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Steuern

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Steuern

Bd. 4, Sp. 363
Steuern, verb. regul. & act. und in einigen Fällen auch Neutr. in welchem letztern Falle es das Hülfswort haben erfordert. Es war ehedem ein Wort von einem sehr großen Umfange der Bedeutung, und ist es zum Theil noch, indem es ursprünglich verschiedene Arten heftiger Bewegungen bezeichnete, in welchen Fällen es größten Theils ein Intensivum oder Iterativum von stauen, steuen, stehen, u. s. f. ist, von welchen das mittlere unter die veralteten gehöret. Es bedeutet, 1. * Ungestüm, mit Heftigkeit verlangen; eine nur im Niedersächsischen übliche Bedeutung, wo es stüren lautet. Auf etwas steuern, erpicht seyn. Daher Upstür, eine plötzlich entstehende heftige Begierde, verstüred, auf etwas erpicht, balstürig, frevelhaft, unstür, heftig u. f. lauter nur in Niedersachsen gangbare Wörter. Es scheinet hier eine Onomatopöie der brausenden heftigen Begierde, und mit Sturm, stören u. s. f. verwandt zu seyn. 2. Wehren, abwehren, Einhalt thun, mit der dritten Endung der Person oder Sache. Dem Verderben steuern, Es. 10, 22. Du lässest dir nicht steuern, Jer. 3, 5. Daß Gott den Sündern steuret, daß sie nicht fortfahren, 2 Maccab. 6. 23. Warum steuern sie diesen schreyenden Grobheiten nicht? Gell. Im Nieders. gebraucht man es mit der vierten Endung; Gott steuert die Bäume, daß sie nicht in den Himmel wachsen. Welches auch wohl von einigen im Hochdeutschen nachgeahmet wird. Im Nieders. stüren, Angels. stiernan, Schwed. styra. Die beyden letzten bedeuten auch züchtigen, daher ist im Angels. Stiernesse, die Zucht, und Storre, die Züchtigung. Ohne Zischlaut ist in einigen Niedersächsischen Gegenden törren, dem Laufe Einhalt thun, im Holländ. deren, überwinden, und bedaren, zähmen. 3. Regieren, und zwar, (1) in mehr eigentlichem Verstande, die Richtung einer Bewegung bestimmen; wo es noch von den Schiffen und Fahrzeugen üblich ist, ihren Lauf bestimmen. Kähne und ähnliche kleine Fahrzeuge werden mit einer Stange, größere aber mit dem Steuerruder gesteuert. Der Steuermann steuert das Schiff. Wo es auch absolute und als ein Neutrum gebraucht wird. Nach London, nach Cadix, gegen Osten, gegen Westen steuern, den Lauf des Schiffes dahin richten, dahin segeln. Auch von den Schiffen sagt man, das Schiff steuert gut, schlecht, wenn es sich gut oder schlecht steuern lässet. Bey Windstillen steuern die Schiffe schlechter, als sonst. (2) * Figürlich, das freye Verhalten vernünftiger Geschöpfe bestimmen, regieren; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber ehedem sehr gangbar war, und überaus alt ist. Bey dem Ulphilas stiuran, im Angels. steoran, steyran, im Engl. steer, Holländ. stieren, Nieders. stüren, im Slavon. staram, ich steuere, im Schwed. styra, im Ißländ. stiorna; welche alle sowohl von den Schiffen, als auch überhaupt für regieren gebraucht werden. Auf ähnliche Art bedeutete auch schalten, ehedem sowohl ein Schiff regieren, als regieren überhaupt. Im Nieders. ist bestüren, einrichten, das Veränderliche an einem Dinge bestimmen. 4. * Schicken, senden; eine nur im Niedersächsischen übliche Bedeutung. Ich habe darnach gesteuert, geschickt. Einen Bothen absteuern, Waaren, Güter absteuern, abschicken, absenden. 5. Stützen; eine nur noch in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden übliche Bedeutung, wo auch eine Stütze die Steuer heißt. Ein Haus steuern. Ingleichen als ein Reciprocum. Sich auf seinen Stab steuern. Sich auf jemanden steuern,[] stützen, verlassen. Sich mit dem Arm aufsteuern, sich an etwas ansteuern. Steuern ist hier unstreitig ein Intensivum von stauen, stehen machen, wohin mit andern Endlauten auch stauchen, stämmen, stützen u. s. f. gehören. 6. Helfen, unterstützen, Beystand leisten; eine im weitesten Verstande veraltete Bedeutung. Man gebraucht es nur noch im engern, einen Beytrag an Geld oder andern Bedürfnissen geben oder entrichten. Den Armen steuern, ein Allmosen geben, im Oberdeutschen, wo man auch wohl die Bettler sagen höret, steuern sie uns etwas. Einem etwas zu einem Baue steuern, ihm einen Beytrag zu den dazu nöthigen Erfordernissen thun. Zusammen steuern, einen Beytrag zum Behufe eines dritten zusammen schießen. S. auch Aussteuern. 7. Am häufigsten gebraucht man dieses Zeitwort im Hochdeutschen von der Entrichtung der Steuern an die Obrigkeit, S. die Steuer 3 (2). Der Herrschaft, der Obrigkeit steuern, ihr Steuer entrichten. Dieses Gut steuert nach Felsenburg, entrichtet seine Steuer dahin. Ein Gut versteuern, die Steuer davon entrichten. Hingegen hat es in besteuern und übersteuern, eine mehr thätige Bedeutung, mit Steuern belegen. Daß diese Bedeutung eine Figur von der Bedeutung des Stützens ist, erhellet unter andern auch aus dem Schwedischen, wo Stod, welches unstreitig von stützen abstammet, auch Hülfe, und besonders Geldhülfe, Beytrag bedeutet. Vielleicht gehören ohne Zischlaut auch das Griech. δωρον, eine Gabe, und das Latein. Dos, dotis, hierher. So auch das Steuern. Anm. Aus diesen und mehrern entweder längst veralteten, oder noch in andern Sprachen üblichen Bedeutungen erhellet, daß dieses Wort anfänglich eine Onomatopöie verschiedener ähnlicher Arten heftiger Bewegungen gewesen, worauf es eine Benennung solcher Handlungen geworden, welche mit diesem oder einem ähnlichen Laute verbunden sind; woraus zugleich die Verwandtschaft mit Sturm, stören, zerstören, Stern, Stirn, Sterz, sterzen, stürzen und andern mehr erhellet. Die Schreibart steuren ist in diesem so wie in andern ähnlichen Fällen nur harten Mundarten eigen; die Hochdeutsche gelindere behält das erste e, verbeißt aber das letzte, steuern, für steueren, wie es eigentlich heißen müßte. S. -Ern.
5585 Zeichen · 100 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Steuern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Steuern , verb. regul. & act. und in einigen Fällen auch Neutr. in welchem letztern Falle es das Hülfswort haben erforde…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    steuern

    Goethe-Wörterbuch

    steuern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Steuern

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Steuern , Abgaben , heißen die Beiträge, welche die Angehörigen eines Staats zur Bestreitung der Kosten des Staatshausha…

  4. modern
    Dialekt
    steuernschw.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    steuern schw. : ' ein Fahrzeug, ein Schiff lenken ', steiere, steire [LU-Neuhf, Lambert Penns 143]. RhWB Rhein. VIII 649…

  5. Sprichwörter
    Steuern

    Wander (Sprichwörter)

    Steuern 1. Das Steuern nach der That kombt viel zu spat. Aus einer Handschrift von 1640 in der Bibliothek des Herrn Krei…

  6. Spezial
    steuern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    steu|ern I vb.tr. 1 rovëne (rovënn, rovenü), arvëne (arvënn, arvenü) 2 mené (mëna) 3 manovré (-rëia) 4 (Flugzeug) piloté…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steuern

54 Bildungen · 6 Erstglied · 45 Zweitglied · 3 Ableitungen

steuern‑ als Erstglied (6 von 6)

steuernachlassung

DWB

steuer·nachlassung

steuernachlassung , f. , ds.: darnach brachte der keiser der Cojer gegebende steuernachlassung vor den raht C. M. Grotniz Tacitus (1657) 509…

steuernachlasz

DWB

steuer·nachlasz

steuernachlasz , m. , befreiung von der steuerpflicht: wenn nämlich in zeiten der theuerung und der schweren noth unseren ärmeren mitbürgern…

steuernagel

DWB

steuer·nagel

steuernagel , m. 1 1) ruder des schiffes. von stior-, vgl. u. stiernagel, lautlich jedoch meist an das simplex angeglichen, s. DWB steuer , …

Steuernanlegen

DRW

steuern·anlegen

Steuernanlegen, n. wie Steuerauflegung dieweil unser burger von U. ... in fordrung, aufpoten, raisen, steurnanlegen und andern gemains unser…

Steuerntragen

DRW

steuern·tragen

Steuerntragen, n. Verpflichtung zur Leistung von ¹Steuern (IV) es soll auch kain urbarsman frembt schuester, schneider oder weber nicht aufh…

steuern als Zweitglied (30 von 45)

Übersteuern

Campe

1. Übersteuern , v. intrs . u. trs . D. Übersteuern. D. — ung. 1. \Uumlacute;bersteuern , v. intrs . mit sein, ich steuere über, übergesteue…

ansteuern

DWB

ans·teuern

ansteuern , anniti, adremigare: zwen äste von dem sechsten par der nerven des hirns, deren einer sich an der pfortader ansteuwret, bisz in d…

aufsteuern

DWB

auf·steuern

aufsteuern , in doppeltem sinn, 1 1) aufstützen, fulcire, niti, aufstemmen: den arm aufsteuern, sich mit dem arm aufsteuern; das dritte bein…

aushiesteuern

DRW

aushiesteuern Nebenformen -hae-, -haw-, -hei(m)- aussteuern vgl. ausheiraten (I) hinstivrt [ein man] ... einz [ein Kind] uz um 1275 Schwsp.(…

aussteuern

DWB

aus·steuern

aussteuern , dotare, instruere, ausstatten: zu Rom war ein reicher mann, der het ein son und zwo töchter, die steurt er aus. sch. u. ernst c…

ausversteuern

DRW

aus·versteuern

ausversteuern ausstatten vgl. aushiesteuern sin tochter usverstúren 1376 ZürichStB. I 251 Faksimile

besteuern

DWB

bes·teuern

besteuern , tributis onerare: das volk ist hart besteuert; es ist die leichteste sache von der welt, die mildherzigkeit dieses volks zu best…

Beysteuern

Adelung

bey·steuern

Beysteuern , verb. reg. act. eine Beysteuer oder Geldhülfe zu etwas geben. Zu einem Kirchenbaue beysteuern.

dagegensteuern

RDWB1

dagegen·steuern

dagegensteuern übertr. сопротивляться; чинить препоны идиом. ; вставлять палки в колёса идиом. , разг. ; не соглашаться с кем-л., чем-л. или…

durchsteuern

DWB

durch·steuern

durchsteuern , steuernd durch einen ort fahren. 1 1. untrennbar. denn er selbst gab ihnen, der völkerfürst Agamemnon, schöngebordete schiffe…

¹EINSTEUERN

DWB2

eins·teuern

DWB2 1 EINSTEUERN vb. DWB2 dem fiskus als steuer zuführen: DWB2 1880 das gewerbliche einkommen wird in abtheilung d der allgemeinen einkomme…

ersteuern

DWB

ers·teuern

ersteuern , navigando assequi: obgleich, bis einst mein ziel ich durft ersteuern, noch manche welle hin und wider rollte. Rückert ges. ged. …

Fortsteuern

Campe

fort·steuern

Fortsteuern , v. intrs . 1) Mit sein , von einem Orte hinweg, weiter steuern. 2) Mit haben , fortfahren zu steuern, das Steuerruder zu führe…

gegensteuern

RDWB1

gegen·steuern

gegensteuern Wie kann dieser Tendenz gegengesteuert werden? - Что можно противопоставить этой тенденции? Как противостоять этой тенденции?

haussteuern

DWB

hauss·teuern

haussteuern , verb. mit haussteuer versehen: damit du aber meinen guten willen spürest, will ich dich mit eim par körnlein oder zwei hauszst…

Heim steuern

Adelung

heims·teuern

Heim steuern , verb. reg. act. aussteuern, eine Person, welche verheirathet werden soll, mit der nöthigen Mitgabe versehen. Daher die Heimst…

Hersteuern

Campe

hers·teuern

Hersteuern , v. intrs . mit sein. Hersticken , v. trs . s. Campe Her. Das Hersteuern, Hersticken. Die Herstickung .

hinsteuern

DWB

hin·steuern

hinsteuern , verb. das schiff hinwärts lenken: hin nach Frankreichs holdem ufer steuern sie mit macht und kräften. Herder zur litt. 3, 230 ;…

lossteuern

GWB

los·steuern

lossteuern α (auf etw) zufahren, zuhalten [ Irrfahrt per Kahn ] endlich in der Ferne ein Licht .. Nun ward nach Möglichkeit drauf los gesteu…

nachsteuern

DWB

nach·steuern

nachsteuern , verb. 1 1) eine nachsteuer geben: nachsteuren, supplere pensiones Stieler 2152 . 2 2) nachhelfen Adelung. 3 3) mit hilfe des s…

Ableitungen von steuern (3 von 3)

besteuern

DWB

besteuern , tributis onerare: das volk ist hart besteuert; es ist die leichteste sache von der welt, die mildherzigkeit dieses volks zu best…

ersteuern

DWB

ersteuern , navigando assequi: obgleich, bis einst mein ziel ich durft ersteuern, noch manche welle hin und wider rollte. Rückert ges. ged. …

versteuern

DWB

versteuern , verb. 1 1) trans., vom subst. steuer ' stütze, unterstützung, abgabe ' ( s. d. ) abgeleitet. kaum lexicalisch und literarisch b…