zufallen,
v. ,
mhd. zuovallen
mhd. wb. 3, 217
b; Lexer 3, 1188,
frühnhd. viel und mannigfach belegt. 11)
räumlich: do muosz man ein grosz ... arbeit haben, das wasser so sthets zuofalt, zuo erschöpffen S. Münster
cosmogr. 13; die wassermasse .., welche dieser tiefe zufällt Ritter
erdk. 1, 245; ein ... nach allen seiten dem meere zufallendes ... gebirg Göthe 41, 2, 207
W.; er (
der platz des tempels) liegt in einem winkel und man fällt gleich darauf zu Archenholz
England und Italien (1785) 2, 194.
auf jemand losstürzen, um ihn zu ergreifen wie zufahren Diefenbach 310
a: wo das aasz ist, da werdend auch die adler zuofallen
Züricher bibel Luc. 17, 37; in dem augenblick, da sie stillschweigen, fallt zu und nehmt gefangen wen ihr in dem garten findet Göthe 17, 226
W.; mit nicht geringem appetit folgte Hans der einladung seines führers (
zum essen) und 'fiel zu' W. Raabe
hungerpastor 2, 77.
in derselben bedeutung von der zeit, nur gelegentlich: also in zufallender nacht han die Burgundischen mit vast brennenden scheuben feuer gemacht
urk. betr. die belagerung d. stadt Neusz 103 (1475).
übertragen: widerumb .. seiner art und natur zuofallen Frisius 1121
a; Maaler 526
a; und je keuscher, ... sie (
die weiber) gehalten, je eher sie dem hexenwercke zufallen Prätorius
Blockesberges verrichtung (1688) 196. 22)
von hier aus ergeben sich verschiedene anwendungen, die besonders dem 16.
jh. eigenthümlich sind. 2@aa)
eine handlung eilig, heftig, blindlings beginnen wie zufahren 4: da felt denn der pöfel zu: hui, hat es got geredt, wer wil dawidder reden Luther 24, 11
W.; szo fellt der gantz hauffe tzu und fasszet den most yn seyn alten schlauch und vertirbt 10, 2, 27
W. 2@bb)
wie zulaufen,
einem führer, einer partei sich anschlieszen: got macht das viel leute dem evangelio zufallen 19, 136
W.: in der scene, wo Lenox Darnley's leiche bringt und das volk dem toten wieder zufällt O. Ludwig 5, 402; Mansfelds anhänger und zugefallne
acta publica 6, 87
Palm. 2@cc)
beistimmen, wie beifallen,
so auch mnd. tovallen
chr. d. städte 7, 16: Frisius 127
a; Kramer 1, 333
b; wo er aber mir ein exempel seines troppes yn der schrifft kund zeigen, so solt er gewonnen haben und ich wolt yhm yn allen stücken zufallen Luther 26, 382
W. vgl.: und etliche fielen zu dem, das er saget, etlich aber glaubten nicht
apostelgesch. 28, 24. 2@dd)
wie einem das reife obst von den bäumen, oder sprichwörtlich etwas vom himmel zufällt,
so fällt einem von auszen, ohne zuthun, besitz, glück, vortheil zu: ..., darf er nur leis an den bäumen schütteln, um sich die schönsten früchte ... zufallen zu lassen Schiller
br. 5, 226
Jonas; als ich ... von meinen feyhenden genötiget, ... bist du mir ... mit ... hilfftragender that begegnet, ja mag ich (als das sprichwort ist) sagen, vom himel herab zuogefallen Hutten
op. 1, 448
Böcking; trachtet am ersten nach dem reich gottes und nach seiner gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen
Matth. 6, 33 (
Luc. 12, 31); dann was uns hie abgeht, dass wirdt bey gott erstatt (
wie dem armen Lazarus), was uns hie zufallt, dasz wird uns in jener welt gemindert Paracelsus
op. (1616) 2, 207
a; wer Rom gesehen hat, dem musz alles andre zufallen Göthe IV 8, 150
W. ständig verbunden mit von selbst.
insbesondere wird es von dem gebraucht, was einer von rechts wegen, am häufigsten als erbtheil, auch sonst bei einer theilung, durch loos, als preis erhält: mit allem rechte, als mir in rechtlicher deilunge zuogefallen war
hess. urkundenbuch I 2, 588 (
vom j. 1352); im die gantz graffschafft von wegen seiner gemaheln zuogevallen were Wickram 2, 430
Bolte; jemand ... verspricht dem, welchem der treffer zufällt, 10 thaler Lichtenberg
verm. schr. 9 (1806), 17; der Ruszland zugefallende theil des vormaligen herzogthums Warschau Moltke
ges. schr. 2, 162; zugefallene güter (
ererbte) Kramer 1, 333
c.
zum theil gleichbedeutend mit anheimfallen,
th. 1, 372
f., vgl. Heynatz 1, 156
b: wenn die fruchtniessung oder nutzung eins frömbden guots widerumb dem eigenthumb zuo oder heimfalt Frisius 311
a;
es steht im gs. zu zukommen: indem ihr (
der stiefmutter) höchster wunsch wäre, wenn sie (
die braut) sich nur mit dem tode vermählen wolte, damit sodann das wenige, so der braut von rechts wegen noch zukommt, ihren (
der stiefmutter) kindern zufallen möchte
mediz. maulaffe (1718) 203. 2@ee)
weiter ist es einfach '
zu theil werden', '
begegnen': dieweil ihm vil kinder zufielen, trachtet er stets nach land Stumpf
Schwytzerchr. (1606) 470
a.
oft vom übel, besonders leiblichen, vgl. 3
b:
evenire, sed proprie de malis wenn im etwas unglücks begägnet oder zuofallt ... wenn im etwas zuofiele, oder, wenn er villeicht sturbe Maaler 526
a; nachdem ouch hertzog Albrecht ... heimkam, fiel im zu, dasz er umb ein oug kam Tschudi
chron. helv. 1, 212; nun haben wir vernomen, was sorg und emsigkeit, was angst und not ... den menschen ... zufallen mag Albrecht v. Eyb
d. schr. 1, 86
Herrmann; die strafe, welche einer untreuen frau zufällt, (
ist) eine ganz entsetzliche Ratzel
völkerkunde 2, 69.
heute besonders üblich von einer aufgabe als amt, leistung oder rolle: sider dis ampt von gotes ordnunge ... úch zuogevallen ist ane úwern willen Seuse 381
Bihlm.; sonst wird 'recht schaffen' genennet, wenn einem das urteil zufellet Luther 17, 1, 231
W.; die .. reden des .. helden, dessen rolle ihm zugefallen war Göthe 21, 292
W.; es fiel ihm zu, in der bibliothek wieder ordnung zu schaffen Fontane I 1, 231.
auch von einer persönlichen oder sachlichen beziehung: die liebliche königstochter ..., die ihm als braut zufällt Scherer
gesch. d. d. lit.7 184; dem letzten (
hauptdialect) fallen Slovenen, Bulgaren und Serben zu Göthe 41, 2, 147
W.; die dem ausgang des dreizehnten jahrh. zufallende livländische reimchronik J. Grimm
kl. schr. 2, 283. 2@ff)
ohne dativergänzung hatte es dann auch die bedeutung vorfallen.
gelegentliche einwirkung von accidere
ist möglich: accido zufallen
voc. ex quo Eltvil 1472;
advenire Diefenbach 7
a; Frisius 42
b und weiter in den wbb. bis anfang 18.
jh., üblich aber nicht über das 17.
jh. hinaus: ehem oho also sagt man wenn etwas unversehenlich zuofalt Frisius 465
a; aber als in groszen sorgfeltigen sachen, die gech und schnell zuofallent, der frowen vernunft behender ist danne der mannen
N. v. Wyle
transl. 50
Keller; allerley zuofallende hendel wie sy sich mögend zuotragen Frisius 520
a; zuofallende geschäfft, die heuffigen und gerad auff einanderen uns zuokommend Maaler 526
a; ausz zuofallender not Frisius 551
b; S. Franck
weltbuch (1534) 108
b; einen tag erlengen, dieser tag ist aus zufallenden ursachen und zugestandenen verhinderungen bisz auf n-tag erstreckt Leonh. Schwartzenbach
synon. (1564) 15
a. 2@gg)
ebenso veraltet ist zufallen
für einfallen, s. zufall 2 b: Frisius 73
a; dem goldschmidt von stund an zuofiel, er der sein müst, durch den er seiner frawen list wolt innen werden Lindner
rastbüchlein 9
lit. ver.; vier körb ... mit ... kreuter oder was dir zuofelt A. Dürer
underweisung der messung (1525) j 1
a; weil es zu geschehen pflegt, dasz inen offtermals auch mitten in der fröhlichkeit ... sonderbare sterbensgedanken zufallen H. Albert
Königsberger dichterkreis 70
ndr.; von gefühlen, einzeln: mir faldt zu ain grosz mitlyden Eberlin v. Günzburg 1, 180
ndr. 33)
die bedeutung des '
hinzu'
zeigt sich in bestimmten an das lat. accidens, accidentalis
anschlieszenden an — wendungen, besonders in dem participialadj. zufallend. 3@aa)
von der scholastik in die deutsche mystik und laientheologie aufgenommen, gegenth. wesenlich: was aber got an der creatur ... zuom wesen zuoefallend geben hat Berthold v. Chiemsee
t. theologey 146; zewissen, das zwayerlay nomen sein, ainer ist aigen als Johannes, der ander zuoefallend als tawffer 153; so ist dú schOen krone wesentlicher lon, aber daz gemeit krenzli ist zuovallender lon Seuse 244
Bihlm. (
praemium essentiale, pr. accidentale); yedoch hab ich ... fürgenomen auff die fürgelegten frag zuschreiben und dieselben mit vil hüpschen wortten und zuvallenden stücken ... zu weytteren Albrecht v. Eyb
d. schr. 1, 4
Herrmann. als adv.: dasselbigen eigenschafft ist, so es (
das wasser) zu der congelierung bezwungen wirdt, ausz eigner natur oder zufallende von künsten Paracelsus
op. (1616) 2, 115
a. 3@bb)
in der mediziner-sprache wie zufall: zum dritten, wo ein starcker durchbruch zufellt Chr. Wirsung
artzneybuch (1588) 545
c;
typhaedes febris ein entzündendes zugefallenes fieber,
febris symptomatica ein zufallendes fieber wegen eines verletzten theilsz J. Orsäus
nomencl. method. (1623) 227; zuofallende kranckheyten Gersdorff
wundarznei (1517) 21, 1
b. 44) zufallen
ist sich '
fallend schlieszen' Stieler 424,
oft mit dem nebensinn des endgültigen, unabwendbaren: man hörte die hausthür ... mit gewalt zufallen O. Ludwig 2, 45; ein deckel, eine falle fällt zu; die augen fallen einem (
im schlafe) zu; alles ist hinter ihm zugefallen, und er kann den rückweg nicht finden Tieck
schr. 6, 217; der vorhang fällt zu Gottschedin
br. 3, 46
Runkel; Göthe 37, 228
W.; maler Müller 2, 88; das theater fällt zu Lessing 1, 372
M.; 2, 352.
dies letzte nicht mehr üblich. noch älter: die wunde fällt zu Stieler 424; Kramer 1, 333
b; 2, 1399
c; O. Gäbelkover
arzneib. (1595) 2, 282; das loch (
einer w.) fällt zu Gersdorf
wundarznei (1517) 40
a.
merkwürdig in dieser bedeutung transitiv: ich ... schlug ihm Cain ... und den schecher ... zu bürgen für, und gedachte, er solte das maul über sie zufallen J. Ayrer
hist. proc. juris (1600) 296. 55)
vereinzelt erscheint etwa wie unser eingefallen: Hasdrubal ... sahe, wie die rosz von dem zuog zugefallen und magerer ... worden waren
Frontinus von den guten räthen (1532) 6
a.
vgl. zufällig 2 c. 66)
fachsprachlich verwendet es der bergmann 1)
wie zuscharen,
von gängen und klüften, die sich treffen, 2)
im ggs. zu abfallen: zufallende schichten, geschicke, klüfte, 3)
vom eindringenden wasser, vgl. 1 Veith 594,
und der jäger: zufallen heiszet es, wenn auf eine locke das haselgeflüg, oder auch die rebhühner zufliegen Heppe
wohlred. jäger 343
a.