ding (eine kampfschrift) vom herzen weg ist. steuern wirds nicht, das weisz ich! — aber doch einigen die augen öffnen, dasz das ding auch eine andere seite habe Herder nachlasz 2, 104 Düntzer-Herder; selbst die leitenden männer im senat erschraken vor dem skandal. Marcus Scaurus suchte zu steuern; es war umsonst Mommsen m. gesch.6 (1874) 2, 140. D@44) selten in abweichung von der üblichen construction mit dem dativ.mit dem accusativ dessen, dem einhalt getan wird, besonders im nd., s. auch Jac. Grimm kl. schr. 5, 19: do nemen de borgere van Luneborg den vorsaet underlank, dat se sturen wolden den overdadigen homoth des hertigen Magnus städtechron. 36, 26; dy ratmanne, dy in den steten synt, dy mogen ... willekore setzen obir toppilspil und obir valsche wurfele und das sturen, uf das dy lute myt toppilspile icht tzu sere beschediget werden Kulmisch. recht 77 Leman; nutz des gesetzs, das es die leut schrecke, ... die bösheit zu stewren und auswendig zu weren, dazu ist es gut Luther 17, 1, 124 W.; als einem standt von got verordnet, zu schutzen die frommen und zu steueren die bösen ebda 30, 3, 182; hör ich nicht den krieg schon kommen? steur ihn doch, du frommer gott! J. G. Schottel friedens sieg 56 ndr.; drumb, liebn Römer, wir müssens wagn, ritterlich mit dem feind uns schlagn und jm doch steurn sein ubermuth Ayrer dramen 136 Keller; ebenso in passiver wendung: dat worde nicht ghut, also den rad to vornichtende, dat mostem sturen unde scholde sturet werden städtechron. 16, 303; mich wundert, das der könig hat nicht funden einen weysern rath, wie die thewrung zu stewren sey H. Sachs 8, 580 K.-G.; ganz vereinzelt noch jung: der jammer war aber nicht zu steuern Varnhagen v. Ense Rahel 2, 120. hierher auch, von steuern 'lenken' (sp. 2649) zu scheiden: ich weisz es auch nicht, wo sie (die ärgernisse) herkommen, aber dasz ich nicht schuld daran bin, dasz ich immer redlich dagegen gesteuert hab, das weisz ich K. Ernst bilder a. d. beamtenwelt (1858) 112. — seltener mit dem genitiv (der auch im ags. in dieser bedeutung auftritt, s. Delbrück synkretismus 97 f.): des enkonde pawes Urbanus nicht sturen städtechron. 7, 280; mer woln der dins klaffens sturen und dich in einen kerkener fueren: dar in mustu vorterben Alsfelder passionsspiel 796 Grein; [] das solchem vater seyns frevelichen unrechts und teufelischer gewallt gestewret und das kind von yhm errettet und er zu rechtem brauch veterlicher gewalt gezwungen würde Luther 15, 166 W.
70100 Zeichen · 1282 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Steuern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Steuern , verb. regul. & act. und in einigen Fällen auch Neutr. in welchem letztern Falle es das Hülfswort haben erforde…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    steuern

    Goethe-Wörterbuch

    steuern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Steuern

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Steuern , Abgaben , heißen die Beiträge, welche die Angehörigen eines Staats zur Bestreitung der Kosten des Staatshausha…

  4. modern
    Dialekt
    steuernschw.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    steuern schw. : ' ein Fahrzeug, ein Schiff lenken ', steiere, steire [LU-Neuhf, Lambert Penns 143]. RhWB Rhein. VIII 649…

  5. Sprichwörter
    Steuern

    Wander (Sprichwörter)

    Steuern 1. Das Steuern nach der That kombt viel zu spat. Aus einer Handschrift von 1640 in der Bibliothek des Herrn Krei…

  6. Spezial
    steuern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    steu|ern I vb.tr. 1 rovëne (rovënn, rovenü), arvëne (arvënn, arvenü) 2 mené (mëna) 3 manovré (-rëia) 4 (Flugzeug) piloté…

Verweisungsnetz

61 Knoten, 52 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steuern

54 Bildungen · 6 Erstglied · 45 Zweitglied · 3 Ableitungen

steuern‑ als Erstglied (6 von 6)

steuernachlassung

DWB

steuer·nachlassung

steuernachlassung , f. , ds.: darnach brachte der keiser der Cojer gegebende steuernachlassung vor den raht C. M. Grotniz Tacitus (1657) 509…

steuernachlasz

DWB

steuer·nachlasz

steuernachlasz , m. , befreiung von der steuerpflicht: wenn nämlich in zeiten der theuerung und der schweren noth unseren ärmeren mitbürgern…

steuernagel

DWB

steuer·nagel

steuernagel , m. 1 1) ruder des schiffes. von stior-, vgl. u. stiernagel, lautlich jedoch meist an das simplex angeglichen, s. DWB steuer , …

Steuernanlegen

DRW

steuern·anlegen

Steuernanlegen, n. wie Steuerauflegung dieweil unser burger von U. ... in fordrung, aufpoten, raisen, steurnanlegen und andern gemains unser…

Steuerntragen

DRW

steuern·tragen

Steuerntragen, n. Verpflichtung zur Leistung von ¹Steuern (IV) es soll auch kain urbarsman frembt schuester, schneider oder weber nicht aufh…

steuern als Zweitglied (30 von 45)

Übersteuern

Campe

1. Übersteuern , v. intrs . u. trs . D. Übersteuern. D. — ung. 1. \Uumlacute;bersteuern , v. intrs . mit sein, ich steuere über, übergesteue…

ansteuern

DWB

ans·teuern

ansteuern , anniti, adremigare: zwen äste von dem sechsten par der nerven des hirns, deren einer sich an der pfortader ansteuwret, bisz in d…

aufsteuern

DWB

auf·steuern

aufsteuern , in doppeltem sinn, 1 1) aufstützen, fulcire, niti, aufstemmen: den arm aufsteuern, sich mit dem arm aufsteuern; das dritte bein…

aushiesteuern

DRW

aushiesteuern Nebenformen -hae-, -haw-, -hei(m)- aussteuern vgl. ausheiraten (I) hinstivrt [ein man] ... einz [ein Kind] uz um 1275 Schwsp.(…

aussteuern

DWB

aus·steuern

aussteuern , dotare, instruere, ausstatten: zu Rom war ein reicher mann, der het ein son und zwo töchter, die steurt er aus. sch. u. ernst c…

ausversteuern

DRW

aus·versteuern

ausversteuern ausstatten vgl. aushiesteuern sin tochter usverstúren 1376 ZürichStB. I 251 Faksimile

besteuern

DWB

bes·teuern

besteuern , tributis onerare: das volk ist hart besteuert; es ist die leichteste sache von der welt, die mildherzigkeit dieses volks zu best…

Beysteuern

Adelung

bey·steuern

Beysteuern , verb. reg. act. eine Beysteuer oder Geldhülfe zu etwas geben. Zu einem Kirchenbaue beysteuern.

dagegensteuern

RDWB1

dagegen·steuern

dagegensteuern übertr. сопротивляться; чинить препоны идиом. ; вставлять палки в колёса идиом. , разг. ; не соглашаться с кем-л., чем-л. или…

durchsteuern

DWB

durch·steuern

durchsteuern , steuernd durch einen ort fahren. 1 1. untrennbar. denn er selbst gab ihnen, der völkerfürst Agamemnon, schöngebordete schiffe…

¹EINSTEUERN

DWB2

eins·teuern

DWB2 1 EINSTEUERN vb. DWB2 dem fiskus als steuer zuführen: DWB2 1880 das gewerbliche einkommen wird in abtheilung d der allgemeinen einkomme…

ersteuern

DWB

ers·teuern

ersteuern , navigando assequi: obgleich, bis einst mein ziel ich durft ersteuern, noch manche welle hin und wider rollte. Rückert ges. ged. …

Fortsteuern

Campe

fort·steuern

Fortsteuern , v. intrs . 1) Mit sein , von einem Orte hinweg, weiter steuern. 2) Mit haben , fortfahren zu steuern, das Steuerruder zu führe…

gegensteuern

RDWB1

gegen·steuern

gegensteuern Wie kann dieser Tendenz gegengesteuert werden? - Что можно противопоставить этой тенденции? Как противостоять этой тенденции?

haussteuern

DWB

hauss·teuern

haussteuern , verb. mit haussteuer versehen: damit du aber meinen guten willen spürest, will ich dich mit eim par körnlein oder zwei hauszst…

Heim steuern

Adelung

heims·teuern

Heim steuern , verb. reg. act. aussteuern, eine Person, welche verheirathet werden soll, mit der nöthigen Mitgabe versehen. Daher die Heimst…

Hersteuern

Campe

hers·teuern

Hersteuern , v. intrs . mit sein. Hersticken , v. trs . s. Campe Her. Das Hersteuern, Hersticken. Die Herstickung .

hinsteuern

DWB

hin·steuern

hinsteuern , verb. das schiff hinwärts lenken: hin nach Frankreichs holdem ufer steuern sie mit macht und kräften. Herder zur litt. 3, 230 ;…

lossteuern

GWB

los·steuern

lossteuern α (auf etw) zufahren, zuhalten [ Irrfahrt per Kahn ] endlich in der Ferne ein Licht .. Nun ward nach Möglichkeit drauf los gesteu…

nachsteuern

DWB

nach·steuern

nachsteuern , verb. 1 1) eine nachsteuer geben: nachsteuren, supplere pensiones Stieler 2152 . 2 2) nachhelfen Adelung. 3 3) mit hilfe des s…

Ableitungen von steuern (3 von 3)

besteuern

DWB

besteuern , tributis onerare: das volk ist hart besteuert; es ist die leichteste sache von der welt, die mildherzigkeit dieses volks zu best…

ersteuern

DWB

ersteuern , navigando assequi: obgleich, bis einst mein ziel ich durft ersteuern, noch manche welle hin und wider rollte. Rückert ges. ged. …

versteuern

DWB

versteuern , verb. 1 1) trans., vom subst. steuer ' stütze, unterstützung, abgabe ' ( s. d. ) abgeleitet. kaum lexicalisch und literarisch b…