weihen,
verb. '
sacrare, benedicere'.
got. weihan,
praet. weihaida '
ἁγιάζειν'
mit gleichbed. gaweihan
und weihnan 'geheiligt werden' Feist 312, Streitberg
got. bibel 2, 172,
ahd. wîhen (
aus wîhjan) '
dedicare, sancire, benedicere, initiari, ordinari, exorcizare, offerre' Graff 1, 724
f., Braune
ahd. gramm. § 356,
mhd. wîhen
mhd. wb. 3, 613
f., Lexer 3, 881,
md. wîgen, wîen
das., asächs. wîhian Holthausen
asächs. elem. § 460,
mnd. wîen, wîgen Schiller-Lübben 5, 708,
mit gramm. wechsel anord. vígja Fritzner 3, 939,
mit jüngerem gleitlaut afries. wîga
neben wîa Richthofen 1146,
fries. wije Dijkstra 3, 443,
anfr. wîun Schade 1152
a,
mnl. wîen Verdam 692
a,
nl. wijden
mit jungem hiatfüllendem d Franck
2 793
f., dän. vie,
schwed. viga, norw. vigja Falk-Torp 1376,
somit von den germ. dialecten nur dem ags. fremd Braune
beitr. 43 (1918) 399—403.
im engl. ist der begriff durch roman. wortgut gedeckt: to consecrate, ordain, devote, dedicate.
das secundäre verb. gehört, wie schon Wachter (1737) 1849
richtig angibt, zum adj. 2weich '
heilig' (
sp. 473
f.)
und mit ihm zu lat. victima '
opferthier'
und umbr. eveietu '
er soll geloben' Walde
2 833,
mit dem verbalstamm von weichen
etwa derart zu vermitteln, dasz im ausgangspunkt das zurückstellen des opferthiers, sein absondern von der profanen herde gestanden hätte: Pott
etym. forsch.2 3, 288; Osthoff
idg. forsch. 6, 39
ff. bedenken bestehen gegen Berneker
Prager d. stud. 8 (1908) 1
ff. und v. Wijk
bei Franck
2 794,
die an abulg. visěti '
hangen',
kslav. věsiti '
wägen',
anknüpfen wollen, indem sie an den germ.-slav. brauch erinnern, das opfer an einen baum zu hängen, wie nach Tac.
ann. 1, 61
mit den schädeln der in der Varusschlacht erbeuteten Römerpferde geschah. zur verbreitung. im deutschen gilt weihen
gleichmäszig in allen zeiten und landschaften. von beiläufig 940
belegen gehören 150
dem mittelalter an, ebensoviel dem 16.
jahrh., 40
dem 17.,
je 300
dem 18.
jahrh. und der zeit seit 1800.
wie das fem. weihe (
sp. 656),
so geht auch das verb. in dem jahrh. zwischen A. v. S. Clara
und Herder
merklich zurück. erst das zeitalter des sturms und drangs bringt mit der erweiterung des gebrauchs über den kirchlichen bereich hinaus einen neuen aufschwung, das eine jahr 1787
ist mit 20
belegen vertreten. zur gesamtzahl liefert das md. passional 11
zeugnisse, Luther 32, Gottsched 22, Klopstock 11, Herder 15, Schiller 28, Göthe 45. Lessing, Wieland
und Jean Paul
treten spürbar zurück. in lebender mundart spielt weihen
kaum eine rolle, während einweihen
häufig ist. nur im kath. süden und westen ist weihen
als cultwort in die volkssprache gelangt: lusern. waign,
cimbr. baigen,
veltl. waichn Bacher
Lusern 221; weichen '
kirchlich segnen, benedicere' Schöpf
tir. 808; weihhe, gweicht Schmeller
bair. 2, 882; wîə, wjə
in alem., wejə, weiə, wei
in fränk. dorfmundarten Badens; wíə,
[] wèjə Martin-Lienhart
els. 2, 805; wéiə, wijə, weijən Follmann
lothr. 535; weien
wb. d. lux. ma. 480; weien Buchrucker
Elberf. 173.
ein weg, auf dem das wort in die sprache des volks und der kinder gelangt, ist gebet und gelöbnisz: er kann dir — sie wimmerte wie ein kleines kind — nimmer schaden ... ein herz will dir weihen Handel-Manzetti
Jesse 2 (1911) 343.
die form steht in der schriftsprache seit dem 16.
jahrh. fest. die mundarten des alem. südwestens bewahren z. th. starke bildung des part.: der katholische bauer fühlt sich vom heiligen und 'gewichenen' dingen umfangen E. H. Meyer
bad. volksl. 603; vęye,
part. kvęye irrégulier Henry
Colmar 237;
part. kəwèjə Martin-Lienhart
els. 2, 805
aus Benfeld, die im 16.
jahrh. an Nahe, Mosel und Rhein gel. auch lit. geworden ist: cappeln ... in vnser lieben frawen ere gewihen
Aimon (
Simmern 1535) F 4
a; wen ein mensch oder weibsperson stirbt ... so soll es uff das gewichen begraben werden
weisth. 2, 263 (
Mosel); dasz er ... soll priester gewichen werden H. Fabricius
auszug bew. hist. 87.
sonst gilt ausnahmlos schwache flexion seit den ältesten zeugnissen. ahd. bildet wîhen
als verb. der 1.
schwachen conj. mit langem wurzelvocal sein prät. im obd. ohne i : uuîhta Otfrid I 15, 25. II 14, 33,
fränk. mit i : uuîhita Tatian 160, 1, 244, 2,
vgl. Braune
ahd. gramm. § 356.
die dreisilbige form taucht in mhd. zeit nur gel. noch auf: wîhete
pass. 170, 61
Hahn; livl. reimchr. 3560
Meyer; ein bischof heten sie erkorn, den zentgraf von der nüwenstat, den wiheten si in den rat
hist. volksl. 1, 165
b Liliencron (
Würzb. 1397).
fern vom obd. stellen sich auch seit beginn des 13.
jahrh. die ersten zeugnisse für das verstummen des inneren h
ein: wîen : amîen Otte
Eraclius (
vor 1204) 2377; wîe : schrîe
der Mîsnœre in Hagens minnes. 3, 102
b; wîe : lîe
und gewîet : liet
städtechron. 12, 39 (
Köln um 1280); gewît : zît
pass. 92, 52
Köpke; wîte : sîte
das. 98, 35; diet : gewîet H. Hesler
apok. 10358. 16436
Helm; Marîen : wîen Nik. v. Jeroschin 17372
Strehlke. zu gleicher zeit setzen auf nd. boden die zeugnisse für den gleitlaut g
ein: gewiget Eberhard
reimchron. von Gandersheim (1216) 428
b Weiland; gewijget
und gewigget
waldeckische urk. von 1385
bei Bauer-Collitz 182; wygede, wyget
und ghewyget
städtechron. 19, 238. 597. 26, 267 (
Lübeck 1386
ff.); wygen, vighen, wiegen, gewyget Diefenbach
gloss. 8, 231
c;
nov. gloss. 125
b. 128
a aus lat.-nd. wbb. und gemmen von 1417
bis 1512.
die ersten diphthongierungen sind: weyen
Marienb. treszlerb. 188, 6
Joachim (
gegen wyhete 30, 12); weyhen
privatbr. d. ma. 2, 139
Steinhausen (
Landau i. B. 1434); weycht Schiltberger
reisb. 49, 1; weichten, geweicht, weichen
städtechron. 5, 82. 126 (
Augsb. 1456).
das nebeneinander der formen gewicht, geweicht
und geweiht
belegt Wunderlich th. 4 I 3, 5442,
auf dessen artikel geweiht
das. 5439—54
ein- für allemal verwiesen sei. die schreibung mit ey,
bis ins 17.
jahrh. fast die regel, wird nachmals eingedämmt durch das bestreben, weihe '
sacro'
von weyh(e) '
milvus'
zu scheiden. ausgesprochen ist diese schreibregel bei Bellin (1657)
und Seume (1733),
s. o. sp. 649
und 656. Stieler 2473, Dentzler
clavis (1716) 345
b, Steinbach 2 (1734) 961, Gottsched
neueste ged. (1750) 2, 13
ff.; ged. 1 (1751) 73, 100
ff. schreiben demgemäsz weihen,
doch finden sich weyhen, weyhte, geweyht
noch bei Knigge
roman m. lebens (1781) 1, 264; Schiller (1781) 1, 181 G; (1788) 7, 127; Göthe IV 8 (1787) 123. 158
Weim.; Z. Werner
ged. (1789) 7;
zuletzt Pfeffel
poet. versuche 1 (1812) 71.
bedeutung. II.
in der masse der fälle, in alter sprache durchaus, bez. weihen
eine culthandlung. I@AA.
vorwiegend wird das wort auf handlungen der christlichen kirche angewendet. I@A@11)
selten und wesentlich nur in älterer sprache ist subject dieses weihens
die gottheit, so mehrfach im got.: weihai ins in sunjai: waurd þeinata sunja ist
Joh. 17, 17; weihaida ist qêns sô ungalaubjandei in abin, jah gaweihaids ist aba sa ungalaubjands in qênai
1. Kor. 7, 14,
ahd.: pater uuiêhta dih unde salbôta dih Notker 2, 170
P. und mhd.: [] got wölte si (
Elisabeth) der selden wern, das si solte ein sun gebern, der gotis gewihtir hieʒe Rudolf v. Ems
weltchr. 20422
Ehrismann. von da geht dieser sprachgebrauch in frühnhd. prosa über: da hat er (
Christus) uns gekrönt, geweicht und gesalbt mit dem hailgen gaist Luther 10 iii 309
Weim.; entspr. 34 i 70; mit des heligen geists krafft ... gwicht Hedio
chron. germ. (1530) A 3
a; dasz uns Christus in seiner geburths-nacht alle geweihet hat Prätorius
Saturnalia (1663) 13.
seit dem 18.
jahrh. kann nur in der sprache erhabener dichtung gesagt werden, dasz gott einen menschen weihe: erstgebohrner der schöpfung, wie war dir bei deinem hervorgehn? da, nach undenklicher ewigkeit, gott zu dir sich herabliesz, und dich zum heiligen wohnplatz von seiner herrlichkeit weihte? Klopstock
Messias (1748) 1
v. 266; du (
gott) hast die menschen zum genusz des lebens erst geweiht Voss
antisymb. (1824) I; ich aber war der starke, von gottes kraft geweiht, durch welchen diese marke vom drachen ward befreit Rückert 1, 160.
selten und nun veraltet ist es auch, Christum als geweihten gottes
zu bezeichnen: den geweihten gotes sun
anegenge 39, 12
Hahn; got, där uns deinen ainigen sune geschenket unt geweiet hast Schede
psalmen 15
neudr.; dasz die gottheit eine sache weihe, sagt nur vereinzelt ein dichter: o creuze sei gegrüszt.dich musz ein jeder ehren in allem was er tut.du kanst den teufeln wehren durch den der dich geweiht Fleming 1, 26
lit. ver. I@A@22)
in allen anderen fällen ist das subject des kirchlichen weihens
ein mensch. I@A@2@aa)
object ist dabei nur in vereinzelten fällen die gottheit, so im ahd. Tatian,
dessen wîhen
das lat. benedicere widergibt: inti sprah got uuîhenti 4, 12; uuârun simbolon in themo temple lobônte inti uuîhente got 244, 3.
nhd. ist diese art object nur unter ganz bes. umständen einmal möglich: darum sind die oblaten so zart im katholischen Wälschland, denn aus demselbigen teig weihet der priester den gott Göthe I 1, 311
Weim. I@A@2@bb)
vollkommen geläufig ist dagegen, dasz ein mensch vom andern geweiht wird, von ältester bis zu unserer zeit: mit sîneru hentisie ouh uuâri uuîhenti Otfrid I 4, 74
Kelle; (
wir) warteten auf unsere zeit. da kam sie, die heilige, über nacht ... nun sind wir geweiht Wildgans
österr. ged. (1914) 16.
zweckbestimmungen werden, wo sie folgen, mit zu angeknüpft: (
Noah verfluchte den Ham) die anderen zwêne er wîhte zuo vrîeme lîbe
genesis 29, 1
H. Hoffmann; wan er ist geweyhet und gesegnet zuo götlichen dingen A v. Eyb
spiegel der sitten (1511) D 2
b; sie beten zur schmerzenreichen mutter des herrn, und weihen zu unerträglichem schmerz die mutter der menschheit B. v. Arnim
dies buch geh. d. könig 1, 251,
seltener mit bloszem dativ: unser ... knab, den seine ältern und sein eigner entschlusz dem geistlichen stande weihten Lavater
verm. schr. 1, 4; sie weihte mich dem dienste des herrn Steffens
was ich erlebte 1, 136.
von besonderen culthandlungen gehören hierher: I@A@2@b@aα)
die taufe: sô uuer sô uuilit manno,sô doufu ih inan gerno, ouh iagilîchan uuîhu Otfrid I 27, 50
Kelle; (
der täufling ist) durch die heilig wasserflut ... zu einem himmelsfürsten gut geweihet und besprenget Ringwald
evang. F 4
b. I@A@2@b@bβ)
das besprengen mit weihwasser: ein waʒʒer man alumbe trûc, daʒ man uf die lûte slûc unde solde wîhen si da mite
pass. 358, 68
Hahn; [] die leute weihen (mit weihwasser)
benedire il popolo (
coll' acqua santa) Kramer
t.-ital. dict. 2, 1295
b; so wurden die leichen-begleiter ... von dem priester mit einen wasser dreymahl besprenget, und gleichsam geweyhet Fleming
vollk. t. soldat (1726) 370 § 8. I@A@2@b@gγ)
die ritterweihe: zehant segent er (
ein bischof) im daʒ swert und mit im den, dies wâren wert. die wîhte er alle mit im sâ
Mai und Beaflor 84, 1
Pfeiffer; so nahm ich waffen, liesz mich ritter weihen Tieck 1, 233,
an die in unsern tagen gel. dichter in loserer form anknüpfen: so zieht denn aus mit alten schlachtenweisen, geweihte heere, helden mann für mann Wildgans
österr. ged. 7. I@A@2@b@dδ)
die weihe zum christlichen herrscher: si wart gewîht ze Rôme, wan man ir schôn die krône mit vreuden sazt ûf ir houpt Enikel
fürstenb. 1615
Strauch; geweiht
wird nach seiner wahl der röm. könig: do let de koning Otte sinen sone, den jungen Otten, to koninge wien to Aken
sächs. weltchron. 163, 8
Weiland; entspr. städtechron. 12, 40; auch verordnete er, dasz alle seine nachfolger in dieser stadt sich zuerst sollten salben und weihen lassen Grimm
d. sagen 2, 76; zum zweiten male wählten und weihten die fürsten und prälaten Heinrich den fünften Raumer
gesch. d. Hohenst. 1, 250,
entspr. der kaiser durch den papst: der bâbes wîht in dô ze kaiser
kaiserchron. 14751
Schröder; nû het den keiserlîchen segen der keiser enpfangen und der wîhe regen als man ze keiser künege wîhen solde
Lohengrin 6483
Rückert; und ist noch nie geschehen in aller welt, das der ubir den kunig weere, der yhn weyhet odder kronet, dan allein durch den eynigen bapst Luther
an d. adel 75
neudr. vorbild ist hier wie dort die königsweihe im alten Israel: (
gott) lieʒ in (
David) wîhen schône zuo des rîches crône
pass. 5, 17
Hahn; Samuêl der prophêt zuo im (
Saul) grôʒ liebe hêt und wîht in mit dem öl guot, als man hiut die künig tuot Enikel
weltchron. 9405
Strauch. I@A@2@b@eε)
in den ältesten mhd. dichterzeugnissen für die königsweihe sind es jungvermählte herrscherpaare, die geweiht werden: nâch siten kristenlîchenwîhen man dô hieʒ beide zuo der krône
Gudrun 179, 1; er solt sie beide wîheniht verzîhen.
Lohengrin 3270
Rückert. hier liegen zugleich zeugnisse für die einsegnung der ehe vor, die in Ostrom 893
durch kaiser Leo den weisen zur gesetzlichen pflicht erhoben, im westen durch Karl d. gr. im capitulare von 802
cap. 35
befohlen war, doch ohne erfolg, so dasz sich synoden von 1227
bis 1420
im gleichen sinn bemühen muszten K. Weinhold
d. d. frauen (1851) 259
ff.; 21, 377
ff. durchgesetzt hat sich die kirchliche einsegnung der ehe erst seit ausgang des mittelalters, damals ist aber der begriff durch die wörter trauen
und trauung (
s. d.)
gedeckt worden. im norden ist die sache älter, hier trägt sie, im gegensatz zur bürgerl. übergabe (giptaz)
den namen anord. vígaz,
dän. vie,
schwed. viga,
norw. vigja Falk-Torp (1911) 1376. I@A@2@b@zζ)
die häufigste dieser weihen ist die zum priester. vorgebildet ist auch sie im alten test.: (
Moses zog das priestergewand) Aarônin an und sîne süne. der reine man wîhte si da vor der schar Rud. v. Ems
weltchr. 12738
Ehrismann; von der priester weich hab ich gesagt, es sey kein sacrament, sondern aus dem alten testament gezogen, recht wie befolhen war Mosi, seinen bruder Aaron zu weihen und zukleiden Luther 23, 456
Weim. die maszgebenden stellen sind 2. Mos. 28, 41
und 3. Mos. 8, 12.
exod. bietet bei Luther 14,
levit. 9
belege für unser verb., die [] übrige Lutherbibel 11,
das neue test. keine. die vorluth. bibel zieht heiligen, reinigen
vor, doch: wie Moyses den Aaron und sein sün heyliget und weyhet zu priestern 3, 471
Kurrelmeyer. die gangbare formel ist (zu) priester weihen: dar nâch sprich, daʒ er dich zu prîster morgen wîe. o kuningîn Marîe ... ouch ist eʒ verre ûʒem tage, daʒ man prîster wîhen pflît
Marienleg. 22, 177
ff. Pfeiffer; (
papst) Cletus wihete 25 priester von sant Peters geheisze
städtechron. 8, 16:
entspr. 9, 669; als er ain priester gewihet was, das man in degradieren solt Richental
konzilschron. 79
Buck; der bischof, der der ze priester wyhen wil Zwingli 1, 245
Egli; wie man in Constanz jedes jahr 200 priester weihe Ranke 1, 170;
entspr. 4, 139.
die einzelnen stufen der weihe (
sp. 658)
werden unterschieden: subdiaconare dyaken wihen
vel episteler wihen Diefenbach
gloss. 559
b (
rheinfr. 1420); so wort he van alle sinen sunden gefriet und dar to der epistelen gewiet. to Hamborch van bischop Johanne, des ordens der predeker, wort he gewihet to dem evangelio (=
diacon) na sinem beger
holst. reimchr. v. 214
ff. Weiland; den vater (
liesz er) zum priester, den sohn zum diacon weyhen
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1 (1778) 211.
immer aber ist der begriff der priesterweihe vorwaltend, so stark, dasz weihen
schlechthin '
zum priester weihen'
bedeuten kann: do wihet er zuo pfingesten des jors do man zalt 1338 jor, und welhe sich do nüt entwihetent, die greif der bischof an
städtechron. 8, 139; das aber der bapst odder bischoff salbet, blatten macht, ordiniert, weyhet ... mag einen gleysner und olgotzen machen, macht aber nymmer mehr ein christen Luther 6, 407
Weim.; entspr. Murner
an d. adel 15
neudr.; wie tolle bacchanten uff die wichinen zugen, wurden gewicht, das sy ein wenig konden singen Platter 37
Boos; auch gedenke, mich nicht mehr weihen zu lassen B. Mayr
päckchen satiren (1769) 44.
nur mit bes. absicht können die tautologien priester sein
und geweiht sein
nebeneinander gestellt werden: also loszt die sünd ab ein ieglicher priester, der do gewycht ist Keisersberg
bilgersch. (1512) 5
d; ich bin auch ein pryester vnd geweihet
Clemens flugschr. 1, 25; (
ein verbrecher gesteht) er sey ein priester gewesen, und priesterliche ampt getriben by xx jaren, und nicht gewycht geweszt Hutten 3, 349
Böcking; geweycht pfaff Eberlin
v. Günzburg 2, 32
neudr.; geweihter priester B. v. Chiemsee
t. theol. 52; Baeumker
kath. kirchenl. 1, 717
wirken als wiederholung, geweihte person
Nürnb. pol.-ordn. 119
Baader; Luther 26, 644
Weim.; H. Sachs 21, 7
Keller-Götze; geweicht man
Schades sat. 2, 146; die gewychten Eberlin
v. Günzburg 1, 77
neudr.; Mathesius
hist. Christi 11
b decken den begriff vollkommen. dagegen bedarf die weihe zu anderen geistlichen würden eigenen ausdrucks: bischolf Wernhart ûf sîn kôr hinz Seckou gewîhet wart
östr. reimchr. 8826
Seemüller; wenne men einen bischof wihet, das zuom minnesten süllent drige bischofe dobi sin
städtechron. 9, 512; da weyhet man in zuo einem bischoff
sommert. d. heiligenl. (1472) 2
b a; Talleyrand weihte die neuen bischöfe Dahlmann
franz. revol. 347; und hat Willigisum nit zum ertzbischoffen geweicht sein uraltes geschlecht, als der nur eines wagners sohn war A. a S. Clara
Judas 1, 92; am ungehör'gen ort, am wasserbecken des Neros ward er (
der neue papst) eiligst eingekleidet, und ebenso unschicklich dann geweiht Raupach
dram. werke ernster gatt. 5, 71; geweyhete jungfrawen und brewte Christi Luther 10 i 1, 255
Weim.; etlich religiosen oder geweyheten weibsbildern
theatr. amoris 155; er hat eine geweihte des himmels verführt Gotter 3, 25; des satans geweihte braut E. Th. A. Hoffmann 1, 73
Grisebach. die ganze mannichfaltigkeit breitet M. Kramer (1702)
aus: jemand zum helffer, zum priester, zum abt, bischoff, papst
etc. weihen ... zum priester, zum bischoff
etc. geweihet werden ... eine nonne weihen ... eine gott geweihete jungfrau
t.-ital. dict. 2, 1295
b.
die kritik setzt zuerst in der thierfabel [] ein, wenn z. b. Steinhöwel
einen wolf sagen läszt: myn vatter ist nit priester gewesen ... so ist myn vatter nit gewycht worden
Äsop 217
Österley. bitter wird sie in der reformationszeit: Christus wird wol priester und könig in ewigkeit bleiben, ob ihn gleich kein bischof geweihet noch geschmieret hat Luther
tischr. 1, 352 (1566)
Weim. vgl. 358; es sicht ainem bischofhuet gleich, obs schon ein narr tregt, der ist geweicht
Schades sat. 1, 150 (
Salzburg 1557).
übermütig bei Fischart: wo weihet man die birbischoff, wa ist des Nabals schafscher?
Garg. 74
neudr.; holla probetur, dasz man sing: ein abt den wöllen wir weihen, ist ausz dermassen gut
das. 69;
von da wunderhorn 2, 452.
in solchem sinn geht von der priesterweihe das hohnwort aus: ich mein, er hab yhn recht geweihet Luther 16, 635
Weim. mit Pietschs anm. das. 654 ('
er hats ihm eingetränkt'),
desgleichen zwei scherzworte: jr (
ein propst) seydt nit darzu geweihet, dasz jhr sie (
die jesuiten) berührt Guarinonius
grewel d. verw. 210; drum schaut nur frisch herum, ihr augen, ob nicht bald an warme seite kum der, der für uns geweiht, und welchem wir gehören! Logau 234
Eitner; nicht geweiht sein zu etw. '
nicht dazu befugt, nicht dazu vermögend sein' Schmeller
22, 882; er is ni gewit '
man darf ihm nicht trauen'
u. s. w. Martin-Lienhart 2, 805. I@A@2@cc)
noch öfter ist eine sache object des weihens. gelegentlich steht das sachliche object neben dem persönlichen: so wird er und seine kleider, seine söne und jre kleider geweihet
2. Mos. 29, 21;
entspr. 3. Mos. 8, 30.
viel seltener als beim subst. (
sp. 659
f.)
ist bei weihen
der fall, dasz eine vorher entweihte sache geweiht wird: eʒ ward auch Rom in dem selben jar zwirund geweicht, daʒ leut darin erslagen wurden 4.
bair. forts. d. sächs. weltchr. 381, 37
Weiland; Mose ... gos das blut an des altars boden, und weihet jn, das er jn versünet
3. Mos. 8, 15;
entspr. Dan. 8, 14.
in aller regel war die sache vorher unheilig. die ganze fülle der möglichkeiten in wbb. (
gott) eine kirche, eine kapelle, einen altar, ein kloster, spittal kirchhof
etc. weihen ... brod, wein, saltz, wasser, wachskertzen
etc. weihen ... eine glocke weihen ... geweiheter ort, geweiheter platz, geweihete örter ... auf einen geweiheten ort begraben werden ... zu einem geweiheten ort fliehen ... geweihet brod, geweiheter wein, geweihetes wachs, geweihete kertze ... die geweihete hostie
M. Kramer
t.-ital. dict. 2, 1295
b; etwas geweihetes haben, antragen, essen
etc. das. 2, 1295
c. I@A@2@c@aα)
häuser werden zu kirchen geweiht. widerum ist das alte test. vorbildlich: (
Abraham) die wîunge begie und daʒ hûs wîen solde
väterbuch 31197
Reissenberger; dô ... daʒ gezelt bereitet wart, dô leite dran der gotis degen (
Moses) mit gotis wîhe gotis segen und wîhteʒ nâch gotis gebotte ze einer heiligheite gote Rud. v. Ems
weltchr. 12484
Ehrismann; die sün Israhel die weichten den tempel des herren 1.
d. bibel 5, 281
Kurrelmeyer; desselbigen tags weihete der könig den mittelhof Luther
1. kön. 8, 64 (1466
ff.: geheiliget).
sprachlich ist dieses vorbild wirksam geblieben im häufigen gebrauch des wortes tempel: enzerstörent nüt gotz tempel, der von dem obersten babste gewihet ist Tauler
pred. 340, 7
Vetter, ebenso Clemens flugschr. 3, 329; J. Herold
heidenwelt (1554) e 4
b; Lenz
ged. 1
Weinhold; Gaudy 2, 17.
die von haus aus christlichen ausdrücke sind mannigfach: (
sie) ... wîhten münster. kirchen gote Rud. v. Ems
Barlaam 355, 33
Pfeiffer; Einsidel, do unser frowen kappel stat, die got selber gewichet hat
der ew. weish. betb. (1518) 101
b; indes sind sie andechtig, weyhen und freyhen viel steynern und hultzern kirchen, capellen und allter Luther
[] 10 i 1, 388
Weim.; diser hat das grosze münster zu Zürich ... geweyhet Stumpf
Schwytzerchr. 401
a; den tag vor des herren auffahrt wollten sie weihen das haus Mörike 1, 251
Göschen. ursprünglich findet das weihen
statt durch das übertragen von reliquien: daʒ (
münster) hieʒ er mit heiltuome wol zieren unde wîhen sâ Rud. v. Ems
Barlaam 340, 11
Pfeiffer. demgemäsz ist jede kirche in honorem cuiusdam sancti
geweiht. der kirchenlat. ausdruck leuchtet in älterer zeit stets durch: (
die kirche) wart gewîht alsô hêre in sant Ruoprehtes êre Enikel
fürstenb. 109
Strauch; ein capell ... gewihet ist in der ere der heiligen engel Suso 116, 3
Bihlm.; (
sie betete) zuo dem heiligen in des ern das kloster geweicht was Arigo
dec. 170
Keller; desulfte kappelle ist gewighet in de ere sunte Johannes
städtechr. 16, 470 (
Braunschw. 1514); ain capell ... weichen in der eher gottes Knebel
chron. v. Kaisheim 403
Hüttner; ein eygnen tempel in der ehr
s. Jacobs geweihet Franck
weltb. (1542) 137
b; und haben dieselb in die ehre st. Veits geweyet Kantzow
pomm. chr. 30
Gäbel. neuerdings steht hier weihen
mit dat.: die meister sollten sich mehr nach den heiligen richten ... denen die kirchen geweiht werden Heinse 4, 275
Schüddekopf; die kirche war der mutter und dem sohne geweiht Göthe I 24, 19
Weim., und die kirche heiszt kurzweg nach dem heiligen: in bemelten jar ... ist sanct Niclaus khirchen ... geweicht worden Brandis
gesch. d. landeshauptl. v. Tirol 17; als bischoff Theodoricus ... st. Marxen münster ... wycht Tschudi
chron. helv. 1, 18; geweihte stätte
schlechthin (Riederer
spiegel d. rhet. e 3
b; Steinhöwel
Äsop 349; Diefenbach
gloss. 506
b; Treitschke
d. gesch. 2, 87)
bedeutet '
kirche',
selten ist hierfür der gekürzte ausdruck: (
der zum tod verurteilte verbrecher) quam in daʒ gewîchte '
in das mit asylrecht begabte spital'
Frankfurter rechenb. (1445) 52
a. I@A@2@c@bβ)
der geweihte
mittelpunkt des gotteshauses ist der altar. das alttest. vorbild für dessen weihe Jakobs stein in Bethel 1. Mos. 28, 18: den wîhter (
Jacob den stein) gote aldâ und tet sîn opfir gote und sîn gebet Rud. v. Ems
weltchr. 6856
Ehrismann; eʒ stuont ouch dar zuo sîn muot, daʒ er in wîht mit öle guot. den selben list er dô vant, daʒ er in wîht mit sîner hant Enikel
weltchr. 4902
Strauch. das weihen
von kirchen und altären wird gel. in einem atem genannt: den selben altar und cappel liesz er in der ere des hochgelopten erzengels sant Michels wichen
Stretlinger chron. 17
Bächtold; Costerus zehlet unter diejenige äuszerliche gottesdienst, die gott allein und keiner creaturen eignen, die opffer, die kirch und altar weihen, und die gelübde Dannhawer
cat.-milch 1, 116.
auch der kirchenlat. ausdruck leuchtet wider durch: hie bij steyt eyn elter is gewijet in sijnt Marien Magdalenen ere
pilgerfahrt des ritters v. Harff 15,
und wird erst seit dem 18.
jahrh. vereinfacht: es wird schwerlich wieder ein altar in Wien vom pabste geweihet werden Nicolai
reise 2, 643; einen altar zu weihen, forderte eine ceremonie von acht stunden: man rechnet 300, die er nach und nach geweihet hat Ranke 37, 238. I@A@2@c@gγ)
gerät und zubehör des gottesdiensts werden geweiht,
wider nach alttest. vorbild: solt auch das handfas und seinen fusz salben und weihen
2. Mos. 40, 11; sprenget damit ... das handfasz ... das es geweycht wurde
Zürcher bibel (1531)
3. Mos. 8, 11; hat doch auch Moyses alle geschirr, auch die messenen ... weyhen müssen Nas
antipap. eins und hundert 2, 201
b,
danach im kath. cult: und ist der brauch unter den geystlichen herren, das keiner darff keinen kelch angreyffen, er sey dann geweyhet Schumann
nachtb. 263
Bolte; wie schrecklich erschien mir der augenblick, wenn der prediger mit den geweihten gefäszen in die krankenstube trat Steffens
was ich erlebte 1, 154
f. insbes. greift das weihen
[] von bildern aus vorchristl. in christl. zeit: das bilde zu weihen, das der könig ... hatte setzen lassen
Dan. 3, 2; andächtige kutscher bringen kerzen und erhalten dagegen geweihte bildchen Göthe IV 8, 322
Weim.; (
wallfahrtspfennige sind) medaillenartige stücke, die von priesterhand geweiht und von den gläubigen als schutz- und gnadenmittel getragen wurden Luschin v. Ebengreuth
münzk. 28.
christl. entwicklung ist die glockenweihe: so machstu es darnach mit andern euszerlichen wercken als kirchen gehen, testament stifften, kertzen machen, glockhen weien und andern dingen haltten wie du wilt
Clemens flugschr. 1, 45 (
Erfurt 1522); gesellen alle, schlieszt den reihen, dasz wir die glocke taufend weihen, Concordia soll ihr name seyn Schiller 11, 318
G. für das weihen von gebäck sind die schaubrote (
th. 8, 2302)
das biblische vorbild: (
gott hiesz Moses einen tisch machen) dar ûf man im bôt tagelîch zwelf reiniu brôt heilig und ummeilig, gewîhet unde heilig Rud. v. Ems
weltchr. 11957
Ehrismann. sache und ausdruck wechseln: nun het sich auf ain mal pegeben gleich eben an dem oster abent, das sie (
die mönche) die fladen geweicht habent, wie den im babstum ist der prauch H. Sachs
fab. nr. 211, 6
neudr.; ein kindigen, wann es getaufft wird, musz ein stückigen brod mitnehmen, und bey der tauff weyhen lassen, so fehlet seinen eltern hernach kein brod Prätorius
glückstopf 190; ewiges heil ward dem brode beschieden, als Christus in frohner nacht es geweiht Droste-Hülshoff 1, 272
Schücking. das siegreiche fremdwort hostie (
th. 4 II 1844)
ist jung: er hat auch bekant: das er dry partickel gewycht ostien gestolen Hutten 3, 349
Böcking; die geweihete hostie,
l'hostia consagrata Kramer
t.-ital. dict. 2, 1295
c; und diese hostie überbring ich dir vom heil'gen vater, die er selbst geweihet Schiller 12, 562
G. I@A@2@c@dδ)
thiere werden urspr. als opfer gebraucht und dazu geweiht: (
die osterweihe) gêt über dehein geiʒ: umb daʒ lamp ich wol weiʒ, daʒ wirt dô gewîchet
Seifr. Helbling 8, 301
Seemüller; item wann der hailig gaist selber kain lamb hat, so kauft man ains ze stechen und bratt es ze weihen auf der pfrundner tisch
pfründreg. d. heiliggeistspit. (
München 1519)
bei Schmeller
22, 882,
nachmals um sie vor schaden zu bewahren: bey der kirche des heiligen werden pferde, ochsen, esel geweiht Göthe IV 8, 322
Weim.; kräuterweihe (
th. 5, 2125)
ist am 15.
aug.: umb de selve zit wart keiser Heinrich vergeven up unser vrauwen dach as man de wische ('
kräuterbündel') wit
städtechron. 13, 21 (
Köln, v. 1376); bluomen oder kraut das mon weihet an unser frawentag der himelfart Keisersberg
emeis (1517) 52
c; würtzwisch von donnerwurtz ... die sie von vilen jaren auff den tag unser liebenfrawen himmelfahrt für gespenst und ungewitter geweicht und gesammelt hatten Fischart
Garg. 231
neudr.; (
hauswurz) vom papst geweyhet ... dienlich, dasz das wetter nicht könne in ein gebäude schlagen J. G. Schmidt
gestr. rockenphil. 1, 95.
weihwasser (
s. d.),
seit dem 9.
jahrh. zum sacramentale erhoben (
religion in gesch. und gegenw. 5, 1863)
heiszt vom 15.
bis 20.
jahrh. vielfach geweihtes wasser: o, sprach der peichtiger, daʒ sein kleine sünde, sy gen mit dem geweichten wasser weg Arigo
dec. 25, 18
Keller; composita verborum sein des papst geweicht saltz, gewaicht wasser, geweicht feur, palm
etc. Luther
tischr. 2, 118
Weim., mit Brenners anm. das. 679; wann man geweycht wasser nemme und besprenge das ort damit, dahin möge weder hagel noch schaur nicht schlagen Paracelsus
op. (1616) 2, 297
b; (
ein dominikaner) soll mir schwert und pike tauchen in geweihtes wasser Schiller 12, 370 G.;
[] man sprengte die geschmückten hügel (
der gräber) mit geweihtem wasser Viebig
weiberdorf (1905) 176.
daneben ist der ausdruck geheiligtes wasser
kaum bodenständig: das geheiligte oder geweihete wasser tilge dir deine sünde Nigrinus
v. zäuberern 65,
wol aber geweihter brunnen: da ein mönch geweihten brunnen zu ihm sprengte ein'ge tropfen, ward er asche Brentano 3, 132.
das weihwasser ist mit salz gemischt, das auch sprachlich gern damit verbunden erscheint: hettent ir fladenweiher auch beratschlagt und gepoten, dasz man alle sontag das wasser und salz weihet ... so hetten ir euer weihen auch damit bekreftiget ... so man aber wasser, salz, fladen, aier, flaisch, kraut und ruben
etc. nit mer weihet, vil minder werden die pauren holz und stain, glocken und alt haderlumpen weihen und taufen lassen
Schades sat. 3, 151; wasser oder salz weihen
urk. zur gesch. d. stadt Kahla 57 (1487)
Bergner; ich hab entpfangen wolpesunen ein gweicht salz und einen weichprunen und hab auch ein geweichtes licht H. Sachs 17, 135
Keller-Götze. selten allein: so soll man, jhr zu ehren frey, geweihet saltz bringen herbey W. Spangenberg
gansk. 2, 372.
kerzen werden zunächst zum gebrauch beim gottesdienst geweiht: solt ein yeder christen mensch ein geweichte brinnende kertz in seinen henden tragen Gebweiler
beschirmung Marie 22
a,
nachmals auch zu abergläubischen und weltlichen zwecken miszbraucht: darzu must aber bringen du, das ich dir zauberey zuricht, weyrauch und ein gweicht kertzen-licht H. Sachs 9, 128
Keller; zu Basel ist ein einfältiger mensch ... in eine kleine hölen ... gegangen, und hatte mit sich genommen eine geweyhete wachs-kertzen Prätorius
anthr. plut. 119.
der gläubige stiftet sie in die kirche: erbarme dich in unsrer noth, zwei kerzen weih' ich schwer und roth Gaudy 4, 13; Mariä lichtmesz hab' ich geopfert eine geweihte kerze im dom zu Havelberg Alexis
hosen 1, 95. geweiht
wird auch das dazu benötigte wachs: weywasser, wurtz, geweichts wachs H. Folz
von allem hausrat (
n. 1480) 6
a Hampe; auch weihens der wachsstöck Fischart
binenk. (1588) A 2
a. I@A@2@c@eε)
ein grundstück wird zum kirchhof geweiht.
sprachlich steht der ausdruck gern verbunden mit dem weihen
der kirche und ihrer theile: von einem wychbischoff, der die kirch und den kirchhof gewycht hat Wickram 3, 99
Bolte; damit der kirchhoff und creutzgang recht geweihet würde Hertzog
schiltw. B; geweihet pfaltz, kirchhof Henisch 1596;
aber früh auch schon allein: dâ er von geschichte quam in ein dorf, dâ ein bischof wîete einen kirchhof Nik. v. Jeroschin 8176
Strehlke. die formeln geweihte erde, geweihter ort, platz
bedeuten gleicherweise '
friedhof': toder leib wirt begraben in geweichte erde B. v. Chiemsee
t. theol. 577; so bald sie auszer der geweihten erden kamen, ziehen sie beede von leder Harsdörfer
frauenz.-gespr. 7, 408
f.; weil mein leichnam nicht in geweihter erde ruhen soll Schiller 12, 567
G.; lucus ein geweiheter ort
nomencl. Hamb. (1634) 483; geweiheter ort, geweiheter platz, geweihete örter ... auf einem geweiheten ort begraben werden
M. Kramer
t.-ital. dict. 2, 1295
b.
in älterer sprache ist hier das subst. part. möglich: die toten tett man begraben ins gewicht J. Lenz
schwabenkr. (1499) 115
a; (
zwei träger können eine leiche) tragen, wo sie wöllen hin in das gweicht Balde
Agathyrsus (1647) 90, 2.
bis in neue dichtersprache erhalten sich freie umschreibungen: stätte meines grabes, die ich mir weihte Göthe I 11, 182
Weim. [] I@A@2@c@zζ)
ein tag wird zum fest geweiht:
iste dies ist furnemlich da zu geweihet,
ut beghen das loblich stifft der messe Luther 34 i 200
Weim.; doch im chor der festefeiert' ich aufs beste eins mit frommem sinn, das die väter weihtender gebenedeiten himmelskönigin Rückert 1, 143. I@A@2@c@hη)
geld und gut werden zu pfründen und stiftungen geweiht: was got einmal geweicht ist, sol nit wider gebraucht werden zu menschlichem nutz
städtechr. 3, 60; wollen's der mutter gottes weihen Göthe (
Faust 2825) I 14, 139
Weim.; (
den kirchen) weihten die Friesen die köstlichste und seltenste beute ihrer verwegenen seeräuberzüge Allmers
marschenb. 1/2, 145. I@A@2@dd)
im gegensatz zu den unter c)
genannten sachen, die vom augenblick der weihe ab nur kirchlichen zwecken dienen, werden waffen geweiht,
um fortan im kampf siegreich zu bleiben: mit dem geweihten schwert Ditfurth 100
volksl. 52; o Genoveva, weihe du mein schwert! Hebbel I 1, 120
W. diese weihe kann vom papst ausgehen: in der crist-nacht pflegt der pabst ein geweyhet schwerd ... einen groszen herrn oder fürsten zu schencken Fleming
vollk. t. soldat (1726) 202 § 29; dem groszadmiral Andrea Doria hatte der papst einen geweihten degen gesendet Ranke 4, 11,
der kampf als kreuzzug kirchlichen zwecken dienen: Bouillons geweihtes heldenschwert Gottsched
n. ged. (1750) 95; niemals hat mutiger ein frommer kreuzritter gegen die ungläubigen in geweiheter wehr sich gestellt Voss
antisymb. 1 (1824) 20.
während in älterer zeit stets ein degen geweiht
wurde, tritt im 19.
jahrh. auch die kugel als geweihte
waffe auf: dasz er mit keiner andern kugel, als einer geweihten, erschossen werden könne Stifter 1, 222; nun liesz er eine kugel weihen und schosz das ungeheuer Laistner
nebelsagen 15. I@A@2@ee)
gegen die kirchlichen weihegebräuche in ihrer häufung und veräuszerlichung erhebt die reformation einspruch in herbem ernst und beiszendem spott: auch schendet das weyhen gottes creaturn Eberlin 2, 10
neudr.; (
der tempel war heilig) nicht darumb ... das er geweycht war von bischoffen, wie man ytzund mit narrey ... umbghet, sunder godt het yhn mit seynem wort geweicht und geheyliget Luther 17 i 396
Weim. nam. wird die weihe des österlichen festgebäcks ins lächerliche gezogen: (
als am 26.
mai 1523
Sickingens Ebernburg zur übergabe aufgefordert wurde) ist usz dem schlosz kommen ... Ernst von Dautenberg, hoptman, hat den erenhalt übel empfangen ... und dem bischof von Trier in sunderhait embotten, er solle nun haimziehen, die fladen wichen Kessler
sabbata 100
Egli; o lieber got, des armen weihens! ... lieben fladenweiher, bleibt dahaim mit euerm weihen
Schades sat. 3, 149
f., vgl. fladenweihe(r)
th. 3, 1708.
von späteren wird nam. Fischart
nicht müde, des weihens
zu spotten: sie sind auch etlicher widertäuffer art, die, wenn sie durch ein kirch oder rahthausz gehen, die schuch ... auszziehen, damit sie nit die geweihete schuch (1582: aber nit die geweiheten füsz) entheiligen
Garg. 5
neudr.; nam michs offt wunder, warumb die durchliechthelligsten ... jhnen nit auch die zähen wie die finger beschweren, versegnen, weihen ... lassen
das. 5;
vgl. jes.-hütlein v. 283;
binenk. (1588) 177
b;
doch auch bei Prätorius
phil. colus 59
und Grimmelshausen
Simpl. 325
neudr. lebt das motiv fort. I@BB. weihen
wird seit ende des 15.
jahrh. auch auf nichtchristliche culthandlungen übertragen, zufrühst: uff ain zyt als der senat ... het ain bild zewyhen der göttin Veneri Steinhöwel
de clar. mul. 218
Drescher. I@B@11)
am häufigsten ist hier die anwendung auf den cult des griech.-röm. alterthums. in gedrängtem gang widerholen sich hier alle beim christlichen cult entwickelten sprachlichen möglichkeiten. selten ist subject dieses weihens
eine heidnische gottheit: [] was hilft ein saitenspiel, von Phöbus selbst geweiht, dem manne, dessen kräfte schwinden? Gotter 1, 240,
nur in dichterischer freiheit einmal ein cultgerät: die fackeln sinds nicht, die den Hymen weihen Schiller 15 i 74
G. in aller regel ist subject dieses weihens
der mensch. I@B@1@aa)
ist ein mensch auch object dieses weihens,
so steht er (
im unterschied zum christl. cultgebrauch)
als opfer, von den geopferten sachen grundsätzlich nur dann geschieden, wenn der opferwille von ihm selbst ausgeht: wie consuln das feindliche heer mit sich selbst den todesgöttern weihten Niebuhr
röm. gesch. 1, 319; der fromme greis begann sich zu weihen Droysen
gesch. Alexanders 502,
sonst überall ist keine grundsätzliche grenze zwischen dem geopferten menschen und dem opferthier: opfer wurden ihm geweiht, und nun auch Andromeda, die königstochter Göthe I 49, 102
Weim.; das spricht sich auch darin aus, dasz statt des zu opfernden menschen theile seines körpers stehen: sie rissen mich vor den altar und weihten der göttin dieses haupt Göthe I 10, 19
Weim. I@B@1@bb)
entsprechend verhält es sich, wo sachliche opfer gaben object des weihens
sind. neben thieren: ein drittes (
lamm) weihen wir dem vater Zeus Bürger 152
a Bohtz; schon manchmal hob das schwere beil der opfernde zu des erdgebeugten thieres nacken weihend auf Göthe (
Faust 8588) I 15, 180
Weim.; (
der hahn) war der sonne, dem Mars, dem Mercur, dem Äsculap geweiht Brentano 5, 89,
stehen theile von thieren, nam. ihr blut und ihr fell: wir trugen zu dem opffer billich die läglen voll der warmen millich, auch becher mit geweichtem blut Spreng
Äneis (1610) 44
b; wie vor dem hausaltar er sitze, wo das wundervliesz man weihend aufgehängt Grillparzer 5, 151
Sauer. wie im christl. cult werden pflanzen geweiht: wenn er die frühesten blumen zum opfer seinen Chariten weiht Mörike 1, 214
Göschen. wie dort auch wasser: da uberkam ein schwartze farb das gweygte wasser, und verdarb Spreng
Äneis 74
a,
und gefäsze dafür: die goldenen und silbernen geschirre, die in die tempel geweiht wurden Niebuhr
röm. gesch. 3, 497.
eine gröszere rolle als im christl. cult spielt das weihen
von bildwerken und schmuck: ihn (
den ring) will ich den Erinnen weihen Schiller 11, 232
G.; deine Lais, nun alt, weiht dir den silbernen spiegel, Venus! dein ewiger reiz nehm ihn in ewigen dienst Götz
verm. ged. 1, 52; dasz er dem Ares eine goldne statue weihe Ritter
erdk. 1, 193.
das bildwerk kann die gestalt der gottheit nachbilden, die es ehren soll: wenn der Äginer Anaxagoras gewählt wird, den aus der platäischen beute von den Hellenen zusammen in Olympia zu weihenden Zeus zu verfertigen Welcker
alte denkm. 1 (1849) 37.
als sachliche opfergabe ist es auch aufzufassen, wenn den göttern ein '
ver sacrum'
geweiht wird: es war eine altitalische sitte, in schweren kriegen den göttern einen heiligen frühling zu weihen Niebuhr
röm. gesch. 1, 56. I@B@1@cc)
heilige räume werden auch den antiken gottheiten geweiht: jede gegend, jede stelle wurde einem eignen gotte geweiht W. v. Humboldt 1, 48; hochgepriesen waren diese quellen bei den Römern, welche sie
aquae sacrae oder
fontes Herculis nannten, dem sie überhaupt die warmen quellen weihten Moltke 1, 126; einen geweihten raum Mommsen
röm. gesch. 1, 218;
vgl. das. 156.
zumeist sind es tempel: nahe bei der zeit ist geweihet worden der tempel der göttin Cybeles Carbach
Livius (1523) 325
b; under welchem ... der tempel dem Jupiter ... ist dediciert oder geweicht worden Xylander
Polybius (1574) 129; seht dann weihen wir schnell dem hohen sonnenbeherrscher einen prächtigen tempel Voss
Odyssee 12, 346
Bernays; [] die dedication des in diesem jahre geweiheten tempels Mommsen
röm. gesch. 1, 409. das geweihte
kann darum, dem lat. sacrum entspr., schlechthin '
tempel'
bedeuten: weiter hat der Ayax Oilei ausz dem geweichten der Minerve die Cassandram auch gefäncklich hin geführt Herold
Dictys (1554) 72.
wider ist der altar der geweihte
mittelpunkt des cultgebäudes: der nach wiederhergestelltem inneren frieden von Cammillus geweihte altar Mommsen
röm. gesch. 2, 124. I@B@1@dd)
selten werden den classischen gottheiten worte und gesinnungen geweiht: dasz sie den himmlischen für uns gebet und hekatombe weihn Bürger 170
b Bohtz; unserm vater Zeus gehorsam zu weihen
das. 193
b; seufzend ergriff ich die leier und vor'm altare des Phöbus weiht' ich ihm thränen und bitten und wünsche Herder 27, 51. I@B@22)
in weitem abstand folgen die übrigen nicht-christlichen culte: die des alten orients: (
Zoroastes) liesz im graben mit begerden ein grosse hül undter die erden, die er der sunnen weyen was H. Sachs 2, 75
Keller; (
Jarbas hatte dem Ammon) hundert erstaunliche tempel erbaut und hundert altäre, hatt' ihm unsterbliche feuer und ewige wachen geweihet Bürger 274
a Bohtz; auch weihete sie (
die sidonische Astarte) einen vom himmel gefallenen stern nach Tyrus Creuzer
symbolik 2, 60.
eine besondere, bereits unter I A)
gewürdigte rolle spielen die weihebräuche des alten test.: David weihte das fleisch des ungeheuers den vögeln unter dem himmel Göthe I 51, 10
Weim. seit dem 16.
jahrh. wird der islam in diesen sprachgebrauch einbezogen: den 10. mayi ist ein grosz fest gehalten worden, Mahomets fahn mit herrlicher ceremonien geweihet Kirchhof
wendunm. 2, 64; meine seele rührt die grosze wasserflut, die Mahumeds gebeine zu Mecha fort geschwemmt, und die geweyhten steine des heiligthums versehrt Lohenstein 1, 18 (
Ibrahim v. 432); (
sie) ehrten andachtvoll an der geweihten stäte Abdallahs heiligkeit mit eifrigem gebete Ramler
fabellese 1, 50; des korans geweiht vermächtnis Göthe I 6, 33
Weim. erst seit der 2.
schles. schule tritt das germ. alterthum in den gesichtskreis: so setzen sie doch auff keine wahrsagung mehr vertrauen, als auff die andeutung dieser geweyheten pferde Lohenstein
Armin. 1 (1689) 30
b; hat es sich gefunden, dasz die alte teutsche eiche ... wie in den geweihten hainen der götterzeit den ganzen harten winter durch gegrünt Görres 2, 12; (
jeder streute eine scholle) rückwärts über sein haupt, dasz er geweiht und gefeit sei durch die vaterländische erde Scheffel
Ekkeh. 212; das geweihte geräth des hauses, über dem die hausgenossen ihre gelübde thaten G. Freytag 17, 83.
in zauber und aberglauben leben reste vorchristlicher culte fort: als (
der kurpfälzische forstmeister) Velman die 'geweyten' schützen, die 'aasjäger', in den grund und boden hineinverwünschte, im jahre 1600
pfälz. museum 21 (1904) 27; was weben die dort um den rabenstein? ... sie streuen und weihen Göthe (
Faust 4403) I 14, 228
Weim.; wen wir rufen, den binden wir in dem geweihten kreis (
we will make fast within a hallow'd verge)
Shakespeare 8, 37; ja! spinne, kind, in heil'ger nacht, den faden weih der höllischen macht Uhland
ged. 1, 274. IIII.
in weltlichen gebrauch ist weihen
zunächst durch wortkühne erweiterung der unter I A)
behandelten anwendungen gelangt. darum haben die älteren zeugnisse dieser art leicht humoristischen klang: der kirchliche gebrauch wird verzerrt, indem jemand statt mit öl mit lächerlich ungeeigneten mitteln geweiht
wird (
vgl. kûlwîhen '
weihen mit der keule'
mhd. wb. 3, 614
a):
[] ich hân die krucken drî stunt gefuort uber sê, wen ich dâ mit gewîhe, der gedenket mîn imer mê
Salman und Morolf str. 366
Vogt; (
knechte dulden plagen:) vil dienstis ûf in legen, wîhen mit starken slegen zuo mengem smêhin ampte Hugo v. Langenstein
Martina 129, 96
Keller; mit durchtribner schalckheit was Ulenspiegel geweihet
Eulensp. (1515) 51
neudr., indem eine unwürdige sache object des weihens
wird: haist euch die füchszküerssen weichen
pfarrer von Kalenberg 846
neudr.; wer ein pfruondt hat zuo verlyhen. dem muosz man vor den seckel wyhen Murner
narrenbeschw. 42, 20
neudr., indem jemand zu höchst unheiliger best. die weihe erhält: dat he sus worde ghefryget, to eynem voghede ghewyget
städtechron. 16, 157 (
Braunschw. 1488); zu nichts nicht besser, dann zum strick geweiht Hayneccius
Hans Pfriem 2152
neudr., oder indem jemand durch die weihe ausgezeichnet wird, der sie am wenigsten verdient: sie haben in den tempel widerumb eingesetzt und darzu geweihet die käuffer und verkäuffer, welche Christus darausz getriben hat Fischart
binenk. (1588) 86.
anderseits bleibt dem wort von seinem ursprungsgebiet her leicht ein bes. feierlicher klang: wir treten vor die bundeslade, und wollen dir gehorsam weyhn Günther 9; sehr wenig könige weihen ihr erhabenes amt durch ein gottnachahmendes wohlthun Klopstock
oden 1, 7
M.-P. es ist wesentlich ein wort der dichter geblieben, die vielen zeugnisse in versen sind für seine wortgeschichte bezeichnend. jedenfalls ist der gesamte profane gebrauch stärker, als sich das ungeschulte sprachgefühl zugibt, vom cultgebrauch her bestimmt und von da aus zu würdigen: (
wenn ich einen frevler erschlage) do hab ich meine hende geweihet in dieses schalcks bluthe Luther 33, 624
Weim.; ihre gespielinnen fühlen das traurige dieses falles und weihn voll mitleidigen schreckens ihrer todten freundin den schmuck ihrer jungfräulichen jugend Herder 15, 350
Suphan; ich fühle ein grosz gelüst, die hände mir in seinem blute zu weihen nach der schauerlichen brautnacht E. Hardt
Tantris der narr 59.
diese herkunft hebt weihen
von seinen synonymen ab: welcher sie ... den kleineren theil der zeit zu widmen haben, den gröszeren aber der betrachtung weihen dürfen Schleiermacher
Platon 6 (1828) 45; sich dem leben der natur nahen und ... ansehen ... wie sie weiht und reinigt in feierlicher nachtstille B. v. Arnim
Günderode 1 (1840) 158; ihr seid nur schlechte reifen, aber zu köstlichem gold will ich euch weihen und heiligen Immermann
Münchh. 23, 41,
vgl. die wbb. von Schwan 3 (1787) 1021
und Heinsius 4 (1822) 1564. II@AA.
an geistliche gebrauchsweisen knüpft erkennbar an das weihen
zu einer weltlichen bestimmung. II@A@11) II@A@1@aa)
wie einen zum priester weihen
ist gebildet: (
ihr sprecht vom) hochzeit-tag, und meinet doch die nacht, die euch zum vater weiht, die braut zur mutter macht Logau 13
Eitner; desz thäten die Musen sich erfreun, wollten ihn zum meistersänger weihn Göthe I 16, 123
Weim.; mit diesen segensworten weihete der hinscheidende greis Voltaire den jüngling ... Franklin zum menschen G. Forster 6, 172; engelchöre weihen dann mich zum nektarerben Bürger 50
b Bohtz; Bürger, der A. W. Schlegel bekanntlich zum dichter weihte Gervinus
gesch. d. d. dichtung 5 (1853) 562.
die gebrauchsweise kann zum gegenbild der kirchlichen ausgestaltet werden: [] dasz ich ihn taufe mit flammen und ihn weihe zum genossen der hölle Schubart
sämtl. ged. 1 (1825) 68.
sie entfernt sich vom vorbild, wenn weihen
reflexiv steht: weih dich zum bürger, zum gemahl, zum vater! heil'ge banden! Gotter
im Gött. musenalm. 1770, 55
neudr. II@A@1@bb)
wie eine zur nonne weihen
steht: die kleinode, wodurch die gräfin Amey ihre tochter zur gräfin von Vadutz weihte Brentano 5, 226; mit diesem kusse weih' ich dich zu meinem weibe Bauernfeld 1, 85.
auch hier ist der refl. gebrauch ausgebildet: so weihe eine reine jungfrau ... freywillig sich zum opfer Klinger
n. theater 1 (1790) 13; sonne, ich weihe mich zu deiner priesterin O. Jahn
Mozart 2, 390. II@A@1@cc)
wie einen zum priesteramt weihen
steht: das arme kind ... das ich zu solchen leiden ... geweiht hatte Göthe IV 3, 70
Weim.; Philo risz sich hervor. ihn sahe satan, und sagte bey sich selber: o sey mir zu deiner rede geweihet Klopstock
Messias (1780) 4, 101; zu brudermord auf ew'ge zeit war hiermit das geschlecht geweiht Rückert 3 (1837) 336; mit feuer und wasser, sagten sie, weihen wir dich zu ewigem frauenhasse G. Keller 1, 297.
das persönliche object kann dabei umschrieben werden: ich fühlte mein gemüth zu allem groszen und guten und schönen aufs neue geweiht Gentz 4, 14
Schlesier; nicht länger wollen diese lieder leben, als bis ihr klang ein fühlend herz erfreut, mit schönen phantasieen es umgeben, zu höheren gefühlen es geweiht Schiller 11, 48
G. II@A@1@dd)
der brauch der tempelweihe wird aus seinem kirchlichen bereich übertragen: das ganze chor der schwester-tugenden, die einst sich Alfreds brust zum tempel weyhten, befruchteten sein herz Wieland I 3, 150; in diesen zimmern wird sie, die herrliche, in anmuth schreiten, und wird dies schlechte haus zum tempel weih'n Bauernfeld 3, 82,
und nachgebildet, in engem anschlusz: er spricht — und felsenrippen stehen da! geweiht als heiligthum zu seines gottes ehre Schubart 2 (1825) 49,
aber auch in freierer weise: (
ich will) ein opfer andrer art zum demuthszeichen weihen Gottsched
ged. 1 (1751) 379; (
wenn ich die blumen) zum kranz für die ehrwürdigen schläfe des besten vaters weihe G. Forster 9, 155. II@A@22)
die hier überall gebrauchte anknüpfung mit zu
wird von dichtern vereinzelt durch den dativ ersetzt: weiht euch dem opfer Wh. Fr. Meyer
Dya na sore 1 (1787) 65; mir scheinen list und klugheit nicht den mann zu schänden, der sich kühnen thaten weiht Göthe I 10, 34
Weim.; an stelle der üblichen nominalen zweckbestimmung tritt, gleichfalls nur bei dichtern, die verbale: damit ich, dich zu schaun, mich bereite, mich weihe Klopstock
oden 1, 124
M.-P.; wie weihet sich der junge mann, zu werden, was er seitdem wurde, der erste geschichtschreiber der neueren W. A. Schlegel
Athenäum 2, 314; nicht hier weiht ihn zu sterben, den seinigen fern, das verhängnisz Voss
Odyssee (1821) 5, 113. II@BB.
wie in dem satz einen zum priester weihen
die zweckbestimmung als selbstverständlich ausfallen kann, so bildet sich durch ellipse auch ein weltliches weihen
ohne dativobject. II@B@11)
bestimmte formgruppen sind am stärksten betheiligt. II@B@1@aa)
zufrühst stellt sich dieser absolute gebrauch ein beim subst. infinitiv: keiner ausz jhrem weyhen soll der artzney würdig sein Paracelsus
chir. (1618) 532; was würt dann brüderschafft dich schirmen? was hilfft dich weihen, ölen, firmen? Fischart 2, 347
Kurz; [] dasz die erd' zum himmel werde ist des neuen bundes weihen Brentano 1, 47.
gelegentlich ist hier nur durch parallele ausdrücke zu entscheiden, ob nicht dat. plur. von weihe
f. vorliegt: (
die langeweile) mit ceremonien, mit weihen und entsühnen ... auszufüllen ist pflicht und vorteil der priesterschaft Göthe I 7, 20
Weim. II@B@1@bb)
jünger ist das part. praes. in absolutem gebrauch: denkmal bleibe des glücks! ruf' ich ihm weihend und froh Göthe I 2, 127
Weim.; wer aus schöner natur weihendem brunnquell schöpft misset gerne den niedern prunk Salis
ged. (1798) 75; die gottheit ... warf ... einen weihenden blick auf sie hinab Pfeffel
pros. versuche 5, 138; alle glückesstern' im bunde hätten weihend ihm gelacht, wenn die mutter eine stunde früher ihn zur welt gebracht Uhland
ged. 1, 223.
während hier die verbale bed. im part. lebendig ist, können dichter und prosaiker des 19.
jahrh. das part. in den adj. sinn von '
weihevoll'
überführen: wie hab' ich dich (
die ruhe der nacht) empfunden ... dann war's um mich so weihend, wie stiller gottesdienst Tiedge 3 (1823) 9; er wollte die beiden heute in der weihenden abschiedsstunde sich ... fester verbinden Brentano 5, 305. II@B@1@cc)
das part. praet. ist in seiner altr. verwendung an dem absoluten gebrauch stark betheiligt. II@B@1@c@aα)
es tritt als attribut zu sachbezeichnungen. dabei kann der part. sinn '
geheiligt'
lebendig bleiben: ihm steht ein rasend volk nach dem geweihten leben E. B. Krüger
Mahomed, d. schaubühne 5, 407; ohnmächtig schlägt der mensch auf die geweihte rüstung der geseze Schiller 5, 46
G.; du, mein deutsches vaterland, bleibst doch der ewig geweihte herd Immermann 1, 196
Hempel; welcher jene vierhundert talente nur als den geweihten zehnten des erbeuteten goldes angiebt Niebuhr
röm. gesch. 1, 298; du (
natur) lehrst verstehn, was nur geweihte blicke sehn Overbeck
verm. ged. (1794) 35.
so bis heute, wenn irgendwelche bestimmungen dabeistehen: die gedankenleere, nicht vom geist geweihte gebärde O. Ludwig 5, 494; überall grüszt uns liebliche erinnerung, wenn wir diesen für uns geweihten boden betreten H. Seidel
Hühnchen 228.
anderseits hat das part. schon früh die adj. bed. '
heilig'
angenommen: empör' o zorn, aufbrausend der saiten glut, dasz ihres klangs geweihte lohe, schlag' an die felsengesims' Arosa's Stägemann
kriegsges. (1813) 24; werde ich mich ... zurückziehen in die geweihte stille meines arbeitszimmers G. Keller 5, 136. II@B@1@c@bβ)
neben pers.-bez. bleibt der part. sinn stets lebendig: und ihr, der weysheit ersten söhne, geweihte dichter! heilger chor! Drollinger
ged. 20; doch verzeyht, wenn meine leyer nicht von jenem heil'gen feuer der geweyhten dichter glüht Göthe I 37, 18
Weim.; geweihtes kind, so nenn ich dich Brentano 2, 122,
desgleichen, wo die bez. der person umschrieben wird: ich ... webe draus ein diadem für dein geweihtes haupt Heine 1, 163
Elster. II@B@1@dd)
reflexives weihen
war in absoluten gebrauch übergetreten schon im kirchlichen bereich: sich weihen,
benedirsi, santificarsi (
coll' acqua santa)
M. Kramer
t.-ital. dict. 2, 1295
b.
es bleibt diesem nahe, auch wo es dichter später frei gebrauchen: weihend mich mit stillem beten will den urwald ich betreten Lenau 59
Barthel; wo die ganze welt in süszen tönen jubelt und sich weiht E.
M. Arndt 4, 239
Rösch u. Meisner. [] II@B@22)
im freien gebrauch tritt weihen
ohne zweckbestimmung bei dichtern seit beginn des 17.
jahrh. auf: die myrthen, so du nimmst, erfordern lorbeer-äste, das ist: dein hochzeit-tag begehrt der Musen pflicht, die dienst und mode weiht Günther 541; doch wenig kennen wahre liebe, die anmuth zeugt, und tugend weyht Haller
schweiz. ged. 228 (1737).
doch erregt dieser gebrauch noch 1748
anstosz: über Klopstocks
vers darf sich die dichtkunst auch wohl, aus dunkler ferne, dir nähern? weihe sie, geistschöpfer!
Messias I 4, 8
Hamel hält sich Schönaich
auf: wozu soll ... die dichtkunst geweihet werden?
neol. wb. 151
Köster. er vermiszt also eine präpositionelle bestimmung. II@B@2@aa)
auf die gehobene sprache ist dieses weihen
beschränkt geblieben, ihm entspricht in der alltagssprache adeln: unter einem fürsten ... wenn er nicht durch adliche geburt geweiht wird Niebuhr
röm. gesch. 1, 375; einen ... stof, über den die länge der tradition gekommen sein musz, ihn zu weihen und festigen Grimm
Reinh. fuchs VI,
begehen: auch heute den Sophientag kann schöner ich nicht weihen Brentano 4, 72,
einsegnen: so weih' ich euren bund Kotzebue 4 (1827) 75,
einweihen: ich will doch etwas thun, und ihm ein denkmal setzen und es mit opfern weihn, und es mit thränen netzen J. E. Schlegel 1 (1761) 11,
prägen: (
Christus heiszt) der gottgebohrne, welcher ausdruck in mehrern psalmen schon geweihet war Herder 12, 292
Suphan, '
sanktionieren, gutheiszen': weil ein gebrauch, den die geseze heilig prägen, des zufalls schwere miszethat geweiht Schiller 4, 25
G.; entspr. 4, 8; die Muse weiht den ausgeworfnen plan Mörike 1, 130
Göschen, segnen: lasz mich die stunde weihen, da ich deinen tritt, Alfadur, sah Gerstenberg
ged. eines skalden I
s. 360
neudr.; denn, o gott, in Christenlanden, auf der erde weit und breit, ist ja kein altar vorhanden, welcher unsre liebe weiht Bürger 44
a Bohtz. II@B@2@bb)
unersetzbar ist der ausdruck nur, wo er sich religiöser bed. nähert: wir (
die feen) weihen den reihen Göthe I 12, 63
Weim.; und so weihe ich dich dann, knabe, mit diesem kusse Meissner
Alcibiades 1, 44; wenn die Franzosen ferner den heiligen germanischen strom besitzen, der durch so viele siege über sie und ihre vorfahren geweihet ist Arndt
schr. an s. l. Deutschen 1, 297; die zahllosen versöhnenden und erhebenden umstände, welche ein neues leben zu weihen vermögen G. Freytag 14, 120. II@CC.
regel ist doch auch innerhalb des weltlichen gebrauchs von weihen,
dasz die zweckbestimmung hinzugefügt wird. II@C@11)
alt ist hier vor allem reflexiver gebrauch, in kirchlichem sinn schon got. und ahd. vorhanden: jah fram im ik weiha mik silban, ei sijaina jah eis weihai in sunjai (
ἁγιάζω ἐμαυτόν,
ἵνα ὦσιν ἡγιασμένοι)
Joh. 17, 19; ther auur thes ni giîlit,mit doufu sih ni uuîhit Otfrid 5, 16, 33.
mhd. und frühnhd. steht sodann sich wîhen
mehrfach im sinn von '
sich weihen lassen',
fast in der art des nordischen passivs: wan er durch des rîches wirde sich wolt ze keiser wîhen
Lohengrin 3357
Rückert; der bischof gebot allen dumherren und pfaffen die gotzgoben hettent, daʒ sü sich soltent wihen zuo der nehesten fronevasten
städtechron. 8, 138 (
Straszb. 1362); sich mit wasser zuweyhen rein, dasz er der sünd mög ledig sein W. Spangenberg
Soph. Ajax prol. v. 221
Dähnhardt. II@C@1@aa)
die neue entwicklung setzt damit ein, dasz zum refl. der dat. eines abstr. tritt. so kann die formel seit der 2.
schles. schule eine rein weltliche hingabe bez.: [] mein eisz entglimmt von deinen keuschen flammen, durch die der löwe weiht sich der glückseligkeit Lohenstein 1, 4 (
Ibr. v. 94); in Griechenland aber, wo man sich der lust und freude von jugend auf weihete Winckelmann 1 (1825) 14; dem taumel weih' ich mich, dem schmerzlichsten genusz Göthe (
Faust 1766) I 14, 84
Weim.; hier pflegt' ich in der rosenzeit, wenn alles sich der liebe weiht, mit meinem lieb zu wallen Uhland
ged. 1, 48.
im 18.
jahrh. steht mit vorliebe der name einer tugend: keuschheit Neukirch
anfangspr. z. d. poesie (1724) 62; redlichkeit E. B. Krüger
Mahomed bei Gottsched d. schaub. 5, 407; weisheit Wieland I 1, 27; freundschaft Klopstock
oden 1, 21
M.-P.; tugend Schiller 1, 95
G.; dehmut R.
Z. Becker
Mildh. liederb. (1799) 90,
seltener der eines lasters: eitelkeit Besser 2 (1732) 804
König; grausamkeit
vern. tadl. 1 (1725) 336; ehrsucht
d. neueste a. d. anm. gel. 1 (1751) 261; lüste Schönaich
Heinrich d. vogler 15; Gotter 1 (1787) 396. II@C@1@bb)
wichtigere entwicklungsfolgen haben die etwas jüngeren wendungen sich einem amt, dienst, einer pflicht weihen: die sich dem lehramt weihen, sind trockne papageyen Hagedorn 3, 49; zweymal trat er vom throne, um sich ganz den pflichten der religion zu weihen Haller
Usong (1771) 66; Flaccus trieb ihn an, sich den öffentlichen geschäften der republick zu weyhen Haller
Fabius (1774) 64; der kirche dienst auch uns zu weihn Hölderlin 1, 33
Litzmann; wie vermocht' ich, solch einer sorge mich bis jetzt zu weihn? H. v. Kleist 3, 57
E. Schmidt; und den gelübden, jenen dreien, die fromm den blumen lieh dein scherz, will ich mich unerschüttert weihen Lenau 477
Barthel. so steht sich den waffen weihen
für: dem beruf der waffen: Gottsched
ged. 1 (1751) 378; E.
M. Arndt
schr. f. s. l. D. 1, 272, den Musen
für: dem dienst der Musen: Klopstock
od. 1, 87
M.-P.; Göthe I 37, 222
Weim., der welt
für: den geschäften der welt: J. A. Cramer
nord. aufs. 3, 55, dem tempel
für: dem dienst des tempels: Kästner
verm. schr. 2 (1772) 223,
und entspr. der kunst: Novalis 4, 51
Minor; U. Hegner
ges. schr. 147; D. v. Liliencron 5, 97, der liebe: Brentano 2, 343, dem vaterland: Dahlmann
gesch. d. franz. rev. 184. II@C@1@cc)
eine weitere zwischenstufe ist die wendung sich jemands dienst weihen: er will auch seinem dienst sich weihen Ramler
fabellese 1 (1783) 46; parole müssen sie mir geben, eidlich, schriftlich, sich meinem dienst zu weihen, unbedingt Schiller 12, 109
G., die auch abweichend gewendet sein kann: es (
das glück) giebt, als deine dienerin, dir tief-gebückt die stirne hin und will sich deinem wincke weihen Hagedorn
vers. einiger ged. 17
neudr. von hier ist der schritt nicht grosz zu der wendung sich einem weihen.
religiöse vorbilder liegen auch hier unmittelbar voraus: so lernt an seiner gruft euch gott in zeiten weyhen Zinzendorf
t. ged. (1766) 73; die von den engeln angeschaut, sich ihrem Jesu weihte, die reine schöne gottesbraut Hölty
ged. 32
Halm. weltlich gewendet gilt das wort von mann und frau: da Gretchen fortfuhr, sich ihm ganz zu weihen Hippel
lebensl. 3 i 341; eine brust, die sich dir weiht Gottsched
ged. (1751) 1, 236; dasz sie, ganz von mir befreit, einem andern am altare sich mit leib und seele weiht Bürger 44
a Bohtz; in Themiscyra erst, Neridensohn, kann ich mich ganz, aus voller brust, dir weihen H. v. Kleist 2, 108
E. Schmidt, [] meister und jünger: ich und der herr professor behalten uns also die ehre eines besuchs auf eine zeit bevor, wo dich weniger zerstreuungen abhalten können, dich uns ganz zu weihen Schubart
briefe 1, 159
Strausz, volk und herrscher: den mann, der, o so ganz sich seinen völkern weihet Blumauer
ged. (1782) 122; (
wirf nicht) die ächte perle deines werthes hin — das haupt zu heiszen eines freien volks, das dir aus liebe nur sich herzlich weiht Schiller 14, 313
G. II@C@22)
reflexivem gebrauch nahe stehen wendungen wie sein leben, seine kraft weihen. II@C@2@aa)
die sachlichen zwecke, denen dieses weihen
gilt, sind ein thun: die zeit, die kräfte, groszer geist, die du so laut dem ruhme weihst, die weihe still den werken Gellert 2, 48; wenn tausende nicht ... ihr leben dem gebete weihten Klinger 3, 87; Burmann ... der sein thätiges leben gänzlich der erhaltung seiner mitbürger weiht J. G. Forster 3, 335; danach starb Lorenzo Ghiberti: sein ganzes leben ... ist diesen beiden hauptwerken geweiht gewesen H. Grimm
Michelangelo 1, 29,
ein ideal: er wird die kurzen tage des lebens mit einem ununterbrochenen eyfer der wahren und einigen tugend weyhen Zimmermann
nat.-stolz 102; so ist die tugend unsinn, da sie den nicht schützen kann, der ihr sein leben weihte Klinger 3, 139; keiner dieser männer ist an ein sogenanntes geschäft gebunden ... sondern jeder weiht seine thätigkeit nur dem allerschönsten Stifter 1, 67,
oder ein zustand: hier weih' ich der einsamkeit den ganzen rest von meinem leben Göthe I 11, 311
Weim. im übergang zu pers. dativobject stehen fügungen der art seine kraft dem dienst eines menschen weihen: ergötzte sich an dem anblick des schönen jünglings ... der seine jugendkraft dem dienste des ... blinden so ganz von herzen weihte Klinger 4, 5;
entspr. 4, 136; mein ganzes leben will ich nur ihrem troste weihen Nestroy 1 (1890) 59; den abschlusz eines dem dienste des fürsten geweihten lebens Ranke 15, 77. II@C@2@bb)
menschen, denen ein solches thun geweiht
ist, können insgesamt auftreten: so schien mir gleichsam das schicksal zuzurufen, mein leben dieser meiner eigentlichen vaterstadt zu weihen Schubart
leben 1, 32; (
die einsamkeit lockt menschen, die) der welt ihre thätigen wirksamen jahre geweihet hatten Bode
Montaigne 2, 183,
meist sind es einzelne: dasz jeder, der ihn kennt, ihm auch sein hertze weiht König
ged. 88 (1745); er weihet ihr seine zeit, sein vermögen Herder 23, 159
Suphan; der Äschylos, dem ich viele zeit und beharrlichkeit geweiht habe Voss (1810)
Göthejahrb. 5, 80; die gunst und ehre ... mir leben und blut weihen zu dürfen Fouqué
zauberring 1 (1812) 14,
entspr. kräfte, sein, wesen: ihm die schon erschöpften kräfte vollends zu weyhen Abbt 6 ii 53; ich habe dir ja mein ganzes seyn geweiht Raimund
Grillparzerjahrb. 4, 183; das war es ja, was jeder wunsch erstrebte ... mein ganzes wesen dir, nur dir zu weihn Tieck 3 (1828) 55. II@C@33)
in freiem gebrauch spielt die fügung einem etwas weihen
im zeitalter der classiker eine grosze rolle: (
die schatten der väter) sinds, denen man die gefangnen in allen martern weihet Herder 5, 132
Suphan; laszt den namen Segest den gesang nicht nennen! weihet ihn schweigend der vergessenheit Klopstock
oden 1, 209
M.-P.; zwar kan sich leicht ein mann das haus des Diogen zur wohnung weihn, doch, kroch der mann als narr hinein, so kriecht er auch als narr heraus Göckingk
ged. 1 (1780) 20; dem jüngling aber, welcher frühe, durchs beyspiel angesteckt, den rechten pfad verlor ... dem sey der wunsch geweiht, dasz ihn sein gott bekehre Gotter 1, 381;
[] weihen sie dem glück der völker die regentenkraft Schiller 5, 316
G.; der schmach zu weihen alle jungfrauen 13, 182;
entspr. 14, 31; der rache weih' ich den, der für sie fleht H. v. Kleist 2, 57
E. Schmidt; so dasz eine historische zeit von fast gleicher länge nur den dritten theil des raums erfüllt hat, den er dem dichterischen zeitalter weihte Niebuhr
röm. gesch. 1, 368.
besonderheiten entfalten sich je nach der art des dativ- und acc.-objects. II@C@3@aa)
das acc.-object ist II@C@3@a@aα)
eine zeit, wol nicht vor: bald werde ich, in einer ihm (=
gott) geweihten ewigkeit, ihm würdiger danken können Lessing 2, 314
M. die zeit wird meist einem sachlichen zweck geweiht: ein landgut ... wo sie ... einige dem vergnügen geweyhte tage zuzubringen pflegte Wieland
Agathon 1, 175; ich bin leichtsinnig genug ... diese nacht der freude zu weihen Göthe I 17, 21
Weim.; ihrem andenken will ich meine einsamen stunden weihen Solger
nachgel. schr. 1, 86; der winter war den rüstungen zum groszen kriege geweiht Droysen
gesch. Alex. 90; die erste stunde, dem gedächtnisz der todten geweiht Holtei
erz. schr. 10, 52,
seltener einer person: sie hatte sich von einer gesellschaft weggeschlichen, um ihrem so lange wochen entbehrten Lorchen zwo stunden zu weihen Rabener 6, 105; wir ziehn dem regengusz entgegen, und weihn dir manchen tag und morgen Platen
verm. ged. 64; gedenkt der toten! dieser tag der schmerzen war ihnen niemals noch so tief geweiht Wildgans
österr. ged. 26.
im übergang zwischen beiden verwendungsweisen steht: wie viel lebensstunden ich noch zähle, dem glücke sind sie, sie sind ihr geweiht Körner 2, 65
Hempel. II@C@3@a@bβ)
unter den gefühlen, die einem menschen geweiht
werden, steht die liebe voran: denke nur, untreuer hirte, wie du mir bey jener myrthe zärtlich hand und herz geweiht Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 203
neudr.; ein ... jüngling, der das schöne feuer seiner ersten liebe einer schauspielerin weiht
F. Schlegel
Athenäum 1 ii 147; ist das liebe, was ich ihnen weihen kann? Gutzkow 2, 376.
bei anderen gefühlen bleibt das religiöse ausgangsgebiet unter umständen erkennbar: nebst jeder ... dem ehgemahl so wohl als gott geweihten treu König
ged. (1745) 144; die züge der heiligen ... denen der cardinal eine besondere verehrung geweiht hatte Justi
Winckelmann 2 i 115,
doch entwickelt sich bei ehrfurcht, dank, zärtlichkeit, verehrung
auch ein rein weltlicher gebrauch: die gröszte frau vergilt der ehrfurcht triebe, die gott und recht ihr ewig weihen heiszt, durch ein geschenk Gottsched
neueste ged. (1750) 104; will ich dank und fleis euch weyhn Stephanie
d. j.
lustsp. vorr. 10; und die zärtlichkeit, die sie (
die modedame) Molly weiht Tiedge 7 (1823) 16; niemand rühme sich der liebe und verehrung, die er ... unserer vollendeten (
königin Luise) weihet Schleiermacher II 4, 32.
als ausdruck und symbol solcher gefühle stehen klagen: die klagen, die mein lied dir weiht Pfeffel
poet. vers. 1, 46, thränen: weihen sie meinem andenken zuweilen eine mütterliche zähre Schubart
briefe 2, 94
Strausz, und kränze: die armee ... überreichte Decius einen ... kranz ... einen gleichen weihten ihm seine gefährten Niebuhr
röm. gesch. 3, 141.
möglich, wenn auch seltener, sind urnen, triumpfbögen, inschriften: Göckingk
ged. 3, 132; Moltke 1, 135; O. Jahn
Mozart 4, 742
anm. 11. II@C@3@a@gγ)
als gefühlsausdruck stehen dichterische gaben gelegentlich neben den thränen: [] keinen gesang, dir (
Ariost) weih' ich die brennende thräne der scham blos, der ich bis jetzt nichts that, asche des zweiten Homer Platen 149 (
epigr.); liebende mädchen und sanfte dichter weihen ihr (
der Luna) thränen und lieder Heine 1, 165
Elster. häufiger allein: dem knaben sei dies lied geweiht, der zwischen rosen spielt Göthe I 1, 54
Weim.; dich segnen wir! rings weihn paläst' und hütten dir lobgesang Voss
ged. 3 (1802) iv; Höltys fromme elegien, die er seines vaters grabe weiht Seume
ged. (1804) 24.
von hier aus wird weihen
zum ausdruck der widmung von dichtwerken an lebende: so stark sonst trieb und eifer brannten, dir auch ein nettes lied zu weyhn Stoppe
Parnass (1735) 30; die vorrede, die Virgil an den Varus gerichtet hat, ahmt hier der poet nach, und weyht sein lied einem deutschen grafen Ramler
einl. in d. schönen wiss. 1, 401; warum ich eben dies büchlein ihnen weihe, liebster Boie? Meissner
skizzen 2
widm.; (
hat nicht Klopstock) epos und bardiet den vätern der völker ... und oden dem menschenfreunde Bernstorf geweiht? K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 11; der weiht sein buch sich selbst, ein anderer der losen zunft der kritiker Blumauer
ged. (1782) 186; nun mögen lieder sich zum liede reihen ... ich sehne mich, sie alle dir zu weihen Platen 62 (
verm. ged.).
neben der widmung an einzelne steht die an eine gesammtheit: so wird gewisz diesz lied vor allen, die man ihm weiht, der welt gefallen Gottsched
ged. 1 (1751) 185; dir möcht' ich meine lieder weihen, geliebtes deutsches vaterland Uhland
ged. 1, 60,
neben der von dichtungen die von ungebundener rede: der berühmteste redner der stadt weihte dem dahingeschiedenen einen nachruf Ebner - Eschenbach 1, 103,
und von musik: dir, o vaterland der helden und der feuerseelen, weih' ich mein flügelpferd und meinen sang Schubart
ästh. d. tonkunst 276. II@C@3@a@dδ)
einem einen trunk weihen
reiht sich hier als gefühlsausdruck an: als ich nachher bey tische meiner kleinen unschuldigen das erste glas ... weihte Thümmel
reise 5, 359; werd ich ... den grazien, in heilger stunde, nie mehr den ersten becher weihn? Matthisson
ged. 235; (
wir) weihen den gefall'nen helden funkelnd den pokal Chamisso 3, 35; wir weiheten dem alten Wallinger ein volles glas Raabe
kinder v. Finkenrode 241.
der sprachgebrauch ist zu jung, als dasz er sich unmittelbar an die opferspenden des germ. alterthums anknüpfen liesze. II@C@3@bb)
als dativ object spielen eine bes. rolle wörter wie tod, verderben, untergang.
das kirchliche vorbild ist auch hier gegeben: die vorzeit, wo in jugendglut gott selbst sich hingegeben und frühem tod in liebesmut geweiht sein süszes leben Novalis 1, 55
Minor; 25 pilger ... sind es, die sich jedes jahr durch ihr gelübde diesem opfertode weihen Ritter
erdk. 3, 985.
den hauptantheil an der ausbildung dieses sprachgebrauchs haben Voss: denn sie (
die freier) weihen ihr haupt dem verderben
Od. (1781) 2, 238; es weihten ihn die unsterblichen längst dem schwarzen todesverhängnisz 3, 241,
und Schiller: auf unserm haupte liegt der fluch des himmels, es ist dem untergang geweiht 12, 320
G.; unwürdig ist's der majestät, das haupt zu sehen, das dem tod geweiht ist 12, 4
G.; [] entspr. 12, 453. 13, 364. 14, 126.
wie hier, so spielt auch weiterhin das passiv eine rolle: ein verurteilter, der dem tode geweiht war Heine 3, 135
Elster; er glaubt, der elch spreche mit ihm ... was muszt du mich vernichten? bin ich ja doch dem untergang geweiht Alexis
hosen 8121; (
kampf) um eine dem untergang geweihte sache Justi
Winckelmann 2 ii 12; Cromwell ward ... dem verderben geweiht Ranke 14, 160.
der activische gebrauch erlaubt auch freiere anwendung: beharren sie also darauf, zwei liebende herzen dem unglück zu weihen? Nestroy 2, 242; wer sprenget auf dem stolzen rosz bis in die vorderen reihen, und will dem eisen, dem geschosz das muntre leben weihen? Schenkendorf
ged. (1815) 27; (
du tadelst den schöpfer, dasz er deinen freund) in des lebens mitte führte, um dann auf dem letzten blatte der verwesung ihn zu weihen Brentano 2, 340. II@DD.
das dativobject wird gel. durch präp.-wendungen ersetzt: verschmäh, gelehrter freund! den spätling unsrer pflicht und die vor deinen ruhm geweyhten lieder nicht Günther 398; so schertze, so lache bey stetem gedeyen, und weihe die brust beständig zur lust Henrici
ged. 1 (1727) 33; doch hofft er, indem er hiemit zu ihren diensten sich weiht, sie werd' ihn gnädigst dafür zu ihrem ritter erklären Wieland
n. Amadis 4, 28; wer traulich ... sein ohr zu gottes stimme neigte und rein sein herz zur gottes flamme weihte Herder 12, 51
Suphan; ich weihe mein leben zum heil des messenischen volks ... ich weihe mein leben für das vaterland Klinger 2, 114. IIIIII.
zusammensetzungen: ab-, auf-, aus-, ein-, ent-,
ge-, hin-, hinweg-, mit-, um-, voll-, weg-, wider-, zu weihen.
zusammensetzungen mit dem part. perf. s. th. 4 i 3, 5454.