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schlingen

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlingen verb.

Bd. 15, Sp. 730
schlingen, verb. vibrare, repere, flectere, nectere, starkes verbum, schlang, schlangen, geschlungen, mhd. slingen, slanc, slungen, geslungen, ahd. *slingan (belegt slingen), *slang, *slungum (belegt slungen), *gislungan (belegt geslungen). Graff 6, 794. 795; mnd. slingen, slengen, sich winden, winden, drehen, kriechen Schiller-Lübben 4, 240. 241, nnd. slingen wie nhd.; mndl. slinghen, serpere, funda iacere, funda torquere Kilian; ags. slingan, to wind, twist, worm, move as a serpent, it also has the same meaning as slinch (slink) Bosworth-Toller 884b, engl. sling, schleudern, schlenkern, altnord. slingva, to sling, fling, throw Cleasby-Vigfusson 569, n. slynge, schleudern, schlingen, schwed. slinga, schlingen, flechten. als etymologisch verwandt sind wahrscheinlich anzusehen schlinken, verb., schlengen, schlenken, verb., schlange, f., schlank, adj. und m., schlink, adj., link, adj., vielleicht auch schleichen, verb., s. diese. auszerhalb des germanischen vergleicht man lit. sliñkti, schleichen, auf dem bauche leise kriechen. Schade2 2, 823. während heute der vocal des sing. prät. unbestritten auch im plur. herrscht, bietet das frühere nhd., und zwar noch bis ins 18. jh. hinein, nicht selten singularformen mit dem vocal des plur.: schlang et schlung, ich schlünge (also wol noch plur. wir schlungen). Stieler 1854; die (schlang) schlng sich hinaff af den hert. H. Sachs fab. u. schwänke 2, 159 (nr. 245), 27 Götze; also sagt er, und schlung sich mit brünstigen zitternden armen um den erlöser. Klopstock Mess. (1748) 2, 209 (später geändert in schlang); hui! sasz er selber auf und schlung (: schwung) sein heerhorn um den nacken. Bürger 53b. die pluralform schlungen ist ebenfalls noch aus dem 18. jh. zu belegen, s. Herder 25, 267 Suphan (die stelle s. unter III, 5, 6). gelegentlich zeigt sich neigung zu schwacher flexion, wobei die auffassung des worts als denominativ zu schlinge, f. durchblickt: dasz sie ihnen unter dem schein der höfligkeit das seil der dienstbarkeit an die hörner geschlingt. Lohenstein Arm. 1, 613; geschlinget (ich habe) präs. ich schlinge, fibulo, nodulum laxum facio Steinbach 2, 455. bedeutung und gebrauch. im allgemeinen erscheint das wort von schwingender oder windender bewegung gebraucht, von ersterer besonders in transitiver anwendung und nur in älterer sprache. II. intransitiv. I@11) meist die fortbewegungsart von schlangen und anderem gewürm bezeichnend, sich winden, kriechen, slingen, repere Dief. 493a, slingen, schlingen, serpere 530a, mnd. slynghen, crupen, alzo eyn al, serpere. nov. gl. 336b: die slingenden würm, die vergiftich sint, die sint denne (bei zunehmendem monde) schedleicher wan ander zeit. Megenberg 66, 1; die schlange schlinget. Schottel 1401; swaʒ bevangin hân di drî (himmel, erde und meer), mit wesins pflichte von nichte dû zu ichte gar gewerdin lîʒe, iʒ swebe, lige, vlîʒe, vlige, loufe, swimme, krîche, slinge, wimme. N. v. Jeroschin 14 Strehlke. mit localen zusätzen: sô dû den visch (den aal) ie vester druckest zwischen den henden, sô er ie leihticleicher durch die hant slingt. Megenberg 244, 18; eʒ ist auch ainrlai trachen, der hât niht füeʒ und slingt neur auf der prust an der erden. 269, 22; etleich würm sint ân füeʒ, iedoch habent si pain in irem leib oder græt, sam die slangen habent, und die selben slingent auf der erd von ainr stat zuo der andern. 287, 7; [] mnd. unde (die schlangen) scholden denne wedder slyngen an de stede, dar se ut gekomen weren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 241a; dar quemen unreyne slanghen unde slunghen eme umme den hals. quelle ebenda; de lintworm de slinghet by der erden. quelle ebenda; Lucifer quam in der staltnisse eyner slanghen den bom up slinghende. quelle ebenda; darnâch er (der drache) immer wider slanc in einen tich, der aldâ was der stat gelegen nâ. pass. 253 (nr. 27), 36 Köpke. von geschmeidigen vierfüszigen thieren: mnd. de vos begunde slingen an den dorn, de dar stôt. Gerh. v. Minden 90, 60. bildlich vom gebahren des teufels, mit anspielung auf seine gestalt im paradiese (vgl. oben den letzten mnd. beleg aus Schiller-Lübben): dar umme heiʒʒet der propheta den tuovel ein slange, wanne er den mensche laget heimiliche und zu ime slinget mit der verratnusse. Schönbach altd. pred. 1, 17, 28; er slinget und vert immer mer umme lagende wen er muoge betriegen. 347, 5. I@22) von kriechenden pflanzen, mit angabe der richtung wohin: die paum (maulbeerbäume) naigent sich gern an ander paum und slingent auf ir este. Megenberg 330, 30. I@33) vom menschen wie schlendern. zu der bedeutungsentwicklung vgl. schlingern, schlenkern und schleichen I, 2, f: verderbt zu allen dingensind die elende wir, allein herumher schlingenkann al'modo monsier. Opel-Cohn 30jähr. krieg 416, 20, 8. I@44) in Ost- und Westpreuszen wie einschrumpfen, sich zusammenziehen, abnehmen, von schwellungen am körper: die geschwulst schlingt, ist schon sehr geschlungen, auch vom geschwollenen körpertheile selbst: der fusz ist geschlungen. Frischbier 2, 286b. vgl. schlinken und schleichen I, 3, d. I@55) einen freieren gebrauch zeigen auch ahd. zuoslingan, zuogislingan, die zur übersetzung von venire, pervenire, advenire, affluere dienen und auf wörter wie rîhtuom, hêrscaft, altî bezogen erscheinen. Graff 6, 794. IIII. transitiv. II@11) von schwingender bewegung. II@1@aa) schwingen, schwenken, in umbslingen: alsô seh wir, daʒ ainr ain offen glas mit wein oder mit waʒʒer sô snell umbslingt in ainer slingen oder in der hant, daʒ niht her auʒ fleuʒt. Megenberg 94, 12. II@1@bb) dann auch allgemeiner 'schleudern, werfen' (beim werfen mit der schleuder schwingt man die schleuder zunächst einige male im kreise herum, vgl. Böheim waffenk. 387): sô sült ir einen vadem (des knäuels) ê an iuwern vinger heften und daʒ ander mit kreften ûf den sê slingen. H. v. d. Türlin krone 15369. mit auslassung des objects, zur bloszen bezeichnung der thätigkeit: das schlingläder dareyn man den stein legt wenn man schlingt. Maaler 356b. mundartlich, so im bair.-östr., hat sich der gebrauch des worts in solchem sinne bis heute erhalten Schm.2 2, 527. Schöpf 623: wäsch ausschlingen (in der luft) Schm. a. a. o.; sich den arm ausschlingen (aus dem gelenke); hinschlingen, verwerfen, miszgebären: die kuh hat das kalb hingeschlungen. Höfer 3, 96, auch absolut Schmeller. Schöpf a. a. o. freier, ein kind hinschlingen, es abtreiben, davon hinschlingerin, abtreiberin Schmeller2 1, 1118. vgl. schlinken, schlengen 1, schlenken und schlenkern. II@22) winden. II@2@aa) mit äuszerem object zur bezeichnung dessen, was gewunden wird, und localen zusätzen zur bezeichnung dessen, um das, in das, durch das etwas geschlungen wird: einen strick, einen faden schlingen um, theilweise mit anlehnung der bedeutung an schlinge, f. II, 1, b: schlingte ihnen einen strick um den hals. Lohenstein Arm. 1, 10; kann er (der vogel) weiter fliegen, als der faden lang ist, den sie ihm heimtückisch um den fusz schlangen ...? Thümmel reise 10 (1805), 215; (er) schlang den strick umb seinen hals. H. Sachs fab. u. schwänke 1, 152 (nr. 49), 24 Götze; ein band, bildlich: der holde geist der eintracht schlingt sein goldnes band um alle. Wieland 9, 160; mich geb' ich hier in deine (gottes) hand, dasz du mich meiner liebsten gebest. du hast geschlungen dieses band, o dasz du's immer fester webest. Rückert 1 (1882), 593. einen gürtel, im bilde: Pallas, die die städte gründet und zertrümmert, ruft er an, und Neptun, der um die länder seinen wogengürtel schlîngt. Schiller 11, 391. [] einen kranz: ha! erwachte nicht im lenze meine brust zu lieb' und sang, so entwelkten mir die kränze, die ins haar mir Phoebus schlang! Bürger 3b; geselle dich (kranz) zu diesem degen, der dich leider nicht erwarb, um ihn geschlungen, ruhe, wie auf dem sarg der tapfern, auf dem grabe meines glücks und meiner hoffnung. Göthe 9, 167; sie trat zum mägdlein freundlich hin, sie schlang ein kränzlein ihm ins haar. Uhland (1864) 196; nimm den reichen kranz (von liedern) und schling' ihn um des tages festaltar. Rückert 1 (1882), 628. locken, freier: schleiche dich sanft ums grab, du immer-grünender epheu, sanft um Sophocles grab schlinge die locken umher. Herder 26, 29 Suphan. die hände, arme um einen, etwas, ineinander, hand in hand, arm in arm schlingen u. ähnl.: Karlos ... (seinen arm um Rodrigo's hals schlingend). Schiller dom Karlos 1, 2, 9; dann schlung er sie (die hände) um den entschlafnen. Klopstock Mess. 11, 553; der ritter und die schöne stehn, arm in arm geschlungen, stunden lang auf dem verdeck. Wieland 22, 254 (Oberon 6, 13); ich schlung den arm um meinen freund. Gerstenberg der Skalde 2, 86; soldatenwaisen fallen auf's gesicht, mit uber'm haupt geschlungnen händen. Schubart (1787) 2, 57; sie fanden sich, und fanden friede, und schlangen schmelzend arm in arm. Gotter 1, 222; ich schlinge den arm um dich, auf meinen armen trag' ich durch eine teufelvolle hölle dich! Schiller don Karlos 2, 8; schlingt hand in hand. Rückert 5 (1882), 179; ins schwellend weiche grün des heidekrauts malt, arm in arm geschlungen, hingelagert ein sanftes jünglingspaar. Ludwig 4 (1891), 229. auf grund solcher fügungen dichterisch auch die arme auseinander schlingen, ausbreiten: wenn er eben liebestrunken nun die arme auseinander schlingt nach dir. Schiller 1, 325 (Semele 354). einem umarmenden wird in der folgenden stelle der baum verglichen: einen umarmenden zweig schlingt um die hütte der baum. Schiller 11, 85. ähnlich heiszt es im bilde: ich seh' geduld und kummer, so verwachsen, dasz sie die wurzeln in einander schlingen. Shakesp. Cymbeline 4, 2. freier, mit persönlichem object: die liebe schlang uns hier das erstemal zusammen. Göthe 7, 53. statt des sonst von flüssen üblichen sich schlingen (vgl. III, 4) sagt der dichter auch die fluten schlingen: bis dein geduldger muth Hesperien erringt, durch dessen segenvolle auen der lydsche Tiberstrom die stillen fluten schlingt. Schiller 6, 382. II@2@bb) in der mitte zwischen dieser und der folgenden gebrauchsart stehen wendungen, in denen eine adverbiale bestimmung das durch das schlingen entstehende bezeichnet: ihr langes, lichtblondes haar, in zwei breite flechten geschlungen, die durch ihre schwere losgegangen und unter dem schleier hervorgedrungen waren, flosz in reitzender unordnung weit über den rücken hinab. Schiller 4, 317; schlingt arm in arm zum kranz! Bürger 305a (Macb. 4, 2). II@2@cc) mit factitivem object zur bezeichnung des durch das schlingen entstehenden: eine schlinge schlingen, im bilde: schon war die schlinge schlau geschlungen, schon war sein fusz dem unglück wankend nah, schon schien die list dem juden als gelungen, als der betrieger schnell sich selbst gefangen sah. Lessing 1, 33. einen knoten: fäden zieht sie, seidne fäden durch die löcher (des silberlings), schlingt die knoten. Immermann 12, 26 Boxberger; bildlich: aber gelang es denn auch (die ehestiftung), so war der freyersmann immer in dem hause der erste bei jedem häuslichen feste; denn es erinnerte sich durch's ganze leben das ehpaar, dasz die geschickte hand den ersten knoten geschlungen. Göthe 40, 302. [] eine kette, bildlich: die epidemie, folge des französischen rückzugs, raubte der geschlungenen kette (d. h. der gesellschaft) manche der werthvollsten glieder. 43, 379. einen tanz, reigen mit verschlungenen armen oder in geschlungenen linien tanzen Campe: schlingen wir fröhlich den drehenden reihen, schleichen die andern zum dämmernden wald. Göthe 1, 29; uns alle führt er an, wir folgen ihm, und unsre reihen schlingt er mannigfach. 11, 318; schön geschlung'ne seelenvolle tänze kreis'ten um den prangenden altar. Schiller 11, 5; um den kessel schlingt den reihn. Macbeth 4, 3; die jugend schlingt den muntern reigen. Körner 1, 137; festreigen wird geschlungen im goldnen frühlingsstrahl. Uhland (1864) 376; die sehnsucht kehrt, und sucht die alten bahnen, aus diesem frostigen land zu jenem lauern, wo du nun längst mit engeln tänze schlingst. Rückert (1882) 1, 355; doch die knaben schlangen tänze mit den jüngsten mädchen. Platen 322a; wo sich bei der cither tönen jeder fusz beflügelt schwingt, und der knabe mit der schönen glühend den fandango schlingt. Geibel 1 (1888), 23; auf denn! im festgewand den tanz zu schlingen, kränzt euch mit blumen, zündet lust'ge kerzen! 97. II@2@dd) freier, mit äuszerem object zur bezeichnung des umschlungenen. in der folgenden stelle mit anlehnung an schlinge, f. (vgl. dieses II, 1, a, β) wie knüpfen: ich trachte nicht nach hohen dingen, ich geh gern auff der niedren bahn, fing Clepticus zu sagen an, da man jhn solt an galgen schlingen. Logau 1, 20, 62. häufiger begegnet einen in die arme, den arm schlingen: diese Judith, die den tapfern, frommen, alten feldmarschall Holofern erst in die arme schlingt, erst liebetrunken macht, und dann ums leben bringt. Wieland 22, 288. in bildlichen wendungen: wenn wollust unter rosen nicht dich in die geilen arme schlingt: so fehlt dir geist, so fehlt dir witz. E. v. Kleist (1771) 1, 55; das dörfchen .., das ein nickendes wäldchen in die wirthlichen arme schlingt. Hölty 67, 20 Halm; wohl dir, .. den noch der kleine schlummergott in schwanenarme schlingt. 122, 3; noch schlinget dich (mädchen) die süsze ruh in ihren arm. 123, 4; froh lächelt seines (des lenzes) mutter erde nach ihrem langen harm; sie schlingt mit jubelnder gebärde das söhnlein in den arm. Lenau 1, 97 Koch (d. lenz). IIIIII. reflexiv, ein gebrauch, der heute den alten intransitiven völlig verdrängt hat, aber schon in früher zeit neben diesem in gleicher oder nahe verwandter bedeutung (s. 1) erscheint, heute meist mit localen zusätzen der richtung 'wohin' verbunden. III@11) von der bewegungsart der schlangen und ähnlicher thiere. in der ersten der angeführten stellen schimmert deutlich die bedeutung 'schwingen' (vgl. II, 1) durch: si (die schlangen) slingent sich auch mit paiden haupten gegen den veinden. Megenberg 263, 20; mnd. reptilia, alle dat sik slinget. quelle bei Schiller-Lübben 4, 241a; also pflegt sich der ael zuschlingen, winden und beissen. Luther tischr. (1571) 284b; die schlangen schlingen sich im gange, serpentes tortuosis flexibus repunt, tortu multiplicabili prolabuntur Stieler 1854. Wachter 1433; sich schlingen, als schlangen. Frisch 2, 200a; das dem selben (dem menschen) sei undertan alle geschepft, die ich gemachet han, es sei in wasser, in feur, in luft oder was sich slinget durch die gruft. Vintler pluem. der tug. 7001; kein pfeil sein (des drachen) haut durchdrunge, kein stich noch hieb auf im nit haft, mit dem schwanz er sich schlunge; bracht vil um aus der ritterschaft. H. Sachs meisterl. 316 (nr. 156), 33 Gödeke; da in ein wurf gelange dem drachen oben auf den rück, das er sich nit mer schlange. 41. auch von geschmeidigen vierfüszigen thieren: durch das gehölz sah ich eine katze sich schlingen. Eichendorff 1 (1864), 245. [] III@22) von kriechenden pflanzen (vgl. schlingpflanze): edera haiʒt ain epaum oder ain ertpaum, aber er hieʒ pilleicher ain slingpaum, wan er slinget sich über al auf die maur oder auf die want, dar zuo er sich gesellet, und vlichtet sich dar ein mit gar vil wurzeln. Megenberg 321, 25; das epheu schlinget sich um den baum. Wachter 1433; so sagt man, dasz sich manche pflanzen auf dem boden hin schlingen. Campe; die bohnen, der hopfen schlingen sich um die stangen, die weinreben schlingen sich um die ulmen. ebenda; nd. de ranken slingen sük aferall dör, umto, um herum. ten Doornkaat Koolman 3, 201b; dasz er (der stengel des caprifoliums) sich gleich um alles schrenckt, was er berührt, bald in die höhe, bald unter sich, bald seitenwerts, sich schlängelt, steiget, dreht und bieget, um stämme, zweig und laub sich schlingt. Brockes ird. vergn. 6 (1739), 125; epheu schlinget sich mit lust um bemooste linden. Gotter 1, 73; sieh doch, sieh doch, epheuketten schlingen sich von selbst in deinen kranz hinein! Kl. Schmidt verm. ged. 1, 68; und wie der baum sich in die erde schlingt, mit seiner wurzeln kraft und fest sich kettet, so rankt das edle sich, das treffliche, mit seinen thaten an das leben an. Schiller 15, 1, 8 (huld. d. künste 135); ach, da sah ich goldne ranken sich um weisze stämme schlingen! W. Müller 1 (1837), 338. III@33) von bändern, fäden u. dgl.: durch ihr haar schlang sich ein seidenes band, auch mit anlehnung an schlinge, wie sich knüpfen: ein faden, band hatte sich um den fusz des thierchen geschlungen und hielt es fest. Campe; bildlich: willst du den langen knäul entwirren, der um der menschheit brust sich schlang, und lösen ird'scher zwietracht klirren auf in harmon'schen sphärenklang? Rückert 1 (1882), 116. III@44) von wasserläufen, mit bezug auf ihre krümmung: ein bach, der sich durch die wiesen schlinget, rivus tortuosus, sinuosus Frisch 2, 200a; da wo die Pleisze sich mit krummen fluthen schlingt. Zachariä renomm. 1, 53; mit deutlicher personification: o schlinge dich, du sanfte quelle, ein breiter strom um uns herum, und drohend mit empörter welle vertheidige diesz heiligthum. Schiller 11, 263. ebenso von gekrümmten wegen: nd. dat pad slingt sük bî de slôt (graben) langs, dör de tûn. ten Doornkaat Koolman 3, 201b; däucht ihm, dasz jemand durch den gang, der um den sahl sich schneckenförmig schlang, mit flücht'gen schritten herwärts eile. Wieland 21, 255 (Klel. u. Sinib. 4, 259); frey empfängt mich die wiese mit weithin verbreitetem teppich, durch ihr freundliches grün schlingt sich der ländliche pfad. Schiller 11, 83; bildlich: wo er also geglaubt hätte, dasz sie (die fragmente des Kresphontes) sich hinpaszten, hätte er sie als pfähle aufgerichtet, nach welchen sich der weg seines dialogs richten und schlingen müssen. Lessing 7, 191. ähnlich von thälern: denken sie dasz viele thäler sich durch's gebirg schlingen. Göthe 23, 188. III@55) in beziehung auf personen, kaum von wirklichem winden des körpers, der natur der sache nach, sondern III@5@aa) 'sich in schlangenlinien bewegen': wir schlangen uns in menuets um einander herum. Göthe 61, 31; jedem baume des wald's, um den ich wandernd mich schlinge, denkmal bleibe des glücks! ruf' ich ihm weihend und froh. 2, 131; bildlich: ist doch natur in ihrem weiten reich sich stets gemäsz und folgerecht und gleich, und wer des knäuels zartes ende hält, der schlingt sich wohl durch's labyrinth der welt. 47, 124. III@5@bb) auf umarmung bezogen. dem transitiven die hände, arme schlingen um, in (vgl. II, 2, a sp. 732) heiszt es wol zunächst die hände, arme schlingen sich: arme schlingen in arme sich. Wieland 9, 158; grüne tartschen, und auf ihnen blauer himmel, in dem himmel schlungen sich zwo händ'. Herder 25, 267 Suphan. weiter der freieren transitiven wendung einen in die arme schlingen entsprechend mit reciprokem sich: so bald sie in den [] wald kamen, schlungen sie sich in ihre arme. Stilling leben 1 (1806), 60. schlieszlich auch sich mit den armen um einen schlingen Klopstock Mess. 2, 209 (die stelle s. oben unter dem formalen); um eines leib: sie schlang sich fest um seinen leib mit weiszen weichen armen. Uhland (1864) 208. ebenso ohne solchen zusatz sich um einen schlingen, ihn umarmen: dann schling' ich mich um ihn, weine, bitte. Klinger 1 (1815), 20; einem um den hals: weinend lief sie hinein und schlang sich mit offenen armen ihrem gemahl um den hals. Voss Odyss. 23, 207 (ἀμφὶ δὲ χεῖρας δειρῇ βάλλ' Ὀ_δυσῆι). III@5@cc) von hier aus oder an a anknüpfend: chöre von schäfern und schäferinnen schlingen sich tanzend um den Apollo. Herder 28, 396 Suphan; schnell schlingt sich die schwesterschar in einen tanz. Wieland bei Campe. III@5@dd) in einer fügung, die an das umschlingen mit einem bande anknüpft (vgl. II, 2, a): drum schlinge sich jedes christenkind in der liebe rosenbande. Iffland 3 (1844), 53 (mann v. wort 2, 6). III@66) mit abstracten subjecten verbunden: sein (Gotters), für freundschaft und geselligkeit geschaffener, geist schlang sich um jedes trauliche fest, um jeden tag einer häuslichen freude, um jedes ereignisz, und hob und verschönerte so, durch poesie und scenerey, das tägliche leben zu einem lieblichen spiel. Schlichtegroll bei Gotter 3, xiv; während er sie unterhielt, beobachtete er Gustavs beobachten oder erröthendes staunen, der noch in seinem leben vor keiner solchen frau gestanden war, um welche sich alle reize herumschlangen, verdoppelten, einander verloren, wie dreifache regenbogen um den himmel. J. Paul uns. loge 2, 43; dreymal hat nun der mond die erde schon gegrüszet, seit sich der schmerz um eure (der augen) nerven schlang. Göckingk 3, 41; denn, wie ein schmied, im feuer glied an glieder zur ehrnen, ungeheuren kette fügt; so schlingt in greuel sich ein greuel wieder, durch laster wird die lasterthat gerügt. Göthe 11, 320. IVIV. besonderheiten im gebrauch der participien. IV@11) das part. präs. erscheint auch in neuerer sprache intransitiv, doch ist hier an die nicht seltene auslassung des reflexivpronomens bei dieser form (wie beim infin., s. unten VI) zu erinnern: die häupter in den wolken sind gekrönt, die füsze schlangenartig ausgedehnt, verschlungen schlingend mit sich selber ringend, doch alle klappernd nur auf mich gespitzt. Göthe 13, 293. IV@22) das part. prät. wird auch in neuerer sprache in verbindung mit substantiven, die einem äuszeren object im transitiven verhältnis entsprechen, im gegensatze zu eigentlich transitiven fügungen dieser art ohne adverbiale zusätze der richtung (um, in, durch, vgl. II, 2, a) gebraucht, was sich durch die adjectivische natur dieser form erklärt: (es ist) so reizend, mit geschlungner hand, an einer gähen tiefe rand auf morschen stegen sich zu führen. Gotter 1, 8. reflexivem gebrauch entsprechend (vgl. III, 4), im bilde: ihr (der kunst) lichtpfad, schöner nur geschlungen, senket sich in die sonnenbahn der sittlichkeit. Schiller 6, 267. in technischer sprache: geschlungene röhre an der posaun, tortilis Frisch 2, 200a. VV. sonstige technische gebrauchsarten. V@11) schlingen, im nehen, fila nectere, nodos facere Frisch 2, 200a; ausnähen: geschlungene schnupftücher, überröcke Hügel 139b; ein meister von Armênen der hete die Sirenen mit golde drin (in den mantel) geslungen. Heinr. v. Neustadt Apoll. 560; auch kan ich stricken schleyr und hauben, porten schlingen auff röck und schauben, von gold, silber und perlein rein. Ayrer 963, 34 Keller; auch hat sie können weben und sticken, nehen, schlingen, würcken und stricken. 1694, 21; im bilde: so wolt ich in der chunsten ram in golt, in seyden slingen. Suchenwirt 44, 87. V@22) brezeln schlingen, krümmen, torquere Frisch 2, 200a. V@33) reime schlingen, carmina condere, fundere Stieler 1854. VIVI. substantivierter infinitiv das schlingen, captio, nexus, ligamentum Stieler 1855. Adelung: [] wurmes slingen, vogels swingen, visches vluʒ, brenget den guʒ ûwers lobes dem (gott) ot hin. pass. 692, 3 Köpke; der slangen slingen spehe ich ouch. Frauenlob 107, 12; wobei denn immer die spirale tendenz (im wachsthum der pflanze) zum vorschein kommt und sich im winden und krümmen und schlingen darstellt. Göthe 55, 102.
23227 Zeichen · 364 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Schlingen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Schlingen , verb. irreg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben bekommt. Imperf. ich schlang, (i…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ¹schlingen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 schlingen 1 etw/sich legen, auch: binden, vereinzelt für: etw mit etw umgeben; meist ‘etw um jdn/etw s.’, auch mit Sac…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schlingen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Schlingen oder Schlucken (deglutitio) , nennt man die physiologische Thätigkeit. durch welche feste oder flüssige Stoffe…

  4. Sprichwörter
    Schlingen

    Wander (Sprichwörter)

    Schlingen 1. Am Schlingen gehen mehr zu Grunde als am Ringen. 2. Früher nicht zu schlingen (bändigen), jetzt nicht zu fi…

  5. Spezial
    schlingen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schlin|gen (schlang, geschlungen) vb.tr. 1 (winden um, um etwas legen) lié incëria, mené incëria, mëte incëria, intorcor…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlingen

66 Bildungen · 18 Erstglied · 44 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schlingen 2 Komponenten

sch+lingen

schlingen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlingen‑ als Erstglied (18 von 18)

schlingenbaum

DWB

schlingen·baum

schlingenbaum , m. der kleine mehlbaum, viburnum lantana Pritzel-Jessen 434 b ( quelle von 1763). Tabernaemont. (1664) register ( im text st…

schlingenbeere

DWB

schlingen·beere

schlingenbeere , f. , dasselbe wie das vorige Jacobsson 7, 237 b , wo bemerkt wird, dasz man die langen schösse der pflanze zu vogelschlinge…

schlingen II

RhWB

sch·lingenii

schlingen II PfWB das Zeitw., das eigentlich als schlinden (mhd. Lexer slinden ) aufgeführt werden müßte, ist in der Lautung u. Flexion mit …

schlingen III

RhWB

sch·lingeniii

schlingen III PfWB dies Zeitw., wie schlingen II lautend u. flektierend, ist bezeugt aus Trier-Stdt , aus dem Berg u. Rip (wie bei schl. II)…

schlingenstein

DWB

schlingen·stein

schlingenstein , m. schleuderstein, in älterer sprache: glans, slingenstein Dief. 264 c , nov. gloss. 194 a , auch schlingstain ebenda. vgl.…

Schlingenstellen

DRW

schlingen·stellen

Schlingenstellen, n. Jagd mit einer Schlinge (II), häufig verboten soll auch hiemit daß schlingenstellen, haaßenschießen vndt laußen, so wei…

schlingenwerfer

DWB

schlingen·werfer

schlingenwerfer , m. schleuderer, in älterer sprache ( vgl. schlinge I): und die stat ward umb gegeben von den schlingenwerffern. bibel von …

schlingen als Zweitglied (30 von 44)

Überschlíngen

Campe

Überschlíngen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen), ich überschlinge, überschlungen, zu überschlingen , auf der Oberfläche mit Schlingen übe…

Únterschlingen

Campe

Х Únterschlingen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen), ich schlinge unter, untergeschlungen, unterzuschlingen , hinunterschlingen, niedersch…

²ABSCHLINGEN

DWB2

DWB2 2 ABSCHLINGEN vb. DWB2 zu schlingen ‘ winden, flechten ’. losschlingen: DWB2 DWB2 1609 doch nicht, das solch gemachter herr/ der mensch…

anschlingen

DWB

anschlingen , injicere, innectere. die ältere und die heutige sprache verwenden dies wort nur in starker form, schwache erscheint im 17 jh. …

aufschlingen

DWB

auf·schlingen

aufschlingen , nodum figere und solvere: bande aufschlingen, auflösen. Lohenst. Arm. 2, 1049 .

beschlingen

DWB

beschlingen , constringere, irretire, schlingen über einen werfen. Stieler 1854 .

durchschlingen

DWB

durch·schlingen

durchschlingen , durchflechten, intertexere, implicare Stieler 1855 . 1 1. untrennbar. ein durchschlungener namenszug, ein verzogener. rosen…

einschlingen

DWB

ein·schlingen

einschlingen , innectere, circumplicare, verschlingen, vgl. schw. inslunga, dän. indslynge: perlen, koralien einschlingen, auf eine schnur z…

entschlingen

DWB

ent·schlingen

entschlingen , solvere, aus der schlinge lösen: den knoten zu entschlingen, läszt Bav den gott aus einer wolke springen. Wieland 31, 116 ; v…

erschlingen

DWB

ersch·lingen

erschlingen , devorare, glutire, verschlingen, mhd. erslinden: alse jenre Leviathan sô girlîche irslunde den menschen âne sunde. Hartman vom…

Fortschlingen

Campe

fort·schlingen

Fortschlingen , v . unregelm. ( s. Schlingen ). I) intrs . u. trs . fortfahren zu schlingen. II) rec . Sich fortschlingen , sich schlingend …

herschlingen

GWB

hersch·lingen

herschlingen a ‘die Arme um jdn h.’: jdn heftig umarmen er [ Werther ] schlang seine Arme um sie [ Lotte ] her, preßte sie an seine Brust AA…

herumschlingen

GWB

herum·schlingen

herumschlingen Getrenntschr GWB B36,107,10 ; refl 1 etw (kranz-, ring-, spiralförmig uä) umgeben, so gelegen, angeordnet sein, sich entwicke…

Hinabschlingen

Campe

hinab·schlingen

◬ Hinabschlingen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen ), in die Tiefe schlingen, hinunterschlingen, verschlingen. Uneigentlich. — eh schlänge…

Hinaufschlingen

Campe

hinauf·schlingen

Hinaufschlingen , v . unregelm. ( s. Schlingen ). I) trs . 1) Vermittelst einer Schlinge in die Höhe befestigen. 2) Wie durch einen Schlund,…

hindurchschlingen

GWB

hindurch·schlingen

hindurchschlingen refl 1 räuml-konkr: sich durch etw durchwinden, -schlängeln bald schlang sie [ die Schlange ] sich zwischen den Zacken gro…

hineinschlingen

GWB

hinein·schlingen

hineinschlingen [ Reineke: ] er [ Isegrim ] fiel über die Hälfte [ des erbeuteten Schweins ], | Schlang begierig hinein [ Reinke de Vos: ath…

hinschlingen

DWB

hinsch·lingen

hinschlingen , verb. : ein band ist um die laute hingeschlungen; ein kraut, welches sich auf dem boden hinschlingt; hier ( in Moritz' prosod…

Hínterschlingen

Campe

hinter·schlingen

Х Hínterschlingen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen), ich schlinge hinter, hintergeschlungen, hinterzuschlingen . 1) Hinter eine Sache sch…

Hinunterschlingen

Campe

hinunter·schlingen

Hinunterschlingen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen ), durch den Schlund in den Magen vermittelst eines Druckes im Schlunde gelangen mache…

Hinwegschlingen

Campe

hinweg·schlingen

◬ Hinwegschlingen , v. trs . unregelm. ( s. Schlingen ), Campe verschlingen. »Aber nun hat ihn (den Freund) der Abgrund hinweggeschlungen .«…

ineinanderschlingen

GWB

ineinander·schlingen

ineinanderschlingen Getrenntschr ‘in einander/ineinander schlingen’ ‘sich i.’, ‘ineinandergeschlungen sein’, bildhaft u metaphor: miteinande…

Kleinfischlingen

PfWB

Klein-fischlingen ON : Dorf im Kr. LA, Klääⁿfischlinge. Neckname: Fischlingeʳ Spatzeroppeʳ [PfL 15. 1. 1927]. —

mitschlingen

DWB

mit·schlingen

mitschlingen , verb. vereint schlingen; reflexiv: ein so begabter geist blickt, nach eigentlichst orientalischer weise, munter und kühn in s…

Nachschlingen

Campe

nach·schlingen

Nachschlingen , v. intrs . unregelm. ( s. Schlingen ), nach Anderem, hinten nach schlingen. D. Nachschlingen. D. — ung .

niederschlingen

DWB

nieder·schlingen

niederschlingen , verb. , transitiv, umschlingend niederziehen: wer nicht handelt, ist todt! niedergeschlungen in kothigte faulheit, hat er …

Ableitungen von schlingen (4 von 4)

beschlingen

DWB

beschlingen , constringere, irretire, schlingen über einen werfen. Stieler 1854 .

entschlingen

DWB

entschlingen , solvere, aus der schlinge lösen: den knoten zu entschlingen, läszt Bav den gott aus einer wolke springen. Wieland 31, 116 ; v…

erschlingen

DWB

erschlingen , devorare, glutire, verschlingen, mhd. erslinden: alse jenre Leviathan sô girlîche irslunde den menschen âne sunde. Hartman vom…

verschlingen

DWB

verschlingen , verb. schlingend hinunterschlucken, mhd. in der früheren zeit nicht nachgewiesen, erst aus glossarien des 15. jahrh. aufgefüh…