zufall,
m. ,
mhd. zuoval
mhd. wb. 3, 223
a; Lexer 3, 1198,
mnd. toval,
nl. toeval,
hat seine anwendungen im anschlusz an zufallen
entwickelt und nur zum theil an ähnliche bildungen anderer sprachen, vgl. Paul
wb. 572.
anord. tilfall, tilfelli,
schw. tilfälle,
dän. tilfælde
sind dem mnd. nachgebildet. 11)
räumlich von starkem andrang: wie eine orgel nach ihren hauptstücken, als mensuriren ..., zufall des windes ... zu erbawen J. P. Bendeler
organopoeia (1690) 1
a;
affluens studiis locus ein ortt in welchem wol zelernen ist ... und darvon ein grossen zuofal hat Frisius 61
a.
noch mundartlich auf der Schnee-Eifel z. f. d. maa. 1913, 130.
insbesondere vom zulauf zu einer person, dann parteinahme: wenn ein prediger .. einen grossen anhang und zufall hat Luther 17, 1, 238
W. (zufall
und anhang
öfter bei Luther
verbunden); dasz weil der ab- und zufall der Langobarden .. ein gefährliches feuer in Deutschland anzuzünden schiene, er beyde .. zu vergleichen sich bemühen wolte Lohenstein
Arminius 2, 1384
a.
weiter '
beistand': S.
Bernhart, der ... klagete, das ihm so sawr würde recht zu beten und nicht künde ein vater unser on frembde zufelle ausbeten Luther 28, 77
W.; es geschach aber der predigt bald hernach ein zufal oder beystandt von den burgern, so das man die kirchen öffenen solte H. Dorpius
evangelium zu Münster (1536) a 4
b.
daran schlieszt sich '
beifall, beistimmung': Alberus (1540) k k 2
a; ir werdet des von vilen zuofall und lob haben J. v. Schwarzenberg
büchl. v. zutrinken 21
ndr.; zufall geben C. Scheit
frölich heimfart b 1
b; H. v.
d. Planitz
berichte aus d. reichsregiment 28, 9
Wülcker- Virck, tun Hedio
Tertullian von der geduld (1546) 2
a; mit gmeinem zuofal S. Franck
chr. germ. (1538) 125
a; ein redner hat groszen zufall Müller-Fraureuth
obersächs. wb. 2, 714
b. 22)
es ist das, was einem zufällt 2@aa)
als besitz oder vortheil, selten allgemein: ein zuoflusz oder zuofal alles guoten Frisius 469
a (
ähnlich 14
b; 1274
a); das hertz warde ihm frölich in disem seltzamen zufall der gefangnen
buch d. liebe (1587) 218
c.
in der älteren sprache sind zufälle
regelmäszige, rechtmäszige einkünfte: Diefenbach 200
c;
nov. gl. 149
a; etlich zöll und zufell vom marckt und der wag und zins ausz etlichen heusern
chr. d. städte 3, 163 (
Nürnberg 1488); so gibt es
auch nach jedlichem ortsgebrauch andere zufälle, meszgeld, sackgeld ... straffgeld Frh. v. Hohberg
georg. curiosa (1692) 1, 52.
ebenso mnd. tobeval Schiller-Lübben 4, 554
a. 2@bb)
als einfall: mir ist ein guoter zuofall komen
N. Manuel 223
Bächtold; woher solten sonst die Römer offt solche feine zufelle, rad und witze gehabt haben? Luther 23, 513
W.; und wer kan sich doch über des listigen staatsmannes nachdenkliche zufälle gnugsam wundern Rist
friedejauchzendes Teutschland (1653) 125.
dazu die belege aus Fischart
bei zuberklaus
und zuberklausisch
und aus Dürer
th. IV I 2, 3298
mitte. mundartlich noch in Obersachsen: er hat einen grausamen zufall '
einer der sich nicht lange besinnt' Müller-Fraureuth 2, 714
b. 33)
in verschiedenen anwendungen schlieszt sich zufall
an lat. accidens an, das dem συμβεβηκός des Aristoteles im gegens. zur οὐσία entspricht. thes. l. lat. 1, 296
f., s. auch accidere 295,
frz. accident dict. d. l'ac.7 15
b. 3@aa)
dem scholastischen accidens und accidentia folgt neben der allgemeinen logischen verwendung die theologische der deutschen mystik (
dafür früher zuoschiht Frauenlob
Marienleich 16, 12
Pfannmüller):
accidens eyn zufalle
voc. ex. quo Eltvil; Diefenbach 7
b; den understant woltent sú wissen; den zuoval wustent sú wol Tauler
pred. 58
Vetter; wan götliche nature enpfohet keinen zuoval 69; wan daz heizet zuoval, daz dez understanden wesenheit zuo und abe vellet ane des understandes zerstörung, als dú varw tuot an dem brete Seuse 162
Bihlmeyer; dann wird daz bley zu gold, dann fällt der zufall hin, wann ich mit gott durch gott in gott verwandelt bin Angelus Silesius
cherub. wandersmann 23
ndr. allgemein: geschöpffe, die .. mit mancherley zufällen bekleidet seindt A. Comenius
jan. iv
ling (1644) 6; die kunst der practik steckt darin, dasz man die zufälle selbst unter das joch der wissenschaft .. bringe Leibniz
d. schr. 1, 320; dasz die ganze künftige welt in der gegenwärtigen stecke und vollkommentlich vorgebildet sey, weil kein zufall von auszen weiter dazu kommen kann, denn ja nichts auszer ihr 2, 49.
in der grammatik wie auch im frz. Darmesteter-Hatzfeld 1, 19
b:
adjunctum der zufall, anhang, zugefügtes J. Orsäus
nomenclator method. (1623) 13; (
die endung) keit ... enderet ... die wesentliche deutung (
des stammwortes) nicht, sonderen veruhrsachet den verstand eines anderen zufalles (
ableitung), nemlich der gehorsamkeit J. G. Schottel
t. sprachkunst (1641) 135.
von orthographischer bezeichnung: sie (
die deutschen buchstaben und wörter) sind ... einlautend, die durch einen natürlichen zufall den gehörigen laut veruhrsachen
t. haubtspr. (1663) 59. 3@bb)
in den naturwissenschaften waren zufälle
unterscheidende eigenschaften der stoffe: M. Herr
feldbau (1551) 30
b; Schweickhart graf v. Kelfenstein
Basilius Magnus (1591) 32.
dann von auszen herantretende störungen: affectio astrorum ordnung, zuofäl, oder enderung desz gestirns Frisius 59
a; also verlieren sie (
die windsterne) ihr arth von den eussern zufellen. so ist aber solches nit allemahl, sondern allein mit zufall Paracelsus
opera (1616) 2, 103
a; alles dies beweist, dasz die flecken durch zufälle oder durch revolutionen auf der sonne entstehen
F. th. v. Schubert
verm. schr. 3, 64. 3@cc)
in der medizin wurde es allgemein bis ans ende des 18.
jhs. als entsprechung von symptoma
u. accidens
gebraucht Stieler 424.
zunächst bezeichnete es eine von auszen an den normalzustand hinzutretende störung, dann die wahrnehmbare krankhafte erscheinung im gegensatz zum wesen der krankheit. die beiden bedeutungen gehen nicht blosz neben, sondern auch durch einander, s. Blancard
med. wb. (1710) 528
und viele stellen bei Bremser. 3@c@aα) zufall
als krankhafte störung, wie accidentia morbus, infortunium Ducange 1, 46
a: Frisius 25
b; 421
b; 1346
b; alleyn der mensch hat vilerley zuofell der augen. dahär die zuonammen der schyler und glaurer härkummen H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 207; daher zufälle der verdauung immer die ersten symptome der krankheiten sind Hufeland
kunst, d. menschl. leben zu verlängern (1797) 260. 3@c@bβ)
anzeichen, symptom: indicia morborum, symptoma ein zufall J. Orsäus
nomencl. method. (1623) 218; die eptesin ob dem zufal der geschwulst sie (
die schwangere nonne) stark examiniert A. Metzger
in J. Freys gartenges. 193
Bolte; etliche, die eben solche zufäll oder symptomata haben, als ob sie von wütenden hunden gebissen weren Fischart
bienenkorb (1588) 270
a; er beschreibet die krankheit, erzählet ihre zufälle
allg. d. bibl. anh. zu 25—36, 529; von den mannigfaltigen zufällen dieser krankheit hebe ich nur ein paar zufälle aus: er brauchte einige monate um einen einzigen brief schreiben zu können Zimmermann
einsamkeit 2, 227. 3@c@gγ)
zu einer krankheit hinzutretende erscheinungen, '
complicationen'
: symptoma ein zuofall neben der kranckheit Golius 315; zu diesen bösen gifftigen brennenden blattern sind ... andere zufäll kommen Schupp
schr. (1663) 164; Bremser 270. 3@c@dδ)
die krankhaften erscheinungen: schädliche zufälle Wirsung
arzneib. (1588) 31, gefährliche z. Sebiz
feldbau (1579) 90; üble z.
allg. d. bibl. 1, 122; katarrhalische Bremser 258; 262
u. ö.; schnupfen, kopfweh und andere z. Lichtenberg
verm. schr. 1, 372; körperliche z. Göthe IV 10, 211
W. vom wein Sebiz
feldbau 529,
allg. d. bibl. 97, 529. 3@c@eε)
das einzelne auftreten eines krankhaften zustandes, heute anfall: Epponilla machte sich so stark, dasz sie in wenig tagen nach diesem zufall (
ohnmacht) wieder ausginge A. U. v. Braunschweig
Octavia 3, 74; zu der wiederherstellung von dem sonderbaren zufall (
fieberanfall) habe gleichfalls glück zu wünschen Göthe IV 32, 140
W.; habt ihr den garst'gen zufall da schon lang Schiller 12, 172
anm. G. besonders vom podagra E. Th. A. Hoffmann 3, 199
Grisebach und schlagflusz Lessing 18, 167
M.; J. Möser 5, 114; Moltke 6, 156.
jetzt lebendig und volksthümlich von krampfhaften und nervösen anfällen: sie bekömmt einen zufall über den andern Gellert
w. 3, 344; sie hat ihre zufälle; hysterische zufälle; der husten des jungen und die bräuneartigen zufälle Mariechens Bismarck
br. an braut und gattin 184. 44) zufall
ist vorfall, ereignis: eventus voc. theut. (1482) m 4
b; Dasypodius 257
a; 467
b; etwas das sich zuotragt Maaler 526
a. 4@aa)
der vorfall tritt von auszen heran als ereignis, wirkung, erlebnis; so muostu glouben, das die gerechtigkeit so da wider solichen frembden zuofal (
die erbsünde von Adam her) erfordert wirt, auch frembd und uszwendig har ... dir mitgetheilt und verlyhen ... muosz werden P. Gengenbach 193
Gödeke; die solten bedenken, das die elteren an den kindern nicht allein helfer ..., sondern auch aller zufäll mittheilhaftige erzeugen Fischart
philos. ehzuchtbüchl. 191
Hauffen; der kinder zuflucht und schutz in ihren zufällen pflegen ihre eltern zu seyn A. Olearius
verm. reisebeschr. 17
a (
pers. rosenthal); wenn wir ... unser gemüte wieder die zuefälle dieses lebens auszhärten Opitz
d. poeterei 57
ndr.; die zufälle des menschen Chr. Wolff
gedanken von der menschen thun u. lassen (1720) 95; menschliche zufälle Frisius 1338
a; Schottel
friedens sieg 11
ndr.; das gewebe der menschlichen zufälle Wieland
Agathon (1766) 1, 10; dies ist die geschichte meiner zufälle Bürger 262
a Bohtz.; gewisz ist der traum ... kein unwirksamer zufall in meinem leben gewesen Novalis 4, 58
Minor. 4@bb)
der zufall
wird als wirkung des glücks bezeichnet: die mannigfaltigen zuofell des gelückes
N. v. Wyle
translat. 124
Keller; in allerley verenderung und zuofall des glücks sich wissen zuschicken Xylander
Polybius 1. 4@cc)
es ist vorgang, vorfall, vorkommnis schlechthin: das Martinus Luther ein hailiger mann sey gewesst, bezeügen die erschröcklichen zuofäll nach seinem tod J. Nas
antipapist. eins u. hundert 2, 166
a; der Deutsche sprengte bey diesem zufall (
des gegners pferd ist gestürzt) etliche mal umb seinen feind rings umb her Lohenstein
Arm. 1, 33
b; landgerichtliche zufähl, als schwere gotteslästerungen, diebstall, ehebruch, todschläg
österr. weist. 11, 86 (1755); bey hochzeiten, auch in andern glückwünschen bey fröhlichen zufällen Gottsched
vers. e. crit. dichtkunst (1751) 674; das ganze abenteuer mit allen seinen zufällen und zubehören Fr. Jacobi 1, 62; die stadt mit .. den .. verwirrenden zufällen Görres
briefe 3, 12.
gelegentlich übergehend in zustände: die zufälle wären eine weile so verwirrt, .. gewest, dasz auch der fürsichtigste auff so glattem eisse habe gleiten ... müssen Lohenstein
Armin. 1, 11; in unterthänigen zufällen (
im unterthanenverhältnis)
österr. weist. 11, 91 (1755). 4@dd) zufälle
sind vorfälle, die unversehens kommen: in gehem zuofal S. Franck
sprichw. (1541) 1, 146
b; die ungefähren zufälle S. v. Birken
ostländ. lorbeerhain 64; in unversehenen, plötzlichen zufällen Lehmann
floril. pol. 2, 634; wegen eines unvermutheten zufalls Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 376; die ungewisse zufälle des krieges Chemnitz
schwed. krieg 1, 53. zufälle
sind wunderlich Lohenstein
Arm. 1,
vorber. c 2
a; seltsam 1, 6
b. 4@ee)
selten wird der vorfall als glücklich bezeichnet: wer ist der? der nit desselben gelückseligen zuofale tuo begeren
N. v. Wyle
translat. 57
Keller. allgemein gilt ein zufall,
als von auszen kommend, als widrig und störend, oft wie zwischenfall,
vielleicht in späteren belegen an frz. incident anlehnend: suhte oder betrüpnisse oder ander zuovelle Tauler
pred. 35
Vetter; das gelück betreugt und bringt zuofal den menschen Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) e 3
a; mehltau und gifftiger regen, schlossen, raupen, frost und andere zufälle J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 296; bis ein unvermutheter zufall sie nöthigte, wieder in ihre heimat zu kehren Rabener 1, 192; ein zufall, der die illusion sehr unterbrach (
eine puppe fällt herunter) Göthe 21, 26
W. es wird im 18.
jh., vielleicht unter einflusz von frz. accident geradezu '
unfall': der höchste stärke geist und leib, kein zufall kränke haupt und glieder! Gottsched
ged. (1751) 265; meine ganze familie besinnt sich noch auf einen zufall, vor dem mein vater durch hülfe der ahnung ... bewahrt wurde Jung-Stilling
s. schr. 6, 435. 55)
während die bisherigen bedeutungen nur noch vereinzelt in festen verbindungen weiterleben, bezeichnet der zufall
heute in freiem vorkommen das unberechenbare geschehen, das sich unserer vernunft und unserer absicht entzieht. diese bedeutung konnte sich zwar aus den älteren, 4
und auch 3,
vgl. zufällig 3,
entwickeln, und so findet sich zufall
als lexicalische verdeutschung von fors, fortuna Diefenbach 244
a,
von it. caso Hulsius (1618) 1, 284
a,
von lat. casus Calvisius (1616) 3
b,
auch gesellt es sich einmal zu glück: so viel inen auch mglich, setzen sie nicht dem glück oder zuofall heim H. Pantaleon
wahrhaftige bestätigung (1571) 1.
aber der bedeutungswandel hat sich erst im 17.
jh. vollzogen. seitdem die causalität das wichtigste problem der philosophie und die gesetzmäszigkeit die grundlage der naturwissenschaft geworden war, brauchte man ein wort um das zu bezeichnen, dessen ursache unbekannt ist. eine ähnliche umwandlung hat, kaum viel früher, das frz. hasard
durchgemacht, das, ursprünglich ein würfelspiel bezeichnend, sich im gebrauch erweitert hatte, aber jetzt erst la cause ignorée d'un effet connu Voltaire (
s. Littré 2, 1987)
wurde. daher ist diese einwirkung von hasard
auf zufall
nicht ausgeschlossen. jedenfalls zeigt sich die neue bedeutung nur bei schriftgelehrten verfassern und gewinnt erst im zeitalter der aufklärung ausbreitung und oberhand. volksthümlich wurde sie dann im 19.
jh. (
s. d. bel. aus Tieck
bei 7).
frühere belege: was auff keinen grund gericht und ausz zufall nur entbricht (
entsteht), ist plump ding; man acht es nicht. Logau 168
Eitner (
vgl. th. 3, 501); denn diese (
anapäste) gleichsfalls aus einem zufall ... erwachsen können A. Buchner
anleitung zur poeterei (1685) 118. 5@aa)
der zufall
als die unberechenbare macht: er hielte den verlust des ringes und Alfelslebens verwundung für einen bloszen zufall Lohenstein
Arm. 1, 102
b; die erkenntnisz ..., dasz in der welt kein blinder zufall statt finde A. G. Kästner
verm. schr. 1 (1755) 1; er habe den ursprung des himmels dem blinden zufalle ... zugeschrieben Gottsched
d. neueste a. d. anm. gelehrs. 6, 838; diese launische unerklärbare macht, welche man glück oder zufall nennt Wieland
Agathon 2 (1767) 213; vorhin, da ich ... jungen und alten schönen, so wie sie der zufall mir zuführte, eine schmeichelei sagen durfte J. Möser 5, 114 (1842); im roman darf der zufall mithandeln, aber der mensch musz dem zufall eine form zu geben suchen Göthe
gespr. 1, 170
Biedermann; der dichter betet den zufall an Novalis 9, 4
Minor; der zufall ist der gott der reisenden Hebbel
tageb. 3, 330; abgesehen davon, dasz arithmetik und zufall bei den majoritätsvoten an die stelle logischer begründung treten Bismarck
ged- u. er. 1, 31
volksausg. 5@bb)
der zufall
wird der von der vernunft angenommenen gesetzmäszigkeit und nothwendigkeit gegenüber gestellt: (
der forscher) sucht das vertraute gesetz in des zufalls grausenden wundern, sucht den ruhenden pol in der erscheinungen flucht Schiller 11, 80
G.; das gewebe dieser welt ist aus nothwendigkeit und zufall gebildet Göthe 21, 108
W.; wir schreiben dem zufall die wirkungen zu, deren ursachen wir nicht sehen Fr. A. Lange
g. d. materialismus 198,
oder dem höheren walten, der vorsehung: es gibt keinen zufall, und was uns blindes ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten quellen Schiller 12, 249
G.; alles was wir zufall nennen ist von gott Novalis 2, 102
Minor; man sah wohl, dasz sie nicht zufall zu einander gebracht, etwas geheimes zog und hielt sie so liebevoll nebeneinander maler Müller 1, 84; frau von Vorsehung, geborene Zufall, hat sich dieszmal noch ganz ordentlich gehalten Vischer
auch einer8 1, 79. 5@cc)
formelhaftes: der blinde, blosze zufall,
bel. bei a; absicht oder zufall? Fontane I 4, 261; zufall und willkür E.
M. Arndt 1, 153; willkür und zufall sind die elemente der harmonie Novalis 2, 195
Minor; zufall und laune Treitschke
d. gesch. 1, 233; das spiel des zufalls Göthe 2, 147
W.; Hegel 10, 1, 41; B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 200; das fragespiel mit zufalls antwort Göthe III 1, 43
W.; der zufall der geburt (
vgl.b) Lessing 3, 88
M. (
Nathan III 5); etwas dem zufall überlassen
N. D. Giseke
poet. w. (1767) 28, preisgeben D. Fr. Strausz 6, 63; 251; der zufall wollte, dasz Archenholz
England u. Italien I 2, 455; nun wollte es der zufall, dasz E. Th. A. Hoffmann 6, 144
Griseb. (
vgl. zufällig 4 a); das ist kein z. Fontane I 5, 205; zufall! (
ablehnend) Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 20; durch z. Göthe 23, 66
W.; IV 28, 62
W.; durch z. oder schickung 22, 12
W.; aus z. III 1, 322; IV 42, 71
W. 66)
nunmehr bezeichnet zufall
einen einzelnen durch den zufall
herbeigeführten vorgang. das berührt sich mit 3
und 4,
aber der sinn ist umgedeutet: erhielte ich solche (
millionen) durch einen auszerordentlichen zufall Gottschedin
briefe (1771) 1, 41; indem er meint, in unendlich vielen zufällen könne allerdings eine welt entstehen A. v. Haller
tageb. s. beob. 1, 18; doch hätt auch gleich ein zufall der natur sie hingerafft — wir hieszen doch die mörder Schiller 12, 441
G. (
Maria Stuart I 8); es ist ein böser zufall 12, 212
G. (
Wallensteins tod I 3); da hinter allen diesen wunderbaren zufällen (
im Wilhelm Meister) ... nichts steckt als die erhabenste poesie Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 175; wir klugen zwerge, mit unserem willen und unseren zwecken, werden durch die dummen, erzdummen riesen, die zufälle belästigt, über den haufen gerannt Nietzsche 4, 130.
so spricht man von einem glücklichen, unglücklichen, günstigen, ungünstigen, seltsamen, närrischen, albernen zufall. durch einen zufall
ist in der anwendung dasselbe wie durch zufall. 77)
in der bedeutung von zufallen 4 '
sich fallend schlieszen'
nur im wortspiel: täglich hört man: durch einen zufall ging die thür auf: nein, wenn sie zugeschlagen wird ..., dann ist es ein zufall, ... die maschinerie der mausfallen beruht einzig auf einem zufall Tieck 3, 19; der zufall is e kellerdiehr Askenasy
Frankfurter ma. 41. 88)
fachsprachlich im bergbau: von geschicken und andern zufällen L. Ercker
beschr. aller miner. erzt (1580) 2
a; die salzburgische salzberge sind durch einen zufall eingegangen Lori
bair. bergrecht XVI.
in der malerei sind zufälle,
wie frz. accidents dict. de la l'ac.7 1, 15
b,
nebenlichter Jacobsson 4, 720
b; Chr. L. v. Hagedorn
betracht. über die malerei (1723) 673. 99)
zusammensetzungen erscheinen erst seit dem 19.
jh. mit zunehmender häufigkeit. die bedeutung ist immer die von 5,
z. b.