kux,
m. besitzantheil an einem bergwerke, bergtheil. II.
Die formen. I@11, I@1@aa)
das heute herschende kux
schon seit dem 16.
jh.: darausz erfolget, das kux oder bergkwerk bawen auch ein ehrliche und selige narung und gewerbe ist. Mathesius
Sarepta 5
b (
vgl. kuxbauer); bei teufeln und warsagern rath fragen und in die barill sehen (
vgl.krystall 2,
c), darnach ein gebeude anstellen, oder auf gespenst und des bergmendels gerümpel kux bawen ist christlichen leuten nicht zu rathen. 38
a; wenn er (
der bergmann) .. kux kaufen, stechen und partiren wil. 39
a; wie man schon zeitlich nicht allezeit wahr an wahr gestochen (
tauschhandel), wie heut noch ... im kux partiren geschicht. 62
b;
in der 6.
predigt schildert er die anlage eines neuen bergwerks, darin u. a.: beweiset sich der (
versuchte) gang ... so bestettiget er und leszet es im ins bergbuch verschreiben, macht ein gewerkschaft auf 128 kux, davon 4 erbkux und 2 zu kirch und spital gehören, die man etwan die heiligen kux genennet, und antwort sie ins gegenbuch. 64
a; mancher hat seine nahrung von seinem handwerk, aber er ... will es besser haben, wird ein cüster oder schulmeister, keuft kux, gehet darüber dux (
vgl. unter b). Mathes.
Syrach 1, 71
b; so ward ein neuer schatz ihm täglich kund gemacht, bald was sein kux, bald was sein schiff gebracht. Gellert 1, 278 (
das glück u. die liebe). I@1@bb)
natürlich auch kucks Frisch 1, 554
b,
s. z. b. II, 1,
auch unter kuxbauen,
und nicht verschieden in der aussprache ist kuchs: ich solt mein antheil daran haben, wenn ich etlich kuchs lösen (
kaufen) wolt und zubusz geben wie ich solt. Rollenhagen
Froschm. M 3
a (1, 14); (
so und so viel) auf einen kuchs quartalausbeut. M 3
b; schankten sie mir selbst gar umbsunst zum anfang drithalb kuchs ausz gunst, und schwuren bei S. Georgens pferd, sie weren hundert thaler wert.
das., und als endlich der so beschwindelte selbst in die hütten geht um nach seinen erzen zu sehen, da versteht er auf einmal auch das latein
der pochwerke dort (
vgl. von der mühlradsprache J. Grimm
bei Haupt 4, 512): sagen all pochwerk 'bawstu hie kuchs, so geht dein geld in duchs, in duchs'. die belg riefen auch für dem ofen 'hie gilts hrauszer aus haus und hofen'. M 5
a,
jener spruch der pochwerke als sprichwort alter '
bergwerker'
bei Henisch 761, 48 (
oben 2, 1496),
s. dux gehen
unter a, dem heutigen pleite gehn
entsprechend; das er vors erste kuchse baut und fremden kerln das sein vertraut. Pape
christ. hominis sors F 5
a; eine jede gewerkschaft ... soll fürohin in 136 kuchse oder portiones getheilet sein. Veith 312
aus der clevischen bergordnung von 1766. I@1@cc)
zur form ist noch zu erinnern, dasz der pl. meist stark, selten schwach erscheint, jenes meist ohne, selten mit umlaut; s. kux
pl. unter a (
jetzt kuxe), kuchs,
auch kuchse
unter b; kuxe
z. b.: jungfern, die zu rechter zeit eckels halber nicht gefreit, sind wie kuxe, die verstanden. Picander 3, 433.
mit umlaut küxse Veith 312
aus der churköln. bergordn. v. 1669 (
daneben kuxse
das. 311).
In schwacher form: bestehen bei einer gewerkschaft nur 10 kuxen, so repräsentirt jeder kux des ganzen. Veith 311,
österreich. vom jahre 1854; so viel als .. ein fleisziger besitzer .. ohne lotterien und kucksen
[] darauf (
auf dem hofe) gewinnen kann. Möser
phant. 2, 215.
Einzeln auch ein fem. kuxe,
österr., z. b.: geht eine kuxe an einen andern inhaber über,
s. Veith 311,
schon bei Ludwig 269 die bergkuxe,
a mine-action (
aber kux
m. 1094), kuxe
f. une mine Frisch
franz. wb. 2, 350. I@22)
Die endung von kux
ist aber eine eingeschrumpfte. I@2@aa)
hinter kucks
zunächst liegt kuckes,
auch als pl., 16.
jh. u. s. w.: ewer stein, dr. Jonas, der macht euch munter und sorgfeltig, ist auch nützer denn zehn kuckes. Luthers
tischr. 226
b; würde sich in rechnung befinden, das von silber ... überlaufes verhanden, das auf einen kuckes oder zweidreistail (32.
theil) zwene gulden (
entfallen), die sullen ausgetailet werden. Veith 311
aus einer urk. von 1544; kuckes verkaufen oder kaufen.
das. aus der Joachimsthaler bergordnung von 1548. I@2@bb)
aber auch kuckis, 16.
jahrh.: in summa, es wurden die leute auf geredt, also dasz das (
alaun-)bergwerk dahin kam, dasz ein kuckis 100 gülden, auch der gemeine kauf umb 180 thaler verkauft ward. Thurneisser
alch. 1, 74.
vgl. guggis
unter 3,
b. I@2@cc)
am ältesten jedoch kuckus u. ä., bis ins 15. 14.
jh. zurück, und noch im 17.
jahrh.: kukus,
bergteil Stieler 2268, kukkus Schottel 449
a (erbkuks 510
a); reiche leut, die hatten haus und hof .. voll, die ranten auf ihren gäulen und kutschen den kucküssen und alchumistischen schmelztiegeln zu, wolten berge versetzen und gold backen. Philander 1644
s. 710 (2, 156);
partes fodinae, deel edder kuckus. Chytraeus
c. 15;
partes cuniculi, teil oder kuckus. Agricola
bei Dief. 162
c;
cuniculus, foramen sub terra occultum, ein kuckusz. Trochus L iij
b (
neben fodina, ein schacht,
vgl. am ende); uns hat
N. M. vorbracht, wie L. S. ym .. eyn kukus zcu sente Niclaus .. vorkauft .. aber der kukus hette ym biszher nicht mogen gewert noch geschriben werden, und uns gebeten ym forderlich zcu sein, das er des teils mochte gewert werden. Veith 311,
sächs. urk. von 1478.
lat. cuccus
das. aus einer böhmischen urk. von 1327 (
neben schichta): unam partem unius schichtae, quae sedecima pars dicitur, quam in nona parte fabrili nobiscum in cuccis habere dignoscuntur.
s. auch erbkuckus Veith 309. I@33)
Mit g-
erscheint es oberd., wie norddeutsches k-
oft. I@3@aa) gucks Veith 256 (17.
jh.),
öfter guckes: guckesbergwerk
Garg. 187
a (
Sch. 345); darvor hat ir herzog Moritz von Sachsen, der churfurst, achthundert daler für die erst nacht ... geschenkt, und so er die abenteur oft het treiben wellen, het es ain besonder berkwerk erfordert, dann er het alle nacht ain guckes vergucket.
Zimm. chron. 4, 10; allen gewerken .. so auf unsern bergwerken wohnen und nahmhafte theil, als 16 guckes oder theil in einer oder mehr zechen bauen ... Schm. 2, 27,
vom jahre 1600. I@3@bb)
wieder auch guggis (
wie kuckis): zu verhüten, das nicht trugsame guggis verkäufer oder krenzler sie betriegendt. Bechius 23; der viel guggisz hat, derselbig musz viel zubusz geben. 67 (Veith 256).
auch guckas,
bair. 16.
jahrh.: wan (
denn) guckastheilung dem bergwerk nicht fürderlich sind. Schm. 2, 27 (
vgl.duckas
gleich ducks 2, 1496
unten). I@3@cc)
und guckus, guggus: der guckusz manchen tribt von husz. Brant
narr. 102, 56,
in zusammenhang mit einer klage über die alchemy,
mit der mancher sein geld '
verpulvert' (
s. Philander
u. II, 3,
c); guggus Veith 256,
urk. von 1530,
aus Böhmen; partes fodinae, theil oder guckus. Golius
c. 15; dasz er nicht mehr dann 128 thail oder guckhus austhaile. Schm. 2, 27
aus Lori
bergr. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
der kux,
im hauptbegriff der heutigen actie
entsprechend (
bei salzwerken koth
sp. 1884)
ist ein antheil an dem gesamtwerte oder gewinn des bergwerks, und zwar von alters her der 128.
theil (
der aber wieder getheilt werden kann),
vgl. bei Veith 308
aus einem bergbüchlein v. 1534: gedunkt dich, das ein kucks ein sunderlich abgeteilt ort im berge sei? (
vgl. am ende) alsdann würd die gleiche der lag (
darlage, einzahlung) oder zubuosz gar ungleich genutzet. sunder ein kucks ist ein hundert acht und zweinzig theil alles des das dem bergkwerk zuogehört, und also ist das bergwerk nach einer beqwemen abteilung geteilet in vier schicht ... und in hundert acht und zweinzig kucks
u. s. w. Erst neuerdings wird auch da das sog. decimalsystem durchgesetzt, s. Veith 312;
nach dem preusz. berggesetze von 1865
müssen der kuxe 100
sein (
oder 1000),
dem dann u. a. [] Sachsen, Baiern in de. hauptsache nachfolgten. Von älteren abweichungen von der zahl 128,
wie 130, 132, 134,
s. Veith 312.
von dem kux der als der 32.
theil erscheint (I, 2,
a)
s. III, 1;
sonst hat die schicht,
deren 4
sind, 32 kuxe,
s. Veith 410. II@22)
die kuxe haben nach art und zweck besondere bezeichnungen, deren Veith 308
ff. nicht weniger als 25
aufführt; ältere sind namentlich: erbkux,
der dem eigenthümer des grundes gehört, meist als freikux, auch grundkux, ackerkux
genannt; freikux,
der von kosten und zubusze frei ist; kirchenkux, spitalkux,
freikux für kirche und spital des bergortes (
auch heilige,
bei den '
weltkindern'
aber pfaffenkuxe Veith 310
aus Melzers
chron. von Schneeberg);
ebenso von ihrem zwecke stadtkux, armenkux, schulkux, knappschaftskux,
gleichfalls freikuxe; zubuszkux,
der zubusze zahlen musz, u. a. II@33)
redensarten mancherlei. II@3@aa)
z. b. kux bauen
vom inhaber eines kuxes, das bauen
des bergmanns auf ihn übertragen, die ältesten inhaber waren eben die bergleute selber (
s. I, 1,
a),
vom spätern gebrauch s. z. b. das Chemn. bergwerksl. 351
b; kux liegen lassen,
aufhören zu bauen. 352
a (
der kux
als wirkliches stück des bergwerks gedacht); kux verstehen lassen, '
wenn man seine zubusze nicht zu rechter zeit abführet, so werde sie ins retardat gesetzet'. 353
a (retardatkux Veith 311,
vgl. Picander
unter I, 1,
c); kux setzen,
ein eigenthümlicher alter gebrauch kuxe zu verhandeln, s. das. 352
b. II@3@bb)
hier erklärt sich wol auch die redensart in guckes gehn,
zu grunde gehn Schmid
schwäbisches wörterb. 248
aus Gmünd, sächsisch in kux gehn
oder kux gehn,
bair. entstellt in gunkes gehn Schmeller 2, 27 (
das anschlusz findet unter kunkelfusen,
s. besonders 3,
b),
d. h. '
drauf gehn',
von dem was man einzahlt, einschieszt auf oder in seinen kux ('
hinein steckt')
und das keine ausbeute bringt. wie viele versuchung zu solchem mühelosen reich werden wollen sich einst an den bergbau knüpfte und wie sie von schwindlern ausgebeutet wurde, das zeigt z. b. aus dem 16.
jahrh. das unter I, 1,
a angezogene cap. aus dem Froschmeuseler und schon aus dem 14.
jahrh. das märe vom feldbauer (
Germ. 1, 346
ff.).
auch das 3, 160
unerklärte einbüszen
könnte so von kuxinhabern herrühren, von eingezahlter zubusze (
vgl. auch sp. 1677
unten),
von gemachter auslage der handwerker z. b.: bszt der arm man sein eigen gelt ein zuo seiner arbeit ... H. Sachs
dial. 47, 21. II@3@cc)
auch das vergucken
unter I, 3,
a ist ein solches einbüszen durch guckes,
verschwenden mit kuxen, auch verkucken: das ich nach solchen bubenstücken (
des kuxkränzlers) drei tausend gülden musz verkucken.
Froschm. M 4
b; scharreten (
als kuxinhaber) und schmelzten (
mit alchimisterei) so lang, bisz sie söller und keller, thaler und heller, beutel und ketten verkuckt und verpulvert hatten. Philander 1644
s. 710 (
zu verpulvern
s. Brant 102, 59);
auch verkucksen
o. ä. wird nicht fehlen. IIIIII.
Zur geschichte des wortes. III@aa)
das auftauchen oder eindringen des ausdrucks läszt sich vom 16.
jahrh. rückwärts ungefähr verfolgen. im j. 1597
ist die kuxeintheilung der würtemb. bergordnung noch fremd, im jahre 1553
ebenso der österr., 1550
der bambergischen (Veith 312).
im jahre 1521
wehrt sich eine bair. bergordnung, von Erbendorf, dagegen: der schichtmeister soll ein vleiszig aufsehen haben, das er nicht mer zu einer gruben dann zwen und dreiszig tail mach, und nit anders schreib (
beim einschreiben ins bergbuch, s. unter I, 1,
a) dan ein teil, ein halben teil, ein vierteil und kainen guckes schreib. Schmeller 2, 27
aus Lori
bergr. 170
a,
vgl. aus demselben 146
b bei Veith 491.
der viertheil solcher 32
theile ist eben gleich einem guckes,
und teil
war der ältere ausdruck, schon im märe vom feldbauer oft, z. b. 72. 349. 357 (teil koufen,
wie kuxe kaufen),
s. Germ. 1, 354,
nur dasz der teil
urspr. viermal mehr als ein kux,
der 32.
theil einer grube oder zeche war (
s. Veith 491, ackertheil 310);
doch wird es später wirklich auch gleich kux
gebraucht, s. Veith 490, kirchentheil
gleich kirchenkux 310, stadttheil
stadtkux 311,
vgl.guckes oder theil I, 3,
a, kukus
nachher teil
genannt I, 2,
c (1478).
aber umgekehrt erscheint auch der 32.
theil als kuckes I, 2,
a, sodasz der alte und der neue ausdruck einzeln auch getauscht haben. im Erzgebirge, dem das märe vom feldbauer vermutlich angehört, war danach kux
im 14.
jh. noch fremd, in Böhmen aber schon gebräuchlich (I, 2
am ende). III@bb)
den leitfaden für die geschichte des begriffes rückwärts geben gewiss die zahlen an die hand. bei den 128
könnte man an das altgerm. groszhundert, d. i. 120,
denken (
s. Dietrich
in Haupts [] zeitschr. 10, 230),
das auf 128
angewachsen wäre durch die freikuxe, wenn deren urspr. 8
wären; aber es scheinen doch nur 6
und mit den '2 zu kirch und spital'
unter I, 1,
a nicht je zwei gemeint, wie das aus Schneeberg bei Veith 310
deutlich ist. Die 128
kuxe werden eine weiterbildung der ältern 32
theile sein, die einen gewissen vortheil mit sich brachte, der dann das durchdringen der kuxeintheilung erklärte. der schon im 14.
jh. erkennbare drang nach bergwerksgewinn und der damit getriebene betrug sind wol der grund davon, dasz man einmal von seiten der behörden die neue theilung abwehrte, die den schaden auch in ärmere kreise eindringen liesz und damit wol auch gröszere unredlichkeit in den betrieb des baues, was in der Erbendorfer bergordnung von 1521
gemeint sein mag mit wan guckesteilung (
pl.) dem berkwerk nit forderlich sein Lori 146
b (Veith 491),
anderntheils der grund davon dasz das neue doch siegte. III@cc)
das neue erscheint nach den zeugnissen als von Böhmen ausgegangen (
wie das Veith 311
als bestimmt angibt, nach böhm. schriftstellern),
und dazu stimmt das sprachliche. der kux heiszt czech. kukus,
doch auch kus,
genauer kus horní,
d. i. '
bergtheil',
wie der kux bei uns auch heiszt; kus
aber ist slavisch, altsl. ksŭ
m. stück, bruchstück, theil, kroat. serb. kus (Mikl. 329
b),
böhm. eben im bergwesen auch sonst verwendet, kukus
erscheint als steigerung durch reduplication, die auch dem slav. nicht fremd ist, wie Schmeller
2 1, 887
eben zu guckes
beispiele sammelte aus dem böhm., vgl. auch kitzeln I, 3,
b; böhmisches im bergwesen zeigt z. b. auch kutten,
während umgekehrt sonst viel deutsches im böhm. bergwesen ist, z. b. šichta
schicht. Eigen ist, dasz dieser ursprung schon im 16.
jh. in Böhmen selbst vergessen war: wie ein mann, der Kux genant, eim 128. theil einer zechen den namen sol gegeben haben, wiewol andere disz wort kukus vom kuck herausz füren (
ducere, '
ableiten') wöllen. Mathesius
Sar. 109
a,
was sich dann in den wbb. fortschleppt bis ins 18.
jh.; Kux
als name besteht übrigens wirklich noch, nach der zweiten erklärung, durch die auch des Trochus
erklärung unter I, 2,
c begreiflich wird, musz aber doch wol auch ein grubentheil selbst so genannt gewesen sein. böhm. kukus
wird auch als erzhaltiger berg angegeben.